Nr. 230 Zweites Blatt. 1SI. Jahrgang. Dienstag 1. crtoUcvivui Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die «iehener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt' und den »Blättern für hessisch» Volkskunde' viermal wöchentlich bei» gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». FernsvrechanschlußNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen Annahme von Anzeigen zu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. biS vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt» lungsstellcn des In» und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pst, auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko: für den Anzeigenteil: Hans Beck. Deutsches Keich. Berlin, 29. Sept. Aus Rominten wird gemeldet: Bei der gestrigen Abendpürsche erlegte der Kaiser einen ; kapitalen Sechszehnender. — Der „New-York-Herald" läßt sich nach einem englischen Blatt auS Danzig Aeußerungen des Kaisers , melden, worin die politische Lage, trotz alser amtlichen Versicherungen des Gegenteils,, als nicht derartig bezeichnet worden sein sollte, wie der Kaiser sie wünschen möchte. Diese Meldung beruht, der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge auf blanker Erfindung. — Der Gesundheitszustand der Kaiserin is zur Zeit nicht besonders gut. Sie hat in Nominten zwei Tage lang das Bett hüten müssen, und ihres leidenden Zustandes wegen ihren dortigen Aufenthalt auch um einige Tage verkürzt. Im Neuen Palais hat die Kaiserin am Frei, tag, dem Tage ihrer Ankunft, sofort den Direktor des klini- schen Instituts für Frauenkrankheiten und Geburtshülfe, Pro- fessor Dr. OlShausen aus Berlin konsultiert. Man giebt sich indessen der Hoffnung hin, daß daS Uebel bald gehoben sein wird. Ueber daS Leiden des Grafen Waldersee wird u. A. aus Stuttgart berichtet: Graf Waldersee blieb den Manöoern fern, weil sein Beinleiden sehr schmerzhaft ist. ES handelt sich um ein Blutgeschwür am Schienbeine, das nach der Aussage eines Professors der Kieler Universität durch den Aufenthalt in China entstanden sein soll. — Anläßlich der letzten Kaisermanöver wurden 267 Angehörige des 1. und 17. Armeekorps dekoriert. Auch etliche Militärpfarrer und Divisionsküster erhielten Orden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In der verschiedensten Fassung tauchten vor einigen Tagen Nachrichten über grobe Ausschreitungen an Bord S. M. kleinen Kreuzers „Gazelle" auf. Diese Gerüchte müssen zum mindesten als übertrieben bezeichnet werden. Es handelt sich voraussichtlich um Jnsubordinationsvergehen einzelner Marine- mannschasten, die sich zur Zeit in kriegsgerichtlicher Untersuchung befinden. Die Thatsache, daß genaue Angaben über den Vorfall bei den Zentralbehörden nicht vorliegen, läßt es zweifellos erscheinen, daß von Ausschreitungen in größerem Umfang nicht die Rede sein kann. Das Geschwaderkommando würde in letzterem Fall nicht verfehlt haben, nähere Mitteilungen zu machen. — Während in früheren Jahren der Entwurf des Marineetats oft wesentliche Ueberraschungen auch bei Forderungen für denBau vonKriegSschiffen bringen konnte, ist jetzt, nachdem durch das Flottengesetz für eine längere Zeit die Entwicklung auf diesem Etatsgebiet vorgeschrieben ist, ziemlich genau daS Maß der Neuforderungen, das in den Etat eingestellt wird, zu übersehen. Im Etat für 1902 werden, nachdem der Etat für 1901 die Schlußraten auSgeworfen hatte, nicht mehr erscheinen die Linienschiffe „Kaiser Barbarossa", „Kaiser