Nr. 23V Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag 8. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Giehener Zamilien- blatter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprcchanschluß Nr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v '**' Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Annahme von Anzeiaenj Zu der für den folgenden 2ag erscheinenden Nr»> bis vormittags 10 llhr.^ Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Ps^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Vev- lag der Brühl'scherr Universitäts » Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wut ko; für den An- zeigentell: Hans Beck. Bekanntmachung. Betr.: Rotlaufseuche. In Goßfelden, Kreis Marburg, ist in einem Gehöfte die Rotlaufseuche ausgebrochen und Gehöstsperre angeordnet worden. Gießen, den 4. Oktober 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _______________I. V.: Dr. Wagner. Mitische Tagesschau. Der Kaiser und die Kaiserstadt. Wie es kam, daß der frühere Berliner Oberbürger-^ meister Zelle beim Kaiser in Ungnade siel, darüber erzählt die „Vosfische Zeitung" folgendes: Der Oberbürgermeister war bei dem Kaiser zur Audienz. Leutselig und ungezwungen plauderte der Herrscher mit Zelle über dies und das. Ta wendet er sich an seinen auf dem Sopha sitzenden Gast: „Bitte, sehen Sie mal zum Fenster hinaus, sehen Sie drüben die häßlichen Baracken, die müssen weg. Tie Häuser dort bis zur Neumannsgqsse sind der gegebene Platz für das zweite Berliner Rathaus." Ter Oberbürgermeister sieht die Häuser, er kennt sie längst, er kennt auch ihren Kaus- vreis, und zu den Häusern zwischen der Breiten- und der Brüderstraße kommen die übrigen teuren Grundstücke bis zur Neumannsgasse, und er hat den Mut, dem Kaiser zu erwidern: „Majestät, ich fürchte, die Stadt Berlin ist nicht reich genug, einen solchen Plan durch, zuführen." Tas war ein kritischer Tag, und seitdem hat die Sonne der kaiserlichen Gunst dem Oberbürgermeister Zelle nicht mehr geleuchtet. Wie bekannt, soll statt des Wrangelbrunnens auf dem Kemperplatz am Ende der Siegesalle auf kaiserlichen Wunsch ein Nolandsbrunnen errichtet werden, und die städtische Kunstdeputation hat sich neulich dem kaiserlichen Verlangen ihrerseits angeschlossen. Dieser Ro- landsbrunnen soll, wie der „Vorwärts" erzählt, ferne Geschichte haben: Der Kaiser hatte.— ohne sich vorher mit der Stadt ins Einvernehmen gesetzt zu haben — bei dem Bildhauer Lessing einen Rolandsbrunnen bestellt, der an die Stelle des im städtischen Besitz befindlichen Wrangelbrunnens kommen sollte. Als der Auftraggeber das Modell bekam, fand er den Entwurf für den Platz, auf dem er aus- aeführt werden sollte, zu umfangreich. Infolgedessen gelangte voni Hofmarschallamt ein Schreiben an die Stadt, in bem die Bereitwilligkeit des Kaisers ausgesprochen war, der Stadt dies Modell zu schenken. Herr Lessing sollte dann mit der Ausführung des Brunnens von der Kommune betraut werden, und es wurde angeregt, das Werk vor dem Rathaus aufzustellen. Seitens der Stadt beschäftigte man sich zwei Mal mit der Offerte, beide Male wurde das Anerbieten dankend abgelehnt. Ter Kaiser hat sich dann später mit dem Lessingschen Entwurf anscheinend doch befreundet — wenigstens soll er nun im Auftrage Wilhelms II. auf dem Kemperplatz ausgeführt werden. Tie Märchenbrunnen -Angelegenheit ist auf die Tagesordnung der nächsten Stadtvevordneten-Bersammlung gesetzt, dürfte aber voraussichtlich äbgefetzt werden, da die Angelegenheit in der letzten Magistratsützung nicht erledigt werden konnte. Vom südamerikanischen Kriegslarm. Zu den in letzter Zeit von amerikanischen Blättern gebrachten Meldungen über den Ausbruch von Feindselig-! ketten zwischen Venezuela und Columbien erhält der „Hamb. Korrespondent" vom Hamburger venezolanischen Generalkonsulat folgende Mitteilung: Es sei noch kein Schuß im Lande gefallen; der Friede sei nicht gestört worden,- sondern durchaus gesichert. Seitens der Regierung würden alle Garantien geleistet. Der Präsident Catro vermute, daß alle jene Gerüchte über eine Revolution in Venezuela und einen Krieg mit Columbien von amerikanischer Seite verbreitet würden, um die europäischen Interessen, die den amerikanischen Bestrebungen in Südamerika im Wege stehen, bei Seite schieben zu können. Auch von den auf den Antillen, besonders in Curaeao, befindlichen flüchtigen venezolanischen Revolutionären, welche aus diesen tendenziösen Nachrichten Vorteil zu schöpfen hoffen, würden die Bestrebungen unterstützt. — Aus Caracas liegt ein Telegramm der „Agence Havas" vor, das Aehnliches meldet. Es lautet: Neuerdings von der Grenze aus San Cristobal eingegangene Nachrichten, bestätigen, daß bisher noch fein Kampf zwischen Columbiern und Venezolanern stattgefunden hat. Tie Venezolaner warten vielmehr noch auf pie Antwort, die Columbien aus die venezolanische Note erteilen wird, bevor sie vorgehen. — Eine Depesche aus Willemstad (Curaeao) meldet folgendes: Präsident Castro befahl am vorigen Montag die sofortige Verhaftung aller Anhänger der Nationalistenpartei in Venezuela. Infolge dieses Befehls ist es bereits an mehreren Orten zu Aufständen der Nationalisten gekommen, und es dürften noch mehr solche an anderen Orten Vorkommen. Am 26. September hat der Präsident Castro seinem Bruder und dem General Uribe-Uribe, welche den Oberbefehl über die an der Grenze beim Tachira-Flusse stehenden venezolanischen Truppen führen. Befehl erteilt- die Columbier und Rangel Garoiras anzugreifen; später wurde jedoch befohlen, den allgemeinen Angriff um 4 Tage hinauszuschieben. Derartige Befehle, die ebenso schnell widerrufen werden, sind in letzter Zeit häufig nach der Grenze ergangen. Deutsches Keich. Berlin, 6. Okt. Der Kaiser hat der Gattin des verstorbenen Kammersängers Gätze aus Rominten folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Ich spreche Ihnen bei dem unerwarteten Ableben Ihres Gatten meine aufrichtige Teilnahme aus. Tie deutsche Sangeskunst verliert in dem Tabingeschiedenen einen ihrer ersten Meister. Auch ich verdanke ihm manche Stunde edlen Genusses und hatte gehofft, noch oft und lange seiner Kunst mich erfreuen zu können." — In Potsdam ist nach schwerem Leiden die Witwe des ehemaligen preuß. Kultusministers Heinrich v. Mühler, Frau Ad e l h eid v. Mühler, geb. v. Goßler, a e sto rb en- Frau Minister v. Mühler hat ein Alter von fast 81 Jahren erreicht und ihren Gatten, der einst ein flotter Studio war und als solcher das hübsche Lied „Grad aus dem Wirtshaus da komm ich heraus" gedichtet hat, um 27 einhalb Jahre überlebt. Man wußte allgemein, daß der Einfluß der Gattin, die in kirchlichen und in künstlerischen Dingen dem Geiste der Zeit ausgesprochen feindlich war, sich in den Auffassungen und dem' Verhalten des Staatsmannes sehr stark bemerkbar gemacht hat. D. Red.). — Tas Mitglied des preuß. Herrenhauses Graf S kor- z e w s k i - Radomice ist heute früh zu Sckjwarzenau (Bez. Bromberg) gestorben. — Rechtsanwalt Horn,, der Verteidiger