Nr. 205 Zweites Blatts 151. Jahrgang. Sonntag 1. September 1901 m euwA^i. »N **** bca In. ****M*tt,H. WwtaT ** »Blätter Ö>NL MMmW“ Her» Mrf fetkiknf Ini■♦■ t »m »Ne hMmd Hk kn ®p*ee 4*1 trMHnenkn Muar ■ Mn. ie Mr. WilllH.M * fHHftiee GichenerAnzelger " G.neral-Anzeiger v '**’7 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen •reie lokal 11 euHiärte 80 Wfl. Ibrcffe für Depeschmii Anzeiger Gießen. Fernsprtchanjchluß Wt.R, a■■■■■« Amtlicher Teil. Bekanntmachung. In der Zeit vom 24. bis 30. August 1901 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 silberne Taschenuhr, 1 Mistgabel und 1 Pferde-Ohrenklappe, verloren: 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Brosche. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 31. August 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Sedan. Sedantag 1901! Er wird ein denkwürdiges Datum bleiben. In diesem Jahre ist die große Herbstparade, die seit 30 Jähren auf dem Tempelhoser Felde, an dem erinnerungsreichen Tage abgehalten wurde, abgesagt worden. Man hegt als Folge der Danziger Zweikaiserbegegnung und des daran sich anschließenden Besuches des russischen Zarenpaares in Frankreich die „Hoffnung aus Anbahnung einer engeren, ernstlichen französisch--deutschen Annäherung"; man kennt die Rücksichten auf die Empfindungen und auf das Gefühlsleben der Franzosen, die Kaiser Wilhelm gern nimmt, und so „erscheint es nicht ausgeschlossen, daß die auf allerhöchsten Befehl angeordnete Abbestellung der Herbstparade des Gardekorps am 2. September im Zusammenhang mit der Zarenreise zu bringen sein dürfte". Jin übrigen heißt es dann, daß der Zeitpunkt der Revue nicht günstig lag, der sich schlecht in die Dispositionen des Ausbildungsdienstes einfüge. Dies dürftige Mäntelchen wird nachträglich der allerhöchsten Ordre um gehängt. Aber 30 Jahre hat die Ausbildung der Garderegimenter nicht unter diesem Revuedatum gelitten. Wenn nur auch die Franzosen so zartfühlend wären! Aber sie haben den Grafen Walder- see vergebens auf das Großkreuz der Ehrenlegion für seine chinesischen Verdienste hoffen lassen, und der zum Sterbebette seiner Mutter eilende Prinz Heinrich hat im letzten Augenblicke auf die Ausschiffung an französischer Küste und Reise durch Frankreich verzichtet, und den weiteren Wasserweg zum Sarge der Kaiserin Friedrich vorgezogen. Aus besonderer Liebhaberei nicht. Das sind die Franzosen gegen uns, und sie taufen uns zu Liebe ihre Brücke von Jena zum demnächstigen 100jährigen Gedenktag des tieftraurigen Tages kaum um; nicht einmal den angebeteten. Russen gegenüber versteigt sich ihre Liebenswürdigkeit bis zu einer Selbstaufgabe großer Erinnerungen, und wahrscheinlich findet Zar Nikolaus II. nichts darin, wenn zwei Seinebrücken auch ihn an die Tage von der Ulwa und von Austerlitz erinnern, wo die Generäle seiner Vorfahren empftndlich geschlagen worden sind. Es ist etwas sich Ausdrängendes in der deutschen Politik seit dem Rücktritt Bismarcks von ihrer Spitze, und je heißer von hier aus um die Liebe der Nachbarn geworben wird, desto kühler werden die letzteren; sie fühlen sich in der giolle der alten Großmächte, bald hätten wir geschrieben „Geschlechter" der jungen gegenüber, für deren fortdauernde Freundschaftsbezeugunaen sie nur mit vielsagender Höflichkeit bezahlen. Auch oie Entrevue in D-anzig ftndet v o r der dortigen Rhede statt. Heute wird übrigens schon wieder bekannt gegeben, daß statt der großen Festparade ein Manöver größerer Dimensionen am Montag auf dem Tempelhofer Felde und Umgegend abgehalten wird, mit schließlicher Parade der manövrierenden Bataillone vor dem Kniser. Ist von irgendwoher schon wieder leise abgewinkt worden, oder will man nur „ein bissel so und ein bissel f j thun, damit man nicht sagen könne, man thut so oder so"? Prinz Tfchnrr hat geredet! In einem Gespräche über seine Reise nach Berlin äußerte er sich folgendermaßen: „Ich komme nicht nach Berlin", sagte er, „um mich dort feiern zu lassen. Als man mir in Shanghai, im Reiche meines Bruders, ein Fest geben wollte, habe ich es abgelehnt, indem ich betonte, daß in dieser Zeit des Leidens und nach so vielen über unser Volk gekommenen Schrecken es sich nicht gezieme, Feste zu begehen. Ich sehe nichts, was inzwischen die Lage meines schwer geprüften Bruders und Kaisers und die Lage meines Volkes geändert hat, und so gilt vollends unter den jetzigen Umständen für mich das in Shanghai gesprochene Wort: „Ich mag keine rauschenden Festlichkeiten. Ich mag sie aber nicht nur nicht, weil mein Land und mein Kaiser und mein Volk leiden. Ich verstehe auch sehr wohl den Ernst meiner Mission. Es giebt Leute, die mich für zu jung halten, als daß ich den vollen Ernst meiner Aufgabe begriffen haben iönnte. Diese Leute irren sich sehr und kennen weder meinen Charakter noch meine Erziehung, die von früher Zeit an dem Studium unserer Weisen und Klassiker gewidmet war. Ich will aber in Deutschland auch lernen, uni) da erscheint meine Jugend mir sogar als Vorzug. Und um des Lernens willen habe ich mich auf die Reise ■ gefreut, zumal die Herren meiner Umgebung mir in liebevollster Weise schon auf der langen Fahrt übers Meer Verständnis für die Dinge in Deutschland beizubringen suchten. Darum bedaure ich aber auch aus tiefttem Herzen, daß die Erfüllung meiner Mission eine Verzögerung erfahren hat." Nun, Mangel an Selbstgefühl wird man dem gelben jungen Herrn kaum nachsagen können! Aber gerade weil er die Möglichkeit des Gefeiertwerdens als gewissermaßen selbstverständlich in Betracht zieht, wird man ihm in Berlin mit nicht minder selbstverständlicher Kühle zu begegnen haben. Prinz Tschun meinte schließlich, er bedauere die Verzögerung seiner Mission aus tiefstem Herzen. Wer anders hat denn aber die Verzögerung verursacht als er selbst? Dieser Hang, die Schuld von sich abzuwälzen, läßt wieder so