Sallü Nr. 130 Erstes Blatt. 151. Jahrgang Donnerstag 6. Juni 1901 und Pro- noch ' ■ • 168.0t ' '205.4t ' ' ■ 182 T| - • 17651 Kule Behandlung. Näheres in dn ^yedition d. Bl, Pompeji. Haus des Fortsetzung folgt. erst im Mittelalter und der neueren Zeit erfunden durchgeführt. Durch eine Anzahl klarer Lichtbilder erläuterte fessor Dr. Dieterich die Einrichtung des Hauses. In einigen kurzen Ausführungen wurde breiten Ganges befand sich gewöhnlich ein Zimmer, rechts und links vom Atrium je zwei oder mehr und außerdem nach dem Hofe zu ganz geöffnete Räume, die sogenannten alae (Flügel); im Hintergrund endlich in der Mitte, dem Eingang gegenüber, das gleichfalls weit geöffnete tablinum und je ein Zimmer, an dessen beiden Seiten. Alle diese Räume waren vom Atrium aus zugänglich und erhielten von dort ihr Licht. Kurz wies der Vortragende darauf hin, welche Kulturfaktoren in der Geschichte menschlichen Häuserbaues der Kalkmörtel und das Glas sind. Der Hauptunterschied unseres Häuserbaues vom antiken besteht darin, daß wir im Glashause sitzen. Tas Problein, Licht einzulassen und N KlW neben den Chef in die Küchi fit- full Sdbifle mß f<6on in W Kunst und Leöen in Aompeji. Nach einem Vortrag des Professors Dr. Dieterich in der Aula der Universität. (Unser Berichterstatter hat nach kurzen Notizen den Vortrag wiederzugeben versucht. Nur einzelne Punkte konnte er herausheben, die Form des Bor, tragS selbst in keiner Weise festhallen.) II. (Erster Vortrag. Fortsetzung.) Besonders wichtig ist Pompeji für unsere Kenntnis des italisch-römischen Privatbaues in seiner Entwickelung vom dritten Jahrhundert an. Von unendlichem Werte ist die Stadt zur Kenntnis des Privatlebens im Altertum, da nirgends sonst Privathäuser in solcher Mannigfaltigkeit und Vollständigkeit erhalten sind. Und dazu kommt die gebotene Möglichkeit, die Geschichte des Hausbaues vielleicht Wohnung, im griechischen sogut wie im römischen Hause — das moderne durch die Glasfenster. Wohl kannte das Altertum Glas; es gab in der Kaiserzeit Glasfabriken, auch in der Nähe von Pompeji, aber das durchsichtige Glas, das jene beiden Forderungen zu erfüllen im stände ist, wurde Das dritte Geschlecht. Ernst von Wolzogen charakterisiert in seinem bekannten Roman einmal eine Anzahl der von ihm als moderne Typen geschilderten Frauengestplten mit den Worten der Claire von Fries: „Ach was, das sind überhaupt keine Weiber; die gehören zum dritten Geschjlechst. Tas sind Neutra mit den äußeren Kennzeichen der Weiblichkeit, die sich durch krampfhafte Anstrengungen allmählich ihr weibliches Empfinden abgewöhnt und dafür so eine Art ver- rüppelter Manns-Psyche eingetauscht haben." Wer die Ge- chichte der weiblichen Bestrebungen verfolgt, deren Ziel ;as Wort „Emanzipation" bezeichnet, jenes so vielgebrauchte Wort, das ursprünglich nur angewandt wurde, um dis Entlassung eines Kindes aus der väterlichen Gewalt anzudeuten, der wird nicU selten die Schilderung des kecken Dichters bestätigt finden. Mögen auch die zu Tode gerittenen Scherze der „Fliegenden Blätter" nur gewisse Aeußerlichkeiten der „Emanzipierten" karrikieren, so wird! doch auch der Unparteiische bei dec aufmerksamen Lektüre eines objektiven unb ausführlichen Berichtes über eine Frauenversammlung ein wenig von der Laune des Aristo- phanes verspüren. Die Frage, die eine der „Ekklesiarusen" stellt: „Wie kann der Frauen schämverhüllte Weiblichkeit; ium Volke reden" findet in jenen Versammlungen fast durchweg eine Antwort, die nur den Freund satirischen Huinors befriedigen kann. Mer es wäre ungerecht, den Bestrebungen des weiblichen Geschlechts, so weit sie den engen nnb doch in Wahrheit so weiten Rahmen des Hauses und der Familie verlassen, die Berechtigung abzusprechen. Man wird nicht nur ihr Bemühen billigen müssen, den unversorgten Schwestern die Möglichkeit des selbständigen Erwerbs zu erweitern, ihre wirtschaftliche Lage zu sichern, sondern man wird es auch mit den wärmsten Sympathien begrüßen, wenn sich die Thätigkeit der Frauen auf das reiche Gebiet des Wohlthuns begiebt, wenn mit zarter Hand Wunden geheilt, Gebrechliche gestützt werden. Wo allerdings jene geschäftige Nichtsthuerei und jene nichtsthuende Geschäftigkeit Adresse für Dtpef^eei Anzeiger Sichen. Fernsprechanschluß Nr. ÜL •***t*S darauf hingewiesen, daß vielleicht die Einrichtung des römischen Hauses für den Bau der ältesten ckristlichen Kirchen von Bedeutung gewesen sei. Der übliche antike Tempel hat keinen nennenswerten Einfluß auf deren Grundriß und Einrichtung gehabt, wohl aber die Weihe- hallen der Mysterienkulte, wie wir sie etwa in Eleusis oder Samothrake durch Ausgrabungen kennen gelernt haben. Ter gewöhnliche Tempel war nur das Haus des Gottes (naos gr., aedis lat. gleich Haus); nur er, das heißt sein Bild mußte dort angemessenen Platz haben, und die einzelnen Personen, die opfernd und Gaben bringend ab- und zugingen. Größern Opfern diente der Brandopferaltar vor dem Tempel. Tagegen wollten die Mysterientempel war die Basilika, die auch in Pompeji in besonders geeig- netem Beispiel kennen ui lernen ist, mit ihren Hallen und ihrer Apsis von beträchtlicher Bedeutung für den altchristlichen Kirchenbau. Tas sind in kurzen Worten die drei Vorbilder der ersten christlichen Kultgebäude: das römische Haus, in dem ja über ein Jahrhundert der Gottesdienst der christlichen Gemeinde abgehalten wurde, der Weihetempel der Mysterienkulte und die Basilika, die dem Handelsverkehr und den Gerichtsverhandlungen diente — die beiden letzteren waren dazu eingerichtet, „Volk zu versammeln". Das griechische Wort ecclesia „Volksversammlung" ist in den romanischen Sprachen das Wort für „Kirche", (franz, eglise, ital. chiesa), griech. laoi (Völker, Volk, Gemeinde). ist die Bezeichnung der „Laien" geworden. Schon der griechische Priester eines bestimmten Mysteriengottes- dienstes betet für die Laoi. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß gerade die Kreuzform altchristlicher Kirchen, die gewiß nicht durch tue symbolische Deutung späterer Zeit veranlaßt worden ist, an den kreuzförmigen Jnnenraum des römischen Hauses —- der ja eben so lange Zeit dem Gottesdienste dienen mußte — irgendwie an geknüpft hat. Der Plan eines beliebigen pompejanischen Hauses kann dazu dienen, den vermuteten Zusammenhang zu veranschaulichen. —TT । Dame vezugrprelr vkrtdNM Wk. 2.20, moMtl. 76 PW, MN Bringertichn; durchM viert« IMPL Mr. 1.90, mvnatl. 66 Wtz. Set WtxjNg oierkfüK VN. 2.00 ohne BestelWM. Mt tki|«laen Bermrttlneeee RtBtn bcf In- und KiiNhM ntbmtn Un}tiptn für taa •kfctner Hn^tntr tntfCfMt ßeiltrtpveto lokal 11 MW. »uemätiB SO Pfig. “Mua'Ufiten 0Mre i61 25, 20 n »O, 19,1t rktplatz. ÖNZERT Regiments ■ Kapelle. H> E/gei. DiUe^J' -rofttag dm l durch vier Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Gerade Pvmpeji bietet den geeignetsten Anlaß, vom römischen kaufe überhaupt zu reden, wobei freilich nicht vergessen werden darf, daß die ältesten Stufen der Ent- mickelung hier nicht zu finden sind, daß nachweisbar auch noch nach der Verschüttung der Stadt eine sehr bedeutsame Fortentwickelung und Umgestaltung von statten ging, und endlich, daß die Verhältnisse der kleinen Provinzralftadt Pompeji nur mit Vorsicht auf die der Weltstadt Rom Überträgen werden dürfen. Für die Häuser in Pompeji ist der charakteristische Bestandteil der Wasserhos im Innern, das jlttium, in dem sich das Wasser ansammelta Einst war es der Raum, den der Rauch des Herdfeuers schwärzte, und er blieb benannt von ater-schwarz, wie der entsprechende Raum des griechisck)en Hauses melathron (von griechische melas- ichwarz) hieß. Und vor allem die 'Notwendigkeit, dem Hause Acht zu schaffen, denn durchsichtiges Fensterglas gab es damals noch nicht, und einfache Löcher in der Mauer waren cm bedenklicher Mtbehelf — war die Ursache zu dieser Gestaltung. Auf die Mitte dieses Wasser- und Lichthofes ru führte von der Straßenseite ein breiter Gang. Die yausthür lag selten gleich an der Straße, sondern meist innerhalb des Ganges, sodaß davor ein unverschlossener .ülrum^Mrig^um vestibulum. Mf beiden Seiten des,eine Gemeinde in sich versammeln. Weiterhin aber Vom hessischen Landtag. (Ein Rückblick.) Der Landtaa erfreut sich nun behaglich der lieben Ferien. Während der ganzen letzten kurzen Session machte sich eine der Sommerruhe bedürftige Stimmung geltend und die Eröffnung der Ausstellung der Künstlerkolonie und ein Ausflug in die Gefilde unseres Odenwaldes lenkten die Interessen unserer bisher so fabelhaft fleißigen Abge- ordneten auf andere Gebiete. Manche gefürchtete Vorlage ging ruhig und äußerst knapp behandelt vorüber. Die schon vor den Ferien länger behandelte Vorlage betr. das Faselwesen, die damals zu keinem Resultat führen wollte, über die sich aber inzwischen die Regierung mit dem erweiterten Ausschuß verständigt hatte, wurde in einigen Punkten verändert dem Haus wieder vorgelegt und fand auch dessen Zustimmung. Ter Antrag Köhler, betr. Erbfolge in Hessen, nahm den erwarteten schnellen Gang ins Jenseits. Bedauerlich ist es, daß die Vorstellung der pensionierten Beamten wegen Aufbesserung ihrer Ruhegehalte nicht Gehör bei dem Hause gefunden hat. Von allen Seiten, vom Regierungstisch aus und auch von denjenigen, die gegen die Vorlage stimmten, ist doch die Vorstellung als eine Forderung der Gerechtigkeit anerkannt worden. Warum will man beit vor dem 1. April 1897 pensionierten Beamten nicht die Vergünstigungen des Beamtenbesoldungsgesetzes auch zugute kommen lassen? VZur finanzielle Gründe sind es, die diesem Postulat entgegengestellt werden konnten. Was waren es für Gründe,' die damals die maßgebenden Kreise bewogen haben, unseren Beamten ein höheres Gehalt zu gewähren? Tie veränderten Lebensverhältnisse, die Thatsache, daß bei dem Emporschnellen der Lebensmittel- und der Wohnungspreise einem Beamten es überhaupt nicht mehr möglich war, seinem Stande entsprechend zu leben. Treffen hierbei diese Gründe nicht ebenso zu? Wenn man Hunderttausende für Bildungsanstalten usw. ausgiebt, deren Nutzen nicht vorzüglich dem engeren oder weiteren Vaterlande zu Gute kommt, sondern Leuten, mit denen unsere Wissenschaft später wieder in Konkurrenz treten soll, sollte man nicht zuvörderst im eigensten Interesse des Landes an die denken, die ihr Leben, ihre Kraft und ihre Gesundheit im Dienste des Vaterlandes geopfert haben? Die Volksschullehrervorlage ist durch die umsichtige Regsamkeit einiger Volksvertreter dein Geschick ihrer Schwestervorlage entgangen. Hoffen wir, daß noch nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesprochen ist, und möge der Betrag flüssig gemacht werden, um auch den früher pensionierten Beamten, Witwen und Waisen ein sorgloses Leben zu sickern. Daß natürlich bei aller Fürsorge es nicht allen recht gemacht werden kann, beweisen die Eingaben mancher Beamtengruppen, die durch die Besoldungsordnung seinerzeit