151* Jahrgang Dienstag S. Juli 1901 ■ten [|| J“ 153 Zweites Blatt. Liitzlich «tt Vrt MoatLg». r« w**«s B*rba«4*ae »m <*>•««<« (» bn MtMttugl Hk den ®b«***i *«t erscheinenden M »em. ie Uhr. Mitfitnl {Meütae, «Petition und rchnWkatz« 7. vezugrpreir üiertdit^i Mk. 2.20, monatl. 75 P^. mit Brirgerlohir; durch Mt Abholestellcn virrteljähm Mk. 1.90, monatl. 66 Pt» Bei Postbezug viertel;»h«t Mk. 2.00 ohne Bcstcllge». vlle Anzetgen-BernittklunHS. stellen be» In- und 8lu6Unwt nehmen Anzeigen für den ««ebener Anzeiger entgc«««. Zetlenpreiö. lokai 11 HP»« auSwärtS 20 Pfg. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen:s£s: SiehenerAMger General-Anzeiger v tlOS **» 9.|q. LLr unb ©arten, ton UM I. Oktober äÄ W Ehepaare zu verbieten werden letounfdit. n Um6i * ^-.Zleeler- htie^nn': nmttrrfehl: 'j otostwfrei. J 0 Seiten. IMMM—BB Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Den Gtaatsfteuexpfltchtigerr der Stadt Gießen wird hiermit bekannt gegeben, daß mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen das I. Ziel der Staats- und allgemeinen Kirchensteuer Pro 1901/02 ohne Kosten bei uns bis I zum 25. Juli l. Js. an den Zahltagen, welche in den Zetteln deutlich erfichtltch sind, bezahlt werden kann. Gießen, den 30. Juni 1901. Großherzogliche Bezirkskasse Gießen I. Hansult. Politische Tagesschau. Die „Konserv. Korresp." zieht aus dem Leipziger Börsenkrach folgende Schlüsse: „Es handelt sich auch hier wieder um gewissenloses Frönen der Gewinnsucht, um Dividenden- und Kurstreiberei nach dem Motto: Den Letzten beißen die Hunde: Diese Letzten sind aber niemals die Großen. Wenn jetzt unter Hochdruck auf eine Revision des Börsengesetzes hingearbeitet wird, wenn man behauptet, Treu und Glauben in Bank- und Börsenkreisen hätten durch die Gesetzgebung gelitten, so wird man fragen dürfen, ob die Manipulationen, durch welche die letzten Bankbrüche verschuldet und viele Millionen an Privatkapital verloren sind, von dem Börsengesetze herbeigeführt worden seien. Die Antwort kann nur lauten: Im Gegenteil, die Börsengesetzgebung ist nicht scharf genug, um derartigen Treibereien rechtzeitig entgegentreten zu können. Die Börseninteressenten leugnen das Recht des Staates, Privatinstitute, in denen mit Millionen ftemden Eigentums geschaltet wird, scharf zu beaufsichtigen. Die Praxis aber erfordert diese scharfe Aufsicht, und die neuen Vorgänge werden hoffentlich dazu führen, daß die Staatskontrolle über Börsen und Banken fester stabilisiert und energischer als bisber gusgeübt wird/ Die Börsenreform gibt auch der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" viel zu denken, weil Graf Bülow kein Börsenfachmann sei und Herr Möller eigentlich auch nicht. Da zeige es sich, daß die Entlassung des einzigen derzeitigen Staatsmannes, der nicht nur etwas von der Börse verstand, sondern ihre Machenschaften und Schliche, Pfiffe und Kniffe aus dem Grunde kennt, geradezu ein nationales Unglück nicht nur für Preußen, sondern für das ganze Reich sei. Das Blatt würde es gern sehen, wenn die jetzt herrschenden Herren sich in dieser Frage mit Herrn v. Miquel beraten, hat aber doch Zweifel, daß daS angehe und macht seinerseits Reformvorschläge. Zunächst müsse das Staatskommiffariat an der Börse zu einer mit ausreichenden Beamten und sachverständigen Beiräten ausgerüsteten staatlichen Behörde umgestaltet werden. Sodann müsse das Börsengesetz ergänzt werden, damit alle verbotenen Termingeschäfte auch völlig unterdrückt werden. Engländer und Bnreu. In London wurde am 29. Juni ein Blaubuch veröffentlicht, das einen am 3. Februar 1900 beginnenden und am 22. Oktober 1900 schließenden Br ieswechsel zwischen Feldmarschall Roberts und Befehlshabern der Buren über die Zerstörung von Privateigentum enthält. Arn 3. Februar protestieren die Präsidenten von Transvaal und des Oranje-Freistaats gegen eine Ver- Wüstung der Farmen durch Wilde, die «gegen den Kriegsbrauch von britischen Offizieren dazu aufgereizt worden seien. Roberts erwidert am 5. Februar, die Truppen hätten strikte Befehle erhalten, Privateigentum zu respektieren. Er leugnet ferner, daß Wilde von britischen Offizieren aufgereizt worden seien, und fügt hinzu, die Burentruppen hätten in unzivilisierter Weise Krieg geführt, da sie in den von ihnen besetzten Distrikten loyale britische Untertanen aus ihren Häusern verjagt hätten. In einem Schreiben vom 18. Mai stellt Roberts die von den Buren angeführten Beispiele von Barbarei in Abrede. Am 4. Juli erhebt Botha Einspruch gegen die von den britischen Truppen begangenen Akte der Barbarei, welche Roberts am 28. Juli in Abrede stellt. In entern Schreiben vom 3. Aug. teilt Roberts Tewet mit, daß das Niederbrennen der Farmen notwendig geworden sei, weil von den Farmen aus, vuf denen die weiße Fahne gehißt war, geschossen und Eisenbahnzüge zerstört worden seien. Schließlich hebt Roberts in seinem Schreiben vom 7. September und 22. Oktober hervor, daß die Taktik der Buren zu einem Guerillakrieg ausgeartet sei, der ihn zwinge, au außerordentlichen Kampfesmitteln zu greifen, die von den civilisierten Völkern in ähnlichen Fällen angewandt werden. Hundert Buren griffen am 26. Juni um 2 Uhr morgens die Station Biesjespoort südlich von Viktoria hart an. Sie plünderten die Güterschuppen und verjagten die Wache. £je englischen Eisenbahnwachen unter Oberst Scott wurden bei Honeynestkloot angegriffen. — Am 28. Juni fand ein vierstündiges Gefecht bei Tarkastad mit einem aus 150 