Mr. 255 GEes Blatt Mittwoch den 31. Oktober 15V. Jahrgang isoo Heimat-Anzeiger Akle Nnzeigen-VermitttungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Aezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestelle« vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint täglich x/ ___ mit Ausnahme des d gb M Kre ßener Anzeiger Amts- und Anzeigedlntt für den Kreis Gieren. «?ü111 '■■■ . ''■■■..... Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstrasie Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Maul« und Klauenseuche. In Allendorf (Lahn) ist in zwei Gehöften die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Gehöstsperre an- ^cordnet worden. Gießen, den 30. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Boeckmann. Bekanntmachung. Bei der Stallschau des Zuchtvereins Homberg am 26. d. MtS. sind folgende Preise verteilt worden: Rindvieh. Gruppe I über 10 Stück. I. Preis 30 Mk. Konrad Schneider Guntershausen, II. Preis 20 Mk. Wilhelm Hißerich I Homburg a. O. Gruppe II 5 bis 9 Stück. II. Preis 20 Mk. Karl Schildwächter Homberg a. O., II. Preis 20 Mk. Ludwig Schepp Homberg a. O., Anerkennung 5 Mk. Hch. Pfeil Homberg a. O. Zuchtschweirre. Gruppe II von 1 bis 2 Stück. I. Preis 20 Mk. Johs. Löber Homberg a. O., III. Preis 10 Mk. Friedrich Fischer Homberg a. O., III. Preis 10 Mk. Wilhelm Schepp Homberg a. O., HI. Preis 10 Mk. Konrad Fischer Homberg a. O., III. Preis 10 Mk. Balthasar Zecher Homberg a. O., III. Preis 10 Mk. Louis Zecher Homberg a. O., Anerkennung 5 Mk. Wilhelm Seitz Homberg a. O. Anerkennung 5 Mk. Georg Michel Hißerich Homberg a. O., Anerkennung 5 Mk. Louis Frese Homberg a. O., Anerkennung 5 Mk. Philipp Pfalzgraf Homberg a. O. Summa 185 Mk. Gießen, den 29. Oktober 1900. Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann. Bekanntmachung, Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird der Riegelpfad- und zwar a) die Teilstrecke vom Eisenbahn-Uebergang bei der Zentralwerkstätte bis zur Ebelstraße für die Zeit vom 30. Oktober bis einschließlich 1. November, b) die Teilstrecke Ebelstraße—Ludwigstraße für die Zeit vom 1. bis einschließlich 4. November l. I. für Fuhrwerke, Radfahrer und Reiter gesperrt. Gießen, 29. Oktober 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Des neuen Kanzlers erste Spuren. Mit lebhafter Spannung verfolgt die gesamte Oeffent- lichkeit die ersten Kundgebungen des neuen Kanzlers, um Schlüsse zu ziehen auf die Zukunft. Ist doch Graf Bülow «>a?L ?(l$erne*ner Auffassung in der Frage der inneren « /in unbeschriebenes Blatt, und Hoffnungen und «esurcytungen wirbeln bunt durcheinander. Ist doch auch! seine Auffassung der während der nächsten Jahre so stark sich! in oen -Vordergrund drängenden handelspolitischen Probleme noch ineinen dichten Schleier gehüllt. Daß Graf Bulow unmittelbar nach Eröffnung des Reichstaas ein allgemeines Progranim aufstellen wird, ist anzunehmen; aber schwerlich wird er sich von vornherein die Hände binden und genau fixierte Zollsätze als da^ A und das O seines Glaubensbekenntnisses verkünden- ein vorsichtiger Staatsmann weiß, daß er nicht allein die Zukunft zu gestalten vermag, es sei denn, daß er den Mut und die Kraft in sich fühlt, steten Konflikten zu trotzen. Und Graf Bülow fühlt hierzu weder Beruf noch Anlage. Er mag Klugheit und auch eine gewisse Zähigkeit, ehrliche Absichten und diplomatischen Blick besitzen, aber zu jenen Charakteren, die eher brechen, als sich biegen wollen, gehört er u. E. nicht. Und so liegt denn ein gewisser melodramischer Reiz darin, daß die erste Aeußerung des Grafen Bülow überdies handelspolitische Problem zu uns auf dem von schlichtem Familiensinn und häuslichem Wesen zeugenden Umwege über die Schwiegermama zu uns gelangt ist. Aus den kurzen Mitteilungen, die aus Italien, der Heimat der Lebensgefährtin des neuen Kanzlers, zu uns gelangt sind, läßt sich! zwar nicht erkennen, ob die ehrwürdige Dame aus eigener Initiative ihren Schwiegersohn über seine Pläne interviewt hat, ob sie von befreundeten Interessenten angeregt wurde, oder ob Faustens Wissensdrang in ihr lebendig war, oder ob nicht vielleicht der Kanzler von sich aus das Bedürfnis fühlte, sein Herz der Schwiegermutter auszuschütten. Es ist ja nicht mehr neu, daß Damen in der Politik eine gewisse Rolle spielen, schon Ruma Pompilius ist zu Egeria zu verschwiegener Aussprache gewandelt. Die Königin von Dänemark hat lange genug Europas Schwiegermutter geheißen. „Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt", heißt es in Goethes Iphigenie. Und jso erfahren wir denn, daß Graf Bülow seiner Schwiegermama geschrieben hat, er hege zwar für Italien die besten Gefühle, allein trotzdem werde er gezwungen sein, die Interessen der über allzustarken Lebensmittelimport klagenden deutschen Landwirtschaft in Rechnung zu ziehen. Das ist eine Aussicht, deren Worte zu nichts verpflichten. Denn der eine kann diese Interessen schon gewahrt glauben durch einen Schutzzoll von einem Thaler, während der andere sich nach einem Zehnmarkstück sehnt. Und selbstverständlich ist es auch, daß ein deutscher Kanzler njicht den 'Vorteil Italiens, sondern den Nutzen des Reiches im Auge hat. Immerhin bleibt als erfreulicher Rest die Thatsache bestehen, daß