Dienstag den 31 Juli Erstes Blatt. Henerat-Anzeiger per Amts» und Anzeigeblatt für den K«is Gieren Baten« tt* >tn, die anb ctiftt in die Lllt Anzeigen.BermittlungSstellen de- In- und AuSleubeK nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgcgtB- Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ton sehr Wei int. itd) n )21. rfüm- Dttbr. ie als ngen. ein= aalen ie'üe [«feite. 5122 Droß., UMHh, GgpebNion und Drudeei: >**f#t-efce Nr. 7. 5121 W. ) t 5118 ie 40. ■eee|*e W< Iw^ige* zu bet »»chmittogS für b* Jeigmbta Sag Wkfcheinenbrn 9äimm* b*l wnn. 10 Mr. W*fcmye spätesten- eb*M outen 5161 Ldrefle für Depeschen: Anzeiger chietzs», Fernsprecher Nr. 5L Gratisbeilage«: Gießener ZamUienblätter, Der hePfche Kandwirt, Mütter für heMhe Volkskunde. gefutfet fernen 5091 por. k-rrl »et ge- 4896 ilag' ift. M. ofeen .ex. Zum Todestage Bismarcks (30. Juli). Die heutige zweite Wiederkehr des Todestages Bismarcks fällt in die denkwürdige Zeit, da zum erstenmale ein beträchtlicher Teil vom Heere des neuen deutschen Einheitsstaates über das Weltmeer zieht. Wohl mancher wird sich an diesem Gedenktage die Frage vorlegen, ob Deutschlands Politik gegenüber China im Sinne des Fürsten Bismarck die richtige ist. Die Antwort hierauf kann nicht schwer fallen, wenn man sich das Ziel vergegenwärtigt, das Deutschland in China verfolgt. Graf Bülow hat es in seinem Rundschreiben vom 11. d. M. klar und bestimmt in folgenden Worten bezeichnet: „Wiederherstellung der Sicherheit von Person, Eigentum und Thätigkeit der Reichsangehörigen in China, Rettung der in Peking em- geschlossenen Fremden, Wiederherstellung und Sicherstellung geregelter Zustände unter einer geordneten chinesischen Regierung, Sühnung und Genugthuung für die verübten Unthaten . . . keine Aufteilung Chinas . . . keine Sondervorteile." Wie Gras Bülow im Vorstehenden zunächst die Verpflichtung des Reiches zum Schutze der Reichsangehörigen im Auslande als selbstverständliche Voraussetzung behandelt, so wird auch vom Fürsten Bismarck niemand bezweifeln, daß er die gleiche Auffassung über die Schutzpflicht des Reiches gehabt hat. In der Reichstagssitzung vom 26. Juni 1884 hat Fürst Bismarck die Frage, ob es die Pflicht des Reiches sei, kolonialen Unternehmungen deutscher Reichsangehöriger den Reichsschutz zu gewähren, u. a. mit den Worten beantwortet: „Das bejahe ich . . . mit unbedingter Sicherheit vom Standpunkte der staatlichen Pflicht. Ich kann mich dem nicht entziehen." Daß zu den kolonialen Unternehmungen die überseeischen Handelsunternehmungen in fremden Ländern zu rechnen find, versteht fich von selbst. Da nun die dauernde Sicherheit von Person, Eigentum und Thätigkeit der Reichsangehörigen in China von der Sicherstellung geregelter Zustände unter einer geordneten chinesischen Regierung abhängig ist, muß auch dieser Punkt des Bülow'schen Programms als im Sinne Bismarcks aufgestellt gelten. Was ferner das Verlangen nach Sühne und Genugthuung für die verübten Unthaten angeht, so widerspricht es keineswegs der Auffassung Bismarcks. Denn in demselben Satze, in dem Bismarck am 17. August 1866 die Worte sprach: „Die Politik hat nicht die Aufgabe der Nemesis" —.fuhr er fort: „Wir haben zu thun, was für den Staat eine Not- Wendigkeit ist." — Daß gegenwärtig die Notwendigkeit vorliegt, Genugthuung für die chinesischen Unthaten durchzusetzen, leuchtet ohne weiteres ein. Wollte Deutschland auf die Genugthuung verzichten, so würde einmal sein Ansehen bei Freund und Feind die empfindlichste Einbuße erleiden, sodann würde das Dasein der in halbzivilisierten Ländern wohnenden Deutschen andauernd in hohem Grade gefährdet werden, endlich würde die seit einem Menschenalter emporgewachsene Genugthuung der Deutschen im Auslande über ihre nationale Zugehörigkeit sehr erheblich verringert, teiltet »51 blM Hk nben if. i n ibt Uolitische Wochenschau. Der K a i s e r ist von seiner Nordlandreise nach Deutschland zurückgekehrt, um in Bremerhaven der Einschiffung der nach China bestimmten Mannschaften beizuwohnen. Die A n s p r a ch e, die der Monarch an die in See gehenden Truppen hielt, ist lebhaft kommentiert worden, besonders! die Worte, wonach kein Pardon gegeben werden soll. Es ist kaum anzunehmen, daß der Kaiser gemeint hat, alle die Waffen streckenden Chinesen sollten schonungslos niedergemetzelt werden. Er hat vielleicht, so meint die „Kreuzztg.", nur eine Erläuterung der Art der Grausamkeit der Chinesen geben wollen, die eben niemanden schonen und alles niedermetzeln. Schon die allgemeine Erfahrung, daß eine Armee, die selbst Grausamkeiten ausübt, an der Manneszucht schweren Schaden leidet, und die Wahrheit, daß es eines Christen nicht würdig ist, ähnliche Schand- thaten wie die Chinesen zu begehen, macht die Auslegung um so mehr zur Unmöglichkeit, als der Kaiser ausdrücklich die erklärenden Worte hinzufügt: Bewährt die alte preußische Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, möge Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel. Nach der „Köln. Ztg." war der Wortlaut ein anderer als der mitgeteilte. Die betreffenden Worte lauten: Kommt ihr an den Feind, so wißt: Pardon wird Euch nicht-gegeben. In starkem Widerspruch dazu steht allerdings der Text, den die „Nordwestd. Ztg." mitteilt. Dort lautet jene markante Stelle: Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer Euch in die Hände fällt, sei Euch verfallen! Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch letzt in Ueberlieferung und Märchen gewaltig erscheinen latzt, so möge der Name D e u t s ch e r in China auf 1000 Jähre durch Euch in einer Weise bethätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!" Dazu bemerkt die „Nationalztg." sehr richtig: „Wenn ihnen kein Pardon gegeben wird, wenn Gefangene nicht werden sollen, so würde damit eine Kampfart wieder eingeführt, die in den europäischen Kriegen glück- auf den Gießener Anzeiger für den Monat August werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweig- und Abholestellen, jederzeit entgegengenommen. img. al!«. >080 ittei eferete igung ferner. t M, kicher Weise seit Langem völlig beseitigt erscheint, und die kaum geeignet wäre, der Kultur auch in Asien den Weg ein für alle mal zu öffnen. Wohl haben unsere Soldaten in China es mit einem überaus grausamen, verräterischen, verschlagenen Feinde zu thun. Das entbindet uns aber natürlich nicht von der Pflicht, die nicht nur die Pflicht der Kulturmenschen, sondern auch die des Christen ist, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten; denn die moderne Kultur, als deren Kinder wir Deutsche uns ja mit stolzer Befriedigung bekennen dürfen, wird von uns nicht nur geübt, weil und wenn wir Gegner der gleichen Kulturstufe uns gegenüber haben, sondern um ihrer selbst willen — und dies legt uns die selbstverständliche Pflicht auf, daß wir sie auch dem Gegner dann bewähren, wenn dieser von ihren Regeln heimtückisch abweicht. Der Krieg gewährt an sich so mancherlei traurige Veranlassung, von den menschlichen Regeln der Kultur abzugehen, daß jede Anreizung dazu zum mindesten unvorsichtig sein müßte, schon mit Rücksicht auf die anderen Kulturstaaten." Die Antwort, die der Staatssekretär Graf Bülow der Berliner chinesischen Gesandtschaft auf deren Vermittelungsgesuch erteilt hat, hat die Zustimmung des Auslandes in vollem Maße gefunden, und in demselben Sinne haben sich auch andere Regierungen ausgesprochen, an welche die jetzigen chinesischen Machthaber sich mit der gleichen Bitte gewendet hatten. Was. die Haltung der.V er - einigten Sta aten von Nordamerika gegenüber China anbetrifft, so glaubt man in maßgebenden Kreisen nicht an eine Isolierung Amerikas, sondern man ist überzeugt, daß es sich schließlich mit den Maßnahmen der übrigen Mächte einverstanden und ihnen beitreten wird. Zollte das aber wider Erwarten nicht geschehen, dann würden sich die übrigen Mächte auch zu trösten wissen, denn ans that- kräftige Hilfe von Seiten dieser Macht hat ohnehin niemand bisher ernsthaft gerechnet. Dort steht man bekanntlich pov der Präsidentenwahl, und daß der Yankee selbst die chinesischen Wirren als ein Mittel, allerhand Wahl- rnanöver zu treiben, willkommen heißt, hat für uns weiter nichts Erstaunliches. lieber die Lage in Peking und chber die dortigen Ereignisse tappt die Welt noch immer im Dunklen; fortgesetzt widersprechen die Nachrichten einander, und selbst Optimisten können nur glauben, daß vielleicht ein Teil der Ausländer noch am Leben ist. Wie wenig auf die chinesischen friedlichen Versicherungen zu geben ist, zeigt das gegen die Fremden gerichtete kaiserliche Edikt. Die deutsche Regierung hält sich in andauernder Fühlung mit den befreundeten Mächten, wie aus den häufigen Unterredungen des Grafen Bülow mit den in Berlin beglaubigten Botschaftern geschlossen werden kann. Als das Ergebnis dieser Konferenzen darf der Vortrag gelten, den der Reichskanzler Fürst Hohenlohe und der Staatssekretär des Auswärtigen Amts dem Kaiser bei dessen Ankunft in Bremerhaven gehalten haben. In Hamburg ist ein Aus st and und in dessen Gefolge eine Aussperrung eingetreten, die beide unter dem Gesichtspunkte der Ereignisse in China größere Aufmerksamkeit verlangen. Tie Mobilmachung hat auch einen seemännischen Charakter, da es sich um den Transport von vielen tausend Mann handelt. Letzterer kann naturgemäß nicht an Bord von Kriegsschiffen bewältigt werden; die