Nr. 235 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 6. Oktober 19V1 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Eichener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den .Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. bl. GietzeimAnzelgers General-Anzeiger v r“» v ** Unioersitäts - Druckerei Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ___ v zeigenteil: Hans Beck. immer neue, unkontrollierbare Nachrichten vertu erden Politische Tagesschau. Neber die Vorgänge auf der „Gazelle würfen seine Genehmigung zu erteilen, daß er wünsche, die Darstellung in kleine Gruppen aufgelöst und die Ausführung einem auf diesem Gebiete bewährten Künstler übertragen zu sehen. (Laute Rufe: Begas!) Die Beschlüsse der Kunst» deputation existierten für den Magistrat nicht, so lange dieser sie nicht gut geheißen; er halte es für zweckmäßiger, mit dem Eingehen auf diesen Gegenstand noch zu warten. (Beifall.) — Das Haus beschließt hierauf einstimmig die Vertagung dieser Angelegenheit, worauf der Schluß der Sitzung erfolgt. Die Kunstdepulation ist übrigens bereit, die Märchenbrunnen nach kaiserlichen Wünschen umzuarbeiten. Stadtbaurat Hofmann hat auf eine Anfrage folgendes geantwortet: „Die Kunstdeputation stellte in ihrer Sitzung am Mittwöch fest, daß sie von Anfang an einen architektonischen Abschluß des weiten Platzes vor dem Friedrichshain beabsichtigte und die Märchen nur als dekoratives Element heranziehen wollte. Die Deputation ist aber auch mit mir der Ansicht, daß die große Brunnenanlage naiver und einfacher behandelt werden muß. Prof. Wiedemann (von dem der plastische Schmuck herrührt) will in diesem Sinne mit» thun. Bei der großen Leistungsfähigkeit Wiedemanns glaube ich, daß das allseitigGewünschte, wenn auch mit viel Mühe und Studium, noch erreicht werden wird." Auch die „Nat.-Ztg." hört, es sei eine Aenderung der Entwürfe im Sinn der Anregungen des Kaisers und es sei die Beschreitung des Rechtswegs nur für den Fall in Aussicht genommen worden, daß in sachlicher Beziehung eine Verständigung nicht erreicht und deshalb die polizeiliche Bau- erlaubnis verweigert würde. breitet. So erhält das sozialistische Volksblatt in Halle folgende Nachrichten, deren Richtigkeit ihm angeblich verbürgt sein soll: Durch den ungemein strengen Dienst, den Kapitän Neitzke vorschjrieb und der den an Bord befindlichen Mannschaften jede freie Stunde raubte, wurden die Mannschaften stark erregt. Auch die Beköstigung soll nicht den Anforderungen entsprochen haben. Vor etwa 10 Wochen kam die Erregung der Mannschaft dadurch rum Ausdruck, daß Versckflußstücke und andere Geschützteile über Bord geworfen wurden und der Kapitän mögens in seiner Kajüte auf dem Tisch ein offenes Schreiben fand, in welchem er aufgefordert wurde, den Dienst weniger streng zu gestalten, andernfalls würde er in See geworfen werden. Wie dieser Brief in die Kajüte gekommen ist, konnte nicht aufgeklärt werden. Tie Posten, denen die strenge Bewachung der Zugänge zur Kajüte anvertraut war, vermochten keinerlei Auskunft au geben. Es wurden sofort zehn bis zwölf Mann in Untersuchungshaft genommen. Mehrere der Verhafteten, die fast ausnahmslos ausgedient hatten und vor ihrer Entlassung zur Reserve standen, sind wieder freigelassen worden, acht sitzen noch in Haft. Tie Untersuchung hat bis jetzt zu kernerlei greifbarem Ergebnis geführt. Die Besatzung der „Gazelle" besteht aus 200 Mann. selbst hohe mit anhören müsseiv,!irrte vom Pferde herab von „Frechheit" und „Unbvtmäßigkeit" gesprochen wurde, und daß sich der Oberbürgermeister darauf an derselben Stelle habe bewirten lassen. Singer bringt noch verschiedene andere Dinge vor, die von geringer Bedeutung sind, und schließt: Er sei der Ueberzeugung, daß die Persönlichkeit, um die es sich hier shandele, ihren ganzen Ebäraktereigen- schasten nach einen ernsten Widerspruch wohl zu würdigen wisse, und die Vertreter der Stadt ein willigeres Ohr finden würden, wenn sie sich mehr loslösen könnten von höfischen und byzantinischen Kundgebungen. — Oberbürgermeister Kirschner: Was die Vorgänge in der Alexanderkaserne betreffe, so möge er fragen, welcher Vorwurf gegen ihn erhoben werden könne. Er sei der Einladung des Offizierkorps des Regiments gefolgt. Tie Ansprache des Kaisers habe nicht so scharf gelautet, wie sie in der Presse wiedergegeben wurde; sie fei übrigens! mensch lichund psychologisch erklärlich gewesen, denn der Kaiser habe das erste Mal nach dem Vorgänge in Bremen, wobei er verwundet worden, Gelegenheit gehabt, sich zu äußern. Nichtsdestoweniger habe auch ihn diese Ansprache tief geschmerzt, und er hätte alles dafür gegeben, wenn sie nicht gehalten wäre. Aber gegen das Hören der Ansprache sei er doch machtlos gewesen. Hätte er das Lokal verlassen sollen? Das' wäre eine lächerliche Taktlosigkeit