Nr. 125 Zweites Blatt. Donnerstag den 31 Mai 1900 Gießener Anzeiger General-Unzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießmer M«mikie«ötL11er werben dem Anzeiger hrt Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter sür heff. Volkskunde- wöchtl. 4 mol beigelegt. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In« und AuSlaudeS nehmeu Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme »an Anzeigen zu der nachmittags für den fatßmden tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr, Abbestellungen spätesten- abends vorher. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2Lst monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestell« vierteljährl. Mk. l,9i monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Zlints» und Anzeigeblatt fut den "Kreis Gieren. •teMMen, Expedition und Druckerei: Ichwkllra-e Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Volkskunde. Äbreffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«» Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Die Kamiufegerbezirke zu Gießen. Wir haben den Kehrbezirk deS verstorbenen Kaminfeger- »ersters Ne bl zu Gießen dem Wilhelm Keil aus Fränkisch - Crumbach übertragen, welcher denselben am 1. Juni übernehmen wird. Gießen, den 29. Mai 1900. Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich. In der Zeit vom Samstag 2. Juni lfd. IS. bis einschließlich Freitag 15. Juni lfd. Jrs. liegen auf dem Rathause zu Garbenteich zur Einsicht der Beteiligten offen. 1 .^'DaS Wiesenmeliorationsprojekt (drei Pläne); 2 . Das Protokollbuch. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Samstag, 16. Juni lfd. Js., Bormittags «Vs bis 16 Vr Uhr im Rathause zu Garbenteich, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen, und auf Papier in Aktengräße, (mindestens ein halber Bogen) einzureichen. Friedberg, den 26. Mai 1900. Der Großh. Bereinigungskommiffär Süffert, Regierungsrat. Bekanntmachung. Betr.: Die Verwendung von Fässern mit dem bayerischen Aichungsstempel im öffentlichen Verkehr. Auf Grund von Verhandlungen zwischen den Bundesregierungen wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Weine in Fässern mit dem bayerischen Aichstempel nach dem übrigen Reichsgebiete, sowie umgekehrt Weine in Fässern mit dem deutschen Aichstempel aus den anderen Bundesstaaten nach Bayern unbeanstandet eingeführt, hier wie dort eingelagert und in den Originalgebinden weiter verkauft werden dürfen. Verboten ist jedoch, die entleerten Fässer zu Weinsendungen, sei es innerhalb des betreffenden Staates, sei es nach dem Ursprungsstaate des Stempels weiter zu verwenden oder etwa mit dem fremden Aichzeichen Auf S. W. S. „Wöve". Besonders für uns Gießener dürfte die auszugsweise Veröffentlichung von einigen Briefen eines. Marineunteroffiziers, eines Bruders des Herrn Friseur B. Tosch in den Neuen Bäuen Nr. 12, von Interesse Derlebe ist augenblicklich auf S. M. S. Möve in den südlichen Gewässern bei Vermessungen thätig und hat auch einen Strafzug gegen Eingeborene mitgemacht. Eine sehr schöne Waffensammlung, teilweise eroberte Waffen gelegentlich des vorerwähnten Strafzuges, hat Herr Friseur Da sch zur Aufbewahrung empfangen und um ihre Inaugenscheinnahme zu erleichtern, in seinem Fri eur- iaden aufgehängt. Ein Besuch dieser eigenartigen Ausstellung dürste angelegentliche zu empfehlen sem. Wir geben nun einen Auszug aus den uns zur Ver- sügung gestellten Briesen: Hongkong, 12. 1. 99. Lieber Bruder! Nach' genau sechswöchiger Fahrt sind lv>ir gestern wohlbehalten im Hasen von Hongkong vor Anker gegangen. Nun sitzt man wieder einmal in dem Diel umstrittenen Reiche der Mitte. Glücklicherweise halten tvir uns nicht allzu lange hier auf; denn schon am ■'S Febr sollen wir nach' Manila und von da auf unsere Statin nach Neu-Guinea. „Möve" ist Vermessungsschiff, u^d wir müssen daher die meiste Zeit in teilweise unbe- kmnnten Gegenden kreuzen, um Seekarten anzusertlgen und vorhandene Karten zu verbessern, Unser Haupthafenplatz isst Matupi, wohin wir alle sechs bis acht Wochen einmal ,chen, um Post zu holen und & FM erwartete ja durchjaus nicht, daß ich aus „Möve kmter Feiertage habe, aber es ist beinahe starker gekommen, M ich! glaubte. Ich hatte im Monat Januar allem (2 versehene leere Fässer über die Grenze einzuführen und »ach der Befüllung zurückzuliefern. Darmstadt, den 10. Mai 1900. Großherzogliches Ministerium des Innern. Rothe. v. Starck. Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Laudstäude. M. G. Darmstadt, 29. Mai 1900. In Erledigung des ersten Punktes der Tagesordnung wurde folgende B e i l e i d s a d r e s s e an Se. Kgl. Hoheit" den Großherzog einstimmig beschlossen: Allerdurchlauchtigster Großherzog! Allergnädigster Großherzog und Herr! Durch Allerhöchste Botschaft vom 25. d. Mts. haben Ew. Königl. Hoheit Allergnädigst geruht, an die Stände des Großherzogtums die Mitteilung von dem betrübenden Ableben Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm von Hessen und bei Rhein gelangen zu lassen. Ew. Königl. Hoheit glaubt die Zweite Kammer versichern zu dürfen, daß sie von diesem Trauerfalle mit tiefem Schmerze Kenntnis genommen hat. Wie das ganze Hessenvolk und seine Vertretung, die Zweite Kammer der Stände, mit Ew. Königl. Hoheit und dem ganzen Großh. Hause in Freud und Leid sich innig verbunden! fühlen, so teilen sie auch aus Anlaß des Dahinscheidens eines edlen Gliedes ihres angestammten Fürstenhauses Ew. Königl. Hoheit gerechten Schmerz Und bittet Ew. Königl. Hoheit die Zweite Kammer deshalb, den Ausdruck tiefsten und wärmsten Beileids allergnädigst entgegennehmen zu wollen. In der gleichen Gesinnung und echt menschlichem Empfinden fühlt die Zweite Kammer sich zugleich gedrungen, Ew. Königl. Hoheit und Ihrer König!.. Hoheit der Großherzogin den Ausdruck der herzlichsten Teilnahme an dem weiteren schweren Schicksalsschlage zu unterbreiten, durch welchen nach göttlicher Fügung die freudigen Hoffnungen unseres geliebten Herrscherpaares und des ganzen Landes vernichtet worden sind. Gott schütze Ew. Königl. Hoheit, Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin und das ganze Großh. Haus für alle Zukunft vor Heimsuchungen so tief trauriger Art! In tiefster Ehrfurcht ■ Ew. Königl. Hoheit allerunterthänigste, treUgehorsamste Zweite Kammer der Stände. Die Adresse wird kommenden Samstag durch das Bureau der Kammer überreicht werden. Eine sehr lebhafte Beratung entspinnt sich über die Wahl des Aba. Leun (Gießen-Land). Gegen die Wahlmännerwahl in Heuchelheim ist Protest erhoben worden. Die Wahl sollte laut amtlicher Bekanntmachung Kranke, also über 50 pEt. der Besatzung. Hauptsächlich, waren es Fieberrückfälle, jedoch hatte ich beinahe immer drei bis vier Schwerkranke liegen. Von an Land gehen war ich für diese Zeit dispensiert. Nun endlich kann man wieder einmal Luft holen und sagen: „Na, heute gehen wir auch mal an Land." Die Euch' von mir übersandten Reiseerinnerungen hebt mir aus. Ihr könnt Euch dadurch einen kleinen Einblick erwerben, in welchen Verhältnissen man nun zwei Jahre lang leben muß. Geld kennen die lieben „Deutschen" in jenen Gebieten noch, nicht. Am meisten schätzen sie Eisenware, Messer und Beile, wovon ich mir hier in Hongkong auch so einen kleinen Vorrat zulegte, um es nachher bei den Wilden gegen Kuriositäten zu vertauschen. Geld ausgeben kann man dort auch« nicht, denn Amüsement bei den Ka- nackern giebt es nicht. Ich mache deshalb Kapital. Das einzige Vergnügen ist die Jagd, welcher ich auch jede zu erübrigende Stunde widmen werde. Am nächsten Mittwoch, 1. 3., verlassen wir Hongkong, um vorerst Kurs nach Manila zu nehmen, von wo wir nach kurzem Aufenthalt nach Jap auf Neu-Guinea weiter gehen. Anfang April werden wir wohl auf unserer Station anlangen. Dann beginnt das zurückgezogene Leben, alle acht Wochen einmal Post. Matupi, 17. 4. 99. Wir stehen momentan vor einem wichtigen Ereignis, welches Euch zu schildern ich nicht unterlassen darf. Vor einigen Tagen traf hier die Nachricht ein, daß auf den Saiomonsinseln mehrereDeutsche ermordet und beraubt worden seien. Nun hat unser Kommandant beschlossen, morgen am 18. dahin zu gehen, um einen Strafzug gegen die Eingeborenen zu führen. Zu diesem Zweck gehen 22 Mann schwarze Polizeitruppen mit uns, welch« im Busch (Urwald) sehr gut zu verwenden sind. Unser Landungskorps beträgt an oie 50 Köpfe, mit Schwarzen 70, worunter natürlich auch ich. Uns gegen» von 4 bis 7 Uhr nachmittags stattfinden. Die Wahlhandlung wurde nach der Kirchenuhr um 4 Uhr eröffnet und Schlag 7 Uhr geschlossen. Es wurde festgestellt, daß die stets nachgehende Uhr, wie an jedem anderen Tage, so auch -am Tage der Wahl und zwar während des Wahlaktes, um 10 oder 7 Minuten nach der Gießener Normaluhr vorgerückt worden war. Der Unterschied im Wahlergebnis zu Heuchelheim betrug 34 Stimmen. Während früher der Ausschuß glaubte beantragen zu müssen, die Wahl des Abg. Leun für ungiltig zu erklären, beantragt er nunmehr auf Grund erneuter Feststellungen, nachdem er zu der Ueberzeugung gekommen, daß das Wahlergebnis durch den Vorfall nicht beeinflußt worden ist, in seiner Mehrheit, die Giltigkeitserklärung der Wahl, während die Minderheit (Abgg. Cramer und Pennrich) aus dem früheren Standpunkt des Ausschusses beharren. Die Abgg. Cramer und Dr. David entwickeln den Standpunkt ihrer Partei, wonach jegliche Verletzung des Gesetzes die Ungiltigkeitserklärung «der Wahl zur Folge haben muß. Abg. Dr. David übt außerdem Kritik an der Art und Weise, wie die nach? träglichen Ermittelungen angestellt wurden. Alles stütze sich auf die Aussagen der Wahlkommission, die selber Partei sei. Abg. Schmeel und mit ihm nahezu alle nichtsozialdemokratischen Redner, stehen auf dem Standpunkt, daß bei derartigen Vorkommnissen nur zu beachten sei, ob das Wahlergebnis durch das Vorkommnis beeinflußt worden sei. Daß die Wahlkommission einen Fehler gemacht, dafür liege nicht der geringste Beweis vor. Abg. Graf Oriola stellt ebenfalls fest, daß keine absichtliche Verkürzung der Wahlzeit erfolt sei. Die Aufforderung zu wählen, richte sich übrigens nicht nach der alten Heuchelheimer Uhr, son- oern nach der wirklichen Zeit; es sei also richtig geschlossen, aber zu spät mit d'em Wahlakt begonnen worden; daß dieser späte Beginn Einfluß auf die Wahl gehabt, sei weder erwiesen noch behauptet. Abg. Weidner hält für aus-, geschlossen, daß in der Zeit von 7 Minuten noch 34 Personen ihr Wahlrecht hätten ausüben können. Abg. Schlenger sieht nicht den Beweis erbracht, daß den in, Gießen arbeitenden Heuchelheimern nicht die volle Mögliche feit gelassen worden sei, rechtzeitig zum Wahlakt zu erscheinen. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Wolf, Ulrich, Weidner, Graf Oriola, Seelinger, Dr. David und den Schlußworten des Berichterstatters^ Backes wird die Wahl gegen acht Stimmen für gUtig erklärt. Präsident Haas widmet dem verstorbenen Abgeordneten Kreimer einen warmen Nachruf; das Haus erhebt sich zu Ehren des Toten von den Sitzen. Abg. Reinhart regt die Neben bahn frage an, und es ivird festgestellt, oaß diese im Einverständnis mit der Regierung bis zum Herbste l. I. vertagt worden ist. Abg. Graf Oriola und mit ihm andere Abgg. (Molthan und Weidner) bedauern diese Thatsache, ersterer im Hinblick auf die hierdurch verursachte empfindliche Störung! der Feldbereinigung, da man nicht wisse, ob die jeweils über steht eine Schur von ungefähr 1000 Kriegern. Gelingt es denen, sich' zu vereinigen, dann werden wir einen schweren Stand bekommen, denn mit Pfeil und Bogen auf 100 Meter treffen sie den Mann. Hoffentlich werden wir sie alber derart überraschen, daß sie nicht zum Schuß kommen, bevor wir mit ihnen abgerechnet haben. Herbertshöhe, 1. 6. 99. Ich! schieße und verspeise eben viele Papageien, vor 14 Tagen schoß ich an einem Tage 14 Stück. Allerdings mußte ich erst mehrere Stunden in dem Busch Vordringen, was jedoch mit Hilfe eines Negers ganz gut ging. In meinem letzten Briefe erwähnte kfy eines Strafzugs auf den Salomons Inseln, der auch richtig am 21. 4. in Szene ging. Wir bekamen in Herbertshöhe 20 Neger von der Polizeitruppe an Bord, ebenfalls den Gouverneur von Neu-Guinea und gingen nun unter fieberhafter Thätig- keit in See. In allen Winkeln sah man nur Vorbereitung; zur Landung und zum Gefecht. Lazarett macht Verbandpäckchen, Feuerwerker fettet Gewehr- und Revolverkugeln, Büchsenmacher schleift die Seitengewehre usw. Am 21. morgens 2 Uhr Wecken, darauf Frühstück. Das Landungskorps klar machen zur Landung. Unter lautloser Stille mußten die Boote armiert werden, denn wir lagen nur eine Seemeile von Land, und ein Neger hat ein äußerst scharfes Gehör. Um einhalb vier Uhr setzten die Boote von Bord ab, zwei Dampfpinassen, ein Ringboot, zwei Jollen und eine Gig. In letzterer mein Stabsarzt und meine Wenigkeit, sowie meine Krankenträger, alles bis an die Zähne bewaffnet. Als der Tag zu grauen ansing, ging es zur Landung vor. Leider hatten uns die Schwarzen entdeckt, als wir dicht unter Land waren, und tm Nn war das ganze Nest ausgeflogen, ehe es uns gelang, durch die Brandung an Land zu kommen. Wir sahen ste nur nMf> verschwinden und horten ihr ohrenbelaubendes Geheul. Nun begann ein Tnrchsuchen der Hutten mit stets schuß- in Betracht kommende Bahn gebaut werde oder nicht; es sei dringend wünschenswert, daß endlich diese Angelegenheit, in der die preußische und hessische Regierung einig seien, auf deren Erledigung die Kammer seit 10 Jahren warte, beendet werde. Eine größere Anzahl Positionen wurde hierauf nach Antrag dies Ausschusses erledigt. U. a. wurden für die Mobiliarausstattung des Kreisamtsgebäudes in Alsfeld 5300 Mark, zur Wiederherstellung der Friedberger Stadtkirche im Interesse der Erhaltung dieses mittelalterlichen Bauwerks außer den bereits gewährten 150 000 Mark weitere 50000 Mark bewilligt. Tie Regierungsvorlage, Errichtung von T i e n st w o h n u n - gen fürGendarmen betr., wird nach Erklärungen der Regierung, die neue Pläne hat ausarbeiten lassen, auf Antrag des Abg. Graf O r i o l a an den Ausschuß zurückverwiesen. Für den Neubau eines Ueberwinterungshauses und Herstellung der Wege im Botanischen Garten zu Gießen werden 46000 Mark, für die Neuen Kliniken in Gießen (Kohlenschuppen am Kesselhaus, Verbesserungen der Warmwasserversorgung in der psychiatrischen Klinik, Umbau des gußeisernen Tampfsammlers und Herstellung einer zweiten Dampfleitung) 21130 Mark, für bereits ausgeführte bauliche Veränderungen verschiedener Räume des Universitätsgebäudes in Gießen und für seine Mobiliarausstattung 9200 Mark, für bauliche Veränderungen der Blindenanstalt in Friedberg 35 400 Mk. bewilligt. Der Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes vom 7. Juli 1896, die Entschädigung für an Milzbrand und Rausch brand gefallenen Tiere will die Entschädigungspflicht auf die an Rotlauf gefallenen Schweine erstrecken und Schutzimpfungen gegen Rauschbrand und Schweinerotlauf ermöglichen, der Gesetzentwurf wird angenommen. Ein zu ihm gestellten Antrag des Abg. Kosell, in den Gesetzentwurf die Entschädigung der an Maul- und Klauenseuche gefallenen Tiere aufzunehmen, hat im Ausschuß eine sympathische Aufnahme gefunden. Die Wichtigkeit des