Nr. 26S Erstes Blatt. Donnerstag 7. November 190Z 151. Jahrgang Erscheint täglich MU Ausnahme deS Montags. Die Siebener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und den »Blättern für hessische Volkskunde* «rermal wöchentlich beigelegt. Redaktton, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fkrnsprcchanschluß Nr. 51. ® VST ® Annahme von Anzeige« GietzenerAnzeigers General-Anzeiger v BBS Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ________ » "J* zeigenteil: Hans Beck. Die AröettslostgLeit. Sowohl Hessen, als Preußen, Bayern und Baden veranstalten Erhebungen über den Stand der Arbeitslosigkeit, Hessen durch die Handelskammern, Preußen durch die Oberpräsidenten, Bayern durch die Fabrikcnspektoren und Baden durch noch andere Organe. Hätten wrr ein Reichsarbeitsamt, so brauchte das Material für die Beurteilung der Verhältnisse des Arbeitsmarktes jetzt nicht erst mühsam herbeigeschafft zu werden, sondern wäre zur Hand und sofort verwertbar. Jenes Amt ist als eine Instanz zu ununterbrochener Beobachtung der ökonomischen Bewegungen, zu immerwährender Sammlung und Sichtung aller einschlägigen Daten gedacht. Wer die „Labonr-Gazette" des englischen Arbeitsamtes kennt,, weiß, daß aus ihr überaus wertvolle Angaben über das Auf und Ab des Wirtschaftslebens zu entnehmen sind. Da sich indes die Reichsregierung zur Einrichtung dieses übrigens nicht einmal nut besonders erheblichen Kosten verbundenen Observatoriums der Arbeit nicht verstehen konnte, so fehlt das amtliche Material und muß jetzt, wo die Zeit drängt und Abhilfe not thut, erst notdürftig zusammengesucht werden. Die Ergebnisse der Umfragen dürften keine erfreulichen sein. Man weiß bereits, daß in der Industrie teils erzwungene Feierschichten eingelegt worden sind, teils Arbeiterentlassungen und Lohnherabsekungen stattgefunden haben. Was den Beschäftigungsgrad in der Maschinen- branche anbetrifft, so sind nach den: soeben erschienenen „Arbeitsmarkt" namentlich in den Hauptzentren verkürzte Arbeitszeiten eingesührt, da die gegenwärtig vorhandenen Aufträge nicht mehr ausreichen, um die Arbeiter voll zu beschäftigen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt- So sind beispielsweise in Leipzig mindestens 10 Prozent der Metallarbeiter ohne Beschäftigung, ungerechnet diejenigen, welche Leipzig verlassen haben. Lohn- und Akkordabzüge sind fast in allen größeren Betrieben gemacht. Für die Hüttenwerke ist die erwartete Belebung nicht eingetreten. Je mehr sich die Aufnahmefähigkeit des Jnlandsmarktes abschwächt, desto lebhafter muß sich das Großgewerbe um den Export bemühen, durch, welchen wenigstens ein Teil der Ueber- Jengung abgestoßen werden kann. Ebenso weisen die Holzoerarbeitenden Gewerbe starke Anzeichen des Niederganges auf. Wenn sich in der Textilbranchc der Geschästsgung nicht unerheblich gebessert hat, so ist das nur eine Ausnahme von der Geschäftsflaue, die sich wie Mehltau nacheinander auf alle Gewerbszweige zu legen scheint. Auch das Ausland steht teilweise unter dem -Lnucke einer wirtschaftlichen Krisis. In Oesterreich hat der Ministerpräsident erklärt, die Regierung sei bereit, jede taugliche Arbeitsgelegenheit zu verschaffen und sich angelegent- lichst zu bemühen, damit ein weitergreifender Notstand nicht auskomme Der Eisenbahnminister ersuchte die Verwaltung der Privatbahnen, ihre für jetzt und für das nächste Jahr notwendigen Bestellungen baldigst und in möglichst ausgedehntem Maße erfolgen zu lassen, wie dies auch seitens der Staatsbahn-Verwaltung geschehen werde. Nicht minder rüstet man sich in der Schweiz, den heranziehenden Gefahren entgegenzutreten. Die belgische Deputiertenkammer verhandelte über eine Interpellation, welche festzustellen bezweckte, was das Ministerium zu thun gedenke, um die Wirkung der industriellen Krisis aus die Arbeiter zu bekämpfen. Die Minister versprachen, die Gemeinden zur Gründung von Arbeitslosigkeitsversicherungen anzuspornen und die nötigen Staatsarbeiten so schnell wie möglich ausführen ru lassen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die eingetretene Verschlechterung der Geschäftslage auch' im deutschen Reichstag den Gegenstand eingehender Erörterung wird. Ein Abhilfsmittel gegenüber den düsteren Erscheinungen liegt in der schleunigen Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten. Der preußische Eisenbahnminister geht auf seinem Verwaltungsgebiet mit gutem Beispiel voran. Das bayrische Ministerium ist ihm dieser Tage gefolgt, und auch einzelne Kammern haben sich diesen Vorgänge angeschlvssen. So hat Mannheim, wo die Zahl der Arbeitslosen auf 5000 geschätzt wird, für Erdarbeiten, Steineklopfen usw. bereits 39000 Arbeitstage vorgesehen, welche sich aber auch auf das Doppelte erstrecken können. Von besonderer Bedeutung sind die Arbeitsnachweise, und zwar um so wertvoller, wenn sie auf paritätischer Grundlage ruhen und Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in gleichem Maße für den Ausgleich von Angebot und Nach- ftage interessieren. Durch solche Vermittelungsstellen kann auch eine Ableitung der überflüssigen Arbeitskräfte nach dem platten Lande bewirkt und damit Klagen der