M. 254 Zweites Blatt. Dienstag den 30. Oktober 15V. Jahrgang LSQQ Gießener Anzeiger General-Anzeiger Llle Anzeigen-Bermittlungsstellm deS In« und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Erscheint täglich mit Ausnahme dcS Montags. Die Gießener AnmikieuSlätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hoff. Landwirt" u. „Blätter für heff. BolkSkunde" wbchrl. 4 mal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für de, -alßende« Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. ^Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Ml. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Amts- unb Anzeigeblatt fflt den Weis Gietzen. Aedaktton, Expedition und Drucker«: -Hntstraße Nr. 7. GratisbeUagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische DolKsKnnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger <£ie&flU Fernsprecher Nr. 51. Die Rede des Miuister-Präfidente« Waldeck-Rousseau in Toulouse. Paris, 29. Oktober 1900. Waldeck-Rousseau fand gestern in Toulouse trotz regnerischen Wetters sympathische Aufnahme seitens der Bevölkerung. Bei dem Empfang der Behörden benutzte der Minister die Gelegenheit, der Armee und dem Richter st and Anerkennung zu zollen. Gegenüber dem Erzbischof sagte Waldeck-Rousseau, die Regierung schütze die Geistlichkeit, solange sich diese politischer Umtriebe enthalte. Dem Rabbiner antwortete er, die Republik müsse die Gleichheit aller Franzosen als Lebensprinzip verteidigen. Ter Antisemitismus, der einen vorübergehenden Rückfall in die Barbarei darstelle, habe keinen dauernden Boden in Frankreich. Gestern abend hielt Waldeck die erwartete größte Bankett-Rede vor den Senatoren, Deputierten und Generalräten der Umgebung von Toulouse. Er betonte in der Einleitung, daß vielfache Kundgebungen des Volkes, insbesondere der Generalräte und der in Paris um den Präsidenten der Republik versammelt gewesenen Bürgermeister die Regierung ermutigen und verpflichten, mit einem festen republikanischen Aktiv ns-Pro- g r a m m hervorzutreten, nachdem es ihr gelungen, den erschütterten Frieden der Geister wiederherzustellen. In einem freien Lande wie Frankreich, habe die Gesamtheit des Volkes noch vor dem Parlament Anspruch daraus, über die Absichten der Regierung aufgeklärt zu werden. Die Regierung werde den Kammern eine Summe von Reformen unterbreiten, die diese ausreichend bis zum Ablauf der Legislaturperiode im Frühjahr 1902 beschäftigen könne. Man habe der Regierung vorgeworsen, sie wolle ein sozialistisches Programm verwirklichen; das liege ihr natürlich fern. Aber ein republikanisches Reform-Programm dürfe deshalb soziale Reformen nicht ausschließen. In Betreff der D r e y f u s - A f f a i r e habe die Regierung reinen Anlaß, sich vom Wunsche au trennen, den die Kammer im Mai aussprach, nämlich jeder Wiederaufnahme der Affaire zu widerstrben. Frankreich! habe sich vom inneren Zwrst wieder erholt und nehme eine geachtete Stellung nach außen ein, was auch der großartige Erfolg der Ausstellung beweise. Im Innern kranke das Land insbesondere an zwei Gebrechen: es fehlen ihm vielfach selbstlose Politiker, und Beamte und Regierende selbst begehen vielfach den Fehler, zu viel zu versprechen. Um den Beamtenstand zu verbessern, müsse die Republik darauf bestehen, daß die Staatsdiener aus Laienschulen, hervorgehen. Unter den Reformen, welche die Regierung zur Verbesserung der Finanzlage Vorschläge, seien die Vorlagen über Erbrecht und Geträn ke st euer besonders dringend und die Kammer müsse neben der Budgetberatung Zeit zu ihrer Erledigung finden. Daneben bestehe die Regierung in erster Linie auf der Erledigung des Vereinsgesetzes. Die .Dreyfus-Affaire habe gezeigt, daß eine klerikale Organisation bestehe, die selbst den Kirchenfürsten trotze, die ihr keine Vasallendienste leisten wollen. Diese Organisation beruhe auf den geistlichen Orden, deren Vermögen eine Milliarde überschreite und deren Einfluß die Republik von Tag zu Tag mehr bedrohe. Der Klerikalismus sei ein ernster Feind, schon deshalb, weil er die Heranwachsende Jugend in zwei Lager spalte. Waldeck-Rousseau geht dann zu fernerliegenden Reformen über und betont insbesondere die Notwendigkeit der Altersversicherung für die Arbeiter. Zum Schluß weist der Redner auf die leidenschaftlichen Kämpfe der letzten Jahre hin und sagt: „Wir haben triumphiert über diese Todeskeime. Wir erschienen zerschmettert; heute sind wir wieder erstarkt, weil die zerbrochene Solidarität wiederhergestellt ist. Eine neue demokratische Partei kann sich bilden mit der Devise: Mehr Aktivität bei der Regierung, mehr Sicherheit bei den staatlichen Institutionen, mehr Freiheit, mehr Brüderlichkeit und mehr Gerechtigkeit." Der enthusiastische Beifall, den die Rede findet, erneuert sich nach Schluß des Banketts auf der Straße. Die Rede des Ministerpräsidenten macht nicht nur wegen ihrer antiklerikalen Tendenz Eindruck, sondern auch wegen der offenbaren Tendenz, vor Zusammentritt der Kammer an die Wählermassen zu appellieren. Besonders bezeichnend ist die Zuversicht, womit der Redner sein Programm ausdrücklich bis zu den nächsten Neuwahlen ausdehnt. Ein Raffen-Konflikt in Kanada. ~~ Montreal, 26. Oktober. In Valley field, 50 Meilen von Montreal, legten 3000 an dem Bau der Baumwollfabriken beschäftigte Maurer die Arbeit nieder. Die Ausständigen sind französische Kanadier. Eine große Anzahl Truppen und Miliz sind nach Valleyfield abgesandt. Die Lage ist bedrohlich und hat sich durch die Raffenfemdschaft, besonders aber durch die Anwesenheit englischer Truppen verschlimmert. Die Ausständigen, denen sich 2500 Weber anschloffen, durchsuchten den ganzen Tag die Stadt nach Gewehren. Abends werden Unruhen befürchtet. Dem „Daily Telegraph" wird aus Montreal ge- meldet: Französische Kanadier, welche in Balleyfield, Provinz Dubec, streiken, überwältigten eine Abteilung Royal Scots Victoria-Schützen, die aus Montreal geschickt waren, um das Gebäude der Dominion Cotton Company zu schützen. Neun Soldaten sind verwundet. ES sind 25 Offiziere und 358 Mann als Verstärkung angekommen. Die Royal ScotS waren den Streikenden völlig preisgegeben. Die Offiziere mußten sich damit begnügen, ihre Revolver in die Luft zu feuern. Die Soldaten wurden inzwischen mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Nur ein Streikender wurde am Arm verletzt. Vier Leute sind verhaftet worden. Die Streikenden drohen aber, sie befreien zu wollen. Dem „D. Telegraph" zufolge ist Balleyfield meist von frayzöfischen Kanadiern bewohnt und der Rassenhaß dorr sehr groß. Kürzlich gab eS darüber Streit, weil Engländer in den Spinnereien angestellt werden sollten. Der gegenwärtige Streit ist eiu Loh »streit, aber er nimmt den Charakter eines Rassenkampfes an. Die Anwesenheit von englischen Rotröcken aus Montreal verschärft denselben. Nach einer Meldung der „Central News" aus New- Aork suchte der die Truppen kommandierende Offizier vergebens den Bürgermeister und einen anderen städtischen Beamten, welche die Aufruhr Akte verlesen sollten. Beide hatten die Stadt verlassen. Der Bürgermeister war nach Montreal geflüchtet, weil er fürchtete, die Bevölkerung würde ihn lynchen. Verschiedene Friedensrichter wurden ersucht, die Aufruhr-Akte zu verlesen, aber diese lehnten es ab. Nachträge zum Gedächtnis Moltkes. Von Dr. Soltmann in Bremen erhält die „Wes.