Nr. 261 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 6. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Famlllen- blatter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" vtermal wöchentlich beigelegt. Nedaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlstraße 7. Akwesse für Depeschen: Slnzeiger Gießen. Fer.nfprechanschluß Nr. 51. WMWWWWWWWWW, GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeigen zu der sür den folgenden Lag effcheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigcn-Vermitt- lungsstellcn des In- und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Die astronomischen Instrumente. D»' Fortführung der astronomischen Instrumente aus Peking hat geraume Zeit der öffentlichen Diskussion Stoff gegeben. Man kann nicht gerade sagen, daß durch den verblüffenden Abschluß, den die Sache fand, die Erörterung zum Schweigen, gebracht wurde, indem die chinesische Regierung die Zurücknahme der Instrumente, wegen angeblicher Transportschwierigleiten, ablehnte und dadurch in der Rolle eines gütigen Geschenkgebers Deutschland gegenüber auftrat. China war also in der Lage, den Trumpf auszuspieleu. Die Aussagen des Generals o. Lessel in dem Stuttgarter Prozeß wegen Veröffentlichung von „Hunnenbriefen" müssen den ungünstigen Eindruck dieser China-Aktion verstärken. Offiziell ist stets daran festgehallen worden, daß wir uns nicht im Zustande des Krieges mrt China befänden. Herr v. Leffel aber sagte vor Gericht öffentlich folgendes aus: „In zehn bis zwölf Fällen sind Ausschreitungen voraekommen. Die Betreffenden wurden aber sofort kriegsgerichtlich aufs schärfste bestraft und verbiißten chre Strafe in dem Festungsgefängnis zu Köln. Die astronomischen Instrumente auf der Mauer zu Pekinc mürben allerdings als Kriegsbeute beschlagnahmt, und zwar eüuna wegen ihres Kunstwertes und andererseits wegen ihres materiellen Wertes. Wir hatten den Befehl, öffentliche Wertgegenstände zu be-- fchlagnahmen, um dieKriegskosteu zu decken." Selbst die konservative „Kreuzzeitung" knüpft eine abfällige Kritik nicht auf den Befehl selbst, gegen den sich nicht viel einwenden lasie, dagegen an die „umso bedenklicher erscheinende" Art der Ausführung dieses Befehls. Aus der Beschlagnahme habe sich nicht die Notwendigk^t ergeben, die ^ntrumente nach Europa überführen zu lassen. Wenigstens aüer hüllen sie, nachdem man erkannt hatte, daß für ihre Zurückhaltung keine rechlliche Grundlage vorhanden sei, auf jkosten des Reiches nach China zurückgesandt werden sollen. Stall dessen hat man sie lediglich der chinesischen Regierung zur Verfügung gestellt. — Der Standpunkt, den die „Kreuz- Ztg." hier einnimmt, ist immerhin noch milde. Es überwieg wohl die Auffaffung, daß auch der Befehl der Beschlagnahme an sich mit dem Völkerrecht, und zmnal nach den Vereinbarungen des Haager Kongresses, nicht in Einklang zu bringen ist. Eine Auslaffuug darüber, wie es sich mit diesem Befehl verhält, von wem er erteilt wurde, hat die „Nordd. Allg. Ztg." vieles nicht gebracht. Im Reichstag dürste auch diese Frage zur Debatte stehen. Das Beste wäre gewesen, von vornherein der Oeffenllichkell die Dinge darzulegen, wie sie sind. Vleberall kann einmal ein Fehler gemacht werden. Mer dieser Fehler war zu korrigieren. Ww sllmmen der „Kreuz-Ztg.^ zu, wenn sie bedauert, daß nicht nachträglich eine Ablehnung des Geschenkes und seine Rücksendung auf Kosten des Reiches erfolgt ist. Graf Törchoff.Friedrichsteiu über die Handelsverträge. Ein Mitarbeiter eines Berliner Blattes hatte mit dem Grafen August Dönhoff-Friedrichstein, von dem kürzlich das Gerücht in Umlauf war, er sei bestimmt, des Reiches fünfter Kanzler zu werden, eine Unterredung. Der Besucher hatte ihn um eine Aeußerung zu der Frage der Handelsverträge und der Getreidezölle gebeten. „Ich glaube nicht", so erklärte Graf Dönhoff-Friedrich- stein, „daß es einen Zweck hat, wenn ein Einzelner wie ich seine Ansicht schon jetzt bekannt giebt. Was bedeutet es, wenn jemand heute sagt, er Halle fünf oder sechD oder sieben Mark Zoll für das Richtige und das unumgänglich Notwendige? Ein absolutes „Richtig" giebt es in wirtschaftspolitischen Dingen nickt, und wie viel nach Lage der Sache zweckmäßig und erreichbar ist, läßt sich heute noch nicht beurteilen. Eine besttmmte, zahlenmäßige Angabe über die Höhe des Zolles, den ich beanspruchen würde, kann ich zur Zeit daher nicht machen. Man erinnert an meine Abstimmung von 1894 bei den Verhandlungen über den russischen Handelsvertrag. Wenn ich mich damals im Einzelfall und ohne den gemeinsamen konservativen Boden zu verlassen, von meinen politischen Freunden getrennt habe, so ist dies geschehen, weil ich in der Polittk eine zu ernste Sache sehe, als daß ich sie wie einen Sport zu betteiben midji entschließen könnte. Die Abstimmung von 1894 war in internationaler Beziehung von besonderer Tragweite. Beim Vertrage mit Oesterreich hatte ich mich der Abstimmung enthalten. Als der Verttag mit Rußland zur Absttmmung kam, sagte ich mir, daß wir Rußland unter keinen Umständen das, was wir an Oesterreich bewilligt hatten, würden versagen können. In diesem Augenblicke habe ich mich damals entschieden, für den Vertrag zu stimmen. An Aenderungen in der Besetzung hoher Reichs- und Staatsämter glaubt der Graf ganz und gar nicht. Graf Bülow ist der beste Mann, den wir haben, die Sache durchzufechten. Miquels Heimgang bedauern wir alle; ein Ersatz für ihn ist noch nicht gefunden, wird auch nur schwer zu finden sein. Es war ein Mann von ganz einzig dastehener „plau- sibility", wie man in England es nennen würde, ein Mann, der auch die verwickeltsten Dinge dem Volke klar und überzeugend darzulegen verstand. Wenn man ihm so gegenübersaß und ihn reden hörte, man glaubte schließlich, er hätte recht, auch wenn man im Grunde ganz entgegengesetzter Ansicht war wie er." Der ftanzöfisch.türkische Konflikt. In der französischen Kammer verlangte am Montag der Sozialist. Sembat die sofortige Beratung seiner Jnterpella- 5m über den französisch-türkischen Konflikt, die aus den ö. November festgesetzt wäre, und der Minister Delcasse oob sofort folgende Erklärung ab: Er sei bemüht gewesen, fürFrankreichimOrient das zu beanspruchen, was ihm aus jahrhundertelanger Tradition zukomme. Von dem diplomatischen Zwischenfall sei nicht einmal die Thatsache der Entsendung des Geschwaders geheimgehalten, nur welches der Besttmmungsort desselben sei. Was man wolle, sei, der Beugung des Rechts und den Winkelzügen ein Ende zu machen. Die man Frankreich gegenüber zur Anwendung gebracht habe. Frankreich habe Geduld gehabt und wenn sie diese so lange bewiesen habe, so sei dies geschehen, um desto besser zu zeigen, daß ihm andere Mittel zu Gebote stehen. (Bewegung.) Der Minister legt sodann dar, worin die Beschwerden Frantteichs bestehen und erllärt, man habe niemals die Türkei zum Rückkauf der Quais in Kon- stmllinopel zwingen wollen, er habe im Gegenteil dem Botschafter in Konstantinopel gegenüber