125 Erstes Blatt. Donnerstag den 31 Mai Gießener Anzeiger General-Anzeiger Erscheint ttsllch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener »«Wittenblütter Werben dem Anzeiger tat Wechsel mit „Hess. 8*»bteilt* m. „Blätter Kr heg. Volkskunde" »Tchtl. 4 mal deigelegt. Aezugsprct» viertcljährl. Mk. 2L» monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholcstelle» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Pollbkzug Mk. 2,40 vierteljähTt. mit Bestellgeld. Alle Anzeigerr-BermittlungSstellen dcS In« und AuSlandeZ nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger ratgegre, ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme »an Anzeigen zu der nachmittag- für bee "•graben Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abend- vorher. Amts- und Anzeigeblutt fiw den Ttveis Gieren. IkbeÄtae,. Expedition und Druckerei: Fch-kstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«, Fernsprecher Nr. 51. Pariser Jntriguen. Die Mehrheit der 50 ist dem französischenMini- sterium auch in der letzten Redeschlacht in der Kammes treu geblieben, aber für anständige Leute, wie Waldeck- Rlousseuu und Galliffet, die es zudem „nicht nötig" haben, wird es nachgerade eine Aufopferung, unter dieser Repu-, btik Minister zu sein, und vor allem mit Galliffet, per fid), als Soldat und Fachminister den Ränken der Parteipolitik fernzuhalten gewußt hat, würde man etwas tote: menschliche Sympathie empfinden, wenn er heute seinem Auftraggeber das Portefeuille vor die Füße würfe und für die Ehre dankte, fürderhin Lebensfreude und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Es sind merkwürdige Dinge, die sich gegenwärtig in Frankreich zutragen. Wenn mau sie lediglich nach dem Buchstaben der Parlamentsberichte beurteilen wollte, so könnte man meinen, das Palais Bourbon sei ein großes Narrenhaus, in dem die Insassen um Wahnvorstellungen einander an die Köpfe fahren und zerfleischen. Den gespenstischen Mittelpunkt, um den das tolle Treiben wirbelt, bildet der Jude Dreyfus, der ehemalige Generalstubshauptmann, den man zweimal unschuldig verurteilt und dann unschuldig begnadigt hat. Nicht als ob er sich jetzt vordrängte oder im Parlament eine Partei gewannen hätte, die sich bestrebte, das doppelte und dreifache Verbrechen zu ahnden und gut zu machen, das man an dem armen Teufel begangen hat; im Gegenteil, Dreyfus! selbst ist von der Bildfläche verschwunden, und niemand wagt es, in der Volksvertretung seine Sache zu führen, Die Regierung, die selbst das Verbrechen vollzogen hat, indem sie einem Staatsbürger, den sie unschuldig wußte, durch die Begnadigung den Stempel der Rechtlosigkeit aufdrückte, damit nicht in einenz neuen Prozeß der ganze unselige Handel wieder auflebe, versichert jedetn, der es hören will, daß sie unter keinen Umständen dem Verfehmten die Hand leihen werde, um das zu erreichen, was sein Recht ist. Die Opposition versichert dasselbe und bekämpft trotzdem ein Kabinett, dessen Lebensinteresso es ist, den Drey- fushandel niederzuhalten, unter dem durch die Thatsachw. widerlegten Vorwande, es wolle die Geschichte wieder auf- rüEjren. Das ist der politische Wahnsinn, mit dem der Puch der bösen That die Republik verblendet hat. Frei-! Kch hat 'auch dieser Wahnsinn Methode, und sie zielt dahin, der Republik selbst den Hals umzudrehen. Das ist heute «och so wahr wie vsor einem Jahre, als Waldeck-Rousseau sein auf die Sozialisten gestütztes Kabinett der republi- Innischen Verteidigung dem Lande vorstellte. Die Zeiten, wo der reine Republikanismus, sei es nun der Opportunismus oder der Radikalismus, das Land allein regieren konnte, sind unwiederbringlich dahin, die Konzentration,, die Samntlung von Opportunisten und Radikalen in einem Kabinett, ist stets nach kurzer Frist infolge der von Grund aus einander wider streiten den Prinzipien der beiden Parteien auseinandergehalten, der Bund der Gemäßigten mit der Rechten ist unmöglich geworden, seit der chauvinistische Nationalismus, der die Republik selbst bedroht, darin übermächtig geworden, und so blieb als der letzte Notbehelfs die Thür der Republik nach der anderen Seite, nach linkst in öffnen und die Sozialisten hinein zu lassen. Das nennt man jetztch fe Politik der republikanischen Verteidigung. Mine freilich behauptet, Waldeck-Rousseau habe mit den Sozialisten in die Festung, die er verteidigen wolle, den jeind eingelassen;. wer von beiden recht hat, wird die Lukunft lehren. lieber die letzten generalstäblerrschen Umtriebe gegen dis Ministerium diene folgendes zur Information: Einer der ersten Beschlüsse des Kriegsmmisters Gal- üffet war bekanntlich die Uebertragung des Kontrespio- nge-Dienstes, der vom zweiten Bureau in der Dreyfus- rffaire zu unzähligen Verbrechen mißbraucht worden war. •4 die zivile Sicherheitspolizei. Der Hauptagent des neu- »räanisierten Spionagedienstes, T o m p s , wurde zur Ziel- fyeibe verschiedener dunkler Machenschaften, die vom zweien Bureau ausgingen. Das zweite Bureau setzte sich zur lnjgabe, Tomps in den Verdacht des Landesverrats zu hingen. Dieser Schritt wurde gethan, nachdem Tomps - die Einzelheiten sind gleichgiltig — in eine ihm gestellte falle ging. Das Ganze ist ein anekelnder Kampf im tofein, in dem ein kompletter Lump Namens Przybo- wwski, ehemaliger Agent des zweiten Bureaus, im Dienst d-s letzteren die Hauptrolle spielte Politische Bedeutung gewann die Sack)e dadurch, daß Hauptmann Fritsch mit Hilfe des Przyborowskii und einer Freundin von diesem, einer Dame Mathilde, gegen Ionnps die Beschuldigung erheben konnte, nach einer ,,ne-ien Thatsache" zur Ermöglichung der Revision des rreyfus-Prozesses gesucht zu haben. Hauptmann Fritsch fet nun seinen monatelangen Umtrieben die .Krone auf- Mj'e kt indem er die Briefe dem