- Ztg." folgende Zuschrift: Als Beitrag zur Charakteristik Moltkes ser mir gestattet, eine Begebenheit aus demKriege 1870/71 zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, die ich nirgends veröffentlicht gefunden habe; eine kleine Scene, deren Erzählung ich selbst aus dem Munde des beteiligten Offiziers, des späteren Generaladjutanten Kaiser Wilhelms I., Generalleutnant v. Steinäcker, gehört habe und die Moltkes völlig sicheres Beherrschen der gegebenen Situation und sein festes Vertrauen auf den unbedingten Gehorsam des von ihm geleiteten deutschen Heeres in geradezu verblüffender Weise vor Augen führt: Es war nach den blutigen Kämpfen um Metz; die deutschen Truppen rückten westwärts vor, immer in Fühlung mit dem Feinde und jeden Augenblick gewärtig, daß dieser sich durch eine Schwenkung zum Entsätze der in Metz eingeschlossenen Armee Bazaines anschicken würde. In Moltkes Quartier waren eines Abends die Ordonnanzoffiziere versammelt, um von ihm die Befehle an ihre Vorgesetzten in Empfang zu nehmeu. Moltke erteilte dieselben; doch kurz bevor er damit fertig war, langte die Nachricht au, daß die lange vorausgesehene Schwenkung des französischen Heeres nach Norden eingetreten fei. Moltke widerrief alle seine Befehle, beugte sich längere Zeit über seine Karten und erteilte dann den Offizieren neue Befehle. Als diese Herren das Zimmer verlassen hatten, wandte er sich an den allein zurückgebliebenen Oberst v. Steinäcker mit den Worten: „Und Sie, Steinücker, reiten zu Majestät'und sagen ihm, wir hätten ckn ... (er nannte eine Zahl) Tagen die Franzosen ber Sedan." Oberst v. Steinäcker, ganz verblüfft, fragte: „Exzellenz, soll ich das Sr. Majestät wirklich melden?" — „Ja." — Und da er diesen Auftrag noch immer nicht für möglich hielt, fragte v Steinäcker: „Aber wie können Sie das, Exzellenz?!" Eine stumme Antwort wurde ihm zu Teil: Moltke zeigte auf seine Stirn und zuckte die Achseln. N e w - N o r k, 27. Oktober. Der 100jährige Geburt s t a g M o l t k e s wurde Freitagabend von den deutschen Vereinen in Newyork, Cincinnati und anderen Städten Amerikas festlich begangen.______________________ De^Krieg in China. Bei dem durch eine Reutermeldung bekannt gewordenen Zusammenstoß zwischen deutschen und kaiserlich ch i n e s i s ch e n T r u p p e n nördlich von Paotingfu scheint es sich lediglich um eine glücklich verlaufene Erkundung deutscher Vortruppen gehandelt zu haben. Wenigstens wird dem „Berl. Lokalanz." darüber aus Ngansu vom 18. Oktober folgendes gemeldet: Den heutigen Ruhetag verwandte die Marinebatterie des Hauptmanns von Blottnitz zur notwendigen Auffrischung ihres Pferdebestandes. Hauptmann v. Blottnitz ging demgemäß mit seinen Offizieren und 50 berittenen Kanonieren frühmorgens südwestlich vor. Der Generalftabsmajor v. Marschall, der bekannte Herrenreiter Graf Königsmarck, Oberleutnant von Willamowitz und ich machten die Expedition mit. Fünf Kilometer südwärts erwischten unsere Reiter einen chinesischen Kavalleristen, welcher dem Dolmetscher v. Tettenborn eingestand, im Dorfe Taiiwang, 15 Kilometer südwestlich, wären viele Pferde und Maultiere; aber auch eine starke chinesische Truppenabteilung sei dort stationiert, Infanterie wie auch Kavallerie und Artillerie. Hauptmann v. Blottnitz beschloß, hinzureiten, und wir erreichten um halb 11 Uhr vormittags Taiiwang. Unsere Spitze unter Oberleutnant Rempe traf dort das chinesische Militär in vollem Abzug begriffen an, als er vorsichtig in das Dorf einritt. Die Kavallerie, 300 Reiter, war schon fort, ein Bataillon und zwei bespannte Geschütze befanden sich aber noch im Dorf. Wir überraschten sie vollkommen, wurden jedoch mit einigen Schüssen empfangen, die sofort erwidert wurden. Hierbei wurde ein Chinese erschossen, einer schwer verwundet. Der kommandierende chinesische Major erklärte, auf jede unserer Bedingungen einzugehen. In Anbetracht der für uns ziemlich kritischen Lage begnügten wir uns mit der Fortnahme der beiden Geschütze, ferner von acht Fahnen, 100 neuen Gewehren, 25 Pferden und einer Menge Munition. Darauf traten wir den Rückmarsch an und langten mit sämtlichen Trophäen um 5 Uhr nachmittags wieder hier an. Die Geschütze sind Kruppsche Hinterlader. Morgen marschieren wir nach Paotingfu weiter. Meldungen aus Tientsin zufolge beabsichtigt eine aus Deutschen und Russen bestehende Truppen-Ab- teilung den Posten südöstlich von Tung tschau anzugreifen, wo 10000 Boxer und desertierte reguläre Truppen sich gesammelt 'haben. Französische Artillerie wird sich an dieser Expedition beteiligen. Reuter meldet aus Paotingfu vom 20. Oktober: Die Kolonne der Verbündeten ist gestern eingetroffen. Sie fand Franzosen vor, die bereits im Besitze der Thore waren. G a l a s e e, begleitet von dem Stabe fremder Offiziere, hielt mit dem Provinzialrichter eine Zusammenkunft ab und traf ein Abkommen mit ihm bezüglich der Uebergabe der Thore: heute ritt Gaselee mit dem Stabe, eskortiert von je 30 berittenen Vertretern der Nationalitäten durch die Stadt. Später wurde ein Kriegsrat abgehalten und beschlossen, die Stadt in vier Distrikte einzuteilen, wovon jeder von einer Mteilung Soldaten der vier Nationalitäten unter dem Kommando des Majors W y n e k e n bewacht wird. Im Schatze wurden 74 000 Taals gefunden und von den Verbündeten genommen. Die französische Truppe, welche Tientsin am 1. Oktober verlassen hatte, war fünf Tage vor der zusammengesetzten Truppe eingetroffen. — General Voyron hatte Boten an sie abgesandt, mit dem Befehl, Halt zu machen und auf die übrigen Verbündeten zu warten. Sie hatten dieselbe aber nicht getroffen. Die zur Tientsiner Truppe gehörige Kavallerie ist heute eingetroffen. Der Rest der Kolonne ist durch schlechte ssLege äufgehalten und wird morgen^erwartet. Nach Berichten, die beim Generalstabe in Petersburg am 26. eingegangen sind, wurden in Mukden große Vorräte an Kriegsmunition vorgefunden. Bei der Vernichtung des aufgefundenen Pulvers fanden mehrere Explosionen statt, bei denen 26 Soldaten verwundet wurden. Infolge energischer Maßregeln zur Bekämpfung des Räuberunwesens leben Handel und Verkehr wieder auf. Ferner wird dem Generalstab berichtet, daß bei einer Besichtigung der russischen Truppen in Tientsin durch den Generalfeldmarschall Grafen W a l d e r s e e dieser seiner Zufriedenheit über das Aussehen und die .Haltung der russischen Truppen Ausdruck gab. Bon Tientsin bis Schanhaikuan ist der regelmäßige Eisenbahnverkehr wieder eröffnet, bei der Station Peitang war der Bahndamm unterminiert, es wurden ungefähr 40 Minen herausgenommen, wobei einige Explosionen stattfanden, die aber nur unbedeutende Verletzungen von Personen zur Folge hatten. Aus Shanghai wird vom 27. gemeldet: Der Gouverneur von Schansi, Buhsien (welcher am 9. Juli eine ganze Anzahl Missionare in seinem Ä)amen in Tayuen niedermetzeln ließ"» hat Selbstmord verübt, weil er fürchtete, den Verbündeten ausgeliefert zu werden. — Man sagt, daß Admiral Seymour sich nach .Hankau und Wutschang begiebt. Das würde eine Demonstration gegen den neu ernannten Gouverneur von Hupe seitens der fremden Kanonenboote bedeuten. Aus Peking wird vom 27. telegraphiert: Die Gesandten hielten heute zum zweiten Male eine Sitzung ab, um den Vorschlag des französischen Ministers des Auswärtigen zu prüfen. Alle waren der Ansicht, man müsse für die Hauptschuldigen bei den letzten Ereignissen Todesstrafe verlangen. Man hat Grund anzunehmen, daß, wenn die Mächte darauf bestehen, die chinesische Regierung dieser Forderung gerecht wird. Auf die letzte Note Tschingo und Li Hung- T s ch a n g s wird keine Antwort erteilt. e • Nach einer Meldung aus Washington vom 27. wird die Antwort auf die Mitteilungen Deutschlands und Englands, die das e u g l i s cd - d e u t s ch e Abkommen enthielten, wahrscheinlich nächsten Montag abgehen. Man nimmt au, das Staatsdepartement halte es nicht für not- wendig, auf das Abkommen hinsichtlich des dritten Punktes unter Borwegnahme der Möglichkeit einzugehen, worauf es sich bezieht; es besteht kein Zweifel, daß die Vereinigten Staaten den beiden ersten Punkten des Abkommens voll zustimmen werden. * * * Telegramme deS Oietzeuer Anzeigers. Berlin, 