gewesen. Er sei kein Bürgermeister von Rheims. (Der Bürgermeister der ftanzösischen Stadt Rheims, ein Sozialdemokrat, hat bei der jüngsten Anweseir- heit des Zaren diesem gegenüber bei seinem Gespräch! mit ihm stets das Wort „Majestät" ängstlich vermieden und mit dem Herrscher in sehr kardialer Tonart zu verkehren für passend gefunden. D. Red.) — Sodann wird die Debatte geschlossen und die Resolution Langerhans mit 95 gegen 20 Stimmen angenommen. Hierauf wird zur Debatte gestellt folgender dringliche Antrag Singer: „Tie Versammlung ersucht den Magistrat um Auskunft, ob es wahr ist, daß der Kaiser gegen die Vollendung und Aufstellung oer von der städtischen Kunstdeputation zur Ausschmückung des Friedrichshains bestimmten und in der Aufstellung begriffenen Märchenbrunnen Einspruch erhoben hat." Singer bcgrürbet den Antrag mit dem Hinweis auf die bekannten Thatsachen. So künstlerisch der Kaiser veran'- kagt sei, falle doch sein Urteil gegenüber von Männern, deren Lebensberuf die Schaffung von Kunstwerken sei, nicht ins Gewicht. Man möge die Rechtsfrage im VerwaltungZ- streitverfahren zum Austrag bringen. Die Kunstdeputation habe gestern dem Magistrat empfohlen, den Polizeipräsidenten zu veranlassen, sich bestimmt zu äußern, ob er die baupolizeiliche Genehmigung erteilen wolle; im Weigerungsfälle solle der Klageweg beschritten werden. — Oberbürgermeister Kirschner: Auch er habe erst durch die Presse, nicht auf amtlichem Wege, von der Entscheidung gehört. ES sei am 27. September ein vom 24. September datiertes Schreiben des Polizeipräsidenten beim Magistrat eingegangen, in welchem nicht ausgesprochen sei, daß der Polizeipräsident die baupolizeiliche Genehmigung verweigern und eventuell gegen die Errichtung der Brunnen einschreiten müßte, sondern nur, daß der Kaiser sich nicht entschließen könne, den EntDer Konflikt zwischen Krone und Kauptfladt. Berlin, 3. Oktober. Die Fragen, die den Konflikt zwischen Krone und Hauptstadt gegeben haben, gelangten heute in der Stadtverordnetenversammlung zur Verhandlung. Ter Sitzungs- war dicht gefüllt, ebenso die Tribünen. Zuerst wurde pre Angelegenheit derFührungecnerStrahenbahn lber die Linden im Zuge der Neusüädtischen Kirch- ftaße ^ur Debatte gestellt. Hierzu wird von sämtlichen rerstnnigen und liberalen Stadtverordneten folgende'Resolution beantragt: „Die Stadtverordneten-Versammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß durch die versagte Genehmigung einer Straßenbahn über die Straße Unter den Lmden rm Zuge der Neustjädtischen Kirstraße die städtischen ^brkehrsinteressen und Finanzen schwer "ge- schadigt werden, daß, obwohl die Mdtische Verwaltung JW ™ Mitteilungen der zuständigen Staatsbehörden die komalrche Genehmigung der vorberegten Ueberführung als gesichert voraussetzen mußte, diese Genehmigung nicht er* teilt iftv und ersucht den Magistrat, mit allen geeignet erschemenden Mitteln die Genehmigung dieser Ueherführ- ung zu er tonten."- Der Vorsitzende Dr. Langerhans begründet die Re- solutvon: Es handelt sich um eine außerordentliche wichtige Angelegenheit. Die Mdtische Verwaltung habe ein dringendes Interesse daran, nach/Möglichkeit Widerstand zu leisten und alle Mittel in Anwendung zu bringen, um die Erteilung der Konzession zu erreichen. Wir hatten allesamt die Ueberzeugung, daß der König entschlossen sei, die Lime au genehmigen. — Stadtv. Singer stellt die aus den Schriftstzicken hervargehenden Thatsachen fest, daß der Arbeitsminifter 1892 die betreffende Straßenbahnlinie für wichtig und durchführbar erklärt habe, und daß die vom Kaiser gewünschte Uebertunnelung der Linden technisch sehr schjwierig sein, und den Verkehr in der betreffenden Straße lahmlegen würde. Man möge sich klar darüber werden, daß bei UNS eine Art Kabinettsjustiz herrsche, daß die betreffenden Behörden glauben, es dürfe ohne alter» höchste Genehmigung kein Nagel eingeschlagen werden. Die Versammlung könne angesichts der Sachlage nichts besseres thun, als anerkennen, daß der Magistrat seine Pflicht gethan. Die Resolution würden die Sozialdemokraten ablehnen. — OberbürgermeiMr Kirschner: Ich finde die große Auflegung der Versammlung über diese Angelegenheit sehr erklärlich Mr würden andernfalls unsere Pflicht verletzen. Aber man muh dabei zwei Tinge ins Auge fassen: CrMns hat das zu geschehen mit derjenigen Ehrfurcht (Unruhe bei den Sozraldenrokraten), die wir dem Staatsoberhaupt schuldig sind, und zweitens das folgt daraus — hat das immer in dem Sinne zu geschehen, daß die bestehenden Differenzen und Meinungsverschsieden- b eiten so bald wie möglich ausgeglichen werden in dem Sinne, daß wir nicht den Streit und den Zwiespalt zu suchen haben, sondern den Frieden und die Einigkeit. Ich glaube, wir stehen um so fester, um so sicherer, auf dem Standpunkt, die Interessen der Stadt zu vertreten, je