Nr. »85 Erscheint täglich vru Ausnahme des Montags. Die Siebener Familie«, olaner werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und den .Blättern für hessische Volkskunde* Viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.51. Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 4. Dezember 1901 GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen rdmahme von Aazeiae^ zu der sür den folgend«! Tag erscheinenden ilde, bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermut- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. 93et* lag der Brüh l'sche» Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen SEeU: P. Wittko; für den Anzeigenteil: Hans Beck Gießen, den 27. November 1901. Betr.: Errichtung einer Sammelwasenmeisterei: hier: Statistik. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die Angabe der gefallenen Tiere ist nur noch für den laufenden Monat November erforderlich. Entsprechendem Bericht sehen wir bis zum 10. Dezember entgegen. Soweit Sie mit den Angaben für August, September oder Oktober noch im Rückstände find, wolle das Erforderliche hierbei nachgeholt werden. ________________ v. Bechtold. _____________ Bekanntmachung. Vetr.: Die Abschaffung der Pflugschleifen. Nachstehende Polizeiverorduung für den Kreis Gießen wird hierdurch wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, 26. November 1901. Großherzogliches Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Polizei-Verordnung für den Kreis Hießen. Auf Grund des § 866 Pos. 10 des Reichsstrafgesetzes und der Artikel 103 und 109 des Polizeistrafgesetzes wird hiermit unter Zustimmung des KreisauSschuffes mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 22. Dezember 1899 zu Nr. M. d. I. 37296 verordnet wie folgt: § 1. Der Gebrauch von Schleifen zum Transport landwirtschaftlicher Geräte (Pflüge, Eggen rc.) und anderer Gegenstände auf den chauffierten Straßen und Wegen ist verboten. § 2. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende Bestimmung unterliegen den in § 866 Pos. 10 des Reichsstrafgesetzes bezw. Artikel 103 und 109 des Polizeistrafgesetzes angedrohten Strafen. Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. Januar 1902 in Kraft. Gießen, den 30. Dezember 1899. GroßheiHogliches Kreis amt Gießen, v. Bechtolds Krkanntmachung. Betreffend die Aversionierung des Portos vom 19. November 1901. Unter Bezugnahme auf die den Großh. Behörden im Äugust d. I. übermittelte „Instruktion, das Verfahren bei Feststellung einer Bauschsumme für die von den Großh. Behörden rc. frankiert abzusendenden portopflichtigen Sendungen betreffend," wird hierdurch nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß nach Abschluß der zur Zeit stattfindenden Aufzeichnungen, mithin vom 1. Dezember d. I. ab, die Kontie- rung des Portos bis auf weiteres in der nämllchen Weise, wie dies vor dem 1. September d. I. der Fall war, wieder aufzunehmen ist. Darmstadt, den 19. November 1901. Großherzogliches Staatsministerium. Rothe. Expedition nach Oftafien. Dem Röichshaushalts-Etat ist Folgendes zu entnehmen: Aus Anlaß der Expedition nach Ostasien sind die Einnahmen mit 11514 824 Mk. angegeben, wovon 11504 824 als erste Rate der Entschädigung von China, welche am 1. Januar 1903 fällig wirb- Die Zinsen werden halbjährlich am 1. Januar und 1. Juli gezahlt. Der Zinsenlauf beginnt mit dem 1. Juli 1901; jedoch hat China die Befugnis, die für die Zeit bis zum 1. Januar 1902 erwachsenden Zinsen erst innerhalb der nächsten drei Jahre unter Zuzahlung von 4 v. H- Zinseszins zu entrichten, so daß die erste halbjährige Knsrate am 1. Juli 1902 fällig wird- Der deutsche AntM an der Entschädigung von 450 Mül. Taels ist auf 90 Millionen Taels festgesetzt. Hiervon sind 85 Mill. Paels zum Ersatz der dern Reiche durch die China-Expedition erwachsenen Kosten bestimmt. Aus dem verbleibenden Reste sind die Entschädigungsansprüche deutscher Privatpersonen und Gesellschaften zu bestreiten. Hierher sind auch die Wiederherstellungsrosten der durch die Beschießung beschädigten Gesandtschaftsgebäude in Peking zu rechnen. Die im Lause des Rechnungsjahres 1902 zu erwartenden Entschädigungszahlungeu Chinas an Deutschland berechnen Ml auf 11504 $24 Mark, wovon 10 998000 Mark auf Zinsen (für 1 Jahr) und 506824 Mk. auf den deutschen Anteil an der ersten Amortiscrtionsrate entfallen. Rach 8 6 des Gesetzes vom 22. März 1901 ist die von China zu leistende Entschädigung zur Verminderung der Reichsschuld zu verwenden; obgleich nun, wie vorstehend erläutert, die von China im Rechnungsjahr 1902 zu zahlende Geldsumme nicht nur eine Anzahlung auf die Entschädigung, sondern auch Zinsen enthält, wird tleichwohl der volle Betrag den außerordentlichen Deck- ungsmitteln zugeführt well nach Tllel 8 der einmaligen Ausgaben in gleicher Höhe deutsche Privatforderungen befriedigt werden sollen. Die nächste Ausgabe der deutschen Politik wird sein, die Ausführung der von China über- ^mmeLeu BerMWungen, soweit Deutschland berührt wird, genau zu überwachen. Für den Augenblick herrscht in China zwar im allgemeinen verhältnismäßige Ruhe. Ob aber