Nr. 234 Zweites Blatt. 151. Jahrgang Samstag 5. Oktober 1901 Mittelpunkte dieser Erörterungen dürste die Haltung beider I Regierungen gegenüber der Balkanpolitik Rußlands stehen. Es werden ohne Zweifel Fragen der Balkanpolitik sein, über die Kaiser Franz, Joses mit dem in Wien eingetroffenen König von Rumänien zu verhandeln gedenkt. Oesterreich-Ungarns auswärtiger Minister, Graf Go- luchowski, hatte bereits am Mittwoch mit dem rumänischen Gesandten in Wien eine längere Unterredung. Im Deutsches Reich. Berlin, 3. Okt. Der Kaiser horte im Jagdschloß Rominten vorgestern abend den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts und gestern nachmittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Die Dispositionen des Kaisers haben eine Aenderung erfahren. Der Monarch hat heute rwch nicht Rominten verlassen, sondern sein dortiger Aufenthalt wird sich! vermutlich bis Sonntag ausdehnen. In Hubcrtusstock wird der Kaiser am Vdontag erwartet. in Der Kronprinz iH in Bad Krenth zum Besuche deZ Herzogs Karl Theodor eingetroffen. —’ Tas Befinden des Grasen Waldersee hat sich in den lebten Wochen wesentlich günstiger gestaltet. Ter Generalsclomarschall gedenkt, Ende nächster Woche von Schloß 1 Lautersbach nach Hannover überzufiedeln. messt Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Eichener Famliien- biStter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den .Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Reda'twn, Expedition und Druckerei: Gchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechcmschluß Nr. 51. Politische Tagesschau. Em China-Erinnenlngsfest. Unter dem Vorsitz des Grafen Waldersee findet am 17. Oktober im Hotel „Kaiserhof" zu Berlin, wie uns heute aus Berlin gemeldet wird, eine Vereinigung der Offiziere. '.Sanitätsoffiziere und der Beamten des Heeres Oesterreichs-Ungarn und Rumänien haben hier gemeinsame Interessen, sie sind gleichermaßen durch das Vordringen des russischen Einflusses in den Balkanstaaten in Mitleidenschaft gezogen. Es ist bekanntlich im Sinne einer Niederlage der Wiener Diplomatie ausgelegt worden, daß die russisch^-pomslavistische Agitation sich in Rumänien breit macht, daß eine russische Kriegsflottille in den Häfen der unteren Donau „demonstrieren" durste, obgleich das Petersburger Balkau-Uebereinkommen von 1897 die Einflußsphäre Oesterreichs-Ungarns und Rußlands genau abgrenzt, lieber das Memorandum, das Gras Goluchowski bezüglich dieser Vorgänge nach Petersburg gerichtet haben soll, schwieg sich die Wiener offiziöse Presse bisher aus, was in Bukarest nicht gerade angenehm berührte, vielmehr den Wunsch nach einer Rücksprache mit dem österreichischen Minister des Auswärtigen angeregt haben mag. Teutschf- land steht der Entwickelung dieser Frage nicht ohne Anteilnahme gegenüber, weil der König von Rumänien mit Recht sür einen entschiedenen Anhänger des Dreibunds gilt. Die Vermutung übrigens, daß Rußland politische Verwicklungen mit Rumänien herbeizusühren trachte, dürfte schon deswegen unbegründet fein, weil vor kurzem erst der Großfürst Alexander Michailowitsch dem rumänischen Hofe einen Besuch ab stattete. Und noch weniger zutreffend erscheint die Annahme, bei der Monarchenbegegnung in Wien werde König Karol den Herrscher Oesterreich-Ungarns für den Abschluß eines österreichiscbf-rumänisch^griechischen Sonder- bündnisses zu interessieren suchen. Das hieße oie politische Bedeutung Griechenlands überschätzen. Die Regenten Rumäniens und Griechenlands haben sich allerdings unlängst in Abbazia freundschaftlich begrüßt. Doch politisch,e Abmachungen sind dabei schwerlich getroffen worden. Es ist auch beim besten Willen nicht zu ersehen, welche Vorteile ein Bündnis mit Griechenlavo den beiden anderen Staaten bringen könnte. Bom Burenkriege. Man meldet aus London: In militärischen Kreisen wird die Lage in Südafrika im Lichte von Kitcheners letzten offiziellen Depeschen äußerst pessimistisch aufgefaßt. Man hebt hervor, daß die Buren bei allen gemeldeten Gefechten die Angreifer waren und daß die Gefechte stets mit dem Rückzugder Engländer endeten, so wahrscheinlich auch bei Moedwill, wofür die großen Verluste der Engländer und der Umstand, daß sie ihre Verwundeten nach Ruftenburg schaffen mußten, sprechen. Man findet die Lage sehr ähnlich derjenigen beim Ausbruch des Krieges. Herr Kitchener stellt freilich den Ueber- fall von Moedwill ganz anders dar. Er meldet: Oberst Kekewich berichtet folgende Einzelheiten über den Angriff der Buren auf sein Lager. Vor Tagesanbruch war eine Patrouille von Aeomanry-Leuten ausgesandt worden, die den vorrückenden Feind traf; sie gab ein WarnungszeichM, jedoch zu spät, um zu verhindern, daß die Abteilung überrumpelt wurde. Dadurch vermochten die Buren sich einer Stellung zu bemächtigen, die ihnen in günstiger Schußweite eine günstige Deckung bot. Von dort überraschten sie das Lager mit einem heftigen Feuer, während zugleich Flankenangriffe von beiden Seiten erfolgten. Tie ganze Abteilung Kekewichs hielt sich unter schwierigen Umständen sehr tapfer. Der Angriff mürbe nach mehr als zweistündigem Kampf abgeschlagen. Tie Buren verbrauchten gewaltige Mengen Munition und müssen schwere Verluste erlitten haben. Die Mannschaften Fetherstonhaughs sind jetzt mit denen Kekelvichs in Fühlung. Dieselben nehmen die Verfolgung des Feindes auf." Die etwa 40 Verwundeten, über die noch bestimmte Nachricht gefehlt hat, werden heute nadji Ruftenburg gesandt. Nach Telegrammen aus Durban werden an der Grenze von Nord-Tatal und Zululand eiligst britische Truppen konzentriert. Unter den per Hahn nach der Front abgehenden Regimentern befinden sich Oberst Bethunes berittene Brigade, die dritten und siebenten Dragoner, das vierte Bataillon der Jmperial-2-eomanry, mehrere Bat- terieen reitender Artillerie und eipe Pompom-Sektion. Aus diesen Vorbereitungen schließt man, daß die Behörden durch Bothas Operationen total überrascht wurden und sie mit großer Besorgnis betrachten. Die Zensur unterdrückt den wahren Sachverhalt. Der unter der Anklage der Spionage und des Hoch Verrats vor Gericht gestellte frühere dritte Staatsanwalt der Südafrikanischen Republik Broeksma, der Vermittler zwischen den im Felde stehenden Buren und Dr. Leyds und Dr. tfrau)'e gewesen ist, ist der genannten Verbrechen für schuldig befunden und, wie wir bereits melden mußten, Montag früh erschoss en worden. Ob Broeksma der ihm vor geworfenen Verbrech,en wirklich schuldig war, entzieht sich vorerst der Beurteilung — das haben die Richter, die den Todesspruch über ihn verhängt haben, mit ihrem Gewissen abzumachen. Die Anklage gegen Dr. Krause kommt am nächsten Montag wieder zur Verhandlung. und der Flotte statt, die am Chinazuge teilgenommen haben. Der Generalguartiermeisher des deutschen China-Expedi- tionsLorps, Generalmajor Frhr. b. Gayl, erläßt soeben die Einladungen dazu. Der Gedanke, die Erinnerung an diesen ersten deutschen Feldzug über See auf diese Weise dauernd wachzuhalten — die Offiziere usw. werden sich alljährlich am 17. Okt. in Berlin versammeln —, ist in China selbst angeregt worden. Auch die Offiziere des französischen Chinakorps wollen zu gleichem Zweck an einem bestimmten Tage im Jahre sich vereinigen, und es ist vorauszusehen, daß die in China geschlossene „Waffengemeinschaft" zwischen