Erstes Blatt. 151. Jahrgang Donnerstag 1. August 1901 ^tzenerAnzeige MMHf »*cVa btm An, General-Anzeiger 0*r. - fHldUn« Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Siesten Ldreffe für Depesche»-. Anzeiger S,etz«>. FernsprcchanschlußNr.M. bot, unb so fitzen nur die Banken mit diesem wahrscheinlich toerttofen Unterpfanbe fest. Die Obligationen werden bis Emissionskonsortium, an dessen Sprtze die Darmstadter Bank steht, zurückgenommen, wohl wie man an der Börse meint — weil dieselben ohnehin nicht untergebracht waren. Gießen, den 30. Juli 1901. öetc.: Die Ausführung des llrkuudenftempelgesetzes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen •« Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS. Nach § 6 des Statuts des Allgemeinen Knappschaft- Vereins Hessen zu Gießen bedürfen Bergleute, welche um Aufnahme in den Verein nachsuchen wollen, unter anderem eines Atteste- der Ortsbehörde, des Inhalts, daß der um die Aufnahme Nachsuchende im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Gemäß Artikel 10 des UrkuudenstempelgefetzeS hat Sroßh. Ministerium des Innern augeordnet, daß derartige Atteste stempelfrei zu erteilen find. v. Bechtold. ihm, am liebsten a ibeieS «NSchUM AlgNch wM *■*!** M Koutae» Gießen, den 30. Dezember 1899. Grvßherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Votitlsthe Tagesschau. Wer schon einmal auf dem riesenhaften steinernen, eigentlich im ganzen recht unschönen und nur in Einzelheiten befriedigenden Lyffhäuser-Denkmal gestanden hat, wird in westlicher Richtung eine 5—6 Stunden lange, sehr fruchtbare Ebene, die „golbene Aue- genannt, gesehen haben, an deren Ende nach Norden hin sich auf langsam aufwärtSsteigeudem, hügeligem Gelände die alte weit bekannte ehemalige freie Reichsstadt Rordhausen erhebt. Im Süden der Stadt liegt der Bahnhof mit seinem großen Gelände für den Güterver« kehr. Verlassen wir den Bahnhof, um nach dem auf einem Hügel sich erhebenden älteren Stadtteil zu gelangen, erblicken wir in den von dieser sich abzweigenden Nebenstraßen viele größere Fabrikgebäude, das sind die Tabakfabrikeu. Mehr als 2000 Personen werden in diesen mit dem Herstellen von Kautabak beschäftigt; außer diesen Fabriken bestehen auch noch mehrere Zigarrenfabriken. Gegenwärtig herrscht in den ersteren noch immer der schon um Ostern begonnene Streik. Von den Fabrikanten war den Streikenden ein Vergleichs- Bekanntmachung. Betr.: Gesuch des Jakob Sommer III. von Watzenborn «m Genehmigung zur Erbauung eines Schlachthauses. Der Metzger Jakob Sommer in. zu Watzenborn beabsichtigt, auf dem Grundstück Flur I Nr. 1353 der Gemarkung Watzenborn ein Schlachthaus zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, 90« Ecscheinen dieses in dem Gießener Anzeiger an gerechnet ans dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Watzenborn- Steinberg zur Einsicht der Jutereffenten offen. Etwaige Einwendungen find binnen dieser Frist bei Meidnng des Ausschluffes bei Großh. Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg vorzubringen. Gießen, den 27. Juli 1901. Grv hherzo gliches Kreisanri Gießen, v. Bechtold. Polizei - Verordnung für -en Kreis Hieße«. Auf Grund des § 366 Pos. 10 des Reichsstrafgesetzes und der Artikel 103 und 109 des Polizeistrafgesetzes wird hiermit unter Zustimmung des KretSau-schuffeS mit Ge- uehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 22. Dezember 1899 zu Nr. M. d. I. 37296 verordnet wie folgt: § 1. Der Gebrauch von Schleifen zum Transport landwirtschaftlicher Geräte (Pflüge, Eggen rc.) und anderen Gegenständen auf den chauffierten Straßen und Wegen ist verboten. § 2. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende Bestimmung unterliegen den in § 366 Pos. 10 des Reichsstrafgesetzes bezw. Art. 103 und 109 des Polizeistrafgesetzes augedrohten Strafen. Äh Jeeren -ftl. 6828 KOH»“, Edition d. --- sofort D«dfrl. Der Fall Terlinden. Die traurige Reihe von Zusamrnenbrüchen und „Liquidationen" ist in der letztverflossenen Woch^ durch den Fall Terlinden vermehrt worden. Der Direktor Terlinden, Vorbesitzer und zuletzt alleiniger Vorstand einer Aktiengesellschaft gleichen Namens, bie der Metallindustrie zugehört, ist flüchtig geworden, nachdem er die Gesellschaft durch eine Reihe von betrügerischen Handlungen zu Grunde gerichtet hatte. Dieselbe besaß ein Aktienkapital von 3 500 000 Mk., das an der Börse zum Glück noch nicht eingeführt war, und eine Obligationenschuld von 700 000 Mk. und weiteren 200 000 Mk., die an der Börse gehandelt werden. Terlinden hat durch Vorlegung gefälschter Bücher und Bilanzen, sowie durch unrechtmäßige Ausgabe von Aktien über den obengenannten Betrag hinaus und durch Wechselreiterei bei einer ganzen Anzahl von Banken und Bankiers Kredite erlangt, deren Höhe auf 8 bis 10 Millionen Mark angegeben toirb. Das alte Bankhaus v. Beckerath-Heilmann in Krefeld ist um etwa 1300 000 Mk. durch ihn geschädigt worden, sodaß es gestützt werden mußte; die Hannoversche Bank, der Barmer Bankverein sind mit verhältnismäßig großen, die Magdeburger Privatbank und der Dortmunder Bankverein mit geringeren Summen beteiligt. Auch die Diskontogesellschaft und die Norddeutsche Bank haben gegen Unterpfand von Aktien Aeeeptkredit gewährt, die Firma Robert Warschauer u. Go. soll sogar in Höhe von über anderthalb Millionen Mark bei nur teilweiser Deckung engagiert fein. Keine aller dieser Banken hatte von der wahren Lage der Terlindengesellschaft eine Ahnung, keine hatte Vorsicht genug, die Verhältnisse dieses Unternehmens einer vorherigen sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Nachträglich verlautet nun, daß Grundstücke und Gebäude in der Bilanz weit überwertet waren, daß der ganze Jahresumsatz nur ca. 1 Million Mark betragen habe, daß bie Dividenden nur dadurch herausgerechnet werden tonnten, daß die Buchwerte um große Summen einfach erhöht wurden. In wenigen Tagen kommt man jetzt zu der Klarheit, die man vorher in 9Jtonaten und Jahren nicht erlangen tonnte. Die Banken erkannten den groben Schvindel nicht. Der Wunsch, Geschäfte in großem Stile zu machen, hat augenscheinlich auch die zuerst genannten kleineren Banken erfüllt, sodaß sie mit Summen in Vorschuß getreten find, die sie an ein einzelnes Geschäft im Hinblick auf bie mäßige Höhe ihres Aktienkapitals nickst wagen sollten; so hat eine dieser Provinzialbanken den zwanzigsten Teil desselben darin festgelegt. Bezeichnend ist es, daß es nicht weiter ausgefallen ist, daß der aus nur drei Personen bestehende Aufsichtsrat der Terlinden-Gesellschaft, der den alleinigen Direktor kontrollieren sollte, an seiner Spitze einen Schwager desselben hatte, während dessen Bruder th regem Geschäftsverkehr mit der Gesellschaft stand. Als ein Glück muß es bezeichnet werden, daß diesmal das Publikum nicht direkt in Mitleidenschaft ge- l ^eulixia 45. 