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Abbestellung en spätesten« abend« vorher. Amts- ttitb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. IkbeftN*, Expedition und Druckerei: Fch«tßraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde. ________ Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich. In der Zeit vom Samstag 2. Juni lfd. Js. bis einschließlich Freitag 15. Juni lfd. Jrs. liegen auf dem Rat- chause zu Garbenteich zur Einsicht der Beteiligten offen. 1. DaS Wiesenmeliorationsprojekt (drei Pläne); 2. Das Protokollbuch. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Samstag, 16. J««i lfd. IS., Vormittags 91/, bis ioy2 Uhr im Rathause zu Garbenteich, wozu ich die Beteiligten sinter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen, und auf Papier in Aktengröße, (mindestens ein halber Bogen) einzureichen. Friedberg, den 26. Mai 1900. Der Großh. Bereinigungskommiffär Süffert, Regierungsrat. Der Krieg in Südafrika. Die Exchange Company verbreitet ein Gerücht aus, JifcTpftabt vom 28. Mai, demzufolge General French in Johannesburg ein gerückt ist. Man hat in den letzten Tagen von Lord.Roberts bezüglich des englisches Kriegsamts recht wenig zu hören bekommen. Der letzte «mtliche Bericht des Feldmarschalls stellte nur die nackte Thatsache fest, daß die englische Armee den Vaal am Morgen des 27. überschritten und am Nordufer des Flusses lagere. Von French war in Roberts Meldung überhaupt »licht die Rede gewesen. Man konnte annehmen, daß die Avantgarde, die bei Parys den Uebergang über den Vaal bewerkstelligt hatte, unter Frenchs Kommando stand. Später hieß es sin einer Reutermieldxmg aus Taaibosch vvm 26., French habe bei der Lindequees Drift nördlich von Boschbank am 25. den Fluß überschritten, während^ Roberts in seinem Berichte vom 26. Jan Hamilton bei Boschbank meldete. Nähmen wir an, die Reutermeldungi entspräche den Thalsachen, so hätte French von der Lindequees Drift bis Johannesburg eine Strecke von etwa 75 Kilometer zurückzulegen gehabt und dazu die Zeit vom 25. bis zum 26. gebrauch) t. Die Leistung an sich ist für eine berittene Truppe nicht übermäßig, nur ist bei dieser Be^ Rechnung ein etwaiger Wider st and der Buren gar nicht in Betracht gezogen. Es darf aber als sicher angesehen werden, daß ihm die Buren auf diesem Wege energisch entgegengetreten wären, da sich ihr Hauptquartier bei Meyerton nur etwa 16 Kilometer von der in Rede stehenden Straße befand. Von einem derartigen Kampfe hätte man aber wohl etwas gehört. Wahrscheinlich iffy daß French schon am 24. bei Parys den Vaal überschritten und von hier aus versucht hat, auf einer weiter nach Westes ausbiegenden Straße Johannesburg zu erreichen. Ob ihm das aber gelungen ist, erscheint so lange fraglich, als es nicht von amtlicher Seite bestätigt ist, denn man müßte doch sonst voraussetzen, daß in den Reihen der Citren Zerfahrenheit und Kopflosigkeit epidemisch geworden seien. Das Gelände nördlich vom Vaal nach Johannesburg und Pretoria zu bietet dem Angreifer, der noch dazu des Landes unkundig ist, große Schwierigkeiten. Außerdem ist aber doch auch ein solches kühnes Reiterkuüststück von wenigen tausend Mann mitten in Feindesland ent allzu gewagtes Unternehmen. Bei Kimberley und Ladysmith ließ sich das wohl ausführen, weil erstens die Entfernungen nicht so groß waren und zweitens die Operationen im eigenem Lande erfolgten, und die anrückenden ReitertrAPpen an der eigenen Garnison einen starken Rückhalt fanden. Auch liegt eine Reutermeldung aus New Castle vom 27. ds. vor, die von einem abermaligen Erstarken des burtschen Kriegs- aeistes zeugt. Sie tautet: „Die angestrengten Bemüh- ungen, ihre Leute wieder zu vereinigen, haben einen großen Teil der Buren veranlaßt, in die Nähe von Laings^ mk zurückzukehren. Eine bedeutende Streitmacht der Buren ist aus der Richtung von Ladybrand her nach Laings- rwt gezogen Neue Kommandos aus Pretoria sind zum General Botha gestoßen." Wenn es hier heißt, daß eine bedeutende Burenstreitmacht aus der Richtung von Ladybrand nach Laingsnek gezogen ist, so haben doch die Oranje- buren den Nordosten ihres Landes keineswegs aufgegeben. Mindle hat hier im Gegenteil harte Arbeit. Heber seines letzten Operationen meldet die Exchange Company aus. Senekal vom 27.: „General Rundle hat mit Artillerie, und Infanterie Senekalbesetzt, nachdem er den Feind durch einige Granatschüsse daraus vertrieben hatte. Ein Mbcornet und mehrere andere Buren wurden getötet, die Engländer verloren elf Mann." Der Berichterstatter bemüht sich freilich, diesen Vorgang als eine Art Kinderspiel hinzustellen; die Verluste indessen, die auf englischer Seite größer sind als auf buri scher, (trafen ihn Lügen. Man liest vielmehr zwischen den Zeilen, daß der Kampf jedenfalls nicht leicht gewesen ist, und daß er in mehr bestanden haben muß, als in dem Ab feuern! einiger Granaten. Senekal liegt nur etwa 40 Kilometer nördlich von Rommel, wo Rundle schon vor Tagen gemeldet wurde; man ersieht daraus, wie schwer ihm die Lösung feiner Aufgabe fällt. Wie aus London telegraphiert wird, veröffentlicht der „Standard" aus Taaibosch über den Einmarsch der englischen Truppen in Transvaal folgendes: Die Truppen der englischen Vorhut betraten Transvaal am 26. Mai vormittags 11 Uhr auf dem Wege über die Viljoensdrift. Eine Stunde vorher fuhr ein Burenzug über die Brücke, von der ein Bogen in die Luft gesprengt wurde. 