nationalistisck)en Abg. Le Lciisse übermittelte, während sie vor dem Kriegsminister Mittet verheimlicht wurden! Inzwischen aber hat die SenaiAitzung die Aufklärung fcjo-rgt Waldeck-Roussegu und Galliffet erbrachten den Schweis, paß Hauptmann Fritsch im Interesse der Nationalisten eine spitzelpolizeiliche Jntrigue gegen die Regierung ins Werk gesetzt hat. Fritsch wurde nun durch die A m t s e n t s e tz - u n g, d. i. ein zeitweiliger Ausschluß aus der Armee nebst einer Entziehung von dreifünftel des Solds bestraft, weitere zwei. Militärbeamte des zweiten Bureaus wurden in die Provinz versetzt. Bezeichnend ist die Antwort des Fritsch auf die Frage des Kriegsministers nach den Beweggründen seiner Umtriebe: „Ich habe eine politische Handlung vollzogen!" Mit anderen Worten, der subalterne Offizier erfrechte sich zum Eingeständnis, daß er bewußt auf den Sturz desMinisteriums hinarbeitete! Bis jetzt reichte Galliffet sein Entlassungsgesuch nicht ein, ist aber erkrankt. Der Arzt ist der Ansicht, daß GaUiffet nicht länger den Verhandlungen der Kammer ohne Gefahr beiwohnen konnte. Hauptmann Fritsch soll übrigens die Dreistigkeit gehabt haben, dem Ministerpräsidenten Waldeck-Rousseau seine Zeugen zu senden. Bis jetzt ist das Gerücht nicht bestätigt. Der Krieg in Südafrika. Die Spannung, mit der man dem Ausgange des Vormarsches von Lord Roberts auf die Goldstadt Johannesburg entgegensieht, steigert sich! außerordentlich. Eine offizielle Meldung vom gestrigen Tage lautet: General Roberts kam heute nachmittags in der Vorstadt Germiston vor Johannesburg an und besetzte die Johannesburg, Pretoria und. Natal verbindende Eisenbahn. Roberts vernahm, daß keine Mine zerstört sei. Er forderte den Kommandanten von Johannesburg auf, sich zu ergeben. Morgenmittag gedenkt Roberts in die Stadt einzuziehen. Roberts selbst telegraphiert aus Germiston: Wir trafen nachmittags ohne ernsten Widerstand ein. Bisher vom Zentrum keine Verluste. Von der Kavallerie und berittenen Infanterie werden sehr geringe Verluste gemeldet. Ter Feind erwartete uns erst morgen. Johannesburg ist ruhig. Wie ich erfahre, sind oie Minen unbeschädigt. Ick) werde morgdn früh den Kommandanten der Stadt zur Uebergabe auffordern. Ich erwarte keinen Widerstand und beabsichtige mittags mit der Armee in Johannesburg einzuziehen. Demnach kann also die Nachricht von der Besetzung Johannesburgs durch! Roberts stündlich eintreffen. Die Buren hatten in dem Gelände um Johannesburg nicht den nötigen Rückhalt. Zudem kommt, daß, trenn man den englischen Berichten aus Lourenzo Marquez Glauben schenken will, die Buren sich in völliger Auflösung befinden. Nach! dem Berichterstatter der „Times" dort soll dex Generalkommandant Louis Botha selbst gesagt haben, daß weder die Künste der Ueberredung noch die derbere Sprache der Peitsche die Buren bewegen könnten, standzuhalten, und daß die Briten sie in den letzten Gefechten wie eine Gänseherde vor sich hergetrieben hätten. Wir haben allerdings unsere Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Meldung: denn wir haben die Beobachtung gemacht, daß die über Lourenzo Marquez kommenden Nachrichten' immer eine rege Phantasie verraten. Immerhin muß man leider glauben, daß es mit der moralischen Widerstandskraft der Buren nicht mehr gut bestellt ist. Ein Telegramm vom Klipfluß vom 28. Mai meldet: Gestern abend bei der Sonntags-Kirchenparade proklamierte Marschall Roberts die Annektierung des Oranje- Vrystaates unter dem Namen Oranje-Flußstaat. Die Buren ziehen sich zurück, um, wie sie sagen, die Minen zu zerstören. Bei der Besetzung Senekals hatten die Engländer fünf Tote und vier Verwundete. Auf der Burenseite wurden zwei Feldkornetts und eine Anzahl Leute verwundet. Die Buren konzentrieren sich in Bethlehem. lieber die Bewegungen der westlichen englischen Streitmacht liegt folgendes Reutertelegramm aus Pretoria vom 28. vor: „Die Engländer besetzten heute vormittag Zeerust. Eine starke Streitmacht marschiert auf Lichtenburg." Es ist nicht ersichtlich, ob die auf Lichtenburg marschierende starke Streitmacht auch Zeerust besetzt hat. Beide Orte liegen gleichweit von Mafeking entfernt, nämlick) rund 65 Kilometer, nur liegt Zeerust nordöstlich, während Lichtenburg südöstlich liegt. Man hat also wahrscheinlich zwei englische Mteilungen vor sich. Durch beide Orte führen Hauptstraßen nach Pretoria. Zwischen Mafeking und Lichtenburg hatten die vor Mafeking zurückgeworfenen Buren bei Potfontein eine Verteidigungsstellung eingenommen; wahrscheinlich wird es also hier zum Kampfe kommen. lieber die Kämpfe am Vaal und bei Klip River find folgende amtliche Berichte von burischer Seite ausgegeben worden: Britische Truppen haben am Samstag den Vaal- ftuß überschritten. General Lemmer hatte ein heftiges Gefecht am Klipflusse (der bei Vereeniging in ,ben Baal fließt); fünf Bürger wurden schwer verwundet, zwei gefangen genommen. Die Bürger fochten schwach an Zahl, auf englischer Seite standen etwa 5000 Mann. Am 27. fand bei van Wijks Rust, 24 Kilometer südlich von Johannesburg, ein Gefecht mit einer starken britischen Streitmacht statt, die vom Klipflusse aus durclMbrochen war. Aus Pretoria wird vom 28. Mai gemeldet: Auf Anordnung des Präsidenten werden der gestrige, der heutige und der morgige Tag im ganzen Lande als besondere Tage der Einkehr und Buße und des Gebetes um Befreiung von der Unterjochung und um Erhaltung der.Unabhängigkeit des Landes begangen. Die Situation in Pretoria schildert ein Korrespondent: der „Daily Mail", der sich verkleidet nach Pretoria ein-, geschlichen hat, folgendermaßen: Ueberall herrscht Panik und Verwirrung. In einiger Entfernung von Pretoria! steht ein Zug mit geheizter Lokomotive, um den Präsidenten Krüger nach der Küste zu bringen, von wo er