Antrags wird von den Abgg. Weidner, v. Brentano anerkannt, der Antrag selbst von dem Antragsteller lebhaft begründet. Das Haus beschließt, den Antrag der Regierung zur Erwägung zu geben und sie zu ersuchen, dem 31. Landtag einen diesbezüglichen Gesetzentwurf vorzulegen. — Die Regierungsvorlage, Beitrag zu den Kosten für Errichtung von Lungenheil- a n st a l t e n betr., beabsichtigt einen einmaligen Beitrag von 50 000 Mark zu den Baukosten einer Lungenheilanstalt für Frauen, die vom Viktoria-Melitta-Verein ins Leben gerufen wird, zu bewilligen. Nach Mitteilungen des Staatsministers Rothe ist beabsichtigt, auch fernerhin Staatsbeiträge zu den Betriebskosten zu leisten. Die Vorlage wird allseits freudig begrüßt. Abg. Schröder will sich) mit seiner heutigen Zustimmung für später nicht gebunden wissen und bringt finanzielle und medizinische Gesichtspunkte vor, die ein lebhaftes Eingreifen des Staates als verfrüht erscheinen lassen könnten. Abgg. Ulrich und Reinhart sind der Ansicht, daß der Staat selbst staatliche Anstalten gründen müsse, um der verheerenden Krankheit zu steuern. Ter letztere sieht das Hauptbekämpfungsmittel der Tuberkulose in der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse. Staatsminister Rothe legt den Standpunkt der Regierung und die Bereitwilligkeit, hier mit vollen Händen zu geben, dar, glaubt aber, daß nicht unter Staatszwang stehende Anstalten sich leichter und rascher entfalten und wirken können. Abg. Molthan wünscht gleichfalls staatliche Lungenheilanstalten. Abg. Graf O r i o l a führt aus, daß man wenig zögere, das für die Landwirtschaft Notwendige zu thun; es sei auch! Pflicht und Schuldigkeit, da einzutreten, wo es sich um die Besserung der Lage unserer notleidenden Mitbürger handele. In der Hütte des armen Mannes müsse man besonders Hilfe schaffen. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Ulrich, Schröder und Wolf.wird die Vorlage einstimmig genehmigt. Der Vorstellung der Hess. Militär an Wärter, Anrechnung ihrer Militärdienstzeit als Besoldungsdienstzeit betr. wird nicht stattgegeben, der Antrag Sch le n g er u. Gen., der eine Erhöhung der Vergütungen der Schulverwalter und Schulverwalterinnen um 100 Mark erstrebt, für erledigt erklärt, da die Regierung dem Ansinnen Folge geben will. Die Regierung wird ferner ermächtigt, entsprechend früheren Beschlüssen die erhöhten Vergütungen für provisorische Lehrer an den staatlichen Höheren Lehranstalten (2100 Mk. bis 2600 Mk.) auch! auf die in provisorischer Weise an den Höheren Bürgerschulen verwendeten akademisch gebildeten Lehrer zu erstrecken. bereitem Revolver oder Gewehr, um die geraubten Gegenstände von dem ermordeten und wie man mit Ge- wißheit annehmen kann, aufgefressenen deutschen Kapitän eines Schooners zu entdecken. Als das gefunden, wurden Speere, Pfeile und Bogen als Kriegsbeute gesammelt und darauf das Torf TimbutzdenFlammen übergeben. Bei unserem Landungszug hatten wir fünf Tote zu verzehren, das heißt Schweine, die wir in Ermangelung eines andern erschossen, und die ein treffliches Mittagsmahl abgaben. Ter zweite Landungszug, bestehend aus den 20 Polizeisoldaten mit ihrem schwarzen Unteroffizier brannten em anderes Torf' ab und töteten neun Ein- geborene. Zwischen 8 und 9 Uhr kehrten die Sieger an Bord zurück. Gegen Mittag zeigten sich nm Strande cme Schar von 20 bewaffneten Negern, worauf unsere erste Rcvolverkanone einige Granaten warf, die eine Flucht in möglichst beschleunigten Tempo zur Folge hatten. Bei der nun folgenden Expedition nach F a i s i wurde der Verbrecher^ ein Brandstifter,ohne weiteres ausgeliefert- an Bord in Fußschellen gelegt brachten wir ihn nach Her- bertshöhe, wo er dem Kaiserl. Richter übergeben wurde. M a t u p i, 26. 7. 99. Mit letzter Post bekamen wir von Berlin aus Befehl, am 10. nächsten Monats nach Sydney in See zu gehen zur Erholung der Besatzung. Ende Dezember sollen wir wieder nach Neu-Guinea zurückkehren. Jedenfalls giebt es in Sydney für uns ein tüchtiges Zähneklappern, da bekanntlich zur Zeit des deutschen Sommers dort Winter ist. Meine ethnologische Sammlung wird täglich schöner, Nach Erledigung weiterer kleinerer Vorlagen wird die Sitzung um 1 Uhr geschlossen. Nächste Sitzung: Mittwoch, 30. Mai, Vorm. 9 Uhr. Wichtigster Gegenstand: Gesetzesvorlage, die Gehalte der Volksschullehrer betr. Politische Tagesschau. ** Ein Arbeitsprogramm für den Goethebund hat Ferdinand Avenarius entworfen. Er sagt darüber in seinem „Kunst- wart" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) u. a.: Ich möchte fragen, ob der Goethebund nicht versuchen könnte, ein „Parlament" zu bilden nicht der „Interessen", sondern der Intelligenz des Volkes. Die Anwendung des Paragraphen vom groben Unfug auf die Presse, die bekanntlich der Absicht des Gesetzgebers widerspricht, wäre ein erster solcher Gegenstand. Und nicht nur dieser Vorläufer der Heintze-Kunstparagraphen, sondern die Tendenz überhaupt müßte bekämpft werden, die Strafbestimmungen zur Beengung des freien Worts zu erweitern. Man denke an die ausgedehnte Anwendung