der neue Kanzler durch die Innigkeit seiner Beziehungen zur Frau Minghetti, die s. Z. schon von dem alten Nibelungensänger Wilhelm Jordan in seiner derben ostpreußischen Art energisch widerlegte Legende von der allgemeinen Abneigung gegen das Institut der Schwiegermütter so offen Lügen straft. Aber wenn diese Korrespondenz mit der wissensdurstigen Signora mehr dem Frohsinn Nahrung bietet, so hat doch Graf Bülow auch andere und ernstere Wege gefunden, um seine Ideenwelt in allgemeinen Umrissen darzulegen. So hat er in der'ersten Sitzung des Bundesrates, die unter seinem Vorsitz stattfand, es als eine seiner vornehmsten Aufgaben bezeichnet, das gute Einvernehmen unter den Regierungen unver- m i n d e r t zu erhalten. Wir wissen alle, daß man namentlich in Bayern und in Lippe zuweilen mit bitterem Empfinden den Lauf der Dinge verfolgt hat, von dem lächerlichen Reuß ä. L. ganz zu schweigen. Noch' die Geschichte der Militärstrafreform und der Flottenvorlage sicherte nicht allgemein die Ueberzeugung, daß das Verhältnis der Vormacht zu den Einzelstaaten in der rechten Art behandelt worden ist. Indem Graf Bülow, der als preußischer Minister des Auswärtigen ressortmäßig auch mit den Bundesregierungen zu verhandeln hat, gerade die hier angedeuteten Gesichtspunkte in den Vordergrund stellt, deutet er auch leise an, daß er selbst in der Vergangenheit die richtigen Grundsätze nicht als durchweg gewahrt anzuerkennen vermag. Und ebenso liegt eine leise Rüge vergangener Zustände in den Worten, mit denen er den Vorsitz in dem preußischen Staatsministerium übernahm, in der Versicherung, daß er eine einheit- l i ch e und geschlossene Regierung als eine N o t- wendigkeit und als die unerläßliche Vorbedingung für jene Stetigkeit und Zielbewußtheit in der inneren Politik ansehe, die das Land verlange und brauche. Man wird auch diesen Worten willig zustimmen können, wenn anders sie nicht blos Worte bleiben, sondern sich in die mannhafte That umsetzen. Denn an der Zerfahrenheit der Aktion, an deni Eigenwillen des Ressorts, an der Zerflossenheit des allgemeinen Programms haben wir genugsam gekrankt, und es bedurfte seiner Zeit gar nicht des bekannten Briefes, den Fürst Hohenlohe an den Prinzen Carolath richtete, es bedurfte auch nicht des Streites um die Kanalvorlage und die Disziplinierung der Beamten, um die inneren Widersprüche aller Welt klar zu machen. Frau Jlsebill wollte nirgends so, wie ihr braver Mann, der Fischer, es wollte, und Fürst Hohenlohe' und Herr von Miquel haben nie leine innige Herzensgemeinschaft geheuchelt. Wir haben stramm ^konservative und stramm liberali- I sierende Minister in engster Gemeinschaft erblickt, und zuweilen haben Staatssekretäre sich kühn hinweggesetzt über die Absichten ihres Chefs. Graf Bülow wird, wenn anders er mit seinem Programm Ernst machen will, sich kaunk hinwegsetzen können über die berühmte Kabinettsordre voni Jahre 1852, über die Fürst Bismarck gestürzt ist. Man wird eben auch hier, wie so vielfach, zur alten Liebe I zurückkehren müssen. , | Was bisher über positive Absichten des neuen Kanzlers I berichtet wird, ist vorläufig zu wenig beglaubigt, I daß sich Schlüsse anfügen ließen. Er soll entschlossen sein, I die Kan a kv o r la g e vorläufig preiszugeben, anderer- ] seits soll er geneigt sein, die Jesuiten heimzube - | r it f e tt. Wir glauben das eine nicht, und ebenso- I wenig das andere. Denn allzu energisch hat Kaiser Wil- I Helm am Dortmunder Hafen versichert, daß er und seine I Regierung „fest und unerschütterlich" entschlossen seien, I den Kanalbau durchzuführen. „Das Wort sie sollen lassen I slahn." Und die Jesuiten? Gewiß, Graf Bülow kann mit l ihrer Heimberufung das Zentrum gewinnen; aber der Preis, den er zahlen würde, indem er das allgemeine Mißtrauen des ganzen evangelischen Deutschlands erntet/ dürfte ihm denn doch zu hoch erscheinen. Politische Tagesschau. In der Zeit vom 1. April bis zum Schluß des Monat« September 1900 sind im Deutschen Reich folgende Einnahme« (einschl. der kreditierten Beträge) an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern, sowie andere Einnahmen nach dem „Zentralblatt für das Deutsche Reich" zur Anschreibung gelangt: Zölle 240591620 Mk. (gegen das Vorjahr + 9088894 Mk.), Tabaksteuer 5 349 257 Mk. (— 41131 Mk ), Zuckersteuer und Zuschlag zu derselben 59615268 Mk. (+ 11090943 Mk.), Salzsteuer 22681139 Mk. (+ 383418 Mk.), Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer 401302 Mk. (+ 586761 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 65021930 Mk. (— 1747345 Mk.), Brennsteuer 325189 Mk. (+ 164162 Mk.), Brausteuer 16637834 Mk. (+ 496 670 Mk.), Uesser- gangsabgabe von Bier 2041660 Mk. (+ 42172 Mk.), Summe 411218217 Mk. (+ 20024544 Mk.). Stempelsteuer für: a. Wertpapiere 13871 389 Mk. (+ 4249776 Mk.), b. Kauf- und sonstige An« schaffungsgeschäfte 6772112 Mk. (— 1275 262 Mk.), c. Lose zu: Privat« lotterten 2532390 Mk. (+ 131142 Mk.), Staatslotterien 7327483 Mk. (+ 712368 Mk.), d. Schiffsfrachturkunden 227509 Mk. (4- 227509 Mk.), Spielkartenstempel 658222 Mk. (+ 23375 Mk.) Wechselstempelsteuer 6 365407 Mk. (+ 517771 Mk.), Post- und Telegraphen-Verwaltung 188 269821 Mk. (+ 9778175 Mk.), Reichseisenbahn - Verwaltung 47552000 Mk. (+ 3793000 Mk.). Die zur Reichskasse gelangte Ist-Einnahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen und Verwaltungskosten, beträgt bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 221729633 Mk. (+ 7923 664 Mk.), Tabaksteuer 5063016 Mark (+ 26597 Mk.), Zuckersteuer und Zuschlag zu derselben 58679183 Mark (+ 8877602 Mk.), Salzsteuer 22679028 Mk. (+ 1182111 Mk.), Maischbottich- u. Branntweinmaterialsteuer4959142 Mk. (+ 594 896 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 55872196 Mark (— 2 351562 Mk.), Brennsteuer 325189 Mk. (+ 164162 Mk.