5006 Mahm-rüst für: Ui m allen Troßen, «m. OIqS v. 25 Han. la und MMn. ■WttM.6t.KkV »gtr, per Stück 10 4. aufgelöst Ich bitte die verehrlichen Redaktionen allen deutschen, österreichischen und schweizerischen Blätter, von dieser Erklärung gefälligst dchtiz nehmen zu wollen. Ohne die freundliche Mitwirkung der Presse ist es mir unmöglich, gegen das täglich dreister werdende Heer der Freibeuter etwas auszurichten, das den künstlerischen Kredit meines Unternehmens so empfindlich zu schädigen geeignet ist. Genehmigen Sie, Herr Redakteur, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung. Ernst Freiherr von Wolzogen". — Auf die auch anderen Zeitungen zugegangenen Ausführungen erläßt jetzt Dr. Hanns Heinz Ewers in Schweizer Blättern eine Gegenerklärung, in der er in sehr scharfer Weise alle Behauptungen Herrn von Wolzogen's zurückweist Wir sehen von dem wörtlichen Abdruck ab, weil diese unerquickliche Angelegenheit für die Öffentlichkeit kaum von größerem Interesse fein dürfte. Johann Strauß jr. Im Palmengarten zu Frankfurt a. M. gastierte am Samstag die Kapelle des jüngsten Johann Strauß aus Wien. Wer freute sich bei Garten- Konzerten nicht mehr über einen Strauß-Abend, als über ein Beethoven-Konzert? Und wer wurde es wagen, der Tanzmusik ihre Berechtigung abzustreiten? Gewiß nimmt die Tanzmusik unter den verschiedenen Arten von Musik die niedrigste Stelle ein, und dient mehr einem äußeren Zwecke; wenn aber Komponisten, wie die beiden Johann Strauß (Großvater und Onkel des Johann Strauß jun.) den Violinen herrliche, getragene Melodien zu entlocken wissen und reizende, prickelnde und neckische Ryth- men in abwechslungsvollen Tönen anschlagen, wenn sie schließlich ihre duftigen leicht geschürzten Harmonien mit feiner Instrumentation umweben, da kann sich selbst ein griesgrämiger Kritiker freuen, wie sich auch Richard Wagner und Johannes Brahms an der Muse eines Strauß ergötzten. • Johann Strauß jun. zeigt sich in seiner ganzen äußerlichen Persönlichkeit als Sohn von Eduard Strauß Die Direktionsmanieren seines Vaters, seines Onkels Johann und seines Großvaters Johann hat er beibehalten, das musikalische Talent hingegen erweist sich als kürzer. Nicht uninteressant ist die Erscheinung des etwa 24 Jahre alten Wiener Dirigenten. Ausdrucksvolle Augen, blasses Ge- icht, schlanke, bewegliche Gestalt mit großem Kopf und üppigem schwarzen Haar und Schnurrbart. Tadellos eie- Theater, Kunst und Wissenschaft. Die Bayreuther Buhueufestspiele sind beendet. Wir haben leider nur ganz kurze Mitteilungen über ihren Verlauf veröffentlichen können. Doch etwas für uns Gießener besonders Bemerkenswertes wollen wir heute nachtragen. Frau Wittich, wie ihr Kollege Buff, bekanntlich in Gießen geboren, wie er ein hervorragendes Mitglied der Dresdener Hofoper, hat dort bedeutende künstlerische Triumphe gefeiert. In dem ^Parsifal", dem unantastbaren Gebiete Bayreuths, war sie mit der schwierigen Rolle der Kundry betraut worden und sie hat, wie der Referent der „Köln. Ztg." schreibt, damit ihr reiches anziehendes Talent ins hellste Licht gestellt. Allerdings hat der Musiktheoreriker des genannten Blattes auch etwas an ihr auszusetzen. Er bedauert die „viel zu sparsam gehaltene Aufwendung weiblicher Verführungskunst im zweiten Akt", den „gewlffen puritanischen Geist". Jeder hochleidenschaftliche Moment im zweiten Akt, so fährt er aber fort, zeigte bei Frau Wittich ebensoviel Tiefe der Empfindung, wie schönen Ausdruck der Stimme und der Gebärde, ihr Spiel im dritten Akt, wo sie nur noch durch Buße und fromme Werke