Nr. 284 Zweites Matt. 151. Jahrgang. Dienstag 3. Dezember 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags, gfe Siebener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt' und den „Blättern für hessische Volkskunde' viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei; Gchulstraße 7. Adresse für Depeschen: ttnzeiger Gießen. Fernsprkchansliüuß Nr. 51. GietzenerAnzeiger *''y General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt« lungsstellen des In-und Auslandes nehmen An» zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 13Pf., auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erbens Verantworllich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Gießen, den 27. November 1901. Betr.: Errichtung einer Sammelwasenmeisterei; hier: Statistik. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die Angabe der gefallenen Tiere ist nur noch für den laufenden Monat November erforderlich. Entsprechendem Bericht sehen wir bis zum 10. Dezember entgegen. Soweit Sie mit den Angaben für August, September oder Oktober noch im Rückstände sind, wolle das Erforderliche hierbei nachgeholt werden. v. Bechtold. Deutsches Keich. Berlin, 1. Dez. Der Kais er ist gestern abend aus Jagdschloß Göhrde in W i l d p a r k ein getroffen. Der Reichskanzler Graf v. Bülow empfing gestern nachmittag in längerer Unterredung den Oberpräsidenten von Schlesien Fürsten v. Hatzfeldt, Herzog zu Trachenberg. Der Herzog folgte am Abend einer Einladung des Reichskanzlers zum Diner. — Der Posten des Gesandten von Nicaragua am Berliner Hofe ist nun wieder besetzt worden. Der Bevollmächtigte Nicaraguas ist bereits eingetvoffen, aber noch nicht beglaubigt. Man wird in der Annahme nicht fehl gehen, daß die Regierung von Nicaragua die immerhin für den kleinen Staat große Ausgabe eines Spezial- Gesandten sich hat gestatten müssen im Hinblick auf die Verwickelungen, die sie seit zehn Jahren mit unserem auswärtigen Amte hat und die nun akut werden. Es handelt sich um die Beraubung des deutschen Reichs- Ang ehörigen Schultz, des ersten Entdeckers von Goldlagern an der Osttüste von Nicaragua. Tie Angelegenheit dürfte auch beim Etat des Auswärtigen Amtes im Reichstage zur Sprache gebracht werden. — Es steht nunmehr fest, daß die meisten Reichs- taasfraktivuen sich dafür entschieden haben, resp. entscheiden, daß der ganze Zolltarif einer Kiom- missionsberatung unterzogen werden soll. Gleich den Konservativen hat auch die Reichspartei sich für Kom- missionsberätung der ganzen Vorlage ausgesprochen. Für diese Partei werden im Plenum die Abgg. Gamp, von Tiedemann und Tr. Arendt sprechen. Das Zentrum hat die Beratung der Viehzölle usw. fortgesetzt, namentlich über die Frage der Düngemittel entspann sich eine lebhafte Debatte. Tie Nationalliberalen haben ebenfalls eine umfangreiche Beratung gepflogen, und werden auch für Kommissionsberatung der ganzen Vorlage stimmen. Nach dem „Berl. Tagebl." vermutet man, daß sich die Unterhaltungen des Grafen Bülow mit den Abgeordneten der verschiedenen Parteien in erster Linie auf die geschäftliche Seite der Verhandlungen über den Tarif und weniger auf den materiellen Inhalt der Vorlage beziehen dürften. Von konservativer Seite waren außer Herrn von Levetzow noch die Abgg. Grafen Stvlberg-Werniaerode und Limburg-Stirum herangezogen. Wie der „B.-C." hört, wird der Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. von Thielmann am Montag im Plenum der Zolltarifvorlage vertreten. — Für die deutsche Reichspartei hat Abg. von Kardorff mit dem Reichskanzler über den Zolltarif Rücksprache genommen. — In militärischen Kreisen hat man, wie einem Breslauer Blatte von „sehr berufener Seite" geschrieben wird, eine deutlichere Aussprache über die infolge des Jn ster- burger Duells geschehene Verabschiedung des Obersten von Reißwitz erwartet, da Letzterer nicht als der alleinige Schuldige bei der Verhinderung des Dramas angesehen werden könne. So werde denn auch wohl diese Affaire noch viele Nachspiele haben. Denn infolge der falschen Auslegung der Bestimmungen durch nur einen Offizier könne das Duell nicht stattgefunden haben, das sei wenigstens durch Herrn von Goßler erwiesen. Der Kriegsminister habe immer nur von einem Ehrenrat gesprochen, dem Anzeige erstattet wurde, thatsächlich müßten es jedoch drei Personen gewesen sein. Wenn aber der Ausgleich nicht versucht wurde, so sei immer noch nicht geklärt, weshalb der Kommandeur des Infanterie-Regiments mehr Schuld an dem Duell trage, wie die Artillerie-Kommandeure. Diese hätten doch an der Hand von Bestimmungen und kraft ihrer Machtbefugnisse das Duell verhindern können. Endlich sei der Divisionskommandeur über das Duell verständigt worden, und habe es sogar gemildert, auch dieser Vorgesetzte hätte ein Verbot des Zweikampfes erlassen können. Wenn irgendwo ein Versehen vorkomme, so suchten doch stets die Betroffenen Grürrde für das Vorkommnis. Unzweifelhaft habe der Kommandeur des Infanterie-Regiments bestimmte Gründe für sein Verhalten gehabt, daher hätte der Kriegsminister gut gethan, zu erwähnen, welche anders ausgelegte Bestimmung der Ehrengerichts-Verordnung den Zweikampf verschuldete. So erscheine der verabschiedete Oberst auf der Anklagebank vor der ganzen Nation, ohne ein Wort zu seinen Gunsten reden zu «können. Der Sturz! des preußischen Offiziers werde diesen Herren wohl auch nie die Lippen über den Vorfall öffnen. Tie vom Kriegsminister einzeln herausgegriffcnen Punkte, über das Duell ließen sehr viele Deutungen offen, sodaß die immer noch mit diesem Vorfall beschäftigte öffentliche Meinung nicht schweige, sondern sich in neuen Vermut- ungen^ polnischen Blättern gesammelte Un- terstützungsfvnd für pie Wreschener Verurteilten hat bereits die Höhe von 26 000Mark erreicht. Tuvon entfällt auf Galizien mchr als die Hälfte, Wiesbaden, 1. Dez. Die Ziffern der gestrigen Reichstagsersatzwahl liegen fast vollständig vor. Es haben sonach bis jetzt erhalten: Quarck (soz.) 10111, Grüger (freis. Volkspartei) 6185, Fuchs (Ztt.) 5701, Bartling (natl.