Hflte» Section wä'-L 151» Jahrgang £1901 Gießener Anzeig er ”** geliebte General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren Sonntag den 6. Januar Äffe Anzeigcn-Vermlttlungsftellen des In- und AuS- ronbeS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf. ZSeznqsprei» vierteliährl. Mk. MO monatlich 75 PiH. mit Bringerlohn; durch die Abholesteäe» »ierteljährl. Mk. 1.9V monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2.— vierteljährl. ohne Bestellgeld. Erscheint täglich mit Ausnahme de» Montags. Die Gießener K^mikienb kälter Wecbtn dem Anzeiger iM Wechsel mit „Hrff. ämbroirt" u. „Blätter Htf Hess. Volkskunde" wvchtl. 4 mal beigelrgt. I* Üllt eich TLftahme von Anzeige« zu der nachmittags ftc beit folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vor». 10 «hr. Abbestellungen spätestens abends vorhev» Drittes Blatt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Vkebakttoa, Expedition und Druckerei: Schulftrahe Nr. 7. :str°tze 47. MW M \M S^tligg: d abends 8 Uhr. schs,ladkS »®5 ttt Wagen Kerliner Krief. (Plaudereien aus der Saiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Ptzlvestrrstimmung in Berlin. — Die Herren Gratulanten. — Der ersehnte 10 Pfennig-Tarif. — Wirkungen auf die Stadtbahn. — DaS neue Wahrzeichen Spree-Athens. Man kann nicht behaupten, daß die Knister- und Krachgeräusche der letzten Börsenwochen sich durch irgendwelche trübe Stimmungen zum Jahresschluß fühlbar gemacht hätten: Berlin war so fidel, tote es immer war mr diesem Zylinder-gefährlichen Tage! Möglich, daß hier und da einer still in seinem Kämmerlein gesessen und voll Ingrimm an die sauberen Herren Bankdirektoren gewicht hat, die die Jahreswende anstatt in den Marmor- Wänden einer schönen Billa hinter den Backstein-Mauern fee» bekannten Moabiter Staatspalastes verbringen. Das der Berliner war indessen flott auf den Beinen und Keß seiner angeborenen Neigung zum Ulk und Radau fröh- Kch die Zügel schießen. Die Lindenkafes waren der immensen Menschenfluten wegen polizeilich geschlossen und Ae Wirtschaften in der Nähe mußten um 12 Uhr den Aderrschlüssel drehen, in allen übrigen Lokalen aber, vom Wintergarten bis zur kleinsten Brettlbühne ic. wurde kräftig «feiert, gesungen, geredet, Punsch getrunken und in Pfannkuchen geschwelgt. Unter den Linden war um Mitternacht, da das klare Frostwetter wie dazu geschaffen schien, «rande Promenade der buntesten Gesellschaft der Welt. Und Dlange die Späße bei diesem Geisterstundenkorso in den Wxenzen des bloßen Lärmens blieben, ließ sich keine der respektierten Pickelhauben sehen. Erst wenn ein reichlich mit Flüssigkeiten gesättigter Festbrüder zur Llbwechselung vine Keine Rempelei beginnen oder sich eine Meute unternehmungslustiger Bassermänner auf einen lockend blinkenden und blitzenden funkelnagelneuen Zylinder stürzen wollte, ^schienen Plötzlich wie aus der Erde gestampft die Vertreter der heiligen Hermandad, um allen böswilligen Mörungen der Sylvesterfreude ein rasches Ende zu machen. #ttb fo ist es den lieben, blanken „Tintenproppen", „Angst- 'iSiiSÄ w- ®*"K Ein Dierteljahrhundert Reichsbauk. Von Dr. jur. Arthur Eichmann. Am 1. Januar 1901 waren es 25 Jahre, daß die nach dem Bankgesetz vom 14. März 1875 errichtete Reichsbank ins Leben getreten ist. Das Jubiläum dec Reichsbauk hat dadurch ein besonderes Interesse, daß die Wirksamkeit und Äntwickelung der Bank seit ihrem Bestehen auf das innigste mit dem staunenerregenden Aufschwünge unseres nationalen Wirtschaftslebens verknüpft