Marineverwaltung mußte Privatdampfer pachten, diese aber erfordern für die besonderen Transportzwecke besondere Einrichtungen, ganz abgesehen von den noch eingehender in ihrem Innern umzugestaltenden Hospital- schiffen. Eine MobilmaclMNg leidet nun keinen Aufschub; das inachten sich einige hundert Schiffsnieter in Hamburg zu nutze, um unter dem Drucke der drängenden Geschäfte eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Die Schiffsbauerfirmen wurden dadurch in eine unangenehme Lage versetzt, griffen aber zu einem unter b*en obwaltenden Umständen doppelt sonderbaren Mittel, jenem Ausstand ein schnelles Ende zu bereiten. Sie sperrten an 3000 Schiffsarbeiter aus und erschwerten dadurch selber die Ausführung der dringlichen Mobilmachungsarbeiten, sodaß sie einige Schiffe nach Eng- land senden mußten. Die deutsche Marineverwaltung stellte ihrerseits Arbeiter zur Verfügung, um an dem einen oder anderen Schiffe die nötigen Umänderungen vorzunehmen. Wenn das die Ausständigen und Ausgesperrten eine staatliche Unterstiitzung der Unternehmer nennen, so ist das nicht ganz zutreffend, wenn auch erklärlich. Zunächst kommt es auf die Ausrüstung der Schiffe an, die schleunigst zu besorgen ist, unbekümmert darum, ob der Ausstand oder die Aussperrung berechtigt war oder nicht. , Es ist selbstverständlich, daß die chinesischen Ereignisse noch immer das öffentliche Interesse in Anspruch nehmen, und cs würde für die verflossene Woche kaum noch etwas zu registrieren sein, wenn nicht die Welt erschüttert worden wäre durch das freudige Ereignis rm Hause Obrenowchch. die Verlobung und Hochzeit König Alexander^ de^ Kleinen von Serbien. Die Königin ist, trotz aller weise vielleicht ganz zerstört werden. Keine von diesen Folgen ist so beschaffen, daß gesagt werden dürfte, Fürst Bismarck würde sie als erträglich hingenommen haben. Zumal der Ehrenpunkt ist es, den als geringfügig zu erachten der Bismarck'schen Anschauung keineswegs entspricht. Als Beweis hierfür kann die Rede gelten, die Bismarck am 11. Dezember 1867 im preußischen Abgeordnetenhause gehalten hat. In ihr verteidigte er den Accessionsvertrag mit Waldeck gegen den Vorwurf, daß er neue Lasten aus Preußen bürde. Bismarck verwies dabei auf eine südamerikanische Zeitschrift, in der zweitausend zu Caracas ansässige Deutsche ihrer fteudigen Genugthuung über die Gründung des Norddeutschen Bundes Ausdruck gaben. Bismarck knüpfte hieran folgende Apostrophe: „Ist Ihnen das nichts wert, meine Herren, zu hören, daß unsere Landsleute in so fernen Gegenden jetzt mit uns stolz auf das Vaterland blicken, und mit Selbstgefühl sagen: „Wir sind Deutsche", während sie früher verschämt die Augen niederschlugen? Meine Herren 1 Ich gehöre nicht zu denen, die kalt auf die Lasten blicken, die dem Dürftigen auferlegt werden .... Aber, meine Herren, die Unabhängigkeit, die staatliche Freiheit, die nationale Ehre geht einem Volke wie das unsere über alles; ihr bringen selbst diese Armen freudig ihr Opfer!* Die Forderung nach Sühne darf um so mehr als der Auffassung Bismarcks entsprechend angesehen werden, in je maßvolleren Grenzen sie erhoben wird. Vor aller Welt erklärt Gras Bülow, keine Aufteilung Chinas, keine Sondervorteile anzustreben. Hält man daneben, daß andrerseits rückhaltlos Genugthuung von Deutschland gefordert wird, so muß man gestehen, daß Deutschland auf dem Wege ist, sich das Vertrauen aller Mächte durch Ehrlichkeit, Offenheit und Versöhnlichkeit auch anläßlich der chinesischen Unruhen zu erwerben. Die Erreichung dieses Zieles aber durch die angeführten Mittel bezeichnet Fürst Bismarck in seinen „Gedanken und Erinnerungen" als das Ideal, das ihm vorgeschwebt sei, nachdem die Einheit errungen. Wenn Deutschland, wie es bekannt ist, in China vor allem das gute Einvernehmen mit Rußland Pflegt, so bedarf es nicht vieler Worte- um klar zu machen, daß dadurch einer politischen Grundanschauung Bismarcks Genüge gethan wird. Kurz, die deutsche Politik gegenüber China bewegt sich durchaus in den Bahnen, die die Politik Bismarcks eingeschlagen hat. Nr. 176 «MM eit laSM^eu de« 9U Wiener »e*MU*eUUet »erbat dem Anzeiger tat SabM „Hess. tabefrT m. „Blätter Wr ML •oOthmte* Amtlicher Teil. Gießen, den 27. Juli 1900. Betr.