30 Burenplänkler, die zurückgeblieben waren, um zu plündern, feuerten aus einem Versteck hinter einigen Häusern auf die englischen Truppen, deren Granatfeuer aber zwang sie zum schleunigen Rückzug. Etwa 100 Buren hatten eine Stellung in einem Kohlenbergwerk inne. Der Fluß wurde unter lauten Hurras überschritten. Die Truppen verfolgten die Buren, die mit genauer Not entkamen. Wie es scheint, erachtete General Botha die Vaallinie als unhaltbar; die großen Kanonen wurden nach Pretoria geschafft. Gegenwärtig gedenke der Feind am Klipflusse und vor Johannesburg Stand zu halten. Oberst Henrys berittene Infanterie besetzte am Samstagmittag Vereeniging. Im Londoner Unterhaus führte Balfour infolge einer Interpellation aus, er habe keine Mitteilung über Friedensverhandlungen mit der Transvaalregierung. Es liege kein Beweis dafür vor, daß die englischen Gefangenen in Pretoria schlecht behandelt würden, auch Feine Bestätigung der Meldung bett, die Einleitung von Verhandlungen über Austausch der Gefangenen. Wyndham teilt mit, die Gesamtzahl der in Südafrika stehenden Truppen aller Gattungen betrüge 221000. Die Gesamtzahl der in der Heimat unter Waffen stehenden Mannschaften könne nicht mit Genauigkeit festgestellt werden, doch betrügen die Regulären einschließlich der königlichen Reserven etwa 120 730, die Miliz etwa 77 000. Redmond fragt an, wie viel Buren in Südafrika ständen, und ob es wahr sei, daß einer gegen zehn stehe. Diese Frage blieb unbeantwortet. * ♦ * Telegramme deS Gietzeuer Anzeigers. London, 29. Mai. Aus New-Castle wird vom 27. ds. gemeldet: Es ist noch zweifelhaft, ob die Buren im Stande sein werden, dem englischen Bormarsch mit der Hartnäckigkeit entgegenzutreten, die ihre früheren Bewegungen kennzeichnete. Der Mullers- und der Botha-Paß find im Besitz der Buren. Die Engländer blokierten den Vanreenen-Paß. Abteilungen der Buren erscheinen häufig in der Nähe von Jngogo. Sie wurden in großer Anzahl auf einer Kopje gesehen. London, 29. Mai. Aus Pretoria wird gemeldet: In der Stadt werden die Verteidigungswerke mit unglaublicher Schnelligkeit hergerichtet. Etwa hundert englische Gefangene sind nach dem Gefecht bei Lindley hier eingetroffen. Loudon, 29. Mai. Ein Telegramm aus Groot Blei südlich von Wolwehoek berichtet: Unter den Flüchtlingen läuft u. a. das Gerücht um, Präsident Krüger werde eine Versammlung von Beamten und Kommandanten berufen, um die Frage zu erwägen, ob es ratsam sei, sich zu ergeben. Die Mehrheit der Burghers ist gegen die Belagerung Pretorias. Es wird als eine Unwahrscheinlichkeit erachtet, daß die Regierung nach Lydenburg verlegt werden soll, wo die Nahrungsmittel knapp sind. Die Buren halten den Klipriver-Berg für eine sehr starke Stellung. Die Bevölkerung von Johannesburg soll sehr erregt fein. Viele heimziehende Buren sprechen von einer möglichen Zerstörung der Minen. London,29. Mai. General Schalk Burger erklärte am 24., daß es allen Burghers, die sich den Engländern unterwerfen wollten, ein Leichtes wäre, dies zu thun. Von 6000 Burghers haben aber nur 12 von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht. Die Buren bereiten einen großen Guerilla-Krieg im Freistaate vor. Sobald die englische Armee in Johannesburg eintrifft, werden furchtbare Explosionen die Minen und die öffentlichen Gebäude zerstören. London, 29. Mai. Lord Roberts telegraphiert aus Klip River vom 28. Mai, 5 Uhr nachmittagD? Wir machten heute einen Marsch von 20 Meilen und befinden uns augenblicklich 15 Meilen von Johannesburg entfernt. Der Feind hatte mehrere Stellungen eingenommen, von denen au8»er beabsichtigte, unser Vordringen aufzuhalten. Er verließ dieselben aber eine nach der andern, als wir erschienen. Wir drangen so energisch vor, daß der Feind kaum Zeit hatte, die Geschütze in einen Eisenbahnzug zu laden, um sie in Sicherheit zu bringen. Die Truppen der Generale French und Hamilton scheinen 10 Meilen von unserer Linie in ein Gefecht mit dem Feinde verwickelt zu sein. Wir haben aus dieser Richtung heftiges Geschützfeuer vernommen. Die Pächter unterwerfen sich auf unserem Wege und liefern Waffen und Pferde aus. Washington, 29. Mai. Der Senator Wellington erklärte, die amerikanische Bevölkerung sympathisiere vollständig mit den Buren, aber die Regierung habe den englischen Einflüssen nachgegeben und sich unter die britische Gefolgschaft gestellt. England, so führte der Redner weiter aus, wagt