9?r. 106 Erstes Blatt Dienstag 7. Mai 1901 uMrM K VO- 2822 men. E LKWS 151« Jahrgang Arbeiter im Eisenbahndienst in den letzten 10 Jahren von 869 auf 1128 Mark gestiegen seien. Alles in allem schließt er aber, ohne gewisse Zugeständnisse an die Agrarier sei kein Zolltarif und damit kein Handelsvertrag möglich; indessen es bedürfe der Mäßigung hüben und drüben. Wie jemand Zollsätzen von 7,50 bis 8,50 Mark das Wort reden könne, fei unverantwortlich, und man erwecke dadurch Hoffnungen, die nicht erfüllt werden könnten. Es ergiebt sich hieraus, daß die wissenschaftliche Stellung Möllers dem Doppeltarife entschieden abgeneigt ist, und daß nur die Besorgnis vor den Agrariern ihn zu Zugeständnissen in dieser Richtung bewegt. Man glaubt ferner mit einiger Sicherheit, daß der Staatssekretär v. Podbielski Nachfolger des Landwirtschaftsministers Frhr. v. Hammerstein werden wird, ein Ressort, für das der vielgewandte Postbeherrscher und einstiger Husarengeneral als praktischer und erfolgreicher Landwirt nicht ohne Befähigung sein dürfte. In dem Lobe seines ehrlichen und geraden Charakters sagt die „Bolksztg." u. a., man dürfe annehmen, daß Herr v. Podbielski ein Kanalfreund ist, da er sonst das Portefeuille des Landwirtschaftsministers nicht übernommen haben würde. Alle anderen Mitteilungen über die Personen der künftigen Minister des Innern und der Finanzen glaubt die „Rat. Ztg." als haltlose Kombinationen bezeichnen zu können, und sie meint, daß weder Oberpräsident v. Beth- man n-Holl weg, der der bekannten alten Frankfurter Familie entstammt, noch der durch sein Schulgesetz bekannte Graf Zedlitz-Trützschler als künftige Minister des Innern in Frage kommen. Ebenso behauptet sie, daß die Stellung eines Vizepräsidenten des Staatsministeriums, für welche die Blätter den Grafen Posadowsky in Aussicht genommen haben, nicht wieder besetzt werden, sondern daß in Zukunft der dienstälteste Minister die Vertretung des Ministerpräsidenten übernehmen soll. So heißt es, der jetzige Minister des Innern, Frhr. v. Rheinbaben, werde ins Finanzministerium berufen werden. Tiefe Meldung hat Wahrscheinliches für sich, da Frhr. v. Rheinbaben früher als Vortragender Rat dem Finanzministerium angehört hat, und bei Durchführung der Steuerreformsätze hervorragenden Anteil gehabt hat. Jedenfalls trifft zu, daß die Entwickelung des neuen Kurses einen Ruck nach links genommen hat und daß aus diesem Grunde schon die Stellung des Herrn v. Miquel, der diese Schwenkung nicht mitmachte, eine unhaltbare werden mußte. Interessant ist, daß die „Tägl. Rundschau" das Gerücht verzeichnet, der Chef des Geheimen Zivilkabinetts v. Lu canus werde nunmehr aucb zurücktreten und durch den Geh. Ober-Regierungsrat im Auswärtigen Amte von Wilmowski ersetzt werden. Man kann dieser Meldung ohne Weiteres ein großes Fragezeichen beifügen. «buffe fflt Dep«f4*t Inniger Otetz«. Ftrnsprechan schlich Politische Wochenschau. Einst, vor annähernd 40 Jahren, als der preußische Verfassungskonflikt seine Höhe erreicht hatte, als Wilhelm I. resigniert auf den preußischen Königsthron zu verzichten eine kurze Weile im Begriff stand, telegraphierte Roon an Bismarck „die Birne ist reif". Bismarck kehrte auf diesen diplomatisch verschwiegenen Rückruf sofort aus Avignon zurück und der Konflikt löste sich in kürzester Frist. Auch jetzt ist ein schwerer Konflikt kurzerhand gelöst worden, auch jetzt wieder ist eine „Birne reif" und heiße Kämpfe sollen sich durch einen jähen Minister-Wechsel zu gutem Ende entwickeln. Miquel, Hammerstein und Brefeld haben ihren Abschied erhalten, alle drei sind an der Kanal-Vorlage gestolpert, weil der König annimmt, daß sie für den Kanal, für den er sein Wort verpfändet hat, ihre volle Kraft nicht gesetzt haben und weil er wohl glaubt, daß neue gestrengere Herren die Kanalfache zu besserem Gedeihen zu bringen im stände sein werden. Freilich — gestrenge Herren regieren nicht lange? Die „neuen Herren" sind, nach den plausiblen Meldungen, Herr.v. Podbielski, der bisher als Staatssekretär des Reichspostamts einen unpolitischen Ministersessel inne hatte, Herr v. Rheinbaben als Finanzminister und der Kommerzienrat Möller aus Duisburg. Ter Plan, den der Schatzkanzler in England aufgestellt hat, um die bis heute schon so erheblichen Kosten des Krieges gegen die Buren zu decken, ruft mehr und mehr Widerstand wach. Einerseits sind die Rentner auf-i gebracht darüber, daß sie die angenehme Empfindung, die ihnen so mancher „Siegesbericht" in ihrer Leibzeitung geweckt, nun mit einer Erhöhung der Einkommensteuer bezahlen sollen, anderseits wächst der Widerstand gegen den Vorschlag eines Ausfuhrzolles auf Kohle mehr und mehr. Es wird darauf hingewiesen, daß mit der Entwicklung der Kohlenfelder Amerikas, Chinas, Japans und anderer Länder der Kreis des auswärtigen Marktes eingeengt ist. Tie Kohlen- und Schiffahrtsinteressenten haben es einstimmig für unverständlich erklärt, daß ein britischer Schatzkanzler Den Kohlenhandel und die britische Schiffahrt noch mehr erschweren will. Ueberdies besteht wegen dieser Steuerpläne ein Streit innerhalb des Kabinettes selbst. Joe Chamberlain wehrte sich mit allen vieren gegen solche Steuern, die den Engländern die Folgen seiner .Kriegspolitik allzu fühlbar machen müssen und wollte die Milliarden, die letztere schon gekostet, den Burenstaaten allein auferlegen. Bekanntmachung. Betr.: Die Schafräude in Burg Gemünden. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß in Burg.Gemünden (Kreis Alsfeld) die Schafräude festgestellt und Gemarkungssperre verhängt worden »ist. Gießen, den 4. Mai 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. In der Zeit vom 8. Mai l. IS. bis einschließlich 21. Mai l. Is. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen folgende Akten zur Einsicht der beteiligten offen: 1. das Projekt über die Herstellung einer Drainage unterhalb des HangelsteinS; 2. die Beschlüsse der VollzugSkommisfion hierüber. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des AuS- schluffeS innerhalb der oben angegebenen OffenlegungSfrist bri Großh. Bürgermeisterei Daubringen schriftlich einzureichen. Friedberg, den 3. Mai 1901. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Sandmann. Bezugspreis oicrtdjM* Btt. 2.20, monatl. 75 ffe mit Brmgerlohn; durch Äf AdholcftkScn vierleltzchl. Mk. 1.90, awnatl. 66 Mg. 8d Postbezug viert elsilhM, Rf. 2.00 -Here BcsteLgM J ttttw ltLffH06W uiger KauW 1g*5is ■ÄKiSf» :and)t M an w Ter Schatzkanzler, der, wenn auch nicht das Willkürliche, jedenfalls das Aussichtslose dieser Unthat einsah, drohte mit Rücktritt und fand sogar bei Lord Salisbury Unterstützung, der ihn für unentbehrlich hält. Chamberlain arbeitet nun gegen den Schatzkanzler, um dessen Widerstand äu brechen, ihn zu stürzen, und schürt die Erregung gegen die Kohlen steuer. Die militärische Aufgabe der Mächte in China scheint noch immer nicht gelöst zu sein. Generäl Liu soll sich freilich westwärts zurückgezogen haben, aber es sollen sich bereits neue chinesische Truppenmengen in den eben erst „gesäuberten" Bergen zeigen. So scheint also die kriegerische Aufgabe der europäischen Kontingente, wie sie einmal sich nun gestaltet hat, noch keineswegs gelöst, und obendrein erwackffen ihnen jetzt polizeiliche Aufgaben, die unangenehmer und ernsterer Art sind, als die meisten bisherigen militärischien. Immer frecher treten nämlich sogenannte Räuberbanden auf, wohl organisierte, (gut bewaffnete Massen, die auch eine ganz andere Tapferkeit beweisen, als die offiziellen chinesischen Truppen selbst; eine solche Bande kämpfte bei Shanghaikwan mit einer Kompagnie eines in dischen Regiments, die dabei ihren Major verlor; als dann ein internationales Regiment gegen sie ausrückte, wurden sie zwar geschlagen, aber die Europäer batten allein neun Tote. Auch im Kleinen werden mehr und mehr Räubereien allenthalben, selbst in nächster Nähe des Hauptquartiers! Tientsin, begangen, so daß für einzelne Personen oder kleine Abteilungen stets große Gefahr besteht. Kenner der Verhältnisse sind der Ansicht, daß die Bevölkerung von aufgelösten Räuberbanden durchsetzt ist und daß die Boxer über keine Mittel mehr verfügen, und deshalb ein verzweifeltes .Spiel mit Mord und Plünderung treiben, um sich in den Besitz des zum Leben Notwendigen zu setzen. Aber Boxer allein kann man keineswegs für solche Vorkommnisse veranttvortlichmachen; fremde Abenteurer, ameri- kaniscbe Rowdies, sind mehrfach als Anführer von Räuberbanden festgestellt worden: sie suchen zunächst chinesische Dörfer heim und erpressen, plündern, morden, stehen aber auch! gar nicht an, das Raub- und Mordhandwerk an Europäern zu üben. Wenn die nach den Kontributionen! durch solche räuberische lleberfälle zur Verzweiflung getriebenen Chinesen* dann schließlich ebenfalls sich an Europäern vergreifen, dann brauchen es durchaus noch keine Boxer zu sein. — Die Entschädigungsforderungen der verschiedenen Mächte belaufen sich nach den bisherigen Anmeldungen der Gesandten auf mehr als eine Milliarde und 300 Millionen Mark, davon verlangt Rußland allein fast 340 Millionen offiziell und 24 Millionen für Private; diese Forderung übersteigt die deutsche um 100 Millionen, was aber die Yankees nickst hinderte, nach wie vor die Forderung Deutschlands als die unerschwinglichste und auch angemessenste zu bezeichnen, obschon Teutsckstand am schwersten von China beleidigt worden ist. Auch Frankreichs Forderung übersteigt diejenige Deutschlands, England fordert etwa die Hälfte. Tas Generalamt für Staatsangelegenheiten, das Kaiser Kwangsü ins Leben gerufen haben sollte, um$ seinen Reformeifer zu beweisen, entpuppt sich jetzt als eine Einrichtung, die nicht nur ohne ihn, sondern gegen ihn ins Leben gerufen worden ist; denn er ist eine Schöpfung der Kaiserin, der Europa nach wie vor jedes Mißtrauen schuldig ist. Tas neue Amt ist ein Regentschaftsrat, auch Nationalverwaltungsamt genannt, und hat so wenig mit Reformen zu thun, wie der Kuckuck mit dem Brüten; es soll die oberste Verwaltung Chinas für die Tauer der