sich des Erlösungstodes würdig zu machen hat, Jörte keinen Augenblick auf, rührend zu fein. — In bie Lsieglinde wußte Frau Wittich, demselben Referenten zufolge, „den anziehenden Reiz einer persönlichen Gestaltung hineinzugeheimuissen. Gegenüber der aufdringlichen Unter- nehmungSlust anderer Sieglinden betonte sie das echte, ziemliche Weib, das auch im Jubel der seligsten Wonne nicht gibt, sondern erwartet. Die Schönheit der Gesangsleistung und ihres Spieles seien als mächtige Hilfsmittel ihrer Leistung erwähnt." Wir freuen uns dieses Anerkenntnisses unserer Künstlerin und möchten zugleich den Wunsch aussprechen, daß die maßgebenden musikalischen Kreise unserer Stadt Frau Wittich zu einem winterlichen Gastgeschenk in ihrem HeimatSorte auffordern. Wir zweifeln nicht, daß sie einer solchen Bitte gern willfahren und uns den hohen Vorzug f Presse, le t $ die bt-< Im Orbig, ■;,**»*■ 10. ■NNta vezvgrprel, x> ter «{***< Mt. 2.20, monatl. 76 W, mit Brn q er lohn; buvS Übholefreütp ourmntyi* Mk. l.Uu, monatl. 66 ®et Poübezug tnertdj[4fa* Mk 2.00 ohne SefhSpÄ 80e an|ttqen-!6«rmittlunee» fteOtn befl In und BurienSel nrbmen findigen für kl • tefitncT tatgtgee, ßettenpruS total iS M*. auewärtt SO W» otft tt, Äwen. M mttrntt , abjUfleben. Wetnhaudluuz aße, Ecke WolkenM ItWiriNl er preidtotrt abiugebti 1 derGesckästSßell- M izeignS.dto 6 a nn. »rystaoüst» rtauftn. Uf vH s »l- , , _ § 3. ®ttien lvaren noch nicht an der Börse ein» Gegeuwärtige Borschnfteu treten mit dem 1. Januar 1902 > geführt, wohl nur, weil die schlechte Böfienlaae dies ver- in Kraft. f’ko-----' ..... “ - • - - Vorschlag gemacht worden, der darin gipfelte, daß em großer Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen nicht wieder emgestellt werden sollte. Und zwar, wie eine von den Unternehmern gezeichnete Liste ergiebt, alle diejenigen Arbeiter, die mehr oder weniger für die sozialdemokratische Organisation ernge treten sind. Auch die Fabrikkommissionen sowie die gesamte Leitung deS AüSstandS waren auf die Liste gesetzt. Der Bergleichsvorschlag enthält noch einen weiteren Passus, der besagt, daß die ausgesperrten, wieder eintretenden Arbeiter sich bei Strafe der sofortigen Entlaffung jeder Belästigung und Beleidigung der Arbeitswilligen innerhalb und außer halb der Betriebe zu enthalten haben. Eine Versammlung der Streikenden nahm zu dem Vergleichsvorschlag Stellung und lehnte die vorbenannten Punkte einstimmig ab. Eine letzte Antwort der Fabrikanten steht bis jetzt noch aus. ES ist kein Zweifel, der Kampf dauert fort! Gerichtsverhandlungen, in denen empörende Mißhand- langen von Kindern durch ihre eigenen Mutter zur Aburteilung gelangen, haben in den letzten Monaten auffallend häufig stattgefunden. Heute lesen wir in einem altpreußischen Blatte: Wegen Mißhandlung deS eigenen KindeS ist die Arbeiterfrau Katharina SontowSki in Thorn zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Frau S. hat einen außerehelichen Sohn, der sich bis zum September o. I. in Pofen in Pflege befand, dann aber vom dortigen Magistrat zur Mutter gesandt wurde. Nun begann für ihn ein wahres HSllenlebe». Nicht nur, daß er täglich, meist ohne jede Veranlasiung, Schläge erhielt, verübte die unnatürliche Mutter noch allerhand Grausamkeiten an dem Knaben. Einmal würgte sie ihn am Halse, unter dem Vorgeben, sie wolle ihm die Drüsen auseinander ziehen, ein anderes Mal begoß sie ihn mit kaltem Wasier, prügelte ihn durch und zwang ihn dann, eine halbe