betont, er fürchte, daß ein solcher Rückkauf den Einfluß Frantteichs für die Zukunft schaden könne. Die Regierung wolle, indem sie in diesen verschiedenen Fällen für die französischen Staatsangehörigen eintrete, gleichzeitigauchdieanderen Interessen Frankreichs verteidigen. Lorando und Turbini seien geborene und nicht naturalisierte Franzosen. Es liege nur an dem bösen Willen der Pforte, daß die diplomatischen Beziehungen unterbrochen seien. Die Regierung werde alles mögliche thun, um in Armenien und sonst die Ruhe wiederherzustellen, aber Frankreich sei nicht der einzige Staat, der durch den Berliner Verttag in der Angelegenhell engagiert sei. Hierauf wird über die Priorität der Tagesordnung Sembat abgestimmt, welche lautet: „Die Kammer ist, in der Ueberzeugung, daß Frantteich einen Mangel an Pflichtgefühl zeigen werde, wenn es nicht in wirksamer Weise den Schutz der Armenier ausüben würde, entschlossen, die Herbeiführung dieses Schutzes durchs ein Zusammengehen mit den Mächten zu erleichtern." Me Priorität dieser Tagesordnung wird mit 227 gegen 212 Stimmen an genommen. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau erklärt hierauf, die Regierung weise die Tagesordnung Sembat zurück, weil sie nicht das Vertrauen der Kammer zum Ausdruck bringe, das die Regierung zur Erfüllung chrer schiwierigen Aufgabe nötig habe. (Beifall.) Ribvt sagt, er werde nicht für ein Vertrauensvotum der Regierung gegenüber sllmmen, weil erzurallgemeinen Politik der Regierung kein Vertrauen habe. Brisson erklärt, unter den obwaltenden Umständen der Regierung ein Vertrauensvotum verweigern, heiße, das Ansehen Frantteichs herabzumindern. Er fordere alle Republikaner auf, sich zu vereinigen, um der Regierung ihr Vertrauen auszudrücken. Schließlich wird die Tagesordnung Sembat mll 314 gegen 75 Sllmmen ver-worfen und die Tagesordnung Chartertet, die von der Regierung angenommen wird und die folgendermaßen lautet: „JmVertrauendar- auf, daß die Regierung den Interessen und der Ehre Frankreichs Achtung verschaffen wird, geht die Kammer zur Tagesordnung über", angenommen. So hat beim also das Ministerium Waldeck-Rousseau einen neuen Sieg davon getragen, und der Konflikt mll der Türkei nimmt seinen Fortgang. Aus der Türkei eingelaufene Meldungen lassen freilich darauf schließen, daß der Sultan gewillt ist, Frankreich in allen Punkten nachzugeben, da er den Ausbruch einer Revolution in der Türkei befürchtet, die durch die unter den Staatsbeamten und dem Mllitär wegen der rmckständigen Gehälter herrschenden Unzufriedenheit hervorgerufen werden könnte. Aber ob die Wünsche der Franzosen dem bedrängten Herrscher der Gläubigen nicht schließliche doch allzu well gehen werden! Trotz aller gegenteiligen Behauptungen steht Frankreich rm Begriff, die orientalische Frage aufzurollen. Das formte einen neuen Schrecken ohne Ende geben, wie der Transvaalkrieg. Die griechische Bevölkerung Kretas und neuerdings auch die unter einem eigenen Fürsten stehende, der Pforte tributpflichlige Insel Samos erstreben eine An- glrederimg an Griechenland. Außerdem glimmt es beständig auf dem Brandherde Makedonien, wo das makedonische Komitee, unbeschadet der nur angeblichen gegensätzlichen Stellungnahme der bulgarischen Regierung, nach wie vor eine Thätigkeit entfallet, die auf die Lostrennung dieses unter türkischer Herrschaft stehenden Landes hinzielt. Der Sultan ist in größten 9iöten. Er erkennt natürlich, den Ernst der Lage, ist aber außer stände, irgend einen energischen Schritt zu thun. Er hat freilich eine erhebliche Verstärkung der an der bulgarischen Grenze befindlichen Garnisonen vornehmen lassen, auck für die Belvaffnung der in Makedonien lebenden Türken gesorgt, was der Einrich-t- ung einer Art türllscher Landmiliz für den Fall einer bulgarischen Erhebung gleichkommt. Aber mit allem dem ist sehr wenig gethau, und namentlich nichts Frankreich gegenüber. Frankreich will, da nun einmal die Demonstration im Gange ist, sie dazu ausnutzen, sich, am goldenen Horn, wo es seit langer Zeit etwas ins Hintertreffen geraten ist, wieder erne angemessene Position zu sichern, gegen die der Sultan sich in keiner Weise wird helfen können. Von der weiteren Entwickelung der Verhältnisse wird es jedenfalls abhängen, welche Stellung die übrigen Staaten zu dem Kon- litte einnehm er:. Wenn ein Pariser Blatt, wie wir gestern bereits meldeten, behauptete, alle im Orient interessierten Mächte hätten die Absicht kundgegeben, sich in dem fran- zösisch-türllschen Konflikt absolut neutral zu verhalten, so wird das in Berlin an unterrichteter Stelle als unrichtig bezeichnet. Doch sind nähere Erklärungen darüber vor der Hand natürlich nicht zu erwarten. Ueber die Ankunft des französischen Geschwaders in den türkischen Gewässern ist in Paris bisher noch keine Meldung eingegangen. Die türkische Flotte liegt bei Beirut vor Anker. Das französische Geschwaber ist ebenfalls nach Beirut abgegangen. In Toulon haben sämtliche Sckiffe des Mittelmeergeschwaders Proviant eingenommen und werden auf das erste Signal hin nach der Levante abgehen. Vom „Weltbankier". Me transatlantische Republik ist zur Zeit stark umworben. Mcht politischer Zwecke wegen, sondern in der Eigenschaft als „Weltbanller". Die Amerikaner haben sich diesen hochtönenden Tllel eigenmächtig zügelest. Ihn zu verdienen und dementsprechend mit Recht zu führen, wird ihnen jetzt Gelegenheit geboten. Ein angesehener japanischer Staatsmann, Marquis Ito, konferierte jüngst wiederholt mit den Dollarfürsten von Wallstreet, um sie der Emission einer japanischen Staatsanleihe an der Newyorker Börse geneigt zu sllmmen. Tas Gleiche erstteben die Agenten des russischen Finanzministers, natürlich in Bezug auf die Unterbringung einer Rubel-Anleihe. Wenn die Newyorker Finanziers sich nicht „erweich^r" lassen, droht dem Minister-- schisse des Herrn Witte unrühmliche Sttandung. Als Dritter im Bunde wird demnächst der unternehmende König der Belgier bei den transatlantischen Milliardären vorstellig werden. König Leopold will, wie wir schon mitteilten, für seine Person Gelder aufnehmen, zur Durchs führung überseeischer Kolonisationsprojekte, zunächst im Kongostaat. Der Regent als Träger kühner Ideen dürfte in New York das Ziel am ehester! erreichen. Für derartige Unternehmungen hat der „Weltbanller" bei weitem mehr Verständnis als für die Finanznöte von Staaten. Ein Chamberlain am Kaiserhofe. Houston Stewart Chamberlain, der Verfasser des Werkes: „Die Grundlagen des 19. IahrHunde r t s" (Verlag von F. Brückmann in München) ist dieser Tage vom Kaiser zur Wendtafel gezogen worden. Der hochkonservallve „Reichsbote" bemerkt hierzu: „Es fälll auf, daß der englische Autor, der gewiß davon unterrichtet ist, welche Bewunderung und persönlich eVorliebe der Kaiser für seinBuch hegt, gerade jetzt wieder hier weilt; ob das auf eigenem Entschluß oder auf einer Einladung beruht, ist unbekannt. Mit der Stimmung der Nation, die augenblicklich durch die