Deutschen und Franzosen zu einem Telegrammwechsel bei den Erinnerungsiesten führen wird. Stammte doch auch eine der erftjen Begrüßungsdepeschen, die an den kürzlich von China heimgekehrten General Boyron bei der Ankunft in Frankreich gelangten, vom Grafen Waldersee. Tie Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich fahren dabei sicherlich nicht sch-lecht — eine Wirkung der China- Wirren, die allseitigen Beifalls gewiß sein kann. Nicht darüber hinaus! Tie Oesfentlichieit ist bisher im Unklaren darüber gelassen worden, wie sich das Zentrum zu den künftigen Getreidezöllen stellt, und auch der „Katholikentag" hat eine präzise Antwort auf die Frage „Wie hoch?" nicht gegeben. Das bayerische Zentrum möchte aber gern von der Regierung wissen) wie diese das schwierige Zolltarif- Problem zu behandeln gedenkt. Aus der Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Graf Crailsheim in der Kammer der Abgeordneten zur Interpellation des Zentrums, betreffend die Stellung der bayerischen Regierung zum Zolltarif (vgl. Deutsches Reich) ist der Satz hervorzuheben, daß die bayerische Regierung für die Getreidezölle des Tarifentlyurfs eintreten wirb. Also nicht für die von den Vertretern der Landwirtschaft geforderte weitere Erhöhung der Getreidezölle. Man hatte in agrarischen Kreisen stille Hoffnungen darauf gesetzt, daß die eine oder andere Bundesregierung die neuen Kornzölle als unzureichend betrachten und sich für einen höheren Satz verwenden werde. Nach den Erklärungen des Grasen Crailsheim muß solche Hoffnung als zerronnen gelten. Selbst eine gewiß agrarfreundliche Negierung wie die bayerische hält den „namhaft erhöhten Zollschutz für landwirtschaftliche Erzeugnisse", wie ihn der Zolltarifentwurf vorschlägt, für das Maximum. Der .Entschluß- nicht darüber hinauszugehen, prägt sich im folgenden deutlich aus: Tie Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle finde ihre Grenze in der Rücksichtnahme auf die Gesamtheit der Konsumenten wie auf die Möglichkeit des Abschlusses langfristiger Handelsverträge. Es ist sehr anerkennenswert, daß bei dieser Gelegenheit, zumal von autoritativer Stelle, nachdrüÄich von der Rücksichtnahme auf die Konsumenten gesprochen wird! Von der großen Masse der Verbraucher ist in amtlichen Kundgebungen zum Zolltarif bisher herzlich wenig die Rede gewesen. Die Regierung wird f e st bleiben in Bezug auf die vorgeschlagenen Getreidezölle; diese Sicherheit kann aus der Erklärung des Grafen Crailsheim entnommen werden. Unter diesen Umständen dürfte auch die Reichs- tagsmehrheit nicht über die Getreidezollsätze das Tarifs hinausgehen. Dagegen scheint sich das Zentrum, speziell der bayerische Teil desselben, stark für eine Erhöhung der Hopfen-und Gerstenzölle engagieren zu wollen. Hier erscheint eine Konzession seitens der Regierung nicht ganz ausgeschlossen, beim sowohl Graf Crailsheim wie der bayerische Finanzminister Frhr. v. Riedel „warnten" nur vor einer „allzugroßen" Erhöhung jener Zölle. Tie Bierbrauereien haben allen Anlaß, auf dem Posten zu bleiben; ebenso wird dem Publikum die Möglichkeit einer Bierverteuerung kaum gleichgiltig sein. Fürst Herbert Bismarck hat sich in diesen Tagen mit seiner Gemahlin in Berlin und Frankfurt aufgehalten. Er steht im Begriff, sich nach, Baden-Baden zu begeben. Die großen Berliner Blätter und ebenso die „Frtf. Ztg." nehmen von dem Kommen und Gehen des Sohnes des Altreichskanzlers mit einer Zeile Notiz, das ist alles. Nirgends wird mehr geglaubt, daß Fürst Herbert nochmals eine Rolle in der Regierung spielen werde oder für einen Botschafterposten in Frage komme. Fürst Herberg selbst scheint mit dem Gedanken daran völlig abgeschlossen zu haben und nur noch nach dem Lorbeer des Parlamentariers zu streben. In dieser Eibenschaft aber dürfte er in der kommenden Reichstagssession von sich reden machen, denn es ist die Auffassung konservativer und agrarischer Kreise, daß gerade Fürst Herbert vorzüglich geeignet sei, als Vertreter der „Bis- marck'schen Traditionen in der Zollpolitik^ die Führung zu übernehmen. Graf Bülow und Fürst Herbert stehen nicht eben auf gutem Fuße. Das trat nach der Rede Bülows zur Einweihung des Berliner Bismarck^Denkmals in Erscheinung, eine Rede, die kurz darauf von Bismarck Sohn, keineswegs in anerkennendem Sinne öffentlich glossiert wurde. Fürst Herbert, obschon wildkonservativ, wird im Kampf um die Zölle vielleicht eine ähnliche Aufgabe haben, wie Graf Limburg-Styrum als Führer der Kanal-Opposition und Regierungsopposition. König Karol in Wien. Kess. Kauptverein des evangel. Wundes. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") Sd. Wörrstadt (Rheinhessen), 2. Okt. Der Hessische Hauptverein des Evangelischen Bundes hielt gestern und heute hier seine 6. Landesversammlung ab. — Am Dienstagabend fand die vorbereitende Vorstandsund Abgeordneten-Sitzung, am Mittwoch früh die Sitzung des Hilfsausschusses für die evangelische Bewegung in Oesterreich statt. Am Mittwochvormittag wurde Festgottesdienst abgehalten, bei dem Pfarrer Rückert-Darmstadt die Predigt über das Ev. Lukas K. 19 V. 26 hielt. Den Altardienst versah Pfarrer ReinbachWörrftadt. Hieran schloß sich um hall) 12 Uhr die Hauptversammlung unter Vorsitz des Lic. Waitz-Darmstadt. Lic. Waitz: Mit Freude sei die stetige Zunahme des Bundes und die Neugründung eines Zweigvereins in Worms, sowie der Beitritt einer Anzahl weiterer Vereine zu begrüßen, wenn auch ein hessischer Kreisrat den Evang. Bund als einen politischen Verein bezeichnet habe (v. Hahn-Oppenheim). Tie Osnabrücker Katholiken-Versammlung fordere zu einem neuen Kulturkampf heraus. Nan-Lns des Badischen Hauptvereins brachte Pfarrer Daublcin-Hohensachsen Grüße des Bruderbundes.' Er mahnt zum encen Zusammenschluß im Kampf gegen die katholische Kirche, oie keinerlei Sck)onung verdiene; man müsse auch immer mehr auf Schaffung eines echten deutschen, evangelischen höchsten Fürstenthrones hinarbeiten, da der jetzige Purparmantel anscheinend zu oft in Marialaacher Weihrauch getauchr werde, um ihn vor Mottenfraß zu schützen. Er hoffe durch gemeinsame Arbeit die großen Ziele zu er- r eichen. Der Jahresbericht giebt Aufschluß Über den günstigen Stand und die Verhandlungen des deutschen Hauptvereins, insbesondere der hessischen Zweigvereinö, deren es jetzt 33 giebt und zwar 14 in Starkenburg, 9 in Oberhessen, 10 in Rheinhessen; 3 neue Vereine sind hinzugekommen. 