Nr. 53 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 3. März 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Die Gießener KamilitN- hlätter werden oem An- ytgcr im Wechsel mir „Hess. Landwirt" und „Blätter für Hess. Volkskunde" vier- mal wöchentlich beigclegt. Annahme »on Änieigen *u der nachmtttoqtz für den folgenden Tag erlchetnenden Nummer btv vorm 10 Uhr Abbestellungen spätesten« abend» vorher. Redaktion, Expedition und Druckerei- Schulftratze 7. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger v '*v vezugrpreir vierteltährl. Mk. 2.20, monatl. 75 Pfa. init Bringerlohn; durch d» Abholestcllen vierteljährl Mk. 1.90, monatl. 65 Psg Bei Postbezug viertcljLhrl Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Alle rinzciaen-Dermililung«» stellen dco In- und «uolandeO Nehmen Stnzelgen lür de» ©lefjcuer Anzeiger enigcae«. ßcilcuprcio lokal 12 Vfgv auswärts 20 Pfg. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen se Amtlicher EeU. Bekanntmachung. . In der Zeit vom 23 Februar bis 2. März 1901 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Armband und 1 Portemonnaie mit Inhalt verloren: 1 Feldstecher und 1 Portemonnaie mit Inhalt. Die EnpfangSbcrechtig en der gfuirtcven Gegenstände belieben ihre /lusplüche alcbald bei uns gellend zu machen. Gießen, den 2. März 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Behufs Bo-n hme von Arbeiten zur Einbauung einer weiteren Notbrücke im Zuge der Älillikstraßenübersührung tvirb letz-ere am 4. und 5. l. MtS. für den Fußgänger und Fuhrwerksverkehr gespcnt. Gießen, den 2. März 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Wetterzeichen. Aus Berlin, 1. März, wird uns geschrieben: Es scheinen wichtige Tinge vor sich zu gehen.in der a u s w ä r t i g e n P o l i t i k. Seit mehreren Tagen, aud)i heute wieder, hat der Kaiser Konferenzen mit dem Reichskanzler Graf Bülow, lieber den Gegenstand der Be- fprechungen ist man natürlich einstweilen aus Vermutungen angewiesen. Es scheint aber, daß mit Rußland nicht nur handelspolitisch, sondern auch in politischer Hinsicht nicht alles in Ordnung ist, daß zu den Unfreundlichkeiten und persönlichen Spitzen in den Kundgebungen des russischen Finanzminislers Witte pointierte Noten der russischen Diplomatie sich gesellt haben. Vielleicht glaubt man in Petersburg sich zurückgesetzt durch die deutsche Intimität mit England; vielleicht sieht man''insbesondere das Zusammengehen Deutschlands und Englands in China mit mißtrauischen Blicken an. Der soeben durch eine Depesche aus Tientsin verkündete förmliche P r o t e st Deutsche lands bei der chinesischen Regierung gegen Spezialabkommen mit einzelnen Staaten oder Gesellschaften, im Zusammenhang mit der gleichzeitig eintreffenden Meldung, daß die Russen eine starke Pression ausüben bezüglich der Unterzeichnung des M a n d sch ur ei a b ko m m e n s, ist ein ziemlich ernstes Wetterzeichen, dem möglicherweise noch andere folgen werden. Es müssen gewichtige Gründe vorliegen, um gerade Deutschland zu einem Hinaustreten aus feiner Zurückhaltung Rußland gegenüber zu veranlassen. 'Graf W a l d e r s e e wird an Ort und Stelle Beobachtungen gemacht haben, daß die ostasiatische Politik des Zarenreichs durchaus eigennützige Zwecke verfolgt, daß sie sich nicht einmal mehr die Mühe nimmt, auch nur äußerlich das' Einvernehmen mit den anderen Mächten zu bekunden, daß dies der Grund ist, warum die Verhandlungen mit der chinesischen Regierung nicht vom Fleck kommen, .und daß namentlich die Entschädigungsfrage noch immer nidyt der Lösung näher gerückt ist. Rußland sorgt bestens für sich selbst; die anderen Mächte sollen sich mit dem begnügen, was übrig bleibt und was ihnen die chinesische Regierung gütigst gewähren will. Wie gesagt, es müssen über die Bethätigung dieser russischen Politik in Berlin absolut zweifellose und detaillierte Berichte eingegangen sein, Berichte, die noch mehr als Verstimmung erregt haben. Man wird es in Berlin zunächst auf gütlichem Wege, durch vertrauliche Vor- tellungen versucht haben, Rußland zu einer veränderten Haltung zu veranlassen, und erst nach der gewonnenen Ueberzeugung, daß der Appell wirkungslos blieb, sich zur Veröffentlichung des Falles entschlossen haben. Nun wird auch der Angriff des russischen Finanzministers gegen den Grafen Bülow und gegen die deutsche Zollpolitik um vieles verständlicher! Da Graf Bülow für morgen — Samstag — ein Erscheinen in der Budget-Kommission des Reichstags, bei der Beratung des Etats des Auswärtigen Amts in Aussicht gestellt hat, ist wohl eine Erklärung über diese Differenzen bei dieser Gelegenheit zu erwarten. Das hätte gerade noch gefehlt, daß China bei allem Schlimmen, was es schon auf dem Konto hat, zu einer Gefahr für den Weltrieden wird! Aber es scheint leider der