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge. Der Direktor des landw. Bezirksvereins an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Der landwirtschaftliche Bezirksverein wird demnächst wieder mit der Abhaltung von Vorträgen aus allen Gebieten der Landwirtschaft und Viehzucht für das Jahr 1900/01 beginnen. Ich lade daher diejenigen von Ihnen, welche die Abhaltung eines Vortrags wünschen, ein, Anträge und Vorschläge bei mir zu machen, und zugleich anzugeben, in welcher Jahreszeit, zu welcher Tagesstunde und ob an Sonn- oder Werktagen die Vorträge erbeten werden. v. Bechtold A, Ä Bezugspreis M W Vierteljahr!. Mk. 2J8 rchmer Anzeigers König Alexander von Standesamtsregister, eine zweiundvierzigjährige Dame, Witwe umb Mutter zweier Töchter. Draga, die früher Hofdame feiner Mutter war, übte schon seit einer Reihe von Jahren auf den jungen König einen bedeutenden Einfluß aus. Der König ist erst 24 Jahre alt. Dieses Ereignis hat in Serbien starken Widerspruch gefunden; das Ministerium trat ab, der Oberstkommandant des serbischen Heeres, Exkönig Milan, legte seinen Befehl nieder, im Heere gährt es, und die orthodoxe Geistlichkeit schien ebenfalls aufsässig zu werden. Zunächst wurde eingewendet, daß die Heirat mit der Witwe Maschsn eine befriedigende Lösung der Thronfolge ausschließe, auf die es in Serbien so sehr ankommt. Aber Alexander kümmert sich nicht um Staatsraison, er wollte seinen Willen haben, d. h. wenigstens fürs nächste! Daß jetzt, nach der Hochzeit, die am gestrigen Sonntage stattsinden sollte — neuesten Meldungen zufolge ist die Hochzeit auf Donnerstag verschoben — die Königin Draga das Szepter Serbiens bald in Händen haben wird, ist kaum zu bezweifeln. Da es in Serbien immer noch Leute genug gibt, die sich durch den Glanz und die winkenden Vorteile eines Ministerpostens bestechen lassen, so hatte der König bald wieder ein Kabinett beisammen; den unzufriedenen Offizieren schärfte er ein, daß der Wille des Königs für sie Gesetz sei, und was sonstige Widerspenstige angehl, so hat Alexander jetzt in dem Glückwünsche, also der Billigung des Zaren zu seiner Verlobung, alles erhalten, was er wünschen kann. Serbiens Politik ist damit in russisches Fahrwasser geleitet — das ist einen Zarenglückwunsch schon wert, er braucht ja auch nicht ganz aufrichtig zu sein. Aus Transvaal wurden wieder einige Erfolge der Buren gemeldet, b)ie den Engländern beweisen, daß sie nod} lange nicht am Ziele ihm Wünsche angelangt sind, auch wenn sie jetzt schon über das künftige Schicksal der Burenrepubliken Beschlüsse fassen. Politische Tagesschau. Die neue st e Rede des Kaisers in Bremerhaven bei der .Entsendung der für China bestimmten Truppen wird nur von einem Teil der Berliner Abendblätter besprochen. Was die „Kreuzztg." sagt, finden wir in unserer Wochenschau. Die „Deutsche Tagesztg." schreibt, der Kaiser habe sicherlich nicht gemeint, daß unsere Soldaten niemals Pardon geben sollen, sondern nur auf die Thatsache hingewiesen, daß der grausame Feind gegen den sie zu kämpfen haben, keinen Pardon giebt, eine Thatsache, Die sie zu um so größerer Tapferkeit und Entschlossenheit auffordern soll. Die „Berl. N. N." meinen, wenn der Kaiser wirklich gesagt habe, Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht, so könne man nach dem formellen Zusammenhang der Worte vielleicht im Zweifel sein, ob sie sich auf die Chinesen oder auf die deutschen Truppen beziehen sollen. Dem Geiste nach sei aber jeder Zweifel ausgeschlossen. Es sei selbstverständlich unmögliche, daß unsere deutschen Soldaten bezwungene Feinde, seien es selbst chinesische Mordbuben, die sich' im Kampfe ergeben, und wehrlos sind, niedermachen. Eine solche Deutung habe sicherlich auch der Kaiser für seine Worte nicht entfernt zulassen wollen. Man müsse darin nur eine durchaus angebrachte Warnung vor der fanatischchrutalen Kampfart der Chinesen sehen. Die „Voss. Ztg." hält die Aufforderung, keinen Pardon zu geben, keine Gefangene zu machen, für undurchführbar. Es widerstrebe der Natur des sittlich erzogenen Menschen, an einem überwundenen Feinde, der unschädlich gemacht ist und um Gnade bittet, eine blutige Rache zu nehmen, die keinen Zweck hat, zumal wenn man die einzelne Person gar nicht für den Urheber der Unthaten halten kann, wofür Sühne gesucht werden soll. Die Aufgabe, die unserer in China harrt, sei eine Aufgebe für das vereinigte Europa. Allein in China vorzugehen, hätten wir weder den Beruf noch die Möglichkeit. Die ^?olksztg." sagt, daß ihr die Erbarmungslosigkeit des Kämpfers weder imponiere, noch in den Lehren des Christentums speziell begründet erscheine. Das Blatt hält dafür, daß es ein Unglück für Deutschland wäre, wenn es die Kreuzzugspolitik in irgend welcher Art und in irgend welchem Erdteile wieder aufnehme. Zu dem von der in Bremerhaven erscheinenden „Nordwestdeutsche Ztg" gebrachten Texte, den wir gleichfalls in unserer Wochenschau erwähnen, sagt das „Berl. Tagebl.": der Passus, der an die Hunnen unter König Etzel erinnert, werde großes Aufsehen erregen. Darum sei von vorueherein hervorzuheben daß suinsere deutschen Truppen nun und nimmer wie die Hunnen in China Hausen werden. Dafür bürge schon die Disziplin, die den deutschen Truppen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Oesterr e i ch i s ch e Blätter besprechen die Rede des Kaisers reserviert. Auch sie sind der Ansicht, daß die Rede des Kaisers vielfach mißverstanden worden sei. Der Kaiser habe Me Soldaten lediglich auf die Tücken und Grau- jam fetten der Chinesen aufmerksam machen wollen. Unter den Vorlagen, welche dem deutschen Reichs- Serbien und feine Braut. tage voraussichtlich in seiner nächsten Tagung zugehen werden, dürste der neue Zolltarif-Entwurf das Hauptinteresse erregen. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, werden die Arbeiten an dieser Vorlage gegenwärtig eifrig gefördert. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß der aus der Bearbeitung des vorliegenden Materials hervorgehende Entwurf, der nicht blos das Taristchema, sondern auch die Zollsätze enthalten wird, vielleicht noch im November, aber jedenfalls noch im laufenden Jahre dem Bundesrate wird vorgelegt werden können. Man wird daraus rechnen können, daß der Reichstag den! Entwurf in benj,erstcn.Monatenldes.nächsten Jahres zugestellt erhalten wird. Neben dem Zolltarif-Entwurf dürsten wieder zwei Versicherungsgesetze die Zeit des Reichstages stark in Anspruch nehmen. Das eine betrifft die priv aten Ver sichern ngsunternehm- nngen. Ein diesbezüglicher Entwurf wird sich unter den ersten, dem Reichstage zugehenden Vorlagen befinden. An dem zweiten Versich^rungsgesetze, der Novelle zur Krankenversicherung, wird gegenwärtig von den zuständigen Reichsverwaltungsstellen noch eifrig gearbeitet. Tie dafür nötigen Vorarbeiten dürften sich noch rechtzeitig beendigen lassen, um bie für die nächste Reichstagssession schon in Aussicht gestellte Vorlage auch einzubringen. Ob die in Arbeit befindliche Umgestaltung der Militärstensions-Gesetzgebung schon für die nächste Reichstagstagung positive Ergebnisse zeitigen wird, muß abgewartet werden. Dagegen darf es als ziemlich wahrscheinlich angesehen werden, daß das Reichsjustizamt mit dem Urheber- und mit dem Verlagsrecht-Entwurf vor die gesetzgebenden Faktoren des Reichs treten wird. Das Reichsschatzamt dürfte, abgesehen von dem Zolltarifentwurf, an dem es in erster Linie beteiligt ist, und dem Reichshaushaltsetat für 1901, den es vornehmlich, zu vertreten hat, voraussichtlich noch diesen oder jenen kleineren Steuergesetzentwurf zu unterbreiten haben. Als ziemlich sicher darf wohl angesehen werden, daß der Reichstag mit einem Schaumwein- steuergesetzentwurf befaßt werden wird, der bei den letzten Steuerberatungen des Reichstages in Aussicht gestellt wurde. Ob für Saccharin der Steuerweg oder ein anderer beschritten werden wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist schon aus dieser Aufzählung, die durchaus nicht den Anspruch auf Vollständigkeit macht, zu ersehen, daß der Reichstag auch in seiner nächsten Tagung ein reichliches Arbeitsmaterial zu erledigen haben wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Juli 1900. *♦ Laubach, 29. Juli. Mit Ablauf der letzten Woche ist es in unserem Städtchen wieder ruhiger geworden. Die aus Frankfurt und Offenbach hier verweilenden Sommerfrischler haben es wieder verlassen, da der Beginn der Schulen in diesen Städten Alt mit Jung wieder zurück- ruft. Untergebracht waren hier zwei Ferienkolonien aus Frankfurt mit 55 Kindern. In einem Gasthaufe hatte sich ein Lehrer mit 6 Realschülern eingemietet, und außerdem hatten in Gasthäusern und Privatwohnungen etwa 50 Personen Unterkunft gefunden. Gar mancher unter ihnen hat der hiesigen Umgebung den Vorzug vor Taunusorten eingeräumt. Ganz besonders fand man den hiesigen Ort als Sommerfrische geeignet, da in unmittelbarer Nähe der Wald zu finden ist, der sich nach den meisten Seiten hin stundenlang ausdehnt. Insbesondere bietet der im Norden gelegene Ramsberg einen herrlichen Blick aus Vogelsberg, Wetterau, Taunus und Westerwald. Die Stadt sowie der Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs haben für Anlagen gesorgt, überall finden sich bequeme Sitzbänke und Tische. Eine farbige Markierung der Waldwege ist neuerdings durch den stets rührigen Zweigverein (V. H. K.) vorgenommen worden. — Wer Ruhe und Waldesluft sucht, wird sie hier sicher finden und angenehm enttäuscht sein, wenn er unsere Stadt mit Umgebung vielleicht seither geringschätzte. §? Eichelsachsen, 27. Juli. Am Dienstag wurde unser Lehrer Trautmüller zu Grabe getragen, der sein 50jähriges Jubiläum im nächsten Jahre gefeiert hätte. Pfarrer Groth aus Wingershausen hielt eine ergreifende Leichenrede. Kreisschulinspektor Backes sprach im Namen der Kreis Schul-Kommission Schotten, die