Mr. 261 Erstes Blatt. Mittwoch 6. November 1961 ^Stellung. In nstagabend- ii 151. Jahrgang Politische Tagesschau. Die Strafgewalt moderner Vereine. der Monatsschrift deutscher Gewerbegerichte („Das u, Laie Ebel. :n um zahlreiche 9# DerBorsta«^. Ü8ier ien •Ml, lana )MI. ’nterzeoge Jacken Kekmmtmachung. Betreffend Gesuch der Firma Anton Konrad Müller u. Co. Zu Lang-Göns um Genehmigung zur Erbauung eines Doppel- Partial-Rmgofens. Die Firma Anton Konrad Müller u. Co. beabsichtigt auf dem Grundstück Flur XXII Nr. 54 und 55 Acker beim Born der Gemarkung Lang-Gön§ einen Doppel-Partial-Ring- tofev zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, -vom Erscheinen dieses im Gießener Anzeiger an gerechnet auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Lang-Göns zur Ein- ,sicht der Interessenten offen. Etwaige (Anwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschluffes bei Großh. Bürgermeisterei Lang- Göns vorzubringen. Gießen, den 30. Oktober 1901. .Großherzogliches Kreisamt Gießen. .v Bechtold. Bekanntmachung. B etr^: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen; hier den allgemeinen Meliorationsplan vom 2. Felde. In der Zeit vom 4. November l. Js. bis einschließlich 18. November l. Js. liegt auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen der allgemeine Meliorationsplan vom 2. Felde nebst Erläuterungsbericht und Prüfungsprotokoll m dernselben zur Einsicht der Betelligten offen. TagfcHrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen finbefi statt: Dienstag den 19. November 1901, vormittags von 9% bis 10 Va Uhr, auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nlchterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufaffen, zu begründen und auf Papier in Mtengröße (mindestens % Bogen) einzureichen. Fri edb erg, 26. Oktober 1901. Der Großh. Bereinigungskommiffär. Spamor, Kreisamtmann. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen *eau, ^gründet 1868. standenen, 7252 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die GieHeuer Kamillen, blätter werden dem Anzeiger hn Wechsel mit dem LandwirtE und den »Blättern für hessische Volkskunde^ Viermal wöchentlich bei- gelenzt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.51. Gewerbegericht", Verlag von Geora Reimer in Berlin W. 35) lesen wir folgende Besprechung oer Programmarbeit des Gießener Universitätspvofessvrs Dr. A- Leist über „Die Strasgewalt moderner Vereine", die bei uns in Hessen aus Anlaß des Offenbacher Falles Wolff z. Z. aktuelles Interesse hat: Die kleine Schrift behandelt eine Frage, die in ganz besonderem Maße praktisch und wichtig ist für die Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Fachver- eind, Gewerkschaften, Berufsgenossen-Veretnigungen usw. Alle diese geben sich durch ihre Satzungen ein Recht, die Mitglieder unter Umständen zu strafen. Die Strafen sind verschiedener Art: Geldstrafen, oft, insbesondere bei Unternehmer-Verbänden von sehr erheblicher Höhe; Ausschluß von den Vorteilen, die der Verein gewährt (Reise- tlntersttitzungen, Auskunftserteilungen, Benutzung von Ver- cinsvcranstaltungen u. s. w.); Ausschluß aus dem Verein. Die strafbaren Handlungen sind oft sehr unbestimmter Art („unwürdiges Verhalten", „Schädigung der Vereinszwecke", „Nichtbeachtung eines vom Verein erlassenen Streikreglements", „Handlungen, welche den Verbandsinteressen zuwiderlaufen"). Das Strafverfahren ist meist nur sehr unvollkommen geordnet; vielfach entscheidet einfach der Beschluß des Vorstands endgiltig mit Ausschluß des Rechtswegs. Die Strafgewalt des Vereins i,st also in hohem Grade geeignet, die Mitglieder in ihrem freien Ermessen zu beeinträchtigen, vom Verein abhängig zu machen; L. führt, vielleicht nicht mit Unrecht, den Mißerfolg der Gasch'schen Opposition gegen den Verband der deutschen Buchdrucker wesentlich auf die schweren Nachteile zurück, denen sich seine Anhänger ausgesetzt hätten, wenn sie strafweise ausgeschlossen worden wären. Die Frage, die L. untersucht, ist die nach der gesetzlichen Begründung und Beschränkung dieser Strafgewalt. Er findet beides zunächst, was die schwerste und eingreifendste Strafe, die Ausschließung aus dem Verband, angeht, gegeben durch § 54 BGB.: die meisten dieser wirtschaftlichen Jnteressen-Verbände sind nicht recytsfähige Vereine im Sinne des BGB.; auf sie finden also die Vorschriften über die Gesellschaft Anwendung. Es kann mithin — nach §737 BGB. — ein-Gesellschafter, d. h. hier ein VereinSmitglicd ausgeschlossen werden, wenn in seiner Person ein die Kündigung rechtfertigender „wichtiger Grund" eintritt; ein solcher wichtiger Grund ist aber — § 723 BGB. — namentlich, wenn er eine ihm nach dem Gesellschaftsvertrag obliegende wesentliche Verpflichtung vorsätzlich oder aus grober Fahrlässigkeit verletzte. Da aber § 723 keineswegs zwingendes Recht ist, sondern sehr wohl durch Vertrag ausgeschlossen werden kann, so folgt, daß sehr wohl eine unbedingte Freiheit der Vereine behauptet werden kann, aus beliebigen, auch nicht wichtigen Gründen auszuschließen, und es kann auch nicht als verwehrt gelten, wenn der Rechtsweg hiergegen im voraus ausgeschlossen wird (anders z. B- bei der offenen Handelsgesellschaft 8 140 HGB.)- Die anderen Strafen, insbesondere die in den Arbeitgeber Verbänden so häufigen Geldstrafen sind allerdings nur als Vertragsstrafen giltig, und wenigstens die Strafen zur Sicherung einer durch Paragraph 152 GO. für rechtsunverbindlich erklärten Verabredung wären hiernach, nach §344 BGB. unbeitreiblich- Gewöhnlich aber werden für solche Strafen im voraus Wechsel gegeben, die eintretcnden Falles in Umlauf gesetzt werden; und dies Rechtsgeschäft hält auch L., ebenso wie Lotmar (Tarifverträge, in Brauns Archiv XV S. 61) aber aus anderen Gründen für giltig und sogar, da die Mitglieder solcher Verbände gewöhnlich Kaufleute im Rechtssinn sind, auch vor der gerichtliche Herabsetzung geschützt (§ 343 BGB.; § 344 HGB-). Das Resultat ist also, daß nach dem heutigen Recht die Strafgewalt derVe reine gegen ihre Mi t • glieder fast unbegrenzt ist, namentlich, da ja der Ausschluß z. B- aus einer Gewerkschaft auch das ganze Privatleben des Ausgeschlossenen aufs herbste beeinflußt; „es dürfte an der Zeit sein, die Frage aufzuwerfen, ob das bürgerliche Recht den Vereinen fernerhin die Möglichkeit gewähren soll, ihre Kampfbereitschaft durch Mittel zu stärken, die dem Ostrakismus altgriechischer Staaten und der Exkommunikation der mittelalterlichen Kirche verwandt sind". — Der Hinweis daraus, daß die straffe Organisation der wirtschaftlichen Verbände die Freiheit des einzelnen Mitglieds ganz ähnlich bedroht wie etwa die soziale Uebermacht des Arbeitgebers, ist nicht uninteressant; die Warnung, mit der der Verfasser schließt: auch für das soziale Leben müsse Imperium et libcrtas, Herrschaft und Freiheit