Mann bestehenden Burenkommando statt, das, wohl- -gemerkt, nach Reuterscher Meldung, nordwärts vertrieben und von den britischen Truppen verfolgt wurde. — Tie Kolonial truppen griffen am 27. Juni bei Whittlesea, südlich von Queenstown eine Burenabteilung an, die zum Teil unberitten war. 3 Buren fielen. — In dem Gefechte, das Öberst Crewe am 24. Juni südwestlich von Eonway mit einer Burentruppe hatte, wurden 4 Burenschützen gefangen genommen und der Burenkommandant verwundet. — Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria: Tie Buren griffen am 26. v. Mts. nachts bei Brugspruit zwei an der Telagoa- Bahn liegende Blockhäuser an. Ein Panzerzug erschien und vertrieb die Buren. Vier Buren blieben tot auf dem Platze: ihre anderen Todten, wie es heißt zwanzig an der Zahl, nahmen die Buren mit fort. Die Engländer erbeuteten 23 Pferde und mehrere Wagen; ihr Verlust betrug nur vier Leichtverwundete. Ter Feldkornet De- priez in Pietersburg hat sich mit 44 Mann ergeben. Aus Kapstadt wird telegraphiert: Kapitän While griff die Aufständigen an, die eine Kopie im nordwestlichen Distrikt der Kapkolouie besetzt hielten. Das Feuern dauerte von 8 Uhr morgens bis abends, worauf der Feind sich verschanzte. Tie Aufständigen plündertet: die Warenmagazine um Klipdam und im mRichond-Tistrikt. — Fou- ches Kommando lagerte wenige Meilen von Barkley East, das es jedoch nicht angriff, da es stark besetzt ist. Fouche ging dann nach Rhodes, wo er die Läden plünderte. Ein weiteres Kommando ist in yellow Woods zwischen Fort Beaufort und Adelaide. Im Haag konstituierte sich die niederländische Gruppe der internationalen Vereinigung für Schiedsgerichts-Pro-^ paganda. William Stead empfahl eine allgemeine Organisation aller Freunde des Friedens, behufs Förderung der Schiedsgerichtsfrage; insbesondere müsse entschieden gegen das Verhalten Englands gegenüber Transvaals protestiert werden; es sei jetzt dazu der besonders günstige Augenblick. Krüger, Steijn) Fischer, Wolmarans und Wessels, welch letzterer in der Versammlung anwesend war, wurden zu Ehrenmitgliedern der Gruppe ernannt, die besonders unter den Bevölkerungen der kleineren Staaten ihre Propaganda betreiben will. Tebeer (Portugal) erklärte, er halte es für wenig praktisch, Schritte behufs. Abänderung der Haager Konvention zu thun. Tie Flugschrift des Fräulein Hobhouse über die südafrikanischen Zufluchtslager hat eingeschlagen. Tie „Viktoria League" in London, ein Verein, der den Zweck hat, „die Bande zwischen England und seinen Kolonien und Besitzungen zu stärken", bat einen. Aufruf, zur Unterstützung der Burensrauen und Kinder erlassest. Telegramme beS Giehener Anzeigers. London, 1. Juli. Reuters Bureau meldet unterm 29. Juni auS Maseru: Die Regierung begann in Lady- brand mit der Impfung des Viehes gegen die Rinderpest. Die Resultate sind gute. Kapstadt, 1. Juli. Während der letzten 48 Stunden kamen vier Pestfälle in Kapstadt und einer in Port Elü zabeth vor. Bis jetzt find im ganzen hier 749 Pestfälle vorgekommen, wovon 357 tätlich verliefen. China. Nach einem Telegramm aus Singanfu hat die Kaiserin- Witwe dem Großen Rat mitgeteilt, daß Kaisen gfu in der Provinz Honan an Stelle von Peking die künftige Landeshauptstadt sein werde. Nach Peking wolle sie nicht zurückkehren, da sie befürchte, dort auf hinterlistige Art gefangen gesetzt zu werden. Der Petersburger Berichterstatter des „Daily'Telegr." meldet, er habe von der chinesischen Gesandtschaft in Petersburg die Uebersetzung eines neuen Ediktes des chinesischen Kaisers empfangen, das die Reformfrage behandelt. Der Kaiser sagt, daß in Beantwortung seines Gesuches viele Minister und Provinzialbehörden, sowie etliche Gesandte an fremden Höfen Berichte einsandten, über die besten Mittel, die Verwaltung des Reiches zu reformieren und seine Integrität aufrecht zu erhalten. Diese Berichte muffen alle sorgfältig geprüft werden. Der Kaiser sehe die Unmöglichkeit ein, diese Aufgabe allein zu erfüllen, weshalb er sie einem Sonderausschuß zuweist, dem Prinz Tsching, Li Hung-Tschang, Junglu, Hungan, Lukikwanglin, sowie die Vizekönige Jukunge und Tschangtschitang angehören sollen. Briefsendungen für das 1. Geschwader, bestehend aus den Schiffen „Kaiser Wilhelm der Große", Kaiser Wilhelm II.", „Baven", „Württemberg", „Sachsen", „Victoria Luise", „Gazelle", „Jagd", 1. TorpedobootSflotille, sind zu richten bis 7. Juli abends nach Kiel (letzte Poft von Berlin 7. Juli ab), 8. Juli nachmittags nach Frederikshaven (von Berlin 8. Juli ab mittags), 16. Juli nachmittags nach Helgoland (von Berlin 16. Juli ab), später für die Schiffe „Kaiser Wilhem der Große", „Kaiser Wilhelm II.", „Baden", „Sachsen", „Württemberg", „Viktoria Luise" und „Jagd", vom 17. Juli ab bis auf Weiteres nach Brunsbüttel, für „Gazelle" und die 1. Torpedobootsflotille vom 17. Juli bis auf Weiteres nach Cuxhaven, für „Kaiser Barbarossa" bis auf Weiteres nach Kiel. Deutsches Reich. Berlin, 30. Juni. Aus Travemünde wird gemeldet: Ter Kaiser begab sich; gestern gegen Abend von Bord der „Hohenzollem" an Bord der „Iduna", um bei dem Prinzen Heinrich das Diner einzunehmen. Kurz nach 8 Uhr begab sich der Kaiser dann nach dem Kurhause, wo die Preisverteilung für die gestrige Regatta und ein Bierabend des Norddeutschen Regattavereins stattfand. Mit Seiner Majestät erschienen der Reichskanzler Graf v. Bülow owie die Herren des Gefolges. Bürgermeister Klug-Lübeck und der Vorstand des Regattavereins empfingen den