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 15875 776 Mk. (+ 457629 Mark), Summe 384532735 Mk. (+ 16321905 Mk.) — Spielkartenstempel 723239 Mk. (+ 44 736 Mk.). Zu der in der letzten Zeit in Süddeutschland sehr lebhaft betriebenen Agitation zu Gunsten einer Erhöhung des Schutzzolles für den iuläudischeu Tabak schreibt die Handelskammer zu Lahr in ihrem soeben erschienenen Jahresbericht für 1899 anknüpfend an den günstigen Verkauf des vorjährigen Tabaks: „®ie nächste Folge des günstigen Verkaufs wird nun nach dem bekannten Zirkel, wieder eine Vermehrung des Anbaues sein, bis wieder eine geringe, namentlich für die Zigarrenfabrikation nicht oder schwer verwendbare Ernte mit naturgemäß ungünstigem Absatz und niedrigeren Preisen kommt, und dann wird sich der Anbau wieder vermindern und wieder in alter Weise über den Rückgang und die Unrentabilität des badischen Tabakbaus geklagt und, wie auch in letzter Zeit wieder geschehen, das bekannte fragwürdige Mittel: Herabsetzung der Steuer auf inländischen und Erhöhung des Eingangszolls auf ausländischen Tabak, wieder vorgeschlagen und gefordert werden, ein Mittel, das, wie schon öfters auseinandergesetzt, unter den Prodnktions-, Absatz- und Konsumverhältnissen, mit denen unsere Zigarrenfabrikation heute zu rechnen hat, für den inländischen Tabakbau keineswegs den gewünschten Erfolg, sehr leicht aber für beide Teile recht unerwünschte Wirkungen haben könnte." Das Gelände, welches in dem Bezirk der Handelskammer zu Lahr mit Tabak bepflanzt wird, beträgt 14 v. H. der in ganz Deutschland mit Tabak bepflanzten Fläche und 33 v. H. der im Großherzogtum Baden mit Tabak bepflanzten Fläche. Aus Stadt und Fand. Gießen, 30. Oktober. O Unser zukünftiger Bürgermeister, Herr Mecum, hat nach hier die Erklärung abgegeben, daß er die auf ihn gefallene Wahl annehme. Die Genehmigung unserer Regierung dürfte auch nicht lange aus sich warten lassen, sodaß der Gewählte das Amt bald übernehmen dürfte. ** Konzert. Soeben geht uns die Nachricht zu, daß am 23. November die Meininger Hofkapelle in ihrer ganzen Stärke, aus 56 Künstlern bestehend, unter Direktion des Generalmusikdirektors Fritz Steinbach hier konzertieren wird. Man kann, ohne zu Übertreiben, diesen Künstlerbesuch geradezu für ein musikalisches Ereignis halten. Das Arrangement liegt in den Händen des Herrn Ernst Challier. Es handelt sich hierbei um ein Extra-Kon- zert, das zu den Vereinskonzerten nicht mitzählt. ** Verein für innere Mission. Auf den Mittwochabend 8V4 Uhr im Saale des „Hotel Einhorn" stattfindenden V or rag des MissionSarzteS Dr. Liebendörfer aus Stuttgart wollen wir nochmals aufmerksam machen. Dr. Liebendörfer, gegenwärtig Geschäftsführer des Deutschen Vereins für ärztliche Mission, war viele Jahre im Dienste der BaSler Mission in Indien thärig und weiß auö reicher Erfahrung und aus genauer Kenntnis von Land und Leuten sehr anziehend zu berichten. Wenn irgend etwas dazu angethan ist, die Kulturmisston der christlichen Völker in ihren Kolonien zu fördern und damit zugleich die Besitzergreifung von Ländern, in denen kulturell und sittlich niedriger stehende Völker wohnen, sittlich zu rechtfertigen, so ist es die segensreiche Thätigkeit der MisstonSärzte, die den Völkern Hilfe bringen in ihren aus Unwissenheit, Aberglauben und Schmutz erwachsenden leiblichen und psychischen Nöten. *• DetaillistenKonsereuz. Der Vorstand und Ausschuß des Vereins Mainzer Kaufleute beschloffen iu ihrer letzten Sitzung, den hessischen Handelskammergesetz-Entwurf der am 4. November in Hanau stattfindenden Konferenz südwestdeutscher Detaillisten-Vereine als weiteren Beratungsgegenstand zu überweisen. Es soll in Hanau beantragt werden, eine aus hessischen Dctaillisten-Vereinen zu bildende Kommission mit der näheren Prüfung des Gesetzentwurfs mnd einer entsprechenden Eingabe an die hessische Regierung und die Landstände zu betrauen. *• Alldeutscher Verband. Infolge der schon auf den 14. November bestimmten Einberufung des Reichstages ist der Reichstagsabgeorduete Dr. Lehr nicht in der Lage, wie wir kürzlich ankündigten, in Gießen über China zu sprechen. Ec wird am 6. November in Mainz, am 7. in Darmstadt und am 8. in Alzey sprechen. O Volkszählung. Für die Volkszählung am 1. Dezember werden Überall sehr gern freiwillige Zähler angenommen; es sind ganz besonders die Lehrer, die sich anerkennenswerter Weise bereit finden lassen, das Zählgeschäst als Ehrenamt zu versehen. In der Stadt Gießen ist das letztemal das Zählgeschäst fast ausschließlich von Krästen besorgt worden, die aus städtischen Mitteln für diese Thälig. feit bezahlt werden mußten. Die Behörde sucht für die