sich wahrscheinlich nach Holland begeben wird. Bereits sind nach Holland 36 Kisten mit Gold, jede 6500 Pfund enthaltend, abgegangen. Im Schatze ist kein Geld mehr, sondern nur Banknoten, die wertlos sind. Sobald Marschall Roberts in Pretoria einrückt, wird der Sitz der Regierung zuerst nach Watervalbouven, dann nach Lydenburg verlegt. Es find keine sichtbaren Vorbereitungen zur Verteidigung von Johannesburg und Pretoria getroffen worden. Die Eisenbahn ist überfüllt mit Burenflüchtlingen, die die Burenregierring vergeblich zu überzeugen bemüht, daß/ wenn sie an Ort und Stelle bleiben, ihr Eigentum wenigen durch die Engländer gefährdet ist, als wenn sie fliehen. Die Frage der Sprengung der Goldminen wird lebhafd debattiert. Der neu ernannte StaatsmineniNaeürieujr Munnik wurde privatim auf die persönliche Gefahr aufmerksam gemacht, der er sich aussetzt, wenn er die Minen, sprengen läßt. Er erklärte, keinerlei Absicht dazu zu haben. Das Gerücht sei nur aus gesprengt, um eine Intervention zu veranlassen. Andererseits besteht in allen; Kreisen der Durst nach Rache an den Uitländern. Im allgemeinen aber fühlt man, daß die Sache zu Ende ist, uno fängt an, sich mit der Situation abzufinden. Nach einem Telegramm aus London sollen unter den Burenführern ernste Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Fortsetzung des Krieges entstanden sein. s)iad) einer Timesdrahtung aus Lorenzo Marquez sollen Botha und Steijn für die sofortige Kapitulation sein, während Krüger sich hartnäckig dagegen sträube. e • * Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 30. Mai. Wie aus Pretoria vom 28. Mai gemeldet wird, sollen die Buren wirklich aufhören, fernerhin dem Vordringen der englischen Truppen Widerstand entgegenzusetzen. Man ist der festen Ueberzeugung, daß die maßgebenden Personen in Transvaal Friedens- Unterhandlungen unmittelbar eröffnen werden, wenn sie nicht schon die ersten Schritte in dieser Richtung gethan haben. Gestern machten sie die letzten Versuche, telegraphisch in den verschiedenen Teilen des Landes nach- zusrageu, ob man noch die Hoffnung und den Wunsch habe, den Freunden, die außerhalb Pretoria gegen den Feind kämpfen, Hilfe zu bringen. Loudon, 30. Mai. Lord Roberts hat dem Kriegsamt mitgeteilt, daß er Johannesburg besetzt hat. Die Meldung von der Einnahme von Johannesburg wurde vom Kriegsamt in der Nacht bekannt gegeben. General French rückte in die Stadt ein, nachdem er die Buren in einem mehrstündigen Gefechte zurückgeschlagen hatte. Die Stadt wurde von Harrliton besetzt. Die Buren zogen sich in guter Ordnung mit sämtlichen Geschützen nach Pretoria zurück. Weiter wird versichert, daß in Johannesburg alles ruhig sei, und daß die Goldminen nicht zerstört seien, während andererseits verlautet, Johannesburg sei in einen Trümmerhaufen verwandelt und alle Minen zerstört. London, 30. Mai. Ein Telegramm aus Klipriver vom Montagabend berichtet: General French ist auf seinem linken Flügel den ganzen Tag hindurch im Gefecht gewesen. Das Feuer seiner Geschütze ist noch zu hören. French wird sein äußerstes thun, um die Buren zu verhindern, abermals zu entkommen. Man hofft, daß die Schnelligkeit, mit der Roberts vorgedrungen ist, Johannesburg und die Goldminen gerettet hat. — Nach einem Telegramm aus Newcastle habe Buller gestern begonnen, die Burenstellung bet Jngogo zu beschießen. Die Buren erwiderten das Feuer gelegentlich. London, 30. Mai. Roberts will den Kommandanten von Johannesburg vorladen, und falls, wie er glaube, kein Widerstand geleistet wird, heute mit allen Truppen in Johannesburg einziehen.—Die Johannesburger Goldminen sind unbeschädigt. Loudon, 30. Mai. Gestern erklärte Lord Salisbury, er habe niemals ein Versprechen abgegeben, daß keine Annexion stattsinden solle. Den Republiken werde kein Faden der früheren Unabhängigkeit gelassen werden. London, 30. Mai. Das KriegSamt fragte bei Lord Roberts an, ob er 100000 Mann seiner Truppen vor dem 1. Oktober in England landen könne. Deutsches Keich. Berlin, 29. Mai. Heute früh nahm der Kaiser die Parade über die 2. Garde-Jnfanteriebrigade auf dem Tempelhofer Felde ab. Die Kaiserin erschien in einem offenen Vierspänner mit» Borreitern. Eine große Suite, darunter die fremdländischen Offiziere, hielt zur Seite. Der Kaiser zog den Degen und übernahm das Kommando über die Brigade, die er exerzierte. Bon 10 Uhr ab ließ der Kaiser eine Gefechtsübung unter Verwendung von Artillerie und Kavallerie folgen. Hierbei kamen auch Flaggensignale zur Anwendung, die Mannschaften vom Dache eines Hauses gaben. Nach der Kritik und dem Parademarsch setzte der Kaiser sich an die Spitze des Garde-Füsilierregiiüents und führte es zur Kaserne, wo der Kaiser das Frühstück einnahm. — In Gegenwart der Kaiserin fand heute im königlickfen Schlosse die Generalversammlung des evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins statt. Die Kaiserin ließ sich' eine Anzahl Delegierte vorstellen und erkundigte sich eingehend über den Fortgang einzelner in Angriff genommener Arbeiten. — Der Kronprinz ist heute mit seinem gesamten Hofstaat vom Potsdamer Stadtschloß nach dem dortigen königlichen Kabinettshause, seinem neuen Heim, überge- Hiedelt. — Hinsichtlich der Namensänderung jüdischer Staatsangehöriger hat der preußische Minister des Innern an die Regierungs-Präsidenten einen Erlaß gerichtet, demzufolge sie in jedem Falle, in dem sie die beantragte Namensänderung für erwägenswert halten, erst die Zustimmung des Ministers einzuholen haben. Hiernach steht also fürderhin den Regierungs-Präsidenten zwar das Recht zu, die beantragte Namensänderung nach eigenem Ermessen abzuweisen, nicht aber sie ohne Zustimmung des Ministers zu gewähren. Offenburg, 29. Mai. Amtliches W a h t r e s u l- t a t. Bei der