recht den Asiaten erkennen. Er ist ein angehender Li-Hung-Tschang, dieser „Sühneprinz". Aber man sollte doch auch bei Uebersetzungen aus dem Chinesischen recht vorsichtig sein; es ist vorgekommen, daß die Uebertraaung oft ganz anders lautet, als die Ursprache. Die Ursache der prinzlichen Kolik ist übrigens auch kein Geheimnis mehr. Man besteht am deutschen Kaiserhofe darauf, daß der Empfang der chinesischen Deputation nach dem in China üblichen Zeremoniell vor sieb gehe. Die Berliner — so wird uns aus Berlin geschrieben — mit ihrem schnoddrigen Witze ergehen sich natürlich über die bauchkriechenden Gesandten bereits in den boshaftesten Redewendungen und künden für das kommende Jahr schon eine Preiskonkurrenz für das neueste „histo- rische" Gemälde an. Und doch ist die Geschichte gar nicht so lächerlich. Der Prim ist von einer nicht kleinen Gesellschaft begleitet, welche der Sühneaudienz alle beizuwohnen haben. Diese ganz in den Sitten und Anschauungen ihrer Heimat steckenden Herrschaften müssen die Abbitte im chinesischen Geiste und nach; chinesischer Weise leisten, oder sie halten es nicht für eine solche und machen sich heimgekehrt über das mit uns getriebene Spiel nur lustig. Jedes uach unseren Begriffen mit uns nicht auf der gleichen Zivilisationsstufe stehende Volk muß nach seinen Gewohnheiten behandelt werden, und wenn der polnische Bauer seine Unterwürfigkeit bekundet, indem er den Rocksaum eines Herrn küßt, oder der Russe Väterchen Brot und Salz überreicht, so ist das ebenso sehr oder so wenig lächerlich, als wenn die chinesische Gesandtschaft vor dem fremden Kniser wie vor dem eigenen den „Kotau" macht. Prinz Tschun hat die Bedeutung des „Kotau" für diesen Augenblick wohl erfaßt, oder der ihn begleitende neue chinesische Gesandte für Berlin, der nach allem, was man von ihm hört, ein Muster schlitzöhriger Verschlagenheit zü sein scheint. Darum nach der Bekanntgabe des in Berlin beschlossenen Zeremoniells die Krankheit mit einer 1200 Fr.-Depesche an den chinesisck)en Hof. Der letztere hatte den Sühneprinzen zu einer in chinesischen Augen bedeutungslosen Komödie ausgeschickt und diese Absicht ist jetzt durch die Berliner Forderung durchkreuzt. Natürlich! will sich der Sühneprinz vergewissern, ob die kaiserliche Tante nichts dagegen hat und sein Kopf nach der Heimkehr sicher sitzt, was vielleicht nicht der Fall wäre, wenn er aus eigener Machtvollkommenheit auf das Berliner Verlangen eingegangen wäre. Die Krankheit ist darum als eine Art „Mensurfieber" zu erklären. Ein Schlag gegen den Export. Aus Handelskreßsen wird uns geschrieben: Tie Ankündigung des Belagerungszustandes in Kapstadt und der anderen Häfen dort ist geeignet, den vielen Schädigungen, die der Ueberseehandel durch den südafrikanischen Krieg bereits erlitten hat, eine weitere hinzuzusügen. Tas kommt selbst den englischen Geschäftsleuten zum Bewußtsein, in deren Namen dieKapstädter Handelskammer gegen diese drakonische Maßregel Kitcheners entschieden protestierte — mit wenig Aussicht auf Erfolg, wie gemeldet wird. In der That, eine Ironie der Geschichte: die jahrelangen Bemühungen der Engländer, durch brutales Zurückdrängen der anderen Nationen den Handel in Südafrika zu beherrschen, werden durch diesen in frivolster Weise heraufbeschworenen Krieg illusorisch gemacht, der Chamberlainsche Gewaltstveich trifft die Briten selbst, und zwar an ihrer verwundbarsten Stelle: dem Handel. Noch auf der letzten Jahresversammlung der Kapstädter Handelskammer im April ds. Js. bemerkte der Vorsitzende triumphierend, der Handel des Kaplandes mit Großbritannien sei sehr gewachsen, der mit den anderen Kolonieen, namentlich den australischen und asiatischen, habe sich fast verdoppelt; eine neue Aera des Aufschwungs sei eingeleitet. . • . Heute ist das Bild ein anderes, leider nicht nur für die englische Handelswelt. Auch dem Verkehr zwischen Deutschland und Südafrika eröffnet die veränderte Kriegslage und die drohende Verhängung des Belagerungszustandes über die südafrikanischen Häfen eine ungünstige Perspektive. Es ist bekannt, daß vor dem Kriege trotz aller Chikanen von englischer Seite der .Handel Deutschlands mit Transvaal und dem Kaplande sich derart entwickelte, daß die Ausfuhr deutscher Produkte dorthin größer war, als nach irgend einem anderen von der Ostafrikalinie berührten Gebiet. Die steigende Bedeutung dieses Handels veranlaßte die Negierung und den Reichstag zur Erhöhung der Subvention an die erwähnte Schiffahrtslinie um jährlich 300000 Mk. Ter südafrikanische Krieg durchkreuzt Deutschlands Programm. England sandte seine Kriegsschiffe in die südostafrikanischen Gewässer, ließ, wie bekannt, die fremden Handelsdampfer nach Gutdünken auf „Kriegskontre- bande" untersuchen und so vor allem deutsche Reichspostdampfer beschlagnahmen. Ta schließlich eine ordnungsmäßige Abfertigung der deutschen Schiffe in den kap- ländischen Häfen unmöglich gemacht wurde, sah sich die deutsche Regierung im Juni v. Js. veranlaßt, den L>ub- ventionsvertrag mit der Ostafrikalinie vorübergehend zu ändern. Darnach werden jetzt an Stelle der zweiwöchentlichen Rundfahrten um Afrika zwei vierwochent- liche ausgeführt, einmal von Westen her um das Kap nach Delagoabai und zurück, dann östlich durch den Suezkanal nach Durban und zurück. Die Schädigung der deutschen Handelsinteressen ist dadurch einigermaßen beschränkt worden, insofern als der Löscl>- und Ladeverkehv der Schiffe wenigstens im englischen Turban, dem Hafen der Kolonie Natal, bewerkstelligt werden kann. Die Verhängung des Belagerungszustandes über Durban kann oen Händel Deutschlands mit Südafrika nahezu lahm legen. Die Delagoabai eign:1 sich unter den heutigen Verhältnissen nicht zum ausschließlichen Stapelplatz für den Durchgangsverkehr nach Süd- afrrika. Außerdem ist zu befürchten, daß die portugiesischen Behörden in Lourenzo Marguez, mehr denn je zu Schergendiensten für England bereit, auf einen Wink von britischer Seite hin den deutschen Kapitänen das Leben schwer machen werden. Man kennt diese Taktik zur Genüge. Ta nun obendrein die Verhängung des Belagerungszustandes " den englischen Handel selbst trifft, werden die Engländer um so rücksichtsloser gegen ihre Konkurrenten, die Deutschen, zu verfahren sich verpflichtet glauben. 