Landwirtschaft über die Leutenot abgeholfen werden. Selbstverständlich ist nicht jeder Industrie-Arbeiter in der Lage, ländlicher Tagelöhner zu werden. Ungelernte Arbeiter aber werden den Lohn, der ihnen auf dem Dorfe oder Gute winkt, dem Hunger vorziehen, der in der Stadt ihr sicheres Los wäre. Abgesehen von der Zuweisung vorhandener und der Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit kommt die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit in Betracht. Bisher schreckte man vor der Größe der Aufgabe noch zurück, nur vorübergehend in den Depressionsjahren 1891—1893 wandte sich ihr das öffentliche Interesse zu. Jetzt aber wird man nicht mehr säumen dürfen, trotz der Schwierigkeiten, die hier zu überwinden sind, an die Gründung entsprechender Kassen heranzutreten. Zunächst kommen für diesen Versicherungszweck berufs- genossenschaftliche Organisationen in Betracht. Die Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereine gaben im Jahre 1899 an Unterstützungen in Verbindung mit der Arbeitslosigkeit 105 800 Mark aus. Die sozialistischen Gewerkschaften gewährten in einem der letzten Berichtsjahre *289 036 Mark. So anerkennenswert diese Leistungen sind, so reichen sie doch bei weitem nicht aus, um das vorhandene Bedürfnis zu befriedigen, und man wird untersuchen müssen, ob nicht noch andere Formen der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit möglich sind. Mehrfach kamen kommunale Unter» stützuugskassen und in Verbindung damit reichsgesetzliche Bestimmungen in Vorschlag, welche den Gemeinden zwar nicht die Verpflichtung auferlegen, aber doch die Berechtigung gewähren, derartige Kassen mit Beitragspflicht für die jenen berufsgenossenschaftlichen Organisationen nicht angehörenden Arbeiter zu bilden. Allerdings ist es nicht leicht, festzustellen, wann unverschuldete und wann verschuldete Arbeitslosigkeit vorliegt, oder welche Arbeit ein Beschäftigungsloser nicht zurückweisen darf, wenn er sein Recht auf Unterstützung nicht verlieren will, oder endlich, welche Nebenverdienste auf die zu gewährende Unterstützung angerechnet werden sollen, und welche nicht. Indes, mit derartigen Schwierigkeiten haben auch die berufsgenossenschaftlichen Kassen £u »impfen, und wenn diese sie bewältigen, so könnten es die kommunalen Kassen auch, deren Leitung gleichfalls in der Hand praktischer Männer läge. In keinem Falle darf der Gedanke, die kommunale Sozialpolitik auch auf das Versicherungsgebiet zu erstrecken, ohne weiteres von der Schwelle gewiesen, sondern muß ernsthaft geprüft und, wenn er der Kritik stand hält, verwirklicht werden. Voraussichtlich erscheint im Reichstage gleich zu Beginn der Tagung eine Notstands-Interpellation, deren Besprechung das beste Präludium für die Zolltarif-Debatten bildet. Wien, 4. Nov- Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, will die Regierung zur Linderung der Arbeitsnot den Bau der Kunst-Gallerie in Prag beschleunigen. Mas lehren uns die Ergebnisse der Rkichstagswahlen? i. Unter diesem Titel ist in den letzten Tagen eine hochinteressante Schrift*) von Philipp Bonhard, Amtsrichterin Worms, erschienen, die wohl in allen politisch denkenden Kreisen Beachtung verdient. In der anregendsten Weise hat es der Verfasser verstanden, das vorliegende statistische Material, das er in bewunderungswürdiger Weise beherrscht, zu sichten und zu scheiden und Lehren daraus zu ziehen für die Parteien wie für jeden einzelnen bei Ausübung seines Wahlrechtes. In einem einleitenden Paragraphen giebt er zunächst einen Ueberblick über die Ergebnisse aller Wahlen seit 1871 und stellt für diese Zeit fünf Zeitabschnitte auf, und zwar 1871—1878 die Zeit der Vorherrschaft des Liberalismus, 1878—1881 die Zeit der konservativ-gemäßigtliberalen Mehrheit, 1881—1887 die Zell des Kampfes des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck gegen die oppositionelle Mehrhell Windthorst-Richter-Bebel, 1887—1890 die Zeit der sog. Kartellmehrheit, 1890—1895 die Zeit der konservativ- llerikalen Mehrheit und feit 1895 die Zeit des Vorherrschens der llerikalen Macht im Reichstag. In den folgenden Paragraphen wird zunächst die letzte Reichstagswahl etwas eingehender betrachtet, dabei das verstärkte Auftreten der Sozialisten betont und die Art und Weise, wie sich der Bund der Landwirte und der bayrische Bauernbund, neue Kräfte im politischen Leben, daran beteiligt haben, klargelegt, ferner wird die politische Lage in den Wahlkreisen behandelt, wo die volllichen Gegensätze die anderen überwiegen, also die östlichen, von den Polen bedrohten und die in Elsaß-Lothringen. Hierbei stellt der Verfasser fest, daß die letzte Reichstagswahl keineswegs unerfreuliche Resultate gezeitigt hat, sondern daß das Deutschtum in diesen Kreisen sich erheblich gestärkt hat. Was die Größe der Meise betrifft, so wird festgestellt, daß die Entwickelung längst die Bestimmung des ß 5 des Reichstagswahlgesetzes, nach welcher durchschnittlich auf 100 000 Seelen ein Abgeordneter kommen soll, überholt hat. Es giebt heute 30 große Wahlkreise, d. h. solche, die über 200,000 Einwohner zählen, darunter zwei, die sogar mehr als 500 000 Einwohner haben, dagegen