ist. Gewiß wird man beute die übertriebenen Vorstellungen vergangener Jahrhunderte beilächeln, wonach man in den Zettel- oder Notenbanken ein Mittel für die Erwerbung fabelhafter nationaler Reichtümer sah, immerhin bleibt es aber klar, daß eine wirtschaftliche Mtwickelung nicht aufsteigend fein kann, die der sicheren, oefahrverhütenden Grundlage eines geordneten Geldwesens entbehrt, und ein geistvoller italienischer Beurteiler sah wohl Gründe genug, wenn er unter den Vorzügen des Deutschen Reiches an erster Stelle dessen Bank pries. Um den Wendepunkt, der mit dem Inkrafttreten des Bankgesetzes und seiner neuen Schöpfung, der Reichsbank, in der deutschen Geldwirtschaft eintrat, genügend würdigen zu können, wird man sich der Zustände kurz vorher erinnern müssen. Zwar waren die bemitleidenswerten Verhältnisse, in oenen sieben deutsche Münzfüße um die Palme rangen, durch die deutsche Münzreform auf Grund der Goldwährung und der Münzeinheit von einer Mark überwunden. Doch waren auf dem Gebiete des Papiergeldwesens — Staatspapiergeld .und Banknoten — die Zustände heillos genug. Um Jahre 1873 waren nicht weniger als 140 Arten papierner Wertzeichen im Reichsgebiete in Umlauf — darunter die heißgeliebten, zerfetzten Thalerscheine. Die hierdurch hervor- «rufenen Schwierigkeiten in der Technik des Geldverkebrs waren noch das kleinste Uebel. Viel unheilvoller war 6er Umstand, daß sich unter den Geldpapieren Banknoten befanden, die, von kleinsten Instituten auf ungesunder Grundlage in großen Mengen ausgegeben, zur Ueberspekulation Lihrten und einen ständigen Herd wirtschaftlicher Gefahren bildeten. Das ehedem so zersplitterte Deutschland konnte «ruf allen Gebieten, mochten sie rechtlich, politisch ober wirtschaftlich heißen, mit imponierenden Zahlen auftreten. Auf Vorlieaendes bezogen sorgten damals außer den meisten Einzelstaaten noch 33 Notenbanken dafür, daß dem deutschen Volke das notwendige Papiergeld nicht vorenthalten wurde. Während es nun geschehen konnte, daß das Papiergeld der Einzelstaaten abgeschafft und durch die Ausgabe von Reichs- Gassenscheinen (zu 25, 20 und 5 Mark) abgelöst wurde, war eine gleiche einheitliche Regelung auf dem Gebiete des Bank- «otenwesens freilich nicht möglich, dem standen die wohlerworbenen Rechte seiner 33 Notenbanken entgegen. Doch griff das Gesetz mit kraftvoller Hand reformierend ein, so weit eS konnte, und es erreichte, daß die größte Zahl der Notenbanken auf ihr Recht der Notenausgabe, das nicht mehr rentabel war, verzichtete. Bei anderen Banken ist dies Recht durch Zeitablauf erloschen, sodaß von den ursprünglich 33 heute noch 7 Privatnotenbanken neben der Reichsbank bestehen. In der Reichsbank selbst wurde eine Bank des Reiches geschaffen, die, mit umfassenden Vorrechten ausgestattet, bei rechter Leitung die Kraft besaß, eine alle anderen riesenhaft überragende Zentralnotenbank zu werden. Ihr wesentlicher wirtschaftlicher Unterschied von den Privatnoten- banken besteht außer der riesigen Größe vor allem dann, daß sie allein den Geldverkehr unabhängig und aus eigener Kraft regelt, den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgend. In dieser Hinsicht dient die Reichsbauk den Privatnotenbanken selbst als Stütze, indem diese bei Bedarf auf sie zurückgreifen und bei ihr ihre Wechsel diskontieren. Sie selbst giebt ihre Jnlandswechsel unter keinen Umständen weiter, sie ist und bleibt für den deutschen Geldmarkt die unabhängige letzte Instanz. , . Die Reichsbank ist eine aus der