am 25. ds. stattgehabten Reichstagsersatzwahl im 7. badischen Wahlkreis (Offenburg) erhielten Bürgermeister Schüler-Ebringen (Ztr.) 9534, Geheimer Ober- regierungsrat Dr. Reinhard (nl.) 9069 Stimmen. Ausland. London, 29. Mai. Beide Häuser des englischen Parlaments haben sich vertagt und zwar das Unterhaus bis zum 14., d^as Oberhaus bis zum 18. Juni. — Der „Times" wird aus Peking telegraphiert: In Peking herrscht große Aufregung infolge alarmierender Meldungen von der Zerstörung der Bahn zwischen Peking und Paoting durch die Boxer. Zahlreiche Flüchtlinge treffen in Peking ein. Alle Gesandten halten die Lage für zunehmend ernst. — Tex „Daily Mail" wird aus Tientsin telegraphiert: Es heißt, die Boxer sind in F e n g t a i, einem Bahnhof unweit Peking. Die Bahnverbindung mit Peking ist unterbrochen!; die Bahnbeamten verließen den Bahnhof Lilliho, 27 Meilen südlich von Peking, welcher eingeäschert sein soll. Nach einer weiteren Meldung aus Tientsin verlautet, daß mehreren Belgiern, die mit ihren Familien in Chang-sintien, zehn Kilometer von Fengtai, ansässig sind, die Flucht abgeschnitten ist, und daß sie sich auf einem in der Nähe des Ortes gelegenen Berge gegen die Boxer verteidigen, die jetzt die Stadt Fengtai niederbrennen. — Ter „Times" wird aus Sydney telegraphiert: Basil Thompson traf aus Tonga auf dem britischen Kreuzer „Porpoise" hier ein und meldet, daß das britische Protektorat auf Tonga am 19. Mai und auf Ni ne Island am 21. April formell erklärt wurde. An: Vavanhafen wurden Grundstücke für eine Kohlenstation und sür einen befestigten Hafen gesichert. — Eine amtliche Depesck-e an das Kolonialamt teilt mit: Ein kleiner britischer Truppenteil, aus Haussas Bestehend und von einem englischen Offizier befehligt, wurde von einer viel stärkeren Abteilung Aschantis bei Kwiosa angegriffen. Ter Offizier und mehrere Haussas wurden getötet. B r ü s s e l, 29. Mai. Im Senat wurden nach offiziösen Mitteilungen 43 Katholiken, 25 Liberale und 8 Sozialisten gewählt. — Die neue Kammer wird am 2. Juli zusammentreten. Ter christlich-demokratische Priester Taens hat ein Gesuch zur Revision der Wahlziffern eingereicht. Tie neue Kammer allein wird über öieses Gesuch beschließen können, da Daens an seiner Wahl etwa 400 Stimmen fehlten. — Der Bericht des A m n e st i e a u s s ch u s s e s ist heute dem Senat zugegangen. Ter Bericht verlangt Aufhebung aller mit der Dreyfus-Angele- genheit im Zu s a m ni e n h a n g st e h e n de n Prozesse, lehnt aber die Amnestie für die vom Staats- gerrchtshofe Verurteilten und Treyfus selber a.y-„ ^_ne Anzahl Mitglieder der Akademie und Universi- ^^tz^osessoren haben an den Präsidenten des Amnestie- aUsschusses einen Brief gesandt, worin sie gegen das Am- nestteprojekt Einspruch erheben. Wien, 29. Mai. Der Graf und die Gräfin Lonyay reisen am 8. ^uni nach Paris, wo die Zusammenkunft mit dem König der Belgier stattfindet. B u d a p e st, 29. Mai. Einzelne Blätter veröffentlichen auf Grund von Angaben der Mitglieder der hier weilenden 'bosnischen Deputationen Details über g e w a l t sa m e Taufen mohamedanischer Kinder durch Jesuiten. Die meisten Kinder und Frauen werden nach Dalmatien geschleppt uiib dort in Klöstern getauft. Die Deputation führt ferner Klage darüber, daß angesehene Kaufleute wegen angeblichen Verdachts, an politischen Bewegungen Beteiligt zu sein, eingesperrt werden. Petersburg, 29. Mai. Aus Anlaß des Ablebens des Prinzen Wilhelm von Hessen wurde eine 15 t ä g i g e Hoftrauer angeordnet. Washington, 29. Mai. Im Repräsentantenhause brachte Bailey-Kansas eine Bill ein, besttmmend, daß der Präsident, sobald er erfährt, daß in Deutschland ein Gesetz, das Prohibitiv-Zölle auf amerikanische Fleisch- produkte legt, endgiltig angenommen ist, eine Proklamation erlassen soll, die einen Tag festsetzt, von dem ab alle in Deutschland erzeugten oder fabrizierten Waren, die zum Verbrauch über die Häfen der Vereinigten Staaten eingeführt werden, um 10 Prozent höhere Zölle als bisher bezahlen sollen. San Franzisko, 29. Mai. Ein hier eingetroffener Schoner meldet, auf den Karolinen seien seit ihrer Abtretung an Deutschland Friede und Wohlstand eingekehrt, der Gouverneur walte mit Gerechtigkeit seines Amtes. Die Raubzüge der Häuptlinge einer Insel auf die anderen Inseln hätten aufgehört. Häuptlinge, die sich nicht fügten, würden besttaft. Einem japanischen Schoner, der mit Waffen und Munition zum Verkauf an die Eingeborenen an der Küste von Ponape erschienen sei, sei 24 .Stunden Frist zur Abfahrt gegeben worden bei Strafe der Beschlagnahme. Der Schoner sei verschwunden, und seitdem habe man nicht mehr versucht, Waffen und Munition zu landen. Aus Stadt und Kmrd. *• Persoualuachnchlen. Der Großherzog hat am 16. d. Mts. den nachbenannten Pflegerinnen des Alice- Frauenvereins für Krankenpflege das bezügliche Dienstauszeichnungskreuz verliehen: Clara Hedderich, bei dem Zweigvcrein Mainz, in Gold; Eva Erbes, Oberpflegerin im Al ce-Hospital zu Darmstadt, in Silber. ** Der Zweiten Kammer der Landst'ände ist u. a. ein Antrag des Abg. Dr. Heidenreich zur Regierungsvorlage, betreffend die staatliche Anstellung eines Tierzuchtinspektors für die Provinz Oberhessen zugegangen. Dr. Heidenreich beantragt, die zweite Kammer wolle der Regierungsvorlage, betreffend die staatliche Anstellung eines Tierzuchtinspektors für die Provinz Oberhessen, ihre Zustimmung versagen, und die Regierung ersuchen, dem Oekonomierat Leit Higer in Alsfeld, sobald derselbe von dem landwirtschaftlichen Provinzialverein für Oberheffen als Tierzuchtinspektor angestellt sein wird, die Rechte eines pragmatisch angestellten Staatsdieners zu verleihen und ihm die Zusage zu erteilen, daß ihm eintretenden Falles die bisherige Zeit seiner Thätigkeit als staatlich