bevorstehende Volkszählung wieder sreiwillige Zähler und es bedarf wohl nur dieses Hinweises, daß sich geeignete Herren finden, die ehrenamtlich dies Geschäft übernehmen, umsomehr, als die Mühewaltung hierbei nicht groß ist und nur wenige Stunden des Tages in Anspruch nimmt, die Uebernahme des Zählgeschäfts aber ost Gelegenheit bietet, in interessante soziale Verhältnisse Einblicke zu bekommen, Die zur Beurteilung allgemeiner Verhältnisse überaus wertvoll find. E. Zur Gewerbeordnungs-Novelle. Die Reichsgesetzblätter Nr. 25 (30. Juni) und 28 (13. Juli) von 1900 haben uns eine große Anzahl neuer Abänderungen und Ergänzungen zur Gewerbeordnung gebracht. Die eigentliche Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900 ist am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft getreten, während die Verordnung vom 13. Juli d. Js. Aber die mit Motor betriebenen, nicht fabrikmäßigen Werkstätten vom 1. Jan. 1901 ab Giltigkeit erlangt. — Die Abänderung der Gewerbeordnung betrifft hauptsächlich: 1) Neue Bestimmungen über genehmigungspflichtige Anlagen. 2) Ausdehnung der Konzessionspflicht auf Pfandleiher, Gesindevermieter, Stellenvermittler und Auktionatoren. 3) Einführung von Lohnbüchern für bestimmte Gewerbe, welche der Bundesrat noch näher bezeichnen wird. 4) Einführung von Lohnzahlungsbüchern sür minderjährige (unter 21 Jahren alt) Arbeiter in Fabriken. 5) Verbot der Lohnzahlung anjßonntagen. 6) Neuregelung der Pausen sür jugendliche Arbeiter. 7) Schutzbestimmungen für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen. Letztere Bestimmungen sind vielfach sehr einschneidend, und deren genaue Einhaltung wird noch auf manche Schwierigkeit stoßen. Während das Handelsgesetzbuch bereits Bestimmungen enthält über Kündigungsfristen, Zahlung des Gehaltes (wenn unverschuldetes Unglück einen Handlungsgehilfen an der Leistung der Dienste verhindert, so hat derselbe dennoch Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von 6 Wochen hinaus, zu beanspruchen), Beschränkung der Konkurrenzklausel, Vorschriften zum ^Schutze der Gesundheit und Sittlichkeit, Regelung des Lehrlingswesens, und Versicherung gegen Krankheit, Unfall und Invalidität, giebt die neue Fassung der Gewerbeordnung noch Vorschriften über Regelung der Arbeitszeit, Ladenschluß, Schutz der Gesundheit und Sittlichkeit, Besuch der Fortbildungs- und Fachschulen, Erlaß von Arbeitsordnungen für offene Verkaufsstellen mit 20 und mehr Angestellten, Beschränkung der Lehrlingszüchterei und Anwendung bestimmter Vorschriften auf den Geschäftsbetrieb der Konsum- und anderen Vereine. Die Verordnung vom 13. Juli 1900 regelt die Arbeitszeit und Pausen für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen in nicht fabrikmäßig betriebenen Werkstätten, welche elementare Kraft (Dampfmaschinen, Windmotore,Wasserräder, Turbinen, Gasmotore, Benzinmotore, Petroleummotore, Heißluftmotore, Elektro- motore oder Göpelwerke) benutzen. Mit diesen Vorschriften sollten sich die beteiligten Arbeitgeber, Handlungsgehilfen, Verkäuferinnen und Arbeiter möglichst vertraut machen. Im Verlage der Germania A.-G., Berlin C. 2, Stra- rauerstraße 25, ist vom Reichstagsabgeordneten Dr. Hitze ein Büchelchen unter dem Titel „Was die gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer re. w i s s e n m ü s s e n" erschienen, das zum Preise von 50 Pfg. Worto extra) von genannter Verlagsanstalt oder durch sämtliche Buchhandlungen zu beziehen ist. Das Schrift- chen giebt in übersichtlicher Weise über die oben angeführten neuen gesetzlichen Bestimmungen Aufschluß und Erklärungen. § Butzbach, 30. Oktober. Der von etwa 50 Geschäftsinhabern hier eingereichten Petition nm Einführung des 2 Uhr-Ladenschlusses an Sonntagen ist nicht stattgegeben worden; vielmehr wurde im Hinblick auf eine Gegenschrift von zirka 60 anderen Jnteresienteu der bisherige 4 Uhr- Ladenschluß auch sür die Folge beibehalten. Nauheim, 29. Oktober. In der letzten Gemeinde- rstssitzung wurden u. a. für die Kanalisation der Mühl- und Bennekestraße 4200 Mk. genehmigt. — Ferner wurde der Antrag einstimmig angenommen, vom Jahre 1901 an die Nauheimer Kirch weihe Sonntag und Montag am Sonntag nach dem 15. Oktober abzuhalten, dagegen die Nachkirchweihe ganz wegsallen zu lassen. — Dem Stadtschreiber Dieter wurde eine jährliche Gehaltszulage von 150 Mk. bewilligt, dem Polizeischreiber Schäfer und dem Schutzmann Mörler eine solche von je 150 Mark. Gleichzeitig wurde ein Antrag des Gemeinderats Sprengel angenommen, bei Ausstellung des nächstjährigen Voranschlags eine Gehaltsskala sür die städtischen Angestellten festzusetzen. — Gemäß einem Beschluß des Gemeinderats hatte die Bürgermeisterei dem Großh. Ministerium den städtischen Weinberg zur 50jährigen Pacht angeboten. Nach einem Schreiben des Ministeriums verzichtet dasselbe auf Erwerbung des Johannisberges. Es soll nun der weitere Beschluß des Gemeinderats, den unteren Teil des Johannisberges als Bauplätze zu verkaufen, ausgesührt werden. Gleichzeitig mit den Bauplätzen soll auch das Weinberghaus mit einem Geländekomplex von 1500 Quadratmetern zum Verkaufe ausgeboten werden. — Ferner gelangte der Antrag zur Annahme, die Regierung zu ersuchen, für die Folge dafür Sorge tragen zu