Nr. 210 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 7. September 1001 Erscheint täglich mü Ausnahme des Montags. Die Lietzener Zamilien- blätter werden dein Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schulst»atze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Bietzen. Kernsprechanschluß Nr.51. Amts- und Anzeigel 'ott für den Kreis Gießen M! Annahme von Anzeigen zu der für den folgenoen Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr Alle Anzeigen-Vermitt» lungsstellcn des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Die Zolltarifverhökerung. Zu einer Mitteilung der ..Täglichen Rundschau", daß der Herausgeber der Londoner Finanzchronik das an dieses Blatt gelangte Material zürn Entwurf des Zoll- tairifgeseßes mit Wissen und Genehmigung des Reichskanzlers erworben habe, stellt die „Nordd. Allg. Ztg." folgendes fest: „Am 24. Juli erhielt der Reichskanzler von einem ihm persönlich unbekannten Hamburger Herrn die Mitteilung, daß einer Londoner Zeitung (angeblich) die Abschrift der Tarifvorlage zum Kauf ange- boten wurde. Noch ehe seinerseits zu dieser Eröffnung Stellung genommen werden konnte, traf am 25. Juli die Meldung aus Hamburg ein, daß der Herausgeber der „Finanzchronik" die fragliche Abschrift der Tarifvorlage bereits erworben habe. Vom Reichskanzler erhielt der betreffende Hamburger Herr in dieser Sache keine andere Mitteilung, als den Ausdruck des Tankes für die Anzeige der Veruntreuung von amtlichem Material zum Zolltarif mit dem Hinzufügen, daß die Veröffentlichung jedenfalls unerwünscht sei. Aus der Bezeichnung „Veruntreuung" geht hervor, daß die Regierung die Verfehlung der beteiligten beiden Beamten als eine schwere und nicht nur disziplinarisch, sondern auch strafrechtlich zu ahndende an- sieht. Bekanntlich hat, im Gegensatz hierzu, Tr. Hamburger in einer Zuschrift an die Zeitungen erklärt, daß ihm die Informationen über den Zolltarifentwurf in durchaus legaler und einwandsfreier Weise zuteil geworden seien. Ein Exemplar des Tarifentwurfs habe er nie besessen. Indessen enthielt diese Erklärung auch mehrfache Widersprüche gegen die vorausgegangene Erklärung eines andern, an der Asfaire als Mittelsmann Beteiligten, des Vertreters eines auswärtigen Blattes. Wenn nunmehr amtlich, denn die Notiz der „Nordd. Allg. Ztg." rührt zweifellos aus der Reichskanzlei her, mit dürren Worten von einer „Veruntreuung "amtlichen Materials gesprochen wird, so muß die bisherige Untersuchung schwerwiegende Momente für eine solche Annahme ergeben haben. Tie gerichtliche Verhandlung wird Aufschluß gewähren, wie dieser sonderbare Handel zustande gekommen ist. Den guten Glauben wird man den beteiligten Journalisten nicht ohne weiteres wird man den beteiligten Journalisten nicht ohne in der Politik — z. B. fei an die Auszüge aus dem Reichshanshaltsetat erinnert, die in früheren Jahren geraume Zeit vor der Publikation des Etats veröffentlicht wurden —, sodaß die Information als solche immerhin als nicht bedenklich betrachtet werden konnte. Ein Mißgriff war allerdings der Verkauf des erlangten Materials an ein Matt des Auslandes. Anders zu beurteilen ist das Verhalten der betreffenden Beamten, wenn die strenge Weisung ausgegeben war, nichts über den Inhalt des Tarifentwurfs in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Das ist unleugbar ein Vertrauensbruch, und Beamte, die derart verfahren, sind schlechterdings ungeeignet, ferner- hin im Dienst der Behörde zu stehen. Nach chinesischer Auffassung. Daß die Eindrücke der „Sühne", der sich China durch Entsendung des Prinzen Tscynn nach Berlin unterzogen hat, kräftige und nachhaltige sein werden, wird ivohl nur von wenigen Optimisten angenommen. Aber auch diese dürften einigermaßen enttäuscht -fein nach dem, was der „Berl. Lokalanz." mitzuteilen in der Aage ist. Darnach scheint es Thatsache zu sein, daß man bei maßgebenden Persönlichkeiten der Sühnemission manches in dem Empfang als Entgegenkommen und geradezu als Ehrung aufgesaßt hat, was von unserem Standpunkt aus das Gegenteil bedeutet: die Abwesenheit militärischer Eskorte bei der Ankunft in Potsdam, die Ruhe des Publikums bei der Fahrt durch die Straßen, ja sogar der Nichtempfang des Gefolges des Sühneprinzen. In Bezug auf den letzteren Punkt drücken die Chinesen ihre Befriedigung aus, daß auf diese Weise die Audienz sozusagen ein Privatbesuch des Prinzen beim Kaiser geworden wäre. Dagegen sind die nach dem Sühne-Akt dem Prinzen erwiesenen militärischen Ehren als die eigentliche Sühnedemonstration betrachtet worden. „Es war mindestens so schön, lvie wir es bei der Abreise erhofft hatten." . . . Diese originelle Auffassung wird den Besuchern aus dem fernen Osten schwerlich zu benehmen sein. Es darf nicht verwundern, wenn demnächst in China dem Volk durch Maneranschläge kundgethan wird, welche ausgezeichnete Aufnahme ein Mitglied des kaiserlich chinesischen Hauses am Berliner Hofe gefunden, und daß selbst die Bevölkerung beim Nahen der „Gäste" ehrfurchtsvoll verstummte. Tie markante Antwort des Kaisers wird natürlich verschwiegen oder verändert werden. Die Londoner „Times" hofft, daß die Chinesen sich die feierliche Warnung des Kaisers zu Herzen nehmen. Nach diesen Stimmungssymptomen von Mitgliedern der „Sühnemission" ist die Hoffnitng kaum zu teilen. Tas beste an der Sühnemission bleibt, daß sie vorübergegangen ist, ohne ernstliche Weiterungen herbeizuführen, was der Fall gewesen wäre, wenn Prinz Tschun sich geweigert hätte, den deutschen Boden zu betreten. Im übrigen — „Löss von China!" . . Zum Gumbinner Mordprozeffe. Der Rechtsanwalt Horn in Insterburg hat der „Nationalzeitung" die Akten über die Wiederver- haftungdes Sergeanten Hickel zur Verfügung gestellt. Aus diesen Akten geht hervor, daß die Wiederoerhaftung verfügt wurde wegen Fluchtverdachtes, wegen der Kollisio nsg efahr und weil „neue Verpacht s m o m e n t e" eingetreten seien. Darüber, welcher Art diese Verdachtsmomente gewesen seien, geben die Aktenstücke keine Auskunft. Auch die Ankündigung, daß der Gerichtsherr bei der erneuten Verhandlung die neuen Verdachtsmomente mitteilen werde, hat sich nicht bewahrheitet. Die Frage bleibt also offen, ob die Wiederverhaftung gesetzlich begründet gewesen sei, und muß bis auf weiteres verneint werden. Rechtsanwalt Horn hat dann bei der Staatsanwaltschaft die Bestrafung des Kommandeurs der 2. Division und des kommandierenden Generals des 1. Armeekorps wegen Freiheitsberaubung beantragt und diesen Antrag ausführlich begründet. Darauf erhielt er folgende Erwiderung des zuständigen Ersten Staatsanwalts: Insterburg, 26. Juni 1901. Ihre Strafanzeige gegen den Herrn Kommandeur der 2. Division und den öerrn kommandierenden General des 1. Armeekorps vom 23. Juni er. nebst 2 Anlagen, welche hier am 24. Juni er. offen eingereicht und auf diese Weise erst heute vormittag zur vorgerückten Stunde auf dem geschäftlichen Umwege des Sekretariats und der Dekretur zu meiner Kenntnis gekommen sind, sende ich Ihnen mit dem Eröffnen zurück, daß ich ungeachtet der Vorschrift des § 153 Abs. 1 der M.