Vkr. 56 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Donnerstag 7. März 1901 fftäglich mit ÄMlna^me M MoatagS. Bit tAkßener Familien- BMtter werden dem An. wiflrr im Wechsel mit „Hess. Bandwirr" und „Blauer Mr heg. Volkskunde" vier, »al wöchentlich deigelegt. ■*na»me boe Änielgen Eber nachmittag» für den grnbm Tag erlchetnenden muur bi» wm 10 Uhr Ubbestrllangra IpAielicn» tbtnb» vorher Medaktioa, Expedition und •cudn-ri: 5chulstrahe 7. GietzenerAnzeiger u Eeneral-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugrpreir vierteitMst Mk. 2.20, monatl. 75 HM mit Bringerlohn; durch w Slbholestellen vierreljötztt. Ml. 1.90, monatl. 65 PM. Bei Postbezug vierteljMvl. Mk. 2.00 ohne Bcstell-tt». Alle »nzetaen-tvermittlunOA. ftrUce bt» In - unb UutlanMl nehmen Unötigen für b«* •«ferner Anjoioer tntgtaee. AeUcnpret» lokal 12 Bfe, eustoärt» SO Wfl Adresse für Depesche«; Anzeiger Stehen. Fernsprechanschluß Rr. WL Graf Bülow spricht. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm i. März: Seitdem das Eisen der auswärtigen Politik „glühend heiß" geworden ist, stellen sich die Sitzungen des -teichsparlaments, in denen der Etat des Auswärtigen Amts beraten wird, als Elite-Sitzungen dar. Eine feierliche Stimmung liegt über dem Parkett, das eine stärkere Präsenz als sonst aufweist, und mit geheimnisvoll-wichtiger Miene gehen die Abgeordneten umher . . . Abg. Schädler (Zentr.) ergriff heute zuerst das Wort zu einer Beleuchtung Der internationalen Lage und im besonderen unserer Beziehungen zu England. „Welche Bedeutung hat die Kaiserreise nach dem Jnselreich, welche Folgen sind zu gewärtigen?" — fragte Herr Schädler erhobenen Tones. Als er die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Lord Roberts glossierte, ertönten die ersten Beifallsrufe. Graf Bülow blickte, die Arme über der Brust gekreuzt, ruhig zum Redner hinunter. Abg. Graf Stolberg-Wernigerode (kons.) richtete gleichfalls eine Anfrage über den Stand derchohen Politik an den Reichskanzler und wünschte überdies Auskunft über den Artikel der Russischen „Handels- und Jn- duskriezeitung", der sich mit der deutschen Zollpolitik beschäftigt. v -1I Nunmehr erhob sich Graf Bülow. Er erzielte, um ♦4 gleich vorweg zu sagen, einen vollen rednerischen Erfolg und durfte das befriedigte Bravo! aus den Reihen der Rechten, des Zentrums und der Nationalliberalen als Vertrauensvotum hinnehmen. In unseren Beziehungen zu England, so führte der Reichskanzler aus, hat sich durch den dortigen Thronwechsel und die Reise des Kaisers nichts, absolut nichts geändert. Der Kaiserbesuch sei ein rein menschlicher Akt gewesen; die Ordensverleihung an Lord Roberts habe mit der Politik nichts zu thun, deswegen sei es völlig verfehlt, sie in Parallele zu bringen mit dem Richtempfang des Präsidenten Krüger. Lord Roberts sei keine politische Persönlichkeit. Die deutsche Politik werde nicht durch dynastische oder verwandtschaftliche, sondern ausschließlich durch die Interessen einer nationalen Realpolitik bestimmt. Wer anders mutmaßt, kenne unseren Kaiser schlecht. Er, der Reichskanzler, sei durchdrungen von der Notwendigkeit, freundschaftliche Beziehungen auch zu Rußland zu unterhalten. Er lehne es ab, auf die persönlichen Liebenswürdigkeiten im erwähnten Artikel der „Russischen Handels- und Jnduskriezeitung" zu reagieren. Meinungsverschiedenheiten pflege er auf diplomatischem, nicht auf publizistischem Wege zu erörtern. Er halte daran fest, daß auch-mit Rußland eine Verständigung erfolgen werde. Freundschaft und Friede mit allen, die mit uns in Freundschaft und Friede leben wollen! Aber keine Abhängigkeit, kein Vasallentum irgend einem anderen Staate gegenüber! Wir werden niemals die deutschen wirtschaftlichen Interessen denen einer andern Macht unterordnen, und darin liege keine Feindseligkeit. Deutschland sei nicht mehr auf das Ausland angewiesen, als dieses auf Deutschland, weder in politischer noch in wirtschaftlicher Beziehung. (Brausender Beifall.) Als Graf Bülow geschlossen — er hatte die Worte zwar sorgfältig gewogen, aber viel Wärme in den Ton gelegt — verließen die freudig bewegten Konservativen fast bis auf den letzten Mann den Saal, um die in gewissem Sinne für die' zukünftige Zollpolitik programmatische Rede „ihres" Reichskanzlers in vertraulicher Zwiesprache und ungestört kommentieren zu können. Abg. Ledebour (Soz.) tadelte diesen Auszug und wandte sich u. a. gegen die Grausamkeit der englischen Kriegsführung. Abg. Bassermann (nl.) meinte, daß der Reichskanzler nicht eben viel neues vorgebracht habe, dies aber auch nicht erwartet werden konnte. Die Nationalliberalen hätten Vertrauen zum Reichskanzler. Abg. Richter (frs. Volksp.) wollte dem Reichstag das Recht gewahrt wissen, die Ordensverleihung an Lord Roberts zu kritisieren. Was die offiziöse Presse anbetreffe, so sei diese darauf bedacht, die Gegensätze zu verschärfen. Bei der Zollpolitik sei auf Industrie, Handel und Verkehr, auf den Konsumenten Rücksicht zu nehmen. Dies habe der Reichskanzler nicht genügend gewürdigt. Abg. Liebermann ». Sonnenberg (deutschsozial) nahm sich wärmstens der Birren an und beklagte die „höchst wohlwollende Neutra fität" der deutschen Regierung England gegenüber. Graf Bülow habe heute mit der Wurst nach verschiedenen Speckseiten geworfen. Der Reichskanzler nahm sogleich nochmals das Wort, jedoch nur, um sich