I Zweites Blatt. Donnerstag 8. August 1901 000 Wilhelm. An das Staatsministerium, Berlin. Weil Eine deutsche Kolonialarmee? um sich in den ffei* m 151. Jahrgang. sen 5g 91. frei»), vllem, trras der Familie des Kaisers zustößt.' Ein wenig Entgegenkommen hierfür in gedachtem Sinne würde nur dankbarst begrüßt werden. Seinen Besuch bei der sterbenden Mutter machte der Parser in Leibhusarenuniform; bekanntlich war dies das Regiment der Verstorbenen, die es ihrem Schwiegervater wiederholt in voller Uniform und den Säbel in der Hand, vorgeführt hatte. Ob die Sterbende in den wenigen lichten Augenblicken des Todestages diese Aufmerksamkeit des Sohnes würdigen konnte? 6k kn für den besonderen militärischen Zweck geschult und denr r-,, —, — «m jiuji ui m.«, tropischen Klima gewachsen, jederzeit und an jedem be- Kurz nach 6 Uhr I ausliegenden Bogen einzuzeichnen. In der australischen! liebigen Punkt des Erdballs, wo deutsche Interessen be- «**«»*«“ *1-r- "• c sind, verwendet werden könnten. Dem wurde — brüten erung. ieten e Gut- ringen. 41 an. Dianos, n>«l* * .tu eine Seele, gejchaffen, um die ihr von Gott nicht vorent-I Vertreter würden also, obgleich es sich um eine Vermehrung haltenen Leiden zu ertragen. I bes stehenden Heeres nicht handelt, in die Lage kommen. In London tragen alle Regierungsgebäude sowie diel zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen und dabei auch mer 01087 ’ Spesen n Preisen ma er sen. rluiwahl Olig. 3813 af in Glessen 7.5« * bis r»r MM-gsr-i, trotz großer Schmerlen baller Ä V=W - “"""""" “ "" ........* ' ...... ' netnun Vnjkloen f*r taa • ittunrr Knwij't —•■rar» BeUenptue lokal 11 fc' «ueaärte »o M,. Adrrffe für Depesch,«, Anzeiger Sietze«. Ferasprechanschluß Är.WL Rmbtt unter 5415 Vorftaytz. 1 Wüten sohlt Sie w u ichmll )U gut Hit billig. kHch 20 und 4204 chch 5. ne* Herker. 1 11 «t. 1.20, mowatl 76 9k wmCringtrteN«; ^srchSk Ä*4)»kNjjujpxtxq • - < » - < <. < < < s. t y r r f e .- "'77"vy. y1- vv4tuv । oiuyyvi1 vuivuiuiu xs" ^len erscyrenen ^ai)ireici)e Per^ sjnnnung blieb. 4,111111 schliimmerte sie allmählich ein und! sönlichkeiten auf der deutschen Botschaft ' ' Zum DewuAsein. Kurz' nach C ' Oer auin:aii)u;cn. neoiyt:» s.en ^1C Merzte ein Zeichen, daß nunmehr die! Stadt Melbourne haben die öffentlichen Gebäude halbmast droht s getommen sei. Der Kaiser ergriff die Hand gehißt. Das Parlament von Viktoria nahm eine Beileids- und zwar im „M i l i t ä r w 0 ch e n b l a t t" — entqeqen- rfiin irhlj“ Xte M. ba5_ Leben völlig adresse für den König Eduard und eine solche für die gehalten, daß Deutschland in seinen Kolonien bereits Schuß- Mio chen war. Die übrigen Angehörigen umringten knieend! deutsche Kaiserfamilie an und vertagte sich alsdann zum! truppen habe, die nötigenfalls verstärkt werden könnten. rble Tochter der Leidenden mit l Botschafter in^Berlin, der deutschen Regierung ‘'ihr^BeileVd „da^ Sterbelager und pflegten die Kranke, zum Ausdruck zu bringen. Der Minister des Aenßeren, r Stam UÄ ÄÄSl und Prin-t«, b-g-b sich aus die deutsche Botschaft, um dem Der kgl. preußische Hof legte eine dreimonatige Hoftrauer bis einschließlich den 5. November an, der kgl. sächsische und der Koburger Hof eine solche von 6 Wochen, der württembergische eine solche von 4 Wochen rc. Die Behörden vieler deutscher Städte, wie Berlin, Hamburg, Bremen, Wiesbaden, Homburg, Mainz — Gießen befindet sich nicht unter ihnen — kondolierten bem Kaiser in Telegrammen. Beileidstelegramme sind in Homburg ferner u. a. ein- in stummem Gebet das Sterbelager. Alsdann begaben sie sich in das Nebenzimmer, und die Aerzte, unterstützt von der langjährigen treuen Pflegerin, bahrten die Leiche auf dem Sterbebett auf, in getreuer Erfüllung des oft ausge- sprock^enen Wunsches der Verblichenen, daß keine fremde Hand nach ihrem Tode sie berühren, kein fremdes Auge sie erblicken solle. Als das Werk der Aufbahrung beendet war, traten die Angehörigen wieder ein und die Prinzessinnen bestreuten das Lager der toten Mutter mit Rosen, sodaß der entseelte Körper unter Rosen vollständig verschwindet. Tie Einbalsamierung der Leiche führten Prof. Renvers und Dr. Spielhagen aus. Eine gestern mittag vorgenommene Besichtigung t>er| phoeven'er Paschg sowie der Oberzerenionienmeister Ibrahim Bei besuchten heute den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg und sprachen ihm die Teilnahme des Sultans anläßlich des Hinscheidens der Kaiserin Friedrich aus. 7 Creme I t». taw : ioWid). itur enn Kolonial: 1. Bot Eigentümlich berührt die befohlene Absperrung des Schlosses Cronberg; Jnfanterieposten mit geladenem Gewehr wehren jedem Nahenden, Husarenpatrouillen durchstreifen das Gelände! Sind wir in dem Rußland Alexanders III. und der Nihilistenverschwörungen? Damals glichen die kaiserlichen Lustschlösser dort Zuchthäusern; man sah nur Bajonette und Lanzen, wenn man in Zarskoje Selo jum Fenster heraussah. Wer ist in Deutschland, der unseres Kaisers Friedrich Witwe, der Mutter des regierenden Kaisers auch im Tode nur ein Haar verletzen wollte! Mögen die. _____________ | uev Ul »,VUivuiu rrinei u a ein» ßWPAP eingedenk sein, den wir gelaufen vom Papst, vom König, dem Kronprinzen und der Roß, Nicht Kronprinzessin von Dänemark, vom Großherzvg und der SL ^€rb'lWonatrerf1^°hPr Großherzogin von Baden, vom König und der Königin von in J Ö€m Schutze seines Portugal, vom König und der Königin von Württemberg, ^*Hn^ gHbWhm^in^C ^ebt von der Königin von Italien, von der Königin-Regentin ar ^lL^.-n.n Deutschland, und die paar Menschen, von Spanien, von der Königin und der Königin-Mutter Mb ^d«rlande, Born Grofthe?zog von Meckleiiburg.Strciitz, Brsich.?LS" ZhNss Ä9S ^uLX§X31?roDnprin5enn L ,e“" e6,r I,CraUd' 4U Er-ng-n. Me,‘werük9^nrÄäiäS«“n Bon der m’Ä, ift kurz vor ihrem Ab von G^chek^L K^ntg ^r MlAer^d v°EMrsten «51«»Z&r “u nTe‘f äh? 3a s ir“1"!' Fonds für die Erbauung einer Herzog - Al - von Bulgarieii vom Lord-Mayor von Birmingham, vom mie wir auf Grund zuverM ffge! Jnfokmatronen damals sred-Gedacht niskirche m Schwarzwald - Stutzhaus schweizerischen Bundesrat, auch im Namen des Schweizer- mitteilten — von der Nvtivendiakeit^ der Bilduna einer ko- Ler Betrag von 5M Mark überwiesen worden. Volkes, und vom Prinzen Alexander und der ^^1,1 ^onia^en ©tammtrlWü/übTiie^ Unaewißbeit be- ^^4!Etzungf^ierlichkeiten sind fol- Eugenie von Oldenburg. Präsident L o u b e t, der auch ein stand seinerzeit lediglich in Bi'zug auf den Weg auf denr genhe ^fhmmungen getroffen: Am Donnerstag findet im Telegramm an den Deutschen Kaiser sandte, ließ ferner sich dieses Ziel am zweckmäkigsten^erreichen liene^^Man^aiic b^our die Ange- durch einen Ordonanzoffizier auf der deutschen Botschaft auch, wie es hieß, an die Schaffung lieuer Seebataillone wcigen, c^r posstaat und die Schloßdienerschaft teilnehmen, seine Teilnahme aussprechen. In die in der deutschen gedacht ist aber davon offenbar rurückaekommen Wenn iT&Äer uach Botschaft Paris aufliegende Liste trugen sich zahlr'Lhe »<.r ^ronverger Staotkirche ubergeführt. Am Sonntag soll! hervorragende Persönlichkeiten em. „Les Debats" sagen asiatische Befadunasbriaade" deutsche Truvven im Aus- Men Nachrufes an die Kaiserin Fried, lanbc dauernd verbleiben sollen, dann miissen sie natur. KfSettb ttkb die Minnerung zuruck an einen ausgezeich. gemäß aus Reichsmitteln unterhalten werden, und diese S enäk» fa befördert, neten vornehmen Getst, an ein starkes, treues Öerz und an Mittel zu bewilligen, liegt dem Reichstag ob. Tie Volks, nu? um — h ii 9 i u g oen io. l>o., vormittags, die Beisetz-' nm Kta iftv hnw /UaM L._____, I . , ° .. , , . < fr ..... cn_______c________ j-ng Un Mausoleum der Friedenskirche stattfmdet. Sämt- d!r^erstorbene!