Martens, im Gumbinner Krosigk-Prozeß, hat zugestanden, daß er „leider unvorsichtig gewesen^ ist und eine Photographie einem Verwandlungskünstler gesandt hat. (Val, Nr. 234, 2. Bl.) — lieber die Vorgänge an Boro des kleinen Kreuzers. „Gazelle" und den Stand der Untersuchung, welche durch das Kommando des ersten Geschwaders in Kiel geführt wirb, berichtet die „Nordd. Allg. Ztg." amtlich folgendes: Tie Untersuchung ist eingeleitet wegen Abhandenkommens von Geschützteilen und zwar zwei Maschinen-Kanonen-Schul- ter-Stücke, zwei Schlagbolzen, eine Kurbel und ein Abzugstück für Schnelllade-Kanouen sowie wegen Anbringens eines Tuohzettels. Vermutlich ist die That von jemandem begangen, welcher den Verschluß der Schinelllade-Kanänen genau gekannt hat. In der Untersuchungshaft befindet sich, allein der Obermatrose Weiß. Tiefer war einige Tage vorher an einem der in Betracht kommenden Geschütze als Nr. 1 wegen schlechten Zielens abgelöst und es war ihm die Geschützführer-Zulage genommen. Tie Enthebung des Korvetten-Kcchitän N e i tz k e von der Stellung des Kommandanten des kleinen Kreuzers Medusa bezw. Amazone ist lediglichäu f s ein e eig en e Bitte erfolgt. Er ist thatsächlich erkrankt, und es ist ihm aus diesem Grunde auch ein sechswöchentlicher Urlaub bewilligt. — Tas preuß. Staatsministerium trat gestern zu einer Sitzung zusammen, — Wie das „B. T." von gut unterrichteter Seite erfährt, wird der Bundesrat sich bemühen- das neue Zoll- tar ifgesetz und den Entwurf eines neuen Zolltarifs so zeitig durchzuberaten/ daß die beiden Vorlagen dem Reichstage schon bei seinem Wiederzusammentritt am 26. November würden zugehen können. Unter diesen Umständen wäre es nicht unmöglich, daß die Entwürfe früher an das Haus kämen, als der Etat, falls dessen Einbringung sich um einige Tage verzögern sollte. Man bemüht sich allerdings, wie es heißt, im ReichDschatzamt auf das eifrigste, die Fertigstellung des Etats zü beschleunigen. — Der Polizeipräsident von Hannover verlangt von einem dortigen Krieger-Verein den Ausschluß eines Mitgliedes wegen dessen nach außen kundgegebener wölfischen Gesinnung. — Der langjährige frühere Zentrumsabgeordnete, Landgerichtsrat a. D. Grütering ist in Cleve im Alter von 67 Jahren gestorben. — Auf der Frankfurter Chaussee in Berlin würde ein Leichenzug., welcher auf dem Wege nach dem städtischen Zentralfriedhof in Friedrichsfelde begriffen' war, von dem Friedrichsberger Gendarmen an gehalten, weil mehrere Leidtragende Kränze mit roten Schleifen trugen. Der Aufforderung des Gendarmen, diese Schleifen zu entfernen, entsprachen die Begleiter des Leichenzuges nicht, nahmen vielmehr gegen ihn eine drohendeHalt-' ung ein. Nach lebhaftem Wortwechsel kam es zu Thät- lichkeiten. Der Beamte machte von seinem Seiten- Fenilleton. Zwei Macher. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") Berlin, 6. Okt. Seine Majestät der Zufall, wie Friedrich der Große zu scherzen liebte, hat in dieser Woche zwei alte Bühnen- praitiker mit neuen Theaterstücken zu Worte kommen lassen: Herrn Paul Lindau mit dem vieraktigen Schauspiel „Nacht und Mlorgen" und Herrn Oskar Blumen- t y a l mit dem dreiaktigen Lustspiel „D ieFeeCapric e". Selbe Werke, ums rund herauszusagen, sind der Ver- gangenheit ihrer Verfasser würdig. Beide Werke stehen auf einer Hohe, zu der Parkett und Gallerte gleich mühelos hmansteigen. Beide Werke sind von gewiegten Köchen an- geruhrt worden. Tas eine erregt die Neugierde der Zu- andere wirkt besänftigend aus sie wie ein Schlafpulver, ^as eine sucht durch stoffliche, das andere durch formelle Reizmittel zu fesseln. Das eine wendet sich an kindliche Erwachsene, das andere an erwachsene Kinder, ^as eine geißelt ein wenig gesellschaftliche Einrichtungen, das andere Vertreter gesellschaftlicher Moden. Beide Werke, ums noch einmal zu sagen, sind der Vergangenheit ihrer Versaffer würdig. ö ’ ‘ Paul Lindau, der tiefere, schwerblütigere von beiden, ist wieder zum Kriminalroman in Dialogform zurückgekehrt. Die Franzosen haben in dieser Gattung, wie allgemein bekannt, einige brauchbare Theaterstücke geliefert Paul Lindau hat nicht nur etliche davon übersetzt, sondern sie mit heißer Müh' studiert. Der Gerichtssaal auf der Bühne ist noch immer ein dankbarer Gegenstand. Man weiß nur zu gut, mit welcher Teilnahme Prozeßberichte von der Menge gelesen werden. Und das Leben ist immer noch überraschungsvoller, zufallreicher, eigenwilliger, sprunghafter, rätselschwangerer als die schönste von Lindau dramatisierte Kriminalgeschichte. Wenn ber Leser das einsieht — und er muß bei einigem Nachdenken zu dieser abgrundtiefen Überzeugung gelangen- — wird er Bedenken gegen etwaige Unwahrscheinlichkeiten gar nicht aufkommen lassen. TaS Leben verhält sich zu Lindau, wie das Wetter zu Falb. Tie Nacherzählung seiner Begebenheit bereitet allerdings nicht unerhebliche Schwierigkeiten; der ProzMericht- s®n erstatter wäre zweifellos eher der Mann dazu als der Theaterkritiker. Also: der Legationsrat v. Eckhorst hat eine sehr kluge und weise Frau; darum kann sie aber noch, nicht mit Lorüings Bürgermeister hinzusetzen: „und mich betrügt man nicht". Im Gegenteil, sie wird betrogen, und zwar hat ihr Herr Gemahl so ein kleines Liebesverhältnis mit seiner verheirateten Schwägerin. Doch tugendhaft wie sie sind, wollen sie der Geschichte ein Ende machen. Und sie verlangt die Rückgabe ihres Bildes, das der Legationsrat in seinem Pult im Auswärtigen Amt aufbewahrt. Sie verlangt es sogar, noch ehe er seine Urlaubsreise antritt, und er muß dieserhalb einen späteren Zug benutzen. Er verabschiedet sich also vor seiner klugen und weisen Frau am Abend, verzichtet auch auf die Begleitung seines Kammerdieners — was sonst nie vorgekommen ist! — holt das bewußte Bild noch spät am Abend aus dem Ministerium, verbringt die angebrochene Nacht bei seiner verheirateten Schwägerin — sie ist wenigstens nicht glücklich verheiratet, das mag die moralische Leserin trösten — und führt mit dem Frühzug nach München ab. Dieser Aufschub der Reise wird zuni Ausgangspunkt des Kriminalromans. Ein ivichtiges Aktenstück ist nämlich in demselben Zeitraum verschwunden. Ein Kanzleidiener/ der das eiserne Kreuz besitzt Und sich durch seinen leichtsinnigen Sohu in Geldverlegenheit befand, hat sich von ‘ dem französischen Botschaftssekretär bestechen lassen. Aller Verdacht fällt auf v. Eckhorst. Es ist erwiesen, daß er spät noch im Ministerium war, daß er einen anderen Zug als den angegebenen benutzte, daß er an dem fraglichen Tag den Besuch des abfeindlichen Ti- plomaten empfing. Tie Umstände sind erdrückend. An den Kanzleidiener mit dem eisernen Kreuz denkt die hochwohllöbliche Polizei nicht, darf sie nicht denken, bemt ein Mann mit dem eisernen Kreuz ist einer solchen Gemeinheit nicht fähig. Eckhorst wird telegraphisch zurückberufen und von dem Pylizeidirektor in höflichster Form verhört. Kann er sein Alibi beweisen,- so darf er mit dem nächsten Zug wieder die unterbrochene Urlaubsreife fortsetzen. Allein v. Eckhorst