Stunde um den Tisch herum zu laufen. Eines Tages steckte sie ihm eine Hand voll nassen SandeS mit solcher Gewalt in den Mund, daß Iber Knabe Blut spie. Dav Schlimmste aber hatte der Junge während der Fastenzeit zu erdulden. Er mußte täglich dreimal Gebete von je einer halben bis dreioiertrl Stunden verrichten. Dazu batte die Frau grobkörnigen KieS auf den Fußboden gestreut, auf dem der Knabe mit aufgestreiften Hofen nteder- koieen mußte, sodaß ihm die spitzen Steinchen ganze Löcher in die Haut der Beine drückten. Machte er den Versuch, sich einmal zu er. heben, so schlug ihn die Mutter mit einem Rohrstock auf die entblößten Beine. Eine polizeilich, Verwarnung nützte nichts, der Knabe wurde weiter mißhandelt, bis er schließlich dem mütterlichen Haufe entlief. Jetzt wurde die Frau unter Anklage gestellt. Der Staatsanwalt beantragte, sie zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen, daS Gericht aber ertanntr, wie eingangs erwähnt, auf ein Jahr, indem es als strafverschärfend ansah, daß Frau S. sich nicht gescheut habe, die Religion al« Deckmantel zu benutzen, und daß sie auf das Seelenleben ihres Kindes in der verderblichsten Weise eingewirkt habe. Was uns dabei verwunderlich berührt, ist die Milde des Staatsanwalts in diesem und ähnlichen Fällen. Wir meinen, selbst das Gericht ist hier noch nicht weit genug gegangen. Wenn irgendwo eine empfindliche Strafverschärfung, wenn durch entsprechende Abänderung des Strafgesetzbuches die Zuchthausstrafe am Platze ist, dann ist sie es für solche schändliche Verbrechen an den kleinen, hilf- und wehrlosen Märtyrern! Weiter ist dringend zu wünschen, daß die trau, rigen Vorkommnisse erneut eine kräftige Anregung geben zur Bildung von Kinderschutz Vereinigungen, wie sie beispielsweise in England eine segensreiche Wirksamkeit entfalten. Eine Angelegenheit, die die Presse voraussichtlich rn der nächsten Zeit mehrfach beschäftigen wird, wird vom „Brest. Gen.-Anz." vor das Forum der Oeffenttichkeit gebracht. Das genannte Blatt schreibt in seiner neuesten Nummer: Die Zustände im deutschen Samariter- Ordens st ist zu Kraschnitz (Schlesien) haben einen derartigen Charakter angenommen, daß die publizistische Pflicht zwingt, die Oeffenttichkeit mit ihnen bekannt zu 'machen. Das D. S.-O., nahe bei der Kreisstadt Militsch gelegen, ist eine große Krankenanstalt, am besten zu ver- gleichen mit den bekannteren Anstalten -des Pastors von Bodelschwingh in Bielefeld. Den engeren Vorstand der Anstalten bilden der Anstaltsgeistlich^e, die Frau Oberin, gant ist seine Tournüre; die linke .Hand ziert ein Armband. — Während die Vorgänger des jungen Kapellmeisters den eigentlich belebenden Geist ihres Orchesters bildeten, hat man den Eindruck, als ob Johann Strauß jr., der früh zu Ehren und Würden gekommen ist, mit seiner Nonchalance im Auftreten und einem Anflug von Blasiertheit, mehr auf den Geist angewiesen ist, den er von dem Orchester empfängt. In scheinbarer Souveränität bewegt er sich auf dem Podium. Er unterstützt die Glanzstellen des Don- stückes mit seinem Violinspiel und dirigiert bald mit dem Taktstpck, wobei er sich meist tänzelnd bewegt und des Oefteren herumdreht, um das Publikum zu betrachten oder sich betrachten zu lassen. Abgesehen von den genannten überflüssigen Bewegungen ist die Tirektionsweise des jugendlichen Kapellmeisters angenehm und einnehmend. Die besten Proben seines Könnens gab Johann Strauß jun. mit der Interpretation der „Walzer". Was