Samstag 1. Juni 1901 151. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 126 Sitter 2 tmi 7. W 6. 7. 8. Dr. Braden. Marquis Vogue, Verfasser historischer Arbeiten und der dramatische ne. NW. c 8 mühsam zur Annahme vvn Friedensbetzingungen genötigt werden Rönnen. Von Monat zu Monat hat sich in Deutsch- kmb die nie sehr große Begeisterung für das China-Abenteuer abgekühlt. Dichter Rostand wurden zu Mitgliedern der Akademie francaise gewählt. Budapest, 30. Mai. Der hiesigen Stadtgemeinde wurde gestern von dem Rechtsanwälte AvenariuS in Erlangen schriftlich mitgeteilt, daß der dortige Insasse Ludwig Tauber, der vor Jahren aus Raab dort eingewandert sei und sich ein großes Vermögen erworben habe, in seinem Testament 30000 Mk. zur Errichtung eines Heinedenkmals hinter- laffen habe, mit der Bemerkung, das Geld sei, falls Erlangen sich weigern sollte, ein solches Denkmal zu errichten, zu gleichem Zwecke der Stadt- gemetnde Budapest zu überlasien, weil Heine nicht blos ein deutscher, sondern ein Weltdichter gewesen sei. Erlangen hat noch keine Entscheidung getrosten. U 1.20, 1.40, 1.50, h in Mw bei: i Nachf., LMsplatz, shof, M-Maße, b, Miefemt, ab, bei der Entladung entsteht Kadmiumoxyd, das Master wird neuge- bUdet, und das Kupferoxyd verwandelt sich wiederum in metallische- Kupfer. Nach der Angabe von Edison genügt eine sehr geringe Menge der elektrolytischen Flüssigkeit zur Erzeugung dieser Wirkungen, auch können die beiden Platten sehr nahe an einander gerückt werden, nur geschieden durch eine dünne isolierende Schicht von Asbest, die mit der Flüssigkeit getränkt wird. — Der „Elektricien" bemerkt zu dieser Schilderung: „2Bir glauben gern, daß die angezeigten Ergebnisse im Laboratorium erhalten worden'sind, aber es würde von Wert sein, sie in der Praxis bestätigt zu sehen, um die Brauchbarkeit des Elements zu beweisen. Es ist sicher, daß dieser neue Akkumulator eine wesenlliche Verbesterung darstellen würde, wenn die Auflösung der Kupferoxyde dabei vermieden werden könnte, aber die beschriebene Art der Herstellung ist so verwickelt, daß diese Vervollkommnun scheinbar nur um den Preis ganz besonderer Vorsichtsmaßregeln gewonnen werden kann, die mit der industriellen Praxis schlecht vereinbar sind. Andrerseits sehen wir nicht ein, wie sich das pulverisierte Oxyd in jenen durchbohrten Näpfchen hält, auch nicht, wie man es vermeiden will, daß d-s Kadmium sich außerhalb der negativen Näpfchen niederschlägt. Außerdem wird der Preis eines solchen Akkumulators zu hoch sein, um seine allgemeine Verwendung zu gestatten, denn schon die bei den früheren Akkumulatoren ähnlicher Art verwandten Stoffe waren viermal teurer, als die des Bleiakkumulators.. Man darf nicht vergeffen, daß das Kadmium ein verhältnismäßig seltenes Element ist." — ES müffen also wettere Mitteilungen abgewarlet werden, ehe man den neuen Edisonschen Akkumulator, von dem jetzt schon so viel Aufhebens gemacht wird, als einen epochemachmden Fortschritt anerkennen kann. BreSlarr, 30. Mai. Die nächste Tagung des Deutschen Geographentages findet i. I. 1903 in Köln statt. Paris, 80. Mai. Der ehemalige Botschafter in Konstantinopel, zeichnet das französische Fachblatt als sehr niedrig und meint, daß die Ersetzung des Zink durch Kadmium nicht eine derartige Verminderung der Spannung herbeiführen dürfte. Ueber die nutzbare Spannung ist bisher ebensowenig etwas bekannt, wie über den Betrag der Energie des neuen Apparates. Die von Edison geschaffenen Derbefferungen beziehen sich angeblich auf folgende Punkte: Anwendung von sehr fein verteiltem Kupfer, das die Bildung von waffersreiem Oxyd gestattet ohne Nebenerschetnnng löslicher wasserhaltiger Oxyde, infolgedesfen Unterdrückung von Neben- spannungen, die durch den Niederschlag von Kupfer auf der posittven Elektrode entstehen. Entbehrlichkeit der porösen Umhüllungen, die bisher zur Vermeidung dieses Niederschlags verwandt wurden; Verminderung der notwendigen Flüssigkeit infolge der Unterdrückung wafferhaltiger Oxyde. Infolge dieser Veränderung würde man Batterien von halbmal geringerem Gewicht als die heutigen Akkumulatoren gewinnen. Es werden ferner Angaben gemacht über die Zubereitung der für den Akkumulator notwendigen Stoffe, die ziemlich umständlich erscheint. Edison hatte beobachtet, daß das Kupferoxyd in sehr fein vertelltem Zustande besondere Eigenschaften besitzt. Er erhielt das Oxyd in einer eigenartigen Form durch die Wirkung von Wafferstoff auf retneS kohlensaures Kupfer, wobei die Temperatur so niedrig als möglich gehalten werden muß. Das Kadmium wird in reinem, faserigem und sehr feinverteiltem Zustande durch einen starken Strom mittels Elektrolyse gewonnen, und zwar aus einer schwefelsauren Lösung mittels einer Kathode aus feinem Platindraht mit einer Anode aus Kadmium. Der Niederschlag wird von Zeit zu Zeit herausgenommen und mit Waffer gewaschen. Die Träger, die diese wirksamen Stoffe, also das feino erteilte Kupfer und Kadmium im Akkumulator aufzunehmen bestimmt sind, werden aus zarten durchbohrten Nickelplatten hergefiellt, an denen kleine rechteckige Näpfchen aus Nickel befestigt sind, wo jene Pulver hineinkommen. Das Kupferoxyd wird durch leichten Druck in die Form von Blocks gebracht, die genau in jene Näpfchen hineinpaffen, so daß sie leicht einzusitzen sind, sie aber vollständig ausfüllen. Die so zubereiteten positiven Platten werden dann in einem verschloffenen Behälter 6 bis 7 Stunden lang bis zu 260 Grad erhitzt, um das Kupfersuboxyd in schwarzes Oxyd zu verwandeln, die Temperatur darf dabei nicht über den genannten Grad gesteigert werden. Dann werden die Platten durch Elektrolyse derart behandelt, daß das Kupferoxyd in metallisches Kupfer übergeht. Das Kadmium wird ebenso in kleine Blocks geformt, und in die Näpfchen der negativen Platte eingesetzt. Die Platten werden dann beide in einen aus Nickel ober vernickeltem Eisen hergestellten Boittch eingefügt. Der so erhaltene Akkumulator kann völlig verschlossen werden, bis auf eine kleine Oeffnung im Deckel, um die Gase entweichen zu laffen, die sich bei fast vollendeter Ladung entwickeln. Die elektrolytische Flüssigkeit besteht aus einer 10 prozuttigen wässerigen Lösung von reiner Soda. Bei der Ladung geht das Kupfer bet posittven Platte in Kupferoxyd über, das Wasser wird zersetzt, und an bet negativen Platte setzt sich bas Kadmium •to Gtchimr geeilten- NMu werten dem An. verstärkt wordan sein. Welche Wandlungen hat nicht die deutsche Chinapolrtik eit dem vorigen Sommer durchgemacht, seit jener Rede des Kaisers in Wilhelmshaven: „Aber der Ozean beweist auch, daß auf ihm und in der Ferne jenseits von ihm ohne Deutschland und ohne den Deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen darf." Die Wandlungen der deutschen Chfinapolitik kommen deutlich zum Ausdruck in dev Geschichte des Oberkommandos. Welch ein Unterschied zwischen jenen Tagen, da Graf Waldersee sich selbst als Oberkommandierender in China bezeichnete und jener Unglücksnacht, da er mit Mül)e sein nacktes Leben durch das Fenster des brennenden Asbesthauses rettete. Tie Versicherung, „daß, solange der Arm die Kraft haben wird, diesen (Feldmarschall-) Stab zu halten, ein Befehl zum Rüchug über meine Lippen nicht kommen wird", hat Graf Waldes fee gehalten. Die Boxer haben ihn dabei unterstützt durch den Verzicht auf ernsthaften Widerstand. Am 20. August veröffentlichte Wolffs Bureau jenes geschmacklose Trara-Telegramm aus München: „Tie Fahrt des Sonderzugs des Feldmarschalls