die chinesische Regierung den für den Schutz von Leben, Eigentum und Thätigkeit der Ausländer übernommenen Verpflichtungen aus die Dauer voll zu entsprechen vermag, ob also die durch die internationale Expedition herbeigeführte Beruhigung überall von Bestand sein wird, kann erst die Zukunft in einer gewissen Beobachtungszeit lehren, wenn auch kein Grund vorliegt, an dem jetzigen guten Willen der chinesischen Regierung zu zweifeln. Deshalb sind die sämtlichen fremden Regierungen der Ansicht, daß eine gänzliche Rücknahme der fremden Truppen aus China gegenwärtig noch nicht ratsam ist, vielmehr deren ferneres Verbleiben im Lande, neben den ftemden Seestreitkräften in den chinesischen Gewässern, geboten er* cheint, einerseits im Interesse des Schutzes der Fremden und der weiteren Konsolidierung der VerAltnisse, andererseits aber auch, um bei den noch bevorstehenden Ausführungsverhandlungen nötigenfalls einen förderlichen Druck auf die chinesischen Behörden ausüben zu können. Auch Deutschland läßt darum an den im Schlußprotokoll vorgesehenen Plätzen der Provinz Tschili sowie in Shanghai lleinere Besatzungen. Wie lange diese dort verbleibenmüssen, läßt sich zur Zeit noch nicht bestimmt sagen. Jedenfalls ist beabsichtigt, in China nicht länger und nicht mehr deutsche Truppen zu halten, als der Schutz unserer dortigen Interessen unbedingt erheischt. Die deutsche Chinapolitik wird auch hierbei den in der Denkschrift vom Jahre 1900 bezeichneten Rahmen nicht üb«1chreilen. An Ausgaben sind veranschlagt: 1. Ausgaben bei der Verwaltung des Reichsheeres 26191000 Mark. Ebenso wie in den Rechnungsjahren 1900 und 1901 sind Pauschsummen an gesetzt. Entscheidend hierfür war, daß, abgesehen von den Geldgebührnissen, es in der Hauptsache an jeder sicheren Grundlage für eine Veranschlagung im einzelnen mangelt, da die bisherigen Aufwendungen für Verpflegung, für Unterkunft, für Krankenpflege usw. noch nicht so well bekannt sind, um als Maßstab für den Bedarf der Zukunft gelten zu können. Ob und inwieweit überdies die einschlägigen Verhältnisse hinsichtlich der Verpflegung usw. in China sich geändert haben, entzieht sich noch der Kenntnis. Soweit eine Berechnung des Geldbedarfs im Einzelnen möglich ist, ist sie gegeben. 2. Ausgaben bei der Verwaltung der Kaiserlichen Marine 1150 000 Mark, darunter 150 000 Mark Pensionen,. Witwen- und Waijengelder. Veranschlagt sind die Jn- standhaltungskosten für drei zur Zeit noch auf der Station befindliche Depeschenboote (Torpedoboote), da sie bei der Unsicherheit der Verhältnisse voraussichtlich, im Jahre 1902 noch nicht entbehrt werden können, außerdem die Gewährung eines Demobilmachungsgeldes. 3. Ausgabe,: im Bereiche des Auswärtigen Amts 11551824 Mark, wovon zur Entschädigung deutscher Privatpersonen und Gesellschaften, lvelche anläßlich der Wirren in China Verluste erlitten haben, 11504 824 Mk., und zur Wiederherstellung der durch die Beschießung beschädig, ten deutschen Gesandtschaftsgebäude in Peking 47 000 Mk. Die Gesamthöhe der deutschen Privatsvrderungen ist durch die bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking vvrge- nommene Prüfung auf 13 484 644 Mk. festgestellt worden. Doch wird eine Erhöhung bis auf höchstens 15 Millionen durch Nachtragsanmeldungen in Rechnung zu ziehen sein. Die Geschädigten zu ihrer Befriedigung lediglich auf die über 39 Jahre sich erstreckenden chinesischen Zins- und Amortisationszahlungen zu verweisen, ist kaum angängig und liegt nicht im Interesse der Entwickelung des deutschen Chinahandels. Es empfiehll sich daher, wie dies dem Ver- nchmen nach auch andere Regierungen in Aussicht genommen haben, aus den ersten von China eingehenden Zahlungen die deutschen Privatforderungen vorab zu befriedigen. Deshalb wird voraeschlagen, zu dllsem Zwecke die gesamten für 1902 in 2mssicht stehenden chinesischen Zahlungen in Höhe von 11504 824 Mk. zu verwenden. Dieser Betrag würde auf die sämtlichen feftgestellten Forderungen nach Verhältnis zu verteilen sein; der Rest wird dann aus dem im Rechnungsjahre 1903 eingehenden chinesischen Zahlungen befriedigt werden können. Die Gesamtsumme der Ausgaben, mit Hinzurechnung er noch zu erwartenden Ausgaben im Bereiche der Post- un Telegraphenverwaltung, des Reichsamts des Innern un des Rechnungshofes, beträgt 39 558 824 Mark, Politische Tagesschau Der Vorstand der Teutscheu Kolonialgesellschast in Berlin trat am Samstag in die Beratung des Antrages über einen Regierungsdanrpfer in Neu-Guinea ein: den Reichskanzler zu ersuchen: pro 1899/1900 und 1900/1901 von dem Reichstag für den Neubau eines Regierungsdampfers ür den Gouverneur von Deutsch-Neuguinea bewllligten Mittel unverzüglich ihrer Besttmmung zuführen zu lassen, derart, daß ein sür die Fahrt in Neuguinea passendes Fahrzeug auf einer deutschen Werft erbaut und unter thunlichster Beschleunigung nach Neuguinea übergeführt wird; die Beschaffung eines für den Dienst des Bezlltsamts in Friedrich Wilhelmshafen geeigneten Heineren Schiffes in Aussicht zu nehmen und die Mittel dafür in den Voranschlag pro 1901/1902 einzustellen; nach Art der