Nr. 231 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 2. Oktober 1901 B E GietzenerAnzeiger ** Eeneral-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme deS MomagS. Vie Gießener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und den .Blättern iür hessische Volkskunde* iiermal wöchentlich bei- gelegt. Rebafhon, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschlutz Nr.bl. Annahme von Snzeia« Au der für den folgendem Tag erscheinenden Nr. bis vormittag- 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermitt- lungssteuen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. , Zeilenpreis: lokal 12 Ps^ auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Vev» lag der Brühl'schen UniversitätS - Druckerei- (Pietsch Erben). verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Amtlicher Teil. KeKanntmachung. Auf die nachstehende Bekanntmachung weise ich! die Landwirte des Bezirks mit der Empfehlung hin, diese Gelegenheit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht zu versäumen. Der Verein giebt denjenigen, die zwei Winterkurse durchgemacht haben zur Anerkennung je zwei gute Bücher im Werte von mindestens 15 Mark und leistet in geeigneten Fällen außerdem noch eine bare Beihilfe zu den Ausbildungskosten in Höhe von mindestens 25 Mark, soweit die Mittel reichen. Für diejenigen Landwirte, welche lieber in Friedberg oder Büdingen die Schule besuchen wollen, bemerke ich, daß, demnächst auch! bezüglich dieser noch Bekanntmachung ergehen wird. Gießen, 16. September 1901. Der Direktor des landw. Bezirksvereins.r v. Bechtold. KeKanntmachung. Die Generalversammlung hat aufs tiefste beklagt, daß der Besuch der Ackerbauschulen in Alsfeld, Friedberg und Büdingen aus unserem Kreise so gering ifh da die Erwerbung einer tüchtigen Fachausbildung auf diesen bewährten Schulen von größter Bedeutung für die jungen Landwirte ist. Um den Besuchern die Kosten zu erleichtern ist deshalb beschlossen worden, jedem das Schulgeld — 25 Mark für den Kursus zu bezahlen und, soweit die Mittel reichen, noch weitere Zuschlüsse zu leisten. Wir wollen ferner dahin zu wirken suchen, daß die Abendstunden auf den Nachmittag verlegt werden und dadurch auswärtigen Schülern mehr ermöglicht wird, in ihrem Heimatsort zu wohnen. Ich fordere die Herren Bürgermeister auf, emsig auf den Besuch der Schulen bei den Lanowirten ihrer Orte hinzuwirken, und mir die Namen der Besucher aus ihren Orten mitzuteilen. .Gießen, 28. September 1901. Der Direktor des landw. Bezirksvereins: v. Bechtold. Der sechste nattonalsoziale Parteitag tagt seit Sonntag in Frankfurt a. M. Nachdem am Sonntag um 4 Uhr eine Sitzung des erweiterten Vorstandes und der Kontrollkommission stattgefunden hatte, versammelten sich am Abend die Parteifreunde mit ihren Damen im Gewerkschaftshause zu einer Begrüßungsfeier, die durch den Vorsitzenden des Lokalausschusses W. Leinberger eingeleitet wurde. Nach dem Chorlied „Gott grüße Dich" von Mücke, vorgetragen von der Gesangsabteilung des evangelischen Arbeitervereins, ergriff, von lebhaftem Beifall empfangen, Pfarrer a. D. Naumann das Wort. In seiner Ansprache behandelte er die Frage „Woraus berubtdersoziale Fortschritt?" Was uns zusammenhält, so führte der Redner etwa aus, ist die Hoffnung, daß der große Gedanke des Sozialismus in der Weltgeschichte ihre beste und dauerndste Verwirklichung in unserem deutschen Volke findet. Er wies auf die wirtschaftliche Krisis hin, die unser Volk zur Zeit durchzuleben hat und beleuchtete die Gründe, die zu dieser allgemeinen Krisis geführt haben. England hat in seinen Bestellungen nachgelassen, das Abkommen mit China und den Mächten ebenso wie der große Plan der Bagdadbahn und der geplante Mittellandkanal können erst in späterer Zeit ihre eventuellen Früchte tragen, es taucht zur Zeit nichts auf, was als großer Faktor in das Geschäfts- leben hineintreten kann. Was uns vorwärts bringt, ifh daß wir den Glauben an das Aufwärtsstreben grundsätzlich festhalten. Was die Welt erträglich macht, ist der Umstand, daß die Menschen glaubend und hoffend bleiben und ihren Optimismus behalten. Die Welt braucht Optimisten und darum sind wir es. Tas deutsche Volk ist ein aufstrebendes Volk, es hat in den letzten 50 Jahren eine ganz andere Straffheit bekommen, ein Stück nationalen Kraftgefühls ist in die Allgemeinheit hineingekommen. Wir sehen, daß wir in einem Volke drinleben, das nicht Feierabend zu machen gedenkt, das nicht abtakeln wird, sondern dem Kinder neugeboren werden, und mit diesen neuer Wille, neue Arbeit und Möglichkeit, in die Welt hinein zu kommen. Die Möglichkeit ist vorhanden, daß wir nunmehr noch mehr schaffen, als wir bisher geschafft haben in der Durchwirkung des ganzen Volkes im sozialen Geiste. Was uns in der äußeren Politik stärkt, daß wir nämlich mehr Menschen haben, wird auch in der inneren Politik von der allergrößten Bedeutung sein. Neben der wachsenden Menschenziffer entwickelt sich die Maschine. Nicht die Menschen werden durch die Maschine überflüssig, wie man so vielfach glaubt, sondern der Güter werden immer mehr. Man muß den Kreis der Leute erweitern, die diese Wirtschaftsgüter notwendig haben. Tie Möglichkeit, daß mehr Güter durch die Masse ausgenommen werden können, crgiebt sich, falls die Masse selber im stände ist, diese Güter für sich zu gewinnen. Durch die Schulbildung unseres Volkes lönnen wir mehr leisten als andere Völker. Unser deutsches Volk hat etwas von der inneren Anlage, die hoffen läßt, daß man volkswirtschaftliche Probleme im Großen mit und durch das Volk bearbeiten kann, die hoffen läßt, daß unsere ganze Erziehung Zinsen trägt im Volkswohlstände. Darum hoffen wir und hören nicht auf zu hoffen, Optimisten sind es gewesen, die der Welt geholfen haben. Nachdem sich der Beifall gelegt und die Gesangsabteilung „Das deutsche Lied" von Kalliwoda vorgetragen hatte, behandelte Redakteur Damaschke die Frage: „Was kümmert mich die soziale Frage?" Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man annimmt, daß die soziale Entwickelung in unserem Volke aufwärts geht, sie geht, wie ein Vergleich der Reichsstatistik von 1895 mit der des Jahres 1900 bezüglich der Wohnungsnot zeigt, abwärts mit ihr, frißt doch z. B. die Mietsteigerung die Lohnsteigerung auf. Weil wir Deutsche sind, die ihr Vaterland lieb haben und wissen, daß nur ein leiblich und sittlich gesundes Volk in die Höhe kommen kann, deshalb kümmert uns die soziale Frage: „Suche der Gemeinschaft Bestes, in der Tu lebst, denn wenn es der Gemeinschaft gut geht, wird es Dir auch gut gehen." Im weiteren Verlaufe des Abends überbringt Pfarrer Esenwein Grüße aus Württemberg, indem er in humorvoller Weise über die letzten Landtagswahlen berichtete, Herr Scholz solche aus der Gegend an der holländischen Grenze und Herr Hang aus Sachsen. Tie eigentlichen Verhandlungen begannen am Montag Morgen. Es sind 133 Vertreter und 141 Stimmberechtigte da, darunter 10 Pfarrer. Ten Vorsitz führt Graveur Paul Haag aus Frankfurt a. M. Ter Parteisekretär Dr. Maurenbrecher erstattet den Jahresbericht. Durch Angliederung der Lokalvereine ist die Mitgliederzahl bedeutend gewachsen. Nicht so der Bestand der Kasse. Deshalb war man nicht in der Lage, sich an einer größeren Aktion, wie etwa einer Reichstagsnachwahk, zu beteiligen. Immerhin hat man mit möglichst geringen Mitteln einen möglichst großen Lärm gemacht. (Heiterkeit.), „Wir waren es, die zuerst in die Agitation gegen die Erhöhung der Getreide-öl le eintraten. Eine hervorragende Dhätigkrit wurde im Bezirk Marburg entfaltet. Ter „Hessische Landesverein" wurde begründet. Bis in die kleinsten Dörfer wurde agitiert. In Sachsen besteht der „Sächsische Landesausschuß". Am Niederrhein hatten wir weniger zufriedenstellende Erfolge. Besser waren diese im Norden, in Berlin, Schleswig-Holstein usw. Auch in Württemberg wurde kräftig gearbeitet. Dort wurde das vierte nattonal- soziale Preßorgan „Schwäbische Rundschau" begründet. Tie Urprovinz der Nationalsozialen Thüringen, hat wieder viel von sich reden gemacht. Ter Redner Motz mit der Mahnung: Thut Geld in Euren Beutel? Es folgte eine lebhafte Tiskussion, an der sich Redakteur Wenk-Marburg, Parteisekretär Kühlmann-Hamburg, Arbeiter Kokkeking-Gildehaus, Lic. Traub-Dortmund und Tischendörfer-Berlin beteiligen. Kuhlmann spricht über die Schwierigkeit, der getreidebauenden Bevölkerung im Norden die „S ch ä d l ich ke it d e r Er h ö h u n g der Getreidezölle" klar zu machen. Man nenne die Nationalsozialen dort die „Antibündler^ oder „die neuen Freisinnigen". Sic. Traub meint, in Württemberg könne man nicht nur von nationalsozialer Dämmerung, sondern von Licht sprechen. Den „B u n d d er L a n dw i r t e" müsse man stets durch die Frage in Verlegenheit bringen: „Hat der kleine Bauer einen Vorteil von den Getreioezöllen?" Andererseits müsse man aber auch die I n d u st r i e a r b e i t e r auf die wirklichen Interessen der Landwirtschaft aufmerksam machen. Man müsse den Bund negativ und positiv bekämpfen. -4 Schließlich wird eine Resolution angenommen, wonach die Lokalvereine zwei Drittel ihrer Einnahme an den Hauptverein abfuhren sollen. Die „Alkoholfrage" soll auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages gesetzt werden. Dann wird ein Scherbengericht über das „ensent terrible" der Partei, den sozialdemokratischen Renegaten Lorenz abgehalten. München hat seinen Ausschluß aus der Partei beantragt. Cand. med. Hofmann aus München empfiehlt ihm in der Begründung den Anschluß an Kropatschek. Lorenz treibe in der „Täglichen Rundschau" Verrat gegen die Partei. Es wird ein Antrag Maurenbrecher angenommen, wonach es der Parteitag nicht mehr für der Mühe wert erklärt, sich mit einem Mann-e noch zu beschäftigen, bezi sich so weit von der- Partei entfernt habe. Redakteur Wenck erstattet hieraus den politischen Jahresbericht. Er rühmt das Eintreten der Partei für die Marinevorlage und für die China-Politik. Tie Partei habe dabei die äußersten Konsequenzen gezogen aus ihrer nationalen Haltung. Tann kommt Redner zu den Ieuilleton. Von nuferem Stadttheater. Gießen, 1. Oktober. Die Pforten unseres Stadttheaters werden sich nach langer wohlthuender Sommerpause heute abend wieder öffnen. Es ist sonderbar, selbst des eifrigsten Theaterfreundes Interesse für die dramatische Kunst pflegt während der theaterlosen Zeit zu erlahmen, und erst mit dem bevorstehenden Beginne der neuen Spielzeit sich wieder zu beleben. Die Direktion führt diesmal Herr Kruse allein, der nach umfänglichen Abmachungen in diesem Winter die Direktion in St. Gallen zu übernehmen gedachte. Als sich dort aber die Absicht, in erster Linie Operette und Oper zu geben, zerschlug und Lustspiel und Posse dort vornehmlich gepflegt werden sollen, entschloß sich Herr Helm, entgegen dem ursprünglichen Plane, dorthin zu gehen, und Herr Kruse übernahm die hiesige Direktion, Man wird in Gießen diesen Wechsel nicht beanstanden. Zur Einleitung unserer diesjährigen Spielzeit wollen wir uns ein wenig mit dem Aeußeren und dem Drum und Tran unserer Kunstanftalt beschäftigen. Es ist immerhin erfreulich, daß in einer Stadt von der Bevölkerungszahl Gießens der dramatischen Kunst eine ständige Pflegstätte bereitet ist. Obwohl die außerordentlich günstigen Verbindungen mit Frankfurt einem Teile unseres Publikums Gelegenheit geben, den dortigen Kunstgenüssen zn huldigen, zeigt sich bei uns das Theaterinteresse durch respektabelen Besuch der Darbietungen unsrer jeweiligen Künstlerschar, und wir glauben, daß die bescheidene Knospe, als die unser Theater sich heute noch darstellt, unter Umständen zu schöner Blüte sich entfalten könnte. Unser Publikum ist kunstfreudig, begeisterungsfähig, wissensdurstig und nicht zum letzten vergnügungssüchtig, unsere Studentenschaft strebsam und für das Neue in' der Kunst besonders empfänglich. Dieses allein schon ist für das Erblühen eines Theaters nicht wertlos. Unser Theater-Verein bemüht sich unausgesetzt um die Hebung des litterarischen und künstlerischen Sinnes der Allgemeinheit, er ist bestrebt, aus dem reichen und reichmachenden Schatze unserer dramatischen Dichtkunst das zeitweilig Bemerkenswerteste allen Schichten unserer Bevölkerung durch möglichst gute Theatervorstellungen zugänglich zu machen. Dieses Streben ist lobenswert, denn die Kunst ist die Seele des Volkes, die Seele der Kunst aber ist der gute Geschmack des Volkes, ist das Volk. In der gegenseitigen Beeinflussung und