Beschimpfungen, welche Joe Chamberlain dem deutschen Volke und Heere durch seine beleidigenden Unterstelb- ungen angeblicher Greuelthaten 1870—71 zugefügt hat, auf das Tiefste erregt und erbittert ist, steht es im schroffsten Widerspruch, einen Träger des Namens Chamberlain am deutschen Kaiserhofe ausgezeichnet zu sehen. Man ist außerdem in weiteren Kreisen hinreichend davon unterrichtet, daß das genannte Geschichtswerk auf die derzeitige persönliche Auffassung der Zeitereignisse und Politik seitens des Kaisers einen bedenklichen, romantischen Einfluß geübt hat." Der Empfang H. St. Chamberlains, der in Wien seit vielen Jahren lebt und seinem britischen Vaterlande längst untteu geworden ist, kann doch nur gewaltsam mit der heftigen Antipathie des deutschen Volkes gegen seinen Namensvetter auf dem britischen Ministersessel in Beziehung gebracht werden. Wir stimmen der „Köln. Ztg." durchaus bei, die in ihrem „Privatäußerungen des Kaisers" überschriebenen Leitartikel in Bezug hieraus sagt: Soweit also schon geht die Kritik, daß sie dem Kaiser vor- schreiben will, mit wem er verkehren und was er lesen soll. Herr Chamberlain hat nicht das geringste mit dem englischen Kolonial- mmtster zu thun und ist nicht mit ihm verwandt, teilt nicht einmal seine Gesinnung. Wegen der Zufälligkeit des Namens sott der geistreiche Schriftsteller, der es verstanden hat, mit seinem großen Werke weiteste Kreise anzuregen und zu fesseln, nach dem Wunsche des frommen konservativen Blattes keinen Zutritt zum kaiserlichen Hofe haben. Noch unglaublicher aber ist die jämmerliche Klage, daß lenes Geschichtswert auf die persönliche Auffassung des Kaisers, betr. die Zeitereignisse und Politik, einen bedenklichen romantischen Einfluß ausüben soll. Me böswillige und so kleinlich denkende Kritik aber, so schließt die ,Iöln. Ztg.", arbeitet mit der Lupe, die seziert und spezialisiert, wo das Ganze und der Gesamteindruck in den Vordergruird gestellt werden sollten. Der Schriftsteller Chamberlain ist der begeisterte Verfechter der „pangermanischen" Idee, Er entwirft eine politische Konstruktion der Zukunft, worin beide Nationen, die angelsächsische und die deutsche, die Führung haben. Dabei läuft manches Schmeichelhafte für Deutschland mit unter. Deutschland hat die religiöse und wffsenschaftliche Freiheit er- ftritten, England den Gedanken eines nationalen Staates zur Geltuug gebracht. Deutsches R^ich. Berlin, 4. Nov. Heute hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rats Dr. v. Lueanus und des Ministers v. Thielen. Zur Frühstückstafel war Reichskanzler Graf v. Bülow geladen- — Denc Kommandeur der 1. vstasiatischen Jnfanterie- brigade, Generalmajor v. Trotha, ist der Rote Wler- orden 2. Kl- mit Eichenlaub und Schwertern verliehen worden. — Aus Buchverlagskreisen sind neuerdings verschiedene Anfragen laut geworden, wann die neue d e u t s ch e e in - heitliche Rechtschreibung in den Schulen ein- aeführt werde, und wie lange Schulbücher, die in der bisherigen Rechtschreibung aedruckt sind, in unseren Schulen noch zugelassen werden dürften. Nach den von der „Köln. Ztg." eingezogenen Erkundigungen dürfte die Einführung der neuen Rechtschreibung immerhin noch etwas auf sich warten lassen, da noch nicht alle beteiligten Regierungen ihre, förmliche Zustümnung zur Einführung gegeben haben. Erst wenn diese Zusttmmimgen ämtlich vorliegen, kann das in Aussicht genommene Regel- mch veröffentlicht werden. Wer auch nach dem Erscheinen dieses Regelbuchs wird noch in einer ausgiebigen lieber-- gangsfrist kein einaeführtes Schulbuch um deswillen zu-' Darmst. Ztg." zufolge, folgende Erklärung auf genommen: n „Der englische Minister Chamberlain hat in seiner unlängst Handi die Teilnahme Abends bei dem Freibier recht lebhaft Aus Stadt und Kand. auch frei. einer anderen Meldung sollen drei Knaben das Mädchen in das Feuer geworfen haben. rücfgetoiefen werden, weil es in der bisherigen Rechtschreibung gedruckt ist. Der preuß. Kultusminister Dr. Studt hat sich noch neuerdings dahin ausgesprochen, daß Konzert des Winterprogramms. Das Konzert hatte sich eines zahlreichen Besnches zu erfreuen, sodaß sich der geräumige Saal fast als zu klein erwies. Das Programm, das u. a. den Vortrag von Kompositionen von I. Heustein, Pugh, Max Schulz ankündigte, wurde in vollendeter und künstlerischer Weise dem Publikum zu Gehör gebracht, und die Mitwirkenden ernteten denn auch reichen Beifall. -t- Lollar, 4. Nov. Zu unserer Mitteilung vom 2. Nov. über den Ausgang der Beigeordnetenwahl erhalten wir von einem Leser in Lollar die Mittellung, daß zu der Wahl überhaupt keine Gegenkandidaten aufgestellt waren, und daß ebensowenig eine Agitation noch eine Verteilung von Stimmzetteln stattgefunden hat. Die Abgabe von nur 62 Stimmen bei 268 Wählern sei ein ganz geringes Resultat. Dagegen sei gewesen. Bad Nauheim, 2. Nov. Gestern hat man hier abermals, wie die „Darmst. Ztg." schreibt, bei der Anlage des neuen Friedhofes römische Altertümer ausgegraben, darunter Dar Dettwe betracht d und Klauc Ministeria Mittel zur und Klaue zu bringen mehr soebi ein Versuc in Geaenn Sine Anza selben riere kauft befinden t sich in Frc versuche r Ferner meldet Reuter aus Aliwal North vom 2. Nov.: Eine Patrouille unter Kapitän Walker von der Kolonne Taylors machte gestern in der Nähe von Wolvekop 21 gegen die Polizei gehalten wurden. — Das ' Amtsblatt veröffentlicht die Rang-Erhöhung des Artillerie-Leutnants Ravon zum Hauptmann. Diese Er- ;* zettel der bisherige sozialdemokratische Stadtverordnete ' Drbig stehen. Auch über die Personen der neu auf» nennung erfolgt als Anerkennung für das von Ravon erfundene neue Geschütz, mit dem in den letzten Tagen in Bourges in Gegenwart des Kriegsministers Versuche angeslellt wurden, die glänzende Resultate lieferten. Rom, 4. Nov. Der Papst empfing heute den Weihbischof von Straßburg, Baron Zorn von Bulach. — Im Befinden des Papstes ist nicht die geringste Aenderung eingetreten, die zu Besorgnissen Anlaß geben könnte. Professor Lapponi hat unlängst noch versichert, daß der Organismus des Papstes völlig gesund sei. Konstantinopel, 4. Nov. Wie die Blätter melden, ist an sämtliche Vilajets eine Bekanntmachung des Staatsrates er-, t .. .. . gangen, durch welche der E.ntrrtt von Jesu.teu en d,e Nachricht-., ^°^^J.U°r°si° kommen Türkei untersagt wiich. Gießen, 5. November 1901. Simla, 4. Nov. 32 Mann vorn 17. bengalischen Lanzen- p ' cegiment, die die Wegebaukommission begleiteten, wurden! ** Zur Stadtverordnetenwahl. Der fretsrnnig^e Ver- Jm Tab atm in der Pi wurde de 34 Mark Graben i 30 Mark,, firticms ji unö Mäkle Momhnm imeder ein zemi^en ■ wie vx& lern ca. Dache nur zu I nahmen beim E möchte, haben ft wir roa wieder ii hielt dies im Vorjc denn nur Woche in gehängt, vrnneidei uchig abf llchtiger i Empfang Lruchsale Sen, C j zu 1 von einer T?ch tzu ! wse seine (Für Fo- Artikeli Kie von dem Kriegsgei und Ach A. Jakob vermittelt. " Der Zithervereiu Gießen veranstaltete