ehemaligen Königlich Preußischen Bank hervorgegangene, unter Aufsicht und Leitung des Reiches stehende Bank, deren Geschäfte von Kaiserlichen Beamten geführt werden, dagegen gehört ihr Grundkapital — am 1. Januar 1901 betrug es 150 Millionen Mark — privaten Anteilseignern, und sie ist, obwohl Reichsbank-Behörde, vermögensrechtlich vom Reichsfiskus getrennt. Hierdurch wird eine gerade für sie als Bank so wesentliche Unabhängigkeit sowohl von politischen Einflüssen wie von privaten Sonderinteressen erzielt. Ferner haben ihre Betriebsfonds dadurch für den Fall eines Krieges den Charakter von Privateigentum. Für ihre Wirksamkeit sind nicht Rücksichten des Erwerbes, sondern volkswirtschaftliche Interessen maßgebend. In der rechten Würdigung der Vorbedingungen eines auf- steigenden Wirtschaftslebens ist ihr in 8 12 des Bankgesetzes an erster Stelle die Aufgabe zugewiesen, den Geldumlauf im gesamten Reichsgebiete zu regeln. Das heißt: dieReichs- bank hat vor allein dafür zu sorgen, daß den Bedürfnissen der Volkswirtschaft Geldmittel stets, überall und in genügender Menge zur Verfügung stehen. Die Bedingungen, unter denen sie zur Verfügung stehen, ergeben sich aus dem Bestände und den Verhältnissen der Geldmittel und aus der Art und Größe ihres Bedarfs. Das Interesse an der Sicherheit der Geldmittel hat dem an billigem Kredit durchaus voranzugehen, will die Bank der feste Rückhalt für die Entfaltung Der wirtschaftlichen Kräfte der Nation sein. Die Reichsbank hat ihre Aufgabe in der Regelung des Geldumlaufs geradezu meisterhaft gelöst, indem sie eine weitere Aufgabe, die Erleichterung der Zahlungsausgleichungen, in den Dienst der ersteren stellte. Um innerhalb der ihr vom Gesetze gezogenen Schranken ihre Mission erst erfüllen zu können, mußte fie auf eine möglichst große Ausdehnungsfähigkeit des Umlaufs der Noten Bedacht nehmen, und dazu gehörten Baarfonds. röhren", „Ohm Krüger-Helmen" und wie die schwarzen Schornsteine sonst noch benamst werden, diesmal ganz erträglich gegangen, zum Teil viel, viel besser, als den illuminierten Schädeln unter ihnen, die am Neujahrsmorgen den glückwünschenden Herren Vertretern der Gesellschaften für Müllabfuhr, Kaminreinigung, Straßen-Be- lenchtung, nächtliche Sicherheit und Hausthüröffnung, sowie dem vielgeplagten Briefträger und der unermüdlichen und immer pünktlichen Zeitungsfrau mit sehr blöden und übernächtigen Augen entgegenftierten und gar nicht so aussahen, als ob sie noch besonders große Freude an ihrer Existenz in Diesem „Jammer"-Thal hätten. Ein unverkennbar vergnügteres Antlitz zeigen un neuen Jahre die Kondukteure der Straßenbahnen. Ist doch endlich mit dem Beginn des Januar der so heiß ersehnte Zehnpfennig-Tarif auf allen Strecken zur Einführung gelangt, was nicht nur als eine besondere Erleichterung für den Fahrschein-Verkauf und die Kontrolle erscheint, sondern auch manchen Extranickel in ihre Kasse fließen läßt. Denn mancher grollende Berliner, der bisher für seine Tour 20 Pfennig blechen mußte und sich jetzt für die Hälfte befördert sieht, opfert dem knapp gestellten, aber reichlich beschäftigten „Straßenbahner" dafür die Hälfte der Ersparnis. Wer will ihnen da das Schmunzeln verdenken? Lange genug hat sich übrigens die wegen ihrer Zähigkeit berüchtigte „Große Berliner" nötigen lassen, diese der Weltstadt würdige Tarif-Veränderung endlich vorzunehmen; sogar die Omnibus-Gesellschaften, die zum Teil längere Strecken z. B. von Bahnhof Großgörschenstraße bis Frankfurter Allee oder