Nr. »06 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag 3. September 1901 .«tiPn bcS vrzngrpreirvikrtcljähM Ml. 2.20, monatl. 75 Pfo. inttSBringcdolm; bind) die Abhoicslellen viertrljährl. Mt. 1.90, monatl. 65 Psg. ei Postbezug Vierteljahr!. Ml. 2.00 ohne Bestellgeld. Adresse für Depescheut Anzeiger Gießen. Fernsprechanschlub Nr.bl. «alle Anzciaen'vcrmililungL. ,^ll n bcS In- unb Ausland«« ’ctjuun Anzeigen für den Siebener Anzeiger tntgfaenJ Jetlenprcio. total 12 Pfg^ auswärts 20 Psg. S GiehenerAnzeiger MMM- M General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Ureis Eiehen Amtlicher Heil. Gießen, 30. August 1901. Vetr.: Desinitorialprüfung der Schulamts-Aspirantten und -Llspirantinnen im Herbst 1901. Die Grotzh. Kreisschulkommisfion Gießen an die Schulvorstände deS Kreises. Wir empfehlen Ihnen, die in Ihrer Gemeinde wohnenden Schulamts-Aspiranten und -Aspirantinnen zu benachrichtigen, daß die nächste Difinitorialprüfung Montag, den 2. 8Ka< 1901, vormittags 8 Uhr, in Darmstadt (in der Aula des Ludwig-Georgs-Gymnasiums, Karlsstraße Nr. 2) beginnt und daß die an Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, zu richtenden und mit Stempelmarken im Betrag von Mk. 1.50 zu versehenden Gesuche nebst Anlagen (Seminarzeugnis, bezw. Zeugnis der ersten Prüfung, Zeichnung und Probeschrift) bis spätestens zum 5. Oktober ds. Is. bei nus einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche finden keine Berücksichtigung. Alle diejenigen Prllsliuge, welche nicht ausdrücklich von der Prüfung zurückgewieseu oder durch besondere Zuschrift aus einen späteren Termin zu derselben einberuseu werden, haben fich zu der obeubemerkten Zeit in Darmstadt zur Prüfung eiuzustelleu. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich. In der Zeck vom 5. September l. I. bis einschließlich 18. September l. Is. liegen auf dem Gemcindehause zu Garbenteich die Arbeiten des 3. Abschnitts rubr. Feldbereinig- ung, nämlich: I. 1. 11 Zuteilungskarten, 2. 3 Bände Gütergeschosse, 3. 3 „ Zuteilungsverzeichnis, 4. das Verzeichnis der Bonitätserhöhungen, 5. das Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume, 6. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zmvenig erhaltenen Obstbaumwert, 7. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände, 8. das Protokoll der Zuteilungskommission über die Abänderungen am Wcgnetz, 9. das Protokollbuch. II. Bezüglich der aus der Gemarkung Watzenborn-Steinberg infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke: 1. das Besitzstandsverzeichnis, 2. die Gütergeschosse, 3. das Zuteilungsverzeichnis, 4. das - Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zmvenig erhaltenes Gelände. in. Bezüglich der au« der Gemarkung Grüningen infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke: 1. das Besitzstandsverzeichnis, 2. die Gütergeschosse, 3. das Zuteilungsverzeichnis, 4. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände. IV. Bezüglich der aus der Gemarkung Hausen infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke: 1. das Besitzstandsverzeichnis, 2. die Gütergeschosse, 3. die Zuteilungskarten, 4. das Zuteilungsverzeichnis, 5. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Donnerstag, 19. September l. Is., vormittags von 9—IO Uhr, im Gemeindehause zu Garbenteich, wozu ich die Beteiligten unter dein Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße — mindestens >/s Bogen — einzureichen. Friedberg,, den 31. August 1901. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Sandmann. Au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises Gießen. Wir ersuchen Sie, die Todeszengnifse und Zählkarten von den Monaten Juli und August möglichst bald, also in den ersten Tagen des September, hierher zu senden. Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen. _________________Dr. Haberkorn. _______________ krch- LMs-BMmrMe AmstM. Beginn des Wintersemesters am 21. Oktober d. Is. Dauer desselben 20 Wochen. Die Schule umfaßt vier Klassen für Hochbau und zwei Klassen für Tiefbau. Das Schulgeld beträgt 80 Mar k. Lehrplan und Anmeldeformulare sind durch die Direktion der Landes-Baugewerkschule, Darmstadt, Neckarstraße 3, zu erhalten. Schluß der Anmeldefrist, am 5. September. ~ Benachrichtigung über Aufnahme kann vor dem 10. September nicht erteilt iverdcn. _________________Die Direktion._________________ Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 5. September d. I. in Ehringshausen anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 des Kreisblattes von 1901 veröffentlicht'worden sind. Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen darf Rindvieh nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, 27. August 1901. Der Königliche Landrat. KoMischr Wochenschau. Die 4 8. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die in der vergangenen Mochte in dem der Mehrheit seiner Bewohner nach protestantischen Osnabrück veranstaltet wurde, nahm einen glänzenden Verlauf. Auch das äußere Bild ließ den Katholiken vergessen, daß er sich in einer vorwiegend protestantischen Stadt befand. Die Protestanten haben durch Freundlichkeit des Empfangs und umfassende Gastfreiheit eine durchaus tolerante Gesinnung bewiesen. Gleichzeitig mit der Generalversammlung tagten noch andere Vereinigungen, wie die Generalversammlung des Volksvereins, die Versammlung der Windthorstbunde, der Lehrpersonen, der kaufmännischen Delegierten, der Arbeitervereine u. s. w. Ter Vorsitzende der Versammlung, Abg. Trimborn, kündigte das Gespenst eines neuen Kulturkampfes an. Nach den in der Zentrumspresse lautgewordenen Erklärungen l-andelt es sich dabei hauptsächlich um die Angriffe auf das katholische Beichtinstitut in Verbindung mit der katholischen Morallehre, die ihren Ursprung in der Graßmann- schen Liguori-Broschüre haben, und um die „Los von Rorn"- Bewegung, die in protestantischen Kreisen warm unterstützt würde. Tie Ankündigung scheint der Versammlung ziemlich verblüffend gekommen zu sein, denn es folgte ihr, wie wir berichteten, lautlose Stille. Ter K r o s i g k p r o z e ß scheint in ein neues Stadium zu treten. Nachdem bekanntlich der Verteidiger des zum Tode verurteilten Unteroffiziers Marten, Rechtsanwalt Hlorn, Revision gegen das Urteil eingelegt hat, ist nunmehr von dem kommandierenden General, Graf Finck v. FinckensAin, auch Revision bezüglich der Freisprechung des Sergeanten Hickel angemeldet worden. Es ist dies nur als willkommen zu begrüßen; denn es ist ja, wenn auch nicht wahrscheinliche so doch immerhin nicht ausgeschlossen, daß Martens Revision, die sich bekanntlich hauptsächlich auf die gesetzwidrige Berufung des Oberkriegsgerichts stützt, verworfen wird. Tie Metzer Bischofsfrage ist endlich dadurch gelöst, daß der Papst den Abt Benzler von Maria Laach zum Bischof der Hauptstadt Lothringens ernannt hat. Gleichzeitig erhielt Zorn v. Bulach den Posten als