wollen, daß der Nauheimer Handwerkerstand bei Vergebung von staatlichen Arbeiten so viel als möglich berückfichtigt werden möge. Zum Ausbau der verlängerten Burgallee wurden die 7600 Mk. bewilligt, die natürlich von dem jetzigen Anlieger (Professor Heynemann) und den später Bauenden wieder an die Stadt zu entrichten find. Friedberg, 28. Oktober. Die hiesige Handelskammer bält am 1. November eine Sitzung ab, aus deren Tages- tonung u. a. solgende Punkte stehen: 1. Antrag Küchel (üutzbach) auf Einführung eines Zolles auf gemahlene Erdfarben; 2. Bericht über den Hess. Handelskammertag in Mainz; 3. Antrag Schaefer (Büdingen) betr. Stellungnahme zur geplanten Zollerhöhung auf Olein; 4. Antrag Ringshausen (Nidda) betr. den Brandverficherungsbeitrag kleinerer gewerblicher Betriebe; 5. Auslosung der pro 1900 ausscheidenden HandelLkammermitgliedern (Termin der Neuwahlen); 6. Anfrage der Kaiserlichen Oberpostdirektion Darmstadt wegen Nachsendung von Postsendungen im Ortsverkehr. Darmstadt, 29. Oktober. Der Großherzog und die Großherzogin wohnten gestern mit dem Großfürsten Kyrill und der Großfürstin Helena dem evangelischen Gottesdienst in Egelsbach bei. Der Prozeß Masloff in Könitz« Am dritten Verhandlungstag wird Frau Strue- b i n g vernommen, die behauptet, am Tage der Auffindung des Armes früh dreiviertel 6 Uhr Jsraelski in der Nähe des Kirchhofes mit einem leeren Sacke bemerkt zu habeu. Er sei damit vom Kirchhof hergekommen, auch sei noch ein anderer Mann dabei gewesen. Der Erste Staatsanwalt bittet um sofortige Ladung Jsra- elskis, Rechtsanwalt D-r. Vogel um die Ladung der Zeugen, die Jsraelski am Karfreitag in der Nähe der Fundstelle des Kopfes gesehen habeu wollen. Bäckermeister Anger, der Nachbar des Fleischermeisters Lewy, hat am Tage des Mordes nichts Auffälliges gehört und gesehen, obgleich man sonst Geräusche auf dem Lewyschen Grundstücke bei ihm wahrnehmen kann. — Fräulein Hedwig Kroll bewohnt im Lewy'schen Hause die zweite Etage. Auch ihr ist nichts ausgefallen. Gewinsel hat sie nicht gehört, auch nicht, als sie des Abends um 7 Uhr nach Hause kam, zu jener Zeit also, wo Frau Roß von der Lewyschen Wohnstube aus das Gewimmer wahrgenommen haben will. — Ein Geschworener fragt die Zeugin, wie lange Zeit nach der Mordthat ihr das Gerücht zu Ohren gekommen sei, daß vielleicht die Lewy's als Thäter in Betracht kämen, und ob sie dann erst sich der Vorgänge am Tage des Mordes erinnert habe. Die Zeugin sagt, sie hätte sich der Vorgänge am 11. März sogleich erinnert, als der Rumpf gefunden worden sei, also schon am 13. März. Frau Roß ist am lü März nicht bei ihr gewesen. Lewys, die zurückgezogen lebten, haben auf die Zeugin immer einen guten Eindruck gemacht. Bäckergeselle Tussek ist bei Anger beschäftigt und wohnt dort zwei Treppen hoch nach hinten hinaus. Er hat am Mordtage nicht das geringste Auffällige auf dem Nach bar grün dstück bemerkt. Zwischen 10 und dreiviertel 11 Uhr ungefähr ist er mehrere Male die Danzigerstraße auf und abgegangen, ohne irgend etwas Verdächtiges wahrzunehmen. Ich sah kein Licht im Lewyschen Keller und habe auch den Masloff vor dem Kellerfenster nicht liegen sehen. Nachteiliges ist ihm über Lewys nicht bekannt. Anger kennt Lewys als friedliche Leute, die nie viel Verkehr mit anderen Leuten gehabt haben. Es ist ihm niemals aufgefallen, daß auswärtige Juden, Schlächter oder Rabbiner bei Lewy verkehrt haben. J-rau Hirsch, die im ersten Stock des Lewy'schen Hauses wohnt, bestätigt diese Angaben mit dem Hinzufügen, daß das Familienleben ein sehr gutes sei. Ihr Sohn ist Mitschüler Winters gewesen und hat schon am Montag gesagt, die Mitschüler seien alle sehr aufgeregt, da Winter fehle, und ihm vielleicht etwas passiert sei. Am Dienstag erzählte ihr der Sohn von dem Funde ,des Rumpfes. Am 11. März, dem Mordtage, hat sie Auffälliges nicht wahrgenommen. Sie kann von ihrem Zimmer aus das Oeffnen der Lewyschen Stubenthür hören. Sie chatte unbedingt ein häufiges Auf- und Zumachen der Thur wahrnehmen müssen. Es war aber an jenem Tage, auch des Abends, besonders ruhig. Auch ihr Sohn hat nichts Ausfälliges bemerkt. Die Angeklagte Roß behauptet hierzu, daß sie einmal den Ernst Winter mit dem Sohne der Zeugin in deren Wohnung gesehen habe. Martha Küster ist seit drei Jahren Dienstmädchen bei Anger. Sie hat nicht bemerkt, daß bei Lewy viel Leute verkehrten. Am 11. März war sie den ganzen Tag über zu Hause, zumeist in der Küche, die an das Lewhsche Haus anstößt. Sie hat nichts Auffälliges gehört oder gesehen, obgleich sie sogar Gespräche, die im Lewyschen Hause geführt werden, von ihrer Küche aus hören kann. Zeugin Pauline Gatz sagt aus, sie wäre von Neujahr W*il Aufwärterin bei Frau Hirsch gewesen; £m 1Marz hat sie auf dem Lewy'schen Grundstück de» Lag über Nichts Auffallendes gemerkt. Zuletzt war sis von 6 bis einhalb 8 Uhr in der Küche der Frau Hirsch; y J^- e,lII t£enfter nach dem Lewy'schen Hofe führt. Ein Gewinsel oder Gestöhne hat sie nicht gehört, obgleich sw bei den mangelhaften Fenstern wohl alles hätte Hörer» iyU q11' + £ ®inen besonders starken Verkehr bei Lewy hat sie ebenfalls nicht wahrgenommen. Am ,V' '^9, ^at Jlr. ,9,a? ^inen fremden Menschen auf dem Grundstuck zu Gesicht bekommen. Abends nach 