vom Rathaus in Schöneberg bis zur Brunnenstraße (Berlin N.) in der Dauer von beinah einer Stunde fahren, sind ihr darin vorangegangen und berechnen für die ganze Strecke nur noch einen ganzen, für Teilstrecken sogar nur einen halben Nickel. Zweifellos werden diese Verbilligungen für die Stadtbahn alsbald fühlbar werden. Etliche Vorortzüge sind wegen mangelnder Benützung schon von der Verwaltung gestrichen; wenn der Eisenbahnminister, der bekanntlich für Herabsetzungen nicht schwärmt, so fortfährt, neue Stationen auf der Ringbahn einzuschieben, ohne dabei von der Einrichtung der Füns-StationenbilletE für 10 Ps. abzugehen und dadurch Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetz«. Fernsprecher Nr. 51. das Publikum für feinen Groschen immer schlechter bedient, so wird die Wirkung nicht ausbleiben. Der Berliner befördert allein fahrende Frauen oder Mädchen sowieso schon lieber in der Straßenbahn, weil die ganz und gar mangelnde Aufsicht in den Stadtbahnwagen schon verschiedentlich Exzesse und Attentate bedenklicher Art gezeitigt hat, während man bei der Straßenbahn im Kondukteur doch eine direkte Adresse besitzt, an die man sich in Notfällen wenden kann. Freilich, dickfellig genug sind diese dem Großstadtverkehr oft nicht gewachsenen guten Leutchen auch meist, und ich habe es oft genug beobachtet, daß )te Fremden gegenüber nicht in der Lage waren, ihnen Auskunft über eine Straße zu geben, die sich ganz m der Nahe ihrer Linie befand, von falschen Erklärungen über Platze oder Gebäude ic. ganz zu schweigen. D^ Gesell^aft hat jetzt eine neue Gattung von Beamten geschaffen, Revisoren in Zivil, die weder von Fahrer noch Schaffner gekannt sind und ihre Thätigkeit, die sich auch auf das Verhalten bet Beamten gegen das Publikum zu kontrollieren, als Zun gesetzt hat, ohne jedes Aufsehen ausüben; vielleicht toirfl auf diesem Wege manch Heinern Uebelstande abgeholfen-! Berlins neuestes Verkehrsmittel, die elektrische Hochbahn, wird wahrscheinlich noch im Laufe dieses Jahre» dem Verkehr übergeben werden können. Schon ragt der gewaltige Schornstein, der höchste Berlins, wie ein gigantischer Zeigefinger aus dem Häusergewirr der Weltstadt gen Himmel empor und bildet ein neues Wahrzeichen be» alten Berlins, der Tunnel am Potsbamer Bahnhof geht mehr und mehr seiner Vollenbung entgegen, bas Hau» in der Bülowstraße, burch bas bie Bahn ihren Weg nehme» wird, ist durchschlitzt, bie Potsdamerstraße ist überbrückt, bie netten kleinen Bahnhöfe finb zum Teil fertig: es totrV nicht lange mehr währen, und bie Geschichte gebt uw. Ohne Zweifel wird auch diese Bahn brillante Geschäfte machen. Wer gesehen hat, wie sich zuweilen fünfzehn bw zwanzig Leute auf einen schon beinah vollen Straßenbahnwagen stürzen und bis auf zwei, drei Glückliche zurückg wiesen werden, ohne bxi dem nächsten und übernächste» mehr Glück zu haben, der wird mir ohne weiteres zustiminen- Diese zckg sie durch alle Mittel einer verfeinerten Bautechnik an sich. Den Weg sand sie in der großartigen Ausgestaltunx; bes Giroverkehrs unb seiner Ausbehnung auf ihr gewaltiges Filialennetz, mit bem sie ganz Deutschlanb bebeckt. Durch bieses Verfahren werben täglich Hunberte von Millionen im Reiche statt burch Barübertragungen durch Zu- unb Abschreiben in ben Büchern ber Bank umgesetzt, die gewaltigsten Posten toanbern von Buch zu Buch im ganzen Lanbe, überall unb jederzeit mittelst weißer Checks in Bargeld realisierbar, ein Zahlungsausgleich durch „Buchgeld", wie er idealer kaum gedacht