/e,7tf»>re^!i^ Wunsch i u^»l'-*-uuByBcuuuiH: sowie viel zu oer Angelegenheit L-teuung zu neymen uno oaoei aucy Wftieba? untev SSL^ggen. Ebenso wehen auf ihr Urteil über die staatsrechtliche Seite der Sache abzugeben. ! ^l Mrstli^r ^suck ^st ^er S Nachstehenden, bem Schlosse m Balmoral und den übrigen königlichen Die Frage, ob es zweckmäßig ist, daß Deutschland ständig Ueber die tVkte n9ru hp« ür^^uerwarten. Schlossern im Lande Trauerfahnen. In Wmdsor ertönte von eine Kolonialtruppe unterhält, wurde in der Presse schon : leben en u4>6 ^5 der Dahinge - der Kapelle St. Georges Trauergeläute. Alle Fenskervorhänge früher erörtert. Sehr lebhaft trat der ehemalige (^ouaer» ^soielten werden folae»^ s^ch am Sterbelager im Schlosse von Windsor smd heruntergelassen. In den neue in Deutsch-Ostafrika v. Wißmann für die Schaffung! Ä * Seit HÄb Auslagen vieler Läden sieht man dort Trauerschmuck. - einer kolonialen „Stammtruppe" - nicht einer Lz.9 äJILzi*. Kaiserin mit Die italienische Regierung beauftragte den italienischen ganzen Armee — ein. Erwies auf das Vorgehen anderer Km Kronprinzen, sowie die ^ockcker her ------ ■<- «Kolonialpolitik treibenden Großmächte hin und meinte, daß die Ausbildung einer derartigen Stamm truppe nicht einseitig tir Pi h" p'l h . q, _ - - , -v, .. _! >' '—• ““»»sw uhvi ^mum, ueyuv j wj u«| i»n vvui|uje ooissiisasr, um oem > militärisch, sondern auch mit Rücksicht auf die Arbeiten fcp"rt bie htr Sp„Sp» teUH9 "bben dem Bett und Botschafter persönlich sein Beileid auszusprechen. Auf allen des Friedens zu erfolgen hätte. Die Soldaten würden dann GietzenerAnzeiger General-Anzeiger ° Amts- und Anzeigeblatt für den Breis Gießen Kammer von Süd-Australien ver-- 1 q%rhXp»ffr?Cnf olrNew-York haben die Piers des- hniTn^fr ?ec ,'HMiiburg-Amerlka-Linie" halbmast geflaggt. Alle Blätter besprechen den Tod in d,£U 5ortclm unb geben ein Lebensbild der hohen Berswrbenen. >iie „New-York Tribüne" sagt zum Schlüsse T" Nachrufe, eine Frau sei gestorben, iüe eine^Ehre Jur ihr Geschlecht und chre Rasse geioesen sei. Ueber die beiden bedeutendsten europäischen Länder sei tiefste Trauer gekommeii; den Deutschen und Engländern würde fein größeres Mitgefühl entgegengebracht, als das, das von der ihnen verwandten Rasse von dieser Seite des Ozeans käme. < , ----<»-- ---------~.. ö vNuAlllut, .vuui ,.r, - . wrr_ o ---------- , Der Stapellauf des Linienschiffes „G" ist bis nack bpr populären Herrscherin, der Würdigung ihrer mensch- evangelischen Kirck)e in Eronberg durch das Hofmarschall- Beisetzung der Kaiserin veiychoben worden. Bei den dies- kichen Eigenschaften, den Mitteilungen aus ihrem Leben amrt un° e'”e Besprechung mit Pfarrer Aßmann lassen I jährigen Kaisermanövern in Osd- und Westpreußen werden oer größte Teil des Inhalts der Blätter gewidmet. Jedes fc.-Korrespondenten zufolge — darauf schließen, daß kerne Paradetafeln und keine Tafeln für die Provinzen «ndere Thema des Tages tritt zurück. Welcher Art die ^ine Auchahrung der Leiche in der evangelischen Stadt-l stattsinden. Ebenso fallen die Feste in der Marienbura ^xrnkheit war, die den Tod der Kaiserin Friedrich herbei-! |am 5. und 6. September aus- führte, haben auch die letzten Berichte der Aerzte nicht IS Kaiser hat gestern in Cronberg einen Vortrag Ter Kronprinz teilte dem Komitee des internatio- «rfennen lassen Aber es ist wohl leider kein Zweifel Kriegsministerv v. Goßler und des kommandierenden Walen Zoologenkongresses mit, daß er behindert ü!5?tte£' es dasselbe heimtückische Leiden war, das OeneraE des Armeekorps entgegengenommen. Er ließ! sei, den Kongreß persönlich zu eröffnen und dem Feste im Kaffer Friedrich III., den Gemahl, dahinraffte, die „schreck- Schloß Friedrichshof feinen Angehörigen melden, daß Berliner Rathause beizuwohnen liche Krankheit" so schreibt die „Boss. Ztg.", „deren Namen Staatsgeschäfte in Homburg bis zum Abend festhielten. Trau er Postkarten mit dem Porträt der Berblickienen. man auszuspreck)en sich scheut." Furchtbare Schmerzen muß P; nachmittag nach 1 Uhr kam der Groß her zog und ihrem Geburts- und Todestage bringt die Firma Friedrich zu erdulden gehabt haben. ,,*5)^ ü 0 e! tf.n Friedrichshof an. L Klement in Franffurt a. M. in bett Handel. «utlitz ist eingefallen und zeigt die Spuren tiefsten Lei- Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein hat einer * * •etiö", so lautet eine kurze und ergreifende ScAlderung. P^lodung des Frankfurter Bankiers Grunelius entsprochen k.* « i » Die tote Kaiserin wird durck) den Park von Sanssouci unö. tn ieTncr Cronberger Billa Wohnung genommen; die Telegramme deS Gießener Anzeigers, frur letzten Ruhe geleitet werden; das Mausoleum bei der übrigeen Herrschaften sind im Friedrichshofer Schlosse ver- Posen, 7. Aug. An der Beisetzung der Kaiserin Fried- Friedenskirche in Potsdam vereint die Entschlafene mit blieben. Dort herrscht tieffte Stille; die Angehörigen "ch wird das ganze 2. Leibhusaren-Regiment, dessen Ehest »em Kaiser Friedrich halten sich nach den großen Abspannungen der letzten die Kaiserin war, teilnehmen. • * * Tage in ihren Gemächern. | London, 7. Aug. Aus allen Teilen des Reiches Das ärztliche Bulletin: „Das seit Jahren lanasam fort- Das Leben in der Stadt Cronberg trägt das Gepräge laufen Beileidskundgebungen aiiläßlich des Todes der Kai- Kchreilende äußere Leiden hat sich im Verlaufe der legten piefsler Trauer; die meisten Häuser haben halbmast geflaggt serm Friedrich ein. Wochen auf die inneren Organe ausgedehnt" wird ver- tragen aiideren Trauerschmuck. In den Schulen sandenI Lrsf abo n, 7. Aug. Der königliche Hof legt Trauer schieden beurteilt. Bisher wurde die Krankheit der Kaiserin Gedäckstnisfeiern statt, die aufliegende Trauerliste füllte sich für die Kaiserin Friedrick). auf 20 Tage an. mit dem Schleier des Geheimnisses dicht verhüllt Warum. Rom, 6. Aug. Anläßlich des Todes der Kaiserin das? Hat unser Volk nicht ein Anrecht darauf au wissen Eine Sonderausgabe deSStaatsanzeigers veröffentlicht Friedrich befahl der König eine Hoftrauer von 20 Tagen, wie es um das Wohl und Wehe seines Kaiserhauses fte6t?Mot9en^n Erlaß des Kaisers: Das königliche Palais und die Ministerien hißten Trauer- Man erwartet von ihm doch aufrichtige Teilnahme an Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich p^.gew Die Minister die fremden diplomatischn Vertreter, '—3 " cv- *- - A - ------ — Meine innigst geliebte Mutter, ist nach Gottes unerforsch- 'O^^ Vertreter der Behörden und der deutschen Kolonie lichem Ratschluß heute verschieden. Ich bestimme, daß I Zeichneten sich auf der deutschen Botschaft ein, ebenso auf um die Verklärte eine mit dem morgigen Tage beginnende!