des dolus eventualia. Man denke an den ambulanten Gerichtsstand. Man denke an die Erweiterung des Begriffes der Majestätsbeleidigung auf Vorfahren der regierenden Fürsten. Man denke an das dem natürlichen Rechtsgefühl geradezu unsittlich scheinende Verfahren in Sachen der Majestätsbeleidigung, das zu Gunsten einer staatsrechtlichen Fiktion den Wahrheitsbeweis einfach ausschließt, so daß zu hohen Strafen verurteilt werden kann, wer nichts als die lautere Wahrheit in reinster Absicht gesagt hat. Ja, in reinster Absicht, denn dieses Verfahren erkennt ja auch keinerlei berechtigte Interessen als strafmildernd an. Man denke daran, daß unser Gesetzbuch unter „berechtigten Interessen" überhaupt nur solche gelten läßt, die rein egoistisch sind. Verficht etwas, woran du mit zehn Mark beteiligt bist, und sie schützen dich, verficht uneigennützig das Recht eines andern, der sich nicht selber helfen kann, und sie schützen dich nicht. Man denke an die oft sehr anfechtbaren Entscheidungen über Gotteslästerungen und Unsittlichkeiten und an die Macht, die hier schon jetzt ohne Lex Heintze ganz untergeordneten Organen zusteht. Man denke an unsere Theaterzensur. Man denke an die Versuch'-, Journalisten zur Verletzung des Redaktionsgeheimnisses zu zwingen, also zur Verletzung ihrer Berufsehre. Man denke an die entehrende Behandlung von Redakteuren, die wegen nicht entehrender Preßvergehen verurteilt sind. Da ist weiter die Mißwirtschaft gewiffer Telegraphenbureaus zum Vorteil bestimmter „Jntereffentengruppen". Wie der Goethebund einmal zusammengesetzt ist,' glauben wir: diese das Schädliche abwehrende Thätigkeit wird er am besten leisten können. Aber vielleicht kann er in der That auch aus sich heraus positiv fördern? Da sind all die Bestrebungen, der geistigen Arbeit die materielle Grundlage zu sichern, die über das Urheberrecht hinaus bis zu jenem „Urheberschatze" führen, den wir im ersten Januarhefte dieses Jahres als ein schönes Traumbild gezeichnet haben. Das geistige Schaffen einer-, das geistige Genießen anderseits nach Menschenmöglichkeit unabhängig zu machen vom Gelderwerb — gewiß, was stellt dieses höchste und letzt? Ideal einer praktischen Kunstpolitik auch dem Goethe- bunde für herrliche Aufgaben! Und es ist wahr: die Wege zu ihrer Lösung treten schon so klar aus den Morgennebeln hervor, daß es keine Weltenstunde mehr brauchen wird, bis wir sie gemeinsam betreten können. Es wird kaum solange dauern, bis wir über die Fragen der ästhetischen Erziehung einig sind. Aus Stadt und Land. (Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen») Gießen, 30. Mai 1900. *♦ Seschicht-kalender. (Nachdruck verboten.) Vor 156 Jahren, am 30. Mai 1744, starb zu Twtckenham der englische Dichter Alexa-nder Pope. Beschreibende Naturschilderung, philosophisch- moralische Betrachtung der Menschen und des LcbenS, und vor allem kritisch didaktische Abhandlung in Versen sind sein Hauptgebiet. Berühmt auch in Deutschland ist sein Gedicht: „Der Lockenraub". Pope wurde am 22. Mat 1688 in London geboren. — Vor 91 Jahren, am 31. Mai 1809, starb zu Wien der Schöpfer der modernen Instrumentalmusik Franz Joseph Haydu. Als Sohn eines armen WagnerS und fröhlichen Harfenspielers bildete er sich unter Mühen und Entbehrungen durch eigene Kraft aus. Dreißig Jahre lang wirkte er als Kapellmeister des Fürsten Esterhazy. Nach dem Tode des Fürsten ging er nach London, wo man ihn mit Ehrenbezeugungen Der schüttete. Als hoher Sechziger schrieb Haydn sein unsterbliches Meisterwerk: „Die Schöpfung" und „Die Jahreszeiten". Er wurde am 31. März 1732 zu Rohrei a. d. Leitha geboren. * * Achtzigster Geburtstag. Man schreibt und: Ein jugendfrischer Greis, ein Förderer alles Guten und Freund alles Schönen, insbesondere der freien Natur, ein allbeliebter, echt deutscher Charakter, Dr. Eduard Stammler, kgl. preuß. KreisphysikuS i. P., tritt heute, am 30. Mai, in fein 80. Lebensjahr ein. Alle, die ihn kennen, wünschen )em hochverehrten Herrn bis zu den entferntesten Markleinen des menschlichen Lebens ein ungetrübtes Alter bei lauernder Gesundheit. * • Matsch. Einspänner (englisch Vollblut) gegen Fahrrad. Ein interessanter Match wurde gestern zwischen manches wertvolle Stück ist dazu gekommen. Durch Allerhöchste Kabinetts-Ordre wurde mir ein neuer Titel zugelegt, leider ohne finanzielle Vorteile. Ich heiße nämlich nicht mehr San.-Geh., sondern Sanitäts-Maat. Matupi, 1. 1. 1900. Am 20. 12. trafen wir nach einem langen, sehr teuren Aufenthalte in Sydney wohlbehalten unter unseren schwarzen Landsleuten wieder ein. Die ersten sechs Tage unserer Reise gehörten nicht zu den angenehmsten meiner Seefahrt. Stürmisches Wetter und Maschinenhavarie trieben uns 18 Stunden lang an einem Tage von unserem Knrse ab. Dazu noch die gedrückte Stimmung, 14 Tage vor Weihnachten von dem Eldorado Australiens scheiden zu müssen. Es waren doch herrliche drei Monate, die Erholungszeit in Sydney. Da uns ein neues Oberdeck gelegt wurde, mußte die ganze Besatzung ausquartiert werden. Angenehme Nachbarschaft, unberschränkter Urlaub und eigenes fein möbliertes Zimmer gehörten zu den Hauptannehmlichkeiten. Als nun am 6. 