Regierungsstatton in Nusa, welche sich für die Sicherheit in diesem Gebiet sehr bewährt hat, auch in anderen Tellen des Schutzgebietes weitere Stationen zu errichten. Es wurde übereinstimmend darauf hingewiesen, daß die in neuerer Zeit vorgekommenen Uebergrijfe der Eingeborenen aller Teile Neuguineas — wie die Ermordung des Reisenden Bruno Mencke, die Ermordung von etwa acht Händlern auf den French-Jnseln, die Ueberfälle auf Händler der AdmiralllätS- Jnseln und in der Gegend von Potsdamhafen — deilllich erkennen ließen, daß die Sicherheitszustände in Deutsch- Neuguinea im argen lägen, und daß Abhilfe dringend not thue. Eine Aenderung lasse sich nach dem Urteil der Kenner des Landes nur durch die Durchführung des Anttags Berlin herbeiführen. Tie Annahme erfolgte mit großer Mehrheit. Die stellvertretenden Präsidenten Staatsminister von Hofmann, Reiä)stagsabgeordnete Graf von Arnim- Muskau (deutsche Reichspartei) unb Prinz von Aren- b er g (Zentrum) wurden durch Hurus wiedergewahlt. Für. den infolge seiner Versetzung nach Bonn ausscheidenden Berghauptmann von Ammon wurde — ebenfalls durch Akklamation — der zweite Vizepräsident des Reichstags, Geh. Finanzrat Büsing (natl. Partei) gewählt. Damit sind die drei großen parlamentarischen Parteien, welche sich um die Gründung und Förderung der Deutschen Kolonialgesellschaft hohe Verdienste erworben haben, wieder im Prä- sioium der Gesellschaft vertreten. Die satzungsinäßiae Neu-, wähl von 14 Mitgliedern des Ausschusses fiel auf die aus« dieser Körperschaft ausscheidenden Herren. Die nächste Vor- standssitzuna und Hauptversammlung soll in der Woche nach Pfingsten 1902 in Halle a. S ftattfrnben. Nach Schluß der Tagesordnung gelangte die von Regierungsrat Fuchs in der ostafrikanischen Eisenbahnfrage eingebrachte Resolutton einsttmmig zur Annahme. Herzog Johann Albrecht nahm daraus Veranlassung, den Reichstagsabgeordneten, die dem Vorstande der Gesellschaft angehören, die Förderung des großen Planes warm ans Herz zu legen. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:„Gicß. Anz." gestattet.) Gießen, den 2. Dezember 1901. * * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag den 5. Dezember 1901, nachmittags 4 Uhr. 1. Baugesuch des August Scheppel- mann für den Großen Steinweg; hier: Dispssns. 2. Desgl. des Joh. H. Jhring für die Bahnhofsttaße; hier: Dispens. 3. Gesuch des Vorstandes der Großh. Hess. Eisenbahnbetriebsinspektion Gießen L wegen Errichtung eines Anbaues nördlich der Umladehalle auf Bahnhof Gießen; hier: Dispens. 4. Unterhaltung der öffentlichen Anlagen; hier: Beschaffung von Schutzvorrichtungen für die Bäume. 5. Ausbau der Hofmannstraße ; hier: Herstellung erhöhter Trottoirs in derselben. 6. Gesuch verschiedener Einwohner um Ueberwölbung eines Teiles des Schoorgrabens auf der Westanlage. 7. Ueberwölbung des- Klingelbachs bei der Kreuzung mit der Stephanstraße. 8. Die Beschaffung eines Schranks fürdieFottbildimgsschule. 9.Jahres- bericht des Schularztes. 10. Die öffentlichen Aborte; hier: Verwertung von zwei alten Bedürfnishäuschen. 11. Abgabe von Erbbegräbnissen auf dem giesigen Fttedhofe. 12. Ausführung des Reichsgesetzes übsr dis Abänderung der Gewerbeordnung oom 30. Juni 1900. 13. Prüfung der Rechnung der Armenkasse Gießen fürs Etatsjahr 1900/01. 14. Voranschlag der Armenkasse Gießen für 1902/03. 15. Gesuch des Emil Mißler um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Brandgasse 7. 16. Desgl. des Konrad Ruth um Erlaubnis zum Gastwittschafts- betrieb im Hause Klinikstraße 24. 17. Ankauf der Nolle'schew Hosraite; hier: Reklamation der F. Nolle Witwe gegen das ihr angefordette Pachtgeld. ** Wernings Kriegsfestspiele. Am vergangenen Freitag versammelte sich der Festausschuß zu einer Sitzung im Aquarium. Der Vorsitzende des Finanzausschuffes berichtete, daß die Einnahmen etwa 8400 Mk., die Ausgaben etwa 5 500 Mk. betragen, der Ueberschuß berechne sich vorläufig auf etwa 29 00 Mk., lasse sich aber erst endgiltig feststellen nach Erledigung der bezüglich einzelner Rechnungen erhobenen Beanstandungen. Mit Regelung dieser Anstände wurden einzelne Ausfchußmllglieder beauftragt Dem Turnverein wurden als Ersatz für vorgekommene Beschädigungen und besonders starke Inanspruchnahme der Bühneneinttchtungen 100 Mk. zugebilligt, lieber die Verwendung des Reingewinnes wurde folgender Beschluß gefaßt: Der Reinertrag aus den Werningschen Kttegsfesffpieten wird unter die vier veranstaltenden Vereine zu gleichen Teilen verteilt. Die einzelnen Vereine haben den ihnen zufallenden Betrag zur Unterstützung von Veteranen, deren Witwen und Waisen oder in Ermangelung von solchen zur Unterstützung würdiger Kameraden bezw. deren Famllien zu verwenden. Ueber die All der Verwendung haben sich die einzelnen Vereine unter einander unter Vorlage der Abrechnung jährlich auszuweisen nach einem der demnächstigen Beschlußfassung der vier Vereinsvorstände zu unterbreitendem Statut. In die Rechnungsprüfungskommission wurde aus jedem Verein ein Mitglied gewählt. ** Zauber-Vorstellungen. Physiker Böning aus Dresden giebt von Mittwoch an in Steins Saalbau