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Febrar 1901. .Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Gießen, 1. Februar 1901. Betr: Den Artikel 21 deS BolksschulgesetzeS. Die Grotzh.Kreisschulkommission Gieren an die Schulvorstande des Kreises. Wir beauftragen Sie, uns alsbald diejenigen Schüler oder Schülerinnen Ihrer Gemeindeschule anzugrben, auf welche rubr. Artikel Anwenoung finden soll. Fehlberichte sind nicht zu erstatten. I. B.: Dr. Wagner. Bekanntmachung, betr.: Versteuerung der Fahrräder und Automobile. Denjenigen Besitzern von Fahrrädern und Automobilen, welche dem § 4 der Verordnung vom 10. Oktober 1899 noch nicht nachgekommen sind, also die Fahrradfieuer für 1901 noch nicht entrichtet haben, empfehlen wir zur Vermeidung von Weiterungen, diese Steuer innerhalb 10 Tagen bei uns zu bezahlen, oder um Befreiung von der Entrichtung nach zusuchen. Im letzteren Falle ist stets die vorgeschriebeue amt liche Bescheinigung mitzubringen. Gießen, den 1. Februar 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Gießen, den 1. Februar 1901. Betr.: Wie oben. An die Grofih. Bürgermeistereien der Land« gemeinden des Kreises. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald in Ihren Gemeinden ortsüblich veröffentlichen lassen. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Gießen, den 1. Februar 1901. Betr.: Die Jahresberichte der Großherzogl. Gewerbe- inspektoren. Das Großherzogliche Kreisamf Gießen au Grosth. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS. Diejenigen, welche unserer Auflage vom 27. November 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 283) noch nicht nachgekommen find, werden an deren Erledigung binnen 5 Tagen erinnert. I. V.: Dr. Wagner. Brkanntmo^ung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird der Auftrieb von Rindvieh, Schweinen und Schafen aus dem Kreise Gießen zu dem am4. Februar d. IS. in Herborn stattfindenben Markte verboten. Dillenburg, den 25 Januar 1901. Der königl. Landrat. gez.: von Beckrath. Das Reformgymnasinm. Geh. Oberschulrat Prof. HermannSchiller in Leipzig (bekanntlich früher in Gießen) schreibt in der Zeitung Nachdem königl. Erlasse vom 26. November 1900 an den | Kultusminister Studt soll das Resormgymnasium, wie es in Frankfuxt a. M., Hannover usw. besteht, zwar nicht allgemein eingeführt,, aber die Versuche sollen fortgesetzt tver- >en, da „sich die Einrichtung für die Orte, wo sie besteht, nach den bisherigen Erfahrungen im ganzen bewährt habe". Es ist deshalb vielleicht vielen Eltern nicht unertoünscht, über diese Art höherer Schulen etwas Näheres zu erfahren. Das sog .Reformgymnasium ist ein wohlgemeinter Per- uch, die klassische Bildung (Latein und Griechisch) mit einiger Beschränkung dem Gymnasium in der Weise zu erhalten, daß für alle höheren Schulen (Gymnasium, Realgymnasium, Real- und Oberrealschulen) ein sog. gemeinsamer Unterbau hergestellt wird, in dem allein als Fremdsprache Französisch gelehrt wird, Latein beginnt in Untersekunda, Griechisch in Untertertia. Man will dadurch die finanziell und „sozialpolitisch" wertvolle Möglichkeit schaffen, der gesamten Jugend, zunächst den höheren Schulen, bis zum 13. Jahre eine gemeinsame Bildung sichern und sie erst dann die Wahl zwischen einer der genannten Schul- gattungen treffen zu lassen. Sicherlich ist diese Erwägung nicht unerheblich und kann, namentlich in kleineren u u d m i t t l e r e n S t ä d t e n, zur V e r e i n f a ch u n g d e r Schul Verhältnisse und einigermaßen auch zur finanzier len Erleichterung beitragen. Pädagogisch führt man für diese Einrichtung den Grundsatz an, derZ Unterricht müsse überall vom Näheren zum Ferneren, vom Leichteren zum Schwereren fortschreiten. Ob gerade biqe erste Fremdsprache das Französische sein muß, ist eme andere Frage; unsere gänzlich geänderten Weltverhältmsse empfehlen, das Englische an seine Stelle zu setzen, und in der neuesten königlichen Kundgebung weist manches daraus hin, daß es einmal so kommen wird. Auch gilt noch mehr für das Eiiglische, was man zu Gunsten des Französischen an- führt, es sei für neun- bis zehnjährige Kinder leichter zw erlernen als das Lateinische, weil es als moderne Sprache unserer Muttersprache in seinem Geiste näher stehe. Allerdings so ausgemacht, wie es gewöhnlich dargestellt wird, ist auch das für beide moderne Fremdsprachen noch nicht. Ebenso nimmt man ohne weiteres an, daß nach dem Französischen das Lateinische leichter falle. Das trifft natürlich insofern zu, als die allgemein sprachliche Bildung eines Knaben, der drei Jahre eine moderne Fremdsprache gelernt hat, reicher ist, als die eines neunjährigen, der zum ersten Male an einer Fremdsprache, noch dazu eine tote, herantritt. Aber man geht viel weiter und behauptet, auch der Wort- Hießener Stadttheater. Großstadtluft, von Blumenthal und Kadelburg. Der wackere Dr. CrusiuS spricht in der „Großstadtluft" von dem Ozon der Kleinstadt. Nun, der fiische Ozongehalt, der die eigentliche Lebensfrische einer Atmosphäre bedingt, ist in der „Großstadtluft" im Grunde genommen nicht gerade sehr groß. Desto verschwenderischer aber ist sie mit pnckeln- dem Lachgas gelättigt und mit sorglosem Uebermut steigert sich ihre Momentkomik von Explosion zu Explosion. In seinen Situationswitzen schließt sich der betagte, oft gegebene Schwank mit staunenswerter Unbefangenheit bewährten älteren Vorbüdern an. Das Wegschnappen eines Blumenstraußes, das Fortgraulen einer beftlmmten Person aus dem Zimmer, der fingierte Kranke, der hier von „Influenza