werden kann. Eine ausgedehnte Ersparung an Bargeld für den Verkehr erzielt die Bank noch dadurch, datz sie nicht nur für bare Einzahlungen, sondern auch für Wechseldiskontierungen und gewährte Lombarddarlehne Gutschrift erteilt und sie so in Buchgeld umwandelt, desgleichen durch die Angliederung eines vollendeten Abrechnungsverkehrs auf 10 Hauptplätzen an den Giroverkehr. An letzterem nehmen seit den letzten Jahren auch bie Postämter unb bie preußischen, sowie viele anbere Staatskassen teil. Die Umsätze im Giroverkehr finb von 16,7 Milliarben Mark im Jahre 1876 auf 131,5 Milliarben in 1899 gestiegen. Die Vorzüge des insbesondere von dem jetzigen Bankpräsidenten Dr. Koch mit Vorliebe behandelten Verfahrens und seine segensreichen Wirkungen im einzelnen zu behandeln, würde hier zu weit führen. Jedenfalls ermöglicht der Giroverkehr der Bank die Haltung eines hohen Barvorrats und etne große Elastizität in der Notenausgabe. Letztere betrug im Durchschnitt des Jahres 1899 täglich 1,14 Milliarden Mark, und die Reichsbank konnte in der Ausgabe von Noten, soweit ihnen nicht Bargeld, sondern ihr erstklassiges Wechselportefeuille als Deckung diente, Spannungen von über einer halben Milliarde Mark jährlich erleben, ohne auch nur im entferntesten an die gesetzlich gestattete Bardritteldeckung heranzukommen. Der den Noten zur Deckung dienende, im Den Tresors ber sämtlichen Bankanstalten ruhende Metallgelbvorrat (einschließlich Barrengolb) betrug im Durchschnitt bes Jahres 1899 täglich über 825 Millionen Mark, sodaß von ben umlaufenben Noten selbst in jenem schwierigen Jahre 72,30 durch Metall gedeckt waren. Die Reichsbauk Darf hiernach mit Recht als die sichere Grundlage für de« Aufbau der Kreditorganisation des ganzen Landes anbesehen werden, in dessen Wirtschaftsleben sie auch durch die ordnungsgemäße Regulierung der Zinssätze tief eingreift. Ganz besondere Aufgaben waren der Reichsbank auf währungspolitischem Gebiete gestellt, und sie hat auf diesem Gebiete anerkanntermaßen mehr geleistet, als man von ihr erwarten konnte. Bei Beginn ihrer Thätigkeit war die Goldwährung wohl auf dem Papier, nicht aber in Wirklichkeit durchgeführt. Die Reichsbank hat bie schwierigen Verhältnisse, bie namentlich zu Anfang ber achtziger Jahre unsere Goldwährung ernstlich in Frage stellten, durch eifrige, sich immer mehrende Goldankäufe überwunden, indem sie die tlcu’ine letzteren bis Ende 1899 auf die ansehnliche Höhe von über zweieinhalb Milliarden Mark brachte.. Die Prägung der Reichsgoldmünzen, die sich Ende 1899 im ganzen auf dreieinhalb Milliarden Mark belief, geschieht größtenteils für Rechnung der Reichsbank. Sie ist es demnach gewesen. Die den fortschreitenden Bedarf an Goldmünzen in der Hauptsache befriedigt und die vollständige Sättigung unserer internen Zirkulation mit Gold lca. 2 Milliarden Mark), in welcher Beziehung Deutschland neben England wie kein anderes Land der Welt dasteht, bewirkt hat. Im Interesse der Goldwährung ist ihr auch die Regulierung des Scheidemünzumlaufs übertragen. Was die Gewährung von Krediten durch die Reichsbank anbelangt, so darf sich diese, der Natur der stets fälligen Passiva (Noten und sonstige Verbindlichkeiten)' entsprechend, auf die Ueberlassung lediglich kurzfristiger Leihkapitalien erstrecken, die ein tägliches Rückströmen von Barmitteln gewährleistet. In welchem Umfange die Reichsbank der. Erfüllung von Kreditbedürfnissen gedient hat, ergiebt sich daraus, daß ihr Wechselportefeuille sich im Durchschnitt