am Sonntag Abend im Saale der Restauration „zum Löwen" sein erstes die beiden bürgerlichen Parteien wie in früheren Jahr«», einen gemeinsamen Wahlvorschlag zu Stande brächten. Mr können es nur mit Freude begrüßen, daß dies gelungen ist. Das Interesse der Stadt kann dadurch nur gefördert werden, indem auf diese Weise die mannigfache Stimmenzersplitterung, die sonst gewiß eingetreten wäre, zum großen Teil vermieden wird. ** Das Gesamtpr'äfidium der Kriegerkameradschaft ,Hasfia" hielt gestern eine Sitzung ab. In das Protokoll wurde, der Vatikan ha Professors ui machen, Mti die Spahns zi 3 nn zogen abf dem öt woraus di Burg ab. . Wä, uninet n, !'ch mit l über die ;as bei i ^schauu •« hiesig b-r-üs g b°r, Ja8, Irrte Ä Ä Ausland. Brüssel, 4. Nov. Der neu geborene Prinz wird den Titel Prinz von Belgien erhalten. Unter den zahlreich eingelaufenen Glückwunsch-Telegrammen befinden sich solche des deutschen Kaisers, des Kaisers von Oesterreich, des Königs von Sachsen, des Großherzogs von Baden, des Prinz- 9&gertten von Bayern rc. (Der „Prinz von Belgien" ist das erste Kind aus der am 2. Oktober 1900 geschlossenen Ehe des Prinzen Albert mit der Herzogin Elisabeth Valerie in Bayern. Da Prinz Albert der einzige Sohn des Thronfolgers Philipp Grafen von Flandern ist, so fft der neugeborene Prinz der voraussichtliche Erbe der belgischen 4 mnn c*n der Vorstadt ^vrv fand aeftern freigebiger: sein wird, kann man füglich bezweifeln. . Paris, 4. Nov. In der ^orslaor ^zvich fano geiiem । ^amberlain erfährt iekt von allen Seiten scha eine s ozialiftische Kundgebung statt. Die Sozialisten, an der Spitze sozialistische Abgeordnete, unternahmen einen Umzug und wollten die rote Fahne entfalten. Die Abgeordneten protestierten gegen dos Vorgehen der Polizei und beriefen eine Protestversammlung ein, in der heftige Reden Ä K>i°' S°d--I Münchens seinem S hervor. I ThätigkeU A Goelt gegenüber Ach "« iM fahr ober ' & W zubeugem^ itbruzze Deckung in dieser Laicht den Lr^7rn d7r Schulbüch-7, befangene, erbeuteie 17 Gewehre, 500 Patronen sowie sondere auch der Fibeln, das weitestgehende Entgegen- euuge Pferde. Unter den Gefangenen befindet ssth bw kommen bewiesen werden solle. Es liegt deshalb kein Grund ganze Familie Dupla, die rn letzter Zeck den Engländern vor, der die Verleger von Schulbüchern bestimmen könnte, viel zu schaffen machte. Die Patrouille ist noch den Druck neuer Auflagen aufzuschieben. Es werden noch nicht zuruckgekehrt ^er Verlust^der Engländer be- mindestens mehrere Jahre darüber hingehen, bevor trägt nur emen leicht Verwundeten. Zufolge von Regen- für die Schulen nur Schulbücher in der neu einzuführenden güssen ist der Oranjeslu,z gegenwärtig unpafsieroar. Rechtschreibung zugclassen werden. Wo die Patrouille geblieben ist, verschweigt Reuter eigen- ■ — Krieqstrophäen hat noch der als letztes tümlicherweise . . . . . „ . . , . B e tl,eeir liegen' leü.7 erhebttche^ueueu Nachrichten vor' I in lü'se-'Le— des 5W Lirb ca 170 ben Chin eie na bqenamme ne Ka - Nach einem Londoner Privat-Telegramm soll Xiorb Kit- 1870/71 in einer Weise beschimpft, daß wir uns, als die berufenen M11'en‘ darunter 80 moderne Kruppsche Stahlkanonen, chener aus Pretoria gemeldet haben, die Verwundeten Vertreter der alten Soldaten im Großherzogtum Heyen verpflichtet während die übrigen, die auf den Stadtmauerii von Peking der Kolonne des gefallenen Obersten Benson: seien^nach fühlen, seine durchaus unwahren Beschuldigungen mit tiefster gestanden chab en, chinesische Bronzekanonen von hohem Alter, Springs gebracht worden. Aue Kolonne selbst sollte am ©ntrüftUng in der Oeffentlichkeit zurückzuweisen." 250 bis 300 Jahres sind, aus denen jedenfalls feit langen m ®rug|pru1t ( tow^eiten übet •• P°st.P-ri°n°l°cr°ud-runge° V ersetzt sind: Der Post- Jahren kein Schuß mehr gethan ist. Sogering ihre Be- Kampf habe er noch nicht e^aI^u- §bl.e »raftifant ö ft e r I) o 11 von Bad-Nauheim nach Darmstadt, deutung als Kriegswaffe ist, so groß durfte ihr kunst- schütze-sagt Ober-Postassistent Molt er von Heppenheim (Bergstraße) Mutige Tagesschau ^spater nach Lollar als Postverwalter die Postassistenten Pfaff von "^D^ü n ^^N^ iKammer oer Abgeordneten) Bei die Geschütze zu nehmen. Der Kampf spielte sich innerhalb Bad-Nauhemi nach Offenbach, Seip von Gießen nach der Beratimg des Militär e t ats kan? auch die Teil- nächster Feuerentfernungen ab; unter dem Schutze des Frankfurt (Main), Sala von Stadecken nach Bodenheim, nähme der bäurischen Truppen an der Chinaexpedi- Nebels ist es den Buren jedenfalls gelungen, unbeob- Herzberger von Nidda nach Auerbach, Hartmann von tion zur Sprache. Referent Wagner (liberal) meint, für achtet ganz nahe heranzukommen, und es illustriert dieser Bad-Nauheim nach Vilbel, Laubach von Friedberg nach Bayern sei keine besondere Indemnität notwendig, da Fall wieder einmal, wie vorzüglich der Aufklärung^ di en st L^denfels. Angenommen sind als Postanwärter: beider Reichstag und die Reichsregierung die Indemnität der Engländer ist. Gar zudicht kann doch der Nebel nicht ^ldwebel Günther aus Gießen in Westhofen und der ausgesprochen haben. Frank (Ztr.) hält nicht alle Be- gewe,en fein, wenn es ben Buren gelang, chr aug - B^feldwebel Friedrich Müller aus Gießen iw Offenbach; denken }ür beseitig!, sachlich stehe allerdings das Recht Ähnliches Angrjf Svb,ekt, die Nachhut mit den beiden!^ I » der Rcalgymnasiast KlaeS in, Gießen; L^ndZhandeln kv7nte^ML^fseL?^ Man k7nn L nLlchEternken Eindruck der Un- als Postagent Fabrikant Weiß in Frischbvrn. Gestorben eine ^arm gefunden werden um dem verlebten glücksbotschaft am besten daraus erkennen, daß Asquith, ist der Ober-Postassistent Ritzel in Gießen. Volks^efuh^l Rechnung zu tragen. Nißler (kons.) hält der sich in Bezug auf den Krieg bisher von Herrn Cham- ** Kaufabschlub. Wie wir hören, hat die hiesige Firma die Bedenken im allgemeinen für zerstreut.' p. Vollmar berlain kaum unterschied, m einer in Leeds gehaltenen Stein u. Meyer cmen Komplex von mehreren tausend (Soz) führt aus, daß die Chinaexpedition einer recht- Rede die Forderung stellte, den Buren unverzüglichver- Quadratmetern Baugelände in Emden (Ostfriesland) erlichen Grundlage entbehrt habe, die bayerisch e nünftige Friedensbedingungen anzubieten. Da Asquith die warben. Emden ist bekanntlich vor kurzem deutscher Reichs- Regierung treffe eine Mitschuld, da sie zu w ill- Gewährung der Unabhängigkeit darunter nicht verstanden ^ qemorben, so daß die Stadt gewiß nunmehr mächüg fährig gegenüber Berlin gewesen sei, zweifellos wissen will, scheint die Hoffnung auf Beilegung des Kampfe^ omporblühen wird. Man darf deshalb wohl auch annehmen, sei .Bayerns Armeereservatrecht verletzt, nicht v^stärkt zu sem. n auch das neue Unternehmen der Gießener Firma guten K»eh l (Demokrat) stimmt dem Vorredner zu. Hreraus gaMdbungen aus nietete ^krfolg haben wird. Der Kauf wurde, ww wir weiter ver. wird die Wcrterbcratung auf morgen vertagt. | »nSchr-tb Kochen e worin er