Nr. 283 ErscheinlrSgltch Mil Ausnyme deS Dtonags. kvie Siehevr Familien, blätter weven dem Anzeiger im Wechsel mit Dem „Hes. Landwirt" und den .Blattern für hessisch« Volkskunde" viermal nöchenttich bei- zelegt. Aebaftim, Exvedittor und Druckerei: Echrl st ratze 7. Adreffe für Depeschen: rknzttger Gieße«. KernspvchanschlußNr.bl. Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 1 Dezember 1901 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige* zu der für den folgend« Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt» lungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. DolNffche Tagesschau. Der ReichshauShaltSetat für l‘)02 wird, wie die „Kreuzztg." vernimmt, dem Reichs- tage Lnde nächster Woche zugehen, bis zu welcher Zeit man L ö^Mchen Beratungen im Bundesrat beenden zu haben Sofft , , Bis dahin muß man sich also mit den Auszügen begnügen, welche dte „Nordd. Alla. Ztg." fortsetzt. Das Hauptinteresse beanspruchen die offiziösen Mitteilungen über den Etat für die Expedition nach Ostasien. Hier srndet sich die erste Einnahme verzeichnet, nämlich die im 3omlar 1903 fällige erste Rate der Entschädigung von China im Betraae von rund 11.50 Millionen Mark. Koulant ist die Absicht der Regierung, aus der ersten Zahlung Chinas vorab die Forderungen der bei den Wirren geschädigten Deutschen zu befriedigen. Dazu gehört freilich, unter Berücksichtigung von Nachtragsanmeldungen, eine um dreieinhalb Millionen Mark höhere Summe. Selbstverständlich wird mit der Auszahlung der Entschädigungen nicht bis zum Eingang der in 13 Monaten fälligen China-Rate gewartet werden. Den Betroffenen liegt baran, bald zu ihrem Gelde zu kommen, das dann eben vom Reiche vorschußweise ru gewähren ist. Bekanntlich sind in China deutsche Besatzungstruppen und Kriegsschiffe belassen worden. Der Etat rechnet mit einer Ersparnis „infolge der bekannten -Entwicklung der Verhältnisse in China" um 75 490 000 Mk. beim Heere und um 18 Millionen bei der Marine. Die -Summe der Ausgaben für 1902 einschließlich Pensionen, Witwen- und Warfen gelber, beträgt 39 258 824 Mk. Aus dieser Aufstellung ergiebt sich, daß die militärische Sicherung Deutschlands im wesentlichen unverändert fortbestehen soll. diese Kosten leistet China keine Entschädigung. 11.50 -Millionen von China, 39 Millionen für China — das ist allerdings kein „gutes Geschäft'", und man muß annehmen, daß die Regieruüg- triftige Gründe hat, auch jetzt noch die chinesische Negierung durch Soldaten und Schiffskanonen 'in Schach zu halten. Aus dem Etat des Reichsamts des Innern ist hervvrzuheben die Position: „150 000 Mk. zur Förderung ifec Erforschung der Tuberkulose". Die Einstellung einer Summe für die Erforschung einer anderen, furchtbaren und tlwch im Dunkel gehüllten Krankheit, des Krebses, wäre an» gezeigt gewesen und wird vom Reichstag zu erstreben sein. Hinter den einmaligen Ausgaben sind ferner hervorzuheben 12000 Mk. zur Unterstützung der Protozoenforschung, 150 000 Mark als erste Rape zum Bau und Versuchsfeld der biologischen Abtellung für Landwirtschaft und Forstwirtschaft am -Gesundheitsamt. Unter den einmaligen außerordentlichen Ausgaben sind 4 Millionen zur Förderung und Herstellung von Kleinwohnungen für Arbeiter und Unterbeamte im Reichsbetriebe eingestellt. Ter Etat der Reichspvst- und Telegrapheu- verwaltnng für 1902 setzt die Einnahmen mit440629130 gegenüber 420162950 Mk. des diesjährigen Etats an. Das Mehr ist in der Hauptsache auf die höher veranschlagten Porto- und ^elegraphengebübren zurückzuführen. Für die Betriebsverwaltung ergiebt sich eine Gesamtmehrfoärerung von 22660309 Mk. Die für die Zentral- und Betriebsverwaltung geforderten Ausgaben betragen 387 027 539 gegenüber 364 369 420 Mk. im Jahre 1901, für 1902 ist ein Ueberschuß von 53601591 Mk. gegenüber 55 893 530 Mk. im Jahre 1901 veranschlagt. Die einmaligen ordentlichen Ausgaben betragen 13 278 635, darunter 602 000 für die Herstellung einer Telegraphenlinie im Innern Deutschostafrikas von Mpapua nach Tadora. Die einmaligen außerordentlichen Ausgaben für Fernsprechzwecke, die aus der Anleihe bestritten werden, betragen 20345000 Mk. Unter den einmaligen ordentlichen Ausgaben befinden sich 122 445 Mk. für das Dienstgeoäude in Bad-Nauheim, 75000 Mk. für das Dienstgebäude in Offenbach a. M. und 785 000 Mark für die Erwerbung eines Bauplatzes für ein weiteres Tienstgebäüde in Cassel. Konservative Stellungnahme zum Zolltarifenttourf. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt ferner anterrn 29. ^Lovember: In der konservativen Reichstagsfraktion ist heute bei berXLrörterung des Zolltarifentwurfs völlige Uebereinstirnm- ung dahin erzielt worden, daß die Zölle für die hauptsächlichen landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht als ausreichend erachtet werden. Drei Redner tollen diese Auffassung im Reichstag begründen: Graf Schwerin-Löwitz, Frhr. v. Wangen heim und Graf Kanitz. Die Stellungnahme dieser Herren kann keine gleichmäßige sein. Gras Schwerin- Löwitz steht auf dem Standpunkte, daß ein 6 Mark-Mindest- zvll für Getreide allenfalls genügt. Frhr. v. Wangenheim und mit ihm der „Bund der Landwirte" halten mindestens einen 7.50 Mark-Getreidezoll für unerläßlich Graf Kanitz hat sich bisher zwar nicht auf benannte Zahlen eingelassen, aber er tritt zu den beiden anderen Wortführern dadurch in Gegensatz, daß er auf den Doppeltarif für Getreide feinen Wert zu. legen erklärt hat. Die „völlige Uebereinstimmung" bezieht sich also einstweilen nur darauf, daß der Zolltarifentwurf der Landwirtschaft nicht genug bietet, nicht daraus, was er bieten sollte. Deutsches Reich. Berlin, 29. Nov. Der Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinand sind heute früh 8 Uhr von der Mldparkstation nach der Goehrde abgereist. Dort trafen sie um 12 Uhr ein, wo die übrigen Fürstlichkeiten und anderen Gäste bereits, versammelt waren. Der Kaiser begab sich mit seinen Gälten um 1 Uhr zu einer Suche mit der Findermeute auf Sauen, die im Forstbezirk „Saure Wiesen" stattfaud. Um einhalb 5 Uhr kehrte die Jagdgesellschaft ins Schloß zurück. — Wie das „Chemnitzer Tagebl." meldet, richtete der Kaiser als Antwort auf ein anläßlich des Stapellaufes des Lloyddampfers „Chemnitz" an den Kaiser gerichtetes Huldigungstelegramm an den Oberbürgermeister von Chemnitz folgendes Telegramm: Kiel, 27. 9Lov. Ihnen und den Vertretern von Chemnitz sowie dem Aufsichtsrat und der Direktion des Nordd. Lloyd und der Werft von Tecklenborg spreche ich pieinen Dank für den Huldigungsgruß anläßlich des glücklichen Stapellaufes des Lloyddampfers „Chemnitz" aus. Ich inspiziere heute meinen Kreuzer „Thetis", der die Reise nach Oftasien zur Verstärkung des Kreuzergeschwaders alsbald antritt. Vor mir liegt mein 1- Geschwader als ein schon stattlicher Repräsentant der werdenden Flotte. — Es freut mich, den so notwendigen Schutz immer mehr erstarken und ein neues Schiff als Fördere des deutschen Handels und der deutschen Industrie eintreten zu sehen. Mögen Beide immer sichere Schritte vorwärts machen, und deutsche Tüchtigkeit über den Erdball tragen. Wilhelm- — Die „Nordd. Allg- Ztg." weist den Vorwurf „übermäßigen amtlichen Eifers" zurück, den die „Dtsch. Ztg." in „chörichter Nörgelei" gegenüber dem Dementt des un- wahren Berichts der letzten Kaiser-Ansprache erhoben habe. Die „Nordd. Allg. Ztg." betont, es kommt nicht sehr auf den Inhalt der angeblichen Aeußerungen an, als vielmehr darauf, daß dem Kaiser überhaupt erfundene Aeußerungen bei einer in militärischen Kreisen gehaltenen Rede in den Mund gelegt würden. Dieser Fall lag vor, und es ist das unantastbare Recht des Kaisers, solche apokryphe Reden dementteren zu lassen. — Der Handelsminister hat neue Bestimmungen für die Organisation der seiner Verwaltung unterstehenden Schulen zur Ausbildung von mittleren und niederen Beamten, sowie Arbeitern der Maschinen- und Hütten-Jn- duftrie erlassen, die sofort bezw. am 1- April 1902 in Kraft treten. — Das Befinden des Majors Dr. v. Wißmann hat sich wesentlich gebessert. Er wird in einigen Tagen das Bett verlassen können. — Die deutsche Reichspartei des Reichstags tagte heute unter dem Vorsitz des Grafen Arnim und hielt die Generaldebatte über den Zolltarif ab. Von hervorragender Sette wurde dafür eingetreten, namentlich die Getreidezölle an die Kommission zu verweisen. Die Beratung wird fortgesetzt werden- — In der heutigen Magistr ats sitzung wurde der Erlaß des Ministers des Innern v. Hammerstein in Sachen der Burgermeisterwahl vom Oberbürgermeister Kirschner bekannt gegeben. Nach einer eingehenden Erörterung wurde beschlossen, die Vorstellung des Magistrats und das Reskript des Ministers der Stadtverordneten-Ver- sammlung in einer Vorlage mitzuteilen. — Nach den neuesten Veröffentlichungen über die end- giltigen Ergebnisse der Volkszählung betrug im Deutschen Reiche die ortsanwesende Bevölkerung am 1. Dezember 1900 56 369178, also 4087 277 ober 7,82 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Die männliche Bevölkerung ist in demselben Zeitraum um 2075 997 auf 27 737 247 Köpfe, die weibliche um 2011280 auf 28 629 931 Seelen an gewach sen. Potsdam, 29. Nov. Gestern abend fand eine Versammlung statt, in der nach einem Bortrage des Reichstags abg. Dr. Böckel folgende Resolution angenommen wurde: „Die heute sehr zahlreich versammelten Mtt- bürger der zweiten Residenz des Reiches sprechen ihre tiefste Entrüstung aus über die grausame Kriegführung der Engländer und erwarten, daß die Regierung Mittel und Wege finde, um diesen Scheußlichkeiten schleunigst Einhalt zu gebieten, sowie sich dafür zu verwenden, daß den in den Konzentrationslagern Darbenden schleunigst eine menschliche Behandlung zu teil werde." Diese Resolution wurde an den deutschen Botschafter in London gesandt. Krefeld, 29. Nov- In einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung des Vereins der nationalliberalen Jugend wurde nach einem Vortrage des Chefredakteurs Dr. Weftenberger über den „Fall Späh n und die wissenschaftliche Forschung" einstimmig beschlossen, durch den Zentralvorftand der nationalliberalen Jugendvereine