Karl der Große", der große Kreuzer „Prinz Heinrich", und die kleinen Kreuzer „Thetts", „Ariadne", „Medusa" und „Amazone". Dagegen werden weitere Raten aufgeführt werden ür 7 Linienschiffe, für 2 große Kreuzer und 3 kleine Kreuzer, owie für den Umbau der Schiffe der Siegfriedklasse. Jns- ;esamt werden also 13 Positionen im Kapitel für Schiffs- banten erscheinen, welche, abgesehen von den Torpedobooten, weitere Raten für schon in Angriff genommene Bauten verlangen werden. Dazu werden die auf Grund des Flotten- gesetzeS einziisetzenden Neuforderungen kommen. Von dem Sollbestand an Linienschiffen in Höhe von 38 sind bisher 29 teils vorhanden, teils im Bau begriffen, von den 14 großen Kreuzern 12 und von den 38 kleinen Kreuzern nach dem Untergänge der „Wacht" 31. Im Etat für 1901 waren 14 Positionen weiteren und 7 Positionen erstmaligen Raten gewidmet, und von den letzteren entfielen 2 auf Linienschiffe, 1 auf einen großen Kreuzer, 3 auf kleine Kreuzer und 1 auf die Siegfriedklasse. teilung des Handelsregisters eine Dreiteilung vorzuuehinen. Damit ist selbstverständlich auch eine Aenderung des Gesetzes über die freie Gerichtsbarkeit verbunden. — Wiederholt wird in Anbetracht der Wichtigkett der Materie Verweisung an den Ausschuß empfohlen, zum Schluß jedoch der Antrag Oldenburg angenommen. Uber den letzten Beratungsgegenstand, Verbleib der aus Antrag der Handwerkskammern gemäß! § 103 n d. G. O. festgesetzten Strafgelder- referiert Moritz-Dortmund, der folgenden Antrag stellt. „Der zweite deutsche Handwerks-Gewerbekammertag wolle beschließen: 1. Bei dem hohen Bundesrat und Reichstag den Antrag zu stellen, daß dem § 103 n der R. G. O. nachfolgende Bestimmung eingeführt wird: Die auf Grund des Aos. 2 festzusetzenden Strafgelder fließen in die Kasse der zuständigen Handwerkskammer. 2. Bei den verbündeten Regierungen vorstellig zu werden, daß die bis zur gesetzlichen Regelung der obigen Frage von den Staatskassen vereinnahmt^ Gelder aus Billigkeitsrückfichten den zuständigen Handwerkerkammern zugewiesen werden. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Damit ist Die Tagesordnung erschöpft. Der Vorsitzende des Vorortes Plate-Hannover spricht herzliche Tank- und Abschiedsworte. Als nächstjähriger Versammlungsort ist Leipzig oder Düsseldorf vorgesehen; auch haben sich Breslau und Dresden beworben. Deutscher Handwerks- nnb Gewttdedammrtag. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") II. S. Darmstadt, 28. September. Heute begannen, wie wir telegraphisch bereits kurz mitteilten, die interessanten Verhandlungen über das Sub- missionswesen. Kommerzienrat Nagel-München erklärt in seinem Referat, daß man in allen beteiligten Kreisen und Behörden davon überzeugt sei, daß dieser Krebsschaden im gewerblichen Leben ausgemerzt werden müsse. Der Grundgedanke bei der Arbeitsvergebung müsse Gerechtigkeit sowohl bei der Verteilung wie bei der Entlohnung sein. Wenn es auch schwer fei, mit einem Male alles Hergebrachte umzuwerfen, müsse man doch auf Reformen hinarbeiten. Er verliest 21 von der Münchener Handwerkskammer beratene Leitsätze, welche ungefähr folgendes sagen: „In erster Linie muß! mit dem Prinzip des Zuschlags an den Mindestnehmenden gebrochen werden. Tie Generalentreprise darf grundsätzlich nur da in Anwendung kommen, wo örtliche oder andere zwingende Verhältnisse eine andere Art unmöglich erscheinen lassen, oder wv es sich! um ein Patent, besondere Kenntnisse rc. handelt. Arbeiten