Anwesenheit ftember Truppen auf chinesischem Boden dar- stellen; sechs Personen gehören demselben an, drei in Singanfu bei der Kaiserin weilende Minister und in Peking die Prinzen Kung und Tsching sowie Li-Hung-Tschang. Tiefe Teilung wird natürlich eine Verschleppung aller vor dieses Forum gebrachten Angelegenheiten zur Folge haben und ist vielleicht auch gerade zu dem Zwecke erfunden worden. Die Buren haben in der letzten Zeit eine Anzahl kleiner Erfolge davongetragen. Te Wet zeigt sich ziemlich beweglich ans dem Grenzgebiet zwischen Oranjefreistaat und Transvaal: einzelne englische Abteilungen wurden überrascht und überwältigt, namentlich längs den Bahnlinien waren die Buren sehr lebendig, und wenn auch gepanzerte Züge fortgesetzt hin und her verkehrten und ausgedehnte Beschädigungen der Strecken verhinderten, so ist es den Buren doch wiederum gelungen, einen für sie sehr wertvollen Proviantzug anzuhalten und nach Bedarf auszu- plündern; der Rest wurde, wie immer, durch Feuer vernichtet. sAnderfeits melden die Engländer die Gefangennahme von verschiedenen kleinen Burenäbteilungen, Erbeutung von Geschützen und Vieh; letzteres beweist jedenfalls, daß die Buren durchaus .nicht so von Kriegsmaterial und Proviant entblößt sind, wie dies schon so lange und so oft von englischer Seite behauptet worden ist. b-i “Mm KZW flit ilmbilliuag des preußisches Ministeriums. Noch immer, ist dieLifte der neuen preußischen Minister offiziell nicht verkündet worden, und man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß diese Verkündigung bis spätestens Mittwoch erfolgen werde. Fest steht vorläufig nur, daß der Abg. Möller das Handelskammer-Ministerium übernimmt. Ter Reichstagsabgeordnete Geh. Komnierzienrat Theodor Möller hat am 20. April im Wahlkreise Tuis- burg in der Form eines Rechenschaftsberichtes über feine parlamentarische Thätigkeit eine Rede gehalten, die jetzt große Wichtigkeit erhält. Bezüglich be^3 olltarise bemerkte er darin, daß ein neuer Zolltarif als Grundlage der neuen Vertragsbedingungen deshalb unbedingt erforderlich sei, weil der gegenwärtige, aus dem Jahre 1818 stammende Zolltarif für die heutigen Verhältnisse nicht mehr passe. Ter neue Entwurf des wirtschaftlichen Ausschusses enthalte ca. 1300 Nummern gegen einige hundert des jetzigen. Bezüglich der Frage der Einführung eines Doppelt« rifes (Maximal- und Minimal-Tarifes), erörterte Möller die Vor- und Nachteile desselben, von denen die letzteren nach seiner Ansicht überwiegen, da dieser Tarif sozusagen die Karten der Regierung aufdecke und diese in ihrer Bewegungsfreiheit hemme. Einen Doppeltarif, wie ihn die Agrarier fordern, halte er deshalb für unzweckmäßig. In gewisser Hinsicht sei er aber auch für Festlegung eines Minimaltarif es für bestimmte Objekte, zürn Beispiel Brotgetreide, Vieh und Fleisch, nicht weil er dieses System für das richtige halte, sondern weil er das Zustandekommen eines Tarifes für ausgeschlossen erachte, wenn den Agrariern nicht eine gewisse Gewähr geleistet werde. An l a n g s i ch t i g e n Han - delsverträgen sei unbedingt festzuhalten, dies sei für uns geradezu eine Lebensfrage. Tann berechnet er den Wert, den unser Export für die Ernährung unserer Bevölkerung habe und rechnet aus, daß 10 bis 12 Millionen Arbeiter vom Export leben, und daß die Lohnerhöhungen der Bergarbeiter von 670 Mark in den 70 er Jahren bis zu 1300 Mark im Jahre 1900 und diejenigen der WerkstättenDeutscher Reichstag. Berlin, 4. Mat. Am BundeSratstische befinden sich Kriegsmintster v. Goßler und Staatssekretär Freiherr v. Thielmann. Auf de Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetz- entwmfS, betreffend Versorgung der Kriegs-Invaliden und Krieg S-Hinterblt eben en. Abg. Graf Ortola (nat.-ltb.) beantragt Annahme en bloo. Der Antrag wird angenommen. r ... ES folgt die dritte Beratung des Entwurfes des Unfall- fürsorge-GesetzeS für Seamte und Personen des Soldaten- standeS. Msegärlnerei jt. Nab. BnMraße 8,1 ll mit den nötigen Vvrlmnl- i versehener junger Mann als hrling gesucht. Carl Frensdorf, Eädchen n bat Wchstug.Mhru d> unb WchmeiMhen), i Zuschvtidttl gründlich flagdal. Räuber Avenweg 36. H1.UW LL ' cht. Frau S. Irumm, [ SabnIMraüe 40. 13] Jüngeres ordeml. cht. csudwlgstrahe 24,1. ,n vrdemücheS, fichigeS HMmiMn lobemSeM mir Mai gesucht F. Leitiow. Mlalrische MlL. M M u Ium W'S xM. DiwMdchny cheS toten kann und ttoti Mrbeit mit übernimmt, gW Sjtmbei, SübQtilQflHj: >lMüSeL»ädche^ »je ein Hausbursche gesucht 6»ld MawteüL S GieheimAnzeiger MW W General-Anzeiger " Anzeigeblatt für den Kreis Stehen Amtlicher Heil. ’Ri’frtntttmurfnntit. Betr.: Schießübungen. 