Weihbischof in Straßburg. Die chinesische Sühnegesandtschaft ist am 26. August in Basel eingetroffen. Bereits vom Zentralbahnhof über den Rhein nach dem badischen Bahnhof befördert, ging der Sonderzug aber nicht weiter, sondern blieb kurz vor der deutschen Grenze stehen, und auch! heute ist er noch keinen Schritt weiter gefahren. Man kann sich die Ueberraschung des vom Kaiser nach Basel zum Geleit des Sühneprinzen Tschun entsandten Generals v. H ö p f n e r und seines Begleiters, eines Generalstabsoffiziers, denken, als sie nicht einmal zum Prinzen zugelassen wurden, der, wie man sagte, krank geworden sei und sich weigere, weiter zu fahren. Tie chinesische Gesandtschaft bezog ein Gasthaus in Basel auf unbestimmte Zeit. An leitender Stelle hatte man in Teutschland zweifellos keine Ahnung von dieser Wendung; denn sonst wäre nicht Generalmajor Richter, der mit Prinz Tschun aus Asien gekommen war, sofort zur Berichterstattung nach Wilhelms- höhe zum Kaiser gereist. Auf Grund dieser Erwägung dürfte der Erklärungsversuch hinfällig fein, daß sich nicht etwa der Prinz sträube, sondern von deutscher Seite sein Besuche so lange abgelehnt werde, als das Friedensprotokoll in Peking nicht von dem chinesischen Bevollmächtigten unterzeichnet sei. Wir haben bereits in unserer vorigen Nummer auf den wahren Grund hingewiesen: Man verlangt am deutschen Kaiserhofe, daß! bei dem Empfang der chinesischen Deputation das in China gebräuchliche Zeremioniell eingehalten werde. Das verschnupfte den Prinzen, deshalb wurde die teure Depesche an den chinesischen Hof abgesandt. Daneben soll es sich noch um den Wortlaut der Ansprache handeln, die Prinz Tschun an den Kaiser richten soll. Jedenfalls sieht es so aus, als ob. der Prinz sich auf einen längeren Aufenthalt in Basel vorbereite. Tenn einem Telegramm des „Lok.-Anz." aus Basel zufolge brachten zwei hochbeladene Rollwagen am Freitag das Gepäck der chinesischen Gesandtschaft vom Bahnhöfe zum Hotel, das man bisher in dem Sonderzuge gelassen hatte, der den Prinzen und sein Gefolge von Genua nach Berlin bringen sollte. Es scheint auch, als ob der Prinz bereits eine Weisung aus Peking erhalten hätte, wenn ey wahr ist, was aus der Umgebung des Prinzen verlautet, daß er die in Berlin für ihn eingerichtete Wohnung nur für kurze Zeit inne haben dürfte. Ein Herr aus der Umgebung des Prinzen sott geäußert haben: Was zu sagen war, ist von beiden Seiten gesagt worden. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, jetzt muß die Entscheidung kommen. Um das allgemeine gleiche Stimm recht zu erlangen, bereiten die Sozialdemokraten in Belgien eine Revolution vor. Um die angedrohten Gewaltthaten auch wirklich ausführen zu können und ihren Forderungen den nötigen Nachdruck zu verschaffen, bieten sie durch ihre Presse den Genossen Revolver an. Tie Behörden haben deshalb die Polizei zu verschärfter Aufmerksamkeit auf alle Versammlungen angewiesen, in denen aufreizende Reden gehalten werden. In Frankreich ist man wegen des würdigen Empfanges des Zaren in Aufregung. Tie Nationalisten verlangen, Präsident Loubet solle Teroulede und noch andere Verbannte begnadigen. Tann suchen sie den Prä- 'identen mit seinem Kabinett zu entzweien, indem sie behaupten, Loubet habe sich einem nationalistischen Journalisten gegenüber gerühmt, die Einladung des Zaren ganz ohne Wissen seines Ministerpräsidenten und über dessen Kopf besorgt zu haben Tas wird Loubet nebenbei auch noch als eine Verletzung der Verfassung aufgemutzt. Für o dumm sollten die Nationalistjen Loubet doch nicht halten. Ter Konflikt zwischen der Türkei und Frankreich hat eine ernste Gestalt angenommen. Vom Sultan waren, als der Botschafter Eon sta n s mit Mr eise drohte und in der französischen Presse von einer Flottenknnd- gebung die Rede war, alle Forderungen Frankreichs in der Ouaiftage von Konstantinopel zugegeben worden; alles schien in Ordnung. Ta trat im letzten Augenblick eine! neue Spannung ein. lieber den Grund weiß man bis jetzt nichts Genaues. Vielleicht hat der Sultan versucht, im letzten Augenblick doch noch! etwas herauszuschlagen. Nach! einer anderen Lesart trat Frankreich für eine andere Geldforderung ftanzösischer Privatleute ein. Constans stellte eine ganz kurze Frist, erneuerte die alte Drohung, und als Die Pforte ihrer alten Gewohnheit treu blieb und zögerte, packte Constans auf Pariser Anweisung hin seine Sachen und dampfte ab. Nun sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Paris und Konstgntinvpel abgebrochen; die frem- den Diplomaten nehmen die Sache jedoch nicht so ernst, wie sie erscheint. Im letzten Augenblick machte die Pforte noch allerlei Anstrengungen, verwandte fidr sogar bei der Frau Constans' um die Mreise des Botschafters zu verhindern. Aber Constans blieb hart. Im südafrikanischen Kriege hat England bekanntlich jetzt zu einem Mittel gegriffen, das unter dem völkerrechtlichen Gesichtspunkte allgemein verurteilt wird; wir meinen KitchenersProklamation, deren Grundauffassung ist, daß die noch kämpfenden Buren nichts anderes sind als Aufständische gegen ihren recht- mäßfgen Herrscher Eduard VII., Marodeure, Räuber und Banditen. Dieses neue Mittel hat nicht verfangen. Denn die Zahl der Buren, die sich ergeben, ist nicht großer geworden. Tafür hat der Burenführer Delarey eine Gegenprokamation erlassen, welche zum treueren Kampfe auffordert; auch ist Lord Kitchener von Botha, De Wet unb Steijn in Kenntnis gesetzt worden, daß die Buren fich nicht einschüchtern lassen. Es gewinnt mehr und mehr den Anschein, daß Kitcheners neues Mittel ein Verlegenheits-, wenn nicht Verzweiflungsmittel ist Die englischen Truppen in Südafrika müssen nämlich, weil sie ganz ungeeignet sind, teils weil sie unbrauchbar geworden find, nach Hause geschickt werden, ^er englische Oberst Hanna läßt sich darüber in einer für die Engländer wenig erfreulichen Weise aus. Ter Oberst spricht von der geplanten Zurückziehung von 70 000 Mann _ und findet den Grund dafür darin, daß ihr Gesundheitszuftand nicht erlaubt, sie noch eine heiße Jahreszeit in Südafrika durchmachen zu lassen. Er betont, daß die Verstörungen, die zur Ausfüllung der Lücken nach Südafrika geschickt worden sind, zum großen Teile aus Soldaten bestanden, die während des Krieges als Invalide zurückgeschickt worden find und deren Körper notwendig geschwächt ist Gr: gievr zu, daß die Zurücksendung eines großen Telles der Armee absolut notwendig ist. Was sie aber so gefahrttch macht, ist der Umstand, daß die Regierung keine Anstalten ge troffen hat, um sie durch hurdi Chamberlains Absicht, Menge und Gute der Toppen durch Befestigungen zu ersetzen, sei ein verhängnisvoller ^rrtum kein Sm em sei gefährlicher uni) verschwenderischer als das Emr sckrankenÄsen Vermehrung von Blockhäusern. Merst Danna faßt sein Urteil dahin zusammen: „Mr. Chamberlain ^muß in der That sanguinisch sein, wenn er erroStet fein neuer