•wiener «»»eioer tnt 8ttun»rcU: lokal 11 euewflrt» so Vfg. .Btnnfttl unfcBuei ^öve 58* 1U*S fiennies «hWMrtao. ea’ ^stalt „Hygiea“ M ßSchkl'g ||jf iöilii, Kkhü LLLrZr ÄÄÄ »WfrM. »ultg,»Im,,. n langes '»»Alänk 9 9t iüSjki .S^NTi^ md Wen Qttlmt billige BezvgS-vellr |on|il. NWUr fit 8374 Zimmer und Küche. Einzelne Möbel in grotzer Auswahl. Möbelwagaziv Aug. Oßmam 89 reltersweg 89. fianoforle-Fabrik Wilhelm Arnold kechaffenbuic, W* M BMhvi- TeMon 171 SioH Lager in NttMtPMiicj m allen eh)b und Ml«* Wenig gespielte u. gut tyaninol in jeder DmSlage .ta {lieft, verkauf an Privat« renäußttstmFabük-NeiM^ sranko'kie nung. 10 W Garantie, tt Lagt Pro'M gOuftrictte Sßreiähfte oon lmvseblungen pckmI. Ä=s ata»? ■LSirassbtirger ■ BoteiKreui k«-«6‘r‘,L*uul n. Baden- ßßlfl- Badener"*;; za',n32Ul geennne >000 ’• ’>0 2000 !=-'■ >000 im*** v so» *i‘ll Volttische Tagesschau. Der bisherige preußische Laudwirtschaftsmiuister, Freiherr v. Hamm'.rftein-Loxten, hielt auS Anlaß einer in Quakenbrück, Bezirk Osnabrück, abgehaltenen großen landwirtschaftlichen Ausstellung, der u. a. auch UnterstaatSsekretär Lohmann au« Berlin beiwohnte, zwei Reden, die viel bemerkt wurden. Der Minister hob u. a. hervor, er habe sich seiner Zeit nur schweren Herzens dazu entschließen können, seine heimatliche Scholle zu verlassen und nach Hannover und Berlin zu gehen. Jetzt aber bestehe sein Stolz darin, nach wie vor sagen zu können, daß er ein echter und rechter Landbauer geblieben sei. Er habe bei seinem Abgänge viel Tadel in den Zeitungen erfahren. Am meisten gefreut aber habe er sich über ein ostpreußisches Blatt, das ihm vorgeworfen habe, er hänge viel zu sehr au seiner evgern Heimat. Auf diesen Tadel sei er ordentlich stolz. Im Übrigen müsse sich die Landwirtschaft die Fortschritte der Neuzeit mehr zunutze machen. „Hilf dir selbst, bann hilft dir Gott!", diesen Spruch muffe man sich immer vorhalten, bann werde auch die Landwirt« schäft aus ihrer schwierigen Lage herauskommen und die Hilfe der StaatSregiernvg — davon sei er überzeugt — nicht fehlen. „Wir wollen als treue, echte Niedersachsen mit eisernem Fleiß, mit eiserner Energie, mit eiserner Arbeit uns zu helfen suchen, aber dann wollen wir vom Staate kommen heißt; es ist dies das erste Mal, ebenso wie deutsche und französische Truppen zum ersten Mal Schulter einen gemeinsamen Feind in guter ) treuer Kameradschaft gekämpft ist, bürgt durch sein bisheriges Verhalten dafür, daß zunächst ernstlich für Ordnung gesorgt wird. Mer die Kövfe der Chinesen sitzen lose, und man weiß nicht, was bte Zukunft bringt. Im südlichen China gärt es jetzt Plötzlich wieder bedeutend; aus Kwetschou und aus yünan — also dem Interessenbereiche der Franzosen — sind Tausende Aufständische nach Szetschwan eingebrochen, und man hört noch nichts davon, daß von amtlicher chinesischer Seite etwas geschehen wäre, um den von diesen Horden verbreiteten Schrecken zu mildern. Wenn nun auch China die hohe Entschädigung zahlen will, so ist doch immer noch nicht zwischen den Mächten vereinbart, auf welche Weise die Zahlung erfolgen soll; wie schwierig diese Angelegenheit ist, ergiebt sich aus der Thatsache, daß die Gesandten zum Schlüsse miteinander beraten haben, nur um mit der Okkupation ein Ende zu machen, unter ausdrücklichem Ausschluß der Erörterung der Entschädigung. Die letztere wird die Kabinette voraussichtlich noch länger beschäftigen, die, wenn sie auch alle froh zu sein erklären, die Truppen aus China abberufen zu haben, doch wohl nicht alle es werden unterlassen können, da hinten im fernen Osten nach günstigen Augenblicken für Verbesserung ihrer Position auf Kosten anderer zu spähen. Rußland hat es auf Japan abgesehen und hofft, durch engeres Einvernehmen mit Frankreich diese Macht zu lähmen, besonders in ihrer Hoffnung auf Korea. Wenn es nach dem englischen Kolonialminister Chamberlain ginge, dann hätte dieser mit seinen Reden den Bur en krieg längst beendigt. Dieser Tage kam der englische Oberkommissar Sir, jetzt Lord Alfred Milner in London an, und zu seiner Begrüßung hielt der Minister eine Rede, in der er behauptete, thatsächlich sei der Krieg schon zu Ende. Die Vorgänge in Südafrika strafen diese Behauptung aber fortgesetzt Lügen. Die Meldung des Brüsseler „Petit bleu" über eine empfindliche Schlappe, die der Unterbefehlshaber des Burengenerals Delarey, Beyer, den Engländerii bei Kalkheuvel in der Nähe Von Pretoria beigebracht hatte, ist zwar von englischer Seite noch nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert worden -r und das will doch etwas bedeuten. Dann kam die Nachricht von einem neuen heftigen Gefecht im Südwesten von Transvaal, in dem die Hauptmacht der Buren unter dem Oberbefehlshaber Delarey engagiert, und das für die Engländer wie für die Buren mit starken Verlusten verbunden war. Ueber das Gefecht liegen Meldungen von privater und amtlicher Seite vor, die einander bezüglich des Ms- ganges des Kampfes allerdings widersprechen. Nach Ktt- chener wurde die Streitmacht des Generals Tixon in Vlak fontein gestern von den Truppen Telareys angegriffen, aber die Buren wurden mit schwerem Verluste zurückgeschlagen und ließen 35 Tote zurück. Er selbst bedauert, daß auch die britischen Verluste schwer sind. Eine Londoner Kriegskorrespondenz dagegen meldete, Delarey fügte der Brigade Tixon zwischen Mahalsstad und Vlakfontein eine empfindliche Niederlage bei und warf die Engländer nach vierstündigem Kampfe auf Ventersdorp zurück. Hier wird aber auch zugegeben, daß die Verluste der Buren infolge des energischen Sturmangriffes ebenfalls stark waren. Das Gefecht hat ohne Zweifel zwischen Ventersdorp, Klertsdorp und Potchefstroom, also wieder in der Gegend von Hartebeestfontein stattgefunden, wo sich bekanntlich schon Anfang Mai heiße Kämpfe abgespielt haben, in denen die Engländer gleichfalls schwere Verluste erlitten. Man muß abwarten, welche Folgen dies Gefecht für die Kriegs- lage haben wird, um beurteilen zu können, welche der beiden Parteien den Sieg davongetragen hat. Vielleicht handelt es sich um einen zwar heißen und für beide; Teile verlustreichen, aber doch mehr oder weniger unentschieden gebliebenen Kampf, wie man wohl aus dem Umstande schließen kann, daß dieses Mal wenigstens Lord Kitchener sich dazu verstanden hat, das Wort zu ergreifen, während er von den früheren, für die Engländer ungün- stigen Gefechten kein Sterbenswörtchen hat verlauten lassen. Armee Hurra! Hurra! Hurra!" Nach dem „Figaro" hat der Kaiser dem amtlichen Text zufolge gesagt: „Die Gardebrigade muß noch auf eine andere Ehre stolz sein. Zwei wackere französische Offiziere befinden sich unter uns, zum ersten Male seit vielen Jahren, wie auch zum ersten Male französische und deutsche Soldaten Schulter an Schulter gekämpft haben für die Zivilisation gegen einen gemeinsamen Feind, im Geiste treuer und aufrichtiger Waffenbrüderschaft. Ich begrüße dieses Ereignis mit großer Genugthuung und