'Die den deutschen Exporiindustriellen sowie den Anteilseignern der Ostafrikalinie durch den südafrikanischen Krieg entstandenen Verluste dürften sich erst in Jahren wieder einholen lassen. ___________________________ Römische Tagesschau. Nachrichten aus Danzig lassen die Möglichkeit durchblicken, daß Kaiser Wilhelm seinen kaiserlichen Gast vielleicht nach Fredensborg begleiten werde. Die dänischen Besuchstage werden dann wohl sehr zusammengedrängt sein, da Zar Nikolaus jedenfalls vor dem 20. September das großväterliche Schloß verlassen wird. Für diesen Tag hat König Oskar von Schweden die dänischen Herrschaften zu seiner üblichen Hasenjagd nach der Insel Hveen im Oeresund geladen, und der Zar vermeidet eine Zusammenkunft mit dein Schwedenkönig — Finnlands wegen. Tie „Münch. Allg. Ztg." wendet sich mit ziemlicher Schärfe gegen die Versuche, die Person des Kaisers in den jetzt entbrannten wirtschaftspolitischenStreit zu zerren. Sie hält ein solches Hineinziehen der kaiser^ lichen Person für höchst bedenllich und auch! für sachlich ungerechtfertigt. In letzterer Beziehung schreibt das manchmal zu offiziösen Veröffentlichungen verwendete Blatt: „Alsdann aber liegt in dem Zuhilferufen des Monarchen und in dieser Verfügung über seinen Willen nach dem Muster der bekannten Devise: „Und der König absolut, wenn er unseren Willen thut", ein starkes Bekenntnis der eigenen Schwäche. Wenn es dann weiter gelegentlich der zum vorliegenden Zwecke vorgenommenen Revision des monarchischen Bewußtseins der äußersten Linken heißt, daß es der persönliche Wunsch des Kaisers, sei, daß Handelsverträge unter allen Umständen abgeschlossen werden, so darf daran erinnert werden, daß vor Anbeginn der Kanzlerschaft des Grafen Bülow folgender Gesichtspunkt als maßgebend betrachtet werden konnte: Deutschland verkehrt und verhandelt mit anderen Mächten nur auf dem Fuße der Gleichberechtigung; nur bei Erlangung gleichwertiger Zugeständnisse ist die deutsche Regierung bereit, anderen entgegen zu kommen. Auf die Redensart von den unter allen Umständen abzuschließenden Handelsverträgen können also die freiwilligen demokratischen Nothelfer des Monarchen in Zukunft gut und gerne verzichten." Engländer nud Buren. Der „Daily News" wird aus De Ar gemeldet, daß bei K r a n k u i l, einer Station zwischen den Stationen Orange River und De Aar, Bluren am Sonntag die Bahrr-i linie überschritten hätten. Die Nacht war außerordentlich dunkel, und der Platz, den sie zum Uebergang ausgesucht hatten, war sehr flach und sandig. So war es ihnen möglich, ohne viel Geräusch die Drähte zu durchs schneiden und unbemerkt davon zu kommen, 0>enerai French, der sich gerade in der Station Orange Rrver be-> fand, besichtigte den Platz, wo man schon am nächsten Morgen in aller Frühe die Spur gesunden Ansicht nach betrug die Zahl über 2o, aber.nicht mehr als 50. Die Linie ist durch Blockhäuser geichutzt und cmßer^ dem mit Draht ein gefügten, M3 Spinngewebe aussieht. Außerdem sind noch überall Sel st- schüsse angebracht, die sich entladen, wenn der ^raht burd^, schnitten wird. Unglücklicherweise "En diese Arbecken gerade an dieser Stelle noch nicht ganz vollendet. Der Orangefluß selbst ist dicht besetzt, und die Untresen sind alle besonders bewacht. Außerdem zreht^rch erne Lrnie Volnei quer durch das ganze Land. Am Drenstag wurde eine Abteilung Buren am Tigerberg gesehen, einer kleinen Höben kette südlich von Paauwpan, der ersten Station südlich von Krankuil, die Abteilung war ungefähr 50 Mann stark. 70 Mann von den Kings Royal Rifles wurden zur Verfolgung nachgeschickt. • e • Telegramm deS Gießener Anzeigers. London, 31. August. Der „Standard" meldet aus Prätoria vom 29. August: Ende Juli befanden sich in den Konzentrationslagern Transvaals 62479 Personen, darunter 10000 Männer, über 23 000 Frauen mit über 28 000 Kindern von einem bis zwölf Jahren. Bis Ende Juli sind 1067 Personen gestorben, darunter 860 Kinder. Deutsches Reich. Berlin, 30. Ang. heute vormittag wurde in der Siegesallee das vorletzte der geplanten Standort der, das pes Kurfürsten Johann Sigrsmund mit den Büsten des Grafen Fabian zu Dohna und Thomas von dem Knesebeck, von Professor Peter Breuer, enthüllt. Zu der' Feier halten sich die Damen und Herren der Umgebung der Majestäten, das Hauptquartier, die Kabinettschefs, die Minister Frhr. v. Rheinbaben und Frhr- v. Hammerstern, die bei den früheren Enthüllungen regelmäßig mit Einladungen bedachten Persönlichkeiten, sowie Vertreter der Familien Dohna und Knesebeck, darunter Fürst Dohna- Schlobitten und Vize-Oberzeremonienmeister Frhr. von dem Knesebeck, eingefunden. Tas Kaiserpaar erschien im offenen Wagen vom Potsdamer Bahnhof her. Beide Majestäten unterhielten sich zunächst längere Zeit mit den Herren v. Dohna und von dem Knesebeck, sowie mit den beiden Ministern und besichtigten dann nach dem Fallen der Hülle eingehend das Denkmal. Der Kaiser überreichte dem Künstler den Roten Adler-Orden Vierter Klasse. Die Kaiserin nahm aus den Händen des Tiergartendirektors Geitner einen Nelkenstrauß entgegen. — In den Blättern der verschiedensten Parteirichtungen lesen wir folgendes: „Aus der Geschichte des Bürgerlichen Gesetzbruhes erzählt der Berliner Jurist Professor D e r n b u r g in seinem soeben erschienenen Werke „Das bürgerliche Recht des Deutschen Reiches und Preußens", von der zweiten Kommission zur Durchberatung des Entwurfs, daß der