Feldzugsplan werde zu etner bedingungslosen Kapitulation der beweglichen und unternehmen- d u Bureu ftihreu. Seine Politik wird nach meiner Ansicht eine qm entgegengesetzte Wirkung Haden und die schwere nur beichleuuiqen, die |«t langem über Südafrika Ugt i S unserer Armee in Block-Msern zu ver- araben Galgen anfzurichten, legitime Gewalt durch gerichtlichen Mord zu ersetzen, die Eingeborenen zu bewaffnen, das Eigentum von Kriegführenden zu konfiszieren und chre VÜbrer zu verbannen, das heißt nur die eigene Demütigung und Niederlage vorbereiten. Diese neue Politik kann vielleicht die enormen wöchentlichen Kriegskosten mindern und die Steuerlast leichter machen, aber sie wird uns Südafrika verlieren lassen." Also eine vollständige Verurteilung des jetzt beliebten Verfahrens, von dem vor allem der „gerichtliche Mord" hervorzuheben ist. Ter letztere Ausdruck bezieht sich hauptsächlich auf die Erschießung von Kapländern, die sich den Buren angeschlossen hatten und den Engländern in die 5mnde gefallen find. Nachgewiesenermaßen hat man unschuldige erschossen. Tie kapländischen Gerichte find fetzt eifrig thätig, Rebellen mit Freiheitsstrafen oder Verlustder politischen Rechte zu belegen, aber auch das hindert mcht, daß die Buren das Kapland mit Hilfe seiner Bewohner beunruhigen- Im ganzen sollen noch 14 000 Buren kampsen, denen sich 10000 Kapburen an geschlossen haben sollen. Vor anderthalb Monaten ovurde die Nachricht von dem Ausstande der Stahlarbeiter in den Verein ig- ten Staaten Nordamerika sin der Erwartung ausgenommen, daßj man einem der größten Arbeiter kämpfe der Weltgeschichte entgegensetze. Es stand die Organisation der Arbeiter in Frage, der gegenüber die vereinigten Stahl; fabrikanten sich ablehnend verhielten. Letztere sollten nun durch den Ausstand zur Anerkennung des völligen Zusammenschlusses der Arbeiter gezwungen werden. Mangelnde Unterstützung durch andere Organisationen einerseits, die Macht des Syndikats anderseits haben zur Folge gehabt, daß der Ausstand scheiterte. In dem Kriege zwischen Venezuela und Columbia sieht man immer noch nicht recht klar, da der Nachrichtendienst von Mittelamerika recht mangelhaft ist und dazmoc ffenbar von interessierter Seite beeinflußt wird, sei es durch Hemmung, Verstümmelung oder Färbung. Während es anfangs schien, als gehe es Columbia schlecht, da der Präsident Castro von Venezuela eine große Heeres- macht ausgesandt haben sollte, um die liberalen Revolutionäre in Columbia zu unterstützen, wurde später berichtet, daß die Regierung des letzteren Staates den Aufstand erfolgreich bekämpfe. Auch wurde die anfängliche Nachricht widerrufen, wonach sich auch Ecuador den Feinden der columbischen Regierung angeschbossen haben sollte. Selbst in Washington thut man so, als habe man kein klares Bild der Lage. Tiefe Haltung dürfte also bei den von der Regierung Mac Kinleys allüberallhin gesponnenen Fäden wenig aufrichtig sein. Zur Frage der Regelung der Kinderarbeit. Im Hinblick darauf, dag Bundesrat und Reichstag binnen kurzem in die Lage kommen werden, sich mit der Frage der anderweitigen Regelung der Kinderarbeit zu beschäftigen, ist es nicht ohne Interesse, darauf zurückzugreifen, wie die internationale Arbeiterschutzkonferenz im Jahre 1890 es versuchte, sich über die in Betracht kommenden Grundsätze zu einigen. Hinsichtlich der Regelung der Kinderarbeit in gewerblichen Anlagen entschied die mit der Regelung der Arbeit 12- bis 14jähriger Kinder betraute dritte Kommission von vornherein einstimmig, „daß es wünschenswert sei, Kinder' beiderlei Geschlechts, die ein bestimmtes Alter noch nicht erreicht haben, von der Arbeit in gewerblichen? Anlagen auszuschließen." Diese Altersgrenze gelangte zunächst zur Beratung. Der Delegierte der Schweiz beantragte das Alter von 14 Jahren, was mit 13 gegen ß Stimmen (Oesterreich und Schweiz) abgelehnt wurde. Ein französischer Delegierter trat für seine Person diesem Antrag bei. Das Minimum von 13 Jahren wurde mit einer Mehrheit von 12 Stimmen gegen 2 (Oesterreich und Schweiz) und einer Stimmenthaltung (Dänemark) verworfen. Der deutsche Delegierte gab die Erklärung ab, daß er nicht für das Alter von 13 Jahren gestimmt habe, weil für ihn die Frage gegenstandslos fei, da die Bestimmungen des Schulgesetzes in Deutschland nicht gestatten, den obligatorischen Elementarunterricht vor diesem Alter zu beschließen. Er behalte sich vor, einen Zusatzantrag zu stellen über die Notwendigkeit, der Schulpflicht zu genügen, bevor die Ausnahme in eine Fabrik zulässig sei. Der Vorsitzende Jules Simon beantragte, das Minimum des Alters für die Beschäftigung in gewerblichen Anlagen auf das vollendete zwölfte Jahr festzufetzen, da diese Altersgrenze im allgemeinen nicht ungünstig sein würde. Er konstatierte, daß die Verwendung von Kindern unter zwölf Jahren in England fortschreitend abnehme, besonders in der Textilindustrie. Aber nach dem dermaligen Stande der englischen Gesetzgebung, die unter bestimmten Vorbehalten die Arbeit der Kinder von zehn bis zwölf Jahren zulasse, erteile er sein zustimmendes Votum ad referendum. Der italienische Delegierte verlangte, daß das Alter für die Zulassung der Kinder in gewerblichen Anlagen nicht für alle Kinder dasselbe sein solle. Man müsse die Frühreife der südländischen Rassen, welche den klimatischen Einflüssen der geographischen Lage wie der Rasse selbst zuzuschreiben sei, Rechnung tragen. Ueberdies befinde sich die italienische Großindustrie in ihren Anfängen; sie habe den hohen Grad der Entwickelung der Industrie der großen europäischen Produktionsländer noch nicht erreicht. Unter solchen Umständen könnte davon keine Rede sein, von Jta* lien eine ähnliche Gesetzgebung zu verlangen, wie sie anderwärts zum Schutze der Interessen der Kinder und jungen Leute bestehe. Schließlich wurde das Alter von 1 2 J^ah r en als M i- n int u m des Alters der Zulassung in gewerblichen Anlagen allseitig angenommen. Die Ausnahme, welche dieses Minimum für südliche Länder auf 10 Jahre herabsetzt, begegnete zwei Stimmenthaltungen (Schweiz und Großbritannien). Ein Zusatzantrag des deutschen Delegierten, daß es wünschenswert sei, „daß die in gewerblichen Anlagen zugelassenen Kinder den Vorschriften über den Elementarunterricht vorher Genüge geleistet haben", wurde vom schwedischen Delegierten unterstützt. Der großbritannische Delegierte war zwar nicht geegn das Prinzip des Antrags, erklärte aber, nicht für denselben stimmen zu können, da er der Meinung sei, daß eine derartige Bestimmung in einem Schulgesetz besser am Platze sei als in einem Fabrikgesetz. Der deutsche Antrag wurde mit 11 gegen 2 Stimmen (Dänemark und Großbritannien) und zwei Enthaltungen (Belgien und Niederlande) angenommen. Die dritte Kommission hatte weiterhin darüber zu beraten, welche Anträge sollen rücksichtlich! der Dauer des Arbeitstages und der Art der Beschäftigung der zur Arbeit