bis zu 1000 Mk. können in regelmäßigem Turnus an einheimische Gewerbetreibende vergeben werden. Der Zuschlag soll an diejenigen Bewerber erfolgen, deren Angebot dem Mittel- vreife, nach unten gerechnet, am nächsten kommt; Angebote, die 80 Prozent unter 20 Prozent über den Voranschlag hinausgehen, sollen bei Aufstellung des Mittelpreises außer Betracht bleiben. Tie Vergebung soll nicht nach Aus- und Angebot erfolgen, sondern es sollen selbständig berechnete Offerten eingereicht werden. Es sollen Arbeiten nur an diejenigen Bewerber vergeben werden, die das Recht haben, Lehrlinge zu halten; Bewerber, welche nicht in erster Linie einheimische Arbeiter beschäftigen, Lehrlings^üchterei treiben oder Arbeiten in Strafanstalten unfertigen lassen, sollen nicht berücksichtigt werden. Jeder Uebernehmer soll die Arbeiten auch selbst ausführen. Bei größeren Ausschreibungen solle man über die Qualität der Bewerber die Handwerkskammer hören. Tie Arbeiten sind in möglichst kleine Lose zu verteilen. Tie Zeit zwischen Ausschreibung und Zuschlag muß möglichst lang, die Lieferzeit nicht zu kittz fein. Tie Kaution darf 5 Prozent des Gesamtwertes nicht übersteigen, Barkautionen sollen verzinst werden. Tie Schlußabrechnung muß 4 Monate nach Fertigstellung der Arbeiten erfolgen. Für besondere Kosten wie Gerüste rc. sind besondere Berechnungen zu machen. Ter Bewerber soll nur 1 Jahr an sein Gebot gebunden sein. Bei Ausständen ist die Lieferzeit um die Tauer derselben zu verlängern und eine dadurch herbeigeführte Lohnerhöhung verhältnismäßig in Anrechnung zu bringen. Redner hofft, daß die Behörden mit diesen Vorschlägen Versuche machen, etwas Gutes werde immer zurückbleiben, wenn auch nicht alles durchführbar sei. Hierauf begründet Dr. Röhl-Saarbrücken 3 andere Leitsätze, die im Grunde dasselbe bezwecken wollen, und empfiehlt schließlich gegenseitige Ergänzung. Aulbach- Mannheim empfiehlt in einer Anzahl Thesen das Mittelpreisverfahren. Der hessische Staatskommissar Oberregier- ungsrat Tr. U sing er verliest die von der hessischen Regierung vorgesehenen Maßnahmen, (welche in Nr. 37 des Hess. Gewerbeblattes veröffentlicht sind) nach denen den Handwerkern bei Vergebung von staatlichen Arbeiten eine Mitwirkung zugesagt ist. Seine Ausführungen fanden großen Beifall. An der weiteren Debatte beteiligen sich Heine- Tortmund, Epp-Stettin, Struckmann-Bremen, Nagel- München. Es wird schließlich der Antrag Küster- Hannover auf Uebertoeifung des Materials an den Ausschuß nach einer Empfehlung durch! Falk-Mainz, angenommen. Der nächste Punkt betrifft: „Die Konkurrenz der staatlichen und städtischen Gewerbetriebe mit dem selbständigen Handwerk." Das hinreichend bekannte Thema wird an Hand von vielen Beispielen durch die Berichterstatter Kar schul und Pape-Insterburg eingehend beleuchtet. Beide stellen an den Ausschuß das Ersuchen um Whilfe. — Dr. G e i ß e n - berger-Straßburg hat auch viele Klagen, wünscht aber, daß die Kammern in vielen Fällen selbst vorgehen, da man sonst den Ausschuß überlaste und auch vieles nicht in seinen Rahmen passe. In Militärfragen müsse selbstverständlich das Reich entscheiden; er bitte, das Material nur insoweit dem Ausschuß zu übergeben, als es die Allgemeinheit betreffe. Er giebt seiner Befriedigung über die von dep hessischen Behörden beabsichtigten Maßnahmen Ausdruck. — Korthaus -Osnabrück verweist auf manche gute Resultate der Selbsthilfe. — Figge-Köln ist für den Antrag Straßburg. Ja cob skött