in der Ausführung dieser Tänze wirkt, das ist. das Gemütliche und beinahe Gemütvolle im Vortrag. Der süße, gesangvolle Ton der Violine wirkt wie ein berauschender Duft. Tas wäre aber auch der einzige Vorzug — wenn mein von einigen technischen Mängeln in der Interpretation absieht — den die Kapelle anderen guten Kapellen gegenüber aufzuweisen hat. Ter Einzugsmarsch aus „Tannhäuser" er? tönte — wie eine Parodie auf Wagner. Auch der Aida- marsch wurde im Tempo zur Karrikatur. Als Komponist stellte sich Johann Strauß jun. mit einem Walzer vor. Er wandelt dcrbei in den Bahnen seines Vaters, ohne dieselben zu erreichen. Der Konzertmeister der Wiener Kapelle, Schaffer, erfreute mit dem Vortrag der Romanze von Svendsen. Die Leistung war abgerundet künstlerisch, in individueller Weise gegeben, und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Das Publikum geizte auch den Vorträgen der Wiener Ka- pelle gegenüber nicht mit Beifall; Enthusiasmus aber, wie ihn der Vater und Onkel des jungen Dirigenten erregten, hat Joh. Strauß jr. nicht hervorgerufen. — Sine ira et studio — keinem zu Liebe und keinem zu Leide! Das Talent vererbt sich — das ist eine unleugbare Theorie, aber wenn es seinen Höhepunkt erreicht hat, dann kommt die dccadence. ^ohann Strauß I. (geb. 1804) war für - dem sie den letzten Rest von Vertrauen zu den maßgebenden Stellen verloren hätten, ihre Thätigkeit am 1. August einstellen und abreisen würden. Sollte es denn keine Instanz geben, die den geschilderten Mißständen ein Ende zu bereiten und den bedauernswerten, schwergeprüften, in ihrer ganzen Existenz bedrohten Diakonissen Hilfe zu gewähren vermöchte? Aus Stadt und Zand. Nachrichten von allgemeinem Jntereffe sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. •* Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Oberpfarrer Albert Junker zu Beerfelden die evangelische Pfarrstelle zu Ober-Ramstadt, Dekanat Eberstadt, übertragen. — Der Großherzog hat dem Gemeindeeinnehmer Johannes Hilß zu Ortenberg das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 10, ausgegeben am 23. Juli 1901, enthält: 1. Kirchliche Nachrichten vom Jahre 1900 2. Folgende Bekanntmachung deS Großh. Oberkonsistoriums vom 19. Juli 1901: „Mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und vorbehältlich der Zustimmung der Landessynode ist an der M a r t i n s g e m e i n d e zu Darmstadt eine zweite Pfarrstelle gegründet worden." ♦ * Das Regierungsblatt veröffentlicht in Nr. 50 eine Bekanntmachung, betreffend die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Sparkaffen und Kreditanstalten zu Groß-Bieberau und zu Reinheim. ♦ ♦ Unser Infanterie - Regiment wird sich am 23. und 24. August in die Gegend von Wißmar begeben, wo Prüfungsschießen stattfindet. Am 30. August rückt es zum Manöver aus. Zunächst bleibt es zu Uebungszwecken auf dem großen Exerzierplatz bei Griesheim. Von dort marschiert es in das eigentliche Manövergelände. Wie wir bereits früher mit teilten, findet das Manöver teils im Odenwald, teils in Rheinhessen statt. Anfang September beginnen die Brigademanöver in der Gegend von Worms. An den beiden letzten Tagen des Manövers, dem 23. und 24. September ist das übliche Korpsmanöver, das bei Worms und Alzey seinen Abschluß findet. Am 25. September erfolgt die Rückkehr in die Garnison. * * Ein neues Bank- und Wechselgefchäft. Herr Joseph Herz eröffnet in Gießen am 1. August ein Bank- und Wechselgeschäft (vergl. das Inserat