12. v. M. unter den Klängen des bekannten „Muß i denn" die „Möve" in See ging, wimmelte die Landungsbrücke von Bekannten und Freunden, Deutschen und Australiern. Mit einem letzten kräftigen Hurra war der schöne Traum vorbei, und nun sitzen wir wieder gemütlich, im Lande mit der großen Zukunft nnb leben von Erinnerungen. — Nächste Woche gehen wir wieder in den Kampf mit den Kannibalen der Admiralitäts-Inseln. Jedenfalls wird es etwas heißer als in Timbutz, da die Bande 50 Gewehre und Munition besitzt. dem Umverfitätsstallmeister Kreuzburg und demFahrral. Händler Wilhelm Hamel ausgetragen. Es handelte si-tz darum, wer von beiden schneller die Strecke Dutenhofen-- Dorlar-Atzbach-Heuchelheim-Gießen nehmen würde, Herr Kreuzburg mit einem englischen Traber ober Herr Hamel mit einem Fahrrad. Zahlreich waren unsere Sportleute gegen 5V3 Uhr nachmittags am Ziel auf der Rodheimer- straße erschienen, und begrüßten als Sieger den Radler der mit knapp 10 Minuten Vorsprung in brillanter fassung anlangte. ** Unfall auf der Bieberthalbahn. Ein Gießener hatte am Sonntag das Unglück, bei der Benutzung der Bieberthalbahn der Strecke Gießen—Heuchelheim von der Plattform eines Personenwagens abzustürzen. Glücklicherweise hatte er nur nachträglich über etwas Kopfweh zu klagen. Der Vorfall hätte aber auch ernstere Folgen haben können. Die Ursache des Unfalls war, wie man uns schreibt,, darin zu suchen, daß der an der Plattform des Personen, wagens angebrachte querlaufende Eisenstab fahrlässig eingehängt war. Bei dem geringsten Anlehnen an ihn konnte es nicht ausbleiben, daß er aus seiner Lage gebracht wurde. Es dürfte zum mindesten im Interesse des reisenden Publikums liegen, daß auf der Plattform eine warnende Aufschrift angebracht werde, etwa: „Nicht anlehnen." • • Großen-Linde», 29. Mai. Der hiesige Turnverein beabsichtigt, am 17. und 18. Juni das Fest seiner Fahnenweihe, verbunden mit Schauturnen, zu begehen. Nach den bis jetzt getroffenen Veranstaltungen verspricht das Fest einen großartigen Verlaus zu nehmen; haben doch bereits eine Anzahl Turnvereine des Gaues Heffen ihr Er. scheinen fest zugesagt, und weitere in Aussicht gestellt. Hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen, und verschont uns an diesem Tage mit dem an Turnfesten üblichen Naß. 4- Grnnbrrg, 29. Mai. Die Errichtung eines Elektrizitätswerkes für unsere Stadt scheint nunmehr gesichert, nachdem die Anmeldungen zur Stromentnahme in genügender Anzahl eingelaufen sind. Es sind bereits nahezu 1000 Flammen, sowie mehrere Elektromotore und zahlreiche Kochapparate gezeichnet. Der Unternehmer, Schäffer Frankfurt a. M, hofft, den Bettieb noch in diesem Jahre eröffnen zu können. H'ähnlein, 29. Mai. Philipp Schweickert, Sohn des Jägers Karl Schweickert, erzog vor drei Jahren ein kleines Reh an einem Fläschchen. Das Reh wuchs zusehends, und ist so zahm, daß es frei im Hofe, Straße und Garten herumläuft, und des Abends wieder in seinen Stall zurückkehrt. Voriges Jahr, anfangs August, in der Brunftzeit, war genanntes Reh nicht mehr zu halten, und blieb etwa 10 Tage aus. Auf einmal fand eS sich wieder in feinem Heim ein. ES kam direkt vom Bensheimer Wald. Anfangs April war es ersichtlich, daß das Reh trächtig sei. Am 10. d. M. warf dasselbe zwei prächtige Junge. Gewiß eine große Naturseltenheit. ** Gre»zhanseu, 29. Mai. Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat auf Antrag des hiesigen Gewerbe. Vereins beschloffen, während der ganzen Dauer der Keramischen Ausstellung hier, also vom 3. bis 17. Juni, Sonderzüge zwischen Grenzau—Grenzhausen im Anschluß an alle fahrplanmäßigen Züge zu befördern. Herborn, 29. Mai. Mit dem heutigen Tage ist für )en Bereich des Regierungsbezirks eine „landespolizeiliche Anordnung" in Kraft getreten, welche die Herabminderung der Einschleppung von Maul- und Klauenseuche be- < wecken soll, aber auf der anderen Seite eine schwere Schädigung der Viehmärkte des Regierungsbezirks darstellt. Sie ordnet an, daß zu den Märkten im Regierungsbezirk nur solches Vieh eingesührt werden darf, daS- eine sechs- tägige Beobachtungszeit durchgemacht hat, und nach einet zweiten tierärztlichen Untersuchung entlasten ist. Diese zweite Untersuchung erfolgt auf Staatskosten zwischen dem 7. und 9. Tage, und zwar gelegentlich anderer Dienstreisen: die Kosten fallen dem Besitzer der Tiere zur Last, wenn derselbe zu einer andern Zeit einen besonderen Besuch des Tierarztes beantragt. Diese Anordnung war der Gegenstand einer am Sonntag hier abgehaltenen Protestver- sammlung. Die enorme Schädigung, die Händler, Metzger, Kaufleute rc. durch die Verordnung erfahren, wurde scharf betont, und eine Protestresolution angenommen, in der die Forderung aufgestellt wird, daß der benachbarte Kreis Wetzlar in diesem Falle als zum Regierungsbezirk Wiesbaden gehörig betrachtet werden möge. Die Resolution wird gedruckt und soll den anderen interessierten Ortschaften zwecks eines ähnlichen Vorgehens übermittelt werden. * Frankfurt