angestellter Landwirtschastslehrer als Vordienstzeit im Sinne der Besoldungsordnung angerechnet werde. *’ Die farbig bezeichneten Wege im nordöstlichen Taunus und Lahngebiet wurden seither von Vereinen in Gießen, Wetzlar, Braunfels, Weilburg rc. teils ergänzt, teils ganz neu wiederhergestellt. Jeder Tourist weiß die großen Annehmlichkeiten dieser farbigen Wegebezeichnungen zu schätzen, lassen sich doch die größten Touren leicht und angenehm, im Gefühle der Sicherheit auf dem richtigen und schönsten Wege zu sein, ausführen. Bei manchen Touren ist es jedoch stellenweise nicht möglich, aus Mangel an Bäumen, größeren Steinen rc. die farbigen Zeichen anzubringen. An diesen Stellen eingerammte Pfähle mit den Zeichen verschwanden alsbald. Darum ist die vom Taunusklub herausgegebene Karte der farbigen Wegebezeichnungen im Maßstabe der Generalstabskarte, der Wald in grüner Farbe ausgeführt, von größerem Werte. Es läßt sich mit ihrer Hilfe in zweifelhaften Fällen sofort feststellen, in welcher Richtung die farbigen Zeichen weiter- führeu, ganz abgesehen davon, daß sie überhaupt als OrientieruugSkarte von großem Nutzen ist. Die Karte ist aus feinem Papier gedruckt zum Preise von 1 Mk. 25 Psg. in allen Buch- und Papierhandlungen, sowie auf den meisten AuSsichts- und Ausflugspunkten zu haben. •• Theater. Das am Tage nach Pfingsten in „Steins Saalbau" gastierende Schauspiel-Ensemble will durch die Aufführung eines älteren Volksstückes „Gewonnene Herzen" von Dr. Hugo Müller der Festtagsstimmung des Publikums Rechnung tragen. Regisseur Verend vom Stadttheater in Halle, (Wetterhahn), Frl. Nefia von Franken vom Stadt-Theater Hannover, (Caroline), Frl. Käte Torsen (Nanni) werden in hervorragenden Rollen beschäftigt fein. Haben die Gastspiele den erwarteten Erfolg, so wird das Ensemble neuere Stücke, im Gebiete des feineren Lustspiels hier darstellen. Der Billetoorverkauf ist in der Musikalienhandlung des Herrn Challier (Rudolphs Nachfolger). Butzbach, 29. Mai. Der Friedberger GeschichtS- und Altertumsverein stattete kürzlich unserer Stadt einen Besuch ab. Mit dem Zuge 2.41 Uhr trafen über 20 Herren hier ein, die, in Verhinderung des Direktor Jäger von Lehrer Weide empfangen wurden. Ihnen schloffen sich auch einige Butzbacher Herren an. Man begab sich zunächst in den Zipfen und besichtigte das freigelegte Hünengrab, das jedoch leider teilweise zusammengestürzt war. Hieran schloß sich eine Wanderung nach den von Lehramtsassessor Helmke seinerzeit geleiteten Ausgrabungen im hiesigen Walde. Asseffor Helmke gab die geschichtlichen und wissenschaftlichen Erklärungen in umfassendem Maße. Alsdann ging die Wanderung am Pfahlgraben entlang nach dem auf dem Schrenzerberg von Direktor Jäger rekonstruierten römischen Wartturm. Auch hier war es wieder Herr Helmke, der die Ausflügler in eingehendster Weise über alles belehrte. Die Besichtigung der römischen Ausgrabungen im Gambacher Walde mußte des eingetretenen leichten Regens wegen unterbleiben. Nachdem man sich noch den Limes angesehen, wanderte man zur Stadt zurück, um dem Altertumsmuseum und der Trachten-Sammlung in der Langgasse noch einen Besuch abzustatten. Unter der Führung und den sachkundigen Erklärungen des Lehrers Weide nahm man die so geschickt zusammengefügten alten wertvollen Sachen und Sächelchen in Augenschein, und die Besucher sprachen sich wiederholt äußerst anerkennend über das Museum und ihre Bewunderung darüber aus, wie mal? die zurzeit sehr seltenen, oft sogar vereinzelten, Sachen hier noch alle zusammenbringe. Ein gemütliches Zusammenstii vereinigte die Teilnehmer des Ausfluges bis zum Abganc des Zuges. Demnächst wollen die Herren wiederkommen, um die versäumte Besichtigung der römischen Ausgrabunger im Gambacher Walde nachzuholen. (Butzb. Ztg.) Bad Nauheim, 30. Mai. Von dem Herzog von Anhalt-Dessau wurde dem Bademeister Kiffel die goldene Medaille mit der Krone deS Anhaltischen HauS- ordens Albrechts des Bären verliehen. Die Herzogin von Anhalt-Dessau gebraucht zurzeit hier die Kur und interessiert sich lebhaft für die Entstehungsgeschichte deS neuen Sprudels. Bei der Erbohrung dieser Quelle war Bademeister Kiffel unausgesetzt thätig, besonders durch eine regelmäßige und gewissenhafte Beobachtung der alten Quellen während der kritischen Tage in der Bohrzeit, wodurch mancherlei Ge fahren vermieden werden konnten. Großkarben, 30. Mai. In der Nacht zum Freitag wurde der an dem Restaurant auf dem Selzerbrunnen angebrachte Postkartenautomatgewaltsam abgerissen, einige 100 Meter nach Okarben ins Feld geschleppt und dort erbrochen. Da am Himmelfahrtstag der Sachsenverein Wettin einen Ausflug an obigen Platz unternommen hatte, so vermuteten die Einbrecher einen größeren Betrag in der Kaffe, jedoch vergeblich, denn sie war am Abend entleert worden. Aus Zorn hierüber schleuderten die Diebe etwa 500 Post farten auf die Aecker und brachen sodann in Okarben in einer Wirtschaft ein, eigneten sich Kleider u. s. f. an. Weur. der große Hund im Restaurant Selzerbrunnen nicht gewesen wäre, so hätten die Gauner jedenfalls auch da einen Einbruch versucht. ES fehlt noch jede Spur. Darmstadt, 30. Mai. Der Großherzog hat heute weder Audienzen erteilt, noch Meldungen oder Vorträge entgegengenommen. — Am Sarkophage des Prinzen Wilhelm sind außer den schon erwähnten noch u. a. Kranzspenden niedergelegt worden von der Kaiserin von Rußland, von der Großfürstin Sergius, von Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, von der verw. Großherzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin, von der Erb- großherzogin von Oldenburg, vom Fürsten Reuß ä. L., von der Prinzessin Marie zu Isenburg und Büdingen, geb. Prinzessin Reuß ä. L., von der Zweiten Kammer der Stände, von der Kriegerkameradschaft „Hasfia". vom Offizierkorps des Großh. Train-Bataillons Nr. 25, und des Inf.