Vorstellungen. Kölner Blätter schreiben über das Auftreten des Künstlers u. a.: „Professor Böning ist einer der interessantesten Zauberkünstler der Neuzeit. Er zeigt seine Kunst auf hellerleuchteter Bühne; als Apparate dienen ihm fast nur feine Hände, die eine fabelhafte Geschwindigkeit besitzen. Er ettlätte zunächst, daß es tch nicht um Spitttlsmus oder ähnlichen Schwindel, sonderir um Kunsffettigkeit oder Geschwindigkeit handle. Dann beginnt er zu agieren, so daß das Publikum sich gefeffelt fühlt. Das Wichtigste in dem reichhaltigen Programm sind die, Geistererscheinungen. Angesichts solcher Leistungen ist der Besuch der Vorstellungen sehr empfehlenswert." § Butzbach, 1. Dez. Dem Vernehmen nach soll die Umwandlung des hiesigen Postamts 2. Klasse in ein solches 1. Klasse höheren Ortes zur Erwägung gebracht worden sein. Urrmischtes. * Köln a. Rh., 2. Dez. Aus der amtlichen Mitteilung über das Eisenbahnunglück bei Buir ist hervorzuheben: Es wird vermutet, daß die alte Schiene zur Zeit des Unfalles flach auf der Fahrschiene gelegen hat und zwar mit dem Kopfe nach der Geleismitte. Auf der linken Schiene, auf welcher die Entgleisung erfolgte, war als einzige Spur eine etwa Ctm. tiefe, 1 Ctm. breite und 5 Ctm. lange scharfe Einpressung zu erkennen. Gegen 5 Uhr 30 Min. will der Streckenwärter an dieser Stelle vorübcrgekommen sein, aber nichts Ungewöhnliches bemerkt haben. * Forst (Lausitz), 2. Dez. Gestern abend wurde der Ortsvorsteher Apelt in Kalke bei Triebe! von dem 23 jährigen Häuslersohn Schurmann erschossen. Schurmann, ein arbeitsscheuer Mensch, bedrohte seinen Vater, der ihn nicht mehr mit Geld unterstützen wollte. Apelt, der zu Hilfe gerufen wurde, erhielt beim Betreten der Wohnung einen Schuß in den Kopf. Er war sofort tobt. Der Mörder flüchtete mit Gewehr und Munition in den Wald.s * S orau, 2. Dez. Es wurde schon mitgeteilt, daß die Mitglieder der Familie Kaschke aus Datten bei Pforten wegen religiösen Wahnsinns in die Irrenanstalt zu Sorau gebracht worden sind. Die Kranken waren nach dem gewaltsamen Tode der Mutter noch Kaschke Vater, die beiden Söhne (also auch der schon erwähnte Amerikaner, der, unbeteiligt zwar, vom Kreisarzt aber als infiziert erklärt ist), die Tochter und die Magd, die eine Schwester der toten Frau Kaschke ist. Auf die an den Sohn Paul K. gerichtete Frage des Kreisarztes, wer denn die Mutter totgeschlagen habe, berief sich Paul auf sein Gebetsblatt Nr. 31, worin es heißt: „Gott ist Licht; darum hat er mit dem Sünder keine Gemeinschaft. Gott ist die Liebe; darum bietet er dem Sünder Versöhnung an und streckt verlangend nach ihm die Arme aus. Gott ist Licht; darum ist »ohne Blutvergießen" keine Vergebung der Sünden!" (Hebräer 9, 22.) Weiter sagte er: „Die Mutter war vom Teufel besessen; den Teufel auszutreiben, mußte Blut fließen. Ohne Blut keine Entsühnung, ohne Entsichnung kein himmlisches Leben. Gott hat uns gerufen. Jetzt ist der Teufel von uns gegangen und wir können in den Himmel ziehen." Das Gebetsblatt Nr. 31 ist verlegt in Dillenburg, gedruckt in Frankfurt a. M. * Pap enburg, 2. Dez. Die Flut der Ems hat hier einen drohenden Stand erreicht. Viele Dörfer sind schon ganz vom Wasser eingeschlossen. Der Verkehr mit ihnen kann nur mit Kähnen, resp. Schiffen auftecht erhalten werden. In den Gemeinden Hilter und Langen verursachte die Wasserflut bereits großen Schaden an den Getreidefeldern. * Vlotho, 2. Dez. Der wegen verübten Mordes an dem badischen Gerichtsassessor Dr. Ladenburger in Riva ft Z. verhaftete Bäckergehilfe Otto Müller aus Insterburg und hier zuletzt in Stellung, befindet sich zurzeit in Rovereto (Tyrol-Oesterreich) noch in Untersuchungshaft. Die von dem Verbrecher hier seinem Arbettgeber geraubten Geldsachen, als Uhr, Ringe, Broschen rc., sind in diesen Tagen von dort an das hiesige Amtsgericht gefanbt und dem Eigentümer Teipel wieder ausgehändigt worden. Dagegen hat Müller die ebenfalls dem T. geraubten 850 Mk. in kaum drei Wochen vergeudet. Nun ist M. aber auch noch einer anderen Mordthat ^verdächtig. Neben der Müller'schen Photographie bringt das „Deutsche Fahndungsblatt" in seiner letzten Nummer von der Polizeidirektion in Bremen eine Mitteilung, wonach im Februar 1898 dort auf einer etwas abgelegenen Promenade ein Schiffskapitän Plaste in ähnlicher Weise wie Dr. Ladenburger ermordet und beraubt worden ift Da die Ermittelung des Thäkers bis jetzt noch nicht gelungen, ist die Vermutung auf- .getteten, daß Müller auch diesen Mord ausgeführt hat, zumal einige Personen, welche den vermutlichen Mörder des Kapitäns haben fortlaufen sehen, glauben in der Photographie von Müller eine Ähnlichkeit mit dem Mörder zu finden. 