gelten, wird gar oft übersehen. ter ä* chtang. Zoll auf Futtermittel. Der „Westdeutsche Landwirt" in Köln, das wissenschaftliche Organ der rheinisch-westfälischen Bauern, bekämpft sehr scharf den Zoll auf Futtermittel. Er geht davon aus, daß die Viehzucht die Grundlage der deutschen Landwirtschaft bildet, und daß darum die Förderung der Viehzucht die Hauptaufgabe des Staats und der Selbsthilfe sein muß. 4)ie deutsche Viehzucht aber ist in hohem Maße auf ausländische Futtermittel angewiesen und zwar in bemerkenswert steigender Progression. Der „Westd- Landwirt" führt an, daß von 1895 bis 1900 die Einfuhr bet Oclkuchen von 27 auf 61 Mill. Mk., bei Kleie, Reisabfall u. s. w. von 22 auf 73 Milt. Mk-, bei Mais von 51 ein halb auf 129 Mill. Mark an Wert zugenommen hat. Er fährt dann fort: „Eine Verteuerung der Futtermittel in Deutschland ist aber auch ein absonderliches Ding in einem Augenblick, wo man eben der Landwirtschaft, um ihr Drängen nach billigerem Bezug von Futtermitteln zu befriedigen, besondere Ausnahme- und Notstandstarife für den Bezug von Futtermitteln gewährt hat. Wie soll man denn das zusammenreimen, daß der Staat auf der einen Seite es für notwendig hält, die Futtermitteltarise zu ermäßigen, um ihren Bezug, zu verbilligen, gleichzeitig ckber auf der andern Seite ihnen einen Eingangszoll auf» erlegen möchte? Und wie paßt diese Maßregel' zu den Maßnahmen zur Linderung der Futternot in einzelnen Pvovinzen Preußens, die der Staat soeben ergriffen hat? Vor acht Jahren hatte ganz Deutschland über eine solche Futternot zu klagen, wie sie jetzt in einzelnen preußischen Provinzen herrscht; ein solcher Notstand kann in seiner Allgemeinheit recht wohl wieder eintreten. Erwägt man noch weiter, daß die Einfuhr von Futter- getreide und Kraftfuttermitteln im Jahre 1900 fast doppelt so groß war, als die Einfuhr von Weizen und Roggen zusammen, so muß man einsehen, daß der Zoll auf Futtermittel die Wirkung der Erhöhung der Zölle auf Brotgetreide ungemein schmälern, wenn nicht ganz aufheben würde. Letzteres würde unbedingt für jene kleineren Landwirte zutressen, welche nur wenig Getreide verkaufen, dagegen den Schwerpunkt ihres Betriebes auf Viehzucht und Mast legen." Die „Akademische» Blätter", das Organ des V. d. St., antworten jetzt auf die Angriffe der „Kreuzztg." und der „Dtsch- Tagesztg." wegen eines in der letzten Nummer des studentischen Organs enthaltenen a n t i a g r a r i s ck e n Artikels. Aus die Vorhaltung der „Kreuzztg.", der V- d. St. solle sich mit konkreten politischen Fragen" überhaupt nicht befassen und sich aus die „Pflege nationaler und königstrcuer Gesinnung" beschränken, erteilt die Redaktion der „Akad. Blätter" dem konservativen Blatte folgende Lektion: „. . . . Sollen wir uns etwa auf die Pflege dessen beschränken, was man mit Recht als „H u r r a h Patriotismus", als Appell an die Empftndung ohne tieferes Denken über die Dinge bezeichnen könnte? Sollen wir unseren Kommilitonen von demokratischer, srcisinniger oder sozialistischer Richtung überlassen, ihrerseits die nationalen und politischen Fragen dnrchzudenken und sich zu wohlgerüsteten Kämpfern für antüiationale Po- ’ U&: O höbe. Dame,mehr, m einer SditMui ' «Mi u’Mi und in Zirkeln bü & Dflerten unter die Expedition. >sch.,vypoth.u.dergl günstigsten Beding. Marlier, Nürnberg 53, Annahme von Anzeige» xu der für den folgcnoen1 2ag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzcigon-Vcrmitt-- lunaSsteUcn des In-und Auslandes nehmen An- zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen UniversitätS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. träglich einer oder der andere der Unterzeichner öffentlich erklärt, daß fein Name ohne fein Wissen unter den Aufruf gesetzt worden sei und er von dem Inhalte des Flugblattes keine Kenntnis gehabt habe. Doch, oas sind Dinge, die die Unterzeichner mit dem Handelsvertragsvereine selbst ab- zumachen haben. Die Landwirte wunderten sich natürlich höchlichst, daß die Geschäftsleute, denen sie ihr schönes sauer erworbenes- Geld zutragen, in dieser Weise gegen die Interessen ihrer Kundschaft handelten. Sie entschlossen sich, den geschäftlichen Verkehr mit den Unterzeichnern des Auftufs abzubrechen, und es wurde eine entsprechende Bekanntmachung erlassen. Man will, wie es scheint, den Kampf weiter- sühren, indem man die Namen der Unterzeichner überall tut Lande veröffentlichen will, um sie der ländlichen Kundschaft als solche Leute zu bezeichnen, welche nach ihrem Vorgehen keinen Wert auf chre Landkunden zu legen scheinen. Ob die Form des Vorgehens einwandsfrei sei, wissen wir nicht und können es von hier aus nicht beurteilen. Aber sind denn die Landwirte nicht durch die unverständliche und unverständige Handlungsweise jener Kleinkaufleute geradezu gezwungen, einen derartigen Weg ein» Zuschlägen und ein solches Kampfmittel zu wählen? Würden sie' nicht gegen ihre eigenen Lebeusinteressen verstoßen, wenn sie den Geschäftsleuten die Mittel zur weiteren und schärferen Bekämpfung der landwirtschaftlichen Forderungen an die Hand geben wollten? Wenn es die Landwirte so machen wollten, wie es Mitglieder des Handelsvertragsvereins thatsächlich gemacht haben, die in einem Falle Fabrikanten durch die Drohung, andernfalls nichts von ihnen zu kaufen, zum Eintritt in den Handelsvertragsverein veranlaßten, so würden wir dagegen lebhafte Bedenken hegen und es ohne Scheu aussprechen. In dem dargestellten Falle befinden sich aber die Landwirte lediglich in der Abwehr. Die Kleinkaufleute, die, wenn sie ihr Interesse richtig verstünden, sich auf die Seite der Landwirtschaft in dem Zoll kämpfe stellen müßten, haben ohne jeden stichhaltiger: Grund und ohne jede zwingende Veranlassung durch die Unterzeichnung des landwirtschaftsgegnerischen Aufrufs ihrer Landkundschaft den Fehdehandschuh hingeworfen. Wenn sie ihn aufnimmt, so erfüllt sie damit lediglich eine Pflicht der Selbsterhaltung. Es ist bedauerlich, daß derartige Kampfmittel in Frage kommen und angewandt werden; aber ihre Anwendung den Landwirten zur Last zu legen, ist ungehörig und unberechtigt. Aber auch hier heißt's tote so oft: „Ja, Bauer, das ist ganz was anderes." Man hat sich gewöhnt, in der laudwir tschaftlichen Bevölkerung eine quantite negli- geable zu sehen, deshalb wundert man sich und ist ganz aus dem Häuschen, weil sie sich nicht mehr alles gefallen lassen will, weil sie nicht mehr dulden will, daß aus ihrer Haut Riemen geschnitten werden, mit denen sie selbst gezüchtigt werden soll, weil sie nicht mehr ihr gutes Geld solchen Leuten hinwerfen will, welche auf die Forderungen der Landwirtschaft pfeifen und das Geld dazu verwenden, diese Forderungen rücksichtslos und schroff zu bekämpfen. Die Zeiten sind vorbei, wo der Bauer der ruhige Amboß war, auf den nach Herzenslust getrommelt und geschlagen werden