Fall zu sein. Die Luft ist mit Konfliktsstoff gefüllt. Das kann ein unruhiges Jahr werden! Von anderer Seite wird uns aus Berlin, 1. März, geschrieben: Die Einigkeit der Mächte in China läßt wieder einmal sehr zu wünschen. Ja, man kann sagen, daß die Differenzen, von denen der offiziöse Draht zu melden weiß, geeignet sind, die definitive Beendigung der diplomatischen Verhandlungen erheblich zu verzögern. Die Sonderbündelei Rußlands, das ungenierte Paktieren mit den chinesischen Würdenträgern, in erster Reihe mit Li-Hung-Tschang, mag schon lange den Unmut der anderen Mächte erregt haben. Jetzt, wo ,bic Russen den ihnen von jeher ergebenen Vizekönig von Kanton drängen, er möge die Unterzeichnung des Vertrags mit Rußland betr. die Mandschurei beschleunigen, scheint den anderen Mächten der Geduldsfaden zu reißen. Deutschland hat die chinesische Regierung durch den „freiwilligen Anwalt" Rußlands, den ehrenwerten Li-Hung-Tschang, wissen lassen, daß es unrichtig sei, wenn China wertvolle nationale Vermögensteile und Einnahmequellen durch Spezialabkommen mit einzelnen Staaten weggäbe, solange die Verpflichtungen Chinas gegenüber der Gesamtheit der Mächte nicht klargestellt seien. Und die Mehrzahl der Mächte, inbefondere Japan und^ England, ist diesem Monitum beigetreten, zum Teil noch darüber hinausgegangen. Die Erklärung ist formell an die Adresse der'chinesischen Regierung, thatsächlich aber an diejenige Rußlands gerichtet, das sich nur darauf bedacht zeigt, sein Privatschäfchen zu scheren, durch Erlangung von Vorrechten in der Mandschurei sich für die ihm durch den Feldzug entstandenen Kosten schadlos zu halten. Tie Diplomaten müssen in der Wahl ihrer Worte natürlich vorsichtig sein, deswegen bezeichnet die deutsche Regierung das Vorgehen Chinas, also Rußlands, nur als „unrichtig". Wahrscheinlich ist allerdings, daß Rußland jetzt, wo es sich isoliert sieht, den Mandschurei-Vertrag vorläufig zurückstellt. Doch „es bleibt immer etwas hängen", und an der Newa wird man wohl besonders den Deutschen diesen „Querstrich" sobald nicht vergessen. Engländer und Buren. Die Lage war am 26. Februar nach einer Reutermeldung aus De Aar folgende: Hertzog hatte Sonntag, 24. Febr. die Bahnlinie De Aar—Kimberley überschritten und befand sich damit in dem Viereck zwischen dem Oranje und den Bahnstrecken Orange River-De Aar, De Aar-Naauwpoort und Naauwpoort-Norvals Pont. Von Oberst Thorneyeroft, der die Verfolgung De Mets übernommen hatte, nachdem Oberst Plumer wegen Erschöpfung seiner Tiere und Leute hatte Halt machen müssen, hörte man nichts mehr. Major Byng war in Colesberg von Süden angekommen und suchte von Osten aus Fühlung mit Hertzog. An anderen Punkten thaten die Obersten Crabbe und Henniker dasselbe. General Charles Knox, der alte Verfolger De Mets, war noch weit int Westen. Bruce-Hamilton erreichte, nachdem er am 24. Februar Strydenburg von den Buren geräumt und die dortige Post zerstört gefunden, die Station Paauwpan, 80 Kilometer nördlich von De Aar, am Morgen des 210. ^ebr. Das also nannten die englischen Meldungen stolz den Truppenkordon, der um De Wet gezogen sei! Die „Times" meldet aus De Aar vom 28. Februar: Tie vereinigten Streitkräfte von De Wet und Hertzog (2000 Mann) stehen jetzt östlich von Philippstown. De Wet hat mehreremal versucht, den Fluß zu überschreiten, aber jeder Versuch scheiterte. Der Fluß bleibt mindestens noch drei Tage unpassierbar. (Es ist unklar, ob der Berichterstatter die alten Versuche De Wets, den Fluß zwischen Prieska und Hopetown zu überschreiten, meint, ober neuere.) Die Gerüchte über Bothas Kapitulation werden von der R e g i e r u n g b e st r i t t e n. Trotz sorgfältiger Nachforschungen ist die Quelle dieser Gerüchte nicht zu ermitteln. Es scheint, daß die Angaben über neuerliche Verhandlungen mit Bothas Frau int Zusammenhänge mit dem Gedanken, daß die britischen Heerführer das Aeußcrste thun würden, um am Jahrestage von Majuba und Paarde- berg einen größeren Erfolg zu erringen, eine kühne Kombination gezeigt haben. Nach der „Daily Mail" hat der deutsche Konsul inLourenco Marques den Schutz der niederländischen Untertanen daselbst übernommen. Dem frühem Konsul der Niederlande und der beiden Burenstaaten, Pott, war bekanntlich das Exequatur von den Portugiesen entzogen worden. Die Rückkehr nach der Delagoabai, wo er seinen Besitz und sein Geschäft hat, ist ihm neuerdings gestattet worden, doch verlautet nichts davon, daß er seine Kon- fularthätigkeit wieder «mitgenommen hat. Telegramme des <4)ieh-ner Anzeigers. Lo n do n , 1. März. „Daily Chronicle" sagt: Obgleich die Uebergabe Bothas nicht amtlich bestätigt ist, bestehe guter Grund, zu glauben, daß dieselbe, wenn sie noch nicht wirklich erfolgt, nur hinausgeschoben ist, weil die Verhandlungen über einen oder zwei untergeordnete Punkte nicht zum Abschluß gelangten. In diesem Glauben werde man durch die Nachricht bestärkt, daß die Militärbehörden gewisse Vereinbarungen abänderten, die mit verschiedenen Formen über die Lieferung von Vorräten im Hinblick auf die Fortsetzung des Krieges abgeschlossen worden sind. London, 2. März. Eine Depesche Lord K i t ch e n e rss aus P r e (t o r i a vom 1. ds. meldet: De Wet ist gezwungen, wieder auf das Nordufer des Oranjeflusses zu gehen. — Die Kapkolonie ist gesäubert. 