Nr. 331 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 3. Oktober 1 SOI Erscheint täglich mü Ausnahme deS Montags. Die Gießener Zamillen. blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit oem „Hess. Landwirt* und den „Blättern für hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bet- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: SietzenekAnzeiger General-Anzeiger ** Annahme von Anzeigen au der sür den solgenden Tag erlcheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle AnAeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf., auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'schen Universitäts - Druckerei für den Kreis Gießen Volitische Tagesschau. , z t Zur Affaire der „Sazelle" verschtete das „Bert. Tgbl." weiter, daß die Mannschaften bisher keinen Landurlaub erhalten haben. Aus der Fahrt nach Kiel befand sich aus Anordnung des Geschwaderchefs ein aus einem Offizier und 25 Mann des Linienschiffes „Kaiser Barbarossa" bestehendes Wachtkommcmdo an Bord der „Gazelle". Einige Leute der „Gazelle", die kapitulieren wollten, sind zurückgewiesen worden. Ebenso liegt seitens des Marinekommandos die Absicht vor, die Kapitulation einiger älteren Leute rückgängig zu machen. — In ihrer letzten Nummer schreibt nun die „Nordd. Allg. Zig.": Die Vergehen gegen die militärische Unterordnung an Bord der „Gazelle" können im Anschluß an die gestrigen Mitteilungen heute auf Grund des Geschwaderberichts weiterhin richtig gestellt werden. An Bord der „Gazelle" waren allerdings eines Morgens einzelne unbedeutende Geschützte i l e v e r s ch w u n d e n. Es ist sofort darüber eine strenge Untersuchung eingeleitet worden, die noch nicht abgeschlossen ist. Sie läßt bisher erkennen, daß die Vergehen gegen kaiserliches Eigentum wahrscheinlich im Uebermut oder aus Nachlässigkeit begangen sind. Zu den Angaben der Zeitungsberichte ist im einzelnen zu bemerken: 1) von einer Meuterei kann keine Rede sein; 2) daß der Kommandant nur wenig Landurlaub bewilligt erhalten habe, ist durch nichts erwiesen. Während der Herbstübungen ist Gelegenheit zur Urlaubserteilung den Kommandanten aller Schisse nur wenig gegeben; 3) der 'Dienst an Bord der „Gazelle" war nicht strammer, als es auf jedem Schiff der Fall sein muß, woran, nachdem es eben erst in Dienst gekommen, hohe Anforderungen gestellt werden; 4) ist es unrichtig, daß das Schiff auf der Danziger Rhede mit Arrest belegt war. Naturgemäß mußte im Interesse der Untersuchung ein Verkehr des Schiffes mit dem Lande so lange beschränkt werden, als hierdurch! eine Verschleierung des Thatbestandes möglich erschien. Als letzteres am nächsten Tage nicht mehr in Betracht kam, wurde der Verkehr wieder gestattet; 5) die Behauptung, daß man es nicht sür ratsam gehalten habe, das Schiff einzeln fahren zu lassen, bedarf eigentlich keiner Widerlegung. Die „Gazelle" ist ein Aviso des ersten Geschwaders, mußte also bei diesem bleiben; 6) es sind niemals 15 Mann in Untersuchungshaft genommen, die Reservisten sind genau wie die aller andern Schisse zum bestimmungsmäßigen Termin entlassen worden. Heute aber erhalten wir folgendes Telegramm: Berlin, 1. Oktober. Der Kommandant des Kreuzers „Gazelle", Kapitän Neitzke, ist von seinem Kommando enthoben worden. Er erhielt 6 Wochen Urlaub. Neitzke ist bekanntlich derselbe, der am Tage der großen Regatta des kaiserlichen Nachtklubs in Kiel durch die Startlinie fuhr, und alsbald vom Kaiser persönlich 24 Stunden Stubenarrest erhielt, und als er daraufhin sein Abschieds- zesuch einreicbte, wiederum voni Kaiser persönlich ab- chlägig beschieden wurde unter ausdrücklicher Anerkennung einer Tüchtigkeit als Offizier. Man wird aus allem diesen zu schließen haben, daß die Mitteilungen Berliner Sensationsblätter wohl Aufbauschungen gewesen sein mögen, aber doch einen nicht ganz unbedeutenden Kern hatten. Es dürfte noch nachstehender Gerichtsbericht von Interesse sein, der den Blättern aus Kiel zugeht: Zwei Leute von der „Gazelle" standen am Freitag vor dem Kriegsgericht des ersten Geschwaders. Der Oberbootsmannsmaat Mix war wegen Mißhandlung eines Untergebenen, der Obermatrose Ernst wegen Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft angeklagt. Als die „Gazelle" mit den Linienschiffen der Kaiserklasse vor Kadiz ankerte, um die heimtehrende Chinadivision zu empfangen, waren am 2. August Leute mit Kohlentrimmen beschäftigt. Längsseit der „Gazelle" lag ein mit Kohlen beladener Prahm. Der Obermaat Mix befahl dem Ernst, Kohlen zu schaufeln. Da dieser wunde Finger hatte, ging die Arbeit etwas langsam von statten. Mix forderte Ernst auf, schneller zu arbeiten, und schlug vom Deck des Prahms aus den unter ihm stehenden Obermatrosen mit der Faust auf den Kopf. Die Spanier, die die Behandlung des Mannes sahen, lachten, und der Obermatrose rief: „Muß man sich hier noch schlagen lassen!" Der Obermaat befahl dem Ernst, in den Prahm hinunterzugehen. Der Obermatrose gehorchte nicht, sondern antwortete: „Nein, da bin ich meines Lebens nicht sicher!" Der Vorgesetzte gab ihm einen Stoß vor die Brust, so daß beide den Kohlenhaufen hinunter in den Prahm kollerten. Der Obermaat gab an, daß die Leute der „Gazelle" beim Kohlenübernehmen sehr schlapp gewesen seien und der Kommandant ihn sür die Leistungen der Leute verantwortlich gemacht habe. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen Mix 4 Wochen, gegen Ernst 3 Wochen 1 Tag strengen Arrest. Das Gericht verurteilte Mix wegen Mißhandlung eines Untergebenen in einem minder schweren Falle zu 14 Tagen Mittelarrest, da ein Druck von oben auf ihn ausgeübt sei, um bessere Resultate im Kohleneinnehmen erzielen, und dadurch dieser Exzeß zum Teil herbeigeführt worden sei. Der Obermatrose erhielt 4 Wochen strengen Arrest. . Vor dem Bundesrat. Aus Berlin, 30. September wird uns geschrieben: Die Meldung, daß Gras Bülow au einem hohen Beamten geäußert haben soll, er werde die Initiative zu einer Revision des Zolltarifentwurfs ergreifen, war von uns gleich mit Zweifel ausgenommen worden. Eine Notiz der „Nordd. Allg. Ztg." verweist soeben kurz und bündig den „hohen Beamten" mitsamt dem Revisionsentwurf in das Reich der Phantasie. Hoffentlich wird durch dies Dementi nicht ausgesprochen, daß der Reichskanzler einschneidenden Abänderungen des Zolltarifentwurfs abgeneigt ist. Eine Revision in großen Zügen wird' bereits der Bundesrat am Zolltarifentwurf vorzunehmen haben. Seit der unfreiwillig herbeigeführten Veröffentlichung des Entwurfs sind so zahlreiche Stimmen zu Worte gekommen, haben die Interessenten aus den verschiedenen Lagern