-St.-G.-O. mich bei dem Mangel eines Immediatgesuches im Hinblick auf die für Begnadigungsgesuche bestehenden und hier der Bedeutung nach zutreffenden Vorschriften aus formalen Gründen nicht für befugt erachten kann, dieselbe der Allerhöchsten Entscheidung Sr. Majestät des Kaisers und Königs, die meines Erachtens hier allein in Frage kommen kann, zu unterbreiten. Ihnen vielmehr überlassen muß, falls Sie es bei einer wiederholten Prüfung für angezeigt erachten sollten, von der Ihnen in § 151 Absatz 2 Satz 2 a. a. O. gegebenen Berechtigung zur direkten Vorlegung bei der vorgesetzten Dienstbehörde Gebrauch zu machen. Hecht, Geheimer Justizrat. Rechtsanwalt Horn richtete darauf folgende Beschwerde an den Oberstaatsanwalt in Königsberg: Insterburg, 27. Juni 1901. Euer Hochwohlgeboren bitte ich ganz ergebens!, die Königl. Staatsanwaltschaft zu Insterburg anzuweifen, mit der anliegenden Strafanzeige so zu verfahren, wie dieses in § 153 der Militärstrafgerichtsordnung vorgeschrieben ist. Ich kann die Gründe, aus denen der Erste Herr Staatsanwalt die Ueberreichung der Anzeige ablehnt, nicht als stichhaltig anerkennen. Der Oberstaatsanwalt erwiderte am nächsten Tage, daß er die Beschwerde nebst deren Anlagen gemäß § 153 der Militärstrafprozeßordnung an das geheime Kabinett Seiner Majestät des Kaisers und Königs für die Militärangelegenheiten abgegeben habe. Tas letzte Schriftstück in der Angelegenheit ist das folgende: General-Kommando, XVII. Armee-Korps, Danzig, 14. August 1901. An den Herrn Rechtsanwalt Horn in Insterburg. Auf Ihre am 23. Juni d. I. gegen den kommandierenden General, General der Infanterie Grafen Finck von Finckenstein und den Divisions-Kommandeur General- leutuant v. Alten an die Staatsanwaltschaft in Königsberg i. Pr. an das Militärkabinett überreichte Anzeige hat auf Allerhöchsten Befehl ein Ermittelungsverfahren statt- gefunden. Ta keinerlei Beweise vorliegen, daß die genannten Offiziere eine Verhaftung oder vorläufige Festnahme widerrechtlich borgenonimen haben, habe ich das gerichtliche Verfahren eingestellt. In dem am 6. Juni 1901 von dem kommandierenden General Grafen Finck von Finckenstein erlassenen Haftbefehle ist zwar von neuen Verdachtsgründen oder neuen Beweismitteln nicht die Rede, es sind aber thatsächlich neue d. h. dem Kriegsgericht unbekannt gebliebene Beweismittel vorhanden, so daß auch die Voraussetzungen des § 179 Abs. 2 der Militärstrafgerichtsordnung gegeben sind. Der kommandierende General, v. Lentze. Zu diesem letzten Schriftstücke schreibt Rechtsanwalt Horn in der „Nationalztg.": „Dieser Einstellungsbeschluß ist mir am Morgen des 15. August, als die Verhandlungen vor dem Oberkriegsgericht in Gumbinnen begannen, zugestellt. Es war auch höchste Zeit mit der Zustellung, denn die Verhandlungen des Oberkriegsgerichts ergaben, daß neue Verdachtsgründe und Beweismittel nicht vorhanden waren. Der 15. August war der letzte Tag, an welchem man das Gegenteil allenfalls noch behaupten konnte. Daß General v. Lentze keinerlei Beweise gefunden hat, ist nicht zu verwundern. Aus den Akten ist nicht zu ersehen, daß er diese eingefordert, geschweige denn eingesehen hat. Nun wird der Verletzte, Hickel, sobald er aus dem Militär- verbande ausgeschieden ist, denselben Strafantrag stellen. Ihm steht gegen einen solchen Einsiellungsbeschluß die Beschwerde an das Reichs-Militärgericht zu." • * s Die sieben Minuten, über die der Unteroffizier Marten nach Anschauung des Gumbinner Oberkriegsgerichts keinen Alibibeweis führen könnte, sind bekanntlich vom Staatsanwalt als „ein gewaltiges Indieinm" gegen Marten bezeichnet worden, und sie haben vielleicht auch zu dem Todesurteile wesentlich beigetragen. Nunmehr wird der Wert der Zeitangaben darüber, ob Marten einige Minuten früher oder später in den Stall gekommen sei re., von fachmännischer Seite beurteilt. Der Vorstand des Deutschen Uhrmacher-Bundes erläßt folgende Erklärung: „1! Tie billigen Sorten von Taschenuhren, wie sie meistens von Soldaten getragen werden, gehen n u r selten so genau, daß ihre tägliche Differenz nicht,eine bis zwei Minuten und mehr betrüge. Außerdem erfolgt das Ableien der Zeit durch den Laien nur in sehr oberflächlicher und daher ungenauer Weise. 2) Die Uhren werden von ihren Besitzern vielfach absichtlich nicht auf genauer Zeit gehalten, vielmehr pflegen Soldaten und Beamte ihre Taschenuhren häufig vorzustellen, um Verspätungen im Dienste zu vermeiden. Tie Differenz, die sich infolge dieser Gepflogenheit zwischen den Zeitangaben der einzelnen Taschenuhren ergiebt, schwankt zwischen fünf und fünfzehn Minuten und beträgt in vereinzelten Fällen noch mehr. 3) Die Zeitangaben der öffentlichen Uhren einer Stadt weichen fast allenthalben bis zu mehreren Minuten von einander ab. Ties käme dann in Betracht, wenn die Zeugen ihre Taschenuhren nicht nach einer und derselben Uhr zu stellen pflegten. 4) Nachträglich aus der ■Erinnerung gemachte Zeitangaben können erfahrungsgemäß keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben." 21. Deutscher Protestanteutag. Kaiserslautern, 5. September. Unter ungemein zahlreicher Beteiligung von Geistleichen und Laien aus allen Teilen des Reiches trat hier am 2. September der Deutsche P r o 1 e st an t e n-Ver e in, mit dem Sitze in Hamburg, zu seiner 21. Hauptversammlung zusammen. Ter Verein setzt sich nach seinen Statuten aus Denjenigen deutschen Protestanten zusammen, welche „eine Erneuerung der protestantischen Kirche im Geiste evangelischer Freiheit und im Einklang mit der gesamten Kulturentwicklung unserer Zeit anstreben". Tie erste öffentliche Versammlung, die gestern statt- fanb, war von etwa 600 Personen besucht, darunter bieten Fremden, auch etlichen Tarnen. Ter Vorsitzende des deutschen Protestantcnv^reins, Pfarrer Tr. Krüß-Hamburg begrüßte die Versammlung und besprach die Entwickelung des protestantisch-religiösen Lebens in Deutschland, speziell in Der Pfalz. Namens der Stadt Kaiserslautern entbot Brügermeister Tr. Orth herzlichen Willkomm in der Pfalz. Das Bureau wurde gebildet aus Tr. Krüß als 1., Tr. Andreae als 2. Vorsitzenden, Pastor Stage-Hamburg als 1. und Pfarrer Stepp-Ludwigshafen als 2. Schriftführer. Viele schriftliche und telegraphische Grüße wurden alsdann verlesen. Weiter gedachte man ehrend der um die protestantische Kirche verdienten, im letzten Jahre verstorbenen Männer. Pfarrer Klapp-Hamburg besprach hierauf den Katholikentag und feine Beschlüsse. Ten Inhalt feiner Worte faßte er in die nachstehende Resolution zusammen: „Ter Deutsche Protestantenverein erklärt in Beziehung auf die Verhandlungen des Osnabrücker Katholikentages: daß diese Verhandlungen im Gegensatz zu dem Versprechen, dem Frieden und der Liebe dienen zu wollen, vielmehr dazu angethan sind, die konfessionellen Gegensätze zu verschärfen; daß in der Verhöhnung Martin Luthers und namhafter deutscher Männer — Bismarck eingeschlossen — der ultramontane Charakter der Führer des Katholikentages offen zu Tage tritt; daß die Versicherung des Ultra- montanismus, die Stütze der Ordnung und des Thrones zu sein, im Widerspruch steht mit der Geschichte und dem immer wiederholten Anträge, der die Rückberufung der Jesuiten fordert. — Er würde es lebhaft bedauern, wenn der in der Osnabrücker Versammlung gespendete Beifall als Ausdruck der Zustimmung aller unserer katholischen Volksgenossen gedeutet werden müßte, und ist überzeugt, daß diese in ihrer Mehrheit trotz aller Hetzereien mit dem protestantischen Volke in Frieden leben wollen." Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Darauf gedachte Professor Paul Wilhelm Schmidt- Basel des in Südafrika heldenmütig um feine Freiheit kämpfenden Volkes der Buren. Er schlug folgende Resolution vor, die einstimmige Annahme fand: „Ter Deutsche Protest.antentag in Kaiserslautern in Erwägung, daß Herz und Gewissen aller, welche den christlichen Namen bekennen, durch den immer noch fortwütenden südafrikanischen Krieg, zumal in der drohenden extremen Verschärfung feiner Grausamkeiten, schwer heimgesucht sind, in Erwägung ferner, daß die beiden streitenden Volksstämme von jeher durch ruhmreiche Vertretung des gleichen protestantischen Glaubens verbunden waren, welcher auch unser Glaube ist, in Erwägung endlich, daß die englische Nation, die bahnbrechende Führerin unter den Missionsvölkern, das Volk des Wilbersoree und Levingstone, für die Ehre des Christennamens in fernsten Ländern je und je Großes gethan hat, jetzt aber daran ist, diese Verdienste, nach der allgemeinen Schätzung der christlichen Völker der Erde, in ihr Gegenteil zu verwandeln: spricht den mutigen Zeugen der Gerechtigkeit und Humanität, Geistlichen und Laien, welche in England selbst dem Kriegsfanatismus entgegentreten, ihre tiefsten Sympathieen aus und bittet sic, für ihre Friedensforderungen im Namen christlicher Menschlichkeit auch ferner mit unermüdlichem Eifer einzutreten." Nach ihm erörterte Professor Tr. Ziegler- Straßburg i. E. das Thema: „Welche Anforderungen stellt das moderne Leben an die Ausrüstung des Geistlichen?" Ter Redner führte aus: die Frage sei dahin zu beantworten, daß die evangelischen Geistlichen keine Hierarchen seien, sondern mit allem besten moderner Bildung sich erfüllende Menschen. Tas Studium der Thaologie als Wissenschaft müsse natürlich die Hauptsache fein. Dabei lerne der Geistliche das Wichtigste, die wiffenfchaftliche Wahrhaftigkeit und die Toleranz, den Mut, wahr zu sein um jeden Preis, was angesichts moderner Ketzergerichte auch innerhalb des Protestantismus Not tue, und endlich die Weite und Universalität des Gesichtskreises, der vor allem auch im Respekt vor den Ergebnissen der übrigen wissenschaftlichen Forschung und speziell als Anerkennung der Naturgesetzmäßigkeit sich zeige, mit der unser modernes Wissen steche und falle, und die jedes Wunder ausschließe. Der evangelische Geistliche müsse aber auch philosophisch gebildet sein, denn dies allein schütze vor romantischer Thatenlosigkeit und reaktionären Anwandlungen. Ohne einen solchen philol ophiichen Hintergrund sei auch das Christentum arm und schwach, und der einzelne bliebe ohne eine einheitliche -Welt- und Leb.ensanschauung ohnedies nur ein Fragments Tas alles gelte freilich für jeden gebildeten Menjcheu, und so sei die Summe aller Forderungen doch nur die, daß die Ausrüstung der Geistlichen keine andere sei, als die jedes gebildeten Menschen überhaript. Das zeigte sich auch im Sittlichen. In unserer demokratisch gerichteten Zeit dürfe der Geistliche keine besonderen hierarchischen Ansprüche erheben, brauche sich aber auch keine engherzigen Zumutungen einer besonderen Heiligkeit gefallen zu lassen. Individualismus und Sozialismus sind die beiden Pole unserer Zeit. Jener verlange vom Geistlichen, daß er eine Persönlichkeit sei mit eigenem Innenleben, dieser fordere vom ihm soziale Gesinnung. Vor allem sei es die Aufgabe des einzelnen Geistlichen, in seiner Gemeinde als Sozius zu wirken und nach ihren induviduellen Bedürfnissen mitzuarbeiten an der Erziehung seiner Gemeindegenossen zur Selbsthilfe. In diesem Sinne brauchten wir allerdings soziale Pastoren. Auch auf ästhetischem Gebiet solle der Geistliche als Erzieher seiner Gemeinde Mitarbeiten an der ästhetischen Bildung unseres Volkes. Wie notwendig das sei, habe sich bei dem Klamps um die Lex Heinze gezeigt. ®in besonderes aber sei für den Geistlichen unerläßlich, daß er als religiöser Erzieher au,.M wirklich Religion habe, sonst wäre er ein Mietling! oder em Heuchler. Und so gelte Frömmigkeit, Bildung und Freiheit — diese drei. Möge es der deutschen protestantischen Kirche auch im 20. Jahrhundert an solchen Geistlichen nicht fehlen." .—। Reicher Beifall lohnte den Redner für seine von den Zuhörern mit gespanntester Aufmerksamkeit aufgenommenen Ausführungen. Erster Redner am heutigen zweiten Versammlungstage war Pfarrer Blorn aus Lettweiler. Er sprach über das Thema: „Der Religion, sunt er richt in der Volksschule". Volksschule und Religionsunterricht sind untrennbar miteinanoer verknüpft. Die Volksschule kann ihn nicht entbehren, schon als Bildungs-, viel weniger noch als jErziehungs-Anstalt. Der christliche Religionsunterricht nach evangelisch-protestantischer Auffassung hat seinen Stoff der Bibel zu entnehmen, und zwar der ganzen Bibel, also auch dem Alten Testament. Zur Vermittelung des biblischen Stoffes an die Kinder bediene man sich her biblischen Geschichte und der Schulbibel. Von der Mtssasfimg der Bibel, wie sie durch die geschichtlich orientierte Tbeologis vertreten wird, müssen aua) die Kinder der Volksschule etwas erfahren. Die Darbietung des Stoffes Zoll sich in von Stufe zu Stufe erweiterten Kreisen vollziehen. Nach einer Vorbcreitungsstufe soll zuerst das religiöse Gefühl, dann die religiöse Vorstellung und endlich die Bildung des Willens im Vordergründe des Uuterrichtsinteresses stehen. Als nächster Redner folgte Pfarrer Dr. Mehl Horn aus Leipzig über den Religio'.:'unterricht in den höheren Schulen. Mehlhorn faßt den Religionsunterricht gleichfalls nicht bloß als einen Unterricht über, sondern zur Religion auf, als ein Mittel christlicher Charakterbildung. Das sei u.