konnte. Er hat sich besonnen, daß er auch Hammer sein kann und sein muß, werm er sich, nicht an seiner, der Seinen und seines Volkes Zukunft versündigen will." Das Kampfmittel des MoyKotts. In der „Dtsch. Tagesztg." lesen wir folgenden Artikel: „Der Boykott, die Androhung geschäftlicher Schädigung, ist ohne Frage ein ziemlich bedenkliches und unter Umständen zweischneidiges Kampfmittel, dessen Anwendung wir grundsätzlich und im allgemeinen nickt billigen. Jemand wegen seiner politischen Anschauung oder wegen seiner Zugehörigkeit zu einer politischen Partei in seinem Erwerbe zu schädigen und ihn dadurch zu. zwingen, seine Mein- img zu verleugnen oder einer Partei sich äußerlich anzuschließen, der er innerlich nicht an gehört, halten wir für bedenklich und unter Umstanden für verwerflich. Ganz anders liegt die Sache aber, wenn Geschäftsleute, die von einem gewissen Kundenkreise ganz oder teilweise abhängig sind, sich nicht darauf beschränken, ihre politische Meinung in loyaler Weise zu vertreten, sondern gegen die berechtigten Interessen dieses Kundenkreises mit der größten Schärfe, ja der rücksichtslosesten Schroffheit und Gehässigkeit vorgehen. In einem solchen Falle toirb man es keinem Kunden verdenken können, wenn er die Beziehungen zu einem derartigen Geschäftsmanne abbricht und seine in gleichen Verhältnissen lebenden Berufs genossen äu einem gleichen Vorgehen in gesetzlicher Weise veranlaßt. Wenn beispielsweise ein westpreußischer Fabrikant landwirtschaftlicher Maschinen, der unzweifelhaft in seiner ganzen Existenz von der Landwirtschaft abhängt, sich gemüßigt sieht, einen von Gehässigkeiten gegen die Landwirtschaft, von Verachtung ihrer Lebensinteressen strotzenden Aufruf zu unterzeichnen, so darf er sich nicht im geringsten darüber wundem, daß die Landwirte den gemeinsamen Beschluß fassen und bekunden, die geschäftlichen Beziehungen zu jhm künftighin zu lockern oder abzubrechen. Es würde geradezu thöricht sein, einen Mann geschäftlich zu unterstützen, damit er noch mehr in der Bekämpfung landwirt- 1 schaftlicher Interessen leisten könne. Durch die Unterzeich ’ nung des Aufrufs hat der Fabrikant selbst gezeigt, daß ec auf seine landwirtschaftliche Kundschaft wenig Wert legt. Daß aus dieser Bekundung die selbstverständlichen Konsequenzen gezogen werden, darüber darf er sich, wie gesagt, nicht wundern. Ein anderer Fall liegt in Hessen vor. Hier haben viele Kleintaufleute, die eine starke Land kundschaft haben, auch einen Ausruf des Handelsvertragsvereins mit ihren Namen unterzeichnet, der den i berechtigten Forderungen der schwer ringenden Land- wirtschaft nicht nur nicht gerecht wird, sondern in schroffster Weise entgegentritt. Wie die Unterschriften zu stände gekommen sind, ist allerdings recht interessant. Der bandelsvertragsverein hat den betreffenden Aufruf an die Kaufleute zur Unterzeichnung gesandt, gleichzeitig aber mit- neteili, daß im Falle keines besonderen Widerspruches nach einer gewissen Zeit angenommen werde, der Adressat sei mit der Unterzeichnung seines Namens einverstanden. Wenn also der Adressat schwer krank lag oder sich auf Reisen befand so konnte es kommen, daß er plötzlich seinen Namen Unter dem Aufrufe fand, ohne ihn vorher gelesen oder die Ermächtigung zur Unterschrift erteilt zu haben. Daß diese Art bou Unterschriftensammlung in einem solchen Falle weder rücksichtsvoll noch anständig ist, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Es hat denn auchnach- idcvt erteilt Nach- Gesl. Anerbirla U85 an die EM Lberreal-Abit, a Isächern. Cjj. unio t die E^edilion. Ändeo von ftaatllQ ge- ’ritt. 7186 er Qrpeb. b. U 'rM liWi-l lüMMl xmfMbto. ;he KntlUht p.Wafe wette 'ereil. ab jeden M-nt-z >evd 8 llhr gestellt; die Schachte sind fast sämtlich zugeworfen. Die Arbeiten brachten während der einjährigen Dauer den Arbeitern (fast alle aus Sicchcnhansen) bei guter Bezahlung schöne Verdienste. K. E r b st a d t, 4. Nov. Eine seltene Himmelserscheinung war gestern abend 9.25 Uhr hier sichtbar. Der ganze sternenbesäte Himmel und die ganze Umgebung wurden plötzlich taghell erleuchtet durch ein von Osten nach Westen niedergehendes Meteor. Man sah eine helle, in grellblauem Lichte erscheinende feurige Kugel, die mit scheinbar mäßiger Geschwindigkeit ihre Flugbahn zurücklegte. Die ganze Erscheinung währte etwa 4 Sekunden. f. Bad Salzschlirf, 1- Nov. Kürzlich fand unter der Schutzherrlichkeit des Königs von Belgien zu Ostende eine Ausstellung für Hygiene statt, auf der auch der Boni- fatiusbrunnen vertreten war. Ihm ist nun als der lithionreichsten Mineralquelle der Welt (22 Zentigramm im Liter) von der wissenschaftlichen Jury das Diplom der goldenen Medaille verliehen worden. — Die diesjährige Saison nahm einen recht günstigen Verlauf; der Mehrbesuch gegen 1899 beziffert sich auf 1100 Kurgäste (2700 gegen 1600), ein Beweis, daß Salzschlirf als Heilbad immer mehr bekannt wird. Der Versand des Boni- atiusbrunnen zu Haustrinkkuren hat ganz bedeutend zugenommen: er geht heute nach allen Erdteilen. sh. Lauterbach, 2. Nov. Einen seltenen Genuß bot heute ein Konzert des hiesigen Männergcsangvereins. Der Verein darf auf seine Leistungen stolz sein. Die gute Auffassung und die leicht verständliche Wiedergabe der meisten Lieder verdienen . volle Anerkennung. Besonders heroorzuheben ist der gute Vortrag der schweren Chöre „Die Vesper" von Beethoven und „Suomis Sang" von Maier. Viel Beifall and der Konzertsänger und Lehrer Adolf Müller von Frankfurt. Als recht gewandten Violinspieler zeigte sich Herr Mayer von hier, der die „Traviata-Phantasie" von Verdi und „Phantasie über Gounods Faust" gut durchgearbeitet zu Gehör brachte. Die Klavierbegleitung besorgte Kreisarzt Dr. Nebel und der Dirigent des Vereins Lehrer Rinner. Dem Konzerte folgte ein Ball. Darmstadt, 2. Nov. In dem hiesigen Orts-Gewerbeverein hielt gestern Oberlehrer Kahl einen Vortrag überden Gesetzentwurf, den Schutz der Bauhandwerker gegen den Bauschwindel betreffend. Am Schluffe der Ver- ammlung fand eine von ihm vorgeschlagene Resolution einstimmige Annahme, in der betont wird, daß der Orts- Gewerbeverein in den Gesetzentwürfen, betr. Sicherung der Bauhandwerker, die Erfüllung der seit langen Jahren und wiederholt aufgestellten Forderung des deutschen Baugewerbes sieht, und wünscht, daß es berufenen gesetzgebenden Faktoren gelingen möge, die Bestimmungen so zu ge- talten, daß der Zweck des Gesetzes erreicht werde, ohne das olide Baugewerbe zu schädigen. b. Mainz, 3. Nov. Wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, ist der flüchtige Direktor der Rheinischen Zucker- abrik in Gernsheim, Roth, in Amerika verhaftet worden. Wenn sich die Nachricht bestätigt, dürfte der für morgen anberaumte Termin im Prozeß gegen die Geschäftsleiter und Aufsichtsräte der Gernsheimer Zuckerfabrik wohl vorerst