die Vorzüge und die Schwächen des Werkes so eingehend dargelegt, daß jede der Bundesregierungen, zumal auch nach Anhörung der Sachverständigen, genau anzugeben und zu vertreten vermag, welche Tarifpositionen reformbedürftig sind. Bereits am Freitag, 4. Oktober, werden sich, der „Kreuzzeitg." zufolge, die Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und sür Handel und Verkehr zu einer Sitzung vereinigen mit der Tagesordnung Zolltarisgesetz- entwurf nebst Zolltarif. Man darf gespannt sein, mit welchem Inhalt der Tarif dem Reichstag zugehen wird. Wir glauben allerdings nicht, daß im Bundesrat bereits der D o p p e l t a r i f für Getreide zu Fall kommt, obwohl fast alle Kundgebungen aus Industrie und Handel darin übereinstimmen, oaß der Getreide-Mindestzoll eine gefährliche Klippe bei Vertragsverhandlungen bilde, und obwohl soeben auch der Deutsche Handelstag in Berlin gegen Mindestzollsätze auf irgendwelche Ware sich ausgesprochen hat. Vermutlich wird sich zwar im Bundesrat Opposition geltend machen gegen den Doppeltarif, indessen dürfte diese Opposition nicht stark genug sein, um den Doppeltarif zu beseitigen. Der Vorschlag hat ja auch etwas für sich, dem Reichstag hier das entscheidende Wort zu überlassen. Dann fällt die Schuld einer etwaigen Ablehnung des Doppeltarifs nicht auf die Häupter der Regierung. Würde der Doppeltarif bereits im Bundesrat scheitern, dann entstünde ohne Frage eine „agrarische Bewegung", die selbst diejenige unter Caprivi an Wucht und Umfang noch weit überträfe. Der Mindestzoll für Getreide ist nun einmal zum festen Programm in weiten Kreisen der Landwirtschaft gemacht worden. Man wird es auch denjenigen Mitgliedern der Regierung, die zu einer veränderten Auffassung über den Doppeltarif gelangt sind, kaum verübeln können, wenn sie geringe Lust haben, eine Sturmflut gegen sich heraufzubeschwören. Wie steht Graf Bülow zum Doppeltarif? Auffällig ist es einigermaßen, daß die sensationelle Mitteilung der „Franks. Ztg." von einer kürzlich erfolgten angeblichen Aeußerung des Kaisers: „Der Doppeltarif ist Unsinn, Bülow ist übrigens derselben Meinung", bis heute weder amtlich noch halbamtliche dementiert wurde. Das nimmt umsomehr Wunder, als Graf Bülow anscheinend Gewicht darauf gelegB hat, sich gegen die Behauptung alsbald zu verwahren, daß er die Initiative zu einer Revision des Zolltarifentwurfs ergreifen werde. Die Mitteilung der „Frgnkf. Ztg." hat aber eine weit größere Bedeutung. Der nationalsoziale Parteitag. Der Vertretertag der nationalfozialen Vereinigung des Pastors Naumann ist am Sonntag in F r a n k f u r t a. M. Ausammengetreten. Wir berichten über die Verhandlungen der beiden ersten Tage an anderer Stelle unseres heutigen Blattes. Tie diesmalige Tagung ist die sechste, wenn man die Versammlung von 1896 in Erfurt, in der die Gründung des Vereins beschlossen wurde, als den ersten Vertretertag rechnet. Man hat sich in diesen Tagen zunächst in sehr ent- chiedener Weise gegen den Zolltarisentwurf ausgesprochen. Größere Wichtigkeit als dieser Angelegenheit aber mißt man in nationalsozialen Kreisen der Stellungnahme zu anderen Parteien bei. Naumann gedenkt bei diesem Punkt einen Vortrag über den „Niedergang des Liberalismus" in Deutschland" zu halten. Nationalsoziale Blätter schreiben: „Dieser Punkt der Tagesordnung wird für unsere Bewegung von größter Bedeutung sein: wir werden festlegen, daß wir der Gesamtrichtnng unserer Auffassung nach auf die liberale Seite gehören, aber wir werden auch aussprechen, welche Fehler der Liberalismus in Deutschland unseres Erachtens gemacht hat. Natürlich muß hier auch unser Verhältnis zu den einzelnen Gruppen der Linken zur Sprache kommen." In der Hilfe veröffentlicbt Naumann einige „Leitsätze", in denen eine Neubildung des Liberalismus in >er Weise verlangt wird, daß von den bürgerlichliberalen Elementen „die politische Bewegung der Lohnarbeiter als zukünftige Grundlage der liberalen politischen Organisation anerkannt und die Machtpolitik des deutschen Reiches als Bestandteil liberaler Gesamtpolitik begriffen wird." Dabei rechnet Naumann auf die Bernsteinianer in der Sozialdemokratie, auf seine Nationalsozialen, auf die führenden Kräfte der freisinnigen Vereinigung und auf gegnerische Unterströmungen in den beiden Volksparteien. Tie Nationalsozialen hätten, so wird weiter ausgeführt, anderseits die Pflicht, den marxistischen Radikalismus in der Sozialdemokratie, den bürgerlich-liberalen Doktrinarismus Eugen Richters und die übermächtigen agrarischen Einflüsse bei den Nationalliberalen zu bekämpfen. Dom Burenkriege. Der Kampf um Fort Jtala ist, den neuesten Meldungen zufolge, außerordentlich heftig gewesen. Nach der amtlichen Liste der bei dem Kampf erlittenen Verluste hat der englische Major Chapman mit seiner Abteilung das Fort tapfer verteidigt. Es sind ein englischer Leutnant und elf Mann gefallen, 5 Offiziere, darunter Chapman selbst, und 38 Mann wurden verwundet; außerdem werden 63 Mann vermißt, doch ist von einer großen Zahl derselben bekannt, daß sie tot oder verwundet sind. Auch wurden 153 Pferde und 82 Maultiere getötet. Eine Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus dem Haag erklärt die von dem Pariser Blatte „La Patrie" verbreitete Nachricht, daß zwischen der Königin von Holland und anderen Staatsoberhäuptern eine Verständigung darüber stattgefunden habe, auf Grund deren dieselben dem Schiedsgerichtshof im Haag ihre Unterstützung zusagen würden sür den Fall, daß dieser sich mit dem Protest der Buren gegen die Proklamation Lord Kitcheners befassen würde, für unrichtig. Tie Meldung bezweckt nach der Ansicht der „Post" offenbar, die burenfreundliche Stimmung in Frankreich neu zu beleben. Tas englische Kriegsamt erklärt jetzt offiziell die Meldungen der Blätter, daß Kitcheuer sein Entlassungs- g e s u ch eingereicht habe, für durchaus unbegründet. Es bestand auch keinerlei Reibung zwischen Kitchener und dem Kriegsamt, seitdem ersterer das Oberkommando in Südafrika von>Roberts übernommen hat. Von privater Seite wird aus London telegraphiert: Wie verlautet, dürste der Meinungsaustausch zwischen Kitchener und dem Kriegsamt damit enden, daß ihm die gewünschte freie Hand für die von ihm geplanten drastischen Maßregeln zur rascheren Beendigung des Krieges gewährt werde. Deutsches Reich. Berlin, 30. Sept. Aus Rominten wird gemeldet: Am Sonntag war die Kirche überfüllt. Die Predigt hielt Pfarrer Wangnick aus Dubeningken. Nach dem Gottesdienst besichtigte der Staifer das Kinderheim und das Depot. Um 1 Uhr fand das Diner statt. Hierzu waren geladen