in gewerblichen Anlagen zugelassenen Kinder vorgesehen werden? Der Antrag des deutschen Delegierten, welcher dahin ging, es sei wünschenswert, daß Kinder, welche das 14. Jahr noch nicht vollendet haben, weder nachts noch am Sonntag arbeiten dürfen, wurde unter folgenden Vorbehalten der Niederlande, Belgien und Luxemburgs angenommen: Der niederländische Delegierte verlangte, daß es den Kindern, die einem Kultus an gehören, welcher nicht den Sonntag als Ruhetag feiert (z. B. der jüdische Kultus) gestattet fein möge, als wöchentlichen Ruhetag einen anderen, von ihrem Kultus mierfonnten Tag zu wählen. Der weitere Antrag der deutschen Delegierten: es fei wünschenswert, daß die effektive Arbeit der Kinder dieses Alters die Dauer von täglich sechs Stunden nicht überschreitet und durch eine Pause von mindestens einer halben Stunde unterbrochen wird, wurde von den englischen Delegierten angenommen, sie erklärten jedoch, daß sie unter den Worten „sechs Stunden täglich nicht überschreitet" eine durchschnittliche Zeitdauer der täglichen Arbeit von sechs Stunden verstehen. England behalte sich außerdem vor, mit der Anwendung seines jetzigen Systems fortzufahren, dessen große Nützlichkeit die Erfahrung bewiesen habe und das darin bestehe, Kinder in einem Alter von 13 vollen Jahren und darüber, welche die durch das englische Gesetz vorgeschriebene Schulprüfung bestanden haben, zu den Vorrechten zuzulassen, welche der Kat^orie der jugenlichen Arbeiter zuerkannt seien. Der österreichische Delegierte schloß sich dem Antrag ebenfalls an, weil in Oesterreich das Gesetz allen Kindern unter vollen 14 Jahren jede Arbeit in gewerblichen Anlagen verbietet und es ihm nunmehr vorteilhaft erscheine, daß die Arbeit der Kinder dieses Alters, da wo sie noch gestattet sei, so sehr wie möglich eingeschränkt werde. Der Antrag wurde mit 11 gegen 4 Stimmen (Belgien, Ungarn, Italien, Niederlande) angenommen. Der fernere Antrag des deutschen Delegierten, es sei wünschenswert, daß Kinder unter 14 Jahren von ungesunden oder gefährlichen Beschäftigungen ausgeschlossen oder mindestens nur unter gewissen schützenden Bedingungen dabei zugelassen werden, gelangte zur em* stimmigen Annahme. _ ________ Die Handelsgesellschaft in Nauheim*). Einen Skandal, der einen überaus lehrreichen Beitrag zur modernen Gründungsgescbichte liefert, haben uns die letzten Wochen beschert. Es handelt fich wieder um eine Fabrik, die seit Jahren ihren Aktionären reichen Ertrag abwirst, und die jetzt plötzlich als ein innerlich ungesundes Unternehmen enthüllt ist. Allerdings: das Wort „plötzlich" paßt hier nicht ganz; denn fast schon ein Jahr lang munkelt man, daß es auf der Fabrik feuerfester und säurefester Produkte zu Vallendar am Rheine nicht ganz geheuer sei. Als im Jahre 1896 die Aktien des Unternehmens durch die Berliner Handelsgesellschaft mit 70 Prozent Agio eingeführt wurden, da freilich hielt man die Fabrik für hochfein, und das Publikum schlug sich förmlich um den Besitz. Die Handelsgesellschaft hat, wie sich jetzt herausstellt, die Einführung nur in Kommission genommen; sie hat aber an ihrem Pflegekinde gehandelt wie an einem eigenen. Mit liebevoller Vorsicht hatte sie dafür gesorgt, daß nicht zuviel Material auf den Markt gelange und mit seiner Fülle den Kurs drücke. Ein großer Teil der Aktien wurde zunächst durch Sperrung vom Verkauf ausgeschlossen; und die Aktien stiegen denn auch bis nahe an 270. Die Gesellschaft, die sich namentlich mit der Herstellung von Flaschen zu chemischem Gebrauch, von keramischen Erzeugnissen, Glaswaren und allen möglichen feuerfesten Anlagen beschäftigt, hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens, von 1891 an also, bis zum Jahre 1900 ihr Kapital von' 1 Million auf 6 Millionen erhöht, und außerdem eine Schuldenlast von 4 Mill. Mark gehäuft. Dazu gehören allerdings 2 Mill, noch nicht begebener Obligationen, die aber sicher wiederum schon durch Bankierkredite ausgeglichen sind. Der Gründer und geistige Leiter des Unternehmens ist das Haupt der Familie Boeing, Herr L. O. Boeing. Man weiß nicht recht, ob man es da mit einem Schwindler niederster Sorte zu thun hatte oder ob Herr Boeing mehr das Interesse des Pathologen beanspruchen darf. In der Frechheit seines Gebahrens erinnert er an Terlinden. Während aber Terlindens Geschäft wenigstens früher als ein einwandfrei gutes galt, und dem Inhaber der Firma einen vorzüglichen Ruf schaffen konnte, den er dann erst als Basis seiner Schwindeleien benutzte, waren Boeings Unternehmungen von Anfang an Gegenstand des Mißtrauens solcher Leute, die sich nicht von schönen Worten und glatten Redensarten blenden ließen. Da besonders, wo man die Vergangenheit der Familie Boeing genauer kannte, entstand ein allgemeines Schütteln des Kopfes. Trotzdem verstand es der Generaldirektor lange, sich in anderen Sphären den Ruf eines genialen Geschäftsmannes zu erwerben und zu erhalten. Eine gewisse Genialität gehörte allerdings dazu, die Schwindeleien so fein einzufädeln und durchzuführen, wie es Herr Boeing that. In großartiger Unparteilichkeit scheint er nicht nur fremde Leute betrogen, sondern auch in der eigenen Familie als ein Autokrat geherrscht zu haben, der nach, seinem betrügerischen Willen die Geschicke der Heben Verwandtschaft lenkte. Schon die Gründung der Gesellschaft war eine sogenannte Familiengründung. Jedem Familienmitglied wurde dabei eine gewisse Rolle zugeteilt. Mit der Zuweisung der Abfindungssummen an die einzelnen Mitglieder scheint es der Generaldirektor aber nicht sehr eilig gehabt zu haben. Die Gesellschaft wuchs und gedieh zunächst wundervoll. Doch wie sich später herausstellte, trug zu dem jungen Glück des Unternehmens wesentlich der Umstand bei, daß die Gesellschaft neben der Produktion der Fertigfabrikate auch gewisse dazu nötige Rohmaterialien, Thonerde und Aehnliches, herstellte. Dadurch wrude es möglich, diese für den eigenen Verbrauch bestimmten Materialien zu besonders hohen Preisen anzurechnen. Und dieser — seien wir höflich und sagen: — eigenartigen Kalkulation verdankte das Unternehmen sein glänzendes Aussehen. Eines schönen Tages nun erfuhr man, daß die Bilanzen seit Jahren gefälscht waren, und daß Herr Boeing sich längst schon auf die Entdeckung seiner Misse- thaten und der ihnen folgenden Verschleierungen vorbereitet hatte. Er wurde verhaftet, aus der Haft entlassen, und wieder verhaftet. Bei einer seiner Vernehmungen tarn dann heraus, daß er, vielleicht, um sich vor Regreßansprüchen zu schützen, als Mieter bei seinen Geschwistern in einer Villa wohnte, die er selbst ihnen vermietet hatte. Auch nach der Verhaftung Boeings war es noch keineswegs möglich, für die Aktionäre reinen Tisch zu machen. Wie wir es in der letzten Zeit ja so oft erlebten, hatten nämlich auch in Nauheim die Schwindler die Aktienmajorität und noch in der vorletzten Generalversammlung konnte Herr Boeing