des Jahres 1876 auf etwa 403 Millionen, 1899 aber auf 817 Millionen Mark täglich stellte, während die Lombardanlage in denselben Jahren durchschnittlich 51 und 81 Millionen Mark betrug. An Wechseln wurden im Jahre 1899 von der Reichsbank im ganzen über 8,3 Milliarden Mark angekauft. Das ist die Wirksamkeit der Reichsbank in ihren größten Zügen, lvährend die übrigen Zweige ihrer Thätigkeit nicht von der gleichen grundlegenden Bedeutung sind und hier füglich übergangen werden können. Treten auch viele aus dem privaten Publikum mit ihr nicht in unmittelbare Berührung, so kommt doch der durch die Reichsbank geschaffene und erhaltene Zustand der Gesamtheit zu gute, die sich der Vorzüge eines durchaus geordneten Geldwesens erfreuen kann und vor wirtschaftlichen Schäden bewahrt ist, soweit sie in mangelhaftem Geldwesen ihre Ursache haben. Die Wirksamkeit der Reichsbank unter den bisherigen beiden Präsidenten des Reichsbankdirektoriums von Dechend und Dr. Koch hat seitens der berufensten Stellen des Jn- und Auslandes ihre glänzende Anerkennung gefunden. Hingewiesen sei hier nur auf das Urteil der sachverständigsten Körperschaft, des deutschen Handelstages. Er erklärte im Jahre 1898 einstimmig, daß die „gegenwärtige Organisation der Reichsbank sich trefflich bewährt hat" und sprach' ebenso einstimmig der Leitung der Reichsbank Dank inio Anerkennung aus für die vorzügliche Weise, in der sie die Geschäfte der Reichsbank geführt hat. Ungeachtet gewaltigen Wettbewerbs behauptet die jßlic&ensderfer ihren wohlbegründeten Ruf als einfachste, darum zuverlässigste, dabei dauerhafteste und handlichste tfcfireibmascfiine. Preis der No. 5: Mk. 160,—, der No. 7: Mk. 225,—. Ausführliche illustrierte Kataloge und Anerkennung> schreiben durch die Driih Vsche Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7. Bekanntmachung. In Gemäßheit des Beschlusses der Stadtverordneten- Versammlung vom 15. Juni 1879, wonach zur dauernden Erinnerung au die goldene Hochzeit des Deutschen Kaiserpaares, Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I. und Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta, von der Statt Gießen eine Stiftung zu Gunsten bedürftiger Ehepaare, welche hier ihr goldenes Ehejubiläum erleben, errichtet worden ist, fordern wir alle diejenigen, welche im laufenden Jahre ein solches Fest zu begehen haben und Anspruch auf Zuwendung der zu 150 Mk. bemeffrnen Stiftung erheben wollen, auf, stch bei uns zu melden. Gießen, den 2. Januar 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________Mecum. ___________ 307 Gascokes. Infolge Stadtverordneten-Beschlusses vom 8. ds. Mts. wurden die Preise unserer Gascokes mit Wirkung vom 10. Wovemver 1900 ab bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: ~ ~ Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes ...... . . . Nutz-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofruschachte paffend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gangbarste Sorte....... Größe Nr. S, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit..... Für Ausuhr au das HauS werden für l>en Ceutuer berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes auf die betr. Lager- plStze (Keller, Stall rc) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet im Allgemeinen nur ein Verkauf von über 5 Ceutuer Cokes statt; für Abgabe« unter bis eivschlietzlich 5 Ceutuer ist dagegen unter den uuteubezeichueteu Voraussetzungen bis auf weiteres auch ein Verkauf im Gaswerk eingerichtet. Im