9 Uhr gina Mauerstraße, um ihre Freundin zu besuchen. Als sie bei dem Lewy'schen Hinterhause vorbeikam, hörte sie m den Zimmern der Lewy'schen Söhne ein Klopfen Ihre Freundin sagte, der Moritz mache sich jetzt daS Bett. Sie hielt sich etwa eine halbe Stunde auf der Mauerstraße direkt neben dem Lewy'schen Hause auf. Andere Wahrnehmungen hat sie dort nicht gemacht. Solange sie bei Frau Hirsch war, ging sie mehrmals täglich m den Keller, bisweilen auch des Abends. Auch am 11. März war sie dort, und zwar Nachmittags gegen 2 Uhr. Es ist ihr hierbei nichts aufgefallen. Verteidiger Hunrath fragt, ob sie nicht am 11. März von einem der Lewy'schen Söhne, als sie in den Keller gehen wollte, daran verhindert worden sei. Die Zeugin weiß nichts! davon. Fleischermeister Adolf Lewy, zunächst unter Aussetzung der Vereidigung vernommen, befindet sich in lebhafter Erregung. Er soll genaue Auskunft darüber geben, wo er und seine Familie Sonntag den 11. März zugebracht haben. Er macht detaillierte Angaben über seinen und seiner Söhne Aufenthalt während des Vormittags. Um 2 Uhr habe er mit seiner Frau und seinem Sohne Moritz Mittag gegessen, sein Sohn Hugo war zn dieser Zeit noch mit dem Gespann auswärts. Nach 2 Uhr ging er nach der Hennigsdorferstraße, um ein Kalb zu kaufen und kam zwischen 4 und 5 Uhr wieder nach Hause. Nach meiner Rückkehr habe ich dann mit meiner Fra» Kaffee getrunkeü und ging dann zu Falkenberg, wo ich oft verkehre. Das war etwa um 5 Uhr. Um 7 Uhr war ich wieder zu Hause, wo ich meinen Sohn Hugo mit dem Gespann erwartete. Meine Söhne waren zu dieser Zeit nicht zu Hause, kamen aber bald darauf. Meine Schwester Pauline habe ich an diesem Sonntag nicht gesehen, auch Frau Roß nicht. Lewy erzählt weiter, daß sein Sohn Hugo, als er mit dem Gespann nach Hause kam, kein Vieh mitbrachte, soweit er sich erinnere, dagegen habe er einige Schafe, im Stall gehabt. Er habe dann das Pferd ausgespannt, während Hugo in die warme Stube ging. Dann bin ich, fährt der Zeuge fort, um! 9 Uhr wieder zu Falkenberg gegangen, wo ich etwa bis 10 Uhr blieb. Von da aus bin ich mit Frau Joseph über den Markt und bei meinem Hause vorbeigegangen. Einen Lichtschein habe ich in meinem Keller nicht wahrgenommen. Ich kam dann gleich zurück und ging in mein Haus, wo ich meine Frau antraf. Moritz war entweder schon zu Haus oder er kam gleich darauf und sah noch einmal nach dem Pferde. Im Stalle ist er höchstens eine Viertelstunde gewesen. Dos Zuschließen des Hauses besorge ich stets selbst, habe es also auch am 11. März gethan. Dann ging ich schlafen. Ich glaube nicht, daß ich an jenem Tage Fleisch in der Hinteren Remise hängen hatte. Wenn mir ein Stück Fleisch von 5—6 Pfund abhanden kommt, fo würde ich das wohl bemerken. Am 11. März ist mir meines Wissens kein Fleisch abhanden gekommen. Es ist möglich, daß ich nach 10 Uhr auch noch einmal in den Keller gegangen bin, um zu revidieren, nach 11 Uhr aber keinesfalls. Nun -entspinnt sich eine Debatte zwischen einem Verteidiger und dem Oberstaatsanwalt. Der Verteidiger verlangt die Vorlegung der Akten betreffend den Fall Rosenthal in Kammin. Oberstaatsanwalt: Das Gericht werde über diesen Antrag zu befinden haben, er vermöge aber nicht einzusehen, in welchem Zusammenhang die Rosenthal'sche Sache mit der hier zu verhandelnden stehe. Wenn Rosenthal am Morde beteiligt sein sollte, warum muß denn da Lewy auch daran beteiligt sein? Fleischermeister Lewy verneint die Frage, ob er am 11. März Besuch gehabt habe. Von der Verteidigung wird Lewy befragt, ob er am Gründonnerstag vor 6 Uhr früh in einem Reisemantel auf der Poststallstrabe gewesen sei. Zeuge Lewy kann sich dessen nicht entsinnen. Der Oberstaatsanwalt vermag nicht einzusehen, was das mit dieser Sache zu thun habe. Ebensogut könne man dann ja -den Zeugen fragen, wo er an einem bestimmten Tage des vorigen Jahres gewesen sei, oder was er an einem bestimmten Sonntage vor einem Vierteljahre gegessen habe, und es tritt dann jemand auf und sagt, er habe das und das gesehen. (Bewegung im Zuschauerraum.) Verteidiger Hunratb legt deshalb Wert auf diese Feststellung, weil sich an diesem Tage die Angeklagten Roß und Berg an das Taschentuch erinnert haben. Helene Lewy kam etwa um 9 Uhr abends und holte ihre Mutter ab. Am 11. März habe sie nichts Auffälliges bemerkt. Daß sie amTage, der Auffindung des Rumpfes bei Frau Roß gewesen sei, weiß fie nicht mehr sie kann sich auch nicht daran erinnern, 5" Zrau Roß die Worte gesagt zu haben: „Solch' em Mord! Solch' ein gräßlicher Mord!" Ebensowenig kann sie suh besinnen, gesagt zu haben, daß die jüdische Gemeinde viel Geld habe. Ich habe auch nicht gesagt, der Ernst Winter sei nicht so viel wert, wie man mache. Tie Zeugin bleibt bei ihrer Aussage, obgleich alle vier Angeklagten behaupten, daß sie am 13. März bei Frau Roß gewesen ist. Arbeiter August M e d o ch, gefragt, ob er schon »oegen Meineid bestraft sei, antwortet gleich einer früheren Frau Nos h"mar* am 11. März bei Falkenberg und bestätiat daß sie beim Nachhausegehen um 10 Uhr abends vo Adolf Lewy begleitet worden ist An dem Hause Lewys hat sie nichts Auffälliges gesehen ebenstwenig weiß sie etwas darüber zu sagen, ob in dem Keller von 9ewv ober beim Nachbar