trinke auf das Wohl der beiden wackeren Offiziere und ihrer ruhmreichen Armee." Tie verschiedenen Lesarten weichen in vielen Einzelheiten voneinander ab. Wer hat jenen ersten Text, dem die Regierung „einige Ungenauigkeit" nachfagt, und wer den „amtlichen" Text in die Oefkentlichkeit gebracht? Es ist in jedem Falle beschämend, daß die deutsche Presse den „amtlichen" Wortlaut einer vom deutschen Kaiser gehaltenen Rede erst aus dem Pariser „Figaro" kennen lernt! Der französische General Bonnal brachte nach der Rede des Kaisers auf die preußische Armee und ihren Soldatenkaiser ein dreifaches Hoch aus. So schön die Worte des französischen Gastes in Berlin klangen — der französische Kriegsminister Andre hat fast gleichzetig in Troyes eine Ansprache gehalten, die stark nach Revanche gegen Deutschland duftete. Sollte damit der Eindruck des Berliner Besuches wettgemacht und der Ausbeutung desselben durch die Nationalisten, als sei er ein neues Zukreuzekriechen vor Deutschland, vorgebeugt werden? Tas hätte Andre aber thun können, ohne gerade den „Sieg" vorzubereiten. — Die französischen Sozialisten haben sich auf ihrem neuesten Kongreß zu Lyon tüchtig gezankt. An dem Kongreß beteiligten sich mit Ausnahme der Guesdisten alle Fraktionen der französischen Sozialistenpartei. Ter Zweck des Lyoner Kongresses war die Herstellung dieser Einheit , aber die Gemäßigten und die Revolutionäre gehen hinsichtlich der Mittel, das Ziel zu erreichen, so iveit auseinander, daß ein Mißerfolg eintreten mußte. Neue Vorkommnisse auf sozialem Gebiete in Rußland zeigen dort eine gewaltäge Gärung in der Arbeiterschaft, die neuerdings zu blutigen Zusammenstößen mit den Hütern der Ordnung geführt hat. Vielfach machen die Studenten, durch die jüngsten Maßregelungen erbittert, mit den Arbeitern gemeinsame Sache. Die Zeitungen dürfen nichts darüber bringen; die „Nowoje Wremja", die einen Aufsatz über diese Dinge mit Ratschlägen für die Regierung gebracht hatte, wurde gemaßregelt. Tie inter- nattonale Sozialdemokratie hat sich der Studenten und Arbeiter angenommen und bereits in verschiedenen Ländern Kungeoungen gegen die russische Regierung veranstaltet. Mit China ist es also zum Fried en sabschlusse gekommen. Ter Kaiser von China hat, dem Verlangen der Mächte gemäß, in einem Edikt die Zahlung von 450 Mill. Taels als Entschädigung an die Mächte feierlich zugesagt und auf Anordnung des Reichskanzlers hat der deutsche Kaiser angeordnet, die Auflösung des Oberkommandos des Grafen Waldersee und die Rücksendung des größten Teiles der deutschen Chinatruppen vorzubereiten; das Panzergeschwader soll unmittelbar zurückkehren. Die anderen Mächte betrachten das Dbcrfommanbo wohl schon thatsächlich als aufgelöst, denn sonst würden sie sich nicht mit Anerkennungen für die Art, wie Graf Waldersee sein Kommando geführt, so beeilt haben. Graf Waldersee wird in der allernächsten Zeit China verlassen; die deutschen Marinetruppen sind vom chinesischen Gebiet schon nach Tsingtau beordert, und eine Anzahl Passagierdampfer befindet sich auf dem Wege nach Tientjin, um die deutschen Chinakrieger heimwärts zu befördern. Tas Gebiet der militärischen Okkupation wurde schon beschränkt, die förmliche Temarkationslinie preisgegeben, die unter blutigen Kämpfen aufrecht erhalten worden war, die Chinesen dürfen die Jurisdiktion wieder ausüben, Peking wird geräumt — von den Deutschen zunächst nur „versuchsweise" auf 14 Tage, doch dürfte das nur eine formelle Bedingung sein, da der Kaiser mit dem Hofe bereits Anstalten zur Rückkehr nach Peking macht und dort nur bann weiter residieren will, wenn die fremden Besatzungstruppen entfernt sind. Tie Schutztruppen für die Gesandtschaften werden natürlich bleiben und zwar gegen die früheren Verhältnisse in bedeutend verstärkter Anzahl. Wenn vielfach auch angenommen wird, den Chinesen sei durch die Okku- patton Respett eingeflößt worden, so kann man diese Annahme doch nicht unbedingt in dem Sinne unterschreiben, als ob es nicht genug Elemente auch in Tschitt selbst gäbe, die auf Rache im nächsten günstigen Augenblick sännen; Prinz Tuan, der Hauptverbrecher, lebt noch und glaubt seine Rolle gewiß noch nicht ausgespielt zu haben. Tamm wird es gut sein, auf der Hut zu bleiben und die Gesandten mit ihren Schutzwachen in Peking so zu stellen, daß sie bei der Wiederholung von Wirren nicht mehr in solche Bedrängnis geraten wie im verflossenen Sommer. Ter Gouverneur von Schantung, Yuanchikai, der bei der lieber nähme der Mfgabe, die Ordnung in Tschili nach Abzug der Fremden aufrecht zu erhalten, stark beteiligt an Schulter gegen eine: Waffenbrüderschaft und haben. Tie beiden Herren Offiziere und ihre gesamte Amtlicher Teil. Gießen, 31. Mai 1901. Betr.: Ablieferung der allgemeinen evangelischen Kirchensteuer für 1901 an den evangelischen Zentral- kirchenfouds. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Nach hierher gelangter Mitteilung sind seitens der Gemeindekaffen die allgemeinen evangelischen Kirchensteuern für 1900/01 erst zum Teil an den evangelischen Zentral kirchenfondS abgeführt. Wir beauftragen Sie, die Gemeinde-Einnehmer Ihrer Gemeinden anzuweisen, die bis jetzt eingegangenen Beträge unverzüglich an den Rechner des genannten Fonds abzn- führen. v. Bechtold. Politische Wochenschau. Während in unserer Landeshauptstadt die von unserem Landesherrn protegierte einzigartige Ausstellung der Künstlerkolonie von nah und fern ernschafte Kunstfreunde und mehr noch neugierige Kunstbanausen anlockt, die gleich beim Anblick der Peter Bürck scheu Malereien am Eingänge zur Ausstellung vorschriftsmäßig erröten und sich „sittlich" entrüsten, darauf aber, wenn sie sich unbeob- pchtet glauben, sich ins Fäustchen lachen, wahrend der Oberbürgermeister der Residenzstadt Darmstadt es für passend erackstete, einer hessischen Lex Heinze das Wort zu reden — stand die Reichshauptstadt im wesentlichen unter dem Eindrücke des Besuches der jungen holländischen Königin und den höfischen Veranstaltungen folgte eine feierliche und, den vorliegenden Berichten zufolge, sehr würdige Begrüßung der Monarchin des stammverwandten Volkes an den Mündungen des Rheins durch den Berliner Oberbürgermeister. Tie Anwesenheit der holden Frauengestalt auf europäischem Fürstenthron gestaltete sich für Berlin zu einem Ereignis, an dem die Bevölkerung Berlins und der Nachbarresidenz Potsdam den innigsten Anteil nahm. Zwischen dem Berliner und dem Amsterdamer Hofe haben stets Beziehungen herzlichster Natur bestanden, die auch nicht getrübt wurden, als man in Amsterdam in der Burenfrage eine wesentlich andere Haltung einnahm, als das amtliche Berlin dieses that. Es giebt heute noch Leute, die da glauben, daß der bezaubernde Einfluß der jugendschönen Königin Wilhelmina eine Wendung zum Besseren für die Buren herbeiführen werde. Zu derselben Zeit spielte sich in Berlin das von der Presse der Welt als bedeutungsvoll empfundene Schauspiel