^ preußischen Gesandtschaft beim Vatikan. In der deut- Landestrauer von sechs Wochen eintrittOeffentliche Kirche Santa-Marta und in der Kapelle des Palastes Musik, Lustbarkeiten und Schauspiel-Vorstellungen sindlÄ?"^?. fallen Trauergottesdienste abgehalten werden, bis zum Ablauf des Tages der Beisetzungsfeier einzu- *ie • preffgen sowie die Provinzblätter bringen Nack>rufe, stellen. Das Staatsministerium hat hiernach das Weitere P™nn sie die hohen Tugenden der Verstorbenen rühmen, zu veranlassen. | Konftantinopel, 7. Aug. Die Generaladjutanten Schloß Friedrichshof, den 5. August 1901. ues Sultans, Marschall Schakir Pascha und Marschall Kam- **** fttHHei* •H k* Im **er w* ^Ototter und daß, es im übrigen Aufgabe der Marine fei, für die deutschen Interessen im Auslande einzutreten. So gehen in dieser Angelegenheit die Meinungen selbst in militärischen Kreisen auseinander. Ter Hinweis v. Wiy- manns auf die Kolonialarmeen Englands und Frankreichs ermangelt wohl einigermaßen der inneren Bedeutung, denn diese Mächte haben mit anderen Verhältnissen zu rechnen als Deutschland, z. B. mit der Möglichkeit gegenseitiger Konflikte in Afrika und Asien, die Deutschland völlig fern liegen. Die Verwickelung in China war ein ausnahmsweises Ereignis, das alle Mächte gleichmäßig berührte. Wo sonst, auf dem Erdball deutsche Truppen einzugreifen Hütten, ist nicht zu ersehen. Es fragt sich sogar, ob die ostasiatische Besatzungsbrigade nochmals in Aktion treten wird. Gesichert sind die Zustände in China freilich noch nicht, aber das werden sie kaum jemals sein. Teutschland hat doch nur ein Interesse daran, daß sein Gesandtschaftspersonal in Peking geschützt ist, und daß in Kiautschou geordnete und friedliche Verhältnisse bestehen. 5400 Mann Landtruppen und 3200 Mann von der Marine zu diesem Zweck dauernd in China zu belassen, wäre eine Maßregel, deren Unumgänglichkeit wohl erst bewiesen werden müßte. So weit unser Berliner R.-Korrespondent. Wir möchten der soeben eintreffenden Berliner Machricht Glauben schenken, derzufvlge die Meldung von der beabsichtigten Bildung einer ständigen Kolonialarmee von unterrichteter Stelle in Abrede gestellt wird. Volitische Tagesscha»v Graf Waldersee trifft heute in Hamburg ein. Von den ihm zu Ehren in Aussicht genommenen glänzenden Festlichkeiten ist aus Anlaß des Ablebens der Kaiserin Friedrich selbstverständlich Abstand genommen worden. Gestern ankerte die „Gera" bei Helgoland. Ihr wurde dort sogleich bei ihrem Eintreffen von der Signalstation der Tod der Kaiserin Friedrich signalifiert, den ihr die Halbstocks gehißten Flaggen schon von weitem verkündet hatten. Die Freude des Wiedersehens der Heimat wurde so in Trauer verwandelt. Feldmarschall Graf Waldersee gab Befehl zur Abhaltung eines Trauergottesdienstes. — In den Jnnenhafen von Cuxhaven lief nach Beendigung des Dankgottesdienstes unter dem Liede „Nun danket alle Gott" die „Gera" um 6 Uhr nachmittags ein, wo trotz strömenden Regens eine zahlreiche Menge dem Feldmarschall einen begeisterten Empfang bereitete. Waldersee hielt im Anschluß an die Predigt eine Ansprache, in der er auf die Leistungen und Gefahren des verflossenen Jahres hinwies und seinen Dank für die gute Haltung der Soldaten aussprach. Am Abend fand ein stilles Abschieds- effen an Bord statt. Heute früh schiffte die „Gera" zunächst 300 an Bord befindliche Rekonvaleszenten aus, die mit einem Dampfer direkt nach dem Marine-Lazareth in Bremerhaven trans portiert werden; dann ging sie elbaufwärts und ankerte zwischen 10 und 11 Uhr bei Brunshausen. Heute morgen begab sich die Gräfin Waldersee auf dem Dampfer „Will kommen" zur Begrüßung ihres Gemahls nach Brunshausen. — In Hamburg trafen General Wittich in Begleitung des Generalmajors Linsingen, Kriegsminister v. Goßler, Generalleutnant Freiherr v. Bisfing aus Münster, Graf Zeppelin, Freiherr v. Falckenhausen au» Stuttgart, Graf Waldersee, ein Verwandter des Feldmarschalls, aus Hannover, und die Schwester der Gräfin Waldersee, Baronin Wächter, ein. — Zum Hamburger Empfange hat der Kaiser an Stelle des Kronprinzen den General-Adjutanten und kommandierenden General des 11. Armeekorps General der Infanterie v. Wittich mit seiner Vertretung beauftragt. Der Empfang an der St. Pauli-LaudungSbrücke wird ein rein militärischer sein. Der Empfang deS Grafen durch den Senat sollte heute um 1 Uhr im Rathause erfolgen. DaS vorgesehene Festmahl findet nicht statt. DaS „Mil. Wochenbl." veröffentlicht einen Begrüßung«' artittl und schreibt u. a.: Wie wir stolz darauf waren, da ßnach, Ereignissen in China, die unsere Herzen in patriotische Erregung versetzten, gerade Deutschen Händen das Oberkommando anvertraut wurde, so sind wir auch stolz auf die Art wie dieses seine Aufgabe gelöst hat. Freilich lag sie bei der eigenartigen Gestaltung der chinesischen Wirren nur zum Teil auf rein militärischem und operativem Gebiete. Biel schwieriger wohl war der andere Teil: die auseinandergehenden Interessen so vieler verbündeter Nationen zu vereinen, Reibungen zwischen den verschiedenen Truppen und Führern zu verhindern. Wie schwer das oft gewesen sein mag, welche Anforderungen an nie versagendem Takt und unermüdliche Arbeitskraft dort gestellt wurden, das wird im einzelnen erst eine spätere Generation erfahren, wenn einmal die diplomatische und militärische Geschichte jener merkwürdigen Zeit geschrieben sein wird. Wir alle aber wissen schon jetzt, daß thatsächlich die nach Lage der Dünge gesteckten Ziele erreicht wurden, daß sich daneben ein freundliches und kameradschaftliches Verhältnis selbst mit solchen Truppen herausgebildet hat, die uns anfänglich wohl mit Mißtrauen und Abneigung gegenüberstanden. Das dankt mit dem Allerhöchsten Kriegsherrn und mit den fremden Staatsoberhäuptern auch unsere Armee dem Feldmarschall, der in soldatischer Frische und Rüstigkeit zurückkehrt, wie er hinauszog, um trotz vorgerückten Lebensalters freudig dem Rufe des Kaisers und feiner hohen Verbündeten zu schwerer, verantwortungsvoller Thätigkeit zu folgen. So begrüßen wir in Ehrerbietung den Feldherrn, in kameradschaftlicher Herzlichkeit seine Begleiter wieder in der Heimat, die sie leider in tiefer Trauer finden. In Wehmut gedenken wir derer, die nicht mehr unter ihnen sind, die ihr Leben ließen im Dienste des Vaterlandes, mit freudiger Anerkennung aber aller der anderen, die in schwierigen und oft undenkbaren Verhältnissen ihre Pflicht gethan, wie unser Kaiser und Herr es von ihnen erwartet