'Die Mitgliederzahl beträgt- jetzt 6224 1700 mehr wie im Vor- zahre. Die allgemeine Thätigre^ war sehr lebhaft, besonders in der evangelischen Gemeindepflege, durch Festspiele, in der Diaeonie und Presse. — Bedauerlich fei eine Anzahl von in katholischen Blättern geschehener Angriffe. Bedauerlich sei auch hie Lässigkeit einiger Zweigvereine. Dem Verein Mombach werden weitere 15o Mk. zur Unterstützung der Gemeindepflege zugesagt. Oberkonsistorialsekretär Sonne regte an, daß man mehr wie seither kirchliche Bücher den Volksvücherhallen zusühre und erkennt im allgemeinen die Unterstützung der hessischen Presse- an. — Kaufmann Rummel erstattete den Kassenbericht, der einen Ueberschuß . n 2082.04 Mk. oder 480.50 Mk. mehr wie im Vorjahre aus- weist Dem Rechner wird besonderer Dank und Entlastung für seine Mühewaltung. Hierauf hält Dekan GroschKaftel einen Vortrag über römische Wiedertaufen in Hessen. Er führt üier Fälle in Hessen an, in denen die Wicdertause, teils mit, teils ohne die Billigung der Behörde vollzogen worden sei. Folgende Resolution wird einstimmig angenommen: „Tie Hauptversammlung nimmt davon Kenntnis, daß in der neueren Zeit bei üebertritten Evangelischer zum katholischen Glauben die Taufe wiederholt wird. — Die Hauptversammlung sieht in diesem Verfahren, das im Widerspruch mit der uralten Tradition und den kanonischen Vorschriften der römischen Kirche steht, eine Wertlosertlürung der Evangelischen Taufe, eine absicht- liche Herabsetzung der evangelischen Kirche, die Lösung eines Bandes, welches seither noch die Kirchen verknüpft und ein weiteres Glied in der Kette von Störungen des konfessionellen Friedens. Wir müssen dies aus religiösen und vaterländischen Gesichtspunkten aufs Tiefste beklagen." Dem Mittagessen folgte die öffentliche Festversammlung. Die Begrüßungsrede hielt Pfarrer Reinhardt. Pfr. Dr. Weitbrecht-Wimpfeu verbreitete sich über „Römische Toleranz", indem er erklärte, daß dieser Titel ein Druckfehler sei, denn es gäbe keine römische Toleranz. Redner führt u. a. besonders aus Oesterreich viele Beispiele an, in der Behörden zu Schmähungen der evang. Kirche ihre Unterstützung leihen; so habe ein Schmähartikel in einem katholischen Blatt in Wien gegen die Evang. Kirche ohne Anstand die Presse passiert, während kurz darauf derselbe Artikel, in dem man nur das Wort katholisch ftatt evangelisch gesetzt habe, einem Redakteur in Linz eine empfindliche'Strafe eingetragen habe und das Blatt sei konfisziert worden. Hieran schlossen sich Ansprachen des Pfarrer Loos in Gr. Umstadt über die evangelische Bewegung in Böhmen und des Pfarrers Wolf in Rumpenheim über die evangelische Bewegung in Steiermark und es wurde auf Vorschlag des Hofpredigers Ehrhard-Darmstadt folgende Resolution angenommen: „Die evangelische Bewegung in Oesterreich, welche durch ihren religiösen Ernst immer größere Erfolge erzielt, verdient die volle Liebe der reichsdeutschen Glaubensgenossen. Es ist dringend zu wünschen, daß die zahlreichen Bittgesuche der neu sich bildenden Gemeinden und Geistlichen um Beihilfen zum Bau von Gotteshäusern befriedigt werden. Tie Landesversammlung des evangelischen Bundes richtet daher an alle Evangelischen des Laydes das dringende Ersuchen, den hessischen Hilfsausschüß für die Bewegung noch thatkräftiger als seither zu unterstützen." W @ Annahme von Anzeigen GichenerAnztiger General-Anzeiger ” Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen MZZ _____________________________________________' __________________________ VJ zeigenteil: Hans Beck. F5 Der ReiNskanzl^r begab sich heute mtt dem Wirkt. Legationsrat Rücker-Jerrisch! für einige Tage von Flott- beck nach Preetz, Ende der Woche gedenkt der Reichskanzler nach Berlin zurückzukehren. Tier Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung dem zuständigen Ausschuß beiti Antrag Bayerns wegen Einführung des GYmnasinlrerfez eugnisses als. Vorbedingung der tierärztlichen Studiums, r-, Der „Reichsanz." veröffentlicht heute eine China- Verlustliste Nr. 19. Nach derselben sind auf der Heimreise an &rb der „Batavia" an der Ruhr zwei Mann ge- stprben, cun Typhus fünf Mann. An Bord der „Neckar" ist auf der Heimreise ein Mann am Typhus gestorben, im Hospital' zu Aden drei Mann, im französischen Hospital zu Suez zwei Mann am Typhussiebeö, im Barackenlazarett zu Bremerhaven zwei Mann am Typhus, ein Mann an der iRuhr, an Bord der „Silvia" ist ein Mann an Lungenentzündung gestorben, im englischen Hospital zu Colomba ein Mann an Zknochenvereiterung am Becken; ferner ist noch ein Krankenwärter gn Blinddarmentzündung und Typhus geshorben. — Wie die „Germania" berichtet, werden von der Obqrpostdirektion in Posen schön seit mehreren Jahren junge Männer, wenn sie katholisch sind, auf ihre Gesuche um Aufnahme als Beamte oder Unterbeamte, einer bestehenden Anordnung entsprechend, sämtlich ohne weiteres abschlägig beschieden. (?) Karlsruhe, 4. Okt. In einer von 4000 Wählern aller Parteien besuchten Versammlung sprach Reichstagsabg. Korsch mit Schärfe gegen die Sozialdemokratie und erklärt, "das Karlsruyer Kompromiß der Freisinnigen mit den Nationalliberalen sei lediglich! lokaler Natur. Im Reichstag kämpften die Freisinnigen Schulter an Schulter mit den Demokraten. Der Kompromiß richte sich lediglich gegen die Sozialdemokratie. Der sozialdemokratische Kandidat Katzenstein wendet sich gegen Bassermänn', der sich siebenmal vor dem Zentrum verbeugt habe, um es zu gewinnen, und gegen Kopsch, der in Knüppelmanier gegen die Sozialdemokratie gesprochen habe. 'Die Rede findet lebhaften Widerspruch und Mrmischen Beifall. Unter lautem Protest wendet sich Kvpsch gegen die gegen die Freisinnigen gerichteten'Angriffe, wird aber durch lauten Lärm unterbrochen und muß abbrechen. Der Vorsitzende schließt die Versammlung ohne den demokratischen Redner, der sich schon zu Beginn der Versammlung gemeldet, zu Worte kommen zu lassen. Unter großer .Erregung geht die Versammlung auseinander. München,' 3. Okt. Kämm er der Abgeo rdneten. Heim begründet dieJnterpellationdesZentrums über die Stellung der bayerischen Staatsregierung zum Zolltarif. Miuisterpräsidet 'Graf Crailsheim erwidert, die bayerische Regierung sei stzets bestrebt, der Landwirtschaft in ihrer schwierigen Lage zu helfen; dazu gehöre auch, 'die Gewährung verstärkten Zollschutzes, Die Er- h öchu n g der landwirtschaftlichen Zölle finde jedoch ihre Grenze in der Rücksichtnähme auf die Gesamtheit der Konsumenten sowie auf die Möglichkeit des Abschlusses, . langfristiger Handelsverträge. Der neue Zolltarif-Entwurf sehe einen nahmhast erhöhten Zollschutz für landwirtschaftliche Erzeugnisse vor. Für solchen Zollschutz werde die bayerische Regierung eintreten. Der Minister legt sodann die Gründe dar, die gegen die Forderung eines gleichen Zollsatzes für alle Getreidearten sprechen. Redner betont, daß eine allzu große Erhöhung des Hopfenzolles eine gewisse Gefahr für den bayerischen tzopsen- export mit sich bringe, und warnt im Interesse der Bier- brauindustrie, speziell auch der kleinen Bierbrauer, vor einer übermäßigen Erhöhung des Gerstenzolles. Finanzminister Frhr. v, Ri ehel äußert sich in gleichem Sinne. In der Besprechung der Jnterpellafton fordern alle Redner des Zentrums und des, Bauernbundes höhereHopfen-und Gerstenzölle. Minister Frhr. v. Feilitzsch erklärt, daß die bayerische Regierung im Bundesrat beantragen werde, die bisherige Begünstigung für die Grenzbewohner bezüglich der Einfuhr von Zucht- und Nutzvieh fortbestsehen zu lassen oder mindestens eine fünfjährige Ueber- gangsfrist zu gewähren.______' ____________ Ausland. Londön, 3. Okt. Ein Telegramm von der Dscher- bä -Insel, an der kleinen Syrte, besagt: Ein von Da- merghu eingetrofsener Kurier berichtet über die in der Nähe jenes Platzes nach heftigem und blutigem Kampfe durch die Tu ar eg s erfolgte Wegnahme einer mit 1500 Lasten Elfenbein, Straußenfedern und Decken beladenen tripolitanischen Karawane, deren Wert auf 50000 Pfund Sterling geschätzt wird. 