Grafen Waldersee durch die deutschen Lande gleicht einem Triumphzuge. Tie.....Bevölkerung wetteifert in herzbewegenden, spontanen, patriotischen Kundgebungen. Der Feldmarschall ist der freudig bewegte Empfänger patriotischer Ovationen, wie ähnliche seit 1870—71 nicht vorgekommen sein dürften!" Die Ereignisse in den seit jenem taktlosen Telegramm verflossenen Monaten haben bewiesen, wie berechtigt damals angesichts der Verleihung von Vorschußlorbeeren die Mahnung war, daß .mündlich und schriftlich über Thaten, die erst geschehen sollen und zu denen sich vielleicht gar keine Gelegenheit ergiebt, zu viel geredet wird. War's richtig, so fragen wir heute, daß am 30. Mugust bei der Weihe von 64 Fahnen für die deutschen Truppen in Ostasien der Militärpfarrer Wölfing erklärte: „'s ist ein Kreuzzug, 's ist ein heiliger Krieg?" Ist es gelungen, die Waffen so zu führen, „daß auf tausend Jahre hinaus kein Chinese mehr es wagt, einen Deutschen scheel anzusehen"? Ob der Befehl vollführt ist: „Oefsnet der Kultur den Weg ein für alle Male", wird sich erst in Jahrzehnten zeigen. Die Mahnung, nicht eher zu ruhen, „als bis der Gegner zu Boden geschmettert, auf den Knien um Gnade fleht", begegnete der Schwierigkeit, daß der Gegner sick weit vom Schuß hielt. Nicht die Chinesen haben um Friede und Gnade gefleht, sondern haben nur schrittweise fort oeM. n BestanraotBoyai^ Adresse für Depesche«, Anzeiger Siehe«. Ferusprechansihiuß-kr. VA. Wünsche und Anträge. Die Mitglieder des Vereins und sonstige Interessenten werden hierzu geziemend eingeladen. Der Präsident des Oberheff. Obstbauvereins. Ummermaim, 3871 • e - u A E i v<5»g§pretr eiertefNM Mk. 2.20, monotl 76 Dtz. wwt Bringeriohn; durch ■ AbyoiesteÜen tHcrkW* Mk. 1.90, monart. 6b M» Bei Postbezug wrteiW* Mk. 2.00 ohne Bestell«!». 1. 2. 3. 4. 5. stehender Tagesordnung statt: Rechenschaftsbericht pro 1900/01. Rechnungsablage pro 1900/01. Sostenvoranschlag pro 1901/02. Wahl eines resp. zweier Ausschußmitglieder. Vortrag über Vogelschutz von Professor Dr. Frenzel- Stellung InMßS UÜHA -»"-Kss unter gün^^orott c sucht. Offnen nler "dS TusenwrE '■ ®ai + 29.7o c ___" + 10.4Q q‘ Bekanntmachung. Am Sonntag dem 2. Juni d. I. findet in Nidda im „Gambrinus" nachmittags 3 Uhr die diesjährige Haupt- Versammlung des Oberhesfischen Obstbauvereins mit nach« ItJSI humnel Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betreffend: Bau einer Brücke über die Lahn bei Ruttershausen. Die Brücke über die Lah« bei RutterShauseu wird von heute ab für den Verkehr gesperrt. Für den Fußgängerverkehr dient ein neben der Brücke aufgestellter Fußsteg. Gießen, den 29. Mai 1901. Großher^ogliches Kreisamt Gießen. .v Bechtold. schonen, bald Rivalitäten der Verbündeten abzulenken. Als Militär hat Graf Waldersee in China nicht eine dem Ruf eines Namens entsprechende Rolle zu spielen vermocht. Es lag nicht an ihm, oie Borerjagden — darin erschöpften sich naturgemäß die militärischen Aufgaben — hätten auch ohne ihn denselben Verlauf genommen, was er aber als Diplomat bei der Ausübung des Oberkommandos geleistet hat, das verdient volle Anerkennung. Infolge des Zurücktretens der militärischen Aufgaben ist gerade bei einer militärischen Autorität im Range des Grafen Waldersee der Wunsch verständlich bald in die Heimat Zurückkehren zu können. Er sprach, ihn schon in seinem Neujahrsbrief an seine Gemahlin aus, und in den fünf Monaten des neuen Jahres dürste der Wunsch: Raus aus China! beim Oberstkommandierenden wie beim letzten Trainsoldaten noch wesentlich» 3872s Einige Mti-t Anshilfs-Kellner „rben n«4 st- «"»*««« . auy° noch Ton z k, «ejtagnn von 11 bil 5 m* ' 68 Werktagen 50 ktz, -Sammle,v8|te|Sfc •*b Handlung Krefeld. MMsche Tagesschau. Die „Worms. Ztg “ ist in diesen Tagen ein Tummel« platz gewesen für die verschiedenen uattonalliberalen Schattir« nngen. Hie Heyl, hie Reinhart, heißt'S auf den verschiedenen Seiten. Die Redaktion der „toormf. Ztg." steht ganz im Banne des Herrn v. Heyl und Reinhart wird unausgesetzt von ihr angegriffen. Abg. Reinhart erklärt u. a. folgendes: Trotzdem lege ich Mgen solche gehässige Mißdeutungen meiner Worte, wie sie nach den Aeußcrungm deS Herrn Fretbern» v. tz'yl tu Herrnsheim, allerdings nur von dritter Seite, unter Umstanden zu erwarten sein könnten, auch auf diesem Wege im Voraus nochmal« energisch Verwahrung ein. Auf die settmz deS Herrn ^retherrn v. Heyl zu Herrnsheim direkt und indirekt geübte Kritik meiner Kammer- thältgkett gehe ich nicht ein. Weder eine wohlwollende, noch eine tadelnde Beurteilung meiner THStigkeit in der Zweiten Kammer der Landstände seitens des Herrn Freiherrn v. Heyl zu Herrnsheim kann auch nur im Entferntesten die Ueberzeugung und das Bewußtsein bet mir wankend machen, daß ich jederzeit die Interessen meiner Vater« stabt und meiner Wähler nach Kräften gewahrt und vertreten habe. Ich darf die» wohl ruhig »uSsprechrn, ohne dabei furchten zu müssm, mir In den Augen meiner Mitbürger daS Odium de» „SelbstlodS zu verdienen. Ich habe in der allgemeinen Wähler Versammlung nur das besprochen, wozu ick mich verpflichtet sühlte, und ich werde vor der Ausübung meiner Pflicht auch in Zukunft ebensowenig zurück« schrecken, alS ich mir nie meine Rechte, von wem es auch immer sein möge, beeinträchtigen oder gar nehmen laffe. Der Redakteur Herr Schaper sagt: „Die ganze Kammerrede deS Herrn Reinhart war nicht« als ew Vorstoß gegen Herrn v. Heyl, und sie hat für unseren Reichstags« Wahlkreis die schwersten Gefahren heraufbeschworen." Ich kann diese Behauptung um so mehr als den Tb-tsachm nicht entsprechend be« zeichnen, alS ich durchaus nicht beabsichtigt oder bezweckt habe, mit meiner Kammerrede einen „Vorstoß" gegen den Herrn Freiherrn v. Heyl zu Herrnsheim zu unternehmen. Nach langem Hin und Her ist nun in der „W. Ztg." folgende „Erklärung deS Vorstandes der nationalliberalen Partei zu Worms" erschienen: Nachdem durch die von der Hauptversammlung des nationalliberalen Vereins am 24. Mai d. I. einstimmig beschlossene Erklärung festgestellt worden ist, daß Herr Landtagsabgeordneter Reinhart in seiner Koloffeums- rede am 18. Mai 1901 den Wünschen deS Vorstandes entsprechend die Mißdeutungen, welche durch seine Kammerrede vom 28. Februar d. I. heroorgerufen wurden, beseitigt hat und von der Hauptversammlung des nationalliberalen Vereins in Worret's Lokal das Vorgehen des Vorstandes bis dahin einstimmig gutgeheißen worden ist, erachtet der Vorstand des nationalliberalen Vereins zu Worms diese Auseinandersetzungen innerhalb der Partei als für erledigt. Nachdem dem Vorstand (dem auch Abg. Reinhart angehört. D. Red.) außerdem in der letzten Hauptversammlung einstimmig das Vertrauensvotum der Partei entgegengebracht worden ist, hält er es auch nach der gestrigen und heuttgen Erklärung des Herrn Abgeordneten Reinhart für seine Pflicht, mit Rücksicht auf die Partei und . das hiesige Bürgertum, auf keinerlei Erörterungen in der Presse weiter einzugehen. ÄSS durch bit Waldersees Heimkehr. Allgemein wie bei Wunsch: Raus aus China! ist die Befriedigung darüber, daß nun endlich ein Jahr nach dem Ausbruch der ersten Wirren ein erster Anfang zur Räumung des ungastlichen Landes durch, Auflösung des Oberkommandos auch seitens Deutschlands gemacht wird. Wir wollen beute nicht untersuchen, ob nicht das Oberkommando früher hätte abberufen werden können oder ob nicht das Oberkommando infolge des Abrückens der russischen und ameri- 'aNischen Truppen thatsächlich schon vor dem förmlichen