gegen den Richterschen Vorwurf zu verwahren, als berücksichtige er die nichtlandwirtschaftlichen Interessen nicht genügend. Ihm sei das Gesamtinteresse maßgebend, und er hoffe zuversichtlich, mit Unterstützung des Parlaments die Ausgleichsdiagonale s. Zt. bei Beratung des Zolltarifs zu finden. Unter gespannter Aufmerksamkeit der Versammlung eröffnete Graf Bülow als- Bamt, daß er eine Erhöhung der Zölle auf Weizen und Roggen für unumgänglich halte. Jedoch werde diese Erhöhung eine Grenze finden müssen an den Interessen des Lebensunterhalts der Arbeiter und denen der Industrie. .Die neuen Handelsverträge dürften keinesfalls eine bloße Abschrift der bestehenden sein. Er meine, die Mehreinnahmen aus den Getreidezöllen würden am zweckmäßigsten zur Hebung der Wohlfahrtseinrichtungen im Reiche, in erster Reihe zu Gunsten der minderbegüterten Klassen, verwendet werden. Graf Bülow versetzte das Haus durch seine zweite Rede, in der er übrigens wiederum stir die nationale Bedeutung der Landwirtschaft anerkennende Worte fand, Ln so animierte Stimmung, daß von dem Vortrag des Abg. Graf Klinckowström (kons.) wenig mehr zu ver- tehen war als der Ausdruck des Vertrauens, dessen er ür seine Person den Reichskanzler versicherte. So ziemlich >as Gegenteil von Vertrauen tonnte der leitende Staatsmann aus den Darlegungen des alldeutschen Professors Dr. Hasse entnehmen, der die volle Schate seines Zornes über die „Engländerei" ausgoß. „Noch ist es Zeit zur Umkehr, aber es ist die höchste Zeit!" rief Dr. Hasse grollend aus. Graf Bülow schwieg. Auch der bündlerisch-konservative Abg. Dr. Oertel glaubte, gewisse Bedenken „weiter Volkskreise" zur Sprache bringen zu müssen. Darnach befremde es, daß die Regierung deutsche Firmen an der Lieferung von Waffen und Kriegsmaterial nach Südafrika nicht hindere. Ferner bestehe die Auffassung, daß die Interessen der Deutschen im Auslande nicht energisch genug wahrgenommen würden. Der Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Richthofen, entgegnete, kein anderer Staat habe ein Waffenausfuhrverbot verfügt, auch die als burenfreundlich bekannten nicht. Folglich liege auch für Deutschland kein Anlaß vor, ein solches Verbot zu erlassen, das die betreffende Industrie sehr erheblich schädigen würde. Zu Gunsten der aus Transvaal geflüchteten Deutschen sei eher noch mehr erreicht worden, als andere Regierungen für ihre Landsleute erlangt hätten. Abg. Frhr. v. HeylzuHerrns- h e i m versichert den Reichskanzler, daß sein zollpolitisches Programm den Beifall großer Kreise der Industrie und des Handels habe, und Abg. Graf Kanitz (kons.) beleuchtete das wirtschaftliche Verhältnis Deutschlands zu Rußland und Amerika. Als Abg. Münch-Ferber (nl.) das Wort nahm zur Begründung seines Antrags auf Errichtung deutscher Handelskammern im Auslande, zeigte das Auditorium bereits starke Ermüdung. Namens des Zentrums drückte noch Abg. Speck die Befriedigung über die zoll- politischen Erklärungen des Reichskanzlers aus. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen vermochte ein Bedürfnis nach Errichtung von Handelskammern im Auslande nicht anzu- erfennen, auch Abg. Freese (frs. Vereinig.), ein Bremer Großkaufmann, konnte sich nicht dafür begeistern. Die Resolution wurde gleichwohl der Budgetkommission überwiesen und der Gehalt des Reichskanzlers bewilligt. Die Reden des Reichskanzlers haben, wie dies mit Recht schon im Reichstag bemerkt woroen ist, zwar nicht viel Neues, nichts Sensationelles oder Ueberraschendes gebracht, aber auch wenn Graf Bülow mit dem ihm eigenen Schwung und Pathos das Selbstverständliche sagte, frühere Ausführungen wiederholt, ist er bei der Menge starken Beifalls sicher. Deutschland wünscht mit England sowohl wie mit Rußland in freundschaftlichen, friedlichen Beziehungen zu leben, auf der Basis gegenseitigen Entgegenkommens —: das war das Hauptmoment der Rede. Auf die Tagesfrage, das russisch-chinesische Abkommen, ist der Reichskanzler nicht eingegangen, jedenfalls weil er dann herbere Worte hätte gebrauchen müssen als gegenüber der handelspolitischen Preßpolemik des russischen Finanzministers Witte, die vom Kanzler mit Eleganz und Ironie als „persönliche Liebenswürdigkeiten" abgethan wurde. Mit lebhafter Befriedigung wird sicherlich in der Landwirtschaft die in der zweiten Rede des Grafen Bülow nachdrücklich betonte Ueberzeugung von der Notwendigkeit erhöhter landwirtschaftlicher Schutzzölle ausgenommen werden. Also in diesem Punkte keine Nachgiebigkeit gegen Hiußland, trotz der russischen Ankündigung, daß dann der Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Deutschland unmöglich sein werde. Doch nimmt Graf Bülow die Drohung augenscheinlich nicht allzu tragisch. Es wird nichts so heiß gegessen, als es gekocht ist. Der Reichskanzler hält daran fest, daß „mit Rußland eine Verständigung erzielt wird." Nicht ganz einer Meinung wird man überall mit der Darlegung sein, die Graf Bülow über den Berlin zugedachten Besuch des Präsidenten Krüger gab. Die Kennzeichnung des Zwecks der projektierten Reise als Nötigung „in ungewöhnlicher Form zur Einmischung in die südafrikanischen Wirren" erscheint manchem vielleicht härter, als geboten war. Mit Grillparzers König Oskar möchte man dem Grafen Bülow zurufen: „Ein Tröpflein Milde hätte wohlgethan!"... Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 5. März. Die Sitzung wird um einhalb 11 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, sowie die Mitglieder des Staatsministeriums. Zur Beratung steht die Regierungsvorlage den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben für das Etatsjahr 1901/02 betreffend. In der Generaldebatte ergreift Abg. Ulrich das Wort und betont, daß man sich erst an das neue Budget gewöhnen müßte. Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben sei thatsächlich eine tief- einschneidende Neuerung, die aber dem Budget nur von Vorteil sei. Er spricht noch die Hoffnung aus, daß man ohne eine Steuererhöhung die gestellten Forderungen bewilligen könne. Es sprachen noch die Abgg. I ö ck e l und Dr. S ch m i t t, die die Einrichtung des neuen Brrdgets anerkennen. Hierauf wird Kapitel 1 Reste aus früheren Jahren mit 2 258 439 Mk. 37 Pfg. vorbehaltlich etwaiger Abstriche oder Zusätze wie sich solche durch Festsetzung des Budgets ergeben, einstimmig genehmigt. — Zur Hauptabteilung ll. Domänen deS Großherzoglichen Hauses ergreift der Abg. Dr. Schmitt das Wort und bespricht den restlichen Standpunkt der Erbverhältnisse des Groß- herzoglichen Hauses bei event. Ableben Sr. Kgl. Hoheit des Grvßherzogs ohne männliche Erben. Diese Frage sei für das Land und auch für da- Budget so wichtig, daß es wünschenswert sei, daß dieselbe möglichst rasch geregelt werde. In die Großh. Regierung setze er das volle Vertrauen, daß sie die ganze Materie 'eingehend prüfen und das Richtige treffen werde. Staatsminister Rothe spricht den Wunsch auS, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog recht lange leben möge und daß auch seine Ebe noch mit Söhnen gesegnet werde. Die von dem Abg. Schmitt berührte Materie sei so wichtig und ernst, daß es selbstverständlich fei, daß man sie nicht kurzerhand erledigen könne. Das Haus dürfe aber überzeugt fein, daß er die Interessen des Landes und des Großherzogs wahren werde. Abg. Ulrich betont, daß hier möglichst bald Klarheit über die Verhältnisse zwischen dem Großherzoglichen Hause und dem Staat geschaffen werden müsse. Der Finanzausschuß habe sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. Finanzminister Gnauth giebt der Versicherung Ausdruck, daß die Großh. Regierung bemüht sein werde, daß die Angelegenheit zu beiderseitiger Zufriedenheit erledigt werde. Kap. 2: Einnahme aus Kam er al- und Forstdomänen, und die Titel 1 bis 12 finden hierauf ohne Debatte die Annahme des Hauses. Hapitel 3: Braunkohlenbergwerk Ludwigs- Hoffnung, wird mit 70645 Mk. Einnahme und 61475 Mk. Ausgabe genehmigt. Kapitel 4: Bad Salzhausen, wird mit einem Zuschüsse von 33 370 Mk. in Einnahme und 18 140 Mk. in Ausgabe mit 51510 Mk. genehmigt. Desgl. Kapitel 5: Holzmagazin Darmstadt, das mit 10 850 Mk. in Einnahme und 12 185 Mk. in Ausgabe eingestellt ist. Kapitel 6: Kapitalzinsen und Sonstiges, werden mit 107 400 Mk. bewilligt. III. Hauptabteilung: Staatsdomänen. Zu Kapitel 7: Kameral- und Forst-Domänen, führt Abg. Weidner Klage über die unnötigen Abforstungen oas Laubholzes und den Anbau mit Tannen in den oberhessischen Waldungen. Er bespricht die Kreditgewährung der Forstverwaltung bei Holzversteigerungen gegenüber dem Kleinhändler und Großhändler. Er wünscht hier gleichmäßige Behandlung der Interessenten. Abg. Ko r e l l wünscht bessere Berücksichtigung der Handwerker und Abhaltung der Holzversteigerungen an Ort und Stelle. Abg. Erk bedauert, daß die Regierung bei den .Kautionsstellungen für gesteigertes Holz die deponierten hessischen Staatspapiere zum allerniedrigsten Kurswert berechne. Ministerialrat Milbrand sagt die Gewährung der gestellten Wünsche zu. Was die Abforstungen betreffe, so könne er feststellen, daß unsere Holzproduktion erst auf die Hälfte festgesetzt sei. In den nächsten Jahren werde sich dieselbe auf das Doppelte erhöhen. Das Kapitel wird, 291 218 Mk. in Einnahme und 124 203 Mark in Ausgabe, genehmigt. Kapitel 8: Saline und Badeanstalt Bad-Nauheim. Der Ausschuß beantragt in Einnahme 880000 Mk. und in Ausgabe unter Reduzierung der in Titel 8 enthaltenen Ablieferung an den Kurfonds im Betrage von 158000 Mk., im ganzen 780 000 Mk. zu bewilligen und die Regierung zu ersuchen, den Kurkarten für die ganze Dauer der Saison Giltigkeit zu gewähren und den Kurgästen zu allen Konzerten auf der Terrasse freien Zutritt mit den Kurkarten zu gestatten, unter Abschaffung jeden Eintrittsgeldes. ... Abg. Ioutz bespricht die Nauheimer Badeverhältrusse. Abg. M o l t h a n drückt den Wunsch aus, die Regierung zu ersuchen, den Kurfonds aufzuheben und die Erträgnisse des Bades der Staatskasse zu überweisen. Das Kapitel wird hierauf nach dem Ausschußantrag Kapitel 9: Wasserwerk und Eisfabrik Bad- Nauheim, wird mit 69 136 Mk. in Einnahme und 47 o93 Mark in Ausgabe bewilligt. Bei Kapitel 10: Staatseisenbahnen, bespricht Abg. B a ck e s die schlechten Bahnhofverhältnisse aus dem. Bahnhof Griesheim. Abg. Erk beleuchtet die schlechten Signaleinrichtungen bei dem Uebergange der Station Unterschmitten und wünscht ^Abg. Leun bespricht die mangelhaften Bahnhofverhältnisse auf dem Bahnhof zu Großenlinden. Schlechte Räumlichkeiten, kalter Wartesaal und mangelhafte Beleuchtung seien an der Tagesordnung. Er ersucht die Regierung um Abhilfe. I Die Einnahmen mit 11923 929 Mk. und Ausgaben mit 290 000 Mk. werden genehmigt. Das Kapitel 11: Landeslotterie, wird nach dem