-.türlich nur mittelbar durch den Unterricht möglich, durch < ccckung eines lebendigen Interesse für Religion, ( istentum und Kirche. Die höhere Schule habe im Ver- c ; h mit der Volksschule das Interesse für diese Lebcns- hte durch ein reicheres und zusammenhängenderes ge- > Etliches Material zu wecken. In dem Begriff des er- Z. blichen Unterrichts liegen zwei Forderungen einge- .hlossen: die Schüler müßten unterrichtet, nicht an- gepredigt werden, und der Unterricht dürfe nicht in <;nein bloßen Dozieren, sondern hauptsächlich in einem die Aelbstthätigkeit der Schüler wachrufenden Lehrgespräch besehen. Zur Befestigung der so erarbeiteten Lebens- und -Weltanschauung trage die Verflechtung der Erträgnisse des Religionsunterrichts mit denen anderer Unterrichtsgebiete wesentlich bei. Im weiteren verbreitete sich der Redner über die Notwendigkeit, den Schülern auch die Quellen der religiösen Erkenntnis zugänglich zu machen. Am Nachmittag des 4. September tagte gleichzeitig die Generalversammlung des Protestantenvereins der Pfalz, die eröffnet wurde von Seminardirektor Dr. Andreä. Es sprachen ferner Dekan Trost-Winnweiler, Pfarrer Cron eis -Kandel, dieser über die auswärtigen Missionen, und Dr. B i s ch o f - Türkheim. — Als V o r o r t des Deutschen Protestantenvereins wurde die Pfalz mit dem Sitz in Kaiserslautern bestimmt. Für den Fall, daß^ der erweiterte Ausschuß des pfälzischen Vereins nicht zusagt, soll Bremen Vorort fein. VoiiUsche Tagesschau. Die „Berliner Korrespondenz" meldet: Der Handels- m in ist er empsindet das Bedürfnis, die voin Börsenausschusse in der Sitzung im Juni zur Frage der Revision des Börsen- gesetzes gefaßten Beschlüsse mit den preußischen Sachverständigen persönlich zu besprechen, bevor er in der Sache Stellung nimmt. Er hat daher einige hervorragende Kenner des Bärsen- wescns und Vörsenrcchts auf den 18. dss. Mts. zu einer Besprechung eingeladen, welche hoffentlich die ebenso schwierige als dringliche Angelegenheit weiter klären wird. Die Berliner Stadtverordneten - Versammlung nahm in ihrer heutigen Sitzung zu der Bürgermeister- Wahl Stellung. Stadtv. Cassel erklärte, daß seine Fraktion, die alte Linke, geschlossen für die Wiederwahl Kauff- manns eintreten werde, und er bat, von einer Ausschußberatung abzusehen. Es handle sich durchaus nicht um eine leere Demonstration, auch nicht um einen Eingriff in die Kronrechte. Stadtv. Singer erklärte, daß seine Fraktion wiederum einstimmig für Kauffmann votiren werde. Der Wahl ohne Ausschußberatung schließe er sich an, doch weise er auf den Ernst der Situation. Die Versammlung möge aus einer nochmaligen Nichtbestätigung auch die Konsequenzen ziehen. Stadtv. Rosen ow, von der neuen Linke, schloß sich dem Wunsche auf möglichst einstimmige Wiederwahl ohne Ausschußberatung an. Es wurde beschlossen, die Wahl in der nächsten Sitzung vorzunehmen. Zur Börsengefetz-Novelle schreibt man uns aus Berlin, 5. September: Der Abgeordnete und zweite Vizepräsident des Reichstags, Büsing (nL), hat unwidersprochenermaßen kurz nach der Ernennung seines Fraktionskollcgen Möller zum preußischen Handelsminister privatim angedeutet, daß nunmehr eine Milderung der Bestimmungen des Börscngesetzes zu e warten sei. Qm den Verhandlungen des Börsenausschusses im Juni hat sich Minister Möller zwar nicht beteiligt, doch daß er die Angelegenheit im Auge behielt, geht aus einer Mitteilung der amtlichen „Verl. Korr." hervor. Darnach empfindet Herr Möller das Bedürfnis, "bevor er in der Z-ache Stellung nimmt, die vom Börsenausschuß gefaßten Beschlüsse mit Sachverständigen, Kennern des Börsenwesens und Börsenrechts, persönlich zu besprechen. Daraus erhellt, daß der preußische Handelsminister sich nicht ohne weiteres auf den Boden der Beschlüsse des Börsenausschusses stellen will. Ueberraschen kann das schwerlich, da diese Beschlüsse eine runde Aufhebung der Beschränkungen des BörsenterminHandels als erforderlich bezeichnen. Herr- Möller ist aber ein zu guter Kenner der parlamentarischen Verhältnisse, um zu wissen, daß eine solche Forderung bei der ausschlaggebenden Partei, dem Zentrum, keinenfalls auf Annahme zu rechnen hat. Der Minister ist also offenbar bestrebt, eine „mittlere Linie" zu finden, auf der sich die das reelle Börsengeschäft einengenden Gesetzesbestimmungen abändern lassen, ohne daß die Tendenz des Gesetzes in wesentlichen Punkten durchbrochen wird. Auf letzteres würde, wie gesagt, die Mehrheit des Reichstags nicht eingehen. Der Fall ist schwierig und dringlich, das meint auch die „Berl. tl'orr.". Wenn es Herrn Möller gelingt, aus dem Für und Wider eine annehmbare Novelle zum Börsengesetz zusammenzuschmieden, dann hat er sein ministerielles Probestück geliefert. An der Vorlegung der Novelle im kommenden Winter ist jedenfalls nicht zu zweifeln. Man schreibt uns aus Berlin, 5. Sept.: Nach der offiziösen „Korrespondenz Hoffmann" ist die bayerische Re- gienmg nicht von der Neichsregierilng zu einer Meinungsäußerung über die Gründung einer Kolonialarmee aufgefordert worden. Soll dies ein „Dementi" bezüglich des Kerns der Meldung sein, dann ist es sehr „auf Schrauben gestellt". Bündiger, einfacher wäre die Meldung gewesen, in der „Nordd. Allg. Ztg." oder im „Neichsanzeiger", daß das Projekt an amtlicher Stelle überhaupt nicht existiert. Aber es scheint, daß Gründe vorhanden sind, eine solche Erklärung nicht zu geben. Es mag zutreffend sein, daß die Aufforderung zur Meinungsäußerung an die bayerische und die anderen süddeutschen Negierungen bisher noch nicht gelangt sind — weil vielleicht das Projekt noch in der Schwebe ist, die Vorarbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Also es bleibt eine präziser gefaßte offiziöse oder offizielle Aeußerung abzuwarten, bevor der Plan als zu den Akten gelegt zu be- trachten gu ________________________________ ÖJWftianöesTÄnv Lmreu. In den gefälschten Reitzbriefen hieß es, die Buren seien kurz an allen Lebensmitteln. Bald darauf schrieb Kitchener in seinem offiziellen Bericht über die Lage in Südafrila von „unerschöpflichen" Vorräten in Südafrika, und nun kommt Lord Methuens Bericht über seine Säuberungsarbeiten in der Südwestecke Transvaals. In drei Wochen hat man dort 25 000 Schafe, 4000 Stück Vieh, 100 Pferde und nur 16 Gefangene erbeutet. Wenn das nicht Beweis genug ist, daß die Reitzbriefe gefälscht sind, dann ist den Engländern nicht zu helfen. Sie wollen getäuscht sein . Genau so, wie in der Südwestecke liegen jedoch die Verhältnisse in ganz Transvaal. Und dabei ist in dem reichen Distrikt int Norden von Pietersburg noch keine englische Säuberungsarmee gewesen. Von dort können die Buren Lebensrnittel genug beziehen, denn der Zoutpansberg-Distrikt ist wohl versehen mit Farmen, die reichliche Ernten haben. Zucker, Kaffee, Kaffernkorn, Mais und Pferdefutter wird dort gebaut. Auf der letzten land.- wirtschaftlichen Ausstellung in Pretoria erhielt der von einem deutschen Farmer im Zoutpansberg gebaute Kaffee den ersten Preis. Nicht gerade so günstig, doch günstig genug für die Buren liegen die Verhältnisse im Oranje- Freistaat. Die Farmen sind zwar niedergebrannt und die Felder verödet, und dennoch ist dort genügend Futter sür Pferde und Lebensmittel für die Buren. Wie hätte sonst De Wet mit seinen Leuten monatelang im Freistaat ein Leben der Zurückgezogenheit und der stillen Muße führen können! Die Taktik der Buren, durch kleine Abteilungen die Engländer im Freistaat und Transvaal beschäftigt zu halten, hat sich gut bewährt. Die neuen Blockhäuser haben den Engländern wenig genützt. Die Delagoa- bai-Linie ist schon seit Monaten unsicher und ein Teil davon abwechselnd in den Händen der Engländer und der Buren. Trotz der vielversprechenden Neuerung bringen die Buren fast täglich Züge zum Entgleisen oder sprengen sie in die Luft. So berichteten wir in unserer vorigen Nummer davon, daß die Buren in der Nähe von Mk- l e s a r einen Zug in die Luft sprengten und einen anderen zum Entgleisen brachten. Heute liegt eine neue Nachricht vor, nach der die Buren bei TiangS (Kapiolonie) einen Zug zum Entgleisen brachten. Ferner wurde einer amtlichen Depesche aus Mozambique zufolge die Eisenbahnlinie Pretoria-Lorcuzo-Marques dreißig Kilometer von Komatiport zerstört. Das Ergötzlichste 'aber, was über die Art der Kriegführung seitens der Engländer seit längerer Zeit Zn die Öffentlichkeit gedrungen ist, ist ein Fall, der sich in Heilbronn ereignete, wo zwei britische Abteilungen einen rcg?!