- Regts. Nr. 116, vom Landwehroffizierkorps des Bezirkskommandos Mainz, von der Sanitätskolonne Rotes Kreuz in Mainz, vom Evangelischen Bund, von der Verbindung „Wingolf". Das Elisabethenstist Nieder-Ramstadt sandte ein Kreuz. Der Kranz, den der Kriegerverein Darmstadt spendete, trug auf der Schleife folgende Inschrift: Dem unvergeßlichen Förderer echter Vaterlandsliebe und wahrer Kameradschaft, Seiner Grobherzoglichen Hoheit welland Prinz Wilhelm von Hessen in ehrfurchtsvollster Dankbarkeit gewidmet vom Krtegerverein Darmstadt * Darmstadt, 30. Mai. Der Generalfeldmarschall Gras Waldersee und der kommandierende General des 18. Armeekorps v. Lindequist sind gestern zur Inspektion der Truppen hier eingetroffen. bm. Mainz, 29. Mai. Die Heilsarmee macht der hiesigen Polizei viel Arbeit. In ihren allabendlichen Sitzungen finden sich von Tag zu Tag mehr Neugierige ein, die bei den komischen Ceremonien der Angehörigen der Heilsarmee fast ununterbrochen in Heiterkeitsausbrüche geraten, die dann häufig zu wüsten Tumulten ausarten und sich auf den Straßen fortspielen. Gestern war der Skandal so arg, daß schon gleich nach Beginn der Sitzung der überwachende Polizeibeamte dem Tumult durch Aushebung der Sitzung ein Ende machte. bm. Bingen, 29. Mai. Von den Opfern der große» Bootskataftrophe sind, trotzdem bereits sechs Woche» darüber hingegangen sind, vier Personen noch nicht geländet und zwar: Erzieherin Ritter aus Geisenheim, Student Baum aus Zeilsheim bei Höchst, Wittwe Heim aus Frankfurt und der Student Karl N ö v e n aus Oestrich. ** Frankfurt a. M., 29. Mai. Im Cborsaale der Opernhauses fand am Montag eine stark besuMe Generalversammlung des Personals der vereinigten Stadttheater statt, die nachfolgende Resolution einstimmit annahm: • „Das im Chorsaal des Opernhauses versammelte Gesamtpersonal der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt am Main richtet durch einstimmigen Beschluß, an der Intendanten, den Aufsichtsrat, an den Magistrat uni* an die Stadtverordnetenversammlung die gleickflautendt dringende Bitte, in kürzester Frist die schon so langt schwebende Entscheidllng über die Zukunft des Frank furter Theaters herbeizusühren und so einem Zustand« ein Ende zu machen, der nicht nur eine peinliche allgc meine Ungewißheit über die bevorstehende Gestaltung der Tinge mit fidji bringt, sondern auch die Mit glieder an bereits unaufschiebbar gewor denen Entschließungen über ihre eigen« Existenz in sch a d e n b t i n g e n d e r Weise ver- hindert und schon allein durch seine lange Dauer geeignet ist, die gedeihliche Entwickelung des Instituts schädigen und das Vertrauen des Publikums zu erschüttern. Die Versammlung giebt ihrer Ueberzeugunz Ausdruck, daß eine weitere Verschleppung der Angelegenheit, über die seit Monaten die verschiedensten cinanDcr widersprechenden Gerüchte in die Oeffentlichkeit onngeri, dem Interesse der Frankfurter Bühne sett>st aufs äußerste entgegen Ware, welches vielmehr die schleunige Losunz ber Theaterfrage gebieterisch fordert. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Rachb«staate». Die diesjährige Haupt-Versammlung deS Vogelsberger Höhen-Klubs findet am 5. Juni, in Lauterbach tm neuen Saalbau am Johannesberg statt. — In dem Walde zwischen Arolsen und Wett er bürg wurde eme Guts- magd namens Volkwein erdroffelt aufgefunden. Em dcr That verdächtigtes Individuum wurde bereits verhaftet. — taniier der Stack VM OM/M nnb N fifa W N8egittS: nm KoltS Kreuz fe Lnbinduug Rmstadt janbti nein Damfiudi WP: »liebt und N«; and Prinz Wilheirl t vom Mgerterro IWIX^QÄ tavxV M lä M Million kl X 0H8, bjj. ieu, 6j,j N. 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Bei dem gestrigen Diner, das der Kaiser den österreichischen und ungarischen Delegierten gab, wurde auffällig bemerkt, daß der Kaiser sämtliche österreichische Delegierte mit langen Ansprachen beehrte, die Tschechen jedoch vollständig ignorierte. Der Kaiser sprach dem Grafen Sturgkh gegenüber den Wunsch aus, es möge die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit des Parlaments Berlin, 30. Mai. Den „Berl. Neuest. Nachr." zufolge dürften sich, dem Beispiele der Mächte folgend, bei der angesichts der fortschreitenden Auf stände der Boxer nicht unbedenklichen politischen Lage im nördlichen Teile des chinesischen Reiches auch einige unserer Schiffe vom oftasiatischen Kreuzergeschwader vor Taku einfinden, um die deutschen Interessen im nahen Hinterlande durch eine Landungs-Abteilung, soweit sie gefährdet erscheinen, wahrzunehmen. Konih, 30. Mai. Der frühere Geselle des Fleischermeisters Hoffmann, Wöhlke, wurde gestern in Marienburg verhaftet und nach Könitz gebracht. Der Schlächtermeister Hoffmann und seine Tochter wurden bereits aus der Haft entlassen. London. 30. Mai. Eine Shanghaier Meldung besagt, die Rebellion in der Nachbarschaft von Peking nehme einen immer ernsteren Charakter an. Die Boxer erwarten zuversichtlich die Unterstützung der Kaiserin. Zwanzig- tausend Mann russische Truppen würden in Port Arthur bereit gehalten, um nötigenfalls nach Peking geschickt zu werden. Paris, 30. Mai. Der KriegSminister Galliffet hat dem Ministerpräsidenten Waldeck Rousseau einen Brief gesandt, worin er ihn ersucht, dem Präsidenten Loubet seine Demission zu unterbreiten. In dem Briefe heißt es: „Ich bin zu leidend, und meine Gesundheit ist zu schwer erschüttert durch meine letzte Krankheit, als daß ich den gegenwärtigen Aufregungen weiterhin widerstehen könnte." — Das Amtsblatt veröffentlicht heute früh ein Dekret, worin die Demission GalliffetS genehmigt und General Andre zum KriegSminister ernannt wird. Es starben an: Lungenschwindsucht Darmtuberkulose Krebs Empyem