200 Buren wurden gefangen genommen, andere Versprengte werden gefangen. — 80 Schützen Lord Kitcheners wurden von einer überlegenen Anzahl Buren angegriffen und mußten sich nach langem Kampfe, wobei 20 getötet oder verwundet wurden, ergeben. Ehiua. Die „Köln. Ztg." meldet aus Peking vom 28. Februar: In der heutigen Sitzung der Gesandten und der chinesischen Bevollmächtigten schlug der deutsche Gesandte eine Reihe von Beschlüssen vor, durch welche die Verhandlungen wegen Durchführung nachfolgender Punkte b e- s ch 1 e u ii i g t werden sollen: Punkt 5, Waffeneinfuhr, Erzeugung von Kriegsvorrat, Punkt 7, Schutz wach en für die Gesandtschaften, Punkt 8, Entfestigung zwischen Taku unb Peking, Punkt 9, Besetzung strategisch wichtiger Punkte zwischen Peking und dem Meere, Punkt 12, Neuordnung! des Tsungli-Pamen und Beseitigung des chinesischen Zeremoniells bei dem Empfang der Gesandten. Zufolge Nachrichten aus zuverlässiger diplomatischer Quelle, hat Deutschland die chinesische Re gier - Akadernischer Hesangverein. S. Gießen, 2. März 1901. Wer mit uns der Ueberzeugung ist, daß künstlerische Darbietungen nicht den Zweck verfolgen, Müßiggängern die Langeweile zu vertreiben oder auch nur zur Unterhaltung, zum A m u s e m e n t zu dienen, wer mit uns von derhohen Mission der Kunst für den kulturellen Fortschritt in ethischer und ästhetischer Hinsicht überzeugt ist, der wird mit uns lebhaft bedauern, daß unsere Universitätsstadt noch immer einer würdigen Stätte und Gelegenheit für echte künstlerische Darbietungen entbehrt und sich häufig in einer Weise behelfen muß, die für die Aufführungen äußerst beschwerlich und lästig ist. Um so erfreulicher ist es, feststellen zu können, daß insbesondere das Musikleben unserer Stadt unter der Leitung des Großh. Universitätsmusikdirek- tors G. Trautmann ohnerachtet des Mangels an einem wirklich würdigen und geeigneten Konzertsaale in der schönsten Weise fortgeschritten ist und immer mehr sich zu heben verspricht; insbesondere dieser Winter brachte eine ganze Reihe höchst beachtenswerter Leistungen auf allen Gebieten der Musik, wie sie wohl bisher noch kaum hier geboten wurden. Und neben unserem Dirigenten haben sich Vie hiesige Regimentskapelle und der akademische Gesangverein sehr verdient gemacht. Wir wollen hier nicht all das, was noch jedem, der daran Anteil nahm, so frisch vor der Seele steht, auf- zähler^ wir wollen heute nur daraus Hinweisen, daß sich der akademische Gesangverein und sein Dirigent von neuem rüsten, eine künstlerische That zu vollbringen, bei der, wie wir anzunehmen wohl berechtigt sind, unsere Regimentskapelle nicht den kleinsten Anteil haben wird. Schon zum 8. Mai will der Verein allen Musikfreunden unserer Stadt und ihrer Umgebung Robert Schumann's Faustszenen bringen und barbieten, ein Werk, das hier wohl noch nie, wenigstens nie vollständig, aufgeführt wurde, das aber zu dem Herrlichsten gehört, was je geschrieben worden ist. Es ist vor allem ein tiefmusikalisches Werk, in dem die höchsten Ideen, die wichtigsten Wendepunkte sozusagen aus Goethes Faust in eine Musik gewandet sind, wie sie seelenvoller zu solchem Texte wohl kaum erfunden und empfunden werden kann. Jeder Stimmung wird diese Musik gerecht; wir haben die schärfsten Gegensätze in der markantesten Weise dicht nebeneinander, es wechseln absolut lyrische Partieen mit höchst dramatischen Szenen, liebliche Tonbilder naiver Stimmungsmalerei und Natur- empfindung mit den tiefsten Gedanken und Empfindungen faustischen Geistes, und überall finden wir den reinsten Ausdruck für all dies, den reinsten musikalischen Styl für jeden der so verschiedenen Gegenstände, die in diese Musik gekleidet wurden. Eine reiche Instrumentierung, wohlempfundene Verwendung von Soloinstrumenten, insbesondere Violoncell, ein oft viel gestalteter Chor und sehr viele Solopartieen für Gesang lassen ahnen, welche reiche dlbwechslnng dem Hörer geboten wird. Alles dies stempelt das Werk aber auch zu einem für alle Ausführenden recht schwierigen, seine Ausführung stellt an Dirigenten, Chor, Orchester und Solisten außerordentliche Anforderungen; an Solopartieen sind vor allem die zwei Baß- bezw. Bariton-Partieen hervorzuheben, sowie die sehr umfangreichen Sopran und Tenor-Partie en, endlich auch