Befehl zur Auflösung zu bestehen aufgehört hatte. Auch mag heute unerörtert bleiben, ob überhaupt jemals bei den verbündeten Truppen in Ostasien das deutsche Oberkommando voll zur Anerkennung gekommen ist. Darüber besteht aber wohl kein Zweifel, daß die militärischen Aufgaben, die dem Grafen Waldersee in China gestellt waren, federleicht wogen gegenüber den Schwierigkeiten, welche gerade dem' Oberstkommandierenden einer so vielsprachigen Truppe aus der Pflicht erwuchsen, bald nationale Empfindungen zu Theater, Kunst und Wissenschaft. — Art. Mari« Laue vom Leipziger Stabttheater, eine junge Dame von lieblicher Erscheinung und feinem Talent, ist an bas Stabttheater zu Frankfurt a. M. engagiert worben mit einer Jahresgage von 12 000 Mk. m . — Aus bem Bureau beS Berliner Theaters zu Berlm wirb geschrieben: Da Björnson den lebhaften Wunsch ausgesprochen hat, ber ersten Vorstellung seines jüngsten Schauspiels .Laboremus persönlich beizuwohnen, zurzeit aber seine Heimat nicht verlassen kann, so hat sich bas Berliner Theater, in Uebereinstimmung mit bem Stuttgarter Hos- cheater dazu entschlossen, bie erste Aufführung von „Laboremus", zudem die Proben beretts begonnen hatten, auf den Beginn der nächsten Spielzeit zu verschieben. — Eiu medizinisches Preisausschreiben wirb von bet Gesellschaft ber Aerzte in Wien bekannt gegeben. Es honbelt sich um ben ,on Dr. ©olbenberger gestifteten Preis von 2000 Kronen, ber diesmal für die beste Behandlung des Themas „Die infektiöse Natur der malignen Neubildungen" verliehen werden soll. An dem Wettbewerbe können sich Forscher sowohl auf Grund klinischer Beobachtungen als auch auf Grund anatomischer und mikrobiologischer Untersuchungen beteiligen Z-ugelasien ift jeder Arzt aus Oesterreich, Ungarn und Deutschland. Die Arbeiten müssen in deutscher Sprache verfaßt und bis spätestens 15. Ma, 1903 cn das Präsidium ber bezeichneten Gesellschaft mit einem Motto versehen tingefanbt werden. Daneben ist ein verschlossenes Kouvert emzuschicken, bas dasselbe Motto als Aufschrift trägt und Namen und Adresse des Autors enthält. Die Zuerkennung des Preises erfolgt in der Sitzung der Gesellschaft im Oktober 1903, die Ueberreichung am 28. Oktober, bem «Sterbetage bes Stifters. Hat die preisgekrönte Arbeit mehr als einen Verfasser, so kann ber Preis zu gleichen Teilen geteilt werden. Ueber de« «e«e« Akkumulator vou Edison bringt ber Pariser „ßlectricien- bie ersten ausführlichen Nachrichten, bie er jeboch zugleich einer scharfen Kritik unterzieht. Darnach würben bie neuen Ar- Netten Edisons sich in ber Richtung bewegt haben, bie schon von den Er« ffinbungen ber französischen Techniker Lalande und Chaveron angebahnt würben, und sein Akkumulator wäre eine Veränderung bes Apparats, auf Sen schon im Mai 1887 bem Physiker Desmazures em Patent gegeben ■jurbe? Die negative Elektrobe, b. h. bet positive Pol des Elements, be- Lebt aus Kupfersuboxyd ober rotem Oxyb, bie positive Elektrode aus iabmium an Stelle von Zink, das bei dem Akkumulator von Desmazures verwandt wurde. Als elekttolyttsche Flüssigkeit wird eine Lauge von Aetznatron benutzt. Die elekttomotorische Kraft würde 0,44 sein, also wenig mehr als em Fünftel derjenigen des Bleiakkmmüators und die Kälste derjenigen des Akkumulators von Desmazures. Diesen Wert be- Friedberg. Antrag des Direktor Dr. v. Peter-Friedberg betreffend Anlage von Remisen zum Vogelschutz gelegentlich der Feldbereiniguugen. Vortrag über den Krebs der Aepfelbäume von Professor Reichelt-Friedberg. rv kW udpnen Sln^elaeti für Ne «ttfjrncr ttnyiger cntMjm Rrtluw«t8 lokal 11 W0- aufwärts 10 Pf«. NW I Hk den H t rot n l. M) Ui»r f »Liest,nl GietzenerAnzeiger " General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Uetoewr" w* „Blätter W H Munbe* vier« erf —chnUlich bngdegt. Thronerben Und wir, die Eingeweihten, wußten wohl, welche Enttäuschung aller harrte. Am 3. Mai (a. St) bei neuerlicher Untersuchung machten wir dieselben Feststellungen. Die Königin weinte wie ein Kind und der König war untröstlich. Sein Leid, das Leid eines Mannes, war noch viel schwerer zu tragen. Wir faßten ein Protokoll über unsere Untersuchungen in zwei Exemplaren ab und Übergaben am folgenden Tage eins davon dem Könige selbst, das andere dem russischen Gesandten in Belgrad und konnten endlich die Heimreise antreten". Man wird bei der Lektüre dieser Auseinandersetzung den Eindruck nicht los, daß der russische Arzt sich eines Pathos bedient, das zur ganzen Affaire wenig paßt. Man wird trotz dieser Erklärung nicht von der mal gefaßten Meinung abweichen, die man sich über die Königin Draga und ihrem Gemahl gebildet hat. Der Prozeß wegen der Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk. n. Gumbinnen, 30. Mai. Ans Stadt und Zand. Gießen, den 31. Mai 1901. LU. Von der Laudesuniverfitat. Bei der EathüllunqSfeier des Bismarckdenkmals in Berlin wird die Gießener Iniverfität durch den zeitigen Rektor Prof. Dr. A. Schmidts den Prorektor Prof. Dr. Netto und die Professoren Dr. Biermer und Bostroem vertreten sein, sowie durch sechs vom Ausschuß der Studentenschaft dazu bestimmte Studierende. *• PersonalNachrichteu. Der Großherzog hat dem Steueraufseher Johann Jakob Herrmann in Mainz an- äßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und- dem Steueraufseher Franz Dtetz zu Neckarsteinach anläßlich einer Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehren- zeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste- verliehen. *♦ Ausstellung. Einige prachtvolle Stücke von Kunst- schmiedearbeil hat Schloffermeister Wigandt in dem „Kaufhaus zur Sonne", Eck der Schul- und Sonnenstraße, ausgestellt. Es sind vier Lüster, dst für das Burschenhaus der hiesigen Burschenschaft Alemannia bestimmt sind, und in der Werkstätte WigandtS hier angefertigt wurden. Wir empfehlen unseren Lesern die Besichtigung derselben und bemerken, daß die Arbeiten nur noch diese Woche ausgestellt bleiben. ♦* Konzerte. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ist eS Herrn Stein (Steins Garten) gelungen, die Kapelle der Hanauer Ulanen für zwei Konzerte am nächsten Sonntag zu gewinnen. Die Kapelle, unter Leitung ihres Dirigenten Musikdirektor Urbach, ist von früheren Konzerten noch in so guter Erinnerung, daß es wohl nur dieses Hinweises bedarf, daß beide Konzerte gut besucht werden. *• Bauernregeln für den Monat Juni. Auf den Juni kommt es an, ob die Ernte soll bestahn. — Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist daS ganze Jahr. -7 Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wem das Fatz- — Regen den St. DituStag (15.) die Gerste nicht vertragen mag. — Am MedarduS es nicht regnen mag, eS regnet sonst wohl vierzig Tag. — Juni feucht aber warm, macht den Schreiber gewesen, aber immer aus der Lehre gelaufen. Während der nun folgenden Vernehmung einer Anzahl von Offizieren über das dienstliche Verhalten des Angc- llagten Marten wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Ein Teil der Sitzung wurde ausgefüllt mit Vernehmungen über die Behandlung der Untergebenen durch den Rittmeister v. Krosigk. Auch der alte Wachtmeister Marten, der Vater des Angeklagten, wurde vernommen. Ter erste ßcuge in der Nachmittagsverb and- lung ist Oberstabsarzt Geben. Er schildert den Leichenbefund. Tie Leicheneröffnung ergab, daß die Hintere Oesf- nung größer war, als die vordere, sodaß also der Schuß von vorn gekommen sein mußte. Tie Lungenschlagader war total zerfetzt. Ter Tod des Rittmeisters ist eingetreten