hatte. In einer Veröffentlichung des Fürsten zu Löwenstein an die zahlreichen Unterzeichner der Erklärung! gegen das Duell teilt derselbe mit, daß alle bei dieser Gelegenheit abgegebenen Ratschläge, Wünsche und Bedenken in einer Versammlung erörtert werden sollen, zu der er in einigen Wochen alle Unterzeichner der Erklärung einladen roerbe. In dieser Versammlung soll ein Komitee gewählt werden, das die Beschlüsse der Versammlung aus- sühren und alle ferneren Schritte zur Förderung jenes Zweckes erwägen und eventuell thun soll. Weiter heißt es: „Nun wende ich mich auch an alle den gebildeten Kreisen angehörenden Gesinnungsgenossen bezüglich der Tuellfrage, welche bisher die Erklärung noch nicht unterschrieben haben, aber mit derselben einverstanden' sind, und bitte, sie möchten nunmehr ihre Zustimmung kundgeben und dann womöglich auch der Versammlung beiwohnen. Diese Bitte richte ich hiermit insbesondere ein alle Universitäts-Professoren und an alle Parlamentarier des Reichstags und der deutschen Landtage, da sie in besonderer Weise berufen sein werden, unseren Wünschen und Bestrebungen Erfolg zu verschaffen. Ich richte diese Bitte nicht nur an katholische Abgeordnete und Professoren, sondern an alle diejenigen, welche aus christlicher und humaner Gesinnung Gegner der Duelle ^Bisher haben die Erklärung unterzeichnet 111 Adelige und 536 andere, fast ausschließlich den akademisch gebildeten Ständen Angehörige. In Oesterreich tverden in einiger Zeit ähnliche Kundgebungen erfolgen und in Frankreich haben viele hochgestellte Militärs die Erklärung unterzeichnet und sind dem für Frankreich gebildeten Komitee beigetreten. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Kaiser hat dem Staats sekretärsür Elsaß-Lothringen v. Putt- kamer den erbetenen Abschied unter Verleihung des Roten Adlerordens 1. Klasse zu bewilligen und den Ober- präsidenten der Provinz Schleswig-Holstein v. Köller zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen zu ernennen geruht. Als Nachfolger des Herrn v. Köller in Schleswig-Holstein ist der bisherige Chef der Reichskanzlei, Wirk!. Geh. Ober-Regierungsrat Freiherr v- Wilmowski in Aussicht genommen. So ist also Herr v. Köller doch zum Staatssekretär für Elsaß-Lothringen ernannt worden. In den letzten Tagen chien die Ernennung zweifelhaft geworden zu fein; Herr v. Köller selbst glaubte, nach seiner Aeußerung auf die Anfrage einer Zeitung zu schließen, selbst nicht recht an die Versetzung aus seinem jetzigen Amte. Man wird sich nun in Elsaß-Lothringen mit Herrn v. Köller „abzufinden" und zu prüfen haben, ob nicht die Exzellenz, der man von dem Zeitpunkte an, da von ihrer Wiederkehr verlautete, keineswegs einen „Triumphzug" in Aussicht stellte, die Besorgnisse angenehm enttäuscht und mit Milde und Rück- ichtnahme des Amtes waltet. Nach der „Voss. Ztg." ist der ünftige Statthalter in Straßburg, an Stelle des Fürsten Hohenlohe, vermutlich Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe, der Schwager des Kaisers. Graf Waldersee ist jedenfalls nicht für diesen Posten in Aussicht genommen. Frhr. v. Wilmowski hat den Ruf der Umgänglichkeit und freundlichen Entgegenkommens. Er genießt unter den Parlamentariern Ansehen und Sym- .'athien. Deutsches Keich. Berlin, 6. Aug. Aus Homburg wird gemeldet: Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Militär - kabinetS. — Das Kaiserpaar und der Kronprinz begaben ich heute nachmittag nach Schloß Friedrichshof und kehrten abends hierher zurück. Um 8 Uhr fand im Schlöffe Abend täfel statt. — Betreffs der 45-tägigen Rückfahrkarten ist )ie allgemeine Lage nunmehr soweit geklärt, daß die auf Preußischen Staatsbahnen — nicht aber Privatbahnen, wie z. B. der BreSlaU'Warschauer — zur Ausgabe gelangenden Rückfahrkarten durchweg 45-tägige Giltigteitsdauer besitzen mit alleiniger Ausnahme der nach Stationen der böhmischen Nordbahn und der nach Paris lautenden Karten. — Wie der „Deutsche Schlachtviehverkehr" vernimmt, ollen die Ausführungsbestimmungen zum Fleischschau- zesetze alles mit Borsäure, Schwefelsäure und unterschweflig- auren Salzen, ebenso wie das mit Farbstoff irgendwelcher Art behandelte Fleisch für den Genuß untauglich erklären, )amit wäre die so vielumstrittene Verwendung von Meat Präservesalz und das Färben von Wurst unbedingt verboten. Emden, 6. Aug. Der Hafen von Emden gilt als eröffnet. Die Feierlichkeit der Eröffnung ist auf unbe- timmte Zeit verschoben. Bremerhaven, 6. Aug. Der Dampfer „Arcadia" ist mit 23 Offizieren und 607 Rekonvaleszenten von der Marine und dem ostasiatischen Expeditionskorps hier eingetroffen. Nachdem die Mannschaften bewirtet waren, erfolgte die Weiterfahrt nach Münster bezw. Kiel und Wilhelmshaven. 70 Kranke sind im hiesigen Barackenlazareth geblieben. Dresden, 6. Aug. Der Handelsgärtnertag nahm Resolutionen gegen den Zolltarif an, der als ein Schlag ins Gesicht deutscher Handelsgärtnerei bezeichnet wird. Niederstetten (Württemberg), 6. Aug. Die Fürstin Henriette Hohenloh e.Bartenstein ist heute auf Schloß Haltenbergstetten gestorben. (Die verw. Fürstin zu Hohen lohe-BarteusteiN'Bartensteiu, geb. Prinzessin von Auersperg ist am 23. Juni 1815 geboren. Sie vermählte sich am 11. Januar 1835 in Prag mit Ludwig Fürsten zu Hohen- lohe-Bartevstein-Bartenstein und Jagstberg, ist also die Groß mutter des jetzt regierenden Fürsten Johannes. D. Red.) Ausland. B r ü s s e l, 6. Aug. Der Senat genehmigte die Kongo- Konvention. Paris, 6. Aug. Einer Meldung des „Journal" zufolge hat der Graf von Turin den Prinzen Heinrich von Preußen für Oktober zu einer gemeinsamen Reise nach dem Sudan eingeladen. Prinz Heinrich habe die Einladung angenommen. Budapest, 6. Aug. Gestern abend kam es in Klausenburg zu einem förmlichen Aufstand der Bevölkerung gegen die Polizei. Vorgestern nacht haben ztvei Polizisten in betrunkenem Zustande einen Honved-L eut- nant, mit dem sie Händel anfingen, erstochen und einen anderen Mann schwer verletzt. Gestern kam es zwischen einem Polizisten und einem Einwohner zu einem Wortwechsel auf der Straße; sofort sammelte sich eine große Menge an, die den Polizisten lynchen wollte. Zwei andere Polizisten tarnen zur Hilfe, zogen die Säbel und verwundeten eine Person. Die Polizisten flüchteten hierauf vor der Wut der Menge. Einweihung des Neubaues der Augustinerschule in Friedberg. (Bon unserem Korrespondenten.) e. Friedberg, 6. Aug. Unter regster Beteiligung der Bewohner der Wetterau erfolgte heute die feierliche Einweihung des Neubaues der Großh. Augustin er schule (Gymnasium und Realschule). Schon gestern hatte eine Vorfeier im Saalbau stattgefunden, bei der von Schülern des Gymnasiums Goethes „Iphigenie" aufgeführt wurde. Vor dem Abmarsch des Zuges, der sich heute früh 10 Uhr am alten Schulhaus auf stellte, hielt der Direktor der Augusttnerschule, Tr. Löbell, eine Rede, an der er von dem alten Gebäude, das zwei Jahrhunderte der Menschheit gedient hatte, Abschied nahm. Dann