Kaiser, das in großer Zahl herbeigeeilte Publikum brachte lebhafte Hochrufe aus. Erste Preise erhielten in den betreffenden Klassen „Marolga", „Atalanta", „Polly", Regina", „Hanseat", „Khaki", „Libelle", „Mathilbe", „Iduna" unb! „Wanderer". Tie Yacht Seiner Majestät des Kaisers „Meteor" traf nach beendeter Reparatur heute nachmittag hier ein und machte auf der Rhede neben der „Hohen- zollern" fest. — An dem Bierabend des Norddeutschen Regattavereins, der vom schönsten Wetter begünstigt war, nahmen auch« Prinz Heinrich und die hier anwesenden Prinzen teil. Tie Tafeln waren unter der offenen Veranda gedeckt. Alle Rennyachten hatten illuminiert. — Es heißt, der Kommandeur der Eisenbahn-Brigade, General v. Schub ert, der Schwiegersohn des verstorbenen Freiherrn v. Stumm, werde Thielens Nachfolger werden. In Betracht gekommen war für den Posten auch der Generalmajor v. Budde, der frühere Chef des Militär-Eisenbahnwesens. Indessen hat v. Budde es vorgezogen, Direktor der „Vereinigten Waffenfabriken" zu werden, eine Stellung, in der er ein Jahresgehalt von 100 000 Mk. bezieht. — Tie „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Der zum Gesandten von Korea in Berlin ernannte Chel Houn Min traf hier ein und stattete, begleitet von dem Legationssekretär Hyen Hik Hong und dem koreanischen Konsul in Hamburg) Meyer, dem Staatssekretär des Aeußern Freiherrn v. Richthofen einen Besuch ab. t— Ter Bundesrat hat in seinen letzten beiden Sitzungen u. a. die Erklärung Hessens, betreffend die Vermögensbestände der groß herzoglich hessisch! en Offiziers- stnd Unter offiziers- Wittwenkassen, dem zuständigen Ausschüsse überwiesen. Die Zustimmung wurde erteilt dem Entwürfe eines Nachtrages zum Besoldungs- und Pensionsetat der Reichsbankbeamten mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbank- direktoriums für 1901; dem Antrag Badens, betreffend die Nräauna einer Denkmünze zur Erinnerung an das 50iäf)rige Regierungsjubilaum Seiner st’ontgitajien :por)eir ure oruuy-— Herzogs Friedrich, von Baden; dem Ausschußantrag, betreffend die Vergütung der Zuckersteuer bei der Ausfuhr stärkezuckerhaltiger Zuckerfrüchte; dem Ausschußbericht über 1) die Fortzahlung der Unfallrenten an österreichische und italienische Staatsangehörige, welche natf)1 ihrem Heimats- staatetzurückgekehrt sind; 2) die Vorlage vorn 11. Juni ds. Js7 betreffend die Erweiterung der dem Norddeutschen Lloyd erteilten Erlaubnis zur Beförderung von Auswanderern; 3) den Entwurf von Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes über den Verkehr mit Wein rc. vom 24. Mai 1901; sowie dem Ausschußbericht, betreffend den Entwurf einer Verordnung über die Klasseneinteilung der Militärbeamten des Reichsheeres und der MariniZ; und endlich dem mündlichen Bericht des Ausschusses über den Entwurf eines Gesetzes über die Verlegung der preußisch-österreichischen Grenze längs des Przemsa-Flusses. — Eine anerkannte juristische Autorität, Reichsgerichts- rat a. D. Stenglein, macht in der neuesten Nummer der „Deutschen Jurist,enztg." den Gumbinner Prozeß zum Gegenstand einer sehr eingehenden Kritik, die bei Mäßigung im Ton in der Sache in einer scharfen Verurteilung desVerhaltensderGerichts Herren gipfelt. Ferner wird aus Insterburg gemeldet: Tie soeben eingegangene 'Erklärung des Gerichtsherrn Generalleutnants v. Alten zur Rechtfertigung der Berufung gegen Hickel enthält weder neue Verdachts gründe, noch neue Beweismittel, vielmehr nur eine andere Würdigung der Beweise der erstem Instanz. Ausland. Rom, 29. Juni. T ep utier t en ka inm er. In Beantwortung einer Anfrage über einen Vorfall in Berra, wobei infolge eines Zusammenstoßes zwischen Militär und Ausständigen drei Personen getötet und mehrere verwundet wurden, hebt der Minister des Innern, $iohttv die unzulänglichen Löhne für die Landleute hervor, die der Grund der Ausstände in der Provinz Ferrara seien. Ter Offizier, der bei dem Zusammenstöße die Truppe befehligte, welche die Brücke bewachte, habe den Befehl erhalten, die Ausständigen, die eine drohende Haltung auf dem Wege zur Besitzung der Bonifikations-Gesellschaft angenommen hatten, an ihrem Vorhaben zu hindern. Trotz wiederholter Aufforderung auseinanderzugehen, hätten sich die Ausständigen gegen die Truppe gewandt; diese hätte nun ihrem Befehle gemäß von der Schußwaffe Gebrauch gemacht und so seien zwei Personen sofort getötet und etwa 20 verwundet worden, von denen bald einer gestorben sei. Nachdem das Haus sodann sämtliche Budgets genehmigt hatte, vertagte es sich! auf unbestimmte Zeit. Cetinje 29. Juni. Wie aus Gusinje berichtet wird, sollen gestern Muselmanen in der Umgebung von Gusinje Christen angegriffen haben. Sieben Christen seien getötet, mehrere verwundet worden. Unter der christlichen Bevölkerung herrsche infolgedessen Aufregung und Furcht. N e w - H o r k, 30. Juni. Eine „World"-Meldung besagt, ein italienischer Detektiv deckte eine angeblich an- a r ch i st i s ch e .V e r s ch w o r u n g zu Paterson auf. DaS Blatt giebt Details und Namen an. (Der Mdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist «ttr unter genauer Quellenangabe: „Gietz. Apz.* gestaltet.) Die Automobilfahrterr Paris-^Bertt^ Es bedarf gmifi nuc H ^"leidung Badender, zu veranlaffen, der Wiedeftntt,^*«?