980 Herarselle gesucht. pf, A^weg 23 tachügm Dia. für Dampsmühle eis. Nachiufrageir Kraße 40, in i flMt. 0834 l LudwiMatz 8. imt Ä n die Lehre treten. ibmaterHloM.4 zum ÜBedttagen I. kein. I. Mar, ein Kinder- ne Köchin gesuchl. erg, Ludwigstr. i. auf fofort ältere, zur ffflttung i unb M Wtzr t\xi ^avt\)aui aus Ämrb.mTrhM- HO an die frptb- Mädchen lofkraße 48> I Mmm 978 wÄ jgsfln =sK* E fj v)ü"s-bl S, _ der Moh-r. -i-MsMlS flung der Kinder *>* ”S MLd-M t und Melken fosm reS durch 0813 ^gerJelW3! 5»*! rih Hausarbeit schon ngbMsnchtM L^Ai««ea-»er, M^Msmadchrn ^SpedilM. Nr 27 Krftes Blatt Sfotitag den 1. Februar 151. Jahrgang 1801 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anzeigen-Vennittlungsstellen des In- und AaS- lundes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 M. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2JO monatlich 75 Pfg. eit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteltährl. Ml. 1.90 monatlich 65 Pfß. Bei Postbezug Mk. 2.— viertcliährL. ohne Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für freu folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorrn. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. erscheint tägklch mit Ausnahme M Montags. Sie Sießener Mamitienötttter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchU. 4 mal beigelegt. Aints- unb Anzeigeblutt für den Tiveis Gieren. Aedaktiou, Expedition und Druckerei: rchulstrahe Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienbiälter, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Volkskunde.__________________ Adresse für Depeschen: Anzeiger 6lc|ee. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Gießen, den 29. Januar 1901. Betr.: Beitreibung der Gemeindeeinkünfte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien und die Gemeiudeetuuehmer des KreiseS. Unter Bezugnahme auf unser Amtsblatt Nr. 5 vom 23. Mai 1899 erinnern wir Sie an die Vorlage der Pfandbefehle gemäß Ziffer 2 desselben. v. Bechtold. Gießen, den 29. Januar 1901. Betr.: Das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Vrosth. Polizeiamt Gießen und die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 26. Februar 1886 (Anzeigeblatt Nr. 46) sehen wir der Einsendung der vorschriftsmäßigen Auszüge auS der von Ihnen zu führenden Tabelle über die im Jahre 1899 vorgenommenen Untersuchungen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegen- ständen bis zum 25. Februar d. I. entgegen. Sie wollen in der Tabelle auch angeben, bei welcher Stelle (z. B. dem chemischen Untersuchungsamt für die Provinz Oberhesseu) die betr. Untersuchungen stattgefunden haben. Die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden werden diesbezüglich auf unser Ausschreiben vom 26. März 1895 (Anzeiger Nr. 75 betr. Ausführung der Kontrolle von NahrungS- und Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen durch das chemische Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen in dem Kreise Gießen) hingewiesen. I. V.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. Auf Grund des § 11 der Fernsprechgebühren-Ordnung vom 20. Dezember 1899 (Reichsgesetzblatt Nr. 51) wird Folgendes bekannt gemacht: Für jeden Anschluß an das Fernsprechnetz in Gießen, welcher nicht weiter als 5 Kilometer von der VermittelungS- stelle entfernt ist, beträgt vom 1. April 1901 ab A. die Bauschgebühr 140 Mk., B. wenn an deren Stelle die Grundgebühr und Gesprächsgebühren gezahlt werden, 1. die Grundgebühr 60 Mk., 2. die Gesprächsgebühr 5 Pfg. mindestens 20 Mk. jährlich. Die Teilnehmer, welche an Stelle der Bauschgebühr die Grundgebühr und Gesprächsgebühren zahlen wollen, wüsten dies dem Kaiserlichen Postamt I in Gießen bis Ende Februar schriftlich mitteilen. Sie erhalten alsdann zum 1. April andere Anschlußnummern. Teilnehmer, deren Jahresgebühren zur Zeit niedriger sind, alS die künftig geltende Bauschgebühr, können ihre An- schlüste zum 1. April kündigen. Die Kündigung ist bis Ende Februar schriftlich bei dem Kaiserlichen Postamt I in Gießen anzubringen. Darmstadt, den 26. Januar 1901. Kaiserliche Ober-Postdirektion. Holfeld. ßkhrgMg für Gdfiban au der Sroßherjogl. Vbßballschule und zgudvirtschastlichea Uinterschule jn Friedberg 1901. 1. Ordentlicher Lehrgang. Dauer vom 18. März bis 28. September. Im Juni find Ferien. Die aufzunehmenden Schüler müssen ein Alter von mindestens 16 I ihren haben. Die Lch> facher sind: 1. Agrikultur-Chemie, Bodenkunde und Düngerlehre. 2. Botanik (Morphologie, Ai.atomt« und Physic.- logte d-S Obftbaumetz). 3 Zoologie (die tierischen Schittl-noe »vd Nützlinge des Obstbaumek). 4. Obstbau und Obst- »erwertung. 5 WtrtschattSlehre. 6 Buchführung. 7. Deutsche Sprache. 8. R-chnen. 9. Zeichnen. 10 Hebungen im chemt- fchen und botanlsch physiologtschen Laboratorium. H Hebungen im Obstbau. yzx Honorar für Hessen 30 Mk., für Ntchthesten 50 Mk. 2. Arrherordentltcher Lehrgang. a. Kursus für Baum- uud Straßenwärler. Beginn am 18. März. Dauer 10 Wochen, und zwar 7 Wochen im Frühjahre, 2 Wochen im Sommer, 1 Woche im Herbste. Die Te'lnebmer wüsten ein Alter von mindestens 16 Jahren habm. Theoretischer Unterricht von 10—12, Hebungen im Obstbau und prakischen Arbeiten von 7—10 und 2—6 Uhr täglich. Honorar 20 Mk. für Private und Nichthefsen; Schüler auS Hessen, welche sich zu berufsmäßigen Baumwärtern auSbtlden und von Landwtrtfchafllichen BezttkSoeretnen, Gemeinden r:. geschickt werden, find honorarfrei. b. Kursus für Obstweinproduzenten. Vom 15. bis 20. April. Er umfaßt die Bereitung der Obstweine. GärungSchemie einschl. Retnbefen. Obstweinkrankbetten. Uebungm im Laboratorium. Vorträge von 10—12. Uebungen von 2—5 Uhr. Honorar für Hessen 10 Mk, für Nichthefsen 15 Mk. c. RepetitiouSkursus für Baum- uud Straßeuwärter. Dauer vom 22.—27. April. Für Baum- und Straßenwärler, welche schon einen Kursus im Obstbau besucht oder längere Praxis haben. 10 Teilnehmer aus Oberhessen erhalten vom Oberheff. Obstbauverein eine Reiseoergütung von 10 Mk. und können nach bestandener Schluß- prüsung den Titel „Vereinsbaumwart deS Oberheff. Obstbau- veretnS" erhalten. Für berufsmäßige Baum- und Straßenwärter ist der Kursus honorarfrei. Für Private und Ntchtheffm beträgt das Honorar 10 Mk. d. Obstbaukursus für Geistliche, Lehrer und sonstige Freunde des Obstbaues. Dauer 14 Tage. Erster Teil vom 22.-27. April. Zweiter Teil im Sommer nach Uefcer einkunft mit den Teilnehmern. Honorar für Hessen 10 Mk., für Nichthessen 15 Mk.; hessische Lehrer fiel e. Kursus für die Kandidaten des Prediger-Seminars und Freunde des Obstbaues aus Friedberg und Umgebung Dauer vom 1. Mai bis Ende August. Vorträge Freitag von 5-7 abendS; Uebungm im Obstbau SemStag vormittag und Montag nachmittag. Honorar für H.ffen 10 Mk., für Nichthefsen 15 Mk. f. Obstverwertungskurse für Frauen. Erster Kursus vom 2.