Oberlandforstmeister Wesener, die vier Oberförster der Haide, Rittergutsbesitzer Seydel-Chelchen und Pfarrer Wangnick. Am Nachmittag machte der Kaiser eine Spazierfahrt durch die Haide und hörte dann den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes. — Generalfeldmarschall Graf v. Waldersee wird mit seiner Gemahlin am 5. Oktober in Hannover eintreffen. Am Sonntag nachmittag findet ein Festzug der Kriegervereine des Bezirks Hannover-Linden nach der Villa des Feldmarschalls statt, an dem sich 73 Vereine beteiligen werden. Hieran schließt sich am Abend ein Festkommers im Kriegerheim, zu dem der Generalfeldmarschall sein Erscheinen zugesagt hat. An dem Kommers werden sich die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden beteiligen. — Dem Obersten v. Norman«, Kommandeur des ersten ostasiatischen Infanterie-Regiments, wurden die Schwerter zum Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schleife verliehen. — Katholische und evangelische Politiker, u. a. der Fürst zu Löwenstein, laden zu einer Besprechung der Zweikampfsfrage für den 19. Oktober in Leipzig ein. — Der Deutsche Handelstag unter dem Vorsitze des Geh. Kommerzienrats Frentzel-Berlin ist heute zur Beratung über das Zvlltarifges etz zusammengetreten und von Geheimrat Wermuth in Vertretung des Staatssekretärs Dr. Graf v. Posadowsky begrüßt worden. Ter Handelstag nahm mit allen gegen die Stimmen von Metz und Saarbrücken den Ausschußantrag zu Paragraph 1 Absatz 2 an, welcher verlangt, daß Mindestzoll sä tz e für Getreide ebensowenig wie für andere Waren einzuführen sind. Unter den angenommenen Anträgen befinden Nch ferner die Anträge, daß auch im Zollkriege keine Wertzölle zu erheben sind mit dem Zusatz, daß Kampfzölle im Falle mangelnder Zustimmung des Reichstags zurückzu- zahldn find; ferner, daß für einige bisher zollfreie Land- wrrtschaftserzeugnisse, falls sie zollpflichtig werden, Ein- fuhrsche-me und Transitlager einzuführen sind und daß die Errichtung und Beibehaltung der gemischten Transitlager für Getreide nicht $u erschweren sind; daß Zollstundung für Getreide ebenso tote für die anderen Waren beizubehalten ist. Ter Handelstag stimmte ferner ausdrücklich der Bestimmung des Gesetzes zu, wonach der Zeitpunkt des Jn- krakttretens durch kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats festzusetzen ist. Angenommen wurde dann der Antrag des Kommerzienrats v. Pfister-München, demzufolge der Abschluß langfristiger Handelsverträge mit weitgehender Bindung niedriger Auslandszölle im Gesamtinteresse aller Berufsstände für unbedingt geboten gilt. Ter Handelstag erklärt sich mit größter Entschiedenheit gegen Festlegung von Mindestsätzen im Zolltarif, erhebt- schwere Bedenken gegen Erhöhung, Neueinführung von Zöllen auf Rohstoffe und Lebensrnittel und tritt daher mit Nachdruck dafür ein, daß Lebensmittelzölle im neuen Zolltarif keinesfalls die bestehenden des allgemeinen Tarifes überschreiten. — Wie engische Blätter melden, soll die deutsche Negierung wegen Anlegung einer Kohlenstation in Holländisch-Jndien, und zwar auf der Insel Palo Way verhandeln. Es soll Aussicht vorhanden sein, daß der beabsichtigte Terrainerwerb in kurzer Zeit zu stunde kommen werde. Bremerhaven, 30. Sept. Der Hamburger Dampfer „Silvia" landete heute die zweite Batterie schwerer Feld- haubitzen, die 3. Pionier-Kompagnie, das Eisenbahn-Bataillon, das Pferde-Tepot, das Bekleidungs-Tepot, die Etappen-Munitionskolonue, das Train-Aufsichtspersoual und das Etappen-Magazinpersonal, zusammen 22 Offiziere und 995 Mann. Außerdem führte der Dampfer die Leiche des Ober-Leutnants v. Heynitz mit. K ö l n, 30. Sept. Der Verein d e r I n d u st r i e l l c n des Regierungsbezirks Köln beschloß an den bisher Vertretenen Grundsätzen des Zusammengehens mit der Landwirtschaft festzuhalten und aus diesem Grunde ffgen die rm Zolltarifentwurf vorgesehenen Mindestsätze Nicht gründ)ätzlich Einwand zu erheben. Die /^nächtigte ote Delegierten des Vereins, in ^hiJhriU?rtOer^am? ctn9 Zcmralverbandes deutscher Jndu kneller tn diesem Sinne «uv auszusprechen. Wim, 30. Sept. Das deutsche ostasiatische Ba- PerfonalNachrichten. Der Großherzog hat den prakti- üom 1. Oktober zum Leibarzt ernannt. Ferner den Geh. Aussagen. Sie sagte etwa folgendes aus: „Kurz vor Weih Auch in diesem Falle sollen die beiden Eheleute ihre Dienstmagd angestiftet haben. Am 16. Mai vor der Strafkammer vernommen, setzte sich die Schneider mit ihren Bekundungen in wesentlichen Punkten mit den Angaben anderer Zeugen, ja sogar mit den Angaben des Angeklagten in Widerspruch. Trotz eindringlichster Ermahnung blieb das Mädchen bei ihren nachten befand ich mich mit den Bremser Streck'schen Ehe- Leuten und deren Tochter Erna in der Biermann'schen Wirtschaft. Erna Streck ging im Zimmer auf und ab, während Frau Streck sich mit einem der anwesenden Gäste unterhielt. Erna ging mit Heinrich Biermann hinaus. Beide blieben Münch en, 30. Setzt., Prinz Tschun setzte heute die Reise nach Genua fort. Ausland. Erinnerung bewahren. *• Jubiläum. Vor einigen Jahren konnte der tüchtige Gasmonteur Konrad Heller auf eine 30jährige Dienstzeit im hiesigen Gaswerk zurückblicken. Am 1. Oktober kann dasselbe Jubiläum der Monteur Ludwig Friedrich im Dienste des Gaswerks feiern. Herr Friedrich hat sich während dieser langen Zeit als ein pflichttreuer, gewissenhafter Installateur bewährt. Wie seinerzeit sein Kollege Heller hat auch er die volle Anerkennung seiner Tüchtigkeit von Seiten seiner Vorgesetzten gefunden, die ihm am heutigen Tage die besten Glückwünsche darbrachten und die Hoffnung aussprachen, daß der Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren in voller Gesundheit seines schönen Berufes walten möge. " Aus dem Theaterbureau. Morgen (Mittwoch) wird als zweite Vorstellung der Saison Lessings „Minna von Barn Helm" gegeben. Die Erstaufführung des neuen Feydeau'schen Schwankes „Die Dame von Maxim" ist für nächsten Freitag angcsetzt. *• Seltene Naturerscheinung. Gestern abend zwischen 7 und 8 Uhr konnte man am nördlichen Hnnmel bei starkem Nebel und einer Temperatur von 10° R. starkes Wetterleuchten beobachten. - Rohheit. Als am Sonntagabend gegen 7 Uhr zwei mit Personen besetzte Wagen eines hiesigen Einwohners, vom Schiffenberg kommend, das Schiffenberger Thal passierten, wurden sie von einer Schar Jungen, im Alter von 10 bis 12 Jahren stehend, derart mit Steinen beworfen, daß man anhalten mußte. Ein kleines Kind wurde am Kopf getroffen, glücklicherweise ohne eine Verletzung davonzutragcn. Leider gelang es nicht, die Namen der „Helden" festzustellen, da