provincialis“ ergriffen wird, der Witz mit den verwechselten Cigarren - wer hätte sie nicht schon in diesem oder jenem Schwanke belacht! Aber diese alten Ingredienzen, vermischt mit einer Anzahl vorsichtig aufgesparter Zuthaten, sind im Sinne einer wahllosen Schwankkomik so geschickt und so wirksam, mit so viel Kenntnis der Bühne und des Publikums arrangiert, daß ein lebhafter Erfolg auch gestern nicht ausbleiben konnte, ein Erfolg, der seine Berichtigung hat gegenüber den Gaben eines griesgrämigen Naturalismus und strenger Düstermalerei. DaS ausgelassene Ding ist ja wahrhaftig kein Erzeugnis, das die Litteraturgeschichte beschäftigen kann. Es ist aber doch einer der hübschesten Schwanke, die das deutsche -^Heater kennt. Freilich ohne ein Tröpflein echter Poesie kann ein noch so reizendes Stück keinen Anspruch auf die Bezeichnung „Lustspiel" erheben. , Es wäre mehr als trübselig, dieses Stück, mit dem die beiden Frohgeister der Berliner Bühnenwelt den heiter- kettsbedürftigen Teil der Menschheit immer erfreuen werden, unter die Lupe einer ernsten Beurteilung schieben und es auf einen litterarischen Wert prüfen zu wollen, den es nicht hat. und auch nicht haben will. Auch daS GläubenSbekenntnis, daß es immerhin nicht so ganz verdienstlos und vollends nicht so ohne Schwierigkeit ist, durch ein derartiges anspruchloses Stück, das nichts sein und nichts beweisen will, seinen harmlosen Mitmenschen einen fröhlichen Abend zu bereiten, hat etwas für sich. Das Unterhaltsame der „Großstadtluft", ihr Reiz und ihre oft ausgelassene Fröhlichkeit liegt in der Schilderung des Kleinstädtischen. Die „gute Stube" in der Schröter- schen Wohnung ist ebenso ergötzlich geschildert, wie die lächer lichen Menschen und ihre gesellschaftlichen Beziehungen zu einander, vollends aber ist der Kampf, in den der nach Großstadtluft schmachtende Flemming mit den Gewohnheiten des kleinstädtischen Lebens gerät, eine unerschöpsliche Quelle drolliger Verwickelungen. In dem Bestreben, stark zu wirken, gerät die Zeichnung gelegentlich ins Karrikaturen- hafte, allein im allgemeinen giebt eine gewisse Lebenswahr heit und eine hübsche Beobachtung dessen, was an der Groß ftadt und der Kleinstadt typisch ist, dem Stück doch seinen Grundton, seine Farbe und seinen Charakter, und der Beweis, daß gewisse Motive und Figuren, die schon beim alten Benedix gewirkt haben, auch heute noch ihres Effekts sicher sind, wird hier von neuem gebracht, mit dem Unterschied aber, daß an der Stelle ter hausbackenen Sprache von da mals ein geschickt geschliffener Dialog getreten ist, der durch seine Natürlichkeit und durch die Frische seines quellenden Humors anregt und unterhält. Die Handlung vollzieht sich zumeist natürlich und ohne Zwang; das Charakteristische an ,hr ist allerdings das Zickzack komischer Episoden, von denen sie ganz durchzogen ist. Wenn ein Stück einer munteren, leicht beschwingten Darstellung bedarf, so ist es dieses. Die Inszenierung muß die nölige Farbe haben, um den Ton der Aufführung zu beleben. Auf daS Milieu, auf die kleinstädtischen Allüren kommt es hier sehr an — man sagt nicht zu viel, daß die „gute Stube" bei Schröter ihr gut Teil mitzuspielen hat — auf die Charakterisierung des Gegensatzes zwischen Berlin und Ludwigswalde, oaS man gut geographisch Freienwalde oder Eberswalde oder Finsterwalde ober so ähnlich nennen würde. Man kann sich die vielfach angedeutete steifleinene Wunderlichkeit und Ge mütlichkeit in dem Neste, in dem alles ris-ä-vis ist, noch viel lebenstreuer denken: auf den Möbeln sog. „Schoner" u. s. w. — na überhaupt den ganzen lächerlichen HauS väterzierrat, der sich heute kaum beschreiben, nur nach gestalten läßt. WaS die Stimmung anbetrifft, von der die Aufführung getragen werden muß, so kann man sagen, daß man daran gearbeitet hatte, daß aber Tüchtigeres sehr wohl auch auf unserer Bühne, mit unseren Mitteln sich hätte leisten laffen können. Die Figur, die daS Stück im wesentlichen zu tragen hat, ist der Ingenieur Flemming, ein strammer, flotter, feuriger Junge, der sein Leben von Grund aus genossen, sich aber doch Verstand und Gemüt genug bewahrt hat, um einen exemplarischen Ehegatten abzugeben. Herr Ramsey er zeigte in dieser Rolle eine erfreuliche, unbefangene Natürlich- feit und guten Humor, gewiß auch die rechte Lustspiellaune. Nur hatten die Zuschauer nicht immer das reziproke Ge- fühl der Sicherheit. Und das direkte Appellieren an daS Publikum will sich Herr R. durchaus nicht abgewöhnen. Auch grammatikalische Sonderlichkeiten fallen bei Herrn R. immer und immer wieder auf. Herr Liebscher als männliche Schwteger- mama war in seiner äußeren Repräsentation das Bild eines biederen Pfahlbürgers, dem der Horizont nicht weiter dünkt, als die Nase reicht; in der Herausarbeitung der humoristischen Pointen zeigte er eine gewisse Sorgfalt, und so bot er denn eine ganz genußreiche Leistung, wenn ihr auch die komische Grandezza deS schwer reichen Spießers fehlte. Herr Bernhard Gempe, das unglückliche Berliner G'gerl mit dem um 5 Minuten nachgehenden Verstände, fand seinen Vertreter in Herrn Marlitz. Diese Figur setzt sich aus einer Mischung von Einfalt und Mutterwitz zusammen, in der Darstellung des Herrn M merkte man aber eigentlich nur die elftere. Herr M. kommt aus seiner schüchternen Befangenheit nicht heraus. Man merkt ihm seine Strebsamkeit an, aber mit dem guten Willen allein ist es auf der Welt der Bretter wahrlich nicht gethan. Er versteht diskret zu sprechen, aber es mangelt ihm an Humor und an Selbstvertrauen, zwei