Ausschußantrag mit 13 376 000 Mk. in Einnahme und mit 12 657 000 Mk. in Ausgabe genehmigt. — Bet Kapitel 12: Direkte Steuern, beantragt . Abg. Wolf 17000 Mk. für Tagegelder der Dfttrrkts- Einnehmer zu streichen. Abg. Weidner wendet sich gegen bie ^tempeifh’u und schildert deren schädigende Wirnrng bet dem ^Mnanznnnister Gnauth stellt fei bafi burt ten «eg- fall der Grund-, Gewerbe- und Kaprtalrentensteuer em Schutze ihrer Dörfer gegen versprengte Boxer und zur Be ruh'gung der Einwohner zu entsenden. Die deutschen Bc fehlshaber sind durchweg bereitwillig diesem Ersuchen nach gekommen, und haben dafür den auf das wärmste auSge iprochenen Dank der Chinesen gefunden. So hat u. a. am Bitte von 60 Gemeinden nordwestlich von Peking das Armee Oberkommando den Oberstleutnant Pavel mit einem unter Major v. Förster zusammengestellten Bataillon seines Regi mentS, einem Detachement berittener Infanterie und einem Zuge Gebirgsartillerie bis nach Tschalou vorgesandt. Nach einer heutigen Meldung des Wolff'schen Telegr.« BureauS meldet Graf Waldersee aus Peking vom 4. März: „Am 1. März stellte eine Erkundigungsabteilung von 25 Mann unter Oberstleutnant Wallmenich unter Verlust von 3 Mann und 1 Verwundeten die Anwesenheit starker Truppen westlich von Lungthsueankuan etwa 18 Kilometer westlich des AntSulinpasseS nahe der chinesischen Mauer fest. Auch bei Wuthai 50 Kilometer südwestlich von Lungthsueankuan in Schansi stehen erhebliche Kräfte. — Oberst Ledebur ist heute früh von Paotingfu mit 4 Kompagnien abgeschickt, um den Antouliephacs bis zur Mauer vom Feinde zu säubern und dauernd zu schützen." Ferner ordnete Graf Waldersee die Belegung von Chang- ping (35 Kilometer nördlich von Peking), wo noch Räuber und Boxer thätig sein sollen, mit der 4. Kompagnie Regimentes II und einem Zuge berittener Infanterie an. Der chinesische Kaiser hat ein Edikt veröffentlichen lassen, nach dem alle Dekrete und Berichte, welche zwischen dem 20. Juni und dem 14. August 1900 erlassen, resp. erstattet worden sind, vernichtet werden sollen, um jede Spur derselben in der Geschichte zu verwischen. Im französischen Ministerrat machte Delcassü Mit- teilung von den aus China eingetroffenen Telegrammen. Aus diesen geht hervor, daß alle Mandarinen, die sich der in Peking begangenen Verbrechen schuldig gemacht haben, bestraft worden sind. Weiter wird gemeldet, daß zwei Dekrete veröffentlicht worden sind, welche die verhängten Strafen aufzählen und Abschaffung der Eramina in denjenigen Provinzen anordnen, wo gegen Ausländer Aus- scheeitungen begangen worden sind. Deutsches Reich- Berlin, 5. März. Aus Helgoland wird gemeldet: Panzerschiff „Kaiser Wilhelm II.“, ebenso Aviso „Jagd" und die Torpedoboote „8 74" und „8 16" ankern wegen des herrschenden Sturmes im Schutze der Düne. Infolge des Sturmes wird die Landung Sr. Majestät an der Düne heute nicht stattfinden. — In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages wurde die Beratung des Kolonialetats begonnen. Auf eine Anfrage des Referenten, Prinzen Aren- berg, drückte der Direktor der Kolonialabteilung Dr. Stübel feine Sympathie gegenüber dem Plane aus, den jungen Kolonialbeamten eine kaufmännisch-technische Vorbildung zu geben und sie sowie einige ältere Beamte aus den Schutzgebieten zeitweise in fremde Kolonien zu entsenden. 5)ie Hauptsache weide immer eine richtige Auswahl der Kolonialbeamten bleiben, und es könne festgestellt werden, daß in unseren Kolonien bereits eine gute Anzahl tüchtiger Beamter vorhanden sei. Auf weitere Anfragen und Wünsche, die aus der Kommission heraus geäußert wurden, erklärte der Kolonial direktor u. a., daß Verhandlungen mit dem Reichsschatzamte im Gange seien, um in den nächsten Etat eine Position von 10 000 Mk. zur Unterstützung der Kolonialschule in Witzenhausen einzustellen. Die Idee, dem Gouverneur von Deutsch- Ostafrika einen kaufmännischen Beirat beizugeben, sei gesund und werde mit der fortschreitenden Entwickelung des Schutzgebietes sicher zur Durchführung gelangen. Im übrigen werde die Selbstverwaltung des Schutzgebietes auch dadurch gefördert werden, daß eine KommunalverwaltungS Ordnung für die Bezirksämter in Vorbereitung sei. In Sachen der konfessionslosen Schulen in Deutsch Ostasrika sei ein volles Einverständnis zwischen dem Gouvernement und den Missionen erzielt worden. Diese Schulen hätten keineswegs dazu bei getragen, den MohamedaniSmuS zu fördern, und in nicht allzu ferner Zeit würden die Unterbeamten des Schutzgebietes in ihrer Mehrzahl aus der christlichen Bevölkerung rekrutiert werden können. Bei der Beratung des Etats für Deutsch Ostafrika gab der Kolonialdirektor zu, daß die Frage der Wafferversorgung von Dar-eSSalam noch weiterer Klärung bedürfe. Die Position wurde abgesetzt. Die Position für Fortsetzung der Usambarabahn bis Mambo wurde von der Kommtssion abgelehnt. Im übrigen wurden die EtatS- positionen bis Kap. II. Tit. 2 einschließlich bewilligt. — Im preußischen Abgeordnetenhaus meinte bei der Beratung des KultuSetatS Dr. Porsch, die katholische Kirche liege so offen vor aller Augen, daß die Minister vor einer katholischen Gefahr ruhig schlafen könnten. Aber die Gefahr des Unglaubens drohe. Beumer entgegnet, wenn die Evangelischen eine Vertretung wie das Zentrum hätten, so wäre auch der evangelische Bund unnötig. JazdzewSki ver langt die Freiheit deS Unterrichts