68 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das hessische Jäger-Bataillon Nr. 11 zu Marburg am 9., 13. uud 14. d. Mts. von 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags Gefechtsschießen mit scharfer Munition südlich Holzhaufen mit südlicher und südöstlicher Schußrichtung abhalten wird. Zu diesem Zwecke werden die den Forstort „die Seist" snrchkreuzeudeu, von Holzhausen, Roßdorf, Mardorf und Erfurts- Hausen in Richtung auf Roßberg, Hönigen und Deckenbach führenden Waldwege durch Sicherheitsposten abgesperrt uud darf das vorstehend bezeichnete Gelände während der angegebenen Zeit sicht betreten werden. Gießen, den 4. Mai 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. B echtold. Bekanntmachung. Betr.,: Maul und Klauenseuche. Nachdem die Seuche in Storndorf (Kreis Alsfeld) er loschen ist, ist die verhängte Gemarkungssperre aufgehoben worden. Gießen, den 4. Mai 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _______ v. Bechtold. Bei S 3 beantragen die Abgg. Opferpelt (Zentrum) und Röstcke Dessau (wild) solgenden Zusatz: Bleibt der zu Grunde zu legende Bctrag hinter dem JahreSarbeitSoerdienst zurück, welches während des letzten JahrrS vor dem Unfall Personen bezogm haben, wUche mit Arbeiten derselben Art in demselben oder gleichartigen Be- lriebe be chäfttgt sind, so ist jener Verdienst bet Berechnung der Rente zu Grunde zu legen. Abg. Hoch (Soz.) meint, der Antrag gehe noch nicht weit genug. Generallt. Viebahv spricht sich gegen den Antrag aus. Durch denselben solle eine beffere Versorgung für diejenigen Soldaten bethä- ttflt werden, die in Betrieben seien, gegenüber denjmtgen, die mit den Waffen im Kriege dienen. Die Militärverwaltung habe als Ideal für die MilitS-versorgung überhaupt höhere Z^ele, sodaß eine Fürsorge tm Einzelfalle überflüssig wäre. Wenn der Antrag angmommen werde, wurde vaS der allgemeinen Regelung des Pensionsgesetzes erhebliche Schwierigkeiten in den Weg stellen. In der Armee sind diejenigen die Hauptsache, welche die Waffen tragen, nicht die Handwerker. Abg. Rösick e-Dessau (wild) meint, durch die Annahme des Antrages könne unmöglich die Revision der PensiouSgesehe htnauSgeschobm werden; dafür sei der Antrag doch nicht bedeutungsvoll genug. Geheimrat Caspar bittet vom Standpunkte der Verwaltung auS den Antrag abzulehnen. Nach wetteren Bemerkungen der Abgeordneten Molkenbuhr, Hofmann-Dillenburg und Rösicke-Dessau 'wird der Antrag an genommen. Der Rest des Gesetzes wird nach den Beschlüffm der zweiten Lesung angmommen. ES folgen Petitionen. Abg. Wattendorff (Zentr.) beantragt Absetzung der Petition, betreffend Abänderung des Börsengesetzes, von der Tages orbnung wegen Abwesenheit deS Referenten. Abg Büsing (natl.) will keinen Widerspruch gegm die Absetzung erheben in der Hoffnung, daß die Regierung so wie so den S 66 ab ändern werde. Abg. Rösicke «Dessau (wlld) will ebenfalls der Absetzung nicht widersprechen, aber in einer ganz anderen Erwartung. Die Petition wird von der Tagesordnung abgesetzt. Eine Reihe von Petitionen, welche die Erhöhung der Ruhegehälter der vor dem i. April 1897 in den Ruhestand versetzten Beamten fordern, «erden dem Reichskanzler als Material überwiesen. Ueber die Petition betreffend Abänderung des Vogelschutzgesetzes wird zur Tagesordnung übergegangen. Ueber die Petitionen der Firma German u. Co., Manila-Berlin, betreffend Forderungen der Firma an Spanien, bezw. Schutz der deutschen Interessen im Ausland, beantragt die Kommission, zur Tagesord« nung üb-rzugehen. Abg. Hasse (natl.) fragt, ob die Forderung noch nicht ausbezahlt sei, sowie ferner, was für Maßregeln ergriff das Auswärtige Amt gegen; fl&tr England, das den deutschen Ausgewiesenen aus Südafrika zur Geltendmachung ihrer Forderungen persönliches Erscheinen vorschreibt. Legationsrat K u n tz e erwidert, der Restbetrag der Forderung der Firma German u. Co. sei zur Auszahlung angewiesen worden. Was unsere Haltung gegenüber dem Vorgehen der englischen Behörden betrifft, so haben wir unfern Vertreter angewiesen, zu erklären, daß wir uns tm Prinzip mit dem Verfahren nicht einverstanden erklären können, aber nichts dagegen hätten, wenn die Ausgewiesenen gewillt seien, ihre Forderungen persönlich geltend zu machen, und wenn sie die Reisekosten ersetzt erhielten. Das Haus beschließt hierauf gemäß dem Antrag der Kommission. Die Petition betreffend Regelung der gewerblichen Verhältniffe dec Zahnkünstler wird auf Antrag des Abg. B i n d e w a l d (Antisemit) der Regierung zur Erwägung überwiesen, während die Kommission Uebergang zur Tagesordnung beantragt hatte. Bei der Petition betreffend Regelung der Arbeitsverhältniffe im Gastwirtschastsgewerbe spricht Abg. Hodenberg (Welfe) seine Sympathie für dieselbe aus. Den Gewerbeinspektoren müßten nicht nur die Betriebsräume, sondern auch die Schlaf- und Wohnräume der Kellner unterstellt werden, auch müsse die Kontrolle auf das Hilfspersonal ausgedehnt werden. Abg. Molkenbuhr (Soz.) hebt ebenfalls «ine Reihe von Mißständen hervor und beantragt Ueberweisung an die Regierung zur Berücksichtigung. Abg. Hitze (Centr) tritt für den Kommissionsantrag ein, die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen und befürwortet, daß endlich eine Regelung auf dem Wege einer Verordnung oder der Gesetzgebung vorgenommen werde. Hierauf nimmt das Hqus den Antrag der Kommission an, und vertagt sich auf Montag 1 Uhr. Tagesordnung: 