29. Oktober. Ein Telegramm aus Shanghai vom 23. Oktober besagt: Die Kaiserin entsandte Ju- hensan als Wander-Kommissär nach dem Iangtsegebiet und den Süd-Provinzen, um Gelder und ExLrasteuern cinzuziehen. London, 29. Oktober. Den „Central-News" wird vom Samstag aus Shanghai telegraphiert: Die kaiserlichen Truppen, die aus der Verfolgung der Rebellen in Süd-China begriffen sind, haben am 23. Oktober eine große Schlacht geliefert. Von den Rebellenbanden wurden 600 Mann getötet. — Der kaiserliche Hof kam am Samstag in Singan-fu an. London, 29. Oktober. Eine Meldung vom Samstag besagt: Das Passagierboot „Perseverence", das zwischen Hongkong und Macao verkehrt, wurde in der Freitagnacht von Piraten angegriffen. Die Passa- giere sind unverletzt. Washington, 29. Oktober. Der amerikanische Vertreter in China, Cong er, dementiert die Nachricht, die chinesische Regierung habe die Vizekönige von Nanking und Hankau wegen ihrer fremdenfeindlichen Haltung abgesetzt. Südafrikanisches. Eine Depesche Lord Roberts aus Pretoria vom 25. Oktober meldet: General Bar ton, der während einiger Tage von den Buren belästigt wurde, griff diese morgens bei Fred er iks st ad an und zersprengte sie völlig. Auf unserer Seite wurden 3 Offiziere und 14 Mann verwundet. Roberts meldet vom 26. Oktober: Die gestrigen Verluste Bartons sind bedutender, als gemeldet wurde. Abgesehen von den angegebenen Verlusten sind noch 1 Offizier tot, 3 Offiziere und 37 Mann verwundet. Von den Buren sind 24 tot, 19 verwundet und 26 gefangen. D r e i B u r e n , die die Hände aufhoben zum Zeichen ihrer Ergebung, dann aber verräterischer Weise schossen, wurden gefangen und vor ein Kriegsgericht ^gestellt, das sie zum Tode verurteilte. Ich bestätigte das Urteil. — Methuen und Douglas zersprengten gestern eine Burenabteilung bei Zeerust. Von den Buren sind 6 tot oder verwundet und 28 gefangen. Auf unserer Seite wurden 8 Mann verwundet, einer wird vermißt. Eine Menge Vieh wurde erbeutet. — K i t ch e n e r meldet aus Lydenburg, er habe eilten Nachtmarsch unternommen und ein Burenlager in der-Nähe von Krügers- poort genommen. Mehrere Buren wurden verwundet und 4 gefangen. Wir hatten keine Verluste. Bezüglich der Angriffe auf Philipolis fügt Roberts hinzu: Da die Buren durch Verrat sich Eingang in die Stadt verschafften, wies ich Kelly-Kenny an, alle daran Beteiligten des Landes zu verweisen. Ein Leutnant und 50 Mann Kavallerie fielen vor einigen Tagen zwischen Springfontein und Philipolis in einen Hinterhalt. Alle bis auf sieben wurden gefangen. Der „Central News" wird aus Kapstadt gemeldet: Der Angriff der Buren auf Jaeobsdal (int Südwesteu des Oranje-Freistaates, 40 Kilometer südlich von Kimberley) geschah um Mitternacht durch ein Kommando von 250 Mann. Der Angriff war eine völlige Ueberraschung, da von der Anwesenheit des Feindes in der Nähe nichts bekannt war. Der größte Teil der englischen Garnison schlief. Verschiedene Leute wurden in ihren Zelten getötet. Die Besatzung bestand nur aus einer 52 Mann starken Kompagnie der Kapstadt-Hochländer, die erst vor einer Woche vom Lager am Modderfluß nach Jaeobsdal geschickt worden waren; 13 Manu wurden verwundet und 14 getötet. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Durban machten 100 Buren am Donnerstag morgen einen kühnen Versuch, die neue Brücke über den Waschbank- Fluß zu sprengen. Ein Eisenbahnzug mit Truppen hatte Dundee um Mitternacht verlassen itnd er erreichte den Waschbank rechtzeitig, um die Buren anzugreifen, die bereits auf beiden Seiten der Station die Bahn zerstört und das Stationsgebäude in Brand gesteckt hatten. Die Buren nahmen auch! einen Güterzug, dessen Lokomotive mit vier Wagen sie mit Volldampf auf die Brücke zuschickten, um dieselbe zu zerstören. Wegen der Steigung der Bahn kam aber der Zug zum Stillstehen, ohne daß er Schaden anrichtete. Man glaubt, daß diese Buren Natalsche Rebellen waren. Aus Durban wird vom 26. Oktober gemeldet: Im Norden Natals sind Buren aufgetaucht. Sie sprengten eine kleine Brücke auf der Bahnlinie in der Nähe von Waschbank und beschädigten einen Güterschuppen. Die Bahnlinie wurde schleunigst ausgebessert und der Verkehr wieder aufgeuommen. Aus K a p st a d t wird vom 26. depeschiert: Die feierliche Proklamierung Transvaals für einen Teil des britischen Reiches fand heute statt. 6200 Mann standen in Parade. Nach einer Meldung aus B e rn haben sich eine Anzahl Schweizer, dievon den Engländern ohne Grund aus Transvaal ausgewiesen worden sind, beim Bundesrat über England beschwert. * * * Telegramm deS Gieheuer Anzeigers. London, 29. Oktober. „Daily Mail" bespricht die Enttäuschung unter der Bevölkerung über das verspätete Eintreffen der Londoner Freiwilligen. Das Blatt stellt fest, daß die patriotische Begeisterung seit Sonntag .bedeutend abgenommen hat. Deutsches Reich. Berlin,28.Oktober. Das Kaiserpaar besuchte gestern vormittag den Gottesdienst. Zur Frühstückstafel war der Reichskanzler Graf Bülow nebst Gemahlin geladen. — Aus Cron berg wird gemeldet: Das Befinden der Kaiserin Friedrich ist in den letzten Tagen ein fortgesetzt gutes. Außer zeitweiligen Rückenschmerzen hat die hohe Patientin keine Klagen. Heute nachmittag überbrachte ein kaiserlicher Leibgendarm Genschenke des Kaisers für die Kaiserin. — Prinz Christian zu SchleSwig-Holstein- Sonderburg-Augustenburg hält sich seit mehreren Wochen in Berlin auf und hatte bei dem großbritannischen Botschafter Sir Frank Lascelles Wohnung genommen. Eine unerquickliche Familienangelegenhet hat den Prinzen hierher geführt, die die Scheidung seiner Tochter, Prinzessin Luise Auguste, von demPrinjzen Aribert von Anhalt betrifft, mit dem sie seit dem 6. Juli 1891 vermählt ist. Von den vier Kindern des Prinzen Christian, der eine jüngere Schwester der Kaiserin Friedrich, Prinzessin Helene von Großbritannien, zur Gemahlin hat, ist Prinzessin Aribert das jüngste, geboren am 12. August 1872. Von den beiden^Brüdern gehört der ältere, Prinz Christian Victor, dem großbritannischen KingS Royal Rifle Korps als Offizier an; der jüngere, Prinz Albert, dient als Oberleutnant im Hessischen Garde-Regiment Nr. 23 in Darmstadt. Ihre einzige Schwester ist die Prinzessin Victoria Luise. Prinzessin Aribert lebt schon seit längerer Zeit von ihrem Gemahl getrennt und hält sich gegenwärtig in Amerika auf; Prinz Aribert war bis zum 14. September d. Js. Rittmeister und ESkadronsches im 1. Garde-Dragoner- Regiments und wurde unter genanntem Datum ä la suite deS Regiment gestellt und auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Am Donnerstag hat sich Prinz Christian von Schleswig- Holstein mit seinem Neffen, dem Herzoge Ernst Günther, nach Schloß Primkenau begeben. — Die Staatsminister und Staatssekretäre entsprachen gestern abend einer Einladung zur Tafel bei dem Fürsten Hohenlohe. Im Verlaufe der Tafel sprach Hohenlohe in bewegten Worten seinen Dank aus für die ihm während seiner Amtszeit in den letzten fünf Jahren zuteil gewordene treue Mitarbeiterschaft, seine Wünsche für die Zukunft des Vaterlandes und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Reichskanzler Gras Bülow sprach im Namen der Anwesenden sein Bedauern aus über das Scheiden des Fürsten, drückte seine aufrichtige tiefempfundene Verehrung für ihn aus und pries in schwungvollen Worten seine patriotischen Verdienste während seiner langen Dienstzeit, indem er an die Epoche vor der Reichsgründung anknüpste, wo Hohenlohe die lebende Mainbrücke genannt wurde. Der Abend verlief in angeregtem Politischem Gespräche. — Der Reichskanzler Graf Bülow erhielt vom Sultan, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ein herzliches Glückwunschtelegramm zu seiner Ernennung. Der Reichskanzler dankte ebenfalls auf telegraphischem