es nicht, uns anzugreifen, aber es besiegt uns mit seiner Diplomatie. Der spanisch amerikanische Krieg war der Anfang einer noch heute fortdauernden, im Dunkeln geschloffenen Allianz zwischen beiden Nationen. England habe niemals ein Versprechen eingelöst, wenn es in seinem Interesse lag, es nicht zu halten. Deutsches Reich. Berlin, 28. Mai. Der Kaiser nahm heute vormittag im hiesigen Schlöffe die Votträge des Staatssekretärs Grafen Bülow, des Staatssekretärs Tirpitz, des Chefs des Civilkabinetts von Lukanus und des Chefs deS Marine- Kabinetts von Senden-Bibran entgegen. — Der „Reichs-Anzeiger" schreibt: Der Kaiser hat dem Grafen Posadowsky seine Freude ausgesprochen über die seitens des Reichstages so einmütig erfolgte* Annahme des neuen Unfallversicherungsgesetzes, „dieses für den weiteren Ausbau der Fürsorge für die arbeitenden Klassen so bedeutungsvollen Werkes". — Wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, legt der preußische Hof für den Prinzen Wilhelm von Hessen eine fünftägige Trauer an. — Der Schah von Persien wird nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen, von Petersburg kommend, voraussichtlich am 23. Juli offiziell in Berlin eintreffen und mit seinem Gefolge als Gast des Kaisers im Schlöffe Bellevue Wohnung nehmen. Sein Aufenthalt hier ist nur auf vier Tage berechnet. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in offiziösem Sperrdruck an der Spitze ihrer heutigen Nummer: Die „Deutsche Tageszeitung" läßt sich versichern, Prinz Ludwig von Bayern habe durch einen höfischen Vorgang während der Festtage zur Feier der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen Anlaß zu Mißstimmung erhalten. Diese Behauptung ist wahrheitswidrig. Es ist nicht das geringste vorgefallen, insbesondere auch nicht auf höfischem Gebiete, was als Anhaltspunkt für dergleichen leichtfertige Ausstreuungen dienen könnte. Uebrigens war Prinz Ludwig während der Festtage am Anfänge des Monats gar nicht in Berlin. Der Vertreter des bayrischen Königshauses während jener Festtage war Prinz Leopold, der wie immer so auch damals den höflichsten und freundlichsten Empfang gefunden hat. — Der Unterstaatssekretär im Kultusministerium, Dr. von Barth, der an den Folgen einer schweren Influenza leidet, hat seine Versetzung in den Ruhestand zum 1. Juli erbeten. Er vertritt bis auf weiteres den beurlaubten Kultusminister. — Eine Deputation der Stempel-Vereinigung trug am Samstag dem Finanzminister von Miquel ihre Bedenken bezüglich der Beschlüsse der Budget-Kommission zur Börsensteuer-Frage vor. Der Minister nahm die ihm vorgetragenen Bedenken zur Kenntnis; — Aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums ist der Vorsitzende der Anwaltskammer im Kammergerichtsbezirk, Geh. Justizrat Lesse, von der juristischen Fakultät der Berliner Universität zum Ehrendoktor ernannt worden. — Bei einem Festmahl, das aus Anlaß der Kreistierschau in Oldenburg in Hollstein stattfand, hielt der Ober* Präsident von Köller einen Trinkspruch, in dem er nach einem Bericht der „Deutschen Tageszeitung" u. a. sagte: Trotzdem ich vom Kaiser zu den verschiedensten Aemter« berufen worden bin, haben meine besonderen Sympathieen für die Landwirtschaft nicht erschüttert werden können. nicht etwa weil ich als Landmann da mein Fortkommen gehabt hätte, sondern weil ich erkannte, daß es für unser Vaterland zum größten Schaden gereichen würde, wenn Berater des Kaisers einmal ohne genügende Beachtung des Landwirtschafts-Standes auszukommen meinen. Ohne den Stand der Bauern, ohne die Thätigkeit auf dem Lande wird unser Vaterland nicht bestehen können. Die Landwirtschaft sei und bleibe das Fundament unseres Vaterlandes. Hannover, 28. Mai. Der Kaiser wird^ am 15. Juni zur Teilnahme an der Gedenkfeier des Sieges bei Waterloo hier eintreffen und bei dieser Gelegenheit das KönigS-Ulanen-Regiment aus der Vahrenwalder Haide be« sichtigen. Dortmund, 28. Mai. Nach dem großartigen Zapfenstreich, der am Samstag Abend stattfand, erfolgte gestern Mittag die Begrüßung der amerikanisch-deutschen Krieger durch den Oberbürgermeister Schmieding, der gleichzeitig an das Sternenbanner ein prachtvolles Fahnenband knüpfte. Der New. Yorker Präsident Müller dankte und versicherte, daß diese Stunden in Dortmund ihnen unvergeßlich bleiben würden. Der Artillerie-Verein stiftete für das Sternenbanner einen Goldenen Nagel. Die Amerikaner trugen ihre Namen in ein goldenes Buch ein. Nach der Feierlichkeit wurde ihnen von der Stadt ein Imbiß angeboten. An dem historischen Festzuge, der nachmittags stattsand, nahmen 25 000 Personen teil. Cobleuz, 28. Mai. Die Torpedobootsdivision ist gestern nachmittag hier eingetroffen. Das Divisionsboot fuhr ihr bis Oberlahnstein entgegen. Am deutschen Eck begrüßte der erste Beigeordnete Ortmann die Gäste, worauf sich die Offiziere zum Festmahl in das Zivilkasino begaben. Hier brachte der Erbgroßherzog von Baden ein Hoch auf den Kaiser aus. Oberprässident Nasse begrüßte die Gäste, in deren Namen Kapitänleutnant Funke dankte. Die Mannschaften wurden im Görresbau bewirtet. Vormittags fand ein Ausflug in den Stadtwald, abends ein Kommers statt. München, 28. Mai. Im Landtage ist ein Nachtrag- Postulat im Betrage von Mk. 80 000 zugegangen, behufs Errichtung eines Projektierungs-Bureaus für den Main in Aschaffenburg. 