-4. September. Zweiter Kursus vom 9. bis 11. September. Honorar 3 Mk. für Teilnehmerinnen aus Hessen, sonst 5 Mk. g. Obstverwertungskursus für Männer vom 23. bis 28. September. Honorar 10 Mk. für Hessen, 15 Mk für Nichih'ssen. Der Unterrichtsplan und die näheren Bestimmungen find durch unterfertigte Direktion zu erhalten. Großherzogliche Direktion der Obstbauschule und Landwirtschaftlichen Winterschule. Dr. v. Peter. Der Gesetzentwurf über die Gemeiudeumlageu. Zu dem der Kammer vorgelegten Gesetzentwurf über die Gemeindeumlagen, dessen wesentlichen Inhalt wir unsern Lesern in Nr. 25 vorgeführt haben, sind verschiedene Vorstellungen eingegangen. _ Die Handelskammer Mainz, der sich in einzelnen Teilen die Handelskammer Bingen anschließt, wünscht, es möge gestattet werden, Ausländern und Angehörigen an - oererBundesstaatenohneErwerbsthätigkeit die Gemeindeeinkommensteuer biszudreiJahrenganz oder teiltveise zu erlassen. Die in dem Entwürfe vorgesehene Steuerfreiheit für Nichthessen bezüglich des Einkommens aus hessischem Besitze oder Gewerbe, wenn in dem betr. Staat hessischen Staatsangehörigen dasselbe gewährleistet ist, wird für außerordentlich bedenklich und das den Eifenbahnverwaltungen zugesprochene Recht von ihrem Reineinkommen noch eine dreieinhalbprozentige Verzinsung bei der Veranlagung zur Gemeindesteuer in Abzug bringen zu dürfen, für unbillig erklärt. Schließlich wird gewünscht, „auf die Heranziehung eines nur für einen Teil des Jahres in ihrem Bezirk wohnhaften Steuerpflichtigen auch dann verzichten zu können, wenn der Aufenthalt länger wie drei Monate dauert." Eine letzte Vorstellung des Farbwerks Mühlheim und weiterer 18 Aktiengesellschaften des Großherzogtums begehrt, „daß einem für diesen Zweck zu ernennenden Spezialbevollmächtigten einer Aktiengesellschaft aktives und passives Wahlrecht für die Aktiengesellschaft eingeräumt und unter Voraussetzung der Zahlung einer gewissen Quote der Kommunalsteuer Sitz und Stimme im Gemeinderat gewährt werde." „ c . _ , Der zweite Ausschuß ist damit einverstanden, ,,daß der vorliegende Gesetzentwurf nur einen interimistischen Charakter tragen soll." Nicht billigen konnte man den Wegfall der Kapitalrenten st euer, und kein einziger der von der Regierung vorgebrachten Gründe wenn man auch manche Bedenken nicht verkannte war stark genug, ihrer Berechtigung stattzugeben. Der Ausschuß findet vielmehr in der Kapitalrentensteuer, die, einmal eingeführt, nicht wieder aufzugeben fei, ein notwendiges Korrelat zur fortdauernden Grundsteuer. Zustimmung findet der Gedanke, daß der Steuerpflichtige grundsätzlich an seinem Wohnorte zur Steuer heranzuziehen sei, auch daß denjenigen Steuerfreiheit bezüglich ihres Einkommens aus Grundbesitz und Gewerbe, die außerhalb des Großherzogtums liegen, zu gewähren sei, wenn der betreffende Staat Gegenseitigkeit leistet, d. h. auch das Einkommen seiner Angehörigen aus hessischem Besitze steuer- rei läßt. Die Steuerfreiheit bezüglich des Einkommens aus hessi chem Besitze oder Gewerbe auch für die Angehörigen der jenigen Staaten, die darin Gegenseitigkeit gewähren, will der Ausschuß, gemäß der Vorstellung der beiden Handelskammern, nicht eintreten lassen. Man will also demgemäß das Einkommen aus Grundbefitz und Gewerbe da versteuert wissen, wo es auch erworben wird. Mit den übrigen Bestimmungen, die der Regierungsentwurf trifft, erklärt sich der Ausschuß gegen geringe Abweichungen einverstanden, insbesondere auch mit der Art der Berechnung der Gemeindeumlagen. Der Hauptgegensatz zwischen Regierung und Ausschuß besteht darin, daß letzterer auch für die Gemeinde- besteuerung die Kapitalrenten steuer vorstehr, während jene dieselbe g e strichen hat. Sollte die Kammer dem Ausschüsse zustimmen — und wir glauben dies so könnte dieserPunkt dasganzeGesetzzuFalle bringen. Wir vermuten, die Regierung wird von chrem Standpunkte, den sie mit viel Material motiviert hat, nicht abgehen. Jedoch könnte ein Mittelweg eingeschlagen werden, der gewiß die Sympathie vieler gewinnen wird. Wir haben kleine Rentner und Pensionäre, die bei bescheidenen Ansprüchen von ihrer schwachen Pension und noch geringeren Rente die wenigen Jahre ihres Alters ohne Sorgen zubringen können. Wir würden es als unbillig empfinden, diese verhältnismäßig gerade so heranzuziehen, wie den Kapitalisten. Durch die Besteuerung seines Einkommens ist seine Leistung an die Gemeinde groß genug. Es wäre daher zu empfehlen, alle die von der Verpflichtung zuy Kapitalrentensteuer zu entbinden, die, bis zu einem gewissen Betrage, kein weiteres Einkommen als ihre Pension und Rente oder Rente allein aufzuweisen haben, hingegen alle die, die höhere Rentenbezüge oder nebenher auch noch Einkommen aus Grundbesitz oder Gewerbe haben, der Steuerpflicht zu unterwerfen, und zwar mit v erschürfter Progression. Hierdurch würde für die Städte, denn sie werden doch fast ausschließlich bei einer Kapitalrenten^ besteueriing interessiert sein, ein Verlust nicht entstehen, da das, was ihnen durch die Befreiung der kleinen Rentner abgeht, durch die Progression wieder eingeholt wird. Daß der Ausschuß auch die Nichthessen Mit rhrem Einkommen aus hessischem Besitze auf jeden Fall besteuern will, entgegen dem Regierungsentwurf, halten wir für keinen so weiten Abweg, als daß dadurch, eine Einigung nicht herbeigeführt werden könnte. ( Zur Wiederherstellung der alten Kurg in den Stehen. Seit Jahren spielt die Wiederherstellung der alten Burg in den Gießen, wie das alte Bauwesen in den alten Urkunden genannt wird, in unserem Stadtparlament et ne Rolle, und häufig wurde in demselben bet passender G^ leqenheit ungefragt, wie die dem Anscheine nach TIt Endlose sich' hinziehende Schloßbau-Angelegenheit stehe, worauf von Jahr zu Jahr der Bescheid gegeben wurde, daß die baldige Vorlage des Bauprogramms erfolgen werve. Als vor ca. acht Monaten unsere Stadtverordneten dem Architekten E. Hofmann in Herborn, einem Meister m der Kunst der Wiederherstellung alter Bauten, die Schloß-Angelegenheit durch die Bürgermeisterei übertragen fließen, kam endlich Bewegung in die Sache- Mit Feuereifer entwarf Hofmann seine Pläne zur Restauration der alten Burg an der Ecke des Brand, welche dte volle Billigung der zuständigen Instanzen fanden und, wie man erfahrt, auch' die Bewunderung seiner Fmhgenossen finden, soweit diese Gelegenheit hatten, die Zeichnungen und Plane em- ruseben "^n der nächsten Stadtverordneten-Sttzung soll die Schloßangklcgeit endlich ifire enbgittige 6rt.eb.gung finden durch eine Vorlage der Hofmannschen Plane zur Genehmigung. , . ~. Seitdem nun vor einigen Monaten tm alten Schloß ein Baubureau errichtet, und der Bürgerschaft ein sichtbares Zeichen dadurch geworden ist, daß es mit dem Schloßbau nun Ernst wird, hat mancher von uns das hochinteressante Innere des alten Baues in Augenschein genommen, und wer dies bisher gethan hat, hegt gewiß den Wunsch, daß endlich mindestens dem Verfall des Gebäudes Einhalt ge than werde. Ob sich die nur mit größeren Geldopferu ausführbare völlige Restaurierung oder nur die Erhaltung des Vorhandenen empfiehlt, das bedarf eingehender Erwägungen. Im allgemeinen sind wir keine Freunde von Restaurationsarbeiten. . Gewiß ist es an der Zeit, nach der Geschichte der alten Burg in den Gießen zu forschen. Uns wird das Nach stehende darüber mitgeteilt: . r . Auf der Stammburg Gießens, dem Glerberg, do minierte zu Anfang des 12. Jahrhunderts dte }"tt l > Grasen Gerhart von Geldern vermählte Grafm Clement, die im Jahre 1129 das Kloster Schiffenberg sttftew und es bis zu ihrem im Jahre 1141 erfolgten Tode durch ^chenr ung vermehrte. Da die Gräfin ohne direkte Nachkommen starb, überließ sie die Herrschaft Gleiberg ihren beiden Neffen Wilhelm und Otto, die sich nach dem Tode ihrer Tante in das Erbe teilten, wobei dem ersteren u. a. die Herrschaft über Gießen zufiel. Graf Wilhelm starb zwischen 1162 und 1167. Dessen Witwe, die Gräfin Salome, wohnte im Schlosse zu Gießen, was (wie der Name der heutigen Stadt überhaupt) erstmals im Jahre 1197 urkundlich erwähnt wird. Da die Grafen Wilhelm und Otto von Gleiberg nicht Brüder, sondern Vettern, und als solche gleich erbberechtigt waren, und dem letzteren die Herrschaft Gleiberg zugefallen war, so lag es nahe für den Grafen Wilhelm, inmitten seiner Herrschaft (Gießen) auch eine Burg als Grafensitz zu schaffen. War doch die Zeit von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts die klassische Zeit des Burgenbaues