Wege. — Bei der Enthüllung der beiden Standbilder in der Siegesallee ließ sich der Kaiser den neuen Bürgermeister Brinckmann vor stellen und reichte demselben sreundlich die Hand. Der Monarch sprach zu dem Bürgermeister über die großen kommunalen Aufgaben, die seiner warteten, und über die musterhafte Ordnung in der Reichshauptstadt. — Den Abendblättern zufolge balanziert der dem Bundesrat zugegangene Etat für Kiautschou mit 11050 000 Mk. Der Reichszuschuß beträgt 10050000 Mk. Die fortdauernden Ausgaben betragen 4383391 Mk., die einmaligen Ausgaben 6575000 Mk. Das Extraordinarium weist für Hasen- und Tiefbauten einschl. des Landerwerbes 3385000 Mk., für Hochbauten 1590000 Mk. und für die Beteiligung an der Beschaffung von Wohn- und Arbeiterhäusern 200000 Mk. auf. — In einer am Freitagabend in Breslau abgehaltenen sozialdemokratischenVersammlung teilte der sozialdemokratische Wahlmann Müller August BoremiSki mit, daß vor einigen Tagen einer der konservativen Führer, der Destillateur Hermann Seide an ihn herangetreten sei, und ihm 1000 Mk. angeboten habe, damit er seine Gesinnungsgenossen bewege, sich von der Wahl fernzuhalten und mit dem Geld am Wahltage einen Ausflug zu machen. — Wie aus Wiesbaden gemeldet wird, sind zu einer Besprechung der Schaumweinsteuer frage, die am 6. November im Reichsschatzamt stattfindet, unter anderen geladen: Direktor Hummel-Hochheim (Bürgest u.Co.), Komm.-Rat Weiß von Keßler u. Co. in Eßlingen, Herold von F. A. Siligmüller in Würzburg, Kupserberg, Komman- dit Gesellschaft in Mainz, C. H. Schultz, Rüdesheim, Geh. Kom.-Rat I. Wegeler von Deinhard u. Co. in Coblenz. — Aus Köln wird gemeldet: Reichsbankdirektor Paul Richter, der Bruder des Abgeordneten Eugen Richter, ist im Alter von 59 Jahren heute nacht gestorben. — Aus Hamm wird geschrieben. Mit Rücksicht aus die Schwierigkeiten, die sich der Errichtung eines Falk- Denkmals in Hamm entgegenstellen, ist in Wittenberg dieser Tage eine Reihe von angesehenen Bürgern und Stadtverordneten zusammengetreten, um zunächst den Sachverhalt in Hamm zu ermitteln, und danach je nach dem Ausfall der Aufklärung, die Errichtung des Falk-Denkmals hier anzustreben, da Dr. Falk Ehrenbürger der Stadt Wittenberg gewesen ist, sich große Verdienste um die Schule erworben hat, und dort allgemein hoch verehrt wird. Weimar, 28. Oktober. Bei den Ur wählen für den Landtag siegten die Sozialisten wieder mit großer Mehrheit in Apolda. Die Freisinnigen behaupteten Weimar, die Nationalliberalen Jena. Eisenach, 28. Oktober. Die Landtags wähl en ergaben im ganzen Lande bei reger Wahlbeteiligung ein Ausland. starkes Anwachsen der Opposition. Die Freisinnigen gewannen bisher Kaltennordheim, die Sozialdemokraten Ilmenau. Das Endresultat ist noch nicht ersichtlich. Stuttgart, 27. Oktober. Die Kammer nahm fast ernstlmmig den Antrag an, den Reifezeugnissen der Real- anstalten dl- Berechtigung für die Zulassung zum höheren Verkehrs- und Forstdienst zu geben. Loudon, 28. Oktober. Der „Standard" schreibt: Welche Aenderungen immer im Kabinett eintreten mögen, Lord Salisbury bleibt Premierminister und Minister des Auswärtigen. Brüffel, 28. Oktober. Nachdem der französische Ministerrat vom 23. Oktober die Auslieferung Sipidos zugestanden hatte, war dessen Verhaftung vorauszusehen. Er ist gestern gefangen eingebracht worden. — Der in Begleitung von Gendarmen zur Festnahme Sipidos nach Frankreich entsandte Polizeioffizier verhaftete den Flüchtling, der sich in Billancourt bei Paris aufhielt. Sipido setzte seiner Verhaftung keinen Widerstand entgegen. Sipido befindet sich im Gefängnis des Minimes, von wo er in die Besserungsanstalt von Saint Hubert überführt werden soll. Seinen Verteidigern wurde der Zutritt verweigert. Der Vater liegt schwer krank darnieder. Die Mutter erklärt, wegen Geldmangel sei ihr Sohn nicht aus Paris entflohen. Die klerikale Preffe bemüht sich neuerdings, Sipido als Anarchisten zu stempeln. Die Meldung der „Agence Havas", der Polizeipräsident habe von der bevorstehenden Verhaftung nichts gewußt, wird hier für unrichtig erklärt. Paris, 28. Oktober. Die hier zwischen Frankreich,. Deutschland und Oesterreich Ungarn stattfindenden Verhandlungen über die Zuckerfrage sind fast beendet. Man hält fast für sicher, daß die drei Mächte über die Abschaffung der seit einiger Zeit eingeführten Ausfuhrprämien sich einigen werden. Madrid, 28. Oktober. Der Kapitän zur See Marquis Arellana wurde zum Marineminister ernannt. Wien, 28. Oktober. Gestern fand in der Hofburg die feierliche Renunciatiou der Erzherzogin Maria Reineria anläßlich ihrer bevorstehenden Vermählung mit dem Herzog Robert von Württemberg statt. Anwesend waren der Kaiser, die Erzherzöge, Minister und obersten Hofchargen. Maria Reineria und Herzog Robert unterschrieben die Verzichtsurkunde mit der angefügten Eidesformel. — Aus Pest wird das Gerücht verbreitet, Erzherzog Franz Ferdinand beabsichtige zu gunsten seines Bruders, des Erzherzogs Otto, resp. dessen Sohnes, des 12jährigen Erzherzogs Karl, dem Rechte der Thronfolge zu entsagen. Petersburg, 28. Oktober. Der Schah von Persien hat auf der Rückkehr aus Europa persisches Gebiet wieder betreten und begiebt sich zunächst nach Täbris. Aus Stadt und Land. Gießen, 29. Oktober 1900, ** P ers o n alnachr ich t en. Der Amtsrichter bei. dem Amtsgericht Seligenstadt Adolf Warthorst wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II ernannt, der Gerichtsschreiber bei demAmtsgerich,t Gi eß en Georg N e i d h a r t wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt, der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lauterbach Peter Malz an wurde auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt, der Finanzaspirant Karl Marquardt aus Gronau wurde zum Steuereinnehmer des Steueramts Gernsheim, der zweite Staatsanwaltsgehilfe bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg Heinrich Thomas zum Hilfs- aerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen, der Gerichts- schreiber-Aspirant Karl Dietz in Offenbach zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lorsch, der Gerichts- schreiber-Aspirant Georg Denn in Mainz zum zweiten Staatsanwaltsgehilfen bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Rheinhessen, der Gerichtsschreiber- Aspirant Heinrich R a u t h in Darmstadt zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Vilbel, der Amtsgerichts- biener am Amtsgericht Alzey Philipp Habicht zum Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Rheinhessen ernannt. -mm- Stadttheater. Am Sonntag gingen Schillers „Räuber" vor überfüllter Gallerte, aber leerem Sperrsitz in Szene, ein Beweis wieder für die bekannte Thatsache, daß die „Räuber" bei der großen Masse des Volkes, vor deren Beurteilung des Stückes und seiner Personen Schiller selbst große Bedenken hatte, /hre Popularität keineswegs eingebüßt haben, wahrend die höheren Stände ihnen nur mehr geringe Sympathien entgegenbringen. Die beiden Hauptrollen, die des Karl und des Franz Moor, lagen bei Herrn Ramsey er und Herrn Liebscher in "den besten Händen. Der erstere 6rmgt für die Darstellung des Karl sehr wesentliche Eigenschaften mit, an der vollen Ausnutzung seiner Stimmmittel hinderte ihn gestern leider eme starke Heiserkeit. Die Rolle der Amalia war unter den notwendigen starken SÄ'IiÄS'äÄS™ Talents abgelegt hat, bot auch in der Rolle der Amalia rechl^ anerkennenswertes. Einzelnes gelang ihr sehr gut, und wenn erst ihr Mienenspiel ausgebildeter und ihre Beweglichkeit auf der Bühne vorgeschrittener sein wird, so dürfen wir von ihr gewiß noch manche gute unb reifere Leistung erwarten. Herr Heuser fanb sich mit der für einen so jugendlichen Schauspieler nichtleichten Rolle des alten Moor gut ab, und Herr Lach mann brachte den