in der heutigen Nummer). Bon der Firma Krogmann wurde ihm ein feuer- und diebeS sicheres, der Neuzeit entsprechendes Gewölbe erbaut. • * Bad-Nauheim, 30. Juli. Der Voranschlag der Stadt Bad-Nauheim für das laufende Jahr beziffert sich in Einnahmen auf 900 000 Mark, wie Ausgaben. Die ordentlichen Einnahmen betragen 86 000 Mark, die außerordentlichen 603 200 Mk., die Umlagen 210 800 Mk. (Hierbei sind einbegriffen 5400 evangelische und 600 Mk. katho lische Kirchensteuern. Die ordentlichen Ausgaben betragen 280 727, die außerordentlichen 619 272 Mk. Nach Beilage 1 betrugen die Schulden am 15. Febr. 1901 1 272 942 Mark, nach Beilage 2 beträgt das Vermögen 2 064 138 Mk. Mithin ergiebt sich ein BermögenSüberschuß von 791195 Mk. Das Vermögen ist nach dem vorjährigen Voranschlag um 126568 Mk. gestiegen. □ AuS Oberheffeu, 30. Juli. Bon den Domanialgütern, die in einzelnen Gemarkungen gelegen sind, gelangen in neuester Zeit verschiedene Stücke zum freiwilligen Verkaufe. Es find dies meist Gelände, die schon jahrelang im Pachtbesitz der betreffenden Landwirte sich befinden. Dadurch ift vielen Landwirten die willkommene Gelegenheit geboten, diese fast als Eigentum angesehenen Grundstücke mit Eigentumsrecht zu erwerben. A Ulrichstein, 30. Juli. Ein im Frühjahre aus dem Gerichtsgefängnis zu Gernsheim entsprungener und seit dieser Zeit steckbrieflich verfolgter Untersuchungsgefangener wurde hier festgenommcn und in das hiesige Gerichtsgefängnis eingeliefert. *• Worms, 30. Juli. Am 1. und 2. September findet hier ein Appell aller Kameraden statt, die bis zum Ausmarsch im Jahre 1870/71 hier gedient haben. Am 1. Sept, vor- mittags 11 Uhr findet ein Appell auf dem Parabepkatz flatt, woran sich ein gemeinsames Mittagessen im Festspielhaus und eine Besichtigung der Stadt anschließt. Für den Abend ist ein Kommers mit den Kameraden der Kriegervereine geplant. (Näheres ist aus dem Inseratenteil unserer heutigen Nummer ersichtlich.) ** Kleine Mitteilungen frl. Mine Bell 'iter nntirf/olb er 2Bud;t bei iva $y\\x. tttn zu Boden. Seil, und Dr. )tt ganze Vor. übrigen beiden ct sortzusetzrn^ ich- !gsgericht hatte Fuh-Art.-Reg. antworten. Er nteil verlassen, ■ über Amster- > von hort zu Er hat bie gemacht, tverr L von Euglän- :ben. Me W. zum Teil nach „gefügte I-'» t der Anklage ericht erkannte aus das ge^ der Untersuch- igte sich immer gange em edles im Sehei in- immer er|t am 8 Geistliches udent der W - Medizin aus k-Dolontar au- irg und s eyr io, SS« 8 ?£& Lrutnant«"^ **.- 'M * LrUt' eiS-S^Me aal auf $ tv e‘,r6etleuti^ L Ss- •Ä Bekanntw chuug. Aus der Stiftung ’»er . 2>rid? £tor Eheleute sollen am 23. S : ... u». IOC an sogenannte verschämte Arme nl ' der Religron in Gaben von nicht unter 60 Ann- n i dir zum 25. August bei dem Arm-- ,u -folj..- Juli 1901. 5280 erzo i.dje Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In das hiestge Genoffenschastsregister wurde heute eingetragen bezüglich der Spar- und Vorschußvereins Daubringen e. G. m. u. H., daß an Stelle des verstorbenen Kontroleur» Heinrich Weimer I. in den Vorstand neu gewähtt wurde: Christian Weimer zu Daubringen. Gießen, am 30. Juli 1901. 