er-Erfurt hält die MiUtände nicht für so groß, mit Ausnahme der Oekonomiehandwerker beim Militär; er stellt entsprechenden Antrag. Tw. Lin tz str ö m - Hannover unterstützt den Antrag Sttaßhurg, der nach längerer Debatte angenommen wird. Er lautet: „Der Ausschuß wird ersucht, thunlichst bald Thatsachen- material zu sammeln, um an zuständiger Stelle den Schaden darzulegen, der weiten Kreisen des deutschen Handwerkerstandes durch die Konkurrenz der Militärwerkstätten und die Ausführung von selbständigen Handwerksarbeiten seitens der Angehörigen des Soldatenstandes erwächst. Im übrigen empfiehlt er den Handwerkerkammern bezüglich biejer Konkurrenz und derjenigen der Strafanstalten und sonstigen staatlichen und gemeindlichen Betriebsanstalten selbst- । ständig vorzugehen. Endlich empfiehlt der Kammer- ■ tag den besonders betroffenen Handwerkszweigen nach- ! drücklich. Selbsthilfe auf dem Wege der Genossenschasts- : h^A?'b recht- Oldenburg berichtet über „Reform- vorschläge für die Registereintragung von Hand- ' werkern. Er halt eine Eintragung auf breiter Grundlage ■ für praktisch und schlägt vor, statt der bisherigen Zwei- i — Von der Reise der Herren Bebel und Singer zum Lübecker Parteitage wird den „Hamb. Nachr." mitgeteilt, daß sie auf der Eisenbahnfahrt von Berlin nach Lübeck bis Büchen die erste Wagenklasse benutzten und dann erst in Büchen, wie der Bericht sich ausdrückt, „zum Volke herab- stiegen". Bremerhaven, 29. Sept. Der Hamburger Dampfer „Pisa" landete hier das 2. Seebataillon, die Marine-Feld- battcrie des ostas. Expeditionskorps, 39 Mann des 3. See- bataillonS und 12 Mann vom Kreuzergcschmader. Braunschweig, 29. Sept. Auf der Konferenz der sogen, deutschen Rechtspartei sprach der Staatsminister a. D. Frhr. v. Hodenberg. Bismarck bezeichnete der Redner nach einem Ausspruche des verstorbenen Königs von Hannover als eine Gottesgeißel. Nach diesem Vortrage wurde folgende Resolution angenommen: Die deutsche Reichspartei erkennt den beherrschenden Charakter der Gegenwart in der bisher erreichten höchsten Steigerung der Revolution, welche dadurch eintrat, daß die beruf enften luclt lickien und geistlichen Vertreter und Zengen des Rechts in der alten nno neuen Welt selbst zu Trägern und Werkzeugen des Revolution geworden sind. U. s. m. München, 28. Sept. Die Kammer der Abgeordneten ist eröfinet worden. Finanzminister Dr. Frhr. von Riedel rechtfettigte die bayerische Finanzgebarung mit den Ueberschüssen seit dem Jahre 1882. Bei Besprechung des neuen Budgets betonte der Minister, daß e8 gelungen sei, das Budget ohne Steuererhöhung und Anleihen abzugleichen; eine Ausnahme finde sich lediglich bei dem Etat für RcichS- zwecke. Solange das Gleichgewicht zwischen den Matrikular- beiträgen und Ueberrocifungen nicht reichsgesetzlich festgolegt sei, sei ein Mehrbedarf für den Etat für Reichs- zw ecke möglich; diese Sache sei sehr ernst; denn eine be- ttächtliche Steigerung der Matrikularbeiträge ohne gleichzeitige Deckung durch Ucberweisungen müßte für das Budget der Einzelstaaten geradezu verhängnisvoll werden. Der Minister hofft zuversichtlich, daß die seit Jahren and) von der bayerischen Regierung vettretene Anschauung über die Notwendigkeit einer befriedigenden Ordnung der Finanzverhältnisse zwischen Reich und Einzelstaaten in nicht ferner Zeit allgemein anerkannt werde. Ausland. Belgrad, 29. Sept. Aus Altserbien wird abermals über eine Reihe albbane fischer Gewaltakte berichtet. Am 