Eigenschaften, ohne die ein Bühnenkünstler nie und nimmermehr etwas erreichen kann. Eine Prachtfigur des Stückes ist der verkleinstädtelte und verehekrüppelte Dr. CrusiuS, eine durch und durch Blumen- .hatsche Figur, an der der Mit-„Dichter" Kadelburg wohl kaum einen Teil hat. In seinem nichts durchbohrenden Ge> fühle besitzt er eine stille Ergebung in sein unbeneidliches Los, nach flott durchlebter Studentenzeit an die Seite einer erschreckend energischen Hausherrin gefesselt zu sein und den geistig schwachen Krähwinklern oder/Ludwigswaldern doppett- kohlensaures Natron vermischt mit Magnesia und Bittersalz zu verschreiben, wenn sie sich den Magen verdorben pa • ES liegt etwas Elegisches in dieser Figur, daS Herr # nicht herauszubringen vermochte. Die AuftrittSszen Dr! Srufi-S kann ,-hr hübsch wirken, wenn chr die rechte schätz und die lateinische Grammatik würden durch das Französische erheblich gefördert. Dies dürfte einigermaßen bei Italienisch und Portugiesisch der Fall sein, wenn es sich um sie als Anfangssprachen handeln könnte; aber schon im Englischen, noch mehr im Französischen liegt die Sache anders. Freilich lauten die Urteile der verhältnismäßig wenigen Schulen, die diese Einrichtung haben, über diesen Punkt günstig; aber sie sind doch noch zu kurz, wohl auch etwas voreingenommen, und dann steht ihnen eine wuchtige Thatsache gegenüber, die durch keine „Erfahrung" LU beseitigen ist. Ist diese Annahme richtig, so müßten diese Förderung für die Erlernung des Lateinischen doch im höchsten denkbaren Maße die französischen Schüler erfahren, die nicht bloß ein bißchen Französisch kennen, wie die deutschen Jungen nach drei Jahren, sondern die in ihrer Muttersprache für Wortschatz und Bau eine ganz andere, unendlich viel breitere und tiefere Unterlage besitzen. Dabei gehen in Frankreich, genau wie in Deutschland, der Erlernung des Lateinischen drei Jahre fremdsprachigen Unterrichts in einer modernen Sprache mit je Stunden voraus; sie haben also außer ihrer angeblich so förderlichen Muttersprache auch eine vergleichende Sprach?- erlernung kennen gelernt. Trotz alledem setzt man in Frankreich für das Lateinische vom vierten Jahre ab zehn, acht, fünf, fünf, vier Stunden wöchentlich an, und es fehlt nicht an gewichtigen Stimmen, die diesen Stundensatz für zu niedrig halten. Die geringe Stundenzahl der letzten drei Jahre erklärt sich daraus, daß in Frankreich nicht mehr, wie in Deutschland, die Uebersetzung in das Lateinische, sondern die aus dem Lateinischen als Zielleistung des lateinischen Unterrichts erscheint. Also die Franzosen glauben an diese Förderung, die bei uns so sehr betont wird, nicht, und sie müssen es doch wissen. Und hier li^gt des Pudels Kern. So lange die Uebersetzung ins Lateinische als Zielleistung der Gymnasien festgehalten wird, können die Reformgymnasien keine Reform schaffen. Denn die Umstellung des Französischen und Lateinischen bei Beibehaltung der jetzigen gymnasialen Endziele, des Lateinunterrichts zwingt sie, für die 4 oberen Klassen 16 Stunden altsprachlichen Unterricht (gegen 12 der alten Gymnasien) anzusetzen, dafür aber Mathematik sowie Geschichte und Geographie zu verkürzen. Und dabei steigt der Stundensatz auf 31 Wochenstunden, wozu noch 3 Turnstunden, event. 2 Gesangstunden, 2 Stunden für fakultatives Zeichnen, je 2 für fakultatives Englisch und Hebräisch kommen. Wollen die Schüler in diesen Fächern das allgemeine gymnasiale Ziel erreichen — und sie sollen es —, so,müssen an ihre Arbeitskraft recht große Anforderungen gestellt werden; denn Wunder können die Lehrer der Reformgymnasien leider auch nicht wirken. Nun will der erwähnte königliche Erlaß den neueren Sprachen, der Geographie, der Physik und Chemie, dem Zeichnen intensivere Thätigkeit zugewiesen sehen. Soll das nichjt auf dem Papiere stehen bleiben, wo soll alles dies Raum finden neben den 16 altsprachlichen Stunden? Man macht freilich geltend, die größere Reife der Schüler auf der oberen Stufe schaffe für den altsprachlichen Unterricht ganz andere Früchte. Dann müßte es doch auch an den alten Gymnasien der Fall sein; wer weiß aber davon etwas Besonderes zu rühmen? Ebenso steht es mit dem angeblichen Verteilen der „Quellenlektüre" für die Geschichte; Sachverständige wissen, was sie davon zu hallen haben. Und warum soll denn diese größere geistige Reife nicht auch der Mathematik, der Geschichte usw. W gute kommen? Auch der Laie sieht, wenn er den französischen und deutschen Stundensatz vergleicht, welche Erleichterung der Schüler, welche Raumgewinnung für die jetzt benachteiligten Lehrfächer möglich würde, wenn man die seit der Reform von 1892 ganz wertlose lateinische Stilbildung beseitigte und sie durch eine Uebersetzung aus dem Lateinischen in wirkliches Deutsch ersetzte. Ganz davon zu schweigen, wie heilsam diese Einrichtung für die deutsche Stilbildung würde. Mit der allgemeinen praktischen Durchführung der Idee war man schon 1850 in Dänemark, 1869 in Norwegen, 1873 in Schweden vorgegangen; das Lateinische wurde in die Untertertia, das Griechische in die Sekunda hinaufge-- schoben. Frankreich, einzelne Teile der Schweiz usw. folgten. Man hat hier also Erfahrungen, die teilweise ein halbes resignierende Stimmung verliehen wird. Herr H. aber mit seinem stereotypen „Jawohl" brachte eS zu keiner wahrer Wirkung. Und auch beim Sekt zeigte der alte Studenten tollkopf keinen neu aufflackernden Enthusiasmus, sondern mehr philiströse Bierfidulität. Besser getroffen war der Vorsitzende des Lesekränzchens mit