“,®«*enp»Haei . . Arrktiert wurden ein Arbeiter wegen Obdachlo stäke ft verfolgt tourte.6””' ^°" btr e,icfiaen Staatsanwaltschaft LU. Das Fest des Stiftuugstages unserer alma mater fand heute statt. Der offizielle Akt in der Aula begann H1/4 Uhr in Gegenwart zahlreicher Gäste und Studierender. Der zeitige Rektor, Geh. Justizrat Proseffor Dr. Arthur. B. Schmidt, hielt die Festrede und verlas die UniverfitätS- S’ » ba8 vergangene Jahr. Zum Schluß erfolgte die BerMndigung derer, die die für das Jahr 1900/01 gestellten Preisaufgaben mit Erfolg bearbeitet haben. - jedem unnützen Kampfe ein Ende bereiten würden, einem Kampfe, welcher uns schadet und nur denen nützt, für die das Christentum eine Thorheit und das Vaterland eine Phrase ist! Wir müssen immer mehr danach streben, alle wirtschaftlichen Berufsstände in umfassendster Weise zu organisieren. Tie genossenschaftliche Idee gewinnt in Deutsche land von Tag zu Tag mehr Boden. Sie ist als Heilmittel erkannt gegen die Uebermacht des Großkapitals und der Großindustrie. Betet und arbeitet! müssen wir beherzigen. Es ist verhängnisvoll, wenn man glaubt, mit der Reli- Der Proviirzial-Katholikerrtag. e. Friedberg, 30. Juni. , e. ra • at,0en Burschen feucktt» Boden m dem Augenblick, als er eine aufinb ntfernk Ä0"" to?n‘c- aJian $oB b=n Verletzten iefet iftbf, S b'e brennende Strohdecke von ihm. Bis Sprache bei dem Burschen noch nicht zurückgekehrt» unmöglich rnache, fein Amt fortzuführen. Auch die beiden anderen Mitglieder des Vorstandes, Geh. Kirchenrat D Kostlin-Gießen und Geh. Rat Ewald-Darmstadt legten ihre ckemter nieder. Doch hatte sich ersterer bereit finden lasten, sem Amt Provisorisch noch ein Jahr fortzuführen. tosr^n Reiter in den Vorstand gewählt: Professor Smend-Straßburg, Oberkonsistorialrat Flöring-Tarmstadt und Superintendent Nelle-Hamm. Seit Bestehen des Ver- ff'A“ 20 Jahre, hatte Exz. Hallwachs an der Spitze > gestMden. Was der Verein ihm verdankt, macht seinen Namen unvergeßlich. Der Ausdruck dieses Tankes war es, der den Verein veranlaßte, Exz. Hallwachs Ehrenvorsitzenden des Vereins zu wählen mit dem und der. Bitte, seine Kraft und Erfahrung auch F r 6 ^ud in der^cüter^wundervollen Martins-! BakuäUm Stationsasftstenten ’ßd'bie^er Vbillvv?' d^L"^^'ust statt; das herrliche Grabdenkmal ErnanntWirkung vom Tage des Dienstantritts an, Großmütigen schaute auf eine Vieltausend- .-*1 kopftge Menge. Brausend erklangen aus über 300 Keblen Hrrttkrt mnrhon Me Chorgesange überwältigend die Weisen der andächtigen Gemeinde. Tie Festpredigt des uns großherzoglichen Hessen betank Amtszeit am Darmstädter DiakonisfinhausV bekannten General,upernntendenten Werner wußte den Gotte" tm" Audncht und der Aufforderung zum Preise heiligen Gelang zu treffen. Nun sammelt sich die Gemeinde zur abendlichen geselligen Vereinigun" Tav^ Tie Kreisstadt Friedberg wird immer mehr Mittel- chuntt zahlreicher Interessen. Nach allen den großen Veranstaltungen der letzten Wochen, über die von uns ausführlich berichtet worden ist, tagte heute der Provinzial- Katholikentag der hessischen Zentrumspartei. Einberufen hatte die Versammlung der Vorstand des katholischen Männer- und Arbeitervereins. Um 3 Uhr eröffnete Tekan Friedrich aus Ilbenstadt die von etwa 600 Personen besuchte Versammlung und freute sich, daß die katholischen Männer Lberhessens bereit sind, dem Rufe ihrer Führer zu folgen, wenn sie gerufen werden Tas Präsidium übernimmt Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt von Brentano von Offenbach (früher in Friedberg). Er gedenkt der guten Beziehungen des deutschen Kaisers zum Papst Leo XIII. und fügt bei: „Es ist als eine feststehende That- sache anzusehen, daß die Regierung Leos XIII. eine der erfolgreichsten ist. Tie Bedeutung war niemals größer und ernster wie in der heutigen Zeit. Während in den weitesten Kreisen des Volkes Gott geleugnet wird, hat zu derselben Zeit, der, jeder weltlichen Macht bare päpstliche Stuhl, eine stets wachsende Achtung und Bedeutung zu verzeichnen. Toch nicht minder stolz schauen wir als gute Deutsche nach dem Kaiser, in dem wir die von Gott eingesetzte Leitung unseres deutschen Vaterlandes sehen. Ter Kaiser hat wiederholt seinen lebendigen christlichen Glauben bekannt und erkannt und wiederholt Beweise gegeben, daß die Katholiken seinem Herzen ebenso nahe stehen wie die Andersgläubigen." Auch des Großherzogs gedachte der Redner und ließ zuletzt den Papst, den Kaiser und den Großherzog hoch leben. Landtagsabg. Molt,Han sprach dann über: Zentrumspolitik im Reich und Hessen. „Wenn wir die Stellung des Zentrums im Reiche betrachten, so begegnen wir einer allgemeinen Mobilmachung gegen das Zentrum. Tie Jagd auf das Schwarzwild wird neuerdings in vollem Maße ausgeübt. Tie Jäger sind dieselben Leute, die vor zwanzig Jahren den Kulturkampf in Teutschland führten. Wir sehen aber auch neue Feinde; wir sehen Leute, die damals auf unserer Seite standen und jetzt in das gegnerische Lager ubergetreten sind. Es ist die Gefahr des Klerikalismus! tont es uns entgegen. Tas ist das Gespenst, das man dem politischen deutschen Michel vormalt, bis er schließlich auch daran glaubt. — Aber wir kennen ja die wahren Gründe,, welche die Gegner in die Schranken ruft. Es ist einmal der alte Haß gegen die katholische Kirche und der Aerger über die nun einmal ausschlaggebende Stellung des Zen- trums. Tie Gegner sagen freilich, wir verfolgen nicht die katholische Kirche, sondern den Klerikalismus, wir verfolgen Die politische Partei! Aber welcher Partei sollten wir Katholiken uns sonst anschließen, wo fänden wir Ersatz, und könnten wir Äenn die Vertretung unserer religiösen Grundsätze