a. M., 29. Mai. Im Gymnasialverein sprach Direktor Reinhardt vom Goethegymnafium für die Reformgymnasien. Er ist der Ansicht, daß man durch Ueberzeugung die Reform herbeiführen müffe. Vor allem wollen wir die Bildung des Charakters auf dem Gymnasium, und es fei besser, wenn wir ein sechsjährigeS- vollkommenes Gymnasium haben, als ein neunjähriges un* vollkommenes. Seiner Ansicht nach stehe die Bevölkerung stark auf Seite der Resormgymnasien. Die Vertreter des Gymnasiums haben ein starkes Wort mitzureden, aber sie sollten nicht mehr an dem Standpunkt des non posaumu» festhalten. — Der heutige Polizeibericht zählt seit Anfang April nicht weniger als drei Kindesmorde und eine Kindesaussetzung auf. Er schreibt über die verschiedenen Fälle: Anfang April wurde im Straßenkehrichl hinter der GalluSwarte die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden. Das Kind war stark verbrannt. Die Obduktion hat ergeben, daß es ein lebensfähiges Kind gewesen und vor drei Monaten, also im Januar d. I., bei Seite geschafft worden ist. Am 13. Mai wurde am Kettenhof- weg die Leiche eines neugeborenen Kindes (Knabe) im Grase ganz nackend gefunden. Die Obduktion hat ergeben, daß das Kind etwa acht Tage gelebt haben kann. Am 25. Mai wurde auf dem Hofe Friedbergerlandstraße 271 ein soeben geborenes Kind (Knabe) in einer gewöhnlichen, alten Pappschachtel 6*3*. y gebracht be6 rchndkn^ ,ne toarntnbt ti lkilchnev.- $BI, um das Fest «niiUh Angell üerfpn: le9®tn; haben t? E Hessen hf n w < und üetf^ont sä üblichen foj. Achtung (imi E scheint noni; Stronientiich! find bereit« H, "°re und Schässer^A » diesem Ich n. V? $«iii r-tz *>'"■ «tz «i»M Sb> ‘“Mol ?■ 5 » hveiikert, Seh- >r drei Aa-rt» ein aS Xtf wfyjii' im M Straft ' toitbtr in feine» I -llgust, in btt r jo halten, unb d es sich wieder ensheimer Waid. aS Reh trächtig »rächtige Junge. isenbahndirektion ich^en Sewerbk' M DE k l\\o vm 3. fö M-VmzhB lügt zn btförbem. Eigen Tage ist für „landespolizeilich! it Herabmindem! lauenseuche Vv peile eine schwere lgSbeM barflefli i RegierungS^/ri • das eine sechs- and nach «nn Ich»»- V M l#11 !re zur A M sonderen Besuch v- id mar der Gegel m P'°'L ing, * U roibnung erfahr' Mion**® bafc der WF®. sij* •*ws£ PÄ F ein E i« * *Ä* hi !»•’ , di- * iirM . .,«1« “ft*? ar >• Mte# iird- «l'Ld-i» WÄi* L« lebend aufgefunden. Dasselbe war in eine alte leinene Windel, rot gezeichnet E. (G. oder K.) B., eingewickelt. Endlich wurde am 29. Mai am Schlachthofe, nicht weit Dom Main, eine Kindesleiche (Mädchen) in einem Kistchen aufgefunden. Bei der Leiche befand sich ein Handtuch und eine Schürze ohne Zeichen. Das Kind muß in der Nacht zum 29. geboren fein. Bis jetzt ist es in keinem Falle gelungen, die Mutter zu ermitteln. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Stadtverordneten in Offenbach genehmigten ern Ortsstatut, nach dem die Sonntagsarbeit der kaufmännischen Angestellten in Großgeschäften, Fabriken und Banken verboten ist. Nur an 12 Sonntagen ist die Arbeit von früh 8 bis 9 Uhr in Ausnahmefällen gestattet. Jedoch muß dann ein begründetes Gesuch, in der Regel zwei Tage vorher, der Polizeibehörde eingereicht werden. — Der von der Stadt Mainz berufene Sachverständigenausschuß, dem die Beurteilung der auf das Ausschreiben eingelaufenen Pläne zum Bau eines neuen Stadtteils am kurfürstlichen Schloß obliegt, hat seine Beratungen aufgenommen. Die Verhandlungen werden acht Tage in Anspruch nehmen. — Im Winterhafen von Mainz wurde die Leiche des seit etwa 14 Tagen aus Würzburg verschwundenen Buchhalters Reinhard geländet. — Durch einen jähen Tod ist Ober» RegierungSrat v. Bremer in Kassel aus dem Leben geschieden; er wurde in seiner Wohnung in der WilhelmShöher Allee unmittelbar nach einem Bade von einem Gehirnschlag betroffen, der. seinen sofortigen Tod herbeiführte. Der rüstige 65jährige Herr hatte noch tags zuvor seine Gemahlin, die nach Kissingen reifte, an die Bahn begleitet. Vermischter. • Ueber einen großen Fahrradschwindel berichten die „Oldenburger Nachrichten": Große Nachfrage herrscht seit einigen Tagen nach einem Kaufmann, der in hiesiger Stadt eine Fahrradhandlung eröffnen wollte. Er wollte eS nur, denn vor der Eröffnung ging der Herr — hier nannte er sich Kleinhase — wie es heißt auf Nimmerwiedersehen, auf Reisen. Derselbe erließ in letzter Zeit große Annoncen, die natürlich auch noch nicht bezahlt sind, in denen die Lieferung erstklassiger Fahrräder zu billigen Preisen und bei geringer Anzahlung, 20—25 Mk. unter monatlichen Ratenzahlungen von 5—10 Mk. versprochen wurde. Infolgedessen liefen die Geldsendungen aus allen Teilen Deutschlands massenhaft ein; ein jeder wollte den billigen Kauf nicht versäumen. Vielleicht hat bei einigen auch der Gedanke, die Ratenzahlungen baldigst nach Empfang deS Vehikels einzustellen, dazu beigetragen, die 20 Mk. einzusenden. Die Räder kamen aber bei den Bestellern nicht an, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die erste oldenburgische Fahrradhandlung ober -Ausstellung Überhaupt noch nicht existierte. Der Geschäftsinhaber hatte