ver- agt werden, da die Anwesenheit des früheren Direktors dem Prozeffe jedenfalls eine ganz andere Wendung giebt. litik heranzubilden, während wir uns auf Mensuren und Bier beschränkend Zum Schlüsse verwahrt sich das Organ d. V- d. St. gegen die Drohung der „Kreuzztg.", daß die hervorragenden konservativen Parlamentarier, Militärs und Zivil-Beamten, deren Unterstützung wesentlich zu dem Emporblühen des Vereins beigetragen habe, in Zukunft zu dem Verein eine andere Haltung einneymen'müßten. „Das war", erklärt die Redaktion der „Akad. Bl-", „auf jeden Fall der falscheste Weg, für ihre Sache zu wirken. Das sollte sie (die Kreuzztg.") doch wissen: daß, wenn wir genötigt werden sollten, zu wählen zwischen der Gefolgschaft einer Partei und unserer Unabhängigkeit, die Entscheidung für die letztere fallen würde". In derselben Nummer veröffentlichen die „Akad. Bl-" eine weitere zollpolitische Darlegung, deren schutzzöllnerische Tendenz der „Kreuzztg." gewiß gefallen dürfte. Frankfurt a. M., 3. Nov. Einen Stich ins Komische und Tragische zugleich hatte die letzte Stadtverordneten- Versammlung. Zur Erörterung gelangte die Klage ein^s ehrsamen Stadtbürgers, eines „Mustergatten", gegen die Armendirektion, weil diese ihm nicht rechtzeitig Anzeige gemacht habe von — dem Dode seiner Frau! Fürwahr ein nicht ganz gewöhnlicher Fall, dem folgender Thatbestand zu Grunde liegt: Der Kläger hatte vor ca. 12 Jahren seine bessere Hälfte aus einem nicht näher bekannten Anlaß derart durchgebläut, daß die arme Frau dem Siechenhause überwiesen werden mußte. Seitdem hatte sich der Brave um eine Frau und Mutter seiner beiden Kinder nicht im geringsten gekümmert und die wiederholten Aufforderungen des Armenamtes, zur Unterhaltung der kranken Frau beizutragen, stets unter Berufung auf seine Mittellosigkeit zurückgewiesen. Das Armenamt stellte schließlich seine ergebnislosen Forderungen an den Ehemann und damit auch alle weiteren Benachrichtigungen über das Befinden der Kranken ein. Durch Zufall erfuhr nun der biedere Gatte kürzlich, daß seine Frau bereits im Jahre 1892 ihren Leiden erlegen war. Seine Empörung darüber, daß das Armenamt es unterlassen hatte, ihn von dem Ableben seiner Gattin zu benachrichtigen, war groß, und er beklagte sich daher beim Oberbürgermeisteramt über die Nachlässigkeit der Armendirektion. Infolgedessen hatte sich auch die Stadtverordnetenversammlung in chrer letzten Sitzung mit diesem etwas ungewöhnlichen Falle zu beschäftigen. Sie erkannte fast einstimmig, wie nicht anders zu erwarten, daß dis Armendirektion angesichts des unglaublich rohen Verhaltens des klägerifchen Ehemannes gegen die durch dessen eigene Mißhandlungen erkrankte und hingesiechte Frau keinerlei Vorwurf treffe. Eine Maßregelung des Armenamtes könne um so weniger in Frage kommen, als die Begründung der Klage, Kläger hätte ohne das Versehen der Armenverwaltung längst wieder verheiratet sein können, jede Sympathie gegen den Antragsteller von vornherein ausschließe. — Auch ein Gemütsmensch! Wiesbaden, 4. Nov- Der „Rhein. Kurier" meldet: Gelegentlich der gestrigen Einweihung der n a s s a u i s ch e n Lungenheilstätte in Naurod ist folgendes Telegramm der Kaiserin eingegangen: „Ihre Majestät die Kaiserin und Königin nehmen an der heutigen Einweihung der Heilstätte Neurod aufrichtigen Anteil und lassen Ew. Hochwohlgeboren sowie alle um die Begründung derselben verdienten Persönlichkeiten zu dem erfreulichen Erfolge beglückwünschen, der durch die in erster Linie dem Mittelstand gewidmete Anstalt eine dankenswerte Ergänzung in dem Heilstättenwesen darstellt. Ihre Majestät wünschen dem Unternehmen von Herzen Gottes Segen zum Heil der Leidenden, die dort Genesung suchen. Im allerhöchsten Auftrage: Kammerherr v. d- Knesebeck, Vizeoberzeremonienmeister." *• Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Letzten Donnerstag und Samstag fand durch den Land- gerichtspräsidentcn Kullmann von Gießen eine Revision des Amtsgerichts in Butzbach statt, deren Ergebnis nach der /,B. Ztg." sehr zufriedenstellend gewesen sein soll. — In Langenhain entstand in der ^Scheuer des Dreschmaschinenbesitzers Ärnp Feuer, das mit solcher Schnelligkeit um sich [ griff, daß außer der Scheuer, dem Stroh und sonstigen Vor- । reiten auch der in der Scheuer befindliche Dreschwagen ver- i brannte. Durch das rasche und thatkräftige Eingreifen der > Feuerwehr und Bürgerschaft blieb das Feuer auf seinen Herd und Biographien 47, Naturwissenschaft, Technologie 78, Seewesen 22, Gesundheitslehre 7, Philosophie und Religion 9, Fremdsprachliches 12 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 232, Akademisch Gebildete 13, Kaufleute 153, Beamte 11, Unterbeamte 68, Techniker, Schriftsetzer 108, Diener, Hausburschen 44, Arbeiter, Tagelöhner 53, Lehrlinge, Gehilfen 204, Studenten 74, Rentner 9, Soldaten 11, zusammen 980 Bände; an Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 136, Gewerbetreibende 141„ Dienstmädchen, Lauffrauen 43, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 48, Beamtinnen 19, Pflegerinnen 28, junge Mädchen, Lehrmädchen 138, zusammen 553 Bände. Nach auswärts kamen 59 Bände. r. Lich, 4. Nov. Am Samstag fand hier im Heiland- schen Saale ein Gastspiel des Gießener Stadttheaters statt. Es kam zur Aufführung „ Hans Huckebein". Die Aufführung ging flott von statten, und es mar nur zu bedauern, daß der Besuch nicht sehr groß war. Es wäre zu wünschen, daß dem Gießener Stadttheater, das sich sehr vorteilhaft eingeführt hat, in der Folge durch einen zahlreicheren Besuch für seine achtungswetten Darbietungen gedankt würde. ? Friedberg, 4. Nov. Am Dienstag sind es 40 Jahre, daß Seminarlehrer Schmidt am hiesigen Lehrerseminar seine Lehtthätigkeit als Musiklehrer begann. Seine ehemaligen Schüler werden gewiß an diesem Tage dankbar seiner gedenken. □ Götzen (bei Schotten), 3. Noobr. Lehrer Müller, Feldzugsveteran von 1870/71, wird, wie man hött, in nächster Zeit in den wohlverdienten Ruhestand treten. X. Herchenhaiu, 4. Nov. Einen raschen Lehrerwechsel hat unsere Schulstelle zu verzeichnen. Seit 1893 wirkten an der Stelle schon sieben Verivalter. Jetzt ist sie unbesetzt und wird von benachbarten Lehrern mitversehen. — Seit einigen Wochen sind die Arbeiten des Frankfutter Tiefbauamtes ein- beschräntt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. — In Heskem bei Marburg begegnete der Ackermann Stätzling mit seinem Fuhrwerk zwei bosnischen Bärenführern, die gerade ihre Tiere vorführten. Bei dem ungewohnten Anblick der Tiere scheute das Pferd und brachte dem St. an Kopf und Brust schreckliche Wunden bei, denen er alsbald erlegen ist. — In Weilmünster gerieten ein Wetzlarer Handelsmann und ein Bauer aus Rohnstadt wegen eines Viehhandels in Streit. Der Wetzlarer stieß dem Bauer mit olcher Kraft vor die Brust, daß dieser zu