Befruchtung ist das Geheimnis des Werdens und Gedeihens enthalten. Freilich, den erzieherischen Wert des Theaters — und wir sprechen hier nicht nur von unserer Stadt — verkennt der größere Teil des modernen Publikums, dem das Theater zu einem Orte geworden ist, an dem man sich ausschließlich vergnügt. Die Aufmerksamkeit ist. zwischen dem'Zuschauerraum und der Bühne geteilt. Während vor zweihundert Jahren die Daiuenrollen auf der Szene von Männern gespielt und noch zu Shakespeares Zeiten Damen nur in Masken den Vorgängen auf der Bühne folgten; während die alten Griechen ihre Damenrollen durch junge Sklaven und Hetären spielen ließen, und ihren Frauen und Töchtern bei Todesstrafe das Beiwohnen der olympischen Spiele verboten, bei denen, allerdings griechisch»- sittlich genug, die männliche Nudität etwas ungeniert zur Geltung kam, ist es heute einfach — umgekehrt. Die Zeit der Emanzipation ist gekommen. Tie moderne Frau spielt im Theater die größere Rolle, — der moderne Mann holt Frau und Dwchter lieber vom Theater ab, als daß er sie dorthin begleitet. Ter Geschmack des Publikums und sein Einfluß, der sich zum Teil in der Besuchsfreudigkeit äußert, muß für die meisten Theaterleitungen maßgebend sein, ohne besondere Rücksicht darauf, daß das Theater erzieherisch zu wirken die Ausgabe und die Macht hat, und darauf,' daß es sich bei der dramatischen Kunst nicht um einen Zeitvertreib für müßige Leute, nicht um Befriedigung der reinen Genußsucht handelt, sondern daß das Theater ein Institut von eminenter Bedeutung für unser modernes gesellschaftliches Leben ist. Nicht mit Unrecht wird das Theater der Spiegel der Zeit genannt. Unter dem Mißverstehen, dem Unterschätzen oder dem gleichgiltigen Uebersehen der dramatischen und der Schauspielkunst leidet das deutsche Theaterwesen überhaupt — die Leitung des Gießener Theaters muß noch obendrein unter besonders ungünstigen Umständen arbeiten. Schwer ist es, keine Satyre zu schreiben über das Aeußere und die Einrichtung unseres Musentempels. Mer könnte behaupten, daß er architektonischen oder gar ästhetischen Gesichtspunkten Rechnung trage! Man könnte das Haus eher für eine Reitbahn als für ein Theater halten in seiner unübertrefflichen dürftigen Nichtigkeit. Für einen Festsaal, wie ihn sich der Besitzer des Cafe Leib gedacht hat, ist er ja vollauf genügend, als Theatersaal aber für eine Universitätsstadt so passend etwa wie ein Oeldruck für eine Gemäldegallerie. Und wenn „in diesen heiligen Hallen" ein Sarastro einmal fein Zauberflötenlied zu fingen hätte, dann würde man sich nicht zu wundern haben, wenn er es nicht bis zum tiefsten E, sondern zu einem musikalisch noch nicht erfundenen O brächte. Wir wollen nicht von der erstaunlichen Komfortabilität unserer Logen reden, von den außerordentlich bequemen Sperrsitzplätzen usw. usw., es steht ja außer Zweifel, daß die ganzen äußeren Verhältnisse unseres Theaters in allen Beziehungen den Wunsch nach einem Musentempel rechtfertigen, dessen Bau ja auch von gewichtiger Seite ernsthaft erwogen wird. Wie wir hören, hat unlängst eine gemeinsame Sitzung von Saalbau- und Theater-Verein stattgefunden, in der der Antrag angenommen wurde, daß Erkundigungen eingezogen werden mögen, in anderen Städten sowohl wie bei Architekten, auf welche Weise sich die Vereinigung von Konzertsaal und Theaterraum nebst den entsprechenden Nebenräumlichkeiten in einem Gebäude Herstellen ließe. Ter Theater-Verein hat die dazu erforderlichen Mittel aus seinem eigenen Fonds zur Verfügung gestellt, der Saalbau-Verein jedoch soll sich dagegen ziemlich ablehnend verhalten haben; sein Streben geht eben einzig und allein auf einen Saalbau hinaus und alle Theaterbaubestrebungen sind ihm gleichgiltig. Wir meinen allerdings, daß ein solches Verhalten, ein passiver Widerstand gegen ähnliche Bestrebungen ihn selber nie zum Ziele führen wird, daß vielmehr ein einiges Hand- in Handarbeiten beider Vereine durchaus notwendig ist, wenn man etwas ernsthaft erreichen will. Uebrigens haben dieser Sitzung auf Einladung auch beiden Vereinen fernstehende Mitglieder unserer Bürgerschaft beigewohnt, die Presse dagegen hat man verwunderlicherweise übergangen, obwohl man schließlich von ihr wie in so vielen anderen Tingen wesentliche Mitarbeit verlangt. Einzig im Interesse des Fortschrittes dieser Arbeiten bedauern wir dieses Ueber- gehen, werden aber selbstverständlich fortfahren nach unseren Kräften der Erreichung dieses Zieles znzustreben. GetrcidezMen. Tie Partei bekämpfe die Agrarier und die Schutzzöllner im industriellen Lager. Besonders scharf geht Wenck den „Gebildeten ohne Aar und Halm", die in der „Täglichen Rundschau", dem Blatt „für gebildeten Protestantismus", der Lebensmittelverteuerung das Wort reden, zu Leibe. Von der Obstruktion im Reichstage gegen die Getreidezölle, wie sie die „Hilfe" ^empfiehlt, will er nichts wissen. Dadurch würden die Grundsätze des liberalen Parlamentarismus verleugnet. Mit dem Kanzlerwecysel ist er zufrieden, da Bülow mehr Einheitlichkeit in das Ministerium gebracht habe und weniger 'Konfliktsluft gegenüber der Sozialdemokratie zeige. Miquels Rücktritt hat er nicht bedauert, trotz seiner Verdienste um die Steuergesetzgebung. Jetzt müsse es an die Wohnungsfrage gehen. Er hofft, dan die Regierung die Sozialdcmo- tratie sich selbst überlasse. Bei Stichwahlen z. B. in Württemberg treten seine Parteigenossen für die Demokraten ein. Mit der Chinapolitik ist der Berichterstatter einverstanden, wenn er auch! auf die Erfolge nicht besonders stolz istz In Bezug auf Transvaal ist die Stellung der Partei die alte. England sei daran, sich zu verbluten. Diesem Lande, mit dem Deutschland noch einmal gründlich ab- rechnen müsse, käme eine Intervention jetzt vielleicht gelegener wie den tapferen Buren. Roch einmal kommt der Redner auf den Zolltarif zu sprechen und schließt mit dem Muse: Frischer Kampf nach rechts und links! Der Vorstand beantragt folgende Resolution zum Zolltarif: „Die Nationalsozialen sind auf keine handelspolitische Doktrin eingeschworen. Sie sind der Ansicht, daß es von der wirtschaftlichen Lage eines Landes abhängt, ob Schutzzoll oder Freihandel nützlicher wirkt. Deutschlands Entwickelung ist jedoch heute