bewegte sich der stattlich^ Festzug nach dem Neubau der Schule, wegen des Ablebens der Kaiserin Friedrich ohne Musik. Die Straßen waren festlich geschmückt, von allen Häusern wehten Fahnen, und viele Hunderte von Menschen standen Spalier. Am Westportale des neuen, stolzen Hauses überreichte der Erbauer, Architekt Franz T h y r i o t aus Köln dem Vertreter der Stadt Friedberg, Beigeordneten Hieronimus, mit einer Ansprache den Schlüssel. Dieser legte ihn in die Hände des als Vertreter der hessischen Regierung, erschienenen Ministerialrats Dr. Eisen h u t h , der den Schlüssel dem Direktor der Schule, Dr. Löbell, übergab. Dieser öffnete nun die Pforte mit den Worten: „Alles Gute zieh' in's Haus, alles Bose bleibe drauß'." Der Festaktus fand in der Turn- und Festhalle statt. Das Schülerorchester stellte die Musik, ein Schüler cho r sang, und mehrere Schüler trugen ein für diesen Tag von Prof. Th. Wiesenhahn gedichtetes längeres Gedicht vor, dem ich andere Vorträge anreihten. Die Reihe der Festredner eröffnete Beigeordneter Hieronimus. Er dantte der hessi- chen Regierung und den Landständen für das Interesse, das sie Friedberg und seinen Bildungsanstalten entgegen brächten, und gab dann einen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung der nunmehr 358 Jahre alten Augusttner- chule. Sie ist eine der ältesten Lehranstalten Deutschlands. Als Lateinschule wurde sie 1543 gegründet. Als Friedberg 1803 aufhörte, eine freie Reichsstadt zu sein, und an Hessen- Darmstadt kam, wurde öü alte Barsüßerschule dem Kirch- und Schulrat zu Gießen unterstellt, der manches für sie that. Doch erst 1850 kam eine vollständige Reform zu stände. Unter Direktor Prof. Dr. Philipp Dieffen- bach blühte die Anstalt von da an als Realschule auf. Später entwickelte sie sich zu einer mit einem Progym- nasium verbundenen Realschule. Als man im Jahre 1893 das 350 jährige Jubiläum der Lateinschule feierte, hatte sie 19 Lehrer und 300 Schüler, während sie jetzt 22 Lehrer und 460 Schüler zählt. Ministerialrat Dr. Eisenhuth sprach im Namen der obersten Schulbehörde Hessens der Stadt den Dank aus für das kostbare Geschenk, welches sie durchs die Erbauung des Schulhauses der Augustinerschule gemacht habe. Die Stadt habe der Schule ein Heim gegeben, wie es keine andere Stadt des Landes in gleicher Vollendung und Schönheit besitze. Gymnasialdirektor Löbell feierte den heutigen Tag, und dantte Friedberg für das herrliche Haus und der hessischen Regierung für die Förderung des Werkes. Mit dem heutigen Tage sei erreicht, was man in früheren Jahrhunderten nicht erlangen konnte. Möge aus diesem Hause stets ein Geschlecht hervorgehen, tüchtig, dem Vaterlande und der Welt zu bienen! Mit einem Hoch auf beit Großherzog schloß er feine Rede. Pros.Dr. Weissen- bad), Direktor des Predigerseminars, überbrachte die Grüße und Glückwünsche der anderen Friedberger Bild- uiigsanstalten. Er feierte die drei Wahrzeichen Friedbergs, die weit in die Lande schauen: die wieder herge- tellte Stadtkirche, den Adolssturm in der Burg, das Zeichen deutscher Manneskraft und den Neubau der Augusttnerschule. Direktor Löbell dankte hierauf mit herzlichen Worten. Es folgte danach eine Besichtigung des großen Hauses mit seinen hellen, luftigen Räumen. Das Haus zeigt den Stil der deutschen Früh-Renaissance, der aus der Gotik hervorging; deshalb weist das Haus auch an der Architektur manche interessante Anklänge an die Gotik auf. Das Gebäude ist 70 Meter lang, und 55 Meter breit, bei 1700 Quadrat-Metern Grundfläche. Die Schule besitzt 9 Lehrsäle für Gymnasial klassen, 9 für Real klassen, und 4 Lehrsäle für die Vorschule. Dazu kommen die verschiedenen Säle für Physik, Zeichnen, Gesang, usw. sowie die Räumlichkeiten für die Direktion, die Lehrer usw. Sehr schön und geräumig ist die Turnhalle (200 Quadratmeter). Das Haus ist für 730 Schüler eingerichtet, und kostet 330 000 Mark, die die Stadt Friedberg zahlt, während der hessische Staat die innere Einrichtung der Räume übernahm. Besonders chön und hell sind die Treppen und die gewölbten Gänge, auch die Schulsäle sind völlig der Neuzeit entsprechend ausgestattet. Auch die A l t e r tu m s s a m m lu n g der Stadt Friedberg, welche in dem Schulhaus untergebracht ist, wurde mit großem Interesse besichtigt. Diese ent- hält manches wertvolle Stück, besonders Ausgrabungen aus der Römerzeit, die in Friedberg und der traten Capers- burq gesunden wurden. "Um 2 Uhr nach,mittags begann das Festessen int „Hotel Trap p". Es wurden zahlreiche Reden gehalten und mandx Erinnerung an die vergangene Schulzeit von nun ergrauten Männern wachgerufen. Jubelfeier des Gymnasiums in Büdingen. (Originalbericht de« „Gieß. Anz.') III. Dr. K. Gießen, 7. August. Schon nach 9 Uhr vormittags waren gestern die Fest- teilnehmer wieder vollzählig zum Wald fest im Tiergarten erschienen. Das etwas zweifelhafte Wetter hellte sich bald auf, und so zog um V210 Uhr ein langer Zug alter Herren, das rote Pennälerkäppchen auf blondem, schwarzem oder grauem Scheitel, die in helle Farben gekleideten Damen zur Seite, zum Schloßhof und von da über den Wilden Stein zum Tiergarten. Am WaldeSrand bot den Gästen folgender Spruch in grüner Pforte einen Willkommengruß: „Und kommst du wieder, Altgeselle, Aus stürm'schem Most wird firner Wein — „Du findest mich an alter Stelle, „Sollst mir wie einst willkommen sein. Der Büdinger Wald. Nun ging es mit Musik hinab an das Ufer deS allen lieben und bekannten Tiergartenweihers. Dort erwartete die fürstliche Familie die Gäste, die diesmal Gäste im engeren Sinne waren. Die freundliche Fürsorge deS hohen HauseS hatte große Mengen kalter Speisen in der Buffethalle auf* stellen lassen, dazu gab eS köstliches Bier; man konnte zugreifen nach Herzenslust. Die Stimmung wurde sehr lebhaft, besonders als auf Zitierung des Fürsten der „Waldgeist" m grünem Mantel und langem grauen Barte erschien und in poetischer Sprache feine alten Freunde ans früheren Jahrttt herzlich willkommen hieß. Forstmeister Müller hatte diese Ueberraschung auSgedacht und auch die Berse verfaßt. D»e heitere Ungezwungenheit der nnn folgenden Stunden wird e* iis r bf, teubau k 'S?