Kaiser der Sitzung am 13. November 1895 beiwohnte. Der Kommission gehörte auch Professor Sohrn an. Von ihm und dem Kaiser berichtet Dernburg in einer Fußnote wörtlich: „In dieser Sitzung wurde Professor Sohm zum Bortrage über die Regelung des bäuerlichen Agrarrechts bestimmt. Mit beredten Worten hob Sohm hervor, daß die Erhaltung des deutschen Bauernstandes noch mehr als von Gesetzen von dem 'idealen Sinne der deutschen Bauern zu erwarten sei; der Kaiser sagte, zu seinem Nachbarn gewendet: „Ich möchte doch dem Professor einige meiner märkischen Bauern vorführen, um sie auf ihren idealen Sinn zu untersuchen." Königsberg, 30. Aug. Ter kommandierende General Graf Finck von Finckenstein hat die U e b e r f ü h r u n g des Marlen von Gumbinnen nach Danzig angeordnet. W e i m a r, 29. Aug. Das weimarische Justizministerium hat den Referendaren und Assessoren angeraten, einen Teil ihrer Vorbereitungzeit, etwa 3—6 Monate, im praktischen Dienst bei größeren Bankinstituten oder anderen gewerblichen Großbetrieben zu verbringen. (Sehr nachahmenswert! Hoffentlich aber nehmen die jungen Herren Juristen diese Zeit ihrer Ausbildung auch genügend ernst. D. Red.) Cronberg, 30. August. Die Kronprinzessin Sofie von Griechenland sieht demnächst einem freu- digen Familienereignis entgegen. Straßburg, 30. Aug. Wie die „Verite francaise" wissen will, soll ein Schreiben des deutschen Kaisers den Bischöfen in Straßburg und Metz nahegelegt haben, keine französischen Kongregationen zur Niederlassung in Elsaß^Lothringen zu autorisieren. Bei diesem Verbot hätte die Berliner Regierung nur den Wunsch gehabt, der französischen Regierung angenehm zu sein. Weder aus Furcht, ein neues deutsch-feindliches Element im Lande zu haben, noch aus Feindseligkeit gegen die Orden überhaupt sei das Verbot ergangen. Ausland. London, 30. Aug. Die „Pall Mall Gazette" erfährt, Lord Salisbury denke ernMich an seinen Rücktritt von der amtlichen Laufbahn und werde voraussichtlich nach der Krönung des Königs den Premierposten niederlegen. Sein Rücktritt würde die Umbildung des Kabinetts zur Folge haben. 'Ta die unionistische Partei wünsche, daß der nächste Premier gleichzeitig ihr Führer im Unterhause sein solle, so würde wahrscheinlich Balfour die Premierschaft übernehmen. Paris, 30. Aug. Tas für morgen auf der hiesigen türkischen Botschaft anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans anberaumte Fest wurde abgesagt. Ter Kriegsminister hatte übrigens der Militärkapelle, die beim Festje konzertieren sollte, ihre Mitwirkung verboten. Gestern nachmittag empfing Constans den Geschäftsträger der türkischen Botschaft. Tie Unterredung scheint Constans befriedigt zu haben. Er erfuhr, daß der Großvezir plötzlich erkrankte und der Sultan einen außerordentlichen Ministerrat einberief, der dem Nachgeben auf ganzer Linie sich für geneigt erklärt habe. Sollte diese Nachricht sich bestätigen, so würde Constans nach einigen Wochen der Erholung auf seinem französischen Landsitze Sembelles nach Konstantinopel zurückkehren und der türkische Botschafter Munir Bey, welcher derzeit als Privatmann hier weilt, seine Funktionen wieder aufnehmen. Konstantinopel, 30. Aug. Obgleich der Minister des Aeußeren Tewfik Pascha dem französischen Botschafter Constans in der Mte vom 24. August anzeigte, daß das Jrade, welches die Staden-Gesellschaft in den Genuß ihrer Rechte einsetzt, öffentlich bekannt gegeben sei, und obgleich Constans hierauf sich als in der Staden-Angelegenheit zufriedengestellt erklärte, ist das Jrade selbst bis gestern abend bei der Pforte nicht eingegangen. Nach dem vorgestern im Nildiz-Palaste abgehaltenen Ministerrate soll Tewfik, Pascha der türkischen Botschaft in Paris auf tele- grahpischem Wege gewisse Mitteilungen über den türkisch- französischen Konflikt übermittelt haben. — In wolstinforderten Kreisen glaubt man sicher, der Sultan werde zur Vermittlung und Beilegung der Angelegenheit eine oder dre andere befreundete Macht angehen. Mailand, 30. Aug. In italienischen .Hofkreisen wird versichert, daß König Alexander von Serbien, nachdem er femeu Besuch in Petersburg abgestattet hat, nach Rom wmmen werde, wo zu gleicher Zeit der Schwiegervater des Koings V«ktor Emanuel, Fürst Nikita von Montenegro ein- «ft ?• v r ben ausdrücklichen Wunsch des Zaren Este Zusammenkunft ein Erbfolgevertrag b" r b ie n u n Mont enegr o vereinbart werden, wonach beide Dynastien sich aeaenieitia im Tolle forr !id)ern sollen. Der Vertrag fall festfetzen, bei dem Erlöschen einer der beiden Tn- Äde^Staaten^ mil)crCT1 Thronbewerbung follen durch Personalunion vereinigt werden Aus Stadt und Land. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 31. August 1901. " Archivar Dr. Adolf Buff f. Am 30. August ist der Stadt-Archivar Dr. phil. Adolf Buff in Augsburg im Alter von nahezu 63 Jahren gestorben. — Dr. Adolf Buff ist am 1. September 1838 zu Gießen als Sohn des Geh. Finanzrats und ordentlichen Professors der Physik Dr. Heinrich Buff (t 1878), geboren. Er studierte Philologie und Geschichte an den Universitäten Gießen und Bonn. Im Jahre 1861 wurde er Erzieher des Prinzen Leopold, Herzogs von Albany. Auch nach dem Ausscheiden aus dieser Stellung wurde er durch manche Beweise des Vertrauens seitens der Königin Victoria von England ausgezeichnet. So hat er bei der Anwesenheit des deutschen Kaisers und des Prinzen Heinrich in London deren Erzieher, Geheimrat Hintzpeter, vertreten. Nach Ablauf seines Auftrages privatisierte er in Heidelberg und in München und wurde dann 1874 als städtischer Archivar nach Augsburg berufen. Hatten sich früher seine Studien auf dem Gebiete der englischen Geschichte bewegt, so wandte er sich jetzt, in der Lage, eines der reichsten und wichtigsten Archive Deutschlands zu benutzen, dem Studium der Geschichte Augsburgs, insbesondere auch nach der