falsch bewertet worden zu sein behaupten. Wenn damals bei eingehender gründlicher Behandlung für alle ein entsprechender Maßstab ge- ftmden wurde, so war es eine Schraube ohne Ende, wenn man jetzt gleich unter Durchbrechung der festgesetzten Ordnung mit Neuregelungen beginnen wollte. Unsere Regierung wird schon, roenn es nötig wird, wie sie es jetzt auch bei den Realschuldirektoren und den Oberlandesgerichts- Luft abzuhalten, sich aegen die Einwirkung des Wetters zu schützen, löst das antike Haus durch den Lichthof — um einen Hof gruppieren sich alle Räume der angenehme Stellung hat, ist nach den bestehenden Verhältnissen klar. Klagen und Beschwerden muß sie hören, aber abhelfen kann sie nicht. Auf jeden Fall wäre es aber besser, wenn sie berechtigten Wünschen ein geneigteres! Ohr schenkt, um auch lokalen Wünschen, für die die preußische Eisenbahnverwaltung bekanntermaßen sehr wenig übrig hat, zur Geltung zu verhelfen. Wenn diesem Wunsche nicht entsprochen werden sollte, wird über kurz oder lang ein erneutes Begehren an die Regierung kommen; sie hätte, wenn sie für den Antrag ihrerseits bei der Gemeinschaft ein getreten wäre, auf jeden Fall das Bewußtsein haben können, das ihrige im Interesse des Landes und seiner Bewohner gethan zu haben. Ein mannigfacher Stoff lag diesmal unseren Volksvertretern zur Beschlußfassung vor. Unsere Abgeordneten sind in die Heimat gezogen, um ihren alltäglichen Beschäftigungen nachzugehen. Dort mögen sie zur neuen Arbeit im Herbst neue Kraft sammeln, und getrost rufen wir ihnen zu: „Glückauf zur Herbsttagung!" röten gemacht hat, bei Erkennung eines Fehlers mit ent- spreckenden Vorschlägen kommen. Daß es unsere Regierung bei der Einrichtung unserer Gewerbeinspektion in nichts fehlen läßt, ist bekannt. Sie war t>ie erste, die weibliche Beamten den Behörden beigab. Wenn sie sich deshalb dem Ulrichschen Wunsche verschließt, nicht akademisch gebildete aus dem Arbeiterstande entstammende Personen den Gewerbeinspeltionen zuuzteilen, so darf ihr daraus noch kein Vorwurf gemacht werden. Auch so haben es die Beamten unserer Inspektionen verstanden, sich das Vertrauen ihrer Untergebenen zu erwerben, und darauf dürfen sie stolz sein. Wenn dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, sämtliche Betriebe möchten in jedem Jahr revidiert, so kann man diesem Begehren nur beipslichten. Diese W- teilung unserer Regierung liegt in bewährten Händen und wird sich nach und nach noch weiter vervollkommnen. Aus dem Ressort des Justizministers muß gedacht werden des Antrags auf Neuerrichtung des Amtsgerichts Lampertheim und vor allem des Antrags der Abgg. Ulrich und Genossen die Entschädigung unschuldig Verhafteter betreffend. Wenn auch Justizminister Dr. Dittmar in beredten Worten die Gründe darlegte, weshalb die Regierung nicht in der Lage sei, diesem Antrag zuzustimmen, so war doch keiner im Hause, der nach den Ausführungen des Mg. Dr. Gutfleisch, der warm für den Antrag eintrat, gegen diesen Antrag stimmte. Starke juristische Bedenken wurden ins Feld geführt, jedoch das menschliche Empfinden siegte. Ob durch die Annahme in dieser Form prakttsch etwas erreicht wird, muß noch be- Meifelt werden. Wenn ja auch das teuerste Gut des Menschen, die persönliche Freiheit, in der weitestgehenden Weise geschützt werden muß, so wird sich doch, wenn dieser Antrag Gesetz werden sollte, der die Haft verfügende Richter es sich noch 25 mal überlegen, ob er die Haft verhängen wird oder nicht, wenn er sich sagen muß, daß bei einem eventuellen Fehlgriff der Staat regreßpflichtig werden würde. Ob nicht hierdurch in krimineller Hinsicht schwierige Verhältnisse entstehen, können, muß noch einer reiflichen Ueberlegung überlassen bleiben. Für die Stiftskirche in Wimpfen wurde von der Kammer der namhafte Betrag von 150 000 Mark bewilligt. Tie Bewilligung gerade in dieser Zeit, in der unsere Finanzen wahrlich nicht sehr grün zu nennen sind, bedeutet, daß die Regierung und die Volksvertretung davon überzeugt sind, daß unsere bedeutenden Denkmäler im Lande erhalten werden müssen. Tie letzte Sitzung dieser Session war gerade so, wie die der vorigen dem Eisenbahnwesen gewidmet. Während damals vielen Gemeinden durch Annahme der großen Nebenbahnvorlage ein erwünschtes und langersehntes Ostergeschenk bereitet wurde, war es diesmal nur ein kleiner Kreis von Interessenten, die durch die Beschlüsse der Kammer berührt wurden. Es handelte sich einmal um die Nebenbahn Undenheim—Armsheim und dann um die stark bestrittene Haltestelle bei Dienheim in Rheinhessen. Stark war die Opposition von feiten der Regierung und selbst nach vielen sachgemäßen und ortskundigen Darlegungen war sie nicht ins Wanken und zum Nachgeben zu bringen. Daß in Fragen der Eisenbahngemeinschaft unsere Regierung dem Hause gegenüber eine schwierige und un- S GietzeilerAnzeiger W General-Anzeiger " WM»«»!« k» Ipättftenl V 47 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Seb.Frl.(WaH20I,>^ auSehMuzuverI,z.Z!.^ Dame a. Stütze u.Gechch^U kbr aesch. u. im Sodien stoa, XM u MD02181 an oiejFL—- ^editaktien ' 4' Jani ZLS ■ :K S-L.