als unmittelbare Folge der Schußverletzung. Tas Ergebnis der Untersuchung des Kopfes kann als pathologisch, ebenso gut aber auch als 11 irmal betrachtet werden. Tie Schädeloberfläche zeigt wesentliche Erhebungen. Tic Maschen der weichen Hirnhaut waren oberflächlich trübe, was aber auch bei normaler Geistesthätigreit vorkommt. Sori f » *Ä aeOrlikh war darduS W St Medardw M. - W Irflubcn vis bringt e« » lang Zett. - ®6r L kirr Tag« ffiiiiN bi- Sc wird'S auch unö JUfM Mdvilld weh' oü| uiib nicht witm und nah monb in die T um Regen, na ÄasterM dt bis Stpttmbei Ttanlsurt fyrtrr Akad, HaW I»' tobet eröffnet ungen in Au wissenschaftlich 3. die mit Zen lowohl für I als diejenigen silr verficheru von Lehrern ai Die faufmännt Art der Leipzi, tzürgenheit gel Zur Draga-Affaire wird geschrieben: Die Petersburger „Rossija" vom 11./24. Mai veröffentlicht folgende Mitteilung veS Profesiors Snegirew aus Moskau: „Schon in Wien erwartete uns der serbische Arzt Neschitsch und teilte uns mit, die Niederkunft müßte noch vor unserem Eintreffen et: folgen. Am 14. April fa. St.) langten wir in Belgrad an. König Alexander beschied uns schon am Tage unserer Ankunft in Audienz. Aber weder an diesem noch am darauf folgenden Tage konnten wir bte ärztliche Untersuchung der Königin Draga vornehmen. Dies geschah erst am dritten Tag, d. i. am 17. April (a. 6t.). Das Ergebnis der Untersuchung bestürzte uns förmlich. ES ergab sich, die Königin sei nicht guter Hoffnung. Ohne unS gegenüber unserer Umgebung über die Entdeckung auch mit einem Worte zn äußern, begaben wir uns zu dem uns erwartenden König und teilten ihm die volle Wahrheit mH. Der niederschmetternde Eindruck, den unsere Mittcklung auf den König machte, ist nicht zu beschreiben. Der König war von dem leidenschaftlichen Wunsche nach einem Nachfolger so erfüllt, daß er die Vernichtung feiner Hoffnungen nicht tragen zu können schien. Der Schlag traf ihn, da er ganz überraschend kam, sehr schwer. Wir äußerten die Vermutung, daß möglicherweise anfangs auch eine wahrhaftige Schwangerschaft bestanden habe, daß diese aber durch irgend einen Krankheitsprozeß unterbrochen wurde und nun die Erscheinung vorhanden sei, die unter dem Namen der „Scheinschwangerschast" bekannt ist. Diese Erscheinung wird, und zwar auch im gegebenen Falle, von allen subjektiven, ja sogar auch von vielen objektiven Zeichen des wirklichen intereffanten Zustandes begleitet. Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen sowohl die Königin Draga selbst als auch ihre ganze Umgebung an die baldige Niederkunft glaubten. Bei der Untersuchung konstatierten wir das Vorhandensein aller oben erwähnten Anzeichen. Die Verleumdung der österreichischen Preffe, Draga habe wiffenllich den König hintergangen, ist der Ausfluß von Verlogenheit und Böswilligkeu. Es ist nicht ihre Schuld, daß man die neuerliche Untersuchung im sechsten Monat unterließ. Schon damals wäre jeder Zweifel behoben worden. Und nur infolge dieser Unterlaffung spielte sich die ganze Tragikomödie ab. Alexander aber Hämmerte sich an Strohhalme uud konnte sich von dem Gedanken nicht loömachen, mir hätten uu8 geirrt. Er bat unS, nur noch wenige Tage zu bleiben, um dann die Untersuchung nochmals vorzunehmen, bis dahin aber niemenbem von bem d'sherigen Ergebnis unserer Untersuchungen zu sprechen. Wir gingen barauf ein. Währenb dieser ganzen Zeit war unsere Lage fürchterlich peinlich. Ganz Belgrad erwartete den fröhlichen Augenblick. Im Palaste erschienen in einem fort Deputationen mit Geschenken für den erhofften Tcr Bundesrat hat den Entwurf einer Bekanntmachung über die Prüfung und Vorprüfung d e r A^e r z t e, welche die neuen Normen für das medizinische StMnmn enthält, gemäß den Anträgen seiner Ausschüsse endgiltig genehmigt. Tanach sind die Aenderungen in der Ordnung des medizinischen Studiums durchgreifend. Man kann sagen, daß ganz weitgehende Wünsche berücksichtigt worden sind, sowohl solche, die sich auf die theoretische Ausbildung, als auch solche, die sich aus das praktische Können der zukünftigen Aerzte beziehen. Am wesentlichsten ist die Verlängerung der Studiendauer. Bisher hatten die Mediziner mindestens 9 Halbjahre zu studieren. Fortan beträgt die Mindestdauer des Studiums 10 Halbjahre. Tazu kommt aber als etwas Neues das seit Jahren von dem deutschen Aerzte- tage und den ärztlichen Vereinigungen verlangte praktische Jahr. Ein jeder Kandidat der Medizin ist gehalten, ^tach Schluß der fünfjährigen akademischen Studienzeit ein Jahr in einer Universitätsklinik oder in einem vom Staate bestimmten Krankenhause praktisch thätig zu sein. Erst nach der Ableistung des praktischen Jahres erhält er die Approbation als Arzt. Tie beiden Prüfungen, welche die Medi ziner abzulegen haben, sind so verteilt, daß die Vorprüfung nicht wie bisher frühestens am Ende des vierten Studienhalbjahres, sondern erst ein Halbjahr später abgelegt werden soll. Tie ärztliche Staatsprüfung fällt aus den Schluß des fünften Stuoienjahres. Was die Verteilung des Prüfungsstoffes angeht, so greift eine Verschiebung in dem Nachweise der anatomischen und physiologischen Kenntnisse Platz. Bisher wurde der Mediziner in der Anatomie und der Physiologie zweimal geprüft, in der Vorprüfung und in der Staatsprüfung, in der ersten theoretisch und in der zweiten theoretisch und praktisch. In Zukunft soll zum wesentlichen Teile das anatomisch-physiologische Examen bereits in der Vorprüfung erledigt werden; in der Staatsprüfung sollen Anatomie und Physiologie nickst mehr das große Gewicht wie jetzt haben. Tiese Verschiebung ist mit deswegen eingetreten, weil die Zahl der selbständigen Prüfungsabschnitte vermehrt worden ist. Z. B. ist die Jrrenheilkunde zu einem engeren Prüfungsgegcn- siande erhoben worden. Wie auch schon früher bei Änderungen der medizinischen Prüfungsordnung sind Sonderbestimmungen für die Uebergangszeit getroffen worden. Tie neue Prüfungsordnung tritt mit dem Beginne des nächsten Halbjahres in Kraft. Tie Studierenden, die vor diesem Termin ihr Studium begonnen haben, erhalten die Vergünstigung, auf Antrag nach der alten Examensordnung geprüft zu werden. Einen wesentlichen Bestandteil der neuen Prüfungsordnung bilden die von Grund aus veränderten Bestimmungen über die Anforderungen an die Vorbildung der Medizin Studierenden, die Abiturienten der Realgymnasien erhalten ohne weiteres das Recht zum Studium der Heilkunde; die Oberrealschüler unter der Bedingung, daß sie sich einer Nachprüfung im Lateinischen unterziehen. Tiese Vermehrung der zum Studium der Heilkunde Berechtigten fällt mit einer Verlängerung' der Studienzeit der Mediziner zusammen.' Es ist die Frage, ob die Verlängerung der Studienzeit den Zudrang zum Studium der Medizin vermindern wird, so daß etwa ein Ausgleich dahin stattfinden würde, daß trotz des neuen Zuganges der Realgymnasiasten die Zahl der Medizin Studierenden nicht wachsen würde. Wie die Tinge sich gestalten werden, ist noch nicht abzusehen. Zu beachten ist aber, baft schon jetzt bei vielen Medizin Studierenden, wie die Statistik beweist, die Studiendauer oft weit über das Mindestmaß hinausgeht. TarauS wäre zu schließen, baß eine Verlängerung der Mindestdauer des Studiums ohne wesentliche Wirkung sein wird. Turch eine der letzten Novellen zur Gemeindeordnung ist die Einführung von Lohnbüchern für minderjährige Fabrikarbeiter vorgeschrieben worden. So ziemlich überall hat sich indessen yerausgestellt, daß diese Einrichtung die größten Unbequemlichkeiten