Boden stürzte und kurze Zeit darauf starb. — Aus Falkenstein im Taunus wird gemeldet, daß der 2. Arzt der Kuranstalt, Dr. Besold, ein Spezialist in Behandlung von Erkrankungen des Kehlkopfes, mit der Gräfin Cook nach London gereist ist. Da die Gräsin in freundschaftlichen Beziehungen zum englischen Königshause steht, so nimmt man an, daß Dr. Besold ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Königs Eduard abgeben soll. er weiter wirken. * Ein Berliner Stadtverordneter als Harun al Raschid. Eines Tages fiel es dem Berliner Stadtver-^ ordneten Ad. Hoffmann ein, das Asyl für Obdachlose in der Reichshauätstadt ineognito zu revidieren. Es war ein „Flieg. Blätter "-Scherz, der einen tragikomischen Ausgang nehmen ollte. Herr Hoffmann verschaffte sich den prächtigsten, d. h. chäbigsten Stromeranzug, den er auftreiben konnte, und ließ ich so im Asyl für Obdachlose aufnehmen. Doch die Sache ollte schief gehen. Er betrug sich dott nicht so, wie es Obdachlosen gebührt, und als er seinen geehrten Mund allzu groß aufthat, da wurde der Herr Stadtverordnete von ein paar kräftigen Händen nicht mit besonderer Zartheit an die 'rische Luft befördert, die ihm nicht besonders wohlthat. Der „Vorwätts", dem Herr Hoffmann nahe steht, brachte nun; Mitteilungen, die falsch sind. Danach soll festgestellt sein, daß sich „Angestellte" ^des städtischen Obdachs Ausschreitungen gegen Hoffmann zu Schulden kommen ließen. Es sei be- chlossen worden, der Verwaltungsdeputation vorzuschlagen^ den Kälefaktor Probst und die Hausdiener Kuß und Joswig, wovon der eine schon nicht mehr im Obdach thätig ist, zu entlassen und dem Oberbürgermeister Kirschner die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen die Hilfsaufseher Liebenom und Schröter — dieser ist schon 30 Jahre im Obdach thätig — anheimzustellen. Hierzu wird nun mitgeteilt, daß die drei „Angestellten" Obdachlose sind oder waren, die tageweise als Hilfskräfte bezahlt wurden, und daß die Behauptung des Stadtverordneten A. Hoffmann, daß die Hilfsaufseher Liebenom und Schröter ihn geprügelt hätten, nicht erwiesen worden ist. Sie haben nur seine Qualität als Stadtverordneter angezweifelt und das war erklärlich. * Brandstiftung im Stadttheater zu Kiek. Tas Kieler Stadttheater war am 1. d. M. von einer großen Gefahr bedroht. Auf dem Requisitenboden brach nachmittags vor der Probe Feuer aus. Durch die städtische; Feuerwehr wurde der Brand bald gelöscht, und nun sand man aus dem Schnürboden den erst kürzlich angestelltem Requisitenmeister Kähler mit einer Schußwunde im Kopf tötlick verletzt vor. Wie die Untersuchung ergab, hat Kähler in einem Anfall von Wahnsinn die Brandstiftung bei dem Stadttheater begangen, dann hat er sich drei Revolverschüsse beigebracht und den Hals durchschnitten. Kähler wurde noch lebend ins Hospital gebracht. * Duell. Nach einem Telegramm aus Insterburg wurde bei einem Duell im dortigen Stadtwald der Leutnant .Hildebrand von der Feldartillerie vom Leutnant Blas- koi tz vom Infanterie-Regiment 147 durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzt. Sein Tod ist wahrscheinlich. * Hannover, 29. Okt- Eine lustige Spitz- bubengeschichte wird der „T. R-" erzählt. Gegen 12 einhalb Uhr nachts wurden die Hausbewohner in der Luisenstraße 3 durch einen furchtbaren Krach aus dem Schlafe aufgeschreckt, und bald darauf erschallten laute Hilferufe, die aus einer Mädcbenkammer im obersten Stockwerk drangen. Männlein und Weiblein liefen zusammen^ Angst und die Verwirrung war allgemein, und nichts lag näher, als daß ein gewaltiger Spuk passiert sei, oder daß Einbrecher in dem Hause weilen müßten, weshalb man eiligst die Polizei herbeiholte. Diese rückte auch schnell heran und begann die Nachsuche. Die Beamten mit der Lampe und dem gezogenen Säbel in den Händen vorauf, die .Hausbewohner hinterdrein, so wurde jede Ecke, jeder Winkel des Hauses abgesucht. Im oberen Stockwerk bot sich den Suchenden ein „fürchterlicher" Anblick. Ein Gestell, das Tausende Photographieplatten trug, war gegen eine Kammerlhür gefallen, so daß die Glasplatten die Dielen und die Treppen füllten, und fast den Aufgang zu den Kammern versperrten. Aus der Kammer waren vorher die Hilserufe qeyört worden, aber sie war von innen, verschlossen. Man rief laut den Namen des Mädchens, Hermine? aber es kam keine Antwort. Sollten die DiebL Vermischtes. * Berlin, 4. Nov. Heute nacht wurde im Zeughaus e von zwei Zeughauswärtern ein Mann festgenommen, der in den unteren Räumlichkeiten in der Nähe der Thür nach dem Platze zu ohne Stiefel angetroffen wurde. Die Stiesel wurden" in der entgegengesetzten Ecke des unteren Raumes' ausgesunden. Der Mann stellte sich als der hier ohne Wohnung weilende, 1877 in Brüssel geborene Francois Durand heraus. Er hat sich am Sonntags mittag, um zu stehlen, einschließeu lassen, ein Schraubenzieher, ein zerbrochenes Schloß, zwei kleine Schrauben, ein Stück Licht und eine Schachtel Streichhölzer wurden bei ihm aufgefunden. Von einem Schaukasten waren sechs Schrauben! und der hintere Schloßdeckel bereits abgelöst. Durand ist heute der Staatsanwaltschaft überwiesen worden. — Eine tu den tische Huldigung erfuhr Professor Virchow aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages heute mittag bei Beginn seiner Wintervorlesungen. In kurzen Worten» brachte Cand. med. Calmsohn die Gefühle der Bewunderung und der Verehrung zum Ausdruck, welche die Studenten^ chaft für ihr unermeßlich hohes Vorbild hege. VirchoM als der Verkörperung unermüdlichen Fleißes und unerbittlich strenger Kritik nachzueifern, sei das Gelöbnis seiner Schüler. Nachdem der stürmische Beifall, der diesen Worten! olgte, verklungen, nahm der Gelehrte das Wort zu einer Erwiderung, in der er von Herzen für die ihm entgegen- gebrachte Meinung dankte. Er sei, so führte er aus, immer der Repräsentant einer gewissen Klasse von Forschern gewesen, die von Generation zu Generation in treuer Arbeit ihre Schätze erhalten und vermehrt haben, streng und aui- richtig gegen sich und andere, und in diesem Sinne wolle Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 5. November 1901. - Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 16. Oktober dem Ottsgerichtsvorsteher Adam Jochim II. zu Einartshausen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer bei der Main-Neckar- EisenbahnJohann Peter Vetter in Darmstadt auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 1. Januar 1902 an. '* Ordensverleihungen. Von dem Kaiser wurde die Erlaubnis zur Anlegung ihnen verliehener Orden erteilt, und zwar des Großkreuzes des königl. großbritannischen Viktoria- Ordens dem General v. L i n d e q u i st; des Ritterkreuzes 1. Kl. des badischen Ordens vom Zähttnger Löwen dem Major Buch Holtz im 5. Großh. Jnf.-Regiment Nr. 168; des bayerischen Militär - Verdienstkreuzes dem Stabstrompeter Mickley im 1. Großh. Feld-Att.