diesem ^^ili-ng-schäst lischen Offiziers durch die Buren als erste M "6 r Repressalie für die Hinrichtung der ver- schiedenenBurenführer zu gelten habe. Weitere Repr ess allen würden folgen! — Ganz natürlich, wie Du mir, so ich Dir! Die Verhandlungen der englischen Entschädigungs- kommission gehen sehr langsam vorwärts und stoßen überall auf Widersprüche. In der Sitzung am Montag wurde bekannt gegeben, daß die niederländische Regierung den ihr von der britischen Regierung angebotenen Betrag mit einigen Vorbehalten annehme. Da die Verhandlungen mit dem französischen Vertreter überhaupt nicht zum Ziele führten, wurde beschlossen, die Verhandlungen über den Anspruch eines französischen Reklamanten am nächsten Montag fortzusetzen. Ob die Kommission an diesem Tage Chamberlain erfährt jetzt von allen Seiten scharfe Abfertigungen. Wir melden an anderer Stelle, daß das Gesamt-Präsidium der Kriegerkameradschaft „H a s s i a" einen Beschluß faßte, in dem die Beschuldigungen Chamberlains gegen das deutsche Heer im Kriege 1870/71 mit tiefster Entrüstung zurückgewiesen werden. Und in London selbst hat, wie berichtet wird, eine große Volksversammlung von etwa 1000 Männern und Frauen ebenfalls ,,mit Entrüstung in , einer Resolution die Verleumdung deutscher Krieger durch Scherben von Vasen mit Profil und Zeichnungen, wie bei Chamberlain" zurückgewiesen. „ ben schönsten Vasen, die man auf der Saalburg gefunden Im Haag verlautet, die Umgebung des Präsidenten hat. In Nauheim dürfte es sich um eine vornehme bürger» Krüger wünsch,-, daß dieser zur Schonung seiner Gesund. (i$e Niederlassung aus römischer Zeii handeln. Die früheren habe ^ihm^'geraten, ^ sich"nach^?em ^Sllden^ Frankreichs zu Römerstmdc sind in die Museen zu Darmstadt und Frankfurt begeben, doch sei noch rrichD beschlossen. Wenn der Präsi- a» Nt. gelangt. deut einwillige, werde er Hilversum noch im November Mainz, 4. Nov. In der verflossenen Nacht drangen Em» verlassen. In der Umgebung des Präsidenten wird es aber brecher in das Kontor einer hiesigen Fabrik und bohrten als unwahrscheinlich bezeichnet, daß Krüger dem Drängen mittelst eines Bohrers aus dem dort besindlichen Kassenschrank i seiner Freunde Folge leisten wird. | das Schloß heraus, worauf sie dem Schrank eine Summe von 2000 Mk. entnahmen. Von den Einbrechern hat man bis jetzt keine Spur. — Der Oberregierungsrat Dr. Ufingei machte bei der am Samstag hier stattgehabten Eröffnung des ersten handelswissenschaftlichen Vortragseyelus die Mitteilung, daß der vielfach erörterte Plan der Errichtung einer Handelshochschule in Hessen aus mehrfachen »emmem, uu v.v , v ; , .Gründen aufgegeben worden ist. Er stellte aber in Aus- qestern von Mahsuds angegriffen. 13 Sepoys fielen. Eine ein hatte für gestern Abend eine außerordentliche General- daß, sofern das Interesse an den handelswiffenschaft- Anzahl Mahsuds soll gefangen genommen sein. Versammlung nach dem Restaurant Feidel emberufen, für die ^chen Vorträgen ein ebenso reges bliebe, diese Vorträge zu New'Aork, 4. Nov. 1500000 Dollars Gold, welche, als einziger Punkt auf der Tagesordnung die Stadtver- einer bleibenden Einrichtung ausgestaltet werden würden. — wie gemeldet, morgen zur Verschiffung gelangen, sind nachlordnetenwahlen standen. Nach längeren (Erörterungen qetett I gestern den ^Wunsch aus, daß cs wünschenswert wäre, roenn I für das gesamte Volksleben in den weitesten. . Kreisen iu iörbenu durch volkstümliche Theatervorstellungen und Konzerte, Mufeums- führungen, Vortragscyklen usiv. Eine besonders lebhafte und tiefgreifende Debatte entspann sich bei dem Punkt der Tagesordnung: „Tie gegenwärtige Lage des Schutzes des geistigen Eigentums und die Parsisal-Frage". Hier griffen, nach einem einleitenden Referat des Redakteurs Friedrich Dernburg, die als Ehrengäste anwesenden Hoskapellmeister Richard Strauß, Professor S t e r n f e l d und Tr. Rösch, Generalsekretär des Verbandes deutscher Komponisten, bedeutsam ein. Jedoch wurde von einer definitiven Beschlußfassung in dieser Angelegenheit vorläufig noch abgesehen. Zum „Vorort" des nächsten Jahres, nachdem München die Wahl abgelehnr hatte, wurde wieder Berlin bestimmt. In seinem Schlußwort hob Dr. Fulda unter allgemeiner Zustimmung hervor: so Ersprießliches die einzelnen Organisationen in positiver Thätigkeil auch geleistet hätten, so sei doch nicht zu vergessen, daß der Goethebund in erster Linie als Abwehrbund gegründet sei gegenüber den Gefahren, die Kunst und Wissenschaft bedrohen föimtciL falsch wäre es, wenn der Goethebund bei jeder Kleinigkeit sofort lärmend auf den Plan treten würde. In Stuirden wirtlicher Gefahr aber werde man wahrnehmen, daß er einzugreifen wisse. Schon seine Existenz übrigens sei wohl geeignet, gewissen Angriffen vorzubeugen. — Wie man aus Rom meldet, wird der Herzog der Abruzzen Mitte Februar einen neuen Versuch zur Ent- deckung des Nordpols von Alaska aus inachen. Universitäts-Nachrichten. Rom, 4. Nov. Von kompetenter Seite wird die Meldung, der Vatikan habe die deutsche Regierung ersucht, die Ernennung des Proseßors Dr. Spahn an der Universität Straßburg rückgängig zu machen, als erfunden bezeichnet. Die „Voee della Verita" erhielt die Weisung, jedwede Erörterung wegen der Ernennung Spahns zu unterlassen. Innsbruck, 4. Nov. Italienische Studenten durchzogen abends die Museumstraße unter den Rufen: „Nieder mit dem Statthalter, hoch Trentino!" und zogen gegen die Burg, worauf die Polizei sie zerstreute. Mllitär sperrte den Zugang zur Burg ab. Mehrere wurden verhaftet. Landwirtschaft. Darmstadt, 4. 9tov. Wie man schreibt, hat Oekonomierat Dettweiler, Mitglied des Hessischen Landwirtfchaftsrats, in Anbetracht der gegenwärtig in Hessen sehr stark austretenden Maul- und Klauenseuche bei Ministerialrat Braun, als Vertreter der Ministerialabteilung für Landwirtschaft re., die Anregung gegeben, Mittel zur Disposition au stellen, um zur Bekämpfmig der Maul- und Klauenseuche das Baecelli'sche Mittel in Anwendung zu bringen. Auf Veranlassung des Ministerialrats Braun hat nunmehr soeben auf einem von der Seuche stark heimgesuchten Gut ein Versuch mit dem Baeeelli'schen Mittel stattgefunden, und zwar in Gegenwart^ des Medizinalrats Dr. Lorenz von Darmstadt. Eine Anzahl Tiere wurde mit dem Mittel geiinpst; schon am Abend desselben Tages konnte ein befriedigender Zustand der geimpften Tiere konstatiert werden; am folgenden Tage konnte schon in dem Befinden der geimpften Tiere eine Besserung festgestellt werden, die sich in Freßlust und anderen günftigen Symptomen äußerte. Die Versuche werden fortgesetzt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Tabak. Im Lause der Berichtswoche wurden uns Umsätze in allen Tabaken nicht bekannt. Lose pfäher Blätter wurden ca. 150 Zentner in der Preislage gegen Ende 20 Mark umgesetzt. In neuen Tabaken wurde der noch unverkaufte Rest in Friedrichsthal zu 32 Mark bis 34 Mark gekauft, in Spöck eine Kleinigkeit zu 30 bis 31 Mark, in Graben ca. 100 Zentner