« rjMSS »kg DS Wulf, ®t- SÜbeif ? «orten- 6i? blMß>„ «orfaj, fon $rof °°r- bem ebnet bkr hessi- *effe säte *ÄÄ ^uMachtz. t Miedbera bandessen- Mle dem Inches für M. Reform Drejfen. alschule auf 'w Progym- Zahre 1893 eierte, hatte bt 22 Lehrer Namen der t Dank aus ie Erbauung t >be. Die wie es feine ndung und feierte ben reiche Haus des Werkes, in früheren aus diesem dem Vater- »ch auf den Beinen» brachte die ■berget Bild- icken Fned- nieder herge- Burg, das i der Augusti- lit herzlichen •fielt Hau/t's A Mi den s der Biotit n der Archi- e Gotik aus. :er breit, bei »ule besitzt 9 assen, und 4 verschiedenen die Räumlich >hr schon unö er). Das himi 330 000 Mark, hessische Ltaat n. Besonders öffiten Sänge, entsprechend tlung der mtergedracht Tiefe vai" cabungen ar- ahen ■efteiie«"" [eben getjalW : Lchcheit«« Büdittge». r gßtiD - 1. Äugust. esteru dir SV n Tiergar"' hellte fich schwarze« Jten Da«eo § n S*®£ Säften W*”* ,ruß: <•** r ü er L *Ä et#” «jjf# e --E . Stande" Der englische Botschafter in Berlin, wurden die drei Kandidaten der mit 172, 162 und 155 Stimmen Gegenkandidaten nur etwas über Gemeiuderatswahl Sozialdemokraten gewählt, während die 100 Stimmen erhielten. Frankfurt, 6. Aug. Theater, Kunst und Wissenschaft. „CoralieLCi e.", der verbotenste aller französischen Schwänke, hat nunmehr in Frankfurt a. M. am dortigen niemand so schnell vergessen; sie sind eigentlich der schönste Teil des ganzen Festes gewesen. Prälat Habicht übergab draußen im Walde den von früheren Schülern für eine Stts- lung gesammelten Geldbetrag von 4000 Mk. mit einer Ansprache an den Direktor. ES soll dafür ein Spiel- und Sportplatz geschaffen werden für die Schüler des Gymnasiums. Direktor Mohr nahm mit Worten des Dankes die Spende an und brachte aus die Opferfteudigkeit der früheren Schüler rin Hoch aus. Die Festesfreude stieg immer hoher, und immer ausgelassener wurde Jung und Alt. Ungern trennte man sich um 1 Uhr von dem schönen Waldplatze, um mit Musikbegleitung heimzuziehen. Das Nachmittagskonzert war wiederum sehr gut besucht. Auch zum Ball um 9 Uhr war alles zur Stelle; es wurde fleißig und zum großen Leidwesen mancher müden Ballmutter bis zum grauenden Morgen getanzt. Das Fest ist vorüber! Die Züge werden heute einen großen Teil der Gäste wieder heimführen, die alle gewiß mit Freude sich der in Büdingen verlebten schönen Tage erinnern werden. Dem Gymnasium aber wisien wir für das neue Jahrhundert keinen besseren Wunsch mit auf den Weg zu geben, als daß es stets eine solche Zahl dankbarer Schüler wie jetzt finden möge, die alle Zeit bereit find, ihre Anhänglichkeit an die Schule, die sie einst besuchten, zu beweisen. Sir Frank Lascelles, traf heute nachmittag hier ein, hatte eine Besprechung auf dem Hauptbahnhofe mit dem Großherzog von Hessen und reiste sodann nach Homburg v. d. Höhe weiter. — In der Nähe der Station Louisa schleuderte Dienstag abend gegen 9 Uhr ein unbekannter Mensch einen schweren Stein gegen das Fenster eines von Heidelberg kommenden Eilzuges. Der Stein zertrümmerte die Scheibe; durch die Glasscherben wurden zwei Personen verletzt. Einem zehnjährigen Kinde fiel ein Stück Glas aufs Bein, durchschnitt ihm sämtliche Kleidungsstücke und brachte ihm noch eine lange Wunde bei. Ferner erlitt ein 21 Jahre alter Techniker zwei starkblutende Schnittwunden an zwei Fingern. •• Kleine Mitteilungen an» Heffen nnd den Nachbarstaaten Am 11. August findet im Hotel Kessel, Bahnhof Wetzlar, die Wörthfeier und Rechnungsablage in der Denkmalsangelegenheit des 2. Naff. Infanterie Reg. Nr. 88 statt. — In Neu-Isenburg wurden bei sehr ^starker Wahlbeteiligung sämtliche fünf sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. — Ein blutiger Vorfall spielte sich am letzten Samstag vor der Wirtschaft „Zur Krone" in Hofheim ab und endigte mit dem sofortigen Tod des 20jährigen Bahnarbeiters Jako ) Lösch. Einige junge Burschen, darunter Lösch und der aus Eßlingen (Württemberg) gebürtige Metzgerbursche Paul Fischer hatten den abend über Karten gespielt. Fischer glaubte sic i beim Aufschreiben benachteiligt. Seine Bemerkung wies Lösch mit der Drohung, ihm, wenn er nicht ruhig sei, aufs Maul zu schlagen, ab, und führte, als Fischer entgegnete, diese Drohung nachdrücklichst auS. Fischer verließ mit einer Drohung gegen den Thäter daS Lokal. Als er später mit ihm wieder zusammentraf, kam es zu einer Schlägerei, be der Fischer von seinem Messer Gebrauch machte. Ein Stich durchbohrte das Herz des Lösch und ließ den Getroffenen leblos uiederfinken. einen. Auch der Turnverein verschönerte da« Fest durch Pyramiden und Stabreigen, welche großen Beifall fanden. Abends fand in der Turnhalle Feftball statt. Den Abschluß des Festes bildete heute ein fröhliches Zusammensein im Hochwald. Offenbach, 6. Aug. Zum Eisenbahnunfall bei Oberrad werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Wie nunmehr festzustehen scheint, trifft die Schuld an dem Unglück den 28jährigen Weichensteller Diehl, der, wie man annimmt, die richtig gestellte Weiche unter dem einlaufenden Zuge vorzeitig wieder umgestellt hat. Von der Annahme, raß die neue Weiche nicht richtig funktioniert habe, scheint man wieder abgekommrn zu fein; ein Beweis dafür ist die Verhaftung des Diehl. Als das Unglück geschehen war, eilte sofort das Personal des Zuges und das des eben ein- gefahrenen Sachsenhäuser Zuges herbei, um zunächst die Fenster des umgestürzten 3. Klasse-Wagens, aus dem laute Hilferufe erschallten, einznschlageu und den darin befindlichen Personen, die alle mehr oder weniger verletzt waren, herauS- zuhelfen. Die 69jährige Frau JouaS Weber aus Offenbach, die in dem umgestürzten Wagen geseffen hatte, erzählt, der Schaffner Jeckel habe kurz vor dem Unglück den Wagen durchschritten. Bald darauf habe man plötzlich einen furchtbaren Ruck verspürt; der Wagen sei so hin- und hergeworfen worden, daß alles durcheinander fiel, bis er endlich völlig umgeworfen wurde. Frau Weber hat Verletzungen an der rechten Hand und unbedeutende Schürfungen am Knie davongetragen. Der 42jährige Klavierlehrer Moritz Lüdicke hat eine Brustkastevquetschung und einen Rippenbruch davon- getiagen, während der Weinwirt Adolf Klement innere Verletzungen erlitt, deren Natur noch nicht festgestellt werden konnte. Lebensgefährlich find die Verletzungen bei keinem der Verunglückten. — Wie die „Offenb. Ztg." erfährt, hat der Weichensteller Diehl 'zugegeben, daß er fich bei der Weichenstellung vergriffen und dadurch das Unglück herbei- geführt habe. Offenbach, 6. Aug. Die Untersuchung gegen die in Haft befindlichen Mechaniker C. Heß in Offenbach und dessen Filialleiter Kaufmann C. Koch in Hanau sowie Kaufmann Otto, Beamten der Adlerwerke, wegen Unterschlagungen bei den Frankfurter Adler-Fahrradwerken ist noch nicht abgeschlossen. In Anbetracht der Gerichtsferien und der Schwierigkeit der Sachlage wird immer noch eine geraume Zeit bis zur Klärung verstreichen. Die Möglichkeit des unrechtmäßigen Bezugs von Fahrradteilen seitens Heß durch den Beamten Otto ist nur dadurch zu erklären, daß von der Direktion sowohl dem häufig in der Fabrik der- kehrenden Heß, als auch dem seit 18 Jahren in der Fabri! thätigen Beamten Otto großes Vertrauen geschenkt wurde. Hausen bei Offenbach, 5. Aug. Aus der heutigen Ge- meinderatswahl gingen die drei Kandidaten des Sozialdemokratischen Vereins mit 170, 105 und 94 Stimmen al« Sieger hervor. Zwei Gegenkandidaten erhielten 85 bezw. 78 Stimmen. Dietesheim, 6. Aug. Bei der gestern stattgehabten Aos Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mtt unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Still** gestattet.) *' Gantnrnfahrt deS Turngaues Heffen. Wir haben bereit« in unseren beiden letzten Nummern ausführlich über da« Gauturnfest de« TnrngaueS Hessen, da« am 4. und 5. August in Schlitz stattfand, berichtet und auch erwähnt, daß die Gießener Turnerschaft fich daran beteiligte. Im ganzen hatten sich 198 Wettturner angemeldet, von denen 160 Preise erhielten, eine Ziffer, die im Verhältnis zu der Zahl der Beteiligten bisher noch nie erreicht wurde. Von unseren Turnern wurden folgende mit Preisen ausgezeichnet: 5. Preis (34 Punkte) Karl Erb Tv., 10. Preis (31 P.) August Eger Tv., 15. Preis (281/2 P.) Heinrich Wehn Tv., 16. Preis (28 P.) Louis Bogt M.