2. Lesung des Wetngesetzes. Schluß 33/4 Uhr. Parlamentarisches aus Hessen. Der Zweiten Kammer ist ein Gesetzentwurf, die Landeskreditkasse betreffend, nebst Begründung zur verfassungsmäßigen Beratung und Beschlußfassung überreicht worden. Die Landeskreditkasse gewährt im Falle des Bedürfnisses die Tarlehnsweise solcher Geldmittel, welche zum Schutze gegen Ueberschw^mmungen, zur Be- oder Entwässerung von Grundstücken, ferner zu den in dem Gesetz, die Bäche und die nichI ständigen Gewässer bete., vom 3u. Juli 1887, sotvie in dem Gesetz, die Feldbereinigung betr., vom 28. September 1887, bezeichneten Zwecken oder zu Aufforstungen verwendet werden sollen. Tie Landeskreditkasse gewährt ferner, soweit es ihre Mittel gestatten, an Gemeinden oder weitere Kommunalverbände darleünsweise diejenigen Beträge, mit welchen nach näherer Vorschrift des hierüber zu erlassenden besonderen Gesetzes die Erbauung von Wohnungen für Minderbemittelte gefördert werden soll. Soweit die in Absatz 1—2 bezeichneten Zwecke hierdurch nicht beeinträchtigt werden, ist die Landeskreditkasse außerdem ermächtigt, an Gemeinden, oder weitere Kommunalverbände zur Bestreitung der Grunderwerbskosten und Geldbeiträge zum Bau von Nebenbahnen, sowie der Grunderwerbs- und Baukosten von neuen Kreisstraßen, ebenso an Gemeinden zur Bestreitung der Kosten der 'Neuanlage von Wasserleitungen Darlehen zu gewähren. — Tas ganze Gesetz hat 21 Artikel. Einen Antrag des Abg. Dr. Frenay, der bei der Aufstellung des nächsten Staatsvoranschlags die Anstellung von nicht akademisch-technisch gebildeten, womöglich dem Arbeiter stände entnommenen Hilfsarbeiter der Gewerbeinspektion wünscht, schlägt der Erste Ausschuß der Zweiten Kamincr vor, für erledigt zu erklären; ebenso einen Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen, der die Heranziehung je eines .Hilfsarbeiters und einer Hilfs- ?.. Pterin aus den Reihen der gewerblichen Arbeiter zu sämtlichen Gewerbeinspektionsbezirken bezweckt. Tie Re- Merul'g erklärte, „daß mit Rücksicht auf die im Voranschlag 1^01/0- srfolatcn Mehrbewilligungen an Personal für die Äewerbemspektwnen tinb die hiermit im Zusannnenhange flehenden üenderungen in der Organisation dieser Tienst- stellen vorerst a b z u w a r t e n sein dürfte, in welcher Weise sich der Geschäftsgang und die Thätigkeit der gewerblichen Aufsichtsbehörden in den nächsten Jahren gestalten wird. Erst wenn hierüber die notwendigen Erfahrungen gesanunelt sind, wird die Regierung zu diesen Anträgen Stellung zu nehmen in der Lage fein." Es steht zu erwarten, daß alsdann einer oder der andere dieser An träge, die ja das nämliche verständige Ziel haben, Annahme findet. Die Regierungsvorlage betreffend die Ergänzung der Bestimmnngen über die Pensionierung der Volks schullehrer beantragt der Erste Ausschuß anzunehmen. Dadurch würde sich der Antrag der 'Abgg. Tr. Schmitt und Genossen erledigen. Ten Antrag der Abgg. Haas-Mainz und Tr. Tavid, betreffend die Errichtung eines neuen I u st i z g e b ä u d e s i n M a i n z beantragt der Erste Ausschuß vorerst für erledigt zu erklären. Ter Vierte Ausschuß erklärt sich f ü r Errichtung eines Amtsgerichtes mit dem Sitze in Lampertheim, doch gegen eine Vorstellung der Hochbau- aufseher und Kreisstraßenmeister, betreffend anderweitige Festsetzung ihrer Gehalte. Eine Vorstellung des Fußgendarmcn i. P. R ü ck e l in Gießen, betreffend Pensionserhöhung empfiehlt der Vierte Ausschuß zur Annahme, dagegen Mlehnung einer Vorstellung des Gendarmeriewachtmeisters i. P. Bickel zu Nidda, betreffend Ruhegehalt desselben. Eine Vorstellung des Vereines Mainzer Kaufleute, sowie Anträge der Abgg. Molthan und Köhler-Darmstadt, erstreben die Errichtung einer Handelshochschule in Hessen. Tie Negierung hat sich dahin ausgesprochen, daß sie mit Rückstcht auf die Finanzlage des Landes z. Zt. nicht beabsichtige, der fraglichen Angelegenheit näher zu treten. Ter Vierte Ausschuß beantragt daraufhin Ablehnung aller darauf abzielenden Wünsche. Eine Vorstellung der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen, betreffend Messungsverfa hren b e i B a u - u n d N u tz h 0 l z, unterzeichnet von dem ersten Sprecher der Kreiskonferenz, Bürgermeister Köhler- Langsdorf, richtet an die Zweite Ständekammer die Bitte, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, ohne Verzug die durch Amtsblatt Nr. 19 vom 20. Juni 1900 veröffentlichte Maßregel, das Messungsverfahren bei Bau- und Nutzholz betreffend, alsbald — und zwar sowohl für Staats- als auch für Kommunalwaldungen zugleich — wieder zurückzunehmen. Tie Regierung hat darauf geantwortet, daß das Ministerium die erste sich bietende passende Gelegenheit ergreifen wird, um der Kammer die Gründe für seine Stellungnahme in der Frage des Messungsverfahrens bei Bau- und Nutzholz darzulegen. In der Vorstellung über diesen Gegenstand, die Namens der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen an den Landtag gerichtet worden ist, vermag das Finanz-Ministerium jedoch zu seinem Bedauern einen geeigneten