in der polnischen Sprache. Von einer polnischen Gefahr könne man nicht sprechen. Hacken- berg meint, Porsch habe ihn nicht überzeugen können, wenn er behauptet, daß das Zentrum konfessionslos sei. Hierauf wird der Titel Ministergehalt bewilligt. — Die Veränderungen in den am 1. April in Kraft tretenden neuen Lehrplänen für die höheren Schulen gehen dahin, daß für die Gymnasien 4, für die Pro^ymna» flcn 1, für die Oberrealschulen 4, für die Realschulen 3 Stunden wissenschaftlicher und für die Realgymnasien 6 und für die Realprogymnasien 2 Stunden Zeichenunterricht mchr eingesührt werden. Die daraus erwachsenden Kosten belaufen sich auf Mk 48 000 bei den Staatsanstalten und auf Mk. 17 000 an Zubußen für die nichtstaatlichen Anstalten. — Nach be* zum Flottengesetz gefaßten Beschlüssen kollten von Schiffsneubauten künftig die Gesamtkosten der Armierung (früher zwei Drittel) und 6 Prozent deS W^rtS ver Flotte (früher 5 Prozent) auf den ordentlichen Eta' Volitische Tagesschau. Die Ansprache deS Kaiser» an die Kiautschou Mannschaften liegt nunmehr im Wortlaut vor. Sie lautet: „Ihr fahrt hinüber In ein fremdes l'enb, welche« durch die Er- etgnisfe der letzten Monate erfahren bat, wa« deutsche Disziplin, deutfche Tapferkeit und deutsche ManneSmcbt bedeuten. Der Fremde bar e fahren, waS eS beißt, den Deutschen Kaiser und seine Soldaten beleibt,en. Eine ernste Lehre ist unferm Feinde erteilt worden, und alle Nationen baden kennen gelernt, wie deutsche Soldalcn kämpfen, siegen und sterben, alle haben Achtung vor unserer K' deS» bewegung tm Nückaange begriffen ist, wenn zwar auch in brr Rhein- pfalz seit 1898 324 Mitglieder weniger geworden sind. Denn tbat- sSchltch hat seit diesem Jahre eine IhatlLchitch-Zunahme von 5774 Mit» gbedern ftattgefunden, wie der R ich 'tagSavgeordnete Lucke in der Versammlung deS Bundes derLankwtrte in Friedberg am 24 Februar d. Js. namrnS deS BundeevorstandeS m tg'tetlt hat, b fien dort gegebenem Referat die von Ihnen angeführten Zahlen entnommen sind. Hochachtungsvoll der stellverlretende Direktor PlaSkuda." München, 5. März. Der Regent leitete die Festfeier zu feinem 80. Geburtstage mit wohltätigen und pietätvollen Handlungen ein, indem er den Münchener Stadtarmen 10,000 Mk. spendete und 20,000 Mk. für das Denk- mal Königs Ludwig II., wozu der Grundstein am 12. März gelegt wird. Ausland. London, 5. März. Nach Mitteilung des englischen KriegSamtS belaufen sich die Gesamtverluste iu Südafrika während des Monats Februar einschließlich der In- validen und nach Hause gesandten Mannschaften auf 9» Offiziere und 2274 Mann. Seit Beginn des Krieges sind in Südafrika im ganzen gefallen 664 Offiziere und 13137 Manu. Die Gesamtzahl der Verluste ausschließlich der Invaliden, die sich wieder erholt haben, beläuft sich auf 685 Offiziere und 16 174 Mann. Paris, 5. März. Der ForfchungSreifende Gentil überreichte heute dem Minister der Kolonieen DecraiS den Bericht über die Umstände bei dem Tode des Forschungsreisen- den Böhagle; nach demselben kann jetzt nicht mehr daran gezweifelt werden, daß Böhagle auf Befehl deS Sultan« Raban aufgehängt und fein Leichnam dann in eine« Brunnen geworfen wurde. Madrid, 5. März. Soeben ist Sagasta beauftragt worden, das neue Kabinett zu bilden. Man glaubt, er werde mit der Bildung so rasch zu stände kommen, daß das neue Kabinett schon morgen den AmtSeid werde leisten können. Wien, 5. März. Im Abgeordnetenhaus werde» verschiedene Anfragen an den Präsidenten gestellt, darunter eine des tschechischen radikalen Abg. ZazvorSka, der tschechisch spricht. Die Deutschen rufen: „WaS spricht der Mensch?" Der Vorsitzende macht den Abg. ZazvorSka darauf aufmerksam, daß eS nicht angehe, statt Anfragen an den Präsidenten Rede» zu halten. ZazvorSka entgegnet heftig, worauf ihm der Vorsitzende daS Wort entzieht. Als der Vorsitzende zur Tagesordnung übergehen will, eilt der tschechisch-radikale Abg. Freß! auf die Präfidententribüne, reißt dort liegende Papiere an sich und zerknüllt sie. Abg. Malik eilt auf Freßl zu und schlägt auf ihn Io«, ebenso der Abg. Berger. Die beiderseitigen Parteigenosseu reißen die Streitenden auseinander. Die Sitzung wird unterbrochen. Die Jungtschechen verhalten sich während diese« Auftrittes passiv; sie mißbilligen baß Verhalten Freßl'S. Nach Wiederaufnahme der Sitzung reklamieren Freßl und dessen Parteigenossen das Wort für den Abg. ZazvorSka. Der Präsident erteilt Horiza das Wort zum Nekrulenkou- tinßcnt. Neuerliche Protestrufe der Tschechisch Radikalen. Die Jungtschechen nehmen offen gegen Freßl Stellung, beschimpfen ihn und bedrohen ihn mit den Fäusten. DieS Vorgehen der Jungtschechen wird vom ganzen Haufe mit Beifall ausgenommen. Schließlich tritt Ruhe ein. Cradock, 5. März Die Buren besetzten Pearston, eine kleine Stadt ungefähr 40 Meilen südwestl ch von Cradock. Schwurgericht. K. G i e ß e n, 6. Mürz. Fortsetzungder Schwur- g e r i ch t s - V e r h a ii d l u ii g gegen Leschhorn, Walthern n dHahn wegen s ch w e r e r Kö r p e r v e r - letzung mit tätlich ein Erfolg. Gestern uadymittag wurde in der Vernehmung der Zeugen fortgefahren, bereit Zahl jetzt 32 beträgt. Nachdem mich die von der Verteidigung benannten Entlastungszeugen, die bezüglich bM Leschhorn übrigens auch noch maiiches Belastende zutage förderten, luurben verschiedene Zeugen, deren Aussagen sich zu widersprechen