sie sofort Reißaus nahmen. Eine gehörige Tracht Prügel wäre gewiß das beste Mittel gewesen, um den Jungen für die Folge die Lust zu solchen Rüpeleien auszutreiben. ** Schlägerei. In der Nacht vom Sonntag auf Montag gerieten Gäste in einer Wirtschaft an der Marbnracrstraße wegen eines geringfügigen Vorfalls in einen Wortwechsel. Dieser setzte sich fort, nnd wie das so zu konunen pflegt, entspann sich aus dem Skandal eine schlimme Schlägerei. Als Angriffs- und Verteidigungswaffen benutzte man Zaunlatten. Bekannte 7 Gießener Raufbolde, die Latten von den Zäunen abrissen, und andere 17 Beteiligte, teils Wwsccker, teils Gießener konnten ermittett werden. Sie wurden zur Anzeige gebracht. •• Ueberfahren. In der Hammstraße wurde gestern Abend ein Kind überfahren. Den Fuhrmann trifft feine Schuld; das Kind lief in das Fuhrwerk hmem. Es kam ohne Verletzungen davon In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts wird ver- assistenten in Worms, den Geometer 1. Klasse Keil zu Heppen- handelt gegen Marie Schneider, Gust. Heinr. Biermann und heim als Katastergeometer, den Forstassistenten Fuchs zu dessen Ehefrau, sämtlich aus Gießen, wegen Meineids und Lorsch zum Oberförster in Groß-Steinheim vom 1. Okt. ab, Anstiftung hierzu. Den den Angeklagten zur Last gelegten den Forstassessor Walter zu Darmstadt zum Forstassistenten Verbrechen liegt folgender in der Voruntersuchung festgestellter vom 1. Okt. ab und den Expeditionsgehilfen Mai ausDarm- Thatbestand zu Grunde: Im April reichte Biermann beim stadt zum Stationsassistenten ernannt. hiesigen Amtsgericht eine Klage gegen den Bremser Friedrich ** Tagesordnung für die Stadtverovd- Streck ein, in der die Verurteilung desselben zur Zahlung neten-Versammlun g am Donnerstag, den 3. Oktober von 25 Mk. mit der Begründung beantragt war, daß Streck 11901, nachmittags halb vier Uhr. L Rech- feine Wohnung in dem Bi°rm°nn1chen Haufe Bleichstraße b ^ngsabschlu^fur^das - unbW-ss« die ihm vom Vermieter rechtzeitig per 1. April gekündigt Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule für worden sei, bereits am 1. Februar verlassen hatte, ohne die 1900/01. 4. Wiederherstellung des alten Rat- Miete für den März zu begleichen. Streck behauptete, das Hauses, Bewilligung von Nachkredit. 5. Fort- Mietsoerhältnis sei bereits Ende Januar auf Grund gegen» j^ung der Gas- und Wasserleitung am Brandplatz nach den fettigen Uebereinkommens gelöst worden. Für die Thatsache, .Däusern von Birkenstock & Schneider. 6. Fortsetzung der daß Biermann dem Streck die Wohnung rechtzeitig und ord-1 Gasleitung in der Frankfurterstraße für das Uebernacht- nungsgemäß zum 1. April gekündigt habe, wurde die An- ungsgebäude der Bahn. 7. Gesuch um Fortsetzung der Gas- aeklaate Marie Schneider als Zeugin benannt, die vom Amts- und Wasserleitung in der Schottstraße. 8. Wasserversorgung aericht Gießen am 1. Mai eidlich vernommen wurde. Sie der Gärten am alteni Steinbacherweg^und am Nahrungsberg, faate u. a. aus, daß sie gehört habe, wie Biermann dem Gesuch der Ferdinand Gail Erben um Erlaubnis zur 1 ar -r Anlage Liner Privatstraße zwischen der Wilhelmstraße und Streck auf den 1. April gekündigt habe und zwarungefährL projektierten südlichen Parallelstraße. 10. Die ehemals mit den Worten „ich kundige Ihnen die Wohnung aus den Güngerichsche Hofraite auf dem Seltersberg; hier: Ver- 1. April". Auf Grund dessen wurde der Bremser Streck vom breiterung der Klinikstraße. 11. Ausbau der Bahn- Amtsgericht nach dem Klageanttag verurteilt. Die Aussage I h 0 s st r a ß e; hier: Eingabe von Gustav Bergen. 12. Gesuch der Schneider soll der Wahrheit nicht entsprechen. Das | des Adolf Bieler um Erlaubnis zur Anbringung eines Mädchen stand bei Biermanns in Dienst. Nach ihrer Angabe soll Firmenschildes. 13. Gesuch des Franz Hewel um Erlaubnis B zu ihr gesagt haben, er habe sie als Zeugin dafür angegeben, zur Ausstellung von Grabdenkmälern in seinem Borgarten, daß er den Strecks die Wohnung gekündigt habe. - Ein weiterer Gesuch des L. Frees um Ermäßigung der Abgabe für die Fall des Meineides und der Anstiftung dazu liegt nach der Wasserhalle am Neustadterthor lo. Gesuch der hiesigen a< r x < ar 1 a 1 m1 i e n ft m a n n e r um Ueberlastung eines öffentlichen Anklage m folgendem. Am 14. Mar stand der fahrige zwecks Aufstellung ihrer Wagen. 16. Bau- Sohn der Angeklagten Biermann Eheste, der Schreiber ^such des Karl Huhn für die Goethestraße. 17. Abtretung Hemr. Biermann, vor der Strafkammer Gießen unter der An- Don Gelände zur neuen Kaserne. 18. Unterhaltung der klage, daß er am 31. Dezember v. I. zu Gießen sich an der Wehre; hier: Kostendekretur. 19. Herstellung an der vor- 4jährigen Erna, Tochter des Bremsers Streck, vergangen habe. mals Nolteschen Hofratte an der Licherstraße. 20. Unterhaltung der städtischen Wiesen; hier: Beschaffung des künstlichen Düngers. 21. Verlegung der Bureauräume des Stadtbauamts in das Tbaersche Haus. 22. Die Anstellung der Feldschützen; hier: die Zuteilung der Bezirke. 23. Gesuch des Vorstandes des Verbandes der Hilfsschulen Deutschlands um Bewilligung eines Beitrags. 24. Gesuch des allgemeinen deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege um Gewährung eines jährlichen Beitrags. 25. Die Fortbildungsschule; hier: (Anrichtung einer weiteren Unter» richtsstunde und rpent, Teilung vpy Klyssen- 2$. Beschaffung ungefähr 5—10 Minuten draußen. Auf die Frage der Frau Streck nach Erna suchte Frau Biermann Erna, Marie Bier- taillöN passirte gestern nachmittag Prer-u nnd wurde non I "°nn und ich gingen hinterher. Als ich vor der Wirtsstube den Offizieren des 10. Dragoner-Regiments, dem Komman- war. kam Hemr. Biermann mit dem Kmd bte treppe bauten des ersten Korps. Feldzeugmeister Freiherrn Atbori. h-runter «-siche-nend non der Bedürfnisanstalt her. sowie den Spitzen der Behörden empfangen. Albori hielt eine 8rau streck brachte die etwas ,n Unordnung geratenen Kleider Ansprache, worin er seine Freude ausdrückte, das Bataillon ^er Tochter m Ordnung. Am anderen -rage teilte nur begrüßen zu können und zur Heimkehr nach glänzenden Waffen- Fra« Streck mit daß Hemr,ch Bormann Unsinn nut dem thaten beglückwünschte. Er bat die Gäste, der tämeradschast- P^e gemacht habe. Nach meiner Meinung fit es am Sonn- l.chen Gesinnung des ersten Korps der ganzen österreichisch- '->3- nicht am Sylueftertage gewesen. Ich bm nicht beeinflußt ungarischen Armee versichert zu fein. Nach dankender Er- worden, msbesandere nicht van Herrn Biermann. - Dem- widerung des Bataillons - Kommandeurs Förster und nach ?