Apfelkuchen und Schlagsahne, der hoch wohlweise Rektor Arnftädt des Herrn Lach mann, der lautere L-'tteraturdeSinfektor, der in seiner schrankenloser. Thorheit Benedix' „Zärtliche Verwandten" als „auch eine jener verwerflichen Ausgeburten des modernen Realismus" von den Pforten LudwigSwaldcS weist. Die so oft betrogene, immer aber unverantwortlicher Weise verzeihende Frau Antonie Lenz, eine Frauengestal! ohne rechte Farbe, gab Frl. Schoelermann doch wohl nicht ganz mit der Bestimmtheit und Ruhe, die die Rolle verlangt. Frl. Sch. hat eine eigentümliche Art der Bewegungen, namentlich der Schultern, die beim Gehen als wunderlich auffällt. Diese Eigentümlichkeit abzulegen dürfte einer Künstlerin von dem Range des Frl. Sch. nur geringe Mühe verursachen. Die Ruhe der sentimental angehauchten Sabine führte Frl. Kugler vielleicht mit zu großer Konsequenz durch. Ein Flemming fordert von seinem Weibchen ganz gewiß mehr Temperament. Viel Heiterkeit erregte das Klatschbasenduo der Damen Ernst und Kruse, in dem die erstere mit WHem Kaffeetantenton und stechendem Vipernblick die Ober- sttmme zu führen hatte. Beide Gestalten haben einen schon nicht mehr eichten ^stich in der Karrikatur, und das wurde ouch m der Darstellung weit mehr betont als verleugnet. Auch Frl. Eichenwald hatte sich ein außerordentlich natur frohes Ludwlgswalder Kind zurecht gemacht. DaS schöne Lied von der Mandol.ne ist heute längst nicht mehr zeitgemäß. In dieser Beziehung hätte man wohl nicht den Autoren, die das Stück vor 10 Jahren geschrieben haben, folgen sollen, sondern er wären die erfreulichen Fort schritte auf dem edlen Gebiete der Berliner Tingeltangelpoesie zu berücksichtigen gewesen. Ein ganz moderner Theaterregiffear hätte sich und unS flugs mit einem funkelnagelneuen Wo! zogen'ichen Ueberbrettlsingsang bekannt gemacht. Das hätte eingeschlagen! P. W. Jahrhundert umfassen. Was lernen wir daraus? Die Ueberbürdung wurde dadurch nicht nur nicht beseitigt, sondern viel größer. So konstatierte für Schweden eine ärztliche Kommission in den 80er Jahren, daß die obligatorische Arbeitszeit in den vier oberen Klassen ein Minimum täglich zwischen 8,55 und 9,23, ein Maximum zwischen 12,9 und 14,30, ein Mittel zwischen 10,15 und 10,48 Stunden und Minuten täglich (ohne Turnunterricht) betrug, und daß von 11 210 untersuchten Schülern von Gymnasien und Realschulen 44 Prozent keine normale Gesundheit hatten. Auch wurde den Eltern und Schülern die Wahl des künftigen Verriss und der richtigen Schulgattung, was man bei uns von dem gemeinsamen Unterbau erwartet, nicht erleichtert, da man auch mit 12 bezw. 13 Jahren in der Regel über diese Fragen nicht klüger ist als mit 9. Endlich wird sogar bestritten, daß die erwarteten sozialpolitischen Vorteile eingetreten seien, die ja ohnedies auf einer sehr optimistischen Auffassung der wirklichen Verhältnisse beruhen, konsequent durchgeführt, wie die norwegische Demokratie es versucht, muß die Nivellierung der Bildungsverhältnisse zu einem allgemeinen Sinken der Sirultur führen. Ein solches Experiment kann sich ein isolierter Bauernstaat gestatten/aber kein Großstaat mit kulturellen Aufgaben. Aber ganz übereinstimmend hat sich -ein anderes Ergebnis des Hinausschiebens der alten Sprachen eingestellt: der altsprachliche Unterricht verkümmerte. In Schweden ist das Griechische, in Norwegen sogar das Lateinische seit 1896 als obligatorisches Lehrfach beseitigt worden, in Frankreich und der Schweiz sind von Unterrichtsbehörden ähnliche Ansichten nicht nur ausgesprochen, sondern auch zum Teil durchgeführt worden. Darf man aus Verwandtem auf Verwandtes schließen, so liegt auch bei uns diese Entwickelung nahe; sie paßt in das Programm einer mächtigen Bewegung, die durch die Einheitlichkeit der Schulbildung, trotz der gegenteiligen Erfahrungen in anderen Ländern, zur Ausgleichung der Standesunterschiede beitragen zu können wähnt und die Schule, wie bei uns stets, in ihrem Einflüsse durchaus überschätzt. Ob uns die Erfahrungen mit dem Reformgymnasium wirklich viel neues zeigen werden, bleibt abzuwarten: wahr- cheinlich ist es nach dem Vorherbemerkten nicht. Auch drängt die gesamte Entwickelung unseres höheren Schulwesens nach einer ganz anderen Seite. Thatsache ist, daß das humanistische Gymnasium mit den modernen Bildungseleinenten nicht ausreichend ausgestattet werden kann, weil es eben unter ganz anderen Voraussetzungen entstand; die lateinische Bildung aber, die es verlieh, fann uns nicht mehr als ausreichend gelten. Das Griechische trat am Ende des 17. Jahrhunderts ständig in den Kreis der alten Lateinschule, und vermutlich wird es — bedauerlicherweise — auch zuerst wieder ausscheiden; die letzte Schulkonferenz sollte es eigentlich schon fakultativ machen. Weil aber das alte Gymnasium nicht mehr den Anforderungen späterer Zeiten genügen konnte, traten ihm andere Schularten zur Seite, die aber, auch infolge ihrer Einseitigkeit, dem Bedürfnisse ebenfalls nicht völlig entsprachen. Wenn wir die von den verschiedenen Schulgattunaen verliehene Vorbildung als gleichwertig für das Studium an Universitäten und Technischen Hochschulen erachten, wozu wir ja schon in der Theorie gelangt sind, so wird dadurch der U e b e l st a n d einer recht ungleichmäßigen Vorbildung nicht beseitigt. Eine gewisse Ueber- einstimmung ist aber notwendig, wenn die innere Einheitlichkeit der Hochschulen, die jetzt schon erschüttert ist, nicht völlig verloren gehen soll. Die Einrichtung von Ergänzungskursen an diesen kann höchstens eine vorübergehende