-::» S&fi*: :!5i wkbiu ' ' ’ • 1 fest. ’ - (U WM DlwMd-k v möglichst vorn Lande, ivtlchn Liebe |u Kindern hat, MV MereS Mstrch 20, U WH junges Mchen für leichte haü arbeit tagsüber sofort M W.beiFrauMMeriw^ 'M einfetzt, die sich um die fehlenden Kleidungsstücke irgend eines braven Negerstammes sorgt oder um die Lüftung der Eskimo-Wohnungen bangt, da ist der Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen bereits mit Erfolg zurückgelegt. Es mag seltsam klingen, aber es ist eine gesicherte Erfahrung, daß rüese Wirkung vor allem eintritt, wenn die weibliche Thätig- keit einen politischen Anstrich gewinnt. Wir begrüßten es mit besonderer Genugthuung, als aus unserer Stadt von Seiten edler Frauen an die weibliche Bevölkerung Ober- hessens der Ruf erklang zur Unterstützung der hilflosen Burenfrauen. Nun aber hat ein lveibliches Dreigestirn, die Damen Anita Augspurg, Minna Cauer und Lida Gustava Hehmann, ihre Stimmen erhoben, mitten in dem Lärm der Kriegsdrommete, sie haben an den Preußischen Kriegsminister unter frommer Berufung auf den Jahrestag der Haager Friedenskonferenz chren Abscheu gegen den Krieg an sich zum Ausdruck gebracht, der „in jeder Form als kulturwidrig, unmoralisch und menschenunwürdig verdammt werden Müsse" und sie haben, nachdem sie so den Bannstrahl geschleudert gegen die ganze Schöpfung, und gegen die ganze Geschichte, die den steten Kampf zum Prinzip jedes Fortschritts erhoben, mit tiefer Entrüstung auf eine „Begleiterscheinung der momentanen kriegerischen Bethätigung In China" gewiesen, eine Erscheinung, „deren sich nach übereinstimmenden Berichten der Presse aller Nationen beutfdje Krieger sowohl, wie die aller anderen Kontingente schuldig gemacht haben". Sie meinen „die sexuelle Mißhandlung wehrloser Chinesinnen". Und es ist in der That fürchterlich zu lesens was das Herz der drei Rächerinnen bedrückt. Ten chinesischen Frauen, so versichern sie, stehe das, was man sie gelehrt habe, als ihre Ehre zu betrachten, so hoch wie jedem deutschen Soldaten das, was er für seine Ehre hält. „Und wenn", so liest man weiter mit schauderndem Entsetzen, „die von europäischen Gewaltthätern bedrohten, wehrlosen Frauen, die sich ihren Verfolgern ihrer verkrüppelten Füße halber nicht einmal durch die Flucht entziehen konnten, sich zu Dutzenden in ihren Brunnen ertränkten, wie gemeldet wird, oder sonstwie durch freiwilligen Tod ihre Ehre zu retten suchten, — bei Tung- tschau allein sollen 573 Chinesinnen der Gier der europäischen Soldaten zum Opfer gefallen sein, — so stellt diese Thatsache die Brutalität und Ehrlosigkeit der schuldigen Männer in einem Grade fest, welchen mit entsprechenden Worten zu charakterisieren, wir uns an dieser Stelle Versagern müssen." Man könne an diesen Ereignissen gar nicht zweifeln, denn sie seien, „von den Berichterstattern der zuverlässigen Presse aller Länder mit zu großer Ueber- einstimmung gemeldet worden." Und so folgt denn die empörte Frage an den armen Herrn v. Goßler: „Was ist von selten der deutschen Armeeverwaltung geschehen, um festzustellen, ob deutsche Soldaten und welche? an solchen Unthaten beteiligt sind, in deren Verdacht, bis nicht die speziellen Schuldigen nachgewiesen sind, die Truppen aller Kontingente und sämtliche Angehörigen derselben stehen?" Auch die Antwort fehlt nicht, Lida Gustava Hehmann, Anita Augspurg und Minna Cauer erteilen sie mit Bereitwilligkeit und Blutgier: „Sollen nicht diejenigen deutschen Frauen, welche in Bezug auf unsere öffentlichen Angelegenheiten über der Sphäre der Gedanken- und Kritiklosigkeit stehen, in jedem heimkehrenden Chinakrieger einen Teilnehmer an derartigen Schändlichkeiten argwöhnen und sollen sie nicht voraussetzen müssen, daß dem deutschen Volkskörper von seinen leitenden Instanzen die bedingungslose Re- assimilation von Elementen zugemutet wird, die auf Grund ihrer Thaten hier zu Lande mit Zuchthausstrafe zu belegen sein würden, so ist es dringend nötig, daß unsere Militärjustiz sich mit den angeführten Berichten beschäftigt, um auf Grund genauester Nachforschung entweder das tief erschütterte Zutrauen weiter Bevölkerungskreise zu der Haltung unserer Truppen wiederherstellen zu können, oder die etwa begangenen Verbrechen durch strenge Ahndung zu sühnen." Es gehört nicU zu den Eigentümlichkeiten des weiblichen Charakters, eine besondere Vorliebe für die Kritik zu haben. Sie glauben gern und lassen sich leicht bethören. Sonst wäre wohl auch manches anders. Und auch die drei, die so redegewaltig für das Recht jener Frauen eintreten, denen es wegen ihrer verkrüppelten Füße unmöglich war, vor den 573 Blaubärten wegzulaufen, haben willig geglaubt, was irgend ein renomistischer Hunnenbrief oder der Bericht eines phantasiebegabten Reporters an Schauerlichem gemeldet hat, um die Nerven blasser Europäer aufzuregen. Unsere Generale und Obersten in China vermögen die Disziplin nicht aufrecht zu erhalten«, sie haben auch nicht die Kraft und die Energie, Verfehlungen zur Strafe zu ziehen, nein, dazu braucht es der Hilfe der Anita, der Minna und der Lida Gustava, dazu braucht es eines Aufrufs an alle, denen so üble Elemente „nicht reassimiliert werden sollen". Freilich, das Schicksal all der weißen Frauen, die in die Hände der Chinesen fielen und deren Geschichte zu grauenvoll ist, um sie auch nur anzudeuten, interessiert weder Minna, noch Anita, noch Lida Gustava. Wer die Chinesin, an der sich vielleicht ein Soldat einmal vergriff, erscheint ihnen als Märtyrerin, umgeben von der Gloriole tiefgekränkter edler Weiblichkeit, und der Gedanke an die verkrüppelten Füße, die nicht schnell genug zum rettenden Port führen, erfüllt die Seelen mit schneidendem Entsetzen. Uns aper und manchen anderen will es bedünken, daß es für Frauen, die den Drang fühlen nach