giebt es auch 88 kleine Mandate, deren Einwohnerzahl unter 100 000 ^urückbleibt. Es besteht also ein Mißverhältnis zwischen >em Wortlaut des Gesetzes und der thatsächlichen Lage, das nach den Worten des Verfassers der Absicht des Gesetzgebers nicht entspricht, und das auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann. Nach den religiösen Bekenntnissen**) giebt es 252 mit evangelischer, 145 mit katholischer Bevölkerungsmehrheit Von den letzteren sind nur 19 nicht in den Händen der Klerikalen, zu denen Bonhard auch die Polen, Elsässer und bayr. Bauernbündler zählt; dafür besitzt die llerikale Partei drei Wahlkreise mit evangelischer Bevölkerungsmehrhell. (!) Ein Vergleich der städtischen und ländlichen Wahlkreise ührt uns auf das Gebiet des Gegensatzes zwischen indu- triellen und agrarischen Interessen. Es giebt in Deutsch- and***) 111 städtische und 286 ländliche Wahlkreise, d. h. olche, in denen die städtische, bezw. ländliche Bevölkerung überwiegt. Die Sozialdemokratie, von der man gewöhnlich annimmt, daß sie nur in städtischen Kreisen zu Hause fei, besitzt nur 42 städtische Wahlkreise, dagegen auch 15 länd- •) „Wa§ lehren uns die Ergebniste der Reichstagswahlen?" Wahlstattstische Betrachtungen von PH. Bonhard. Heidelberg, Karl Winter's Univ.-Buchhandlung. 98 Seiten. 1.20. •• ) Bonhard spricht auch von einer Gruppe partikularistischer Parteien und rechnet zu diesen das Centrum, die Welfen, die Protestler, die Dänen, Littauer, Polen und die deutsche Volkspartei. Wir halten diese Gruppierung für unzutreffend. Nach der Entwickelung, die das Zentrum in der letzten Zeit gemacht hat, darf man es nicht mehr zu den partikularistischen Parteien zählen; andererseits muß die demokratische Volkspartei zweifellos zu den liberalen Parteien gezählt werben, steht sie doch der freisinnigen Volkspartci ungemein nahe. Anm. d. Red. ** *) Die Volkszählung von 1895 ist zu Grunde gelegt liche Mandate und von diesen wieder verhältnismäßig viele in Preußen. Charakteristisch ist, daß das industrielle West, falen keinen, und die Rheinlande nur einen sozialdemokratischen Vertreter haben. Im allgemeinen ist der Besitzstand der Parteien recht schwankend. Feste Stammsitze der Parteien, d. h. solche, die stets in den Händen derselben Partei waren, aiebt es von den 397 Wahlkreisen nur 92. Die Polen haben die meisten Stammsitze, nämlich 12 von den 14, die sie derzeit inne haben, dann kommt das Zentrum, das der Zahl nach weit über die Hälfte aller Stammsitze besitzt. Bei diesen beiden Parteien, sowie bei den Protestlern liegen die Stammsitze auch örtlich bei einander, während sie in den übrigen Parteien zerstreut liegen. Ist schon, was die Stammsitze anlangt, das Zentrum in einer beneidenswerten Lage, so zeichnet es sich auch vor allen Parteien durch feinen festen Besitz aus, d. h. durch den Besitz solcher Mandate, die ihm in absehbarer Zell nicht verloren gehen können. Zu seinem festen Besitz ge- hören 83 Mandate, von denen 54 feste Stammsitze sind. Tie festen Besitze aller anderen Parteien sind demgegenüber unerheblich. — Unbedingt sichere Wahlkreise, d. h. solche, in Denen 1898 auf den Abgeordneten mehr als die Hälfte der Stimmen aller Wahlberechtigten gefallen sind, giebt es nur 35, von denen 21 dem Zentrum und 10 Den Polen gehören. Es ist also ersichtlich, wie fest der Turm der Klerikalen steht. 5. ßhristlich-sozialer Parteitag. (Nachdruck verboten.) L. u. P. B ja r m e n, 5. Nov. Tie christlichZoziale Partei, die neuerdings ein gelegentliches Zusammengehen mit der deutsche-sozialen Partei (unter Liebermann v. Sonnenberg) angebahnt hat, begann gestern abend im Saale des Evangelischen Vereinshauses ihren 5. Parteitag mit einer zwanglosen Begrüßungsver- sammlnng, welche die Christlich sozialen von Elberfeld und Barmen veranstaltet hatten. Der Vorsitzende, । Peter Kramer (Barmen), rief den Mitgliedern, und Gästen ein Willkommen zu. Tie Arbeiten Begannen heute mit einer Delegiertenver- sammlung unter dem Vorsitze des Hofpredigers a. D. Stöcker. Pfarrer Bern deck (Staden in Hessen) sprach ein Eingangsgebet. Stöcker widmete zunächst dem verstorbenen Generalsekretär des Berliner Stadtansschusses für innere Mission, Pastor Ernst Böhme, einen warmen Nachruf. Tie christlich-soziale Sache, sagte er weiter, stehe heute besser als vor drei oder vier Jahren. Ueberall zünde der christlich-soziale Gedanke, und es werde dahin kommen, daß das lebendige Christentum, das sich politisch und sozial bethätigen muß, durch uns vertreten werden wlld. Wir wollen ja eine christliche Volkspartei sein, die das Soziale stark Betont, weil es die große Frage der Gegenwart ist. Der Parteisekretär 'Dr. Burckhardt (Godesberg a. Rh.) gab den Jahresbericht. Er bestätigte, daß die Partei Fortschritte mache. Im vergangenen Jahre sind 25 Kreise bearbeitet worden. Im Kreise Hagen zeigen sich Anfänge. Im Möller'schen Wahlkreise Mühlheim a. Ruhr habe man vorläufig von einem Kandidaten abgesehen. Es sei nicht wahr, daß die christlich-soziale Partei offiziell ihre Mitglieder aufgefordert habe, für den Nationalliberalen zu stimmen; sie habe ihnen vielmehr ausdrücklich freie Hand gelassen. Aussichtsvoll