5284 __Großherzogliches Amtsgericht._______________ Arbeitsvergebung. Die zum Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, wie Maurer-, Stein- Hauer-, Zimmermanns-, Dachdecker-, Spengler-, Schlosser-, Schreiner-, Glaser-, Weißbinder- und Anstrricherarbeiten, sowie I Trägerlieferungen, beabsichtige ich im Wege schriftlichen Angebots zu vergeben. Schriftliche Offerten, verschlossen und portofr i, erbitte bi» zum 8. August b. I. an Herrn Architekten L. Eeuling zu Gießen gelangen zu lasten, bei welchem auch die Ver. dtngungsunterlagen während besten Bureaustunden, von vor- mittags 8 bi« 12 Uhr, vom 80. d. Mts. bis 8. August d. I. zur Einsicht offen liegen. 5233 Großen-Buseck, den 26. Juli 1901. ____________________B. Berlin. Heinrich Hochreuther Gießen, Südanlage 5 Kenerakagentur der AranKfurler Transport-, Anfall- »nd Htas- Aerficherungs-Aktten-Hefeltschaft empfiehlt sich zum Abschluß von: 2 Anfall-, Haftpflicht-, Transpart-, Glas-, Einbruchdiebstahl-, _________Pferde- and Wagen-Nerstchernngen._________ Gothaer Lebensversicherungsbank. Bersicherungsbestand am 1. Juni 1901 7978/< Millionen Mark. Bankfonds „ , 261 „ . Dividende im Jahre 1901: 29 biS 128 Prozent der Jahres-Normal- Prämie — je nach dem Alter der Versicherung. Kertreter: Heinrich Hochreuther 11________________ Sudanlage 5.____________ GW. WserWIs-Kibliotheb. Alle Benutzer mit Ausnahme der Studenten haben die von ihnen entliehenen Bücher bis zum 10. August zur Musterung einzuliefern. Vom 15. August bis 26. Oktober ist die Bibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Gießen, den 26. Juli 1901. Der Großh. Oberbibliothekar. Prof. Hauvt 6176 Äppell ücr ehemligcn Angehörigen öesl.Aoßh.Sess. ^Jnfanterie-(Leibgariie-)Regivlellts. Am 1. und 2. September diese» Jahre» findet^in unserer alten Garnisonstadt Worms ein Appell aller bis zum Ausmarsch 1870/71 dort gedienten Kameraden statt und bitten um gefällige alsbaldige schriftliche Mitteilung unter Angabe der Kompagnie an den Unterzeichneten. — Es ist geplant: Am 1. September, vormittags 11 Uhr: Appell auf dem Paradeplatz daselbst nach Kompagnieen geordnet, von da Abmarsch zum Mittagstisch in da» Festspielhaus, woran sich dann die Besichtigung der Stadt rc. anschließt. Abends: Kommers mit den Kameraden der Kriegeroereine daselbst. Die Anmeldungen haben spätesten» bis zum 16. August zu erfolgen. Engel, ehemaliger Feldwebel der 6. Kompagnie, 6282 Darmstadt, Hkisaöetheustraße 2. Sonntag den 4. August: Mifslblissejitu Wljkiin liL. Festprediger: Pfarrer Wieder zu Garbenheim und Pfarrer Euler zu Gießen. — Beginn der Gottesdienste um 11 und 2 Uhr, nachmittags bei günstiger Witterung im Walde. 5276 Alle MiffionSfreunde ladet ein w ________'_______________________Der Mrchenvorstand. Rad-Club Germania, Gießen. Mittwoch den 31. Juli, abends punkt 9 Uhrr Atzersriientlilje General-Lersammlung im Vereinslokal. Tagesordnung: 1. Beteiligung am SportSfest deS Gießener Radfahrvereins. 5278 2. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Hierdurch weinen Freunden und Bekannten, sowie einer verehrt. Nachbarschaft die Mitteilung, daß ich die in dem käuflich erworbenen Hause 12 Afterweg 12 seither betriebene Wirtschaft 5242 Zum sächsischen Kos vom DieuStag dem 30. d. Mts. selbst übernehme und werde meine Gäste stets durch ein gutes Glas Bier, Pa. Weiue, Speise» und aufmerksame Bedienung zufrieden stellen. Hochachtungsvoll Wilhelm Hofmann. Mein Geschäft Cderstrahe 4 geht unverändert weiter. Natron-Lithlon-Quelle Jean Weisel in Gleesen. WHMMl 03 General-Vertreter: [CO. 3731 Bad Salzhausen Hotel Weil empfiehlt seine Fremdenzimmer mit guter, billiger Pension. 02937 WmMWN.. jeder Art empfehlen 5068 A. Kröll Söhne Seltersweg 12. Telephon 284. 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