-kons.) 5275 und außerdem ca. 600 zersplittert oder für Hatzmann (Bund d. Landw.) abgegebene Stimmen, sodaß Erüger und Quarck in die Stichwahl kommen. Gotha, 1. Dez. Die kleine Prinzessin Elisabeth von Hessen soll in den nächsten Tagen ihrer Mutter, der Großherzogin, Nachfolgen. Für den Aufenthalt dort sind sechs 9Ronate in Aussicht genommen. Daß die Großherzogin von Hessen das bei Koburg gelegene, dem König der Belgier gehörige Schloß Nieder-Füllbach gekauft hat, wird dementiert. Am Freitag begab sich Minister Henttg nach Frankfurt a. M. Ausland. London, 30. Nov. „Reuters Bureau" erfährt, daß das Gerücht sich bestätige, wonach die Verhandlungen zwischen Rußland und China über die M a n d s ch u r e i nicht fortgesetzt werden. Paris, 1. Dez. Die hiesige russische Botschaft dementiert das Gerücht über eine bevorstehende Reise des Zaren nach Nizza. Der Zar befinde sich bei bester Gesundheit, und es liege gar kein Anlaß für ihn vor, irgend eine Kur zu gebrauchen. Carmaux, 30. Nov- Der diesige Gemeinderat hat den Schwestern von Agonia den Aufenthalt verboten, weil er diesen Orden für die Republik gefährlich hält und die den Mitgliedern desselben aufgedrungenen Gelübde gegen die menschliche Würde sei. St. Etienne, 30. Nov. Die hiesige Waffenfabrik macht bekannt, daß sie aus Mangel an Aufträgen genötigt sei, 2000 Arbeiter zu entlassen. Barcelona, 30. Nov- Ein neues Anarchisten- komplott ist hier entdeckt worden, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kirchen in den nördlichen Provinzen in Brand zu stecken. Mit der Ausführung dieses Entschlusses ist bereits begonnen und mehrere Kirchen sind eingeäschert worden. In der vergangenen Nacht fand eine Anarchistenversammlung statt. Wien, 1. Dez. In Prag, Brünn und Laibach fanden gestern und heute tschechische bezw. slovenische Versammlungen statt, in denen Beschlußanträge zu Gunsten der Errichtung einer slo deutschen Universität in Laibach, einer tschechischen in Brünn und einer ruthenischeu in Lemberg angenommen wurden. Aom südafrikanischen Kriegsschauplätze liegt heute folgende Meldung des Reuter'schen Bureaus vor: An: 28« November nachts machten die Buren den Versuch, westlich von Middelburg durchzubrechen. Die Engländer waren vorher gewarnt worden. Eine kleine Buren- Abteilung machte einen Scheinangriff,, um die Aufmerksamkeit vom Haupttrupp abzulenken. Die Buren wurden jedoch zurückgeschlagen und hatten anscheinend schwere Verluste. Schwurgericht. P. Gießen, den 2. Dezember 1901. Heute vormittag eröffnete Landgerichtsrat Hellwig als Vorsitzender der diesmaligen Tagung die erste Verhandlung des Schwurgerichts, die sich gegen den Taglöhner Benedikt Reupert aus Obersinn in Bayern wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg richtet. Vettreter der Anklagebehörde ist Staatsanwalt Zimmermann, während Rechtsanwalt Hoos den Angeklagten vetteidigt. In der Sache sind 10 Zeugen zu hören; Kreisarzt Dr. Wiß ner-Büdingen ist als medizinischer Sachverständiger geladen. Der Angeklagte ist der ihm zur Last gelegten That geständig. Er ist am 22. März 1864 in Obersinn (Bayern) geboren und wohnte in Langenbergheim. Wegen Gewalt- thättgkeiten ist er einige Male vorbestraft. Die That, die ihm zur Last gelegt ist, hat er am 29. September an seinem Nachbarn, dem Taglöhner Wilhelm Mein:n ger II. mittels dreier Messerstiche verübt, woran der Verletzte am 2. Oktober starb. Der Angeklagte giebt an, daß er mit dem Getöteten stets friedlich und freundschaftlich zusammen gelebt hat, bis die Bürgermeisterwahl kam. Er blieb dem alten Bürgernreister treu, während Meininger zur Gegenpartei, den sogen. „Roten" sich bekannte und ihn zu dieser herüberzuziehen trachtete. Hierdurch wurde ihr Verhältnis getrübt. Auch die Frauen Rerrpett und Meininger kamen wegen eines Backhauses in Streitigkeiten. Am Abend der That ging Reupert in die Wirtschaft des Bürgermeisters. Meininger war in die Wirtschaft der roten Partei gegangen. Um 11 Uhr trafen Beide auf dem Nachhausewege zusammen. Es gab einen unbedeutenden Wortwechsel. Reupett erklätte, Meininger sei kurz vor seiner Wohnung auf lhn losgekommen und habe ihm mit dem Fuß einen kräftigen Tritt vor den Leib versetzt. Von Schmerzen gepeinigt und in Wut geraten, habe er das Messer gezogen und sei auf seinen Gegner losgegangen. Wie ost er gestochen habe, könne er nicht sagen; doch sei das Zusammentreffen nur kurz gewesen. Der Angeklagte giebt auf Befragen an, er sei wegen eines Bruchleidens zweimal operiert worden. Den Geschworenen wird das Messer vorgelegt, mit dem der tödtliche Stich ausgeführt ist. Dis Klinge ist in der Mitte abgebrochen. Der Vorsitzende giebt den Geschworenen eine . .t Meininger vor dessen Ableben unter Eid abgegebene Erklärung zur Kenntnis, wonach dieser ganz entschieden in Abrede stellt, den Reupert getreten zu haben, ehe letzterer zum Messer griff. (Fortsetzung folgt.) Aus Stadt und Kund. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestaltet.) Gießen, den 2. Dezember 1901. 8. Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat, wie uns aus Darmstadt telephoniettwird, den Prioatdozenten der Universität Königsberg Dr. med. Ernst Leutert zum außerordentlichen Professor bei der medizinischen Fakultät der Landesuniversität mit Wirkung vom 20. November ernannt, ferner den Charakter als Professor erteilt den Oberlehrern Koob und Privatdozent Dr. Collin an dem Realgymnasium und der Realschule in Gießen und den Oberlehrern V öl sing und Kramer an der Augustiner-Schule in Friedberg. '* Bahnhofs Umbau. Die Arbeiten auf dem Personenbahnhof der Main-Weserbahn sind soweit gediehen, daß der Tunnel unter den Gleisen in spätestens 14 Tagen der Benutzung übergeben werden kann. Wir hören, daß noch vor Weihnachten die Tunnelanlage dem zu den Feiertagen ge- fteigerten Verkehr zu Gute kommen soll. Die unterirdische Verbindung des ersten mit dem zweiten Gleise unseres Personenbahnhofes mit den breiten und bequemen Treppenzugängen macht mit den mit hellgelben Porzellanplättchen bekleideten Wandflächen, die oben und unten durch einen grünen Fries begrenzt sind, einen sehr angenehmen Eindruck. Der Hallenbau über dem zweiten Bahnsteig ist bis auf die Bedachung ebenfalls fertig, und fleißig wird auch an der Herstellung der Verbreiterung der Bahnsteige gearbeitet. Man hofft, Mitte dieses Monats mit diesem ganzen Teil unseres Bahnhofsumbaus zu Ende zu kommen. •* Beisetzung des Geheimrats Löhleiu. Unseren Bericht über die Beisetzungsfeierlichkeiten beim Begräbnis des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Löhlein ergänzen wir dahin, daß das Großh. Ministerium des Innern, da der Herr Staats- niinifter Rothe dienstlich an der persönlichen Teilnahme am Begräbnis verhindett war, durch den Referenten für Universitätsangelegenheiten im Ministerium Herrn Obenegierungsrat Weber vettreten war. Die Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege vertrat Herr Geh. Ober-Medizinalrat Dr. Neidhart. ** Zu der uationalsozialen Versammlung, über die wir in unserer vorigen Nummer berichteten, schreibt man aus unserem Leserkreise-: „In der Versammlung war die sachlich gefühtte. Debatte, an der sich, außer einem Vertreter der Sozialdemokraten, Redakteur Vetters, auch Oekonomierat Schlenke beteiligte, in hohem Grade belehrend. Cs ist insbesondere von letzterem Herrn anzuerkennen, daß er den Standpunkt des Bundes der Landwitte in einer Versammlung . vertrat, von der er voraussetzen konnte, daß sie zumeist aus Gegnern bestand. Denn gerade derattige sachliche Diskussionen, fördern die Erreichung des aus nationalen Gründen so erstrebenswetten Ziels, daß die Anhänger der einzelnen Parteien sich gegenseitig verstehen und würdigen lernen. Es wäre deshalb sehr wünschenswett gewesen, wenn auch Vertreter der Freisinnigen und Nationalliberalen zu dem Agrarprogramm der Nattonal-Sozialen Stellung genommen hätten. Sie würden dadurch auch mehr inneres Leben bestunden und mehr ihre Besttebungen fördern als durch Schweigen oher völliges Fernbleiben von solchen Versammlungen, wie dies schon mehrfach bei ähnlichen Gelegenheiten zu konstatieren war." be. Albach, 30. Nov. Heute fand unter reger Beteiligung die Wahl von drei Gemeinderats-Mitgliedern statt. Wiedergezvählt wurde Georg Hofmann mit 37 Stimmen, neugewählt wurden Landwirt Heinrich Schäfer VI und Heinrich Kaiser II. mit je 38 Stimmen. Man darf hoffen, daß die Gewählten stets für das Wohl der Gemeinde eintreten werden. Das Ergebnis wurde am Abend bei Musik, Gesang und . Tanzbelustigung gefeiert. Natürlich kam auch Gott Gambrinus nicht zu kurz. Zum Schluß wurde noch ein Zug durchs Dorf veranstaltet. st Butzbach, 1. Dez. Zum Besten des hiesigen Stadtkirchenbaufonds gab heute der Männergesangverein Orpheus-Turnverein im Hessischen Hof ein Konzert, das sich eines regen Besuches zu erfreuen hatte. In dankenswerter Weise hatten sich hiesige musikalische Kräfte bereit finden lassen, das geschickt zusammengestellte Programm durch Vokal- und Jnstrumentalvotträge zu bereichern. In Fräulein Luise Küchel und Fräulein Johanna Held lernten wir zwei junge Pianistinnen kennen, die über eine ebenso geschickte Technik wie feine Auffassung verfügen. Unter den von ersterer gespielten Piecen heben wir bei der ersteren besonders Troika Fahtt von Tschaikowsky hervor, ein Stück, das melodische Themen in fein ausgeführter Umrahmung aufweist. Fräulein Held führte sich mit Mendelssohns lieblichem, an inniger Kleinmalerei reichem Rondo capriccioso aufs Vorteilhafteste ein. Auch die beiden bei uns rühmlich bekannten Sängerinnen Fräulein Luoise Weidmann und Fräulein Johanna Wendel spendeten mit bestem Gelingen Gaben ihrer Gesangeskunst. Während erstere sich Mendelssohn und Schumann zuwandte^ sang letztere Lieder von Lortzing und Bohm. Die von liebenswürdigen Damen und Mitgliedern des Vereins vorgetragenen Quartette wurden rem und genau gesungen und ebenso wie die Solovorträge mit großem Beifall ausgenommen. — Der von dem Dirigenten Anstaltslehrer Fe Ising geleitete Chor führte besonders in Barbarossa von.Jakobs m „Heinrich dem Vogler" von Fromm, wie in Oestens Pilot wirkungsvoll an. Die Chöre wie auch die Solovorträge wurden in geschickter Art von Lehrer Kammer begleitet auf einem von Rudolph (Gießen) gesandten prächtigen Bechstein- flügel. An die Baufondskasse konnte eine Summe von mehreren hundert Mark abgeliefert werden. Id. Lauter, 29. Nov. Bei der heutigen Gemeinderatswahl, bei der von 85 Stimmberechtigten 79 wählten, siegten die beiden seitherigen Gemeinderäte Johannes Röder II. und Heinrich Feldmann II; neu gewählt wurden Heinrich Sann IV. und Johannes Eckhardt, sämtliche mit je 49 Stimmen. Da ein Kandidat auf 3 Jahre zu wählen war, mußte das LoS entscheiden. Es siel auf Johannes Eckhardt. Die Gegenpattei brachte, trotzdem sie eine starke Agitation^ vor der Wahl ins Werk gesetzt hatte, nur je 30 Stimmen für chre Kandidaten auf. i Laubach, 1. Dez. Von der Mitgliederversammlung der christl. sozialen