in Deutschland. In jener Zeit baute man aber meist sehr langsam. Ties, sowie andere Umstände, sprechen dafür, daß mit dem Bau der Burg zu Gießen wohl schon zu Lebzeiten der Gräfin Clementia begonnen, und dieser Ban unter der Herrschaft ihrer Neffen fortgesetzt wurde, ja es scheint sogar zweifelhaft, ob Graf Wilhelm die Fertigstellung der Burg zu Gießen erlebt hat, da er urkundlich nur als Graf von Gleiberg und erst seine Witwe Salome als Gräfin von Gießen genannt wird. Die Gräfin Clementia hatte ohne Zweifel ein großes Interesse daran, dem von ihr gestifteten Kloster Schiffenberg, auch den ausreichenden, zu jener Zeit sehr notwendigen Schutz zu gewähren, der vom Gleiberg aus zu üben besonders bei hohen Wasserständen der Lahn zeit weise unmöglich war. Mit Rücksicht hierauf kann man wohl mit Recht die Gründung und Entstehung der ältesten Teile der Burg in der Zeit von etwa 1140 bis 1171 verlegen, wofür auch die sehr dürftig vorhandenen ältesten architektonischen Gliederungen am Gebäude sprechen, die nicht dem romanischen Styl, sondern der Frühgothik angehören, die um die Mitte des 12. Jahrhunderts erstmalig auftrat. Die Stelle, an der die in älteren Urkunden als Burg in den Gießen genannte Feste erbaut wurde, war wegen der Lage inmitten zahlreicher Wasserläufe sehr geeignet zur Verteidigung sowohl, wie zur Beherrschung des Fluß- ü'berganges über die Lahn. Letzterer hatte als Knotenpunkt mehrerer wichtiger Handelswege schon damals erhöhte Bedeutung, und es scheint nicht ausgeschlossen, daß die älteren Grafen von Gleiberg, die zurzeit der Salier als Grafen des Mittellahngaues in des Königs Namen für die Sicherheit der Verkehrswege zu sorgen hatten, schon früher hier an der Furt über die Lahn einen festen mit Burgmannen besetzten Stützpunkt errichtet hatten. Auf eine solche Anlage, die nur aus Erdwällen mit Pallisaden und Wassergräben bestand, innerhalb der die Bewohner in hölzerne Gebäude untergebracht waren, läßt auch der im botanischen Garten noch vorhandene, tief gelegene Teil des Stadtbaches, der alte Wallgraben, schließen. Es war dem 12. Jahrhundert eigen, derartige Wallburgen, „motae" genannt, nach Bedürfnis durch die festeren Steinburgen zu ersetzen, besonders seitdem zurzeit der Hohenstaufen die Vasallen begannen sich von ihren Lehnsherr mehr und mehr unabhängig zu machen. Die gesamte Anlage der Burg läßt in ihren ältesten Teilen und in der dem Quadrat lief) nähernden Grundform noch recht gut die mittelalterige „motae" erkennen, bei der zu besserer Verteidigung der Wehrturm, dem bedrohtesten Punkte der Ringmauer, also dem Eingang, thunlichst nahe gerückt ist. Daher wird auch der früher im Interesse der Sicherheit einzig vorhanden gewesene Zugang der Burg auf der südöstlichen Seite, also nach der Feidelschen Hofraithe hin zu suchen sein, an welcher Stelle sich auch das Thor zum innern Hof befindet, dem jedenfalls hier ein kleiner, den Eingang deckender zweiter Hof vorgelagert war. Der jetzt nur noch auf zwei Seiten (nach der Feidelschen Wirtschaft hin unterirdisch) vorhandene Wassergraben lief rings um die Burg und erhöhte so deren Sicherheit. Aus dem Wallgraben direkt aufsteigend erhob sich, den inneren Burghof umschließend, nach vier Seiten die starke, mit Zinnen gekrönte Ringmaicer, an die sich die Wohn- und Wirtschafts-Gebäude anlehnten. Wenn auch die Mauer- zinnen infolge der vielen Auf- und Umbauten der Burg im Laufe der Jahrhunderte verschwunden sind, so ist doch die an dem Wehrturm (Heidenturm) beiderseits anschließende Ringmauer jetzt noch überall als solche erkennbar, wie es auch sicher ist, daß der nach dem Kanzleiberg gerichtete Gebäudeteil, soweit er jetzt frei dasteht, der älteste Bau der Feste ist, d. h. aus der Zeit der ersten Anlage stammt, und wohl die Kemenate der Gräfin Salome enthalten haben mag. Die Gräfin Salome hatte keine Söhne, sondern nur eine Tochter Mechthild, die ihrem Gemahl, dem Pfalzgrafen Friedrich von Tübingen, die Herrschaft Gießen als Mitgift zubrachte. Von den Söhnen dieses Pfalzgrafen erbte der jüngste, Wilhelm, die Herrschaft Gießen, und nannte sich ebenso wie dessen Sohn Ulrich „Graf von Gießen". Beide Grafen, deren Güter hauptsächlich in Württemberg lagen, haben jedoch nur kurze Zeit und vorübergehend in der Burg zu Gießen gewohnt. Graf Ulrich starb am 5. August 1265, in welchem Jahre Burg und Herrschaft Gießen durch Kauf an die Landgrafen von Thüringen und Hessen überging. Da die Grafen aus dem Hause Tübingen nur zeitweise in Gießen residierten, so waren sie durch einen Amtmann soffiziatus) hier vertreten, der die Verteidigung von Burg und Stadt in Kriegsnöten zu leiten hatte, und in der Burg wohnen mußte. Da nun der alte (nach dem Kanzleiberg gercchtete) Bau zu klein war, um gleichzeitig als Wohnung »es Amtmanns und als Absteigequartier für die Grafen IV ?Jenen' 1° entstand ein weiteres Gebäude an der nord- ostlichen Rnigmauer und zwar der jetzige nach dem bota- nlschen Gacten zu gerichtete Flügel. Nach den vorhandenen flid)itcnoiii)d)eii L>chmuckformen zu schließen muß dieser Bau, wenigstens m seinem unteren massiven Teil, den Grafen aus dem Hause Tübingen zugeschrieben werden. In diesem Gebäude ist auch der Palast, in dem die Grafen bei ihren Besuchen Hof und Gericht hielten, vorhanden Nach Erbauung des Grafensiyes und in Verbindung damit, der nordwestlich gelegenen zweiten Burg für die Burgmannen (diese ist an der Stelle des heutigen Burg grabens und des Stadtkirchturmes zu suchen), hatte sich zwischen beiden Burgen die ebenfalls mit einer festen Mauer umgebene Stadt Gießen gebildet, und zwar wohl schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Die Stadt war an Länglich noch klein und unbedeutend, aber das 13. Jahrhundert war ihrer Entwickelung zur größeren Selbständigkeit günstig. Wie schon erwähnt, gingen Stadt und Feste 1265 an die Landgrafen von Thüringen und Hessen über. Die Burg zu Gießen spielte unter den ersten Landgrafen keine Rolle, da diese in den geräumigen Schlössern zu Kassel und Marburg wohnten, und von dort aus regierten. Es fanden daher am hiesigen Schlosse nahezu drei Jahrhunderte lang gar keine, oder nur sehr geringe bauliche Veränderungen statt, und die Blütezeit der Gothik ging spurlos an ihm vorüber. Die noch vorhandenen spitzbogig geschlossenen Thore und Thüren gehören noch dem sogenannten lieber« gangsstyl an. Während dieser langen Zeit diente das Schloß ausschließlich nur >als Sitz des Burgvogtes. Erhöhte Bedeutung gewann die Stadt Gießen, und damit auch das alte Schloß erst, als die Landgrafschast Hessen geteilt, und Oberhessen (mit wesentlich anderen Grenzen als heute) selbständige Grafschaft wurde. Die erste Teilung fand nach dem Tode des Landgrafen Ludwig I. (des Friedfertigen) statt. Die zu Marburg residierenden Landgrafen Heinrich III. (der Reiche) 1458—1483, und Wilhelm III., 1483—1500, hatten anscheinend für unser altes Schloß kein Interesse. Unter Philipp dem Großmütigen, 1509—1567, waren sämtliche hessische Lande wieder in einer Hand vereinigt, und es erkannte dieser scharfblickende Fürst die strategisch wichtige Lage Gießens, das er durch Erdwälle, Schanzen' und Gräben zu einer für die damalige Zeit starken Festung umwandelte. Wenn Philipp daher auch zeitweise und namentlich während der Fehde mit Franz v. Sickingen sich hier im alten Schlosse zu Gießen aufhielt, so ließ ihm doch sein thatenreiches Leben zu größeren Bauprojekten für dasselbe wohl keine Zeit. Dagegen war sein zweiter Sohn Ludwig, genannt Testator, der bei der Teilung als Ludwig IV. Landgraf von Oberhessen wurde, und von 1567—1604 regierte, ein sehr baulustiger Fürst. Dieser erweiterte