-g°nuber Itellte die Straf ammtr m der Vernehmung am Vorstellung des Offizierskorps erfolgte die Bewirtung der st Ma, auf Grund der Angaben des Hemr. B.ermann und Mannschaften, während die Offiziere des Bataillons von den °uf Grund der ubngen Zeugenaussagen fest: Am Sylvester- österreichischen Kameraden zur Tafel geladen waren, woran stb°nd 1900 — einem Montag waren die Eheleute auch der deutsche Mlitäratachee Major Bülow teilnahm. Streck mit ihrer Tochter Erna >n> der Biermann chen W,tt- Albori hielt während der Tafel nochn.als eine Ansprache, worin ^^^.e Cheftau Streck vermißte zwischen k-7 Uhr abends er die deutschen Gaste begrüßte, worauf Major Förster für Töchterchen, das bis dahm noch .n der Wirts tube war. den glänzenden Empfang der deutschen Truppen auf öfter- Sie ftagte ihren Ehemann nach dem Verbleib des Kindes, reichisthem Boden dankte und mit einem Hoch auf Kaiser Franz Frau Streck suchte nun nach ihrem Kmde. An der treppe Joseph schloß. Nach herzlicher Verabschiedung, wobei Albori °°rn°hm sie em le.seS Wimmern. Als sie den Namenihres von dendeutschen Mannschaften em dreifaches stürmisches Hoch st'^es r.es, antwortete dieses aus der Bedürfnisanstalt aus dargebracht wurde, erfolgte die Abfahrt des Bataillons. - °'^°-d Hemnch »ermann trat mit der Erna Auf d> JnWeißtirch wurde dasselbe noch von den Offizieren der dor- Frage der Mutter: „Was hast Du denn gemacht, Heinrich?" ttgen Kadettenschule begrüßt und in Oderberg zum letzten male S«b dieser keme Antwort, sondern sprang lachend dw kreppe aus österreichischem Boden bewirtet, worauf das Bataillon das stmauf Das Kmd aber gab an, es se, von Hch B ermann ö terreickiische Gebiet verließ durch Zucker auf den Abort gelockt worden. Dieser habe °”&r Ten Wb des 2. deutschen ostasiatischen W das ihm zur Last gelegte Verbrechen begangen. Bataillons m Oderberg, der letzten österreichischen Station, Nach anfänglichem Leugnen hat d,e Angeklagte Schneider ge- wird von dort gemeldet: Als die deutschen Mannschaften hier siand-n daß der von ihr vor der Strafkammer am 16. Ma, anlangten, wurden sie von einer vieltausendköpfigen Menge geleistete E,d wissentlich^ falschi se, S,e beschuldigt die nut. mit stürmischen Hurrahrufen begrüßt. Nach einer Ansprache Angeklagten Biermannfchen Eheleute, daß diese sie zu der des Bürg/meisters Partenschlag wurden die Mannschaften Aussage durch Zureden angestiftet hatten. Die bewirtet; für die Offiziere fand im Bahnhofsgebäude ein Schneider will zu dem, was sie vor Gericht aussagen soll, Mahl statt an dem auch der Bürgermeister teilnahm. Als °°n Biermann sowohl nue von dessen Frau instruiert worden der Zug, welcher die deutschen Krieger über die Grenze 1°™-. Nach dem Ankl-gebeschluß werd dem Dienstmädchen bringen sollte, vorgefahren war, brachte Major v. Förster M°r,e Schneider zur Laft gAegt, daß sie durch zwei selbst- ein Hoch auf fiaifer Franz Josef aus, 'voraus der Bürger- 't°nd'ge Handlungen emen Meme.d geleistet hat und zwar: meister mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. erwiderte. »"> 1-®l« °°'bein Amtsgericht Gießen b) am 14 OTat Beide Ansprachen fanden begeisterten Widerhall. Daraus °°r dem Landgericht G,eßen Es werden femer beschuldigt: setzte sich der Zug zur Fahrt in die Heimat in Bewegung. »> der Wirt Justus He,nr,ch B.ermann, b) dessen Ehefrau, W- fchau, 30 Sept. Der Zar empfing nach der Pa- d°ß sie gememsam und iedes für sich durch zwe, sAbstand.ge rade ,n Skiemiewiee eine Abordnung des polnischen Adels Handlungen d,e Schneider zu den Meme.den vorsätzlich be- und kam hierbei auf die Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Wystiten zu sprechen. Er äußerte sich dahin, daß es cx nnh ein gutes Zeichen sei, dessen man eingedenk sein solle, AlllVI HUV AUNU. wenn sich der Herrscher des Nachbarlandes für die Vorgänge (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten in Wystiten bezw. im Grenzgebier so lebhaft interessiere. Die ist nur unter genauer Quellenangabe, „Gieß gestattet.» Mitglieder der Abordnung hatten den Eindruck, daß der ZarI Siegen, den 1. Oktober 1901. die Handlungsweise Kaiser Wilhelms als einen Akt beson- . . -, , . _ -, be.ren Wohlwollens für Rußland betrachte. Die Mit- schen Arzt Dr. Friedrich Happel m Darmstadt mit Wirkung ...... I v« A I Ft Kam a I ■ U A t k A V ’uA W* AV AAM I SS A weiterer Räume für die Volksschulen,- füD ne höhere und erweiterte Mädchenschule. 27. Die Rech^ nuna der Löberschen Stiftung für ^00/01. 28. Voranschlag derselben Stiftung für 1901/02. 29 Gesuch des Wilhelm grenzet um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb int Hause BleiMraße 5. 30. Des gl- des Max Jaskowsky im Hause Wallttwrstraße 5 31. Des.gl. des W. Meyer im Hause ®run» 6e?aXa6e 27 32. Gesuch des Gustav Trinkaus um Er- laWs zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Seltersweg 50. 33 Gesuch des Wilhelm Amend um Erlaubnis zur Ver- größerung seines Wirtschaftsbetnebs im Hause Bahnhof- ^^6-. ^er KanaNsationsanlage in Marburg. Die von dem O r ts g e w e rb e-Ver ein Gießen veranstaltete Besichtigung der Kanalisationsanlage unserer Nachbarstadt Marburg fand gestern unter Teilnahme von etwa 40 Herren, darunter mehrerer Stadtverordneter statt. Die Besichtigung erfolgte unter ^uhrung des Vize-Bürgermeister Siebert und des Beigeordneten Sch impf und unter sachkundigster Erläuterung des Reg.- Baumeisters und Magistratsrats Sardern ann und zwar von dem Beginn auf dem Schloßberge an bis zum Erguß des geklärten Wassers in die Lahn, wobei wahrend einer viereinhalbstündigen Wanderung alle Konstruktionsteile von Bedeutung frei gelegt, besichtigt und dabei teilweise bestiegen wurden. Ueberall wurde die Einrichtung aufs eingehendste erklärt und darnach in Betrieb gesetzt. Zahlreiche aus der Versammlung aufgeworfene Fragen wurden hierbei von dem Vortragenden in entgegenkommendster Weise beantwortet. Die Eigentümlichkeiten des Marburger Berg- und Thalgebiets, des dort zur Anwendung gekommenen Trennsystems, die Schutzeinrichtungen (Sicherheitsverschlüsse) gegen Hochwasser der Lahn ut bet Tiefstadt, die Notauslässe und Stichkanäle, die Einrichtung des Spüldienstes, des großen Sandfangs, die Ventilationseinrichtungen u. v. a. boten Anlaß zu interessanten (SrorUr» ungen. Einer besonderen Würdigung seitens der Besucher erfreuten sich die Kläranlagen mit ihren Filter-Einrichtungen und dem Riensch'schen Rechen, der vor den Augen der Teilnehmer interessante Proben seiner wichtigen Aufgaben ablegte. — Nachdem schon während des Rundgangs auf der norm. Bopp'schen Terrasse, von der man einen herrlichen Ausblick auf die malerisch gelegene Stadt