die Haupt-Alt-Partie. Ter Chor hat häufig zusammen mit den Solisten alternierend zu singen und diese zu begleiten. Solo-Ensembles vervollständigen für unsere Leser das Bild, das wir für heute zu entwerfen gedachten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der Akademische Gesangverein unter Herrn G. X r aut- mann und mit unserer Regirn en tskapelle allen Anforderungen genügen wird, die gerechterweise an ihn gestellt werden können. Mögen alle, denen solches geboten wird, den Verein unterstützen, so wie er es verdient. Unsere Stadt verfügt über keine Fonds, die außerordentliche Aufwendungen für künstlerische Leistungen zrl decken berufen wären, und so möge jeder wahre Freuuv der Kunst es denen, die reiche Mühen daranwandten, um Großes zu leisten, an seinem Teile ermöglichen, daß solches fort und fort möglich sei, und so das künstlerische Nivecui unserer Universitätsstadt erhalten bleibe und fort und fatt sich hebe. Auch hier gilt der Satz: „Stillstand ill Rückschritt!" als Gießen, den 2. MLrz 1901. •• Schwurgericht. Bor dem Schwurgericht des 1. Quar- 1901 werden folgende Fälle zur Verhandlung kommen: 1. Montag den 4. März, vormittags 9x/2 Uhr, Anklage verfität ausgeschloffen wurde. ES wurde ihm gestattet, au der Dorpater Universität Medizin zu studieren. Dort wurde er im Jahre 1899 wegen Beteiligung an Umtrieben der Studenten abermals relegiert. Im vergangenen Jahre be suchte Karpowitsch die Berliner Universität. Der Angeschuldigte b findet fich in Untersuchungshaft. gegen Peter Geisel aus Fischbach wegen Brandstiftung Die Anklage vertritt Ober,Staatsanwalt Dr. Güngerich, Verteidiger: Rechtsanwalt Raab. 2. Dienstag den 5. und Mittwoch den 6 MLrz, jedesmal vo mittags 9 Uhr, Anklage gegen Friedrich Walter, Lorenz Hahn und Hermann Leschhoru, sämtlich aus Obbornhofen, wegen Körperverletzung mit rötlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staat-anwalt Zimmermann, Ber tdbigcr für Walter: Rechtsanwälte Hirschhorn und Mendelsohn, für Hahn: Rechtsanwälte Dr. Gutfleisch und En gisch, für Leschhoru: Rechtsanwalt Katz. 3. Donnerstag den 7. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Jakob Günther aus Sterzhausen und Georg Löb sack aus Ober-Widdersheim, beide wegen Straßenraubs. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Verteidiger für Günther: Rechtsanwalt Hoos, für Löbsack: Rechtsanwalt Raab. 4. Freitag den 8. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Karl Habicht aus Engelrod wegen NotzuchtoersuchS. Die Anklage vertritt GerichtSaffeffor Dr. Maurer, Verteidiger: Rechtsanwalt Rosenberg. 5. Samstag den 9. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Karl Oppel aus Mensfelden wegen Notzucht. Die Anklage vertritt Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich, Ber leidiger: Rechtsanwalt Weidig. 6. Montag den 11. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Kathhriue Hämmerle aus Staufenberg wegen Kindes mord. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, Verteidiger: Rechtsanwalt Hoos. 7. Dienstag den 12. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Minna Bill, Elise Sack und Konrad Drescher Ehefrau, sämtlich aus Gießen, wegen Verbrechens wider das Leben. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, Verteidiger für Minna Bill: Rechtsanwalt Dr. Spohr, für Elise Sack: Rechtsanwalt Rosenberg, für Konrad Drescher Ehefrau: Rechtsanwalt Dr. Jung. 8. Mittwoch den 13. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Georg Schwabe ausCöpenik wegen Totschlagversuchs. Die Anklage vertritt Ober-StaatSanwalt Dr. Güngerich, Verteidiger: Rechtsanwalt Dr. Spohr. 9. Donnerstag den 14. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Elise Hansel aus Ilbeshausen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Verteidiger: Rechts anwalt En gisch. 10. Freitag den 15. März, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Wilh. Bischoff II. Ehefrau aus Walleruhauseu wegen Verbrechens wider das Leben. Die Anklage vertritt 'Staatsanwalt Koch, Verteidiger Rechtsanwalt Katz. Vorsitzender ist Landgerichtsrat Dr. Schäfer, Stellvertreter Landgerichtsrat Dornseiff. P. Aus der geheimen Sitzung der Stadtverordnete». Der Schulverwalter Reich wurde definitiv angestellt, desgleichen der Schulverwalter Schmidt. In Ergänzung der Schlacht- hauskommission wird für den verstorbenen Metzger L. Vogt, der Metzger Ludw. Schneider, und für den in den Ruhestand versetzten Kreisveterinärarzt Profeffor Dr. Winckler, Dr. Schmidt gewählt. In Ergänzung des Vorstandes der Aktien-Gesellschaft des Gießener VolkSbadeS wird Stadtver- ordneter Th. Haubach wiedergewählt. • * Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat am 25. Februar den BezirkSkasfier bei der Bezirkskasse Nidda, Rendanten Wilhelm Hunsinger auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhe- stand versetzt, und am 2. Februar der Gemeindehebamme Katharina Kröhling zu Osthofen die Silberne Medaille des Ludewigs Ordens verliehen. — In den Ruhestand wurde versetzt der Weichensteller in der Hessisch Preußischen Etsen- bahngemeinschaft Jakob Raiß II. zu Dornberg—Groß-Gerau mit Wirkung vom 1. März d. Js. an. • * Plötzlicher Tod. Der hiesige Schneidermeister Leinweber bekam heute morgen auf der Bahnhofstraße vor dem Laden des Goldarbeiters Schmidt einen Blutsturz. Er starb nach wenigen Augenblicken. • * Gute Marschleistung im Winter. Infolge einer Wette erbot fich ein Lauterbacher Herr vor einigen Tagen, die Strecke Lauterbach—Gießen nachts zu Fuß zurückzulegen. Er marschierte am vergangenen Samstagabend um 7 Uhr von Lauterbach ab und kam wohlbehalten Sonntag früh um V810 Uhr in Gießen an, hierbei sind, wie er selbst angab, 3 Stunden für Aufenthalt zu rechnen. Stellenweise will er ganz im Schnee gesteckt haben. Er hat folgende Reiseroute eingeschlagen: Lauterbach — Wallenrod — Badeurod — Wind hausen—Groß - Felda—Ermenrod—Ruppertenrod—Grünberg —Gießen. Milttarkonzert. Am Sonntag nachmittag 4ya Uhr findet in der Turnhalle ein großes Konzert, ausgeführt vo» der ganzen Kapelle des Regiments „Kaiser Wilhelm" statt (fiehe Inserat). Wir machen unsere Leser auf dieses Konzert besonders aufmerksam, da die Turnhalle wegen ihrer vorzüglichen Akustik sich zum konzertieren prächtig eignet. Für gute Restauration ist gesorgt. * * Nehe»beschastigu»g der Lehrer. Wie zuverlässig verlautet, wird (als ErgebmS der in den letzten Jahren wiederholt angestellten Erhebungen über die Nebenbeschäftigungen und -Verdienste der Volksschullehrer) mit Beginn deS neuen cine ministerielle Verfügung herauskommen, die das Maximum der für Nebenbeschäftigungen zu verwendenden | Ausland. Wien, 1. März. Abg. Wolf bespricht die vom Präsidenten an den Interpellationen der Alldeutschen geübte Censur. Der Präsident ruft den Redner zur Sache und droht mit Wortentziehung. (Heftiger Widerspruch bei den Alldeutschen; großer Lärm.) Wolf fragt den Präsidenten, ob er in Zukunft die Geschäftsordnung anwenden wolle. Der Präsident erwidert, er bleibe bezüglich der Interpellationen der All- deutschen bei seiner früheren Entscheidung. Budapest, 1. März. In der heutigen Sitzung des Ab- r^^onetenhauses warfen, während der Justizminister fLiX uaL£er ®aIIct^c befindliche Besucher eine große ^ko8t ÄK1 Slugschriften mit der Uefcertorift b® oöAolül bT ®ol,r i" d-° Saal. Di- Jndiviu-n, sÄ«Ä "urd°n, ftnb Führer der P-'-r»ur^ 1. MSrz. Der Großher.oa und di- geleiteten die Scheidenden zu». «ah«h°s, w° sich D-rre-> der deutschen Botschaft zur Berab,chi-dun» -in gefunden hatten. H ein — Die Voruntersuchung gegen den Kleinbürger Peter Karpowitsch wegen des Attentats auf den Unterrich's Minister ergab, daß Karpowitsch früher Naturwissenschaft n auf der Moskauer Universität hörte, aber im Jahre 1890 wegen Teilnahme an den Stndentenunruhen von der Uni Deutsches Keich. Berlin, 1. März. Der Ka iser dürfte, falls nicht unvorhergesehene Umstände eintreten, demnächst nach Homburg nichtzurückkehren; soweit ärztliche Kunst den Ausgang eines Leidens beurteilen kann, ist die Kata- Erophe bei der edlen Dulderin in Friedrichshof in »en nächsten Wochen nicht zu erwarten. Die Reise des Kaisers nach Königsberg zur Einweihung der dem Gedächtnis der Königin Luise gewidmeten Kirche wird statt- ßinden. — Die Budgetkommission des Reichstages Geendete die Beratung des Marine-Etats und bewilligte die Schlußraten der Schiffe „Kaiser Barbarossa", „Kaiser Karl der Große" und „Prinz Heinrich". Von der dritten Rate, sechs Millionen für den Wittelsbach, wurden 2 400 000 Mark gestrichen und weitere Schiffsbauten bewilligt. Nach längerer Debatte wurde mit allen gegen vier Stimmen eine Resolution angenommen, welche oen Reichskanzler ersucht, zu erwägen, ob sich nicht im Interesse der Ersparnis die Errichtung eines Panzerplattenwerks auf Reichskosten empfiehlt. Auf eine Anfrage erklärt Staatssekretär v. Tirpitz, die Unterseeboote dürften auch in Zukunft nur für die Hafenverteidigung wertvoll sein, trotz der Verbesserungen bestehe die Schwierigkeit, um sich sehen zu können, weiter. Von der Forderung von 2 700 000 Mark für zwei große Trockendocks in Kiel strich die Kommission eine Million mit Zustimmung des Staatssekretärs v. Tirpitz und bewilligte sodann jtoei Millionen für zwei große Trockendocks auf der Werft Wilhelmshaven. Die Forderung von einer Million für den Bassinbau auf der Holminsel bei Danzig wurde gestrichen, hierfür sind nunmehr verwendbar die Restbestände der vorjährigen Bewilligung für den gleichen Zweck. — Der „T a g" veröffentlicht den dem Bundesrate zugegangenen Gesetzentwurf über Versorgung der Kriegsinvaliden und