-Tv., 17. Preis (27 P.) Karl SavelSberg Tv., 18. Preise (26^ P.) H.Geitz To., H. Wahl Tv., A. Dotzenroth M Tv., 19 Preis (26 P ) W. Georg M.-Tv., 20. Preise (25y2 P.) W. Förtsch M.-Tv., Ang. Heß Tv, 21. Preis (25 P.) Eh. Hüttenberger Tv., 22. Preise (241/, P.) Karl Wenzel Tv., W. Wiederstein M.-Tv., 23. Preis (24 P.) Karl Geitz Tv., 24. Preise (23«/2 P.) L. Schmalz Tv., Ad. Schmidt Tv., Ludwig Dechert Tv., W. Heß Tv., W. Hüttenberger. ** AuS ben Ergebnissen der der deutschen Kriminalstatistik Die Zahl der wegen Verbrechen und Vergehen im Jahre 1899 verurteilten Personen belief sich auf 479,129, d. h. mit anderen Worten: auf je 100 über 12 Jahre alte Be wohner Deutschlands kommt ein wegen Verbrechens oder Vergehens gegen die Reichsgesetze Verurteilter. Allerdings schränkt fich diese Zahl wesentlich dadurch ein, daß cfl zu »inem statistisch nicht nachweisbaren Teil dieselben sind, die in demselben Jahre wiederkehrend verurteilt wurden. DaS gilt in erster Linie von Personen, die wegen geringer Delikte mit Geldstrafen oder mit kurzen Freiheitsstrafen belegt werden. — Innerhalb der letzten 18 Jahre ist die Zahl der Verurteilten von Jahr zu Jahr absolut und relativ stetig gestiegen. Zur Erklärung dieses betrübenden Umstandes meint H. v. Scheel in den „Jahrbüchern für National- Zkonomie und Statistik", daß es mit den allgemeinen Aussprüchen über zunehmende Verrohung und Verwilderung und dergleichen nicht gethan ist, er ist vielmehr der Ansicht, daß eine absolute und relative Vermehrung der Strafthaten und also auch der Verurteilungen auch käme, selbst wenn das sittliche Niveau dasselbe bleibe oder sich sogar hebe, sie trete ein, wenn die Gelegenheit häufiger werde, die Versuchungen zur Befriedigung strafbarer Wünsche, zu rücksichtslosem Nachgeben an Leidenschaften sich mehren. Es ist nun außer Frage, daß gerade der Zeitraum der letzten 18 Jahre diesen Charakter in Deutschland getragen hat: es fand eine sehr starke Bevölkerungszunahme statt; also die Volksdichtigkeit stieg bedeutend und dadurch wurde die Berührung zwischen Len Menschen häufiger; zugleich fand aber auch ein bedeutender Aufschwung deS wirtschaftlichen Lebens, namentlich im Gewerbe nud Handel, infolgedessen auch im Verkehr statt. Die Lebhaftigkeit des wirtschaftlichen und zugleich persönlichen Verkehrs brachte vermehrte Gelegenheit auch zu strafbaren Handlungen und erhöhte deshalb deren Zahl. — Auf diese Weise erklärt v. Scheel die Zunahme der „Kriminalität" und warnt davor, sich nicht durch diesen Ausdruck verwirren zu lassen, der auf innere Eigenschaften deutet und zu der Annahme verleitet, daß die steigenden Zahlen eine Verschlechterung der Sitten und Gesinnung bedeuten müßten. Butzbach, 5. Aug. Zurzeit ist ein Kommando, bestehend aus 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 10 Manu des Leib-Draa.-Regts. Nr. 24, dem hiesigen Bataillon zugeteilt zwecks Verwendung beim Vorpostendienst. Voraussichtlich rückt daS hiesige Bataillon am 22. August zum Regiments, und Brigade-Exerzieren auf den großen Truppenübungsplatz bei Darmstadt aus. Hieran schließen sich die Manöver. Bad-Nauheim, 5. Aug. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, fand gestern daS 25jährige Jubiläumsfest der hiesigen freiwilligen Feuerwehr statt, zu dem zahlreiche Wehren aus der Nähe hierhergekommeu waren. Vormittags fanden in Anwesenheit des Vertreters der Regierung, Amtmanns v. Bechtold-Friedberg, des Kreis Feuerwehr, mspektor« HieronimuS Friedberg, sowie der Vertreter der diesigen Behörden Hebungen am Steigerturm statt. Leider ereignete sich hierbei ein kleiner Unfall, indem der Feuer- ivehrmann Götz durch Reißen de« Sprungtuches zur Erde stürzte, doch scheint er keine Verletzungen davongetragen zu haben. Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich der Festzng durch die Straßen der Stadt nach dem Hochwald. Die Festrede wurde von Bürgermeister Wörner gehalten. Kreis- amtmann v. Bechtold überreichte hierauf mit einer Ansprache dem ältesten Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr, Johannes Pfeffer I., das demselben vomGroßherzog verliehene Ehrenzeichen. Ein frohes Treiben entwickelte sich dann auf dem Kestplatze, abwechselnd mit Mufikvorträgen der Offenbacher Feuerwehrkapelle und Gesangsvorträgen von hiesigen Der- GerichtsfaÄ. Darmstadt, 6. Aug. Wegen gewohnheitsmäßiger Verkuppelung der eigenen 15jährigen Tochter wurde gestern die 44 jährige Händlerin K. W. Wienand ^.Witwe von Offenbach, ohne Anrechnung der etwa dreimonatigen Untersuchungshaft zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. F ü r t h, 6. Aug. Vor einigen Jahren wurde der Rechtsanwalt Tr. F r a n r wegen Betrugs zu einer kurzen Gefäng- Kenmsihter. • Berlin, 6. Aug. Heute mittag brach in der landwirtschaftlichen Hochschule Feuer auS, das auf den Dachstuhl beschränkt wurde. Um 3 Uhr nachmittags war die Gefahr für daS Gebäude und das Museum beseitigt. ♦ Rastenburg, 6. August. Seit gestern nachmittag ist die Stadt durch mehrere Brände heimgesucht worden. Bisher sind fünf Gebäude vollständig, und zwei teilweise vernichtet. Von Königsberg ging eine Danrpsspritze zur Hilfe ab. * Philadelphia, 6. Aug. Durch eine Explosion in der Locust Street, die auf Entzündung eines Behälter« mit GaSäther zurückgeführt wird, wurden gestern abend 25 Häuser zerstört; zehn Personen wurden getötet und über 40 verletzt. „Orpheum-Sommer-Thcater" unter Mitwirkung der Tarnen Betty L'Arrvnge, Mary Spieler, Margarethe Ferida, Paula Hochthal und der Herren Ludwig Ansspitz, Josef Giam Pietro, Hermann Haack und Julius Geisendörfer seine erste Aufführung in Preußen und gleichzeitig einen stürmischen Öeiterkeitscrfolg erlebt. Erst nach langem dampfe mit der Zensurbehörde und nach einer unter Ausschluß der Oeffent lichkeit stattgehabten Separat-Borstellung, der je ein Vertreter des Regierungs- und Polizeipräsidenten beiwohnten, wurde die Erlaubnis zur Aufführung ohne jedwede Streichung oder Aenderung erteilt. In Dresden beabsichtigt der Regisseur Alexander Rotter die Leitung eines in Dresden neu zu errichtenden Theaters zu übernehmen. Kammersänger H. Gießen. Den „Dr. N." schreibt man aus Konstantinopel: Aus Anlaß der Anwesenheit des Großherzogs Johann Albrecht von Mecklenburg- Schwerin nebst Gemahlin uno des Prinzen Rcuß XXXIII. gab am letzten Dienstag im Mldiz-Pnlast der Sultan ein Gala-Tiner, dem sich ein Hof-Konzert anschloß, zu