hat, ein Stärkungsschoppen eingenommen war, wöbet Vtze- Bürgermeister Siebert, der verdiente Ehrenbürger der Stadt Marburg, die Besucher aufs herzlichste willkommen hieß, machten die Teilnehmer nach des Tages Arbeit vor der Heimfahrt noch ein Stündchen Rast in dem schönen neuen Restaurant „Frohnhof". Hier machte Magistratsrat Sardemann noch sehr schätzenswerte Mitteilungen über dte Baukosten der Anlage (die Gesamtbaukosten betragen bis, heute 1075 000 Mark lohne 60 000 Mk. Bauzinsenj mit den neuen Stadtteilen, — für die Altstadt allein 880 000 Mk.), sowie über die Anschlußkosten der einzelnen Grundstücke: und die baupolizeilichen und hygienischen Vorschriften hinsichtlich des durch die Hausentwässerungsanlagen veranlaßten regen Jnstallationswesens. — Namens der Exkursionsteilnehmer, insbesondere des Ortsgewerbevereans Gießen, dankte Direktor Bergen dem Magistrat der schönen Schwesterstadt Marburg für ihre freundliche Einladung und für den Willkomm en grüß des Vizebürgermeisters Siebert, ganz besonders aber dem freundlichen sachkundigen Führer Magistratsrat Sardemann für seine lehrreichen allen verständlichen und ausführlichen Darbietungen bei der Besichtigung der so interessanten Ka- iialisationsanlage. — Ganz besonders hervorzuhebcn sei die objektive Art der Darstellung des Vortrageuden gewesen, dessen auch durch Bau und Betrieb gemachten Erfahrungen wertvolle Fingerzeige enthielten für Städte, die fernerhin 1 bauen. Das schöne sreundnachbarliche Verhältnis zwischen ' den von Alters her durch besondere Bande verknüpften ’ Städte Marburg und Gießen möge immer sortbestehen^ : und ein edler Wetteifer möge in beiden Städten der 1 Pflege der Wissenschaft und Kultur, wie den nützlichen, das! i Gemeinwohl fördernden Arbeiten dauernd gewidmet bleiben. - — Alle Teilnehmer werden dieser Exkursion eine dankbare teilungen beruhen auf Erfindung. . r ..... (Santo« (Ohio), 30. Sept. Ein Wächter an dem Grab- Oberfinanzrat Bittel unter Anerkennung seiner langiahrigen, aewölbe, in dem Mae Kinleys Leiche beigesetzt ist, treu und erspneßsich geleisteten Dienste auf sem Nachsuchen . namens Teprend schoß gestern Nacht auf einen Mann, der in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das sich in der Nähe des Grabes in verdächtiger Weise zu Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen schaffen machte. Der Schuß wurde aber glücklicherweise durch verliehen. — Der Großherzog hat den Steuerkommissar in einen anderen Mann zur Seite gelenkt, welcher aus entgegen- 6Ürth Hübner vom 1. Okt. an nach Ober-Ingelheim verhetzter Richtung kam und mit einem Messer auf Deprend setzt, den Steuerkontroleur Regierungsassessor Mees m Mamz einst ach wobei dem letzteren die Kleider zerschnitten zum Steuerkomnnssär m Fürth, Regierungsassessor Lorenz wurden In dem nunmehr entstehenden Handgemenge kam aus Darmstadt zum Steuerkommissarlatsassistenten m Mamz, Deprend zu Fall und trug leichte Verletzungen davon, den Regierungsassessor Kn ab aus Hofheun zum Steuerkon» Die beiden Männer entkamen. Man glaubt, es habe sich troleur vom 1. Okt. an, den Hauvtsteiieramts^ um Leute gehandelt, die aus dem Gefängnis m Canton ent- Worms Frey zum Revifionskontroleur m Offenbach, den fnrimaen waren Flnanzasptranten Schlegel aus Darmstadt zum Hauptsteuer- » i— । । । ■ । । i , ।.j.ssss amtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Gießen, den Finanz- litrirmtirPrirhf aspiranten Schill aus Darmstadt zum Hauptsteueramts- !assistenten bei dem Hauptsteueramt Gießen, den Finanz- m. Gießen, 1. Oktober. I aspiranten Wißner aus Bingen zum Hauptsteueramts- Verhaftung. Heute Nacht wurde in der Frankfurterstraße ein obdachloser Schneider wegen fortgesetzter Ruhestörung verhaftet. 8. Wiefeck, 1. Okt. Die bekannte Wirtschaft von Karl Dorfeld hier wurde von einer Brauerei aus Lauterbach angekauft. Der Preis beträgt 34 500 Mark. R. Garbenteich, 30. Sept. Zum Bürgermeister wurde der Beigeordnete H. Kissel II. mit 95 Stimmen gewählt. Kaufmann Balth. Häuser erhielt 22 Stimmen. § Butzbach, 29. Sept. Der von dem Kaiser!, deutschen Konsulargericht zu Shanghai im Juli wegen Eigentumsvergehens zu l1/, Jahr Gefängnis verurteilte Zimmermann aus Bessungen (Hessen) — wir berichteten s. Z. von dem Fall — wurde vorgestern zur Strafvollstreckung in das hiesige Zellengefängnis durch zwei Unteroffiziere eingeliefert. — Zu den wenigen Orten, in denen Kommunalabgaben nicht erhoben werden, ist dieses Jahr die Nachbargemeinde Ebersgöns gekommen. Friedberg, 1. Okt. Der Steuerkommissär Regierungsrat Dr. Franz Knell wurde vom Großherzog damit beauftragt, die Stelle eines vortragenden Rates im Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, zu versehen. Ober-Rosbach v. d. H., 30. Sept. Ueber den Unglücksfall auf der hiesigen Eisen- und Manganerzgrube, von der wir in Nr. 229 telegraphisch berichteten, werden jetzt einige Einzelheiten bekannt, die wir nach der „Butzb. Ztg." wiedergeben. Schacht 51, der eine Tiefe von ca. 60 Meter hat, steht seit einigen Tagen nahezu 30 Meter unter Wasser, da an den Pumpen, einer festliegenden und einer Senkpumpe, Verdichtungen versagten. Als verschlimmernder Umstand tritt noch hinzu, daß die Senkpumpe, deren Hauptzweck mit ist, dem Wasserspiegel angepaßt zu werden, befestigt wurde, damit sie durch die heftigen Stöße keinen Schaden nehme. Die Wasser kamen größtenteils durch eine in den Kall geschossene Strecke, die durch eine Thüre verschlossen werden kann, zur Zeit aber geöffnet war und so durch Holzpfeiler offengehalten wurde, daß sie im Notfälle nicht leicht geschlossen werden konnte. Um der Wasser durch eine neueinzulassende Senkpumpe Herr zu werden, waren seit Sonntag zwei Taucher an der Arbeit, die an der Abschlußthüre befindlichen Stützeu zn entfernen und somit den Abschluß der Streckenwasser zu bewerkstelligen. Der eine der beiden Taucher ging schon zum sünftenmale an sein schwieriges Werkl An den Tagen vorher war keiner der Taucher länger als eine halbe Stunde infolge der Tiefe und des Wasserdruckes an der Arbeit geblieben. Nach einer Stunde gab der Taucher das Signal, „langsam aufziehen". Sofort dem Zeicheu folgend, zeigte sich jedoch, daß das LuftzuleitungSrohr eingeklemmt sein müsse, da es nicht nachgab. Als man nun an der Notleine, die am Gürtel des Tauchers befestigt ist, aufzog, hatte man das leere Seil in Händen; es war am Gürtel abgeschnitten. Die vier an der Luftpumpe beschäftigten Arbeiter wurden abgelöst, damit dem in Lebensgefahr schwebenden Taucher genügend Lust zugeführt werden könnte. Nach zwei bis drei Minuten gab auch das Lustzuleitungsrohr, an