nicht nur seine Residenz, das Schloß in Marburg, sondern zeigte auch ganz besonderes Interesse für Gießen. Den infolge des großen Brandes von 1560 entstandenen freien Raum in der Nähe des Schlosses benutzte er zur Anlage des heutigen Platzes „Am Brand", den er mit einer ganzen Anzahl neuer Bauten umgab. So wurde 1570 das neue Schloß (jetzt in der Renovierung befindlich) begonnen, und 1585 das Zeughaus (jetzt alte Kaserne). Auch das alte Schloß erfuhr in der Folge eine durchgreifende Veränderung. „Landgraf Ludwig hatte", wie es in einer alten Inschrift hieß, „im Jahre 1590 unter Amtmann Rudolf Rau von Holzhausen den Schloßbau so wie er sich bis zur letzten Veränderung befand, neu zurichten lassen". Diese Zurichtung bestand in der Verbindung der beiden Gebäude durch den am Brand stehenden Mittelflügel des Schlosses, die seitdem dessen Hauptfront bildet, und mit zwei Giebeln abschloß, die, nach alten Zeichnungen zu urteilen, abgetreppt waren, und daher den stattlichen Eindruck des ganzen Gebäudes erhöhten. Wenn der neue Bau höchst einfach ausgeführt wurde, so findet dies wohl darin seine Erklärung, daß die größeren und zahlreichen anderen Bauten des Landgrafen dessen Kasse erschöpft haben mochten. Das so erweiterte Schloß diente seitdem als Sitz der Regierungsbehörden als „Kanzlei", wovon der nach der Sonnenstraße zu gelegene Teil des Platzes den Namen „Kanzleiberg" erhielt. Nachdem unter Landgraf Ludwig V. 1607 die Universität gegründet, und der stattliche Universitätsbau, ein imponierender massiver Steinbau mit Giefeln, hinter dem sich turmartig die Sternwarte erhob, errichtet worden war, verband man dies Gebäude mit dem alten Schloß durch eine steinerne Brücke, die erst 1763 wieder abgerissen wurde. An Stelle des ehemaligen wieder entfernten Universitätsgebäudes wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts die Bibliothek errichtet, ein höchst nüchtern wirkendes Gebäude, mit einer riesigen Steinkiste vergleichbar. Im Jahre 1830 vollendete man das Werk der Pietätlosigkeit am alten Schloß, indem man bei einem damals daran vorgenommenen Umbau durch das Brechen großer Lichtöffnungen und Thüren dem Bauwerk damit seinen früheren Charakter fast gänzlich raubte. In den 60er und 70er Jahren beherbergte die Burg das Stadtgericht und das Kreisamt, sowie das Polizeiamt, und diente in den 80er Jahren, als das 116. Infanterie-Regiment um ein Bataillon verstärkt wurde, einer Kompagnie als Kaserne. Seitdem ist sie dem Verfalle preisgegeben gewesen. Das alte Schloß war bis zum Jahre 1893 im Besitz des Hessischen Staates. Im Staatsbudget für die Jahre 1888/1891 war die Einrichtung von Dienstwohnungen in dem Gebäude vorgesehen, fand aber nicht die Zustimmung der Landstände, weshalb im Entwurf des Staatsbudgets für 1891/1894 ein Kredit von 9900 Mark eingestellt wurde, um das Gebäude abzubrechen. Die städtische Verwaltung konnte sich mit Recht mit dem Gedanken nicht einverstanden erklären, daß das älteste Gebäude der Stadt, an das deren Geschichte anknüpft, vom Erdboden verschwinden sollte. Der gleichen Ansicht waren unsere Geschichtsfreunde, und es gelang die Zu- timmung der einschlägigen Faktoren, vor allem die Genehmigung unseres Landesherrn, dafür zu erwirken, daß die Gebäude des alten Schlosses, einschließlich des Heidenturmes der Stadt Gießen als freies Eigentum überwiesen und ihr überdies noch die für die Abbrucharbeiten vorgesehenen 9900 Mark zur Verfügung gestellt werden, wogegen die Stadt die Verpflichtung übernahm, die Gebäude zu renovieren, soweit sie historisches Interesse haben. Die Stadt verpflichtete sich weiter die hergestellten Räume für öffentliche, gemeinnützige, die Interessen der Provinz Oberhessen fördernde Zwecke, insbesondere zur Unterbringung der auf die Oberhessische Geschichte Bezug habenden Sammlungen, dienstbar zu machen, und die Gebäude für alle Zeiten entsprechend zu unterhalten. Durch die Wiederherstellung des alten Schlosses glaubt man im Mittelpunkt unserer Stadt eine Sehenswürdigkeit, und damit einen Anziehungspunkt mehr für den Touristen und Fremden zu schaffen. Gleichzeitig will man den wertvollen Sammlungen des oberhefsischen Geschichtsvereins zweckmäßige Räume geben, und obendrein für unseren Landesherrn eine Residenz schaffen. Wenn sich S. K. H. der Großherzog entschließen würde, das neu restaurierte Gießener Schloß in jedem Jahre zu vorübergebendem Aufenthalte zu wählen, dann würde gewiß oie gesamte Gießener Bürgerschaft mit Freuden der Wiederherstellung .zustimmen. Wir können nur wünschen, daß, wenn unsere städtischen Körperschaften den Wiederaufbau beschließen sollten, die auf ihn gesetzten patriotischen, künstlerischen und materiellen Hoffnungen in Erfüllung gehen. Deutscher Reichstag. Berlin, 30. Jan. • Die Beratung der Anträge betreffend die Wohnungs - frage wird fortgesetzt. Abg. Möller (natl.) begründet in einem Schlußwort die von den Nationalliberalen beantragte Resolution. Seine Freunde wollten sich auf das Erreichbare beschränken und hoffen, daß durch Zusammenwirken von Einzelstaaten und Kommunen Nützliches erreicht werde. Es empfehle sich, int Reichsamt des Innern eine dauernde Abteilung für die Angelegenheiten der Wohnungsfrage zu errichten. Abg. Dreesbach (Soz.): Unser Antrag verlangte ein Wohnungsgesetz von Reichswegen. Was uns Graf Posa- dowsky versprochen hat, war nur recht wenig; wir werden an die Einzelstaaten verwiesen. Ist denn das Reich nur Dann Einzelstaat und kompetent, wenn es sich um ungezählte Millionen für Heer und Marine handelt? Braucht man auf die Einzelstaaten keine Rücksicht zu nehmen und soll man nur dann den föderativen Charakter des Reiches betonen, wenn es sich um Wohlfahrtseinrichtungen im allgemeinen Interesse handelt? (Sehr gut! bei den Soz.) Das Wohnungselend treffen wir auch auf dem Lande, wenn die Herren rechts es auch nicht zugeben wollen. Platz zum Bau von Wohnungen ist auf dem Lande genug vorhanden, schade nur, daß die Wohnungen nicht gebaut werden. (Sehr richtig! bei den Soz.) Wie die Wohnungen in Ostelbien aussehen, das zeigen die Etatsverhandlungen des preußischen, Abgeordnetenhauses im Jahre 1897, in der die unerhörten Wohnungszustände in Trakehnen als Skandal bezeichnet worden sind. (Sehr richtig! bei den Soz.) Die Herren (nach rechts) leugnen das Wohnungselend nur ab, weil es ihnen an den Geldbeutel gehen würde. (Sehr richtig? bei den Sozialdemokraten.) Eine Enquete ist überflüssig. Den Regierungsstellen sollte das Material nicht fehlen. Jetzt handelt es sich darum, thatkräftig einzu- greifen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nur durch ein Reichswohnungsgesetz, durch staatliches und kommunales Eingreifen, durch rationelle Bauordnungen und durch eine energisch durchgeführte Wohnungsinspektion könne abgeholfen werden. Für den Antrag Schrader auf Einsetzung einer Kommission zur Herbeiführung einer W o h n u n g s e n q ue te und zur Erwägung, ob reichsgesetzliches Eingreifen an gezeigt erscheint, nimmt das Schlußwort Abg. Eckart (d. Vp.): Die Erklärung des Reichskanzlers ist um so unverständlicher, als die Regierung zugiebt, daß große Mißstände auf dem Gebiete des Wohnungswesens bestehen, die nur durch Gesetz beseitigt werden können. Von den vorliegenden Anträgen ist der Antrag Schrader dringend zu befürworten; er will die Sache in Fluß bringen, bindet sich aber nicht auf bestimmte Forderungen. Ich bitte Sie, denselben anzunehmen. (Bravo! links.) Es folgt die Beratung des von der freisinnigen Volkspartei eingebrachten Gesetzentwurfs zur Aushebung der Theaterzensur. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fr. Vp.) setzt zunächst auseinander, daß in dieser Angelegenheit der Reichskanzler kompetent sei, ferner, daß die Verordnung, auf der in Preußen die Theaterzensur beruhe, in Widerspruch mit der preußischen Verfassung stehe. Aus der Thatsache, daß die Reichsgewerbeordnung nichts von einer Theaterzensur enthalte, müsse man folgern, daß sie 'für das Reich nicht bestehe. Die Rechtslage in den einzelnen Bundesstaaten sei sehr verschieden. Manche üben eine Theaterzensur, manche kennen sie gar nicht. Es sei also notwendig, von Reichswegen gründlich Ordnung zu schaffen, in diesem Wirrwarr, sowohl aus staatsrechtlichen und juristischen GLünden, wie aus praktisch-künstlerischen Gründen. Wenn jetzt endlich eine ernste Erregung gegen die Theaterzensur in Fluß gekommen- sei, so sei dies das Verdienst des Berliner Polizei-Präsidenten v. Richthofen, der die moderne Richtung im Drama durch die Zensur zu unterdrücken unternahm und in diesem Bestreben durch seinen Nachfolger unterstützt wurde. Mag die moderne Richtung sein, wie sie will, über philosophisch- . ästhetische Fragen können wir uns unterhalten, aber lassen wir doch um Gotteswillen die Polizei damit in Ruhe. (Zustimmung und Heiterkeit.) Redner führt eine Reihe Zensur- striche an. Am Ende eines Schwanks spricht ein Trunkener von der Grabschrift, die ihm gesetzt werden soll: „Und wenn einst naht der Auferstehungstag, ich bleibe liegen." (Heiterkeit:) Diese Stelle hat die Zensur gestrichen. In dem Dreyer'schen Stück „Die Großmama" sagt ein Dienstmädchen: „Ich bin kein gewöhnliches Dienstmädchen, ich bin eine geprüfte Jungfer"; diese Stelle strich der Zensor. (Große Heiterkeit.) Mir wird von einem Herrn am Bundesratstisch zugeflüstert, daß das ganz richtig sei, solche Schweinereien Dürfe man nicht durch geh en lassen. (Große Heiterkeit im ganzen Hause.) Wo ist da etwas von Schweinerei? An diesem Beispiel sehen Sie, wie man in den Amtsstellen geneigt ist, das Zensoramt aufzufassen. (Lebhafte Zustimmung.) In demselben Stück treten ein Baron Joachim und sein Diener Friedrich auf. Beide sind sehr korpulent. Der Baron sagt zum Diener: „Kommt es Dir nicht niederschme^ ternd zum Bewußtsein, daß Dein Wanst eine soziale Unverschämtheit ist?" Der Zensor begriff nicht, was das heißen solle und strich das Wort „sozial". (Stürmische Heiterkeit links.) Der Baron fährt fort: „Mein Bauch ist ein Grundstein der Verfassung ein Kulturfaktor, Deiner aber ist revolutionär! Begreifst Du das?" Friedrich: „Nein, Herr Baron!" Joachim: „Dummes Luder!" Das kam dem Zenso» so ordnungswidrig vor, daß die ganze Stelle gestrichen wurde. In Berlin ist ein in den Kanal gefallener und unversehens als Regierungsrat wieder aufgetauchter Landrat Namens Dumrath zum Zensor gemacht worden. (Große Heiterkeit links.) Der Herr sollte sich das Wort TreitschkeH über die Zensoren ansehen: „Das Amt des Zensors war zu allen Zeiten so gehässig, daß die Zensoren fast immer als schlechte Menschen betrachtet wurden. (Große Heiterkeit.) Ein schlechter Mensch ist Herr Dumrath nicht, er scheint ganz gutmütig zu sein, aber er fühlt sich unsicher und soll sich einen großen literarischen Beirat gewählt haben. Wer ist denn das? Sollte es wirklich Herr Laufs sein? (Große Heiterkeit links.) Im September v. I. sind 16 Stücke be-- anstandet worden. Ein Verbot war besonders bedenklich/ das Verbot von Tolstois „Macht der Finsternis"; es ist verboten worden, weil sein Gesamtinhalt zu „Ord- nungs- und sittenpolizeilichen Bedenken Anlaß gegeben hat". (Größe Heiterkeit, links.) Später ist das Verbot wieder aufgehoben worden. Herr v. Rheinbaben hat den Fehlgriff zugegeben; derartige Fehlgriffe blamieren unsere Theater- "zensur vor der ganzen Welt (Lebhafte Zustimmung links.) Nach dem einleitende» Be. Gerichtssaal Oberlehrer Johanne- Fäth in Offenbach a. M. per- Bei Frauen leiden wird als Nähr» und Kräftigungsmittel richt und Vortiag des Vorsitzenden, der insbesondere auch d>e an den Konitzer Mord sich anknüpfende Agitation beleuchtete, sprach auf besonderes Ersuchen Prof. D. Strack über den „Ritualmord". Demnächst beleuchtete Prediger Schmeidler vom Standpunkt des Christen die antisemitische Agitation und forderte die Versammlung auf, in dem Kampfe gegen diese unchristliche Bewegung auszuharren. Abq. Geh. SanitStsrat Dr. En bemann aus Kasiel berichtete über den dern vorgekommen. Mainz, 30. Jan. DaS Justizministerium hat den hiesigen Rechtsanwalt en, die bis zum Ablauf des französischen Rechtes auch beim Darmstädter Oberlandesgericht zugelafsen waren, auf Lebenszeit dir Befugnis erteilt, weiterhin am Oberlandesgericht plaidieren zu können, da das französische Minister zur Zurücknahme dieser Berufung zu bewegen, sind danach als gescheitert anzusehen. — Da es den an der Pariser Universität tamcb trikulierten Studentinnen nicht gelungen ist, in der allgemeinen Studentenvereinigung Zugang zu finden, haben sie nunmehr einen eigenen Verein gegründet. Bemerkenswert ist, daß sie in den Statuten das Hazard-Spiel in den Klubräumen verbieten. — Der Direktor der Tierarzneischule in wohnenden Rothschilds ein gewisses Vorurteil vorhanden. Wir fmo aber der Ansicht, daß wenn es rin Mann wie Krupp in Esten aus- halten kann, bloß weil seine Thätigkeit dort ruhmreich ist, auch ein von hervorragender besonderer Wirkung Sanatogen empfohlen. Bon Professoren u. Aerzten glävzend begutachtet. Erhalt!, in Apoth. u. Drogerien. Atteste gratis u. franco. Bauer & Cie„ Berlin 3.0.1k Bern, Henry Berdez, ist, 53 Jahre alt, gestorben. Der Dekan der juristischen Fakultät der Universität Königsberg hatte den Reichskanzler davon in Kenntnis gesetzt, daß er am 18. Jan. aus Anlaß der Krönungsfeier zum Doktor beider Rechte ehrenhalber promoviert worden sei. Den an diese Benachrichtigung geknüpften lateinischen Glückwunsch des ProfefforS Schirmer hat der Reichskanzler in folgenden Worten beantwortet: wInsignem ob honorem quo illnstrissimns me ordo juriaconsul- torum Regiomontanus dignum judicavit, non mediocri laetitia elatua, Rückgang deS Antisemitismus in seiner hessischen Heimat. Die Versammlung nahm einen durchweg harmonischen Verlauf. Recht auch in Zukunft noch seine Wirkung ausübt. Anwälte, die sich erst nach der Einführung des Bürgerlichen Gesetz Ungarn) mindestens die Beibehaltung der bisherigen Zölle zu bewirken. Eine Ermäßigung der deutschen Zölle sei für Erlenholz, Wein zur Kognakbereitung, Garn usw. zu erstreben. oro rogoque, ut apnd doctiasimos illos excellentiaaimoeque viroa grati mei animi testis aia ac interprea! Cornea Bernardas de Buelow, Cancellariua imperii, Juris ntriusque doctor Regiomontanus.