sei für die Partei vielleicht der K,reis Wetzlar-Altenkirchen. Auf dem Westerwald habe die Partei Fortschritte gemacht. Die christlich-soziale Presse das „Volk" und christlich-soziale Drmck> Fristen seien dort ebenfalls stark verbreitet. — Im ganzen habe sich die Mitgliederzahl verdreifacht, ebenso die Einnahme. — Dem Parteisekretär Dr. Burckhardt wurde einstimmig der Tank und Entlastung ausgesprochen. Der nächste Parteitag soll voraussichtlich im Stocker'schertt Wahlkreise, in Siegen, stattfinden. Im weiteren Verlaufe kam auf Antrag des Vikars Schowalter (Mannheim) folgende Erklärung zur Verhandlung, die einftimmig angenommen wurde: 1. Die christlich-soziale Partei giebt ihrem tiefen Be- dauern darüber 2lusdruck, daß die christlichen Großmächte dem ungerechten und schmachvollen Kriege der englischen Weltmacht gegen das freie und heldenmütige Burenvolk müßig zusehen, ja zum Teil durch Lieferungen von Kriegsmaterial an England die pflichtmäßige Neuttalllät verletzen. — 2. Die chriftlich-ffvziale Partei bedauert insbesondere, daß die Regierungs--- Politik des Deutschen Reiches betreffs des Burenkrieges in Widerspruch mitdemsittlichenEmpfinden fast des gesamten deutschen Volkes, ebenso wie bei den armenischen Metzeleien, eine klare und entschiedene Stellung zu Gunsten der gerechten Sache vermissen läßt. — 3. Tie christlich-soziaale Partei, in dankbarer Erinnerung an das Wort Kaiser Wilhelms I. vom'Jahre 1871: er hoffe, daß das Deutsche Reich stark genug sein werde, überall für die Gerechtigkeit im Völkerleben einzutreten — ersucht die verbündeten Regierungen, ihrerseits gegen die englischen Verletzungen des Kriegsrechts bei gegebener Gelegenheit scharfen Einspruch zu erheben Sie fürchtet, daß die Verwirrung der Gewissen durch bau Unrecht des Burenkrieges schließlich den Parteien zu gute kommen wird, welche dem Christentum als der Religion der Wahrheit und Gerechtigkeit feindlich gegenüberstehen — 4. Tie christlich-soziale Partei beauftragt ihren Präsidenten, im Reichstage diese Resolution zu vertreten und dabei auch die G e w alt 11) ä t i g fei t e n der Engländer gegen die deutsche evangelische Miftio- zur Sprache zu bringen." Handwerg sehr gut E r h a t mich schon t ft echen lassen nnd wenn ich ferner das Alles der „Concordia" an. Dr. jur- Kowalski (Breslau) war Mitglied des Vereins obcrschlesischer Studenten. Cand- med. Cölestin R y d - lewski (Greifswald) war Mitglied, später Chargierter der dortigen „Adelphia". v- Suminski war in Breslau Mitglied der „Adelphia". Cand. med. Trebinski war Mitglied des Vereins „Unitas" in Leipzig, und Kassierer desselben. Er giebt zu, daß an den Verband seitens der „Unitas" Beiträge gezahlt wurden. Cand- med. Bialyl (Leipzig) war Mitglied der „Concordia" in Breslau und des Vereins polnischer Studenten in München. In Leipzig hat er zwei bis drei Wochen der „Unitas" angehört. Als Zweck der Vereine giebt er an, es sollte das kollegiale Gefühl durck) schöngeistige Vorträge, die überall zur Verlesung gebracht wurden, gepflegt werden. Cand- med. S z u l- c z e w s k i (Leipzig) war zusammen mit Bialy im Münchener I Verein. Stud. med. Bo lew ski hat eine sehr rege orga- nisawrische Thütigkeit entfaltet. Er bezog Ostern 1898 die Universität München. Hier wurde er Mitglied des Vereins polnischer Studenten. 1899 ging Bolewski nach Greifswald und wurde dort „Adelphia"-Mitglied, später Vorsitzender. — Präs.: Sie find dann auch nach Zürich gefahren? — Bolewski: Ja, aber nicht zum Verbandstag, sondern ich hatte dort ein privates Zusammentreffen. — Präs.: Von Zürich fuhren Sie nicht nach Greifswald zurück, sondern nach Warschau. Was wollten Sie denn in Warschau? — Angekl.: Ich feierte ein Familienfest dort- — Präs.: Wollen Sie den Namen nicht angeben. — Angekl.: Nein. — Präs.: Aus Warschau brachten Sie bei Ihnen beschlagnahmte Aufrufe mit? — Angekl.: Nein- — Präs.: Im Januar 1900 fuhren Sie von Warschau über Nakel wieder nach Greifswald. Dann fuhren Sie nach Krakau- Weshalb? — Angekl.: Weil es mir so gefiel. — Präs-: Dort hörten Sie dann, daß Sie verfolgt wurden? — Angekl.: Ja. — Präs.: Es wurde ein Haftbefehl gegen Sie erlassen. Sie stellten sich und wurden hier verhaftet. Wußten Sie, daß die Vereinigung der polnischen Jugend vor den Staatsbehörden geheim gehalten wurde? — Angekl.: Vor den deutschen Staatsbehörden nicht, aber vor den russischen. Es waren russische Polizeiagenten zur Ueberwachung der polnischen Studenten in München. Ein solcher Agent hat auch einmal der Ver-^ cinssitzung des polnischen Studentenvereins beigewohnt und von den: Verein sogar Unterstützung erhalten. Er machte dann die Dummheit, zu erzählen, er sei beim russischen Geschäftsträger gewesen und habe dort eine Gratifikation erhalten. Infolgedessen war sein weiterer Münchener Aufenthalt zwecklos, Er ging dann nach Karlsruhe und hat dort Studenten wegen Körperverletzung zur Anzeige ge- sehlen. ** Vortragsabend des kauf man Nis chen Vereins und des Ortsgewerbevereins. Auch der 2. Vortragsabend, den die beiden Vereine gestern veran-1 statteten, hatte sich wie der 1. eines überaus starken Besuchs I zu erfreuen. Es ist dies — wir haben es bereits bet