kulturhistorischen und kunsthistorischen Seite zu. Er hat sich schriftstellerisch nach dieser Richtung verschiedentlich bethätigt. U. a. veröffentlichte er 1893 ein Buch „Augsburg in der Renaissancezeit". ** Zum Jubiläum der Firma Heyligeustaedt & Co. macht uns Herr Bürgermeister Köhler in Langsdorf — der übrigens auf seiner Postkarte an uns den Gießener Anzeiger nach Lich verlegt — freundlichst darauf aufmerksam, daß um die Entwicklung der genannten großen und weithin bekannten und angesehenen Fabrik der leider früh verstorbene Mitbegründer Alexander Sartorius aus Lich als genialer Kaufman große Verdienste sich erworben hat. ** Hessische Handwerkskammer. Den Eingaben des Tarifamts der deutschen Buchdrucker zu Berlin und des deutschen Buchdrucker-Vereins zu Leipzig entsprechend, wurde dieser Tage für das Buchdruckgewerbe die Festsetzung einer vierjährigen Lehrzeit beschlossen. — Den im Großherzogtum Hessen ihre Gesellenprüfung ablegenden Handwerks-Lehrlingen wird ein künstlerisch ausgestatteter Lehrbrief ausgefertigt werden. Hierzu wird gemäß einem Beschluß des Vorstandes demnächst ein Preisausschreiben erlassen, wobei den eingegangenen drei besten Entwürfen Prämien zugesprochcn werden sollen. — Für den 2. deutschen Handwerkskammertag, der vom 26. bis 28. September in Darm stadt stattsindet, sind die Vorbereitungen im Gange. Dieser Tage sind Empfangs-, Wohnungs- u. s. w. Ausschüsse in ihre Thätigkeit eingetreten. Das Bureau dieser Ausschüsse wird sich am 26. und 27. September bis zum Beginn der Verhandlungen im Saale der Restauration Schmitt, gegenüber« den Bahnhöfen, befinden. Nach Schluß der Verhandlungen werden die Teilnehmer — aus den« gesamten Reiche dürften mindestens 200 Personen in Darmstadt anwesend sein — gemeinsam die Ausstellung der Künstler-Kolonie und die^ „Ludwigshöhe" besuchen. ** Erweiterung des Fernsprechverkehrs. Wie wir in unserer Nr. 202 berichteten, ist unsere Stadt vom 1. September ab zum Fernsprechverkehr mit Leipzig nebst Markranstadt und mit Hamburg, Altona, Wandsbeck, Schiffbeck, Bergdorf, Blankenese und Harburg sowie mit Schweinsberg zugelassen. Wir führten heute probeweise das erste Gespräch mit Hamburg, und zwar mit dem „Hamb. Generalanzeiger". Die Verständigung war verhältnismäßig gut, besonders wenn man in Betracht zieht, daß die Verbindung nicht direkt, sondern über Frankfurt a. M. hergestellt wird. ** Aufhebung fester Rundreisehefte. Wenn man geglaubt hatte, die Einftihrung der 45tägigen Rückfahrkarten werde nur für den inneren Verkehr Preußens, bezw. Deutschlands, die Aufhebung von Rundreisekarten zur Folge haben, so täuschte man sich, wie eine neue durch die Blätter gehende Mitteilung ergiebt. Nicht nur werden die bisher verausgabten festen Rimdreisehefte im Verkehr mit Süddeutschland und im rhein.- norddentschen Verkehr aufgehoben, sondern auch folgende Rundreisehefte im Verkehr mit dem Auslande: Rheinisch - süddeutsch - österreichischer Rundreiseverkehr, deutsch- schweizerischer Rundreiseverkehr, internationaler Rundreiseverkehr mit Frankreich und England, desgleichen mit Italien, französisch-belgisch-deutsch-ständinavisch-finländischer Rundreiseverkehr, Cooks Rundreisen, rheinisch-belgischer Rundreiseverkehr. Unseres Erachtens hätte man wenigstens die Rundreisehefte im Verkehr mit England, Frankreich und Italien beibehalten sollen, da diese Länder nicht in das Abkommen bezüglich der zusammenstellbaren Rundreisehefte mifgenommcn sind. Es wäre jedenfalls erwünscht, daß man jetzt, nachdem feine R^nd- reisehefte nach Italien ausgegeben werden, die italienischen Rundreisehefte, die bisher nur in Chiasso zu beziehen waren, auch auf deutschen Stationen erhielte, wie das mit den schweizerischen und belgischen Abonnements bereits der Fall ift. Die zusammenstellbaren Rundreiseheste werden natürlich nach wie vor ausgegeben. -e- Daubriugeu, 31. Aug. Dem Vernehmen nach will die sozialdemokratische Partei für 'die Gemeinderats- wabl, die demnächst hier stattfindet, zwei eigene Kandidaten auMellen. Die drei ausscheidenden Gemeinderäte gelten in jeder Hinsicht als tüchtige, erfahrene Bürger und man würde eine Wiederwahl derselben gewiß nur freudig begrüßen. Bad Nauheim, 29. Aug. Tie Zahl der Badegäste betrug bis zum 29. August 18,149. Bis zu diesem Tage wurden 254,902 Bäder verabreicht. Hungen, 30. August. Die Prinzessin Friedrich zu Solms-Braunfels, die Gemahlin des derzeitigen Vormundes des Fürsten, wurde am 29. August in Braunfels von einer gesunden Prinzessin glücklich entbunden. (Die Prinzessin Friedrich ift eine geborene Gräfin von Westphalen und mit dem Prinzen Friedrich, der als Oberleutnant im 2. Garde- Ulanen-Regiment steht, seit dem 23. September 1896 vermählt.) — Am vorigen Mittwoch früh wurde, wie die „Hung. Landpost" mitteilt, auf dem hiesigen Friedhöfe die Leiche des fn'iheren hiesigen fürstlichen Kammerdieners Muschenbeim ausgegraben, um mittels Leichenwagens nach Frankfurt a. M. überführt zu werden. Kammerdiener Muschenheim ist vor 15 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Der Sarg aus Tannenholz war noch unversehrt, der Leichnam selbst gut erhalten; bei der Herausnahme fiel jedoch das Knochengerüst zusammen. Rieder-Ramstadt, 26. Aug. Am 1. September soll das erste Jahresfest der Hessischen Epileptischen Anstalt „Viktoria--Melita-Stift" hier gefeiert werden. Es dürfte ans diesem Anlaß eine kurze Notiz über die Entwicklung dieser Anstalt, die wir der „Darmst. Ztg." entnehmen, interessieren. Am 1. Oktober 1900 wurde die Anstalt mst 2 Pfleglingen eröffnet. Bis jetzt, also in noch nicht ganz 11 Monaten, sind 26 Pfleglinge — mit einer Ausnahme lauter Hessen — ausgenommen worden, ein Beweis, wie sehr man durch die Gründung der Anstalt einem in unfcrm Lande stark sich geltend machenden Bedürfnis entgegengekommen ist. Ein Pflegling, der vorher schon längere Zeit in den Bodel- schwinghschen 9(nftolten zu Bethel bei Bielefeld gewesen war, ist, als wesentlich gebessert, von seinen Angehörigen zurück- genommen worden, so daß die Zahl der Kranken zur Zeit 25 beträgt. Welcher Schätzung sich die Anstalt bei den Bewohnern und der städtischen Verwaltung Darmstadts erfreut, erhellt daraus, daß gegenwärtig nicht weniger als 7 Pfleglinge aus Darmstadt vorhanden sind. Im Uebrigen überwiegt weit die Zahl der Kinder von« Lande. Außer den 7 Darmstädtern befinden sich nur noch 3 Städter (2 aus Mainz und 1 aus Offenbach) in der Anstalt. Die vom Lande verteilen sich auf die Kreise wie folgt: Kreis Darmstadt 1, Kreis Benshein« 1, Kreis Dieburg 3, Kreis Erbach 1, Kreis Groß- Gerau 2, Kreis Offenbach 1, Kreis Büdingen 2, Kreis Schotten 1, Kreis Alzey 1. Außerdem ist noch ein Knabe aus Wiesbaden, da und ein Pensionär. 