einer anderen Partei üverlassen? Wir wissen wohl, daß im konservativen und nationalliberalen Lager Männer sind, die uns wohl wollen und keine Kulturkämpfgedanken haben, und das erkennen wir sehr an. Wir sind in vielen Wahlkreisen, wo^wir nicht in der Lage sind, einem Zentrums- mann den Sieg zu verschaffen, das Zünglein an der Waage und geben die Entscheidung. — Tas Zentrum ist aus dem richtigen Wege, denn es hält die goldne Mittel- S7*r ft0" 6ctv=fft/ f» sl"b ivtv bc» Ansicht, daß Deutschlands Zukunft nicht auf dem Wasser liegt, sondern auf dem Lande. Aber auf der anderen Seite haben die Entwickelung des deutschen Handels und die kolonialen Bestrebungen so große Macht angenommen, daß man sich diesen Dingen nicht verschließen kann. Wir sehen, daß in Frankreich die Forderungen für Heer und Morine auch von den Sozialisten angenommen werden." Der Redner berührt nun das Jesuitengesetz. „Kuhhandel heiße es gewöhnlich im Reichstage, wenn von bem Gesetz gesprochen werde. Im katholischen Volke sei ?le Einung verbreitet, man solle endlich einmal energisch die Aufhebung dieses Gesetzes verlangen. „Es wird auch bald ein neuer Antrag des Zentrums kommen, denn wir erblicken in dem Jesuitenorden eine der schönsten Blüten nn Garten des Katholizismus!" Auf Hessen einaebend die katholische Presse müsse mehr unter' W werden, ebenso die katholischen Vereine. Der katho- ilche Mannerverein Hessens haöe 12 000 und, der deutsche katholische Volksverein 180000 Mitglieder. } Landtagsabg. v. Brentano liest alsdann ein Tele- Aranim an den Kardinal R am pol la in Rom vor, in Dem dre Versammlung dem heiligen Vater ihre ehrerbietigen Gruße schickt und um den Segen bittet. ’ tritt als Hauptredner, des Tages der bayerische lÄ^^gvabO., Psarrer G e r st e N b e r g e r auf und spricht "??? a h u n g Der landwirtschaftlichen le' "Er anderem äußerte dieser sehr volks- rJ1? sCr: Zentrum ist wie eine Mutter, es ! nne Kinder alle gleich lieb. Wer hat sich der Arbeiter in früheren wahren zuerst angenommen? Tie Sozialdemo- es auf das Reden ankommt! Nein, N i^tteler hat sich zuerst der Arbeiter angenommen' ar?« s sind die Gesetze für das Wohl der arbeiten- Älf" .ausgegangen! Jetzt ist ein anderes Kind krank Auhe. die Landwirtschaft. Wollen wir zuschaucn, daß die Landwirtschaft abwärts geht, oder wollen wir helfen'^ £041 Ä^^^en: der Landwirtschaft ist nicht zu helfen, weil tetn etanb so wichtig ist wie die Landwirtschaft! Nicht arafin'PinPal 1h liefert nein, sie ist auch das Rück- Srat emes seden Staates, Tas lehrt uns die Geschichte Er Volker Sobald die Landwirtschaft und das einfache wurden, fing auch der Verfall an Auch für die Religion ist sie von Wichtigkeit. L Uebe?- Relwttin ^^Ä^bstadte ist immer ein Nachteil für die sckmit rn ^r nun aber sagen: Ilm der Landwirt- jamit zu helfen, müssen Grund und Boden verstaatlicht werden oder fte müssen in den Besitz der Gemeinden übergehen. 9cein, damit erreichen wir nichts. Ter Kou- bCn Auslandes muß begegnet werden. Wir' be- ’ipHf1 nfiürred)trv lüe^n lDlc lnr Schutzzölle stimmen, Denn icüt hat noch niemand beweisen können daß das Brot durch Getreidezolle teurer wird! Tie Zölle sollen nur einen Schutz und ein Vorverkaufsrecht für die deut scheu Bauern fein! Tie deutschen Bauern müssen uns ihre Sohne zu Soldaten stellen und sie müssen Steu^ zahlen! - Jeder sozialistische Arbeiter, der Schutz Vor Eigen ausländischen Arbeitern verlangt, ist der ein seittgste Mensch, wenn er nicht auch den Bauern diesen Schutz vor der ausländischen Konkurrenz zugesteht« Ter Bauer zahlt doch auch Zoll, indem er von der Industrie -k- Kassel, 30. Juni. ^n der alten Hessenstadt tagt dieses Jahr der deutsche- evangelische Kirchengesangvereinstag. Er begann heute um halb 12 Uhr mit der Sitzung des Zentralausschusses. Wichtige, in das Leben des Vereins tief eingreifende Fragen standen auf der Tagesordnung. Zuerst gingen die Geschäfte ihren gewohnten Gang. Der Vorsitzende, Geh. Staatsrat T. Hallwachs, Exzellenz, aus Darmstadt begrüßte die Erschien en eü und erstattete den Jahresbericht. Bemerkenswert ist daraus die erfreuliche Thatsache, daß sich im ^'*3^Obein neuer Land^Svcrcin gebildet hat. Es. r«v>VUu|yuvui mi fehlen nunmehr nur ganz geringe Teile des deutschen Vater-1 gehenderer Bericht folgt, landes. Mit großem Eifer legte der Vorsitzende Der Ver-1 ♦♦ Verfonal-Nkcbrickte« Der fammlung ans Herz, für die Einheitlichkeit des deutsch^ Lnw , ^er ^^oßherzog hat die Ehoralgesangs zu wirken. Es war s^üi Testament dem Marrer? ®0 BlJ erfoI3tc Präsentation deS Verein gegenüber. Denn nach) Abstattung des JahresberichtsK®ufta0 Mahr zu Langsdorf auf die damit erklärte Exz. Hallwachs, daß ihm sein vorgerücktes Alter ^"llelifche Pfarrstelle »u Bettenhausen bestätigt. — ben Zweiten Hauptstaats- ■ Neunen Fmanzrat Karl Weil unter Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen mit Eifer undi fcomU28^uI1iEthn £?£nfte °-uf Iein Nachsuchen mit Wirkung vom 2 x$uh D. Js. an tn Den Ruhestand versetzt' Den Hauptstaatskasfter, Regierungsrat Johannes Dexheimer ^w^zweiten Hauptstaatskassedirektor, den Kontrollbeamten der iLokalkalfestellen für den Bezirk Darmstadt II Karl Krebs! Jum Haupt)taatskassier, beide mit Wirkung vom 2. Juli D. Js> an, den Buchhalter bei der Hauptstaatskasse Wilhelm Sieger zum Sekretär und Oberbuchhalter bei der Staats schuldeukasse, den Stationsvorsteher der Station Auerbach' der Mam-Neckar-Eiseubahn Georg Jacob zum Station^ Vorsteher der Station Langen dieser Bahn, solvie den gion alles zu beherrschen. Vereinte Kraft allein führt zum Ziele. Tie katholischen Vereine haben die Pflickst, zu allen Wahlen Stellung zu nehmen, in der Gemeinde und im Staate. Tie Wahrheit, die Freiheit und das Recht, sie mögen nie in Deutschland verschwinden, sie leben: Hoch! hoch! hoch!" Dekan Friedrich schloß bann nach 6 Uhr die Versammlung. Resolutionen wurden nicht gefaßt. 