-Regiment Nr. 25 (Großh. Attillette-Korps). *fTagesordnungfürdieS.itzungderStadt- veror d n e t en-Ve r s amm lun g, Donnerstag, den 7. November, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Die regelmäßigen Ergänzungsw ahlen der Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung; hier von 1902/10 und die Wahl der Beisitzer für die Wahlkommissionen der einzelnen Wahlbezirke. 3. Gesuch des W. Kitz um Erlaubnis zur Aufstellung einer Halle auf seinem Grundstück am Rodtberg; Hier: Dispens. 4. Baugesuch der Firma Klein & Doemling für die Crednerstraße; hier: Dispens. 5. Baugesuch des L. Huhn für die Plockstraße; hier: Dispens. 6. Verschiedene Herstellungen am Bau der Margaretenhütte. 7, Reparaturen an verschiedenen Stellen des Asphalttrottoirs, veranlaßt durch die Kabellegung; hier: Kosteudekretur. 8. Ausführung der Ortsfeuerlöschordnung; hier: Beschaffung von Löschgeräten. 9. Verkauf von Bauplätzen an der Roonstraße. 10. Regulierung derLöhne der städtische n Arbeiter; hier: Gewährung von Remunerationen. 11, Programm für den Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule und Preisausschreiben zur Erlangung von Entwurfsskizzen. 12. Die Vergebung des Eichen- und Kiefern-Bau- und Grubenholzes im Gießener Stadtwald pro 1902/03. 13. Wasserversorgung der Gärten am alten Steinbacherweg; hier: Kündigung des E. Kauff- mann. 14. Ausführung des Gesetzes über die Krankenversicherung; hier: Ortsstatut über die Ausdehnung des Gesetzes auf Hausgewerbetreibende, Handlungsgehilfen und Lehrlinge. 15. Fürsorge für Idioten. 16. Gesuch des Heinrich Zölzer um Erlaubnis zum Wirtfchaftsbetrieb im Hause Lahnstraße 5. 17. Desgl. oes W. Fischer im Hause Dammsttaße 29. 18. Gesuch des Christ. Arnold um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hause Stephansttaße 42. *♦ Theaterverein. Nach der zweiten Vorstellung am Mittwoch, dem 13. d. M., in welcher Herr Büller als Gast auftritt, wird als dritte Vorstellung am Donnerstag, dem 2 8. ds. Mts., Fulda's neues Lustspiel „Die Zwillingsschwester" folgen. In der Titelrolle gastiert Frl. Willig vom Wiesbadener Hostheater. Die vierte Vorstellung bringt dann das Gastspiel von Maria Reisenhofer als Francillon am Dienstag, dem 10. Dezember. ** O öffentliche Lesehalle. Im Monat Oktober wurden 1533 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf Litte- raturgeschichte 12, Erzählende Litteratur 690, Jllusttierte Zeitschriften 374, Jugendschriften 224, Versdichtungen 16, Länder- und Völkerkunde 22, Kulturgeschichte 20, Geschichte sich dort verborgen und das Mädchen getötet haben? Endlich hatte man die Scherben der Glasplatten soweit entfernt, daß man eine Thürfüllung einstoßen konnte; zwei Beamte krochen hindurch. Das Bett war noch warm, aber Hermine war nirgends zu finden. Da gewahrte einer der Beamten, daß das Fenster offen stand. Er rief und leuchtete aus dem Dachfenster hinaus über das Dach. Und siehe da, hoch oben auf dem First des steilen Daches saß, nur mit einem Unterrock bekleidet, Hermine, kreidebleich und vor Angst zitternd. Das junge Mädchen war zunächst so ängstlich und aufgeregt, daß ein Polizeibeamter es vom Dach herabholen mußte. Man kann sich ja den Schreck des Mädchens über das fürchterliche Gepolter vorstellen, als das Gestell mit den Glasplatten gegen ihre Kammer- thür fiel. * Glasgow, 4. Nov. Ein heute vormittag veröffentlichter Bericht über den Ausbruch, der Pest stellt fest, daß der Stand der Krankheit unverändert ist. Die Zahl der Fälle im Hospital bleibt auf vier beschränkt. Bis jetzt sind keine die Schiffahrt berührenden Anordnungen getroffen worden. Dennoch ziehen es in vielen Fällen die Schiffs- eigentümcr vor, die Schiffe nach anderen Häfen als nach Glasgow zu senden. * Puris, 4. Nov. Infolge des Auslieferungsgesuchs der deutschen Regierung wurde heute morgen hier Georges Suger verhaftet, welcher des betrügerischen Bstnkerotts angeklagt ist, begangen in Straßburg. * Wien, 4. Nov. Wie die „N. Fr. Pr." aus Innsbruck meldet, hat der dort verhaftete Max Staudinger eingestanden, jene Fälschungen begangen zu haben, auf Grund deren sich die Geschwister Wallburg als Kinder aus der angeblich morganatischen Ehe des Erzherzogs Ernst mit ihrer Mutter Laura v. Skublitz bezeichneten und ihre Erbansprüche erhoben. * Ein Heiratsschwindler wurde dieser Tage in Berlin verhaftet, als er gerade seinem Opfer 500 Mark abgenommen hatte. Eine Witwe hatte durch eine Zeitungsannonce tundgegeben, daß sie sich wieder zu verheiraten wünsche. Unter den Angeboten befand sich auch das eines Mannes, der sich Magistratsbeamter Karl Boldt nannte und die Witwe um ein Zusammentreffen an einem von ihm vorgeschlagenen Orte bat. Die Frau ging nicht dort hin, erhielt aber bald den Besuch des Herrn Boldt in ihrer Wohnung. Hier wußte er sie durch sein hübsches Aeußere, sein feines Auftreten und die Versicherung, daß er am 27. Oktober beim Charlottenburger Magistrat eine Stellung als Vize-Rendant antreten werde, zu bestricken. Da der angebliche Boldt in der Kantstraße bereits eine Wohnung gemietet hatte, so trug die Witwe kein Bedenken, ihn auch mit Geldmitteln zu- unterstützen, damit er die verlangte Kaution von 1500 Mark ^usammenbringe. Daran fehlten noch 600 Mark. Die Frau, die aus Prenzlau gebürtig ist, und dort noch ein Guthaben von ihren Eltern liegen hatte, fuhr hin, um sich dieses auszahlen zu lassen, und bekam auch sofort 500 Mark. Damit kehrte sie nach Berlin zurück. Auf dem Stettiner Bahnhof erwartete sie Herr Boldt, der das Geld sofort in Empfang nahm. Ohne sein Wissen hatte sich aber auch ein Bruder der heiratslustigen Frau eingefunden, dem die Geschichte etwas verdächtig vorgekommen war. Der Mann war auch so vorsichtig gewesen, seinen Verdacht dem auf dem Bahnhof stationierten Kriminalbeamten mitzuteilen, und der Beamte nahm Herrn Boldt fest, sobald er sah, daß er das Geld erhalten hatte. Herr Boldt entpuppte sich nun bald als ein Schwindler. Seine Behauptung, daß er in Treptow wohne, wurde ihm als unwahr nachgewiesen. Schließlich räumte er auch ein, daß er kein Magistratsbeamter Karl Boldt, soydern ein beschäftigungs- und wohnungsloser Franz Pautschke sei, der früher einmal eine Weinstube gehabt habe. * Der Schiller stein im Vierwaldstätter See in Gefahr. Am Vierwaldstätter See ragt noch immer, Schweizerreisenden vertraut, der 25 Meter hohe Felsblock aus dem Wasser empor, der die am 100. Geburtstag Schillers gesetzte Inschrift: „Dem Sänger Teils F. Schiller, die Urkantone 1859" trägt- „Schillerstein" wird er genannt und eine Gedenktafel an seiner Nordseite erinnert an einen im Jahre 1850 an dieser Stelle verunglückten Schweizer Offizier. Vor einiger Zeit bemerkte man nun an dem Felsen eine Verwitterung. Eine nähere Untersuchung konnte erst stattfinden, nachdem ein Gerüst errichtet war, und da