Maßregel sein, ist an und für sich wertlos und widerspricht auch unserer Schulentwickelung, die nach langem Tasten erst dazu gelangte, die Vorbildung den Schulen zuzuweisen. Tas Ziel einer Reform, die auch nach dieser Richtung befriedigen oll, wird die richtige Vereinigung dessen sein müssen, was zu einer gemeinsamen nationalen höheren Bildung notwendig, und dessen, was für die einzelnen jungen Leute zweckmäßig ist. Unsere jetzigen Schulgattungen, jede für ich, leisten das nicht, wie die Erfahrung zeigt, sondern zu diesem Zweck müssen durch gemeinsame Thätigkeit aller Beteiligten Bildungskreise festgestellt werden, die vom ersten Schuljahre an bis zur Vollendung der Schulbildung aufzubauen sind. In diesen sind bestimmte Fächer für alle Schulen verbindlich, für andere herrscht eine weitgehende Wahlfreiheit. An dieser Neuschöpfung werden sich die Volkschule, die höhere Schule und die Hochschule beteiligen müssen, und ihrer gemeinsamen Thätigkeit wird ein guter Erfolg nicht fehlen. Freilich, ehe wir dazu gelangen werden, werden uns vermutlich jüngere Völker, die nicht im Banne einer vielhundertjährigen Tradition stehen, geeignetere Wege aufweisen, und nach gewissen Erscheinungen der letzten zehn Jahre ist es nicht unwahrscheinlich, daß Nordamerika auch, auf diesem Gebiete dem alten Europa die einst empfangene Kulturgabe reichlich zurückerstatten wird. Deutscher Reichstag. Berlin, 1. Febr. Bei fortgesetzter Beratung des Etats des Reichs» a m t s des Innern fragt Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Vp.) an, wie es mit der Umwandlung der biologischen Abteilung des Reichsgesundheitsamtes in ein selbständiges Institut stehe, und regt die Beteiligung der zoologischen Wissenschaft unb der Malariaforschung an. Staatssekretär Graf P o s a d o w s k y erwidert, daß das biologische Institut hauptsächlich von der Tomizilfrage abhänge. Abg. Antrick (Soz.) bespricht die zu angestrengte Beschäftigung und zu geringe Entlöhnung des Personals in Krankenhäusern. Man kann sagen, die Wärter müssen stehlen, weil sie so jämmerlich bezahlt werden. Wie wollen Sie mit einem solchen Personal den Aufgaben der Kranken- häufer, der öffentlichen Hospitäler gerecht werden, wenn einmal eine Epidemie ausbricht? Daß die Gemeinden besser bezahlen können, dafür hat man ja Beispiele Tie Pflegeschwestern erhalten höhere Sätze. (Zwischenruf des Abg. Dr. Langerhans: Tas sind gelernte!) Ja, aber auch die gelernten Wärter und Wärterinnen bekommen nur 23 bis 27 Mark als Anfangsgehalt. Man trägt das Christen- 11 nü) China unter Aufwendung von Hunderten von Millionen; hier ist eine viel schönere Gelegenheit, praktisches Christentum ru treiben. ' Geh. Medizinalrat Dr. P i st o r : Wenn der Lohn bemängelt worden ist, so darf man nicht vergessen, daß es den Kommunen, abgesehen von Städten wie Berlin, Frankfurt a. M., sehr schiver ist, darin weiter zu gehen, als geschehen ist. Im übrigen möchte ich bitten, wenn Mißstände vorkommen, uns die Namen zu nennen, damit die zuständigen Behörden einschreiten können. Es giebt Schwestern, die vier W.ochen lang ununterbrochen gewacht haben, ohne daß es ihnen schadete. (Hört, hört!) Abg. Dr. Endemann (natl.) hält es für geboten, daß die Veterinärärzte eine bessere Vorbildung erhalten, damit sie in Bezug auf die Anforderungen des Fleischschaugesetzes allen Ansprüchen genügen. Wenn neulich ein Redner der Rechten gesagt hat, man müsse Häckels „Welträtsel" verbieten, dann könnte man mit demselben Recht auch die mikroskopischen Forschungen in der biologischen Station verbieten. (Zustimmung links.) Leider ist das Interesse selbst im Reichstage für diese Forschungen noch sehr gering. Als der Präsident des Reichsgesundheitsamts im vorigen Jahre zu einem Vortrage über dieses Thema Einladungen ergehen ließ, damit man das geplante Institut kennen lernen soll, hat sich leider nur eine geringe Anzahl der Kollegen eingefunden, obgleich der dort vorgezeigte Pestbazillus an der Kette lag und also nicht beißen konnte. (Heiterkeit.) In Bezug auf die Krankenhäuser werden ja wohl manche Beschwerden verbreitet, aber davon gilt auch das Wort: Calumniare audacter, semper aliquid haeret. Abg. Dr. Hahn (kons.) wünscht Erhöhung der für die biologische Abteilung vorgesehenen Summe, um das Studium der Protozoen zu fördern. Abg. Dr. Langerhans (fr. Vp.) tritt für obligatorische Leichenschau und für die fakultative Feuerbestattung ein. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß die Feuerbestattung in Preußen verboten, in Hamburg und Gotha u. a. O. aber erlaubt ist. Es werden heute so viel Verbrecher begraben, deren Verbrechen nie ans Tageslicht gekommen sind (Heiterkeit), da wird es bei der Feuerbestattung auch nicht schlimmer werden. Ter Redner geht dann auf die Verhältnisse der Tierärzte ein und verlangt als Vorbedingung für das tierärztliche Studium die Bestehung der Maturitätsprüfung. Abg. Singer (Soz.): Antrick hat nicht alle unsere Krankenhäuser in Grund und Boden verurteilt, er hat aus seinen eigenen traurigen Erfahrungen Mitteilungen gemacht, darüber, wie es in solchen und noch dazu Verhältnis^ mäßig gut geleiteten Krankenanstalten zugeht. Wie muß es nun erst in Krankenhäusern zugehen, die nicht mit den Mitteln Berlins ausgestattet sind? Können infolge der Ueberlastung des Wärterpersonals Tinge Vorkommen rn den Krankenhäusern, wie sie Antrick vorbrachte, so verlieren die Hinweise auf die schönen Instruktionen jeden 2£ert. Nicht auf die schönen Instruktionen kommt es an, sondern darauf, daß sie auch innegehalten