“ In der deutschen U^bersetzung: „Mit nicht geringer Frönde erfüllt über die hervorragende Ehrung, deren mich die illustre Königsberger juristische Fakultät für würdig erachtet. ersuch« ich Sie, jenen gelehrten und ausgezeichneten Männern meine dankbaren Gefühle zu bezeugen und zu vermitteln. Graf Bernhard von Bülow, Reichskanzler,' Königsberger Doktor beider Rechte." Wt-N, 80. Jan. Bei der Universität fanden heute vormittag lärmende Studenten-Demonstratronen geg^n den Profeffor der Anatomie Hosrat Toldt statt angebluh wegen dessen zu großer Strenge bei den letzten Prüsunaen. Kriefkasten der Redaktion. R. Der Ftchtenbeuger (griech. Pitokamptea), den TheseuS der griechischer, Sage nach erschlug, hieß Sints. Politische Tagesschau. Kürzlich fand imArchitektenhause zu Berlin unter dem Vorsitz von Abg. Rickert und Archivar Dr. Georg Winter eine Sitzung des erweiterten Vorstandes des Vereins zur Ablassen seines luftigen Standortes bewegen. Erst das energische 3unaeB ke*te i”n I SäS H. Harbach, 30. Jan. Hier und in dem benachbarten Ettingshausen sind in der letzten Zeit einige heftige DiphteritiS-Erkrankungen unter Den jüngeren Kin der wichtigsten deutschen Plätze auS die maßgebende Rolle seines Haufe» am deutschen Markte aufrecht zu erhalten und fortzusitzen. LroUteu cotrkttch bei jener Weigerung Luxus und Vergnügungsfragen mtt- spteten, so tECte dies kaum Ernst zu nehmen. Unsere vaterlanbtfche Presse hat sich mit dieser Sache noch lange nicht energisch genug be» schäfttgt. Man bat dies leider lange genug unterlassen, als eS noch Zett war, den bisherigen Inhaber selbst zu einer nützlichen Verfügung zu bestimmen, anstatt einfach sich um die Zukunft gar nicht zu kümmern. Vremer Tabaikmarkt. Während der letzten 14 Tage gingen von vorjährigem St. Felix-Brasiltabak weitere ca 5000 Pack M Ser» senders Hände über. Für diese Sorte zeigt sich anhaltend beffere Frage, da die außergewöhnlich späte Eröffnung des Geschäfts in neuer Ware jetzt von allen Seilen bestätigt wird. Vor Anfang AprU werden row V1V ______n_____7... _^kaum größere Abladungen zu erwarten haben. Havanatabak, namentlich buches hier niedergelassen haben, sind von der Begünstigung Einlagen, blieben lebhaft gefragt. Es sind wieder verschiedene größere Posten, teils loko. teils auf Lieferung zum Abschluß gelangt. Dre Zu- aurgefchloffen. fuhren von Carmentabak bleiben andauernd klein. An den Markt gestellte Hauau, 30. Jan. In der letzten Plenarsitzung der Iboo Kolli fanden zu vollen Preisen schlank Käufer. 847 Pack Javahiesigen Handelskammer wurde ein Teil des demnächst und 109 Pack Sumatratabak wurden in Einschreibung begeben und erscheinenden Jahresberichts der Kammer zur Verlesung ge gut bezahlt. Die beffere Meinung für Paraguaytabak führt- brach.. Die Kammer betont darin, daß van allen Seiten £ 260 P»?°°n ’^'urico ”'"70 V -«lauft, des Handelskammerbezirks bte Notwendlgkert der Fort Lager in erster Hand: Havana SöOO Ser., Yara und Kuba 300 6er., führung der bisherigen Handelsvertragspolitik Columbia 2600 Kolli, Brasil 27 000 Pack, Mexiko 1400 Pack Portoric» anerkannt worden ist. In den Vertragsverhandlungen sei 12OO Pack, Rio Grande SOO Pack, Paraguay 17OO Pack, Reu'Guine» namentlich auch die Herabsetzung der Zölle des Auslandes b4O Pack, Varmas 1000 M$ad- 1er. Silberwaren-JnduMe (Amerika) und sch^ittsprris"p?o Halfer &r Mk., W°ißer Weizen der Schuhstoff Industrie (Oesterr.-Ungarn, Rußland, Amerika), 100.00 Mk., Korn lo.so Mk., Gerste 8.60 Mk., Hafer, 6.30 Mk., Erbse» für andere Waren (Goldwaren zum Export nach Oesterr.- 00.00 M., Kartoffeln 00.00 Mk. Schneeball Bombardement konnten „Kapchen" Nicht zum Ber 1 - ~ -------- • — - ** * *• —*■— finh Kunst-Ausstellung. auaatellang im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 5 Uhr nachmittags, an Bonn- und Feiertagen von 11 bis 3 um ununterbrochen. Eintritt für Niohtmitglieder an Werktagen ig. an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. die Ouvertüre zur Rossinischen „Diebischen Elster". Der Zensor hat von der ganzen Geschichte nichts gemerkt. (Stürmische Heiterkeit; Zuruf des Geheimrats Werner.) Vizepräsident Büsing: Ich ersuche die Vertreter der verbündeten Negierungen, den Redner nicht zu unterbrechen. (Lebhaftes. Bravo linls.) Abg.' Dr. Müller- Meiningen (fortfahrend): Eine Tiroler Sängerin schloß ihre Schnadahüpfl mit dem bekannten Jodler ab. Die Polizei merkte, daß die Sängerin etwas vortrug, das der Zensur nicht vorgelegt war und rie Sängerin wurde ersucht, künftighin auch das weitere, was sie vortrug, also den Jodler, der Zensur zu unterbreiten. (Stürmische Heiterkeit links.) Gegenüber der harmlosen heiteren Muse, wie sie der Humorist Reut ter im Wintergarten vortrug, schritt der Vertreter der Berliner Zensur ein; Reutter wurde zum Vorwurf gemacht, daß er bei den Worten einer Parodie auf die Glocke „Von der? Stirne heiß rinnen muß der Schweiß" — es bezog sich der Text auf Beamte — verdächtig geschmunzelt habe. (Große Deiterkeit.) Dabei äußerte der Zensor, er werde schon Zug in die Kolonne bringen. Der richtige preußische Polizeizargon! (Sehr guü! links.) Bei den Tingeltangeln kommt es mehr auf Ort und Zeit, Mienenspiel u. s. w. an, als in den Theatern, da kann die Polizei nur repressiv vorgehen, aber nicht mit dem Mißbrauch der Zensur. Hier hilft nur Aufhebung der Zensur. Wenn die Ptzlizei sich in diese Dinge einmischt, kommt nie etwas heraus. (Sehr richtig! links.) Es kann nur anders werden, wenn die Zensur beseitigt wird. Ohne Freiheit kann das Volk der Dichter und Denker auf die Dauer nicht bestehen! (Beifall links.) Abg. Stockmann (Rp.): Ich muß dem Reichstag das Recht bestreiten, sich über diese Sache überhaupt zu unterhalten. (Lebhafter Widerspruch links.) Der Vorredner hat das Verbot der „Maria Stuart" in Dortmund erwähnt und gesagt, das Verbot sei erfolgt, weil das Stück nicht ernst genug fei. In Wirklichkeit ist das Verbot erfolgt, weil das Stück an einem Tage aufgeführt werden sollte, an dem Theateraufführ ungen überhaupt verboten waren. Wenn der Vorredner sich in diesem Punkte geirrt hat, so bestehen berechtigte Bedenken, daß er sich auch in den übrigen Punkten geirrt hat. (Zustimmung rechts.) Auch eine Reihe von Anekdoten hat der Vorredner erzählt, bei denen ich mich gefragt habe, was die Kunst verloren hätte, wenn diese gestrichen worden wären. (Unruhe und Zustimmung rechts.) Die Linke, die im vorigen Jahre die Lex Heinze abgelehnt hat, will jetzt versuchen, die letzte Schranke gegen die Verbreitung von Unsittlichkeiten auf der Bühne niederzureißen. (Lebhafter Widerspruch links.) Ich erkenne an, daß bei der Zensur große Mängel vorkommen mögen. (Hört, hört! links.)- Der Goethebund hat bei seinem Freudenfest über die Be- feitigung der Lex Heinze den christlichen Ernst vermissen lassen: Goethe würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, was unter seinem Namen alles geschieht. (Gelächter links: Unruhe.) Nur das, was sich ziemt, soll auf dem Theater eine Stätte haben; deshalb wollen wir die Zensur aufrecht erhalten. Hierauf wird die weitere Erörterung vertagt. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr (Etat). D 3«1. < "hnuligs. ,Schluß« "wn. Seine Ss- ASr Mn. ein ®raf H. IM nut. H um uhqp e t;, Braucht / hmen und r des Reiches mgen im all- S°z.) T« be, (Denn die Platz ium J vorhanden nden. (Sehr ™ V'Mien n des preußi- 1 der die un- 5 Skandal be- " So;.) Die elend nur ab vürde. (Sehr Mte ist über- Naterial nicht lästig einzu- n.) Rur durch ) kommunales fib burcf) eine könne abge- itz einer Kvm- gsenquete Meisen ange- »es Reichskanz- erung zugicbt, )hnungswesens i können. Lon rader dringend ringen, bindet Ich bitte Sie, innigen Volks- Hebung der .) setzt zunächst t Reichskanzler g, auf der in rjprud) mit der jafy, daß bit terzensur enh leich nM de- adesfiaaten fei :zenfur, Mnchr ig, von Reichs csem WiMvarr, i Gründen, Ivie jetzt endlich eine Fluß getommer r Polizei-Prast' nng im Trama i und in diesem !t wurde. Mag r philosophisch-, en, aber lassen in Ruhe- (Zu- e Reihe Fenfur- t ein Trunkener soll: „llnd mnn liegen." (Heiter chen. E i Dienstmädchen, ich bm eine SSÄ , Schweinereien e Heiterkeit m itveinere^ en «SfieM hgs Ä-s nfiet ist re- unver- Im Landrat W* (Kroße d-sZÄi<- d)« ffiet [t h«6?, rf .ff Wf i’Vl b-d-"Ä k'LÄ 6«* Meratur, Wissenschaft und Kunst. °K iJtfiTht nnh JTrttth I — Sensationelle Mitteilungen über die «eireSer» Strahle« UHV ! enthält die Wochenschrift ^Kirchhoffs Technische Blätter". Im Jahre 1895 Gießeu, 31. Januar 1901. I entdeckte der französische Chemiker Becquerel von dem Element Uran aus- || I gehende Strahlen, die eine ähnliche Wirkung haben rote die Röntgen- GedenKet der DUDSerDden VOSvl ! strahlen und na# ihrem Entdecker Becquerel-Strahlen genannt ift n1,P hf« nnh 7 P-wember werden. Aber während die Entdeckung Röntgens in der ganzen cunlu Der Anwaltstag ist auf den b. und t. >septem0er i.