M- ••mtunfc- *n. Ml »chentttch bdyOflt. fordern, daß er uns da, wo unsere Hilfe nicht ausreicht, seine mächtige Hand zur Unterstützung weiter leihe." Bezeichnend für die preußische Art der Lehrerverweudung ist folgende Verfügung der Gumbiner Regierung an die ihr unterstellten Ortsschulinspektoren, die die „Tils. Vlllg. Ztg." mitteilt: Königliche Negierung, Abteilung für Kirchen-Schulwesen, II Ea 1230. Es ist für unS von Jnterefse, zu erfahren, in welchem Umfange es gelungen ist, durch die von unS mehrfach in Anregung gebrachte Thättgkctt der Lehrer die Verbreitung christlicher und patriotischer Zeitschriften, Blätter und Kalender zu fördern und damit das Bedürfnis der Bevölkerung veredelnd zu beeinflussen. Wir ersuchm Sie, die Lehrer Ihres Äusstchtsbeztrts zum Bericht darüber zu oeranlasieo, welche Zeitschriften ufw. dieser Art und in wie vielm Exemvlaren — nach dem Stande am 1. Januar 1901 — durch sie zur Vertellung gelangen und wie viel Exemplare der einzelnen Zeitschriften von festen Abonnenten. bezogen werden. Aus den Berichten der Lehrer wollen Sie alsdann eine Zusammenstellung fertigen, aus welcher neben den Namen der Lehrer die in Ihrem Bezirk verbreiteten Zeitschriften, sowie die Etücfiahl bet letzteren (und unter diesen wiederum die Zahl der fest abonnierten) erfichtlich sein müffcn. Am Schluffe dieser Zusammenstellung wollen Sie dann noch außerdem die von Ihnen selbst etwa verbreiteten Blätter unter gleichzeitiger Angabe der festen Abonnenten eintragen. Die Nachweisung nebst den Berichten der Lehrer ersuchen wir bis zum 1. Februar 1901 dem Herrn Kreisschulinspektor oor- zulegen. (Gez.) Schuster. Von den verschiedenen sozialen Kongreffeu der Pfingst- woche ist der evangelisch-soziale Kongreß in Braunschweig am ruhigsten und unter geringerer Beteiligung als sonst tierlaufen. Das Hauptergebnis des Kongresses der christlichen Gewerkschaften war das Festhalten an dem, allerdings als sehr fern anerkannten „Endziel" der neutralen Gewerkschaften. Die Mehrheit, die dafür eintrat und die Festlegung der gesonderten Organisation der christlichen Gewerkschaften „für alle Zukunft" ablehnte, war weit größer, als es nach dem AbstimmungSverhältniS scheint. Die Mehrheit vertrat that- sächlich fast 100 000, die Minderheit dagegen nur 7700 Gewerkschaftsmitglieder. Am erregtesten ging es, wie zu erwarten war, auf dem Kongreß der evangelischen Arbeitervereine zu Speyer zu. Hier kam es zu einer vollkommenen Spaltung zwischen der sog. Bochumer, der Sozialdemokratie feindlichen Richtung auf der einen und der unter nationalsozialer Führung der Verbrüderung mit den Sozialdemokraten zustrebenden Richtung auf der anderen Seite, lieber den Hergang ist folgendes zu berichten: Es wurde über die Stellung der evangelischen Arbeitervereine zu den Gewerkschaften verhandelt. Der Hauptreferert wandte sich vor allem gegen eine Anlehnung an sozialdemokratische Gewerkschaften. Wer von den Mitgliedern sich noch einer weiteren Organisation anschließen wolle, möge dies thnn, doch müsse dabei zur Bedingung gemacht werden, daß eine Organisation gewählt werde, deren Grundsätze mit den Prinzipien der königstreuen evangelischen Arbeitervereine harmonieren. In diesem Sinne war auch die von dem Redner vorgeschlagene Resolution gehalten. — Einen entgegengesetzten Standpunkt vertrat der Korreferent Vereinssekretär Franz Behrens-Berlin. Er erachtete den Anschluß an gewerkschaftliche Organisationen für unbedingt notwendig und empfahl folgende Resolution: „1. Die Delegierten-Versammlung erkennt die Notwendigkeit der beruflichen Organisation der Arbeiter an. 2. Es ist nicht die Aufgabe evangelischer Arbeitervereine, berufliche Organisationen (Gewerkschaften) ins Leben zu rufen oder gar den gewerkschaftlichen Kampf selbst zu führen. 3. Jedes Mitglied kann irgend einer Berufs-Organisation unter Ausschluß statutarisch konfessioneller oder parteipolitischer Gewerkschaften, nach eigener Wahl beitreten. 4. Den Mit gliedern evangelischer Arbeitervereine wird dringend empfohlen, sich zu organisieren und in ihren Gewerkschaften auf eine volle konfessionelle und parteipolitische Neutralität hinzuwirken. 5. Der Eintritt von Mitgliedern evangelischer Arbeitervereine in bestimmte Gewerkschaften ist in den einzelnen Orten möglichst bald und durch gemeinsamen Beschluß der Berufsgenosien des betreffenden Vereins herbeizuführen." — Die zweite Resolution wurde mit einigen Aenderungen angenommen. Nebenher ging noch ein anderer, denselben Gegensätzen entspringender Streitfall. Bei den Ausschußwahlen erlitt der nationalliberale Abg. Franken-Bochum eine Niederlage. Darauf trat der Gesamtausschuß zusammen, um ihn zum Ehrenmitglied zu wählen. Abg. Franken erklärte jedoch, von dieser Ehre keinen Gebrauch machen zu wollen. Nach den Beratungen über die Gewerkschaftsfrage, die mit der Nieder- läge der Bochumer Richtung, geendet hatten, sollte auf Be schluß des Gesamtausschusses eine geheime Sitzung stattfinden, in welcher der „Einbruch" des Pfarrers Naumann in das Ruhrrevier besprochen werden sollte Die Vertreter der Bochumer Richtung bestanden aber auf öffentliche Sitzung. Pfarrer Lic. Weber bestand im Interesse des Zusammen- haltens des Verbandes auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Darauf verließen die Vertreter der Bochumer Richtung demonstrativ den Saal, womit der Bruch eingetreten ist. Der Gesamtausschuß der evangelischen Arbeitervereine verliert mit dem „Ruck nach links", den er in Speyer im Sinne Naumanns vollzogen hat, etwa 30 000 und behält 40 000 Mitglieder. Kolonialpost. , ^"bäucht im Bezirk Atakpame in Togo. In Den Landjchaften um die Station Atakpame der deutschen Kolonie Logo ist die Rindviehzucht von sehr erheblicher Bedeutung, ^.as dort vorkonnnende Rindvieh ist eine lleme, aber tadellos gebaute Rasse. Wie alles bei den .legern planlos betrieben wird, so wird auch die Viehzucht natürlich ohne ieden Plan bei freier Zucht betrieben Ge- rnolken werden dre Kühe nie oder nur in sehr vereinzelten Fällen, kurz nach dem Kalben. Die Euter sind daher aar nicht ausgebildet und der Milchertrag gleich Null Als Arbeitsvieh finden die Rinder bisher noch keine Verwendung, sondern nur als Schlachtvieh. Ter Wert eines aus gelvachsenen Rindes ist etwa 25 Mark. Ein Export nach der vieharmen Küste beginnt bereits sich anzubahnen. Ter Hebung der Viehzucht sollte ganz besondere Aufmerksam feit geschenkt werden. Tn'rch richtige Zuchtwahl und Kreuz ung mit einer besseren Rasse ließe sich das eingeborene Rind zu einer widerstandsfähigen, kräftigen Rasse gestalten, die gute Zuchttiere abgiebt und zugleich milchergiebig und fleischig ist. Um diesem Ziele näher zu kommen, müßten einige Zuchttiere zur Kreuzung importiert und einige Teckstattonen gegründet werden. Ter Sachsenwald bei Dar-es-Sataam. In der Nähe von Tar-es-Salaanr wird in einem Waldterrain, das den Narnen „Sachsenwald" erhalten hat, der Versuch gemacht, ob es möglich