'Die französische Besatzung von Zinder schickte 200 Meharis zur Verfolgung der Räuber ab. Rochefort (Belgien), 3. Okt. Prinz Albert von Belgien war am Sonntag in Eoquettevrlle und dort Gegen- - and einer großen patriotischen Arbeiterkund- e b u n g. 18 000 Arbeiter aus allen Teilen der Provinz 'Jtamur machten einen Umzug durch die Stadt. Paris, 3. Okt. Admiral Lefevre hat gleichfalls sein ‘ Amt als Mitglied des Ordensrates der Ehrenlegion niedergelegt. — Davoust ist hauptsächlich wegen eines Zwistes mit dem Justizminister seines Amtes enthoben. Er soll im Briefe an Loubet sich über die Mitglieder der Regierung in nichtparlamentarischen Ausdrücken ausgelassen haben. Außerdem herrschen zwischen Davoust und dem Minister des Auswärtigen ebenfalls Meinungsverschiedenheiten. — Die im „Figaro" veröffentlichten „Gespräche mit Felix Faure" erschienen heute in Buchform. In der Einleitung kommt der anonyme Verfasser auch! auf den Tod des früheren Präsidenten der Republik zu sprechen. Er hebt hervor, daß ein Freund überzeugt ist, daß der Tod infolge Vergiftung durch Cyancali verursacht wurde. Dieses Gift konnte nur durch eine Zigarre eingenommen werden. Budapest; 3. Okt. Im Piuczehelyer Wahlbezirke griffen Anhänger, des Kaglaus l^ücs die Gendarmen an, verhöhnten sie und bewarfen sie mit Steinen. Tie Gendarmerie schaß; vier Tote und zahlreiche Verwundete blieben auf dem Platze. v New-Äjork, 3. Okt. Johann M o st wurde heute vom Gerichtshöfe freigesprochen, da ihm nicht nachgewiesen werden konnte, daß er in seinen Reden Aufteizungen begangen hat. Peking, 2. Okt. Telegpamme, die chinesische Beamte MA Smganfu erhalten haben, melden: Der Ho trrsft ferne Vorbereitungen, um am 6. Oktober oder so bald als möglich nach diesem Datum abzureisen. Der Palast von Smgansu wird niedergerissen werden. Mehrere tausend Pferde und Maulesel sind vom Lande ringsum .für den kchMicherr. Zug regurriext worden,. Die Beamten d'er Städte, die der Kaiser passieren wird, sorgen für Aus- tattung der Gebäude, welche dem Kaiser zeitweilig als Paläste dienen werden. Ein kaiserliches Edikt bestimmt, daß Li-Hung-Tschang als Gouverneur' von Tschili 700 000 Taels von den anderen Provinzen borgen soll für die Ausgaben des Hofes auf der Reise. — Bezüglich der zahlreichen Reformedikte, die kürzlich veröffentlicht worden sind, versicherte heute Prinz Tsching in einer Unterredung mit remden Beamten, die Kaiserin-Witwe und der Kaiser seien einig über die Notwendigkeit einer Aenderung des chinesischen Regierungssystems, es würde sofort nach der Rückehr oes Hofes zur Durchführung der bett. Reformedikte geschritten werden. Ohne Frage ist die Reformbewegung in China in den oberen Klassen stärker als je zuvor. Aus Stadt und Land. । Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 4. Oktober 1901. •* Schulhans-Neubau. In der Stadtoerordnetensitzung oom 3. Oktober führte Bürgermeister Mecum zur Begründung des Antrages betr. Beschaffung weiterer Raume für die Volksschule, sowie für die höhere und erweiterte Mädchenschule etwa folgendes aus: Die Stadtverordneten-Versammlung hat Ende März d. I. be- chlossen, für die neu zu erbauende Volksschule einen Platz in der Nähe der Wiesen st raße in Aussicht zu nehmen. Die darauf angestellten Bodenuntersuchungen haben ergeben, daß nach der Beschaffenheit des Baugrundes für ein so schweres Gebäude wie eine Schule größere Kosten für eine sichere Fundamentierung aufgewendet werden müßten. Auch steht das Grundwasser in dieser Gegend ziemlich hoch. Wenn ich auch keine Bedenken tragen würde, leichtere Gebäude, wie Wohngebäude oder Villen, dort zu errichten, so möchte ich doch nicht ein so schweres Gebäude wie eine Schule dorthin 'teilen, wenn es nicht unumgänglich notwendig ist. Dazu kommt der Umstand, daß das Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule zu klein ist und zur Zeit im Interesse des Unterrichts zwei Klassen geteilt werden müßten, wenn die entsprechenden Räume vorhanden wären. Herr Direktor Stoeriko hat deswegen vorgeschlagen, das Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule in der Richtung nach der Nordanlage zu verlängern. Dadurch würden in jedem Geschoß zwei Räume, im Ganzen also echs Räume, gewonnen werden, nämlich je ein größerer und ein kleinerer, weil bei der Verlängerung des Gebäudes auch ein zweites Treppenhaus angelegt werden müßte. Da auch die Sammlungsräume und die Aufenthaltsräume für die Lehrer und Lehrerinnen unzulänglich sind, würde ein Teil dieses Anbaues für Verbesserung dieser letzgenannten Räume erforderlich sein und bei der günstigen Einteilung würden durch diesen Anbau neue vier Klassenräume gewonnen. Von diesen vier Räumen würden zwei sofort besetzt sein, sodaß die Stadtverwaltung bei dem ständigen Zunehmen der Schülerzahl in einigen Jahren wieder vor der Notwendigkeit stehen würde, weitere Räume für die höhere und erweiterte Mädchenschule zu schaffen. Durch einen derartigen Anbau würde auch der Spielplatz, welcher schon jetzt infolge einer ungünstigen Form für den jetzigen Schülerbestand kaum ausreicht, zu klein werden, wovon sich die Herren wohl bei der Besichtigung am Dienstag überzeugt haben. Eine zweite Möglichkeit zur Abhilfe wäre die, daß das jetzige Gebäude der höheren Mädchenschule allein überwiesen und für die erweiterte Mädchenschule ein Neubau errichtet würde. Dies würde den Nachteil haben, daß für jede dieser beiden Schulen ein Zeichensaal, Turnhalle, Sammlungsraum und Aufenthaltsräume für die Lehrer, Konferenzzimmer usw. beschafft werden müßten, während diese bei der jetzigen Kombination der beiden Schulen gemeinschaftlich sind. Aber nicht nur die Anlagekosten, sondern auch die Betriebskosten würden bei einer solchen Teilung erheblich wachsen, indem zwei Direktoren und zwei Schuldiener erforderlich sein würden und auch die Verteilung des Lehrpersonals auf beide Schulen, wie jetzt, nicht mehr möglich wäre, indem jetzt dieselben Lehrer und Lehrerinnen Unterricht an beiden Schulen erteilen, was bei einer Teilung nur dann geschehen könne, wenn beide Schulen sehr nahe beisammen liegen. — Nach Erwerb des Plochschen Grund - stucks bin ich auf den Gedanken gekommen, ob es nicht möglich sein würde, das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule fürZwecke derVolksschule zu benutzen und für die höhere und erweiterte Mädchenschule einen Neubau zu errichten, welcher aus absehbare Zeit dem wachsenden Bedürfnis genügt. Die jetzige höhere und erweiterte Mädchenschule bietet mehr als ausreichenden Raum für eine 16klassige Volksschule, während das Plochsche Grundstück für einen Neubau für die höhere und erweiterte Mädchenschule vorzüglich! geeignet scheint. Die Oberlehrer der Volksschulen haben das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule für durchaus geeignet erachtet, und die Herren werden sich bei der Besichtigung am Dienstag ebenfalls hiervon überzeugt haben. Ich habe mit Herrn Direktor Stoeriko vorläufig ein Programm für diesen Neubau aufgestellt, wonach statt der jetzt vorhandenen 18 Klassen 29 Klassen in dem Neubau unterzubringen sind, außerdem manchen anderen Bedürfnissen Rechnung getragen werden kann, welche in dem jetzigen Gebäude wegen Mangels an Raum nicht beftiedigt werden können. Aus der ausliegenden Grundriß-Skizze werden die Herren ersehen, daß der Garten des Plvchschen Grundstücks sich für diesen Neubau vorzüglich eignet und auch, wenn dieser Neubau einmal dem Bedürfnis nicht mehr genügen sollte, eine