dem man von Zeit zu Zeit zog, nach, nach wenigen Sekunden zeigte sich das untere Ende, auch das Gummirohr war durchschnitten. Der Taucher- Hat in der Tiefe seinen Tod gefunden. Die Untersuchung wird ergeben müssen, ob eine Fahrlässigkeit oder ein Verbrechen vorliegt. h. Büdingen, 1. Okt. Bei der Verlosung von städtischen Obligationen wurden zur Rückzahlung gezogen: Lit. A Nr. 83 1000 Mk., Lit. B Nr. 88 und 96 je 500 Mk., Lit. C Nr. 20, 55, 89, 153 und 164 je 200 Mk. Darmstadt, 30. Sept. Der Großherzog und die Großherzogin begaben sich gestern mit der Prinzessin Ludwig von Battenberg und dem Prinzen Nikolaus von Griechenland nach Sprendlingen und wohnten dort der Einweihung der Kleinkinderschule bei. *• Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Pohl-Göns wurden bei der Gemeinderatswahl gewählt: Joh. Steiger II. mit 80, Joh. Kollmar III. mit 72, Anton Reuter mit 63 und Anton Will II. mit 64 Stimmen. — In Schotten feierten Konrad Nies und Frau, Katharine, geb. Schumacher, am 28. September das Fest ihrer goldenen Hochzeit. — Wohnhaus und Scheuer des Ehr. Schlörb IV. in Schotten ging für den Preis von 12 000 Mk. in den Besitz de§ Schuhmachers Bopp über. Herr Schlörb hat eine Metzgerei mit Wirtschaft in Laubach gekauft. Kandwittschaft. □ Bom höhere» Vogelsberg, Ende Sept. Nur ganz vereinzelt steht noch Getreide auf Haufen im Felde. Der Bauer ist fleitzia an der Arbeit, die Kartoffeln einzuheimsen. Diese versprachen im Sommer eine gute Ernte. Infolge des anhaltenden Regenwetters Mitte September wurde diese Hoffnung zu nickte, denn nun zeigen sich bei zärteren Sorten bedetckliche Anfänge her Fäulnis. — Das letzte Grummet kam bei den schönen Herbsttagen der vergangenen Woche noch recht gut ein. Der Preis für Grummet ist 3 Mk. bis 3 Mk. 30 Pfg., für Heu 4 Mk. und darüber. Theater, Kunst und Wissenschaft. — Bei der Preisverteilung aus der kunstgewerblichen Ausstellung für Bekleidung in Leipzig erhielten u. a. die goldene Medaille: Prof. Peter Behrens-Darmstadt für Kostümentwürfe zu einem grauen und einem dunkelblauen Kostüm, Frau Prof. Behrens-Darmstadt für den Entwurf eines schwarzen Straßenklewes und für Reformunterkleidung, Frau Clara B l e y- Darmstadt für Ausführung der Behrens'schen Kostüme. Sport. Mainz, 29. Sept. Meisterschaft von Europa über 10000 Mtr. mit Schrittmacher, 3 Ehrenpreise im Wert von 250, 100 u. 50 Mk. Dem Sieger außerdem oer Titel „Meisterfahrer von Europa", sowie ein echt goldenes Ehrenzeichen. Am Start erschienen zehn Flieger u. a. Drescker-Mainz, Bäßler-Hannover, Bettinger, Schmidt- Ludwigshafen, Görtz-Gießen usw. Als Schrittmacher fungierten drei Motorräder und Tandems. Das Rennen war hochinteressant und wurde von Drescher-Mainz in 9 Minuten 26Sek. gewonnen. Kbm folgte als zweiter, 7* Runden zurück, Bäßler-Hannover. dritter wurde B°ttinger.Ludn>igsha,°n Mannheim, 30. Sept. Im Lmdenboffagdrennen stürzten Leutnant v Redwitz und Oberleutnant Schmoller. Ersterer erlitt eine Gehirnerschütterung, die seine Ueberführuna ins Allgemeine Krankenhaus notwendig machte. Schmoller brach das rechte Scklüsselbein, bestieg aber wieder sein Pferd und sicherte sich den ersten Platz. Ferner stürzten noch Leutnant Fürst Wrede, Leutnant fiieiu* und Leutnant Keller, ohne Schaden zu nehmen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 1. Oktober. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,20—1,30 Mk., Hühnereier pr. Stück 0 Pfg., 2 Stück 13—15 Pfg., Käse pr. Sttick 5—8 Pfg,. Käsematte 2 Stück 5—8 Pfg., Erbsen pr. Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Tauben pr. Paar 0,75—1,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,20—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Alk., Enten pr. Stück 0,00—0,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 60—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 64—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg,, Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kqr. 4,00—4,50 Mk., Weißkraut per Stück 14—25 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,00 Alk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 15—20 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd/18—20 Pfg. Dauer der Märktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. September- Wetter Oktober c - a. W** 30. 30. 1. 2 Höchste Temperatur am 29.—30. September + Niedrigste „ „ „ „ t + 2» 9" 736 754,6 |+ 15,5 754,0] + 11,5 753,71 + 10,9 89 99 100 11,7 9,7 9,7 18,7’ 0. 7,8* C. Bed. Himmel Nebel Nebel E.S.E. W. N. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. JB., 1. Oktober. 3'/»% Reiohaanleihe . . 99.80 Kreditaktien.....192.10 30/o do. . , . 90.15 Diskonto-Kommandit . . 169.60 3V,*/o Konsole . . , . 100.20 Darmstädter Bank . . . 113.50 3°/o do. ..... 90.20 Dresdener Bank .... 117.30 3*/80/o Hessen .... 98.20 ' Berliner Handelsgee, . . 130.10 50/0 Italien. Rente . . . 99.10 Oesterr. Staatsbahn . • . 131.90 4% Grieoh. Monopol-Anl. 42.65 Gotthard bahn.....157.00 3Vo Portugiesen .... 25.40 Laurahütte 175.00 30/o Mexikaner .... 25.85 Bochum . ...... 158.60 4Va% Chinesen .... 83.70 flarpener......158.70 Tendenz: ruhig. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Frankfurt a. M., I. Okt. Der national soziale Parteitag erörterte heute das Referat von Prof. Rath gen- Heidelberg über Kolonialpolitik, deren Ziel das Referat in der Entwickelung der wirtschaftlichen Hilfsquellen der Kolonien zum Besten der Gesamtheit und in der Erziehung und Hebung der eingeborenen Bevölkerung steht. Berlin, 1. Okt. Auf dem Festmahl des Deutschen Handelstages betonte der preußische Handclsminister Möller, eine Erhöhung der Getreidezölle werde fich nicht umgehen lasten. Die Regierung befinde sich in einer schwierigeren Lage als feit langer Zeit. Alle Bemühungen müßten aber darauf gerichtet sein, langfristige Handelsverträge zu erzielen. Es dürfte nicht alles aus dem Gesichtspunkte der Erwerbsgruppen verhandelt werden, die dem Handelstage ange- hören. Die Frage, wie weit man mit den Getteidezöllen gehen solle, sei Sache des politischen Instinkts und des Taktes. Berlin, 1. Okt. Die Beratungen des Bundesrats- ausschusses über den Zolltarif werden erst am 8. Okt. beginnen. — Heute tritt in Berlin die Delegiertenversammlung des Centralverbandes Deutscher Industrieller zusammen, um zum Zolltarif Stellung zu nehmen. Gelsenkirchen, 1. Okt. Seit Sonntag ist die Zahl der oni Typhus Erkrankten von 668 aus 687 gesttegen. Der Höhepunkt der Epidemie scheint überschritten zu sein. Daß die Ursache der Krankheit in einem Rohrbruch vor dem verseuchten Hause zu suchen sei, wird bestätigt. Straßburg, 1. Okt. Die 46. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wurde heute morgen unter zahlreicher Teilnahme und unter Beteiligung der Regierung eröffnet. Namens der Staats- regierung begrüßte Staatssekretär v. Köller, namens der Stadt der Bürgermeister und namens der Universität der Rektor Vrof. Spitta die Erschienenen. Mr die Beratungen der verschiedenen Sektionen, denen etwa 80 Vorträge zu Grunde gelegt werden, sind 4 Tage in Aussicht genommen. Gilly, 1. Okt. Der Nation al ko ngreß belgischer Gru- ben-Arbeiter nahm einen Beschlußantrag an, der die von den Grubenarbeitern in Seraing eingenommene Haltung billigt und ihnen finanzielle Unterstützung zusichert, den Vorschlag eines allgemeinen Ausstandes aber ablehnt. London, 1. Okt. Hier find die Pocken ansgebrochen. Wie gemeldet wird, greifen sie immer weiter um fich. Bis gestern Abend waren 182 Falle in den hiesigen Krankenhäusern fcstgestellt. London, 1. Okt. Rach einer Meldung aus Kapstadt ist der nach Kapstadt unterwegs befindliche englische Dampfer „Glanogle" durch eine Feuersbrunst zerstört worden. Die Mannschaften bekämpften das Feuer vier Tage lang und besetzten die Boote erst, als die Kommandobrücke durch eine Explosion in die Luft geflogen war. London, I.Okt. Der „Standard" meldet aus Durban von gestern: Die soeben stattgehabten Wahlen haben das Ergebnis, daß das gegenwärtig im Amte befindliche Ministerium bleibt. Jni Umvotjd-Distrikt erlitten die holländischen Kandidaten eine Niederlage. Paris, I. Okt. Die Regiernng wird zu Beginn der parlamentarischen Session einen Gesetzentwurf einbringen, der dir Forderungen der Grubenarbeiter berücksichtigt. Konstantinopel, 1. Okt. Ein Kabinetsrat trat gestern zusammen, um sich mit der Angelegenheit Lorando zu beschäftigen. Der Großvezier hatte vorher eine Konferenz mit dem Sultan. Man glaubt, daß die Erben Lorandos eine Summe von 200 000 Pfund ausgezahlt bekommen. New-Nork, 1 Okt. Bei dem Angriff auf den Wächter an Mac Kinleys Grabe soll es fich um ein Komplott zur Zerstörung des Grabes gehandelt haben. Peking, 1. Okt. Da der deutsche Gesandte die Bestrafung der Räuber verlangt hat, die im August in der Nähe von Peking einen deutschen Kaufmann getötet haben, wurde ihnen der Prozeß gemacht. Die Schuldigen wurden zum Tode verurteilt. Canton, 1. Okt. Die Untersuchung yar ergeoen, va^^e Meldung von einer beabsichtigten Schändung des Grabes vollständig erfunden ist. Pretoria, 30. Sept. (Reuter.) Tjaart Krüger, em Sohn des Präsidenten Krüger, ist heute nach kurzer Krankheit eftgorben. Er ergab fich erst kürzlich den Engländern. Berlin, 30. Sept. In Plötzensee brach abendU in einer Tischlerei Großfeuer aus. Die Berliner unb» Charlottenburger Feuerwehr bewältigten mit etwa zwölf Dampfspritzen nach stundenlanger Arbeit das Feuer. Berlin, 1. Okt. Die Unpäßlichkeit der Kaiserin ist vollständig behoben. Sie trifft am 5. ds- in Hubertus- stock ein. Breslau, 1. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Dragoner Frost vom Dragoner-Regiment Nr. 8 zu Oels wegen Achtungsverletzung, Gehorsamsverweigerung, Widersetzung und Beleidigung gegen einen Vorgesetzten zu einem Jahre 9 Monaten Gefängnis. London, 1. Okt. „Daily Expreß" berichtet aus Pretoria: Tjaurjet Botha, ein Sohn des Kommandanten Louis Botha sei gerötet worden. —. Aus Bloemfontein» wird gemeldet: Drei holländische Beamte seien verhaftet- worden, weil sie sich in einer Rede scharf gegen die Engländers ausgesprochen hatten. — Die Verlustliste der englischen Truppen in Südafrika beziffert sich für gestern auf 7 Tote, 12 Verwundete, 3 Vermißte und 4 an Krankheiten Verstorbene. In diesen Zahlen sind die Verluste bei Jtalai nicht einbegriffen. — Aus Hongkong wird gemeldet: Tie Mission Balonga in Piang Tung im Nordosten der Provinz Kwan Tung ist von Mitgliedern der Triaden-Banden eingeäschert worden. Die Missionare konnten sich nach Kiw- Jing-Tsai flüchten. Paris, 1. Okt. Die Generale Lebelin, Tionne und Lavcuve gaben ihre Entlassung als Mitglieder des Rates! der Ehrenlegion, um dagegen zu protestieren, daß an Stelle des Großkanzlers der Ehrenlegion, des Generals Tavoust, General Florentin ernannt werde. Barcelona, 1. Okt. Tie Polizei entdeckte hier ein anarchistisches Komplott, welches bezweckte, das Kloster der Benediktiner in die Luft zu sprengen. Prag, 1. Okt. Der Wahlaufruf der Alttschechen befür-4 wortet den festen Zusammenschluß aller tschechischen Parteien, da die Stellung der nationalen Gegner des tschechischen Volkes gegen diese eine schärfere geworden sei. Dey Aufruf betont ferner das Festhalten an dem Staatsrechites und tritt für die kulturelle Fortentwickelung der tschechisch^ Nation, für Abänderung der Landtagswahlordnung, Sanier-, ung der Finanzen des Landes durch eine prozentuale Be^ teiligung des Landes an allen Staatseiuncchmen, ausge-t nommen Zölle, ein. New-Dvrk,1. Okt. Ter Ueb erfüll einer amerikanischem Kompagnie auf der Insel Samar durch 400 Holztväger scheint darauf hinzudeuten, daß die Philippinos durch Mac Kinleys Tod $um Aufstande veranlaßt worden sind. Tie^ Anti-Imperialisten verlangen denn autf) von neuem die- Räumung des Archipels. — In San Franzisko kam es bei dem Schiffs Verladerstreik zu blutigen Kämpfen zwischen Gewerkschaftlern und Streikbrechern, wobei mehrere Tote auf dem Platze blieben. Fünft Hilfspolizisten wurden am Sonntag von 200 bewaffneten Aufständischen angegriffen. Es entstand eine reguläreSchlacht in den Straßen. Eine Person wurde getötet und Ä Wver; verletzt. Canton, 30. Sept. Der Kommandeur der äuf dem Kirchhofe zur Bewachung des Grabes Mac Kinleps' eingerichteten Militärwache äußerte sich dahin, daß er dem Berichte des Soldaten Deprend von dem Ueberfall vor dem Grabe keinen Glauben schenke. E s h o w e (Zululand), 30. Sept. Nunmehr wird weiter 1 berichtet, daß die Buren vor dem Fort Jtala 3Q5 Mann, auf dem Schlachtfelde ließen. Ladysmith, 30. Sept. Der Erfolg der Engländer im Zululand stellt sich jetzt viel bedeutender heraus, als bisher gemeldet wurde. 200 Buren wurden getötet, über 300 verwundet und gefangen. Major Chapmann leistete vorzügliches. Einige Mann der Eingeboren-Polizei wurden getötet. Ein Polizeioffizier und ein britischer Convoi sielen in die Hände der Buren. Ich habe au§ meinen Lagerbeständen eine große Partie 6535 Kinder-Häuben, Kleidchen, Mer, Röcke, Handschuhe, Trikotagen u. Krawatten aussortiert und verkaufe dieselben zu außWiHnlich billige« Preisen. Friedr. Teipel, Markt 16. Gründlichen, gewissenhaften Unterricht im Klavier-u. 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