ist, einen gelichteten und sich selbst überlassen gewesenen Steppenwald durch vollständiges Fernhalten von Menschen und Weidetiieh zu verjüngen und zu ergänzen. Die durchhauenen, teilweise stark lückigen Bestände, welche einen Flächenraum von etwa 1200 Hektar einnehmen, schließen sich scheinbar wieder, da die kleinen Lücken durch eine wüchsige Naturverjüngung gedeckt sind. Die großen kahlen Flächen, bei denen wegen ihrer Ausdehnung eine Naturbesämung ausgeschlossen ist, sind jetzt teilweise mit einheimischen wertvollen Holzarten, sowie mit Albizzia Lebbeck kultiviert, und zwar sind erstere durch Saat, die im Sachsenwalde gewonnen ist, eingebracht, letztere als anderthalbjährige, etwa 7 Meter hohe Pflanze, die dem Versuchsgarten zu ^ar-es-Salaam entnommen sind, gepflanzt worden. Tie Sarnen sind meist gut aufgegangen, die Pflänzlinge der Akazien scheinen auf. dem trockenen Sandboden gleichfalls fvrtzukommen. Die Kulturversuche sind während der Regenzeit ausgeführt, sollen später fortgesetzt werden, und es wird mit geringen Mitteln möglich sein, einen geschlossenen Bestand zu erzielen. Als Forstschutzpersonal ist ein Inder und ein Eingeborener an gestellt, die sich auch bei der Ausführung der Kulturen bewährt haben. Kus Stadt und Land. Gießen, 3. Juui 1901. •• Zum Gyuäkologeu Kongretz. Bon sehr geschätzter Seite wird uns geschrieben: In der am Freitag dem 31. Mai, nachmittags 4 Uhr, abgehaltenen Schlußsitzung des 9. Kongreffes der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie beauftragte die Versammlung durch laute Akklamation den Vorsitzenden, Geh. Rat Prof. Dr. Löhlein, den städtischen Verwaltungsbehörden nochmals den Dank der Kougreß-Teilnehmer für die gastliche Aufnahme in Gießen und besonders für das wohlgelungene, von der Stadt veranstaltete Abendfest im Philo- sophenwalde auszusprechen. Alle versicherten, daß sie die angenehmsten Erinnerungen an die wohlvorbereiteten und wohlgelungeneu, wenn auch etwas sehr heißen Sitzuvgstage in Gießen mitnähmen. ** Das hessische Ministerium des Zauern hat neue Bestimmungen über die Stellung unter Polizeiaufsicht herausgegeben. Diese Maßregel soll fortan nur dann statt- finden, wenn begründete Besorgnis besteht, daß der Verurteilte die wiedererlangte Freiheit in gemeingefährlicher Weise mißbrauchen werde. Weiter hat das Ministerium verfügt, daß, so lange ein Verurteilter einer geordneten Fürsorge untersteht, alle Schritte, die geeignet sind, ihm eine geordnete Thätigkeit zu erschweren, wie z. B. Erkundigung nach ihm durch Polizeibeamte, vermieden werden sollen. Bad Nauheim, 2. Juni. Unterhaltungen. Früh konzert der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr am Kurbrunnen. Dienstag, 4. Juni, nachmittags von 4—6V2 und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 aus Gießen. Eintritt wie Sonntag. Bei gutem Wetter spielt dir Kurkapelle nachmittags von 4—6 Uhr am Teichhause. Eintritt frei. Abends von 8—10 im Saale Tanz. Mitt- woch, 5. Juni, nachmittags von 4—6’/a und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Die schöne Cleo". Schwank in 3 Aufzügen von Sylvane und Artus. Donnerstag, 6. Juni, nachmittags von 4—6i/a und abends von 8—10 Uhr auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle, Abends SinfonieKon- zert. Freitag, 7. Juni, nachmittags von 4—6i/2 und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Robert und Bertram" oder „Die lustigen Vagabunden". Posse mit Gesang und Tanz in 4 Abteilungen von G. Räder. Samstag, 8. Juni, nachmittags von 4—6^ und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale: Humoristischer Dialektabend des Herzog!. Meiningenschen Hofschauspielers Maximilian Bcck aus Coburg. Friedberg, 2. Juni. Die Inbetriebnahme der Neben bahn Friedberg—Friedrichsdorf—Bad - Homburg findet voraussichtlich am 1. Juli statt. Von hier aus gehen nenn Züge ab, und zwar 4,10, 5,45, 7,30, 9,25, 1,10, 4,20, 6,39, 8,20 (nur an und vor Sonn- und Feiertagen), 10,07 Uhr, während die Abfahrzeiten von Bad Homburg hierher auf 4,25, 6,31, 8,11, 11,40, 2,43, 5,27, 6,25 (nur Samstags und vor Feiertagen), 7,36, 9,13 und 11,02 Uhr vorläufig festgesetzt find. An der Strecke liegen außer den genannten Endstationen die Orte Ober-Roßbach v. d. H., Rodheim v. d. H., Holzhausen v. d. H., Friedrichsdorf i. T. und Seulberg. Wiederum kommen durch die Nebenbahn zwei fahrende Landposten in Wegfall, nämlich Friedberg— Ober-RoSbach und Nieder-Wöllstadt—Holzhausen. Postkutsche und Schwager werden bald der Vergangenheit angehören. Darmstadt, 2. Juni. Der Großherzog empfing am 2. Juni u. a. den Oberstleutnant Herrlein vom Stabe des Infanterie Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, den Major v. Schlemmer, Bataillons Kom mavdeur von demselben - Regiment, den Regierungsrat Boeckmann von Gießen, den Gewerbe-Inspektor Engeln von Worms, den Oberlehrer und Rektor Dr. Krausmüller von Homberg a. d. O. Wiesbaden, 2. Juni. König Christian von Dänemark traf mit seinem Bruder, dem Prinzen Johann von Schleswig-Holstein, gestern nachmittag zum Kurgebrauche hier ein. Freitag abend war der König in Frankfurt eingetroffen, wo er im Laufe des gestrigen Vormittags bei der Land- gräfin von Hessen das Frühstück einnahm. Der Prozeß wegen der Ermordung des Rittmeisters v. Urosigk. IV. Gumbinnen, 1. Juni. Aus dem gestrigeu Verhandlungstag ist noch folgendes nachzutragen: Verteidiger Rechtsanwalt Horn: Die Frage der Vereidigung des Zeugen Skopek ist von der größten Wichtigkeit. Mit seiner Aussage steht und fällt die Anklage. Skopek war selbst^verdächtigt. Der Verdacht ist jedenfalls nicht abweisbar, daß er über Nacht seine Wahrnehmungen über die zwei Unteroffiziere erfunden hat, um den Schuld- verdacht von sich abzuwälzen. Nunmehr hält er sich für verpflichtet, bei seiner Aussage zu bleiben. Es wäre möglich, daß Skopek beim Ab feuern des Schusses hinzugekommen ist und die Thäter gesehen hat. Daher spricht er von zwei Personen, spricht von steifen Mützen, weil er selbst, wenn nicht zwei Leute an der Reitbahnthür gestanden hätten und diese nicht Unteroffiziere gewesen wären, hätte unter Anklage gestellt werden können. Beruht die Wahrnehmung Skopeks nicht auf Wahrheit, so fällt die ganze Anklage in sich zusammen. Ich "bitte daher nochmals, dem Zeugen Skopek ernstliche Vorhaltungen zur Aussage der Wahrheit machen zu wollen. Staatsanw. Lüdicke beantragt Vereidigung des Zeugen. Tieser habe stets einen glaubhaften Einoruck gemacht und sei in seinen Angaben immer fest geblieben. Wenn er falsche Angaben hätte machen wollen, hätte er sich! besser ausreden können. Das Gericht zieht sich zu längerer Beratung zurück. — Oberkriegsrat Schulz stellt dann an Skopek folgende Frage: Haben Sie, bevor die Schwadron auf der Reitbahn der Leöche um halb neun Uhr abends gegenübergestellt wurde, gewußt, daß der Rittmeister erschossen worden war? Skopek: Nein, erst als angetreten wurde. Präs.: Wußten Sie, daß der Schuß von der Banden- thür an der Reitbahn gekommen war? Zeuge: Nein. Präs.: Wurde es nicht gesagt? Zeuge: Nein, mir nicht. Präs.: Ihnen nicht, aber im allgemeinen. Verteidiger R.