verursacht, dabei aber kaum einen praktischen Wert hat. Zumeist liefern die minderjährigen Arbeiter die Bücher gar nicht an ihre Eltern und Vormünder zur Einsicht ab. Von verschiedenen Seiten ist bereits eine Beseitigung oder doch Aenderung dieser Bestimmung angeregt worden. Wie ein Berliner Blatt mitteilcn kann, hat sich neuerdings der Reichskanzler auf eine Anfrage der hessischen Regierung hin bereit erklärt, in eine Prüfung der Frage einzutreten, ob sich eine Ergänzung der Strafvorschriften der Gewerbeordnung hinsichtlich der Lohnzahlungsbücher oder eine Beseitigung der Bücher empfehle. eit -mW Noch Mil nornmen hab künftighin di« berechtigt sin manistischen ( standen fein, | ch'Me n kün fein sollen, 1 nachWiesen lateinische rient eines R« die Kenntnis iviffen &rabe Wenn man bi Nachtragsprüst dijin zugelasse die ehemaliger daraufhin zu Nischen Fachm seien. Tas m heu minder sein als die1 'tiuu verlaut« '»ristische Nne mit der wir nidjt für des Realgynn ebenso gut o( nasmms. Tag ^wch das mc heu Realgymn der Hurisprui der griechisch Kennt ob. sie aber i HA. 3ebenfi .Ql5 solche ei '«"*■ »a0eg Oberreals lm "ateinh'che fassen, möch dlum erforber "umanistjs Tie Beweisaufnahme wird fortgesetzt. Aus derselben geht hervor ,daß der totbringende Schuß zwischen einhalb und dreiviertel 5 Uhr nachmittags fiel. Zeuge Dragoner Barnowski: „Als ich nach halb 5 Uhr durch den Vorraum der Reitbahn durchkam, stand dort ein Mann mit schwarzem Schnurrbart, anscheinend ein Unteroffizier, der durch die Thür schaute." Zeuge Tragoncr Skopek, jener zuerst als des Mordes verdächtig in Haft genommene Fahnen sch mied, bestreitet, daß er dem Rittmeister feindlich gesinnt gewesen, im Gegenteil habe ihn Rittmeister von Krosigk zum Gefreiten vorgeschlagen. Jenen Montag machte der Schmied vorzeitig um halb 5 Uhr Schluß. Als ich vor der Reithalle vorbeiging, standen vir dem Bahnthor zwei Männer, die ich nicht erkennen konnte. Ich vermutete mit Rücksicht auf die steifen Mützen, daß es Vorgesetzte seien. Ich suchte nun den Krümperstall auf. Als ich dann über den Ka sernenhof schlenderte, ertönte plötzlich in der Reithalle ein Schuß. Zugleich vernahm ich die Stimme des Oberleutnants v. Hoffmann, der ausrief: „Was ist denn los, wer hat geschossen?" Ich. lief zurück zur Reitbahn und sah, daß die Thür etwas weiter offen stand, als vorher. Als ich durch ein Guckloch fach, bemerkte ich den Rittmeister auf dem Erdboden liegend. Ich lief darauf zum Krümperstall zurück und rief in denselben: „Ter Rittmeister ist verunglückt." Präs.: „Es will das aber niemand gehört haben." Zeuge: „Hinter mir stürzte der Tragoncr Steffen hinein, schreiend: „Auspannen! Ter Rittmeister ist verunglückt!" Tadurch ist vielleicht mein Ruf überhört worden." Präs.: „Können Sie das mit gutem Gewissen beschwören?" Zeuge: „Jawohl." Ter nächste Zeuge, Gefreiter Bujeslawski, sagt aus: „Skopek ging etwa 4 Minuten vor dem Schuß fort, daß er wiederlam, habe ich nicht wahrgenommen. Allerdings leuchtete die Stalllaterne nur schwach. Wir erfuhren den Vorfall erst durch Steffen. Eine Reihe weiterer Zeugen bekunden ganz dasselbe. Ter nächste Zeuge ist Regimentschef, Oberstleutnant Herz von Winterfeld, der in geheimer Sitzung über die Tienst- thätigkeit des Rittmeisters v. Krosigk vernommen wird. Nach einer halben Stunde wird die Oeffentlichkeit wiederhergestollt, und Oberstleutnant Herz von Winterfeld schildert nunmehr die Vorgänge unmittelbar nach dem Morde folgendermaßen: „Es war gegen dreiviertel 5 Uhr nachmittags, als der Unteroffizier Ehrenfelde bei mir in der Wohnung anklopfte und Die Meldung machte, daß Rittmeister v. Krosigk erschossen worden sei. Als ich mich an den Thatort begab, war der Rittmeister bereits tot in den Krümperstall getragen worden. Inzwischen war auch der Karabiner, mit dem die That verübt wurde, noch ganz warm in der Reitbahn aufgefunden worden, ebenso die Patronenhülse. Ich stellte sofort den Besitzer des Karabiners fest. Er gehörte einem Manne der zweiten Abteilung, der mitgeritten war. Ich übergab den Karabiner dem Leutnant v. Roeper zur Aufbewahrung. Tie Waffe war von dem Unteroffizier Tomnig zuerst entdeckt worden. Tomnig sagte mir, nachdem der Unfall bekannt geworden, sei er zu der Stelle hingelaufen, von der der Schuß gefallen war und habe sofort angeordnet, daß niemand die Bahn verlasse. Es wurde nunmehr gesondert gestellt, wer Tienst und wer keinen Tienst hatte. Unteroffizier Marten kam hinzu und stellte sich, trotzdem er keinen Tienst hatte, an den äußersten Flügel zu den diensthabenden Unteroffizieren. Verteidiger, R.-A. Horn: „Wohin stellte sich Fahnenschmied Skopek?" Zeuge: „Terselbe war schon festgenommen; er hatte sich verdächtig und sogleich Angaben gemacht, daß er etwas gesehen habe." Sachverständiger, Büchsenmacher Bergfeld, bekundet, es sei zweifellos aus dem ihm vorgelegten Karabiner, Modell 99, ein scharfer Schuß abge- feuert gewesen. Gerichtssekretär Hoffmann giebt an, Skopek wurde sofort nach der That darüber vernommen, wo er gewesen sei. Er sagte, er sei in der Schmiede gewesen, verschiedene Schmiede behaupteten bei ihrer Vernehmung, sie hätten ihn nicht gesehen., Erst am nächsten Tage sei dann Skopek mit den Behauptungen über seine erwähnten Wahrnehmungen hervorgetreten. Es folgt die Vernehmung des Rittmeisters v. Güstorsf, Garuisonültester aus Stallupöncn, wo zwei Schwadronen desselben Regiments in Garnison liegen und wo v. Krosigk früher gestanden hat. Am Tage des Mordes hat in Gumbinnen ein Kriegsgericht wegen Tiebstahls gegen zwei Leute stattgefunden. Zeuge war mit seinem Wachtmeister und zwei oder drei Zeugen dienstlich in der Stadt, sonst war niemand aus Stallupöncn beurlaubt. Marten ist Kaufmann, Konditor, Uhrmacher und Tie Maschen waren aber mehr als gewöhnlich mit klarer Hirnflüssigkeit gefüllt. Aus dem Befunde bestimmter Maschen einen Schluß auf den Charakter des Rittmeisters zu ziehen, ist unzulässig. Tieselben Veränderungen kommen auch bei geistig normalen Menschen vor. Bei der Beurteilung des Geisteszustandes können sie nicht in Frage kommen. Sergeant Subeitat: „Unteroffizier Marten war zur Regimentskammer" kommandiert, um Telegraphentaschen revidieren zu helfen. Nach 4 Uhr bat ich Feierabend. Auf meinen Vorschlag legten die Unteroffiziere zusammen, es wurde Schnaps geholt und auch Hickel trank auf der Kammer mit. Als wir die Kammer verließen, war es noch hell. Ich war einen Augenblick in der Kantine, als ich wegging, war es halb 5 Uhr. Präs.: „Aeußerte Marten in der Packkammer, daß er vormittags mit seinem Rittmeister Unannehmlichkeiten gehabt hätte?" Zeuge: „Nein." Präs.: „War er erregt? War sein Gesicht gerötet?" Zeuge: „Mir ist nichts aufge- allen." Präs.: „Auch nicht bei Hickel?" Zeuge: „Nein." Zeuge Unteroffizier Achenbach hat die aus der Packkammer kommenden Unteroffiziere angetroffen. Präs.: „Haben Sie sich den Tag gemerkt?" Zeuge: „Ja. Es war Löhnungs- appell." (Große Heiterkeit.) Präs.: „War denn sonst gack nichts weiter an dem Tage vorgefallen?" Zeuge.' „Jawohl, auch der Rittmeister ist erschossen worden." Zeuge Tragoncr Borchart: „Ich wurde nach Schnaps geschickt. Als ich aus der Kantine über den Kasernenhof ging, war es 4.15 Uhr." Zeuge Unteroffizier Achenbach: „Ich meine, wir waren schon zwischen 4 und 4.15 Uhr hinabgegangen." Angeklagter Hickel vortretend: „Als wir von der Kammer hinunterkameii,. war es nach 4.15 Uhr." Verteidiger R.