ist Kavalier," und als solcher verweigert er natürlich die Auskunft. Ta, als die Sache du fängt, brenzlich zu werden, thut die Fran Schwägerin den Mund auf. Kaum ist ihr das Wort entlegen, so gesteht der Kanzleidiener auch feine SLuld ein; do/ zuvor hat er, damit der .Staat nicht aus — _____-----------r den Angeln geht, das eiserne Kreuz ins Wasser geworfen'. Ter Herr Polizeidirektor steht wie der begossene Pudel da: den wahren Schuldigen hat er nicht erkannt, und außerdem unnennbares Unglück durch sein Kreuzverhör heraufbeschworen. Denn als der entlarvte Eckhorst seine kluge und weise Gattin um Verzeihung bitten will, zieht sie schweigend von dannen. Es gießt wirklich eine Art der Kritik, die sich mit der bloßen Wiedergabe der Fabel begnügen kann. Je mehr eine, Sache aufs Stoffliche gestellt ist, um so lückenloser sollte, dieses ausfallen. Lindau ist nicht ohne Erfolg in die Gerichtssäle gegangen. Er hat die berühmte Findigkeit der Berliner Polizei sanft angeulkt, hat sich mit Recht über die Schwächen unseres Voruntersuchungsverfahrens und die auf dring lichstns Fragen des Staatsanwalts und der Veir-, leidiger geärgert. Die Verquickung von Ehebruch und Kri- minalaffaire ist nicht seine Erfindung, sondern stammt direkt von iben Franzosen. Ebenso die Art, Personen im Augenblick der höchsten seelischen Erregung Leitartikel oder Feuilletons reden zu lassen. Das alles läßt uns heute kalt ober entlockt uns höchstens ein Lächeln. Tdr Nationalismus hat uns sehend gemacht und diese ganze Gattung ein für allemal so gründlich durchleuchtet und ihr heimgeleuchtet, daß man nur beit Mut bewundern kann, wenn sich überhaupt heute noch ein Autor ihrer annimmt. Lassen wir den Franzosen, was der Franzosen ist, und Lindau sein Tröpfchen gallisches Blut. Die Geschichte ist spannend zu- redit gemacht und wird Fhren Zweck erfüllen. Die dramatische Kunst hat höhere Aufgaben zu losen, und den Schauspielern ist auch mit Halbwegs dankbaren Rollen- die sich ohne alle Charakteristik glatt herunterspielen lassen; nicht mehr, gedient. Auch Oscar Blumenthal ehebrüchelt ein wenig in seiner „Fee Caprice". Ludwig Fuldas .,Zwillingsschwester" scheint dem Rößl-Tichter in Ermangelung seines ständigen ^Mitarbeiters Kabelburg zu Hilfe gekommen zu fein. Ter Ehemann thut hier die Reife. Ta sich am Ehehimmel Wolken zeigen, macht er sich nicht leichten Hebens auf den $eg. Frau Marion ist flatterhaft wie ein Schmetterling: Kann) er sie unbesorgt in der Gesellschaft des Hausfreunds lassen?, Nein, der Hausfreund ist gefährlich, denn er ist ein Welt- schmerzdichter und das Mitleid war voll jeher eine rege Kuppler'?.. Doch giebt is'ein glänzendes Mitteh. einen Haus- Ausland. Kopenhagen, 5. Okt. Der Reichstag ist heute eröffnet worden. Der König verlas die Thronrede, in der es u. a. heißt: Bei der Ernennung unseres neuen (bekanntlich demo- krattschen. D. Red.) Ministeriums haben wir dem Wunsche der Mehrzahl des Volkes entsprochen, indem wir die Leitung der Regierung Männern übertrugen, die auch das Vertrauen des Volkes besitzen. Es ist unsere sichere Hoffnung, daß es gelingen wird, dem großen Ziel näher zu treten, nämlich: Rach Außen Wahrung der Selbständigkeit unseres Landes ynb freundschaftliches Verhältnis zu den fremden Mächten; nach Innen Entwickelung der bürgerlichen und politischen Freiheit und Hebung des geistigen und ökonomischen Lebens des Volkes. Sobald es möglich ist, werden unsere Minister nach und nach Gesetzesvorlagen einbringen, welche die Erfüllung des Versprechens des Verfassungsgesetzes bezüglich einer Verbesserung des Justizwesens, einer besseren, unseren Verhältnissen angepaßten Ordnung des Verteidigungswesens und eine zweckmäßigen Verteilung der Steuerlasten bezwecken, sowie weitere Vorlagen, welche zur Hebung des gewerblichen, des kirchlichen Lebens und zur Entwickelung der kommunalen Vsrhältrrisse dienen. Amsterdam, 6. Okt. Hier fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit eine Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels statt. Im nächsten Jahre soll die Konferenz in einer noch zu bestimmenden Stadt Süddeutschlands stattfinden. Paris, Okt. Der Budgetausschuß der Kammer beschloß, daß in Zukunft keine geistliche Genossenschaft irgend einen Anteil an den im Budget des Aeußern ausgeworfenen Krediten haben sollen. Compiögue, 6. Okt. Der Fußboden des großen Festsaales im hiesigen Schlöffe, in dem das Galadiner anläßlich des Zarenbesuches stattfand- hat sich infolge des ungeheuren Zudranges von Neugierigen gesenkt. Da ein vollständiger Einsturz befürchtet wird, wurde der Saal für das Publikum abgesperrt. Rom, 6. Okt. An Bord des Dampfers „Calabro" wurde der aus Buenos-Ayres ausgewiesene italienische Anarchist Baschieri in Genua verhaftet. Baschieri hatte der argentinischen Polizei phantastische Enthüllungen über ein angebliches Komplot gegen den König von Italien gemacht. Die Aus Stadt und Sand. Nachrichten von angemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, den 7. Oktober. ” Personalnachrichten von der Post. Versetzt sind: die Postverwalter Rau von Lollar nach Laubach, Lorenz Müller von Romrod nach Heldenbergen, Hebbel von Heldenbergen nach Niederwöllstadt, Freisens von Niederwöllstadt nach Lorsch; derOber-Telegraphenassistent Seibert von Frankfurt a. M. nach Bad-Nauheim; der Postassistent Schiermann von Gießen nach Romrod unter Ernennung zum Postverwalter; die Postassistenten Bach von Butzbach nach Bocholt, Traub von Offenbach nach Apia (Samoa), Desch von Friedberg nach Ortenberg, Groß von Jugenheim nach Hungen, Menges von Büdingen nach Groß-Steinheim, Nickel von Bad-Nauheim nach Homberg, Noll von Homberg nach Gaualgesheim. Ein berufen sind zur Post- und Telegraphenschule in Berlin: die Postpraktikanten Goe- decke in Darmstadt, Heini chen in Lauterbach und Ma- rizy in Mainz. Entlassen ist (infolge von Krankheit) der Postassistent Hoffart ist Lauterbach. ** Das Unwetter am gestrigen Sonntag hat schweren Schaden angerichtet. Bäume und Gartenanlagen wurden arg mitgenommen, mancher stattliche alte Baum wurde umg Griffen, and im Wirtschaftsgarten der Pulvernftihle barst durch die Vewalt des Sturmes ein dicker Kastanienbaum. In der ^Frankfurtersttcrße wurden sechs junge Lindenbäumchen ent# geführt. Eine Wiederholung der mit durchschlagendem Er- olge hier aufgeführten Novität „Die Dame von Maxim" indet am Mittwoch, den 9. d. M., statt. B. Stadttheater. Trotz des kurz vor Beginn der gestrigen Sonntagsvorstellung ausbrechenden heftigen Unwetters hatte ich ein überaus zahlreiches Publikum im Theatersaale eingefunden. Besonders die Gallerie war überfüllt und die beifallsfreudige Menge da oben steckte mit ihrem Jubel über die mehr oder weniger gelungenen Spässe, die „Das Mädel ohne Geld" brachte, auch das Parterre zu lebhaftem Bei- all an. Es wurde recht flott gespielt und die verschiedenen Gesangseinlagen wurden frisch und wirkungsvoll zu Gehör gebracht. ** Zirkus Althoff. Die Vorstellung am Samstag war noch erheblich besser besucht als