mehr wir die beiden Rücksichten nehmen, die ich erwähnt Habe. (Beifall.) Singer: Er erinnere an die Verhandlungen wegen der Schtoßterrasse und daran, daß der Oberbürgermeister Gießener Sladtttzealer. Die Dame von Maxim. Schwank in 8 Aufzügen von Georges Feydeau. Run haben wir also auch in Gießen die Bekanntschaft des vielbeschauten Pariser Schwankes „Die Dame von Maxim" gemacht. Es ist wohl die unbändig tollste aller französischen Possen, die jemals von menschen- und lebenskundigen deutschen Bühnenleitern der Einführung in Deutschland gewürdigt worden sind, die tollste und unseres Wissens auch die frivolste. Schon beim Aufgehen des Vorhanges bekommen wir einen Vorgeschmack von dem, was der Abend an Zirkusspässen weiter bringt. In seiner trauten Häuslichkeit sehen wir den prakt. Arzt Dr. Petypon. Rach einem wüsten Zechgelage mit den lockeren weiblichen Zeisigen eines Pariser Tingeltangels ruht er selig in der unter diesen Umständen natürlichsten Stellung, nämlich unter einem Sopha, von den orgiastischen Strapazen aus. Sein Kollege und Freund, Dr. Montgicourt, erweckt ihn zur elend grauen Wirklichkeit einer „felis immensis“, eines fürchterlichen Katzenjammers, der nicht geringer wird, als zunächst seine Gattin, die den Abend über „Haubitze", „Ledertapete" und andere hinter- rückische Kosenamen zu erdulden hat, und dann in sehr intimer Morgentoilette die Excentric-Tänzerin Crevette erscheinen. Die gute Crevette hat nämlich ihren stark beschwipsten Verehrer des letzten Abends fürsorglich in fein Wohnzimmer geleitet und sich dann, da inzwischen die Wohnung dieses Dr. Petypon verschlossen wurde, in unverständlicher Unschuld in seinem Schlafzimmer zur Ruhe gebettet. Als die Herren Doktoren Petypon und Montgicoutt die excentrische „Dame von Maxim" eine Zeitlang sich selbst überlassen müssen, wird sie von Petypons hagestolzem Onkel, einem General und Afrikakrieger, . auf weicher Lagerstatt überrascht. Onkel General hält nun Crevette für die Frau seines Reffen und veranlaßt sie, ihm mit ihrem vermeintlichen Gatten auf sein Schloß in der Touraine zu folgen, um dort bei einer großen Festlichkeit die HonneurI des Hauses 51t machen. Wie die satanisch nette Tingeltangelense, die frech ist wie ein Straßenjunge, dieser Aufgabe gerecht wird, zeigt der zweite Akt. Im Verkehr mit den Damen der Aristokratie der „Provinz" trägt sie ihre ganze wild-kecke Ausgelassenheit, ihre vulgivagantischen „Hoppla-Muttersiehtsjanicht"- Manieren, ihre „pittoreske" Ausdrucksweise des Unterbrettls in verblüffender Naivetät zur Schau, beträgt sich so koketten- haft wie möglich — und die Damen der guten Gesellschaft — das ist die halb vernünftige, unbarmherzig hübsche Satire des Ganzen — sind, in der Meinung, die neuesten Sitten der vornehmen Pariser Welt kennen zu lernen, davon entzückt und ahmen Crevettens üble Unarten und Kankanaden mit heiligem Eifer nach. Das gibt denn natürlich Anlaß zu einem Chaos übermütigster und gewagtester Szenen, die, so peinlich auch Einzelnes berührt, doch viel Heiterkeit erregen. Ganz unsinnig sind einige eingeflochtenen Episoden, in denen ein verrückter, ganz undenkbarer elektrischer Schlafstuhl für Zwangspatienten, Geistererscheinungen u. a. Tries vorgeführt werden, aber auch sie bringen schließlich den von vornherein weniger zum Lachen als zum Aufkreischen gestimmten Teil des Publikums zum tollen Applaus. Denn der Unsinn ist, mag man sagen was man wolle, genial und hat Methode, und darum bleibt er Sieger, trotz der wahren Alpen- Jungfrau von Uebertreibungen, von frechen, guten und bösen Scherzen, die sich zu einem Gesamtulk zusammenreihen, der mit wildem Karnevalsrausche beginnt und mit tollem Karnevalstanze seinen Fort- und Ausgang nimmt. Und in übermütiger Karnevalslaune muß der drollige Spaß gespielt werden. Bei uns schlug man wohl ein zu langsames Tempo ein. Menschen und Dinge wollen hier so durcheinandergewirbelt sein, daß der Zuschauer keinen Moment zur Besinnung kommt und es möglichst übersieht, daß in dem Ganzen kaum ein Fünkchen Vernunft liegt. Im Einzelnen aber sahen wir recht hübsche Leistungen. Vor allem ist dem frisch-fröhlichen Spiele des anmutigen Frl. Hohenfels der Erfolg, den „Die Dame von Maxim" auch bet uns erzielte, zu danken. Frl. H. trieb die bisweilen sehr pikanten Scherze der süßen Bestie Crevette nicht auf die Spitze, sie zeigten eine überraschende Ungezwungenheit und Natürlichkeit. Ja, es war manchmal nicht nur ihrem blöden Liebhaber, dem herzoglichen Knaben Guy, unheimlich, wie das Dirnchen in Gang, Miene, Bewegung gezeichnet war. Dabei blieb sie immer drollig und charmant, jede Nuance war Crevette, bis zu den wilden Fußbewegungen. Nur ihre Knixe im zweiten Akte waren übertrieben, ungraziös, und darum ganz besonders für eine Tänzerin, der natürliche Anmut Lebensbedingung ist, durchaus