3m6toid. Christiania, 28. Mai. Die Sanktionsweige-, rungdesKroNprinzen-Re gen t en gegenüber dem rein norwegischen, gar nicht unioüellen Gesetze über dies Konsulat steuern erregt hier große Mißstimmung. Auch sämtliche liberale Zeitungen in Schweden beklagen die Weigerung als einen fatalen politischen Fehler. Die Sitzung des Storthing am Nachmittag zeigte stark besetzte Galleries Nach einer lebhaften Debatte zwischen den Führern der liberalen Mehrheit und der Rechten wurde der Vorschlag der Präsidentschaft, das Ministerium zu ersuchen, nicht zu demissionieren, mit 79 (alle Mitglieder der Linken) von 114 Stimmen angenommen. Der Stoi> thing bewilligte einstimmig eine Million Kronen für neue Schnellfeuer-Feldgeschütze und mit 55 gegen 48 Stimmen eine halbe Million Kronen als erste Rate für die B e f e st i g u n g von C h r i st i a n ia. London, 28. Mai. Nach einem Telegramm aus. Shanghai teilt die „China Gazette" mit, daß die diplomatischen Vertreter die Antwort des Tsung-li-Yamen auf ihre Vorstellungen in Betreff der „Boxer" für unbefriedigend und für geeignet hallen, die Fortdauer der in manchen Gegenden bestehenden Schrecken sherr- fchast zu fördern. Die Gesandten hielten eine neue Konferenz ab, um darüber zu diskutieren, auf welche Weise die chinesische Regierung veranlaßt werden könne, wirkungsvolle Maßregeln zur sofortigen Wiederherstellung der Ruhe in den betreffenden Gegenden zu ergreifen. Die Unruhen haben sich bis jetzt bis nach Lukan ausgedehnt, wo der! Eisenbahnbau gehindert ist. 500 Flüchtlinge haben in der französischen Kathedrale in Peking Zuflucht gesucht. Amsterdam, 28. Mai. Der zweiten Kammer wurden zwei Entwürfe, betr. die Friedenskonferenz, unterbreitet. Tie Anwendung der Genfer Kon- ventioniafuf^en Seekrieg (Artikel 10) wurde nur mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Die Bestimmungen über den Landkrieg vom 28. Juli 1899 wurden nur von der Schweiz und von China nicht unterzeichnet. Brüssel, 28. Mai. Bei den gestrigen Kammerwahlen haben, soweit bisher ersichtlich, die Klerika- fen eine Mehrheit von ca. 20 Stimmen in der Kammer Gehalten. Die von der Opposition gehegte Erwartung einer Vernichtung der bisherigen, katholischen Kammermehrheit, dürfte sich demnach nicht erfüllen. Paris, 28. Mai. Die „Jndependance" meldet, der deutsche Kronprinz habe heute die Pariser Aus-. Kellung besucht. (?) — Die heutige Interpellation des Nationalisten Castel- Lane in der Kammer über die Wiedereröffnung der Dreyfus-Angelegenheit nahm einen äußerst tumultuösen Verlauf. Der Kriegsminister G a l l i f e t nahm in einer längeren Rede die volle Verantwortlichkeit in Betreff des jüngsten Zwischenfalls Tomps auf sich; er wurde wegen dieser Erklärung mehrmals heftig unterbrochen ;Waldeck-Rousseau betont den festen Willen des Ministeriums, die Affäre Dreyfus durch eine Amnestie abzuschließen. Er spricht von der Pflichtverletzung des Hauptmanns Frisch und gebraucht das Wort Felonie. In diesem Augenblick bricht ein unbeschreiblicher Tumult aus. Die Linke applaudiert, die Rechte tobt und heult unausgesetzt, und einzelne Gruppen stellen sich wie zum Kampf zusammen. Die Huissiers sperren das Halbrund vor der- Rednertribüne ab, weil Abgeordnete der Rechten sich auf den Mimsterpräsidenten stürzen wollen. Deschanel Schreit keuchend und bittet durch heftige Gesten um Ruhe. Die Kammer singt die Marseillaise, trommelt auf den Pulten und pfeift und heult unablässig. Nun hebt Deschanel die Sitzung für eine Stunde auf. Bei der Wiedereröffnung der Sitzung erklärt Krantz: Er könne nicht mit einem MurWrium gehen, das der Armee feindlich gegenüberstehe. Auch die Umtriebe zur Wiederaufnahme der Affäre seien erwiesen. Bourgeois verteidigt energisch und eindrucksvoll die Politik des republikanischen Gedankens. Er spricht trotz der fortdauernden Unruhe mit Bonhommie und in fast salopper Haltung. Meline, der sich jetzt erhebt, wird mit minutenlangem Geheul begrüßt. Er wiederholt die alten Vorwürfe gegen das Kabinett. Fünf Tagesordnungen werden eingebracht. Waldeck-Rousseau acceptiert die Tagesordnung Bourgeois', die das Vertrauen zur Regierung und zur Armee ausspricht. Die Gesammtabstimm- ung ergiebt'ein^ Majorität von, 46 Stimmen, 293 gegen< 247. Wien, 28. Mai. In parlamentarischen Kreisen wird die innerpolitische Situation als äußerst kritisch be- zeiichnet. Es zirkulieren Gerüchte von einer partiellen Ministerkrisis. Andererseits verlautet, Ministerpräsident Körber werde, falls seine Bemühungen, das Parlament arbeitsfähig zu machen, scheitern sollten, formell die Demission des Gesamt-Kabinetts einreichen und erst dann das Parlament auflösen. Budapest, 28. Mai. Auf seinem Schlosse zu Vukorar starb Graf Karl zu Eltz, kgl. preußischer Wirkt. Geheimrat und Schloßhauptmann von Homburg vor der Höhe, kaiserlich österreichischer Wirkt. Geheimrat und Kämmerer, Großkomthur des Ordens vom h. Georg, erbliches Mitglied des Ungarischen Oberhauses. Graf Eltz war 1823 zu Aschaffenburg geboren. 