ihrer Hinterbliebenen. Demnach sollen beziehen: Offiziere die bisherige Pension und eine monatliche Kriegszulage. Für Offiziere vom Hauptmann abwärts Mk. 100, für höhere Offiziere Mk. 60. Für jede Verstümmelung sollen außerdem monatlich Mk. 90 gezahlt werden. Die Pensionen der Unteroffiziere und Gemeinen beträgt nach dem Grad der Erwerbsunfähigkeit monatlich in erster Klasse für Feldwebel 100, Sergeanten 75, Unteroffiziere 65, Gemeine 60 ML, in der zweiten Klasse für Feldwebel 75, Sergeanten 60, Unteroffiziere 50, Gemeine 45, in der dritten Klasse Feldwebel 45, Sergeanten 36, Unteroffiziere 30, Gemeine 27 Mk., in der vierten Klasse Feldwebel 30, Sergeanten 24, Unteroffiziere 20, Gemeine 18 Mark. Die fünfte Klasse bleibt unverändert. Dazu tritt die Kriegszulage monatlich für Ganzinvalide 15, Halb- mvalide 6, für jebe Verstümmelung eine Monatszulage von 87 Mark. Wo die Ganzinvaliden ein Gesamteinkommen von 600 Mk. jährlich nicht erreichen, kann bei gänzlicher Erwerbsunfähigkeit vom 55. Lebensjahre ab eine Zulage bis zur Höhe von 600 Mark gewährt werden. Für die oberen Beamten bei Pensionsbezug unter Hauptmannspension tritt eine monatliche Kriegszulage von Mk. 100, sonst Mk. 60 ein, für die Unterbeamten eine solche von Mk. 15, außerdem Verstümmelungszulage und Alterszulage wie sonst. Es folgen ausführliche Bestimmungen über Versorgung der Witwen, Gewährung von Erziehungsbeihilfen, Elternbeihilfen. Das Gesetz tritt, ohne d. wirtschaftliche Körperschaften, welche über bie allgemeine Wohlfahrt zu wachen berufen finb — in bieser Erkenntnis in erster Reihe bie Vertretungen unserer Städte — unr ihre Gegnerschaft zu den agrarischen Sonder- gelüsten zu bekunben, in Versammlungen bie Stimme b e s Volkes zum Ausbruck zu bringen, bas nicht ge - willt ist, sich zum Vorteil weniger Großgrundbesitzer eine neue Steuer aufbürben zu lassen, welche hauptsächlich von ber breiten Schichte ber Bevölkerung getragen werben müßte. Schon wußten jene burch ihren Einfluß auf bie Gesetzgebung im Lauf ber letzten Dezennie« — burch Zucker unb Spiritus — sich daA Reich tribut- iflichtig zu machen — zur Verteuerung ber Fleischnahrung oll nun auch noch bie bes unentbehrlichsten Lebens-, mittels treten. — Gegenüber dieser uns drohenden Maßregel, welche in ihrer Wirkung zugleich bie Erneuerung unserer Hanbelsverträge unmöglich machen würbe, kann sich ber hiesige Verein ber freisinnigen Volkspartei nicht länger ber Verpflichtung entziehen, burch Berufung einer allgemeinen Volksversammlung Stellung zu bieser Frage zu nehmen, um in Rede unb Gegenrebe jebermann Gelegenheit zu geben, sich über bie voraussichtliche Wirkung einer Getreidezoll-Er- Höhung zu unterrichten. Bei ber bedauerliche» Zerfahrenheit der politischen Verhältnisse in Oberhessen läßt sich nicht erwarten, baß der durch falsche Propheten irre geleitete Teil der Bevölkerung sich eines Besseren belehren lassen werde, indessen wird üe jener Versammlung dem Verständigen der Nachweis erbracht werden, welche schweren Gefahren nicht allein ber allgemeinen Wohlfahrt drohen, sondern wie selbst für bete weitaus größeren Teil der Lanbwirte — wo» mentlich in Hessen jene Zollerhöhung grotze "?■ d-r m ’S. Holland) .toger, Mdmt Wi SqmNg. . am b drr ai^, ,yei1 dahr«, ‘5« bereiteten nbte. trn Abend j, M«e,@to6- 'kliießens von in der Tüb° Witter in den • N Hw- uben. Einige imnletitH hort )t gedacht und t müh ja» dir ü schrie dieser ig knlleite er nahten Jünger ifttn versuchte Wann heraus- ©oben einen wurde dm Hallos; zogen eiangt rutschte Pf. wieder in en Manu end- in die Sliuik ist gegenwärtig l DaS ganze chthauseS, die ^welnnit. Die eS Sleibergn Wollspinnerä m verlehr ab» itf, LaunSbach Die Dteseck Stadt und de» alb der Stadt eldet, daß der 1.20 aus 3.23 tpirb, ist dort ie Höhe vo- .70 Meter, in vvn Zrwaü idr. 1. Mn' die Katholila t Situation au 2. .Ansprache ikirche zu Jeru» r innere» Stadt t[ DardanelleS, Reisegäste der voran schreitet jäten aus der sind noch ne» ,ed)'«6 3* a. ffi. ,W m >**'; E Lenbach' («»8-”:80* hk-Snlm. ,3» Ach-» h°> W 6e[N’ . an schreibt u«S jW L bie Städte -u” c,en Sonder- EL ksE Ä-K» üchlten machen n K-l°K en, erd" siche* »Ä * "*Uä >- je s-E.'e - Nachteile im Gefolge hüben würde. Gs gilt nachzuweisen und unzweideutig zu bekunden, daß selbst die geringste Erhöhung der Lebensmittelzölle — zumal im Hinblick auf deren Gesamtwirkung — vom U e b e l ist. Aus gleichem Anlaß hat der Handelsverein in Darmstadt auf den 10. März eine Landesversammlung berufen, in welcher Syndikus Schloßmacher aus Offenbach über „Handelsverträge", Professor Dr. Staudinger aus Dnrmstadt über „die Einwirkung erhöhter Getreidezölle auf die Bodenrente" und Reichsund Landtagsabg. Ulrich über „die Erhöhung der Lebensmittelzölle" sprechen werden. Der Besuck) dieser Versammlung