auch erschienen war, Lehrer Link aus Rudingshain, Obmann des BezirkS- Lehrervereins Schotten, dessen Mitglied dee Verstorbene war, legte im Auftrage des Bezirksvereins einen prachtvollen Kranz nieder. Auch die Gemeinde ließ durch den Bürgermeister einen Kranz niederlegen. Jeder Schüler hatte dem beliebten Lehrer auch ein Sträußchen gewidmet. Ungefähr 40 Lehrer gaben dem Verblichenen das letzte Geleit, was beweist, wie sehr er unter den Kollegen geachtet und beliebt war. | -t- Höckersdorf, 27. Juli. Heute wurde der Lehrer Da mb mann nach Hartmannshain versetzt. Au dessen Stelle tritt Lehrer Schmidt aus Volkartshain. Somit wird also eine der Stellen endlich besetzt, zu der fich nach wiederholtem Ausschreiben der Behörde niemand gemeldet hatte, trotzdem diese Stelle keine der schlechtesten ist. Darmstadt, 28. Juli. Wir lesen in den „N. Hess. Volksbl.": „Herr Finanzminister Küchler hat sich wegen seines erneut aufgetretenen Halsleidens vor einigen Tagen im städtischen Krankenhaus einer schweren Operation unterzogen, die sehr gut geglückt ist, sodaß das Befinden des Herrn Küchler zurzeit als befriedigend bezeichnet werden darf. Wie wir aus absolut zuverlässiger Quelle erfahren, hat Herr Finanzminifter Küchler schon vor der Operation von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog seinen Abschied erbeten, da seine Dienftfähigkeit aufgehört habe. Diese Nachricht wird im Lande großes Bedauern Hervorrufen, da Herr Küchler während der zwei Jahre seiner Thätigkeit, trotz seiner Krankheit, die seine Schaffenskraft vielfach lähmte, ganz Außerordentliches geleistet und sich die größten Verdienste um unser Land erworben hat, welche man voraussichtlich erst in Zukunft in vollem Maße zu würdigen wissen wird.- Wir schließen uns diesen Worten des Bedauerns an. Sollte aber nicht auch das Scheitern der Volksschullehrer-Besoldungsvorlage an dem Rücktrittsgesuche des Herrn Finanzministers ein klein wenig schuld fein? Offenbach, 27. Juli. In der Schuhfabrik von F. u. I. Segelhorft entstand heute kurz nach Beendigung der Mittagspause eine Explosion, die aus die Verwendung von Benzin zurückzusühren ist. Ein in der Putzerei beschäftigtes Mädchen erlitt leichte Brandwunden. Im ersten Schreck spravg es aus dem ersten Stock in den Hof hinab und erlitt dabei einige Verstauchungen. Der entstandene Brand machte die Alarmierung der Feuerwehr notwendig, der es gelang, das Feuer alsbald zu ersticken und vor Allem jede Gefahr von der auf demselben Grundstück befindlichen Celluloidfabrik abzuwenden. Mainz, 28. Juli. Heute abend gab es vor dem Bureau der Westdeutschen Bau^Aktien-Gesellschaft einen großen Auslaus. Die Arbeiter dieser Firma konnten nicht ausgelohnt werden und nahmen eine so drohende Haltung an, daß Polizei herbeigeholt wurde. Auch das zahlreich versammelte Publikum nahm Partei für die Arbeiter. Schließlich begnügten fich die Arbeiter mit einer Abschlagszahlung. — Vor längerer Zeit desertierte, wie der „M. A." berichtet, der Zahlmeister-Aspirant Mertens von der 4. Batterie des Feld Artillerie-Regiments Nr. 63 (ftüher beim F.-A.-Regt. Nr. 27), nachdem er ziemlich bedeutende Unterschlagungen amtlicher Gelder begangen hatte. Er hielt sich, wie man erfuhr, in Belgien und dann in Frankreich auf. Jetzt scheinen ihm die Geldmittel auSgegangen zu sein und tn seiner Notlage hat er sich in Kolmar der Militärbehörde gestellt. Gestern ist er in baß Militär-Arresthaus eingeliefert worden und erwartet dort sein Urteil. Mainz, 27. Juli. Zur Mornbacher Affaire wirb bem „M. I." geschrieben: Das Mädchen, Christina Friedrich aus Neu-Isenburg, wollte ihren Bruder in Mainz besuchen. Da aber auf dem Polizei-Revier die Wohnung desselben mangels noch nicht erfolgter Anmeldung "nicht festgestellt werden konnte, beabsichtigte das Mädchen, unverrichteter Sachte wieder nach, Hause zu gehen. Gegen 12 Uhr mittags begegneten ihr zwei Männer, die es nach dem Wege zur Kasteler Brücke fragte. Die Männer besannen sich eine Weile, forderten dann das Mädchen zum Mitgehen auf, sie würden ihr einen sehr nahen Weg zeigen. Die Gesellschaft ging nun aber gerade in entgegengesetzter Richtung nach Mombach zu, woselbst sie noch in einer Wirtschaft sich restaurierten. Alsdann führten die Männer das Mädchen in den nahen Wald und begingen ein Verbrechen im Sinne des § 177 St.-G.-B. Der um Hilfe Schreienden hielten sie den Mund zu, drohten ihr mit dem offenen Messer, sie totzustechen. Schließlich! beraubten die Verbrecher ihr Opfer noch um die Papiere und 1 M. 50 Pfg. Die Papiere warfen sie nachher wieder weg. Das" Mädchen merkte sich außerordentlich das Signalement der Uebelthäter, was zur Verhaftung derselben führte. Auffallend erscheint es nur, wie das 21 jährige Mädchen sich der Gesellschaft dieser Männer von 12—4 Uhr nachmittags anschließen konnte, ohne zu einem Ziele zu gelangen. Sie scheint eine geistig und körperlich etwas vernachlässigte Person zu sein, doch machen die Depositionen durchaus den Eindruck der Wahrheit- Homburg v d.