1848 wohnte er in Eltville; er machte als Adjutant des Generals von der Tann den Feldzug in Schleswig-Holstein mit. Bei Altenhof wurde er verwundet. Nach seiner Wiederherstellung war er für den Rest des Krieges Ordonanzoffizier im Hauptquartier der Schleswig-Holsteinischen, und Adjutant des Prinzen Friedrich von Holstein-Augustenburg. — In der österreichischen Delegation hielt der Minister des Aeußeren, Graf Goluchowski eine Rede, in der er die Tschechen ernstlich vor einem weiteren Angriff auf den Dreibund und der Fortdauer der Obstruktion warnte, da sonst der Staat und das Volk ernstlichen'Schaden leiden würden. — Der gemeinsame Finanzminister von Kallay erklärte in der un garischen Delegation, die Agitation in Bosnien und der Herzegowina, deretwegen Deputationen hier weilten, habe einerseits nur lokale Gründe und andererseits das der ganzen Balkanhalbinsel übliche Bestreben, den Staat in konfessionelle Teile zu atomisieren. Demgegenüber müsse die Staatsmacht um so energischer betont werden. Er werde den Empfang der Deputationen beim Monarchen nicht befürworten, weil das Anliegen derselben schon einmal vom Monarchen abschlägig beschieden worden sei. Diese Erklärungen wurden von der Delegation mit eisigem Stillschweigen entgegengenommen. Aufbahrung und Leichenbegängnis des Prinzen Wilhelm. Am Samstag war die Leiche des Prinzen Wilhelm im Palais ,auf der Rosenhöhe in Darmstadt aufgebahrt und dem Publikum vormittags von 9 bis halb 12 und nachmittags von 3 bis 6 Uhr der Zutritt gestattet. Schon vor 9 Uhr morgens hatte eine vielköpfige Menge vor dem Palais Aufstellung genommen, die mit jeder Stunde wuchs. Vor dem Thor und im Garten hatten Schutzleute, vor dem Palais Gardeunteroffiziere in Galauniform Aufstellung genommen. Der Verblichene lag auf einem hohen Katafalk und war mit der großen Generalsüniform und dem Bande des, Ludwigsordens bekleidet. Zu Häupten stand ein großes, silbernes Kruzifix, zu beiden Seiten des Katafalkes stanoew je drei umflyrte Kandelaber mit fünf brennenden Lichtern; zu Füßen lagen auf zwei Kissen die zahlreichen Orden desj Verschiedenen. Die Leiche war ganz von prachtvollen Palmen und Kränzen umgeben, die den Katafalk bedeckten und auch den übrigen Teil des Zimmers ausfüllten, das durch sie einen ernsten, weihevollen Trauerschmuck erhalten hatte. Zu Füßen lagen die Kränze des Großherzogs und der Großherzogin iu»ib der Kaiserin Friedrich, des Prinzen Heinrich und der übrigen Verwandten des Großh. Hauses und der sonstigen Fürstlichkeiten. Die Zahl der ein gegangenen, Kränze war überreich; außer den Städten Darmstadt, Mainz, Worms und Gießen waren die Hessischen Infanterie- und die übrigen Regimenter, die Behörden, die Studentenschaft der LandesUniver-^ s i t ä t und der Technischen Hochschule, zahlreiche Vereine und Korporationen, Beamte, Offiziere und sehr viele Pri-i vatpersonen aus Stadt und Land vertreten, die die Kränze zum großen Teil durch Deputationen im Palais hatten abgeben lassen. Die Wache an der Leiche hielten bei Tage uno Nacht Gardeunteroffiziere und Unteroffiziere des 117. und 118. Regiments abwechselnd, während in der Zeit der öffentlichen Ausstellung der Leiche die Ehreüwache die Kammerherren und Unteroffiziere des 117. und 118. Regiments hielten, die rechts und links zu Häupten des Verblichenen standen. Das feierliche Leichenbegängnis fand gestern morgen statt. Bald nach 9 Uhr erschien der Großherzog, worauf die Einsegnung der Leiche in den Zimmern Wes Verblichenen durch den Pfarrer Deggau, stattfand. Anwesend waren der Großherzog, Prinz Friedrich Karl von Hessen, Prinz Franz Joseph von Battenberg, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, die Grafen zu Erbach- Schönberg, Schlitz gen. von Görtz, zu Solms-Laubach, zu Erbach-Fürstenau, die Großb. Hofstaaten, der funktionierende Generaladjutant und Die Flügeladjutanten, der Di-, Visionskommandeur und die nicht in der Trauerparade stehenden Bezirkskommandeure, der preußische Gesandte, Prinz zu Hohenlohe-Oehringen, Deputationen der Jnf.q Regimenter Nr. 116 (s. gestrige Meldung), 117 und 118, die Minister, der Oberbürgermeister von T-armstadt und der erste Präsident der „Hassia". Auf der Ostseite des! Palais hatten sich die anderen Leidtragenden versammelt. Die Unteroffizier-Kompagnie bildete längs des Weges Spalier. Nach beendigter Einsegnungsfeier brachten zehn Hauptleute Den Sarg auf den Leichenwagen unter Vortritt des