verspricht umso größeres Interesse, als deren Berichterstatter verschiedenen politischen Parteien angehören, in dieser Frage jedoch gemeinsam Front machen. Die hiesige Versammlung wird am 11. März stattfinden, die Tagesordnung und Referenten werden noch besonders bekamst gegeben. Ohmes, 2. März. Gestern nachmittag 3J/4 Uhr fand der hiesige Landwirt Franz Joseph Hill seine Dienstmagd Therese Heinze in seiner Scheuer an einer Kette er hängt vor. Der Tod muß erst kurz zuvor eingetreten sein. Die H. war die einige 20 Jahre alte Tochter eines Schuhmachers aus Ruhlkirchen. Was die Lebensmüde zu der That getrieben hat, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden. Darmstadt, 2. März. Fürst Kudachew, Russischer Ministerrestbeut am Großh. Hessischen Hofe, trifft heute nachmittag hier ein. fc. Frankfurt a. M., 1. März. Professor Dr. med. Theodor Schott wohnt im Winter hier, im Sommer in Bad-Nauheim, wo er Grundbesitz hat. In Bad-Nauheim ist er mit seinem ganzen Einkommen zur Steuer veranlagt, aber auch hier in Frankfurt ist er mit 3204 Mk. veranlagt. Seine Klage gegen diese Doppelbesteuerung wurde vom Bezirksausschuß in Wiesbaden kostenpflichtig abgewiesen, da die Stadt Frankfurt, der Professor Schott partout keinen Tribut zollen will, bei der Veranlagung den Nauheimer Grundbesitz richtig abgexoqcn habe. Vermischtes. * Düsseldorf, 1. Marz. Vor der Polizeiwache in der Neusser-Straße hier schoß heute morgen auf offener Straße ein Mann auf den Polizeisergeanten Zuels. Der Thäter erschoß sich darauf selbst. Der Mörder war ein Stadtreisender aus Gelsenkirchen. Das Motiv der That ist unbekannt. Zuels lebt noch, doch ist sein Zustand hoffnungslos. Gerichtssaal. D. Kietzen, 2. Mär», «trafkammersttzuns vom 1. März. Die Berufung des Kutschers Peter Jakob von Gießen, oer wegen Unterschlagung vom hiesigen Schöffengericht in ewe Gefängnisstrafe von zehn Tagen verurteilt worden war, roitb, da der Angeklagte zur Hauptverhandlung nicht erschienen war, auf Antrag der Staatsanwaltschaft kofienfällig verworfen. - Der Angeklagte Johannes Korell ist geständig, am 9. De. zember v. I. in Rüddingshausen ruhestörenden Lärm verübt u»b den Förster Wießner von Londorf öffentlich dadurch beleidigt zu haben, daß sr ihn einen Spitzbuben und Halunken schimpfle. Er wird deshalb unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Belerdigung in eine Gefängnisstrafe von einer Woche, wegen ruhestbrenden Länntz ht eine Haftstrafe von 3 Tagen verurteilt. — Eine Frau Bode von hier hat Berufung gegen ein Urteil des Skböffengerickts Gießen eingelegt, das gegen sie wegen Belerdigung deS Postschaffner» Sch. von hier eine Geldstrafe von 30 Mk erkannt hatte Der Verteidiger der Angeklagten beantragt Einstellung des Verfahrens wegen Nichtbeachtung erlaßener formaler Vorschriften, die darin zu erbl'cken fei, daß der vorgeschriebene Sühneoersuch vor Erhebung der Privatklage nicht stattgefunden habe. Das Gericht kann sich diesen Ausführungen jedoch nicht anschließen und verwirft kostenpflichtig die eingelegte Berufung. — Der Johann Anton Jung von Gießen ist beschuldigt, die hessische Jagdwaffenpaßordnung dadurch übertreten zu haben, daß er im Oppeniöder Gemrindewald mit einem zur Jagd tauglichen Gewehr betroffen wurde. Vom hiesigen Schöffengericht zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt, legte er gegen das Erkenntnis der ersten Instanz Berufung ein. Er wendet ein, das fragt. Gewehr nicht zu seinem eigenen Gebrauch mit sich geführt, sondern eS seinem Sohn nachgetragen zu haben, und macht außerdem geltend, daß er das Gewehr in einem nicht gebrauchsfertigen Zustande, in ein Futteral verpackt, bei sich geführt habe. Das Gericht hält jedoch den Thatbestand des dem Angeklagten zur Last gelegten Deliktes für erfüllt und erkennt auf kostenfällige Verwerfung der eingelegten Berufung. — Der Reisende Karl Häuser von Steinberg war vorn Schöffen- g richt Gießen wegen Körperverletzung gemäß $$ 223, 223a St.G.B. in eine Gefängnisstrafe vo» 4 Wochen verurteilt worben, weil er den Ludwig Flett, gleichfalls in Steinberg wohnhaft, mit einer Wagendeichsel nicht unerheblich am Kopfe verletzt hatte. — Gegen dieses Erkenntnis halte sowohl der Angeklagte als auch die Großh. Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. In der heutigen Hauptverhandlung ergiebt sich auf Grund der erfolgten Beweisaufnahme, daß der Angeklagte in höchst brutaler und völlig grundloser Weise den H. Flett, einen jungen Burschen, der keineswegs den Eindruck ltnes Raufbolds macht, nachdem er ihn übrigens ,u harmlosen Thätlichkeiten provoziert hatte, mit der zur Hand befindlichen schweren Wagendeichsel einen derart wuchtigen Schlag aus oen unbewegten Kops versetzte, daß dieser blutüberströmt und bewußtlos zu Boden stürzte. Daß diese brutale Mißhandlung nicht ernstliche folgen für den Verletzten nach sich zog, ist nicht das Verdienst des Angeklagten und kann alS strafmildernd keineswegs in Betracht kommen. In Anbetracht der Rohheit der That verwirft daS Gericht deshalb die d.