Partei, die am letzten Freitag hier gehalten wurde, hären wir, daß, nachdem die von Rentmeister Bohn gestellte Rechnung genehmigt war, die Vorstandswahl stattfand. Dabei wurde Fabrikant Römheld zum ersten Vorsitzenden gewählt. Sodann wurde Bericht erstattet über das Parteiorgan „Das Volk" und über den befriedigenden Verlauf des Parteitages m Barmen. Auch wurden die sehr verschiedenartigen Berichte der Presse über den Parteitag näher gekennzeichnet. — Verhaftet wurde ein bet dem Bahnbau beschäftigter Arbeiter, der mit dem Morde im Kloppenheimer Wald in Verbindung gebracht wird. Gegenwärtig geht es hier oft recht lebhaft zu, da viele ausländische Arbeiter an der Bahn Lasbach-Mücke beschäf- Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 2. Dez. Gestern saud im Hydepark eine Sympathiekundgebung für General Buller statt, in der entsprechende Resolutionen angenommen wurden. Zum großen Teile setzte sich der Demonstrationszug aus Gewerbevereiuen mtt Bannern und Musikkorps zusammeu. London, 2. Dez, Ter „Standard" meldet aus TientstL vom 1 Dezember: Cs ist ein kaiserliches Edikt erlasien worden, wodurch der Thronerbe Putschun, dessen schlechte Führung das größte Mißfallen der Kaiserin-Witwe erregt zu haben schemt. Wie eS heißt, gab sich Äunglu die größte Marburg, 30. Nov. Wegen Zweikampfs resp. Beihilfe dazu waren angeklagt eand. jur. Wilhelm T e n h o l d aus Bochum, eand. hu*. Hermann Mögenburg, früher in Marburg, jetzt in Berlin, und eand. jur. Erich Hauser äus Kastel. Wegen einer Beleidigung haste Teghold eine Forderung auf krumme ^abel. an Mögenburg ergehen lasten, die in der Nähe Marburgs ausgefochten wurde. Letzterer erhielt hierbei eilte Verletzung, an welcher er einen. Süü im Bett zubringe-.', mußte. Haufer hatte bet die,em Zweikampf die Rolle des Kartellträgers gespielt. Aw die Frage des ^Vorsitzenden, ob er versucht habe, den Zweikampf zu vereiteln,, ! meinte er, er hätte in dieser Beziehung die „üblichen Bemühungen ! voraenommen. Die Frage, ob er versucht habe, einen Vergleich herbeizusühren, verneinte er. Der Staatsanwalt hielt eine besondere Feststellung für notwendig, ob das Duell ohne einen ve» sonders schwerwiegendeti Grund ausgeführt worden sei, weil dies für das Strafmaß und den eoentncdeit Fall der Begnadi g_u n g von Einfluß sei. Die Angeklagten bemerkten aus die Frage des Vorsitzenden, daß es nicht überstürzt, sondern nach reiflicher Ueberlequng ausgeführt worden sei. Das Urteil lautete gegen Len-- hold lind Ätogenburg auf je 4 Monate, gegen Hauser auf 3 4.age Vortragende die Diskussion in der Zweiten Kammer über I die Landwirtschaftslehrer, wo der Borwurf erhoben wurde, | daß die LandwirtsckMslehrer zu wenig unterrichtet seien. Dvch müsse man berücksichtigen, . daß die jungen Lehrer, selbst wenn sie auch vollgepfropft Mit Wissen von der landw. Hochschule tarnen; doch die bäuerlichen Verhältnisse zu wenig kennten, um packend reden zu könnem Man müfie ihnen deshalb in erster Linie empfehlen, diese genau kennen zu lernen, und ihnen entgegenkommen. Sodann berichtete der Redner über den gegenwärtigen Stand des! Rechnungswesens. Bei den Mitteln, über die der Provinzialverein selbständig verfügen kann, stellen sich die Einnahmen auf 58916,26 Mark, und die Ausgaben auf 155 595,70 Mark, so daß ein Ueberschuß von 3 320,55 Mark verbleibt. Dieser Ueberschuß genügt aber bei weitem Nicht, um alle notwendigen Aufwendungen zu decken. Bei den von der Regierung zur Förderung der Viehzucht zur Verfügung gestellten Mitteln ergiebt sich bei 103 432,15 Mark! Einnahmen und 103 430,78 Mk. Ausgaben em jetziger Kassenbestand von 1,73 Mk. Tas landwirtschaftliche U n t e r r icht s w e s e n in Oberhessen hat sich schon schön entwickelt; aber es muß sich noch iveiter entwickeln. Die Landwirtschaftsschulen werden viel zu wenig besucht, wenn auch die Frequenz im letzten Vereinsjahr zugenommen hat. Was die ländlichen Fortbildungsschulen betrifft, so ist man im Begriff, sie umzugestalten. Ter erste Versuch wurde im Kreise Gießen gemacht. Gelingt er, dann soll von feiten des Vereins alles geschehen, um das Fortbildungsschulwesen auf dem Lande zu fördern. Die Wmterschule zu Friedberg war von 3v, die zu Alsfeld von 32 und die zu Büdingen von 17 Schulern besucht. Außerdem sind die Molkereischule in Lauterbach, die von 14 Schülern besucht wär, und die Haushattungsschule »in Lindheinl zu erwähnen. Zuschüsse erhielten Alsfeld, Lrnd- hoim und Büdingen. Für das M e l i o r a tio n s w e s e n geschieht jetzt sehr viel. Die Landwirte sind zu der Einsicht gekommen, daß es ohne Melioration und Feldbereinigung nicht mehr geht. Eine Melioration, die befonders gedeiht, I sind die Buchweiden im hohen Vogelsberg. Weitere Meliorationen siiid vorgesehen für die Kreise Sck)otten und Lauterbach. Bis jetzt sind 953 Morgen melioriert- Außerdem find den einzelnen Kreisen, in denen es nötig war, Mittel uber- ! wiesen worden, so Schotten und Lauterbach je 500 Mk. und Alsfeld und Büdingen je 100 Mk., um die Transportkosten - für Düngemittel zu bestreiten. Erfreulich ist es ferner, daß die Fortschritte in der Viehzucht mit der Verbesserung des Futters Hand in Hand gehen. Am meisten ist in der | Rindviehzucht geschehen. Die meisten Staatsmittel werden für diesen Zweck verwendet. Bisher wurden 3322 Simmen- thaler und 1423 Vogelsberger in das Herdbuch eingetragen. An Bullenstationen für Simmenthaler existieren qeqenroärtig 15. Die Bullen sind zu runb 24000 Mk. bereichert, wofür eine Prämie von etwa 1000 Mk. zu zahlen ist. Zur Anschaffung einet größeren Anzahl von etation^ bullen fehlen die Mittel. Auf der Ausstellung Vogels- tntcrM wird. Wir r-.h-W. « W» - FJ folge Der Provinzialverein hat 4 Zuchthöfe für Vogels Müht, den Hof von der Rückkehr nach Peking abzubringeo. AlS 'beracr Vieh und eine Verkaufsstelle für Zuchtvieh. Auch Grund dec Enterbung flieht em anderes Telegramm des Lin Bezug auf die Jungviehweiden sind weitere Fort- ~ - — -- —"" Sohtt -LUfln8 schritte zu verzeichnen. Eine richtige Aufzucht von jungen Tieren ohne Jungviehweiden ist kaum durchführbar. 