^H., 29. Juli. Intendant v. Hülsen aus Wiesbaden, der die Nordlandsreise des Kaisers mitmachte, ist gestern hier eingetroffen, um die Festlichkeit in betreff der Grundsteinlegung für das Reichs-LimeS- Museum auf der Saalburg vorzubereiten. Vorgestern fand im Theater-Foyer durch Herrn v. Hülsen die Einteilung der Mitwirkenden, Gruppierungen rc. statt. Die Montierungsstücke, auch Rüstzeuge rc. kommen aus Berlin. Gestern vormittag fand im Stadthaus unter Vorsitz des Herrn v. Hülsen eine Versammlung statt, zu der die Vorstände der mitwirkenden V reine geladen waren. Der Baurat Jacobi, Dr. Tettenborn u. a. waren zugegen. Daß Fest findet bestimmt am 11. August statt, wozu der Kaiser und jedenfalls auch die Kaiserin erscheinen. 31. Generalversammlung des deutschen und österreichischen Älpenvereins. Straßburg, den 28. Juli. Die 31. General-Versammlung des deutschen und österreichischen Alpenvereins wurde heute im großen Saale der Aubette abgehalten. Der Alpenverein zählt gegenwärtig 263 Sektionen mit 47 500 Mitgliedern. Vertreten waren 142 Sektionen mit 2750 Stimmen. Die Versammlung wurde von dem ersten Präsidenten des Zentralausschusses, Ministerialrat Burkhard (München) eröffnet und geleitet. Darauf hielten Bezirkspräsident Halm im Auftrage des Statthalters von Elsaß-Lothriugen, Bürger- meister Back und Professor Weber, Rektor der Straßburger Universität, Begrüßungsansprachen. Der Vorsitzende gedachte zunächst des bevorstehenden 70. Geburtstages des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich. Tie Versammlung brachte ihm ihre Glückwünsche telegraphisch dar. Der erste Schriftführer, Dr. Steinitzer (München) trug darauf den Jahresbericht, der Zentralkassier Haas (München) den Kassenbericht vor, der einstimmig genehmigt wurde. Für das Jahr 1901 sind Einnahmen und Ausgaben mit 307 300 Mark präliminiert, unter letzteren 173 000 Mark für die Vereinspublikationen und 75 000 Mark für Hütten- und Wegbauten. Die Versammlung schließt sich dem Bericht des Zentralausschusses zur Unterstützung volkskundiger Bestrebungen, sowie dem Anträge der Sektion Hamburg an, über Organisierung des Vortragswesens Erhebungen vorzunehmen. Eine Spezialkarte der Adamello- Gruppe befindet sich in der Vorbereitung. In den wissenschaftlichen Beirat wird der Meteorologe Hofrat Hann (Wien) gewählt, in den Weg- und Hüttenbauausschuß die Herren Justizrat Schuster (München) und Forchermeier (Bozen). Als Vorort für die Jahre 1901—1903 wird Innsbruck und der von dort vorgeschlagene Zentralausschuß mit Professor Dr. Jpsen als ersten Präsidenten, schließlich als Ort der Generalversammlung im nächsten Jahre Meran gewählt. Nach Schluß der Generalversammlung fand unter der Aegide des Alpenvereins die Konstituierrlng eines „Vereins zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen" statt, welcher Verein sich an die „Association de la Protection des plantes" anschließen wird, deren Begründer >und Leiter Professor Correvon (Genf) anwesend war. Der neue Verein, dessen Statuten genehmigt wurden, wird seinen Sitz in Bamberg haben und dort von Apotheker Schmolz und Professor Dr. Bindel geleitet werden. Dem Verein sind bereits 27 Sektionen und über 100 Mitglieder des Alpenvereins beigetreten. Dem Festessen im „Baecke- hiesel" reihte sich ein Abendfest in der „Orangerie" an. Gestern nachmittag fand ein Ausflug nach Zaberu Und Hochbarr statt. Abends war das Münster prachtvoll beleuchtet und der Broglieplatz illuminiert. Ausflüge in die Vogesen und den SckMarzwald folfeit sich in den nächsten Tagen an die Versammlung anschließen. Vermischtes. ** Abstürzen in den Bergen. Am 26. d. M. nachts stürzte ein Berliner Tourist mit zwei Führern beim Aufstieg von G o m o g o i auf den O r t - l e r ab. Ein Führer und der- Tourist sind tot. — Der 54jährige Trasoiführer Paul Platzer unternahm in Begleitung eines Holländer jüngeren Touristen über die Stieklepleisse den Aufstieg auf den O r t l e r. Beide stürmten ab und blieben tot. Die Leichen sind noch nicht gefunden. — Der 17 jährige Sohn des Führers Wyß in Wilderswyl bei Interlaken begleitete einen italienischen Touristen auf den Petersgrat (3200 Meter). Wyß siel in eine 25 Meter tiefe Gletscherspalte. Herbeigeeilte Führer konnten ihn nicht befreien. Wyß ist höchstwahrscheinlich' tot. Universität und Hochschule. — Der bisherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin Dr. Georg Simmel ist zum außerordentlichen Profeffor in derselben Fakultät ernannt worden. — Zum Rektor der Universität Leipzig für das nächste Studienjahr wurde Profeffor Zweifel gewählt. — In Wien ist der Profeffor an der Staatsrealschule im 7. Gemeindebezirke, Theodor Schmid zum a.