4670 utigen lagt mein labe. Ich bitte, daZ m unb bemerke, daß nann. mir )U teil tottbtn w tnstlicher •AW hle ich mich hfolger. 4667 MW*** en. Nr. 154 Drittes Blatt. 151» Jahrgang. Donnerstag 4. Juli 1901 tit,lich mit •k$4«*ttien und Sewlwl: tchaiIrotz« 7. GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vezugrpreis vieTtdfita Mk. 2.20, monatl. 75 mit Brii g.rlohn; durch frv Abholestellen vierteljße»,< Mk. 1.90, monatl, 65 Bei Postbezug vierteljtdr> Mk. 2.00 ohne BeftellßeN Alle vnzetaen-vermittluir-». stellen be4 In- und 9lu Daß die 26 000 Einwohner Gießens nicht samt und sonders der schweißtreibenden Beschäftigung des Kuponabschneidens obliegen, bestätigt der Etat der Armenvertoaltung, der 48350 Mk. erfordert. Mit einem Aufwand von 9090 Mk. sind die Arbeiter versichert, falls sie invalid werden oder infolge fortgesetzten Lebenswandels das 70. Jahr- überschreiten, mit 500 Mk. soll den Kleinen der Pockenteusel ausgetrieben werden. Tie milden Stiftungen, deren Gießen eine sehr große Zahl aufweift, erfordere 8254.24 Mark. Daß die Stadt Gießen zu einer Provinz gehört und in einem Kreise liegt, darf sie mit 96 000 Mk. bezahlen, und wenn sie ab und zu neben ihrem Kaiser Wilhelm-Regiment andere Soldaten beherbergt, mit 4000 Mk. — Das stets wachende Auge des Gesetzes, unsere Polizei, blickt blinzelnd auf die zu ihrer Unterhaltung bewilligten 26 050 Mk., wozu noch 2901 Mk. für die „öffentliche Sicherheit" kommen. — Dieweil unsere Beamten der allgemeinen Verwaltung sich noch nickst die Bedürfnislosigkeit von Schildkröten angeeignet haben, und gewissermaßen auch leben w )llen, sind für sie 111198.99 Mk. vorgesehen, für Pensionen und Witwengehalte 4499 Mk. Dieweil jedes geordnete Staats- und Gemeindewesen des Kredits bedarf, d. h. Schulden zu machen berechtigt ist, hat sich auch die Stadt Gießen einen Pump in Höhe von Sieben Millionen zweihundert zehntausend einhundert und zwei Mark und neunundfünfzig Pfennige geleistet, der natürlich verzinst und in Jahresraten abgetragen werden muß; es sind demnach 335 934.06 Mk. für Zinsen und 140 160 Mk. für Schuldentilgung vorgesehen. Glücklicherweise steht den Schulden ein Vermögen von 8 444 837.72 Mk. gegenüber, so daß vorläufig Gerichtsvollzieher und Konkursverwalter hübsch „draußen bleiben" müssen. Der städtische Schutzzoll, zu deutsch Oktroi, soll 114 750 Mk. bringen, wovon 22 711 Mk. wieder verausgabt, werden. Böse Menschen behaupten, daß seit Abschaffung des Oktrois auf Mehl und Backwaren das Brod nicht billiger geworden sei. — Tie übrigen Ausgabeposten sind einzeln nicht von Belang, repräsentieren aber in ihrer Gesamtheit immerhin etwas, das den Steuerzettel inhaltsschwerer zu machen geeignet ist. Weise Sparsamkeit hat nach der Versicherung unserer Stadtväter immer obgewaltet und soll auch in Zukunft beobachtet werden; wer es nicht glaubt, rückt das nächste Mal um eine Steuerstufe höher. — Gerichtssaal. Gießer», 1. Juli. (Gewerbegericht). Unter dem Vorsitze des Beigeordneten Wolff kamen heute 6 Streitsachen zur Verhandlung. Als Beisitzer fungierten Schreinermeister F. H. Müller und Schriftsetzer Adolf Hensel; (F. H. Müller an Stelle des erkrankten Schlossermeisters Karl Stohr». Die Firma Egly unb Bindewald, Zigarrenfabrik, klagt gegen die Tabakabstretferin Frau Dina Krauökopf aus Wiederaufnahme der Arbeit, weil sie sie ohne Grund und Einhaltung der Kündigungsfrist verlassen habe. Die Beklagte erkennt an, unbefugt die Arbeit verlassen zu haben und bittet die Klägerin, ihr die Kündigungsfrist zu erlassen, weil sie schlimme Augen habe. Herr Bindewald erklärt aus prinzipiellen Gründen die Klage erhoben zu haben, verzichtet aber nun, nachdem die Beklagte ihr Unrecht eingesehen, auf Wiederaufnahme der Arbeit durch dieselbe. — In der Klagesache des Hausburschen Kaspar Keßler von Röddenau, vertieten durch seinen Bruder Daniel Keßler in Eberstadt, gegen den Bäckermeister Ludwig Keil hier werden 18 Mk. rückständiger Lohn verlangt. Der Beklagte wendet ein, daß er den Kläger als Hausburschen gegen monatliche Vergütung engagiert habe und daß deshalb der Dtenstaustritt nur am Schluffe eines Monats, nach am 15. desselben Monats erfolgter Kündigung des Vertragsverhältniffes, erfolgen könne. 