von einem Händler kommissionsweise zu 30 Mark, alles am Dache. In Rußbeim (Nebenhaardt) wurde die Kreseens Auin Preise von 23 bis 24,Mark am Dache von Händlern und Maklern aufgekauft. Hier wurde von einem maßgebenden Mannheimer Hause die Unsitte der Makler ohne Auftrag zu kaufen, wieder einmal gut beleuchtet, da die gekaufte Ware einfach zurück- gewiesen wurde. Auch in St. Leon hegt derselbe Fall vor, es soll, wie uns berichtet wird, von einem Fabrikanten und einigen Händlern ca. 500 Zentner, die von den Maklern ohne Austrag am Dache gekauft wurden, bis jetzt nicht accepttert worden sein, was nur zu loben ist. Zu Beginn der diesjährigen Einkaufskampagne nahmen wir wiederholt Veranlassung, die reservierte Zurückhaltung beim Einkauf zu erwähnen und zu raten, daß man abwarten nröchte, bis die Tabake abgehängt sind. In lobenswerter Weise haben sich eine große Anzahl Firmen dazu bereit gefunden, und wir waren thatsächlich der Meinung, daß das Einkaufsgeschäft wieder in die allen und soliden Bahnen zurückgeführt wird. Leider hielt diese Reserve nicht lange Stand, und dasselbe Resultat wie im Vorjahre wird wohl die Käufer eines anderen belehren müssen, denn nur durch Schaden werden dieselben klug werben. Die voriger Woche in Heddesheim und Lampertheim gekauften Tabake sind ab- gehängt. Dieselben zeigen sich zum Teil feucht und naß, was zu vermeiden gewesen wäre, roemi man den Produzenten hätte erst ruhig abhängen lassen, denn dieselben mären dann jedenfalls vorsichtiger hierbei verfahren, und man hätte auch gute Ware in Empfang nehmen können. In Großsachsen wurden von einer Bruchsaler Firma 200 Ztr. am Dach zu 20—21 Mk. gekauft. Leutershausen, Schriesheim zu 17—18 Mk. am Dach ausverkauft. Ladenburg zu 17—18 Mk. angefangen, in Rohrbach b. Sinsheim wurden von einem Kommissionär für einen Fabrikanten ca. 100 Ztr. am Dach zu 20—22 Mk. gekauft. In losen pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 8—9 Mk., gebündelte feine 10—11 Mk. Gerichtssaal. Kiel, 4. Nov. Die beiden Obermatrosen G e n z und S ch ü l t von dem kleinen Kreuzer „G a z e l l e" wurden vom Geschwader- Kriegsgericht von der Anklage des meuterischen Aufruhrs und Achtungsverletzung, begangen durch ihr Verhalten in Euxhaven am 20. Juli, freigesprochen. Beantragt waren 5 Jahre und 28 Tage Zuchthaus. (Kapitän Neitzke ist bekanntlich auch freigesprochen worden.) Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 5. November. Zu den Stadtverordnetcnwahleu. Während der Termin der hiesigen Stadwerordnetenwahlen immer naher rückt, beginnen die Gemüter der Wähler allmählich sich mit den einzelnen Kandidaturen zu beschäftigen, sich wohl auch über die eine oder die andere aufzuregen. Dabei treten nun, wie ja bas bei dergleichen Gelegenheiten stets der Fall ist, vielfach irrige Anschauungen zu Tage. So ist offenbar bei einem großen Teile ber hiesigen Wählerschaft die Meinung verbreitet, es fei einer der bereits genannten Kandidaten, Herr Reallehrer Jann, nicht wählbar da er in die Kategorie der Vollsschullehrer zählt. Das ist ein'Irrtum, beim bie Vollsschullehrer werben für Gemeindeämter wohl wählbar, sobald sie nicht mehr an einer Volksschule ober einer anberen städtischen Schule angestellt sind. Herr Jann ist nun an einer Staatsanstalt, dem Realgymnasium und der Realschule angestellt, und es fallen daher für ihn bie für Vollsschullehrer geltenben gesetzlichen, bas Wahlrecht beschränkenben Besttmniungen weg. Ein Blick auf bie Verhältnisse unserer Haupt- unb Resibenzstadt Darmstabt bestätigt uns dies. Dort sitzt Reallehrer Kaßlick, ber also in gleicher Stellung sich befindet wie Herr Jann bereits seit Jahren im Stad trat und wird, wie wir sicher wissen, als reges und thättges Mitglied dieser Körperschaft geschätzt und geehrt. Was nun in ber Hauptstadt des Landes möglich ist, ist wohl auch für unsere liebe Stadt Gießen angängig. Darum lasse man sich nicht irre machen; gebe man ruhig ferne Stimme Herrn Jann, dessen Eharakter dafür bürgt, daß er stets seine ganze Kraft einfetzt, wenn es gilt, das Wohl der Gesamcheit zu fördern. -1~ Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Nnfragerr bleiben unberücksichtigt.) Eberstadt. Freundlichen Dank für Ihre Mitteilungen. Aber warum nennen Sie sich nicht? Es liegt uns nicht nur daran, zu wissen, wem wir schätzenswerte Nachrichten verdanken, sondern wir müssen in jedem Fall eine Handhabe haben, um unserer Korrespondenzen sicher zu sein und für ihre Richtigkeit bürgen zu können. Anonyme Zuschriften zu berücksichtigen, ist für Redaktionen immer sehr riskant. Nachrichten mit Namensnennung honorieren wir auch gern. Vermischtes. * Die Berliner Hochbahn eröffnet am 15. Dezember den Betrieb auf einer Teilstrecke. Zum 1. Januar wird wahrscheinlich die Strecke Warschauer Brücke—Zoologischer Garten in Betrieb gesetzt. * Bremen, 4. Nov. Kurz vor dem Passieren des Oldenburger Schnellzuges wurden von unbekannten Thätern auf die Schienen des Oldenburger Bahngleises gewälzte Sandsteinblöcke und Eisenbahnschwellen rechtzeitig endeckt. * Köln, 4. Nov. Der Schriftsteller Lenzer aus München, der wegen Wechsel- und Urkundenfälschung im Betrage von 50000 Mark, sowie wegen Unterschlagung von 1000 Mark Buren gelb ern steckbrieflich verfolgt wurde, ist hier verhaftet worden. Lenzer trieb sich feit April unter dem Namen Rolf umher. * Der Zar hat alle Artikel, Illustrationen, Bilder und Lieder, die anläßlich seiner zweiten Reife nach Frankreich in ganz Europa und Amerika veröffentlicht wurden, durch das Bureau „Argus de la Presse" in Paris sammeln lassen, um sie „zur ewigen Erinnerung" aufzubewahren. Die Zeitungsartikel allein füllen drei prächtige Albums, von denen jedes mehr als 600 Seiten Text enthält. * Die S chnerder in nen-Mission der Köni- ginDraga. Um sich und ihre Hofdamen von den teuren Pariser Schneidern unabhängig zu machen, hat Königin Draga von Serbien zwei ihrer Schneiderinnen nach Prag gesandt, die in einem dortigen Modesalon Unterricht in der höheren Schneiderei nehmen. Die beiden Damen, welche außer einem Staatsstipendium Subventionen aus der Privatschatulle der Königin beziehen, werden ein Jahr in Prag verweilen, und dann ihre Studien in Wien fortsetzen, um hierauf in Belgrad ihre Kunst zu bethätigen. Hoffentlich haben die Damen dann genügend gelernt, und fertigen wahre Kunstwerke an, damit die sparsame Königin nicht ihr Geld zum Fenster hinausgeworfen hat und schließlich doch noch) nach London, Berlin oder Paris schreiben muß. Telephonischer Kursbericht. Jb'rankfart a. M., 5. November. 3 72% Reioheanleihe . . 100.50 3% do. ... 89.30 37,% Konsole .... 100.50 3% do. .... . 89.35 37,0/g Hessen .... 98.10 5O/o Italien. Rente . . . 98.80 4 /o Griech. Monopq.l-Anl. 41.40 8% Portugiesen .... 25.50 8% Mexikaner .... 25.50 4%% Chinesen .... 84.00 Tendenz: Kreditaktien.....194.30 Diskonto-Kommandit . . 170.70 Darmstädter Bank . . . 117.50 Dresdener Bank .... 117.90 Berliner Handelsges. . . 130.