-rufung deS Ar geklagten und verurteilt ihn unter ©tattgebung deS oc n de Staatsanwaltschaft etngelegten Rechtsmittels kostenfällig in die erhöhte Strafe von zwei Monaten zwei Wochen Gefängnis. — Seine Freisprechung erzielt der Landwirt Otto Kröll, in Rodheim, der vom Feldrügegericht in Hungen wegen Feldfrevel in eine Geldstrafe genommen worden war, weil er Gras von einem angeblich dem Kreis — nach seiner Ansicht ihm gehörigen Rain geerntet hatte. Unter Auffassung der Frage, wer der berechtigte Eigentümer des Geiändestreisens sei, kommt das Gericht zu dem freisprechenden Urteil aus Grund der Erwägung, daß dem Angeklagten die Ueberzeugung von seinem guten Recht jedenfalls nicht abzusprechen ist. Neueste Meldungen. Berlin, 2. März. Vom Verein deutscher Studenten einberufen, fand gestern abend eine große Volksversammlung statt, worin der Stabskapitän der Burenarmee, Ballen tin, Kommandant Jooste, letzterer an Stelle des erkrankten Neffen Christian De Wets, Burenleutnant Sandberger und die Reichstags-Abgeordneten Stöcker und Liebermann von Sonnenberg Ansprachen hielten. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, welche den Buren Sympathie und Bewunderung ausspricht. Crouberg, 2. März. Der König von England verlieh dem Hofmarschall der Kaiserin Friedrich, Baron von Reuschach den Stern zum Biktoriaorden und dem Leibarzt Dr. Spielhagen daS Kommandeurkreuz desselben Ordens. Heute mittag 12 Uhr »erließ der König Cronberg und reiste über Köln-Vlissingen nach London zurück. München, 2. März. Wegen Mißerfolge auf chemischem Okbicte vergiftete sich gestern ein Student der Technischen Hochschule. London, 2. März. Das Heeresbud g c t für 1901/1902 ist veröffentlicht worden. - Die Ausgaben io erde» veranschlagt auf 87 915 000 Pfund, darunter 58 230 000 für Kriegsausgaben. Der ganze im Budget vorgesehene Manu- schastsbestand beläuft sich auf 450 000 Mann gegen 420 000 Mann im Vorjahr. In der Begründung des Budgets wird ausgeführt, der dauernde Bestand betrage 220 000, die Ueberschüsse stellten zeitweilige Vermehrungen infolge der Angelegenheiten in Südafrika und China dar. Die Gesamtzunahme der ständigen Ausgaben beziffere sich auf 1912 000 Pfund. Der Posten im Hceresbudget für die Kriegsausgaben ist aus die Annahine begründet, daß die Streitkräfte in Südafrika in den ersten vier Monaten deS Finanzjahres in voller Stärke aufrecht erhalten werden, worauf eine allmähliche Verminderung eintreten soll. BiroefmaobrichtM. Berlin , I. Märt. 4% Deutsche Grundsohnld-Bank 1 u. 2 41.66 M. 4 % do. 8. 6/6 unk. b. 1904 41.50 » 8 Vs0/ do. 8 7/8, unk. b. 1906 40 30 „ 4 Vo D . Hyp--Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908 98.00 . 3V,% do. unk. 1906 90.00 „ 4 o/o Preuss. Hyp--A.-Bank 8.'8-12 82 50 , 4®/o do. 8. ) 6-18 unk. b. 1900 83 10 w 4 Vo Preuaa. S. 19-20, unk. b. 1906 00.00 M. 8V,% do. 8. 18, 14 75.00 , 8V1% da 8. 21, 22, unk. b. 1906 75.00 » Telepbeeischer Kursbericht« 8Vi % Reichsanleihe . . 8 8/a do . . BV» % Konsole . . . . ? Vo r. do .... Bl/»% Hessen . . . . 5 % Italien. Rente . . . 4 % Griech. Monop.-Anl. 3 o/o Portugiesen . . . 3 o/o Mexikaner . . . . i‘/i % Chinesen . . . . 98.10 88 20 98 00 88.10 94.60 96.20 44.90 26.20 26.00 Frankfurt, den 2. Märr. Kreditaktien.....212.40 Diskonto-Kommandit . . 184 80 Darmstädter Bank . . . 184.60 Dresdener Bank .... 161.00 Berliner Handelßgee. . . 162.00 Oestorr. Staatsbalm . . 148 60 Gotthardbahn . . . . 16900 Laurahütte..... 204.50 Bochum...... 188 00 82.90 Harpener...... 170 50 Tendenz ruhig. Meteorologische Beobachtungen btt Station (liefern. D Wrj Barometer auf Oo reduziert ä & E der Lust Absolute Feuchtigkeit 1. 9» 735,1 6,3 6,3 2. 7“ 736,7 4,4 5,7 2. 2« 736,8 9,2 9,5 Relative Feuchtigkeit Wtndrichtuns Windstärke Wetter 88 92 68 | r sw. 2 2 2 bed. Himmel bew. Himmel Höchste Temperatur em 28. Febr. bis 1. März Niedrigste „ „ 28. „ „ 1. „ 8,40 o. 2,8' 0. Kirchenrat Kugels-Stiftung. Die Zinsen der Engels-Stistung sollen am 24. d. Mts- in zehn arme und würdige Familien zu Gießen verteilt werben- Die Familien, die sich um diese Stiftung bewerben wollen, mögen sich bi» zum 13. d. Mts. bei dem Pfarrer, zu dessen Gemeinde sie gehören, anmelden. Gießen, den 2. März 1901. Der evangelische GesamffKirchenvorstand. Dr. Naumann. 1721 ••»•••••••(••MM»«»« e Die glückliche Geburt eines munteren w Töchterchens zeigen hocherfreut an I Oscar Gutmann und Frau $ Ä H2? Frankfurterstrasse 58. D e « ••••••••••oeeeeeeeeee Hohversteigeruug im RSdMttStmiMMd. Freitag den 8. 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