-A. Burchardt weist darauf hin, daß nach der Beweisaufnahme, als die Schwadron auf der Reitbahn antrat, jeder wissen mußte, woher der Schuß gekommen war, und bittet, die Vereidigung des Skopek auszusetzen und jeden noch zur Vernehmung gelangenden Zeugen zu fragen, ob er gewußt habe, woher der Schuß gefallen war. Präs.: Das Gericht hat beschlossen, von der Vereidigung des Skopek vorläufig abzusehen. (Zu Skopek gewendet): Das Gericht wird Ihnen Gelegenheit geben, sich die Sache ordentlich und in Ruhe zu überlegen. Bedenken Sie, lvelche ausschlaggebende Bedeutung Ihre Aussage hat. Ueberlegen Sie sich, ob sie wahr ist, ob Sie sich die Wahrnehmungen nur ein- reden, oder ob Sie sie erfunden l-aben, um sich selbst reinzuwaschen. Wenn Sie geirrt haben, brauchen Sie nicht gleich! zu befürchten, daß Sie in Anklagezustand versetzt werden. Staatsanivalt Lüdicke beantragt, jeden Mann antreten zu lassen, und zu fragen, ob er gewußt habe, daß der Schuß von der Thür her gefallen sei. Tas Gericht beschließt, den Beschluß hierüber noch auszusetzen. Zeuge Polizeikotnmissar Marbeck hatte die erste Ermittelung anzustellen. In der Stadt glaubt man, daß es sich um einen Racheakt eines Unteroffiziers gehandelt habe. Anhaltepunkte, daß auch Zivilpersonen am Morde beteiligt seien, haben sich nicht gefunden. Nach der Flucht Martens fand eine Haussuchung bei der Braut oes Martens statt. Es wurde aber nichts gefunden. Es wurde nunmehr die Flucht Martens zur Sprack)e gebracht. Fräulein Pomm: Auf dem Gutshof meines Bruders klopfte es nachts und es erschien Marten, und wir sagten, daß wir ihn für unschuldig halten, aber er würde verurteilt werden. Er bat um Essen und Zivilkleider. Ich sagte ihm, er möge über die Grenze nach, Rußland gehen. Mein Bruder mackste ihm Vorstellungen, worauf er wegging. Am nächsten Tage kam er jedoch zurück und sagte, er habe beschlossen, sich wieder zu stellen. Gutsbesitzer Pomm bestätigt die Aussage seiner Schwester. Marten sagte, er sei wegen schlechter Behandlung aus dem Arresthause geflüchtet. Er habe ihm die Bitte um Ausnahme abgeschlagen. Als Marten am nächsten Abend wiederkam, habe er gleich erklärt, er werde sich stellen. Feldwebel Tollkiehn schildert die Flucht des Marten am 12. März und bestreitet, beu Marten schlecht behandelt zu tyaben. Im Arrest habe sich Marten schlecht geführt, er sei ihm unheimlich vorgekommen. — Die weitere Beweisaufnahme ergiebt, daß Marten bis Degesen, eine Meile von der russischen Grenze, gekommen ist, dann kehrte er um. Zum Schluß folgt noch eine geheime Sitzung. Es wird die Kaserne in Augenschein genommen. * » • Oberleutnant v. Hoffmann bekundet, daß das Verhältnis Hickels zu seinem Rittmeister in letzter Zeit kein gutes gewesen sei. Rittmeister v. Krosigk kam zuletzt sehr häufig auf die Reitbahn und ließ dann Hickel selbst reiten. Bei dieser Gelegenheit tadelte er wiederholt das Reiten Hickels. Der Rittmeister fuhr den Angeklagten mehrfach heftig an, ich glaube dreimal, und sagte dabei zu ihm: „£>err Unteroffizier, wenn Sie nicht thun, was ich Ihnen sage, so lasse ich Sie einsperren!" Das war ein oder zwei Wochen vor der Mordthat. Einmal nannte der Rittmeister den Hickel auch einen nichtswürdigen Patron. Verteidiger R.-A. Horn: „Ich habe noch eine Frage a n den Zeugen zu fteHen, muß dazu aber den Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragen." — Tie geheime Sitzung zog sich über eine Stunde hin. Es wurden u. a. vernommen Oberleutnant v. Röper, Sergeant Bouillon, Unteroffizier Melzer und andere Unteroffiziere. Auch der Wachtmeister Marten, der Vater des Angeklagten, wurde hereingerufen, nachdem er sich heute bereit erklärt hatte, Zeugnis abzulegen. Gegen 11 Uhr wird die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Sergeant Fehler sagt aus, Skopek sei kein schleckster Mensch, und der Rittmeister v. Krosigk habe ihn gut leiden mögen. Er sei zwar nicht gerade sonderlich geweckt, aber auch gerade keine Schlafmütze. Verteidiger Rechtsanwalt Horn: „Hickel behauptet, er sei ein guter Reiter gewesen. Von drei Pferden, die er zugeritten, sei eins Chargenpferd geworden; das andere habe Frau v. Krosigk geritten. Wenn er in letzter Zeit im Reiten nacygelassen habe, so könne das nur daran liegen, daß er an Krampfadern leide. Weiß Zeuge hierüber etwas?" Sergeant Fehler: „Früher lobte der Rittmeister den Hickel. Letzthin hatte er ihn aber häufig getadelt. Hickel hat sich dem Rittmeister gegenüber auch mit seinen Krampfadern entschuldigt." Präs.: „Waren Sie der Krampfadern halber in ärztlicher Behandlung?" Hickel: „Jawohl." Oberkriegsrat Schulz teil hierauf mit: „Soeben ist eine Eilpostkarte aus Berlin beim Tomnig fragen nach der Reitb Thürloch Hindu! Loden mit entbl Lichtschein, da . nachdem ich- in schnell in den C aufhielten und Men" Gendar war ich in de l)aben die zwei antwortete: Ick Mann standen, *"■ Ausmeir putzen aufgehc 1°n,t nichts geh lch zweiMc !ff slb waren. Lugen." ff Rede; L n- n könne sick Äefielt SM Er ff .der Lberle W-S ZW. sw« ä* leit «Mei ‘«UfaV» erwähnt ff ist sei, K>de, ln ArgE -qjici Uuh « dumm-" be- untre MsbM worden [«• £ iahen, wie de MB mit eine, U nicht eme jeuge: ,Mn, goner Statuts! am WW. Unteroffizier - Acht anzundei tränkte W Sergeant Hwe zu. Ich habe auch Hickel, di! „Nein." W nochmals. 3^ plötzlich Unter Irutenstall hm etwas'?" 3eua geanten zu, d De Zeitdauer Surchreunen T geant Gielat bei Marten vom Ri fach als zweifl Wickel mit W Tomnig in de Nittmeister hab nndj der Reitbc Jae Loch an i iabei den Rit Srust. Staatsc dem llnglückssal milla führte di dabei, den Rit •ein Schuß gefa fallen. Weiter mann habe au Hl;m ein Messe den Rockkragen forach cho scho 2omnig: „Za." un Stalle?" Tc £et. Später, al Reitbahn." Prir Hären Sie imn nächt einmal N -'Lampen war!" kein Petroleum denn bei den ! Landwirtschaft. Ä»«* Katalog und Vorführung Brühl’sche Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7. Freigepäck wird nicht gewährt; ist der tarifmäßige Zuschlag zu Die vom Kaiserlichen Sta- steht an Leistungsfähigkeit keinem anderen Fabrikate nach, oooooooo durch die stempelung der Fahrkarten bescheinigt ist. 21. Juni 1901 Mitternacht beendet sein, für die Benutzung von D- und I^-Zügen entrichte«. und man berechnet jetzt schon, daß. abgesehen von dem Verlust en künstlichen Düngemitteln und dm Ausgaben für die Arbeitskräfte, Westpreußm im Herbst für die Aussaat gegm 13000 t Wetzm und 63000 t Roggen nötig habm wird, für derm Beschaffung größtenteils die Mittel fehlen. Es droht also für dm Osten PreußmS ein Notstand, denn auch Ostpreußen und Posm haben unter dem hartm Winter empfindlich gelitten und die dadurch schon jetzt herbeigeführtm großen Verluste könnm auch durch eine reiche Ernte der Sommersaat nicht wieder ausgeglichen werden." Angesichts deS