schienen, einander gegenübergestellt uni dadurch kleine Mißverständnisse aufgctlärt. Ebenso wurde« die Angeklagten nochmals den Belastungszeugen gegenüber- gestellt, wobei es auffiel, daß Leschhorn selbst den überzeugendsten, einwandfreiesten und übereinstimmenden AuS- sagen verschiedener Zeugen gegenüber sich auf hartnäckiges Bestreiten verlegt. Alsdann wurden die Sachverständige» vernommen. Als erster gab Medizinalrat Dr. Haber kv r * sein Gutachten ab, nachdem er vorausgeschickt hatte, daß dieses sich lediglich auf das Sektionsprotokoll stütze. Der erste Schlag, den der Verstorbene erhalten habe, sei der tätliche gewesen, indem dieser mit beivehrter Faust geführt die Schädelbasis am Hinterkopf zlvischen dem rechten Oh« unb dem höchsten Punkt des Schädels zertrümmerte un> dadurch eine Gehirnerschütterung hervorrief. Professor Dr. F u h r ist dagegen der Ansicht, daß der letzte der vier Sclstägss, auf den hin der Verstorbene niederstürzte, ohne wied« zu sich zu kommen, der tätliche gewesen sei. Er begründet seine Ansicht ausführlich an der Hand des vorliegende» Schüdelausschnitls des Verstorbenen. Prof. Dr. Popp erd Bekanntmachung. Donnerstag den 7. v. Bi., nachmittags S Uhr, sollen dahier Neustadt 65: Haus- und Küche«- gerate aller Art, sowie eine Bohrmaschine, eine Badewanne, eine Ladeneinrichtung u. v. a. zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden. 0802 Gießen, den 6. März 1901. Seipel, GeriwlSnolljneber. EmWMlgell Stadt. Schlachthaus. Freibank. 1766 Heute und morgen: Nflrifdj 54 M Zchwcmrflcislh 50 pfg. Salvator- Bier frisch eingetroffe«. 1818 Cafe Ebel. Hartmanns Gesnndheitsbinden und Gürtel zu haben in der Adler-Drogerie, SelterSweg SS. 1700 Otto Sckaaf, Hamburg. FMaudlimg Neuen Bäne 17, empfiehlt frrsch ge° wässerten u. getrorfn. <*'*MWrr** u Holland. Bratbücklinge. tret lf9* b« s« lonn ?tn1, ^000 $ll. im ?^chlag nH aus btt V** . borge« i !ür diese» Änbe 8e« t’flefunbtn. Dir "MS NE st- 9 ®Wtr, a?. u<5 unwahr, bri lnb dir Su'.b* 'm bo Rheiw Dm» tbel- k von 5774 Mit, :tt Luck« w btt «ft tmU Tch, 1 b", b fitn dort tvtnommko stad, ita. [lt die FkWer gen unb pirtät« lnchener Stabt« für bas Den!« i am 12. MLrz uste in Süd- 'ließlich der In« hasten auf 9» es Krieges find 'fjiziere und fte ausschließlich belauft sich auf ide Ventil über« raiS den Sericht hnngSreisen. icht mehr batau des TultanS i bann in eine» asta beauftragt . Man glaubt, be kommen, daß •ib werde leistes lhaus töttbti efttlt, banmut i, btt )t btt Mnfch?" tauf aufmertfam, Sräsidenlen Reden mf ihm der Lor- tenbe zur Tage-- riblint, ttiB* uttiim fit. t aufih- M n Parteigenossen M »irb ** währenb bit t» xhalltn ”• ittt« abg- S“«”'”1 >m SRettutentoiu ,fii Stellung, ve« o«t S-»!-' 6* Ruhe tio- tzleo ^tatW p.chMEradock- Ä "Sx,7S Stell l^jei d- litt« & E H-AiS röf 1 Grrichtssaat Detter E März Z März 4.-6. Birsennachrichten. Darmstadt, 6. März. 2 Ul do do -Aul, Tendenz fest. 6. 6. 925 725 225 739,6 746,4 742,0 92 77 79 SW. w. 8. 4 2 4 Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staats bahn Gotthardbahn . . Laurabütte . . Bochum . . . . Harpener . . . . . 98 10 . 88.40 . 94.65 . 95 95 45.00 . 25.40 . 26 10 . 83 20 + 8.30 0. 4- 0 4« 0. Höchste Temperatur am Niedrigste „ , j=* K K -o- Friedberg, 5. März. In einer Ziegelei im benachbarten Masi en heim gerieten gestern abend zwei Arbeiter in Streit. Es kam zu einem Handgemenge, an dem sich auch noch ein weiterer Arbeiter beteiligte. Im Verlauf dieser Rauferei versetzte der erste Angreifer seinem Gegner ciren Schlag auf den Kopf und einen Stoß, infolgedessen ein Gegner zusammenstürzte und sofort tot liegen blieb. Man legte den Unglücklichen auf ein Belt und versuchte ihn ins Leben zurückzuruien; der Versuch war jedoch ohne Erfolg. Oer Thäter, Karl Greywatz aus Roschkowitz, wurde verhaftet. h w Regen Heller dimmet bed. Himmel Borg Kost und Logis zu gewähren. In Wirklichkeit hatte er nur l'/r Tage an der Bahn gearbeitet. Mit Rücksicht auf die vielfachen Vorstrafen, die der Angeklagte bereits wegen desselben Vergehens erhalten bat, wird er zu 4 Monaten Ge'ängniü verurteilt, wobei daS Gericht, trotz des Rückfalls, strafmildernd in Betracht zog, daß der Angeklagte, allerdings erst nach erstatteter Anzeige, den Eh-leute H. Heller den Betrag von 9,50 Mk., um | den er sie geschädigt, bezahlt hatte. — Der Umstand, daß er am 22. De ; zember 1900 „einen über den Durst getrunken hat", bringt dem Angeklagten Johannes Schneider, Maurergeselle in Klein-Karben, nur eine Gesamt- gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monat und 2 Wochen sowie 1 Woche Haft ein. Und das kam so. Der anfangs ganz harmlose Loseverkäuser entpuppte sich bald in Rendef, wo er in der Wirtschaft von Friedrich Wilhelm Heck als Gast eingekehrt war, als Ruhestörer und Messe-Held. Nicht nur beleidigte er den Ruhe gebietenden Polizeidiener aufs gröblichste, sondern versetzte demselben auch eüun derartigen Stich in die Brust, daß er zwölf Tage zu Bett liegen mußte und weitere zwölf Tage arbeitsunfähig war Da er auch noch den Rendeler Nachtwächter, der dem Polizetdiener zu Hilfe eilte, stach wird er wegen Körperverletzung mittels Messers in zweimaliger konkurrierender Begangenschaft (§§ 223a und 74 St.G.B.), ferner wegen öffentlicher wörtlicher und thätlicher Beleidigung eines Beamten, begangen in Jdealkonkurrenz mit Widerstand gegen die Staatsgewalt ($$ 185, 200, 113, 73 St.G.B.) und wegen ruhestörenden Lärmes ($ 360,11 St.G.B.) wie oben gesagt bestraft. Der Mitangeklagte Jo- Hanne» Lösch, Maurergeselle aus Kl-in Karben, wird nur zu 3 Tagen Haft verurteilt, da ihm nur ruhestörender Lärm nachgewiesen weiden kann. Von der Beschuldigung gemeinschaftlicher Mißhandlung des Ortsdieners und Körperverletzung des Nachtwächters werden beide Angeklagte freigesprochen, während dem beleidigten Polizeidiener die Publikations- befugniS des ergangenen Urteils zuerkonnt wird hessischen Bundesratsbevollmächtigten in Berlin und stellt^ fest, daß dieser Herr eine sehr segensreiche Thätigkeit für Hessen entfaltet habe. Die Knpitel 14 bis 22 werden sodann nach dem Ausschufi- Antrag angenommen. Bei Kapitel 23, Ministerium des Innern, führt Abg. Frenay Klage über die unregelmäßige Festsetzung der Sonntagsruhe auf dem Lande und in beit Städten. Abgg. Weidner, Leun und Wolff besprechen die strenge Handhabung der Feierabendstunde auf dem Lande ! und insbesondere im ^kreise Gießen. Dort seien die Gendarmen hinter den Bauern her schlimmer als die Engländer hinter den Buren. Die Verhandlung wird um 1 Uhr abgeschlossen. Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratung des Finanz-Budgets. Zürich 6. Marz. Im Trevesethale hat das plötzliche s; 5 tio . 216 90 . 184.70 . 134.10 . 150.70 . 153 20 . 144.90 . 168.70 . 205.00 . 179 90 . 171.00 Meteorologische Beobachtungen der Station (Hieben. Teiephoatscher Kursbericht. Frankfurt, de» 6. März. K. Gießen, 6. März. Strafkammer. Die Elisabeths Gunkel,, - . - , - . . • - -. Ehefrau des Fußgendarmen Gunkel in Alsf-ld, ist beschuldigt, in Wr-dj «rchauwelter die befürchtete Felsbewegung wieder Arbeitern innerhalb der l-tzten 5 Jahre fortgesetzi ihre beiden Kmder Margarethe I geführt. Die Bewegung zeigt die Oiicbtung gegen Nonaigue. unb Georg mittels gefährlicher Werkzeuge und mittels einer das Leben I 50 MaNN arbeiten an den Stützmauern für dagefährdenden Behandlung vorsätzlich körperlich mißhandelt und an der Ke orrenre m-j ^onbanclla crfolate ein unaebcuerer sundheit beschädigt zu haben. Auf Grund der sehr umfangreichen Be- Mützchen Arense. ^onouneua erloigie em ungegeucrer wcisaufnahme, durch die nur zwei Fälle zu Tage gefördert werden, in! Bergsturz, der die Straße und das Bett des Teresinabaches denen die Angeklagte, übrigens berechtigtermahen, von ihrem Züchtigungs-1 verhütete. recht, allerdings in etwas ausgiebigem Maße, Gebrauch gemacht hat, hielt! Bloemfontein, 5. März. (Reuter-MelÄUNgi.) 4VvU- das Gericht den Thatbestand der §$ 223 und 223a St.G.B. für nicht Oerneur MilNer ist am 2. ds. hier eingetroffen und erlüllt und spricht die Angeklagte frei Die Kosten werden der Staats ^rn mit Kitckiener nacki Norden abgegangen. - 16 JLn^r°ch Wagen ntit flüchtigen Buren find ans Thabanchn an- salza, geständig, das Vermögen der Eheleute Heinrich Heller zu Gießen I getommen. dadurch geschädigt zu haben, daß er ihnen vorspiegelte, er sei als Strecken arbeitet an der Bahn beschäftigt und sie dadurch veranlaßte, ihm auf ;frr. (Telephon-Meld, des der Stände setzte heute I,i/, o/ Reichsanloihe . . 98 30 ~ 1 - 88 65 1ann sich keiner dieser beiden Ansichten anschließen, ist vielmehr der Ueberzeugung, daß es ganz ausgeschlossen erscheint, medizinisch festzustellen, welcher von den vier Schlägen den Tod herbeigesührt habe, da zwischen dem ersten und dem letzten Schlage nur der minimale Zeitraum von 10 Minuten liege. Auf Befragen des Staatsanwalts erklären die drei Sachverständigen übereinstimmend, daß die Summe der vier Schläge zweifellos den Tod herbeigeführt hat, geben aber *uch auf Befragen der Verteidigung die Möglichkeit zu, daß der eine oder der andere Schlag direkt tätlich gewesen sei. Darauf erklärt der Vorsitzende die Beweisaufnahme für geschlossen und vertagt die Sitzung auf heute morgen um halb 10 Uhr. Heute vormittag erteilte der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Schäfer dem Staatsanwalt zwecks Vorschlag für die Feststellung der Fragen das Wort. Dieser äußert seine Ansicht dahin, möglichst einfache Fragen den Geschworenen Oorzulegen, da sie sonst bei der verwickelten Lage der Verhältnisse aus der Menge der Fragen — er schätzt sie »eiläufig auf über 300 — nicht herauskommen würden, »iechtsanwalt Katz dagegen beantragt, die Fragen bezüglich jedes der drei Angeklagten und jedes der vier Fälle ganz scharr zu trennen. Seiner Ansicht schließt sich auch der Verteidiger des Angeklagten Walther, Rechtsanwalt »rendelsohn, an, während Rechtsanwalt Engisch für leinen Klienten nur beantragt, auch die Frage auf Zubillig- ®ng mildernder Umstände zu stellen. Der Vorsitzende verkündet darauf den Beschluß, daß zur Feststellung der K-ragen rc. die Sitzung bis auf 4 Uhr nachmittags ausgesetzt wird. + 7,9 7,3 + 2,3 4,1 4- 6,1! 5,6 „G. A.") Die Zweite Kammer . o-/r morgen die Beratung des Finanz-Budgets mit Kapitel 13, 8 a/c Laridstände, fort, und genehmigte diese Position, nachdem Lonsots . die Großh. Regierung sich in ablehnender Weise gegenüber ® °/0 do. 8 7/8, unk. b. 1906 39 60 » 4 o/o D . Hyp.-Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908 98 00 „ «' ,-Vo do. unk. 1905 90 30 „ 40/0 PreusB. Hyp'-A.-Bank 8. 8-12 81.60 s 4 °/n do. 8. 15-18 unk. b. 1900 81.60 „ 4 Vq Preeea. 8. 19-20, unk. b. 1905 00 00 M. 31/, o/0 do. 8. 13, 14 73 21 , 8Vt% do« 8. 