die Parteileitung zu veranlassen, den Fall Spahn im Reichstage zur Sprache zu bringen. Fr au en stein, 29. Nov- Heute vorrntttag fanden in der hiesigen katholischen Kirche die feierlichen Exequien für den Grasen Hatzfeld statt. Als Vertreter des Kaisers wohnte der Oberpräsident von Schlesien Herzog zu Trachcn- berg, Fürst von Hatzfeldt der Feier bei; als Vertreter der Königs von England war der Geschäftsträger in Berlin, Buchanan, erschienen. In der großen Lrauerversarnrnlung befanden sich ferner außer der Gattin und den Verwandten des Verstorbenen der Generaloberst Freiherr von Loe, jber preußische Gesanote in Darmstadt Prinz Hohenlohe und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Nach der Feier fand die Beisetzung in der Familiengruft auf dem hiesigen Friedhöfe statt. Dem Zuge hatten sich viele Vereine mit umflorten Fahnen angeschlossen. Dresden, 29. Nov- Im Landtage beantwortete der Minister des Innern von Metzsch die Interpellation des Abg. Hahnel über die Stellung der sächsischen Staatsregierung zur Zolltarifgesetzgebung dahin, daß die sächsische Regierung, obgleich nicht alle ihre Wünsche Berücksichtigung gefunden, dem Eniwurf des Zolltarifgesetzes und des Zolltarifes zugestimmt hat in der Ueberzeugung, daß die Neugestaltung des Tarifwesens die richtige Bahn einschlägt, für die Schaffung und Erhaltung gesunder Zustände unseres Wirtschaftslebens. Mün chen, 29. Nov. Die Kammer der Abgeordneten nahm mit 77 gegen 51 Stimmen einen Antrag Heim (Ztr.) a n, wonach in dieJustizverwaltungJsrae- liten nur im Verhältnis der israelitischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung aufge- nommen werden sollen. Im Laufe der Beratung erklärte der Justizminister Frhr. von Leonrod, er könne Gesetzesbedenken halber dem Antrag keine Folge geben, werde aber der Stimmung der Bevölkerung soweit als möglich Rechnung tragen. — Die Großherzogin von Hessen traf heute mit ihrer Mutter hier ein; sie bleibt bis zum 2. Dezember- Ausland. Lion do n, 29. Nov. Tie Frauen, die sich für da? Stimm recht der Frauen bemüht haben, haben beschlossen, demnächst ein großes Meeting zu veranstalten und Sttaßen- Kundgebungen zu organisieren, an denen über 100 000 Frauen teilnehm en wollen. — Nach einer Meldung ans Alexandrien trifft die dortige Polizei umfassende Vorsichtsmaßregeln zum Schutze der Reise des K h e d i v e und des Lord C r o m e r nach dem Suda n gegen Attentate der Eingeborenen. Man glaubt nämlich, daß eine geheime patriotische Gesellschaft beschlossen habe, eine Eisen bahn ka tast rophe herbeizuführen, um die beiden Reisenden zu töten. Paris, 29. Nov. Die Kammer nahm die Beratung der Interpellation über den Rückgang des Weinverkaufs wieder auf. — Lamaire beantragte die Revision des Zolltarifs, um den Weinen einen vorteilhafteren Absatz zu verschaften. Rom, 29. Nov. Deputiertenkammer. Alessio wünscht zu wissen, ob und welche Vorstellungen bei der deutschen Regierung anläßlich der Führung und des Ausganges des Prozesses gegen den Baron Stietenkron aus Niederweiler in Lothringen gemacht worden seien, der einen italienischen Arbeiter getötet hatte. Der Unterstaatssekretär des Aeußern Baccelli erwidert, so wenig die italienische Regierung die Einmischung eines anderen Staates in die Rechtsprechung der italienischen Gerichte zulassen würde, so wenig könne man hier die Urteile deutscher Gerichte einer Besprechung unterziehen. Der Minister des Aeußern habe alles, was er konnte, gethan, um den Erben des Opfers zur Erstreitung einer Entschädigungssumme das Armenrecht zu verschaffen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Wien, -29. Nov. Nunmehr ist die Meinung allgemein, daß der Mandatsverzicht des Abg. Wolf mit der Afsaire des Professors Seidl, dessen Frau die Tochter des alldeutschen Mg. Tschau ist, zusammen hängt. Auch sollen Ehescheidungen im Zuge sein. In einer stürmischen Beratung des alldeutschen Verbandes erklärte Tschau, er könne mit Wolf nicht in einem Klub bleiben. Schönerer bestand auf der Mandatsniederlegung Wolfs, da die Afsaire möglicherweise wettere öffentliche Skandale nach sich ziehen konnte. Sollte Wolf nicht zurücktreten, so müßte der Verband ihn ausschließen. Wolffs Rückttitt vom poli- ttschen Leben ist voraussichtlich enbgiltig. Es heißt, Wolf habe einen Revers unterschrieben, wonach er eine eventuelle Wiederwahl nicht annebmen werde. Wolf legte auch das Mandat für den böhmischen Landtag nieder. — .Tas Abgeordnetenhaus hat nach langer Tringlichkeitsdebatte über den Getreideterminhandel mit 230 gegen 7 Stimmen beschlossen, den volkswirtschaftlichen Ausschuß zu beauftragen, die eingebrachte Regierungsvorlage im Sinne eines vollständigen Verbotes des Blankoterminhandels zu modifizieren und binnen sechs Wochen dem Hause zu berichten. — Ter Unterrichtsminister v. Härtel beantwortete mehrere Interpellationen, darunter die betreffend die Vorgänge an der Lemberger Universität und erklärte, er habe die schnellste Durchführung der Tisziplinar-Untersuchung gegen die angeschuldigten Studenten angeordnet, um die baldige