der Besprechung des 1. Vortrags hervorgehoben — der beste Beweis, wie groß das Interesse ist, das unsere Bürgerschaft, die Damenwelt eingerechnet, diesen Vorträgen entgegenbringt. Gestern abend sprach im Saale des Hotels Einhorn, der sich fast als zu klein erwies, um die Erschienenen^ aufzunehmen, der Schriftsteller Theod. §erm- Lange aus Posen über „Das moderne Rußland". Die Zuhörer folgten seinen Schilderungen mit großem Interesse. Freilich müssen wir gestehen, daß wir eigentlich mehr Neues zu Horen erwartet hatten. Das, was der Redner bot, waren meist bekannte Dinge. Der Vortragende warf im Eingang einen Rückblick auf die Kulturentwickelung unseres östlichen Nachbarreichs in den letzten Jahrzehnten und schilderte dann die gegenwärtigen Verhältnisse, wobei er die Rußland cig.'n- tümlichen Abweichungen von deutschen Verhältnissen be- ein Verfahren zur Darstellung von Dimethyl- und Dictthyl- sulfat. Firma E. Merk in Darmstadt. Für eine Kette für Brettchenvorhänge mit stellbaren Holzbrettchen W. Hauß in Mainz. ** Der gelehrige Mehgerbursche. Aus unserem Leferkreise stellt man uns aus Friedberg folgenden gemütvollen Brief eines Metzgerjungen an seinen Vater zum Abdruck zur Ker polnische Keheimbund-'Frozeß. i. Posen, 5. November- In dem Prozeß gegen die vierzehn polnischen Stu denken, dessen Verhandlung gestern vor der zweiten Strafkammer begann, wurden zunächst die Angeklagt en vom Vorsitzenden Dr. Felsmann vernommen. Aus den Aussagen der AngeÄagten ist folgendes hervorzuheben: Gerichtsresercndar Franz Kara-.- aus Lissa l P- war als Student in Breslau Mitglied der „Concordia". Er giebt zu, daß die „Concordia" wie die „Unitas" (Leipzig), ein Hallenser Verein, Vereine aus verschiedenen sächsischen Hochschulen, der technische Verein zu Charlottenburg, der Verein Zgoda (Braunschweig) u. a- dem Verbände der polnischen Jugend angehört haben. ES gehörten nur Polen Unter den bis jetzt aufgefundenen Hockergräber» war besonders eines mit reicheren und charakteristischen Beigaben versehen, mit durch Spirallinien verzierten Gefäßen, Stein- meißeln und Mufchelanhängern, ähnlich den schon in früher aufgedeckten Gräbern gefundenen. Nach eingehender Besichtigung der Gräber wurden diese durch Hofphotograph Herbst photographisch ausgenommen. Von dem Gräberfeld begaben sich sänrtliche Herren nach dem ganz nahen und sehr schön gelegenen Oberflörsheim, um daselbst unter der Führung des Lehrers Reif von Oberflörsheim die Ueberrefte der einstigen Deutschordenskommande zu besichtigen. Durchaus befriedigt von dem auch durch das schönste Herbstwetter be- Aus Stadt und Kand. Nachrichten von allgemeinem Interesse fütb uns stets willkommen ! und werden angemessen honoriert. Gießen, 6. November 1901. ** Stadttheater. Herm. Heijermans' jr. eindrucks-! volles Seestück ,Die Hoffnung auf Segen" ist am Dienstag zum zweiten Male mit ungeteiltem Erfolge über unsere Bühne gegangen. Die Uebersetzung, in der unser Theaterpublikum die packende niederländische Dichtung kennen lernte, ist übrigens nicht, wie der Theaterzettel sagte, die autorisierte von Franciska de Graaff (Verlag von K. F. Köhler in Leipzig), sondern es liegt ihr die Uebersetzung von O. van Bergh nach der Bühneneinrichtung der ersten Aufführung in Amsterdam durch die Niederländische Schauspieler-Vereinigung zu Grunde, die in der bekannten Hendel-Bibliothek (Halle a. d. S., Otto Hendel) in Buchform erschienen und zu 25 Pfg. käuflich ist. Wir haben uns durch Einsichtnahme in diese beiden deutschen Ausgaben davon überzeugt, daß die von F. de Graaff die buchgemäßere, wohl auch korrektere,! die von O. v. Bergh die dramatisch geschicktere ist. Unsere Bühnenlcitung scheint die Bergh'sche Uebersetzung einer Umarbeitung unterzogen zu haben, jedenfalls hat sie ihr einige wirksame Bühnentriks zugefügt. Wie diese Fischertragödle das aufmerksamste Bühnenpublikum gefunden hat, wird cs ihr auch an einem verständnisvollen Lesepubliknm nicht 1 tonte. Zunächst berührte er den Eisenbahnverkehr. Nirgends reifte man so gut und verhältnismäßig billig als in Rußland. Das habe seinen Grund in dem seit mehreren Jahren eingeführten Staffelt «oder Zonentarif. Besonders billig stellten sich die Preise für größere Strecken. So bezahle man für eine Strecke von 100 Werft 2. Klasse nur 2 Rubel 13 Kop., für 1000 Werst 12 Rubel. Hierbei erwähnte der Redner die bekannte Thatsache, daß es nirgends so viel Eisenbahndiebe und -Diebinnen gäbe als in Rußland, die z T. mit dem schlecht bezahlten unteren Bahnpersonal unter einer Decke steckten. Dann gab er eine Beschreibung der russischen Bahnhöfe und hob die Merkwürdigkeit hervor, daß in den Wartesälen 3. Kl. zumeist ein Altar der ortho- ..... . z . . doxen Kirche aufgeschlagen sei. Primitiv feien die Be- günstigten Ausflug und die empfangenen mterefsanten An- leuchtungsverhältniffe aus den Bahnhöfen wie in den Zügen. ' Ehrten die Herren um 8 Uhr wieder nach Worms Es feien Leuchter angebracht, aber die Kerzen müsse k V Reisende mitbringen. Redner erwähnte noch die übrigen - » Paten,anm-ldun--n. Nach der von den Patentanwälten ’ $•» " unbequeme Fahrpost, und beschrieb dann den Verkehr in solgcndcn Firmen ,m tbiobherzogtum Hetzen neue Patente den russischen Gasthöfen. Auffallend billig seien durchweg angemeldet worden: 7yur em Verfahren zur Gewinnung von in Rußland die Lebensmittel; das könne man auch in den reinen nativen Eiweißsloffen. Chem. Fabrik E. Mert m Gasthöfen finden. Einen seltsamen Gegensatz dazu aber Darmstadt. Für ein Vorbereitungsverfahren und Slpparat bildeten die hohen Zimmerpreise. Außer diesen müsse man ^m Löthen R. G. Laub in Mainz. Für eine stetig sogar Bett und Bettwäsche bezahlen. Nunmehr ging ber Qr5cifenbc Nachlaßvorrichtung für stoßendes Tiefbohren Vortragende zur Charakterisierung des Russen selbst über. Köbrich in Darmstadt. Für eine Schraubenfeder für Er hob sein starkes Reinlichkeitsbedürfnis hervor. tya)t auf „cnu(c &ic m der Ruhelage durch eine Feder etwas geöffnet iS werden M F. Gutermuth m Darmstadt. Für mindestens ^einmal in der Woche ein Dampfbad/ Die be- die Vorrichtung zum Erwärmen von E.szellen und zum Be- kannte Thatsache, daß der Russe übermäßig dem Schnaps-!streichen derselben mit heißem asphaltartigem ~Qcf Z- Kroneck genuß huldige, bestätigte der Redner. Das Branntwein- in Worms. Für einen Läuterbottich mit mehreren am Boden Monopol und die Einschränkung des Wirtschaftsbetriebesldes Bottichs abschließbaren Läuterrohren W. Hartmann in hätten nicht den geringsten Wandel zum Besseren geschaffen, Offenbach. Für eine Bogenausführvorrichtung für Rotations- sondern die Sache noch ärger gemacht, indem nun zu Hause „ressen Faber L Schleicher, Akt.-Ges. in Offenbach. Für dem Laster gefrönt werde, und nicht nur der Mann, sondern " * --A die ganze Familie trinke. Doch sei das Nationalgetränk des Russen der Thee, der auch dem Gast selbst in dev heißesten Jahreszeit vorgesetzt werde. Den interessantesten Teil des Vortrags bildete die Schilderung russischer Schul- verhältuisse. Hier sei, so intelligent der Russe auch wäre, die Macht der Finsternis doch noch sehr groß, besonders in den Dörfern, wo teilweise überhaupt noch keine Schulen vorhanden seien, sondern der Unterricht durch Wanderlehrer gegeben würde, die bald hier, bald dort unterrichteten. Weit überflügelt dagegen habe Rußland die übrigen zivilisierten Staaten in der Einrichtung der vorzüglichen, schon seit etwa 50 Jahren bestehenden Mädchengymnasien. Die Disziplin auf ihnen sei sehr streng, und auch die Ansprüche j seien ziemlich hoch. Selbst junge Damen im Alter von 20 i bis 22 Jahren wanderten alltäglich mit dem Tornister in die Schule. Neben dem Lehrer habe jede Klasse eins sog. „Klaffendame", der die moralische Ueberwachung obliege. Jedes Mädchen habe beispielsweise die Pflicht, an sie gelangte Liebesbriefe dieser Dame vorzulegen. Würden I ihr 3 Fälle nachgewiesen, in denen dies nicht geschehen sei, würde sie relegiert. Der Redner schloß seinen Vortrag mit einer Beschreibung der russischen Hochschulen. Diese seien nur zeitweilig geöffnet. Gegenwärtig könne mau in Petersburg und Moskau studieren. Die russischen Universitäten hätten 5 Fakultäten, die medizinische, juristische, ., philologische (eine philosophische gebe es nicht), die natur- statt. Von 152 Wahlberechtigten machten 132 von ihrem ' wissenschaftliche und die mathematische. Dazu kämen noch Wahlrechte Gebrauch. Beide Parteien, die sog. „Roten" und die Seminare für die Priester. In Rußland gebv es keine I ,Schwarzen", machten große Anstrengungen, um ihre Kan- Studentenverbindungen, keine Mensuren, keine Kommerse. durchzubringen. Die Liste der roten Partei trug Ein Verkehr zwischen Studenten und Professoren finde nicht q6cc bcrt davon. Es wurden die drei ausscheidenden Xi'1;-- z SKI, Ks «. b-.ch<- .. Schluß jedes Jahreskurses finde eine Prüfung statt, der sich nur aus 60, 58 und 48 Stimmen. Q(te unterwerfen müßten. Wer zum 2. Male durchfalle, Darmstadt, 3. Nov. Am Samstag nachmittag fand in werde verwiesen und an einer anderen russischen Universität Gegenwart des Staatsministers Rothe, Ministerialrats De nicht mehr aufgenommen. Die Studenten rekrutierten sich Eisen Hut h, Oberregierungsrat Best und Geh. Oberschulrat meist aus den ärmeren Bevvlkerungsklasfen unb suchten Nodnagel, sowie einer zahlreichen Versammlung von Dirck-, sich vielfach burch Stunbengeben unb kaufmännische Neben- L rcn und Lehrern das Schlußturnen des Turnkursus beschäftigung etwas zu verdienen. akademisch gebildeter Lehrer statt, der am 7. Oktober ** Der Historische Verein für da8 Großherzogtum ^efftn burd. Geh. Oberschulrat Nodnagel eröffnet wurde und der hatte zum Ziel seines letzten Ausflugs, der^am Samstag den p^tuug des Turninfpektors Schmuck unterstellt worden war. 2. November stattfand, Flomborn und Oberflörsheim den turnerischen Hebungen der Teilnehmer, die nahezu bestimmt, besonders um die Ausgrabungen zu besichtigen, bie p, stunden ausfüllten, schloß Ministerialrat Dr. Eisenhuth gegenwärtig wieder von dem Wormser Altertumsverein auf I ^en Kursus mit einem kurzen Abriß über die Entwickelungs- dem dortigen Gräberfeld der jüngeren Steinzeit vorgenommen I ^schichte der Turnkurse in Hessen. Nach seinen Erläuterungen werden. Es beteiligten sich aus Darmstadt 9 Herren an I die Einrichtung der Turnkurse zur Ausbildung von dem Ausflug, die bald nach 12 Uhr unter der Führung des Turnlehrern aus dem Jahre 1865; der diesjährige war der Präsidenten des Vereins, des Archivdirektors Dr. Freiherrn und seit 1894 wieder der erste für akademisch gebildete Schenk zu Schweinsberg in Worms ankamen. Der ^hrcr. ! Landeskonservator, Ministerialrat Soldan, war bereits am l Frankfurt a. M., 5. Nov. Bei der letzten Rekruten- Abend vorher dort eingetroffen und hatte sich bereits am I ^jdigung hat General v. Lindequist angedeutet, daß der Samstagmorgen nach Fsomborn begeben. Um V-2 Kaiser den nächstjährigen Manövern des XVIII fuhren dann die Darmstädter Gäste, begleitet von dem ^r-!