-A. Horn: „Hat Achen- bach zu Hickel gesagt, als er von der Packkammer nach der Kantine tarn, zeigte die Uhr 4.20?" Achenbach: „Ja, HickeL ragte mich, wann er die Packkammer verlassen habe, ^chl agte ihm, daß dies nach der vierten Stunde gewesen sei." Kriegsgerichtsrat Lüdicke: „Weshalb kommt der Angeklagte erst jetzt damit?" Angekl. Hickel hervortretend: „Ich habe das im Arresthaus schon angeführt, meiner Ansicht nach war daraus kein solcher Werk zu legen." Tie nächste Zeugin, Maria Simoneit ist ein hübsches, großes, neunzehnjähriges Mädchen, das sehr geschmackvoll gekleidet ist. Sie ist mit Marten befreundet. Zeugin: „Er sprach niemals über den Rittmeister, weder in Gutem noch in Bösem. Wir waren die Tage vor dem Mord zusammen. Marten war luftig und vergnügt, mir ist nichts an ihm aufgefallen." Frau Marten, die Mutter des Angeklagten, eine gebrechliche Frau von 43 Jahren giebt an, daß der Angeklagte ihr einziger Sohn sei, ihre einzige Tochter ist mit dem Angeklagten Hickel verheiratet. Präs.: „Erinnern Sie sich des Mordtages?" Zeugin: „Ja, nachmjjtags kamen mein Sohn und mein Schwiegersohn in meine Wohnung. Tie Uhr hatte eine ganze Zeit vorher schon vier geschlagen. Als ie weggingen, war es noch nicht halb fünf Uhr." Präs.: „Ging Ihr Sohn mit Hickel weg?" Zeugin: „Ja, es wac etwa halb fünf Uhr." Präs.: „Kam Ihr Sohn nach einer Weile allein wieder?" Zeugin: „Ja, er betrat don Hornbor/' Präs.: „Haben Sie ihn gesprochen?" Zeugin: „Nein, ich erkannte aber ben Tritt. Er ging gleich raieber weg."» Zeugin erklärt, sich nicht zu erinnern, was bic Sohne mtt- einanber gesprochen haben; sie hatte Kopfschmerzen, da sie au Migräne leibe. Präs.: „Können unb wollen Sie Ihre Aussage beschworen?" Zeugin: „Wenn es sein muß, ja." Präs.: „Sie müssen nicht, Verwanbte haben bas Recht, die Eibesleistung zu verweigern." Zeugin: „Bestimmtes kann ich nickst sagen, was ich ausgesaat habe, kann ich verantworten." Tas Gericht beschließt, ba sich Frau Marten zur Eibesleistung bereit erklärt habe, ihr ben Eib abzunehmen. Tie sehr verhärmt aussehenbe Frau Marten wirb sobann nach der Eidesleistung entlassen. Tas Gericht beschließt, >urch Augenscheinnahme die Zeitdauer des Weges von der Vackkammer nach der Kantine und der Wohnung des Wacht- meisters Marten festzustellen. Ter Vorsitzende, Major von der Groben, verkündet, daß es aus dienstlichen Gründen dem Publikum nicht gestattet sei, militärische Gebäude zu betreten. Nach! Wiederaufnahme der Verhandlung wird nach einigen belanglosen Zeugenaussagen die Sitzung auf morgen rüfj halb zehn Uhr vertagt. unbV^M 8ckei tnatf «ein, w fc.1 Ai. SS? w sräs ben ■ •’oj 3f.il btin T^lich ffiit £Äst; »Mr Äy&ä r Mine, Jlä Ml. . Mi Ä"i|-t 2V?(9t? ■»?" ’d* » >t die aus Ä/,'91"”" "tfen. PM ft?1!“ is?zzI “r'iiinng" W war es 4.15ub!-' weine, wir waren ickin an£- W?S ^"unterkamen, 9er Jt.^. Horn: „hat Mm- ber ?• Achenbach: „Ja, Hickel kammer verlassen habe."Ich ?,ieS Stunde gewesen sei." chalb lommt der Angeklagte el hervortretend-. ,Jch habe lesuhrt, niemer Ansicht nack Uegen." Die nächste Zeugin, 's, großes, neunzehnjährige; II gekleidet ist. Sie ist mit h sprach niemals über den iod) in Bösem. Wir waren neu. Marten war lustig und n ausgefallen." sZrau Margen, eine gebrechliche 5rau der Angeklagte ihr einziger 1 ist mit dem Angeklagten imiern Sie sich des stags kamen mein Sohn nnb e Wohnung. Tie Uhr Hane hon vier gesÄagen. W nicht halb siins Uhr." Präs.: veg?" Zeugin: „Ja, es war „Kam Ihr Lohn nach einer „Ja, er betrat den Kowdor' ochen?" Jeugin . „Am, id) ix ging gleich wieder weg." rinnern, was die Söhne mit- ’ hatte Kopfschmerzen, da sie innen und wollen Sie Ihre ■ „Wenn es sein muß, jn.' >andte haben das Aecht, drr JE-. .Mrnmles lamr resagt habe, kann ich veraw ? da sich Frau Marten zrr bi P d-n«d°bM « „ stau Steten imtb I* jjtn. 215 G-richt b-lchl» nnb dcr»dhu«"S des »«. Äi^ «* * L militärische Gebäude , ' ir Verhandlung wud M und Md. k,n 31 Vai 1901. >e*’ ^-/derEathMngSs!»^ M- ^^ bie W tn Berlm $ Schmidt 5; S «**•'’ Der fftÄ****, $ dm > TiS-rrtS» :r'nja befHmwt ' ^psth. AsA. IÄ«C5*&r 1 s"2 3«"L Hs-stz 170 qm qm qm 321 qm qm qm 517 qm qm qm großen qm qm qm — 516qm IB Flur qm qm qm qm qm öffentlich artrben. kleinen und Steinweg, 27 9lr. 15251/1OO Hofraite, Samstag den 29. Mi, nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Mthekm Stetnöach in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. 181 “/ho — 412 qm Hofraite am kleinen Sleinweg Samstag den 29. Mi, nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Wilhelm Steiuvach in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. 181M/ioo — 412 qm Hofraite am kleinen Steinweg links, Flur 27 Nr. 181“/1(0 — Wohnbaus daselbst, Samstag btn 29. Mi, nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Wilhelm Steinvach in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 27 Nr. 18iw/i:o - 412 qm Hofraite am kleinen Steinweg links, Flur 27 Nr. 181(«A e - 170 Wohnhaus daselbst, Flur 24 Nr. 181“/,™ — 321 Grabgarten daselbst, auf die Wiesen, Flur 27 Nr. 166fi/10 - 361 Bauplatz am Brennofen, Flur 27 Nr. 166f®/10 — 463 Hofraite daselbst, Flur 27 Nr. 1661*/ig — 77 Grabgarten daselbst. Flur 27 Nr. 166f8/10 — 77 Grabgarlen daselbst,' Flur 33 Nr. 166 p — 222 qm Acker im Altenfeld, bei den Gärten, Prämie — je nach dem Alter der Versicherung. Kertreter: Heinrich Hochreuther Südanlage 5. Heinrich Hochreuther Gießen, Südanlage 5 Kcueralagentur der frankfurter Transport-, Anfall- »ad Hlaa- Aerficheruags-Aktien-Hefellfchaft empfiehlt fich zum Abschluß von: 2 Unfall«, Haftp-icht-, Traasport-, Etas-, eiabrachbiebstahl-, pferbk- unb Magea-vekgilierangkn. Samstag bett 29. Mi 1901 nachmittags 8 Uhr, sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die der Jean Haustein Witwe und deren Kinder in Gießen gehörigen Immobilien: 1 Flur 27 Nr 152M/10O - 239 qm Acker in der Stephar.s' mark zwischen dem Flur 33 Nr. 165/io — 222 qm Acker im Altenfeld, bei den Gärten, Flur 33 Nr. 17 — 844 qm Acker daselbst. Flur 33 Nr. 35 — 475 qm Acker im Altenfeld, auf ein Gäßchen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 17. Mai 1901. Großh. OrtSgericht Gießen. I. A.: Vogt. 3646 Flur 33 Nr 17 — 344 qm Acker daselbst, Flur 33 Nr. 85 — 475 qm Acker am Altenfeld, auf ein Gäßchen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 17. Mai 1901. ’ Großh. OrtSgericht Gießen. I. A.: Vogt. 3645 Flur 27 Nr. 181— Grabgarten daselbst, Flur 27 Nr. 162a8/10 — Hofraite am Brennofen, stößt Flur 27 Nr. 162a9/10 — 517 . Hofraite am Brennofen, stößt Flur 33 Nr. 16‘/10 — 222 qm Acker rm Alt-nfeld, bei den Gärten, Flur 33 Nr. 17 — 344 qm Acker daselbst, Flur 33 Nr. 85 — 475 qm Acker im Altenfeld, auf ein Gäßchen, öffentlich meistbietend versteigen werden. Gießen, 17. Mai 1901. Großh Ortsgericht Gießen. I. A: Vogt. 3634 Gothaer Lebensversicherungsbank. Versicherungsbeftand am 1. Februar 1901 7V2'/r Millionen Mark. BavkfondS „ ,, 258 Dividende im Jahre 1901: 29 biS 128 Prozent der Jahres-Normal- Flur 27 Nr. 162a8/lo — 517 . Hofraite am Brennofen, stößt auf die Wiesen, Es wird bemerkt, daß die Versteigerung auch dann genehmigt werden wird, wenn ein die Schätzung nickt erzielender Preis ge- b stell wird. Gießen, den 20. Mai 1901. Großherzogliches OrtSgericht. 