Vergrößerung möglich ist Tie Beschaffenheit des Baugrundes in der Nähe des Schvor- grabens ist allerdings noch nicht genau bekannt, da der Grundstück erst am 1. Oktober in unseren Besitz übergegangen ist Ich gehe aber von der Annahme aus, daß der Baugrund in der Nähe des Schvorgrabeus nicht schlechter sein wird, als bei der Stadtknabenschule, da beide Gebäude gegen den Schoorgraben annähernd die gleiche Lage haben. Bei dem Neubau würde auch nut ein verhältnismäßig kleiner Teil des Gebäudes nahe an den Schoorgraben heranrücken, die beiden, den Hof.umschließenden Flügel jedenfalls au guten Baugrund gestellt werden können. Der Schulvorstand, das Kuratorium der höheren und erweiterten Mädchenschule und die SckMldeputation haben sich mit dem Plan eingehend befaßt, und die Schyldeputation empfiehlt Ihnen folgenden Beschluß: " „Man nimmt Kenntnis von den Mitteilungen des Herrn Bürgermeisters, wünscht jedoch, daß vor definitiver Antragstellung erst noch Ermittelungen üher die Beschaffenheit des Grund und' Bodens angestellt werden, ist' aber sonst int Prinzip damit einverstanden, daß für die höhere Und erweiterte Mädchenschule ein Neubau auf dem Plochschen Grundstück errichtet, die Stadtmädchenschule in das jetzige Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule verlegt und das jetzige Schulhaus der Stadtmädchenschute zum Bezirksschulhaus verwendet werde." Dieser Beschlußentwurf wurde nach kurzer Debatte ein* ftmmig genehmigt. ** Die Hessische Anwäliskammer hält die heurige Jahresversammlung am 5. Oktober in Mainz ab. Auf der Tagesordnung stehen außer dem üblichen Jahresund Rechnungsbericht die Frage des anwaltlichen Verkehrs mit dem verhafteten Angeschuldigten und die Frage der Akteneinsicht in Strafsachen,'zwei Punkte, bezüglich welcher )ie Rechte der Verteidigung in den letzten Jahren nicht immer genügend berücksichtigt worden sind. An die Beratungen, die um einhalb 12 Uhr im Justtzgebäude in Mainz beginnen, schließt sich ein gemeinsames Mittagessen an. ** Schulbesuch. Das Schulministerium in Darm- tabt bat artgearbnet, daß Kinder von bayerischen Staatsangehörigen, sobald sie in Hessen die Schule besuchen, acht Jahre darin zu verbleiben haben. Auch der Besuch >er Fortbildungsschule bleibt für drei Jahre obligatorisch Selbstverständlich findet diese Anordnung auf solche Zuziehende keine Anwendung, die in Bayern bereits mit dem 13. Jahre zur Entlassung gekommen sind. *• Werningsche Kriegsfestspiele. Die hiesigen Militärvereine veabsichtigen, wie wir bereits vor einiger Zeit mitteilten, in der Zeit vom 1.—10. November die überall mit großer Be- geistenlng aufgenommenen Werningschen Kriegsfestspiele in unserer Stadt zur Aufführung zu bringen. Diese Veranstaltungen bringen jene ereignisreiche, folgenschwere Zeitperiode, jenen Markstein in der Entwicklungsgeschichte des deutschen Volkes in plastischer Weise zur Darstellung, sie erfassen mit unwiderstehlicher Macht die Seele jedes Vaterlandsfreundes, eröffnen namentlich dem jüngeren Geschlechte Verständnis für die,großen Thaten von 1870/71 und stärken den Patriotismus : und nationalen Sinn. Der alte Krieger, der am Feldzuge ^genommen, und jeder andere, der den Verlauf des Krieges mit fieberhafter Spannung verfolgt hat, wird in fesselnder Weise in diese denkwürdige Zeit zurückgeführt, deren hauptsächlichste Momente in ihrer charakteristischen Schärfe festgehalten worden. Zur Darstellung bei diesen Kriegsfestspielen, deren Wirkung durch eine entsprechende Musik nicht unbedeutend gehoben wird, sind etwa 150 Herren, Damen und Kinder erforderlich, und die zu dieser großartigen Veranstaltung gewählten Ausschüsse haben bereits umfassende Vorbereitungen । getroffen. Den Damen und Herren, die bei den Festspielen mitwirken, sei mitgeteilt, daß nur zwei Proben den öffent- ichen Vorstellungen vorangehen. Auswendig ist nichts zu 1 ernen. Das ganze Festspiel besteht nur aus lebenden Bildern. Das Komitee beabsichtigt in nächster Zeit einen Aufruf ergehen zu lassen, und es werden alle Damen und Herren, die sich in den Dienst der guten Sache stellen und bei dem vaterländischen Festspiele mitwirken wollen, höflichst ersucht, ich zu melden. Die Werningschen Kriegsfestspiele erzielten in den letzten Monaten in Schlesien kolossale Erfolge. Ueberall wurde das Festspiel mit jubelndem Beifall ausgenommen. Der Andrang in den einzelnen Städten war so gewaltig, daß manchmal Hunderte abgewiesen wurden, die keinen Platz bekommen konnten. In Oels fanden 16 Vorstellungen statt, in Brieg 19, in Schweidnitz 18 Vorstellungen. Auch in Mainz, Darmstadt, Essen a. d. R., Hannover rc. rc. sind' große Erfolge erzielt worden. In allen Städten mußten die in Aussicht genommenen Spieltage infolge des großen Zudranges vermehrt werden. Die Werning'schen Kriegsfestspiele ind seit 7 Jahren in über 300 Städten Deutschlands aufgeführt worden, und cs wurde insgesamt ein Reingewinn von 260 000 Mk. erzielt. Dieser enorme Betrag ist ohne Abzug wohlthätigen und patriotischen Zwecken zugeführt worden. — In der gestern abend in dem Feidel'schen Restaurant „Bavaria" abgehaltenen Sitzung des Preßausschusses unter Vorsitz des Herrn Amtsrichters Wiener wurden mannigfache Beschlüsse gefaßt, in welcher Weise das Interesse von Schulen, auswärtigen Militärvereinen rc. angefacht werden könne, und mitgeteilt, daß dem Ehrenausschuß zur Veranstaltung der Spiele folgende Herren beigetreten sind: Provinzialdirektor Geheimrat v. Bechtold, Oberst v. Dewitz, Kommerzienrat Emmelius, Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, Kommerzienrat Koch, Landgerichtspräsident Kullmann, Kreisschulinspektor Professor Dr. Lucius, Bürgermeister Mecum, Bezirkskommandeur Major v. Mosch, Pfarrer Dr. Naumann, Realgymnasialdirektor Prof. Dr. Rausch, Gymnasialdirektor Prof. Dr. Schädel, Postdirektor Schäfer, Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt, Eisenbahndirektor Schobert und Direktor Dr. Störiko. — Wir werden über den weiteren Verlauf der Vorbereitungen zu dieser außerordentlichen und allseitig unterstützenswerten Veranstaltung unsere Leser regelmäßig unterrichten. •* Der Verband Gabeltberger Stenographen des Main- Rheingaues und von Hessen-Nassau hält bekanntlich am Sonntag den 6. Okt., vnrmittags 10 Uhr, in Steins Garten die Herbstvertreterversammlung ab, in der als wichtigster Punkt die Festlegung der Ordnung für das Wettschreiben und das Preis-Richtig- und Schönschreiben zur Beschlußfassung gelangen wird. Der Vertreterversammlung folgt die akademische Feier des 40. Stiftungsfestes des hiesigen Gabelsberger Steno- graphen-Vereins. (S. Anzeige.) *♦ Eine praktische Einrichtung, die geeignet, fordernd auf den Besuch unseres Stadt-Theaters emzuwrrken, hat die Firma' Markus Bauer hier, Kirchenplatz 11, getroffen. An Stelle der sonst üblichen Rabatt-und Gutscheine auf Waren aiebt die Firnra m diesem Winter zum erstenmale ihre Kundschaft bei jedem 2ia°r» Einkauf in Höhe von Mk. 20 ein Theater-Brllet 1. Parkett. Allch über kleinere Beträge erhalten die Käufer Bons, die zusammcngc- legt und gegen Theater-Billete umgetauscht werben können. •* Herr Köhler-Langsdorf. Die unerhörten Schmähungen, die der Bürgermeister Köhler-Langsdorf in dem von uns gestern wiedergegebenen charakteristischen Schreiben öffentlich auszusprechen sich nicht scheute — er hat ausdrücklich um dessen wörtlichen Abdruck uns zu bitten den Mut gehabt — haben- wie wir voraussahen, einen Sturm der Entrüstung in allen Schichten der Gesellschaft verursacht. Jetzt weiß unsere, wie Herr Köhlex meint, von anderer Seite „aufgehetzte" Leserschaft in Stadt und Land;, welche Anschauungen und Formen ihr Vertreter im Reichs- Uhr, 4 Tendenz: schwach. . 