wagen, in den neu zu wählenden Aufsichtsrat seine Kreaturen 'einzuschmuggeln. Als vor wenigen Wochen zum letzten Male die Aktionäre zusammentraten, was Das nun nicht mehr möglich; aber Boeings Einfluß war doch noch immer so groß, daß ein einheitlicher Beschluß der Versammlung vereitelt wurde. Auf der letzten Generalversammlung erschien Herr Boeing unter polizeilicher Bedeckung und hielt in unnachahmlichem Cynismus Stunden lang phrasenhafte Reden, in denen er allen möglichen und unmöglichen Momenten und Persönlichkeiten die Schuld an dem Verfall seines Unternehmens zuzuschieben versuchte. * Aus der „Z u k u n f t", Verlag der Zukunft in Berlin, Friedrichstraße 10. Aus Stadt und Land. -Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 31. August 1901. *• Jubiläum. Das „Gewerbebl. f. d. G. H." enthält folgenden Aofruuf: Am 1. Dezember find es 25 Jahre, daß die Großh. Landes-Baugewerkschule gegründet wurde. Dieser Tag soll in einfacher und würdiger Weise gefeiert werden (Festaktus, Schülerarbeiten-Ausstellung und Festessen). In der Annahme, daß gewiß niete frühere Schüler der Anstalt diesen Festtag gern mit ihren Lehrern und Mitschülern an dem Ort, an dem sie dereinst ihre Ausbildung erhalten haben, verbringen wollen, fordern wir dieselben hierdurch auf, ihre genaue Adresse baldgefälligst an die unterzeichnete Direktion, Neckarstraße 3, einzusenden, damit ihnen demnächst näheres mitgeteilt werden kann. Darmstadt, 28. Aug. 1901- Die Direktion der Großh. Landes-Baugcwerffchule: Hermann Müller. •* Monats - Bericht der Arbeiter-Kolonie Reu - Mrichsteiv. Ende August befanden sich auf der Kolonie stellen- resp. arbeitslos 40 Mann und zwar: 1. nach der Geburt: aus dem Großherzogtum Heffen 4, Regierungsbezirk Kassel 1, aus Wiesbaden 4, aus der Provinz Berlin 2, aus Hannover 1, Ostpreußen 1, Posen 1, Rheinland 6, Sachsen 1, Schlesien 4, Westfalen 1, Bayern 4, aus dem Königreich Sachsen 2, aus Württemberg 1, Braunschweig 1, aus den Thüring. Staaten 1, aus Elsaß-Lothringen 1, Afrika 1, Oesterreich 1, Luxemburg 1, aus der Schweiz 1; 2. nach dem Gewerbe: Arbeiter 12, Bautechniker 1, Buchbinder 2, Buchdrucker 1, Former 1, Gärtner 1, Hausbursche 1, Glasmacher 1, Gerber 1, Klempner 1, Kesselschmied 1, Kaufmann 2, Knopsmacher 1, Lithograph 1, Schlosser 3, Schneider 1, Schreiber 1, Schreiner 1, Schriftsetzer 1, Schuster 1, Spinner 1, Tapezierer 1, Tüncher 1, Weber 1, Zimmermann 1. Seit dem Bestehen wurden ausgenommen 3996, entlassen 3956, der Bestand am 1. August betrug 36, dazu kamen im August 16, während 12 weggingen. Auf Veranlassung der Kolonie wurde 1, auf eigenen Wunsch 11 entlassen. Die Kolonie verpflegte an 1167 Tagen und arbeitete 10387g Tage. Offenbach, 1. Sept, lieber die Explosion in der Fabrik photochemischer Produkte von Dr.-G. Krebs, von der wir bereits in unserer Sonntagsnummer unter den letzten Nachrichten berichteten, bringt die „Offenb. Ztg." folgende Einzelheiten: Gegen 7,9 Uhr ertönte ein dumpfer Knall aus dem über dem Laboratorium im Hintergebäude -befindlichen Holzschuppen, und bald darauf schlugen oben bläulich-weiße Flammen heraus. Bald folgte eine weitere, in der ganzen Stadt hörbare, kanonenschußähnliche Detonation, und im selben Augenblicke flog der Schuppen in die Luft. Durch den starken Luftdruck wurden fast sämtliche Fensterscheiben in der Nachbarschaft, so auch in der Gummifabrik Wundt, eingedrückt. Starke, zum Teil über zwei Meter lange brennende Balken und Holzstücke sausten in den Garten des Nachbargrundstückes, durchschlugen teilweise die Fenster und setzten wieder andere Gegenstände, Betten usw., in Brand. In der Krebs'schen Fabrik griff das Feuer, da zunächst Wasiermangel herrschte, weiter um sich, zerstörte das zu ebener Erde liegende Laboratorium und richtete auch in den Nebenräumen große Verwüstungen an. Durch herumfliegende Glassplitter kamen einige, zum Glück leichtere, Verletzungen vor. Das vier Monate alte Kind der Arbeiterin Fenchel, das in einem Nachbarhause im Bett lag, wurde durch die hereindringenden brennenden Holzstücke und Glassplitter erheblich verletzt und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Ein anderer kleiner Knabe, der 3jährige Sohn des Drehers Knöchel, erlitt durch herüberfliegende brennende Chemikalien Beschädigungen seiner Kleidung, blieb aber, abgesehen von kleinen Brandflecken, unversehrt. Die Feuerwehr erschien nach kurzer Zeit und löschte durch energisches Eingreifen den Brand verhältnismäßig sehr schnell, sodaß um 7^0 Uhr schon jede weitere Gefahr beseitigt war. lieber die Entstehungsursache verlautet, daß zunächst Chemikalien in Brand gerieten. Das Feuer hat sich dann wohl anderen, leicht brennbaren Substanzen, Blitzpulver, Kollodium usw., mitgeteilt, wodurch die Explosion hervorgerufen wurde. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Darmstadt, 31. Aug. Der Großherzog fuhr heute früh direkt von Wolfsgarten zur Jagd in den Kranichstemer Park. Von da fuhr er in das Residenzschloß, erteilte daselbst Audienzen und nahm Vorttäge entgegen. — Großfürst Cyrill von Rußland traf gestern auf Jagdschloß Wolfs- garten zum Besuche des Großherzogspaares ein. — Die Bürgermeisterei hat an das Ministerium wegen A u f t) e b u n g der Sonntagsfahrkarten durch die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschast eine eingehende motivierte Beschwerdeschrift abgehen lassen mit dem Ersuchen, an maßgebender Stelle dafür einzutreten, daß der gefaßte Beschluß nicht zur Ausführung komme. f Frankfurt a. M., 31. Aug. Wie wir erfahren, tritt der Regierungspräsident in Wiesbaden dem Preisrichterkollegium der Ausstellung für Unfall-Schutz- und -Verhütung, Sanitäts- und Rettungswesen, die vom 5. bis 21. Oktober hier stattfindet, als Staatskommiffar bei. Kassel, 31. Aug. Die Prinzessin Marie von Hohen- lohe-Oehringen ist hier in feierlicher Form zum Protestantismus übergetreten. - Vermischtes. * Petersburg, 30. Aug. Wie der „Herold" mitteilt, wies der deutsche Kaiser auf die Meldung von dem Brandunglück in dem an der preußischen Grenze in dec Nähe von Rominten liegenden Städtchen Wystiten die Behörden von Rominten sofort an, die Abgebrannten mit Kleider und Proviant zu unterstützen, sodaß für die nächsten Tage die größte Not abgewandt ist. Wie das Blatt erfährt, rief dieser Akt spontaner Hilfeleistung des deutschen Kaisers in den maßgebenden russischen Kreisen warme Dankbarkeit und An- erf'ennung hervor. * Graz, 29. August. Es kommt nicht selten vor, daß! unser Seelenleben durch das plötzliche Auftauchen von Katastrophen sein Gleichgewicht verliert und Leben und Gesundheit in Gefahr gebracht werden. Daß ähnliche Erscheinungen auch in der Tierwelt auftreten, dürft« nur wenigen bekannt sein. An einem Nachmittage wollte die Frau des Torfschullehrers in Mitterdorf bei St. Rup* recht a. dl. Naab zwei Hähnchen schlachten und begab sich in Begleitung ihres Dienstmädchens in den Hühnerhof,, um an Ort und Stelle die Schlachtung auszuführen. AlH das erste Hühnchen verblutet hatte, wurde es' in ein da* nebenstehendes leeres Schaff gelegt und zur Schlachtung des! zweiten geschritten. Indessen näherte sich dem Schaffe eine Henne und betrachtete aufmerksam das geschlachtete jmnge Frau du tiüglid) Ausflüge kräh auf einen ÄS u1 chr La & ,ic "ls'tz Ste H' O Äuge, °--n Serrpn k ä ” 6°»i fSSti ' % ba Das iverdAg in h B» Ärimn schten" „hetzt l sper' die Agen Kra t»" ff armen ^.Kudape.s ?