8 621 des Bürgerlichen Gesetzbuchs treffe hier zu. Er beantrage Klag, abweisung, indem er einen Schaden von mindestens 18 Mk. gegenklagend geltend mache, der ihm kurch den verfrühten Dienstaustritt entstanden sei. Der Vertreter des Klägers bleibt bei seinem Klagantrag, weil es sich um ein gewerbliches Arbeitsverhältnis handele, welches jederzeit nach Einhaltung der 14tägigen Kündigungsfrist gelöst werden könne. Der Be. klagte giebt zu, daß Klager als Hausbursche in seinem Gewerbebetriebe beschäftigt gewesen sei, wendet aber noch ein, daß er ein Dienstbuch, nicht aber ein Arbeitsbuch besessen habe. Das Gewerbegericht vertritt die Ansicht, daß im Fragefall der § 621 des B. G.-B. keine Anwendung finde, da gemäß $ 32 des Einführung«gesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch die Vorschriften der Reichsgesetze in Kraft bleiben unb mithin das Bürgerliche Gesetzbuch nur soweit Platz greife, als die Gewerbeordnung keine Bestimmung enthalte. § 122 der Gewerbeordnung bestimmt aber, daß das Arbeitsverhältnis zwischen den Gesellen oder Gehilfen pp. und ihren Arbeitgebern, wenn nicht ein anderes verabredet ist, durch eine jedem Teile freistehende, 14 Tage vorher erklärte Aufkündigung gelöst werden könne. Daß der Kläger ein Dienstbuch anstatt des Arbeitsbuches besessen, ändere nichts daran, daß Kläger trotzdem gewerblicher Arbeiter sei. Der Beklagte erklärte sich hiernach bereit, den eingeklagten Lohnbetrag zu zahlen. — Die Klage des Schirmmachers Paul Breitkopf gegen die Firma Joh. Spies u. Co. (Inhaber M. Levi), über die wir bereits in Nr. 136 und 141 berichteten, kommt heute wiederum zur Verhandlung, nachdem der als Zeuge benannte Schirmmacher Georg Hammel hierher zurückgekehrt ist und auch seine Klage wieder ausgenommen hatte, in welcher heute ebenfalls Termin ansteht. In beiden Sachen kam, nach Vernehmung des Hammel, Vergleich dahin zu stände, daß die Beklagte an die Kläger je 12 Mk. Entschädigung 'zahlt. — Die letzte Sache betrifft einen Entschädigungsanspruch von 36 Mk. des Schuhmachers Johs. Glitsch gegen den Schuhmachermeister Joh«. Hecker wegen unbefugter kündigungsloser Entlassung. Die Parteien verhandeln widersprechend zur Sache. Der Beklagte erklärt, den Kläger gar nicht entlassen zu haben; dieser sei ohne Entlassung weggegangen. Im Übrigen sei er aber zur Entlassung berechtigt gewesen, weil ihn Beklagter gröblich beleidigt habe. Der Kläger behauptet dagegen, daß Beklagter ihn beleidigt habe, lieber die gegen- fettigen Behauptungen erließ das Gericht Beweisbeschluh; es sollen drei Zeugen zur Sache vernommen werden. Vermischtes. ♦ Köln, 2. Juli. Ein Gutspächter aus Groß-Bernich, der, von Köln heimwärts gehend, abends einen einsamen Weg über Poulheim nach Hause eiuschlug, ist auf der letzten Strecke überfallen und ermordet worden. Die Leiche wurde erst nach mehrtägigem Suchen in einem Kleefelde, an eine Strohmiete gelehnt, halb verwest mit zwei Schußwunden am Kopse hnb einer Verletzung am Auge aufgefunden. Der Gutspächter führte eine große Summe Geldes bei sich, wovon noch 100 Mk. bei der Leiche sich vorsandeu. Allem Anscheine nach liegt ein Raubmord vor. in jeder beliebigen Schriftart und Karton* UIlinariLlI sorte, sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen, liefert zu mäßigen preisen vrühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulftrahe 1 mzert. atritt 50 Pfg- and .ahr- mliii'8 B 81» W* rlnzust»""' btt N . , „ . „ , . Die 16 Sektionen sind: 1. Klassische Archäologie, 2. Numismatik, 3. Geschichte des klassischen und orientalischen Altertums, 4. Geschichte der Kunst und Wissenschaft. Die Ueber brettlseuche fängt allmählich an, in unheimlicher Weise um sich zu greifen. Tas wenige Gute, ; -Has, so wird aus München geschrieben, in den ersten I Gründungen dieser Art immerhin noch enthalten war und il)nen eine gewisse Berechtigung gab, macht immer mehr der i rohesten Zote oder dem gewöhnlichsten Dilettantismus Platz, k Ee die kleinen und kleinsten Talentchen unserer Zeit, über die sonst die mächtige Welle der Tagesereignisse rücksichtslos hinwegging, kommen jetzt mit einem Male zu Ehren und Ansehen; ihr Weizen blüht und man darf