Sviegelberq 'im ersten Akte ausgezeichnet zur Darstellung, sebr aut war auch der dem Galgen glücklich, entronnene Voller (Herr Marli tz). Alles in allem konnte die Vor- Gerichtssaal Mainz, 28. Oktober. Die schon lange schwebenden Verhandlungen wegen der Abfuhr der städtischen Fä. kalien in den Rhein dürften demnächst zu einem gewissen Abschlüsse gelangen. Um nämlich die Frage mit aller Gründlichkeit zu lösen, ist die hessische Regierung bereit, die Hälfte der auf etwa 8000 Mk. veranschlagten Kosten für Studien za übernehmen, die unter Mitwirkung eines Vertreters des Reichsgesundheitsamtes im Rheinstrom unternommen werden sollen. Bei dem hohen Interesse, das nicht allein die Stadt Mainz, sondern auch alle unterhalb der Sadt gelegenen Orte an der richtigen und sachgemäßen Lösung dieser Frage haben, und im Hinblick auf die zwischen Mannheim und Worms seinerzeit ausgebrochenen Differenzen wegen der Ableitung der Fäkalien in den Rhein durch erstere Stadt, ist es nur freudig zu begrüßen, daß unsere Regierung ein pekuniäres Opfer nicht scheut, um das Richtige in dieser Frage zu ermitteln. Es ist nicht ausgeschloffen, daß auch das Reich sich pekuniär an den Ermittelungen be- teiligt, da es durch die hiesige starke Garnison wesentlich an der Frage interessiert erscheint. des letzten Semesters nach Berlin als kommiffarischer Dozent am dortigen orientalischen Seminar beurlaubt — An der Unwersität Amsterdam hat sich Dc. W. Vogelsang-Freiburg i. B. als Privatdozeni für Kunstgeschichte habilitiert. — Der Professor der Architektur an der Akademie der Künste in St. Petersburg Anton Tomischko ist am 21. ds. gestorben. Prof. Tomischko war 1851 in Böhmen geboren. Außer zahlreichen Gebäuden in St. Petersburg wurde nach seinen Plänen das kaiserl. Palais in Alexandria bei Neu-Peterhof gebaut. stellung wohl befriedigen, weirn man Mängel, die in der Kleinheit unseres .Personals begründet sind, in Abrechnung bringt. ** Theater-Verein. Die für Dienstag angesagte Vorstellung findet bestimmt am Donnerstag, dem 1. November statt. Eine Repertoiränderung im Berliner Theater hat das Kommen der Frau Prasch-Grevenberg erst für Donnerstag ermöglicht. ** Verein für innere Mission. Der Oberhessische Verein für innere Mission wird sein Jahresfest am 13. und 14. November in der gewohnten Weise hier halten. Er wird außer dem Festgottesdienst am 13. November abends 6i/i Uhr, in dem Pfarrer Grünewald aus Mainz predigen wird, und der so beliebten Abendversammlung in Steins Garten, für die allerlei Ansprachen vorgesehen sind, bedeutsame Verhandlungen bieten, einmal über „Fürsorge für die schutzbedürftige und verwahrloste Jugend, besonders ein Blick auf das Bürgerliche Gesetzbuch", worüber Pfarrer Röschen aus Freienseen Bericht erstatten wird, sodann über den gegenwärtigen Stand und die Aufgaben der Alkoholfrage." Für letzteres Thema ist Herr Ernst Just, Geschäftsführer des deutschen Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke, gewonnen. Der Verein steht außerdem noch in Unterhandlung mit einem auf diesem Gebiet hervorragend tüchtigen Arzt. ** Einen Riesenhecht hat, wie man uns schreibt, Herr von Düring am gestrigen Sonntag in der Lahn gefangen. Der Hecht wog knapp 29 Pfund und hatte eine Länge von zirka li/2 Metern. Der Fisch stand an der Wißmarer Brücke und wurde mit der Angel dem nassen Element entrissen. Es dürfte der schwerste Fang sein, der überhaupt seit Jahren in der Lahn gemacht wurde. Der Hecht wurde als Dedikation nach Bremen gesandt. Es ist überhaupt für die Fischer heuer ein glückliches Jahr. Mitte der vorigen Woche fing, wie berichtet, Herr Geißler in seinem Fischereibezirk bei Dutenhofen einen 183/4 Pfund schweren Hecht, nachdem einige Tage zuvor ein Fischer bei Wetzlar einen solchen von 22% Pfund an der Angel gefangen hatte. •• Bon der Bieberlhalbahn. Die Arbeiten an der Personenhaltestelle „Abendstern" sind soweit ge- . diehen, daß bereits die Fundamente für das Stationsgebäude aufgemauert und die Auffüllungsarbeiten für den Bahnhof fast beendet sind. Bei günstiger Witterung wird die Fertigstellung der ganzen Anlage zum Frühjahre sicher sein. Zu der Herstellung dieser Personen-Haltestelle sind von privaten Jntereffenten 2000 Mk. beigesteuert - die der gesamten Kosten der Anlage hat vertraglich die Bieberthalbahn zu leisten, sodaß dem Eisenbahnfiskus die Einrichtung vielleicht noch 1000 Mk. Kosten verursacht. ** Am Donnerstag abend wird, wie im Inseratenteil «»gekündigt, der Zauberkünstler Herr Mellani in „Steins I Saalbau" die 1. Soiree in der höheren Magie und mo dernen Illusion geben. Herr Mellani wird sein Bestes thun, die Besucher der Soireen in einer angenehmen, amüsanten Täuschung auf einige Stunden zu unterhalten. Alle Produktionen, die Herr Mellani ausführt, zeichnen sich, wie ein Wiesbadener Blatt schreibt, durch Eleganz und rasche Kunstfertigkeit aus. Hessische Landeslotterie. Man schreibt aus Darmstadt: „Schon seit längerer Zeit plant die hessische Lotteriedirektion eine Abänderung des Planes der Hessischen Klassenlotterie. Am gestrigen Tage erhielten nun sämtliche Hauptkollekteure drei Lotteriepläne zugeschickt mit dem Er- I suchen, sich hierüber auszusprechen. Künftig soll die Lotterie I in sechs Klassen eingeteilt werden, anstatt wie seither in I fünf. Nach dem einen Plane sollen 42 000, nach dem an- dern 37 500 und nach dem dritten 36 000 Lose zur Verausgabung gelangen. Eine der wichtigsten geplanten Aende- I rungen besteht darin, daß in der letzten Klasse eine bedeutende Vermehrung der Treffer vorgesehen ist. I Die jetzige hohe Prämie im Betrag von 400 000 Mk. soll I in Wegfall kommen, dafür sollen aber zwei Prämien zur I Verteilung gelangen und zwar von 300 000 Mk. und von I 200 000 Mk. Eine dieser neuen Prämien soll bereits am I 1. Januar 1901 in Wirksamkeit treten." und ganz besonders Volkslieder vor, woran sich alsdann Konzert und Tanz schließen. Die Kapelle des Jnk.-Regts. Nr. 166 wird für eine ausgewählte Musik sorgen. '„Liederkranz" ist der älteste hiesige Männergesangverein; er besteht bereits 66 Jahre und wird seit Jahren von Taubstummenlehrer Schneider geleitet. -X- Nidda, 27. Oktober. Heute fand hier im neuen Kraft'schen Saalbau die Generalkonserenz der Lehrer des Kreises Büdingen unter dem Vorsitze des Kreisrats Jrle statt. Auch die übrigen Kreisschulkommissionsmit- güeder Schulrat Buß, Dekan Hofmeyer und der Land- tagsabgeordnete Erk waren anwesend. Von der Statistik, die Schulrat Buß gab, erwähnen wir nur, daß sich zurzeit 107 Schulklassen mit der gleichen Anzahl Lehrer im Kreise befinden, die eine Schülerzahl von 6261 Kinder unterrichten. ES kommen also nur 58,5 Schüler auf eine Schulklasse. Nach Erschöpfung des geschäftlichen Abschnitts wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, aus der sich als erster Gegenstand befand: „Wodurch erhält sich der Lehrer die geistige Frische zu seinem Berufe?" Der Referent, Lehrer Lenz, Aulendiebach, löste seine Aufgabe in ansprechender, klarer und treffender Weise. Das zweite Thema der Tagesordnung behandelte „Den Rechenunterricht in der Volksschule". Referent: Lehrer Schultheiß- Berstadt. Auch dieser Herr entledigte sich seiner Aufgabe m recht zufriedenstellender Weise. Nach einigen Erläuterungen des Schulrats Buß über dieses Thema schloß der Vorsitzende mit warmen Worten des Dankes an die Refe- I reuten die Versammlung, worauf sich die Teilnehmer vollzählig zur gemeinsamen Mittagstafel vereinigten. Die üblichen Toaste auf Kaiser und Landesfürst brachte der Vor- I sitzende aus. Der Redakteur des „Schulboten", Herr I Ruppel«Düdelsheim, gedachte des großen Strategen und Schweigers Moltke, da gestern 100 Jahre verflossen waren, I daß er das Licht der Welt erblickte. Er weihte sein Glas I dem Andenken des großen