unwahrscheinlich. Jedenfalls aber ist Frl. H. eine Darstellerin von großer Routine und besten äußeren Mitteln, und sie öfter zu sehen werden wir uns freuen. Herr Schneider war als Ehemann in tausend Aengsten lustig und komisch, aber lange nicht so frei wie als Beckers, nicht so sicher und nicht so freudig bei der Sache, auch in Bewegungen, Maske und Mienenspiel oft outriert. Vorzüglich aber war Herr Ramseyer als General, ein derb verliebter alter Haudegen von echtem Schrot und Korn. Auch Fran Kruse als betrogene Frau, die an Geister glaubt, Herr Kruse, der mit köstlicher Bierruhe „auf die ganze Geschichte pfiff", ferner die Herren Gerlach, Zoder, Sandor, der fromme Schulmeister, Herr Georgi, der den herzoglichen Trottel mit großem Geschick darstellte, ferner die Damen in ihren kleinen Rollen befriedigten durchaus. Im Zusammenspiel aber griff leider nicht immer alles ohne Stockung in einander. Das Publikum jedoch war in seiner großen Mehrzahl zufrieden, denn es lachte, lachte und lachte. In Berlin ist „Die Dame von Maxim" wohl an die 200 Mal zur Aufführung gekommen. Den 20. Teil davon erlebt unsere Bühne vielleicht auch. P.W. — Frankfurter Schauspielhaus. Man schreibt uns: Wie bisher sestgestcllt wurde, wird Frau Agnes S 0 r m a am Dienstag den 8. Oktober ihr Gastspiel als „Guiditta" in Fuldas „Zwillingsschwester" eröffnen, Donnerstag, 10. Okt. als „Nora", Freitag, 11. Okt. als „Marikke" in „Johannisseuer" und Samstag, 13. Okt. als „Rautendelein" in der „Versunkenen Glocke" fortsetzen. Montag, 14. Okt. verabschiedet sich Frau Agnes Sorma als „Christine" in „Liebelei" und als „Beatrice" in „Hephtas Tochter" vom hiesigen Publikum. Alle Gastvorstellungen finben außer Abonnement und bei großen Eintrittspreisen statt. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „(Kietz. Anz." gestaltet.) Gießen, den 5. Oktober 1901. ** Sonntagssahrkarten. Die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. teilt uns mit: In den Gisenbahndirektionsbezirken Frankfurt a. M. und Mainz werden in Berücksichtigung vielseitiger Wünsche und Beschwerden eine Anzahl der zum 1. Okt. ds Js. aufgehobenen Sonntagskarten beibehalten werden- In den anliegenden Verzeichnissen sind die Sonntagskarten, welche zukünftig in den beiden Direktions- bezirken mit sofortiger Giltigkeit zur Ausgabe gelangen werden, ausgeführt. Das Verzeichnis der Eisenbahndirektion Frankfurt führt u. a. an: Vom 1. Oktober ab werden an allen Sonn- und den — In wenig Tagen 11. und 12. Oktober findet die letzte Baden-Badener Geldlotterie statt, bei welcher 2288 Bargewinne mit M. E- Haupttreffer Mk. 20 000 verlost werden. Lose zu Mk. 1, 11 Lose lO Mk. Porto und Liste 25 Pfg. extra sind beim General-Agenten H. Sturmer Straßburg i. Eh. und allen Losgeschaften zu haben. Man beeile sich, wer der Glücksgöttin die Hand bieten und Mk. 20 000 für Mk. 1 erhalten will. 6612 So sind denn also, wie wir bereits vor kurzem andeuten konnten, die Wünsche utt bi Klagen des reisenden Publikums berücksichtigt worden, und es existieren wieder wie früher die alten Sonntagskarten. Man wird für dieses Entgegenkommen der Eisenbahnbehörde dankbar sein. Lebhaft bedauern wird man nur, daß immer noch, keine sSonntagskartenGießen-Frankfurtzur Ausgabe .gelangen, die für uns gerade von allergrößtem Werte sind. Doch es ist ja noch nich-t aller Tage Abend, und bei der in der letzten Zeit in erfreulichster Weise in die Erscheinung tretenden Liberalität der Eisendahnbehörde steht zu hoffen daß auch! dieser Wunsch in absehbarer Zech in Erfüllung gehen wird, namentlich wenn er aus dem Kreise der Interessenten immer und immer wieder an der rechten Stelle zum Ausdruck gebracht wird. Wer übrigens von hier aus nach Weckburg, Limburg oder Ems einen Sonntagsausflug machen will, thut klug, sich zunächst eine Sonntagskarte nach Wetzlar und dort eine solche nach seinem Ziele zu ' lösen; er erlangt dadurch, wenn auch etwas umständlich, ; >aß er für die ganze Strecke hin und zurück nur den ein- . achen Preis zahlt. ** Jagdkalender. Im Oktober ist Jagdzeit ür Schwarzwild, männl. Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, wckde Kaninchen, wilde Tauben, alles Wild, welches tnt Großherzogtum Hessen oder in dessen nächster Umgebung nicht setzt oder nistet. Ferner für weibl. Rehwild (vom 16. Okt. ab), Dachs, Auer-, Birk- und Fasanen- Hähne, Enten, Trappen, Schnepfenarten, Brachvögel und Kiebitze, Rebhühner und alles übrige Wild. *• Versetzung. Der Gerichtsschreibergehilfe Keitzer von Gießen wurde zur provisorischen Uebernahme einer Hilfsgerichtsschreiberstelle mit Wirkung vom 7. ds. Mts. an das Amtsgericht Michelstadt versetzt. -1- Heuchelheim, 4. Sept. Hier hat sich eine außerordentliche Bauthätigkeit entfaltet. Nachdem bereits der größte Teil der vor einigen Jahren neu angelegten Wilhelmstraße bebaut worden