Lähmung Herzleiden Lebensschwüche Aktien zu 1000 Mark jede. Gießen, den 26. Mai 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Kaserne ereigneten. * Bukarest, 29. Mai. Der Direktor der Galatzer Agrikolbank ist nach Verübung großer Betrügereien geflüchtet. * St. Louis, 29. Mai. Gestern wurde ein Straßenbahnwagen mit Dynamit in die Luft gesprengt. Zwei Bediensteten wurden schwer verletzt. * Die Pest in Smyrna ist in der Zunahme begriffen. Die Quarantäne-Vorschriften wurden erheblich verschärft. Universität und Hochschule. - 285 Hörerinnen an der Berliner Universität sind t>M jetzt in diesem Sommersemester eingeschrieben. Die Zahl der Medizin erinnert ist gegen früher besonders groß. Es studieren 26 Frauen Medizin. Außerdem habrn drei Freuen die Rechte, zwei die Theologie als ihr Hauptfach angegeben. Alle übrigen gehören der phil o'ophischen Fakultät an. Vermischtes. * Könitz, 29. Mai. Der hiesige Metzgermeister Hoffmann und seine Tochter wurden heute unter dem Verdacht der Ermordung Ernst Winters durch Kriminalinspektor Braun verhaftet und in das hiesige Untersuchungsgefängnis übergeführt, In die Angelegenheit spielt auch die Person des früheren Lehrlings Hoffmanns und jetzigen Metzgergesellen Wohlke hinein, der bald nach dem Morde Könitz verlaffen, und bezüglich dessen Person Braun vor einigen Tagen in Danzig recherchiert hat, ferner ein Kommissionär L. aus Richnow, bei dem vor einigen Tagen Haussuchung abgehalten wurde. L. soll in der verbündeten Regierungen sich bemühen, bei Lesung des Gesetzes betreffend die Verlängerung des Handels-ProvisoriumsmitEnglandden Reichstag zur Zurücknahme des Beschlusses, das Provisorium auf ein Jahr zu befristen, mindestens aber zur Ausdehnung der Frist bis 1903 zu veranlassen. Solange nämlich die Sätze des neuen autonomen ZolltarifeS noch nicht feststehen, würde es unmöglich sein, den Vertrags-Positionen mit England eine dauernde Form zu geben. Lurch _______ Kübeck vom 5. Dragoner-Regiment ließ einem Reservisten wegen eines ganz unbedeutenden Vergehens — angeblich wegen Nicht-Salutierens in der Kantine — in der Kaserne die Strafe des AnbindenS zuteil werden. Diese Strafe darf nicht länger als zwei Stunden dauern. Diesmal ließ der Offizier aber den Soldaten die ganze Nacht hindurch angebunden. Als der Soldat endlich abgenommen wurde, verfiel er in Tobsucht, so daß er mit Aufgebot vieler Soldaten mach dem Spital gebracht werden mußte. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß sich solche Vorgänge in dieser Kinder im vom Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börne vom 89. Mai. Bekanntmachung. In unserem Gesellschaftsregister wurde bezüglich der Aktiengesellschaft „Eisenwerke Hirzenhain und Lollar" zu Lollar Folgendes ein* getragen: Durch Generalversammlungsbeschluß vom 30. April 1900 ist ein neues Statut genehmigt worden, welches neben redaktionellen Abänderungen folgende vom früheren Statut abweichende Bestimmungen enthält: Der Gegenstand des Unternehmens ist die Herstellung und Ver- Wertung von Metall-, insbesondere Eisenfabrikaten, die Gewinnung und Nutzbarmachung von Bergbaumaterialien und die Verwertung der Neben Produkte. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt 3 500000 Mark und ist geteilt in 1750 Stück auf den Inhaber lautende Prioritäts-Aktien zu 1000 Mark jede und 1750 Stück auf den Inhaber lautende Stamm- Neueste Meldungen. Berlin, 30. Mai. Der „Post" zufolge Kunst und Wissenschaft. Pari-, 29 Mai. Die Ballonfahrt der Astronomin Fräulein Plumpke endete gestern nach sechsstündiger Dauer und (Erreichung einer Hö^e von 3500 Meter in Laroche für Nonne. Die Resultate find sehr befriedigend. Paris, 30. Mai. Die republikanische Presse beglückwünscht sich zur glücklichen Erledigung des Zwischenfalles Galliffet. Das Blatt „Radieal" erklärt, die reaktionäre Partei die eine Krisis erwartete, sei schwer getäuscht worden, das Kriegsministerium bleibe keinen Tag ohne Führer. Dieses Resultat beweise die Stärke des Ministeriums. — „Figaro" konstatiert, daß der neue Minister ein Feind der Politik in der Armee sei. Man könne versichert sein, daß die wegen des letzten Zwischenfalles entstandenen Unruhen schnell unter seinem Regiment beseitigt würdtn. hält die Lage für unverändert, nur daß man unter den politischen Mordnacht in Könitz gewesen fein. * Eine beispiellose Soldatenmißhandlung wird aus Graz berichtet: Größte Aufregung rief dieser Tage die unverantwortliche Behandlung eines Soldaten ' einen Offizier hervor. Der Oberleutnant Baron per nlt Juli 2.70 %, Lombarden per uP. Juni 0.70%, do. per ult. Juli 1.05®/, Berliner Handelsges. per ult. Juli 0 00. Notierungen: Kreditaktieri 222.60-221-90, Diskonto- Kommandit 182.90-182.70, Staatsbahn 138.90-139.40, Gotthard 140.00, Lombarden 25.20-00.00, Ungar. Goldrente 96 00, Italiener 94.80, Spion. Mexikaner 25.30, Oeeterr. Coupons 84, Amerik. Coupons 4.1b®/« Privat-Diakont 4%% G. 11/.-28/, Uhr: Kreditaktien 221.90-222 50, Diakon to-Kom- mandit 182.70-183.60, Staatshalti 139.40, Lombarden 25.20-50, Bochumer 000.00-000.00. Sekanntmachlmg. 3« unserem Güterrechtsregister wurde gewahrt: Karl Wefferlie und dessen Ehefrau Barbara geb. Lind «u Gießen haben durch notariellen Vertrag vom 4. 5. 1900 Gütertrennung in Gemäßheit der §§ 1426 ui. ff. des B- G- B's. vereinbart. Ferdinand Hermann Kumpf und deffen Ehefrau Gerttude geb. Müller uu Gießen haben durch notariellen Vertrag vom 11. Mai 1900 vereinbart, daß für ihre ehelichen Güterrechtsverhältniffe die Bestimm- ringen des B. G. B's. über dre Gütertrennung maßgebend fein sollen. Gießen, am 26. Mai 1900. Großh. Amtsgericht. 