Feldmarschalls. I -r- Haiugrüudau, 27. Oktober. Ein industrielles Unternehmen großen Stils ist hier soeben im Entstehen begriffen. Eine hannoversche Aktiengesellschaft beabsichtigt, I hier eine umfangreiche Backstein- und Zementfabrik anzulegen. Bereits sollen 60 Morgen Land zu diesem Zweck I angekauft, weitere noch ausgedehntere Ländereien gepachtet I fein. Die Leitung der zunächst erforderlichen Hoch- und Tiefbauarbeiten hat Prof. B. Roß von der Technischen Hochschule in Hannover. Bereits jetzt sind über 30 Arbeiter beschäftigt, deren Zahl später noch beträchtlich steigen wird. Wie man hört, wird von der Gesellschaft geplant, zum Zweck möglichst raschen Versandts des fertiggestellten Materials ein Bahnstrecke Haingründau—Mittelgründau auszubauen im Anschluß an die Strecke Gießen—Gelnhausen. Für die hiesige Gegend ist eine solche neue Arbeitsgelegenheit sehr willkommen. Darmstadt, 27. Oktober. Der Großherzog beehrte | heute vormittag die Ausstellung des Vereins für Vogel- und Geflügelzucht mit seinem Besuche. In seiner Begleitung befand sich Flügeladjutant Rittmeister Kraemer. Darmstadt,28.Oktober. Die Mainzer Deputation in Darmstadt wurde vom Finanzminister Gnauth am 25. d. M. empfangen. Nach Darlegung der Bahnkonzes- sions-Verhältmffe durch die Deputation verwies Ministerial- Präsident Gnauth zunächst auf die von ihm im Finanzausschuß der Kammer abgegebene Erklärung. Wie er weiter ausführte, wird er beim Wettbewerb um die Konzession > von Nebenbahnen unter sonst gleichen Verhältnissen einer j finanziell und technisch genügend leistungsfähigen Gemeinde oder einem solchen Verband von Gemeinden grundsätzlich denVorzug vor derPrivatunternehmuna geben, weil er überzeugt sei, daß die Wahrung der in Betracht kommenden öffentlichen Interessen bester durch die Gemeinden erfolge. „Allerdings", fügte der Redner hinzu, „ser bei solcher Bevorzugung zu wünschen, daß die Gemeinden die beanspruchte Priorität ihrerseits auch zeitlich sich dadurch sicherten, daß sie — die ja den örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen am nächsten ständen — mit Einreichung von I Konzessionsgesuchen und Beschaffung ihrer Unterlagen nicht erst ein Vorgehen der Privatunternehmung abwarteten oder gar ein solches erst als Aufforderung zu ihrer eigenen Be- I schäftigung mit diesen Fragen nähmen." Universität und Hochschule. . „—Der an Stelle des nach Breslau übersiedelnden Professors der Agrikultur, Dr. Pfeiffer, nach Jena berufene Dr. Böttcher aus Möckern hat seine Zusage, dem Ruf nach Jena zu entsprechen, wieder 9°fien' f° baß die Stelle wieder vakant geworden ist. — An Stelle des als Ordinarius nach der Universität Leipzig zurückberufenen a..o. Professors Dr. Zimmern-Breslau ist Dr Karl Bockelmann, zur Zeit in Berlin, als a o. Professor an die Universität Breslau berufen worden. Prof. Dr. Bockelmann war seit 1893 Privatdozent für orientalische Sprachen an der Breslauer Hochschule und während Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. I „ » Grünberg, 27. Oktober. Fruchtmorkt. Weizen 15,60—15,80 I Mark, Korn 15,00—15,50 Mark, Gerste 14,00—14,50 Mark, Hafer 12,00—13,00 Mark, Erbsen 00,00—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 ! Mark, Samen 18,00—00 Mark, Kartoffeln 0,00—0,00 Mark. _ Getreide. Sn der abgelaufenen Woche bewegte sich das Getreidegeschäft in engen Grenzen bei nachgebenden Forderungen, wenn auch nicht zu ver- 5ntlcrn a baß sich zu den nunmehr sehr billigen Preisen wieder mehr i Kauflust geltend macht. Dem Markt fehlt nur noch der Anstoß und wir werden dann ein recht lebhaftes Geschäft bekommen. Roggen ruhig, Hafer ohne Verkehr, Gerste unverändert. Mais gut gefragt i bei kaum behaupteten Preisen. Die heutigen Notierungen sind: Redwinter 2 135 Mk., Kansas 2 133—134 Mk., Südrufs. Weizen 127 bis 142 Mk , Rumän. Weizen 130—142 Mk., russ. Roggen 105-110 Mk., Ä"Berste E Mk., russ. Hafer 100-116 Mk., amerikan. Hafer 102 Mk., Mixed Mais 95 Mk. pr. Tonne cif Rotterdam. ~ t Tabak. Im Laufe der Berichtswoche wurden die Orte Waldsee und Haardthausen zum Preise von Mk. 25 bis 26 verkauft. Da in oeiden Ort-n die Raiffeismvereine im Vordergründe stehen, ist das verkaufte Quantum (ca. 2500 Zentner) kein großes. In Lorsch wurden die noch «stierenden einige hundert Zentner, die nur aus ordinärer Ware bestanden, zu Mk. 20 bis 23 verkauft, während noch vor acht Tagen für die besseren Tabake Mk. 27 bis 28 gelöst wurde. Die genannten Orte haben sämtlich abgehängt. In alten Tabaken war es während dec Berichtswoche lebhafter, es wurden von der Spekulation an einen Speyerer und Mannheimer Händler ca. 1700 Zentner in der Preislage von Mk. 27 bis 28 verkauft. Es scheint, daß einzelne Fabrikanten, die bet dm hohen Preisen von der neuen Ernte nichts kaufen konnten, oder wollten, sog. Drckungskäuse vornehmen. In alten Sandblättern wurden einige hundert Zentner rheinbayeitsche Oberländer in der Preislage von Mk. 28 bis 30 petfauff. Dke Oberländer Sandblatt werdm eben empfangen, man mit der Qualität zufrieden, doch dürften dieselben billiger sein. Heddesheim, das noch im Sturme genommen wurde, hat abgehärmt, wir können vielleicht nächstens näheres über die heurige Ernte berichten. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose seine Mk. 9, gebündelte Mk. 10 bis 11 verpackt. Hopfen. Dem Markte in Nürnberg gingen während der Berichtswoche äußerst große Zufuhren p r Bahn zu, während jene vom Lande verhältnismäßig gering zu nennen sind. Der Verkehr ist im allgemeinen ruhig und hierdurch die Preise auch gedrückt. In erster Linie brachte der Export etwas Leben in das Geschäft, denn es wurden größere Posten fränkischer Landware und bMige auswärtige Hopfen zu diesem Zwecke angekauft. Man zahlte hierfür Mk. 65—85. Bessere Kundschaftsware ist immer noch sehr vernachlässigt und entwickelte sich der Handel hierin lehr schwer. Preise stets maßgebend. Baden verhielt sich während der Berichtswoche etwas ruhiger, es wurden nur einige kleinere Posten umgesetzt. Württemberg etwas lebhafter, es wurden größere Partieen mittlerer Sorten zu vorwöchigen Preisen gehandelt. Im Elsaß entwickelte sich ein flottes Geschäft und dürfte die heurige Ernte bei den Produzenten sehr bald geräumt sein. Biehmärkte. Die einsch ägtgen Märkte erfreuten sich auch während bieftr Berichiswoche einer sehr lebhaften Frequenz. Im Vordergründe des Handels staub natürlich wieder prima Schlachtvieh, daß flctfen SlbfaManb. Mittlere und geringere Qualitäten fanden ebenfalls gute Beachtung, sodaß der Handel tu Großvieh im allgemeinen als mittelmäßig bezeichnet werden kann. Kälber waren wiederum sehr gefragt und and der Antrieb fast überall schlanken Absatz zu an- ziehenden Preisen. Schweine, prima gutgemäst-te Tiere, waren rasch abgesctzt und konnte der B-da; f an einigen Plätzen nicht gedeckt werden. Läufer und Milchschwetne waren ebenfalls sehr lebhaft gehandelt, doch blieb hierin an einigen Mä-.kten größerer Ueberstand. Kohlen. rro, notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 250 bis Mk. 260, Deutsche 360 bis 370, englische Anthracit-Nußkohlen Ä?, b^ Mk. 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Ruhr - Flammnußkohlen III Mk. 250 bis Mk. 235, Ruhr-Bruchcoks Mk. 360 bis Mk. 380, AuSsiebgries Mk. 170 bis Mk. 180. Alles per 10 To. ?b Mannheim. Durch das andauernd fallende Wasser steht Schiff- fshrtsschluß für die allernächste Tage bevor. Mainz, 26. Oktober. Das Kriegsgericht tagte gestern hier zum erstenmale nach dem neuen Verfahren. Das Gericht befindet sich im MrlttärarresthauS an der Wallstraße. Das Gericht bestand aus drei Offizieren und zwei Juristen im bürgerlichen Rocke. Als Staatsanwall fungierte Kriegigertchtsrat Platz. Der Vertei- mger, ein Landwchroffifier, Rechtsanwalt Dr. Btllhardt, trug seine Robe. Die hier zugelassenen Rcchteauwälte, darunter mehrere Rrserve- osfiztere, haben beschlossen, nicht in Uniform, sondern in der Robe ^erscheinen. Bet der heutigen Verhandlung war die Oesfent- l "chkeit ausgeschlossen, da es sich um ein Stttlichkeitsverdrrchm handelte. Angeklagt war der Pionierunttrosfizier Strauß, der während der Einquartierung in Werschau (Kreis Wiesbaden) das Delikt an einem Ibiährigrn geistesschwachen Mädchen verübt haben soll. Ec wurde freigesprochen. ^7. OHoöer. Das hiesige Oberlandes- S» qL6)?