ist, erfährt nun auch die Brauhausstraße an ihrem Nordostende, nach dem Windhof zu, eine Verlängerung, indem Fabrikant Heinrich Sack auf dem seither von ihm als Lagerplatz für Zementwaren benutzten Platz fünf Wohnhäuser zn errichten beabsichtigt, von denen bis jetzt eins vollständig und eins im Rohball fertig gestellt ist. h- Grebenau b. Alsfeld, 3. Okt. Heute nachmittag weilte Kreisrat Dr. Melior hier, um dem hiesigen Krieg erverein, der im Juli auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken konnte, die ihm vom Kaiser verliehenen Fahnenbänder zu übergeben. Auf die Ansprache des Krcisrats stattete der Ehrenvorsitzende des Vereins, Oberförster Bus, in kernigen Worten den Dank des Vereins für diesen Gnadenbeweis ab. Darauf folgte ein geselliges Beisammensein bis gegen Abend. -j- Ruppertenrod, 3. Okt. Ein praktischer Bandagist mit Namen C. Bellmann aus Hamm-Hamburg lvollte am Freitag der vorigen Woche hier erschienen, um seine federnlose Bruch- )änder an Leidende abzusetzen. Zu diesem Zwecke bestellte er im voraus in einem hiesigen Gasthofe ein Zimmer, sandte einen Pack Reklamezettel und legte 3 Mk. zu deren Aus- ragung als vorläufige Abschlagszahlung bei. Da aber die Austeilung der Zettel sich über ein Dutzend der Nachbardörfer erstreckte, so hoffte der Austräger der Zettel auf eine weitere bessere Belohnung. Vergebens erwarteten indessen am Freitage der Gasthof, die erschienenen Kunden und der die Dörfer abgeklopfte Zettelträger den angemeldeten Bandagisten. Da er bis heute weder hier eingetroffen, noch Nachricht über sein Ausbleiben gesandt hat, so wäre es von Interesse zu erfahren, ob derselbe an anderen Orten anwesend gewesen ist, die gleichfalls auf dem Reklamezettel angegeben und die er ebenfalls auf seiner Reise zu besuchen versprochen. —0— Alsfeld, 2. Okt. Heute wurde hier die Dekanatssynode des Dekanats Alsfeld abaehalten. Im Eröffnungsgottesdienst in der Treifaltigkeitskirche predigte Pfarrer Holl-Brauerschwend über Luk. 19, 11—28 und ries in seiner Predigt den Zuhörern ernste Worte der Mahnung zu. Leider beteiligt sich die Alsfelder evangelische Gemeinde an diesemSynodalgottesdienste nie,und dieserUmstand dürfte den Dekanatsausschuß veranlassen, die Synode künftighin in einer anderen Gemeinde, vielleicht abwechselnd unter den Gemeinden des Dekanats, abzuhalten. Unmittelbar nach dem Gottesdienst begannen nach einem Gebet des Pfarrers Remmer-Bernsburg die Verhandlungen. Zunächst begrüßte Dekan Wörrißhosfer die beiden Abgeordneten zur Landessvnode, Pfarrer Zaudt-Planig und Kreisrat Dr. Melior-Alsfeld; sodann gedachte er des verstorbenen Dekanstellvertreters Pfarrer Jäger-Alsfeld. — Pfarrer Belitschf-Kirtorf gab in Anknüpfung an den verlesenen Bescheid des Oberkonsistoriums Veranlassung zu einer eingehenden Besprechung über das Spinn stuben- unwesen und über die Teilnahme der Jugend an den öffentlichen Volksbelustigungen. Er möchte die Spinnstuben besser geleitet und beaufsichtigt wissen, nicht von der Polizei, sondern durch die Eltern, in deren Wohnung die Spinnstuben abgehalten werden. Andere Redner wollten die Spinnstuben überhaupt abgeschafft wissen, da dieselben in ihrer jetzigen Gestalt auf dem Lande nur noch der Verrohung der Jugend Vorschub leisteten. Zuletzt wurde das Dekanat beauftragt, über diese Fragen mit dem Kreisamt Alsfeld in geeignete Verhandlung zu treten. — Es wurden gewählt: Pfarrer Klingenschmidt-Romrod zum Stellvertreter des Dekans, Pfarrer Sauerwein-Alsseld zum geistlichen Mitglied des Dekanatsausschusses, Pfarrer Renner-Bernsburg zum geistlichen Ersatzmitglied derselben Körperschaft und Pfarrer Diefenbach-Eioorf zum Stellvertreter des preußischen Abgeordneten zur Lanoessynode. Nach Beendigung der Wahlen konnte nur noch der neue Voranschlag der Tekanatskasse angehört werden. Das noch aus der Tagesordnung stehende Referat des Pfarrers Wagner-Billertshausen über die Fragen: Was haben die kirch^ lichen Organe zu thun, um das Lesebedürfnis des Volkes angemessen zu befriedigen und schädlichen Einflüssen ent- geaenzuwirken? mußte für die nächstjährige Tagung zurückgestellt werden. fc. Beerfelden, 4. Okt. In dem Wahlbezirk Beerfelden- Hirschhorn-Wimpfen wird, wie verlautet, von den Nationalliberalen an Stelle des verstorbenen Landtagsabg. Schubart Bierbrauereibesitzer B re im er von hier als Kandidat aufgestellt worden. fc. Fulda, 4. Okt. Mit der Erbauung eines Korn- h aus es in der Unterstadt mit Gleisanschluß soll demnächst begonnen werden. Gerichtssaal. o. Gießen, 2. Okt. (Gewerbegericht.) Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolff. Als Beisitzer fungieren Friseur Gustav Gerhardt und Schreiner Heinrich Männche von hier, ersterer an Stelle des verhinderten Fabrikanten Lotus Emmelius. In der Sache des Maurers Adam Maurer gegen den Maurermeister Joh. Gg. Pfaff hier, über die wir bereits berichtet haben, wurde der als Zeuge benannte Parlier Ludwig Geier vernommen. Die Parteien einigten sich dahin, daß der Beklagte dem Kläger auf die eingeklagte Forderung 10 Mk. zahlt. — Die Klagesache des Tag- löhners Johannes Hansel gegen die Unternehmer Gebrüder Kahl hier konnte nicht zur Entscheidung gelangen, weil der Kläger nach Vernehmung des Schachtmeisters Graf, der bestätigte, daß Hansel nur für 1 bis 2 Tage zur Arbeit angenommen worden {et, zum Beweise des Gegenteils noch zwei Zeugen benannte. Es wurde weiterer Termin zur Beweiserhebung bestimmt. — Der Erdarbeiter Justus Lindenborn hier verlangt von dem Unter- nehiner Ludwig W e i m e r zu Waldgirmes 12,95 Mk. rückständigen Lohn. Da der Beklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung im heutigen Termin nicht erschienen ist, erging auf Antrag des Klägers bezw. dessett Vertreters Versätnnnisttrteil gegen ihn. Zur Haftpflicht der Lehrer. Seit Einführung des Bürgerlich,en Gesetzbuches herrscht in Lehrerkreisen vielfach, die Besorgnis, die Haftpflicht der Lehrer sei derartig verschärft, daß jeder Lehrer nicht allein Bedenken tragen müsse, mit seinen Schülern Ausfluge zu mmhen, sondern wegen der dem Lehrer drohenden Regreßgefahr sogar der Turnunterricht in Frage gestellt werden könnte. Der gefürchtete Haftungsparagraph des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 832) lautet: „Wer kraft Gesetzes zur Führung der Aufsicht über eine Person verpflichtet ist, die wegen Minderjährigkeit oder wegen ihres geistigen oder körperlichen Zustandes der Beaufsichtigung bedarf, ist zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den diese Person einem Tritten widerrechtlich zufügt. Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn er seiner Auffichtspflicht genügt oder wenn der Schaden auch bei gehöriger Aufsichtsführung entstanden sein würde. Die gleiche Verantwortung trifft denjenigen, der die Führung der Aufsicht in Vertretung übernimmt." Schon nach dem ftüheren Recht mußte der Lehrer für den von den Schülern angestifteten Schaden haften, wenn er dieselben wissentlich Unfug treiben ließ, durch den dieser Schaden entstand. Mehr wird auch heute nicht vom Lehrer verlangt, als daß er seine Schüler auf das Verbotene hinweist und sie so weit kontrolliert, als dies nach Lage der Sache tyunlich ist. Auch, in Fällen von Schäden, die die Schüler selbst erlitten, ist keine Verschärfung der Haftpflicht eingetreten. unten genannten Feiertagen von den nachbenannten Stationen Fahrkarten 2. und 3. Klasse für Hin- und Rückreise zum einfachen Preise ausgegeben, nämlich: Von Alsfeld nach Fulda, Gießen und Salzschlirf; Bleichenbach nach, Gießjen; Bockenheim nach Bad-Nau- Heim, Homburg v. d. H- und Usingen; Borsdorf nach Gießen; Büchels-Düdeshe im nach Gießen; Büdingen nach(Gießen; Burg- und Nieder-Gemün- den nach! Gießen; Butzbach nach Bad-Nauheim; Ehringshausen (Oberhessen) nach Gießen; Frankfurt Fahrthor nach Eppstein, Hofheim, Niedernhausen und Soden a^T.; Frankfurt Hauptbahnhof nach Alzey, Aßmannshausen, Bad-Nauheim, Biebrich Rheinbahnhof, Bingen, Camberg, Caub, Eltville, Erbach, Flörsheim, Friedberg, Geisenheim, Gelnhausen, Hanau Ostbahnhos, Hattenheim, Hofheim i. T., Homburg v. d. H., Idstein, Kastel, Limburg, Lorch, Mainz, Niedernhausen, Oberursel, Oestzrich-Winkel, Rüdesheim, Schierstein, Soden o. T., St. Goarshausen, Schwanheim, Usingen, Walluf, Wiesbaden Taunusbahnhof, Wiesbaden über Niedernhausen und Worms; Frankfurt Ostlbahnhof, nach Aschaffenburg, Eberbach, Eppstein, Erbach i. O., Hanau Ostbhf. und Westbhf., Hetzbach-Beerfelden, Höchst-Mu- stM, Kailbach König, Michelstadt, Wiebelsbach^-Heubach und Wilhelms,bad; Friedberg nach Hanau Nord- und Ostbhf.; Garbenteich nach Gießen; Gelnhausen nach Gießen und Hanau Ostbhf.; Gießen nach Bad- Nauheim, Braunfels, Lich, Lollar, Marburg, Nidda und Wetzlar; Grünberg nach Gießen; Großen-Buseck nach Gießen; Hungen nach Gießen und Nidda; Langsdorf nach Gießen; Lauterbach nach« Fulda, Gießen und Salzschlirf; Lich nach Gießen; Mücke nach Gießen; N i d d a nach Gießen; Nieder-Ohmen nach Gießen; Ober-Widdersheim nach! Gießen; Ranstadt nach Gießen; Reiskirchen nchh Gießen; R ö d - g e n nach Gießen; Saasen nach Gießen; Salzschlirf nach Fulda und Gießen; Schiffen berg nach Gießen; Stockheim nach Gießen und Nidda; Wallenrod nach Fulda und Gießen; Wetzlar nach Bad-Nauheim, Braunfels, Ems, Gleiberg, Limburg und Weilburg; Zell- Romrod nach Gießen. Tie Eisenbahndirektion Mainz macht gleichfalls eine stattlick;e Anzahl von Sonntagskarten namhaft. Für beide Tirektionsbezirke gelten folgende Bedingungen: Als Feiertage kommen hierbei in Betracht der Ostermontag, der Himmelfahrtslag, Pfingsstmontag, Frohnleichnam, Peter und Paul, der 1. und 2. Weihnachts-Feiertag und New ijahrstag. Für die Winter-Fahrplanperiode 