Wiederaufnahme und die ungestörte Fortführung der Vorlesungen zu sichern. Pest, 29. Nov. In den Gesprächen in den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses bringt man die plötzliche Reise des Ministerpräsidenten ^ell ndcl) Wien mit einem in der vorgestrigen Sitzung vorgekommenen Zwischenfall in Zusammenhang. Vorgestern erhob nämlich der Abg. Rakowsky gegen den Ministerpräsidenten Szell den Vorwurf, er habe sich das Dttnisterpräsidium hinter dem Rucken des Barons Banffy erschlichen. Um sich gegen diese handgreiflich falsche Anklage zu verteidigen, hielt es Szell für nötig, fein bei Uebernahme der Regierung mit dem König geführtes Gespräch im Hause wiederzuaeben. Ter König soll diese Indiskretion übelgenommen haben. Newyork, 29. Nov. Der „Newyork Herald" meldet aus Colon: General Castro, der die Konservativen bei der Einnahme der Brücke bei Barbaoea am 25. November führte, ist Donnerstag vormittag in einem Gefechte bei Bohio Saldado getötet worden. Castto war der Zweit- tommanbierenbe der konservativen Truppen von Isthmus. — Oeffentlichen Ausweisen zufolge nahmen im letzten Finanzjahre die Einfuyren nach den Philippinen aus Großbritanuien, Deutschland, Frankreich und Brttisch- Ostindiett in einem größeren Verhältnisse zu, als die Einfuhren aus den Vereinigten Staaten. Vom Burenkriege Nach Kapstadter Meldungen hat die Transvaal-Regierung dep General Tewet zum General-Inspekteur der gesamten Luren-Streitkräfte ernannt. Dewet inspiziert derzeit sämtliche Buren-Kommandos. — Mögen sich btc Hoffnungen, die die wackeren Freiheitskämpfer an diese Ernennung knüpfen, erfüllen! Der Transportdampser „(Sih) of Linkoln", der aus Australien mit Pferden nach Kapstadt unterwegs war, wurde vom Unwetter überrascht. Von 700 Pferden wurden 200 vom Blitz getötet. — DaZ ist eine Schlappe, die-der Himmel den Engländern zugefügt hat. Der „Frkf. Ztg." wird aus Bern gemeldet: Auf dem Kantonsrat von Solothurn rourbe beantragt, der Bundesrat solle bei den Regierungen Schritte thun, gegen die völkerrechtswidrige engllsche Kriegführung. — Love’s labours lost! Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mir unter genauer Quellenangabe: „Gieß. -tuz." gestattet.) Gießen, den 30. November 1901. — Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgerichts der Pro- vinz Oberheffeu pro 4. Quartal 1901: 1. Montag den 2. Dezember, vormittags 9x/2 Uhr, Anklage gegen Benedikt Reupert aus Obersinn wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, bie Verteidigung führt Rechtsanwalt Hoos. 2. Dienstag den 3. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich Klug und Sibylle Klug Witwe, beide aus Metzlos-Gehag, ersterer wegen Vergehens aus § 175 des Str.-G.-G., letztere wegen Kindestötung. Die Anklage vertritt Gerichtsasieffor Dr. Hetzel, die Verteidigung führt für Heinrich Klug Rechtsanwalt Weidig, für Sibylle Krug Witwe Rechtsanwalt Hoos. Mittwoch den 4. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Balduin Traud aus Herbstein wegen Notzuchtversuchs. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Gut fleisch u. Engisch. Donnerstag den 5. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Paul Bau mb ach aus Crainfeld wegen Meineides. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, •bie Verteidigung führt Rechtsanwalt Hoos. Freitag den 6. Dezember, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich A. Lindenstruth aus Gießen wegen Meineides. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Grünewald. ** Ernennungen. Ernannt wurden die Regierungsbau- Mhrer Clemens Behle aus Frankfurt tu *DL, Karl ^Cellarius aus Worms, Robert Cramer vom Hof ^Ludwigshöhe (Kr. Gießen) und Ludwig Klump aus Darmstadt zu Regierungsbaumeistern. *♦ Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem .Garde-Unteroff. Grab bet Garde-Unteross. Komp, die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdiensb-Ordens Philipps des Großmütigen, dem Garde-Unteroff. Schnellbacher •der Garde-Untervss. Komp., den Wachtmeistern Wohlfahrt und Schmidt, den Fußgendarmen Gebhardt und Schäfer, — des Grvßherzogl. Gend- Korps, — das •Silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Konzert. Morgen findet in der Ostanlage Promenaden- ausik statt mit folgendem Programm: 1. Ouvertüre z. Op. (Bellini), 2. Carlotta-Walzer (Millöcker), 3. Krönungsmarsch (Meyerbeer), 4. Finale a. d. Op. Lohengrin (Wagner). * • Die Generalversammlung des Saalbau-Vereins am Donnerstag den 28. November war leider nur schwach besucht. Der Vorfitzende erstattete zunächst den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Die Zahl der Mitglieder betrug 185. Als einzige künstlerische Aufführung fand ein Konzert des Herrn Dr. Ludwig Wöllner statt. Außerdem wurde am 22. Ium ein großes Jahrmarktsfest in Steins Garten veranstaltet. Der vom Finanzausschuß geprüfte und richtig befundene Rechenschaftsbericht schließt mit einem Ueberschuß von 1770 Mk. 15 Pfg. ab, womit das Vermögen des Vereins auf 8240 Mk. angewachseu ist. Dem Rechner Kommerzienrat Heichelheim wird Entlastung •erteilt und ihm