die Funktionen des Oberzeremonienmeisters versehenden Frhm. Volprecht Riedesel zu Eisenbach, und der reiche Schmuck der Kranzspenden wurde aus Den Sarg gelegt. Die Kapelle des 1. Großh. Infanterie (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 spielte die Trauermusik aus Richard Wagners „Götterdämmerung". Alsbald, ordnete sich der £ r ci * e r = zug. Dem mit sechs Pferden bespannten Leichenwagen Mitten der Hoffourier, Die Dienerschaft, zwei Kammer- Diener, soDann Der Oberbürgermeister, Die Beigeordneten, die Stadtverordneten Darmstadts, Deputationen der Hassia' der Regimenter Nr. 117 und 118, Hofprediger Ehrhardt und Pfarrer Deggau, der Oberzeremonienmeister, der Adjutant des Prinzen, Hauptmann' von Zangen, sowie zwei die Orden des Verblichenen tragende Offiziere voraus. Zu Seiten des Großherzogs schritt hinter dem Leichenwagen Leutnant v. Lichtenberg, der Sohn des Prinzen, Dann folgten Die Fürstlichkeiten, Die Häupter Der standesherrlichen Familien, Die Minister unD Die Vertreter des diplomatischen Korps, Mitglieder bex Ersten Kammer, das Gefolge der höchsten Herrschaften, die Generalität, die Wirkl. Geheime- täte, die Vertreter des Bureaus der Zweiten Kammer, die Präsidenten der Landeskollegien und die Mitglieder des Staatsministeriums, die Geistlichkeit, die Kammerherren, Kammerjunker und Hofjunker, die. Offizierkorps und Militärbeamten, sowie die Zivilbeamten. Sämtliche Glocken der Stadt läuteten, als sich der Trauerkondukt durch das Hauptportal des Gartens und die Ringstraße nach dem Mausoleum hin in Bewegung setzte. Der Zug zählte mehrere Hundert Teilnehmer. Am seitlichen nördlichen Eingang des Gartens hatten auf dem Wege, den der Zug passierte, die Vertreter der Studentenschaft Darmstadts, die Chargierten im vollen Wichs mit umflorten Fahnen, Aufstellung genommen. In Trauerparade standen sodann auf dem Seitersweg und dem angrenzenden Gelände zwei Bataillone des 1. Großh. Jnf.-(Leibgarde-)Regts. M. 115,. drei Eskadrons der Großh. Dragoner-Regimenter Nr. 23 und 24 nud zwei Bataillone des Großh. Felb-Art.-Regts. Nr. 25; beim Vorüberfahren der Leiche präsentierten die Truppen. Bevor der Zug am Mausoleum angelangt, war, wie wegen des beschränkten Platzes (aus diesem Grunde war auch eine Vertretung Der Stadt Gießen bei der Trauerfeierlichkeit nicht gewünscht) vorgesehen, der größte Teil der Teilnehmer ausgeschieden und nach Ankunft daselbst wurde die Leiche vom Wagen genommen und unter Voran tritt des Oberzeremonienmeisters, des Staatsministers und der Geistlichen in den südlichen Pavillon des Mausoleums verbracht, wo der Sarkophag seine vorläufige Aufstellung gefunden hat. Hofprediger Ehrhardt wies unter Zugrundelegung des Schriftworts aus dem Evang. Johannis: Ich bin die Auferstehung und däs Leben ... auf die jetzt vollendete Lebensarbeit des Verblichenen hin und segnete die Leiche ein. Nach dem Vater Unser wurden von Der Artillerie 24 Schuß, von Der Infanterie 6 Salven Trauersalut abgegeben. Mit Segen endete die würdige Feier. Wie man uns schreibt, hat im direkten Anschluß an Die Trauerfeier im Mausoleum, nur in Anwesenheit des Grvßherzogs und einiger Hofbeamten, sowie des Staatsministers Die Beisetzung Der Leiche Des totgeborenen Prinzen in dem Garten der Rosenhöh» stattgefunden. In Darmstadt fiel am Montagvormittag aus Anlatz der Beisetzung der Unterricht in allen Schulen aus. — Aus Stadt und Sand. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnete«- Bersauunlung am Donnerstag, nachrnitta gs 4 */, Uhr: 1. Der Verkehr der Radfahrer aus öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen, hier: Erlaß eines Lokal-Reglements. 2. Die städtischen Lastwaagen, hier: Gesuch um Herabsetzung der Wieggebühren für Heu und Stroh. 3. Reklamation gegen die Veranlagung der Grundsteuer der katholischen Kirchengemeinde zu Gießen. ** Zur Beobachtung der gestrigen Sonnenfinsternis hatte sich die gesamte wissenschaftliche Welt gerüstet. Mehr als hundert Expeditionen waren nach jenen Punkten gesandt, von denen aus das Phänomen am nutzbringendsten betrachtet werden könnte, um einiger köstlichen Sekunden willen. Währte doch in jener Zone der stärksten Verfinsterung, die von Europa aus am leichtesten zu erreichen ist, auf der Linie Valencia — Tunis — Assuan, die fruchtbare Zeit nur wenig über eine Minute. Vorläufig liegen nur kurze Berichte aus Bouzareah (Algier) und BarneSville (im nordamerikanischen Staate Ohio) vor. Hier wie dort wurden zahlreiche photographische Aufnahmen ge* macht. Bei uns in Gießen ist von dem seltenen Schauspiel nicht viel zu beobachten gewesen, da der Himmel stark bewölkt war. Nur eine kurze Zeit lang, etwa um 5 Uhr am Nachmittag, sah man die Sonne etwa in der Größe des Mondes durch die Wolken schimmern. Es war ein kleiner Temperaturrückgang zu bemerken. ** Lohuerhöhuug im Barbier- und Friseurgewerve. In der gestrigen Versammlung wurden die verlangten Löhne der