^„ Welt berechtigtes Aufsehen erregte und u. a. eine vollständige nach Danzrg berufen. Er wird sich auch M'.t der jüngst Revolution in der medizinischen Diagnostik herbeisührte, fristeten die von der hessischen Auwaltskammer erörterten Frage der Becquerel-Strahlen bisher ihr bescheidenes Dasein in den physikalischen itreizüninf eit der R e ckt s an W alts ck alt beschäftigen. Laboratorien. Daran änderte auch die spätere Behauptung deLfranzü- Fretzuglgrerr ^echlsanwail, ^asi ftf(^en Sot^er8 Demaryay nichts, daß die Becquerel-Strahlen Nicht von Turnverein Gießen. Seit einer Reche von Jahren Uran ^lbst, sondern von einem neuen Element herrühren. — Die neuesten hat der hiesige Turnverein, gegr. 184b, me Abhaltung eines eingehenden Versuche im phowchemischen Laboratorium der Berliner tech» Maskenballes in das Programm seiner Vergnügungen ! Nischen Hochschule haben aber nicht nur die Behauptung Demaryays be- aufgenommen hauptsächlich, um den Wünschen seiner aktiven stätigt, daß man es in dem, bisher radio-aktive Substanz- benanntm uu 1Hc11uu11«cu yuUpMUU,11UUI U<. I iw ' Kürper, mit einem neuen Element zu thun hat, sondern ergaben außer- Turner zu entsprechen. So hat sich diese Festllchkett eine. Dem bie |ntere«ante Thatsache, daß die die neuen Strahlen auvsendende alljährlich steigernden Besuchs zu erfreuen gehabt, und wohl Substanz fast alle durchsichtigen Körper im Dunkeln mehr oder auch bei dem diesjährigen wird solches zu erwarten sein, weniger stark zum Leuchten bringt. Dadurch ist es z. B. mit Hilfe Der Ball findet am nächsten Samstag, abends 8 Uhr in der der neuen Strahlen "dglich im^ Dunkeln.°men Demanten Turnhalle statt, und allgemein rüstet marf stch, ihm einen ^un thm ein neues Unlersuchungsmittel schönen Verlauf zu sichern. Ist doch beabsichtigt, den vor- DOn großer praktischer Bedeutung gefunden ist. Durch die Versuche tm gesehenen Aufführungen die Idee eines ächten Karneval-1 Berliner photochemischen Laboratorium ist es aber gleichzeitig zum ersten- abends zu Grunde zu legen, und in Verbindung mit einigen mal gelungen, größere Mengen des neuen U°b-rr°schung-n den Besuchern recht vergnügte Stunden ^^9 b'V stra^0^Ä bereiten. für Elekrizität leistungsfähig machen, daß man in diese Eigenschaft der Ein Kleinbahu Zdyll. Infolge des Schneesturms blieb Becquerel-Slrahlen die größten Hoffnungen für die praktische Vervoll- am Mittwoch nackmittaa die Biebertbalbabn auf der kommnung der drahtlosen Telegraphie setzt. Es werden bereits Versuche S Vn, ÖP f I A Zn nll nn ™ elektrotechnischen Laboratorium der technischen Hochschule m Berlin an- Fahrt Plötzlich stecken. Eine Zeit lang waren alle guteil I roicd über das bisheriae Resultat dieser Untersuchungen noch Zureden vergebens, die Lokomotive zog nicht an. Eme froh' strengstes Stillschweiflen bewahrt. Wie wir erfahren, soll in allernächster liche Studentenkorporation zog vorbei, und mit Feldherrn Zeit von berufener Seite über die neue Entdeckung vor dem Kaiser ein blick überschaute sie die Lage sofort. Auf das Kommando j Vorttag gehalten werden. des Chargierten halfen die Musensöhne kräftig drücken und — das Züglein fuhr ein Paar Schritt weiter. Endlich Handel und Uerkehr. Uolkswirtschüft. Ü" °uch mit m-hr-r°n Unterbrechungen. °n dem « Mutu. »au« «-.hschtt». « Bestimmungsort an. I f0 ohne Weiteres ein Nachfolger für den verstorbenen Eh cf des -k Eine lustige Jagd auf einen entkommenen Papagei WelthaufeS nicht zu finden fein dürste. Denn erstens spielte sich gestern mittag in der Alicestraße zum Gaudium I würde, nachd m Baron Willy bei Lebzeiten keinen feiner Verwandten - ' - - --- u - - ' - ' ' in sein Geschäft einführte, die Unerfahrenheit der betreffenden Perföiv Der strengste Zensor, den man sich denken kann, der russische wehr des Antisemitismus stat'. Theaterzensor hat das Stück erlaubt. (Hört, hört! links.) **-k ”•*** Wenn em deutscher Dichter in so tragischer und erschütt^n- । her Weise Dummheit und Aberglauben in der deutschen Bevölkerung schilderte, wie es Tolstoi sür Rußland lhal, so fürchte ich, würde das Stück in Deutschland nicht erlaubt sein. (Sehr richtig! links.) Die russische Theaterzensur steht also bereits über der preußischen. Die „Macht der Finsternis" ist schon vor Jahren von den freien Volksbühnen ausgeführt worden. Sie ist von den Theatern in Stuttgart und München gegeben worden, und obwohl der Minister den Fehlgriff konstatiert hat, ist das Stück noch heute in Kiel und Leipzig verboten. (Hört, hört!) Tie stücke „^.er Ausflug ins Sittliche" und „Der Außenseiter" wurden verboten, weil das Publikum als zu dumm hmgestellt ivird, um die gute Meinung und Absicht des. Verfassers er= kennen. Die Urteile des Oberverwaltungsgerichts gegen diese Verbote haben noch fast durchweg Remedur geschaffen. Vor dem Bezirksausschuß hat der Zensor erklärt, das Stuck , Der Ausflug ins Sittliche" lasse die Landwirtschaft in einem lächerlichen Lichte erscheinen; es verschärfe den Gegensatz zwischen Stadt und Land, und das dürfe angesichts' der Handelsverträge nicht stattfinden. (Schallende Heiterkeit links. - Das Stück ist in vielen Städten, sogar in Dresden (Heiterkeit), gegeben worden. Unglaublich sind die Zensurleistungen gegenüber dem jetzt endlich freigegebenen Björnsonschen Stück „Heber unsere Kraft". Es ist eins der besten Stücke, welche die Neuzeit hervorgebracht hat. Wie in dem „Rosenmontag" der Blaustift gewütet hat, ist skandalös. Der Leutnant Hans sagt zu fernem Schwiegervater: „Je mehr Luxus und Wohlleben um sich greift, um so ernster tritt an den Osfizierstand ine Pflicht heran, nie zu vergessen, daß es auch nicht materielle Güter sind, die ihm die hohe Ehrenstellung im Staate und in der Gesellschaft geschaffen haben." Diese Stelle ist übernommen aus dem Erlaß Kaiser Wilhelms L, und der Zensor hat sie vollkommen gestrichen. (Hört, hört! Heiterkeit.) Ich glaube daß ihm unter Benutzung des dolus eventualis hier eine Majestätsbeleidigung nachgewiesen werden könnte. (Große Heiterkeit.) Die Theaterdirektoren sind von solcher Angst erfüllt, daß sie die Akten nicht mehr hergeben oder cinsehen lassen mögen aus Furcht vor Repressalien der Polizei, (hört, hört! und Heiterkeit.) In Dortmund wurde „Maria Stuart" am Totensonntag verboten, weil das Stück nicht ernst genug sei. (Große Heiterkeit.) Was soll mit den „Räubern", mit „Kabale und Liebe", mit der „Walküre" geschehen? Wenn diese Stücke anstößig sind, was soll dann werden? (Zuruf links: Laufs!) Die Zensur verbot am Totensonntag die Matinee des königlichen Opernchors, wo ein Stück aus dem H ä n d e l s ch c n „M e s s i a s" und die Schlußszene des ersten Aktes von „Parsifal" oorgetragen werden sollte. In Sagan wurde am ersten Weihnachtsfeiertag von der Polizei die Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie" von Suppee verboten; die Kapelle erklärte sich bereit, die Ouvertüre zu „Egmont" an die Stelle zu setzen, es wurden aber die Noten nicht gefunden und man spielte Mainz, 29. Jan. Die Obsthändlerin Anna Klein hatte einen «■if ♦ . । Konkurrenten, der auf dem Martte neben ihr seinen Obststand hat, ange- ÄNlVer ttatS-NackrlMieN. Leigt, er habe Sonntags zu verbotener Zeit Obst verkauft. Der Mami f & J J I wurde, da er feine Schuldlosigkeit nachwerfen konnte, vom Schöffengericht Gelegenllich der in diesem Jahre in Hamburg tagenden 73. Ver-1 stetgesprochen. Die Denunziantin aber wurde von der Strafkammer sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wird im physi- wegen falscher Anschuldigung zu sechs Wochen Gefängnis und in sämtliche kalischen Staatslaboratorium eine das ganze Röntgenfach umfassende, vom Kosten verurteilt. 