der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. In diesem Vermögen ist noch nicht inbegriffen der Reinertrag des Jahrmarktsfestes, der mit 5400 Mk. bei der Spar- und Leihkasse angelegt ist. Die Versammlung beschließt, der Einwohnerschaft Gießens und insbesondere den Damen und Herren, welche die Kauf- und Schaubuden aufs reichste ausgestattet und sich in ebenso eifriger wie liebenswürdiger Weise den Mühen des Verkaufs unterzogen haben, öffentlich den Dank auszusprechen. Der bisherige Vorstand wird durch Zuruf wiedergervählt; einige Lücken sollen durch Juwcchl ausgefüllt werden. ** Religionsgesckpichtliche Vorträge. Gestern abend hielt Professor Holtzmann seinen zweiten Vortrag, in dem er davon ausging, daß der Gehorsam gegen das Gesetz das hervorstechende Merkmal der jüdischen Religion bildet^ aber die Hoffnung auf den Messias treibt zu diesem Gehorsam. Bis Esra hat das später giltige Gesetz niemals auch nur yinsicUliH der öffentlichen Festfeier vollständig gegolten. Altisrael hatte 'überall Gottesbilder, die das Gesetz verbietet; auch im Tempel Salomos standen vom Gesetz verworfene 'Bilder lebender Wesen; in der alten Zeit opfert man überall, das Gesetz erlaubt nur Opfer in Jerusalem. Aber die alte .Frömmigkeit fehlt gegen das Gesetz, weil sie es nicht kennt; mach den Königsbüchern wurde erst 621 v. Chr- das Gesej 'des Mose int Tempel in Jerusalem gefunden. — Damals »mußte in Juda der assyrische Götterdienst beseitigt werden, den man wegen der Nebermacht der Assyrer eingeführt •hatte; nur Jerusalem hatte den Assyrern widerstanden; feilt Tempel war rein israelitisch; die Propheten verlangten Einschränkung des Opferdienstes: so sollten jetzt alle Tempel und Altäre außer dem in Jerusalem fallen. Das verlangt das -im Tempel gefundene, durch König Josia trotz aller Schwierigkeiten zur Geltung gebrachte Gesetz: damit wird für die Landstädte Judas zuerst ein ovferloser Gottesdienst in Gebet und Predigt in Aussicht gestellt, ein Hinauswachsen über die ganze Welt des Altertums. — Nach der Zerstörung Jerusalems entwirft in der babylonischen Gefangenschaft der Prophet Hese kiel ein ideal gehaltenes Gesetz,'das Mach der Rückkehr gelten soll. Die Verhältnisse der Zurückgekehrten werden aber erst durch Esra 444 v. Chr. sicher geordnet. Er verpflichtet die ganze Gemeinde zu rein persönlicher Treue gegen ein umfassendes Gesetz des Mose. Nach Esras Zeit werden alle auf Mose zurückgeführten «BtaR SSätot Moje sÄneö. Msi gilt Mose als Urheber des priesterlichen Rechtes und als erster Prwphet. — Das große Sammelwerk läßt die verschiedenen Stufen der israelitisck)en Religion noch deutlich erkennen. Zwei Bücher schildern die Geschichte der Welt von der Schöpfung bis zur Einwanderung Israels in Palästina, eines volkstümlich, die alte Sitte widerspiegelnd, das andre — das Buch des Esra — den ganzen (Ertrag der prophetischen Predigt verwertend; das durch Josia singeführte Gesetz ist als Anhang beigefügt, eine letzte Warnung Moses an sein Voll. — Das Gesamtwert enthält nun überall Reste eines abgestorbenen Glaubens, z. B- bei Aufzählung unreiner Tiere. Die rein gottesdienstlichen Gebote zeigen am deutlichsten eine Entwicklung: das älteste Gesetzbuch fordert viele Altäre, das Buch, des Josua nur einen, das Buch des Esra führt das Versöhnungsfest ein. Auch das Recht des Hauses zeigt stufenweisen Fortschritt. Im Schuldrecht begegnet schon im ältesten Gesetzbuch das Zinsverbot, 621 kommt dazu noch das siebente Jahr als Erlaßjahr: das Buch des Esra sucht die letztere Be- timmung durch Einführung des 50. Jahres als Erlaßjahrs zu ersetzen. Der Armenfürsorge gilt die Vorschrift des ältesten Gesetzes, bie den Ertrag des siebenten Jahres den Armen zuweist; das Buch des Josia verlangt für die Armen jedes dritte Jahr ein Zehntel des Ertrags. — Sein Gesetz hat das jüdische Volk über den Zusammenbruch des jüdischen Staates hinaus in seiner Eigenart erhalten; andererseits stellen die spätesten Teile des Gesetzes gewisse leitende Lebensgrundsätze auf: die beiden Gebote der Nächstenliebe und Gottesliebe stehen thatsächilich in diesem Gesetz als etwas ganz Besonderes da. Aber auch die Betonung der sittlich gerichteten Zehn Gebote gegenüber der älteren Reiche der gottesdiensllich gerichteten zeigt den Fortschritt zu einer Frömmigkeit der Selbsterziehung. Solche bildet sich aber lieber an Vorblldern als an Bor- chriften. Das vorchristliche Judentum sieht solche Vor- )ilder in den Erzvätern und in Viose, die freilich diesen Anforderungen nicht überall entsprachen. So zeigt fidji als Resultat dieser religiösen Entwickelung die Sehnsucht nach einem einheitlichen Ideal und nach einer vorbildlichen Persönlichkeit: — Das Alte Testament ist Weissagung. ** Tie akademis che evangelische Vereinigung (akademische Ortsgruppe des „Evang. Bundes") hier, hielt gestern abend im Cafe Ebel eine Versammlung ab, in der Pfarrer Schlosser einen Vortrag über: „Grund- ätze und Aufgaben moderner Armenpflege" hielt. Sein Vortrag bot reiche Belehrung und Anregung. — Was Armut bebeutet, und welche