***•; 4-E/di- w u6 & «'6* * i(1, bil " Tasch ft 5’ürf fetter W Nürstenhändler. lem Jagen auf verhängnisvoller unglückliche SJ nord zurückgehlassen worden. * Mit Hi Kcrlin der 25 c en mit feine; $ba Gehirn d mnes Werkmey stammt aus 1 «lernte in Elt Zcchre in Berb -gute Zeugnisse. Mensch, bis er Äehm kennen mb wollte bc halben Jahre ..Bank- und Ki mietete eine > Auszustatten, e: mehrere taufem Vermögen besaj Krau aus. Lei Geschäfts verscl großem F' bdv nicht. 6r müsse, und sej Stuhl vor bie und Stellung daß er nach Elk Die Miete bezat ar jedoch bie M bujte jie an c keinen Teil dara ‘kmubUn, daß ■!u suchen, schrie Gelegenheit batb iseren Versolgnn Tagen. Feyt ft ton Hamburg -lbgedampst ist * Eine C Bergen. Frc He reizende 9i s2in Haus in I । e^ihan ?lf h l - tjgen |11 'ö fiir^'Eel «Ni auß am Sonne? he oben, und ni iSenn Luchen n hrem Francesc hn Auaen Derb Wunb gefalle laugte sich übe Mb stürzte bab m't zerschmetter Ech Earmela a Alten sich in «rau vor einen $Vb?Ut.b^reiet jMt aber becu Üe nicht m I mneesco I ®tIif " v°m Seffcri L ihnen bie u nur um bie ’He&en di- g ; fuhr heult Kranichsteincr teilte öaselbs! - Großfürst bloß Woifs- -tiu - ^,e u\W^ chMM k Befchwerde- i ma^ebtnbcr chluß nicht jur erfahre M enbemN'- B- und ^ iom 5. bis 21. fei. von Mn- nn zum Pr°' jerolb" mitteilt. MS vonj i Grenze'"d a'liten die $c' 11 mit Kleider nten nut»■ e n°ch'^ batteii «»d * AS rl fßeflab l4 Brüderchen. Dasselbe aber schien plötzlich lebendig zu werden, schlug mit den Flügeln nach allen Seiten umher und verfiel in heftige krampfhafte Zuckungen. Tie Beobachterin aber wurde für ihre Neugierde schrecklich gestraft; sie wich entsetzt zurück, fiel wie ohnmächtig um, verdrehte die Augen, sperrte den Schnabel weit auf, und wurde von heftigen Krämpfen befallen, die nicht nachließen, bis man dem armen Tiere aus Mitleid das Gnadenmesser gab. * Budapest, 30. Aug. Die Debrecziner Polizei verhaftete vor einigen Tagen eine verdächtige Person, welche sich Johann Nagy nannte und angab, Friseur und aus dem Krankenhause von Nyiregyhaga wegen schlechter Behandlung geflüchtet zu sein. Die Polizei stellte Nachforschungen an und erhielt die Antwort, daß der Verhaftete Anton Tasch heiße und cm aus Schlesien gebürtiger Anarchist sei. Er habe bei seiner Flucht aus dem Krankenhause einen Brief zurückgelassen, worin er unter Schmähungen auf den Kaiser Franz Josef mit einem Attentat drohe. Ferner heißt es in dem Briefe u. a.: „Es sind noch von den Kugeln da, die wir für Humbert bereiteten. Es wird noch in Ungarn Trauer sein, die wir Anarchisten bereiten werden." Tasch gab zu, den Brief geschrieben zu haben und Anarchist zu sein. 'Von seinem Freunde auf der Jagd erschossen. Das Opfer eines schweren Jagdunglücks wurde auf Falkenthaler Gebiet der 54jährige Kassenbote des Vereins Berliner Gastwirte, Albert Pallavicini. Sein Freund, der Bürstenhändler Janaschk, mit dem er nachts gemeinschaftlich dem Jagen auf Wildschweine oblag, tötete ihn infolge eines verhängnisvollen Irrtums durch einen Schuß ins Herz. Der unglückliche Schütze, der nur mit Mühe von einem Selbstmord zurückgehalten werden konnte, ist auf freiem Fuß belaßen worden. * Mit Hinterlassung vieler Schulden ist in Berlin der 25 Jahre alte Bankier Heinrich Weltgen mit seiner Geliebten, einer 24 jährigen unverehelichten Ida Gehm, durchgebrannt. Weltgen, der einzige Sohn eines Werkmeisters, der alles an seine Erziehung wandte, stammt aus Laaken im Regierungsbezirk Düsseldorf und erlernte in Elberfeld das Bankfach. Tann war er mehrere Jahre in Berliner Bankgeschäften thätiH, und erhielt sehr gute Zeugnisse. Er war überhaupt ein tüchtiger und solider Mensch, bis er zu seinem Unglück vor etwa Jahresfrist Ida Gehm kennen lernte. 9hm bekam er Neigung zum Wohlleben und wollte den cfroßen Mann spielen. Bor etwa einem halben Jahre machte er mit einem Teilhaber ein eigenes „Bank- und Kuxengeschäft von Weltgen u. Eie." auf und mietete eine größere Wohnung. Um sie „standesgemäß" auszuschtten, entnahm er von einem Möbelhändler für mehrere tausend Mark Sachen auf Abzahlung, da er kein Vermögen besaß. Seine Geliebte gab er dabei für seine Frau aus. Sein sicheres Auftreten als Inhaber des Bankgeschäfts verschaffte ihm Kredit. So lebte Weltgen au; sehr großem Fuße. Seinem Geschäftsteilhaber jedoch gefiel das nicht. Er sah voraus, was für ein Ende es nehmen müsse, und setzte ihm daher anfangs dieses Monats den -Stuhl vor die Thür. Nun shand der Bankier ohne Geld und Stellung da. Seinem Hauswirt schwindelte er vor, daß er nach Elberfeld reise und ein Zweiggeschäft aufmache. Tie Miete bezahlte er ihm bis zum Oktober, dafür nahm er jedoch die Möbel aus der Wohnung heraus und verkaufte sie an einen Versteigerer, obgleich er erst einen kleinen Teil darauf bezahlt hatte. Dann erzählte er einem Verwandten, daß, er nach Hannover fahre, um Stellung .zu suchen, schrieb noch einem Gläubiger, daß er die Angelegenheit bald begleichen werde, um ihn von einer weiteren Verfolgung abzuhalten, und verschwand vor vierzehn Tagen. Jetzt sheltt sich heraus, daß er mit seiner Geliebten von S^amburg mit dem „Fürst Bismarck" nach Amerika al gedampft ist! * @ine Ehetragödie in den italienischen Bergen. Francesco Eantarano hatte vor einigen Tagen die reizende Neapolitanerin Earmela Nardi als Frau in fein .Haus in Eastelvolturno bei Easerta geführt. Ta die junge Frau die Gegend nicht kannte, so unternehmen sie täglich Ausflüge. Jüngst begaben sie sich schon um) 3 Uhr früh auf einen der umliegenden Berge, um sich von dort aus am Sonnenaufgang zu erfreuen. Später frühstückten sie oben, und machten sich gegen 9 Uhr auf den Heimweg. Beim Suchen nach Blumen hatte sich nun Earmela von ihrem. Francesco so weit entfernt, daß dieser sie aus den Augen verloren hatte und glaubte, sie wäre in einen Ägründ gefallen. Voller Verzweiflung rief er ihren Namen, beugte sich Überall hinab, verlor dabei das Gleichgewicht und schrzte dabei in einen Abgrund, wo man ihn später mit zerschmettertem Schädel wiederfand. In der Tljat war auch Earmela abgestürzt, aber die Zweige eines Baumes hatten sich in ihren Kleidern festgehakt, und die junge Frau vor einem furchtbaren Tode bewahrt. Es gelang ihr, fiel) zu befreien und den Fußpfad wieder ^u gewinnen. Jetzt aber begann bei ihr die Angst um ihren Gatten, den sie nicht mehr sah. Sie kam an den jähen Abhang, den Francesco hinuntergestürzt war, sah tief