drohend« Notstandes dürften außerordmtltche Maßnahmen zur Erleichterung der Landwirtschaft unerläßlich sein. Wir mürben es mit Freudm begrüß«, wenn durch dm Gedanken an die Notwendigkeit, allm In» tereffm gerecht zu werden und die Landwirtschaft in mißlicher Lage nicht ohne Hilfe zu laffm, alle Parteim veranlaßt würden, mitzuwirkm zur Ergreifung von Notstandsmaßregeln, für die vermutlich die Gesetzgebung in Anspruch zu nehmen wäre. Die ^Nationalltb. Korr säst die Möglichkeit in« Auge, daß sich die zollfreie Einfuhr russisch« (SetretbeB als Geboten berauSstellt. Mf J.e er 7 E Kriegsgerichte eingegangen des Inhaltes, daß Marten und Sergeant Hickel unschuldig seien. Am Ende der Zuschrift heißt cs: „Meine Herren, ich weiß sicher, wer der Mörder ist. Gustav Müller, Leipzig." Vorsitzender bemerkt dazu: „Es ist schon eine ganze Reihe anonymer Zuschriften, von derselben Handschrift herrührend, eingegangen. Alle Versuche, den Absender zu ermitteln, sind bisher ohne Ergebnis geblieben." Oberleutnant v. Lorenz: „Skopek war in der Jnstruktionsstunde einer der besten, und gab sich auch ersichtlich Mühe." Ein großer Geist war er ja nicht; meine Abteilung besteht eigentümlicherweise vorwiegend aus ziemlich dummen Leuten: von den Dummen war er aber der Schlaueste." (Heiterkeit.) Dragoner Staturski: „Als wir um halb 9 Uhr auf der Reitbahn antraten, war es schon unter den Leuten bekannt, daß der Rittmeister erschossen und daß der Schuß von der Bandenthür gekommen war, die von der Reitbahn nach dem Krümperstalle führte." Die Biickensderfer Schreibmaschine No. 5 M. 175.-, No. 7 M. 225.- Gingesan-t. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 1. Juni 1901. Da es vorige» Jahr recht viele Raupen gegeben hat; so sind dieser Jahr viele Kohlweißlinge da. Gin Weibchen kann 4—600 Eier legen. Ich kenne Städte und Dörfer, in denen diese Schmetterlinge weggefangen werden. Ließe sich das nicht auch hier machen? Ein Naturfreund. Vermischtes. • Bleivergiftungen in England. Ein dem englischen Parlamente erstatteter Bericht meldet, wie die „Soziale Praxis" hervorhebt, eine erfreuliche Verringerung der in der Industrie vorgekommenen BleivergiftuugSfällen. Die Statistik der in der Industrie konstatierten Bleivergiftungen weist für das Jahr 1899 die Zahl 249, für das Jahr 1900 die Zahl 200 auf. Die rötlichen Fälle sind stark gesunken, 1899 wurden 13, 1900 nur 3 Todesfälle in« folge von Bleivergiftungen konstatiert. Universitüts Nachrichten. — Die 26. Wanderversammlung der süddeutschen Neurologen und Irrenärzte findet am 8. und 9. Juni zu Baden-Baden statt. — An der Berliner Universität haben sich zwei neue Privatdozenten der Medizin eingeführt: Professor Dr. Arthur Nicolaier, früher Dozent in Göttingen, hielt eine Antrittsrede über den gegenwärtigen Stand der Therapie des Tetanus, und Dr. Joh. Friedenthal behandelte in seiner i lrobeoorlesung die Stellung der Physiologie innerhalb des Gesamt- gebieteS der Naturwissenschaften. — In Breslau hat am 29. und 30. ds. der Dermatologenkongreß getagt. Vorttäge hielten u. a.: Professor Dr. Rille (Jnsbruck) über „Jobtherapie chronischer Dermatosen"; Dozent Dr. Schiff (Wien) über „den gegenwärtigen Stand der Röntgen-Therapie"; Dr. L. Freund (Wien) über „Verwendung der Spannungs-Elektrizität zur Behandlung von Hautkrankheiten" und über „Physiologie der Epidermis mit Bezug auf ihre Durchlässigkeit für Licht" und Professor Dr. Riehl (Leipzig) über „therapeutische Beeinflussung der Heredität der Syphilis". — Aus Breslau wird berichtet: Wie seinerzeit mitgeteilt, hat der Direktor des fürstbischöslichen Studentenkonvitts den ihm unter; teilten Studierenden der katholischen Theologie den Besuch der kunst geschichtlichen Vorlesungen von Prof. Dr. R. Muther verboten. Jetzt hat )er Konviktsdirektor eine Kommission eingesetzt, die darüber beraten soll, wie man den Professor Muther für kunstgeschichtliche Kollegien überhaupt entbehrlich machen kann, und zwar soll den Studierenden im Konvikt elbst kunstgeschichlicher Unterricht erteilt werden, der dem Geiste der römisch-katholischen Kirche entspricht. — Der durch seine sprachvergleichenden Forschungen bekannt gewordene Professor H. Zimmer aus Greifswald hat einen Ruf als o. Professor an die Universität Berlin erhalten und angenommen. Er übernimmt in der philosophischen Fakultät die erst durch den diesjährigen Etat neu geschaffene Professur für keltische Philologie. Angekl. Hickel: „Jawohl; ich hörte einen Mann ausrufen: TB der»tmq , ber af»? a(t""8{tale» w Zeuae: Nein, Ms. em, mir nicht. Präs ■ ^hnen als bic wtrat, jeber missen mußte unb bittet, die & 1 "n.d jeden nach zur Ver- zu fragen, ob er Mußt wtt- Präs.: Das Gericht hat sung des Skopek vor- ef gemenbet): M Äerick sich die Saäse ordentlich nken Sie, weiche ansschlG e hat- Ueberlegen Sie sich : Wahrnehmungen nur eiiv )en haben, um sich felbft t haben, brauchen Sie nickt in Anklagezustanb versetzt ragt, jeden Mann antreten Mußt t)abe, daß der Schuß Tas Gericht beschließt, den ^en. arbeck hatte die erste kr- r Stadt glaubt man, daß ies llntewffiziers gehandelt } Zivilpersonen am Morde gefunden. 'Jlad) bet Fluckl bei der Braut des Martens Litterarische Neuerscheiuungen. H o l z a m e r, Wilhelm, Spiele. Mit Zeichnungen von Olbrich. Leipzig, Eugen Dieberichs. Mk. 1.— Levi, Hermann, Gebanken aus Goethes Werken. München, F. Bruckmann. Ldrbd. Mk. 2.60. Maeterlinck, Maurice. Der Einbringling. Die Blinben. Zu Hause. Drei Alltagsbramen. Leipzig, Eugen Dieberichs. Mk. 3—. Di« Gesellschaft. Halbmonatsschrift. HrSgbr. Dr. Arthur Seibl. XVII. Jahrg. Zweites Maiheft. Mk. —.75. Simplicifsimus. 6. Jahrg. Nr. 10. München, Alb. Langen. Vierteljährl. Mk. 1.80. Siebenen), W., Geh. Reg-Rat unb Professor, Spezialkarte von Mitteleuropa. Nach amtlichen Quellen bearbeitet. Maßstab 1:300000. Blatt 17 (Königsberg), 25 (KöSlin), 26 (Danzig), 27 (Elbing), 37 (Tewpelburg), 38 (Bromberg), 39 (Dtsch. Eylau), 58 (Hannover). Topographisch-politische Ausgabe. Frankfurt a. M., Ludwig Ravenstein. --Rabfahrer-AuSgabe. Das 19. Jahr hnnbe rt in Bilbnissen. 8tefg.61—75. Berlin, Photographische Gesellschaft. L Liefg. 1.50. Da 8 freie Mort. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fort« chritt auf allen Gebieten bes geistigen Lebens. HrSg. von Karl Saenger. Frankfurt, Neuer Franks. Verlag. 1. Jahrg. Nr. 5, Einzel« nummer 40 Pfg., vierteljährl. 2 Mk. Die Zukunft. Hrsgbr. Maxim. Harden. 9. Jahrg. Nr.35. Berlin, Friedrichstr. 10, Verlag ber Zukunft. Einzelnummer 50 Pfg., vierteljährl. 5 Mk. Blätter für Bücherfreunbe. 1. Jahrg. Nr. 1. Jährl. 10 Hefte. Hrsgbr. Julius R. HaarhauS. Leipzig, F. Volckmar. JahreSpreiS 2 Mk., pro Heft 30 Pfg. Norb unb <5 üb. Eine deutsche Monatsschrift. 25. Jahrg. Juni 1901. BreSlau, Schles. VerlagSanstatt. Pro Heft 2 Mk., pro Jahr 12 Mk. Mobe unb HauS. Jllustr. Universalblatt für bie Familie. 17. Jahrg. Nr. 11. Ausgabe mit Kolorit. Berlin W., Steglitzerstr. 11. Vierteljährl. 