die Eröffnungs-Vorstellung. Das Pferdematerial ist reichhaltig und schön, die Dressur gut und die Künstler leisten auf den Gebieten der Equestrik, Gymnastik und Equilibristik Sehenswertes. Eine der hübschestem Nummern, die merkwürdigerweise weit weniger Beifall findet als die Scherze des Clown und des dummen August, ist die Vorführung der vier Falben durch Herrn Althoff jun., die neben sicherer Dreffur auch noch so viel Temperament zeigen, daß ihre Unterordnung unter den Willen des Dresseurs be- onders interessant ist. Der russische Schimmelhengst „Mon- iseur" bewegte sich, trotz seiner Massigkeit, recht gewandt. Das hübscheste Pferd ist die schwedische Rappstute „Bella", die als Apportierpferd Intelligenz beweist. Einen ausgezeichneten Jokey hat der Zirkus in Herrn Jean Baptiste, der mit erfreulicher Eleganz und erstaunlicher Sicherhett seine Künste zeigt. Frl. Werner führt als Parforce-Reiterin ihre Stellungen und Sprünge mit Anmut aus. Ein wegen seiner- leicht scheinenden Gefälligkeit mit großem Beifall aufgenommenes Luft-Potpourri am Trapez führen die Geschwister D afferty aus; der Herr hängt, den Kopf nach unten, hoch oben in schwindelnder Höhe und hält im Munde eine Schnur, an die sich die in ihrer Lieblichkeit reizende junge Dame mit den Zähnen klammert und sich in der Luft herumwirbeln läßt. Einen graziösen Phantasietanz führen vier Damen in der Manege aus, in der man allerdings für diesen Zweck einen Teppich vermißt. Die schwierigsten Dinge unternimmt auf einem taburetartigen Gestell der Kopf- und Fuß- Equilibrist Hodgini. Mit seinem „singenden" Esel treibt der Clown Fredy derben Ull. — Wir haben hier nrrr Einzelnes aus dem recht reichhaltigen Programm herausgehoben. Jeder, der den Zirkus besucht, und das mögen recht viele sein, wird seine besondere Lieblingsnummer finden. — Gestern nachmittag hat eine vorzüglich besuchte Vorstellung stattgefunden, die Abendvorstellung aber hat ausfallen müssen. Das fürchterliche Unwetter, das gegen Abend in unserer Stadt tobte, hat das ganze Zelt Hingerissen und zerfetzt. Förmliche Teiche bildeten sich, wie in anderen Stadtteilen, auf Oswalds Garten und durch den Schmutz wurden vom Sturme mannigfache Utensilien des Zirkus gezerrt. Erheblicher Schaden ist dem Zirkus namentlich auch durch den Ausfall der Abendvorstellung entstanden, den die Beteiligten auf etwa 2000 Mk. schätzen. Das Zett selbst repräsentiert einen Wert von 3500 Mk.; es ist im wesentlichen vernichtet. Heute ist man fleißig an der Arbeit, um das Zelt neu zu errichten, und morgen sollen die Vorstellungen wieder ausgenommen werden. ** Vater und Sohn. In der vergangenen Nacht entstand zwischen einem am Asterweg wohnenden Dienstmann und seinem Sohne in deren Wohnung ein Streit, der in Thätlichkeiten ausartete. Auf Hilferufen der Ehefrau erschienen mehrere Leute, um Ruhe zu stiften. Der Sohn ergriff ein Messer und stach nach den hinzugekommenen Leuten, wobei er auch einem jungen Manne drei unben am Kopfe beibrachte, die jedoch nicht lebensgefahruch find. Anzeige wegen Ruhestörung und Körperverletzung wurde erhoben. , ** Der Gesangverein Harmonie feierte am 6. Oct. iw i Safe Leib die 55. Wiederkehr feines Bestehens. Die hohe • Fahl der Gäste, sowie die Vertretung der emoeladenen Ver- • eine ke-ien Zrngnte ab von der öttrmcmen NettebHett de» gewehr Gebrauch und dachte zu schießen, worauf die Ar- Letter auseinandergingen. Der Rädelsführer wurde vergastet. Plön, 6. Okt. Reichskanzler Graf v. Bülow folgte Leute einer Einladung der Prinzen August Wilhelm und OSkar von Preußen zur Frühstücks täfel im hiesigen Prrnzen- Hause. Kiel, 6: Okt. Die kaiserliche Werst erhielt Befehl, L-ie Reparaturen an dem Kreuzer „Gazelle" so zu beschteu- Nigen, daß derselbe schon im November nach der süd- amerika wischen Station zum Schutze der im columbisch- penezolanischen Kriege schwer bedrohten deutschen Interessen abgehen kann. Wilhelmshaven, 6. Okt. Das 2. Seebataillon, das am 30. September mit dem Dampfer „Pisa" von Ost- ■f.tfien zurückgekehrt ist, traf hier vom Lockstedter Lager ein. Die Truppen wurden unter lebhaften Kundgebungen der Mvälkerung mit Musik eingeholt. Bad Aibling, 6. Okt. Der frühere bayerische Kriegs- inrnifter v. Maillin ger ist heute früh gestorben. Posen, 6. Okt. Polnische Blätter veröffentlichen erneut Linen Aufruf zur Unterstützung der wegen Geheimbündelei verurteilten Gymnasiasten. 30 Geistliche haben den Aufruf unterzeichnet. Eisenach, 5. Okt. Hier erfolgte die Konstituierung eines Komitees behufs Bildung eines Bundes sämtlicher deutscher Handwerkskammern. München, 6. Okt. Abgeordnetenkammer. Die Besprechung der Interpellation über den Zolltaris- gesatzientwurf,wurde auch heute noch nicht zu Ende geführt. Friedel (kons.) und .Gerstenberger (Zentr.) treten warm für die Landwirtschaft ein, der nur ein ergiebiger Zollschutz helfen könne. FrhQ v. Haller (Soz.) faßt alle. ^Gründe zusammen, welche die Sozialdemokraten gegen den Zvlltarifeutwurf geltend machen. Schirmer (Zentr.) führt aus, dan die katholischen Arbeiter den Notstand der Landwirtschaft anerkennen und deshalb für Zollschutz ein treten, während es der Sozialdemokratie in der ganzen Frage nur stuf Agitation an komme. wurzelt und über den Bürgersteig gelegt. Schornsteine und Dächer wurden beschädigt, Fenster zertrümmert. Am schlimmsten pielle der orkanartige Sturm dem Circus Althoff auf Oswalds Garten mit. Der Circus, dessen Vorstellung alsbald beginnen sollte, war glücklicherweist noch unbesetzt. (Siehe besonderen Artikel.) Im Eisenbahnbettieb verursachte der. Sturm mannigfache Betriebsstörungen. Durch den wolkenbruchartigen Regen wurden infolge von Verstopfung der Senkkasten mehrere Straßen überschwemmt. Auch hat der Sturm den Briefkasten am Ludwigsplatz geöffnet, wodurch die Briefe aus demselben auf die Erde fielen und durch die Wassermassen fortgeschwemmt wurden. Es wurde noch eine Anzahl aufgefunden und dem Postamt ab- geliefctt, ob aber nicht auch viele in den Kanal geschwemmt ind, konnte nicht festgestellt werden. — Das Unwetter hat ber nicht nur in unserer Gegend getobt, sondern in ganz Deutschland, ja selbst in Oberitalien. Nähere Berichte liegen z. Z. nur vereinzelt vor. In Frankfurt wurde auf der Kaiserstraße eine Droschke mit vier Personen umgeschleudett; die Fahrgäste kamen jedoch mit dem Schrecken davon. Recht übel hat das Unwetter dem Cafe im Hotel Bristol am Bahnhofsplatz mitgespielt. Dort wurden zwei große Erkerscheiben durch den Winddruck aus dem Rahmen gehoben und die Anwesenden mit Glassplittern übersät; Marmortische flogen um und das gesamte Porzellan am Buffet ging in Trümmer. Glücklicherweise gelang es dem Führer der eben hier gastierenden Burentruppe, unter dem Splitterregen die Rollläden herabzuziehen und dadurch die schweren, bereits vom Wind ergriffenen Lüstres vor dem Herabstürzen zu bewahren. Auch hier waren keine nennenswerten Verletzungen zu verzeichnen. — Nach Hamburger Lootsenberichten herrschte auf der Nor d- ee ein sehr heftiger Sturm. In der