öffentlicher Bethätigung, recht reiche und recht naheliegende Gebiete anderen Charakters giebt, und daß die Sorge um die mythischen 573 Opfer unerfreulicher Liebesglut zurückstehen sollte um die Sorge für die zahllosen deutschen Mädchen, die durch ein un- geregeltes und unbewachtes Familienleben auf die Straße getrieben und dem.Verderben preisgegeben werden. Hier Ue?' iü RhoduS gegeben, hier mögen Lida Gustava und chre Freundmnen ihre Kraft und ihren guten Willen be- weisen. Jede Seele, die sie vor dem Schlamm des Lebens retten, soll ihnen hoch angerechnet werden. Wenn sie aber Juqji Luftbilder fich sorgen, so gewinnt man allzu- (dfferfen "b nur der Wunsch, Aufsehen zu " Horen Bewunderung zu erwecken, der Wosse, Aurnöerg^sen rst. Nicht das Weiblich-Zarte tritt ——---------------nne Art „verkrüppelter Manns-Psyche"; /jT nm gegen den Satz zu VvIIVUK tn Versammlung schweigen Berent»! Schwurgericht Gießen, 4. Juni. lieber den Schluß der Verhandlung gegen den Dienstknecht Christian Dörr wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes, schweren Diebstahls rc. ist noch folgendes nach- zutragen: Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich hält die Anklage voll aufrecht und mildernde Umstände bezüglich des Diebstahls für ausgeschlossen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Engisch, plaidiert für mildernde Umstände. Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich tritt kurz den Ausführungen des Verteidigers entgegen. Der Obmann der Geschworenen, Schuhmacher Heß von Friedberg, erklärt nach längerer Beratung den Wahrspruch dahin, daß alle vier Hauptfragen bejaht, die Nebenfrage bezüglich der mildernden Umstände dagegen verneint worden seien. Der Oberstaatsanwalt beantragt alsdann hinsichtlich der Eisenbahntransportgefährdung eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren, bezüglich des Diebstahls eine solche von 1 Jahr, bezüglich des Hausfriedensbruchs 4 Monate und für die Sachbeschädigung 4 Monate Gefängnisstrafe, also eine Gesamtzuchthausstrafe von 7 Jahren, dem Angeklagten die Kosten aufzuerlegen, die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren abzuerkennen und die Stellung des Angeklagten unter Polizeiaufsicht aus- zusprechien. Ter Verteidiger beantragt, die Untersuchungshaft anzurechnen. Nach, kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende das gestern mitgeteilte Urteil. Aus Stadt und Land. «legen, 5. Juni 1901. LU. Lehrauftrag. Dem Universitätsmusikdirektor Gustav Otto Traut manu ist ein Lehrauftrag für Musikgeschichte erteilt worden. •* Universitätsbibliothek. Die durch die Ernennung des bis herigen Assistenten der Großh. Universitätsbibliothek Dr. R. Fritzsche zum KustoS freigewordene erste Assistentenstelle ist dem bisherigen zweiten Assistenten Lic. theol. B. Willkomm und die hierdurch freiwerdende Stelle des zweiten Assistenten dem bisherigen Volontär Psarr- und Lehramts- Kandidat Georg Koch übertragen worden. ** Perfoualuachrichten. Der Großherzog hat am I.Juni ;en Kulturinspektor bei der Kulturinspektion Friedberg, Bruno v. Böhmer in gleicher Diensteigenschaft an die Kulturinspektion Mainz versetzt; den Kulturingenicur Dr. Ed mund Fraissinet in Mainz zum Kulturinspektor der Kultur- inspektion Friedberg; den Provisorischen Hauptlehrer an »er Gewerbeschule in Michelstadt Ludwig Schalk zum Hauptehrer an dieser Schule ernannt. ** Die Leiche des in China ermordeten Hauptmanns Bartsch, Chef der 8. Kompagnie des 2. Ostasiarischen Infanterie- Regiments, trifft am 11. d. Mts., auf dem Reichspostdampfer „Irene", der am 27. April von Schanghai abgegangen ist, in Hamburg ein. Die Verwandten werden den Sarg in Empfang nehmen und nach der Heimat des Verblichenen, Striegau in Schlesien, überführen, wo die feierliche Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie stattfindet. *# Sommerfest. Das am letzten Sonntag auf der „Schönen Aussicht" abgehaltene Sommerfest des FechtVersandes Gießen-Lahr war in allen Teilen wohlgelungen. Ueber 2000 Eintrittskarten wurden ausgegebeu. Es herrschte eine sehr vergnügte Stimmung, und besonders die liebe Jugend fand an den Kinderspielen und den damit verbundenen Geschenken großen Gefallen. Der erzielte Überschuß soll Ür hiesige Arme verwendet werden. ** Pakete nach Ostasien. Endlich wird bekannt gegeben, daß sich wiederum Gelegenheit bietet, auf den von der Heeresverwaltung gecharterten Dampfern den Angehörigen der Marine in Ostasien und der Ostasiatischssn Besatzungsbrigade Pakete zuzuführen, die das Gewicht von 2,5 Kilogramnr überschreiten und demnach« von der Beförderung durch die Feldpost ausgeschlossen sind. Die Pakete müssen bis spätestens zu folgendem Zeitpunkte see- tüchjtig verpackt, frachst- bezw. portofrei eintreffen: a) in Bremerhaven für den Dampfer „Neckar" am 12. Juni 1901, b) in Hamburg für den Dampfer „Silvia" am 12. Juni 1901, für den Dampfer „Pisa" am 22. Juni 1901, für den Dampfer „Tucuman" am 22. Juni 1901; später eintreffende Sendungen müssen den Aufgebern kostenpflichtig zurückgesandt werden. Pakete für den Dampfer unter a) sind an die Firma Matthias Rohde u. Jürgens in Bremerhaven und für die Dampfer unter b) an die Firma Matthias Rohde u. Co. in Hamburg zu adressieren. Die Sendungen müssen mit deutlicher Aufschrift nach folgendem Muster versehen werden: Spediteure Matthias Rohde u. Co. für Dampfer „Silvia" in Hamburg für Gefreiten Eduard Müller 1. Ostasiatischies Infanterie-Regiment 