furchtbaren Wirkungen sie ausübt, zeigte der Redner mit ergreifender Deutlichkeit durch vergleichende statistische Angaben über Sterblichkeit in den ver- chiedenen Gesellschaftsklassen, und durch Mitteilungen aus )en Erfahrungen, bie er als Gefängnisgeistlicher gesammelt hat. Er legte bann dar, wie es zu der modernew bürgerlichen Armenpflege gekommen ist. Sie war erst möglich auf dem Boden des Protestantismus, erst als der Staat als selbständige, sittlich berechtigte Größe anerkannt wurde. Sodann zeigte der Vortragende, welche großen Vorzüge bie gesetzliche bürgerliche Armenpflege hat und wie erfolgreich sie in der Organisation, die sich in dem „Nberfelder System" (seit 1853) ausgebildet hat, wirkt; andererseits aber habe sie auch Schwierigkeiten im Gefolge, besonders durch die Bestimmungen bezüglich! des Unter» tützungsw-ohnsitzes und des „Existenzminimums". Der Redner kam dann auf die gesetzliche Arbeiterversicherung und -Fürsorge zu sprechen, die sich wesentlich) auf die bei )er Armenpflege gewonnenen Erfahrungen stützt. Er childerte ihre Bedeutung neben der Armenpflege und ür sie. Sie hat zwar zunächst eine Entlastung der Armen- oflege herbeigeführt, der aber eine stärkere Belastung ge- ölat ist, weil die Versicherungsgesetze dazu beitrugen, die Lebenshaltung der arbeitenden Klasse im allgemeinen zu erhöhen. Mer eben dadurch trägt sie viel zur Verstopfung der Quellen der Armut bei, und dies ist doch schließlich >as letzte überragende Ziel bei der Bekämpfung der Armut. Zum Schluß würdigte Pfarrer Schlosser neben der bürgerlichen noch- bie freie und kirchliche Armenpflege. Sie ist eine notwendige Lebensäußerung christlich-sittlicher Gesinnung und findet ein weites Arbeitsfeld, auf dem sie — weise geübt in enger Fühlung mit der bürgerlichen Armenpflege — viel Freude und reichen Segen stiften kann. eh Niedcr-Moos, 29. Nov. Der vor etwa 6 Wochen in dem nahen Metzlos-Gehaag verhaftete 60jährige Landwirt Heinrich Klug, unter dem Verdacht der Beihilfe zu einem Kindesmord, wurde aus der Haft entlaffen. r Lauterbach, 29. Nov. Eigentümlich handelte der Pfarrer eines Ottes in der Umgegend. Als ein Brautpaar sich auf dem Standesamt zur Civittrauung befand, begab sich auch der Pfarrer in das Lokal (SchulhauS) und nahm der Braut den Kranz sowie dem Bräutigam den Strauß ab mit dem Bemerken, daß Erstere sich in guter Hoffnung befinde und dies ein Unrecht fei. siAus dem oberen Vogelsberg. Unser-s-Korre- spondent teilt uns zu dem am 22. d. M. in der Zweitem Kammer zur Beratung gelangten Projekt der Erbauung einer Nebenbahn Grebenhain-Gedern über Hartmannshain folgendes mit: Die Abgeordneten waren überrascht davon, daß die Vorlage so rasch und unerwartet kam. Es scheint, als ob die Petition der 13 Gemeinden wegen Führung der Bahn über Bermuthshain- Völzberg-Bo lkartshain usw. bei den Beratungen im Finanzausschuß nicht beachtet resp. überhaupt ganz totgeschwiegen wurde. Die Abgeordneten selbst sollen keine Kenntnis davon gehabt, vielmehr geglaubt haben, die Petittvn sei erst am Morgen des Verhandlungstages eingelaufen. Infolgedessen haben sich die Petenten genötigt gesehen, eine weitere, Vorstellung an bie Zweite Kammer abzusenden, in der sie il a. aus führten, daß ihre Petttion bei den Verhandlungen über bie Vorlage nicht die geschäftsordnungsmäßige Behandlung gefunden haben dürfte, sie in den Berichten nicht erwähnt worden sei. Als langjährige Bewohner des Bezirks hätten sich die Petenten zu der Eingabe für verpflichtet gehalten, da man schon im Verlauf des Bahnbaues Lauterbach-Grebenhain auf die Stationen Blitzenrod, Frischborn, Eisenbach usw. hingewiesen habe. Sodann werden die Angriffe der Abgeordneten Weidner und Schmalbach von den Petenten scharf zurückgewiesen, die die sachliche und wichtige Eingabe als eine Mache bezeichnet hätten. Zum Schlüsse uwrde noch an die Zweite Kammer die Bitte gerichtet, die geschäftliche Behandlung in die Wege zu leiten. Allgemein herrscht in der hiesigen Gegend große Aufregung und Erbitterung. Mainz, 29. Nov. Der Ausschuß des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinhessen hielt hier heute eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Es kam zu einer lebhaften Erörterung wegen der vor einigen Wochen in Darmstadt abgehallenen V er s am ml ung der hessischenLand- wirLe. Der Vorsitzende des rhevchesfischen Leverns stein sprach sich ganz entschieden dagegen ti§, baß man s. Zt. auch die extremen Agrarier zu dieser Versammlung eingeladen habe, die Vertreter des ^Bundes der Landwirte", der Bauernbündler, der Bauernvereine rc. Mit söchcn Leuten, die die Politik in die landwirtschaftlichen Verammlangen hineintragen, wolle er nichts zu thun Haden, br sei auch ür landwirtschaftliche Zölle, aber auch enischieden ür langfristige H andelsv ertrage. Ihm sei ein Gtteidezoll von 6 Mk. mit Handelsverttäge lieber, als ein socher Zoll von 7 Mk. ohne Handelsvetträge. Jndusttie und landwitt-- chaft müßten sich gegenseitig unterstützen. Wenn nan mit einer Stellung in der Zollfrage nicht eüwerftanbcn fri, wolle er lieber