Elbemündung ist ehr mit vier Mann besetztes Boot des Lootsenverfetzdampfers „Kapitän Karpfanger" gekentert. Ein Mann ist ertrunken. — Heftige Regengüsse in Oberitalien haben dort ungeheure Ueberschwemmungen verursacht. Der Schaden an Gebäuden und Brücken ist bedeutend. Auch Menschenleben ind zum Opfer gefallen. Die Eisenbahnverbindungen sind dort zum größten Teil unterbrochen. ** Aus dem Theaterbureau. Morgen wird Blumenthal- Kadelburgs dreiaktiger Schwank „Hans Huckebein" auf- — Blumettthals ;,Fee Caprice" wurde am 5. d. M. $um ersten Mal gleichzeitig auch in Wien und in Frankfurt aufgeführt. Sie fand da rote dort ein harmloses Publikum, das dte arg harmlose Reimerei dankbar hinnahm und mit Beifall nickst kargte. Die Aufführungen des Burgtheaters und des Frankfurter Schauspielhauses war flott und gefälltg. freund unschädlich zu machen: durch einen zweiten. Der eine wird immer den anderen mit Argusaugen bewachen, feine Vorteile ängstlich erspähen, ihn aus dem Sattel zu heben suchen. So wird.denn Frau Marion in der Weise „unters Schwert gestellt", daß sie dem Schutze zweier Haus- ,freunde anvertraut wird. Ter Weltschmerzdichter erhält einen Nebenbuhler in einem hohlköpfigen Baron, der indes zu solchem Dienste wohl geeignet ist. Die beiden Ritter der netten Marion (um nicht zu sagen: der Marionette) geraten denn auch bald aneinander Und greifen schließlich zu den Waffen. Ter Dichter, der mit einem Politischen Flüchtling- tum prahlte, entpuppt sich als Feigling, der sich in einer Rotweinkiste verschicken ließ, und als Vater von sieben Kindern. Der Bäron erhält einen Streifschuß Doch im rechten Augenblick kehrt der Gatte heim- und seine Fee Caprice sinkt ihm gerührt in die Arme. Dadurch, daß das Ganze in Verse gepackt ist, wird manches entschuldigt. Verse sind heutzutage auf der Bühne .immer eine „captatio benevolentiae". Doch selbst die höchste Fülle der Reime vermag nicht die inneren Ungereimtheiten zu übertönen. Der Wortschwall täuscht uns nicht mehr Über die vollständige Hohlheit hinweg. Die feiten sind Gottlob vorbei. Blumenthal wollte die moderne Dichtung verspotten; in Schüttelreimen und Knallbonbonversen. Ein lächerlicherer Anblick ward selten gesehen. Er verspottete in Gedankensplittern, die auf der Höhe der „Fliegenden Blätter" stehen, die Typen oder Karrikatuven der „Fliegenden .Blätter". Nun find sie tot, mausetot, die bösen Symbolisten, wird er in feinem kindlichen Herzen denken, und ahnt nicht, wie unsäglich komisch er diesmal war. Leider Unfreiwillig komisch. Er wird sich doch wieder mit dem L^ßen Kadelburg zusammenthun müssen. xy. römische Polizei nahm gestern den österreichischen Anarchisten Glavinovich fest, der ein Attentat gegen den Vatikan beabsichtigt hatte. Glavinovich soll in Oesterreich wegen Diebstahls und Totschlags vorbestraft fein. — Wie die „Agencia Stefani" meldet, haben zahlreiche Versuche in verschiedenen Gegenden Italiens die schnelle und sichere Wirksamkeit des vom Minister Baccelli gegen die Maul- und Klauenseuche vorgeschlagenen Verfahrens glänzend bestätigt. Wien, 5. Okt. Der Pomologenkongreß beschloß, bei der Regierung vorstellig zu werden, daß gegen den von deutscher Seite beabsichtigten Zollsatz von 6 Mk. auf Tafelobst Stellung genommen werde. Bukarest, 6. Okt. Wie in offiziellen Kreisen verlautet, wird Rumänien, um seinen freundschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich auch in handelspolitischer Beziehung Ausdruck zu verleihen, in Zukunft seinen Bedarf an Kriegsmaterial nicht mehr, wie bisher, in Deutschland, sondern in Oesterreich- Ungarn decken. Sofia, 5. Okt. Es verlautet, die Regierung werde nach dem Abschluß der neuen Anleihe in der Sobranja einen Nachttagskredit von 30 Millionen beantragen, der besonders zur Beschaffung von neuen Gewehren für die Infanterie dienen soll. Der Bezug der Gewehre aus Frankreich soll bei der Anleihe Bedingung sein. Ncw-dork, 6. Okt. Niemand hat Zuttitt zu Czolgosz im Staatsgefängnis von Aubure erhalten oder solchen verlangt. Czolgosz ist nach wie vor völlig apathisch. Alle sonst wegen Mordes im Gefängnis befindlichen Sträflinge geben ihrer Verachtung gegen Czolgosz Ausdruck. Ein Sträfling hat das Bild MacKinley's so in seiner Zellenthür befestigt, daß Czolgosz es sehen muß, wenn er zur Exekution geführt wird. Vom Burenkriege. Heute liegen Nachrichten vor, denen zufolge die Buren einiges Malheur gehabt haben müssen. Bei Jammersbergdrift griffen 300 Buren eine aus Aeomanry und berittener Infanterie bestehende, 200 Manin .starke Abteilung, ait, zogen sich jedoch, nachdem sie mehrere Salven abgegeben hatten, zurück. Die Engländer verfolgten sie und nahmen den Kommandanten Dreyer, den Feldkomet van Vuuren und 10 Burenkämpser, meistens Knaben, gefangen. Dreyer und van Vuuren sagen, daß die noch im Felde stehenden Buren mit Lebensmitteln reichlich versehen sind. — Ferner hatte die englische Südafrikapolizei bei Petrusberg und llitenhagesdam Zusammenstöße mit den Buren; dabei wurden 1’7 Buren, worunter 1 Offizier, gefangen genommen und einer getötet — Endlich ist nach dem „Reuterschen Bureau" der Burenkommandant Pretorias in einem Gefechte in der Nähe von Sterksywom tätlich verwundet worden. Der englische Oberst Vdonvo hatte am 27; September ein erfolgreiches Gefecht in dem Bezirke von Barklyeast mit dem Kommando von Myberg. Der Feind hatte 11 Tote, Verwundete und Gefangene. 4— Wie viele Verluste die Engländer gehabt haben, wird wohlweislich verschwiegen. Darum ist auf alle diese Nachrichten allzu großer Wert nicht zu legen. Zweiundzwanzig Gefangene, die von Buhß Nachhut in der Nähe von Cornelia durch Truppen von Rimington gefangen genommen worden waren, sind in Standerton eingetroffen. Wie der Londoner „Star" meldet, soll König Eduard infolge diplomatischer Intervention seitens gewisser kaiserlicher und königlicher Persönlichkeiten seinen Ministern Vorschläge gemacht haben, die geeignet sind, mit den Buren Unterhandlungen wegen Beendigung des Krieges eiu- zuleiten. — Man ist starr, daß englische Blätter gerade der- artige Enten fabrizieren. Wie aus London telegraphiert wird, hat der Gouverneur der Kapkolonie als Vorsitzender des Fonds zur Unterstützung >er Flücht igen ein neues Bittgesuch für die vollständig mittellosen Flüchtigen veröffentlicht. Die 216 000 Pfd. Sterling, die durch die Bürgermeister in England und Schottland gesammelt worden feien, und die 30000 Pfd., die die Nomdmagnaten hergegeben hätten, seien vollständig aufgebraucht; neue Gaben seien durchaus notwendig. Ter Ausruf betont, daß, wenn nicht weiter-Gaben einliefen, Armut, Elend und Verbrechen in Südafrika furchtbar um sich greifen würden. Das englisch^ Transportschiff „Aurania" ist in Bombay mit 1000 gefangenen Buren eingetroffen, die nach Umballa besttmmt sind. Da auf der Uebersahrt 70 Erkrankungen an Masern vorgekommen sind, wurde die Landung der Gefangenen noch verschoben. Am 5. Oktober ist in Lissabon in Anwesenheit des Königs das portugiesische Transportschiff „Zaire" mit einer aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie zusammengesetzten Expedition, insgesamt 848 Mann, nad), Lourenzo Marquez abgegangen. Die Expedition ist bestimmt, die früheren Expeditionen teils zu ersetzen und teils zu verstärken. Die Kavallerie soll in den Grenzen von Trans- vaal stationiert werden. festgebenden Vereins im hiesigen geselligen Bürgertum. Präsident Reitz begrüßte durch eine Ansprache die Gäste und dankte für das zahlreiche Erscheinen. Das Programm wurde zur größten Zufriedenhest der Festteilnehmer ausgeführt und, unter Leitung des Dirigenten Rennstiehl, zeugte jedes Lied von guter Schulung. Dem Präsidenten Reitz wurde von Seiten des Vereins durch das Mitglied Krell aus Anlaß 25jährigcr Mitgliedschaft eine Gedenktafel unter angemessener Ansprache überreicht. Hieran schloß sich ein Ball, der die Teilnehmer bis zur frühen Stunde in bester Stimmung beisammenhielt. Den Schluß der Feier bildete am Sonntagnachmittag ein Ausflug auf die Liebigs- höhe, der unter großer Beteiligung stattsand. Daß dem alten wackeren Gesangverein ein ferneres blühendes Fortbestehen gewährleistet ist und daß sein weiteres Streben zur Pflege des Kunstgesanges erfolgreich sein wird, steht außer Frage. -t Climbach, 5. Okt. Heute fand hier in ruhiger Weise die B ü r g e r m e i st e r w a h l statt, bei der der seitherige Bürgermeister Peter Stein, der schon 18 Jahre dieses Amt bekleidet, einstimmig wiedergewählt wurde. Es ist dies ein Zeichen, daß die Gemeinde volles Vertrauen zu dem Wiedergewählten hat. Man zweifelt hier nicht, daß der Gewählte wie seither auch fernerhin zum Blühen und Gedeihen unserer Gemeinde weiterarbeiten wird. pa. Albach, 6. Okt. Dieser Tage ist unser seitheriger Bürgermeister Balser einstimmig mit 54 Stimmen wiedergewählt worden, und zwar zum dritten Male, ein Beweis, daß er das volle Vertrauen seiner Wähler besitzt. -k- Flensungen, 4. Oktober. Heute abend brannte ein Zimmer im 2. Stockwerke der C. Schumann'schen Wohnung zu Mücke. Das Feuer soll infolge eines Kaminbrandes zum Ausbruch gekommen sein. Zwei Betten, verschiedene Kleider und Schuhe, darunter auch die des Dienstmädchens, sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Dem raschen Eingreifen der Herren C. Schumann und Bahnmeister Haberkorn ist es zu danken, daß das Feuer nicht weiter um sich griff. X Stockheim, 6. Okt. Auf dem Bahnkörper der Ober- hess. Eisenbahn fand man bei der Station Büches heute morgen eine Leiche mit halb abgefahrenem Schädel. Wie ermittelt wurde, war der Ueberfahrene der dem Trunk ergebene Bauer Schnierle aus Aulendiebach. Von Büdingen ging er betrunken nach seinem Heimatsorte, kam auf den Bahnkörper und fand unter den Rädern seinen Tod. — Auf hiesiger Station wird zur Zeit, wie in Nidda und Hungen, eine Zentralweichenstation, welche etwa 10 Weichen bedient, errichtet. § Aus dem Mooser Grunde, 6. Okt. Die Wittwe Klug, geb. Hofmann, ist samt ihrem Schwiegervater Heinrich Klug aus Metzlos-Gehag verhaftet und in das Bezirksgefängnis stn Herbstein eingeliefert worden. Die Klug soll gestanden ^haben, ein todtgeborenes Kind sechs Tage lang in ihrem Bette verborgen und mit der Leiche geschlafen haben. Dann will sie es in ihren: Grasgarten begraben haben. Der Schwiegervater ist mit verdächtig. □ Büdingen, 6. Okt. Gestern abend drang ein auf hiesiger Glasfabrik beschäftigter Arbeiter in das Haus eines Mäd- chens ein, mit welchem er ein Verhältnis hatte. Das Mäd- ,-chen hatte dem Burschen das Verhältnis gekündigt. Darüber -erbost, richtete der Liebhaber den Revolver auf das Mädchen. Der Schuß zerschmetterte die Kinnlade und mehrere Zähne. Der Attentäter ergriff die Flucht und ist bis jetzt noch nicht eingefangen. Mainz, 5. Okt. Die heutige Jahresversammlung der Anwaltskammer für das Großherzogtum Hessen hat die Frage, ob nicht dem Vorsitzenden der Strafkammer ,gegenüber beleidigenden Ausfällen des Staats- !anw alts gegen den Verteidiger die Pflicht obliege, dem Staatsanwalt Einhalt zu gebieten und ihm eventuell -das Wort zu entziehen, einstimmig bejaht. Ferner .nahm die Anwaltskammer entschieden Stellung gegen die aus Anwaltskreisen hervorgegangene Anregung, eine Aender- ung des § 4 der Rechtsanwaltsordnung in dem Sinne her- !beizuführen, daß jeder zur Rechtsanwaltschaft Befähigte bei den Gerichten jedes Bundesstaates auf seinen Antrag zugelassen werden njufr Mit anderen Worten sprach sich die .Anwältekammer gegen die zügellose Freizügigkeit der Anwälte aus. Weiter sprach sich die Anwältekammer gegen die fortgesetzte ununterbrochene Zulassung der Ge- richtsassesforen als Vertreter der Anwälte aus. Gerichtssaal. Gießen, 5. Okt. Gewerbegericht. Unter dem Vorsitz des Beigeordneten Wolff tommen heute drei Klagesachen zur Verhandlung. Als Beisitzer fungieren Friseur Gustav Gerhardt und Schreiner Heinrich Männche. Der Schreiner Karl Wambold verlangt von dem Möbelhändler Abraham Grünebaum 6 Mk. rückständigen Lohn. Der Beklagte macht geltend, daß ihm der Kläger einen Spiegel im Werte von 18 Mk. zerbrochen habe, und daß er Schadenersatz verlange. Es kam Vergleich zustande. Der , Beklagte zahlt dem Kläger die verlangten 6 Mk. aus und der Beklagte verpflichtet sich, den von ihm zerbrochenen Spiegel wieder Herstellen zu lassen. — Der Unternehmer Wilhelm Süchan I. von Krofdorf und der Erdarbeiter Jakob Steinmüller aus Rodheim waren zum Termin nicht erschienen. In der Sache des Taglöhners Johannes Hansel gegen die Gebrüder Kahl wegen Entschädigung, über welche bereits zweimal berichtet wurde, sind die vom Kläger nachträglich benannten zwei Zeugen noch vernommen woüren. Sie wissen zur Sache nichts anszusagen, und da der früher vernommene Schachtmeister Jos. Graf seine Angabe, daß er Den Kläger nur für 1 bis 2 Tage zur Arbeit angenommen habe, ^zeugeneiolich erhärtet hat, erfolgte kostenfällige Klageabweisung. Mainz, 5. Okt. Der Mord Prozeß gegen den Bierbrauer Albert von Fürth, der seinen Mitarbeiter König ermordet hat, wurde heute beendet. Der Oberarzt der Gießener Universitätsklinik, Dr. Dammacher, kam am Schlüsse seines Gutachtens zu dem Resultat, daß der Angeklagte epileptisch veranlagt sei, aber bei Begehung der That sei seine freie Willensbestimmung nicht ausgeschlossen gewesen. Der Angeklagte sei ein äußerst aufgeregter Mensch, der wohl nicht, als er sich in den Keller begab, den Vorsatz gehabt habe, den König zu töten, sondern demselben einen ordentlichen Denkzettel zu geben. Die That könne er nur als einen Totschlag und nicht als Mord betrachten. Der Obergutachter, Universitätsprofessor Dr. Nießler-Heidelberg stimmte seinem Kollegen nicht bei. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß der Angeklagte kein normaler Mensch sei. Er (Dr. N.) komme zu der bestimmten Diagnose, daß der Angeklagte ein Epiliptiker sei. Die weitere Frage sei die, ob der Angeklagte die That in einem solchen" Zustande verübt habe und ob er in einem Dämmerungszustand gewesen sei? Das letztere könne er Nicht mit Bestimmtheit Lagen, pst hex AngerkagtL Ept.nne.v-, Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Neueste Meldungen. Fürchterlicher Sturm wütet auch heute noch uamentlich in Norddeutschland, sodaß die Telephon- und Telegraphenleitungen znm größten Teile gestört sind. Es liegen uns daher heute nur folgende Drahtmeldungen vor: Mannheim, 7. Oktbr. Infolge des gestrigen starken Sturmes ist hier der große, fünf Stock hohe Silospeicher der Firma Werner u. Nicolai am Znduftriehafeu cingestürzt. Personen find bei dem Unglück nicht zu Schaden gekommen. Koblenz, 7. Okt. Zufolge anhaltenden Regens führen Mosel, Saar und Ahr Hochwaffer. Magdeburg, 7. Okt. Heftiger Sturm und Regen hm in ganz Sachsen in den Wäldern großen Schaden augerichtet. Königsberg i. Pr., 7. Okt. Bei einem Barometerstaul von 171,57 herrscht Südweststurm. Brüssel, 7. Okt. Heftiger Sturm, verbunden mit Gewitter, Regengüffen und Hagel wütete gestern in ganz Belgien. Namentlich in Lüttich ist der durch das Unwetter angerichtete Materialschaden bedeutend; auf dem Marktplatz find eine Anzahl Meßbuden zerstört, viele Bäume find entwurzelt, Lateruenpsähle umgeriffcn. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 7. Okt. Der katholische Geistlich^ Friedrich wurde wegen Zechprellerei uno Land streichens' zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. London, 7. Okt. Der „Standard" meldet aus Shanghai vom 6. d.: Einem Telegramm aus Singanfu zufolge brach der Hof nach Ztengfu auf. — Am vergangenen Mittwoch soll, dem Vernehmen nach, der jüngste Sohu des Staatssekretärs Reitz und Kmett, ein Neffe des Generals gleichen Namens, mit Gewehren und Pferden gefangen genommen sein. London, 7. Okt. Fünf englische Generale versuchen mit 20000 Mann im Norden Natals Botha zu umzingeln. Paris, 7. Okt. Dem „Rappel" zufolge versicherns Wiener Diplomaten, daß die Zarenreise nach Frank-, reich die Revision des Berliner Vertrages bezüglich Bulgariens upd Bosniens zeitigen werde. Paris, 7. Okt. Angesichts des den 1, November erwarteten Grubenarbeiter-Ausstandes wird massenhaft belgische und englische Koh le importiert, und die Massenzufuhr amerikanischer Kohle vorbereitet. Stuttgart- 7. Oft Der badische Finanzminister Buchenberger ist zur Besprechung mit dem Finanzmrnister v. Zeyer hier eingetroffen. Aberdeen, 6. Okt. Trotz des stürmischen Wetters nahm das Königspaar am Gottesdienste in der Kirch< teil. Der König sah sehr wohl aus. Lissabon, 7. Okt. Gestern fanden -int ganzen Lande tie Wahlen zur Deputiertenkammer statt. Eine große Mehrheit für das Kabinett erscheint gesichert. Die Kortes werden am 2. Januar zusammentreten. . Rom, 6. Okt. Der gestern verhaftete Anarchist Glatze nowit sch wird wegen Tragens verbotener Waffen ab-, geurteilt und dann ausgewiesen. Herkulesbad, 6. Okt. Die Mitglieder des internationalen statistischen Kongresses trafep hier gestern abend ein. Zu Ehren der Gäste wurde heute ein Bankett veranstaltet, bei welchem ein Begrüßungstelegramm des Handelsministers Hegedues verlesen wurhe. Belgrad, 6. Okt. Das KünigSpaar ist nach Nisch abgereist. — Der Finanzminister setzte eine Kommission em, um Vorbereitungen für die nächsten Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn zu treffen. Krvvnstad-E. Okt. (Reuter.) Eine Trupp en abiettung unter Major Holmes ncchm tun 1. Mts- das nördlich von Zandriver gelegene Läger te Dommandanten Marals Die Buren verloren zwei Dote, zwei Verwundet^ LU fangens, U Wagen, IQ Larrey M SM Landwirtschaft. — Die deutsche Tabakerute des Jahres 1900 war die ver- hältnißmäßig beste, die seit Bestehen des Reiches vorgekommen ist. Lrotzdem der Flächeninhalt der mit Tabak bepflanzten Grundstücke nur von 14 615 auf 14 779 Hektar, also nur um 1,1 v. H. gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, hat sich die Menge des geernteten Tabaks int dachreifen trockenen Zustano von 300 746 D.-Ztr. au 348 204, also um 47 458 D.-Ztr. oder 15,7 v. H. erhöht. Auf den Hektar kommt ein Durchschnittsertrag von 23,6 D.-Ztr. gegen 20,6 im Jahre 1899 und 18,05 im Jahre 1898. Die bisher besten Jahre waren 1895 mit einem Hektar-Ertrag von 23,0 und 1881 mit einem solchen von 22,5 D.-Ztr. Da mit der Menge auch der Preis des Tabaks gestiegen ist, nämlich von 81,8 auf 89,1 Mk. für den D.-Ztr., so hat der Gesamtwert der Tabakernte von 1900 gegenüber dem der Ernte von 1899 eine sehr wesentliche Erhöhung erfahren. Er betrug 31,03 Millionen Mark gegen 24,60 im Jahre 1899, hat sich also um 6,43 Millionen Mark oder 22 v. H. erhöht. ungen an die That habe. Aber das könne er mit aller Bestimmtheit erklären, daß, nachdem die That im Keller der Brauerei eingeleitet, bei dem Angeklagten die freie Willensäußerung ausgeschlossen gewesen sei, die der Gesetzgeber zur Verurteilung verlange. Nachdem der Staatsanwalt die Anklage auf Mord fallen gelassen, erkannten die Geschworenen auf Totschlag ohne mildernde Umstände. Das Gericht verurteilte Albert zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. fc. Marburg, 6. Okt. Ter Nachtwächter Gronau aus Roda, der des Nachts immer früh nach Hause gegangen war, „um die Leute mit seinem Herumgehen auf der otraye nicht zu stören', wurde wegen Kuppelei zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Berlin, 6. Okt. Tas Landgericht II verurteilte die Arbeiter Bode und Sodemanii zu 4 bezw. 3 Jahre Zuchthaus, weil sie den Arbester Krause im Streit von dem Balkon einer Bierwirfichaft vorsätzlich herunterwarfen, so daß er tot liegen blieb. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 7. Okwber. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche süotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 415 Ochsen, darunter 131 aus Oesterreich, 50 Bullen, darunter 7 aus Oesterreich, 751 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 255 Kälber, 556 Schafe und Hämmel, 1069 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—71 Mk'. 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 60—63 Mk.; Bullen I.Qual. 54 bis 56 Mk., 2. Qual. 50—53 Mk.; Kühe 1. Qual. 62—64 Mk., 2. Qual. 58—60 Mk., 3. Qual. 42—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Qual. 30—32 Mk. Kälber:!. Qualität78—80Pfg.,Lebendgewicht,46—48Pf., 2. Qual. 69—72 Psg., Leberrdgewicht 41—43 Psg., 3. Qual. Lebendgewicht 56—60 Psg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 58—60 Pfg., 2. Qual. 48—50 Pfg., 3. Qual. 44—46 Psg.; Schweine 1. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 54 Pfg., 2. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 58 bis 60 Pfg., Lebendgewchit 00—00 Pfg. Geschäft bei Horiivieh und Kleinvieh gut. Markt gut, alles verkauft. fc. Frankfurt a. M., 7. Oktbr. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreife. Weizen Mk. 16.25—00.00, Kurhessischer Mk. 16.50—00.00, La Plata Mk. 16.75—17.00, Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 13.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.00—00.00, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 14.00—0Ö.