3. Kompagnie. Tie Postpaketadressen bezw. Frachtbriefe sind mit gleich>er Wresse und einer Angabe des Inhalts der Sendung auszustatten. Die Beförderung der Pakete von Bremerhaven bezw. Hamburg aus erfolgt gebührenfrei. (S£ dürfen gesandt werden: an jeden Offizier und oberen Beamten Pakete im Gesamtgewichte bis zu 50 Kilogramm, an jeden Unteroffizier, Gemeinen und Unterbeamten Pakete im Gesamtgewichte bis zu 30 Kilogramm. Vor Übersendung überflüssiger und dem Verderben leicht aüsgesetzter Gegenstände wird aus- >rücklich gewarnt. Eine Verantwortung für richtige Be- örderung der Pakete kann nicht übernommen werden, wenngleich von den Behörden im Interesse der Empfänger alles geschehen wird, um dieselben in den Besitz ihres Eigentums zu setzen. Ganz besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß das Armee-Oberkomando in Osd- asien und das Ostasiatische Expeditionskorps nach Bildung der Ostasiatischen Besatzungsbrigade nach Deutschland zurückgeführt werden; die Versendung von Paketen mit den vorbezeichneten Dampfern erscheint daher nur in dem Falle ratsam, wenn die Angehörigen rc. bestimmt wissen, daß die Empfänger zu der Besatzungsbrigade in Ostasien übertreten, da sie sich andernfalls beim Eintreffen oer Sendungen am Bestimmungsorte bereits auf der Heimreise befinden können und eine kostenfieie Rücksendung der Pakete m.cht erfolgen bezw. zugesichert werden kann. -7- Garbeuteich, 4. Juni. Heute wurde unser Dorf dem allgemeinen Fernsprechnetze angeschloffen. Der Sprechapparat ist im Hause des Polizeidieners Schöck aufgestellt. — Vorige Woche verunglückte der Landwirt Heinrich Briegel hier, ein schon ziemlich bejahrter Mann, beim Schleifen von Stammholz im Walde. Er erlitt einen doppelten Knöchelbruch. -ö- Dorf'Gill, 4. Juni. Gestern abend fuhr ein Eber- städter Einwohner int Trabe durch unseren Ort. Während der Fahrt verlor er ein Rad vom Wagen. Das Pferd wurde dadurch scheu und schleifte den Wagen bis vor den Ort. Dort wurde der Jnsaffe herauSgeschleudert, zum Glück ohne schwere Berletzurgen davon zu tragen. DaS Pferd raste noch weiter bis es zu Fall kam, wodurch es ausgehalteu werden konnte. § Butzbach, 5. Juni. Zum Ankauf von Remonten wurde gestern hier eine große Musterung abgehalten, zu der sehr viele stattliche Reit- und Arbeitspferde aus dem JnspektionS- bezirke vorgeführt waren. Die amtliche Beschau hatte daS erfreuliche Resultat, daß in unserer Gegend ein ganz aus» gezeichneter Pferdeschlag vorhanden ist. C. Bad-Nauheim, 4. Juni. Don maßgebender Seite wird uns geschrieben: Die Nachricht von einem angeblichen Versiegen einer alten Quelle rief große Aufregung hervor. Diese Nachricht war übertrieben und gab dem Eingeweihten weit weniger Grund zur Beunruhigung al« dem mit den Verhältniffen Unbekannten. Die Quellen können und werden nie versiegen, ebensowenig, wie etwa plötzlich ein großer Fluß wegbleiben wird. Die Sachverständigen wußten vorher, daß die Verrohrung der neuen Quelle und die schwierigen Ar» beiten und Bauten zeitweilige Störungen verursachen könnten und haben dieser Gefahr entgegengesehen; sie sind ihr durch sofortiges Eingreifen begegnet. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen und die alten wie die neue Quelle springen ruhig weiter. Im neuen BadehauS fließt die Quelle so günstig, daß die Abgabe von Sprudelbädern bedeutend erleichtert wird. An Wasser zum Baden kann eß niemals in Nauheim fehlen. -s- Bad Nauheim, 4. Juni. Während die Kur auf das Beste im Gange ist, führen die Kurgäste wieder lebhafte Klagen über die ganz unzureichenden Bahnhofs- oerhältnisse. Der Bahnhof wurde 1847—49 erbaut und eß ist ja zur Genüge bekannt, daß er so unpraktisch wie nur möglich angelegt ist. Wie damals vor 50 Jahren, wo Nau- jcim noch ein Dorf war, so ist auch jetzt nur eine schmale Ausgabestelle für Fahrkarten vorhanden, und an diese enge, Ügige und staubige Passage müssen sich alle Kurgäste, Land- eute und Arbeiter drängen und förmlich um die Fahrkarten ämpfen. Zudem ist auch beinahe alle Monate ein neuer Beamte am Schalter, der oft noch Nebenbeschäftigungen, wie Telegraphieren rc., verrichten muß. Hat man die Fahrkarte, o ist man aber noch lange nicht sicher, daß man auch beordert wird. Die meisten Züge, die ankommen, sind stark »esetzt. Die Bahnhofsanlage ist aber im allgemeine» so lein, daß nicht einmal Reservewagen aufgestellt werden önnen, die bei starkem Audrange, bezw. bei ankommende» chon stark besetzten Zügen anzuhängen wären. Au« Platz- nangel werden deshalb beinahe täglich Reisende, die Fahrkarten 1. Klasse gelöst haben, in Abteilungen 2. oder 3. Klaffe geschoben und umgekehrt, was für die in ihrer Gesundheit angegriffenen Kurgäste, die, um sich Platz und Ruhe zu ver- chaffen, Fahrkarten 1. Klasse gelöst haben, als unleidlich lezeichuet werden muß. Die Aufregung bei dem Hin- und Hergeschobenwerden ist für Herzleidende auch nicht angenehm. Die gedeckte Halle reicht nur auf eine Länge von etwa vier Wagen und bezieht sich nur auf daß Geleise, auf dem die Züge von Norde» ankommen. Die Personen, die von Süden anlangen, oder solche, die nach Norden abreifen, sind jeder Witterung außgesetzt. Bri Regenwetter ist daß für Kranke, )te getragen werden müssen, ein schlimmes Ding, Nauheim st nämlich ein Bad für Rheumatiker! Im Herbste soll für 80,000 Mk. am Bahnhöfe umgebaut werden, genügt der Umbau nicht, dann will man nach einigen Jahren — einen ganz neuen Bahnhof bauen! Hier fragt