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 133.40 Gotthardbahn ..... 155.00 Laurahütte ...... 176.50 Bochum.......159.30 Harpener ...... 154.50 schwach. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. November Z 2« 925 7“ 756,8 758,1 759,1 4- 3,8 — 0,3 — 3,4 4,9 4,5 3,5 82 N. 100 NE. 99 NW. Wetter Sonnenschein sternh. Himmel Nebel Höchste Temperatur am 3. bis 4. Nov. + 5,2° C. Niedrigste „ „ 3. „ 4. „ — 3,2° C. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Stuttgart, 5. Nov. Die Verhandlungen zwischen der Reichspostverwaltung und der Württembergischen Postverwaltung über die Einführung einheitlicher Postwertzeichen find abgeschlofien worden. München, 5. Nov. Gras Crailsheim erklärte auf eine Anfrage im Finanzausschuß des Landtages, das Befinden des Königs Otto sei unverändert. Paris, 5. Nov. Der Lustschiffer Santos Dumont trat aus dem Aeroklub aus, weil viele Mitglieder der Preiskommisfion erklärt hatten, daß sein Lustschiss das Problem der Lenkbarkeit in keiner Weise der Lösung näher gebracht habe. Der Industrielle Deutsch kündigt au, daß er einen neuen Preis mit strengeren Bedingungen errichten werde. London, 5. Nov. Der „Times" zufolge wird der Direktor der Schiffsbauteu, White, aus Gesundheilsrückfichten fein Amt aufgeben. Bristol, 5. Nov. Der Schahkanzler Hicks Beach hielt gestern hier eine Rede, in der er erklärte, er habe bereitwillig Geld für den Krieg hergegeben in der Hoffnung auf eine baldige Beendigung desselben. Die außerordentlich große Anleihe, die ausgenommen worden sei, habe die Nation weniger schwer belastet als die früheren Anleihen. Ter Geldmarkt sei nicht beunruhigt. Die Zuckersteuer und die anderen Steuern seien nicht allzu drückend. Die Einkommensteuer sei jetzt höher als fie während des Krimkrieges war, aber nichts desto weniger werden die Steuern gern gezahlt. (?Das kommt nirgends vor. D. Red.) Er bedaure, nicht erklären zu können, daß der schreckliche Krieg beendigt sei, und die Steuern abgeschafft werden könnten. Es sei sogar möglich, daß in der nächsten Parlaments- sesfion die Steuern vermehrt werden müßten. Er wirs sodann darauf hin, daß zwei Kavallerieregimenter am 19. Nov. nach Südafrika zur Verstärkung abführen. Zu diesem Monat würden weitere 1200 berittene Mannschaften abgesandt, um andere abzulösen. Wenn 12 000 Mann erforderlich würden, könnten 12 000 abgesandt werden, aber die Regierung habe vor allem den Forderungen des Generals, dem sie vertraue, sofort uachzukonunen. Das geschehe auch. Was die Konzentrationslager betreffe, so könne er nicht verstehen, wie die Handlungsweise, mit der so großeHnmanitätszwecke (!.') verfolgt würden, so falsch gedeutet werden könne. Die Regierung bedauere die große durch Krankheit in den Lagern hervorgerufene Sterblichkeit so sehr wie einer und stehe gerade jetzt mit den Behörden in Süd- asrika in Verbindung, um eine Besserung (wirklich?) in der Lage der Uittergebrachten herbeiznsiihren und um der großen Sterblichkeit Einhalt zu thun. Die Regierung sei auch, wie chon früher, immer bereit, Frieden zu schließen, aber ie würde auf einem ernsthaften, vernünftigen Frieden bestehen (der die Buren zu britischen Sklaven machen will! T. Red.) und, um diesen zu erreichen, vor keinem Opfer^ zurück- chrecken. Er gebe sich der festen Hoffnung hin, daß Südafrika ür das Reich ein ebenso stärkender Faktor werden wurde, wie es Australien und Kanada seien. Madrid, 5. Nov. In der gestrigen Sitzung der Depn- tiertenkammer erklärte Marineoffizier Mareneo, das ungeschickte Vorgehen der Regierung könne die Marinetrnppen zum Aeußersten treiben. Der Ministerpräsident erhob gegen die Angriffe Einspruch. Berlin, 5. Nov- Die Letzlinger Hofjagd wird, wie nunmehr seststeht, am 15. und 16. November statt- indem Schon am Nachmittage des 14. wird sich der Kaiser mit dem Kronprinzen und einem großen Gefolge nach Letzlingen begeben. Posen, 5. Nov- Der Bischof von Paderborn veri weigerte einem katholischen Theologen, der in dem Thorn er Geh eimbund-Prozeß^verurteilt worden war, den Eintritt ins Priester-Seminar. Hamburg, 5. Nov- Der anhaltend dichte Nebel behindert seit Samstag die Schiffahrt ans der Elbe aufs schwerste. Zahlreiche Dampfer liefen bei der Ebbezeit fest, kamen jedoch bei eintretender Flut wieder los. Eine schwere Kollision ereignete sich bei Brokdorf an der llnterelbe, wo der englische Dampfer „Treasure" den Hamburger Dampfer „Virgo" im Nebel anrannte. Der „Virgo" er-> hielt ein großes Leck am Bug, sodaß das Vorderschiff voll lief. Mehrere Schleppdampfer brachten Hilfe und mußten das Schiff bei Bielenberg aus den Strand setzen, um seinen Untergang zu verhindern. — Der von Stade abgegangene Dampfer „Blankenese" mußte vom Nebel überrascht, die ganze Nacht auf der Elbe zubringen, und konnte erst gestern vormittag seine Fahrgäste in Hamburg landen. Frankfurt a. M., 5. Nov. Die Meldung, daß der L a n d g r a f v 0 n H e s s e n auf dem Bahnhof Lüttgenburg einen, Wagen-Unfall erlttten habe, ist nicht richtig. In dem betreffenden Wagen befand sich, wie baS Host marschallamt mitteilt, der Landgraf überhaupt nicht. Der Wagen fuhr leer und nur der Kutscher und ein Diener erlitten Verletzungen. Straßburg i. E., 5. Nov. Am 7. d. M. findet eine internationale wissenschaftliche Ballonfahrt statt. Es steigen Ballons auf in: Trappes, Paris, Straßburg, München, Wien, Krakau, Bath, Berlin, St. Petersburg, Moskau. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Für Hilfeleistungen beim Landen eines bemannten Ballons werden besondere Vergütungen bezahlt. London, 5. Nov. Die tägliche Verlustliste der englischen Truppen in Südafrika beziffert sich für gestern auf 9 Tote, 20 Verwundete, 3 Gefangene und 22 an Krankheit Verstorbene. — In einer Rede in Forfar pro» testierte Morley vor seinen Wählern gegen den Krieg. Die durch denselben eingettetene Finanzlage würde einen schweren Rückschlag auf die englisch,en Staats- Finanzen ausüben. — Der seit Samstag herrschende Nebel hat eine allgemeine Störung des Verkehrs in London und der Provinz nach sich gezogen. Alle Eisen» bähnzüge treffen mit bedeutenden Verspätungen ein. Die Schiffahrt auf der Themse ist eingestellt. Viele Fabriken mußten schließen. Der Schaden der Verkehrs-Institute wie auch besonders der der Theater ist bedeutend. Bei den letzteren wird er auf eine halbe Million Pfund Sterling geschätzt. Bis jetzt sind 186 Un glücks fälle zu verzeichnen, die sich infolge des Nebels zugetragen haben. Die Zahl der Verirrten beläuft sich aus Tausende. Brüssel, 5. Nov. Der Papst hat dem neu geborenen Prinzen von Belgien telegraphisch seinen Segen und den Eltern seine Glückwünsche gesandt. Heute begab sich eine Deputation von Mitgliedern beider Kammern zum Könige, um ihn zu beglückwünschen. Eine Amnestie wird nicht erlassen, dagegen sollen Begnadigungen einzelner Personen stattfinden. Paris, 5. Nov. Der „Petit Parisien" glaubt, das Geschwader Eaillard werde heute an seinem Bestimmungsorte eintreffen. Dem Figaro zufolge befindet sich