14. d. M. drang der albanesische Räuber Mu- harrem mit einer großen Albaneserbande in ein Dorf ein, raubte alles Vieh und erschoß fünf Frauen und einen jungen Mann. Am nächsten Tage ermordeten die Albanesen einen 60jährigen Serben aus Retchane. — Der „Sbobran" meldet: Der montenegrinische Prinz Mirko wird sich demnächst mit der russischen Großfürstin Helene verloben, und gelegentlich der im Frühjahr statt- sindenden Trauung soll der bulgarische Für st Ferdinand sich mit der montenegrinischen Prinzessin Xenia verloben. Petersburg, 29. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich gestern von Spala nach Skierniewice, wo der Kaiser Parade über die 5. Kavalleridivision des Militärbezirkes Warschau abhielt. Das Kaiserpaar kehtte hierauf nach Spala zurück. Wien, 29. Sept. Die Abfahrt des deutschen Bataillons erfolgte nach großen Feierlichkeiten am gestrigen Tage, die mit einer Galavorstellung in der Oper schlossen, heute morgen 9 Uhr vom Nordbahnhofe. Der Korpskommandant mit dem Stabe geleitete unter lebhaften Kundgebungen des Publikums dad Bataillon durch Militärspalier zum Bahnhofe, wo das Bataillon nochmals vor ihm defilierte. Während die Mannschaften den Zug bestiegen, verabschiedeten sich die Offiziere von den österreichischen Kameraden und dem deutschen GeschästSträger und Militärattachee. Graf Unexküll reichte Jedem die Hand. Nachdem Major Förster nochmals für die erwiesene Gastfreundschaft gedankt, erfolgte die Abfahtt. — Wie nachträglich bekannt wird, richtete der Kaiser von Oesterreich nach Eintreffen der deutschen Chinatruppen an Kaiser Wilhelm ein in herzlichen Worten gehaltenes Begrüßungstelegramm, in dem er sich über das vottreffliche Aussehen und die Haltung der Truppen sehr lobend ausspricht und die Verleihung von OrdensauSzeich- nungen an dieselben mitteilt. NewUork, 29. Sept. Czolgo§z bewohnt im Staats- gefängnis eine Zelle im Mörder-Korridor. Dort sind fünf Zellen, von denen jede von einem Mörder bewohnt ist, der der elektrischen Hinrichtung entgegensieht. Czolgosz schrie und stöhnte, als er eingesperrt wurde. Er ist niedergeschmettert. Sein Spießrutenlaufen durch die Volksmenge, die ihn bei der Ankunft nach seiner nächtlichen Fahrt von Buffalo bedrohte, war besonders auftegend. Es geschah ihm nichts, aber die Drohungen waren furchtbar. Einige auf ihn gerichtete Hiebe trafen die Polizisten. Als er im Gefängnisse war, stürzte er nieder und stöhnte; seine Gliednmsien verzogen sich, so daß der Gefängnisarzt Krämpfe ober Vergiftung befürchtete. Schließlich wurde aber festgestellt, daß er nur von Furcht befallen war. Vom Burenkriege. Dem „Reuterschen Bureau" Wirtz aus Graafreinet vom 27. September gemeldet: Heute begann der Prozeß gegen den in der Kapkolonie gefangen genommenen Buren, führer Stotter., Dieser ist apgellagt wegen Aufruhrs, wegen Ermordung farbiger unbewaffneter Späher, wegen Ermordung im Felde stehender Soldaten, und ferner, weil er Eisenbahnzüge in die Luft gesprengt und britische Unter- thanen sowie andere Europäer habe durchpeitschen lassen. Lotter bekannte sich nur des letzteren Vergehens schuldig. Er machte geltend, er sei Bürger des Oranje-Frerstvats. Aus Matjesfontein wird gemeldet: Scheevers gmg über den Olifant-Fluß zunächst nach Südosten. DL er hier von britischen Truppen verfolgt wurde, ging er in nördlicher Richtung vor, wahrscheinlich, um sich mit den Kommandos Louws, Maritzs und anderen Kommandos, im Ganzen einigen hundert Mann, nördlich von