Anger Licht war. Zeugin Elise Freitag ist mit Moritz Lewy um ein- balb 7 Ubr zusammengetrosfen, kann aber nicht sagen, doß sie irgend etwas Auffälliges an ihm bemerkt habe. Nach 3 Uhr kam er wieder zu ihr und blieb bis gegen 10 ^Verhandlung ivird auf Mvntag vertagt. Kunst und Wissenschaft. — Wie man auS Mainz schreibt, scheidet der Banntlft H'imich Türk aus dem Verbände der städtischen Kapelle aus? um in das Thcaterorcyester in Frankfurt a. M. etnzutreten. o A ™ Proftffor Karl Begas erhielt vom Kaiser den Kronenorden 3. Klasse und dazu einen neuen bemerkenswerten Auftrag: der Künstler wurde damit beauftragt, ein Marmorstandbild Kaiser Wilhelms IL zu schaffen. Dieses Werk hat der Herrscher der neuen Ruhmeshalle in Barmen als Geschenk gemacht. — D»S Schwurgericht in Brügge sprach dcn.Schriftsteller Eekhoud, der der Verbreitung unsittlicher Schriften miaeklsat TT1/Y i* frei Gerichtssaal. Berlin, 29. Oktober. Wegen Herausforderung zum Zweikampf mit rötlichen Waffen bezw. wrgen Kartellträgerei hatten sich der Referendar a. D. Psul Rühle und der Assessor Karl Müller vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Der erste Angeklagte soll unlautere Beziehungen zu der Frau eines BundeSbrudeis unterhalten baden. Der Ehemann hat bk‘ Ehescheidungsklage angestrengt mit dem Erfolge, daß die Ebe getrennt und seine bisherige Frau als der allein schuldige Teil er- kiart wurde. In dem Scheidungsantrag war eine Aeußerung wtedergegeben, wonach der E.ste Staatsanwalt Bühler zu Eisenach, ebenfalls ein Bundesbruder des Antragstellers sowie deS Rühle, sich über das Verhalten des letzteren in höchst abfälliger Weise aus- g:sprachen hatte. Dadurch kam diese Aeußerung in di- Akten und t be8 AUe, der durch Müller den Elsten Staatsanwalt Bühler zu einem Widerruf auffordern und ihm im Weigerungsfälle eine Forderung auf Pistolen, 20 Schritt Distanze und W drei- Etgem Kugelwechsel, zugehen ließ. Rühle deyauptele. daß der Erste Staatsawalt ihn einseitig und zu Unrecht gekennzeichnet habe und daß keine unbedingte Forderung, sondern nur eine vorbereitende Handlung vorliege. Der Gerichtshof konnte sich dieser Auffassung nicht anschlsißev, sondern verurteilte Rühle zu drei Wocken, Muller zu drei Tagen Festung. ' ' Landwirtschaft. -i- Rieder-Ohmen, 27. Oktober. Auf der ersten Berliner Ausstellung für volksoerständliche Gesundheitspflege, für Hauswirtschaft und Küche, fre vom 17. bis 23. Oktober in Berlin stattfand, erhielt die Molkerei-Genossenschaft Nleder-Ohmen für ausgestellte Sußraymbutter das Ehrendiplom mit Berechtigung zur Führung 6er großen goldenen Fortschrittsmedallle. Litteratnr. ~ 5ör Reife und Kontor geeignet ist die im Verlaae von O to Maier in Ravensburg in dritter verbesserter Auflage erschienene »Karte von Deutschland^ und den angrenzenden Ländern Ihr grobes Format ihre Uebei sichtlichst unb in bfr* scharfen Abgrenzung der verschtebenen Staaten, ihre Deutlichkeit in den Angsben aller halbwrgs in Betracht kommenden Orte Eisen" bahnen und Flüsse das sind Vorzüge die jeder beim Gebrauch be Satte wirb fomlatieren können. Ein der Sorte beigegebenes a?pha- brsilches Ortsverzeichnis nebst g-nauen Zahlen und Buchstaben- H »weisen ermöglicht das schnelle Ausfinüm der gesuchten Ott- und so dürfte Maier'S neue Karte von Deutschland jedem Geschäftsreisenden wie Vergnugungstouristen, jedem Kontor und Bureau als schnelles und sicheres Orientierungsmittel willkommene Dienste letsten. Die Karte, die sich auch durch schmucke Ausstattung und b lligen Preis (60Pfg.) auszeichuet, ist durch jede Buchhandlung Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Tabak. Amsterdam, 26. Oktober. Javatabak. Die heutige, 22 058 Ballen umfassende Ankündigung lieferte im Hauptbestande Vorstenlanden und beendet damit die 1899er Javaernte, während Loemudjang diesmal das erste größere Angebot aus der 19C0er Ernte stellte. Bei den Vorstenlanden blieb die Deckfähigkeit beschränkt, graue und feinfahle Töne fehlen, tiefdunkle Farben lieferten die schon in verfrühter Einschreibung außerordentlich hoch verkauften Modjo, auch leichtes, re'ses, trockenes, flottglimmendes deutsches Umblatt war bei starker Durchsetzung mit klammiger, selbst brühiger Ware mäßig vertreten-, im ^erg.eich zum vormonatsichen Ablaufe war die Stimmung für Vorstenlanden weiter gebessert. Die neue Loemadjang-Blattware fiel besser au$ ro’e im Vortrab, leicht zugig, allerdings oft noch fahl und wurde mäßig bewertet. Die Loemadjang-Scrubse bestanden wieder zumeist aus vorzüglicher, löslicher, lichtbrauner, getigerter Schneideware, welche die Preisansätze des 1899er Jahrganges ungefähr erreicht. Auch die Kevine-Scrubse versprechen günstige Beschaffenheit der kommenden Ernte und holten, soweit in der Hauptsache leichte, reife und wollige Einlagen für deutsche Verwendung geeignet in Betracht kamen, hohe Erlöse. Spirlplen btt -ntilligteo FrmWrtkr SteÜljtiita"* Opernhaus» Mittwoch, 31. Oktober. „Freischütz". Donnerstag, 1. November. V-7 Uhr. „Lohengrin". Freitag, 2. November. Geschlossen. Samstag, 3. November. „Templer und Jüdin". Sonntag, 4. November. 3Vs Uhr. „Geisha"; „Fidelio". Schauspielhaus. Mittwoch, 31 Oktober. „Die strengen Herren". Donnerstag, 1.November. r§^«ubesltzer . Freitag, 2. November „Stützen der Gesell- schast . Samstag, 3. November. Zum ersten Male: „Johannis- fsuer . Sonntag, 4. November. 