8. Darmstadt, 30. August. Gestern sanden Erdarbeiter bei Ausgraben des Fundaments zu einen« Neubau an der Heidelberger- und Beffungerstraße ein vollständig erhaltenes Skelett. Die sofort angestellten polizeilichen Nachforschungenwaren bisher ohne Erfolg. Der Platz war früher im Besitz der Stadt und ging dann in die Hände eines Gärtnereibesitzers über, der das Terrain jetzt zu Bauplätzen verwertet. — Wie der hiesigen Polizei gemeldet wurde, haben Waldarbeiter in der Nähe des von hier ca. 2 Stunden entfernten Forsthauses „Einsiedel" zwei schon in Verwesung übergegangene Kinder gestmden. Man hat bis jetzt keinerlei Anhaltspunkte über deren Herkunft. — Trotz aller gegentheiligen Nachrichten ist man in hiesigen eingeweihten Kreisen fest davon überzeugt, daß das russisch^ Kaiser paar in der zweiten Hälfte des September aufs Schloß Wolfsgarten eintreffen wird. Darmstadt, 30. Aug. Der König von England traf gestern mittag 5 Uhr in Wolfsgarten ein, nahm mit dem Gtzoßherzogspaare und dem ebenfalls zu Besuch, amvesenden Prinzenpaar von Battenberg den Thee und das Souper ein nud reifte um 10 Uhr nach Hornburg zurück. In seiner Be- glcitung befanden sich General Clarke, Kapitän Ponsonby und der englische Geschäftsträger am Großherzoglichen Hofe Mr. Johnstone. — Heute mittag traf Großfürst Cyrill von Rußland in Wolfsgarten zum Besuche ein. Darmstadt, 29. Aug. Schon seit Frühjahr steht dir Thatsache fest, daß Beigeordneter Schliephacke in den Staatsdienst zurücktritt. In den oberen Verwaltungsbehörden dürsten sich alsdann etwa zum 1. Oktober folgende Veränderungen vollziehen: Kreisrat Braden in Friedberg geht in Pension, an seine Stelle tritt Kreisrat Fey zur Zeit iw Erbach i. O., wogegen Beigeordneter Schliephane zun« Kreisrat in Erbach avanciert. Mainz, 30. Aug. Gestern Nachmittag wurde die Polizei in das Ha««s eines Bewohners der Neuthorstraße gerufen mit der Nachricht, daß sich ein dort wohnender Magazinier Namens Reinhard erschossen. Die Nachricht hatte sich nur teilweise bestätigt, es wurde von der Polizei konstatiert, daß sich der Man«« allerdings eine Kugel in den Kopf gejagt hatte und daß die Verletzung voraussichtlich eine tätliche sei. Der Verletzte wurde darauf in das Hospital verbracht. Nunmehr konstatierte aber die Polizei, daß die Wohnung des Reinhard vollständig zerschossen, alle darin befindlichen Möbel zeigten Spuren, daß in dieselben Kugeln eingedrungen waren, ebenso waren Bilder und Wände überall mit Schußspuren bedeckt. Die Frau teilte dann auf Befrage«« mit, daß. ihr Mann schor« seit einiger Zeit geistesgestört sein müsse, denn jeden Tag und bei jeder Gelegenheit, wenn ihr Mann sie gesehen hätte, hätte er seinen Revolver gegen sie abgeschossen, ohne sie glücklicher Weise aber z«r treffen, eine Anzeige habe sie dieserhalb aber bei der Polizei nicht n«achen ivollen. Vor einiger Zeit ist ein Kind des Mannes a«j§ dem dritten Stock in den Hof gestürzt; das Kind ist aber so weit wieder hergestellt. Die Rücksicht, welche die gequälte Frau, die ihrem Manne als Zielscheibe für Reoolverkugeln dienen mußte, genommen hat, erscheint «ms doch z«r weit gegangen. Nieder-Jngelheim, 29. August. Der Afrikareisende Baron Karl v. Erlanger kau« dieser Tage mit seinen Begleitern Karl Hilpert, Vern und einem Neger aus Abessynien hier an. Es wurde ihm ein ehrender Empfang bereitet. ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. An« 4. Juli 1857 «vurde der Barbier Keller vom Frankfurter Schwurgericht zum Tode verurteilt, aber zu lebenslängliche!«« Zuchthaus begnadigt. Wie ein Berichterstatter mitteilt, lebt Keller heute noch in« Zuchtharrse zu Dietz. Sein damaliger Verteidiger war Dr. Sin«on Maas, der kürzlich seine«« 80. Geburtstag in bester Gesundheit gefeiert hat. — Die neunzehnzährige Elisabetha Wiener in M ainz wurde am Mittwoch Nachmittag vor dem Gauthor von Passanten auf einer Bank bewußtlos aufgefunden. Tas Mädchen, das bisher in der Konservenfabrik gearbeitet, hatte Salzsäure zu sich genommen. Die rasch herbeigeholte Polizei des 3. Bezirkes ließ das schwerkranke Mädchen mit dem Krankenwagen nach dem Rochushospital verbringen, «vo ihm der Magen ausgepumpt «vurde, doch ist sie am folgenden Tage gestorben. Die Wiener soll die That auS Liebesgram begangen haben. — Wegen der Aufhebung der ^onn- tagsfahrkarten nach Frankfurt a. M. und anderen Orten sind nunn«ehr an die preußisch-hessische Eisenbahndirektwn Eingaben aus der Bürgerschaft zu Mainz in Vorbereitung, die sich gegen die Aufhebung aussprechen. — Prinz Friedrich Karl von Heffen hat seinen Dienst als Kompagniechef der achten Kon«pagnie des in Frankfurt a. M. garnisonierenden 81. Regiments wieder übernommen. Die Familie des Prinzen ist von Frankfurt a. M. bereits nach Schloß Fridrichshof übergesiedelt. — Ein benachbartes Blatt meldet unter bet )N England loljiii mit dem ch. anwesenden as Souper ein In feiner Br- Ponfonby und ichen Hofe Mr. : Cyrill von ijahr stehl die hacke in den llnngsbehördcn ?nbc Berande- )6cnj geht 'n q yrt M in ne znm Äms- urde die Polyi, rße gmyen mit jajiniet Sanier.? ich nur leite ct, daß sich dr ,ejagt hatte md sei. Ter Milcht. Nunmchl tg des Reni' rin bcsindlichcn i eingedningai ill mit Schuß' «gen mit, daß löd sein müsse, oenn W Mm gegen sw obgf tressen, eine A- i»i nicht modjen Annes dem ist mW e gequälte ssM, lverkugelndma ii weit gegangen, ifarcijenbe «Begleitern^ den hier an. ^cn9etüft Qn durch v. ** n >>t. Ihn n ^n BoJ Ö^eSen Wflt > zurüü-' nt,en 3^ t der den '^ts erfreut a/§ 7 Pfleg- J’fim über- AuAr den? aus Mainz ? ^onbe ver- toH. Kreis «Wi au§ ^babtn lcn ^rdarbeiln eubau tm ?bi9 erhalte, ^achsorschungci eüher im M nes Gärtnerci, ätzen ücrroertit haben Wold. "den entfernten rwesung übu- it keinerlei An- r gegenteiligen Kreisen fest do. rpaar in der 'vlssgarten ein- 's vom Ör . ' aber zu lebe" n BerichteAtta SxL ?