dem die sich gerade auf einer Orientreise befindenden Herren Generalmusikdirektor Dr. Lassen aus Weimar und Kammersänger H. Gießen (bekanntlich eigentlich H. Buff aus Gießeni von der Dresdener Hofoper mit Einladungen ausgezeichnet worden waren. Kammersänger Gießen begann das Konzert mit dem Vortrag der Cavatine aus Gounods „^auft". Hierauf fang der Künstler zwei Lieder von Lassen („Ich halt' einst ein schönes Vaterland", „Wie dunkle träume") und dann noch auf besonderen Wunsch des Sultans die „Troubadour"-Cavatine. Begleitet wurde Kammersänger Gießen von Tr. Lassen auf einem kostbaren, ganz aus Glas und Metall gefertigten Instrument. Ter Sultan sprach sich außerordentlich schmeichelhaft über die Leistungen der deutschen Künstler aus und wurde nicht müde, den tadellos geschulten Tenor des Dresdener Sängers zu loben. Dor dem zweiten Teil des Konzerts ließ der Sultan seinen Sohn, den jungen Prinzen Kemal-ed-dine rufen, damit dieser vor Dr. Lassen eine Probe seiner musikalischen Fähigkeiten abgebe. Der Prinz, dessen musikalische Ausbildung in den Händen des Chefs der türkischen Musil d'Aranda Pasck)a liegt, eines belgischen Musikers, der am Hofe des Sultans sich zu hohen Ehren gebracht hat — er lM u. a. den Rang eines Generals der Infanterie — spielte zunächst den Minuten-Walzer von Chopin und dann mit seinem Lehrer zusammen mehrere Stücke von Channnade, sehr geschmackvoll im Vortrag und brillant rhythmisiert, sodaß der prinzliche Künstler die Anerkennung seiner Kollegen vom Fache in reichem Maße fand. Mit dem exzellenten Vortrage von Jensens „Murmelndes Lüstchen und Lassens „Lenz" durch Kammersänger Gießen schloß die kurze musikalische Unterhaltung, die so außerordentlich ehrenvoll für die deutschen Künstler verlief. Selbstverständlich sprach auicfy d'Aranda Pascha, der mit seiner aus 300 „Hofmusikern" bestehenden Kapelle während des und nach dem Diner konzertiert hatte, Kammersänger Gießen nut begeisterten Worten seine Bewunderung aus, wobei er die Hoffnung laut werden ließ, den Künstler in kommendem Winter in Konstantinopel wieder zu hören. Unmittelbar nach dem Konzert erhielten Generalmusikdirektor Dr. Lassen den Osmanie-Orden 3. Klasse, Kammersänger Gießeti den Med- jidie-Orden 3. Klasse, und beide die Medaille für Kunst und Wissenschaft. Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 6. Aug. 1901. Die in dem gestrigen Eingesandt gemachten Ausführungen bezüglich des Geschäftsberichts der Ortskrankenkasse Gießen werden wohl bei jedem Eingeweihten ein Lächeln des Erstaunens über die große Naivität des Einsenders hervorgerusen haben und für diese bedürfte es auch gar keiner Entgegnung. Allein in weiteren Kreisen ist man fich Über die Materie des Krankenversicherungsgesetzes doch nicht so ganz klar, weshalb folgendes zur Aufklärung und Verteidigung unseres Berichtes dienen möge. Die von dem Einsender angezogenen gesetzlichen Bestimmungen be- stehen allerdings, allein das allgemein bekannte Stichwort: „Gesetze sind da, damit sie umgangen werden", trifft auch hier zu. In dieser Beziehung ging eine den Betriebestankenkaffen nahe verwandte Kaffenart vorbildlich vor. Obwohl im Gesetz ausgesprochen war, daß von Versicherungspflichtigen, welche nachwetsen, daß sie Mitglied einer auf Grund des Gesetzes errichteten Krankenkaffe gewesen waren, kein Eintrittsgeld erhoben werden durfte, that sie dies doch. Nachdem ihr dies durch die höhere Behörde verboten worden war, erhob sie zwar lein Eintrittsgeld mehr, allein jeder nen Eingestellte mußte eine Untersuchungsgebühr in Höhe des früheren Eintrittsgeldes zahlen. Kommentar überflüssig. Was nun die Betriebskrankenkaffen anbelangt, so ist es richtig, daß diese alle in dem Betriebe, für welche sie errichtet sind, beschäftigten Personen aufnehmen müffen. Aber der größte Teil derjenigen Herren, welche für ihren Betrieb eine derartige Kaffe errichtet haben, sind so schlau und lassen jeden, bevor er in ihrem Betriebe ausgenommen wird, auf seinen Gesundheitszustand ärztlich untersuchen Von dieser Untersuchung hängt die Einstellung in den Betrieb und folgeweise Aufnahme in die Betriebskrankenkaffe ab. Da ich in dem Herrn Einsender einen einer Betriebskrankenkasse nahe stehenden vermute, so gestatte ich mir im Jntereffe der Oeffentlichkeit und zuletzt auch zur Bereicherung meiner Kenntnis um Beantwortung nachstehender Fragen zu ersuchen und hoffe, daß er, bet dem großen Drange, die Oeffentlichkeit aufzuklären, meinem Wunsche nachkommen wird. 1. Warum findet ausschließlich nur in solchen Betrieben vor Em- stellung in dieselben ärztliche Untersuchung statt, in welchen BetriebS- kcankenkaffen errichtet sind? 2. WeShalb lassen wohl alle anderen Betriebe, für welche kerne Be- triebskcankenkasien errichtet sind, in welchen aber auch sehr schwere und manchmal gesundheitsschädliche Arbeiten verrichtet werden müffen, ihrer Aufnahme keine ärztliche Untersuchung vorangehen r 3. Warum werden in Betrieben, in welchen BetriebSkrankenkaffen errichtet sind, hier und da Arbeiter nach erfolgter ärztlicher Untersuchung erst dann ausgenommen, wenn von ihnen nach- gewiesen werden kann, daß sie Mitglieder einer anderen, den gesetzlichen Vorschriften genügenden Krankenkasse sind? Es wird sich alsdann Herausstellen, inwieweit unsere Bemerkung in das Gebiet haltloser Nachreden gehtzrt. Hrch. Fourier, Geschäftsfübrer der Ortskrankenkasse Gießen. Sport. Radfahrfast de« Gießener RadfahrvereinS 1885. Wi wir berichteten, hat auch der nicht dem Bunde angehörige Radfahrer Verein 1900 Wteseck an dem Radfahrfest deS Gießener Radfahr oereinS 1885 teilgenommen. Auch er (nicht der R.-Ki. Germania Gießen) ist durch ein Diplom auSaezeichnet worden. Gisstrafe verutteilt und aus der Lifte der Rechtsanwälte gestrichen. Bei Verfechtung feiner Sache hat sich Frank einer Beleidigung der Richter des hiesigen Landgerichts schuldig gemacht. Dafür ist; er jetzt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Hande! und KerKehr. Volkswirtschaft. Berlin, 6. Äug. Hinter Terlinden ist jcht eia Steckbrief crleffen. Verschiedene Bankhäuser setzten eine Belohnung von zusammen 5000 Mark aus. Zwickau, 6. Aug. Der hiefige Untersuchungsrichter versagte die Verhaftung deS Vorsitzenden deS Aufitchtsratk der falliten Aktiengesellschaft I. H. Popp in Werdau, Rechtsanwalts Dr. Vierling, und 'eines BüreauvorsteberL Wilder boru(f und Verlag der Brühl'scheu UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. ZU Verkaufen Melleil-Gt'Iiicht' lUietgelüche Zl'rschltdtNts (Offene Stellen Vereine arbeiten ChauffierungSl arbeiten 3 Zimmer-Wohnung mit Küche u. Zubehör sofort oder später zu vermieten. j5345] Ki-chstratze 2. Junger Kaufmann, welcher im Herbst seine Militärzeit beendet, ucht Stellung. Offerten u. 02986 an die Expedition diese- Blattes. Geöffnet täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags und 8 nachmittags, außer Sams-ag nachmittags. 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