3Vs Uhr. „Im weißen Rößl"- Zum ersten Male wiederholt: „Johannisfeuer". Montag, 5. November. „Die Weber". *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Familien-Nachrichtem Gestorben: Karl August Hosch in Offenbach a. M. — Adam Neubecker in Offenbach a. M. — Heinrich Deichert in Offenbach a. M. — Aloys Sendelbach in Offenbach a. M. Schisssnachrichten. Norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 27. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampser Koblenz, Kapt. C. v. Bardeleben, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr abends wohlbehalten in Baltimore an- gekommcn.____ Ans dem Geschästslebrn. Eine von den vielen zahlreich eingelausenen Anerkennungen über dir R. v. Hünersdorff'sche Haushaltungsbuttermaschine*) „mit dem Bären" sei nachstehend im Jn- tereffe unserer Leserinnen zur Kenntnis weiterer Kreise gebracht. Dieselbe lautet: „Die Buttermaschine Nr. 2 kam soeben wohlbehalten in meine Hände. Ich kann Ihnen sagen, daß es für den hygienisch ge« bildeten Arzt eine große Beruhigung ist, Butter zu essen, welche nicht durch alle die schmutzigen Bauern- und Händlerfinger gegangen ist. Die Maschine funktioniert brillant und rasch, das Buttern erfordert keine wesentliche Anstrengung und ergiebt prachtvollste Butter. Ich wünsche, daß dieselbe bald ein unentbehrliches Gerät in jeder guten Haushaltung sei." *) Zu beziehen durch jedes bessere Haushaltungsartikel. Geschäft oder, wo nicht erhältlich, direkt vom Fabrikanten R. v. Hünersdorff Nachf. in Stuttgart. THEE-MESSMEH wird in 100,000 Familien tägl. getrunken. Probepackete 60 und 80 Pfg. Niederlagen durch Plakate kenntlich. 5819 4436 7098 Cigarren Rettfir 30 Bahnhofstraße 30 k verlegt. 8006 Friertr. Krogmann Zauber-Soiree Mellani Feinste 6665 Stets daS Neueste. Vom Guten das Veste. 9 Kettersrveg 9. Metzen. 9 Seltersweg 9. kaufen Sie preiswert und finden große Auswahl bei Carl Lindenplah, Ecke Wallthorftr. Neue Bismarck-Heringe, la. Ruff. Stör-Caviar, Gießen, den 24. Oktober 1900. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff. 2000 Mk. Belohnung demierugen, der beim Gebrauch meines AniHbandes oyue Jeder nicht von seinem Bruchleiden vollständig geheilt wird. Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen. Auf Anfrage Broschüre gratis und franko durch das Pharmaceutische Bureau Balken- bürg (L.), Holland Nr. v, da AuS- land Doppelporto 6091 Billigste rauchlose Patronen. 100 ©L, Eal. 16 Mk. 8.50 Eal. 12 „ 9.50. Bei Abnahme von 600 Stück an billiger, franko inkl. Kiste. 6441 A« Dickorö, Giessen, Kanplverlretnng für Höeryesseu. | Geländeverpachtung. Kommenden Mittwoch, den 31. Oktober, nachmittags 723 Uhr, verpachten wir unsere, in der Nähe der Hcyligenstädt'schLN Maschinenfabrik, unserer Dampfziegelei und des Grüninger Fußpfads gelegenen Aecker und Wiesen auf weitere sechs Jahre. Zusammenkunft an der Oberhessischen Reparaturwerkstätte bei Bahnwärter Heß. 7063 Gail'schk Amphikgelki und Thounmmsabrik in Gießen. Zur Notiz! Tlan kann bei den sich massenhaft mehrenden zweifelhaften Mitteln gegen oaarleiden nicht genug auf das bereits eit 32 Jahren sich bewährende, von Autoritäten empfohlene, sich durch Güte und Billigkeit au-zeichnende 657 Haarwasser von Retter, München, aufmerksam machen, welches wirklich leistet, waS cs verspricht: Konservierung und Kräftigung dervorhandenen Haare, Reinigung von Schuppen, weich und glänzend machen der Haare. Z. h. um 40 Pfg. und 1,10 Mk. bei I. H. Fuhr, Sonnenstr. 25° Bekanntmachung. Das Grundstück Flur XXVIII, Nr. 163, Gemarkung Gießen, am Erdkauterweg, soll, in LI ca. 800 Quadratmeter große Lose erngeteilt, an Ort und Stelle auf die Dauer von 4 Jahren Samstag den 3. Movemöer, nachmittags 472 Mr, öffentlich verpachtet werden. Zusammenkunft am Erdkauterweg, nachmittags 4 Uhr. o. Mr Bewohner des Schiffenbergerwegs, des Riegelpfades und der ^temgflraße rc. würde sich das Gelände wegen seiner Lage aut zur Bewirtschaftung empfehlen. Keschäfts-Wertegung. Meine Hassenschrank-Fabrik verbunden mit Fahrradliaidluig unb Schlosserei Habs ich von Metzft.Ingasse 33 noch Reparaturen und Reubeziehen von Schirnien schnell, gut und billig. 6891 Caffeler Schirmfabrik Schwarze Anzüge zu verleihe« bei 6880 W. Karnbach, Kauzleiderg 9,1 (am Brandplatz). X Aachener-Badeöfen w» Ubct 50000 im Gebrauch D.R.P» J fioubens Baske izökn ! ferospedc gratis.Vertreter an fast allen PlÄtzeib 1 J.6.BoubenSobnßarl,Had>cn. $ Regenschirme für jeden Stand — für jeden Zweck. «Ser: Einige Stunden im Reiche der Wunder. Gr^d^titeÄber-56ir^R^^“’~n:l<^n ^rud| 2000 Mk. Beiohme Süssrahm-Tafelbutter der Molkerei Buseckerthal empfiehlt C. Roth II., Wallthorstr. 5 - Me - - welche an Husten, Heiserkeit, Der« schleimung, HalS-, Brust, und Sungendefchwerden, Keuchhusten usw. leiden, finden durch den echten Rheinischen Hrauöen-Nrust-Konig v°n z». ». ZILenßelmer in Wal«; schnelle Hllfe und Linderung. Stets echt unter Garantie bei C. G. Kleinhenn, Delikatessen-, Fisch- u Geflügel Handlg. Bahnhofstr. 59. 6476 Ö « Re Hä *«.* «onjex ™atinebti « tot । K-gh-i: tu ^ffenbet Reibetr &'■»» SS meldet aus j Wen bei <3, 600 gelt ''M New-