•*; if3tfuS, t* Ä*JS MSdch-" *> ib„ ** folaci* Ii- bi«* i 1,4 L 0»""' Ort" i».a5nb«e»> Rubrik „Unglücksfalle und Verbrechen' aus Fulda: „Als heute früh die Landgräfin von Hessen Jpr dein Dom anfuhr, empfing der Bischof von Fulda sie am Portal und geleitete sie zum Grab des Bonifaeius, wo die Bischöfe, die gegenwärtig die Jahreskonferenz abhalten, zur Eröffnungsandacht versammelt waren. — In Bingerbrück trafen mit dem Koblenzer Zuge zwei Männer ein, anscheinend ausländische Arbeiter, die auf telegraphische Weisung hin verhaftet werden sollten, da sie verdächtig sind, in Linz a. Rh. einen Mord verübt zu haben. Während es der Gendarmerie gelang, den Einen sestzunehmen, entfloh der Andere in der Richtung nach Bingen. Bei der Durchsuchung der Kleider des Verhafteten wurde ein Dolch und ein mit fünf Patronen scharf geladener Revolver geflmden. Ter Arrestant wurde in das Untersuchungsgefängnis nach Stromberg abgefiihrt. Vermischtes. * Berlin, 30. Aug. Heute nacht kurz vor 1 Uhr erfolgte auf dem Potsdamer Ringbahnhos hier ein Zusa m m e n- st o ß des letzten aus dem südlichen Ringbahngeleise ausfahrenden Personenzuges mit einem in der Einfahrt begriffenen Materialienzuge in dem Weichenkreuze auf der Brücke über die Königin Augustastraße. Der zweite und dritte Personenwagen hinter der Lokomotive entgleisten. Beide .Hauptgeleise wurden durch den Unfall gesperrt. Der Zugführer des Personenzuges uud des Materialzuges und ein als Reisender mitfahrender Bahnsteigschaffner erlitten leichte Verletzungen. Von den sonstigen Reisenden, etwa 20 bis 24 an der Zahl, wurde nach den bisherigen Feststellungen niemand verletzt. • Köln, 30. Aug. Aus dem Kurort Neuenahr erfährt das hiesige „Tageblatt", daß ein dort seit 20 Jahren lebender Kaufmann durch die Jntriguen seiner zweiten Frau bei vollem Verstände gewaltsam in die Irrenanstalt zu Andernach geschleppt worden sei, und zwar durch drei handfeste Männer, die angeblich von der Frau durch Zahlung von 150 Mark dazu gedungen worden seien. Die Männer schlichen sich abends in das Haus, fesselten den Wehrlosen und verbrachten ihn per Wagen in das Irrenhaus, wo er bereits seit einigen Tagen weilt. Die Neuenahrer Bürger erstatteten inzwischen Anzeige bei dem Landratsamte; verschiedene Vereine berufen Versammlungen ein, um Stellung zu diesem skandalösen Vorfall zu nehmen. * Kopenhagen, 30. Aug. In der Nähe von Farsund kenterte bei einem organartigen Sturme der norwegische Fischerkutter „Lekna". Von der 7 Mann starken Besatzung ertranken vier. Die übrigen wurden von einem schwedischen Kutter gerettet. Oerichtssaal. 1- Gießen, 30. Aug. Eine wichtige Entscheidung traf heute das Schöffengericht hier in einer Strafsache gegen einen hiesigen Ladrnbesttzrr und Schankwirt. Die offene Verkaufsstelle und die Schankwirtschaft befinden fich in demselben Raum, der nur einen Zugang von der Straße aus hat. Die Verkaufsstelle muß um 9 Uhr abends geschloffen sein, während der Schankwirtschaftsbetrieb dieser Beschränkung nicht unterliegt. Die Polizei verlangte von dem Inhaber beider Geschäfte Schließung des Geschäftsraums, indem sie fich auf ein, Anweisung deS Ministeriums stützte, die bei Verbindung einer offenen Verkaufsstelle mit einem dem Neun-Uhr-Ladmfchlutz nicht unterworfenen Geschäftsbetrieb wie im Fragefalle die Schließung beider Geschäfte verlangt, falls nicht der Inhaber für geeignete, die v olizeiliche Kontrole erleichternde Trennung der Betriebe sorgen wolle. Hierzu verstand sich der Angeklagte jedoch nicht, ließ vielmehr den Geschäftsraum für den Wirtschaftsbetrieb nach 9 Uhr abends offen, während er den Verkauf für das Ladengeschäft pünktlich zur vor- oeschriebenenZeit einstellte. Gegen den auf erhobene Anzeige erlaffenen Strafbefehl legte er Einspruch ein und erreichte in der heutigm Haupt- v »Handlung Freisprechung von Strafe und Kosten. DaS Schoffen- gericht nahm «it, daß unter Ladenschluß kein hermetischer Verschluß des Zugangs zu dem Laden zu verstehen sei, daß vielmehr du that- fächlicheS Einstellen deS Verkaufens im Ladengefchäft den Bestimmungen deS GefetzeS genüge, und daß der Angeklagte Thüre und Ladenraum für den Wirtschaftsbetrieb offen halten dürfe. Die Anficht deS Ministeriums fei für bas Gericht nicht bindend, da die Anweisung nur den Charakter einer innerdienstlichen Instruktion für die Polizeibehörden und nicht Gesetzeskraft besitze. DaS Gericht halte die Auslegung der GesetzrSstclle, wie sie das Ministerium in der Anweisung gebe, für irrig. Sie stehe mit bedeutenden Kommentatoren der Gewerbeordnung, mit mehrfachen obergerichtlichen Entscheidungen im Widerspruch und verkenne die Tendenz der GcsetzeSstelle. Es könne daher von einer Bestrafung des Angeklagten nicht die Rede sein. Sache des Ministeriums bezw. der Polizei sei eS, einen Weg zu finden, der die Kontrole über Verkaufsstellen der vorliegendm Art ermögliche. Die Entscheidung ist für alle diejenigen von Jntereffe, die, wie z. B. Friseure, neben einem dem Neun,Uhr-Ladenschluß nicht