> rechten Nampf miteinander ausfochten. Es gingen nämlich auf die Meldung, die i Eingeborener gemacht hatte, zwei Mann von dem Moreiy. i-Regiment aus, um Dynamit auszugraben, das die Buren vergraben hatten, und zwar in einer Farm, die sich ganz in der Nähe befand. Plötzlich wurden sie von 30 Buren angegriffen, sie feuerten aber abwechselnd und konnten sich auf diese Art zurückziehen. Außerdem ließen sich die Buren durch eine Herde Vieh ablenken, die sie versuchten, einzufangen. Die Herde wurde aber von australischen Buschmännern getrieben, die sich in der Mehrzahl befanden und die Buren zurückschlugen. Die Buschmänner trieben darauf das Vieh weiter. Als sie dann an Leeuwpoort heran kamen, glaubte die Garnison, sie werde von Buren angegriffen und begann den Kampf. Tie Australier befanden sich in demselben Mißverständnis. Sie trieben ihre Viehherde an einen Platz, wo sie geschützt war, und es kam zu einem regelrechten Kampf, bei dem 3000 Patronen verfeuert wurden. Beide Parteien hielten mit der größten Standhaftigkeit aus, erst als sie näher aneinander herankamen, erkannten sie, daß sie sich beide geirrt hatten, und beide Parteien ergaben sich darauf die eine der andern. • * Matjesfontein, 4. Sept. Scheepers Kommando, noch immer von Oberst Alexander verfolgt, wandte sich nördlich und gab anscheinend den Zug in die südlichen Distrikte der Kapkolonie aus, da Scheepers unter den öureü» freundlichen Afrikandern die erwartete Unterstützung nicht sand. Theron, der mit Scheepers operiert, wurde von 250 Mann der Lokal-Kolonialtruppen angegriffen und erlitt geringe Verluste. Berlin, 5. Sept. Der Kaiser begab sich heute morgen nach Berlin, besuchte hier das Atelier von Profeffor Reinhold Begas, besichtigte im alten Museum die Neu-Erwerbungen und hörte dann im Königl. Schlosse die Vorttäge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabs und des Chefs des Militärkabinetts. Später nahm er die Meldung des aus Wien zuttickgekehrten Kommandeurs des Kaiser Franz Garde- Grenadier-Regiments Obersten von Raven und des Leutnants de Lavallade entgegen. Der Kaiser, welcher nachmittags nach dem Neuen Palais zurückkehrt, gedenkt morgen früh 7 Uhr nach Königsberg abzureisen, wo er abends eintrifft. — Prinz Tschun ist mit Begleitung heute nachmittag 4 Uhr eingetroffen und wurde von den Herren der chinesischen Gesandtschaft empfangen. Sie fuhren in Hofequipagen nach der für den Prinzen gemieteten Wohnung im Tiergarten ; im ersten Wagen befand sich der Prinz mit Generalmajor v. Höpfner. — An den Flottenmanövern bei Danzig wird auch, wie aus Petersburg telegraphiert wird, der Generaladmiral Großfürst Alexei teilnehmen. Er wird dabei von dem Marineattachee bei den nordischen Mächten Fregattenkapitän Schimmelmann begleitet sein. — Die Abendblätter melden noch folgende Einzelheiten zum Untergang der „Wacht". Die „Weißenburg" nahm die „Wacht" noch ins Schlepptau, die „Wacht" sank aber in 22 Minuten, bei der Kollision wurde der Kutter der „Wacht" zertrümmert. Der Kommandant der „Wacht" stand als Letzterer neben der Flagge auf dem Deck, und sprang erst ab, als das Vorderschiff untertauchte. Die „Sachsen" erlitt am Bug eine Havarie, und ging nach Danzig zur Reparatur ab. Die „Wacht" liegt 48 Meter tief. Bei den Bergungsarbeiten zeichneten sich namentlich die Mannschaften der „Sachsen" aus. Das Unglück wird auf Versagen des Steuerapparates zurückgeft'chrt. Die „Wacht" wurde vom Ramm- steven der „Sachsen" zwischen dem Heizraum und dem Ma- schinenraum getroffen, wodurch der Schott zwischen beiden Räumen zertrümmert wurde, die sich schnell mit Wasser füllten. Die Rettungsboote konnten an den Seegangswegeu nicht anlegen. Die Mannschaften sprangen daher auf das Kommando „Rette sich wer kann!" über Bord. Nur der Kommandant, der erste Offfzier und der Schiffsingenieur blieben bis zuletzt zurück. Der Steuerapparat der „Wacht" hatte vor dem Aus- ’aufen der Flotte Havarie erlitten. Da der Ersatz sich verzögerte, so lief das Schiff lediglich mit dem Handruder ays. Der Zusammenstoß war unvermeidlich, obwohl beide Schiffe ihre Maschinen mit äußerster Kraft rückwärts arbeiten ließen. Ein Matrose erlitt eine Verletzung am Bein. Gumbinnen, 5. Sept. Unter Bedeckung von 6 Mann ist gestern der zum Tode verurteilte Dragoner Marten in das Militärgerichtsgefängnis nach Dan zig gebracht worden, um zunächst seine einjährige Gefängnisstrafe wegen FahneH- lucht zu verbüßen. Der Verurteilte hatte die Hände auf der Brust geschlossen und weinte bitterlich. Zur speziellen Bewachung wurden 1 Feldwebel und 2 Unteroffiziere kommandiert. Angesichts dieser Maßnahme herrscht hier das Gerücht, daß der Revisionsantrag in Berlin abgel ehnt worden fei, sodaß die verhängte Todesstrafe zu Recht bestehen bleiben würde. In Gemeinschaft mit M. wurde ein Dragoner nach Danzig transportiert, der zu 6 Jahren Zuchthaus und AuS- 'toßung aus dem Heer verurteilt worden ist. Sergeant H i ck e l befindet sich noch immer auf freiem Fuß. Es verlautet indessen auf das bestimmteste, daß seine Wiederoerhaftung er- olgen werde, sobald das Revisionsgericht dem Revisionsantrag stattgegeben und die Angelegenheit zur nochmaligen Verhandlung verwiesen haben wird. Es gilt nicht als ausgeschlossen, daß unter Umständen die Sache Hickel von der Sache Marten getrennt wird, sodaß einer von den beiden als Zeuge herangezogen werden kann. Entgegen anberroeiter Meldung ist es absolut unwahr, daß Marten einen Selbstmordversuch unternommen habe. München, 5. Sept. Der „Bayer. Kurier" theilt heute abend mit, daß sämtliche geistliche Mitglieder der Schulkommission schon unterm 23. August einen einstimmig gefaßten Protest gegen den nun doch unternommenen Versuch, die Simultanschule einzuschmuggeln, an den Magistrat gerichtet haben. Dieses Protestes ist bisher noch nirgends Erwähnung gethan. Die Stadtpfarrer haben deshalb abermals eine Konferenz für die nächsten Tage anberaumt, auf welcher sie erneut einen Protest an die Regierung gegen die Schmälerung ihrer verfassungsmäßigen Rechte beschließen wollen. Diesem Protest soll durch eine Deputation bei der Negierung und dem Ministerium Nachdruck verliehen werden. Stuttgart, 5. Sept. Heute trat hier die 7. Hauptver». sammlung des Vereins deutscher Straßenbahn- und Kleinbahn-Verwaltungen unter Vorsitz des Generaldirektors Nöhl-Hamburg zusammen. Namens des Ministeriums begrüßte Ministerialrat Haag, namens der Bahnverwaltung Bahndirektor Fuchs und namens der Stadt Gemeinderat Stockmayer die zahlreiche Versammlung. Es wurde dann eine Reihe technischer Referate erstattet, speziell über Schutzvorrichtungen.