man sich: warum wird denn nicht gleich ein neuer Bahnhof gebaut? — Aehn- iche Mißstände herrschen auch auf der hiesigen Post. Auch dort sind die Räumlichkeiten klein und unpraktisch. In jeder Saison kommen andere Beamte hierher, die den Verkehr mit dem internationalen Publikum nicht gewöhnt find, und oft erst von diesem Publikum selbst über viele Dinge belehrt werde» müssen. — DaS hiesige Kurtheater, unter der Direktion des Herrn Karl v. Maixdorff, der im Winter das neuerbaute Stadttheater in Meran leitet, bietet gute Vorstellungen, aber leider ist der Besuch nicht erfreulich. Es ist ein großer Fehler, »aß fich daß Theater im Kurhaus befindet, daß Überhaupt kein besonderer Theaterbau besteht. Daß Kurtheater ist ein Saaltheater und der Saal dient auch noch zu anderen Zwecken. Die Kurgäste sind, der Natur ihres Leidens entsprechend, fast nur auf die Unterhaltungen in Nauheim selbst angewiesen, auch hat Nauheim keine allzu prächtige Umgebung. Wenn nun trotzdem die Kurgäste nicht sehr gern in daß Kurtheater gehen, so liegt daß daran, daß das Publikum Saaltheater Überhaupt nicht liebt. Daß Nauheimer Theater ist schon dreimal umgebaut worden, was mehrere hunderttausend Mark gekostet hat, für welche Summe man bald ein wirklicheß Theater hätte errichten können. Nun projektiert man doch, ein richtigeß Theater zu bauen. Nächste Woche beginnen im Kurtheater Operettenvorstellungen. Morgen wird daß neue BadehauS Nr. VII. in Betrieb genommen. Dort ist der neue Sprudel XIV eingeführt. Nidda, 3. Juni. Gestern hielt der Oberhessische Obstbauverein im Saale zum GambrinuS seine General« Versammlung ab. Den Vorsitz führte Geheimrat Dr. Braden zu Friedberg; von den verschiedenen Kreisämter» waren Vertreter erschienen. Der Verein zählt 4500 Mitglieder; Einnahme und Ausgabe balancieren mit 15 000Mk. Nachdem an Stelle des verstorbenen Hofgärtners Welle z» Affenheim der dortige Kammerrat Dern in den Ausschuß gewählt worden war, hielt Profeffor Dr. Frentzel zu Friedberg einen Vartrag über Vogelschutz, in dem er sich über Schade» und Nutzen der Vögel verbreitete. Er beklagte die Beseitigung von Hecken und Buschwerk durch die Feldbereinigung und riet von M 'bEE0 3843 =r.n=h, Eigene -ÄÄSSÄxa»»-. “d unter reellster Garantie^^0^611 Fahrräder Glocken, Latein®P^eu^t^® -rI®88en- Reparaturen gut. nmmrl5LO_^£®rAU8wahl Fritz Nowack 68 Seltersweg 68 68 Seltersweg 68 Geselligkeits-Verein Gleiberg. |5oolbadBad5alziiatt$«il[ Delikates Generalversammlaag Allerlei! 4. zu den billigsten Preisen empfiehlt 3736 Johann Seibel, Ludwigspiatz. 5. 6. 3845 Seltersweg. 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Dann wurde vor mutwilligen Verwundungen der Bäume beim Schnitt oder beim Besteigen mit Vogelscheuchen gewarnt, weil au diesen Wunden, oder in ungesunden Umwallungen der Wunden sich gern Schädlinge niederlasseu. Der Grundsatz wurde aufgestellt: Verhütung des Krebses ist besser als alle Versuche zum Heilen. Schließ, lich verteilte der Vorsitzende noch eine Anzahl Diplome an neu ausgebildete Baumwärter; auch waren einige aus dem Kreise Gießen (Steinbach, Bellersheim, Lumda). x Breungeshain, 3.Juni. Die Verbindungsstraße, sog. „Lauge Schneise-, zwischen der Staatsstraße Schotten —Gedern und der Kreisstraße Breungeshain—Sichenhausen wird jetzt im Bau vollendet. Zu Touren per Wagen von Gedern oder Schotten nach dem Oberwalde ist diese Straße sehr geeignet. Sie führt nur durch Wald. § Hartmauushaio, 4. Juni. Nächsten Samstag treffen Ministerialrat Braun, sowie mehrere Herren des Frankfurter StadtrateS zur Besichtigung der Wafferleitungsarbeiten bei Sichenhausen und im Oberwalde ein. §§ Gedern, 4. Juni. Der hiesige Schloffermeister Win- Heim ist im Besitze einer Ziege mit vier Hörnern. ]:[ Alsfeld, 4. Juni. Die Arbeiten an der neuen Turn. Halle sind so weit gediehen, daß die Einweihungsfeierlichkeiten am 3., 4. und 5. August ftattfinden sollen. An sämtliche Vereine des TurngaueS Heffen ergehen Einladungen. Die Turnerschaft Alsfelds blickt gehobenen Mutes, stolz- und dankerfüllt der Vollendung des Baues entgegen, in dessen weiten, gesunden Räumen sie künftig ihre Aufgabe erfüllen soll. § Grebenhain, 3. Juni. Gestern unternahmen einige hier am Bahnhofsgebäude beschäftigten FuldaerMaurer eine Spazierfahrt. Abends zurückgekommen tu bester Stimmung, verübten sie allerhand Unfug. Einer schoß aus seiner Wohnung mehrere Male mit einem Revolver. Ferner gerieten mehrere mit einem hiesigen Burschen wegen deffen Fahrrades in Streit. Ein anderer Mauer, Jakob Stock, aus Orb gebürtig, wurde heute morgen früh hier ver- haftet und durch die hiesige Gendarmerie nach Herbstein in das Gefängnis gebracht. Darmstadt, 3. Juni. Am Samstag waren 75 Jahre verfloffen, seitdem Exz. Generalleutnant ä la suite Mootz hier in den hessischen Militärdienst eingetreten ist (1. Juni 1826), gewiß ein seltenes Jubiläum. UebrigenS ist der alte Stallungen. Einweihung des „Buchner-Stübchens-. Ehrung verstorbener Vorstandsmitglieder. Einweihung der restaurierten Säle im Naffauerbau. Der Vorsitzende. Emil Horst, Giessen Cementwaren - und Kunststein-Fabrik Liebigstrasse 43/45 und An den Bahnhöfen. Baeehe Lieferung In gediegener Ausführung zu billigen Preisen. 192 griitf In« i« tritttif«. fhtiei, |d|f«l|!itfeüi. jriffti, in ass. Holzbearbeitungs-Fabrik und Import von Zimmer-Thür en Emil Funcke Coblenz — Frankfurt — Düsseldorf. 