Gehilfen, sowie der 8 Uhr-Ladenschluß von den anwesenden Prinzipalen bewilligt. Wochenlohn für Gehilfen unter 21 Jahren je nach Leistung 5.50 Mk. bis 6 Mk.; über 21 Jahre 6 bis 7 Mk. ♦* Die Steuographeu Gesellschaft „Gabelsberger" beging am SamStag die Feier ihres 3. Stiftungsfestes durch einen wohlgelungenen Kommers, der die zahlreich Erschienenen noch bis zu später Stunde zusammenhielt. Mit stolzer Befriedigung kann der junge Verein anf eine segensreiche Wirksamkeit zurückblicken, die eine Reihe schönster Erfolge zeitigte, und ihm einen geachteten Namen in der Gabelsbergerschen Schule erwarb. Wir erwähnen nur die Gründung der Vereine in Grünberg nnd Lich, von denen der Grünberger Verein seinerseits einen Damenverein, der in Lich einen Verein in Hungen ins Leben rufen konnte. An die Feier schloß sich am Sonntag ein Ausflug mit Damen nach Wetzlar, wo unter der Führung des Wetzlarer Brudervereins ein Spaziergang nach der Metzeburg und dem Kalsmunt unternommen wurde. Der Abend vereinigte die Teilnehmer im Vereinslvkal „Zum Riesen- und- verlief bei Liedern und Vorträgen in angenehmster Weise. Ein flottes Tänzchen bildete den Schluß und ließ die Teil nehmer erst in später Stunde an die Rückfahrt denken. Landtags-Ersatzwahl für unseren Wahlkreis statt, wobei Schneidmühlenbesitzer und Bauunternehmer L. Schubert-Beerfelden zum Abgeordneten gewählt wurde. Schubert wird sich der nationalliberalen Fraktion anschließen und somit die Lücke, die der Tod des seitherigen Abg. Breimer in dieser Partei geschaffen, wieder ausgefüllt. Frankfurt a. M., 28. Mai. Nach dem Polizeibericht sind noch drei weitere Teilnehmer an den Ausschreitungen im Stadtwalde am Himmelfahrtstag verhaftet worden. Es sind das der Schreiber Emil Eser, der Taglöhner Georg Simon und der Laboratoriumsgehilfe Anton Köhnlein, sämtlich aus Niederrad. — Der Exzeß am Himmelfahrtstag wäre übrigens, wie die „Frkf. Ztg." meint, zu vermeiden gewesen, wenn unsere berittene Schutzmannschaft, wie das sonst der Fall, während der Nacht, etwa von zwei Uhr an, den Wald abpatrouilliert hätte. Das ist eben nicht geschehen, und damit war für die Sicherheit im Wald in jener Nacht nicht genügend gesorgt. Die Burschen, die das Attentat verübten, sind fast während einer ganzen Stunde auf einem der gangbarsten Wege wohl vielfach von Spaziergängern, aber nicht von einem Wächter der Sicherheit beobachtet worden, sie konnten deshalb ungehindert ihr Bubenstück aussühren. Butzbach, 28. Mai. Auf dem hiesigen Bahnhofe verunglückte der Viehhändler Löser aus Niedergemünd, der einen Biehtransport zum hiesigen Markt begleitet hatte. Ec hatte sich in den Wagen begeben und die Rollthür hinter sich geschlossen. Als er den Wagen wieder verlaffen wollte, gelang es ihm nicht, die Thür von innen zu öffnen. Er mußte also wohl oder Übel seinen Weg durch ein Fenster nehmen. Hierbei kroch er zuerst mit dem Oberkörper hindurch, konnte sich nicht halten und stürzte so unglücklich herab, daß er mehrere Rippen brach. Der Verunglückte wurde sofort in ein Frankfurter Hospital geschafft. § Butzbach, 28. Mai. Die Hundesteuer bringt dieses Jahr unserer Stadtkaffe 1000 Mk. ein, und ebensoviel dem FiskuS. — Während der am nächsten Donnerstag hier stattfindenden Bezirkstierschau wird die ganze Kapelle des 11. Hess. Jägerbataillons konzertieren. Darmstadt, 28. Mai. Die Großherzogin hat eine gute Nacht gehabt; das Befinden ist fortgesetzt befriedigend. -- Der Großherzog hat sich bald nach 11 Uhr nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückbegeben. — Nach der Bei- setzungSfeier fand im Alten Palais Frühstückstafel statt. — Die Königin Viktoria von England hat am Sarkophage des Prinzen Wilhelm ein goldenes Kreuz niederlegen laffen. A Seligenstadt, 28. Mai. Eine, heute unsere Stadt durchstreifende Zigeunersippe bot einer hier zu Besuch weilenden Dame allen Ernstes ein Zigeunerkind zum Die Beerdigung des ermordeten Ernst Winter in Könitz. Am Sonntagnachmittag fand, wie wir bereits kurz I mitteilten, die Beerdigung des ermordeten Gymnasiasten I Winter statt. Sie gestaltete sich zu einer imposanten I Feier, an der sich nicht allein fast die gesamte Bevölkerung | von Könitz, sondern auch sehr viele Auswärtige beteiligten. | Die Zahl der Fremden ging in die Tausende. Alle Straßen, die von dem Trauerzuge passiert werden sollten, waren von gewaltigen Mengen gefüllt. Gleichwohl wurde die Trauerfeier durch keinen Mißton gestört. Dank den von den Behörden getroffenen Maßregeln ist nichts vorgekommen, was der Gendarmerie und der Polizei zum Einschreiten Veranlassung gegeben hätte. Würdig und ruhig vollzog sich die düstere Feier auf dem Kirchhof, worauf sich die Menge allmählich zerstreute. Die Trauerfeier begann, während eine Menge von etwa 10,000 Köpfen die Hauptstraßen, die der Leichenzug passieren sollte, besetzt hielt, mit einer Vorfeier in der Hospitalkirche, wo die Leiche Winters, wie gemeldet, aufgebahrt