1901/02 werden nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen sämtliche Personenzüge zur Benutzung freigegeben. Einschränkungen bleiben jedoch Vorbehalten. Die Ausgabe von Sonntagskarten findet nur zu Personenzügen und nur so lange statt, als nach Lage des Fahrplans die Rückfahrt nach der Ausgabestation am Lösungstage mit Personenzug stattfinden kann.' Eine Sonntagskarte ist zur Rück- bezw. Weiterreise nur für diejenige Person giltig, welche mit derselben die Reise begonnen hat. Auf der Hin- wie auf der Rückreise ist bei sofortiger Bescheinigung durch den Stationsbeamten je einmalige Fahrtunterbrechung gestattet. Tie Rückfahrt muß, soweit nicht Ausnahmen nachgelassen sind, am Ausgabetage spätestens bis 12 Uhr Mitternacht einschließlich angetreten und darf nach dieser Zeit nicht mehi: unterbrochen werden. Freigepäck wird auf Sonntagskarten nicht gewährt. Die Benutzung der Schüellzüge ist, soweit nicht Ausnahmen nachgelassen sind, nicht gestattet, auch nicht gegen Nachlösen von Zuschlagskarten. Sfomafol «"h!=n für ITlund« und Zahnpflege in Idwedikhen Kliniken 30.000 Liter in einem 3ahre verbraucht und durch ßoflieferanten-Titel ausgezeichnet. . . n. Gießen, 4. Okt. In der gestrigen Sitzung i>25 Schiedsgerichts - für Arbeiterversicherung, in der 10 Sachen der land- und forskwertschaftlichen Berufsgenossenschaft zur Verhandlung kamen, führte Großh. Kreisamtmann Dr. Heinrichs den Vorsitz. Dem Heinrich Stirz zu Eichenrod hatte die Genossenschaft als Entschädigung für einen erlittenen rechten Unterschenkelbruch zunä^st eine 80proz. Rente und nach Abschluß des Heilverfahrens eine solche von 30 Proz. gewährt. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde von dem Gericht für begründet erachtet und die Bellagte verurteilt, vom 17. Dezember 1900 bis 7. März 1901 eine 100- orozentige, vom 7. April bis 30. Juni 1901 eine 50prvz., und vom 1. Juli 1901 ab eine 30proz. Rente zu zahlen. — In der Sache Heinrich Kornmann IV. zu Homberg hatte die Genossenschaft gemäß § 94 Ges. vom 30. Juni 1900 Antrag auf Einstellung der Rente gestellt. Tas Gericht erachtete jedoch den Nachweis einer wesentlichen Besserung seit der letzten maßgeblichen Untersuchung nicht für erbracht und wies den Antrag als unbegründet zurück. — Tie dem Konrad Dittmar wegen Verletzung des rechten Beines gewährte Rente von 100 Proz. hatte die Genossenschaft ein- gestellt. Der erhobenen Berufung mußte das Gericht den Erfolg versagen, weil eine wirtschaftlich meßbare Erwerbsbeschränkung nicht mehr besteht. — Auch die Berufung des Johs. Schäfer XVI. zu Burkhards gegen Einstellung der wegen einer Brustverletzung gewährten lOproz. Rente konnte nicht stattgegeben werden, weil nach dem Gutachten des Kreisarztes Tr. Königer keine Erwerbsunfähigkeit mehr betet) t. — Gemäß § 94 Abs. 3 Gesetzes hatte die Genossen- chaft die Herabsetzung der dem Ernst Walther zu Nieder- Florstadt zugesprochene Rente von 50 Proz. auf 25 Proz. beantrgat. Das Gericht gab dem Antrag nach Anhörung des Privatdozenten Dr. Bötticher nur teilweise statt und setzte die Rente von 50 auf 40 Proz. herab. — Johannes P loch-Alsfeld war von der Berufsgen'ssen- schaft mit seinem Entschädigungsanspruch! deshalb abgewiesen worden, weil er den Unfall nicht in dem Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, sondern im Fuhrwerksbetriebe erlitten habe. Tas Gericht erachtet jedoch den Fuhrwerksbetrieb als einen Nebenbetrieb der Landwirtschaft des rc. Ploch und verurteilt die Beklagte zur tahlung einer Rente von 40 bezw. 30 Prozent. — Heinrich t r auch-Breungesheim hatte in Ober-Mosbach im Auftrage seines Arbeitgebers dessen Dienstmädchen nach Hause begleitet. Auf dem Rückwege kam er infolge Glatteises zu Fall und zog sich einen rechten Unterfchenkelbruch zu. Tie Genossenschaft lehnte den Anspruch ab, weil ein land- und forstwirtschaftlicher Betriebsunfall nicht vorliege. Tie eingelegte Berufung wurde vom Gericht verworfen. — Tie von dem Georg Diehl V. in Villingen gegen den eine Rente von 15 Prozent bewilligenden Bescheid der Genossenschaft erhobene Berufung wurde für begründet erachtet, uno die Beklagte verurteilt, eine Rente von 30 Prozent zu zahlen. — Heinrich Henrich-Düdelsheim erlitt im Sommer 1898 einen Sonnenstich, und soll hierdurch geisteskrank geworden sein. Ter nach Ablauf der zwei- ährigen Frist geltend gemachte Entschuldigungsanspruch, wurde von der Genossenschaft abgelehnt. Hiergegen verfolge die Mutter des rc. Henrich Berufung, mit der Begründung, die Folgen des Unfalles hätten sich erst im März l. I. in starkem Mafie gezeigt, sodaß von da ab die die Frist laufe. Tas Gericht ließ den Henrich in der psychiatrischen Universitätsllinik einer eingehenden Beobachtung und Untersuchung unterziehen, wodurch festgestellt wurde, daß die z. Zt. bestehende Geistesstörung nicht in utiologischem Zusammenhang mit dem Unfall — Sonnen- sttch — zu bringen sei. Tas Gericht verwarf daher die Berufung. — Dem Antrag der Genossenschaft, die Rente von 10 Prozent des Krd. Karl P lv ch-Älsfeld einzustellen, gab das Schiedsgericht statt, da thatsächlich eine wesentliche Besserung eingetreten ish Dresden. 