« L'ppt fchen Regierung gegen das Urtdl I ... . dg-richls tzchlngen, das den Anspruch des ehemaligen Kabi- nettem ntsters v. Oertzen auf Zahlung eines Wartegeldes bis zur Zeit seiner Anstellung im preußstchen Staatsdienste anerkannte, eingelegte Berufung verworfen. . $erlin/ 26. Oktober. Wegen Anreizung ver- iMbdener Klassen der Bevölkerung zu Gewalt- thatrgkerten standen der Rittergutsbesitzer Graf Puckler-Kl. Tschirne, der Schriftsteller Böckler und Redakteur Dr Paul Bötticher von der „Staatsb.-Zta." vor dem Landgericht I. Unter Anklage standen die Reden, die die beiden ersten Angeklagten am 13. Juli d. I. in rtlnCf Volksversammlung gehalten haben. Graf v. Puckler sagten, a. „Durchhauen und rausschmeißen" ser das einzige Mittel, um mit der „Judenbande" fertig zu werden. Es sei ganz schnuppe, ob er mit oder ohne Amtsvorsteher auf die Judenbande losdresche, gedroschen müsse werden, bis die Juden windelweich gehauen und zerschmettert am Boden liegen. Böckler kam dabei auf die Stolper und Bütower Prozesse zu sprechen und soll das Bedauern ausgedrückt haben, daß die Bütower Aufrührer blos an die Fensterscheiben der Juden sich gehalten haben; es hätte gegen die Juden nnch dem Rezept des Grafen Pückler verfahren werden sollen, das hätte ihnen nichts geschadet. — Heber die Reden erschien in der „Staatsb.- Ztg." ein eingehender, in den Zi^aftstellen wortgetreuer -11- Klein-Linden, 28. Oktober. Der Geselligkeits- verein „Konversation", der am Samstag abend eine Familienabendunterhaltung im „CafLLeib" abgehalten hatte, unternahm heute einen Ausflug nach hier und kehrte in dem ©aale des Gastwirtes Ludwig Spuck ein. Fröhliches unb °rst in später Abendstunde be- gaben sich die Teilnehmer auf den Heimweg. _ a. d. Lahn, 28. Oktober. Man schreibt uns. Das benachbarte Klein-Linden ist wohl der einzige .ga^en Umgegend Gießens, der noch ohne jeg- liche Straßenbeleuchtung ist. Zwar sind schon viele «lagen hiergegen -mg-lauf-n und Gesuche um Beleuchtung gemacht worden, aber bis,-tzt scheint man immer noch das Geld für diese notwendige Einrichtung sparen ,u wollen Besonders unangenehm ist dieser Mangel für die Arbeiter und Bahnbeamten, die abends spät durch das Dorf müssen Ferner ist eö ein großer Uebelftand, den gewiß auch schon Gießener empfunden haben, daß die neue Eisenbahnbrücke vor Klein-Linden ebenfalls nicht beleuchtet ist. Ein Dorf, das so nahe der Stadt liegt, sollte doch auch der Allgemeinheit ein Opfer bringen und sich nicht jeder Neuerung feindlich entgegenstellen. Wie man hört, soll die Direktion des geplanten Gießener Elektrizitätswerks in einem Schreiben unter andern auch die Gemeinde Klein Linden zum Anschluß aufgefordert haben. Man hofft, daß der Gemeinderat darauf eingeht. b. Friedberg, 28. Oktober. Der Männergesangverein „Liederkranz", der durch seine vortrefflichen Oerstungen aus dem diesjährigen Mainthalsängersest A *"?rmfabt rühmlichst bekannt ist, feiert Sonntag, den V , i vember seine erste Winterfestlichkeit im Saale des n^otei Trapp-. Zuerst trägt der Verein mehrere Chöre I BerM, Seit Böttcher vertreten hat. Maatsastwakk FiWrff erachtete die Thatbcstandsmerkmale des § 130 St.-G.-D. für erfüllt. Dieser Paragraph verlange nicht, daß die Hörer des Grafen Pückler nach dessen Worten hinauslaufen und auf die Juden losdreschen; es genüge, wenn Lei den Zuhörern die Geneigtheit hervorgerufen werde, bei passender Gelegenheit, bei Unruhen rc. nach dem Rezept des Grafen Pückler zu verfahren. Wie jetzt die ^inge bei uns liegen, liege sogar eine nahe Gefahr dazu vor. Die Angeklagten mögen durch gewisse Auswüchse namentlich der jüdischen Presse zu kräftigen Ergüsseü gereizt gewesen sein, solche aufreizenden Reden seien aber unzulässig. Wohin sollte man kommen, wenn solche aufrührerischen Reden vpn den Vertretern der Arbeiter gegen die Arbeitgeber, von den Juden gegen die Christen, von Katholiken gegen Evangelische gehalten würden? Er beantrage gegen den Grasen Pückler 200 Mk., gegen Böckler 50 Mk., gegen Dr. Bötticher 200 Mk. Geldstrafe. — Der Gerichtshof kam zur Freisprechung der drei Angeklagten. Die Aeußerung des Angeklagten Böckler sei nur eine Kritik vergangener Dinge gewesen und nicht unter den § 130 zu bringen. Die dem Grafen Pückler zur Last gelegten Aeußerungen seien nach Ansicht des Gerichts nur bildlich und nicht wörtlich zu nehmen, es seien Ueber- treibungen, die auf den ersten Blick sich als solche zu erkennen geben, nicht ernst genommen werden können und sollen und nicht geeignet seien, zu Gcwaltthätigkeiten an- zureizen. Könitz, 27. Oktober. Das Schöffengericht hatte die Mmosenempfänger Andresschen Eheleute aus Rittel wegen groben Unfugs zu je drei Wochen Haft verurteilt, weil sie mit Hilfe ihres Erbschlüssels und Erbbuchs den Fleischer- meister Hoffmann als den Mörder des Gymnasiasten Winker bezeichnet haktest. Auf Berufung der Verurteilten erkannte die Strafkammer auf Freisprechung, weil angenommen wurde, daß bei den Angeklagten der Volksaberglaube fest eingewurzelt und sie sich der Strafbarkeit ihrer Handlung nicht bewußt gewesen. Neueste Meldungen. Berlin, 29. Oktober. Auf dem Lauben-Territorium hinter der verlängerten Hennigsdorfer Straße wurde gestern morgen ein Mann tot auf gefunden. Er hatte mitten auf p^r Stirn oberhalb des Nasenbeines eine viereckige, ziemlich scharfkantige Verletzung. Die Untersuchung ergab, daß der Tod infolge dieser Verletzung eingetreten ist. Gestern wurde bereits ein Mann namens N i t s ch k e verhaftet, der fick' durch Aeußerungen über die Auffindung der Leiche verdächtig gemacht hatte. Nach einer andern Version soll kein Verbrechen vorliegen. Berlin, 29. Oktober. Wie aus Greifswald de- peschert wird, ist die dort gestern abgehaltene General- Versammlung des Bauern-Vereins „Nordost." glänzend verlaufen. Gegen nur drei Stimmen wurde eine Resolution angenommen, die bewährte Handels- Politikfortzusetzen und eine andere Resolution einstimmig, daß für die Beseitigung der Leutenvt die Freizügigkeit nicht beschränkt und die Strafgesetze nicht verschärft werden dürfen. New York, 29. Oktober. Das „New York Journal" meldet, die Regierung beschäftige sich mit cem Vorschläge Deutschlands, einen Hafen und eine Kohlenstation auf der Insel Margareta auf 30 Jahre abzutreten. New-York, 29. Oktober. Der demokratische Kandidat Bryan hielt gestern hier eine begeisternde Rede. Trotzdem sind die Aussichten für seine Wahl nicht sehr groß. New York, 29. Oktober. Das „Newyorker Journal" veröffentlicht ein Interview seines Berliner Korrespondenten mit dem Finanzminister v. Miquel. Dieser erklärte^ daß das deutsch-englische Abkommen nur der Anfang eines Vertrages zwischen den beiden tSaaten im* anderen Staaten, darunter auch die Vereinigten Staaten von Amerika sei, obgleich desselbe als eine Garantie gegen, bedenkliche Zwischenfälle in China betrackstet werden könne. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 27. Oktober. 3*/, °/0 Reichsanleihe . . 95.90 Kreditaktien..... 204.76 3 o/o do . 87.80 Diskonto-Kommandit . . 172.10 3Va °/o Konsole . . . . 95.85 Darmstädter Bank . . . 132.— 3 b/o do ... . 87.75 Dresdener Bank . . . . 143.30 31/e *7o Hessen . . . . 92.- Berliner Handelsges. . . 144 80 5 7q Italien. Rente . . 4 o/o Grieoh. Monop.