Anlaß zu dieser Meinungsäußerung nicht zu finden, da die ungehöriges Ausfälle, die diese Vorstellung gegen die Groß- herzogliche Negierung richtet, eine Beantwortungleiderverbieten! Der Zweite Ausschuß beantragt, die Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, bezüglich der Verordnung, das Messungsverfahren bei Bau- und Nutzholz betreffend, Mitteilungen zu machen, die geeignet sind, hinsichtlich der von der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen eingereichten Vorstellung, die nötige Aufklärung zu geben. Eine zweite Vorstellung der Kreiskonferenz der Bürgermeister des Kreises Gießen betreffend die Unterrichtszeit in der F 0 r t b il d u n g s s chu l e, die darauf ausgeht, daß es in die freie Entschließung der örtlichen Schulbehörden und der Gemeindeverwaltungen zu legen, zu welcher Tageszeit die Fortbildungsschule abzuhalten sei. Ter Vierte Ausschuß ist allgemein der Ansicht, daß durch die Verhandlungen über die Anfrage der Abgg. Schill und Tiehl, dieselbe Materie betreffend, die Vorstellung hinlänglich ihre (Srlebigung gefunden hat, und beantragt, dieselbe für erledigt zu erklären. Einen Antrag des Abg. Ulrich, betreffend die Errichtung einer technischen Mittelschule in Offenbach, beantragt der Vierte Ausschuß für vorläufig erledigt zu erklären. Aus Stadt und Land. Gießen, 6. Mai 1901. PA. Provinzialausschuß. Samstag, 11. Mai vor mittags 9 Uhr findet im RegierungSgebäude hier (Brand platz Nr. 9) eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusscs mit folgender Tagesordnung statt: 1. Den Wirtschaftsbetrieb der Konrad Müller Ehefrau im Hause Bahnhofstraße Nr. 48 zu Gießen. 2. Die Kanalisation von Bad Salzhausen; lier: Rekurs des Ortsvorstandes zu Staden gegen das Urteil deS Kretssusschufies des Kreises Büdingen vom 2. Februar 1901. 3. Die Verlegung der Eisenbahnhaltestelle Ober. Widdersheim und ihr Ausbau zum Güterverkehr: insbesondere Tragung der Geländeerwerbskosten. 4. Die Eröffnung der Göthestraße zu Bad Nauheim, hier die Enteignung von Gelände. 5. Strafsache gegen die Hebamme Konrad Drescher Ehefrau wegen Verbrechens aus § 219 Str. G.-B. *• Die letzte, 12. Verlustliste vom Ostasiatischen Schau platz führt u. a. den Hauptmann Bartsch in folgender Fassung auf: „2. Ostasiatisches Infanterie-Regiment. 8. Kompagnie: Hauptmann Georg Bartsch aus Striegau, Kreis Striegau; früher Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, T., 10. 4. 1901 bet Peking, Nevolverschuß in den Rücken." *• Eine Feldpost nach China geht von Berlin am Freitag den 10. Mai ab. Sie befördert nur Feldpostbriefe und Feldpostkarten. w. Nidda, 3. Mai. Gestern nachmittag schlug bei einem Gewitter der Blitz in die noch mit Grummet belegte Scheuer des Schreinermeisters Orth ein, zündete jedoch glücklicherweise nicht. — Zu dem Mitte Juni hier stattfindenden Turnfest werden eben schon auf dem städtischen Festplatz die Vorarbeiten begonnen. + Volkartshaiu, Kreis Schotten, 4. Mai. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in das Haus des hiesigen Landwirts Johann Peter Will ein, ohne zu zünden. Jedoch sind starke Beschädigungen an Holzpfosten, dem Boden usw. cntstauden. Menschen und Vieh sind glücklicher Weise vor Schaden bewahrt geblieben. A Hartmannshaiu, 5. Mai. Infolge der Vermessung einer großen Anzahl Quellen im Oberwald usw. werden immer mehr Arbeiten erforderlich. Es soll deshalb hier (als Nittelpunkt) durch das Tiesbauamt Frankfurt a. M. ein technisches Bureau errichtet werden, wo stets 2 Ingenieure beschäftigt sein werden. Leider ist nun unser Ort nicht groß und es fehlt hauptsächlich an Wohnungen. Nur mit aller Mühe konnte mau für da« Bureau ein Lokal im Schulhause 'ekommen, da unser jetziger Lehrer ledig ist und deshalb allc Zimmer im neuen Schulhause nicht in Anspruch nimmt. Das Bureau wird in aller Kürze eingerichtet werden. § Rieder-Gemünden, 3. Mai. Vorgestern Nachmittag hielt Kreisarzt Dr. Wengler für den Bezirk Nieder-Gemünden in der Södler'schen Gastwirtschaft unter Anwesenheit des Kreisschulinspektors Mathes einen schulhygienischen Vortrag. In sehr intereffanter Weise behandelte Redner den Kampf gegen die Tuberkulose-, wie er schon in der Schule zu beginnen haben und mit Erfolg durchgeführt werden könne und solle. Darmstadt, 5. Mai. Der Fuhrknecht Georg Dürsam wurde Freitag von seinem Fuhrwerk überfahren, und mußte in das städtische Krankenhaus verbracht werden, wo er am selben Tage gestorben ist. Sch. Darmstadt, 4. Mai. Heute nacht 12 Uhr ist der Rangierer Peter Arnold aus Hammelbach im hiesigen Main-Neckarbahnhofeunter einen Zug gekommen; chm wurden beide Beine abgefahren und der rechte Arm verletzt. Er wurde sofort in das städtische Krankenhaus gebracht. Bei der Operation ist er um 4 Uhr früh gestorben. A. ist ca. 30 Jahre alt und verheiratet. Weifeuau, 4. Mai. Der gerichtlichen Sektion der Leiche des ermordeten Brauers König wohnte der Mörder Albert in ziemlich teilnahmsloser Weffe bei. Danach fand die Beerdigung des unglücklichen Mannes statt. Frankfurt a. M., 4. Mai. Demnächst wird wohl unser einziger Ehrenbürger, v. Miquel, wieder seinen Wohnsitz in unsere Stadt verlegen. Es ist vielfach der Glaube verbreitet, daß Ehrenbürger von der Zahlung von Gemeindeabgaben befreit find. Eine allgemeine Steuerbefreiung ist mit der Erteilung des Ehrenbürgerrechts jedoch nicht verbunden, wenn der Ehrenbürger als Einwohner oder auf Grund der bestehenden Gesetze zur Tragung der städtischen Lasten verpflichtet ist. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Zum königl. preuß. Regierungs-Baumeister wurde ernannt Der Regierungs - Bauführer Heinrich Kayser auS Kirch- Beerfurth. — Der seitens der Stadt WormS gegen den Beschluß der Stadt Mannheim bezüglich der Einführung der Fäkalien in den Rhein bei dem badischen Ministerium eingelegte Rekurs wurde unter Verurteilung der Stadt Worms in die entstandenen Kosten abschlägig beschieden. Angesichts solcher Entscheidungen, so schreibt die „Sp. Ztg.", kann kein Zweifel mehr daran bestehen, daß auch die Deputation der Städte Speyer, Germersheim und WormS in Berlin so gut wie keinen Erfolg zu verzeichnen haben wird. Vermischtes. * Leipzig, 3. Mai. Eine schreckliche That brachte gestern die Frau des Markthelfers Mader zur Ausführung. Sie stürzte sich zur kritischen Zeit zwischen Kettensteg und Schleußiger Brücke mit ihrendrei kleinen Kindern Robert, Anna und Henriette in das Wildflutbett. Ein Dienstmädchen sah dies mit an. Auf seine Hilferufe eilte der Bäcker Graf herbei und sprang in die Fluten. Mit Hilfe des Mefferschmieds Hurtig gelang cS, die Frau, die die beiden jüngsten Kinder noch krampfhaft in den Armen hielt, ans Ufer zu bringen. Die beiden kleinen Wesen waren bereits tobt, während die Mutter durch die Wiederbelebungsversuche wieder zum Bewußtsein gebracht wurde. Mittels Krankenwagens erfolgte ihre Unterbringung im städtischen Krankenhause, während man die Leichen der zwei Kinder und die Leiche des später aufgefundenen dritten KindeS nach dem Pathologischen Institut brachte. Der Zustand bet Frau ist sehr bebeuklich. DaS Mädchen soll erzählt haben, daß die Frau zuerst das älteste Kind ins Wasser gestoßen und sich dann, in jedem Arm ein Kind haltend, nachgestürzt habe. Frau Mader ist schon seit längerer Zeit nervös. Dieses Leiden verschlimmerte sich in der letzten Zeit und eS dürfte in dieser Krankheit der Beweggrund zu der entsetzlichen That zu suchen sein. Universitäts-Nachrichten. — Sein erstes Kolleg hat der Kronprinz in Bonn bei Pro- feffor von Bezold, und zwar über das „Zeitalter Friedrichs des Großen" gehört. Im Hörsaale waren etwa 60 Studierende zugegen, darunter auch einige — Studentinnen. Greifswald, 4. Mai. Wie schon gemeldet, sind einige polnische Studenten der Medizin von hiesiger Universität relegiert worden, und zwar wegen „polnischer Propaganda". Man berichtet darüber: In Greifswald bestand nämlich ein katholischer Arbeiterverein, den Propst Struif gegründet hatte. — Zu diesem Verein gehörten sehr viele polnische Arbeiter — etwa die Hälfte der Mitglieder. Da aber den Polen in sprachlicher Hinsicht keinerlei Zugefiändniffe gemacht wurden, so be- schloffen sie, einen eigene» Verein zu gründen. Die Arbeiter wandten sich deshalb an die polnischen Studenten mit der Bitte, ihnen bei der Gründung eines polnischen katholischen Arbeüervereins behülflich zu sein. Einige polnische Studenten nahmen sich der Sache an und gründeten den Verein. Diese Gründer wurden durch den akademischen Senat von der Universität entfernt. Die relegierten Studenten wandten sich an den Kultusminister, doch erkannte dieser, daß es bci der Relegation verbleiben muffe. In der Begründung des Bescheides des Kultusministers heißt es, daß das Verhalten der polnischen Studenten die polnischen agitatorischen Bestrebungen unterstütze und zur Festigung des Polen- tums in deutschen Landen beitrage, außerdem auch ein Angriff gegen das Deutschtum sei. BreSlau, 4. Mai. Der Direktor des katholischen Konvikts in BreSlau verbot den Theologie Studierenden den weiteren Besuch der Vorlesung von Professor Richard Muther über die Kunst des Mittelalters, trotzdem Muther darin mehr wie selbst katholische Schriftsteller der Kirche gerecht wird. Familien Nachrichten. Gestorben r Direktor der Oberrealschule Dr. Hcmpsiag in Marburg. Schiffsnachrichie« 'norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch Agent Carl Loo«. Bremen, 2. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Dresden, Kapt. A. Koenemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimare angekommen »erben. *«!Sä ??fte $“9 flefomnien- tu ™W< Rrantmiau» at »«Watet. 6 ’®W Stftion btt Mnte btt »btt $t|i! Dwbth s„b W falt. ™äW teitb * !