1.25 Mk. Illustrierte Wäfchezeitung. Gebrauchsblatt mtt Zu- schneibebogen. 11. Jahrg. Nr. 6. Ebba. Vierteljährl. 60 Pfg. SpirlM r» utrtinigka jrankfnrirt LIMthklln. Opernhaus. Dienstag, 4. Juni. Die Afrikanerin. Mittwoch, 5. Juni. Geschlossen. Donnerstag, 6. Juni. Undine. Freitag, 7. Juni. Italienische Oper Marcella Sembrich. 1. Vorstellung: Jl Barbiere di Siviglia. Samstag, 8. Juni, 6 Uhr. Die Meistersinger von Nürnberg. Sonntag,9. Juni. Die Hugsenotten. Montag, 10. Juni. Italienische Oper Marcella Sembrich. 2. unb letzte Vorstellung: Don Pasquale. Schauspielhaus. Dienstag, 4. Juni. Hedda Gabler. Mitt« woch, 5. Juni. Der Verschwender. Donnerstag, 6. Juni, Uhr. lieber unsere Kraft. Zweiter Teil' Freitag, 7. Juni Braut von Messina. SamStag, 8. Juni. Fuhrmann Henschel. Sonntag, 9. Juni, 2Vr Uhr. Der Meineidbauer; abends Heimat. Montag, 10. Juni. Nora. *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Kunst und Wissenschaft. Weimar, 31. Mai. Die als Vorfeier zur Jahresversammlung der Goethe-Gesellschaft veranstaltete Gedächtnisfeier für den verstorbenen Großherzog Karl Alexander nahm im vollbesetzten Hoftheater einen würdigen Verlauf. Kuno Fischer's Rede hinterließ einen tiefen Eindruck Die Vorarbeiten zu der vom 22. bis 28. September dieses Jahres in Hamburg tagenben Naturforscherversammlung schreiten rüstig vorwärts. Die Geschäftsführung liegt in den Hänben von Professor Dr. Voller als 1., Mebizinalrat Dr. Reincke als 2. Geschäftsführer, Physikus Dr. Abel unb Professor Dr. Gottscheds Schriftführer, Erik Pomoppiban als Schatzmeister. Der Hauptausschuß besteht auS ben beiben Bürgermeistern unb 6 Senatoren sowie bem Präsidenten der Bürgerschaft als Ehrenmitgliedern, den oben genannten Mitgliedern der Geschäftsführung nebst den ersten Vorsitzenden der Unterausschüsse und ber einzelnen wissen- chaftlichen Abteilungen, im ganzen 49 Herren. unben. , ; W Platten» zur : Aus dem Gutshvs meine; es erschien Marten, und wir mlbig hallen, aber er wurde Essen und Zivilkleider. N Grenze nach^ Rußland gehe" fllungen, ckorauf er WW 6 zurück und jagte, er h» 'm. Gutsbesitzer Pmm 1,1 „etter. «Warten fagte, ac |« zdmArrMxgeslM usti-hui- ed-rkam, W« elbwebet sft* ** um. G wird ne geheime Sifrung. ® genommen. i !ro>lgk kam mten. mnn Men sel- ■ jefiagteu unter n ein den w n ^ meister Den ie',en te der J • ging ; ^atron,Rati^euqen zu f* P erb mthn i« «?. Dragoner Balmus bekundet, daß nach dem Antreten gesagt Morden sei, in welcher Richtung der Schuß abgefeuert worden war. Dragoner Martial: „Schon beim Antreten wurde unter uns davon gesprochen, daß der Ritmeister erschossen worden sei. Erst als wir abrückten, fragte ich die Kameraden, wie der Mord sich zugetragen habe, und erfuhr, daß mit einem Karabiner geschossen sei." Präs.: „Hat das nicht einer der Vorgesetzten zu den Leuten gejagt?" Zeuge: „Nein, einer von den Kameraden draußen." Dragoner Staturski: „Meine Uhr zeigte 4 Uhr 15 Min., als ich am Mordlage in den Stall neben den Rekrutenstall kam. Unteroffizier Domnig kam herein und befahl, ich soll? Licht anzünden. Ich fand aber keine Streichhölzer und tränkte deshalb zunächst die Pferde. Währenddem ging Sergeant Hickel durch den Stall nach dem Rekrutenstall zu. Ich habe ihn genau erkannt." Präs.: „Befahl Ihnen auch Hickel, die Laternen anzuzünden?" Zeuge Staturski: „Nein." .Hickel: „Jawohl." Zeuge bestreitet diese Angabe nochmals. Inzwischen sei dann Licht gemacht worden, als plötzlich Unteroffizier Domnig durch den Stall zum Re- krutenstall hindurchgerannt sei. Präs.: „Rief Domnigdabei etwas?" Zeuge: „Nein, er lief auf die Gruppe von Sergeanten zu. Die dann alle nach der Reitbahn stürzten." Tie Zeitdauer zwischen deni Erscheinen Hickels und dem Turchrennen Domnigs kann Zeuge nicht angeben. Sergeant Gielat bekundet, daß die Abteilung des Unteroffiziers Marten vom Rittmeister v. Krosigk im letzten Winter mehrfach als zweitbeste belot lvorden sei. Am Mordtage habe Hickel mit Bunkus nach halb 5 Uhr im Stalle gestanden, als Domnig in den Stall hineinrannte, dabei ausrufend, der Rittmeister habe sich erschossen. Zeuge ist dann mit Hickel nach ber Reitbahn gelaufen und beide haben zunächst durch das Loch an der Bandenthür hindurchgesehen. Sie sahen dabei den Rittmeister am Boden liegen mit entkleideter Brust. Staatsanwalt Lüdicke: „Wann erfuhren Sie von dem Unglücksfalle, Domnig?" Domnig: „Ter Gefreite Ba- nilla führte das Pferd in den Stall hinein unb sagte dabei, den Rittmeister hat ein Unfall getroffen. Es ist ein Schuß gefallen, und da ist edr Rittmeister umge- sallen. Weiter habe Banilla gesagt: Oberleutnant v. Hoffmann habe ausgerufen: Schnell ein Messer her! und als ihm ein Messer gereicht war, habe er, dem Rittmeister ben Rockkragen ausgeschnitten. — Präsibent: „Banilla sprach cklso schon von bem Aufschneiben bes Kragens?" Domnig: „Ja." Präs.: „War zur dieser Zeit sckpn Licht im Stalle?" Domnig: „Nein. Die Laternen hatten kein Oel. Später, als Oel äufgegossen wurde, war ich in der Reitbahn." Präs.: „Sergeant Hickel, Sie gebärden sich, als Hären Sie immer so eifrig geivesen, und doch hatten Sie nicht einmal Vorsorge getroffen, daß Petroleum auf den Lampen war!" 5oickel: „Seit ich verheiratet bin, habe ul) fein Petroleum mehr ausgegeben." Präs.: Was hatten Sie denn bei den Lampen zu thun?" Hickel: „Ich wollte nur Domnig fragen, was Banilla gesagt habe. Ich lief dann nach ber Reitbahn unb sah einen Augenblick bunt) bas Thür loch hindurch, da lag der Rittmeister blutig auf dem Baden mit entblößter Brust, Durch den Thürflügel fiel em Lichtschein, da bemerkte ich im Gange einen Karabiner, nachdem ich in die Reitbahn hineingesehen hatte. Ich ging schnell in den Stall, wo ick> wußte, daß die Sergeanten sich aufhielten und sagte: Ter Rittmeister soll sicherschossen haben." Gendarmeriewachttneister Melzer: „Vor dreiWochen nur ich in ber Schmiebe, ba sagte ich zu Skopek: ©ie Haben die zN»ei an ber Reitbahnthür gehen sehen? Er antwortete: Ich habe nichjts gesehen, als bast bort zwei Mann stauben, ob sie Mäntel anhatten, habe ich nicht gesehen. Auf meine weitere Frage, ob die beiben Unteroffiziermützen aufgehabt hatten, antwortete er: Nein, ich habe sonst nichts gesehen." Zeuge Skopek: fagte barnals?, paß ich zwei Mann gesehen habe, mir aber nicht bekannt ist, toer sie toarcii. Ich hatte nur gesehen, baß fiejteife Mutzen trugen." Wachtmeister Melzer: „Von steifen Mutzen war gar feine Rede; ich habe ausdrücklich gefragt, ob bw beiden Uuteroffiziennützen aufgehabt hätten." Hierauf giebt Skopek an, er könne sich dessen nicht mehr so genau erinnern. Ter Gefreite Banilla ivar in ber Reitbahn, als ber Schuß fiel. Er sah, wie ber Rittmeister umsael unb horte, wie ber Oberleutnant nach einem Messer verlangte, Abteilung war daun hiuausgezogen. Ta er bereits ab gesessen war, konnte er als erster die Reitbahn verlassen unb ing zum Stall, wo Domnig anroefenb war. Er habe sein in ben Staub geführt und daun erzählt, daß der Rittmeister sich erschossen habe. Sergeant Bunkus hat nut Gielat im Stalle gestanden. Er glaubt, baß e^, halb fünf Uhr irar als Hickel zu ihnen in den Stall kaut, ^ber Stall war unbeleuchtet. „Ob Hickel angeorbnet hat, daß bte Laternen angezüubet werden sollen, weiß ich nicht. Wir haben uns ettoa zehn Minuten laug unterhalten, bann gmg ich den .tndereu nach" Präs.: „Sie werden uns nachher im Stalle alle Bewegungen angeben, bte Sie damals machten, damit , Wv»r wir bie Zeit abmessen können, welche bis zum Htnzukommen ’Jit lei^ Hickels verstrichen fein muß/ Hickel bezweifelt bie Richtig- S/ leit der Angaben darüber, wann er nut ®rte9^ *)cn Beirut en durch .den Rekrutenstall nach ber Reitbahn ge- ! laufen ist. Verteidiger Rechtsanwalt S^orn: „Jb abcnb_ tttnscheu ben Unteroffizieren über ben Fall besprochen unb erwähnt wurde, daß der Schuß nach 4J5 lUjr abgegeben nenm-sei soll Bunkus gesagt haben: Die Geschichte kann böse für V 6* ff $ j I mich werben;. ich bin 4.