-Anl. 3 c/o Portugiesen . . . 94.40 Oesterr. Staatsbahn . . 141.26 41.90 Gotthardbahn . . . . 140.— . 23.85 Laurahütte . ... . 196.— 3 °/o Mexikaner . . , Bochum...... 175.50 41/» % Chinesen . . . . 75.50 Tendenz Harpen er . . . . . geteilt. 176.26 Wer erkältet ist. Bei Husten, Heiserkeit, Rachen- und Kehlkopf-Katarrh versuche man als schleimlösendes Mittel die ärztlich empfohlenen, zehnjährig erprobten und ausgezeichnet schmeckenden Apotheker A lbrecht's Aepfelsäure-Pastillen, hergestellt aus der aus den Früchten gewonnenen Säure und Zucker, & Schachtel 80 Pfg. Gutachten und Zeugnisse in jeder Schachtel. Einen Versuch wird man nicht bereuen. Erhältlich in den Apotheken und besseren Drogerien. HauptDepots: Hirsch- und Universitäts-Apotheke in Gießen. 7094 Programm. 7110 IPrima Hammellleisch Keule ä Vid. 54 Via. Mittwoch den 31. Oktober, abends 87* W, im Einhorusaal: Keule ä Pfd. 54 Pfg. 04671 enwfiehlt Born, Gerichtsvollzieher. 7106 in Wttzmar. 7112 Ipar- und Aihkasse Eießen IKinfad) möbliertes Zimmer zu vermieten. 04603 Bleichstraße 31, HL 2. Erhöhte Preise. woowosossMSyooosöM 7105 g erbe.I£H:-----—----- ^,,s^,7nnwersitü^Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. — Druck und Verlag der Brühl'schen Unwerpmls.«^ Brrantwortlich für den allgemeinen Teil: I. B.: A. Steffenhagen; für den Anzeigenteil: Hans Beck. 31t verhüllten Hrrslhüdkilts Niirubttgtt Spiklmren! Pappen and Christbaumschmuck, Kurzwaren und Gebrauchsartikel Die Beerdigung findet statt: Mittwoch den 31. Oktober, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Wetzlarerweg 44, aus. 7113] Neu hergertchtrte und neu möblierte Zimmer zu vermieten. Wetzsteinstratze 44. Gabnel Wernicke, ReichstagSabgeord. Stevhy,) f, Töchter Thilde, ) J’ Dr- Rob. Seltner, Stephys Mann Hermann Kreidig, Gutsbesitzer Hans Ewald, Schrrft- Mer ReichStagsabgeordn Hicron. Liebscher. Wanda v.Lindenau Henny Wohlbrück. Hans Ramseyer. Alfred Helm. Arno di Balthyni.- Juliuk Heuser. Robert Marlitz Siegst. Lachmann. 04666] In Küche und Hausarbeit er- fahres Mädchen gegen guten Lohn gesucht.__________«judwigSraSe 34, pari. Ich kaufe jedes Quantum Bauxit gegen Kaffe. Offerten unter Angabe des Quantums und der Lieferzeit unt. „Bauxit 04673- an die Exped. d. Bl. ESST Die ausgelosten Sperrsitze und Karten sind bei Herrn Ernst Challier gefl. abzuholen. Eine Zusendung findet ausnahmslos nicht statt. Mitteüung des Ergebniffes der stattgehabtm Kaffenrevifion. Bewilligung von Unterstützungen. Desgleichen von Prämien an Dienstboten. Die Pfennig-Spaikaffe. Erbauung eines neuen Sparkaffengebäudes. Wahl von Ausschußmitgliedern. Gießen, den 29. Oktober 1900. Direktion der Spar- und Leihkasse Gießen. Wiener. Fritz Schlörb, Marktplatz. Versteigerung. Dienstag den 80. d. M., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1 Break, 2 Rollwagen, 1 Faß Frucht- fchnaps, 15 Fl. Wem, 1 Pianino, 2 Bilder und diverse Möbel.- Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Berninger^ Kgl. Werkstättenvorsteher. Giessen, Cassel, Limburg, Marburg, Hof-Geismar, den 29. Oktober 1900. 04669] Dienstag morgen Ärdeiter für die Dreschmaschine gesucht. Karl Euler, Hammstraße s. Desgleichen der vorgeprüften Rechnung pro 1899 und des Rechenschaftsberichtes. ^eöensverstcherung. Bei einer der grötzten deutschen Gesellschaften, f. welche vermöge ihrer hohen Dividenden an die Versicherten, der vorzüglichen Bedingungen und des enormen hiesigen Ver sich-Bestandes leickt zu arbeiten ist, finden Herren aus den beff. Kreisen lohnende Beschäftigung als Inspektor für Platz und Reise. Off. unter Nr. 7092 an die Expedition d. Bl. (Ostene stellen Back n Konsul Mollenhauer Oberlehrer Zapf Major a. D. v Eulitz Max Hofer. Bezirksvorst.Klinkhardt Willy Reinhardt. Paul,) im Dienste bei Heinrich Keßler. Luise,) Dr. Hettner Anna Hartwig. Wißet Pferdeknecht findet bei hohem Lohn dauernde Stelle. M. Rosenthal, Liebigstraße 13. . ------ 7093 Giessener Konzert-Verein. Erstes Konzert Sonntag den 4 November 1900, abends 5 Uhr, im grossen Saale des Gesellschaftsvereins: Kammermusik-Abend Ausführende: Pablo de Sarasate und Berthe Marx-Goldschmidt. «in tiWigtt -alch»kl Junge . pedition dieses Blattes erbeten. • Gchirmfabr»M^____ 8. 4. 5. 6. 7. 8. Die verehrlichen Mitglieder des Spar- und Leihkasse-Vereins Gießen werden zur diesjährigen Haupt-Versammlung welche Dienstag bm 27. UovkAber I. I., nchmttags 3 Mr, hn Saale der höheren Mädchenschule — Schillerstraße — dahier stattfinden soll, ergebenst eingeladen. Tages-Ordnung: 1. Vorlage der von Großh. Ober-Rechnungrkammer geprüften und abgeschloffenen Rechnung für 1898. Sonate für Piano und Violine (Kreutzer-Sonate) . . Pianosolo; Air vari6, D-moll......... Toccata............ Presto....... ...... Konzertstück: A-dur, op. 20, für Violine .... Pianosolo: a) Barcarole.......... b) Sechste Rhapsodie....... Introduktion und Tarantelle für Violine (neu) . . . Klavierbegleitung: Otto Goldschmidt. 7095 Fintrittekarten für Niohtmitglieder zu Mk. 2.50 (Sperrsitz Mk. 4.—) sind m hininnSKanen der Ma0ikalienhandlung von Ernst Challier (Rudolph 8 Nachf.) und abends an der Kasse; für Studierende nur im Vorverkauf auch bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigtem Preise zu haben. ZM. WM MS. Freibank. 7117 Heute uud morgen: StikchW 48 W. ZchVtiMßejslh 40 Kfg. . . L. ▼. Beethoven.. . . G. F. Haendel. . . Scarlatti. . . Scarlatti. . . C. Saint-Saens. . . F. Chopin. . . F. Liszt. . . P. de Sarasate. oöooooooorocoooooooooöoi Giessener Stadttheater. Dienstag den 30. Oktober 1900 t Zum zweiten Male: DiestrengenHerreit Personen: Pserdedlikcht gesucht. Z Zum baldigen Eintritt suche einen solid., verheirat. Mann als Pferde- _______________________________ knecht bei gutem Lohn und freier 046671 4 Zimmerwohnung, Parterre Wohnung. Solche, welche gute Zeug oder erster Steck, alsbald zu mieten ge- außuweisen haben, wollen sich sucht. Off. Schillnstraße 1, port., erb. Herman» H-h. Prima Speise kartoffelu und Salatkartoffelu, gelbe Mäuschen empfiehlt 7107 I. Weisel, Soimnstraße 6. Dppmirtnngon- /Ä;d}ön möbliertes Zimmer zu vermieten. 711t________________Steinstraße 42. LLmfach möbliertes Zimmer zu vermieten. 15/ Steinstraße 63, Mansarde. Todes-Anzeige. Heute morgen 2 Uhr entschlief sanft meine liebe Gattin, unsere liebe, gute Mutter, Grossmutter, Schwiegermutter, Schwester, Tante und Cousine Frau Minna Berninger geb. Neutze nach längerem Leiden im Alter von 51 Jahren. Um stilles Beileid bittet Neuheiten in 10 und boPig -Artikeln. Universität, zu verm. Bismarckstr 36. | . n.r Aufnahme ^Te,Friedr 8Qanzenmü“er^m°Nür^bcrI sLinfack möbliertes Zimmer zu vermieten, eines wissenschaftlichen Diktats m den u> Nr. 04665 an die Expedition d. Bl. ^Schweizer $J0^d>Lher 6771 Ev. Kltnkcl, Bahnhofstr. 10. Sofort gute Existeu». ___—— Für meine altbek. Hamb. Cig.-Fabrn Sesumt- , suche sogl. einige achtbare, tücht. He^en, i t^lll Backer Löb— welche Restaurat, Händler rc. besuchen. 7097| «uverlässtger, kräftiger Aeußerst günstige Bedingungen. Otto Aaus()tttfd)c per sofort grtzrch/» Dettmann, Kamvurg-ZSorgsetde. f Schmidts Mittwoch den 31. Gktodkr 1900, nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale versteigert: Möbel aller Arten, 1 Nähmaschine, eine Ladeneinrichtung (Theke mit Pult, 2 Regale), 1 Regulator, 1 Faß Feinsprit, 1 Damenfahrrad, 2 schwere Zugpferde u. a. m. 7103 GeiHler, Gerichtsvollzieher. 04675] Zu verkaufen: Matratze mit I Vortrag u. . Dich bc8 Mission««,t°s Dr. Llrbendörfer ” Stuttgart Mer: Ä „S gut n'-u-s Missionsürztliche Thätigkeit in Indien, China nnd Westafrika. Billard und ein gute- Pferd (leichten Alle, die sich für die verheißungsvolle Arbeit der Miffionsärzte rntereffrerew Schlages) ist zu verkaufen bei Damen und Herren, werden dazu ergebenst eingeladen.