3-702 I. A.: Bogt. Flur 27 Nr. 160f‘/io - 861 Bauplatz am Brennofen, Flur 27 Nr. 166k»/«, - 463 Hofraite daselbst, Flur 27 Nr. 166k« ,g - 77 Grabgarten daselbst, Nr. 158b19/100 Hinterbaumeistbietend versteigert links, Flur 27 Nr 181«/loO — 170 WohnhauS daselbst, Flur 27 Nr. 181 »/1M — 321 Grabgarten daselbst, auf die Wiesen, Flur 27 Nr. 166f«/10 — 361 Bauplatz am Brennofen, Flur 27 Nr. 166f6 19 — 463 Hofraite daselbst, (Wohn- Nr. 153a13/100 bau5 m. Wetzlar-Braunfels! Meinen verehrten Gönnern und Abnehmern macke ick die Mi« teilung, daß sie beim Besuche von Braun feie eine schöne Auswal l Weine auS meinen Kellern in der Konditorei von August Franz dem Schtoßyotel gegenüber 84ßl vorfinden, die zu von mir festgesetzten Preisen daselbst abgegeben werden. Georg Ortenbach, Wetzlar. Bauer auch nicht arm. — Nordwind im Juni gesandt, weht Korn ins ganze Land. — O, heiliger Beit (15.) o regue nicht, daß eS nicht an Gerste gebricht. — Bläst der Juni ins Dounerhorn, bläst er in das Land das Korn — Me darduS (8.) gieb keinen Frost mehr her, der dem Weinstock gefährlich wär'. — Wie'« Wetter ist am MedarduStag, bleibt es sechs Wochen lang darnach. — Wie's Wetter auf Me- darduS fällt, eS bis zu Mondes Schluß anhält. — Was St. MedarduS für Wetter hält, solch' Wetter in die Ernte fällt. — Regnet'S am St. Barnabas (11.), schwimmen die Trauben bis ins Faß. — Ist es Corporis Christi (24.) klar, bringt eS uns em gutes Jahr. — Wenn Der Kuckuck noch lang nach Johannis schreit, ruft er MißwachS und teure Zett. — Bor dem Johannistag, keine Gerste man loben mag. — Bier Tag-: vor und nach der Sonnenwende, zeigen die Winde bis Sommers Ende. — Stellt der Juni mild sich ein, wird's auch der Dezember sein. — Regen am Siebenschläfer, tag (27.), bringt Regen sieben Wochen darnach, — Menschen nno Juniwind, ändern sich geschwind. — Wenn im Juni Nordwind weht, kommt Gewitter oft recht spät. — Nicht zu naß und nicht zu kühl, nicht zu trocken und nicht zu schwill, warm und nab und kühl und trocken, dann giebt der Brachmond in die Milch zu brocken. — Vor Johannis (24) bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen. — Ein Feuer und Wasserkessel drauf, ist des Brachmonats bester Lauf. — Was bis September soll geraten, das muß schon im Juni braten! Frankfurt a. M., 30. Mai. Die neubegründete Frankfurter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften soll nach Mitteilung der Handelskammer im Oktober eröffnet werden. Cs ist die Bildung folgender HbtetL uugen in Aussicht genommen: 1. die rechts- und staats wissenschaftliche Abteilung; 2. die kaufmännische Abteilung; 3. die mit Seminar verbundene Abteilung für neuere Sprachen sowohl für die Bedürfniffe der Kaufleute und Industriellen als diejenigen der höheren Beamten usw.; 4. die Abteilung für BersicheruugSwesen und 5. ein Seminar zur Ausbildung von Lehrern an Handels-, Gewerbe und Fortbildungsschulen. Die kaufmännische Abteilung der Hochschule wird ganz nach Art der Leipziger und Kölner Handelshochschule zu Studien Gelegenheit geben. fit ßtnrijligung M jnrMchw onb mkdiMlchkn Studium. Nach Mitteilungen, von denen auch wir Notiz ge- nomnien haben, scheint es nunmehr sicher zu sein, das; künftighin die Abiturienten der R e al g Y m n as i e u ebenso berechtigt sind, Medizin zu studieren, wie die der hu manistischen Gymnasien. Auch damit können wir einver tauben sein, daß die Abiturienten der Oberreal- ch^len künftighin zum Studium der Medizin berechtigt ciu sotten, wenn sie in einer 9! a ch t r a g s p r ü f u n g nachgewiesen haben, daß sie diejenigen Kenntnisse in der lateinischen Sprache erworben haben, die der Abiturient eines Realgymnasiums zu besitzen pflegt. Wir halten die Kenntnis der lateinischen Sprache bis zu einem gewissen Grade bei jedem Studium für unbedingt notwendig. Wenn man die Abiturienten der Oberrealsckmle ohne eine Nachtragsprüfung im Lateinischen zum Studium der Medizin zugelassen hätte, so würden die Examinatoren in der medizinischen Staatsprüfung gezwungen gewesen sein, die ehemaligen Oberrealschüler mit ausnahmsweiser Schärfe daraufhin zu prüfen, ob sie in das Verständnis der lateinischen Fachausdrücke der Medizin genügend eingedrungen eien. Tas würde unseres Erachtens für diese Studieren- >en minder angenehm und minder zweckmäßig gewesen ein als die Anordnung einer besonderen Nachprüfung. — Nun verlautet aber, daß es mit der Berechtigung zum juristischen Studium gerade so gehalten werden solle wie mit der zum medizinischen Studium. Tas würden wir nicht für zweckmäßig erachten können. Tie Bildung des Realgymnasiums mag für das juristische Studium ebenso gut vorbereiten wie die des humanistischen Gymnasiums. Tagegen wollen wir durchaus nichts einwendeu. Auch das mag eine offene Frage bleiben, ob man von den Realgymnasiakabiturienten, wenn sie sich dem Studium der Jurisprudenz zuwenden wollen, eine Nachprüfung in der griechischen Sprache fordern solle. Gewiß sind grie- cttische Kenntnisse für den Jruisten sehr wünschenswert; ob sie aber dringend notwendig erscheinen, bleibt zweifelhaft. Jedenfalls wird der Studierende die Lücke, die er als solche empfindet oder erkennt, auszusüllen bestrebt sein. Dagegen aber, daß man die Abiturienten der Oberrealschulen, wenn sie eine Nachtragsprüfung un Lateinischen abgelegt haben, zum juristischen Studium zulassen, möchten wir uns erklären. Tas juristische Studium erfordert denn doch eine gewisse historische und humanistische Vorbildung, wie sie die Lberreal- schule kaum bietet. Tas Realgymnasium birgt in sich eine genügende Summe historischer und humauistischer Bildungs- elemente, sodaß es seine Abituurienten zum Studium der Jurisprudenz wohl befähigen tann. Von der £ Bemal= schule gilt das aber nicht, und eine Nachprüfung im Lateinischen dürfte unseres Erachtens nicht genügen. Will man die Oberrealschüler zum juristischen Stuvium ->n lassen, so wird man eine Nachprüfung nicht nur in der lateinischen Sprache, sondern and) in der Geschichte und in der deutschen Sprache anordnen müssen, damit dadurck; nachgewieseu werde, daß sie fick) diejenige Summe historischer und humanistischer Bildung angeeignet haben, die zum juristischen Studium allgemein erforderlich scheint. Vermischter. * Der schnellste Zug Deutschlands ist zurzeit der täglich probeweise zwischen Neustadt a. H. und Weißenburg verkehrende Schnellzug. Bisher war der schnellste Zug Deutschlands der V-Zng zwischen Berlin und Hamburg, der diese 285,9 Kilometer betragende Strecke in 3 Stunden 28 Minuten, also in einer Stunde 82,50 Kilometer, zurück- legt. Seitens der Pfälzischen Eisenbahnen werden nun Probefahrten mit einer neuen SchnellzugSmaschine veranstaltet, die 120 Kilometer in der Stunde zurückiegt, sowie einen Eisen- bahnzug im Gewichte von 200 Tonnen zu 20 Zentner mit einer Schnelligkeit von 100 Kilometer auf ebener Bahn sort- zutewegen im Stande ist. Sie entwickelt 2100 Pferdekräfte und wiegt mit Tender 140 Tonnen (2800 Zentner). * Der gute Ton in allen Lebenslagen. Im „Waldenburger Wochenblatt- liest man: „Für mein Zwcig- geschäst in Salzbrunn suche ich einen kräftigen Laufburschen bei gutem Lohn. Schlafmützen, DöSköppe, stille Teilhaber und Zierbeugel brauchen fich nicht zu melden. R. B. . . • Baku, 30. Mai. In Balackanu wurden achtzehn Bohrtürme, vier Reservoirs und ein Petroleumlagcr durch Feuer zerstört. * Tie Deportation nach Sibirien. Nach, einer kürzlich in Rußland veröffentlichiten Statistik wurden vom Jahre 1823 bis zum Jahre 1888 auf administrativem und gerichtlich,em Wege 60 704 Personen, die von 167 145 Familiengliedern begleitet wurden, nach Sibirien deportiert. Ter vierte Teil der Deportierten und die Hälfte der Familienglieder blieben im Gouvernement Tobolsk, während die andern weiter transportiert wurden. Im Lause der Zeit traten folgende Schwankungen in