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Sie hat die Befürchtung ausgesprochen, daß die Aufstellung von MinimalZollsätzen für diejenigen Waren, für die Deutschland bei als Hauptabsatzgebiete für deutsche Industrie-Produkte in Betracht kommenden Ländern hervorragend Käufer ist, den Abschluß von für die Industrie brauchbaren Handelsverträgen un» möglich machen werde. Offenbach, das rund 20 000 industrielle Arbeiter beschäftige, schicke weit über die Hälfte seiner Produkte in das Ausland; das Nichtzustandekommen guter Handelsverträge werde deshalb von geradezu verheerender Wirkung für die industrielle Entwickelung Offenbachs fein. . „a* Wetzlar, 3. Juni. Die Präparandenschule ist heute eröffnet worden, mit 32 Schülern. Lehrer Richard ist mit der Leitung der Schule beauftragt, die einstweilen im Gebäude der landwirtschaftlichen Winterschule untergebracht ist. „ne Münchholzhausen, 3. Juni. Dem hiesigen Krieger, verein, der auf ein Bestehen von 26 Jahren zurückblickt, wurde die vou dem Kaiser gestiftete Fahnenschleife über, reicht. Zu der Feier waren auch einige benachbarte Kriegervereine erschienen. „z* Vetzberg, 3. Juni. Seit dem 1. Juni haben wir hier einen neuen Lehrer, Herr Albert aus Brauweiler an der Nahe. fc. Frankfurt a. M., 3. Juni. Gestern und vorgestern wurden aus dem Main zwei männliche Leichen, sowie diejenige eines dreijährigen Mädchen- geländet. Letztere war nur mit einem Hemd bekleidet und hat etwa 4 bis 5 Wochen im Waffer gelegen. Marburg, 4. Juni. Bereits in der letzten Nummer meldeten wir von dem Selbstmord eines Studenten der Marburger Universität. Die „Hess. Landesztg.- berichtet jetzt darüber folgendes: Am gestrigen Nachmittag durcheilte mit Windeseile die Stadt das schreckliche Gerücht, daß einer der beiden Söhne eines unserer trefflichsten und geschätztesten Mitbürger sich das Leben genommen habe. Die Thatsache ist ebenso wahr wie grausam. In der Blüte seiner Jugend- jahre stehend, im Alter von noch nicht 20 Jahren, hat der äußerst feinfühlige Student der Jurisprudenz Rud. Manger, Sohn des Pfarrers Manger in Marburg, mit klarem Kopfe Justiz an sich selbst geübt. Die Gründe zu der That werden vielen unverständlich fein. Dabei find sie so klar und ein- Wer baut! beräume nickt, Offerte und Prüfungszeugniffe der 3856 Hotel Weil und Badehaus s.« empfiehlt seine neu eingerichteten Zimmer. j Weil. li(l, * "[i,t eh« toi®*1' • Ih d« $jgg Ifttb °" I« -5ä «»title n,,! f IMt»» serer Gegend en tc bal tu ist. 9 c,tt 8W W, itiit’" wN«btt Seit, Äh“ "** i nnb V-tnot. 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Norden abrersen, find M guMttt ist W ffc in ^tarnte ®mä, M atiter! 3® 8* ‘ ft w ■“ ’S M rtlKiWtt »tri“ 6« «Ul' 6ol nenerbanl! der iDI® lorfteaungtn, ab« überhaupt^ it ihrer Lelvens Qngl * eine allzu , gern ' [rgafte «# Ä das iö d^ ß reiti <5000$ Der ver , p f nerrat »seßor^M tr K, seft^ ach für jeden, der geistig hochstehende Menschen je beobachtet und verstanden hat. MchtS geringeres als — Gott lat der junge Jurist gesucht. Innere Zweifel und Bängniffe ^drückendster Art haben seine geistige Spannkraft in letzter Zeit derartig aufgerieben, daß er dem gewaltigen Widerstand )eS eigenen Gewissens nicht mehr gewachsen war. DaS innere Zerwürfnis und die ihm furchtbare Erkenntnis, niemals mehr den Glauben an Gott zu gewinnen, den er Der* I oren, entzog ihm den einem geistig fein veranlagten Menschen unentbehrlichen inneren Halt. So kam er dazu, dieser qualvollen Lage, auS der für ihn ein (Entrinnen kaum abzuseheu war, ein Ende zu machen. ES ist ein Jammer, ein solches Menschenleben, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigte — mit 17 Jahren hatte der Verstorbene bereits das Abi- turienten-Examen gemacht — so urplötzlich für immer entrissen zu sehen. Nur die Zeit vermag solche Wunden zu heilen. In einem ausführlichen gemütstiefen Briefe hat der Entschlafene seine ganze seelische BediäogniS klargelegt. Viele verlieren in ihm einen treuen Freund und lieben Gesellschafter. Allen wird sein Andenken heilig sein. Denn ein unter solchen Umständen vollzogener Selbstmord läßt gern die That über den Beweggründen vergessen. Und diese waren ehrenvoll, sehr ehrenvoll. Kleine Mitteilungen aus Hessen nnb den Rachdar-aMe». Einen Selbstmordversuch mit seinem Dienfigcwehr machte Sonntagabend in der Kaserne der Musketier Vinzenz Müller von der 7. Kompagnie des Jnfanterie-Regiment« Nr. 168 in Offenbach, indem er daS geladene Gewehr mit dem Fuße abdrückte und sich in die Herzseite schoß. Er wurde schwer verletzt in das Krankenhaus verbracht. — Die Kirschenernte hat längs der Bergstraße begonnen. Auswärtige Händler sind bereits eingetroffen, um den Versandt zu besorgen. Die ersten Kirschen wurden mit 35 Mk. pro Zentner bezahlt. Das Erträgnis ist gut, doch nicht so reichlich wie voriges Jahr. — (Eine Ausstellung für Unfall-Verhütung, SanitätS- und Rettungsdienst findet in Frankfurt vom 5. bis 21. Oktober statt. Die elegante Welt, .S'f® der Haut- und Schönheitspflege, das beste und wirkungsvollste nimmt, wo es sich bietet, hat s. Z.die Patent-Myrrholin-Seife bei ihrem ersten Erscheinen sofort in Gebrauch genommen. Die Pat. Myrrholin-Seife wirb heute in diesen Kreffen als das Ideal einer hygienischen Tolletteseife zum täglichen Gebrauch hochgeschätzt. Die antiseptischen, konservierenden, neubildenden und hellenden Eigenschaften des Myrrholins, welche keiner anderen Tolletteseife innewohnen, befähigen die Pat. 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