unten den Leichnam des Geliebten liegen, und brach vor Grauen und Schrecken ohnmächtig zusammen. So fanden sie Hirten Hut vom Gestrüpp zerrissenen Gewändern. Wohl gelang ihnen die Unglückliche ins Leben zurückzurufen, aber Mr um die schreckliche Gewißheit zu haben, daß ihr das Entsetzen die Sinne verwirrt hatte. ♦ Das todbringende Weib. Ein schreckliches Zatum heftete sich an den Besitz der bildschönen Spanierin Jfabel Eaporal, die jedem den Dod brachte, der es unternahm, sie als Gattin heimzuführen. Sie hatte als junges Mädchen ihre Heimatstadt Madrid verlassen, und war nach Acw Orleans ausgewandert. Ihre bezaubernde Schönheit lenkte die Augen der ganzen Männerwelt auf sich, und Sen Herren vom Theater schien sie es ganz besonders an- geihan zu haben. Einer von diesen, der Direktor einer dor- tipcn Bühne, verliebte sich auf das leidenschaftlichste in fie und Isabel schenkte ihm ihre Hand. Es wurde ein Hund für nur wenige Monate. Auf einer Tournee erkrankte Ski Tirektor am gelben Fieber und starb. Die junge Bitwe heiratete, um die Geschäfte des Theaters weiter führen zu können, den ersten Liebhaber der Truppe, der Don Geburt ihr Landsmann war. Sie verlor ihren zweiten (ktten schon am Hochzeitsabend. Im Hotel, wo sie wohnten, tourte er in eine Schlägerei verwickelt, die er zu schlichten rasnchte, und erstochen. Isabel versuchte nun ihr Eheglück mit dem ersten Charakterspieler derselben Truppe. Er war Lei Abstammung nach Mexikaner. Aus feinem Heimatland hatte er entweichen müssen, weil er mit den Gesetzen in -Konflikt geraten war. Während seiner Flitterwochen wurde er von der Polizei ausfindig gemacht und verhaftet. Er sprang, um seinen Häschern zu entfliehen, aus dem Eisenbahnzuge, der ihn davonführte, und wurde von den Rädern ft "9 «taten ‘Wnete S M. " Hermann Geburt- ? Gaffel 1 Manöver I, Schlesien' hsen 2, «uz 1 Staaten 1 ^niburg 1* ^beiter 12' Former 1 Berber 1' facher / et 1. • Seit dein a 3966, der "August 16, der Kolonie Dn Kolonie i Tage. ' m der Fa- ^08, von der den letzten 9'" folgende er Knall aus 'befindlichen 'läulich-wciße 1 der ganzen on/_ und iin Luft. Durch terscheiben in Wundt, einige brennende Nachbar- : und fetzten nd. In der Safiermangel ftde liegende aumen große splitter kamen . Das vier > einem Nach- einbringenbtn verteilt und iterer kleiner erlitt burtf iM fevatt rMra, um X und löschte Mäßig sehr > Gefahr beultet, daß zu- ieuer hat sich n, Blitzpulver, Mlosion her- ziemlich be- Freunde -tU Tt rischer Feldwebel, eine Granate hatte ihn entzweigerissen, er ist noch nicht tot, hält seinen Degen noch krampfhaft in der Hand, er will noch Befehle murmeln. — Ta stürzt ein Soldat meines Bataillons zurück, ein Schuß durch den Hals, hinten hängt ihm ein Stück Stoff aus der Wunde, er schreit: „Ich bin tot! ich bin tot!" Ich tröste ihn: „Du bist ja gar net tot"; er sagt: „Ich bin aber doch tot", fällt hin und ftirbt. — Ta rechts führen fie einen Leutnant Unübertroffen zur Haut- u. Schönheitspflege. ^Myrrholin-Seife Als beste Kinderseife ärztlich empfohlen. Jeder Familienvater sollte daraus sehen, daß seine Frau und Töchter im Interesse ihre? Gesundheit nur Mieder oder Vorsets mit Hercnles-Spiral-Federn D.R.P. 76 912 von , 4286 Wagener & Schilling t Ober kauf unr en tragen. Diese Einlagen sind nach alle« ' Setten biegsam, unzerbrechlich und rostfrei. Man verlange a«»drüoß'n", sagt er. Einer fragt ihn: „Js hef reingangen?" Er sagt: „I hob net eini g’langt", fällt um, ein Blutsturz aus dem Munde, er verdreht das Auge und stirbt. * Ein Brief von General Cr-onje. Ter Direktor der Wild-Südafrika-Schau, die augenblicklich in Wien ihre Vorstellungen giebt, Mr. William Caspar, hat den dortigen zermalmt. Isabel war zum dritten Mal Witwe. Sie gab nun das Theater auf. Ein amerikanischer Offizier machte ! ihre Bekanntschaft und führte fie zum Altar. Sein Regiment zog in den Kampf gegen einen aufrührerischen Indianer stamm, und er “fiel in der ersten Schlacht. Isabel verlor den Mut nicht zu neuer Ehe, diesmal mit einem . Holzhändler. Ter Arme geriet kurz nach der Hochzeit in seinem Holzhof unter einen Haufen stürzender Bretter und wurde erschlagen. Seine Witwe nahm einen sechsten Mann, den Kapitän eines Mississippidampsers, und verlor ihn auf der ersten Fahrt, stromaufwärts: er stürzte von der Kommandobrücke und ertrank. Man hätte nun glauben sollen, die Männer wären kopfscheu geworden, und der' gefährlichen Witwe aus dem Wege gegangen, oder Isabel selbst hätte das Heiraten satt bekommen; weit gefehlt! Ein Großkaufmann hatte den Mut, Isabels siebenter zu werden. Gleich nach der Hochzeit schlugen ihm Spekulationen fehl, und er erhängte sich in seinem Kontor. Isabels achter Mann war ein Hcttelwirt. Als er mit feiner Neuvermählten in den Fahrstuhl steigen wollte, war dieser bereits nach oben gegangen, und Isabels Gatte stürzte in den Schacht hinab. Trotzdem fand sich ein neunter Bewerber um die Hand der todbringenden Frau. Er war Redakteur einer deutschen Zeitung in New Orleans. Er wurde aber seiner kaum Angetrauten ungetreu und verliebte sich in eine reizende Landsmännin, eine Soubrette am dortigen Deutschen Theater. Hierüber geriet er mit dem Direktor dieses Theaters, der ebenfalls um die Soubrette sich be- warb, in Konflikt. Ein Duell war die Folge, und der galante Redakteur erhielt eine Kugel in die Brust. So war und blieb die schöne Isabel das todbringende Weib. * Eine wahre Perle von Dienstmädchen ist Tora P. in Hamburg. Sie sandte einer Dame, die durch ein Inserat ein Mädchen suchte, folgendes Schreiben zu: Frau.... Wollgeboren Sie zuchen ein Mädchen. Ehe ich mich aber die Stelle an nehme, muß ich wissen, ob ich auch nicht zu vill zu tuhn happ. Und op Sie auch nich zu vielt Kinderr haben bei meine chetzige Herrschaft kommt sich jedes Jarr eins an, daß happ ich nich gerne. Und arbeite gnätige Frau auch mit oder muß ich alls all leine machen. Und Wäsche waschen, wasch ich! mich auch nicht gern, daß tuhn sich ja auch alle befern Herrschaften auß dem Hauß. — Und happ ich auch sonntaks immer Ausgank und kann sich mein Breitikam mich bezuchen. Er ißt sicht ein gans ordentlick)er Mann und Beamter hier bei der Straßenreinig- unk. Und wivill Talerr Lohn gippt knädige Frau mich und auch waß zu Weinachten. Auff meine Zeuchnisse geb ich mich nichts. Wenn knädige Frau mich nicht kann schreiben, kann knädige Frau mich ja bezuchen kommen. Es grüßt Sie bestens Tora P. . . NB. Entschuldigen knädige Frau bitte die Vettfleckens. Dora." — Die Dienstboten-Plage ist übrigens keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Selbst Altmeister Goethe hat schon seine Hebe Not mit den Dienstboten gehabt. Ein intelligenter Beleg dafür findet sich in den Goethe-Briefen. Im März 1811 sah sich unser Dichterfürst genötigt, seine Köchin zu entlassen.. Er nahm es gewissenhaft mit der polizeilichen Ermahnung, daß man über abgehende Dienstboten die volle