'Die Bremer Behörde sucht nun zu ermitteln, ob Müller sich in der betreffenden Zeit in dottiger Stadt und Umgebung event. aufgehalten hat. • Mannheim, 2. Dez. Im Zimmer der Unterprima des hiesigen Gymnasiums entstand in der Unterrichtsstunde Hes Prof. Zettler eine Explosion, wobei der Professor ;unb drei Gymnasiasten durch Glassplitter echeblich verletzt -wurden. Prof. Zettler sank blutüberströmt und bewußllos ',gu Boden. Die vier Verletzten mußten per Wagen in ihre 'Wohnung befördert werden. Theater, Kunst und Wissenschaft. Berlin, 1. Dez. Am Donnerstag ist Direktor Rafael Löwenfeld vom Schiller-Theater auf Veranlassung der Leipziger Staats- .anwältschast hier verantwortlich vernommen worden. Es handelt -sich um die Antwort des Grafen Leo Tolstoi an die russische Kirche, die Rafael Löwenfeld in der bei Eugen Diederichs in Leipzig erscheinenden Gesamtausgabe, deren Uebersetzer und Herausgeber er ift, veröffentlicht hat. Wie bekannt, hat die Leipziger Staatsanwaltschaft gegen diese Publikation die Konfiskation ausgesprochen. Löwenfeld ift Daraufhin jetzt in Anklagezustand versetzt worden wegen Gotteslästerung und wegen Beschimpfung der russischen Kir ch en g em e i ns ch a f t. (Bereits gelegentlich her Beschlagnahme der Tolstoischen Schrift gegen den heiligen Synod haben wir unsere Verwunderung über diesen unbegreiflichen iSchritt deutscher Behörden zum Ausdruck gebracht. D. Red. oes Gieß. Anz.) — Otto Julius Bierbaum, der treffliche Poet und Schriftsteller, der Herausgeber der „Infel", zeigt seine soeben in München vollzogene Vermählung mit Gemma, aeb. Prunetti-Lolli an. Das junge Paar hat sich in Berlin W., in der Neuen Winterfeldtstraße, sein Heim begründet. Davos-Platz, 1. Dez. Heute fand im Beisein der in der : Schweiz beglaubigten Gesandten Deutschlands und Bayerns, ,Dr. Bulow und Grasen Montgelas die feierliche Eröffnung der "deutschen Heilstätte für minderbemittelte Lungenkranke statt. Gerichtssaal. N. Gießen, 30. Nov. (Kriegsgericht.) Der erste Fall /betrifft einen Vizewachtmeister, der unter der Anklage lebt, Meldungen falsch abgestattet zu haben. Die Angelegenheit kommt nicht zur weiteren Verhandlung, da auf Antrag des Kriegsgerichtsrats die Beschlußunfähigkeit des Kriegsgerichts, weil es sachlich unzuständig fei, ausgesprochen wird. — In dem folgenden Falle richtet sich die Anklage gegen den Musketier Keßler aus Großen- Linden wegen „Achtungsverletzung und Gehorsams-Verweigerung vor versammelter Mannschaft". Die Angelegenheit hatte am 19. Oktober einem Standgerichte Vorgelegen, war aber ans Kriegsgericht überwiesen worden, weil das Standgericht nach §§ 94, 95 des Militärstrafgesetzbuches nicht zuständig war. Keßler war zu einer Hebung eingezogen, aber noch an demselben Tage als zur Hebung untauglich entlassen worden. Ein Freund von ihm, Hamel, war gleichfalls eingezogen worden. 11m freizukommen, halle letzterer zwei Reklamationen eingereicht, die aber feine Berücksichtigung fanden. Als nun Hamel aus dem Bezirkskommando kam, sagte Keßler zu ihm, es sei eine Schande, daß er trotz seiner zweimaligen Reklamation die Hebung mitmachen müsse; andere, die üben wollten, dürsten nicht usw. Der Feldwebel Pfortnagel, der die Aeußerungen des Keßler gehört, verwies ihm seine Reden, und sagte zu ihm, er habe keine Kritik zu üben. 9hm rief Keßler dem Feldwebel zu: „Das geht Sie nichts an, ich habe mit meinem Freunde gesprochen". Der Feldwebel rief ihn zurück, aber er leistete dem Rufe nicht Folge. Musk. Eisenhauer, der Hamel zur Bahn bringen sollte, sagt aus, Keßler habe ihm, als er ihn aufforderte, doch zum Feldwebel hinzugehen, geantwortet, das thäte er nicht, er ginge nicht hin. Als Zeugen werden der Bezirksfeldwebel, Feldwebel Pfortnagel, Hamel und der Musketier Eisenhauer vernommen. Sie sagen ziemlich übereinstimmend aus. Der Bürgermeister und der Ortsdiener von Großen-Linden, die über den Leumund des Angeklagten auszusagen haben, schildern ihn als arbeit)amen gutmütigen Menschen, von dem nichts Nachteiliges bekannt ei. Zu seiner Entschuldigung führt der Angeklagte an, er habe, weil er von seiner Hebung befreit worden fei, geglaubt, er stünde nicht mehr unter dem Gesetze. Der Vertreter der Anklage beantragt wegen Achtungsverletzung vier Tage Millelarrest, wegen Gehorsamsverweigerung 16 Tage strengen Arrest, zusammen 17 Tage strengen Arrest. Das Kriegsgericht geht in seinem Urteil noch über den Antrag hinaus, und erkennt auf 16 Tage strengen Arrest ur Gehorsamsverweigerung, 14 Tage Mittelarrest für Achtungsverletzung, zusammen drei Wochen strengen Arrest. — In dem folgenden Falle wird gegen den Unteroffizier >er Reserve, Stegner, der in seinem Beurlaubtenstand wegen Betrugs, Unterschlagung und Urkundenfälschung zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt ist, auf Degradation erkannt. In der Entscheidung wurde ausgeführt, daß jemand, der wegen solcher Vergehen bestraft sei, nicht würdig fei, militärischer Vorgesetzter zu bleiben. — In der folgenden Verhandlung gegen den Musk. Kostirka der 7. Komp. Jnft.