soweit gediehen, daß e§ zu den Ländern gehört, die das größte Interesse an der allmählichen Abkehr vom Schutzzollsystem haben. Der von der Regierung vorgelegte Entwurf zeigt dagegen eine hoch schutzzöllnerische Tendenz, die, in die Wirklichkeit umgesetzt, auf dem Gebiete der Industrie der Kartell- und Syndikatsbildung Vorschub leisten, auf dem Gebiete der Landwirtschaft zu einer künstlichen Steigerung der Grundrente führen und so die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft selbst auf die Dauer schwer schädigen müßte. Deshalb verwerfen wir den Zolltarif in seiner Gesamtheit. Insbesondere mißbilligen wir die Minimalsätze für das Getreide, die ein Ausnahmegesetz zu Gunsten der vom Getreideverkauf lebenden kleinen landwirtschaftlichen Minderheiten darstellen und dabei den Abschluß von Handelsverträgen aufs äußerste gefährden würden. Mit derselben Entschiedenheit, mit der wir für einen wirksamen Schutz des Bauernstandes nach den Forderungen unseres Landprogramms, insbesondere für eine grundlegende Hypothekarreform, eintreten, wenden wir uns gegen eine Zollpolitik, die auf die Großgrundbesitzer zugeschnitten, für die übrige Bevölkerung aber vom Nebel ist. Der Triumph dieser Zollpolitik würde gleichbedeutend sein mit einer Aera wirtschaftlichen Rückganges, sozialen Stillstandes und reaktionärer Gesamtpolitik. Aus sozialen wie aus nationalen Gründen fordern wir unsere Freuude auf, in Wort und Schrift, durch Unterzeichnung von Petitionen und durch Besuch von Protestversammlungen, durch eigene Kundgebungen oder durch Unterstützung anderer Kundgebungen alles dazu zu thun, um den Zolltarif zu Fall zu bringen." Herr v. Ger lach begründete diese Resolution ausführlich, die mit stürmischem Beifall angenommen wurde. Ein landwirtschaftliches Gutachten. Die Minderheit des Sonderausschusses für Wirtsschaftß- politik der oldenburgischen Landwirtschaftskammer hat ein Gutachten zu den landwirischastlichen Zöllen des Zolltarifentwurfes veröffentlicht, dessen Gedankengang kurz folgender ist: Die oldenburgische Landwirtschaft beruht viel mehr auf Viehzucht als auf dem Getreidebau. Das Amt Budjadingen mit seinen 16 000 Einwohnern, die zum weitaus größten Teil von der Landwirtschaft leben, hat schon bei den jetzigen Zollsätzen in den beiden letzten Jahren je 130 Mk. an Getreidezoll für mehr eingeführtes als ausgeführtes Getreide zu zahlen gehabt, d. h. weit mehr als die Einkommensteuer, die nur 84 602 Mk. betrug. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Jeverlande, während in den Aemtern Brake und Elsfleth noch weniger Getreide gebaut wird und darum die Zollsumme im Verhältnis zur Bevölkerung noch höher ist. Auch die Geest führt bedeutend mehr Getreide ein als aus. Eine einseitige Erhöhung der Getreidezölle würde, soweit es sich um Brotgetreide handelt, alle Konsumenten, soweit es sich um Mais und Gerste handelt, alle Landwirte schwer zu belasten. Die Landwirtschaft Oldenburgs hat sich in den letzten Jahrzehnten glänzend entwickelt, vor allem dadurch, daß die Viehzucht zugenommen hat. Erhöhung der Getreide- zölle, die eine Ausdehnung des Getreidebaues auf Kosten der Viehzucht zur Folge hätte, würde einen Rückgang der Landwirtschaft bedeuten. Uebrigens bedeutet eine künstliche Erhöhung der Getreidepreise einen dauernden Vorteil nicht einmal für die getreideverkaufende Landwirtschaft, sondern nur ein Geschenk für die augenblicklichen Pächter und Besitzer. Von einem Notstände auf dem Gebiet der Viehzucht kann nicht die Rede fein. Die Preise waren meist auskömmlich, manchmal sogar sehr hoch, nur in Ansnahmefällen, die sich durch kein Gesetz aus der Welt schaffen lassen, zu niedrig. Eine Ueberproduktion an Fleisch ist auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Erhöhung der Viehzölle ist darum kein Bedürfnis. Uebrigens würde nie eine Erhöhung der Viehzölle allein eintreten. Ist sie aber verbunden mit einer Erhöhung der Getreidezölle, so wird die Lebenshaltung der Masse des Volkes verteuert. An Brot kann es kaum sparen. Worin es sich einschränkt, das sind die tierischen Produkte. Auf ihrem guten Absatz aber beruht die Blüte der oldenburgischen Landwirtschaft, die zumeist aus kleinen und mittleren Betrieben besteht. Eine gleichzeitige Erhöhnng von Getreide- und Viehzöllen würde darum den oldenbiirgischen Landwirten mehr schaden als nützen. Auch die allgemeinen wirtschaftlichen Gesichtspunkte — Verschlechterung der Lage der Industrie, Rückgang der Kaufkraft der Industriearbeiter als Folge davon, Möglichkeit von Zollkriegen, Verhältnis von Groß- und Kleinbetrieb in der Landwirtschaft u. a. mehr — werden behandelt. Das Gnt- achten klingt in nachstehenden Sätzen aus: „Jeder, der die Vorteile des Besitzes, in den er bnrcf) den ßufau der Geburt oder durch eigenes Verdienst gelangt ist, für sich in Anspruch nimmt, hat mindestens auch die Gefahr, die jeder Besitz (n sich trägt, nämlich im Erwerbsleben teilweise oder ganz verloren zu gehen, selbst zu übernehmen. Lehnt er das ab, inoem er verlangt, daß der Staat ihm seinen gegenwärtigen Besitzstand gegen den Wechsel der Konjunkturen aus Kosten der Gesaintheit sicherstellt, so ist das ungerechtfertigt. Noch weniger zu rechtfertigen ist es aber, wenn er solches unter Beibehaltung einer gewohnten und ihm lieb gewordenen, aber unrentablen Betriebsiorm bean- prucht. Auf Grund dieser allgemeinen Erwägungen kommt die Ninderheil zu dem Ergebnisse, daß eine weitere Erhöhung der Getreide-, Vieh- und Fleischzölle auch im nationalen Gefamt- interesse zu vermeiden ist." Alles, was das Gutachten, abgesehen von den Beispielen aus der oldenburgischen Landwirtschaft, an Ausführ- ungen enthält, ist nicht neu. Das Interessante daran ist jedoch, daß es Landwirte sind, die diese Ansführungen machen, und zwar bäuerliche Praktiker Niedersachsens. Professor Yrauns drahtlose Telegraphie. Als Mitte der neunziger Jahre die Kunde von der Erfindung der drahtlosen Telegraphie die Welt durchlief, da glaubte wohl mancher, daß in Kürze mit diesem Verfahren das Wort auf die weitesten Entfernungen hin über Meere und Wüsten gesendet werden würde. Als dann aber die weiteren Nachrichten von den erzielten Erfolgen nur über Ergebnisse zu berichten wußten, welche