««« MchM u $ oer Glaube verbreitet, vov Gemeinbeabgaben etbefreiung ist mit btt leM nicht verbunbru, ,et oder auf Grund der r städtischen Lasten ver- -müöeu «achbschtata. weiftet wurde ernannt 1 Kayser aus Kirch, adt Worms gegen den lich der Einführung der rischen Ministerium ein- iiung der Stadt Worms g befchiedev. AngestchtS ie „Sp. Ztg.", kann kein auch die Deputatio» btt Worms in SBtrlin fo gut lbcn wird. es. ie schreckliche Thal chelferS Mader zur M kritischen Zeit zwischen it ihren drei kleinen 'Ute in das Wildflutbett, u. Huf feine Hilferufe lyrava in die Flute», a ^l5Xau' lraMchindenrrmn üden kleinen Wesen waren arch die WiederbelebuugS- gebracht wurde. MtelS erbringung ichen der i Dritten KindeS nach dm )er Zustand der Frau st I erzählt haben, daß oie ns Wasser gestosten v ein Kind haltend, J ist sW.seit imwerte fich iö 6cr J ^eit btt Seveggmd l n. 1^^ «■< »* «w*1 ilhrlchte«. gtoipril,l grob«' ^4^5 oersitÄ re JLtet Araber: 3? "■ 3Ran' Ä M Arb«t«vnrw'< t* •*£*“,*£ *» Ä* •“ s »"srSB» Student-» E Festigunz ° „ je unH a ein Än0t 1 h» »“‘"S m» JSjsiS-* £1'*^ Kunst und Wissenschaft. Die Darmstadter Plakate. Die Reklame ist die Mutter des Plakats. Diese Abstammung gibt dem Plakat eine gc wiffe Berechtigung, absurd zu sein. Das Plakat muß Aufsehen erregen, muß von sich reden machen, wenn es seinen Zweck erfüllen soll, es hat ein angestammtes Recht, exzentrisch sein, und daher legt eS eine Dorliebe für außergewöhnliche Gestalten an den Tag und kleidet sich gern wundersam. DaS Plakat glaubt fich aber auch das Seltsamste und dem guten Geschmack Hohnsprechendc erlauben zu dürfen, ohne sich darum zu kümmern, daß die Leute es schmähen und ihre Glossen darüber machen. Zwei' merkwürdige enfants terriblee hat auch die Reklame für die am 15. d. M. zu eröffnende Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie er zeugt. Mau nennt sie fast überall „greuliche Dinger-, und wir meinen fast, daß sie eher dazu angechan find, vor dem Besuch der Darmstädter Ausstellung abzuschrecken, als dazu einzuladen. DaS Plakat von Profeffor Olbrich ist architektonisch nicht unwirksam und befitzt außerdem eine ge wiffe Farbenzartheit und konstruktive Zierlichkeit, die nicht wegzuleugnen ist. Aber in seinem übertriebenen Formalismus, in seiner aufdringlichen Absicht, alles auf geometrische Figuren zurückzuführen, wirkt es schließlich jokos. Mit welchem gutem Recht verspottet heute der gute Geschmack die alles zuschnei- dende, eckige, die Natur verfälschende englische. Gartenkunst, wie man sie heute noch in einigen Hofgärten, u. a. in Hcrren- hausen bei Hannover, in Schönbrunn bei Wien rc. findet. And nun kommt ein Künstler und will und mit der gesuchtesten Uebertreibung englischer Gartenkunst zu einer Kunstausstellung locken! Die arabeSkenhast verschnörkelte, unendlich lange Dame von P. Behrens ist wahrhaftig auch nicht weniger als anziehend, und sagt uns zudem von dem, was wir in Darm ftadt zu sehen bekommen werden, auch nicht das kleinste Wörtchen; man vermißt gänzlich auch die geringste Beziehung zu dem, wozu eS uns interessieren soll. Olbrich scheint doch wenigstens den Borgarten der Maihildenhöhe zur Darstellung haben bringen wollen. — Nun, wir wollen hoffen, daß der Reiz der Plakate im umgekehrten Verhältnis steht zu den offenbar großen, mannigfachen und originellen Reizen, die uns die Ausstellung selber verspricht. Diese Plakate aber halten wir für völlig verfehlt. -o. — Verdeutschung. Die Ergebnisse des ausgangs vorigen Jahrs vom Zwetgvereür Berlin - Eharlotienburg des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins verkündeten Preisausschreibens, die beste Verdeutschung von 10 Fremdwörtern betreffend, liegen jetzt in folgenden preisgekrönten deutschen Neuwörtern vor: Baby — Kleinling: Herr Rudolf Dollrath, Landsitz Trautheim bet Nieber- Ramstadt in Heffen; Couplet — Schelmenlied: Herr R. Kühn, Dresden-Altstadt; Pedal (am F-hrrade) — Tritt: Herr Dr. G. Leonhardt, Deffau; Sweater («18 Kleidungsstück) — SportwamS: Herr Gustav Jasti, technischer Hilfsarbeiter im ReichS-Patentamt; Rochade, rochieren — a) Köntgfprung, den König springen lasten: Herr Reinfried Arnold, Heidelberg, und d) Frobenzug, den Frobmzug machen: Herr Engelbert Fleischmann, Nürnberg; Record — Stand: Herr Rudolf JSntsch, Hamburg; Reclame — Verkünd: Herr Karl Rüdel, Pirna. Bet drei andren Fremdwörtern mußte von einer PretS- oertetlung abgesehen werden: für Concours hippique ist eine besterc als die schon gebräuchliche Verdeutschung „Roß- und Wagenschau" nicht eingegangen, auch bas für Amateur schon gebrauchte „Liebhaber wird von kein m der etngesandten Wörter übertroffm; und zu Hotelrestaurant ist kein für den Begriff hinreichendes D-ckwv't oorgeschlagen worden. Sehr glücklich find auch, mit Ausnahme deS „Schelmenltedrs^, die preisgekrönten Verdeutschungen nicht gelungen und auf ihre An- eikennung in der Volkssprache ist nun gar nicht zu rechnen. — Hauptgewinne von 100 000 Watt, 60 000 Mark, 26 000 Mark, 15 000 Mark u. s. w., insgesamt 16 870 Geldgewinne, zahlbar ohne Abzug, bieten wieder die jetzt zur Ausgabe gelangten und beliebten Wohlfahrtslose ä SH. 3.30 der 6. Lotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete. Die Lose sind im ganzen Deutschen Reiche an fast allen Orten bei den bekannten Losverkaufsstellen erhältlich oder von dem General-Debit Lud. 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