Clanwilliam, zu vereinigen. — Aus Greyton kommt folgende Nachricht: Tie Buren griffen am 24. September die Basutos an. Nach einem Verlust von 3 Toten zogen sich die Buren zurück. Auch die Basutos sollen mehrere Mann verloren haben. "Tie Pariser „Patrie" berichtet folgendes: Der Präsident Lvubet> der Zar, die Königin von Holland, der König von Griechenland und der König von Italien seien einverstanden, den Schiedsgerichtshof im Haag zu ermächtigen, auf ihre amtliche Zustimmung zu rechnen für den Fall, wenn sich derselbe mit dem Protest, der Buren über die Kitchener-Proklamation befassen werde. Der holländische Minister des Aeußeren lehne es zwar vorläufig ab, die Verantwortlichkeit zu übernehmen; trotzdem soll sich das Ereignis am Dienstag zu- trggen. Sollte es aus irgend einem Anlaß nicht stattsinden, so würde das russische Amtsblatt am 5. Oktober ein Dekret veröffentlichen, das sofort sämtlichen bei der russischen Regierung beglaubigten Vertretern ^überreicht werden wird, wie dies mit dem Dekret vom August 1898 bezüglich Einberufung des Friedenskongresses der Fall gewesen. Dieses Dekret wird den Regierungen sämtlicher zivilisierterNationen die Einberufung einer Konferenz Vorschlägen, welche sich! damit befassen wird, die Friedensidee durch die dauernde Einführung des Schiedsgerichts und die progressive und proportionelle Entwaffnung triumphieren zu lassen. Aas Statt und Zand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten Kt nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet. Gießen, 30. September 1901. • * Die Karte von Hessen trifft morgen früh ein und gelangt von 10 Uhr vormittags an in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zur Ausgabe. Bestellungen von auswärts beliebe man den Zweigstellen aufzugeben, Postabounentm werden gebeten durch Postkarte zu bestellen. Gießen, den 30. September 1901. Verlag des Gießener Anzeigers. Brüh lösche Druckerei. ** Personal-Nachrichten. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anz.") Der Großherzog hat oen Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen, Tr. Ernst Kornemann auf sein Ansuchen vom 1. November aus dem Staatsdienst entlassen und den Oberlehrer am Gymnasium und an der Realschule in Worms, Hermann Rahn zum Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen mit Wirkung vom 1. November ab ernannt. — Ter Großherzog hat ferner dem früheren Ortsgerichtsmann Joh. Eckstein V: zu Herchenrode das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift für langjährige treue Dienste verliehen. " Männerturnverein. Vom schönsten Wetter begünstigt, wap der gestrige Ausflug des Männerturnvereins, der die Teilnehmer über Wißmar, den Altenberg und Odenhausen nach Lollar führte. Hier fand mit den Lollarer Turnern ein gemütliches Zusammensein statt, das durch Gesangsvorträge seitens des Männergesangvereins Lollar verschönert wurde. Nur allzu rasch flössen die schönen Stunden, die den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben werden. * * Wiffeuschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer. Geh. Hofrat Prof. Dr. B e h a g h e t hielt am Samstag nachmittags von 4 bis 6 Uhr in der großen Aula des Unioersitäts- gebäudes zwei Ergänzungsoorträge und zwar über „Personennamen" und über „Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit". Danach erstattete der Rechner des Kurses Bericht über die Einnahmen und Ausgaben. Von dem Ueberschuß wurde ein Reservefonds für spätere Kurse angelegt, der den Mitgliedern des ersten Kursus, die auch die späteren besuchen, zu gute kommen soll. Der zweite Vortragszyklus ftndet voraussichtlich im nächsten Frühjahr statt. * • Bieberthalbahn. Der vom 1. Oktober ab bei der Bieberthalbahn in Kraft tretende Winterfahrplan weist gegen den bisher gütigen Fahrplan nicht unwesentliche Veränderungen auf. Vom 1. Oktober ab sind die Zeiten für die Abfahrt aus Gießen folgende: 600 (W), 713, 11M, l19, 3M*, 503 *, 6a5(W), 730* (bis zum 31. 