gegen die enthusiastischen Erwartungen weit zurückblieben, da verlor sich ein guter Teil des Interesses bei dem großen Publikum. Sehr mit Unrecht. Wie alle großen Erfindungen erst einer langen Erziehungszeit bedürfen, in welcher Wissenschaft und Praxis eifrig zusammenarbeiten müssen, um das Erfundene zu einem kraftvollen und leistungsfähigen Werkzeuge zu gestalten, so hat auch die drahtlose Telegraphie ein großes Maß fleißiger Arbeit für ihre Ausbildung gefordert. Es muß nun für jeden Gebildeten von Interesse sein, zu hören, daß diese Arbeit fruchtbringend gewesen ist, daß wir auf diesem Gebiete einen großen Schritt weiter gekommen sind. An diesem Erfolge hat die deutsche Wissenschaft und Praxis großen Anteil, und insbesondere muß hier der Name des Professors Braun-Straßburg genannt werden, der, ohne bisher viel Aufsehens davon zu machen, die Technik der drahtlosen Telegraphie sowohl nach der prinzipiellen wie auch nach der praktischen Seite hin um einen großen Schritt weiter gebracht hat. Die neuesten kundgewordenen Ergebnisse an der Anlage Cuxhaven—Helgoland—Feuerschiff Elbe 1, die nach feinen Plänen eingerichtet ist, und fein in diesen Tagen auf der Naturforscher-Versammlung in Hamburg gehaltener Vortrag über die drahtlose Telegraphie geben uns Gelegenheit, Über die von ihm erzielten Resultate hier zu sprechen. Zum besseren Verständnis fei hier kurz erläutert, wie die drahtlose telegraphische Uebertragung zu stände kommt. Tie sendende Stelle, d. h. diejenige, welche die Depesche ab schickt, sendet kürzere und längere Folgen von elektrischen Schwingungen aus, welche bei der empfangenden Stelle ausgenommen und zur Bethätigung eines Morseapparates benutzt werden; bei einer längeren Folge schreibt der Letztere einen Strich auf den Papierftreifen, bei der kürzeren einen Punkt. Aus diesen Punkten und Strichen setzt sich das telegraphische Zeichen für den Buchstaben zusammen. Wir wollen diesen Zusammenhang zwischen Sender und Empfänger mit einem geläufigen Beispiel illustrieren. Es werde ein an seinem unteren Ende festgeklemmter Stahlstab mit einem Hammer angeschlagen. Derselbe giebt dann einen Ton von bestimmter Höhe. Die Schallwellen, welche er aussendet, verbreiten sich im Raum. Treffen sie auf eine Stimmgabel, welche auf denselben Ton abgestimmt ist, so tönt diese mit. Man könnte diese Uebertragung leicht derart gestalten, daß man den Stab für kürzere und längere Zeiten gemäß den Strichen und Punkten der Morse-Buch- ftaben tönen und also diese Zeichen an der Stimmgabel wieder erscheinen läßt. In der drahtlosen Telegraphie sind es nun zwar nicht hörbare Schwingungen, welche durch ihre Verbreitung im Raume und durch die Resonanz die Uebertragung bewirken, sondern elektrische; diese unterliegen aber ganz ähnlichen Gesetzen, wie die akustischen. Es ist nun offenbar nicht gleich, wie man den als Sender dienenden Stahlstab anschlägt. Trifft man nicht die richtige Stelle, so werden nämlich neben dem Eigenton des Stabes auch klirrende Tone entstehen, welche die empfangende Stimmgabel nicht erregen, daher einen Verlust an aufgewendeter Kraft darstellen. Tie erste Forderung wird also sein, daß wir einen möglichst reinen Don ohne Nebengeräusch erzielen, was, ins Elektrische übersetzt, bedeutet, daß wir vom Sender alle Schwingungen, auf welche er nicht abgeftimmt ist, fernhalten müssen. Jetzt weiß aber auch der Leser aus dem Beispiel der Glocke, daß eine solche sehr leicht zu läuten ist, wenn sie im Takte ihrer Eigenschwingung gezogen wird, dagegen in ihrer Bewegung abgedämpft wird, wenn man sie in einem anderen Takte zieht. So ill es auch bei dem Stahlstabe. Schlagen wir ihn im Takte seiner Schwingungszahl an, so können wir ihn leicht zum lauten Tönen bringen und offenbar wird ein solches lautes Tönen die Stärke und die Weite der Uebertragung begünstigen. Professor Braun hat nun gezeigt, wie man die elektrischen Schwingungen eines Senders, der zunächst auf eine bestimmte Schwingungszahl akustisch: Tonhöhe, abgestimmt worden ist, außerordentlich verstärken Fann, indem man ihn im Rhythmus feiner Schwingungszahl elektrisch erschüttert. Professor Staun erreicht dadurch, daß fein Sender andauernd und mit großer Stärke tönen kann, während bei den älteren Verfahren, in denen der Sender nur durch einen einzigen elektrischen Stoß erschüttert wird, die Schwingungen nach dem Stoß rasch absterben. Air dem Beispiel der schwingenden Glocke erläutert, würde sich der letztere Vorgang demnach so dar- stellen, daß jemand mit einem einzigen starken Ruck die Glocke zum Tonen bringen will. Offenbar wird ihm dies nicht gelingen, während der Knabe, der ohne allzu große Anstrengung die Glocke im Gangmaß ihrer Schwingungen anzieht, sie leicht in andauerndes Läuten versetzt. Bei den elektrischen Schwingungen tritt nun weiter noch ein Vorgang auf, den wir auch an unserem Stahlstabe erläutern können, wenn wir auf seinem schwingenden Ende ein Stück Kartonvapier anheften, sodaß es von dem schwingenden Stabe wie ein Fächer hin- und her- bewegt wird. Es ist offenbar, daß die hierbei erzeugte Bewegung der Luft aus den Schwingungen des Stabes geleistet werden muß, und daß dieser darum seine Bewegung rascher verlieren wird. Das aufgesetzte Papierblatt dämpft ihn ab. Solche dämpfenden Wirkungen treten nun auch bei den Vorrichtungen auf, in denen elektrische Schwingungen vorhanden sind, es wird erforderlich, sie nach Möglichkeit auszuschließen, damit nicht die Schwingungen des Senders geschwächt werden. Auch diesem wichtigen Punkte ist in dem System des Professors Braun Rechnung getragen worden. .Unter BexMiHtigung aller tiefer Verhältnisse ist es ihm gelungen, elektrische Schwingungen zu erzeugen, welche rein von Nebenschwingungen, andauernd und stark sind. ! Was wir hier vom Sender gesagt haben, gilt in ähnlicher Weise vom Empfänger. Es ist ja klar, daß — um k auf unser Beispiel zurückzugreifen — eine unrein ge-, stimmte Stimmgabel niemals so laut mitklingen wird, wie eine reintönende. Es ist auch weiter klar, daß die Dämpfung hier ebenso schädlich wirken wird, wie beim Sender, also nach Möglichkeit vermindert werden muß. Professor Braun hat in seinem System weiter durch eigentümliche Anordnungen erreicht, daß die