genug zu thun, alle Anfragen zu beantworten, sowie die Prospektversendungen zu erledigen. Zu diesem Zwecke hatte er mehrere Personen angestellt, die ihm beim Adressen- schreiben Hilfe leisteten. Da nun den Einsendern von Geldern die Wartezeit bis zur Lieferung der Räder zu lange dauerte, so wandten sich mehrere an die hiesige Polizei, jedoch zu spät, denn als diese kam, war der Vogel auS- geflogen. Ec soll etwa 5-6000 Mk. von den Vertrauensseligen mitgenommen haben. Seine Hinterlassenschaft besteht aus etwas sehr defekter Wäsche. Geschädigt sind außer den vielen auswärtigen Geldeinsendern, hiesige Druckereien, die Prospekte und Annoncen druckten, die Besitzer der von ihm gemieteten Lokale und seine Angestellten. Kunst und Wissenschaft. — Der Generalintendant dec Könifll. Hofmusik in München, Freiherr v. Perfall, ist um die Enthebung von der Leitung der Akademie der Tonkünste, mit der er seit ihrer Gründung (damals Königlich, Musikschule genannt) verbunden ist. eingtkommen. Ui fache sollen Verstimmungen über das Kullusmtnistertum und die ElatS- beralunoen im bayerischen Landtaae sei". Gingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Gießen, 29. Mat 1900. Die Steuer jette l sind auch in dies m Jahre wieder recht v rspäl.t auügegeden worben. Nun hätte man billig erwarten dürfm, daß von Seite», der Steuerbehörde, nach den Erfahrungen des Vorjahres, angeordnet würde, daß die Entrichtung der Steuer in dm ersten Wochen täglich - selbstverständlich rnit'.AuSnahme deS Sonn- tags - stattfinden könnte. Das ist nicht geschehen ! Wir stehen also wie tm Vorjahre vor solchen Verhältnissen, daß die Entrichtung der Steuer für die Zäher geradezu zur Tortur wird, weil-wieder ein solcher Andrang sein wird, daß er gesundheitSgefährltch wirkt. Wir haben es erlebt, daß tm vorigm Jahre Leute unver- rlchkrtrr Sache Weggehen mußten, weil es ihnen tm Gedränge übel wurde. Wenn die SteurrbchLide mit Recht auf pünktliche Steuer» entrichtung hält, dann kann das Publikum mit demselben Rechte verlangen, daß ihm die Möglichkeit dazu gegebm wüd. Cm e. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener lverkstätte. Gießen, Airchenplatz g.__115 „Die beste Seife werde nicht verfehlen, dieselbe überall zu empfehlen ; so äußerte sich Herr Dr. E. über die Patent-Myrrholin-Seife. Diese Ansicht hat eine sehr große Anzahl hervorragender Aerzte, wie die uns vorliegenden Schreiben beweisen. Die Patent-Myrrholin-Seife sollte daher zum täglichen Gebrauch, besonders auch für die zarte Haut der Kinder, in keiner Familie fehlen. Ueberall, auch in den Apotheken, erhältlich. 128 Bekanntmachung. In unserem Handelsregister, Abt. A, wurde bezüglich der Firma ,®ebr. Haustein" zu Gießen gewahrt: Heinrich Völzel zu Gießen ist als Gesellschafter am 15. Mai 1900 ausgeschieden. Das Geschäft Wird von Wilhelm Haustein daselbst unter unveränderter Firma allein weiterbetrieben. Gießen, den 23. Mai 1900. 3855 Großherzogliches Amtsgericht. Ailanz am 31. D^ember 1899. Aktiva. 3. Stammguthaben 4. 3847 Abgang in 1899 1323.19 4365.39 L Kaffenbestand 2. Ausstände 3. Warenvorrat 4. Mobilien Noch zu bezahlende waltungskosten Reservefond- Betriebsrücklage Reingewinn zu Aeuern. Ludwig Rauft II., Direktor. JohS. Otto II, Lagerhalter. lt. Einkauf 6795.87 145.98 5. 6. 7. 279.03 2670.33 575.90 352.49 12630.43 375.— Ver- Daher Stand Ende 1899 Aer Vorstand des «Landwirtschaftlichen Konsum-Vereins I, Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht Summa 83 - 5 ö8 2 vv Passiva. ** H 1. Warenschulden 5537.68 2. Aufgenommene Kapitalien 2840.— Summa 12630.43 Mitgliederstand Ende 1898 Zugang in 1899 HMdmrkskMUlkl für iwGlchh.Hchi. Zllm alsbaldigen Dienstantritt sucht die Kammer einen IMF Sekretär. “W Allgemeine Gesetzeskenntnis und eingehendes Jntereffe für die Verhältniffe d<8 Landwerks erste Bedingung. Gehaltsansprüche nebst Zeugniffen über bisherige Dhätigkeit biS 24. Juni d. I. an den Unterzeichneten erbeten- Mainz, den 28. Mai 1900. Der Vorsitzende: 8856 ___________________________________Jean Kalk.------ Kunstverein. Die Hemälde-Ausstellung ist von yeute an wieder geöffnet._________________________________L«s Luftkurort Lindenfels im Odenwald (genannt: Die Perle vom Odenwald). Hotel und. Pension Odenwald. Altbekanntes Laus. 50 «immer. Schattiger Garten. Bäder im Hause. Gute Küche. Pension Mk. 3.50 bis Mk. 4.50.3708 Ad. Vogel, Aesther. Versicherung in unbegrenzter Hübe Hanpillblll" gegen Körperverletzung u. Sachbeschädigung Versicherung gegen Unfälle aller Art, in und äusser dem Berufe, auf Reisen, beim Radfahren etc. V.,«.™« N. Einbruch und Diebstahl gewährt die Frankfurter Transport-, Unfall- und Glas- Versicherungs-Aktien-Gesellschaft. Prospekte und jede Auskunft durch die General-Agentur Giessen: Adolf Bieler, Westanlage 62. Vergebung von Schlofferarbett. Die zur Verlängerung der Ein» friedigung der neuen Kliniken in der Klinikstraße zu Gießen nötige Schloffrrarbrit wird hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submisfionsweg ausgeschrieben. 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