__________________________________ Ausland. Budapest, 5. Sept. Kaiser Franz I o s e f ist heute abend in Zirez im Veszprimer Komitat eingetwffen. Der Kaiser verbleibt zwei Tage dort, um den Schießproben mit den neuen Geschützmodellen beizuwohnen. Die Erzherzoge Franz Ferdinand und Friedrich, der Chef des Generalstabs Frhr. v. Beck und andere Generalstabsttiir glieder sind anwesend. Lemberg, 5. Sept. Von den heute gewählten 74 Landtagsabgeordneten der Landgemeinden Ga< liziens erhielten die konservativen Kandidaten des polnü nischen Zentral-Wahl-Komitees 46 Mandate; sie gewänne^ acht. Tie Ruthenen behaupteten von 15 innegehabten Man^ baten 13, die polnische Volkspartei von 7 Mandaten » die gemäßigte Linke, welche früher ein Mandat hatte, er? hielt heute vier, die Skojalowski-Gruppe, die früher iup durch den Pater Skojalowski vertreten war, erhielt dr- Mandate, der polnische Bauernbund behauptete von vier innegehabtcn Mandaten drei, der Besitzstand der polnischen Demokraten, früher zwei Mandate, blieb unverändert. Neu« gewählt wurde ein Antisemit. Unter den Gewählten befindet sich der Obmann des Polenllub-o v. Jaworeli, bei Statthalter Graf Pininski und der Landmarschall Gras Badeni. Konstantinopel, 5. Sept. Wiener Corr Bur. Offizielle Berichte aus Paris stelle,i Frankreiä ent schlossen hin, in dem französisch-: r tischen ?,w i- schenfall eventuell bis aufs äußer e zu gehe: Der Minister des Aeußeren Tewfrt Pascha lud heute d.. ran- zösischen Botschaftsrat Bapst in seine Privatwe anug. Bapst lehnte gemäß, ihm aus Paris zugcgangenen Instruktionen die Einladung ab. — Tie Pforte erhielt, die Nachricht, der Kommandant eines engt i s ch e n Kriegsschiffes hinderte im persischen Golfe die türkis ct) c Korvette „Schab" an der Einfahrt in den Hafen von Koweit. Die Pforte verständigte das britische auswärtige Amt, daß die .Haltung des englischen Kommandanten der Freundschaft der beiden Länder widerspreche. Anderweitige Berichte behaupten, der Vorfall habe einen anderen Verlauf genommen, der englische Kommandant habe die türkische Korvette nur an der Ausschiffung von türkischen Truppen in " 'weit in der Besorgnis gehindert, daß dadurch Unruhei: entstehen könnten. Tie Entsendung von türkischen Truppen nach .loweit soll von dem Sultan von Bassorah veranlass sein. Petersburg, 5. Sept. Tie Beschuldigung des „Pest. Lloyd", daß R u ß l a n d auf dem B a l k a u i n t r i g u i e r e, erfährt in den „Petersburgskija Wjedomosti" energische Zurückweisung. Tas Blatt sagt, die russische Orientpolitik und überhaupt die ganze änßere Politik Rußlands habe ihre Gewissenhaftigkeit, die Ruhe auf dem Balkan aufrcchtzu- erhalten, durch allzu beredte Thaten und Bestrebungen bekundet, als daß die künstliche Agitation auch eines hervorragenden ungarischen Blattes irgendwelchen Schaden sowohl auf die russische Diplomatie wie auch auf die österreichisch-russischen Beziehungen werfen könnte. — Tie Regierung beschloß, fünf Panzerschiffe von je 20000 Tons Wasserverdrängung bauen zu lassen. Diese neuen Kriegsschiffe werden alle auf russischen Werften gebaut werden. Washington, 5. Sept. Ter hiesige kolumbische Gesandte schickte dem Staatsdepartement die Mitteilung, wonach Kolumbien in aller Form den Vermittelungs- Vorschlag der Vereinigten Staaten an nimmt. Peking, 5. Sept. Die fehlenden Edikte, wegen welcher die Zeichnung des Schlußprotokolls aufgeschoben wurde, sind eingetroffen und werden von den Gesandten geprüft tvcrden. — Kapitän Roller vom amerikanischen Kriegsschiff „Monocacy" übergab den Chinesen gestern drei kleine Dampfer, die ihnen bei den Operationen um Tientsin abgenommen waren. Amerika ist der erste Staat, welcher derartiges Eigentum zurückgiebt. Yokohama, 5. Sept. Tie chinesische Sühnemission ist heute in Tokio eingetroffen. Gnn Empfang fand nicht statt. Die Mission begab sich direkt in ein Hotel. Buffalo, 5. Sept. Präsident Mc- Kinley hielt heute in der panamerikanischen Ausstellung eine Rede, worin er auf das ohne Beispiel dastehende Gedeihen der Vereinigten Staaten hinwies. Die Reziprozität, sagte er, ist die natürliche Folge unserer wunderbaren industriellen Entwicklung, die unter der einheimischen Politik jetzt aus eine feste Grundlage gestellt ist. Was wir über unseren heimischen Verbrauch produzieren, sollten wir ins Ausland senden. Tie Periode der wirtschaftlichen Abgeschlossenheit gehört der Vergangenheit und die Ausdehnung unseres Handels ist ein dringendes Problem geworden. Wir haben ungenügenden Dampfschiff v er ke h r , es sollte direkte Linien von der Osh- küste der Vereinigten Staaten nach Südamerika geben, der Erfordernisse der Zeit sind Tampfschifslinien nach den Absatzgebieten, die bis jetzt wenig angelaufen werden. Wir müssen unsere Handelsmarine ermutigen, und wir müssen mehr Schiffe unter amerikanischer Flagge haben, die von Amerikanern gebaut und bemannt werden sowie Amerikanern gehören. Wir müssen den Jsthmus-Kanal bauen. Tie Legung des Pacisic-Kabels kann nicht länger auf- geschoben werden. Aus Stadt und Zand. vtachrtchterr von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen unk werden angemessen honoriert. Gießen, 6. September 1901. Postperfonal'Veränderungen in der Provinz Oberheffen. Versetzt sind: die Postverwalter Klesius von Laubach nach Seligenstadt, Schmidt von Klein-Krotzenburg nach Kirtorf, Kadel von Kirtorf nach Viernheim, Zimmermann, unter Ernennung zum Ober-Postassistenten von Viernheim nach Nidda, die Postassistentcn Noll von Bad Nauheim nach Homberg, Chantre von Bad Nauheim nach Weisenau, die Postgehilfcn Nickels von Lich nach Lindenfels, Schreiner von Fürth (Odenwald) nach Echzell, Wunsch von Groß- Umstadt nach Londorf, Pfeifer von Londorf nach Wald- Michelbach, Ernst Zimmermann von Vilbel nach Monsheim. Ernannt ist zum Postdirektor der Postkassiercr Wolf in Friedberg. Bestanden hat die Assistcntenprüfung der Postgehilfe Gell;ar inNicder-Wöllstadt. Entlassen ist der Postassistent Hcbcrer in Homberg. * * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren vurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz Peter Barth, Adam Spangenmacher und Paul Hohmann. * * Eine Obst-Ausstellung für die Kreise Büdingen und Schotten wird Mitte Oktober in Schotten stattfinden. Wahrscheinlich finden, wie dies gelegentlich derartiger Aus- tellungen in anderen Orten der Fall war, einige Vorträge rus dem Gebiete des Obstbaues statt. * * Stiftungsfest. Der Centralverband der Deut- chen Uhrmacher, gegründet 1976 in Harzburg, feiert oom 8. bis 10. September dort das Fest seines 2 5jährigen Lestehens, verbunden mit einem außerordentlichen Verbandstag, icr am Montag den 9. September stattfindet. — Der nächste ordentliche Verbandstag wird im Jahre 1903 in Mainz ibgehalten. ** Landesversammlung des hessischen Bauernstandes. Auf icr am 15. September in Darin st adt stattfindenden Landes- icrsammlung des gesamten hessischen Bauernstandes werden >ic Gutsbesitzer Schade - Altenburg, Gutsbesitzer Emil Schätzet-Selzen, Hirsch el- Offenbach a. Main, Pfarrer Nauer-Fehlheim und Gutsbesitzer