22. bis 29. September dauernde Ausstellung stattfinden. — Professor l Güstrow, 29. Jan. Die Strafkammer verurtellte den Guts- Dr. Baumgartner, zurzeit an der Univerfität Freiburg i. B-, ist vomlbesitzer Glanz aus Groß-Kelle, der am 14. Oktober v. I. auf dem An- Kultusminister an die Breslauer Universität als Nachfolger des nach stand feinen jüngeren Bruder erschoß, den er für ein Stück Wild hielt, Bonn versetzten Prof. Dr. Baumker mit der Verpflichtung berufen worden, s wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis. in Verbindung mit den anderen Fachprofefforen die philosophischen Fächer I in Sotlefungen und Hebungen zu vertreten, und seine hiesige Lehrthätigkeit Ültrtfhrtrhton mit Beginn des Sommersemesters 1901 zu beginnen. Pros. Dr. Baum gärtner ist Vertreter ber Philosophie vom katholischen Standpunkte und I ,, », an , o , .. . ~. . katholischer Theologe. Die Bemühungen aus akademischen nnb anderen 6?U6let$u5t^ Kreisen, denen die Freiheit der Wiffenschaft am Herzen liegt, den Kultus- — Dorothea Welgand Ww. geb. Luther in Nroder-Florstadt. 3°swh Minister zur Zurücknahme dieser Berufuna tu beroeaen. sind danach als Nathan tn Büdesheim (Rheinh.). Adam Bruder in Offenbach a. M- Heinrich Hochreuther Gießen, Südanlage 5 Hcuerakagentur der Arankfurter Hravsport-, Anfall- «ad Htas- Aerficherungs-Mtien-Hefellfchaft empfiehlt fich zum Abschluß von: 2 Wall-, Haftpflicht-, Transport-, Glas-, Linbrnchdiebliahl-, Pferde- und Wagen-verÜchernngeu. Gothaer Lebensversicherungsbank. Berficherungsbestand am 1. Dezember 1900 788«/< Millionen Mark. Dividend/ im Jahre 1900: 30 bis 138 Prozent der JahreS-Rormal- Prämie — y noch dem Alter der Versicherung. Kertleter: Heinrich Hochreuther 11 Südanlage 5. Nutz- und Kautzch-Nerjtetzeruns im Hungener Stadtwald. Montag den 4. Februar, vormittags 10 Uhr beginnend, sollen im Hungener Stadtwald, Dtstrikt Oatgeuwald, Kocksöerg, Kuvöach und Keröor« ver. steigert werden: 10 Eichmstämme (Schnittholz) von 40—49 cm Durchm., 3—9 m Lä-rge — 7,48 fm, 15 Ktefernstämme (Schnittholz) von 32-40 cm Durchm., 6—12m Län. e = 13,33 fm, 164 Fichtenstämme (SchnM- und Bauholz) vo.i 14 bis 40 cm Durchm., 6—25 m Länge — 71 fm, 480 Fichten Derbftangen von 7—12 cm Durchm., 6 bis 18 m Länge — 42 fm, 268 rm Reisstangen (in Schichten), eignen sich zu Wagner« holz und Bohnenstangen. Anfang am Waldeingang, Straße Hungen-Nonnenroth. Hungen, den 30. Januar 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Buttron. 998 Holz-Versteigerung in der Iürstlichen Höerförsterei Lich. Cs sollen versteigert werden: Montag den 4. Februar, von vormittags 9V, Ubr an, im Distrikt Höler. Buchen: 200 rm Scheiter, 90 rm Knüppel, 120 rm Stöcke, 42OO Wellen; E chen: 14 rrn Scheiter, 70 rm Knüppel, 100 rm Stöcke, 2200 Wellen; Nadelholz: 9 rm Knüppel, 23 rm Stöcke, 1000 Astwellen (meistens Kiefern), 2000 Forstwellen (Fichten); 2240 Fichtenstangen von 4 bis 12 cm Mittendurchmesier und b bis 11 m Länge, zu Umzäunungen, Baumpfählen, Wagnerstangen u. s. w., = 47 fm, und einige zwischenliegende Fichtenstämme, zusammen etwa 1 fm haltend. Die Zusammenkunft ist auf der sogen. Hauptschneise, beim sogen. Prinzenstück, am Wildzaunthor. Dienstag den 5. Februar, von vormittags 9*/e Uhr an, im Dtstrikt Meilbach Buchen: 400 rm Sckeiter, 120 rm Knüppel, 170 rm Stöcke, 4200 Astwellen, 4000 Forstwellen; Eichen: 10 rm Scheiter, 40 rm Knüppel, 50 rm Stöcke, 600 Astwellen; Weichholz: 4 rm Knüppel, 150 Astwellen, 2000 Forstwellen; Nadelholz: 2 rm Knüppel, 16 rm Stöcke, 500 Wellen; ca. 50 Festmeter Fichtenstangenholz von 4 bis 12 cm Mltten- durchmefser und 4 bis 16 m Länge. Die Zusammenkunft ist auf dem Weg Burkhardsfelden—Nieder- Bessingen, östlich der Kretöstraße Lich—Hattenrod, nahe dem Zaunthor. Lich, den 23. Januar 1901. 844 Dr. Dieffenbach, Oeffentlicher Vortrag. Alm Areitag dem 1. Februar, abends 81/» Uhr, findet im Saale des Restaurants Lonh'ö vierkeller, Schanzenstraße, ein religiöser Vortrag ^ott- Thema t Die bevorstehende große Trübsal. Eintritt frei. — Jedermann ist herzlich eingeladen. 992 Friedrich Hütz. StkNWrtlphkv-Gkskllsihllst Gübelstlerser. Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Interessenten, daß wir am Dienstag dem 5. Februar er., abends 8V, Uhr, in unserem Vereinslokal, Restauration Feidel (Bavaria), einen 92t Unterrichts-Kursus in der deutschenEiuheits'StenograPhie (System Gabels- berget) eröffnen. Das Unterrichtshonorar beträgt 6 Mk. Der Vorstand. Frische Fluß- und Seefische. 678 Telephon 119 Prompter Versandt nach auswärts. Contentia.^X115’ Die am vergangenen Sonntoq ausgefoll ne Kappen-Sitzung fi-bet Samstag den 2. Februar statt. 981 Der Vorstand. Iagdverpachtung.I Dienstag den 5. Ae° »rnar l I., nachmittags 2 Uhr, soll auf unterzeichneter Bürgermeisterei die btr m inve Daubringm zustchende Jagd, bestehend in 258,25 ha Feld, 78,89 ha Wald, auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. Daubringen, 26. Jan. 1901 Gr.BürgermriftereiDaubringen. Walter. 940 Kutscher-Herein chießen. r2%j Sonntag den 10. Februar: Großer Maskenball mit großartigen Kruppen Aufführungen im Saale des Cafv Leib. Hießener Kmniöus-Kesellschaff E. G. m. b. H. 936 Die seither von „Maggi" nnegehabten Seitenschilder un* er er zehn Omnibusse sind zu Reklam.zwecken zu verpachten. Näheres in unserem Depot. Joch nie dagewesen! Joch nie dagewefen! im AorverKanf für Herren k 1 Mk sind zu haben bei den Herren ^mirirrskarren c^rifeuten Neustadt; Nüger, Wallthorstraße; Stier, Neuen« baue; Aff, Neuenbäue: Hichp, Seliersweg; für Dame« ä 40 Pkq. bei Herrn Salomo«, Schulstraße; Geheimkarten (grltig bis zur Demaskierung) ä 50 Pfg. — An der Abend- Kaffe: Herrenkarten ä 1 Mk., Damenkarten i 50 Pfg., Geheimkarten ä 50 Pfg. Anfang 7 Uhr 56% Minuten. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. 89t Breuuholz- Versteigerung m her Gkäfl.VhttförstereiAriishurs Mittwoch deu 6. Fe« >ruar, beginnend 10 Uhr vormittags im Kloster, werden aus den Distrikten Pfaffer.stein, . )ard 9, Hain 17, 18 und Nußgarten versteigert: 991 Scheiter rm: 217 Buchen, 44 Eichen, 10 Weichholz, Prügel m: 45 Buchen, 162 Eichen, Stöcke rm: ?51 Buchen, 116 Eichen, 30 Nadel- und Weichholz, Astreisir rm: 177 Buchen, 436 Eichen, 235 Nährt- und Weichholz, Stammreiser rm: 775 Eichen. Mobiliar- Versteigerung. Aus dem Nachlasse der versterb. Kammerdiener Fischer Witwe lasten die Erben am Montag, Dem 4. Februar 1901, um 9 Uhr vormittags beginnend, in Lich (Butzbacherstraße 3) gegen gleich bare Zahlung versteigern: 5 Bellst, mit Zubeh., 1 gut erh. Sofa mit 6 gep. Stühlen und Sestel, 2 Sofa, Tische, Stühle, 1 Kommode, 1 Pult mit Glasaufs., 1 Nähmaschine, Kleiderschränke, 2 Waschtische, Spiegel, Bilder, Vorhänge mit Zubeh., Küchen- und Gartengerätschaften, 1 gr. Garlentisck und sonst HavSaerät. 987 EmMWMN Kreppeln täglich frisch bei Friedr. Holl Hosbäcker. 88i $lfl. Speisekartoffelu (magnum bonum) empfiehlt 46 I. Weisel, Sornunstrntze 6 Opel’s KiMähr-hitU Kalkphosphathaltiges Nährmittel für knochenschwache Kinder empfiehlt Adler-Drogkrik, Skltersvkg 39 Otto Schaaf. 957 Prima 980 Engi. GWmischuhe billigst bei ph. Schlatter. Äatzltzeitzlrotzl empfiehlt billigst 679 Louis Lony, Mnhsfstr. 27. Zu verkaufen Wilhelmstrasse Zwei Herrschaftshäuser ZU verkaufen ober zu vermieten. Nähere« Markt 15. 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W.rtko; für den ; Hans Beck. - Drud und «erlag Der Brnhllchen ün.oerfi:ärS-vuch. und ©tembruderei (Pietsch Erben) in Gießen.