das Geschwader heute im ägäischen Meere. — Der „Eclaitt glaubt, der Konflikt sei im stände, ernste Nach wirk< nngen in denjenigen Kolonien hervorzurufen, welche eine überwiegend muselmanische Bevölkerung besitzen. Dre Regierung hat umfassende Maßregeln getroffen, um allen Eventualitäten vorzubeugen. Genua, 5. Nov. Die hiesigen Hafenarveiter haben sich mit dem Boykott der englischen Schiffe einverstanden erklärt. Wien, 5. Mv. Abgeordnetenhaus. Der Abg. Herold tritt den Angriffen des Abg. Wolf gegen das Tschechenvolk entgegen, wirft der Regierung Neu- tralitätsbruch vor, und erklärt, die Tschechen verlangten von der Regierung nichts Ungerechtes. Sie könnten ihr aber auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik nur folgen, wenn die slavischen Völker zufriedengestellt seien. Das Tschechenvolk wehre energisch jeden neuen Angriff ab. Hierauf wurde die erste Lesung des Budgets beendiat- Das Budget wurde dem Budgetausschusse überwiesen. Bukarest, 5. Nov- Der König begab sich gestern abend in Begleitung des Ministerpräsidenten, des Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Ministers des Innern nach Eonstantza, um die dortigen Hasenarbeiteu zu be- sichtigen. Petersburg, 5. Nov- Unweit Schirjajews Der» brannte der große Dampfer „Priroda". 7 Menschen verloren ihr Leben. Pretoria, 5. Nov- Die Buren haben beide Ka« noneu, welche zur Nachhut Oberst Bensons gehören, mit sich weg geführt. Halifax (Neuschottland), 5. Nov- 300 Mann der königlichen Artillerie mit 6 Maximge schützen, gehen diesen Monat von hier nach Südafrika ab. Sie werden durch eine Abteilung von Bermuda ersetzt. Bekanntmachung, die Wahl der Mitglieder der Stadtverordueten-Ver- sammlung betreffend. Donnerstag den 14. November 1901, von vormittags 10 Uhr bis abends 6 Uhr, soll die Wahl von 11 Stadtverordneten der Stadt Gießen vorgenommen werden. Die Wahl findet m dem Bürgermeistereigebäude — Gartenstraße 2 — statt und zwar haben diejenigen Stimmberechtigten, deren Namen mit den Buchstaben beginnen: A bis Go im Zimmer Nr. 10 Gr bis Li im Zimmer Nr. 11 Lo bis Schl im Zimmer Nr. 12 Schm bis Z im Zimmer Nr. 14 abzustimmen. Neben der regelmäßigen dreijährigen Ergänzung der Stadt- verordneten-Versammlung durch zehn Mitglieder ist noch ein Ersatz' Mitglied für einen auf d:e Jahre 1899/1907 gewählten, inzwischen aber verstorbenen Stadtverordneten zu wählen. Alle Stimmberechtigten werden danach eingcladen, an den: gedachten Termin sich persönlich einzuftnden und ihre Stimmen abzugeben. , Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen Stimmberechtigten, welche mit der Entrichtung der Gemeindesteuer zur Zeit der Wahl sich länger als zwei Monate im Rückstände befinden, zur Abstimmung nicht zugelassen werden uitt) daß daher alle diejenigen, welche bis zum 10. November mit der Entrichtung des 3. Zieles der Gemeindesteuern im Rückstände waren, nur dann zur Abstimmung zugelassen werden können, wenn sie einen solchen Rückstand noch bis zur Wahl abführen und daß solches geschehen, der Wahlkommission durch Vorzeigung ihrer Steuerquittung nach- weisen. Gießen, bei: 5. November 1901. 7276 Grohherzoglrche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. In unserem Handelsregister wurde heute die Firma „Weber und Fitzler" in Lich geändert in „August Weber" in Lich; Inhaber: August Heinrich Weber, Kaufmann in Lich. 7282 Lich, am 2. Nov. 1901. Großherzogl. Amtsgericht. Mittwoch bett 6. November ds. Js., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Bieker'sehen Saale Möbel aller Arten und diverse andere Sachen. 7277 Geißler, Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. Donnerstag den 7. b. Mts., nachmittags 3 Uhr. sollen dahier — Neuenweg 28 — 1. Eine Ladeneinrichtung; 2. Eine Geige; , 3. 240 Cyliuber u. 100 Glühkörper (Strümpfchen); 4. 1 Kassenschrank, 1 Schreibtisch, 1 Vertikow, 1 Sopha, ^Wanduhren (Regulateure), 15 silb. Taschenuhren u. 19 Uhrketten. 5. 1 Musikautomat, 1 Sopha, 1 Kommode und 1 Waschkommode; . 6. Haus- u. Küchengeräte all. Art zwangsweise gegen bar versteigert -werden. Die Versteigerung der unter ad 1 u. 2 aufgeführten Gegenstände findet ganz bestimmt, ad 3 voraussichtlich und die :übrigen zum Test statt. 7279 Gießen, 5. November 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher. Donnerstag den 7. Novbr. dS. IS., nachmittags 2 Uhr, !werden im Bieker'fchen Saale .zwangsweise versteigert: L 1Ö silberne Herrenuhren u. 6 goldene Damenuhreu (ganz neu), 1 goldene Herrenuhr, 1 großer viereckiger Tisch mit mehreren Schrebladen, 1 Sopha und 1 ovaler Tisch, 2. verschiedene Möbel, Uhren, Spregel, Bilder u. a. 7278 Die Bersteigeruug sub 1 findet ganz bestimmt statt. Geißler, Gerichtsvollzieher. Stadt. Schlachthaus. Freibank. 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Auswärtigen werden die Gewinne auf deren Kosten bei Einsendung des Gewinnloses übersandt. 39 [48] 64 [105] 73 [30] 147 [165] 157 [95] 166 [65] 179 [62] 260 [186] 283 [135] 309 [15] 314 [157] 339 [63] 348 [4] 405 [130] 411 [118] 437 [113] 472 [78[ 480 [197] 484 [200] 521 [2] 564 [177] 573 [194] 593 [80] 620 [20] 622 [19] 632 [10] 648 [122] 662 [137] 663 [128] 689 [115] 712 [126] 713 [50] 732 [193] 737 [153] 738 [120] 758 [6] 766 [145] 785 [56] 786 [38] 792 [167] 793 [52] 796 [28] 815 [44] 819 [31] 844 [101] 846 [117] 869 [53] 870 [83] 881 [64] 917 [57] 941 [76] 974 [79] 993 [5] 1002 [86] 1022 [134] 1024 [123] 1037 [119] 1049 [191] 1083 [168] 1102 [33] 1105 [98] 1108 [82] 1129 [133] 1135 [178] 1142 [54] 1190 [69] 1207 [185] 1234 [34] 1247 [36] 1251 [59] 1263 [156] 1278 [96] 1288 [40] 1292 [23] 1297 [29] 1305 [164] 1308 [1] 1330 [170] 1350 [159] 1392 [7] 1402 [66] 1407 ]11| 1428 [183] 1434 [41] 1481 [49] 1486 [93] 1530 [99] 1601 [85] 1631 [158] 1633 fl46] 1653 [144] 1655 [72] 1708 [148] 1820 [179] 1826 [171] 1880 [81] 1903 [166] 1956 [150] 1973 [104| 1985 [12öj 1990 [181] 2112 [112] 2116 [73] 2206 [192] 2211 [3] 2261 [182] 2271 [189] 2293 [89] 2302 [39] 2306 [162] 2321 [13| 2327 [94] 2349 [88] 2357 [174] 2437 [142] 2464 [111] 2468 [22] 2475 [67] 2479 [46] 2481 [132] 2495 [141] 2506 [121] 2507 [195] 2510 [91] 2541 [35] 2547 [16] 2549 [18] 2563 [131] 2572 [107] 2573 [71] 2605 [109] 2619 [92] 2624 [42] 2646 ]17] 2651 [102] 2681 [160] 2683 [74] 2686 [161] 2687 [77] 2707 [68] 2708 [37] 2716 [155] 2741 [169] 2750 [140] 2752 [47] 2753 [151] 2757 [45] 2768 [139] 2798 [147] 2799 [116] 2808 [152] 2846 [127] 2861 [196] 2908 [58] 3073 [70] 3083 [124] 3091 [154] 3123 [87] 3157 [136] 3168 [8] 3194 [106] 3200 [51] 3215 [97] 3223 [138] 3258 [43] 3268 [173] 3276 [61] 3285 [129] 3315 [32] 3327 [190] 3331 [55] 3346 [21] 3356 [184] 3390 [75] 3394 [26] 3417 [84] 3469 [175] 3471 [103] 3490 [188] 3513 [163] 3516 [198] 3543 [187] 3551 [149] 3555 [90] 3558 [108] 3565 [24] 3593 [180] 8605 [172] 3617 [176] 3631 [60] 3773 [12] 3778 [199] 3784 [25] 3835 [27] 3866 [100] 3889 [143] 3922 [14] 3947 [114] 3971 [110] 3983 [9]. 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