Korell-Leusel als 15ebner auftret^ ’* Ein folgenschwerer Zwischenfall trug sich gestern auf einem in der Nähe unserer Stadl gelegenen Gutsbofc zu. Ein Knecht geriet nach einem kurzen Wortwechsel mit einem Mittpechte, dem Verwalter und seinem eigenen Brotherrn in Streu. Er versuchte sogar, sich an seinem Brotherrn zu vergreifen. Ter Verwalter und der andere Knecht eilten ihrem Herrn zu Hilfe. Bei dieser Gelegenheit erhielt der Angreifer nur einem Melkstuhl einen so wuchtigen Schlag auf den Kopf, daß er zusammenstürzte und eine ziemlich bedeutende V letzung am Kopfe davon trug. Nachdem er das Bewußtsein wieder erlangt hatte, bewaffnete er sich mit einem Revolver und drang in die Wohnung seines Arbeitgebers ein. Dieser ergriff zu seiner Verteidigung ebenfalls einen Revolver, der scharf geladen war, und feuerte auf den Eindringling zwei Schüsse ab, die diesen in Hals und Wange trafen. Der Verletzte wurde in die hiesige Klinik übergeführt. § Klein-Linden, 5. Sept. Einen sehr interessanten und zugleich wertvollen Fund machte hier ein noch schulpflichtiger Knabe, der in einer Backsteingrube ein Handbeil aus der Steinzeit fand. O Grünberg, 5. Sept. Unserer kürzlichen Mitteilung über die bevorstehende Ergänzungswahl des Gemeinderats ist noch hinzuzufügen, daß auch für das freiwillig ausscheidende Mitglied, Fabrikant August Stammler, eine Neuwahl stattzufinden hat, sodaß also fünf Gemeinderäte zu wählen sind. — Der Bauer'sche Gesangverein-Gießen veranstaltet am 29. September in der hiesigen Turnhalle ein Konzert. Grebenhain, 4. Sept. Nächsten Montag, 9. September, findet die Ausfischung des zur hiesigen Oberförsterei gehörigen, jedoch in der Gemarkung Crainfeld gelegenen sogen, großen Rothenbacherteiches statt. Die Fische, ausgezeichnete Vogelsberger Karpfen, sind an eine Firma in Wiesbaden für 52 Mk. pro Zentner verkauft worden. Das Fischen findet morgens 6 Uhr statt, während nachmittags eine gesellschaftliche Unterhaltung in dem Teichhäuschen stattfindet, wo der Grebenhainer Musikverein konzertiert. i. Laubach, 5. Septbr. Bei der heute stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde mit 242 von 244 abgegebenen Stimmen der seitherige Bürgermeister Jochem wieder- gewählt. fo. Friedberg, 5. Sedt. In unserem sonst so friedlichen Kreisstädtchen herrscht noch immer große Aufregung über den Ausfall der Gemeinderatswahlen. Unter den Gewählten befindet sich der 30 Jahre alte Sozialdemokrat Busold. Die übrigen 10 Gewählten sind meist freifinnig.' S. Butzbach, 5. Sept. Mit dem Dampfer „Stuttgart" wird demnächst der aus Bessungen gebürtige Zimmermann Wilh. Klier, 41 Jahre alt, in Deutschland eintreffen, der wegen Diebstahls, Austistens und Hehlerei gemeinsam mit fyroet Genossen aus Hamburg und Basel durch das Kaiserl. deutsche Konsulargericht in S.chan g Hai am 6. Juni zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Ta es in Schanghai noch an einem geeigneten Arrestlokal fehlt, ist der Transport des Verurteilten nach seiner Heimat behufs Strafvollstreckung angeordnet worden. Schotten, 5. Sept. In der gestrigen Generalversammlung beschloß der Vereinigte Turn- und Ge- s a n g - Ve r e i n , die Wirtschaft in der Turnhalle in Selbstbetrieb zu übernehmen. Cs wurde eine Wirtschasts-Kom- missiou gewählt, welche in Gemeinschaft mit dem Vorstand die Angelegenheit in die Bahn leiten soll. S. Darmstadt, 5. Sept- Bei dem dieser Tage in ,O f>e rramstadt bei Schäfer stattgehabten Brande hat einen gegenüber wohnenden Landwirt ein eigentümliches Mißgeschick getroffen. Bei diesem brach nämlich vor etwa drei Wochen Feuer aus, und es gelang den gemeinsamen Anstrengungen, feine Futter- und Fruchtvorräte zu retten und vorerst in der Hofraithe seines Nachbars Schäfer unterzubringen. Heute sind sie nun doch vollständig verbrannt. — Tie unmenschlich gefühllose Behandlung eines Pflegekindes dürfte demnächst den Zimmermann Ad. Presch er aus Eckartsroth b. Schlüchtern, sowie dessen Eehefrau, geb. Eich, aus Oberwestern Kr. Alzenau, auf die Anklagebank führen. Sie haben das fünfjährige uneheliche Kind gar nicht, sondern zahlt nur das monatliche Pflege- Schönhof in Offenbach, Waldstraße 17, in Stellung ist, in Pflege. Die Rabenmutter bekümmerte sich um das Kind gar nicht, sondern halt nur das monatliche Pflegegeld. Tie Pflegeeltern behandelten nun das arme schwache Wesen außerordentlich schlecht, stießen und schlugen es mit allen möglichen Werkzeugen, sodaß es fortwährend offene Wunden und Beulen am ganzen Körper hat. Jetzt ist es endlich den Mitbewohnern zu arg geworden, und sie erstatteten Anzeige. M a i n z, 4. Sept. Das Kreisgesundheitsamt Mainz hat im Verein mit dem Reichsgesundheitsamt Berlin gestern eine eingehende Untersuchung des Rhein - Wassers vorgenommen. Tie Untersuchung, zu welcher ein Dampfer der Reederei Waldmann-Biebrich gemietet war, dauerte den ganzen Tag und erstreckte sich von Eltville bis Laubenheim. Der Ausmündtmg des Salzbaches wurde besondere Beachtung zu teil. Offenbach a. M.. 5. Sept. In der letzten Nacht hat laut „Offenb. Ztg." in der Wasserhofstraße die seit 2 Monaten dort wohnende, aus Frankfurt zugezogene Witwe des Eisen- bahnbeiriebssckretärs Ullrich ihre vier Kinder, zwei Knaben im Alter von 11 und 2J/2 Jahren, sowie vor acht Tagen heimlich geborene Zwillinge, erdrosselt und sich selbst erhängt. Frankfurt a. M., ö. Sept. Staatsminister Dr. von Miquel hat nach Osnabrück die Nachricht gelangen lassen, daß er sich in Frankfurt auf dringendes Anraten seines Arztes einer erneuten Kur unterwerfen müsse, daß er jedoch an seiner Absicht, Osnabrück, die Stätte seines langjährigen Wirkens, zu besuchen^ unbedingt festhalte. fc. Homburg v. d. H., 5. September. Tie Kosten für das Denkmal der Kaiserin Friedrich sind gesichert. Mit der Herstellung des Denkmals wird wahrscheinlich der Schöpfer des Kaiser Friedrich-Denkmals, Bildhauer Uphues, beauf- tragt werden._________________________________________ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gernsheim, 4. Sepr. In der heute Mittag stattgehabten Generalversammlung der Rheinischen Malzfabrik Gernsheim wurde die Liguidation beschlossen. Als Liquidatoren wurden die Herren Stadtrechner Pfaff-Gernshe in und der Prokurist des Bankgeschäfts Neustadt-Tarinstadt ernannt. Berlin, 5. Sept. In der Aufsichtsratssitzung der Dresdener Bank berichtete die Direkt'-x über den bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres und konstatier! , daß die Bank mit feiner der in diesem Jahre in Konkurs oder in chllmgsstockung geratenen Banken und Finnen in Geschäftsverbinduna gestanden habe. Von den als Privatdiskonten gekauften Wechseln auf die Leipziger Bank und die Kreditanstalt in Dresden sei der größereTeU von den Mitverbrmdenen bereits ein gelöst, und auch aus dem verbleibenden nicht erheblichen Rest werde in 'Anbetracht der Milverbundenen voratlssichltich kein Verlust erwachsen. Der Ausftchtsrat stimmte mit der Direktion darin überein, das; zu einer Abweichung von der bisherigen (Gepflogenheit, wonach eine Veröffentlichung von SemcstralbUanzen nicht