194.10 . 171.50 . 115.70 1 119.90 . 131.40 . 187.50 . 156.70 . 178.50 . 161.30 . 154,20 Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Gotthardbahn . . . Laurahütte . , . . Bochum . . . . . Harpener . . . . Hottesdrrnst der israelitischen Keligionsgestüschast. Samstag den 5. und Sonntag bert 6. Oktober 1901. Schlußfest und Gesetzesfreude. 1. Tag. Vorabend 580 Uhr, morgens 8 Uhr, nachmittags Uhr. tage und in der zweiten Kammer besitzt. Daß wir gerade aus diesem Grunde uns zum Abdruck des Köhlerschen Schreibens entschlossen, sei heute nochmals ausdrücklich betont. •• Vom städtischen Elektrizitätswerk. Wie wir vernehmen, hat der Betriebsleiter des Elektrizitätswerkes, Herr Muhler seine Stelle gekündigt. fc. Arbeitereutlasiungeu. Am 1. Oktober hat eine Anzahl Bahn Hofs arbeit er bei der preußisch-hessischen Eisen- bahngemeinschast chre Entlassung erhalten. fc. Laubach, 3. Sept. Graf Wilhelm zu Solms- Laubach, ein Bruder des hiesigen Standesherrn, Regierungs- Referendar und Rittmeister ä la suite der Armee, hat sich gestern in Wernigerode mit der Schwester des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode, der 1872 geborenen Prinzessin Marie, verlobt. (:) Krofdorf, L Okt. In sämtlichen Ortschaften der vereinigten Bürgermeistereien Atzbach-Launsbach wurde in diesen Tagen auf die ländlichen Fortblldungsschulen durch öffentliche Bekanntmachung aufmerksam gemacht. Leider dürste dieser Aufruf meist vergeblich fein, denn nur in ganz wenigen Ortschaften kommt eine Abendschule zu Stande. Für die aus der Schule entlassene Jugend üben die Spinnstuben eine größere Anziehungskraft. Schon wenn sich 10 junge Leute in einem Dorfe zum Besuch der ländlichen Abendschule melden, kommt diese zu Stande, doch findet sich selbst in größeren Orten nicht einmal diese Anzahl ein. E. Krofdorf, 3. Okt. Ueber die Ausgrabung der Leiche des Pfarrers Geibel sei noch folgendes mitgeteilt: die Hebung der Leiche war am Mittwoch abend bereits im Gange, als der von der Sache noch nicht unterrichtete Ge- ^meindevorsteher erschien und auf Grund des vom Ge- ,meinderat nach 8 Uhr gefaßten Beschlusses die Einstellung der Arbeit anordnete» Darauf schickte der Polizeidiener einen Friedhofsarbeiter zum Bürgermeister- von dem der Ar- beüer den Bescheid erhielt, daß nur er, (der Bürgermeister) zu bestimmen hätte, was geschehen solle. Der Bürgermeister erschien dann selbst auf dem Friedhof und ließ die Leiche nach der neuen Ruhestätte bringen. ** Kassel, 3. Okt. Der heute früh in dem Schnellzug 189 Ueberfallene war der holländische Großkaufmann Ludwig Schade von Westrum, der sich auf einer Geschästs- tour befand und bedeutende Baarmittel bei sich führte. Der Angreifer, der es äuf eine Beraubung Schade'S abgesehen hatte, ist der vor drei Monaten entlassene Stationsdiätar >Wtlh. Rathgeber aus Eschwege, 22 Jahre alt. Derselbe war zuletzt als Materialverwalter in Hamm i. W. angestellt, wo er auch angeblich den Schnellzug nach Kassel bestiegen hat. Die ärztliche Untersuchung des Verwundeten hat ergeben, daß die eine Kugel die rechte Kopfseite über die Schläfe, die andere die Hirnschale von rechts und die dritte den Hinterkopf getroffen hat. Da das Attentat jedoch mit einer Waffe von sehr kleinem Kaliber ausgeführt wurde, so ist, wenn kein Wundfieber hinzukommt, keine Gefahr für das Leben des Verwundeten vörhanden. *• Kleine Mitteilungen au- Hessen und dm Nachbarstaaten. Die Künstlerkolonie Darmstadt teilt mit, daß die stellung definitiv am 15. Oktober geschlossen wird. . 100.60 . 90.70 . 125.00 . 90.15 . 98.40 . 99.10 42.60 . 25.75 . 25.75 . 87.00 Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. 21., 5. Oktober. Vermischtes. * Rechtsanwalt und Mimiker. Aus dem nördlichen Schleswig wird der „T. R." geschrieben: „Eine recht absonderliche, wenn auch nach gewissen Vorgängen schließlich nicht mehr sehr verwunderliche Begleiterscheinung des G um- binner Mordprozesses ist in Hadersleben zu Tage gekommen. Dort kündigt nämlich in einem Variete-Theater ein mimischer Verwandlungskünstler namens Hoppkens sein Auftreten an. Er stellte dabei in Aussicht, auch Personen aus jenem Prozesse vorzuführen; auf privates Anraten hat er dann aber korrekterweise erklärt, davon Abstand nehmen zu wollen. Das Bemerkenswerteste aber ist der Umstand, daß der Rechts anwalt Horn in Insterburg ihm auf Wunsch dazu sein photographisches Porträt zur Verfügung gestellt hat! In einem Schaufenster sah man nämlich diese Photographie mit der Hinzufügung des Empfängers: „Leiter (?) des Mordprozesses in Gumbinnen". Um jeden Zweifel an der Herkunft des Bildes zu beseitigen, giebt das Blatt den genauen, teils handschriftlichen Text des ebenfalls gleich dem Original-Briefumschlagej mit ausgestellten Begleitschreibens, wie folgt wieder: Mitteilung an Herrn Harry Hoppkens, Fredericia. Insterburg, den 2. September 1901. Königsbergerstraße 11 1 Treppe. Asraelrtlsche Religionsgememde. Samstag den 5. und Sonntag den 6. Oktober 1901: 8. Tag. Laubhüttenfest: Ende. Vorabend 5" morgens 8“° Uhr Predigt, nachmittags 4 Uhr. 9. Tag. Vorabend 6" Uhr, morgens 830 Uhr, nachmittags 4 Uhr. FestesanSgaug 645 Uhr. NB, Während der Wintermonate beginnt der Morgeu- gottesdieust am Sabbath um 9 Uhr. Geehrter Herr! Anbei die gewünschte Photographie. Haar dunkelblond. Senden Sie mir, bitte, einiae Zeitungsausschnitte über Ihr Auftreten in dieser Rolle. Ich wurde Ihnen dafür sehr dankbar sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Horn. (Wir zweifeln mcht daran, daß Herr Rechtsanwalt Horn, der übrigens Verfasser eines vortrefflichen kulturhistorischen Buches über Altpreußen ist, dieser Angelegenheit persönlich völlig fernsteht und daß hier irgend eine Mystifikation vorliegt. Red. d. Gieß. Anz.) * Straßburg i. E> 3. Okt. In der Grenzstadt Rö- naivemont ist die Spinnerei Menzel gänzlich abgebrannt. Der Schaden beträgt über 1 Mill. Francs. * Grimsby, 3. Okt. Das Verdikt des Leichenschau- gerichts hinsichtlich der bei dem Untergang der „Eobra" ums Leben gekommenen Mannschaften besagt, die Mannschaften seien ertrunken, weil die „Eobra" aus unbekannter Ursache bei 10 Faden Wassertiefe entzweibrach. Ter Gerichtshof wies darauf hin, daß nach seiner Ansicht die '„Eobra" zu leicht gebaut gewesen sei, und sprach die .Hoffnung aus, daß die Regierung stärkere Tprpeppbö^ts-- Mer bcmen werp^ ’ — In wenig Tagen 11. und 12. Oktober findet die letzte Baden-Badener Geldlotterie statt, bei welcher 2288 Bargewinne mit Mk. 42 000. — Haupttreffer M. 20 000 verlost werden. Lose zu Mk. 1, 11 Lose 10 Mk. Porto und Liste 25 Pfg. extra sind beim General-Äwenten I. Stürmer! Straßburg i. Els. und allen Losgeschäften zu haben. Man beeile sich, wer der Glücksgöttin die Hand bieten und M. 20 000 für Mk. 1 erhalten wilb 661s Wien- 4. Okt. Die im Jahre 1899 abgebrannte undi wieder aufgebaute Stadt Lubaczow in Galizien ist gestern wieder ein Raub der Flammen geworden. In einer. Scheune