« Uhr Weggehen/Zeuge Bunkus: %intoWL er W Gerichtssaal. Köln, 30. Mai. Die Kölner „Sternberg"-Afsaire zieht immer weitere Kreise. Die „Rh. Ztg." erfährt von unterrichteter Seite, Angehörige der besten und vornehmsten Kreise seien in Ekandalprozeffe verwickelt. Es geht daS Gerücht, daß ein Assessor in Untersuchungshaft genommen worden sei, weil er in Verdacht stehe, sich k la Sternberg belustigt zu haben. Inzwischen verurteilte die Kölner Sttafkammer wegen obiger Verbrechen den Gürtler Fleckenstein zu 18 Monaten Zuchthaus und bjährigem Ehrverlust. Berlin, 2. Juni. Der Ehrenhandel Sello-Braut, der durch den Prozeß Sternberg hervorgerufen ist, beschäftigte di« 1. Strafkammer des Landgerichts II. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit töllichen Waffen hatte sich Justizrat Dr. Sello zu verantworten, wegen Kartellträgerei war Major a. D. Hermann Wagner angeklagt. Dem Justizrat Dr. Sello stand Justizrat Kleinholz zur Seite. ES handelt sich, wie erinnerlich sein wird, um einen Vorgang, der sich während deS Sternberg-Prozesses abspielte. In einer persönlichen Bemerkung hatte Justizrat Sello in feierlicher Weise erklärt, daß an alledem, waS der Kriminalkommissar Thiel zu bem Schutzmann Stierstädter in Bezug auf eine (Cellos) Person angeblich gesagt haben sollte, kein wahres Wort sei. Als dann später Thiel das sensationelle Geständnis seiner eigenen Schuld abgelegt hatte, kam der Vorsitzende Landgerichts-Direktor Müller auf diese Erklärung SelloS zurück und sprach die Vermutung aus, daß vielleicht gerade die feierliche Form dieser Erklärung ben StaatSanwalt bewogen haben könnte, Dorther sofortigen Verhaftung Thiels Abstand zu nehmen. Staatsanwalt Braut erklärte hierauf, daß auf seine Entschließung darüber, ob er jemand verhaften solle oder nicht, mehr oder weniger feierliche Erklärungen eines Verteidigers gar keinen Eindruck auöüben. Justizrat Dr. Sello erblickte nach dem Tonfall und der ganzen Art, in welcher diese Bemerkung abgefaßt war, eine persönliche Beleidigung und ließ durch Major Wagner Herrn Staatsanwalt Braut um öffentliche Richtigstellung ersuchen. Als bleß mißlang, erfolgte bie Forderung auf sistolen, bie abgelehnt würbe. StaatSanwalt Schwartz beantragte gegen Justizrat Sello vier Monate, gegen Major Wagner zwei Wochen Festungshaft. Der Gerichtshof erkannte auf einen Monat bezw. vier Tage Festunosbast. __ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Die LebensversicherirpgS« und Ersparnisbank in Stutt» gart (alte Stuttgarter) bringt ihre finanziellen Resultate zur allgemeinen Kenntnis. Dieselben müssen als ganz besonbers günstig bezeichnet werben. Die Sterbltchkeitsersparnis bettägt Mk. 54735 mehr als im Vorjahre, nämlich Mk. 2249482. Der seit wenigen Jahren aufsteigenbe ZinS hat ben Durchschnittszinsfuß beS Gesamtvermögens von 3,93'/o auf 4,03 /» gehoben. Die Lerwaltungskosten haben sich von 5,36% ber Jahreseinnahme in 1899.im Berichtsjahre Derminbett auf 6,07°/o. Das Er» gebnis biefer günstigen Verhältnisse ist ein Jahresüberschuß von 6882231 Mk., ber höchste seichet von ber Bank erzielte Ueberschuß; gegen bas Vorjahr beträgt bie Steigerung Mk. 599261. — Das Bankvermögen stellte sich am Jahresschlüsse auf Mk. 184 267306, barunter Extra- und Divibendenreserven in Höhe von Mk. 32315520. Die zur Divibenben- Verteilung für bie nächsten 5 Jahre bestimmte Divibenbenreserve beträgt Mk. 25 480862. Seit ihrem Bestehen zahlte ble Bank an Versicherungssummen Mk. 124367844 auB; an Divibenben vergütete sie ben Der- rcherten Mk. 63200897. Die Bankverwaltung hat beschloffcn, künftzg neben ber offiziellen Firma auch bie Bezeichnung „alte Stuttgarter" zu führen zur Unterscheibung von anberen Stuttgarter Versicherungsanstalten. MLrkt-. Gründers, 1. Juni. Frachtmarkt. Durchschnittspreis pro 100 Kilo. Weizen 17,80 Mk., Korn 16,50 Mk., Gerste 15,10 Mk., Hafer 14,68—15 Mk., Erbsen 18 M., Linsen 00,00 Mk., Samen 00,00 Mk., Wicken 00,00 Mk., Kartoffeln 4,25-5,00 Mk. △ Bobenhausen (Kt. Schotten), 30. Mai. Unseren gestrigen „Pfingflmarkl" begünstigte das beste Wetter. Der Markt zeigte denn auch starken Besuch. Der Schweinemarkt war mit Jungfchwkinen recht gut be'ahren. Erstaunlich hohe Preise wurden für die Ferkel bezahlt, nämlich für das Paar durchschnittlich 50 bis 60 Mark. Dabei waren es Ferkel von durchaus nicht bester Qualität. Heitere Ferkel waren im Verhältnis zu blefea Preisen billiger, eine Thatsache, der man auch auf anderen Märkten begegnet. Die hohm Ferkelpreise werden sicherlich verursacht durch die hohm Preise für die fetten Schweine, derm Pfund Lebmdgewicht mtt 40 bis 42 Pfennig bezahlt wird. Die Preise für daS Rindvieh find dagegen infolge deS fchlechtm Standes des GrünfutterS und der schlechten AuSfichten für die Heuernte bemerkenswert gesunken. Seltersweg Fritz Nowack. 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Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impspflichtigr Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichtigen Kindes bis -um Jahresschluffe auf feine Kosten bewerkstelligen lassen widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im lauseuden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müsse« in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmal- erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Impf- arzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur au einem Arme mit Lymphe aus dem Landeüimps« institrtt geimpft. Gießen, den 20. Mai 1901. 8705 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 'IhannÖverI^ CAKES-FABRIK ■jeEaasäaieai Weltausstellung Paris 1900 Goldene MedAllle. 02089] Schöne, große 3-Aimmer- Zvoynuna p. 1. Juli z. verm. Hroße Wü-kgasseZ8, Flaschnbbdl. Aühk. 02088] Kl. Wohn-, 2 Zim., Küche, an ruh. Leute z. verm. Marktstr. 25. 2 Wohnungen, je 3 Zimmer und Küche, mit Stallung, Keller und Gartenanteil, sofort zu vermieten. _______Arankfurlerssraße 165. Wohnung, 2—3 Zim., m. Waffer zu verm.