-o. Profeffor der darstellenden Geometrie der dortigen technischen Hochschule ernannt worden. — Aus Lemberg wird die Ernennung des a.-o. Profeffor der National-Oekonomie, Rechtswissenschaften und Verwaltungslehre an der dortigen technischen Hochschule Dr. Ladislaus Pilat zum o. Profeffor der Rechts- und Staatswiffenschaften gemeldet. Ardetterbeweguuz. SS Hirzenhain, 27. Juli. Von 300 am hiesigen Hüttenwerk beschäftigten Arbeitern streiken seit vorigen Dienstag ca. 260 Mann wegen Lohndtfferenzen. Vorgestern wurde den Streikenden bekannt gegeben, daß sie am nächsten Montag die Arbeit wieder aufzunehmen hätten, anderenfalls würde der Betrieb eingestellt. Die darauf tn Merkenfritz abgehaltene Arbeiterversammlung hat beschloffen, die Arbeit nicht aufzunehmen. SpirtzlM irr -rrrmizt» Frnndsmter StMtzeaier. Opernhaus. Dienstag, 31. Juli, 7*/r Uhr: „Carmen". Im Abonn. Große Pr. Mittwoch 1. August 7 Uhr: Vorst, bei kleinen Preisen. „Die Fledermaus". Außer Abonn. Donnerstag, 2. August, 7 Uhr: „Martha". Im Ab Große Pr. Freitag, 3. August, Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen : Kreditaktien 207 70-000.000, Diskonto - Kommandit 175.30-175-175.20, Staatsbahn 189.30, Lombarden 25.20, Italiener 93.00 Spanier 72-72.10, ßpros. Mexikaner 25.40, Bochumer 197-196.90-197-196.50.80 bz., Laura 214.50 bez., Harpener 185 40 bz., Gelsenkirchen 193.00 B., Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr. Coupons 00.00, Amerik. 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Becker, gest. 23. Mai 1837. Im Quadrat IV. Wagner, Christoph, Hofgrnchtsrat, gest. 29. September 1835. Langsdorf, Johann Wilhelm, Geh. Rat gest. 5. Februar 1827. Im Quadrat VII. 1862. 5170 Doerr, Christian Karl, Hofgericktsrat, gest. 6. Oktober 1868. Im Quadrat VIII. Bermann, Franz Joseph, Hofgerichts-Advokat, gest. 18. Januar Im Quadrat IX. Steder, Margarethe, gest. 24. Otober 1856. Im Quadrat XIV. Steinhaufen, Franz, gest. 8. Mai 1877. Gemmer, Johann, Sergeant, gest. 6. November 1878. Im Quadrat XV. Hormann, Louis, gest. 16. Mai 1883. Faust, Margarethe, gest. 31. Januar 1881. Faber, Friedrich Emil, gest. 29. Juni 1886. Faber, Otto, gest. 4. Februar 1883. , „ Im Quadrat XVI. Altmayer, Marie, gest. 3. März 1888. c „ir n „ Im Quadrat XVII. Grond, Blasius, gest. 23. September 1889. w Im Quadrat XVIII. Strack, Ferdinand, Gerichts-Accessist, gest. 1. August 1881. Heß, Karl, Student von Darmstadt, gest. 28. Januar 1883. Schneider, Konrad, gtst. 8. Januar 1883. Pflichter, Elisabeth, geb. Benner, gest. 29. April 1883. Petri, Georg, gest. 15. Oktober 1883. Gießen, den 23. Juli 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. G n a u t h. Bekanntmachung. Ja der Zeit vom 26. Juli bis 17. August 1900 behandelt Herr Dr. Heichelheim die hiesigen Stadtarmen. Bestellungen für Stadtbesuche werden tn der medizinischen Klinik au Werktagen vormittags bis 11 Uhr und nachmittags von 1 Vz bis 4 Uhr, au Eouutageu nur biS 11 Uhr vormittags entgegen genommen. Gießen, den 25. Juli 1900. 5183 Die Armtn-Deputanon der Stadt Gießen. Hausverkauf. Das d?n Thekla Gär Erben dahier gehörige, am Marktplatz gelegene dreistöckige, geräumige Wohnhaus mit gewölbtem Keller und großem Bodenraum soll Montag den 6. August, vormittags IO Uhr, im hiesigen Nathause versteigert werden. Lauterbach, 25. Juli 1900. Großh. Ortsgericht Lauterbach. ___Stöpler. 5160 CSxhhVtiiu ÄßktjöTäffi Äsflflfr, lyk a.FßhtaJtiistSM tfortttnsy. LMM mit den ßaion-8chrrelIaampfefb Cftbta, Prinzessin «eiiffiCT, BltviTna. 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Tauueu - Scheitholz auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die für diese Lieferung gültigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bi» zum Freitag dem IO. August 1900, vormittags II Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Der Zuschlag erfolgt bis 17. August 1900. Gießen, den 21. Juli 1900. Großhcrzogl. Verwaltungs-Direktion der psychiatrischen Klinik. Sommer. 5C63 Bekanntmachung. Mittwoch den 1. August l. Js., nachmittags 2 Uhr, sollen die der FeldbereinigungS- gesellschaft Daubringen gehörigen ca. 4 Morgen Hafer in mehreren Losteilen, auf dem Stand, an Ort und Stelle versteigert werden. Daubringen, am 27. Juli 1900. Großh. Ortsgericht Daubringen. Walter. 5161 (lyiipfchliiiiijiii Zwiebelkuchen Dienstag, Donnerstag u. Samstag, morgens von Uhr ab. B. 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