Wahrheit in ihr Zeugnis hineinschreiben solle, und so schrieb er: „Charlotte Hoyer hat zwei Jahre in meinem Hause gedient. Für eine Köchin kann sie gelten, und ist zu Zeiten folgsam, höflich, sogar einschmeichelnd. Allein durch die Ungleichheit ihres Betragens hat sich sich zuletzt ganz unerträglich gemacht. Gewöhnlich beliebt es ihr, nur nach eigenem Willen zu handeln und zu kochen; sie zeigt sich widerspensfig, zudringlich, grob und sucht Diejenigen, die ihr zu befehlen haben, auf alle Weise zu ermüden. Unruhig und tückisch verhetzt fie ihre Mitdienenden und macht ihnen, wenn sie nicht mit ihr halten, das Leben sauer. Außer anderen verwandten Untugenden hat sie noch die, daß sie an. den Thür en Horcht" .... Charlotte Hoyer hatte keine Ahnung, welchen Preis ihr von Goethe gezeichnetes Charakterbild als Autogramm später haben würde, sonst hätte sie es nicht auf der berühmten klassischen Treppe in hundert Fetzen zerrissen. Goethe schickte die Beweise dieser neuen Frechheit der Polizei zu, deren „einsichtsvolkem Ermessen" er die „Ahndung einer solchen Verwegenheit" anheimgab. * Kostbare Toi letten. Die Königin-Mutter Margherita von Italien hat, wie der „Matin" erzählt, kürzlich ein ihr gehöriges Spitzentaschentuch, das über dreihundert Jahre alt ist, schätzen lassen. Ter Sachverständige erklärte, daß es mindestens einen Wert von 50000 Lire hätte, uno er bot sich an, es sofort zu kaufen, falls die Königin es veräußern wollte. Dies ist jedoch nicht der höchste Preis, den eine weibliche Toilette oder ein Zubehörstück zur weiblichen Toilette je gekostet hat. Im Jahre 1883 wurde in der Internationalen Fischerei-Aussttellung eine alte königliche Robe vom Sandwich-Archipel ausgestellt, die zuin großen Teil mit roten, schwarzen und gelben Federn, die einer heute auSgeJtorbenen Bogelart angehörten, geschmückt waren. Heber anderthalb Jahrhundert hatte man gebraucht, die 'fiötige Zahl zusammenzubringen, da jeder Vogel nur drei oder vier Federn lieferte. Ein Liebhaber erwarb diese Robe für 100000 Pfd. St. (2 Mill. Mk.) Sonst findet man im allgemeinen in Indien die kostbarsten Toiletten; die Festtoiletten der Jndierinnen in dem Gebiet von Cheyenne werden auf 8000 Mark durchschnittlich geschätzt. *Jm Passage-Panoptikum ist ein merkwürdiges Schaustück ausgestellt, ein Panorama, das, aus vielen Tausenden plastischen Bleisoldaten zusammengesetzt, die Schlacht bei Wörth 'darstellt. Jede Figur ist individuell gestaltet und in ihrer Art ein kleines Kunstwerk; die Gruppierung und Anordnung des Ganzen ist ebenfalls durchaus künstlerisch. Besoiiders interreffant wird das Panorama noch dadurch, daß der Verferfiger, Architekt Sommer aus München, der Jahrzehnte an der Herstellung des Schaustücks gearbeitet hat, selber an der Schlacht teilnahm und in einer Erklärung feiner Ergebnisse zum Besten giebt. Die Bajonette, so erzählt Sommer, waren aufgepflanzt und hinaus ging's sprungweise, teils auf den Vieren aufwärts tletternö, bann wieder einer dem andern helfend. Die schrecklichen Verwundungen, die ich hier schon zu sehen bekam, spotten jeder Beschreibung; heute, nach gerade 31 Jahren noch, wird einem kalt von oben bis unten bei Vergegenwärtigung meiner Erlebnisse. Da wollte ein Kamerad, den ein Granatensplitter den Fuß beim Knöchel abgerissen, immer wieder versuchen aufzustehen und weiterzulaufen, bis er endlich zur Erkenntnis kam, daß dies unmöglich wäre. — Tort lehnt ein Hornist, eine Chassepotkugel hat ihm die beiden Augen herausgerissen; schrecklich — der Aermste weiß es noch nicht und fragt, voa% ihm eigentlich passiert sei. Jetzt kommt mir mein „Putzer" entgegen, totenbleich auf sein Gewehr gestützt, ich sehe das Entsetzliche nicht sofort, eine Chassepotkugel war ihm durch die Patronentasche geflogen, hatte die Patronen entzündet und ihm den Unterleib vollständig zerrissen. Der Aermste will von mir Abschied nehmen, die linke Hand nur Blättern die wortgetreue Uebersetzung eines holländisch geschriebenen Briefes zur Verfügung gestellt, den der auf St. Helena in englischer Kriegsgefangenschaft befindliche General Cronjc an den Kommandanten der gegenwärtig in Wien befindlichen Burentruppe, den greifen I. Thor- burn aus Swaziland gerichtet hat. Ter aus St. Helena vom 3. Mai datierte Bries lautet: „Verehrter Freund! Ihr angenehmes, uns sehr willkommenes Schreiben vom 3. April d. I. habe ich bei gutem Befinden empfangen. Ich danke Ihnen für die Teilnahme, die Sie mir bewiesen haben, ich bin froh, Ihnen mitteilen zu können, daß meine Frau sich heut viel besser befindet, und ich hoffe, daß sie sehr bald wieder hergestellt sein wird. Ich kann mich Ihrer ganz genau erinnern, nicht nur von Ihrem letzten Besuche in Pretoria her, sondern auch von der Farm Tweelings-Fontein im Schoonspruit. Gewiß hat sich sehr vieles ereignet, was man nicht erwartet hat. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, daß Ihnen nach Transvaal sehr bange ist; auch ich selbst sehne mich zurück nach unserer geliebten Heimat und unseren Mitbrüdem. Betreffend Ihrer Anfrage, ob wir nach Transvaal zurückkehren werden unter ähnlichen Umständen, wie fie früher waren, kann ich Ihnen keine Antwort geben, und ich denke, daß es auch besser ist, darüber uns keine Sorge zu machen, sondern die Zukunft in die Hand des Herrn zu geben und ihm zu vertrauen, daß er alles so lenkt, wie es für uns das beste sein wird. Wenn man auf Gott vertraut, kann man auch ruhig und zuversichtlich! bleiben. Was Ihre weiteren Be- merningen betrifft von den Fehlern, die in der Südafrikanischen Republik vor dem Kriege gemacht wurden, so glaube ich, daß es heute nicht Zeit ist, darauf ein^u geben, da ich bezweifle, daß sonst der Herr Zensor den Brief durchlassen wird, wenn ich meine Meinung frei auseinandersetze. Genug davon. Geschehenes kann man nicht ändern. Ich hoffe, daß Sie mir bald antworten werden, und daß dieser Brief Sie in guter Gesundheit antrifft. Empfangen &ie die besten Grüße meiner Frau und seien Sie auch herzlichst gegrüßt und Gott besohlen von Ihrem ergebenen P. Cr. Cronje, General. P. S. Danke auch für Ihr freundliches Angebot, für mich etwas zu thun, Tabak und speziell Schnupftabak mir zu schicken. Das sind Artikel, die man hier sehr selten bekommt, und wenn Sie mir davon etwas senden, werde ich es mit großem Tanke annehmen." entgegenstreckend bricht er zusammen und stirbt den Heb- bentoo. Ich konnte eine Ttyräne nicht unterdrücken; er war ein braver Soldat. — Da liegt ein ganz junger preu- Nur Bar- Geld- Gewinne. Unwiderruflich vom 7.-9. September Hauptziehung. 70000 Mark. s»"fi = 30000 Mark. ■muhbb Zusammen 5520 Geld-Gewinne, wni Lose L 3 Mark, Porto und Liste 20 Pfennig durch L. F. Ohnaeker in Darmstadt und Pb. Weller in Giessen. Cöthener Geld- Lotterie. 576» Soeben erschien und ist in allen Buchhandlungen zu haben: Mecum. 5899 Aufruf! ieten. 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