3862 (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) der Ortsfremden lO,48%o Wechsel auf New-York zu 4.20>/,-21%. Prämien auf Kredit per ult Juni 1.80 %, do. per . f. ult. Juli 2.70%, DiSkonto-Kommandit per alt, Juni 1.80%, do. [ gelingen. Donnerstag den 81. d. M., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier, Nee- stadt 55, Haus- und Küchengeräte aller Art, darunter ein Klavier und mehrere Sofas, zwangsweise gegen bar versteigert werden. Gießen, den 80. Mai 1900. 8877 Seipel, Gerichtsvollzieher. Gerichtssaat. w. Gießen, 29. Mai. Strafkammer. Der 51jährige Tagelöhner Emmerich Schäfer, aus Erda gebürtig, seit längerer Zelt tn Gießen wohnhaft, hatte zu Anfang dieses Jahres bei Jakob Schmidt am Tiefenweg Wohnung bezogen, sich aber hier so mißliebig gemacht, daß »ch der Vermieter, da Schäfer die Wohnung nicht gutwllllg räumen wollte, entschließen muhte, diesen zwangsweise aus der Wohnung rntfernen zu lasten. Als sich Schäfer endlich zum Auszug rüstete ließ « einen Teil des wertlosen Mobiliars m den seither innegehabten Räumen zurück. Trotzdem dieser Thatbestand voll und ganz erwresen rst behauptete der angeklagte Schäfer, fern Vermieter habe 'hm die Sachen als Ersatz für rückständige Miete zurückbchalten. Ja, er ging soweit, ein Verzeichnis über verschiedene Röcke, Westen, Ueberzieher rc. Lm Werte von 131 Mk. bei der Polizei emzureichen, unter dem Vorgeben, dieselben seien ihm von seinem Vermieter gestohlen worden Der Kriminalschutzmann, der seinen Mann kannte, sagte ihm denn auch gleich, toQfc diese Angaben eitel Schwindel seien; aber Schäfer hielt seine Behauptung aufrecht und stellte Strafantrag. Wegen falscher Anschuldigung hatte er sich deshalb vor der heutigen Strafkammer zu verantworten. Trotzdem er mit großer Dreistigkeit auftritt und durch noch zu ladende Zeugen den Beweis der Wahrheit für seine Behauptung erbringen will, Ie«te das Gericht den Einwendungen des Angeklagten lemerlei Bedeutung h?i, sondern verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten und verfügte Publikation des Urteils durch Anschlag auf der Ottstafel während der Dauer einer Woche. - Wegen- schweren Diebstahls hat sich der mehrfach, auch mit Zuchthaus vorbestrafte 30zähnge Fabrikarbeiter Karl Schultheis aus Pirna zu verantworten. Er hat in der Nacht eom 7. rum 8. September v. I. zu Vilbel einem Bäckergesellen, der mit ihm dasselbe Zimmer bewohnte, den Koffer erbrochen und aus de,ns«lben die aanre Labe des Besitzers, bestehend aus zwei Anzügen, verschiedenem Meiüreua ein« Nickeluhr mit Kitte rc., im Werte von c«. 130 Mk. entwendet ^Obgleich der Angeklagte bei seiner Festnahme alles leugnete, ® ?oaat in Abrede stellte, in Vilbel gewesen zu sein ist er herüe ge- -länd?a den Diebstahl begangen zu haben, jedoch ohne den Koffer zu erbrechen Das Urteil lautet auf eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr ?iroS'«>n Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer vo^b^Jahren? sowie Zulässigkeit 8 ber Stellung unter Polizeiaufsicht - Der Taglöhner Emmerich Schäfer aus Erda (der übrigens »ich kJiha ift mit dem zuerst Verurteilten gleichen Namens) ist «ft 254cXQ?te ™lt, aber schon zweimal wegen Betrugs und fünfmal liegen Diebstahls vorbestraft. Er steht im dringenden Verdacht, am 11. April d. I. auf einem Hofgute zu Dortelweil, wo er 3 Tage in I Dienst stand, einem Schweizer, der mit ihm das Zimmer teilte, einen ! Anzug nebst Leibwäsche im Werte von 30 Mk. gestohlen zu haben. Er I befindet sich seit dem 12. v. Ms in Untersuchungshaft und erhält heule I unter Anrechnung von 1 Monat derselben, 1 Jahr Gefängnis. — Freigesprochen wird in beiden Fällen der Tagldhner Hch. Ad. Schmierte aus Aulendiebach, der des Betruges und Diebstahls angeklagt und deswegen er bereits zweimal bezw. fünfmal vorbestraft ist. Er ist beschuldigt, am 2 Dezember v. I. den Pächter W. Bähr zu Hof Herrnhag, bei dem er in Dienst treten wollte, um dem Mietsthaler beschwindelt, sowie am 11. Dezember dem Hch. Papst III. zu Bruchenbrücken von dem im Hausflur des Schulhauses daselbst angebrachten Kleiderhaken eine Pelzmütze im Werte von 6 bis 7 Mk. entwendet zu haben. Da aber durch die Zeugenvernehmung nicht nachgewiesen werden konnte, daß der Angeklagte wirklich der Dieb ist, so mußte auf Freisprechung erkannt werden. — Zuletzt wird gegen Peter Bellinger von Gelnhaar, wegen fahrlässiger Brandstiftung verhandelt. Der Angeklagte, der bei Pächter Emmerich zu Luisenlust bei Hirzenhain in Dienst steht, hat am 26. April d. I. auf der sog. Krebswiese das Gras, das im vorhergegangenen Herbst nicht abgemäht worden war, angezündet, um dadurch den neuen Graswuchs zu fördern. Er glaubte hiermit im Interesse seiner Dienstherrschaft zu handeln, weil er von dem Sohne seines Dienstherrn gelegentlich einmal gehört haben will, daß das rückständige Gras vom Vorjahre niedergebrannt werden solle. Doch hatte sich die betr. Aeußer- ung seitens der Dienstherrschaft, wie aus der Zeugenvernehmung hervorgeht, auf die sog. Bornwiese bezogen, während das auf der Krebswiese stehende abgemäht und als ©treumaterial benutzt werden sollte. Als der Verwalter chrn befahl, das Feuer zu löschen, weigerte sich der An- geflagte, weil Bei der herrschenden Windstille ein Umsichgreifen des Brandes bis zum angrenzenden Walde voraussichtlich nicht zu befürchten sei und seine Maßnahme im Interesse seiner Dienstherrschaft erfolge. AIS aber nach ganz kurzer Zeit sich Wind erhob, und mit großer Schnelligkeit das lange, dörre Gras nach dem Walde zu in Brand setzte und auch diesen entzündete, da war es zu spät, dem Feuer Einhalt zu thun. Durch den Waldbrand wurden den Gräfl. Stolberg'schen Oberförstereien zu Gedern und Ortenberg 21 und 10 Morgen Wald und Fichtenkultur meist vollständig zerstört und hierdurch ein Schaden von 1700 bezw. 700 Mk. verursacht. Der Angeklagte wird unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 1 Monat verurteilt. Frankfurt