zeigte es sich, daß der obere Teil des Schillersteins gänzlich zerklüftet, verwittert und nicht mehr reparaturfähig war. Der Stein muß daher um volle vier Meter abgetragen und durch Zementguß ersetzt werden. Wie nunmehr verlautet, wird die Reparatur des Schillersteins statt 2000 Mark, wie anfänglich angenommen worden, nahezu zehntausend Mark kosten. Man darf aber wohl hoffen, daß die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden trotzdem die nötigen Mittel aufbringen werden, um durch eine durchgreifende Reparatur den klassischen Felsen der Nachwelt zu erhalten._________________________ Theater, Kunst und Wissenschaft. — Frankfurter Thcatervcrhältuisfc. Die Mitglieder der Frankfurter Oper, Chor und Solopersonal, haben an den Intendanten Jensen cLne Adresse gerichtet, in der sie Bezug nehmen auf die in letzter Zeit erfolgten Preßerörterungen über die Oper-Verhältnisse und dem Intendanten ihre .Hochachtung und Verehrung zum Ausdruck bringen. Tas Orchester personal lehnte die Unterzeichn u n g dieser Kundgebung a b. Straßburg, 4. Nov. Tie Antrittsvorlesung von Prof. Tr. Martin Spahn verlief ohne jeden Zwischenfall. Ter Zudrang mar enorm. Tic Masse der Zuhörer setzte sich aus Studenten der verschiedenen Fakultäten zusammen. Außerdem Halle sich eine größere Anzahl protestantischer und katholischer Geistlicher, die Rcichslagsabg. Hauß und Peler Bachmann u. a. eingefnnden. Der Saah in dem Tr. Spahn über deutsche Geschichte vom Augsburger Rcligionssriedcir bis zcun Regierungsantritt Friedrichs d. Gr. lesen sollte, erwies sich als viel zu klein., Tas Aulidorium war genötigt, in einen größeren Saal überzusiedeln. Tic Zuhörer, deren Zahl 400 überstieg, füllten die Bänke sowie die Gänge des Saales bis 51111t Katheder. Tr. Spahn, der mit Beisall- gctrampcl empfangen wurde, war anfangs bleich lmd sichtlich aufgeregt, gewann jedoch bald seine Selbstbeherrschung wieder, ging ohne Einleitung in medias rea und führte seinen Vortrag unter lautloser Stille und ohne jede Unterbrechung zu Ende. Spahn ist rednerisch keine scharf ausgeprägte Individualität, sondern der Typus des deutschen Turchschnittsprofessors. Er sprach frei und fließend. Sein Vortrag trug ein pronociert deutsch-politisches Gepräge, war jedoch im übrigen von geradezu diplomatischer Zugeknöpftheit und ließ den parteipolitischen Standpunkt des Redners in keiner Weise erkennen. Spahn schilderte die Zeit von 1555 bi§ 1740 in ihrer Bedeutung für Deutschlands nationale, und politische Entwickelung, hielt sich aber bei den kirchenpolitischen Kämpfen jener Zeit so wenig auf, daß in den: ganzen Vortrag nicht einmal das Wort protestantisch oder katholisch siel. Tie Vorsicht, welche Dr. Spahn an den Tag legte, soll nicht in letzter Linie auf die Gerüchte zurückzuführen sein, wonach eine Demonstration gegen ihn geplant gewesen wäre. Diese Gerüchte bewahrheiteten sich in keiner Weise. Ter Vortrag Spahns wurde zum Schlug durch Beifall ausgezeichnet. Irgend eine Gegendemonstration erfolgte nicht. Karl Baedeker, der Reformator unserer Rcisebuch-Litteratur, ist ant 3. November vor hundert Jahren geboren. Baedeker's Lebenswerk hat so hohe kulturelle und nationale Bedeutung, daß es sich wohl ziemt, des Mannes heute mit wenigen Worten zu gedenken, der den deutschen Buchhandel, an sich schon der bedeutendste der Welt, noch bereichert hat um einen gesunden Zweig, der vordem nur kümmerlich trieb. Turch Karl Baedeker ist er zu universeller Bedeutung gediehen. Bald nannte man Baedeker den „deutschen Murray", der Baedekers englisches Vorbild gewesen, und heute beißen der Engländer Reisebucher schon „Englischer Baedeker". Bei Karl Baedekers Tode betrug die Zahl seiner Reisehandbücher 9, heute ist sie auf 26 gewachsen, wozu noch die englischen und französischen Ausgaben kommen. Was sie außer ihrer so oft erwiesenen Zuverlässigkeit und Knappheit noch besonders auszcichnet, (einer der besten „Baedeker" ist zweifellos „die Schweiz", die in diesem Jahre, wie wir bereits erwähnten, in 29. Auflage erschienen ist) sind ihre den Tert ungemein entlastenden kunstgeschichtlichen Einleitungen, deren Abfassung sich bedeutende Gelehrte wie der Kunstkritiker- Anton Springer u. a. unterzogen habcm Carl Baedeker, der in Essen als ältester Sohn des Buchhändlers und Buchdruckers Gottschalk Tiederich Baedeker das Licht der Welt erblickte, war eine impulsive, der Begeisterung für alles Gute, Schöne und Edle fähige Natur. Als er im Jahre 1817 nach Heidelberg gegeben wurde, um dort den Buchhandel zu erlernen nutzte er die ihm gebotene Gelegenheit äuv Erweiterung seines Wissens aus, indem er nach Absolvierung der Lehrjahre sich als Hörer an der Ruperto-Carolina einschreiben ließ und Vorlesungen über Geschichte und Philosophie hörte. Dem Studium folgte dann das Freiwilligenjahr, das er 1822 bei den Wetzlarer Jägern abdiente und nach dessen Beendigung er der Landwehr als Leutnant zugeteilt wurde. Später begab er sich dann nach Berlin, wo er im Geschäft des bekannten Buchhändlers Georg Andreas Reimer zwei Jahre lang konditionierte und in dessen Familie, dem Vereinigungspunkt der berühmtesten, echt deutsch gesinnten Männer des damaligen Berlins, reiche Anregung sand. Später, im Jahre 1827, machte er sich in Koblenz selbständig, wo die seinen Namen tragende Firma blühte, bis sie im Oktober 1872 nach Leipzig übersiedelte und heute aufs beste von seinem Sohne, Fritz Baedeker, einem außerordentlich fleißigen, tüchtigen und liebenswürdigen Mann, geleitet wird. Universttäts Nachrichten. — lieber die Demonstrationen der deutschen Studenten in Innsbruck gegen den italienischen Zivilrechts-Dozenten Dr. Francesco Menestrina wird folgendes Nähere berichtet: Die Vorlesung Menestrinas war für 11 Uhr angesetzt; eine Stunde vorher herrschte auf den Korridoren der Universität reges Leben. Als der Dozent erschien, erschollen aus den Reihen der Teutsch- nationalen Abzugs- und Pereatrufe, sie begleiteten ihn bis znr Thür seines Hörsaales. Dieser war von elwe 200 deutschen Studenten besetzt; die Italiener befanden sich in der Minderheü. Beim Erscheinen Menestrinas begrüßten ihn die Jtatiener mit stürmischen Evowas. In diesem Augenblicke begannen die Deutschen einen Skandal, der mit einigen kurzen Unterbrechungen eine volle Stunde währtc. Die Deutschnationalen rie'en zuerst „Pereat!", „Abzug!", „Fort mit ihm!", als nach einigen Minuten aber der Dozent seine Vorlesung in italienischer Sprache zu halten anfing, ging ein ohrenbetäubender Spektakel los: « wurde gepfiffen, getrommelt, geklopft, mit den stocken auf die Bänke geschlagen und dabei furchtbar ge» schriee n. Ter unbeschreibliche Lärm wurde im ganzen Gebäude gehört Menestrina blieb beim Katheder ruhig stehen und wartete. Als sich der Skandal etivas zu legen begann, versuchte er abermals zu sprechen. Tic Studenten speklakulicrten