slattsindet, für die Bank kein Anlaß vorliege und auch aus der Verbreitung unwahrer ®erüd)te ein solcher nicht zu entnehmen sei. sodann genehmigte der Auftichtsrat die Errichtung einer Zweigniederlassung in Zwickau unter der Firma: Filiale der Dresdener Bank in Zwickau. Helmstedt, 6. Sept. Am 18. Oktober wird hier eine von der Reichsbankstelle in Braunschweig abhängige Retchsbankneben- stelle mit Kasseneinrichlung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. St. Gallen, 5. Sept. Das Schweizerische Eisenbahndeparte. ment hat sich mit derErstellung des Basis — Lunn elprojektes Lußer Dietler Mofer von Wättwyl über Kaltbrun nach Utznach (sog. Rickenbahn) einverstanden erklärt imb verlangt hierfür vorn Kanton St. Gallen folgende Bcitragsleistung: Die kostenfreie Uebernahmc der T o g g e n b u r g b a h n an den Bund, die lieber3 nähme der Hälfte der allfällsigen Mehrkosten des Projektes über den Voranschlag von Fr. 11 015 000 hinaus, jedoch höchstens im Betrage von Fr. 500 000. Dieser Entscheid des Eisenbahn-Departements ist ein endgilkiger. Tie daherigen Finanzleistungen werden sich auf rund 2,5 bis 3 Millionen belaufen. Der freihändige Rückkauf der Toggenburgbahn ist vom Eifenbahn-Tepartemenk auf Fr. 2 750 000 ober per Aktie aus Fr. 343„, festgesetzt und ebenfalls aks ein endgiltiger erklärt worden. Ter Verwaltüngsrat der Toggenburgbahn hat beschlossen, einer aus Ende September in Aussicht genommenen Generalversammlung die Annahme der Kaufoffer^e zu beantragen. Zweifellos wird die Offerte des Bundesrats oom Regierungsrat und Großen Rat des Kantons St. Gallen angel, nommen werden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 8. September. 14. nach Trinitatis. Gottesdi enst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Schlosser. In der Johannestirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich letzte Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasaemeinde. Vormittags 97a Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. Samstag den 7. September. Nachmittags um 4'/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 8. September. Mariä Geburt. Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge, Siidarrlagr Israelitische AeligionsgemeinLe. Samstag den 7. September 1901. Vorabend 6" Uhr, morgens 830 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Sabbathausgang 750 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgrsellschast. Sabhathserer am 7. September 1901. Freitag abends 63d Uhr. Samst.ag vormittags 8 Mx, nachmittags 4 Uhr, Sgbabthausgang 74G Uhr. Wochengottesdienst: Sonntag den 8. ©eptember und Freitag den 13. September morgens 5 Uhr, die übrigen Tage: morgeus 5,a Uhr, abends 6°° Uhr. Neueste Meldungen. Beilin, 6. Sept. In der gestrigen ersten Sitzung bet Stadtverordneten nach den Ferien gedachte Vorsteher Dr. Langerhans in warmen Worten des Hinfcheidens bef Kaiserin Friedrich. — Ein Erholungsheim für feine Am gestellten will ein hiesiges Handelshaus errichten. DasfM( soll im Gebirge oder an der See errichtet werden uffo während des Sommerurlaubs die Angestellten beherbergen. — Auj Veranlassung der Berliner Staatsanwaltschaft wurde in Op orto Frhr. v. Rothkirch und Panten verhaftet, bei von den deutschen Behörden wegen Betntgs und Urkundenfälschung, und von Zürich aus wegen Mordes verfolgt wurde. Der Freiherr steht im Verdacht, in Zürich einen Münchener, namens Clement, ermordet zu haben. — Der Syndikus des Schaafhausen'schen Bankvereins, Dr. Leist, der sich eine Kugel in den Kopf schoß, ist gestern den Folgen der Verletzung erlegen. San Sebastian, 6. Sept. Die königliche Familie stattete gestern, begleitet von den Ministern des Auswärtigen und der Marine, dem in Passages ankernden deutschen Schul» schiff „Stein" einen Besuch ab. Bei der Ankunft feuerte das schiff einen Salut von 21 Kanonenschüssen. Der König und die Königin-Regentin schritten die Front der in Parade aufgestellten Mannschaften ab. Der Kommandant des „Stein^' überreichte der Königin und der Infantin Blumenbouquets die Mannschaften machten dann Schießübungen und andere Manöver. Der König trug Marineuniform. Der Besuch dauerte zwei Stunden. Die spanischen Schiffe „Urania" und „Temerario" hatten während dieser Zeit die deutsche Flagge gehißt. Als die königliche Familie das Schiff verließ, feuerte das Schiff „Stein" einen Salut von 21 Schüssen. Am Samstag giebt die Stadtverwaltung den deutschen Seeleuten ein Fest. Sofia, 6. Sspt. Auf Einladung der französischen Regierung werden zwei höhere bulgarische Offiziere den französischen Manövern beiwohnen. Potsdam, 6. Sept. Das Kaiserpaar ist heute Vor- mittag gegen 8 Uhr nach Königsberg abgereist. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 6. September. 37fi°/o Reichflanleihe . . 100.50 i Kreditaktiten.....1-96.50 3% do. . . . 90.60 Diskonto-Kommandit , . 174.10 37,0/g Konsole .... 190.55 i Darmstädter Bank . . . 120*20' 3° o do. . . 90.75 Dresdener Bank .... 128.20 3V2®/o Hessen .... 98.35 Berliner Handelsges. . . 136.00 50/0 Italien. Rente . . . 98.90 Oesterr. Staatsbahn . . , 183.20 47o Griech. Monopol-Anl <3.50 Gotthardbahn ..... 154 50 3Vo Portugiesen .... 25.80 ; Laurahütte . . ' 1182*50 8% Mexikaner .... 26.601 Bochum.....; 164.26 472’/'] Chinesen .... 84.10 \ Harpener......155,00 ___ Tendenx rnhi". Für die Redaktion verantwortlich i R • R. ) Danksagung te und Wasserwerkes sagt innigen Dank 5992 frälihoriofrl 5486 6 Schloßgaße Nr. 6. zu vermieten. 5718 Mobilien-Versteigerttng. Po Anf^lm-u'r Montag den 9. Sept., nach- 'Pu* pfiehlt von tog. Schäfer, Licherstraße 5. 2 möblierte Frontzimmer, mit oder ohne Pension, verm. gegen gleich bare Zahlung verst. 03453 Marttplatz 20. 5943 sL 5914 Settersweg 71. f^tubc mit Kabinett und Küche zu verm. Schützenstraße 17. Qrtrtjß 3Zimmer mitZubehörzu x.vljU;' vermieten. W. Stumpf, 5920] Sonnen straße 9 $ MM Ä K Herrn Pfarrer Dr. Naumann, sowie für die Beteiligung von feiten der Beamten und Arbeiter des städtischen 63os- mittags 2 Uhr, werden Bahnhofstraße 2, III, die zum Nachlaß der verst. 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Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer an den ihren Grundbesitz au öffentlichen Fahr- oder Fußwegen einfriedigenden Hecken im Lause des Monats September die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurückzubinden haben, lukb mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebremst, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von ■*. bis 10 Mark bestraft werden. Gießen, am 4. September 1901. 6986 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 2 I. V.: Wolff. Wer wirklich gute, gediegene Anzug- und Waletotstoffe tragen will, versuche meine LeuNepee Fabrikate. 5$cr dirsr Stoffe eitrmak gekauft hat, kommt stets daraus zurück. Herr Rentner H. M. in Berlin schreibt: Ich ziehe Leuneper Ware vor, weil dieselbe notorisch länger hält, als andere Fabrikate usw. 2996 Aehnliche Anerkennungen laufen fortwährend ein. Muster fraaäo ohrre Kaufzwang. GsstaV DM1, kmep. 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