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—00.00, 2. Qualität Mk. 22.50 bis Mk. 23.50, 3. Qualität Mk. 20.50—00.00; Roggenmehl 0 Mk. 21.75—22,50,1. Qualität Mk. 20.50—21.00, Weizenkleie M. 9.00 bis Mk. 00.00, Roggenkleie NU. 9.75—10.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 16.50—17.25. Alles per 100 Kg. ab hier. Fabrik feuerfester und säurefester Produkte A.--G. in Vallendar. Nachdem die Generalversammlung wieder vollständig ergebnislos verlaufen ist, wird es immer deutlicher, daß der ehemalige Generaldirektor Boeing seinen Aktienbesitz dazu benutzt, um die Angelegenheit zu verschleppen und jede Reorganisation zu verhindern. Bei dieser Sachlage wird feine andere Möglichkeit übrig bleiben, als den Konkurs der Gesellschaft herbeizuführen. Durch die Verschleppungspolitik des ftüheren Generaldirektors, der über mehr als ein Viertel des stimmberechtigten Kapitals verfügt, hat sich die Substanz des Unternehmens in den letzten fünf bis sechs Monaten bereits um mindestens 300 000 bis 400 000 Mk. verschlechtert und eine wettere derartige Verschleuderung des Vermögens der Gesellschaft muß auf alle Fälle verhindert toerben. Die Berliner Handels- Gesellschaft hat alle Bemühungen, ein Arrangement und eine Sanierung pes. UnternehmeuI zu rwA föäftett Arbeiterbewegung. Nordhauscn, 5. Okt. In dem seit 22 Wochen dauernden großen Generalstreik der Arbeiter der T a b a k i n d u st r i e beschloß der Verein Nordhäuser Tabakfabrikanten, sämtliche neuen Verhandlungen abzulehnen. Ter Streik dauert somit unverändert fort. Paris, 6. Okt. Angesichts des für den 1. November erwarteten allgemeinen G ru b e n a r b e i t e r- A us st a n d e s werden große Mengen belgischer und englischer Kohle importiert. Auch in Amerika werden 'umfassende Vorkehrungen behufs Exportierung großer Mengen Kohlen nach Frankreich getroffen. Es werden zu diesem Zwecke große Frachtdampfer gebaut, wodurch man die Transportkosten zu verringen hofft. Marseille, 5. Okt. Das Schwurgercht verurteilte mehrere Hafenarbeiter, die bei dem letzten Ausstand ihnen anvertraute Streikgelder unterschlagen hatten, zu je 3 Wochen Ge- ängnis. Lüttich, 5. Okt. Von den 22 883 Bergleuten, die in den 48 Kohlengruben des Lütticher Beckens beschäftigt sind, waren heut« 15 064 ausständig. Vielfach kamen Beeinträchtigungen der Arbeits« freiheit vor. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Alt en-Buseck, 5. Oktober. Es ist gewiß schon Vielen ausgefallen, daß es in den Gemarkungen Alten- und Großen-Buseck jeden Tag ohne Ausnahme lustig knallt. Eine Anzahl Wimroöe durchquert unaufhörlich das Feld, und knallt alles Wild nieder, das sich daraus befindet. Kommt heute etivas glücklich durch, dann wird den nächsten Tag umsomehr aufgeboten, es zu erlangen. Hat doch der Pächter selbst erklärt, die Gemarkung würde so rein geputzt wie der Tisch. Auf eine Fasanensamilie von 8 Stück wurde so lange gejagt, bis der letzte dieser herrlichen Vögel gefallen war. Selbst Singvögel werden von diesen Herren n i cfj t geschont. Einsender dieses war Augcn- zeug, wie einer der Jäger, dessen Namen er leider nicht anzugeben vermag, eine Amsel schoß. Tas ist gewiß kein erfreuliches Bild I Und nirgends trifft man mehr hier emen Hasen, cm Huhn oder sonst ein Stück Wild. Mögen diese Keilen dazu beitragen, etwas Schonung dem Wilde angedeihen zu lassen. _______ Ein Abonnent. Vermischtes. * Moskau, 5. Okt. Gestern entgleiste bei Tscheljabinsk ein Güterzug unb stürzte den Bahndamm hinab, wobei 14 Wagen zertrümmert wurden. Eine Person wurde getötet, drei Eisenbahnangestellte wurden verletzt. * Ein grausames Duell macht in Madrid viel von sich reden. Der Oberst Caton und der Major Velazquez hatten einander beleidigt und ein Duell auf 14 fachen Kugelwechsel verabredet. Die Zeugen hatten sich mit diesen schweren Bedingungen einverstanden erklärt, und so kam beim bas Duell iim den stillen Gärten be los Campos Elyseos zustanbe. Keine einzige der Kugeln schlug fehl, bald bluteten die Kämpfenden aus Wunden im Unterleibe, an ben Armen und Schultern; einige derselben waren so schwer, daß die Kämpfenden in Ohnmacht fielen und erst durch Uebergüsse mit kaltem Wasser und einige Schluck Branntwein belebt sich wieder erheben konnten. Dennoch wurde das Duell nicht unterbrochen und kam erst zu Ende, als der Major durch eine Kugel, die ihm ins Ohr drang, tötlich getroffen zusammenbrach — Seit dem Duell zwischen dem Herzog von Montpensier und dem Jnfanten Heinrich von Bourbon, welches Letzterem das Leben kostete, hat kein Zweikampf mehr untep ähnlichen Bedingungen auf spanischem Boden ftattgefunben. Die Zeitungen erklären, daß ein solches Duell einer tierischen Unthat gleichkomme und rücksichtslos als Mord bestraft werden sollte. unterstützt, und auch die früheren Aufftchtsratsmitgliedev haben den Aktionären durchaus fioulante Präpositionen gemacht. Alle diese Bemühungen scheitern aber an dem hart* nädigen Widerstande des ehemaligen Generaldirektors, ben unzweifelhaft die Hauptschuld an dem Verfall des Unter- nehmens trifft. Er wird nun schließlich auch den Konkurs, der Gesellschaft zu verantworten haben. WcnkMMung^ " Die Main-Rccknr-Bahn wird voraussichtlich demnächst in die preußisch - hessische Eis 4 nbahn - Gemeins ch a,t übernommen werden. Eine Konferenz von badischen, hessischen und preußischen delegierten in Baden-Baden hat den Beschluß gefaßt, daß der Eintritt zum 1. April n. I. erfolgt, vorbehaltlich der Zu- timmung der Landtage. Taß sich die Landtage der drei Lander )afür enischließen werden, ist kaum zu beziveiseln. Oktober Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative ^eucbtiakeit h ö> 5 31 - D ß Windstärke Wetter 5. 2“ 740,9 + 13,3 10,6 94 w. 3 Regen 5. 9“ 741,7 + 12,2 9,1 87 SW. 4 Beo. Himmel 6. 736 736,8 + 8,8 7,9 93 V. 2 Regen 6. 2« 729,1 + 11,0 8,9 91 BW. 6 Beo. Himmel 6. 935 720,3 + 8,8 6,4 76 w. 7 7. i?S5 !S S 730,8 ckste 2 vorigste chste edrigste + 6,6 tempere i/ ii 5,8 ltur 80 am * 6 w. . Okt. • u w II 4 + 17, + 11, + 13, + 9, 1° C. 3° C. 1° C. 4» C. - -..... Heute mittag 2 Uhr verschied nach schwerem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter und Schwägerin Frau Elfce Kürz WWB., 88b. Schwaner was wir Verwandten, Bekannten und Freunden tief betrübt mitteilen. Die trauernden Hinterbliebenen, w Giessen und Grüningen, den 6. Oktober 1901. Die Beerdigung findet Dienstag den 8. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Neustadt 28, aus statt. 6665 03963) Neumöbl. Zimmer zu Eichweg 6. vermieten. Kleine Wohnung zu vermieten. p» 6668] Kaplaneigasse 7. Gießen, den 7. Oktober 1901 04001 6672 von vermieten. 6585 Nürnberg 292. 6215 1,20 Mk. Hansult. 6624 1,30 Mk. 1,35 Mk. /wmjsMaER-- Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Ceutnern: Den ßlassl auf den Kopf Südanlage 23. 4318] nach Frankfurt a. M. 6660 MW I X*? vJi; Stückcokes . . i Nußcokes Nr. 1 . Nutzestes Nr. 2 i c>reundl. 4 - Zimmerwohnung <0 neu hergerichtet, per sofort ob. später zu vermieten. I. Slrämer, Konditorei, Neuenbäue. 5587 Stückcokes . . . Nutzeokes Nr. 1 . 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