-Regt. Kaiser Wilhelm wegen Körperverletzung wird das Verfahren fiftiert, weil zwei wichtige Zeugen nicht erschienen sind. Berlin, 2. Dez. Vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 begann die Verhandlung gegen drei Redakteure des „V o r w ä r t s" wegen Beleidigung des Generalmajors v. Kettler und des ostosiatisch en Expeditionskorps durch die Veröffentlichung von Hunnenbr iefen, worin Kettler ein un- aewöhnlich summarisches Verfahren gegen die Boxer und seiner Mpeditionskolonne allerlei Greuelthaten oorgeworsen werden. Die Anschuldigung gegen Kettler beruht nach den Aussagen der Angeklagten aus den übersetzten Berichten des Korrespondenten des ^Taily Chroniele", Mac Cornick. Die Zeugen, Oberleutnant von Stolzenberg und General Kettler sagen aus, die betreffende Er- chießung von 22 Boxern in Patsckia erfolgte standrechtlich, nachdem Durch christliche Chinesen festgestellt war, daß sie schuldig an der Ermordung von 200 Chinesen waren. Kettler hebt hervor, Cornick ivar nicht Berichterstatter des „Dailn Chronicle", sondern Males, den er aus Liebenswürdigkeit nach Paotingfu mitnahm, um ihn unter seinen Schutz zu stellen. Cornick habe in einem bei den Akten befindlichen Briefe an Missionar Laury seine Gewisienhastig- keit anerkannt, womit Kettler die Identität betreffend die Borer festftellte. Schließlich verurteilte das Gericht den Redakteur Robert Schmidt zu 6 Monaten und den Redatteur John zu 7 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 3 bezw. 4 Monate beantragt. Die Mommsen-Adresse der Straßburger Hochschule. Die an Professor Mommsen abgesandte Erklärung der Straßburger Professoren hat folgenden Wortlaut: Hochverehrter Herr Kollege! Als Sie vor einigen Wochen für die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung eintraten, haben Sie uns allen so aus der Seele gesprochen, daß jede ausdrückliche Zusttmmung zu Ihrem Worte uns überflüssig erschien. Seither hat Ihre mannhafte Kundgebung in weiten Kreisen der Hochschullehrer begeisterten Dank gesunden, anderseits aber auch Mißverständnis und Bekämpfung erfahren. Unter diesen Umständen drängt es auch uns, Ihnen zu sagen, daß wir Sie wohl verstanden haben. Wir geben Ihnen die Versicherung, daß im Ernste der Zett Ihr Wort und das Echo, das es- an unseren Hochschulen findet, uns den Mut gestärkt hat und das Gewissen geschärft für jedwede Verfehlung gegen das Ideal der freien, durch Nebenrücksichteu nicht gebundenen Forsch^- ung. Ihre uns teuere Person gehe uns lange noch rüstig voran auf dem Wege, neben welchem es keinen anderen für die LeHrer unserer Hochschulen giebt. In dankbarer Verehrung E. Becker, E. W. Benecke, Ed. Böhmer, F. Braun, F. P. Bremer, H. Breßlau, H. Bücking, Fr. van Ealker, G. Dehio, I. Entmg, R. Ewald, H. Fehling, I. Ficker, R. Fittig, I. Forster, W. A. Freund, E. Fürstner, G. Gerland, A. Goette, F. Goltz, G. Gröber, R. Henning, F. Hofmeister, H. Holtzmann, H. Hübschmann, G. Jaeobsthal, Br. Keil, G. F. Knapv, E. Köppel, A. Kußmaul, P. L-aband, S. Landauer, L. Laqueur, O. Lenel, E. L-eumann, P. Lobstein, E. Lucius, O. Madelung, E. Martin, E. Mayer, O. Mayer, Ad. Michaelis, B. Naunyn, K. I. Neumann, Th. 92älbefe, W. Nowack, F. v. Recklinghausen, R. Reitzenstein, Th. Reye, Ed. Schär, O. Schmiedeberg, A. S. Schulze, G. Schwalbe, E. Schwartz, W. Sickel, I. Smend, H. Graf zu Solms- Laubach F. Spttta, A. v. Dhur, A. Sartorius Frhr. v. Waltershausen, A. Weber, H. Weber, W. Wiegand, W. Windelband, Th. Ziegler. Mm den ordentlichen Professoren (einschließlich der emeritierten) und den Honorarprofessoren, denen allein die Adresse zur Unterzeichnung zugegangen ist, fehlen also nur drei: Die neu ernannten Professoren Spahn und Meinecke, sowie der emeritierte Professor der Medizin Aubenas, der den Winter fern im Süden irgendwo zu verleben pflegt, sodaß sicherlich in kurzer Zeit überhaupt keine Verbindung mit ihm herzustellen ist. Die Adresse weist also eine Vollzähligkeit auf, wie sie bei 65 Hniverj'itätsprofessoren wahrlich nicht allzu oft zu erzielen fein wird. Professor Spahn hat seinerseits in folgendem Briefe an den Rektor Stellun, zu der Adrefte genommen: Ew. Magnifizenz! Den mir von Ihnen vorgelegten Entwurf für ein Schreiben unserer Hniversität an Herrn Professor Mommsen, bin ich zu meinem Bedauern zu unterschreiben nicht in der Lage. Mit den Worten: „unter diesen Hrnständen drängt es auch uns, Ihnen zu sagen, daß wir Sie wohl verstanden haben", giebt das Schreiben der Veröffentlichung des Altmeisters unserer geschichtlichen Wissenschaft die Deutung, daß sie mit Rücksicht auf meine Ernennung zum Professor der Geschichte an unserer Hniversität erfolgt sei. Ob Mommsens Briese diese Deutung rechtfertigen oder nicht, habe ich nicht zu entscheiden. Wohl aber verpflichtet mich der Versuch dieser Deutung, zu Ihren Händen ausdrücklich auszusprechen, daß ich in der „Freiheit der wissen- ch a f t l i ch e n F o r s ch u n g", zu der ich durch mein Lehr- amt an unserer Hniversität verbunden bin, durch mein religiöses Bekenntnis und meine auf innerer Heberzeugung beruhende Zugehörigkeit zur katholischen Kirche mich in keiner Weise mehr oder anders beschränkt ühlenkann,wiejederAnhängerirgendeiner inberen Welt anschauung oder auch politischen Auf- assung von feiner andersgerichteten Heberzeugung in der Sachlichkeit feiner Forschung berührt wird. Ich muß mich daher auf das entschiedenste gegen die Annahme verwahren, als ob in meiner Berusung „das Ideal der freien, durch Nebenrücksichten nicht gebundenen Forschung" verletzt fei; es sei denn, daß in dem mir unterbreiteten Entwurf für eine