'Die jungen Tiere dürfen nicht an Kelten liegen, sondern muffen frei umherlaufen Zwei weitere Jungviehweiden werden In den Kreisen Alsfeld und Lauterbach errichtet. Um die' dafür erforderlichen Mittel aufzubringen, wiro im nächsten Sommer leine Provinzialausstellung von, Zuchttieren in lOberdeisen stattsinden, sondern die dafür bestimmte ©ummc für die neuen Jimgviehweiden verwendet werden. Es ist berecikajt, nicht nur auf ein schönes Aeußere zu sehen, sondern mehr auf Leistung hin zu züchten. Deshalb muffen I die prämiierten Tiere zeitweise auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft werden. Die Schweinezucht hat bet dem vor- I Han de nen guten Material gute Fortschritte gemacht. Gj I ist dies gegenwärtig der einzige blühende Zwerg in der das Faselwesen. Die Grundbuchs komlliissioN hat diese Ab-l änderungsvorschläge gemacht, die wohl von entscheidender« Bedeutung sind, und die nach längerer Debatte einftimmig gutgeheißen wurden. Der Vorsitzende, Oekonomierat Sch lenke gab eine Ueber-1 sicht über das Ergebnis der Vereinsrechnung für 1900/01. ] Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Ferner stand auf der Tagesordnung die Wahl eines Referenten für Feld- bereinigung an stelle des bisherigen Referenteii, jetzigen Bürgermeifters von Friedberg, Da n k m an n. Oekonomierat Schlente dankte dem neuen Bürgermeister für ferne eifrige dem Verein gewidmete Thätigteit und schlug zu seinem 9iachfolger Kreisamtmann Sp a-m e r - F-rieoberg vor, der denn auch einstimmig gewählt wurde. — Sofort nach Schluß der Ausschchßfitzung wurde von Oetonomierat Schlente die Hauptversamnllung eröffnet. Oekonomierat Schlenke begrüßte zunächst hie erschienenen Regierungs- Vertreter, ferner den Kreisrat von Friedberg, Fey, und! den Geheimen Medizinalrat Dr. Werner-Berlin, und widmete dann dem verstorbenen Kreisrat von Friedberg, Dr. Braden, an dem der Provinzialverein eins seiner! ithätigsten Mitglieder verloren habe, herzliche Worte des! ! Gedenkens. Seinem Andenken zu Ehren erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. Sodann gab der Vorsitzende einen kurzen Ueberblick über die Thätigteit l des Vereins im avgelaufenen Geschäftsjahr. Er hob hervor, mit wie großen Schwierigkeiten der Verein, ganz abgesehen von den niedrigen Preisen, für die Produkte zu Lämpfen hatte. Besonders machte sich wiederum der Mangel an guten Erntearbeitern bemerkbar. Der seinerzeit von Seiten des Vereins gemachte Versuch, Arbeiter zu besckaffeii, wurde infolge trüber Ersahrungen nicht wiederholt. Große Unterstützung in feinen Bestrebungen sand der Vrovinzialverein durch die sechs Bezirlsvereme, die sieben Bezirkszuchtbereine, denen sich 88 Lokälvereine ail- gliedern, durch sieben Ziegenzuchtvereine, acht Geflügels zuchtvereine, einen Provinzial - Obstbau - Verein, zwei Sck>weinezuchtvereine, die im letzten Vereinsjahre ins Leben traten, während ein Pserdezuchtvereui und ein Bienenzuchtverein unabhängig von dem Provinzialverein bestehen. iSo wurde es möglich, eine weitgehende Arbeitsteilung zu schaffen, die deshalb wertvoll ist, weil alle Sanbiuirte zur Mitwirkung herangezogen werden können. Der Mitgliederstand, 2334, ist recht günstig, doch müßte sich diese sZahl verdreifachen, wenn nicht viele Landwirte den Bestrebungen des Vereins so lau gegenüberständen. An Ver- I sammluiigen fanden stattim vergangenen Herbst eine fc. Frankfurt a.M., 2. Dezember. (Telegr.Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notieiimgen der heutigen Vlehmarki- preise. Zum Verkaufe standen 394 Ochsen, darunter 121 aus Oesterreich, 42 Bullen, bnximtcr 0 aus Oesterreich, 925 Kühe, werfen, Stiere und Rinder, 288 Kälber, 621 Schafe und Hammel, 1065 Schweine, 0 Ziege, 0 Ziegen-, 0 Schaflammer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 68—70 Mk. 2. Qual. 61-63 Dck., 3. Qual. 56-58 Mk.; Bullen 1.Qual. 54 biZ 56 Mk., 2. Qual. 50-52 Mk.; Kühe 1-Qual. o9-61 Mk., /.Qual 56-58 Mk., 3. Qual. 42-45 Mk, 4. Qual. 32-34 M., o. Quell. 30-32 Mk. Kälbei: 1. Qualität78-80 Pfg., Lebendgewicht 46-48 Pf., 2. Qual. 69—71 Pfg., Lebendgewicht 41—43 Pfg., 3. Qual. Schlacht» gewicht 55-57 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht ob-58 Pfg, 2. Qual. 46-48 Pfg., 3. Qual. 40-44 "Pfg.; Schtvcine 1. Quall 68 Pfg., Lebendaewicht 54 Pfg., 2. Qual. 67 P^g., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 58 bis 60 Pfg., Lebendgewicht 00^00 big.— [ Geschäft bei Hornvieh gedrückt, bei Kleinvieh mittelmäßig; Markt geräumt. Ueberstand bedeutend. . lc. Frankfurt a. M., 2. Dez. (Dttg.^elegr. des .Metzen Anz.") "Amtliche Notierungen der heutigeii ruchtmarftpreife. Weizen Mk. 16.25-16.50, Kurhessifcher Alk. 17.2o-00.00, -a Plata Mk. 17.25—00.00, Kaiisas Mk. 00.00-00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 13.75—14.00, Gerste (Wettcrauer) SOU. 1Lo.oO-16.2o, Riete Mk. 16.25—17.25, Hafer Mk. 14.75—15.25, Mais Mk. 00.001 bg Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 24.00-24.50, 2. Qualität Mk. 22.00 bis Mk. 22.50, 3. Qualität Mk. 20.00-2O.5O, Roggenmehl O Nik. 21.50—22,00,1. Qualität Mk. 20.25—20.50, Weizenkleie Mk. 8.oO bis Alk. 00.00, Roggenklcie Mk. 9.50-Q.00, Alaiskeime 9u)0 I bis Alk. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.00—00.00. Alles per- 1100 Kg. ab hier. entmutigen lassen; denn darauf folgt sicher wieder eme aufwärts gehende Konjunktur. Mit der Ziegenzucht will es nicht recht vorwärts gehen. Dagegen giebt es eine ganze Anzahl von G e f lü g e lzu ch t v e r ei n e n. Der Provinzialverein wendet dem Gießener Geflügelzuchtverein eine jährliche Beihilfe von 1000 Mk. zu- An der Spitze des Löst- und Gemüsebau-Vereins steht nach dem -tobe des Geheimrats Dr. Braden Graf ßrial.a. Der oberhessische Obstbau-Verein ist in ständigem Aufblühen begriffen. Er zählt gegenwärtig 1361 Mitglieder. Der Redner schließt mit Dankesworten gegen alle, die den oberhessischen landw. Verein mit Rat und That unterstützt haben, und mit dem Wunsche, daß die Zeiten besser werden möchten und die Arbeit dyr Landwirtschaft sich besser lohnen möchte. — Nunmehr hielt Geheimrat Werner einen Vortrag über. „Iun gviehau. fzucht und Winterfütterung". Es würde zu loeit führen, wenn wir über seine klaren, durch mannigfache Beispiele veranschaulichten Ausführungen hier eingehend referieren wollten. Es wäre auch überflüfsig, da er demnächst feine Ansichten und Erfahrungen nach dieser Hinsicht im Druck erscheinen lassen wird. Er sprach 'zunächst von der Vererbung der EiAenschasten der Eltern I auf die Kinder. Doch kämen auch Weubilbungen vor, sog. Variabilitäten, an deren Entstehung der Landwirt meist I selbst die Schuld trage. Der Redner gab nun Anweisungen, I wie das junge Tier von der Geburt bis zur vollen Entwicklung behandelt werden muß. In erster Linie ist auf eine rationelle Fütterung zu achten, dann muß für geeignete, gut ventilierte Stalle gesorgt werden. Insonderheit' hob Geheimrat Werner den Wert der Viehweiden hervor., Weidegaiig sei unbedingt notwendig, sowohl für die Entwickelung der Körperformen und der Leistungsfähigkeit, wie für die normale Entwickelung des Geschlechtslebens. Im zweiten Teil seines Vortrags gab er wiederum ins einzelne gehende Ratschläge für die Winterfütterung. — Nach einer kurzen Diskussion, die sich an den von den anwe,enden Landwirten mit gespanntester Aufmerksamkeit angehörten Vortrag schloß, stattete Oekonomierat Schlenke dem Redner den Dank der Versammlung ab und schloß darauf ditz.i I Hauptversammlung. ~ Gerichtssaal. terfahrplans erfolgen. | fc. Frankfurt a. M., 1. Dez. Das Strafverfahren gegen I den Schreiner Hartmann, der am 31. Oft. in der Aller-1 Heiligenstraße einen Mordversuch gegen feine Frau verübte, wurde eingestellt, da Hartmann geistesgestött ist. Erl wurde der Irrenanstalt überwiesen. Hauptversammlung des landtvirtschafrlichcn Proviuzralvcreins der Provinz Oderhrsscu. D. Gießen, 2. Dez. Der landw. Provinzialverein der Provinz Oberhessen .hielt am Samstag nachmittag in Lonys Bierkeller feine \ ordentliche Hauptversammlung ab. Der Hauptversammlung 'ging eine Äusschnßsitzung voran. Anwesend waren von der Regierung Oberregierungsrat Uf inger , Landesökono- niicrat Mül ter, vom Hess. Landwirtschaftsrat Dr. Müller. Kreisrat Wal lau referierte über die Abänderungs- Horichkge der MsfArun^FfttMMunZen^tzeS^ejetzeL. üdex „Standard" die Thatsache an, dah Putfchua em Sohn Tu aus sei, des wirklichen Urhebers dec Unruhcu in den letzten Jahren. Putschun sei durch das Edikt der Rang eines Herzogs vcrlieheu worden und ihm zugleich der Befehl erteilt worden, den Palast zu vcrlasien, — Tfchang.Teh.Ll ist zum Gesandten inLoadou, Rom und Ärüsiel ernannt worden. , Caracas, 2. Dez. KammciPräsident Castro leitete eine neue Verhandlung ein gegen d • freigesprochenen Mörder des deutschen Kaufmanns Georg Lüb... San Francisko, 2. Dez. Die Fahrboote „San Ito und „San Rajael", die zwischen San Francisko und San Saligo iverkehrteu, stießen am 30. November bei dichtem Nebel zu- s am men. „San Nafael", der 200 Passagiere hatte wurde gebrochen und sank nach 5 Minuten. „€nn der nicht SÄfÄ’W wenn'auch hier'ein Rückschlag -in- ernstlich teschädigt ist nahm die"e““ treten Mte, baif sich .der. Landwirt datmrH fcoft nicht jaus, somit -r und fllng »°4 ®on <$,a”clMo ®eiUr Q-cimng. _______________ Sandel und Verkehr. Uolkswittschast. Märkte. tigt sind. a. Darmstadt, 1. Dez. Bestimmtem Vernehmen nach wird der Großherzog demnächst seine Schwester, die Prinzessin Heinrich von Preußen, die bekanntlich noch dem hiesigen Hof zu Besuch weill, nach Kiel persönlich zurückbegleiten und dort äie Wechnachisfeiertage verbringen. — In .... Anwesenheit des Staatsministers Rothe, des Obersthofmarschalls Urtb s^chZ Msschußsitzüngen. Im ganzen . v. Westerweller, des Prooinzialdirektors v. Graney, von Bei-gg Vorträge gehalten, Meist von den Land- swurde. Letzterer erhielt hierbei tretern der Stadtverwaltung, der Technischen Hochschule, zahl- fwirischästslel)rerü. "Fei dieser Gelegenheit erivähnte ,der JjarteUträä reicher Gaste und ftüherer sowie jetziger Schüler aus bemlr ganzen Großherzogtum fand heute im Städt. Saalbau em i Festakt zur Feier des 25jährigen Bestehens der i Landesbaugew^rkschule statt. Der Direktor der Anstalt, Prof. Äerm. Müller, der zugleich fein 25jähriges Jublläum als" Letter der Anstalt feierte, hielt die Festrede. Er erhielt zahlreiche Ehrengeschenke. Kreisbaumeister Frick- 1 Alsfeld überreichte im Namen der früheren Alsfelder Schüler ein künstlerisch ausgestattetes Ehrendiplom. Es ist eine große, sehr interessante Schülerausstellung mit der Feier verbunden. — Iu der Kasse bes Bureauvorstehers des Großh. Polizei-1 amt§, in der sich hauptsächlich die Gelder für die vereinnahmten Stempel 20. befanden, wurden feit längerer Zeit Unter* schleife bemerkt. Man kam durch Zeichnen der Geldstücke nach längerer Beobachtung der Diebm, einer schon seit längeren Jahren gemeinsam mit ihrer Mutier mit der Reinigung