16. deutsch-evangelischer Kircheugeftugverrmstag. i. ** Büdingen, 30. Juni. Tas hiesige Gymnasium, das älteste des Landes, blickt in diesem Jahre aus eine drei- hundertjähriae Vergangenheit zurück.. Herausgebildet aus einer schon lange bestandenen Lateinschule und allzeit gefördert durch seinen Begründer, den Grafen Wolfgang Ernst und die ihm nachfolgenden Grafen und Fürsten zu Ysenburg und Büdingen, hat es eine reiche Geschichte hinter si-ch, eng verbunden mit der Büdinaens und mit seiner schönen Umgebung. Der Freude über das hohe Alter der Jubilarin soll nun in den Tagen vom 4.-6. August durch! größere Festlichkeiten Ausdruck gegeben werden. Tie Lehrer und Schüler, die dem Gymnasium einmal angehört und ihm ein freundliches Andenken bewahrt Huben, werden bei diesem Jubelfest nicht fehlen; sie werden das seltene Ereignis nicht vorübergehen lassen wollen, um ihre Kollegen, um die meist seit langer Zeit nicht mehr gesehenen und oft weit entfernten Jugendgenossen einmal wieder zu sehen und mit ihnen an altbekannten Stellen die Erinnerugen an schöne Zeiten wieder wachzurufen. An sie Alle nebst ihren Angehörigen und an alle Freunde der Anstalt und Büdingens richtet ein Fest-Ausschuß die Einladung, an dem Jubelfest des Gymnasiums teilzunehmen. Mannigfache Festvorbereitungen werden getroffen, um ihnen frohe Stunden zu bereiten. — Um jeglichen Anforderungen zeitig gerecht werden zu können, ist baldmöglüyste Anmeldung erwünscht. Tie Festordnung ist die folgende: 1. Tag Sonntag 4. August 1901. 1) Oeffentliches Konzert. 2) Begrüßungsabend mit theatralischen Aufführungen. — 2. Tag, Montag, 5. August. 1) Akademische Feier. 2) Festessen. 3) Volksfest nlit Konzert und Tanz. 4) Fackelzug. 5) Kommers. — 3. Tag, Dienstag, 6. August. 1) Frühschoppen mit Musik- 2) Umzug durch die Stadt. 3) Waldfest im Tiergarten, veranstaltet von Sr. Durchlaucht dem Fürsten zu Ysenburg und Büdingen. 4) Ball. — Mittwochs 7. August. Inoffizielle Frühschoppen und Ausflüge in die Umgegend. Freiquartiere in Privatwohnungen werden in großer Anzahl bereit gehalten. Wagen und sonstige Fahrgelegenheiten in die Umgegend vorhanden. — Aus Anlaß des Festes wird ein Fest-Album erscheinen. Dasselbe wird außer einer kurzen Chronik Büdingens und der Anstalt eine Reihe heiterer und ernster Beiträge früherer Schüler in Poesie und Prosa enthalten, die manchem alten Pennäler Episoden aus der Zeit seines Hierseins ins Gedächtnis zurückrufen werden. Ter Text wird durch etwa 15 Illustrationen ergänzt, die, außer dem Stifter und dem jetzigen Patron der Anstalt, architektonisch und landschaftlich hervorragende Punkte Büdingens und seiner Umgebung in künstlerischer Wiedergabe vor Augen führen. Außerdem enthält das Album das offizielle Festprogramm und das ca. 2500 Namen enthaltende Gesamtschülerverzeichnis, wie es in monatelanger Arbeit vom Preß-AusschUß zusammengestellt worden ist. (:) Darmstadt, 30. Juni. Der Großherzog folgte gestern abend einer Einladung des Majors v. Heyl zu einem Abendfest, blieb über Nacht im Großh. Residenzschloß und fuhr heute früh zu der G r o ß h e r z o g i n nach Jugenheim. Heute abend erfolgte'die gemeinsame Rückreise nach! Schloß Wolfsgarten. — Der Restaurateur der Künstler- Kolonie beabsichtigt demnächst ein sog. Schankfest zu arrangieren, wobei das ächte Münchner in Maßkrügen (kein Cxportbier) geschenkt werden soll. Bingen, 30. Juni. In der letzten Stadtverordnetensitzung teilte Bürgermeister Neff mit, daß die vor einiger Zeit verstorbene Frau Witwe Ad. Jos. Goebel die Stadt Bingen zur Universalerbin eingesetzt habe. Die Stadt wird in dem Testament die Pflicht auferlegt, ca. 119000 Mk. an Legaten auszuzahlen. Die Zinsen des'in dem Testament auf 250000 Mk. angegebenen Vermögens sind für die Armen der Stadt Bingen bestimmt. Dem Kathol. Vereins- Haus hat die Verstorbene ihr Wohnhaus vermacht. •• Kleine Mitteilungen ans Hessen nud den Nachbar-Sitte«. An Stelle des seitherigen Dekans Körner, der sein Amt uiedergelegt hatte, wurde vom Domkapitel Pfarrer Gödecker zum Dekan des Dekanats Mainz ernannt. — Die Gemeinde Büdesheim hat zu dem Projekte der Erbauung einer elektrischen Bahn Bingen-Büdesheim ihre Zustimmung gegeben. — Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ist mit ihren Kindern zu mehrmonatigem Aufenthalte in Homburg eingetroffen. — In Gernsheim wurde auf dem Eisenbahndamm ein neugeborenes Kind gefunden, dem ein Arm fehlte. Da anzunehmen ist, daß ein Verbrechen vorliegt, hat die Staatsanwaltschaft die Ausgrabung der bereits beerdigten Leiche verfügt. Nermifchter. * Dresden, 29. Juni. Eine sechszehnjährige Pensionärin, die Tochter eines englischen Majors, wurde von einem Motorwagen überfahren und tödtlich verletzt. Ktteratur, Wissenschaft und Kunst. — Der 2S. Deutsche Aerztetag, der in Hildesheim tagte, hat Berlin als Sitz des GeneralsekretariatS gewählt. Sanitätsrat Dr. WindelS Berlin sprach über die Stellung des Aerzteoereinsbundes zum Leipziger wirtschaftlichen Verbände. Er stellt« namens des Ausschusses folgenden Antrag: „Der deutsche Aerztetag beauftragt den Geschäfts« auSschuß, eins seiner Mitglieder zu delegieren, an der Verwaltung der UnterstützuogSkaste des wirtschaftlichen VerbandeS teil zu nehmen." Dr. Alexander-Berlin wünscht, daß der Delegierte des Bundes nur nach den ihm vom Ausschuß zu gebenden Direktiven an der Verwaltung des Leipziger Vereins teilnehmen dürfe. Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Ausschusses mit dem Zusatzantrag Dr. Alexander angenommen. Der Aerztetag sprach sich ferner gegen die Berechtigung des schweizerischen Reifezeugnisses für das Medizinstudium und gegen die Behandlung der Aerzte als Gutachter sowie für Genrsungshäuser aus. Eine längere Erörterung veranlaßte das Referat Thiem-Kotlbus über ärztliche Gutachten. Anschließend wurde die Resolution Pfalz- Düfleldorf angenommen, die das tiefe Bedauern deS Aerztetages ausdrückte über bas Verhalten des Gerichts gegenüber den begutachtenden Aerzten beim Elberfelder Militärbefreiungsprozeß. Pfalz und Pröbsting- Köln erhoben lebhafte Klage über die Behandlung deS Dr. Schulz im Untersuchungsgefängnis durch den Untersuchungsrichter (Schulz war wegen Verfolgungswahn vor zehn Jahren in einer Irrenanstalt.) Jagd und Spott. Ems, 30. Juni. Bei der heutigen Kaiser-Regatta errang den Ehrenpreis (Wanderpreis) Kaiser Wilhelm I. der Frankfurter Rudervirein gegen die Frankfurter „Germania". Kiel, 29. Juni. Die Ergebnisse der gestrigen Wettfahrt des Kaiserlichen Yachtklubs und des Norddeutschen Regatta-Vereins von Kiel nach Travemünde sind folgende: In Klasse la (Kreuzer-Yachten) wurde „Iduna" erste, „Klara" zweite; in Klasse Ib (Kreuzer-Yachten) wurde „Wanderer" erster. In Klasse II (Renn-Yachten) wurde „Marolga" erste, „Johanne" zweite; in Klasse II (Kreuzer-Yachten) wurde „Atalanla" erste, „Thelma" zweite. In Klasse III (Renn- N«chten) wurde „Polly" erste. In Klasse III (Kreuzer-Yachten)) wurde "Regina" erste, „Lotte" zweite, „Gariota" dritte. In Klass« IVa (Renn Yachten) wurde „Hanseat" erster, „Hevella" zweite; in Klasse IVb (Renn-Yachten) wurde „Khakc" erster. In Klasse IVa (Kreuzer-Yachten) wurde „Libelle" erste, „Lilli IV" zweite. In IVb (Kreuzer-Yachten) wurde „Mathilde" erste, „Marie II" zweite und „Attila" dritter. Travemünde, 30. Juni. Bei der heutigen Wettfahrt auf der Lübecker Bucht ging die Yacht des Kaisers „Meteor" mit Sr. Majestät an Bord um 2 Uhr 30 Minuten nachmittags als erster durchs Zbl. Der Kaiser verblieb nachmittags auf dem „Meteor" und verweilte später auf der „Iduna". Prinz Heinrich wird heute abend auf dem Aviso „Jagd" nach Kiel zurückkehren. Heute abend 7 Uhr findet im Kurhause Festessen und PreiSverteilung statt. Pari-, 30. Juni. Bei dem heutigen Radwettfahren um den großen Preis der Republik wurde Arend erster, Ellegaard zweiter, und Jacquelin dritter. (Also während im Automobilrennen ein Franzose in Berlin siegte, siegte im Radrennen in Paris ein Deutscher.) Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Schauspielhaus. Dienstag den 2. Juli*): „Die Macht brr Finsternis". Mittwoch den 3. Juli: „Die rote Robe". Donnerstag den 4. Juli, abends halb 8 Uhr: „Ueber unsere Kraft". 2. Teil. Freitag den 5. Juli: „Die Macht der Finsternis". Samstag den 6. Juli: „Der Biberpelz". Sonntag den 7. Juli: „Im weißen Rößl". Montag den 8. Juli: „Die Macht der Finsternis". *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, um 7 Uhr. Kandel und UerKehr. Volkswirtschaft. Märkte. Grünverg, 29. Juni. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 17.50 Mk. bis 00.00 Mk., Korn 15.50 Mk. bis 00.00 Mk., Gerste 15.00 Mk. bis 00.00 Mk., Hafer 15.76 Mk. bis 16 Mk., Erbsen 18.00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk, Wicken 00.00 Mk, Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 5 00 bis 5.14 Mk. ko. Frankfurt a. M., 1. Juli. (Orig.'Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierung der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 15.50-15.75, Kurhesstscher Mk. 17.75, La Plata Mk. 17.50-00.00. Kansas Mk. 00.00 bis Mk. 00.00, Roggen (hirsige^) Mk. 15 00, Gerste (Wetteraller) Mk. 16.50, Hafer Mk. 17.50—17.75 Mais Mk. 14.75-15.25, Weizenmehl 00 Mk. 25.50 bis Mk. 26 00, 1. Qual. Mk. 22 50 bis Mk. 24. 2 Qual. Mk. 21.50-22, Roggev- mehl 0 Mk. 22 50-23.50, 1. Qual. Mk. 21.25-22.00, Weizevk;eie Mk. 9.75-10.00, Roggenkleie Mk. 10 00-10 25, MaiSkeime Mk. 9.75 bis Mk. 10.00. Alles per 100 Kg. ab hier. FC. Frankfurt a. M», 1. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des „G. A."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkauf standen 530 Ochsen, darunter 138 aus Oesterreich, 49 Bullen, darunter 4 aus Oesterreich, 844 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 235 Kälber, 64 Schafe und Hämmel, 1446 Schweine, 0 Ziege, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 64—67 Mk., 2. Qual. 61—63 Mk-, 3. Qual. 58-59 Mk.; Bullen 1. Qual. 54-56 Mk., 2. Qual. 51—53 Mk.; Kühe 1. Qual. 60—62Mk., 2. Qual. 56-58M., 3.Qual. 41—43Mk., 4.Qual. 30—32 Mk., 5. Qual. 28—29 Mk. Bezahlt wurden für 1 Pfd. Schlachtgewicht Kälber 1. Qual. 78—80 Pfg., Lebendgewicht 46—49 Pfg., 2. Qual. 68—70 Pfg, Lebendgewicht 39—41 Pfg., 3. Qual. 58 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Pfg.,; Schafe l.Qual. Schlgw. 64 Pfg., 2. Qual. 54—59 Pfg.; Schweine 1. Qual. 65 Pfg., Lebendgewicht 51 Pfg., 2. Qual. 64 Pfg., Lebendgewicht 50 Pfg., 3. Qual. 57—58 Pfg, Lebendgewicht 00 Pfg. Geschäft: Hornvieh mittelmäßig. Bedeutender Ueberfiand. Kleinvieh Markt geräumt. AuWz Ms dkn Slaoit8amlsrtgifttm der Stadt Sieden. Uüfgthvta. 