einzelne, an unserer Hniversität besonders scharf ausgeprägte Weltanschauung und geistige Richtung, das Alle in* recht auf den deutschen Universitäten in Anspruch genommen werden sollte! Andernfalls sollten wir, die als gläubige Katholiken die Zugehörigkeit zu einer deutschen Hniversität als Lebensziel erstreben, zunächst von unseren Kollegen voraussetzen dürfen, daß sie unser Wort wahr achten; denn wir zuerst sind doch zu einem Urteile darüber berufen, ob, unser Gewissen es uns erlaubt, einer Gemeinschaft anzu-- gehören, deren Bestand auf der Aufrichtigkeit der Forschung und auf der Wahrheit der Lehre beruht und deren unversehrte Erhaltung zum Segen des Vaterlandes uns wie ihnen am Herzen liegt. Mit ausgezeichneter Hochachtung Dr. M. Spahn, v. ö. Professor an der Universität. Mommsen richtete an den Präsidenten der Wiener Akademie, Professor Süß, ein Dankschreiben für die Adresse der Wiener Universitätsprofessoren, worin er unter anberm sagt: „Sie wissen, wie aufrichtigen Anteil ich an dem Schicksal der deutschen Ostmark nehme, und wie auftichtig ich wünsche, daß wenigstens im geistigen Leben und in geistigen Kämpfen die alte nationale Gemeinschaft unvermindert fortbestehe. Prof. Dr. Adolf Harnack sandte der „Nat.-Ztg." einen offenen Brief über seine Stellung zu der vom Pros. Mommsen eingeleiteten Bewegung gegenüber dem Fall Spahn. Er sei der Meinung, daß die Unabhängigkeit der Wissenschaft am stärksten von den Parlamentsparteien bedroht werde, und daß ihnen gegenüber die Negierungen Wächter und Schützer derselben seien, soweit sie es vermögen. In diesem Sinne habe er ba§ ernste Wort Mommsens freudig und dankbar begrüßt, und hoffe, daß die große Bewegung der Regierung darin bestärken werde, die Wissenschaft vor störenden Eingriffen des Konfessionalismus! zu schützen. Neben diesem schütz beruhe der wichtigste Dienst, welcher der Wissenschaft seitens der Regierung geleistet werden könne, darin, daß ihre Pflege einsichtigen Räten anvertraut werde. Die Tonart des von Professor Michaelis in Straßburg ausgegangenen Angriffs auf die preußische Universitätsverwaltung billige er nicht, wenn auch Manches zu wünschen übrig bleibe. Heidelberg, 2. Dez. 60 hiesige Professoren unb1 Dozenten, darunter Kuno Fischer, sandten neuerdings an Mommsen eine Zustimmungsadresse. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehende« Aittikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Heber die schlechte Beschaffenheit des Weges verlang. Berg- sttaße, das sogen. Klewergäßchen, sind schon viele Klagen laut geworden. Wäre es der Stadt nickt möglich, diesen von den Bewohnern des Nahrungsberges und der anarenzenden Straßen wie auch von Spaziergängern viel benutzten Weg in eine andere Verfassung zu bringen, und auch der starken Verunreinigung durch eine Warnungstafel Einhalt zu thun? Ferner sind die Bewohner des Weges abends auf die schwache Himmelsbeleuchtung angewiesen. Da sie dock ihre Abgaben auch zahlen müssen, wäre es in der Ordnung, dort ein helleres Licht zu schaffen und wenn es nur eine einfache Petroleumlaterne wäre, um Unfälle zu verhüten. Es würde, hierdurch einem dringenden Bedürfniß Abhilfe geschaffen. C. 9L Infolge des nassen Wetters der letzten Tage besindet sich der Verbindungsweg vom hiesigen Bahnhof zum Trottoir der Bahnhofstraße in einem geradezu entsetzlichen Zustand. Ein mehrere Finger dicker Schlamm und zahlreiche Pfützen machen das Passieren des Weges zu einer wahren Höllenqual. Man muß einen sörmlichen Ballettanz auf den Fußspitzen durch diese flüssige Chokolade ausführen, um sich auf das jenseitige Trottoir zu retten, wo man gerade nicht erfreut ist über die trotz aller Gymnastik mit Schmutz betünchten Schuhe und Beinkleider. Vielleicht tragen diese Zeilen zu einer baldigen Abhilfe bei, die ja schon durch Beschütten des Weges mit Kies oder Sand erreicht werden kann. Scheuet keine Mühe um Eure Kinder kräftig und gesund zu erhalten. Zwar ist es leichter, denselben morgens nur Kaffee und Brot zu geben, aber Kraft und Gesundheit sind sicherer entwickelt, wenn sie auch einen Brei aus „Quäker Oats“ bekommen. Das Rezept „Für den Frühstückstisch“ steht auf jedem Packet. Quäker Oats nur echt in Packeten mit der Quäker Schutzmarke. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartenstrake L. i 6 er Arbeitnehmer: 1 Buchbinder, 2 Hausburschen, i ox?r 1 Schmied, 1 Schreiner, 8 Taglöhner, 1 üaufmädcyeu, 1 -Orenstmädchen. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Schlosser, 10 bis 12 Ausheiser für hiesiges Postamt für die Weihnacyts- und Neujahrszeit, o. h. vom 20. bis 24. Dezember bezw. 31. Dezember und 1. Januar. ^d)Ml9C^Ib betr“9t 2,20 Mk- Meldefrist spätestens bis 12. De- Preisausschreiben. Zur Erlangung von Entwurfskizzen für den Neubau einer höheren und erweiterten Mädchenschule in Gießen wird ein öffent- lrcher Wettbewerb ausgeschrieben. Für die besten Entwürfe sind 3 Preise von 1600, 1000 und 500 Mark ausgesetzt. Eine andere Verteilung der jedenfalls zur Verteilung kommenden Gesammtsumme von 3000 Mark bleibt den vorbehalten. Weitere Entwürfe können für je 600 Mark angekauft werden. .. Preisrichteramt haben übernommen die Herren Geheimer Medizmalrat Professor Dr. Gaffkv, Gießen, Königlicher Baurat Ltadlbaumeister G enzmer, Wiesbaoen, Beigeordneter Kommerzienrat Georgi, Gießen, Bürgermeister Reaierungsbaumeister Mecum, Greßen, Stadtverordneter Ingenieur Schiele, Gießen, Stadtbau- rat Schmandt, Gießen, Direktor der höheren imb erweiterten Mädchenschule Dr. Stoeriko, Gießen. Die mit Kennwort versehenen Entwürfe sind bis spätestens Montag den 10. Februar 1902, abends 6 Uhr, an die Bürger- merfterer Gießen emzusenden. Die Unterlagen sind von derselben gegen Hinterlegung von 5 Mark, welche den Einsendern von Entwürfen zuruckerstattet werden, zu beziehen. Gießen, den 26. November 190L 7886 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß im Monat Dezember L I. außer an den feststehenden Zahltagen — Mittwochs und Samstags — auch noch Dienstags und Donnerstags Geschäftstage bei unserer Kaffe abgehalten werden. Die Einleger werden im beiderseitigen Interesse ersucht, ihre Einlagebücher vorzulegen und entweder die Zinsen in Empfang zu nehmen oder beischreiben zu laffen. Sollten die Zinsen im Monat Dezember nicht erhoben und auch nicht beigeschrieben werden, so kann dies ohne Verlust auch später geschehen, weil am 1. Januar 1902 die nicht erhobenen Zinsen in den Geschäftsbüchern der Kasse den Einlegern gut geschrieben werden. Gießen, den 29» November 1901. 7834 Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen. Wiener. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Göbelnrod für daS Rechnungsjahr 1902/03 ist vom 5. Dezember 1901 an acht Tage lang auf hiesigem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Jntereffenten offen gelegt. Göbelnrod, den 2. Dezember 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Göbelnrod» Damm. 7893 Bekanntmachung. Samstag den 7» ds. Mts., abends Sl/2 Uhr findet cheneratversammlung des Kreditvereins Heuchelheim (E. G. m. u. H.) bei Wirt Ferdinand Kreiling statt. 7905 Tagesordnung: Ergänzungswahl des Vorstandes und Auffichtsrats. Der Anffichtsrat.' I. A.: Heinr. Volkmann II. Heuchelheim, am 2. Dezember 1901. Versteigerung. Mittwoch bett 4. und Donnerstag den 5. Dezember, nachmittags 2 Uhr anfangend, versteigere ich im Gasthaus zum Löwen, Neuenweg: eine große Partie Hanbarbeiteu in allen Genres, ausgezeichnet und angefangen, wie z.B.: Pantoffeln, Kissen, Decken, Salon-Läufer, Haussegen, Hauskäppchen, Noten- und Zeitungsständer, montierte Stickereien, Stick- unb Häkelmuster re., sowie eine Menge kleinerer Kinder-Arbeiten; ferner einen Dosten Stickmaterial, wie: Chenille-, Gold- und Metallfaden, Stickseide, nordische, Hamburaer und persische Wolle, nordisches Garn, Twist, Häkelgarn und alle Arten feiner Hakelwolle, Möbelkordel, Gimpen, Bällchen, Fransen und Ponpons; außerdem einen Posten farbigen Sammet, Tarlatau, fertige Wollsachen, sowie diverse Kurzware«. 7847 Louis Rothenberger Wwe. Htuta dn Kkichslmk in Wehlar. Die Schreiner-, Schlosser-, Glaser-, Anstreicher- uud Tapeziererarbeiten, ferner die innere Einrichtung, die Gas- und Wasserleitung, sollen öffentlich vergeben werden. Termin: DmerstW Ura 12. Itzenckr, mittags 12 Uhr. Verdingungsanschläge, Zeichnungen und Bedingungen können vorher bei dem Unterzeichneten eingesehen werden. Wetzlar, den 30. November 1901. 7889 W. Witte, Kreisbamneifter. J. H. Fuhr 25 Sonnenstraße 25 25 Sonneuftraße 25 empfiehlt m großer Auswahl Strümpfe für Damen und Kinder, Socken, Winter-Handschuhe SSF* Unterzeuge etc. zu billigsten Preisen. 7735 MIW HTM----—-------- ArtMistemrm Gichn. Iar Wadklskammkmahl! Alle unsere Mitglieder bitten wir, einmütig einzutreten für die Wiederwahl der ausscheidenden Herren: F. C. B. Koch, KommerzieM Hch. Schirmer Carl Nowack I. 7903 Der Vorstand. Vertrauen gegen Vertrauen Eltern heiratsfähiger Töchter werden hösl. gebeten, nachstehendem gesl. Aufmerksamkeit und Vertrauen schenken zu wollen. Ohne Verw. an m. Wohnort Frankfurt a. M. bin ich ohne Fannlie,werkehr und daher auch nicht in der Lage, im Fannllenkreise eine passende Frau finden zu können. Anderen Gelegenheiten kann ich nicht nachgehen, da geschäftl. zu sehr in Anspruch genommen bin. — Ich bin Ans. 30er, Teilhaber und Gründer einer zu den ersten ihrer Branche zählenden Fabrik, mit groß. Einkommen, evang., mittl. Größe, ges. angen. Aeußere, verträgt. Charakter, tadeÜ. Rufes. Reflektiere auf evangel. nette junge Dame, ftr. tadelt. Vergangenheit, sympath. Wesens, mittl. Größe, Häusl. Sinn, mit einer meinen Verhältnissen etwa gleichkommenden Mitgift (80—100 Mille), die jedoch nur teilweise bar zu erfolgen hätte und privat sicher angelegt werden tonnte. Gest. Anbahnung ohne Vorwisfen der betr. jungen Dame. Bei Einleitung der Korrespond. gegenfeit schriftliche Versicherung auf Ehrenwort, Diskretion zu bewahren unb Korresponb. zu retournieren. Einleit Verhandlung event zunächst burch Vertrauensperson. Ge- werbsmäß. Vermittler verbeten. Bitte mit ernsten, ehrenhaften Gesuchen in gleichem Sinne näher zu treten unb gesl. ausführt Offerten unter R. 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