das Präsidium des Vereins niederlegen. De große Mehrheit des Ausschuffes erklärte sich mit den Ausfülrungen des Vorsitzenden einverstanden. Bmgen, 28. Nov. Die Hessische Regierung beabsichtigt, wie in der heutigen Stadtverordneten-Versammlung mtgeteilt wurde, in der Gemarkung Bingen durch Ankauf von Weinbergen ein Do manialweing ut zu schaffen. Im Frühjahr des kommenden Jahres dürfte die Angelegenheit in Fluß kommen und die zur Anlage notwendigen Weinberge inge» kauft werden. Von den Winzern und Weinhändlem in Bingen und Umgebung dürfte diese Absicht der Regierung au§ naheliegenden Gründen mit Freuden begrüßt werdm. Homburg v. d. H, 28. Nov. Auf der Hornburg-Fried- berger Bahn entgleiste gestern zwischen den Stationen Rodheim und Roßbach von dem um 3.12 Uhr hiec abgegangenen Personenzug die Lokomotive und ein Wagen. Personen wurden nicht verletzt. • * Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. Heinrich Klingspor von Mannheim, Sohn der früher in Wetzlar ansässigen Familie Klingspor, hat 200 Mark zur Renovierung unseres Domes gespendet. Vermischtes. • Lüttich, 29. Nov. Die hiesigen liberalen Stu- ) e n t e n veranstalteten gestern Abend anläßlich des Empfanges der katholischen Studenten von Lüttich Sttaßenumzüge und kandalöse Auftritte. Die Polizei schritt ein und es kam zu einem Zusammenstoß mit den Studenten, wobei mehrere der Letzteren verwundet mürben. • Paris, 29. Nov. Eine große Feuersbrunst zerstörte in der letzten Nacht in der Sttaße Bachaumoni 14 Wohnhäuser. Die Ursache des Brandes ist noch nicht bekannt, jedoch vermutet man, daß daß das Feuer in einem Möbellager angelegt worden ist, da dasselbe gleichzeitig an vier Ecken brannte. * Zu dem rätselhaften Tote des Leutnants Freiherrn v. Hammer st ein vorn 15. Jnf.-Regt. Nr. 181, oessen blutübersttömte Leiche, wie wir kürzlich meldeten, unter eigenartigen Umständen in Chemnitz aufgefunden wurde, : eilt jetzt die dortige Polizeidirektion mit, daß nach den behördlichen Ermittelungen lediglich ein Unglücksfall vor- 1 liege, der den Tot des bedauernswetten, jungen Offiziers herbeigeführt hat. Das gleichzeitig mit ihm abgestürzte Mädchen sei mit unbedeutenden Verletzungen daoongekommen. Unrichtig dagegen sei es, daß das Mädchen auf der Polizeiwache gemeldet hätte, daß es von einem Offizier in der Nähe des Hauptbahnhofes über ein Geländer in den etwa 5 m darunter befindlichen Kohlenhof gestürzt worden sei. Landwirtschaft. Darmstadt, 29. Nov. Die in Reinheim und Umgegend, sowie in einzelnen Otten der Kreise Bensheim, Groß-Gerau und Worms mit dem Baeeellischen Verfahren angestellten Heilverfahren haben, wie wir gestern telegraphisch nach der „Darmst. Ztg." mitteilten, ein befriedigendes Ergebnis nicht gehabt. Nach den bis jetzt eingelaufenen Berichten der mü der Ausführung dieser Versuche beauftragten Kreisvetettnärärzte sind selbst einige von denjenigen Tieren, bet welchen schon vor Einttttt der ersten Krankheitserscheinungen mit den intravenösen Sublimateinspritzungen begonnen wurde, noch während die Behandlmig im Gange war, chwer an der Seuche erkrankt und einzelne von ihnen auch eingegangen. Hiernach stellt sich die in einigen Fällen gemachte Beobachtung, daß behandelte Tiere leicht durchseuchten, als Scheinerfolg dar. Auch die Viehbesiher in den betroffenen Gemeinden haben in der Folge kein Vettrauen mehr zu dem Verfahren unb verhalten sich nach den Mitteilungen der bettesfenden Kreisveterinär-- ärzte gegen die weitere Anwendung des Verfahrens ablehnend. Aus diesem Grunde hat sich die Ministettalabteilung für öffentliche Gesundheitspflege veranlaßt gesehen, die Versuche ein- zustellen. Unioersitäts Nachrichten. — Aus Marburg ging folgendes Schreiben an Mommsen ab: Hochgeehrter Herr Prostsior!. Im Anschlüsse an die Erklärung, der Münchener Kollegen sprechen auch die unterzeichneten Pro-' essoren der Universität Marburg Ihnen aufttchtigen Dank dafür aus, daß Sie Worte zu einem dringlichen Warnruf gegenüber, einem Vorgang gefunden haben, in dem wir eine Gefahr für das Prinzip der Freiheit in Forschung und Lehre, die Grundlage der deutschen Universitäten erblicken. Mit der ohne Zweifel weitaus überwiegenden Mehrheit der deutschen Hochschullehrer teilen wir die von Ihnen verfochtene Ueberzeugung, daß unsere Universitäten nur bei völliger wissenschaftlicher Freiheit ihre Aufgaben als Pflegstätten der Wissenschaft zu erfüllen vermögen, und empfinden tun' oeßwillen die sonst so erwünschte Vermehrung der Professuren, wenn sie den Zweck verfolgt, einer bestimmten Konfession, statt; allein der Begabung und der Leistungskraft den Besitz von Lehrstühlen zu sichern, als eine Gefährdung der Universitäten und des geistigen Fortschritts. Mannkopff. Justi. Bergmann. Varren- trapp. Kissner. Max Bauer. Zincke. Cohen. Westettcmw. Frhr. v. d. Ropp. Fischer. Herrmann. Niese. Ahlfeld. Achelis. Gasser. Ernst Schmidt. Hans Meyer. Kayser. Maaß. Sirt Oetker, v. Sybel. Schröder. Jülicher. Budde. Ernst Hüfttr.1 Mirbt. Arthur Meyer. Ribbert. Schotsky. Heß. Korschelt. Natorp. Tuczek. Btetor. Jensen. Weiß. Richarz. Andree.! Bach. Rathke. Friedrich