1 Am 22. Juni. Heinrich Breiter, Bautechniker in Gießen mit Katharine Alwine v. Seydwitz in Brezell. 24. Philipp Meyerhofs Kauf, mann dahier mit Dora Hanover zu Bühl. 24. Ferdinand Weil,' Kaufmann dahier mit Rosa Neu in Fürth i. B. 25. Heinrich Hartmann, Schreiner in MüNzenberg mit Karoline Margarete Grieb in Gambach. 22. Josepbat Bröchler, Sergeant in Gießen mit Anna Barbara Herber m Herbstein. 27. Adam Meng, Maurer dahier mit Sophie Kranig in Gießen. 27. Dr. Karl Julius Konrad Wagner, Chemiker in Offenbach a. M. mit Paula Katharina Cornelie Elisabeth Pfeffer in Gilserberg. 27. Christian Anton Henrich, Taglöhner in GroßewLinden mit Anna Gerhard daselbst. 28. Christian August Friedrich, Kurmusiker in Homburg v. d. H. mit Minna Mathilde Elsa Braehme in Gießen. 28. Karl Fried, rich Hermann Schulz, Schuhmacher in Offenbach mit Marie Rössel, Büglerin daselbst. 15. Kornelius Romh^Ächme,^Hmü>schuhmacher dahier mit Emilie Semmler hieselbst. 27. Friedrich Schieß, Wirt dahier mit Katharine Wiegel Hierselbst. «edorene. Am 20. Juni. Dem Dachdeckermeister Johannes Prang eine Tochter Emilie Anna Katharine. Dem Taglöhner Andrea« Krug eine Tochter Lina Dora Katharine Elisa. 22. Dem Laternenwärter Kaspar Wilhelm Backhaus eine Tochter Anna Karoline. Dem Schneider Adam Bayer eine Tochter Anna Klara. Dem Oberlehrer Prof. Dr. Rudolf Erb eine Tochter Marie Christine Hildegard. Dem Tapezier Ludwig Offenbacher ein Sohn Ernst Ludwig. Dem Gärtner Leonhardt Heinlein eine Tochter Marie Magdalene. Dem Kaminfeger Eduard Rupp eine Tochter Katharine Wilhelmine. 24. Dem Weinhändler Karl Küchel ein Sohn. 25. Dem Privatdozenten Dr. Karl Helm eine Tochter Johanna Therese Anna Elffabeth. 26. Dem Kreisbauinspektor Johannes Wilhelm Endres ein Sohn. 27. Dem Fabrikarbeiter Friedrich Spaar ein Sohn Friedrich Daniel. aHädBB Gestorbene. Am 23. Juni. Johannes Köhler, 52 Jahre alt, Schneider dahier. 25. Friedrich Rubel, 70 Jahre alt, Schlaffer dahier. Katharine Christ, geb. Horst, 25 Jahre alt, Ehefrau des Bäckermeisters Hermann Christ in Grünberg, Kreis Gießen. Neueste Meldungen. Madrid, 30. Juni. Tie Feier anläßlich des Jubeljahres ist hier und in der Provinz ohne Zwischenfall verlaufen. Nur in Barcelona versuchten die Antiklerikalen die Prozession zu stören. Sie pfiffen und beschimpften die Teilnehmer der Prozession, drangen in kleineren Gruppen in einige Kirchen ein und schrien dort: Es lebe die Revolution ! Nieder m'iit den Kleritalen. Es entstand eine Panik unter den Frauen, doch gelang es bald der Civilgarde, die Manifestanten zu zerstreuen. W a s h i n g t o n, 30. Juni. Ter Kontrolleur des laufenden Geldes ernannte einen zeitweiligen Verwalter für die Nationalbank in Buffalo, welche wegen übermäßiger Tarleihungen sich in Schwierigkeiten befindet. Es wird geglaubt, daß die Verluste der Tepo- nanten nicht bedeutend sind. Tie Passiva stellen sich auf 3 802103 Dollars, davon 1568 000 Einzeldepots. Meteorologische Beobachtungen der 1 Station Gietzeu. Juni ieter 00 ert £» ive ßfeit s s ’S --ti Juli E LUZ Z “ Temper der L Z' 631 s 3 t 0 Relak Feuchti jg E K Windst Wetter 29. 9» I 750,1 + 20,4 12,3 69 E 1 Hell. Himmel 30. 7« 750,0 + 17,0 10,6 74 E. 2 lcht.bed. Himmel 30. 2» 750,1 + 27,2 13,8 51 E. 1 bed. 30. 925 746,6 + 19,9 15,5 90 Still — 1. 725 743,7 + 18,5 14,1 89 Still — 1. 225 743,1 + 19,0 15,1 92 Still — Ream Höchste Temperatur am 28.—29. Juni + 29.10 C. Niedrigste „ „ „ + 12.40 6. Höchste Temperatur am 29.—30. Juni + 26.3° C. Niedrigste , „ „ „ + 13.8° C. von der Bevor Sie 3hrei|z > Bedarf in Seibern ( ftöffcnbecfen, verlangen Sie in ' Jbrent Interesse , erst umgehend und , franko Zl'tujlcr von Holienst einer Seidenweberei „Lotze“, Höllenstein-Ernstthal, > Königlicher; i^rogberzogll^er und ^erjoaltdx-r bofhcfcr.iat S Die Blickensderfer steht an Leistes- fähigkeit keinem anderen Fabrikate No. 5 M. 175.—, No. 7 M. 225.— nach, oooooooo Katalog und Vorführung durch die BrühFsche Druckerei, Giessen, Schulstrasse 7. Schreibmaschine Sonnenschirme ii ifiimi 1 bi i n jetzt weit unter Preis. ... 20% Rabatt (Will AMM Seltersweg 9. Giessen. Seltersweg 9. Bekanntmachung In das hiesige Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen unter Nr. 107 die Firma „Meier Grünewald" zu Wieseck; Inhaber: Kaufmann Meier Grünewald daselbst. Nr. 108 die Firma „Wilhelm Orbig" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann Wilhelm Orbig daselbst. Nr. 109 die Firma „Wilhelm Schade" zu Wetzlar, Zweig- Niederlassung zu Gießen; Inhaber: Handschuhfabrikant Wilhelm -schade zu Wetzlar. Prokurist: Ida Rieke zu Gießen. Nr. 110 die Firma „Karl Seibel" zu Gießen; Inhaber: Kaufmann Karl Seibel daselbst. Die Firma „Löb Isenberg" zu Beuern ist erloschen. Gießen, den 27. Juni 1901. 4592 Großherzogliches Amtsgericht. Prima Kognak, Spezialmarke, garantiert, franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seines vorzügl. Geschmackes. Ferner gelten meine französischen Kognaks unter Originalvefichluß als die besten, welche der Markt bringt. 3685 E. Dort, Wallthorstraße 45. Waschemit Montag den 8. Juli, abends 8 Uhr, in Steins Saalbau 4595 Konzert der Konzertvereinignng von Mitgliedern des KönigLDomchors-.Berlin Billets im für numerierte Plätze ä 1,50 Mk., für unnumerierte Plätze ä 1 Mk. sind in der Musikalienhdlg. Ernst Challier (Kudolphs Nachfolger) zu haben. 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