werden. Abg. Antrick: Ansteckungen können vermittelt werden dadurch, daß den Raum, wo das Sputum und die Exkremente von Jnfektionskranken bis zur Untersuchung ausbewahrt werden, alle Kranken der Station, die sich zum. Kloset begeben wollen, passieren müssen. Dagegen hat der Kommissar nichts Zutreffendes vorgebracht. Die Badewannen sind trotz aller Vorschriften nicht gereinigt worden. Wenn Dr. Endemann die in seinem Citat enthaltene Beleidigung auf mich.chat beziehen wollen, so finde ich keinen parlamentarisch zulässigen Ausdruck zur Entgegnung. Diese Bemerkung enthält einen so schweren Vorwurf, daß ich eine solche Handlung, wenn es parlamentarisch zulässig wäre, nur als ehrlos und gemein bezeichnen könnte. (Unruhe bei den Nationalliberalen.) Abg. Dr. Suedekum (Soz.) bringt als Vertreter von Nürnberg die Milzbranderkrankungen der Arbeiter in Pinselfabriken und Roßhaarspinnereien zur Sprache und kommt dann auf den bekannten in der Universitätsklinik in Jena vorgekommenen Fall einer Wasserentziehung bei einem Diabeteskranken, weswegen, der behandelnde Assistenzarzt Dr. Strubel scharf angegriffen, von dem leitenden Professor Stinzing aber verteidigt wurde. Die Krankenhausärzte hätten zum Teil kein richtiges Gefühl dafür, wie sie mit den ihnen anvertrauten Kranken umzugehen haben. Der Kranke sei in ein Zimmmer eingeschlossen und die Entziehungskur lediglich zu wissenschaftlichen Untersuchungszwecken mit ihm vorgenommenworden. Der-Kranke sei allmählich von so kolossalem Durste gequält worden, daß er die eisernen Gitterstanqen aus dem Fenster herausgebrochen hat und zu entfliehen versuchte. Bis zu welchem Grade seine Verzweiflung infolge des furchtbaren Durstes gestiegen war, geht daraus hervor, daß er 1400 Kubikzentimeter seines eigenen Urins getrunken hat. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Graf Posadowsky verweist darauf, daß in Bezug auf die Krankenhausverwaltung und bezüglich der Leichenverbrennung es sich um Befugnisse der Einzelstaaten handle. Betreffend der Desinfektionsvor- fchriften werde auf möglichst wirkungsvolle Ausgestaltung hingewirkt. Die obligatorische Leichenschau sei nicht durchführbar. Sachsen - Weimarscher Leaationsrat Paulsen rechtfertigt den Jenenser Vorfall mit der Einwilligung des betreffenden Patienten, für den die Kur selbst zweckentsprechend war, obgleich die Schwere des Falles eine Heilung unmöglich machte. Abg. Prinz Schönaich-Carolath zieht diese Freiwilligkeit in Zweifel und verlangt Remedur gegen ähnliche Ausschreitungen der Wissenschaft, deren Vertreter mit Experimenten an lebenden Körpern vorsichtiger sein müßten. 9fbg. Dr. Suedekum: Der Versuch des Bevollmächtigten für Weimar ist mir unverständlich. Es handelt sich nicht um ein Verbrechen, sondern um einen Uebereifer, der aufs höchste mißbilligt werden muß. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Endemann: es ist mir nicht eingefallen, daß ich; das erwähnte Sprüchwort gegen Herrn Antrick gerichtet habe, noch hat es an ihn gerichtet werden sollen. Ich bedauere aber, daß die bedingte Beleidigung seitens des Herrn Antrick (gegen mich „ehrlos und gemein" mir ins Gesicht geschleudert worden ist, ohne Remedur seitens des Präsidenten gefunden zu haben. Ich erkläre Herrn Antrick, daß mir derartige Beleidigungen von seiner Seite Luft sind. Das Kapitel wird bewilligt. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Grafen Oriola (ntl.) zum Titel der Büreaubeamten des Reichsgesundheitsamts und nach einer kurzen Erwiderung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky wird das Kapitel bewilligt. — Bei dew Ausgaben für das Patentamt, in dem ein Direktor nut) 8 Stellen im Hauptamte in Zugang kommen sollen, führt fes* nchL ^'' Hie la «0» mit t,'5 JW» ™ £ M?°MdhkLz. *i' " biejts "^s 8e|>Iante Äe Springt i>er bort b0#t. , 0 5-chi beiße« ^Hauser t»er- ’ »der bat,«, impet aliquii, “’S dn Vit bit ' um das Stu. t für obliga- fakultative ltbarer Zustand, en, in Hamburg werden heute so nie ans Tages- 1 bei der Feuer- er Redner geht e ein und der- !e Studium die cht alle unsere eilt, er hat aus Mitteilungen ge- dazu verhältnis- geht. Wie muß ie nicht mit den men infolge der irkommen in den - so verlieren die )en Wert Nicht , sondern daraus, ermittelt werden und die Exkrc- ntersuchung auf« on, die sich zum. Dagegen hat der Tie Badewannen ,t worden. Wenn tene Beleidigung 'einen partarnen* Tiefe Bemerk- ß ich eine solche a, wäre, nur als Unruhe bei den als Vertreter von der Arbeiter in zur Sprache und Iniversitäls- einer Wasser- kranken, wes- r. Strubel fujarj n- Stinzing aber hätten zum wil )en ihnen anver- Aanke sei in em wngslur «rch iinüME hvonsokolosM neu Gitterstangen und zu entfliehen 'rzweiflunglnfolge >ht daraus hervor, J Urins getrunken ««w “" L ssrs Paulsen re^ !» ÄS- » % 6 t.be« f* r 9i< Ki-’diSÄ»i- '«? nt> C feite«5 M-L Abg. Dr. Paasche (natL) aus, dah es wünschenswert sei, die Besetzung der in Aussicht genommenen Stellen thun- lichst zu beschleunigen. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.) bringt Klagen »or über die Art der Ausführung des Gesetzes über die Patentanwälte und über Eigenmächtigkeiten der Prüf- »ngs-Kommiffion. Staatssekretär Graf P o f a d o w s k y erwidert, daß im Uebergangsstadium manche Klagen begreiflich seien, doch sei die Prüfungskommission sehr nachsichtig zu Werke gegangen. Das Kapitel „Reichsversicherungsamt" wird auf Antrag Spahn (Zentr.) der B u d g e t k o m m i s s i o n überwiesen; der Rest des Etats des Reichsamts des Innern wird ohne Debatte bewilligt. Nächste Sitzung: Montag den 4. Februar, 1 Uhr. (Etats der Justiz, des Reichsschatzamts, der Reichsschuld, des Rechf- nun gs h o fes.)