10. 01 und vom 1. 4. 02 ab.) Bisher fuhren die Züge aus Gießen zu folgenden Zeiten ab: 5", 7<°, IO30, 12»®, 2°°, 3®°, 4®®, 53®, 6* * 3 * * 6 * * *®, 819 Es verkehren also im Winter zwei Züge weniger. Aus Bieber fahren die Züge zu folgenden Zeitpunkten ab: 64® (bis 31. 3. 02 (W), 6‘0 (vom 1. 4. 02 ab) (W), 7» (bis 31. 10. 01 (W), 754 (vom 1. 11. 01 üb) (W), 8"', 1235, 30*, 45®, 648, 905* (bis 31. 10. 01 und vom 1. 4. 02 ab.) Bisher waren die Zeitpunkte folgende: 5®°, 6°®, 880, ll10, l2®, 3°°, 400, 62®, 72S, 910. Die mit W bezeichneten Züge verkehren nur an Werktagen, während die mit einem Stern bezeichneten nur an Sonn- und Feiertagen verkehren. ** Eisenbahnunfall verhütet. Der Aufmerksamkeit des Maschiuenführers ist es zu verdanken, daß gestern morgen auf der Strecke Gießen-Fulda ein Eisenbahnunfall verhütet wurde. Während der um 8 Uhr hier abgehende Zug nach Fulda sich zwischen Ehringshausen und Zell-Romrod befand, bemerkte der Maschinenführer, daß auf den Schienen eine schwere Eisenbahnschwelle lag. Ter Zug hielt infolgedessen so lange auf freiem Felde, bis die Schwelle, die anscheinend sogar auf den Schienen befestigt, entfernt war. ** Deutsche Gesellsch Sft zur Re ttuNg Schä ffbrüchiger. Der langjährige Vertreter dieser Gesellschaft, Stadtverordneter Jean Kirch, hat sein Amt niedergelegt. Wie man uns mitteilt, wird Fabrikant Adolf Klingspor vis Vertreterschaft für die Zukunft übernehmen. hn. Oberurff, 29. Sept- Im hiesigen Schlosse sand gestern die Vermählung des Grafen v. Schaumburg, 'irrigen Sohnes des Prinzen Philipp v. Hanau mit Fräulein v. Trott, Tochter des Oberstleutnants v. Trott '■j.att Den TrauungSakt vollzog Pfarrer ßn bemann-? Niederurff. >tlernson - fon .E. Jona At darin Etuck eine qe Gegensatz Euerseits uni von Tichn 'mmer noch, D>- Auffüh^ - Die 5 "wechung r '^Mellnng festes Ccha Trmna Kvolle Tij'i W des Edk y einem £ S5 s sott "eut SK Heute nachmittag verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden unsere liebe, gute Mutter und Schwiegermutter Pauline Hirsch geb. Diebold, Witwe des verstorbenen Landgerichtsrats Friedrich Hirsch. Giessen, den 29. September 1901. Wilhelm Hirsch, Paramaribo. Ernst Hirsch, Höchst i. 0. Lilli Hirsch. Theodore Hirsch, geb. Ploch. und Salzungen Salmen-Salz 6489] Schöne Mansardenwohnung, 4 Zimmer mit Zubehör, per sofort oder später an ruh. Leute zu vermieten. SelterSweg 71. Lrrdwtgsteatze 46 Tiei S-Zimmerwobnung vermieten Schönen Teint und klare Haut ♦rtleltObermeyer’eHgrbaeelfe,bewahrt Mittel gegen Hautunreinigkeiten, spröde Haut, Frostballen, rissige rothe Hände, Hautjucken, Kopf- schupp.Haarausfall u. besond. geg. Hautausschläge I und Flechten. lermiyer’s Herba-Selfa, ge«. geech., . Pau Amt No. 49950; enth. 936;o Seife, 5°/e Arnica, 3,5°/e Salbei, iit alt Kin- sr-Selfe unentbehrlich tur allein cbdgen Hautpflege o. Entfernung an Hautausechlägen. viele Aoer- snnungen v. Privaten u. Aerztetj. Herr r. med. H. L D. 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