21, 22, unk. b. 1905 78 20 „ Cokesklein. Da» bei der Zerkleinerung und Sortierung von Cokes sich ergebende Cokesklein, welches zur Auffüllung von Gewöldemauern ufro., sowie zur Ausebnung von Fußpfaden benutzt wird, ist, soweit der Vorrat reicht abzugeben: 1 Zweispänner-Kastenwagen, gewöhnlicher Größe, zu Mk. 2.50. 1 Einspänner- do. zu „ 1.50. Für Wagenladungen außergewöhnlicher Größe wird der Preis entsprechend fesigesetz", er wird namentlich auch jede gewünschte kleinere Menge Cokesklein abgegeben. Gießen, den 5. März 1901. Städtisches Gas und Wafferweik Gießen. ________Otto Bergen. ___________1788 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde 8ich pro i90/1902 Hegt vom 8. März d. I. ab acht Tage lang auf dem Bürger- mästereibüreau dahier zur Einsicht offen. Lich, den 6. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. Heller. 1816 Werk 1. kwkilkrieWchenMe zu Gießen. Da» Schuljahr 1901/1902 beginnt Montag den 15. April. An diesem Tag erfolgt die Anmeldung Der Kmder, die noch keine Schule besucht haben. Solche aller, -ie in die Klaffen 1—IX der höheren, oder 1b—7b der erweiterten Schnte eintreten, sollen Wontag den 11. Wärz, von 10 öis 12 Ahr, im Zimmer des Unterzeichneten angemeldet werden. Gießen, den 6. März 1901. Großherzogliche Direktion. Dr. Stoeriko. 1779 LouverK mit Firma bMgst vrühllche Unlvrrsitäts-Vruckerei. Vergebung. Für das Großh. Prooinzial-Arresihaus dahier soll die Lieferung der folgenden, süc d.e Zeit vom 1. April 1901 bis 31. März 1902 erforderlichen Vttjkhrungs- Md Nttbrsuchs-GeseuSsirde: Brod, Wecke, Ochse> fleisch, Schw-in.flriich, Kaldfl ffch, Frank- turter Würstchen, gemischte Wurst, Schweineschmalz, Butter, Cocosnußbutter, Kaffee, Milch, Bohnen, Erblen, Linsen, Gerste, Mehl, Reis, Gries, Hafergrütze, Nadeln, Grün-Gemüse (Weiß- kraut, Wirsing rc.), Salat, ewgemachte Bohnen, Gurken, Hand» käse, Heringe, Eier, Thee, Chokol de, Zocker, Mohnöl, Salz, Lorbeerblätter, Pfeffer, Nelken, Kümmel, Muskatnuß, Essig Krystallöl, Petroleum, Zü dhölzer, Besen versch cdemr Art, Seife, Schmierseife, Soda Putzpuloer, Vstriol, Sp rckus, weifi r Sand, Stroh, Thran, Wichse, Fensterleder, sowie ce. 600 grntnet reine Stückkohlen, ca. 800 ßentner gewaschene Nußkohlen, 30—50 mm Durchmeffer, und ca. 30 rn Kannen-Scheitholj; ferner soll die Entleerung der Senkgruben während der angegebenen Zeit im Subm.ffionSwege vergeben werden. Versiegelte Angebote und — soweit thunlich — Proben sind kostenfrei bis zum Eröff ung^termme Samstag brn 23. Uar> 1901, vormittags 10 Ahr, auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft dahier — Justizgebäude, Zimmer Nr. 43 — niederzu'.egen. Bi- zu diesem Termin werden auch Gebote auf die sich im Provinzial-Arresthause ergebenden Lampen, Küchenabfälle und das abgängige Lagerstroh entgegengenommen Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Minifterialerlaß vom 16 Juni 1893, das V-rdingur.g-wesrN betreffend, enthaltenen allgemeinen und den von dem Unter# zeichneten aufgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft eingesehen und gegen Erstattung der Schreibgebühr.n bezogen werden können. Bezüglich der C.-coSnußbutter kann d r Zuschlag erst nach stattgefundener Prüfung der vorzulegenden Proben durch den Anstattsarzt erfolgen, im Uebrigeu bleibt der Zuschlag 3 Tage oortkhalten. Gießen, am 6. März 1901. Der Grotzh Ober-Staatsanwalt bei dem Landgericht d.r Provinz Oberheffen. Dr. GÜngerich. 1810 Submission. Für die Großherzogi. chirurgische und ophihalmolo^i ch UnoiversitätS-Kl riik soll.n für das Rechnungsjahr 1901/1902 auf dem Wege der öffentlich n Submission vergeben werden: 1. D-e Lieferung von B-^waren, Fl-ischwaren, Spezereiwareu, Mineralwasser, Mstch, Butter, Eier, Bier, Eis, Schreibmaterialien, Bürstenwaren, Por-ellan- u Glaswarm, 2. Das Reinigen der Wäsche süc das Personal, 3. Das Reinigen der Wäsche für die Kl ankert, 4. Das Reinigen der Offen und Herde, 5. Das Reinigen der Stnk gruben und das Fort schaffen des Krhrtchts, 6. Die Abgabe von K. ochen, leeren Flaschen u. Gespül, 7. Die Unterhaltung des Gartens. Die Bedingungen und der Miniyerialerll'b vom 16. Jun 1893 liegen auf dem Verwalt- ungsbureau an den Woch n tagen nachmittags von 3 btö 5 Uhr offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Ausschr st versehen bis zum 21. März d. I, vormitt. 12 Uhr, auf dem erwähntm abzugebeu. Der Zuschlag erfolgt bi« zum 23. März d. I. 1815 G'ehen, den 5. März 1901. Großh. Verwaltungs-Dirtkiisn der chtturg. und ophthalmolog. Univ.-Klinik. Popvert. Vossiu«. empfiehlt 1804 Ein IW. DlkllMiiWv sucht zum 1. April 18 7 901 für ssrau CiüHltbdg, Marktstr. 3 4flcfud)t zum 1. April em 'S* tüchtiges Dienstmädchen mit guten ßeuflniffen. 1809 zur Hand. 1792 D zu verkaufen. 0798 Wilh. Orbig Nachfolger verschoben werden. flllötlierteS Zimmer m. Kabinet zu vermieten. Gderstr. 1. [0801 0804 Frischer Anstich.“2; Salvaloriierss «6 Krünvergerstraße Krünöergerstraße über: 181 ( 1867 Hute Weine. Worzügtiche Küche. Halte mich meinen werten (Säften bestens empfohlen. [0750 Harry Hau. §rs S 83 verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko, für den Anzeigenteil: Han« Beck. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStS«Buch« und SteMdruckerei (Ptetfch Lrben) In Gießen. Iifrfd)ichnic5 Wiesel uche Mffeuo MxMn SkliK. Sauerkraut, fst. 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