unterworfenen Gewerbe ein kleines kaufmännisches Geschäft in demselben Raume betreiben. _ , Lemberg« 28. August. Eine Beleidigung des Grafen Waldersee erblickte die hiesige Polizeibehörde in der Art und Weise, wie der Schauspieler Glinski die China-Expedition auf der Bühne glossierte. Der Schauspieler zitierte: „Wir Deutsche fürchten nur Gott" und ver- steckte fich dabei, Furcht markierend vor einem nicht geladenen Revolver, unter dem Tisch. Der Polizeikommiffarius erblickte in dem Vorgehen des Schauspielers „eine Verletzung der nationalen Empfindungen der Re. Präsentanten der reichsdeutschen Regierung in Lemberg" und verurteilte Glinski zu einer Geldstrafe von 10 Kronen. Theater, Kunst und Wissenschaft. - Don ber Baldwin'schen Nordexvedition liegen heute zwei Nachrichten vor. Aus Tromsö wird vom 30. ds. gemeldet: Der Dampfer „Frithjof", der die Baldwin-Expedition begleitete, ist hier eingetroffen. Der „Frithjof" war auf WiltzeckSland, wo er ein Haus er richtete. Der Dampfer traf am 24. August auf Franz-Josefs-Land ein. Die „Amerika" langte am 18. bd. an, weil sie zuweit westwärts gegangen war. Es herrschte viel Sturm und Unwetter, doch waren die EiSverhält- hältniffe gut. Auf Kapflora wurden sechs Mann zurückgelassen. Die „Amerika" geht möglichst weit nordwärts und errichtet dort eine Station. „Frithjof" verließ am 24. ds. Kapflora. — Ferner meldet ein Christianiaer Blatt aus Hammerfest: Kapitän Kjeldsen vom Dampfer „Frithjof", der aus dem Franz Josefs-Land hierher zurückgekehrt ist, brachte eine Menge Postsachen Baldwins und des russischen Eisbrechers „Jermak" mit. Der Kapitän sprach vor drei Wochen mit dem Admiral Makaroff. „Jer- mark" versuchte vergeblich, das PolareiS zu durchbrechen. Der Admiral meinte, das sei unmöglich, er hätte einen Umweg von 40 Meilen machen müssen, um von Nowaja-Semlja daS Franz-JosesS-Land zu erreichen und Baldwin zu sprechen. Arbeiterbewegung. Rordhausen, 80. August Ein Gewaltakt wurde am Montag, der „Nordhaus. Ztg." zufolge, auf offener Straße verübt. Als nämlich um die Mittagsstunde der arbeitswillige Tabakarbeiter Rudolf Krähmer aus der Kneiffschen Fabrik kam und dem Schlosser Franz Panse begegnete, wurde er von letzterem mit den Worten angeredet: „Na, da kommt ja der Streikbrecher usw., worauf es zu einem Ringen zwischen beiden kam. Panse zog einen mit zwei Schrotpatronen geladenen Revolver hervor und wollte auf Krähmer feuern. Der Revolver versagte aber, und nun schlug Panse seinen Gegner mit dem Revolver auf den Kopf, wodurch einige blutende Wunden entstanden. An dem Gewaltakt beteiligte sich auch der in der Begleitung des Panse befindliche Anstreicher Emil Knabe insofern, als er den Krähmer festzuhalten suchte, damit Panse besser auf Krähmer losschlagen konnte. Die beider Angreifer find sofort verhaftet worden. Handel nud Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Gieße«, 31. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. JH. 1.20—1.30, Hühnereier per St. 0 y, 2 St. 14—15 Enteneier 1 St. 7—8 d>, Gänse- eier per St. 11—12 <£, Käse 1 St. 5—8 Käsematte 2 St. 5—8 «j, Erbsen per Liter 22 0 Laurahütte..... 183 50 Bochum......165.50 Harpen er......154.90 T-'ndeaa ruhig. Meteorologische Beobachtungen der Stativ« (Rieften. August Barometer auf Oo reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 30. 9« 750,1 4- 13,8 9,6 82 8. 1 bed. Himmel. 31. 7« 749,3 + 9,6 8,6 96 8 1 Nebel 31. 2« 747,6 + 21,8 10,0 51 WNW. 2 bed. Himmel Höc fie Tew peratur am 2 9.-86 . Augus ; + 2 .90 C. Niedrigste . „ + 3.9° C. ärztlich empfohlen für fflund* und Zahnpflege in Idiwedifchen Kliniken 30.000 Liter in einem 3ahre verbraucht und durch ßoflieferanten-Titel ausgezeichnet. . . Sfomafol Htiidtissher Arbeitsnachweis Gießen Garteuftraste S. •todtlot der «rdettnehmer: 1 Schuhmacher, 1 Tapezier, 2 Hausburschen, 1 Sckreibaehilfe, 1 Kindermädchen. Lehrlinge t 1 Sattler. Nachfrage der Ardeitgederr 1 Schlaffer, 1 Schreiner, 1 Haus- bnrsche, 1 Fuhrknecht, 3 Dienstmädchen. Lehrlinge r 2 Buchbinder, 1 Glaser, 2 Schlosser, 1 Lithograph, 2 Schneider, 2 Schreiner._______ Bekanntmachung. Stadtrcchner Doepfer ist vom 2.—23. September l.I. beurlaubt und wird während dieser Zeit von dem ersten Stadt- kiffegehülfen Peter vertreten. Gießen, den 80. August 1901. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 6899 Mobiliar- Versteigerung. Dienstag den 3. September,uachmittagSSUHr werden in dem Haufe Aleich- straße 36 HI. dahier nachverzeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 1 Sopha, 1 Schränkchen »it Aufsatz, 1 runder Tisch, 1 Nähmaschine, 1 Kommode, 1 Nachttisch, Bilder u. Spiegel, IKücheu- schraukmitGlasaufsatz, 1 Küchentisch, Porzellan und Glas usw. 5883 I. A.: Schneider. Versteigerung. Montag den 2. ®ebitn mit oder oi,ne Wohnung, a. einieL flimmer dazu, zu verm. Näh. Aeustadt 14, pari. 03416 S)le Stabt NaMchnMe Ägerv zu vMchlin. Stadtbauamti schreibung Übei Gießen T- Grr Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dcm Htnscheiden unseres lieben Kindes Emilie, sowie für die reichen Blumenspenden sagt innigsten Herrn Konrad Frey IV heute früh 2 Uhr nach kurzem Krankenlager zu sich zu rufen. Lonning, !>cn 1. September (nicht am 8. Sept.) Ausflug nach dcm Aindhof (Bei ungünstiger Witterung im Vereinslokal.) 5882 Der Vorstand. Johanna Buff geb Moldenhauer. Tüchtige Üieii'eiöt gesucht für den Verkauf eines sehr gangbaren Artikels. Großer Verdienst. Offerten unter F. U. M. 889 an Rudolf Moste, Frank Frankfurter Zeitung Kleine Presse ----- Annahme von Kvorrnemevts und Arriisncerr bei der Agentur H. Wallach, BiSmarckstraße 14 c^unged, braves Mädchen für -V leichte Hausarbeit gesucht. Näh. Marktplatz 16. 5900 Todes-Anzeige Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben, unvergesslichen Gatten, unseren guten Vater,. 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