3. Sept. Auf Einladung des Reformvereins hatte Herr Graf Pückler-Klein-Tschirne am 20 November v. I. vor einer etwa 2000 Personen zählenden Zuhörerschaft einen Vortrag über „Das Judentum uno das deutsche Volk" gehalten, in dem er Ausdrücke gebrauchte^ die ihm eine Anklage wegen Aufreizung zu Gewalttbätigkeiten gegen die Juden zuzog. Die fünfte Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn darauf wegen Gefährdung des öffentlichen FÄedens zu 100 Mk. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil hat Graf Puckler seiner Zeit Revision eingelegt. Diese ist nicht zur vorgeschriebenen Zeit begründet und deshalb vom Landgericht zurückgewresen worden. Die von dem Grafen Pückler dagegen eingereichte Beschwerde hat das Reichsgericht zurückgewresen, sodaß die Sache nun endgiltig rechtskräftig geworden rst. Dichte, preiswürdige, schöne, dauerhafte 4 4 > IljÄFhAll ächten Andernachs MQhllöl Asphalt Steinpappen iü$ der Fabrik von A.W. Andernach in Beuel am Rhein. OAusler. Anleitung, beweise über (ßcwährunfl postfrei und umsonst, Bit Men In Gttßetr auf der Fahr» - Sl-ed-rlas- vei Herrn WilM« Textor, DallchyrHrM p. 3897 8 Gießen, 4. Okt. (Schöffengericht.) Wegen Jagd- vergehens hat sich ein Müller aus Allendorf a. d. ßurnbdt au verantworten, der beschuldigt wird, wäbrerch der Schonzeit ein Rehzicklein geschossen zu haben. Er gesteht sich dieses Vergebens, jedoch ohne Vorbedacht, aus remem Zufall schuldig gemacht zu haben Er wollte einen blinden Schutz auf die den Kleebestande seines' am Walde gelegenen Ackers schwer schädigende Rehfamilie abgeben Das Gericht mißt der Versicherung oes Angeklaoten Glauben bei und verurteill chn, unter Zubilligung mildernder Um- tände, in eine Geldstrafe von 25 Mk. Schiedsgericht für rlrbeiterversicherung. Die schlechten Zeiten zwingen jedermann zur Sparsamkeit. Besonders trifft dies für die Hausfrau zu. Sie kann aber bei der Zu bereitung der Mahlzeiten sparen, wenn sie den Suppen, Saucen, Ragouts, Gemüsen rc. — vor dem Anrichten einige Tropfen des altbewährten „Maggi zum Würzen" beifügt. Zu haben in allen Kolonialwaren-Geschäften in Fläschchen schon von 35 Pfg. an (nachgefüllt für 25 Psg.). Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Bildhauers Franz Siegler in Großen-Linden wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Gießen, 3. Oktober 1901. Großherzogliches Amtsgericht. Aufgebot. Die Erben des verstorbenen Großh. Bürgermeisters Johannes Stumpf III. zu Burkhardsfelden, nämlich: 1. Heinrich Stumpf III., 2. Friedrich Stumpf V., 3. Anna Hase geb. Stumpf, 4. Elise Bern stein geb. Stumpf, haben das Aufgebot bezüglich der in Band I S. 68 Nr. 61 des Hypothekenbuchs der Gemarkung Burkhardsfelden eingetragenen, für Großherzogl. BürgermeisterJo- hannes Stumpf III. daselbst von Philipp Brück II. Eheleuten in Höhe von 420 Gulden errichteten Hypothek beantragt. Die Urkunde ist abhanden gekommen und kann nicht mehr vorgelegt werden. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf Donnerstag den 1. Mai 1902, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird. 6649 Gießen, 1. Oktober 1901. Großherzogliches Amtsgericht. Arbeitsvergeüung Die zur Erbauung einer Arbeitshalle bei dem Pro - vinzial-Arresthaus zu Gießen erforderliche Dachdecker-- und Schreinerarbeit wird hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionswege ausgeschrieben. Ausführungsbedingungen u. Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und sind die Angebote bis zum 14. Oktober d. Fs., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, 4. Oktober 1901. Großherzogliches Hochbauamt. Neuling. 6637 CWfMlM BuchNiMniehl null Biichmizengriize frisch eingetroffen. 6614] I. M. Schulhof. Verdingung von Drainagearbeiten. Die Graben- und Rohrverlegungsarbeiten für die im Herbste d.Z. zur Ausführung vorgesehenen Drainagen in Flur I und VI der Gemarkung Inheiden — ca. 7300 lfd. rn, veranschlagt zu rund 1680 Mk. — sollen Dienstag den 8. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, auf dem Gemeindehause zu Inheiden in mehreren Losen durch öffentliches Ausgebot vergeben werden. Voranschlag und Bedingungen liegen aus der Großh. Bürger- metfierei Inheiden zur Einsicht offen. Gießen, am 28. Sept. 1901. Großh. Kulturinspektion Gießen. Wißmann.6518 x Zöpfe, Dreher, j Haaruhrketteu, ^^/Toupö, Scheitel uud Perücken werden billigst an» gefertigt. Spezialität in weißen u. graneuHaareu. H. Tichy, SelterSweg 43, Ecke der Goethestr. J. 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