entstanden, verbreitete sich der Brand so schnell^ daß in 20 Minuten ganze Häuserreihen, das Gerichts-Gebäude, zwei Synagogen, im ganzen 230 Häuser, viele mit Wirtschaftsgebäuden in Schutthaufen verwandelt waren. Mehr als Tausend Menschen kampieren bei äußerster dtot im Freien. Budapest, 4. Okt. Aus dem Bezirke d er klerikalen Polkspartei kommen neuerliche Nachrichten von blutigen Exzessen. In Raezalmas nahe der Hauptstadt, griffen die Volksparteiler die siegreichen Kossuthianer an undi töteten zwei Personen. London, 4. Okt. Nach einer Depesche auS Durban erwartet man jeden Augenblick weitere wichtige Mitteilungen vom Kriegsschauplätze. Gerüchtweise verlautet, daß es bereits zu neuen Kämpfen mit den Botha'schen Streitkräften gekommen ist. London, 4. Okt. Die „Times" meldet aus Pretoria: Die jüngsten Hochverrats-Prozesse haben dargethan, daß zahlreiche Spione, welche den Treueid geleistet haben, die Spionage für die Buren fortsetzen und für den Fall, daß sie entdeckt würden, auf die Milde der englischen Behörden rechneten. — Aus Bloomspruit wird gemeldet: Wie verlautet, befindet sich das Kommando Brandt im Südosten des Freistaates. Brandt selbst soll schwer verwundet sein. Rach einem Telegramm aus Dundee werden die Verluste der Buren im Gefechte von Jtala mmmehr auf 400 geschätzt. Das Gros der Buren-Streitkräfte befindet sich immer noch an der Grenze des Zululandes. Sheffield, 4. Okt. Der Schatzkanzler hielt gestern eine Rede über den Krieg, in der er die Regierung warm verteidigte und erklärte, es habe niemals ein Mißver-' standnis zwischen Kitchener und dem Kriegsamte bestanden. Havanna, 3. Okt. Hier fand eine Kundgebung statt, deren Teilnehmer die Herabsetzung der Zölle auf Zucker und Tabak forderten. Mllitär-Generalgouverneur Wood versprach, die Forderungen nach Washington zu übermitteln. Peking, 3. Okt. Das Ministerium des Auswärtigen hat in einer Note an die Gesandtschaften verlangt, daß die Be- schränkung der Wareneinfuhr in Tientsin wieder hergestellt werden solle, da dock die Entrichtung der Zollabgaben unter dem Vorwand, daß die Waren für die Gesandten und Wachen bestimmt seien, umganaen werde. Auch in Peking beabsichtigt Prinz Su, der dem dortigen Zollamt vorsteht, alle in der Hauptstadt ankommenden Waren zu besteuern. Am Dienstag ließ er 18 Kisten mit Waren, die an die ältesten Handelshäuser in Peking adressiert waren, beschlagnahmen, um dadurch die Frage der Zollpflicht in Fluß zu bringen. Es besteht seit langem in Peking die Gepflogen-' heit, keinen Zoll für fremde Kaufleute zu erheben. Die Ge-' sandten wollen dem Vorgehen des Prinzen Su anscheinend^ nicht entgegentreten. Stendal, 4. Okt. Wie der „Eistnerker" meldet, wurde heute früh der Gutsbesitzer Woellensk in Wendemark bei Werben jcr. d. Elbe ermordet vor seinem Hofe aufge- funden. Der Thäter lockte den Gutsbesitzer nachM aus dem Hause, erschlug ihn und schleppte den Leichnam in ein Rübenfeld. Dann durchsuchte er die Wohnung, raubte viel und v erwnrrdete dabei auch die Wirtschafterin., Von dem Thäter fehlt jede Spur., Stuttgart, 4. Okt. Tse hiesige Weinfirma Josef Schweizer hat ihre Zahlungen wieder in vollem Umfange ausgenommen. Sie tritt jedoch in Ligui- dativin zur Auseinandersetzung mit den Erben eines verstorbenen Teilhabers. Sämtliche Ansprüche gegen die Firma werden voll befriedigt. Stockholms. Okt. In einem in der gestrigen Sitzung des geographischen Vereins in Upsala gehaltenen Vortrags teilte Nordenskiöld mit, die schwedische Süd-Polar- Expeditivn werde bald nach dem 8. Oktober zur Mreise bereit sein. Außer den wissenschjaftlichen Mitarbeitern wer-, den ein amerikanischer Maler und angeblicherweise ein1 argen*» tinischer Seeoffizier an der Expedition'teilnehmen. Von den Falklandsinseln, wo eine Niederlassung erdichtet wird, werde die Reise südwärts gehen. Nachdem man möglichst weit südwärts vorgedrungen, werde ein zur Ueberwinterung geeigneter Platz ausgesucht werden. Das Schiff gehe sodann mit drei Geologen nach den Falklandsinselu zurück, von wo während des Winters in dieser nur wenig erforschten Gegend wissenschaftliche Ausflüge unternommen werden sollen. Tie Expedition kehrt voraussichtlich anfangs 1903 nach Schweden zurück. " London, 4. Okt. Ter „Matin" meldet aus angeblich sicherer Quelle/ daß der AUfstandderholländische'n Ansiedler in der Kapkolonie allgemein sei und daß lo 000 Burghers in Transvaal und 12 000 im Orange-Freistaat unter Waffen stehen. Paris, 4. Okt. Gestern abend um 8 Uhr, also biet, Stunden vor Ablauf der den Kongregationen ge-' stellten Frist für die Einreichnng ihrer Genehmigung^ Gesuche, hatte das Kultusministerium 596 Gesuche erhalten, 64 von Männerorden, 632 von Frauenorden. Von diesen Kongregationen waren 458 bisher überhaupt nicht ße- nehmigt. Diese Gesuche müssen, dem Vereinsgesetze gemäß, dem Parlament vorgelegt werden. Havre, 4. Okt. Ein Torpedoboot nahm bte englische Bark Counters, deren Insassen in ftanzösischen Gewässern gefischt hatten, weg. Tie Bark wurde nach Havre gebracht. 2. Tag. Vorabend 660 Uhr Jugendfeier, morgens 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr, Festesausgang 6M Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7 Uhr, abends 580 Uhr. Neueste Meldungen. U Originaldrahtnreldungen des Gießener Anzeigers. Wien, 4. Okt. Der Luftschiffer Kaß, der gesterr einen Ausstieg unternahm, siel in das Reservoir der Wasser- leitung. Rur durch das vereinte Bemühen der Zuschauer gelang es, ihn zu reiten. — Nachdem der Kaiser von den Hochwildjagden in Steiermark zurückgekehrt ist, wird er heute den König von Rumänien empfangen. Madrid, 4. Okt. Die Regierung erklärte sich mit dem von Marokko gemachten Versprechen zur Beilegung der jüngsten Vorkommniffe zufrieden. Newyork, 4. Okt. Die Gerüchte über eine bevorstehende Demission des Staatssekretärs Hay werden dementiert. Derselbe wird in drei Wochen die Leitung seines Refforts wieder übernehmen. Berlin, 4. Oktober. In der Stadtverordneten- Sitzung wurde eine Resolution angenommen, in der der Magistrat beauftragt wird, mit allen geeignet erscheinenden Mitteln die Genehmigung der Ueberfüh- rung b er Straße Unter den Linden durch eine neue Straßenbahnlinie zu erwirken. — Das Polizei- präsidium hat die weitere Tagung des Verbandes der ortschrittlichen Frauen-Vereinigung im Reichstagjause dadurch unmöglich gemacht, daß eine polizeiliche Ueberwachung der Versammlung angeordnet wurde. Berlin, 4. Okt. Unter dem Vorsitz des Geh'. Kommerzienrats Gerhard Meyer-Hannover sand gestern hier dir General-Versammlung des Vereins deutscher Eisen- unb Stahl-Industrieller statt. _ Es wurde eine Resolution angenommen, welche den Anschluß des Vereins an die Resolution des Zentral-Verbandes deutscher Industrieller begrüßt. Zwickau, 4. Okt. Im benachbarten Reinsdorf tritt >er Typhus stark auf. Schlechtes Trinkwassev dürfte die Ursache sein. Bremen, 4. Okt. Die Scharlach-Epidemie nimmt zu. Seit dem 25. September sind 86 Erkrankungen konstatiert worden, davon. .17. Todesfälle. Es. find meist 1 bis 10W.rM Kinder Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 6. Oktober. 18. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadtkirchc. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Maühäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. Am nächsten Donnerstag den 9. Oktober, im oberen Konfirmandensaal, Kirchstraße 9: Bibelstunde (Ps. 25). Pfarrer Schlosser. Der Kons irm and enunt erri ch t für die Kinder der Matthäus-, Markus- und Militärgemeinde beginnt Montag den 14. und Dienstag den 15. Oktober. Die Anmeldungen dazu werden Mittwoch den 9. Oktober und Donnerstag den 10. Oktober, vormittags von 12 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, von den Pfarrern in ihren Wohnungen (Pfarrer Schlosser, Krrchstraße 1; Pfarrer Dr. Grein, Alicestratze 12, parterre) entgegengenommen. Die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts findet Sonntag den 13. Oktober statt und zwar für die Markus - und Militärgemeinde im Anschluß an den Vormittaasgottesdienst, für die M a t t h ä u s gemeinde un Anschluß an den Äoendgottesdienst. Die Eltern und Angehörigen der Kruder werden herzlich dazu eingeladen. In der Johauueskirche. Vormtttags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Der Konfirmandenunterricht für die Kinder aus der Lukas!- und Johannesgemeinde beginnt am Montag den 14. und Dienstag den 15. Oktober. Die Anmeldungen dazu werden für die L u k a s gemeinde Mittwoch den 9. und Donnerstag den 10. Oktober, am sichersten vormittags von 12 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, in der Wohnung des Pfarrers (Alicestraße 13k für die Johannes gemeinde im Laufe der nächsten Woche im Pfarrhaus an der Südanlage eMgegengenommen. Die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts findet Sonntag den 13. Oktober, und zwar für die Lukasgemeiude im Anschluß an den Vormtttagsgottesdrenst, für die Johannesgemeinde im Anschluß an den Abendgottesdienst statt. Die Eltern und Angehörigen der Kinder nebst der Gemeinde werdm herzlich dazu eingeladen. Am nächsttolgenden Sonntag den 13. Oktober: Feier des Ernted apkfestes. An diesem Tage wird nach allen Gottesdiensten eine besondere Kollekte für oie Armen erhoben werden. Am Erntedankfest beginnen die Abendgottesdienste und zwar um 5 Uhr. Katholische Gemeinde. Samstag den 5. Oktober. Nachmittags um 2V, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 6. Oktober. Nosenkrauzfest. Vormittags von 6V, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. u um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor unb in derselben Austeilung der heil. Kommunion. u um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranz- Andacht mit Segen. An den Werktayen ist täglich des Abends um 67, Uhr: Rosenkranz-Andacht mit Segen. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. von Paul Horn, Rechtsanwalt 878% Reichsanleihe . 3% do. . . 37,0/q Konsole . . . 3°/o do. » . . . 37r% Hessen . . . 5% Italien. Rente . . 4'y0 Griech. Monopol-Ant 37o Portugiesen . . . 8°/o Mexikaner . . f 4%% Chinesen . . . Gerichtssaal. fc. Frankfurt a. M.) 3. Okt. Für den vor 3 Jahren zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilten, jetzt im Wiederaufnahmeverfahren freiaesprochenen Taglöhner Paul Koch aus Orb hat sein Verteidiger R.-A. Dr. Stolp 10 000 Mk. Entschädigung bei der Staatskasse beantragt^ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 4. Okt. Bei dem Mackie am 1. und 2. Oktober waren ausgetrieben 896 Stück Rindvieh und 866 Schweine. Der nächste Mackt findet am 22. und 23. Oktober statt, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Antwerpen? 3. Okt. In Brecht rannte ein Auto- m'öbilwagen, in dem sich ein Herr und eine Dame befanden, gegen einen Baum. Ter Herr wurde getötet, und die Dame trug schwere Verletzungen davon. Krieskasten der Redaktion. S. in L. Die Lieferuna vollständiger Nummern für ein ganzes Jahr ist uns nicht möglich. Jedoch können wir die noch vorhandenen Nummern zusammensuchen laffen und Ihnen gegen mäßige Berechnung zustellen. Geschäfts Urrlrgung. Einem geehrten hiesigen und meiner werten Kundschaft die von heute Kürschnerei rmd MüHenfabrik von WiWratze 49 auswärtigen Publikum, sowie ergebene Mitteilung, daß ich an meine in den Laden des Herrn Wirsig, Selters weg IO verlegt habe. — Durch jahrelange Erfahrung in diesem Fach hoffe ich, meine werte Kundschaft in jeder Weise zufrieden zu stellen und bitte, das mir seither bewiesene Vertrauen auch fernerhin bewahren zu wollen. Hochachtungsvoll eeio Gießen, den 5. Oktober 1901. Richard Frensei. Dank und Kind. Gießen, den 3. Oktober 1901. 6607 Witwe Elisabeth Sann Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste unseres innigst- geliebten Gatten und Vaters, sowie für die zahlreichen Blumenspenden, insbesondere für die ttostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dr. Naumann sagt innigsten Bekanntmachung. Auf dem gestern abgehaltenen Viehmarkte ist ein herrenloses Ferkel aufgefunden worden. Der Eigentümer wird aufgefordett, seine Ansprüche da- Hier alsbald geltend zu machen. Gießen, den 3. Oktober 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Freiwillige Gaben zur Anschaffung des Werkes „Mp N Hochachtungsvoll W. Aithofff, Direktor. Altertums- M WW-Verein Herborn. Anläßlich der Feier des 650- , jährigen Jubiläums der Stadt j Herborn veranstaltet der Verein .in der Zeit vom 29. September sbiS 6. November 1901 in den tRäumen des Rathauses eine Ausstellung historisch denkwürdiger Gegenstände. Dieselbe umfaßt ca. 4000 Nummern (fünf altertümlich eingerich- itete SMben und eine Küche, deren Bewohner in entsprechender Volkstracht), welche einen Einblick in Herborns und der Umgegend Vergangenheit dis zur Jetztzeit gewähren, besonders betreffs seiner Industrie, der Zünfte und seiner Bedeutung als einzige Universitär in Nassau. Die Ausstellung ist täglich von morgens 10—12 Uhr und nach- , mittags von 2 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit, an Sonntagen -Dis 10 Uhr abends geöffnet. : Eintrittspreise: Karten zum Lemmaligen Eintritt 30 Pfennig, s Schüler zahlen bei klassenweisem Besuch 10 Vfg. Vom 30. September ab werden außerdem D auer- karten zu 1,50 Mk. ausgegeben, welche nur für die Perion des Lösenden Giltigkeit haben. Denkmünzen in Silber zu 5,60 Mk. und in Goldlegierung zu 1,60 Mk., beides in Etui, sind in der Ausstellung zu haben. Herborn, im Septbr. 1901. 6467 Der Borstand. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute nuo morgen: KGllflnsch 50 $lfg. Schweinefleisch 45 Pfg. Weinstube Schott. Friscke Sendung 6289 Primil sögen Tmbenmji. Frischgeschoffeue Hasen Prima Sauerkraut Speise- u. Salatkartoffeln empfiehlt billigst 03959 H. Klotz. Mällsburg 17. Zwiebeln 50 Kilo mit Sack Mk. 8.50 ab Friedberg versenden Gebrüder Oppenheimer, Friedberg (Hessen). Telephon 84. 6595 03890] Nachdem die Weinlese soweit beendigt ist, treffe ich am Smnstag dem 5. Oktober zum ^mü"°rhein.Weintmben in der Schulstraße ein. prima Winterware, ylvH-Utlll zu haben heute Samstag auf dem Braudplatz bei 03953 Frau Rühl. Die erste WiiM-Labung diesjähriger neuen Konserven ist eingetroffen. 03962 Ich empfehle: Reue Bohnen, Spargel usw. in vorzüglichen Qualitäten zu billigen Prersen. C. €r. Kleinbenn, Delikat.-, Fisch- u. Geflügel-Hdlg. Bahnhofftr. 59. Telefon 66. Emma Senling 45 Wetzsteinstratze 45. Größte Aus- Np-nim»,* cott M. wähl in la. -vllllllu 1,75 an. Stehlampen. Kücheulampeu v. 80 Pfg. cm. Stallaterueu. Lampenschirme u.Dochte enorm bitt. CylinderbPs. 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