jetzt aber noch starker als früher. Auf den tosenden Lärm hin eilte der -tefan der juchüsichen Fakultät herbei, um die deutschen Studenten zu beschwichttgen. ^eine Worte gingen in dem Lärm verloren, man hörte chn fast gar nicht. Während der Dekan noch einen letzten Versuch unternahm, sich verständlich zu machen, stimmten die deutschen Studeitterr das x.'ict> „Bursche heraus!" und dann die „Wacht am Rhetn^ an. Tie Italiener erwiderten den Gesang der Deutschen nut der --tren- tincr Nationalhymne, was das Signal zu neuerlichem ^arm gab. Auch das Erscheinen des Rektors im Saale machte dem Radau kein Ende. Endlich legte Menestrina die auf deut Pulte aus- gebreitcten Schriften zusammen, nahm dieselben unter den 2ton und verließ, begleitet vom Rektor und Dekan, den Saal. Dte deutschen Studenten schrieen jetzt im Takt: „Hinaus mit ihm — hinaus mit ihm!", während die Italiener „Evvwa! riesen. Nach dem Abgänge des Dozenten trafen die deittschen Studenten alle Anstalten, ihre italienischen Kollegen aus dem Saale zu werfen, eine allgemeine Balgerei schien unausweichlich. Dem Einschreiten einiger besonnener Elemente war die Verhütung einer Prügelet zu verdanken. — Um weiteren Demonstrationen der deutschen Studenten oorzubeugen, hat der Akademie-Senat der Universität Innsbruck nun beschlossen, die V 0 r l c s u n g e n des Dr. Menestrina vorläufig zu s i st i e r e n. — Der Kaiser verlieh dem Vernehmen nach dem bekannten Berliner Geographen Professor Frccherrn Fcrdinaiü) v. Richt- Hofen diegroße goldene Medaille für Wissenschaft. Landwirtschaft. Alsfeld, 4. Nov. Heilte Vormittag hat die hiesige l a n d w. Winterschule ihren diesjährigen Winterkursus eröffnet. Der Eröffnungsseier, die im Ansiallsgebäude abgehaltcn wurde, wohnten neben den Schülern viele Eltern der Schüler und das Lehrerkollegium bei. In der Eröffnungsrede wies der Vorsteher der Schule auf die Bedeutung einer besseren Berufsbildung für die Landwirtschaft treibende Bevölkerung hin und hob besonders hervor, daß die Landwirtschaft den anderen Berufszweigen nur ebenbürtig sein und bleiben könne, wenn die technische Ausbildung im Berufe jenen Erwerbszweigen mindestens glcichsiehe. Es wurden am heutigen Tage 34 Schuler ausgenommen, wovon 18 den unteren Kursus und 16 den oberen besuchen. Ihren Heimatskreisen nach oerteüen such die Schüler folgendermaßen. 8 stammen aus dem Kreis Lauterbach, 1 aus dem Kreis Gießen, 1 aus dem Kreis Ziegenhain und 24 aus dem Kreis Alsfeld. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Wiesbaden, 4. Nov. Nach der Liquid ationsbilanz der Akt.-Ges. W i l h e m j in Hattenheim ist der Buchwert der Vorräte von 1820000 nur auf 1710000 Mk. zurückgegangen. Statt des vorjährigen Uebersckusses von 1409 Alk. ergicbt sich ein F e h l- betrag von 175740 Mk. Wteu, 4. Nev. Die hiesige Maschinenfabrik Joh. Kamm ist in Zahlungsstockungen geraten und strebt einen außergerichtlichen Vergleich an. Geboten wird eine Quote von 20 Proz. — Von einem Bankkrach in dem schweizerischen Städtchen R a p p e r s w i l wird berichtet: Es sollen in der Kasse beinahe eine Million Francs fehlen. Infolgedessen herrscht _ eine große eine große Panik in dem kleinen Städtchen am Zürichsee. Spiclplan der vereinigten Frankfurter Ztadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 6. Nov.*): Zweites Abonnement-Konzert, unter Mitwirkung des Herrn Eugen d'Albert. — Donnerstag den 7. Nov^ Mignon. — Freitag den 8. Nov. geschlossen. — Samstag den 9. November: Fidelio. — Sonntag den 10. Jlovember: nachmittags 31/2 Uhr: Ter Waffenschmied. Abends: Der polnische Jude. — Montag den 11. November geschlossen. — Dienstag den 12. November : Der polnische Jude. Delikat schmeckt jeder Kaffee, dem eine Messerspitze Lindens Essenz zngesetzt wird, die dem Kaffee auch eine schöne Farbe giebt. Schauspielhaus. Mittwoch den 6. Nov: Wallensteins Lager, hierauf: Piccolomini. Donnerstag den 7. Nov.: Wallensteins Tod. — Frestag den 8. Nov.: Tic Grille. Samstag den 9. November: Nacht uird Morgen. — Sonntag den 10. November, nachmittags 3'/» Uhr: Die Räuber. Abends: Nacht und Morgen. — Alontag den 11. November: Wie die Blätter... •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen unter Nr. 123 die Firma „August Waag" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann August Waag daselbst. An desien Ehefrau Anna Waag geb. Vöhl ebendaselbst ist Prokura erteilt. Nr. 124 die Firma „Kaufmann Marx" zu Großen- Linden; Inhaber: Kaufmann Marx, Kaufmann daselbst. Nr. 125 die Firma „Heinrich W. Rinn" zu Heuchelheim; Inhaber: Bauunternehmer Heinrich Wilhelm Rinn daselbst. An dessen Ehefrau Marie Rinn geb. Volkmann ebendaselbst ist Prokura erteilt. Nr. 126 die Firma „Wilhelm Jung III." zu Klein- Linden; Inhaber: Kaufmann Wllhelm Jung III. daselbst. Nr. 127 die Firma „Heinrich Sack II." zu Heuchelheim; Inhaber: Cementwarenfabrikant Heinrich Sack II. daselbst. Nr. 128 die Firma „Heinrich Christ" zu Heuchelheim; Inhaber: Mühlenbesitzer Heinrich Christ daselbst. Gießen, am 2. November 1901. 7270 Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Beuern für das Jahr 1902/03 liegt vom 6. d. Mts. an acht Tage lang auf hiesiger Großh. Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Beuern, den 4. November 1901. Großh. Bürgermeisterei Beuern. Otto. 7265 Cacao hervorragend in Qualität, per Pfd. Mk. 1,30; bei 5 Pfd. ä Mk. 1,20, ferner Mk. 1,80, 2,00, 2,40 u. 2,60 per Pfd. empfiehlt 7192 Fr*. Leo Nchf. C. Herber, Seltersweg 58. Feinsten • Medizinal- Telierthran empfiehlt 6876 Wctoria-Arogerie. Adolf Bieler, Marktstraße 5. Cervelatwurst fst. Gothaer empfiehlt 7068 Emil Fischbach. Primi AiiAer« cingetroffen in der 7204 Weinstube LudmgsM. Werning'sche Kriegsfestspielc. Zum Besten armer Veteranen, deren Witwen und Waisen. 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Ur tornciw zil Den iiir sie Wickrs MgeselMe» toiMungeii: Fm Vorverkauf: Sperrsitz Mk. 1,—, 1. Platz 60 Pfg., 2. Platz 40 Pfg., Stehplatz 20 Pfg. Au der Kaffe: Sperrsitz Mk. 2,—, 1. Platz Mk. 1,25, 2. Platz 75 Pfg^ Stehplatz 40 Pfg. Bor-verkaufsstelleu: Kaufmann Iiifchvach, Selterswea; Kaufmann «sikinhenrr, Bahnhofstraße; Kaufmann Dort, Wallthorstraße; Cigarrenhandlung Scharmarm (früher Daniel Heil), Lürdenplatz. Borausbestellungen von Eintrittskarten sind 511 richten an Kaufmann Ittschöach, Seltersweg. 7?9q Der Festausschuss. E EU )0t Capes, Jacketts. Kostümröcke Kolossale Auswahl m 3 bis U1 Sehr preiswert! Hermann Katz Musburg 5 M Wtit JXSt ÄSÄ per Stück 6 Pfennig empfehlen, zu haben bei 884 Dampfsägewerk 719 enrpfiehlt 7188 Georg Schubecker. Wein - Etiketten Dimensionen. 7191 F. Schott Carl Petri, Warlilplüh. in grösster Auswahl zu billigen Preisen, 6230 Bahnbr fernste, Ecke Wolkcngaste. eo Heppeler &, Meyer. Ludwigstr. 30. Telephon 816. 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