Schwingungen, welche der Empfänger aufnimmt, sich an einer bestimmten Stelle an- ammeln. Wir wollen einmal diese Stelle mit der schon mehrfach erwähnten Glocke vergleichen, welcher vom Strick die Schwingungen zugeführt werden. Nehmen wir nun an, was allerdings nicht für die akustischen, wohl aber für elektrische Schwingungen gilt, daß nämlich jede von einer, anderen Glocke herkommende Schwingung an dem Strick der ersteren zieht, so wird diese Läuterung am stärksten werden, wenn die beeinflußte Glocke derart abgemessen und angeordnet ist, daß sie in demselben Rhytmus schwingt, wie die ankommenden Tonwellen. In ähnlicher Weise hat Professor Braun seinen Empfänger für die drahtlose Telegraphie eingerichtet und die überraschende Wirkung desselben auf der Naturforscher-Versammlung durch eine Anzahl Experimente dargethan. An dem Gelingen der an der Waterkant angestellten Versuche hat die fordernde Mitarbeit des Hauses Siemens L Halske und seines Oberingenieurs Tr. Koepsel einen wesentlichen Anteil gehabt, wie Professor Braun in seinem Vortrage dankend her-r vorhob. • * Ans Helgoland wird gemeldet: Tie Naturforscher- Versammlung beschloß ihre diesjährige Zusammen- lunft mit einem Ausfluge von Hamburg nach Helgoland, dem sich über 1500 Teilnehmer angeschlossen hatten, und der von herrlichstem Wetter begünstigt war. Das Hauptinteresse des Tages richtete sich auf die Besichtigung der Station für drahtlose Telegraphie, die mit Cuxhaven auf 65 Kilometer Luftlinie arbeitet. Heber das hier angewendete System Braun und Siemens & Halske hatte Professor Braun den versammelten Naturforschern einige Tage vorher einen eingehenden Vortrag gehalten, der allgemeines Interesse! erregte. Tas neue System zeichnet sich vor dem früher, bekannt gewordenen dadurch aus, daß die größte Ueber- tragungsweite bei unbedingt sicherer Wiedergabe der. Zeichen sich hat erreichen lassen, und daß es im Gegensatz; zu anderen älteren Systemen durch eine von allen stören- Den Einflüssen unabhängige präzise Wiedergabe Überraschtei Außer den Stationen Cuxhaven und Helgoland ist auch noch das Feuerschiff „Elbe" als Station eingerichtet und-' dient in regelmäßigem Betriebe dem Lotsendienst. Noch! ganz vor kurzem konnte das Feuerschiff eine Strandung rechtzeitig melden. Nachdem bereits die Offiziere der österreichischen Tampfergefellschast die Stationen Cuxhaven und! Helgoland zum Studium des neuen Systems besichtigt, werden sich Mitte nächster Woche Vertreter des Torpedover- suchs-Kommandos in Kiel die Anlage vorführen lassen. Arbois (Departement Jura), 29. Sept. Das Denk* mal für Pasteur wurde heute eingeweiht. Der Minister für die Kolonien, Decrais, hielt eine Ansprache, in. welcher er mitteitte, er habe beschlossen, eine vom Pasheur- schen Institut gebildete Abordnung nach Brasilien zu dürfen, welche sich mit der Frage der Bekämpfung des- gelben Fiebers beschäftigen soll, Djie. Abordnung wird dem- nächst abreisen. , . : ; 1 Schwurgericht. m. Gieße«, 1. Oktober. Gestern vormittag begann die erste Verhandlung der diesmaligen Tagung des Schwurgerichts. Der Gerichtshof setzte sich zusammen aus Landgerichtsrat Müller als Vorsitzendem, Landgerichtsrat Schmerfenbecher und Amtsrichter Schmidt als Beisitzer. Verbandelt wurde gegen die im Dezember 1882 geborene, noch unbestrafte Emma Erb von Flensungen, die des Kindmordes angeklagt ist. Die Anklage wurde vom Gerichtsassefsor Dr. Hetzel vertreten. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Weidig. Es waren 7 Zeugen und der Kreisafsistenz- arzt Dr. Königer geladen. Vor Eintritt in die Verhandlung wendet sich der Präsident des Gerichtshofes an die Geschworenen; er weist darauf hin, daß in der gegenwärtigen Tagung des Schwurgerichts außergewöhnlich hohe Anforderungen an sie gestellt würden. Abgesehen davon, daß die Tagung sicher 14 Tage dauern werde und daß es möglich sein könne, daß oie Verhandlungen sich noch in die dritte Woche hineinziehen können, seien es auch besonders' schwere Fälle, die zur Verhandlung kämen und die die ganze geistige Spannkraft in Anspruch nehmen würden. Es handle sich in einem Fall sogar um eine Anklage wegen Mordes, sodaß möglicherweise ein Todesurteil zu fällen fein werde. Es kämen weiter zur Aburteilung 4 Anklagen wegen Meineid, 6 wegen Notzucht, 2 wegen Kindesmords und ! Anklage wegen Brandstiftung. Der Gerichtshof werde in Berücksichtigung dieser Umstände das weitgehendste Entgegenkommen bei Urlaubsgesuchen einzelner Geschworenen auf einzelne Tage gegebenen Falles bekunden, doch bitte er, nur in wirklich dringenden Fällen um Urlaub nachzusuchen. Hierauf wird die Geschworenenbank wie folgt gebildet: 1. Louis Christ, Müller in Griedel, 2. Daniel Erb II.» Landwirt in Wieseck, 3. Konrad Hahn, Landwirt in Ulfa, 4. Adolf Bourgeois, Buchbinder in Gießen, 5. Johann Nikolaus Schlitt, Beigeordneter in Bernsburg, 6. Karl Repp, in Bobenhausen bei Ulrichstein, 7. Wilh. Jacobi V., Landwirt in Rodheim o. d. H., 8. Friedrich Dörr, Pflasterer in Annerod, 9. Balthasar Burck V., Schreiner in Watzenborn, 10. Andreas Lepper III., Landwirt in Zell, 11. Johannes Hinkel in Büdingen, 12. Rudolf Quantz, Landwirt in Eichelsachsen. — Die Angeklagte ist geständig, ihr Kind am 19. Juli, vormittags 9 Uhr, unmittelbar nach der Geburt, mit Vorsatz getötet zu haben. Sie erzählt, wie sie sich an dem Morgen in dem elterlichen Hanse in ihre Kammer begeben, die sie hinter sich verschloß. Die Angeklagte will auf der Erde liegend dem Kind das Leben gegeben haben, eS habe gezappelt und auch einen Schrei von sich gegeben. Emma Erb gesteht zu, daß sie dem kleinen Wesen den Mund zugehalten, eS über das Knie haltend mit der Faust auf den Schädel geschlagen habe, so daß das Kind bald eine Leiche war. Sie habe den kleinen Körper in ein altes Tuch gewickelt und tagsüber unter ihrem Bett verborgen gehalten. Am Abend um 9 Uhr, als alles im Hause ruhig war, hat die unnatürliche Mutter ihr Kind im Garten verscharrt und, um jede Spur ihres Verbrechens zu beseitigen, will sie auf der mit wenig Erde bedeckten Leiche herumgetreten sein, wobei sie die Wahrnehmung machte, daß es unter ihren Füßen krachte. Emma Erb erklärt, sie habe, als sie kaum 16 Jahre alt gewesen, schon einem Kinde daß Leben