sich nicht darüber wundern, daß die Ueber- und Unterbrettl wie Puze nach! einem warmen Regen aus dem, wie es bedauerlicherweise scheint, ziemlich vermorschten deutschen Kulturboden schießen. Auch in München haben wir wieder so einen Fliegenpilz zu verzeichnen, der bereits einmal abgeschnitten war, aber wieder nachwuchs und üppiger wie .vorher gedieh: ich, meine das sog. „deutsche Cabaret" eines Herrn Franz v. Borgias-Schmid. Tie Erfolge der elf Scharf- ricfitcr haben diesen unternehmenden Herrn nicht ruhen lassen, was jene konnten, brächte er wohl auch zu stände, mtd vielleicht noch besser. Er behing ein ordinäres Kueip- lakal einer obskuren Wirtschaft mit ein paar roten Fetzen, nagelte einige alte Bretter an die Wand und nannte das Ganze mit bemerkenswerter Unverfrorenheit eine Bauern- 'flube a la Ostade! Und dann setzt er seinen Gästen am Eröffnungstage (25. Juni) ein Ragout von Blödsinn und antiken Litteratur, 5. Geschichte des antiken Rechts, 6. Allgemeine und diplomatische Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit; Diplomatik und Archivwissenschaft, 7. Geschichte der mittelalterlichen und modernen Litteratur,.8. Geschichte der mittelalterlichen und neueren Kunst, 9. Rechts - geschichte, 10. Geschichte der nationalökonomischen und sozialen Wissenschaften, 11. Geschichte der Philosophie und Pädagogik, 12. Religionsgeschichte, 13. Geschichte der geographischen Forschungen und Entdeckungen; historische Geographie, 14. Geschichte der mathematischen und experimentellen Wissenschaften, 15. Geschichte der Musik und der dramatischen Kunst, 16. Methodik der Historiographie. Tie bisherigen Anmeldungen zur Teilnahme gehen bereits in die Hunderte; aus Deutschland, Oesterreich und der Schweiz liegen schon jetzt 117 Einzeichnungen vor. Wir nennen von bekannteren Namen die Professoren Bode-Berlin, Deussen- Kiel, Diels-Berlin, Dieterich-Gießen, Ficker-Straßburg, Furtwängler-München, Helmolt-Leipzig, Hassert-Tübingen, Hirschfeld-Berlin, Holtzapfel- Gießen, Ihne-Heidelberg, Justi-Bonn, Lamprecht-Leipzig, Theodor Mommsen-Berlin, Pick-Jena, v. Scala-Innsbruck, Schineider-Zürich, Schön e- Kiel, Schwind-Wien, v. Seidlitz-Tresden, Varrentrapp-Straß- burg, v. Weechi-Karlsruhe, v. Wilamowitz-Möllendorf-Berlin, Windelband-Straßburg, Woermann-Dresden, Zangemeister- Heidelberg. müssen, bis auchi diese ungesundeste, widerlichste und in ihren Folgen noch gar nicht abzusehende Mode wieder verschwunden sein wird? In der That, das 20. Jahrhundert fängt in Sachen des guten Geschmackes nicht gerade verheißend an. Und man hatte sich doch schon gerühmt, das berüchtigte fin die siecle endgiltig überwunden zu haben! Mir scheint, daß es jetzt erst seine höchste Vollendung und Reinkultur erreicht hat! Eine energische Gegenbewegung aller, die sich noch ein wenig guten Geschstnack bewahrt habens wäre vielleicht allmählich recht sehr am Platze, bevor dieser grobe Unfug weiteres Unheil anrichten kann, und das ganze deutsche Künstler- und Litteratentum der Bohemeseuche rettungslos verfallen ist? Tie Vorarbeiten für den Internationalen Kongreß der historischen Wissenschaften, der im Frühjahr 1902 in R o m stattfinden wird, nehmen erfreulichen Fortgang. Tas Ehrenpräsidium hat König Viktor Emanuel III. übernommen. Tas italienische Ministerium der öffentlichen Arbeiten gewährt jedem Kongreßmitglied, das an der Grenze seine Legitimation vorweist, für die Hin- und Rückreise von der Grenze nach Rom eine Fahrpreisermäßigung von 30 Proz. für alle Wagenklassen und wird außerdem Extrazüge zum Besuch von Neapel und blutigster Impotenz vor, daß jedes Tingel-Tangel letzten 1 Pompeji zur Verfügung stellen. Ranges die reine Volksbildungsstätte dagegen ist. Es würde 1 o cn... sich ja eigentlich nicht verlohnen, darüber zu reden, wenn derlei Tinge nicht eben symptomatische Bedeutung hätten. .Was werden wir auf diesem Gebiete noch alles erleben | er- j I t i! > c c d ii Um unser sämtliche Frühjahrs- und Sommer - Meuheiten (wrosserRäoniiingsansverkanf Lager in Saison-Neuheiten möglichst gMch zu räumen, verrufen wir nach der Inventur wie: Waschkleider Blusen Jackenkleider Staub- u. 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