- beiwohnen werde. sitzenden des Wormser Altertumsvereins und einigen anderen „ Mitgliedern desselben, nach Flomborn und begaben sich so- XmtfcttnrtrrfTrtft Hort an die Stelle der gegenwärtigen Ausgrabungen des Wormser Vereins. Diese finden gegenwärtig auf dem an Wir haben bereits gestern mitgeteilt, daß das Baccellü den Friedhof anstoßenden Acker statt. Es war anzunehmen, sche Heilverfahren auch int Gvoßh. Hessen ^^robett)et^^ K X. - » U .* denn auch nicht getauscht. Bei der Untersuchung des Feldes Ack'erbauminister in Italien, eine lateinisch abgefaßtc durch den geübten Ausgräber des Wormser Aliertumsverelns, | Haupt stattfand, eine solche lediglich zum Schutze der russi-> scheu Mitglieder gegen Verfolgung ihrer Behörden. Präs.: Woher haben Sie die Aufrufe der Natwualliga? Bolewski giebt an, er habe fick) die beschlagnahmten Druckschriften aus Zürich schicken lassen, ebenso solche der polnischen und litthauischen Sozialiftenpartei. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet. d r e y m a l t o d t ft e ch e n lassen nnd wenn ich ferner Das Alles so gut befreite wird er mich auch nächstens schlachten, lassen. Einaesperrt find jetzt bey uns 3 Ochsen, wovon einer eine Ku ist und ich bin euer getreuer Sohn. ** Erlaubniserteilung. Der König hat dem Leutnant Chlodwig Prinzen von H essen-PH ilippsth al-Barch- f eld, im Regiment der Gardes du Corps, die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Ehrenkreuzes erster Klasse mll Krone des Fürttlich-Lippischen Haus-Ordens erteilt. x Gröningen, 4. Nov. Am 23. Oktober fand hier die Gemeinderatswähl unter sehr starker Wahlbeteiligung Verfügung: Mein über Fater, Ich benuze mit vielem eifer die Gelegenheit) der Post; um euch zu melden, daß ich jetzt in einem anderen Stande bin. Vor 8 Tagen hat mich mein Meister zum Schlächterjungen erhoben, was mich sehr lieb ist. Er ift vollkommen mit nur zufrieden und ich begreife das f "------ schen Verfahren auch hier anzustcllen. Der genannte Referent hatte deshalb schon am 25. Oktober eine Probebehandlung in die Wege geleitet, welche au einer Kuh des erst seit dem 23. Oktober verseuchten Viehstandes des Oekonomen Fritsch in Dilshofen vorgenommen werden sollte. Es kam indessen zu dieser Probebehandlung erst am 30. Oktober, nachdem dem Besitzer für den Fall, daß die Kuh an der Behandlung zu Grunde gehen sollte, Entschädigung zugesagt war. Am 31. Oktober morgens traf endlich die erbetene a-richt aus Italien ein. Sie bestand in einem vollständigedruckten Bericht eines Festvortrages, den Baccclli an, dem vom 23. bis 30. Oktober in Pisa stattgehabten italienischen Kongreß für innere Medizin gehalten hatte. Dem Vortrag waren ausführliche Berichte von drei mit der Anwendung des Mittels betrauten italienischen Tierärzten über die seit August angestelltcn Heilversuche beigcfügt. Aus diesen Berichten war zu entnehmen, daß die oben erwähnte Dosis von 0,05 Gramm die richtige gewesen und daß man diese Dosis an drei aufeinanderfolgenden Tagen ohne jede Gefahr für die Tiere anwenden könne. Hinsichtlich der Erfolge ist gesagt, daß dieselben hauptsächlich da sich als sehr günstige gezeigt hätten, wo die Anwendung im allerersten Stadium der Erkrankung erfolgt sei. Aus vorstehende Nachricht hat das Großh- Ministerium des Innern beschlossen, vorläufig die Anwendung des Verfahrens überall da auf Kosten der Staatskasse vornehmen zu lassen, wo die Besitzer von verseuchten Viehständcn es wünschen. So wurde denn bereits am 31. Oktober die Anwendung in fünf Gehöften in Reinheim, unter anderem in einem frisch verseuchten Bestand von 13 Milchkühen, begonnen. Am 1- November wurden einzelne Tiere in Zwingenberg, am 3. November Bestünde in Biebesheim in Behandlung gezogen. Aus dem zuerst in Behand- tung genommenen Milchviehbestande werden täglich Milch- probcn einer genauen Untersuchung auf die Beimischung von Quecksilber unterzogen, nach deren Ergebnis sich Herausstellen wird, ob und wie lange die Milch der behandelten, Tiere dem Genuß der Menschen zu entziehen ist. Sowohl die italienischen Berichte, als auch die ersten Versuche berechtigen wohl zu der Annahme, daß die Anwendung des fraglichen Heilverfahrens ungefährlich ist. Ob dasselbe auch bei dem bösartigen Verlauf der Seuche, wie er hier zu Lande in der letzten Zeit beobachtet wurde, sich als zuverlässig bewähren wird, kann erst nach einer größeren Reihe günstiger Erfolge festgestellt werden. In Reinheim sind am 4. November von den dort seit 31. Oktober behandelten Tieren bei zwei Besitzern zwei Tiere an der Seuche eingegangen, während die oben erwähnten 13, in den ersten Stadien der Erkrankung in Behandlung genommenen Milchkühe eines Besitzers sich noch alle munter zeigen. Ein durchschlagender Erfolg in allen Stadien der Krankheit, wie er vielleicht von manchem erwartet wurde, kann daher nicht mehr in Aussicht gestellt werden. Immerhin dürste abzuwarten sein, ob nidjt bei frühzeitiger Anwendung des Heilverfahrens eine Vermin- derung der Verluste erreicht werden kann.