Uebrigen bleibt bei folgenden hiesigen Firmrn — io seit Vorrat verfügbar — der Kleinverkauf unserer Gascokes vou 1 bis 5 Ceutuer bestehen, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Löwengaffe 11 und Bahnhofstraße 33, Jakob Kahl, Frankfurterftraße 151, Ed. Kliukel, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Piftor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherftraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgaffe 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer GaS> cokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern. NB.: Zn den seitherigen, um 20 Pfg. pro Ceutuer billigeren Preisen, als den obigen, findet dis auf weiteres der Verkauf unserer GaSeokes in Quantitäten vou nicht unter eiueuk und nicht über 5 Ceutuer — wen» im Gaswerk abgeholt — uur au solche hiesige Familien statt, welche ein nachweisliches Einkommen vou unter 1500 Mk. haben. Diejenigen Familien, welche von dieser Vergünstigung Gebrauch machen wollen, haben dem Gaswerksbureau eine von Großh. Bürgermeisterei Gieße« einmalig au-zustelle-de Be fcheintgung vorzuz.igen, welche daselbst durch Vorlegen des letzten Steurrzetiels brr direkten Steuern zu erwirken ist. Ein Weiterverkauf der zu diesem Vorzugspreis bezogenen Gascokes ist untersagt. Bis aus weiteres werden unsere CokeS sowohl vom Gaswerk, wie vou obigen Verkäufern, nach auswärts nicht mehr abgegeben. Gießen, den 9. November 1900. 326 Städtische» Gas- und Wafferwerk Gießen. __________________Otto Bergen.______ WMrbeiWuIk... ftl.fanbtnanu Gießen, Südanlage 7. Wiederbeginn de« Unterrichts in allen weiblichen Handarbeiten, sowie Kuuftarbeiteu 289 Montag den 7. Januar 1901. Für Auswärtige ganze oder thellweise Penfion im Hause. 1,40 Mk. 1,45 Mk. 5 Pfennig Ortskrankenkaste Gießen. Vom 1. Januar 1901 ab können die Mitglieder unserer Kaffe nebst deren Familienangehörigen folgende Aerzte zu Rate ziehen: 1. für Gießen: a) Herrn Dr Zintzer, Westanlage 35. Sprechstunden: vormittags von 8 bis 9 Uhr, nachmittags von 2 bis 3 Uhr. Sonntags nur von 8 bis 9 Uhr vormittags. b) Herrn Dr. Ploch, Asterweg 9. Sprechstunden rote Herr Dr. Zrnßer. c) Herrn Dr. Hanau, Nordanlage 21. Sprechstunden: vormittags von 9 bis 10 Uhr, nachmittags von 2 bis 3 Uhr. Sonntags nur von 8 bis 9 Uhr.vormittag». 2. für Wtefeck: Herrn Dr. Schaaf in Wiefeck. 3. für Watzenborn-Steinbe g, Hausen, Klein-Linden, Dutenhofen und Münchholzhausen: Herrn Dr. Kipper in Gießen. Sprechstunden wie seither. 4. für Großen-Linden, Mendorf a. Lahn, Leihgestern, Hörnsheim, Hoch.lheim, Lütz llinden, Dornholzhausen: a) Herrn Dr. Kipper in Gießen, b) H rrn Dr. Platz in Großen-Linden. 5. für Annerod die Herren Dr. Geuguagel und Dr. Böckler in Großen-Buseck. In ollen übrigen Bezirken bleibt die Behandlung durch dieselben Herren Aerzte, wie seither, bestehen. Ja denjenigen Orten, ia welchen die Kasseu- mitglieder oder deren Angehörigen die Wahl zwischen zwei oder mehreren Aerzten haben, darf während einer Krankheit der Arzt nicht gewechselt werden. Der Vorstand der Hrtskrankenkaffe Kietze». 94 Dahmer, Vorsitzender. Hoch die deutsche Einigkeit! Im Schutzverband deutscher Seifenfabrikanten hat diese Idee darin ihren Ausdruck gefunden, dass dessen Mitglieder eine Seife unter dem Namen vollkommen gleichmässig, in vorzüglichster Qualität und von unerreichter Waschkraft herstellen und zu W LS Pfennig das Packet in den Verkehr bringen. In jedem besseren Detailgeschäft käuflich. 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