geschenkt. Die Eltern hätten damals sehr geschimpft und aus Furcht vor den eitern habe sie schon vor der Geburt des getöteten Kindes den Entschluß gefaßt gehabt, es aus der Welt zu schaffen. Richtig sei, daß sie ihrem Liebhaber, einem Burschen vor 20 Jahren, anfänglich gesagt habe, wie es mit ujr stehe, dieser habe auch gemeint, es sei das nicht schlimm, er sei ja da und werde sie heiraten. Ihren Eltern hat sie ihren Zustand zu verheimlichen gesucht und aus Befragen diesen gegenüber die Thatsache in Abrede gestellt. — Die Beweisaufnahme ergab, daß, die Angeklagte die That nicht eher eingestand, als bis man durchs Zufall die Leiche des Kindes fand. Der Liebhaber des Mädchens, der als Zeuge vernommen wird, erklärt, er habe dem Mädchen die Heirat versprochen, er könne eine Familie ernähren. Seine Eltern seien einverstanden gewesen und ebenso hätte der Vater der Emma nichts gegen die Verbindung gehabt. Der Vater der Angeklagten ist nach der Aussage des Bürgermeisters von Flensungen em gut situirter Mann, der außer dieser einen Tochter nur einen Sohn hat. Landgerichtsrat Prätorius, der als Untersuchungsrichter die Voruntersuchung gegen Emma Erb geführt hat, erklärt als Zeuge, er habe in seinem Leben noch nie eine Beschuldigte vor Augen gehabt, die so oft wie die Angeklagte ihr angebliches Geständnis gewechselt hat. Zuerst habe sie überhaupt geleugnet, Mutter gewesen zu sein, dann, als man ihr die Leiche des Kindes vorführte, habe sie dessen Geburt zugegeben, aber behauptet, dessen Tod sei auf eine Fahrlässigkeit zurückzuführen, sie habe dabei mit allen Einzelheiten ein Märchen erzählt, das freilich ganz und gar unwahrscheinlich geklungen habe. Im Laufe der Untersuchung wechselte die Angeklagte fortwährend ihre Angaben nnd erklärte stets, was sie angebe, sei die reine Wahrheit, bis sie schließlich ein Geständnis ablegte. Der medizinische Sachverständige Dr. König er erklärte, daß die ihm zur Sektion übergebene Kinderleiche ergeben habe, daß es sich um ein zum Leben reifes Kind handelte. Ob das Kind nach der Geburt gelebt habe, ober welches die Todesursache gewesen sei, habe man überhaupt nicht feststellen können, da die Verwesung der Leiche bereits zu weit vorgeschritten gewesen sei, auch die einzelnen Schädelknochen teilweise gefehlt hätten. Damit war die Beweisaufnahme erschöpft. — Die den Geschworenen vorgelegte Schuldfrage lautet auf Kindesmord. Auf Antrag des Verteidigers wird die Frage nach mildernden Umständen gestellt. Dr. Hetzel begründet hierauf die Anklage. Er weist darauf hin, daß man früher eine Kindesmörderin mit dem Tode bestrafte, wie jeden andern Mörder, nur war die Todesart eine verschiedene. Erst in späterer Zeit kam man zu einer milderen Auffassung betreffs der Bestrafung einer ledigen Person, die ihr Kind tötet in der Art, wie es die Angeklagte gethan hat. Die Angeklagte habe roh und gefühllos gehandelt, weder die Not noch sonst etwas habe sie gezwungen, ihrem Kinde das Leben zu nehmen. Die Angeklagte habe nicht aus Verzweiflung gehandelt, ihr Bursch wollte sie ja heiraten, und die Eltern, die schon für ihr erstes Kind sorgten, hätten auch dem zweiten Kinde Brod gegeben. Auch könne man nicht als Milderrmgsqrund etwa anführen, daß die Angeklagte aus Scham die That verübt habe. Hier müsse die ganze Strenge des Gesetzes angewendet werben. Die Schulbfrage müsse im vollen Umfange bejaht werben. Der Verteibiger, Rechtsanwalt Wei big, pläbiert auf Bejahung bes Vorliegens mildernber Umstänbe. Er betont, daß seine Klientin erstens noch jung sei und zweitens das erstemal gegen das Gesetz gefehlt habe. Es sei auch in Rücksicht zu ziehen, daß das Mädchen sich über den zweiten Fall geschämt habe. Aus dieser Thatsache allein sei die That zu erklären. Nach erfolgter Rechtsbelehrung ziehen sich die Geschworenen zu einer halbstündigen Beratung zurück, worauf der Obmann Andreas Lepper III. den Wahrspruch verkündet. Er lautet auf Schuldig des Kindesmords unter Verneinung der Frage nach mildernden Ujmständen. Der Ankläger beantragt, auf eine Zuchthausstrafe von 5 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren zu erkennen. Der Verteidiger plädiert auf ein weit geringeres Strafmaß. Der Gerichtshof erkannte auf 4 Jahre Zuchthaus unter Anrechnung von einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Von der Aberkennung der Ehrenrechte hat der Gerichtshof abzusehen geglaubt. Aus Stadt und Sand. Nachrichten ooii allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 1. Oktober 1901. •* Jahresversammlung der Hessischen Anwaltskammer. Wie wir hören, wird die heurige Jahresversammlung der Hessischen Anwaltskammer am Samstag, 5. Oktober, in Mainz stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen außer dem üblichen Jahres- und Rechnungsbericht die Frage des anwaltlichen Verkehrs mit dem verhafteten Angeschuldigten und die Frage der Akteneinsicht in Strafsachen, zwei Punkte, bezüglich welcher die Rechte der Verteidigung in den letzten Jahren nicht immer genügend berücksichtigt worden sind. An die Beratungen, die um halb 12 Uhr im Justizgebäude zu Mainz beginnen, schließt sich ein gemeinsames Mittagessen an. rl. Mendorf a. d. ß., 30. Sept. Die alljährliche Jn- pektion unserer Pfichtfeuerwehr fand gestern nachmittag durch Kreisfeuerwehrinspektor Loos statt. Die Ueb- ungen der Mannschaften gingen flott von statten, auch die Geräte befanden sich in gutem Zustande. Der Inspektor drückte den Feuerwehrleuten seine volle Zufriedenheit aus. r. Stangenrod, 30. Sept. Bei der heute hier vorgenommenen Gemeinderatswahl wurden Heinrich Hofmann VIII. und Johannes Will wiedergewählt und für das freiwillig ausgeschiedene Gemeinderatsmitglied Joh. Erbes II. der Landwirt Georg Neichmann neugewählt. h. Butzbach, 30. Sept. Gestern abend gerieten zwei Be- wohner des städtischen Hauses Amtsgasse Nr. 25 in Streit, wobei das Messer eine Rolle spielte. Der Taglöhner Vierheller verletzte den Fabrikarbeiter Adolf Volk durch mehrere Stiche in den Kopf, sowie des letzteren Frau durch Messerstiche in beide Hände nicht unerheblich. Noch an demselben Abend wurde der Messerheld durch die Polizei verhaftet. T. Alsfeld, 30. Sept. An der diesjährigen freiwilligen Gesellenprüfung des Ortsgewerbevereins