Schenck. Romberg. Bonhoff. v. Drach.' fteuffner. Fittica. Kohl. Cremer. Ostmami. Oldenberg. Brandt. Enderlen. Kühnemann. — Die Berliner Finkenschaft hat beschlossen, eine allgemeine Studentenoersammlung einzuberufen, um zur Berufung des Prof. Spahn an die Sttaßburger Universität Stellung zu nehmen. — Dio deutschen Universitäten und Mommsen. Aus Königsberg ivird gemeldet: Mit der Unterschrift des Rektors Prof Dr. M. Braun, war auf vorigen Freitag, 22. er., eine Versammlung sämtlicher ordentlichen und außerordentlichen Professoren sowie der Privatdozenten der Universität einberufen worden zur Beratung über eine eventuelle Stellungnahme zu der Mommsen- schen Erklärung. Herr Prof. Braun erklätte ausdtticklich in der Versammlung, daß er diese nur als Privatperson einberufen habe, und forderte die Amvesenoen auf, sich einen Vorsitzenden zu wählen. Die Wahl fiel auf Herrn Prof. Braun. In der Versammlung war ungefähr ein Drittel sämtlicher Dozenten der Universität — 30 bis 40 Herren — erschienen. Bon einet Seite wurde beantragt, daü diejenigen sich erheben sollten, die unter allen Umständen f ü r eine Zustimmungserklärung an Mommsen wären, und ebenso diejenigen, die unter allen Umständen gegen eine solche wären. Beides geschah. Tie Mehrzahl der Erschienenen erhob sich aber bei beiden Fragen nicht, da die Herren offenbar sich chr Urteil Vorbehalten wollten, in welcher Weise sie sich zu verhalten hätten, je nachdem, was beantragt werden würde. Ta indessen trotz wiederholter Aufforderung niemand einen Antrag stellte, so wurde die Versammlung nach einer Stunde wieder geschlossen. — Tie Universität F^r e i b u r g gedenkt dem Königsberger Beispiel zu folgen, aus Straßburg dagegen wird gemeldet: Eine Zustimmungserklärung an Prof. Mommsen in Berliii, wie sie bereits die bayerischen Hochschulen und andere erlassen haben, zirkuliert jetzt auch unter den hiesigen Unioersitätsprofessoren und sindet zahlreiche Unterschriften. — Tie reichsländische Regierung scheint auf der von ihr beschrittenen Bahn weilevgehen au wollen,^da sic, wie die „Straßb. Ztg." versichert, den Pros. M ü l l e r am Straßburger Priesterseminar zum kacholischen Philojophieprofessor an der Uni- kruten-Kontingents sowie die Anschaffung neuer Geschütze waren dem Vernehmen nach von beiden Fi-! nanzministern, die übereinstimmend erklärten, daß fie mit Rücksicht ans die wirtschaftliche Lage höheren Anfor-^ berungen für Armeezwecke nicht Nachbeben könnten, be», kämpft worden. — Die Mand ats-Niederleaun Wolffs bildet das politische Tagesgespräch. Wie verlautet,^ steht eine Spaltung der alldeutschen Partei im eine radikale Gruppe unter Führung Schönerers und eine^ gemäßigte Gruppe bevor. Zwischen beiden hat bisher Wolff) vermittell. Budap e ft, 30. Nov. Die erste ungarische lan dwirt- schaftliche Maschinen-Fabrit, Aktiengesellschaft,, ist gestern nacht gänzlich niedergebrannt. Die 2Berti statten mit allen Maschinen sind eingeäschert. Der Schaden ist bedeutend. Pete rs bur g, 30. Nov. Durch eine große Feuer bruuft in Cudaschowa wurden 164 Häuser eingei äschert. Man befürchtet, daß Menschen in oen Flammen? umgekommen sind. Telephonischer Kursbericht, Frankfurt a. JBL 37a% Beichsanleihe . . 100.50 3% do. ... 89.55 81/,•/() Konsole .... 100.60 30/0 do.....89.65 8 x/s°/o Hessen .... 98.20 S0/u Italien. Rente . . . 99.90 4 /o Griech. Monopo 1-Anl. 42.50 5°/v Portugiesen .... 27.00 3% Mexikaner .... 25.70 4%% Chinesen .... 86.90 , 30. November. Kreditaktien..... 200.50 Diskonto-Kommandit . . 181.50 Darmstädter Bank . . . 125.20 Dresdener Bank .... 128.50- Berliner Handelsges. . . 140 30' Oesterr. Staatobahn . . . 136.90 Gotthard bahn.....163.00 Laurabütte......187.00 Bochum ....... 173.50? Harpener......164.20 Tendenz: fest. Bei Katarrh, Husten, rauhem Halse, Heiserkeit, Verschleimung. lOjähr. überrafch.Erfolge dLlpotheker Albrechts Aepfelsäure-Pastilleu. In d Apocheken u. bess. Trog, ä 80 Pfg. Haupt-Depots: Kirsch» u.Aniversttäts-ApotheKe, Drog. HuchKerYard. Berfteigermng. Mittwoch deu 4. und Donnerstag deu 5. 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Der Vorstand. KMblmnerr in schöner Auswahl neu eingetroffen. 7849' Elisabeth Euler, 7849 Lndwigstratze 14, L 7836 " -■•_______________ . - Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Schlitz, Gießen, Chicago, Buffalo, den 30. November 1901. ,*.V; 1 "a Todes Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unsere unvergeßliche Gattin, Mutter, Tochter und Schwester Elly Heil geb. Leinweber im Alter von 33 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Um stille Teilnahme bitten Gießen, den 30. November 190L 04846 Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unser innigst-- gellebtes, gutes Söhnchen Robert im Alter von 18 Monaten heute früh 5 Uhr nach kurzem, aber schwerem Leiden zu sich zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die tieftrauernden Eltern: Wilh. Aunmn uni) grau Die Beerdigung findet Montag den 2. 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