der Bureauräume beauftragten Frau Bürck We„ auf die epur. I Sie ist geständig, im Laufe des Sommers bis zu ihrer Verhaftung Beträge in Höhe von ca. 1800 Mk. mittelst Nachschlüssel entwendet und für sich verbraucht zu haben. Das I gestohlene Geld war Privateigentum des Bureauvorstehres, Polizeisekretärs Kaiser. Darwstadt, 1. Dez. Bei der gestrigen Stadtverord- netenwahl, bei der 19 Stadtverordnete gewählt wurden, siegte der Sttmmzettel der vereinigten Bezirksver- eine. Zum erstenmal aber wird nunmehr im Darmstädter Stadtverordnetenkollegiunl auch die Sozialdemokratie! üertreten sein; denn zwei ihrer Anhänger wurden gewählt. b. Mainz, 1. Dez. Die von der Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes heute Nachmittag in der „Stadthalle" I hier veranstaltete Protestkundgebung gegen die Auslassungen Chamberlains dürfte von nahezu 4000 Personen besucht gewesen sein. Die Versammlung wurde von Rechtsanwalt El aß mit einem Heil auf den Kaiser und den Großherzog eröffnet. Als Redner traten auf Prof. Dr. Graf du Moulin-Eckardt aus München, der die deutsch-feind-! liche Politik Englands aus der geschichtlichen Entwickelung herleitete, Hans Banks aus Hamburg, der Burenkommandant unter de Wet war und über die englische Kriegsführung berichtete, und Weinhändler Avenarius von Gaualgesheim, der, ein Krieger von 1870/71, mit besonderem Feuer die Auslassung Chamberlains zurückwies. Unter allgemeiner 'Begeisterung nahm die Versammlung eine an den Reich»- -kanzler gerichtete Resolution an, in der ersucht wird, die Auslassungen Chamberlains energisch zurückzuweisen. Mit cmeni alloemeinen „Heil und Sieg den Buren" schloß die Versainm- htng. — Der Bau der neuen strategischen Bahnlinie, die von der Strecke Mainz—Bingen bei Gaualgesheim abgezweigt und nach Münster am Stein geführt wird, .wird derart beschleunigt, daß die Linie bereits am 1. April 1902 dem Güterverkehr wird übergeben werden können. Die all- gemetr.e 93erCet)r5Übergabe soll bei Beginn des nächsten Win- allmählich niedergeworfen. Die außerordentlichen Ausgaben für die. Aufrechterhaltung einer so großen ~h:eün macht im Felde sei eine große Last, allein die Au-.-^chteok seien nicht entmutigend, obwohl eine sehr erhebliche leihe habe ausgenommen werden muffen. --------- .. '■ Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 2. Dezember. 37t% Reichsanleihe . . 100.45 3° ■ do. ... 89.80 31 z,®/o Konsole .... 100.45 3«/o do.....89.90 3‘,2% Hessen .... 98.10 30/; Italien. Rente . . . 99.25 4 /o Oriech. Monopo 1-Anl 42.50 5°/ Portugiesen .... 27.20 3u/o Mexikaner .... 25.75 4*/s /j Chinesen .... 87.50 Kreditaktien..... 204JO Diskonto-Kommandit . . 181.50 Darmstädter Bank . . . 125.90 Dresel n r Bank .... 128JO Ber inor Handelsges. . . 140 80 Oesterr. Staatabahn . . . 138.00 Gottharibahn.....163.00 Laurauütte......188.00 Bochum ....... 175.50 Harpener......166.00 Tendenz: fest. Krieskaflen der Redalrtion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) R. Ein vortreffliches Porträt des Geh.-Rats Löhlcin finden Sie in dem mrs Anlaß des 9. Kongresses der Deutschen (Gesellschaft für Gynäkologie zu Gießen beim Hof- und Uniocrüläls-Buchhändler August Frees erschienenen „Führer durch Gießen unt) Um^ gebung." S. Die sozialdemokratische Petition gegen den Zolltarif hat im Großherzogtum Hessen 60700 Unterschriften gefunden. H. Bei der letzten Reichstagswahl betrug die Zahl der soziale demokratischen Stimmen im Großherzoglnrn Hessen 48942. Nach den neuesten Schatzungen sollen 20 Personen umge« kommen sein. Der Kapitän des „Rafael", der gerettet wurde, glaubt, daß alle Passagiere gerettet seien. Peking, 2. Dez. Prinz Tschung benachrichtigte die Minister, der Hof habe den Beginn des letzten Teils der Reise verschoben, da die Kaiserin-Witwe an großer Er- mattung leide. Tie Vorbereitungen zum Empfang werden in Peking in großem Maßstabe fortgesetzt. Tie Tempel und öffentlichen Gebäude werden neu bemalt und mit Vergoldungen ver- sehen. Ter Kaiser und die Kaiserin-Witwe werden durch das Hauptthor der Stadt einziehen, während die übrigen Mitglieder des Hofes durch Settenthore die verbotene Stadt betreten werden Die Lage in Peking beffert sich im Volke. Tie chinefischen Beamten zeigen das Bestreben, Beleidigungen von Fremden zu meiden. Die Haltung der Bevölkerung, die den Beamten auf deren Wink folgt, ist nicht feindselig. Auch in der Provinz herrscht völlige Ordnung mit Ausnahme der Plätze, in denen sich Räuberbanden befindn. Die höchsten Beamten zeigen mehr als früher den Wunsch, mit den fremden Diplomaten freundliche Beziehungen zu pflegen. Die Kaiserin-Witwe erließ ein Dekret, worin der Beginn des Unterrichts in den Schulen verfügt wird, in denen fremde Wissenschaften gelehrt werden. Die Regelung der zwischen den chinesischen Beamten und den Missionaren schwebenden Streitfragen betreffend die Entschädigung für Gewaltthaten gegen chinesische Christen und die Zerstörung des Privateigentums, die in die allgemeine Entschädigung nicht eingeschloffen find, ist thatsächlich vollendet. Die Zahlungen beziffern sich auf 5 Millio ne n Taels. Verschiedene Fragen erhoben sich zwischen der chinefischen Re- gierung und deu auswärtigen Gesandten betr. die Zahlung der Zölle nach dem neuen Tarif. Robert Harts Politik geht dahin, bei Entscheidung departiver Fragen den Importeuren möglichst entgegenznkommen. Tilsit, 2. Dez. Hier erregt das plötzliche Verschwinden des Bauunternehmers Joh. Schattkus großes Aufsehen. Schctttkus war russischer Unterthan und hat sich innerhalb 5 Jahren vom einfachen Handwerker zum reichen Manne emporgeschwungen. Er soll sich über Berlin nach Hamburg gewendet haben. London, 2. Dez. „Daily