________________ Theater, Kunst und Wissenschaft. — Max Klinger in Leipzig, der geniale Maler und Bildhauer, bat die an ihn kürzlich ergangene Berufung an die Akademie der bildenden Künste in Arien abgelehnt; es soll jetzt eiu Münchener Professor berufen werden. Klinger verlangte 40,000 Kronen Gehalt und sechsmonatlichen Urlaub, während ihm das österr. Unterrichtsministerium 20,000 Kronen bot, worauf er nicht einging. — Tas neue Fürstliche Theater in Gera wird im Oktober des nächsten Jahres eingeweiht werden. Mil dem Theater, das künftig auch die Oper pflegen wird, ist ein großer Konzertsaal verbunden, in dem die öffentlichen Abonnementskonzerte der Fürst» lichenKapclle stattfinden sollen. GEBET ACHT dass die heranwachsenden Kinder eine leichtverdauliche aber kräftige Nahrung bekommen. E>n Frühstücks-Brei aus Quäker Oats (das Recept „Für den Frühstückstisch“ steht auf Jedem Packet) erfüllt diese Forderungen vollkommen. Der Versuch während einiger Zeit wird diese Behauptung bestätigen. Jedes Packet trägt den geschützten Namen „Quäker Oats“ sowie die Quäker Figur. 6711 Quäker Oats nur in Packeten. Cigarren. Carl Schneide» Cigarren. Giessen, Marktplatz 5. 6551 Spezialität: Vorstenlanden - Madai-Cigarre Detailpreis pro Stück 6 Pfg. Bei Preisermässigung. XXX Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. XXX Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartenstraste 2. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Buchbinder, 2 Hallsburschen, 1 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Putzfrau, 1 Büglerin oder Flickerin. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Holzdreher, 1 Dienstmädchen, 1 Lanffrau, 1 Laustnädchen, 1 Flickerin.____________________________ Bekanntmachung, die Wahl der Mitglieder der Stadtverordncten-Ber- sammlung betreffend. Donnerstag den 14. November 1901, von vormittags 10 Uhr bis abends 6 Uhr, soll die Wahl von 11 Stadtverordneten der Stadt Gießen vorgcnommen werden. Die Wahl findet in den: Bürgermeistereigebäude — Gartenstraße 2 — statt und zwar haben diejenigen Stimmberechtigten, deren Namen mit den Buchstaben beginnen: A bis Go im Zimmer Nr. 10 Gr bis Li im Zimmer Nr. 11 Lo bis Schl im Zimmer Nr. 12 Schm bis Z im Zimmer Nr. 14 abzustimmen. Neben der regelmäßigen dreijährigen Ergänzung der Stadt- oerordneten-Versammlung durch zehn MUglieder ist noch ein Ersatz- initglied für einen auf die Jahre 1899/1907 gewählten, inzwischen aber verstorbenen Stadtverordneten zu wählen. Alle Stilnmberechtigten werden danach cingeladen, an beni gedachten Termin sich persönlich einzufinden und ihre Stimmen abzugeben. Zugleich wird darauf aufinerksam gemacht, daß diejenigen Stimmberechtigten, welche mit der Entrichtung der Gemeindesteuer zur Zeit der LZahl sich länger als zwei Atonale im Rückstände befinden, zur Abstiinmung nicht zugelassen werdet: und daß daher alle diejenigen, tvelche bis zum 10. November mit der Entrichtung deZ 3. Zieles der Gemeindesteuern im Rückstände waren, nur dann zur Abstimmung zugelassen werden können. tveim sie einen solchen Rückstand noch bis zur Wahl abführen und daß solches geschehen, der Wahlkommission durch Vorzeigung ihrer Steuerquittung nachweisen. Gießen, den 5. November 1901. 7276 Großherzoglicye Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Donnerstag den 7. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier — Neuenweg 28 — 1. Eine Ladeneinrichtung; 2. Eine Geige; 3. 240 Cylinder u. 100 Glühkörper (Strümpfchen); 4. 1 Kassenschrank, 1 Schrerbtrsch, 1 Vertikow, 1 Sopha, ^Wanduhren (Regulatcure), 15 silb. Taschenuhren u. 19 Uhrketten. 5. 1 Musikautomat, 1 Sopha, 1 Kommode und 1 Waschkommode ; 6. Laus- u. Küchengeräte all. Art zwangsweise gegen bar versteigert werdet:. Die Versteigerung der unter ad 1 u. 2 aufgcführten Gegenstände findet ganz bestrmmt, ad 3 voraussichtlich und die übrigen zum Teil statt. 7279 Gießet:, 5. November 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher. Unucrstag den 7. Novbr. dS. IS., nachmittags 2 Uhr, werdet: in: Bieker'schet: L-aale -angsweise versteigen: lä silberne Herrcuuhrcu u. 6 goldene Dameuuhren (ganz neu),l goldene Herrenuhr, 1 großer viereckiger ^.sich mit mehreren Sch:ebladen, 1 Sopha und 1 ovaler -risch, 2. verschiedene Möbel, Uhren, Spiegel, Bilder u. a. 7-78 Die Berstcigeruug snb 1 findet ganz bestimmt statt. Geißler, Gerichtsvollzieher. Ausschneiden! Aufbmaheen! 100 Waggons Wiesenheu la., Meeheu la., Fntterstroh, Rartoffel abzugeben. A. Schmidt jr. LandeSproduktcu. 6793 Schweinfurt a. M. Anstalt „Hygiea“ Oscar Mfacr's UM. yidor May, Gießen Mottkekratze 8. 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