______ Politische Tagesschau. In der Politik sind die Nerven ungemein empfindlich, unb es ist wohl verständlich, wenn man in Paris sowohl wie in Petersburg den Vorgängen in OSborne eine stark argwöhnische Aufmerksamkeit schenkt. Gibt doch ein offiziöses Blatt zu, daß in Frankreich die anfangs ohne Hintergedanken herrschende Rührung über die Pietät des Monarchen für seine Großmutter sich allmählich in „leisen Argwohn", dann aber zu „feindseligem Mißtrauen" umgewandelt hat. „Bon allen Seiten", so berichtet die „Post", „erschallen Mahnrufe an die französische Nation, sich von allen gefährlichen Wahn. Vorstellungen, die gewisie Schritte und Höflichkeiten des deutschen Kaisers in den Massen wachgerufen, loszureißen und aufs neue die Blicke nach Osten zu richten, aus dem ein drohendes Ungewitter im Anzug sei." Und weiter heißt es: „Man hat sich in Paris in einen Pessimismus hineingewütet, der recht bedenklich ist." Daß die Reden von der „Schwestermarine" und die Telegramme, die des Kaisers Ge- nugthuung darüber ausdrücken, einer derKameraden deSLordRoberts zu sein, auch in Deutschland beklommene Gefühle wachrufen, ist wohl verständlich. Kaiser Wilhelm ist britischer Feldmarschall geworden: das ist zweifellos für die Armee deS JnselreicheS eine hohe Ehrung. Aber ist sie für den Monarchen selbst eine gleichgeartete Ehrung? Wir müßen gestehen, daß weder Lord Roberts noch Sir Redvers Buller noch Kitchener in deutschen Landen sich jener Wert schätzung erfreuen, die eS erwünschte erscheinen läßt, mit ihnen in nähere Beziehungen zu treten. Die ganze deutsche Preße hat mit eisigem Schweigen die „Ehrung" unseres Kaisers ausgenommen, und selbst die Versicherung eines Londoner Blattes, daß der Monarch sich die „Gunst" der Engländer wiedererworben habe, hilft über gewiße fatale Empfindungen nicht hinweg. Sitzung -er Stadtverordneten. Gießen am 1. Februar 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Ernrne- lius, Euler, Faber, Flett, Dr. Gutfleisch, Grüne wald, Hanau, Haubach, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schiele, Schmal! und Wallenfels. Entschuldigt Beigeordneter Grüneberg, die Stadtoer ordneten Dr. Gassky und Heichelheim. Zum ersten Gegenstände der Tagesordnung: Ankauf der „Margarethenhütte", macht Bürgermeister Mecum Vorlage über die Abbruchsarbeiten und die erstmalige In standsetzung einiger Gebäude und der Fuhrwerkswage. Vor den auf 3600 Mk. veranschlagten Kosten haben die Buderus scheu Eisenwerke lt. Vertrag 2500 Mk. zu ersetzen, sodaß auf die Stadt 1100 Mk. entfallen, die bewilligt werden. Die für die Instandsetzung der ehemals Löwenstein scheu Besitzung in der Schloßgasse vorgesehenen 1300 Mk. reichen nicht aus. Es haben sich während der Fnstandsetzungsarbeiten verschiedene Mängel gezeigt, auch ist Die Ausführung sonstiger zweckdienlicher Arbeiten von dem Stadtbauamt vorgeschlagen worden. Die darnach weiter er- forderlichen Kosten im Betrage von 1200 Mk. werden zu Lasten des Stadterweiterungsfonds bewilligt. Das vorjährige Jugendfest hat einen Fehlbetrag von 699 Mk. ergeben. Der im Vergleich zn den früheren Festen höhere Fehlbetrag ist veranlaßt durch das im Verlauf des Festes eingetretene Regenwetter; der Zuschuß wird bewilligt. — Stadtv. Hanau fragt an, ob das Jugendfest, eine alte Gießener Einrichtung, nicht alle Jahre stattfinden könne, und gibt ferner der Erwägung der Versammlung anheim, mit der Leitung des Festes die Turnvereine zu betrauen. — Bürge'meister Mecum macht auf einen früheren Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung aufmerksam, wonach das Fest alle zwei Jahre stattfinden soll, verspricht aber, die Frage einer Kommission vorzulegen. Eduard Riemer hat um die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause An den Bahnhöfen 40 nachgesucht. Das Gesuch hat die Versammlung und den Kreisausschuß schon früher beschäftigt. Der Kreisausschuß hat das Gesuch infolge eingetretenec Veränderungen in den bei der Beschluß faßung zu berücksichtigenden Verhältnissen zur nochmaligen Begutachtung der Stadtverordneten-Bersammlung unterbreitet. Dieselbe sprach sich nach kurzer Beratung dahin aus, daß die Bedürfnisfrage für die Dauer des Bahnhofsumbaus zu bejahen sei. Heber den Erlaß einer Polizeiverordnung, betr. das Befahren der zwischen den Häusern Nr. 9 und 27 der Westanlage abzweigenden Sackgasse, bezw. Einschränkung des Wagenverkehrs in derselben, soll in einer späteren Ver fammluna Beschluß gefaßt werden._________________________ Aus Stadt und Land. Gießen, 2. Februar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! ** Personalnachricht. Am 31. v. Mts. wurde der Gr. Gerichtsassessor Heinrich Engel von hier mit der Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines HÜlfgerichtSschreibers bet Gr. Landgericht der Provinz Starkenburg, Kammer für Handelssachen, betraut. •* Einer der nächtlichen Unfugtreiber, der in der Nestau ration M. an der Bahnhofstraße verschiedene Male Fenster zertrümmert hat, ist von der Polizei ermittelt worden. •* Kunstverein. In der Gemälde Ausstellung im Turm- hauS am Brand findet kommende Woche ein g ößerer Wechsel her Gemälde statt. Darum wollen wir nochmals auf die gegenwärtige Ausstellung Hinweisen; der größte Teil der Gemälde gelangt zur Weitersendung. ** Aus dem Theaterbureau. Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß d>e für Sonntag anaesetzte Aufführung des beliebten Schönthan'schen Schwanks „Der Raub der Sabinerinnen" in der Turnhalle stattfindet. Der Billetvorverkauf erfolgt bis 3 Uhr in Ernst Cballier's Musikalienhandlung, von 4 bis 6 Uhr im Theaterbureau. ** Oeffeutliche Lesehalle. Im Januar wurden 2284 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Illustrierte Zeitschriften 672, Erzählende Litteratur 865, Iugendschnfleu, Märchen, Sagen 364, Kulturgeschichte 26, Litteratur- geschichte 12, Länder- und Völkerkunde 51, Geschichte und Biographieeu 94, Naturwiffenschaft, Technologie 79, Kunstgeschichte 9, Seewesen 21, Gesundheüslehre 19, Philosophie 7, Staatswißenschaft 15, fremdsprachliche Litteratur 14, Verdichtungen 36 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 355, akademisch Gebildete 72, Kaufleute 178, Beamte 41, Unterbeamte 129, Techniker, Schriftsetzer 147, Diener, Ausläufer 52, Arbeiter, Tagelöhner 133, Lehrlinge, Gehilfen 336, Studenten 59, Rentner 16, zusammen 1518 Bände; au Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 274, Gewerbetreibende 157, Dienstmädchen, Lauffrauen 43, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 55, Beamtinnen 36, Pflegerinnen 22, junge Mädchen, Lehrmädchen 179, zusammen 766 Bände. Nachj auswärts kamen 148 Bände. Gv- Gießener Bolksbad. Im Januar wurden verabreicht 5112 Bäder gegen 6325 im Dezember 1900 und 6588 im Januar 1900, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 176 Bäder gegen 264 im Dezember 1900 und 218 im Januar 1900; mithin 1476 Bäder weniger als im Januar 1900. — Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt!: Schwimmbad 2745 Männer, darunter 357 zu 10 Pf., „ 317 Frauen, „ 77 „ 10 „ Wannenbäder 1. Klasse 169 Männer, 74 Frauen, „ 2. „ 471 „ 327 „ Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 158 Männer, 30 Frauen, Brausebäder zusammen 821. Die Personenwage wurde von 120 Personen benützt, daS Bad von 8 Personen besichtigt. Darmstadt, 1. Febr. Wie die „N. H. Bbl." erfahren, hat der König!. Preußische Gesandte am hiesigen Hose, Prinz zu Hoheulohe-Oehring en, daS Palais auf der Rosenhöhe für jährlich 12 000 Mk. gemietet. Die Witwe des verstorbenen P'iuzen Wilhelm, Frau von Lichtenberg, bewohnte bisher das Palais. — Demselben Blatte zufolge haben die Darmstädter Kohlenhändler beschloßen, die Preise für Kohlen wesentlich zu ermäßigen. Diese Nachricht wird von allen mit Freuden begrüßt werden und die That mancher armen Familie zu Gute kommen. Bekanntmachung. Der Bedarf an Schreibmaie- rialien des unterzeichneten Distrikts pro EialSjahr 1^01/02 soll vergeben werden. Die Offerten sind unter U bersendung von Mustern nebst Preis.'.nqabe bis längstens der» 15. d. MtS. auf dem Geschäftszimmer (Brandplatz Nr. 7) dahier einzureichen, woselbst auch die Lieferungsbedingungen eingesehen werden können. Gießen, 1. Februar 1901. Großh. Gendarmerie-Distrikt Oberhessen. 1029 Jagdverpachtung. Dienstag den 5. Februar l. I, nachmittags 2 Uhr, soll auf unterzeichneter Bürgermeisterei die der Gemeinde Täublingen zustrhende Jagd, bestehend in 258,25 ha Feld, 78,89 ha Wald, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Daubringen, 26. Jan. 1901 Gr.BürgermttstereiDaubringen. Walte r.___94 0 Jagd Verpachtung. Donnerstag den 7. Februar l. IS., vormittags 11 Uhr, soll die der Gemeinde Rüddingrhausen zu- siehmde Wald- und Felojagd (550 Morgen Wald) auf dem Bureau der mtterzeichnelev Bürgermeisterei in zwei Ab- teilungen auf weitere 6 Jahre unter den vor der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Bedingungen verpachtet werden. RüddingShauscn, den 30. Januar 1901. AroßherzoMche Bürgermeisterei Rüddtngshausen. Braun. 1014 Jagdverpachtung. Die Gemeinde WeiterShain verpachtet am 11. Februar d. I , nachmittags 2 Uhr, auf 6 Jahre ihre Jagd, ganz oder getrennt, bestehend aus etwa 500 Morgen Wald, und etwa 3000 Morgm Feldjagd. WeiterShain, 22. Jan. IDOL Gr.Bürgermeisterei WeiterShain Sann. 885 llfrllcigrrnuiicn Hohversteigerung Dre auf den 28. Januar im Grüninger und DorsgillerMark- wald ausgeschriebene Holzversteigerung konnte nicht abgehal- ten werden und findet Mittwoch den 6. Febr., vormittags VVrr Uhr, statt. Es kommen außer dem früher angegebenen noch 2 fm Eichen- und 55 fm Buchen- Stämme bis zu 46 cm Durch- meffer zur Versteigerung. Der Anfang ist am Fußpfad von Grüningen nach Garbenteich. Grüningen, l.Febr. 1901. Gr. Bürgermeisterei Grüningen. Gilbert 1037 Versteigerung. Dienstag den 5. d. BttS., vormittags von 10 Uhr an, versteigere ick im Haufe Mar- burgerftrvße 11 im Auftrage der betr. Erben erbverieilungshalber: HauSgeräte aller Alt, darunter 3 Betten u. eine Garnitur Polster- n öbel (l Sofa und 6 Stühle), sowie etwas Weißzeug und versck. Glas und andere Sachen. 1044 Gießen, den 2. Februar 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher. Hohversteigerung Mittwoch den 6. Februar, vormittags von »V2 Uhr ab, werden aus den Domanialwald-Distr. Ober- unb Niederseilbach versteigert: Stämme: 19 Eichen (Schnitt Holz, die Nummer blau unterstrichen) = 11,42 fm, ohne Rinde gemissen; ferner Scheiter, rm: 14 Buche, 52 Eiche; Knüppel, rm: 35 Buche, 68 E'che, 3 Nadel, 18 Aspe; Reisig, rm: 350Buche, 1040 Eiche, 220 ASpe; Stöcke, rm: 10 Buche, 130 Eiche, 2 Aspe. Zusammenkunft im Distrikt Ober-Seilbach amAlten-Busecker Weg. Weitere Auskunft erteilt Gr. Förster Schick zu Treis. Treis a. d.Lda., 30.Jan. 1901. Großh. Oberförsterei Treis. Schneider. 1050 On pleli In ilgen J Portwein- Punsch-Essenz der Firma Carl Schroeter Söhne, Hanau a. 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