der Jahresziffer der Deportierten ein. Jn den 20er Jahren wurden alljährlich sechs- bis zehntausend Personen deportiert, die Gesamtsumme für das Tezenium 1823—32 beträgt 83,5 Tausend Personen. Jn den zwei folgenden Dezennien ging die Zahl der Deportierten herab; sie betrug in der Periode 1833—42 73,1 Tausend und 1843—52 58,5 Tausend oder 5—6 Tausen-d pro Jahr. Jn den 50er Jahren stieg die Zahl der Tepor- tierten sehr bedeutend, sie schwankte zwischen 7 und 9 Tausend im Jahr, und betrug im ganzen Dezennium 59,7 Tausend. Die Deportation stand also kurz vor der Emanzipation auf demselben Punkt, welchen sie in den 30er Jahren einnahm; sie wurde jedoch seltener angewandt als in den 20er Jahren. — Nach der Emanzipation erfolgte eine weitere Steigerung der Zahl der Teportierten; sie" schwankte zwischen 9 ein halb und 10 Tausend im Jahr; die Gesamtsumme für die Periode 1863—72 betrug 106,4 Tausend. Eine Steigerung fand auch im folgenden Dezennium statt, wobei auffällig ist, daß die Ziffern für die einzelnen Jahre beinahe gleiche sind. Jn der Periode wurden im ganzen 120,4 Tausend Personen deportiert; die Jahresziffern sck)wanken zwischen 11 750 und 12 300, nur im Jahre 1876 schnellt sie auf 13040 herauf. Im Jahre 1883 betrug die Zahl der Deportierten 14,5 Tausend, 1884 13,2 Tausend; in den folgenden vier Jahren fiel sie wieder auf 11—12 Tausend pro Jahr. — Für die 70 jährige Periode ergiebt sich somit folgendes Bild: in den 30er Jahren und 40er Jahren ging die Deportation zurück, in den 50er und 60er Jahren wuchs sie, um in den 70er Jahren die Höhe zu erreichen, auf welcher sie sich in den folgenden 15 Jahren hielt. Für die nach 1888 folgende Periode sind bis jetzt keine Daten veröffentlicht worden. nicht oollständig griccht \u wirken und hierdurch erschien bi G.-crnrk schäft — mit Rücksicht auf daä diugUche Burechk, mit b ra ' * ' Fzrnie'ichr Renforderung auSa«stattet war — bedroht, daß der,«, u noch Fnnie gehen da» gewelkfchastttche Vermögen Vorgehen wc> Diese Beiürchluna, wie andere Umftänd« (eS werden mannigfache B - schutdigungrn argen Dr. Pfahl erhoben, die wir zur 93<>mdbunii strafrechtlicher V.rjolgung unerwühnt lassen. D. R«k.) gaben einem anderen M tgitrde drs Grubenvoistandis, sowie einer Anzahl oou Düssttdolfer Gewerken berechtigten Grund zu energischem Vorg«b>n gegen eine solche, die Interessen der Gewerkschaft schwer gefährd-w e Verwaäanp und es Ia n zu m-hrerrn Versammlungen in Düsseldoff und Lköln, deren letzte sm 25. Mai folgende grundlegenden Bischlusfe faßte: a) 401 Kuxe der Gewerkschaft Fernie und 1000 Obligation!n verselbtn, sowie 100 Kuxe eines anderen Bergwerks, die Dr. Pf^bl zu Gunsten der Fernte'schen Forderung verpfändet hatte, zu üb:r nehmen und in das Schuldocrhältnl« gegenüber Fernie (»tu a 2‘/a Millionen) riozutreten; hierbei verzichtete Dr. Plahl auf seine nicht erhobenen Ausbeuten unb OcligattonSzinsm. Die 401 Kuxe sollen nicht wieder oitäufeat werden, sondern Eigen'um der Gewerk schait bleiben. Der Betrag, der zur Deckung der Fcrnie'schen Forderung nötig ist, soll von bet Gewerkschaft mit -twa Mr. 2000 pto Kux aut gebracht werden, b) Fö-derung der Er,e und Versandt sollen verstäi kt werden. Es wurde hierbei allsei'ig konstatiert, daß über die Bonität dr» Bergwerk« kein Zweifel bestehen könne, vielmehr reiche, unermeßliche El» lager vorhanden seieReformen im Betrieb, Anwendung o'ötzerer Spar'amkeit sollen hiermit Hand in Hand gehen. Jn den Gruben- vorstand wurden, wie wir bereits mitteilten, einstimu>a folgende Pe • 'ooen gewählt: Otto Nordhaus zu Dilssn AmtrS enthoben. Die- ist unwahr. Wobl sind in den tetlweiie fiüi misch verlaufenen rheinländischen Versammlungen Vorwürfe auch gegen den Direktor deS Werkes erhoben worden, die indessen nicht ohne Widerspruch blieben. E« wurde insbesondere auf dir Kollision der von ihm g.wahrten Inter»ssen bt# Vorbesrtz>rs Fernie mit denen der Gewerkschaft hingewilsen, auch sein nachgiebiges Verhalten dem Dr. Pfahl g.genüber getadelt unb s-in Ausscheiden gefordert, während andererseits die vertraglichen Rechte de^l Direktors, die Schwierigkeit der Lage, v-x die er durch das Verhalten deS GründunaSkonsortiumv g» kommen war, und der Umstand betont wurden, daß sein vorzeitiger Weggang dem Werke großen Schaden bringen werde. Dem neuen Gruben« vorstand wird von allen Seiten da« Vertrauen rntgegrnoedracht, daß cr die schwebenden Fragen unter Würdigung aller Verhältnisse unb in ruhiger Verhanblung schlichten werde, lcviglich geleitet von dem Inter,ffe am Gedeihen des Bergwerks, seiner Angestellten und Arbeiter. In den Kreisen dieser, der Beamten und Arbeiter batte d e unrichtig« Nachricht vom Weggange threS Direktors, dem sie treu an- bängen, große Bestürzung hervorgerufen. Gerifftsjaal. Mainz, 30. Mai. Der Gerichtsoollziehec Heinrich Dofrl in Bingen hat in zwölf Füllen falsche Beurkundungen vorgenommen indem er bei Pfändungen, Wechselärotesten u. f. w. die Protokolle nicht in dom betreffenden Geschäftslokale, sondern in seinem Bureau aufnahw. Bei Pfändungen sandte er die Pfandzeichen durch seine Frau oder durch seinen GehUfen den Gepfändeten zu und überließ eS diesen, die Zeichen selbst an den gepfändeten Objekten anzubrtngen. Die Strafkammer ver urteilte den Angeklagten wegen dieser Vergehen im Amte zu zwei Monaten Gefängnis. Hagen L SB., 29. Mai Vor der Strafkammer stand heute der 24 jährige Elementarlehrer Rudolf Helmhold aus Himmelmert bei Pleiten' berg unter der Anklage, in den Jahren 1900 und 1901 eine Reihe vor. unsittlichen Handlungen an Schulmädchen begangen zu haben. Der Angeklagte, der jede Schuld leugnete, wurde nach vierstündiger Verhandlung, zu der 40 Zeugen geladen waren, unter Annahme mildernder Umstände zu 2*/» Jahren Gefängnis verurteilt. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen 21. Woche. Vom 19. bi« 25. Mat 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 900 (incl 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 10.04, nach Abzug der Ortsfremden 8,03%o. Kinder ES starbrn an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr« Lungenschwindsucht 1 1 — — Knochenmark Entzündung 1 1 — — Krebs 1 (1) 1 (1) - - Krämpfen _____2________—________2________— Summa: 5 (1) 3 (1) 2 Anm. Die In Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffendm Krankheit aus von «uSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Handel und Verkehr. Uolkswirtschast. Gewerkschaft Gießener BraupsteinbergwiLke vorm. Fernie, Gießen. Von unterrichteter Seite wird uns über die in mehreren Blättern verschieden und zum Tri'e unrichtig dargostellten Vorgänge in der Verwaltung deS hiesigen Bergwerks folgendes mit g, teilt: Das Konsortium, daS seinerzeit die Gewerkschaft gründete und an biffen Spitze Dr. Pfahl in Bonn stand, ein Mann, den man im Rhckr land zufolge seiueS großen Besitzes an Bergwerken, Gütern rc für schwer reich hielt, vermochte infolge des allgemeinen Rückgangs der Montanwerte seinen Verbtndlichkelt n gegen den Vorbesitzec Fernie MS ticuor Ste jbreit l’rbarf in 5ribrn< i’toTfcnbrcfrn, per- hingen S;* in Abi rm Jnlerefie , ml iiiihirbnib unh , tianfo ’liuiter non z von brr V . ’ HolieiiNteinerSeidenweberei „Lotze", Hohenstein Ernstthal. Königlirbrr, i^rvgl'crzogli^'eb »,!> yrrzciglichcr ßofliricuvit ' SelterSweg 9L 2831 in dem großartig neu renovierten Parke der 2. 5. NB. Alle Ueberschüsse werden zu baren Schenkungen an arme hiesige Familien verwandt. SwU Eschbach. 2856 L. 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