Alsfeld beteiligten sich sechs Lehrlinge. Sie bestanden sämtlich, und zwar Jak. Ad. Bauer (Schlosser) aus Alsfeld mit „gut" für eine überbautes Hausthürschloß, Ad. Hahn (Wagner) aus Bieben mit „gut" für eine Garnitur Chaisenräder, Wilh. Koch (Sattler und Tapezier) aus Alsfeld mit „recht gut" für einen Zaum und einen gepolsterten Sessel, Louis Konr. Rapp (Schreiner) aus Nieder-Breitenbach und Konr. Wiegand (Schlosser) aus Alsfeld mit „gut", ersterer für einen Pfeilerschrank mit Aufsatz, letzterer für eine schmiedeeiserne Thür- füQung, und Heinr. Zimmer (Schlosser) aus Nieder-Gemünden mit „ziemlich gut" für ein eisernes Fenster. x Schotten, 29. Sept. DieTelegraphen-Jmprag- ni er -An statt wird mit Beginn des Winters die Arbeiten einstellen. In den fiskalischen Waldungen wurden etwa 40000 Festmeter Fichten gefällt. Etwa 15000 Festmeter sind noch zu verarbeiten; das Holz wird von Fuhrleuten aus der Umgegend herbeigeschafft. Da ein guter Fuhrlohn, (pro Festmeter 6 Mark) gezahlt wird, erhalten die Leute einen schönen Verdienst. Hanau, 29. Sept. Die Gesamtherstellungskosten des hiesigen Elektrizitätswerkes belaufen sich nach der Schlußabrechnung auf 948 723 Mk. Hierzu soll noch ein Er- ueuerungsfonbs von 50 000 Mk. errichtet werden, sodaß die Gesamtsumme der Baukosten sich auf rund 1 Mill. Mk. belaufen wird. Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. —h. Stockheim, 29. Sept. Am 24. ds. Mts. nahm die diesjährige Campaaue derAktien-Zuckersabrik Büdingen ihren Anfang. Die Anlieferung der Rüben geschieht bei dem gegenwärtigen Sten Wetter sehr prompt. Im vorigen Jahre verteilte seit langer it die Fabrik zum ersten Mal wieder Dividenden. Es ist zu ffen, daß unter der gegenwärtigen Leitung bei dem hohen Zuckergehalt der Rüben auch für 1901/02 eine Dividende zur Auszahlung kommen wird. Frankfurt a. M., 30. Sept. Die Brauerei Binding schlagt nach 432000 Mk. Abschreibungen und Rückstellungen 13 Prozent Dividende wie int Vorjahr vor. Heilbronn, 30. Sept. Der Konkurs der Heilbronner Gewerbebank ist infolge der geleisteten Garantten ausgeschlossen. Berlin 28 Sept. Einem »onsorrmm uuier oer Kinna Deutsche Gesellschaft für Bergbau-Industrie 'm Ausland Tsingtau-Berlin ist die Genehmigung als Kolomal- Gescllfchaft erteilt worden. Gegen,tand der Unternehmung ist ber Betrieb von Bergbau-, Hüttenwerken- und Industrien, ferner der Erwerb und die Verwertung von Grundbesitz, ^eigrecbten und Konzessionen zunächst in SchanMng. ^.as Kapital betragt vorläufig 1 Million Mark. ____— Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehens Artikel übernimmr die Redaktion dem Publikum gegenüfcfi keinerlei Verantwortung.) Abschaffung der Fremdwörter. Der „Gieß. Anz." rügte jüngst mit Recht die Anwendung von Fremdwörtern auf einer Gießener Hotelrechnung. Unsere städtische Verwaltung würde gut thun, mit der Abschaffung der fremdländischen Bezeichnungen den Privaten voranzugehen, wir meinen nut der Umwandlung des Wortes Oetroi an Sen Thorhäusern. In unseren hessischen Schwesterstädten hat man längst die deutsche Bezeichnung „Perbrauchsabgabe" für diese Steuer gewählt. Die Schilder an den Thorhäuserii bedürfen ja so wie so bald der Erneuerung, und bei dieser Gelegenheit ließe sich die Perdeutschung ganz gut vornehmen. Es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um seitens der Bürgermeisterei das nötige zu veranlassen. F. Literarische Neuerscheinungen. Kunstwart. 14. Jahrg. 1. September- (Raabe i Heft. 60 Psg. — Nord und Süd. Heft 295. 2 Mk. — Deutsches Protestantenblatt. Nr. 37, 38, 39. Vierteljährl. 1.50 Mk. — Simplieijsimus. Nr. 26/27. 1.80 Mk. vierteljährl. — Zukunft. Heft 51/52 ä 50 Pfg. — Euphorion, Zeitschr. f. Litteralurgesch. VIII, 2. 4 Mk. — Gesellschaft. Septeniber-Doppelheft. 2.5Ö Mk. — Südwestdeutsche Rund» schau. Heft 17. 25 Psg. Vermischtes. * Nürnberg, 30. Sept. In der Ottosttaße wurden heute früh die Prostituierte Anna Stephan und deren Zuhälter, Arbeiter Käser, mit durchschnittenem Halse tot auf< gefunden. Es scheint Mord und Selbstmord vorzuliegen. < Neapel, 30. Sept. Das Befinden der drei im Lazarett' auf Nisida untergebrachten Kranken ist unverändert, nur einer ist nicht fieberfrei. Die bakteriologische Untersuchung bestätigte, daß der Vater eines im Lazarett Befindlichem pestkrank ist. In Neapel und Umgebung ist kein neuer Pestfall vorgekommen. Mit der Desinfektion der Frei-, Hafen-Umgebung wird fortgefahren. Die Abordnung hiesiger Vereine sprach dem Präfekten den Dank der Einwohner für das Vorgehen der Regierungsbehörden aus. * Kaschau, 30. Sept. Der Bauer Johann Ragahli gaS aus den Kandidaten zum Abgeordnetenhause Grafen Hadik> als derselbe eine Rundfahrt im Bezirk machte, vier Rei volverschüsse ab. Der Graf erlitt keine Verletzungen; der Bauer wurde verhaftet. * Ein heiteres Ab enteuer bi er ZSrin. Aus» Kiel wird- berichtet: Vor kurzem besuchten die Zarin und die Prinzessin Heinrich die Kunsthandlung von Hulbe in, der Dänischen Straße in der Nähe des königlichen Schlosses.- Vor den Schaufenstern sammelte sich eine Menschenmenge, die von Minute zu Minute anschwoll und« auf das Er^ scheinen des fürstlichen Schwesternpaares wartete. Eine halbe Stunde verging, eine Stunde, vergebens! Inzwischen verbreitete sich die Kunde, daß Zarin und Prinzessin schon im Schlosse eingetroffen seien. Tie Menschenmenge wau aufs Höchste überrascht. Als die Zarin bemerkte, daß dies Straße mit Menschen besetzt sei, hatte sie den Ladeninhabech gefragt, vb das Haus einen Ausgang nach hinten habe.-/ Herr Hulbe erwiderte: „Der Ausgang ist durch eine Planke, gesperrt." — „Macht nichts", meinte die Zarin, „wenn Sie uns eine Leiter zur Benutzung geben, steigen wir über, die Planke". Gesagt, gethan! /Tie Leiter wurde aufgestellt/ die Zarin und die Prinzessin stiegen hinauf und sprangen auf das Nachbargrundstück hinab. Von dort erreichten sie ohne Hindernis die Falckstraße; schritten an der Ostseite, des Kleinen Kiel weiter, und erreichten unbemerkt ba$ Schloß.________________ BLNZEND BEGUTACHTET: BBRfKB UTARISÄ TE-FETT-SEIFE | ■ ttietpntde« Rein, wild, manant 9 . Parfümerie Fabrik, Offenbach a.M. fl BfMBT3MffiWr'nTrWWlTro—MB velamitmachimg. 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