Mail" erklärt, daß die Ursachen, welche die Regierung bewogen haben, die Ueber- wachung der Einwanderung in den südafrikanischen Häfen anzuordnen, darin zu finden sei, daß zahlreiche Personen über die englischen Häfen nach Südafrika zu den Buren stoßen konnten. Madrid, 2. Dez. Aus Anlaß der Geburt eines In - fanten, Sohnes der Prinzessin von Asturien, feuerte die Batterie einen Salut ab. Tie Minister und der Kammerpräsident fungierten als Zeugen. Heute faud bereits die Taufe statt, wobei die Regentin und der Nuntius namens des Papstes Gevatter standen. Der Jnsant erhielt den Namen Alfonso. Wien, 2. Dez. Die „Montags-Revue" ist ermächtigt, zu konstatieren, daß weder Ministerpräsident v. Körber, noch Gras Goluchowsky bemüht-sind, den Tringlichkeitsantrag, den Buren die Sympathie des Abgeordnetenhauses auszudrücken, zurückzuziehen. Colon, l.Dez. Reuter-Meldung. Das deutsche Schulschiff „Stein" ist hier eingetroffen. New-Dork, 1. Dez. Ein Telegramm aus Colon meldet: Vom eolumbischcn Kriegsschiff „General Pinzon" sind über 700 Soldaten gelandet worden. — lieber den letzten Kampf bei Colon wird gemeldet: Am Donnerstag war General Banera, der einen kleinen - Hügel bei-Buena-- vuta besetzt hatte, im Begriff, sich einen Weg durch den Wald zu bahnen,. als seine Truppen im Rücken von den Konservativen angegriffen wurden. Gleichzeitig empfingen sie Feuer von vorne. Der Kampf führte zur völligen Niederlage und Uebergabe Colons. Bei dem Gefecht sind mehrere Offiziere der Regierungstruppen gefallen. Hier wird angenommen, daß die Uebergabe Colons der Sache der Aufständischen im Distrikte Panama nahezu den Todesstoß versetzt hat, obgleich man nicht zweifelt, daß int Gebirge der Guerillakrieg wieder ausgenommen wird. Die Züge auf der Jsthmusbahn befördern noch bewaffnete amerikanisck>e Truppen. Die kolumbische Regierung übt besonders wieder die Depeschenzensur aus. Philadelphia, 1. Dez. Die Polizei verhaftete am 30. November nachmittags hier im Geschäftsteil der Stadt einen Schweden, der sich Wilhelm Miller nennt. Derselbe las einen Bericht über ein Fußballspiel, welchem Präsident Roosevelt beigewohnt hatte und soll gesagt haben, Präsident Roosevelt müsse ebenso erschossen werden wie MacKinley. San Franzisko, 2. Dez. Zu dem Untergang des Fährbootes „Rofol" wird noch berichtet, daß dasselbe mit einer anderen Dampffähre im Hafen zusammenstieß. Der „Rofol" hatte 200 Personen an Bord. Kap stadt, 1. Dez. Premierminister Sprigg hielt hier eine Rede, in der er sagte, die Feldarmee desKav- l a n d e s zähle 18 000 Mann, von denen Dreiviertel beritten seien. — Die Regierung und die Militärleitung gingen völlig Hand in Hand. Die Lage des Landes bessere sich täglich. Der Feind und die Aufständischen würden Die Erfahrung; lehrt’« tagtäglich, >aß ein Geschenk um so wertvoller ist, je prcck- lscher es für uns ist, je größere Dienste es uns eistet. Die eleganten Weihnachts-Kartons mit je j Stück Doering s Eulenseife sind daher eine doppelt vertoolle Beigabe zu Weihnachts-Gescheicken, )enn 1. sind sie das Beste, was die «eisen-Branche .netet, 2. sind die Kartons sehr schön ausgestattet, 3. sind dieselben in Damen- wie in Herrenkreisen als Geschenk sehr beliebt und 4. ist ihr Nutzwert n Folge ihrer günstigen Wirkung aus Zartheit der Uhu o^urtjeit des Teints, ein anerkannt großer. Tocring'Z Weihnachts-Kartons sind überall ohne Preisausschlag zu haben. 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Die tieftrauornden Hinterbliebenen. Giessen, den 2. Dezember 1901. 7876 Gestern abend entschlief sanft nach langen, schweren Leiden unser teurer Gatte, Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Onkel ur’d Schwager Die Beerdigung findet statt: Mittwoch den 4. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Neuenweg 41, aus. Berr Hermann Hornberger im 62. Lebensjahre. Wilhelm im Alter von 3 Jahren IV2 Monaten. Um stille Teilnahme bitten Die tief betrübten Eltern: Professor 0. Weiss und Frau Elise, geb. Atzbach. Eppingen (Baden), den 2. Dezember 1901. 7881 Statt jeder besonderen Anzeige. T odes-Anxeige. Heute früh kurz nach 2 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden im städtischen Krankenhause zu Karlsruhe unser heissgeliebtes, einziges Kind M . • M. I vü« n-r Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verlust unserer Tante Misabethe Münch insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Dr. Grein sagen innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 30. November 1901. 04849 Hervorragend billige Bücher finden Sie in dem Illustrierten Bücher-Wegweiser, 35. Jahrgang, 166 Seiten stark, I. M. Spaeth, Buchhandlung, Berlin C. 2, gegenüber dem Rathhaus, sendet Ihnen das litterarische Schatz- kastlein gratis. 7863 Beriebene handeln und Haselnüsse stets frisch, sowie sämtliche Backartikel empfiehlt 7870 Gustav Walter, MLinsburg 13. 8- bis 16000 Mk. aus prima Objekt gcg. hohe Zinsen sofort oder später zu leihen gesucht. Offerten unter H W 04857 .cm die (Spedition d. Bl. Srannct TM entlaufen zwischen Leihgestern und Lang- Göns. Abzugeben gegen Belohnung Bahnhofstraße 40. 7879 M erkoren. Ischw. Geldtäschchen, 'v? Inh. 60 Alk., im Bahnh. verl. Wiedcrbr.10Mk.Bel. Abz.i.d.Exp. Llhwnrzes Efitzentuch letzten Donnerstag im Theaterverein verloren gegangen. Abzugeben in der Exed. d. Bl. Deutscher Kof. 5 Neuenweg 5. or Täglich KroßesKonzert der berühmten 7859 Schwarzwälder Singvögel. Gießener ^tadttheatev. Dienstag den 3. Dezember, 3. Aolksvorstelluug. Kaus Lonei. Lustspiel in 4 Akt. v. A. L'Arronge Anfang 8 Uhr. Ende 10*/2 Uhr. Cintrittspreike: Loge 1 Mk., Saal 40 Psg., Gallerte 20 Pfg. Mmerein. Dienstagabend: [7880 MAHttMMSesseil.