worden war. Der einfache, zinnerne Sarg ver- schwand unter der Fülle der Kränze. Die anspruchslose | Feier bestand aus Gebet, Segen und Gesang geistlicher Lieder. Dann wurde der Sarg auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben. Die Fenster der israelitischen Einwohner waren dicht verhängt, und die Thüren der Häuser waren geschlossen. Ein Rundschreiben des Gemeindevorstehers hatte sie aufgefordert, sich so zurückhaltend wie möglich zu verhalten, und alles zu vermeiden, was die Menge reizen könnte. Dem Sarge voran schritten drei Primaner mit der Fahne des Gymnasiums. Es folgten dann Vertreter einzelner Klassen, je eine Kranzspende tragend. Die Ober- Tertia, der der Verstorbene angehört hatte, war vollzählig erschienen. Nächst dem Sarge schritten die Eltern, die nächsten Angehörigen, das Lehrerkorps des Gymnasiums 1 und einige offizielle Persönlichkeiten. Was weiter kam, war kein eigentlicher Trauerzug mehr; denn eS war zum größten Teil die Menge, die sich dem in dem Charakter der Feier gekleideten Teil der Trauerversammlung anschloß. Prediger Hammer betonte in seiner Einsegnungsrede, daß nicht die Zeit und nicht der Ort feststehe, wann und wo der unglückliche Jüngling geendet habe. Sicher sei eS lediglich, daß er ein Opfer eines von langer Hand vorbereiteten Verbrechens geworden sei. Finsterer Aberglaube , Eifersucht oder Rachsucht seien die Ursache seines Todes gewesen. Der Mörder werde der Strafe nicht entgehen, ob er von der irdischen Gerechtigkeit erreicht werde oder nicht. Unstät und flüchtig werde er sein, und der Schatten des Gemordeten werde vor seinen Bugen stehen — ob er ein Gläubiger sei oder Ungläubiger — wenn dereinst seine Todesstunde kommen I wird. Auch um Erbarmen für den Mörder möge man I Gott bitten; er selbst flehe zu Gott, daß dieser die Ermittelung des ThäterS fügen und so die Blutschuld von I der Stadt nehmen möge. Universität und Hochschule. — Ernannt l Der bisherige Assistent der Universitäts-Sternwarte in Bonn, Privatbozent Prof. Dr. Mönnichmeyer, zum Observator dieser Sternwarte. — Berufen r Auf den Lehrstuhl des Strafrechts an der Universität Bern der Straßburger Professor van Calcker. Wie verlautet, hängt diese Berufung mit dem Bestreben zusammen, gleichzeitig eine weitere tüchtige Kraft zur Mitarbeit bei der Lösung der großen gesetzgeberischen Aufgaben zu gewinnen, die gegenwärtig und für die nächste Zukunft unsere Bundesregierung beschäftigen. - Ferienkurse in Marburg. Die Marburger Ferienkurse mit Vorlesungen in deutscher, französischer und englischer Sprache finden vom 9. bis 28. Juli und vom 6. bis 24. August statt. Vorlesungen halten u. a Prof. Bornecgue, Prof. Charlöty, Cointot, Cowl, Dr. Finck, Prof. Griffin, Hermann, Prof. Kühnemann, Prof. Natorp, PLris, Dr. Schaum, Prof. Edw. Schröder, Tilley, Prof. Bietor. Prospekte werden auf Verlangen von Oskar Ehrhardts Universitäts-Buchhandlung, sowie von Herrn A. Locker, Billa Cranston, unentgeltlich versandt. Vermischtes. * Berlin, 28. Mai. Der des Mordes an der Lehrerin Medenwaldt dringend verdächtig gewesene Willy Gluth ist heute mittag aus der Haft entlassen worden. Eine greifbare Spur des Thäters ist bisher nicht gefunden. • Wien, 28. Mai. Zwischen den Stationen Meidling und AltmannSdorf stürzte eine Lokomotive den Bahndamm hinunter, wobei der Maschinist getötet und der Heizer schwer verwundet wurde. ArdeiterbewezrmH. W. Gietzeu, 29. Mai. Zum Maurerstrike. Wie wir bereits mitteilten, haben sich die hiesigen Maurermeister einem Verbände angeschloffen, der sich schon jetzt über einen großen Teil unseres Reichsgebietes erstreckt und in der Folge über das ganze Reich ausgedehnt werden soll. Die Folge der Organisation sollte bereits ein Maurer aus der hiesigen Umgebung in Marburg, wohin er sich um Arbeit zu finden begeben hatte, erfahren. Denn dort erhielt er, nachdem man sich in sehr eingehender Weise über seine Personalien informiert hatte, den Bescheid, daß er in Marburg Beschäftigung nicht finden könne, weil er zu den Maurern gehöre, die am Samstag um 12 Uhr in Gießen die Arbeit niedergelegt hätten. — Zum Weißbinderausstand. Bei den strikenden Weißbindern,- wenn auch vorläufig bei einem verschwindend kleinen Teil, scheinen die Folgen des Ausstands und der damit verbundenen Verdienstlosigkeit, die durch den ihnen aus der Strikekaffe gezahlten Betrag noch nicht zur Hälfte ausgeglichen wird, schon jetzt unangenehm empfunden zu werden. Hat doch einer der strikenden Gesellen, von dem man uns mitteilt, daß er trotz minimaler Leistungsfähigkeit gern das große Wort führe, an einen hiesigen Bauunternehmer das Ersuchen gerichtet, chm in einem Neubau die Ausführung der Weißbinderarbeiten zu übertragen, ein Ansinnen, das der Meister zurückgewiesen hat. Irren wir nicht, so ist den Strikenden von der ihrerseits gewählten Kommission die Verpflichtung auferlegt, bei Uebernahme von Arbeiten nicht eigenmächtig vorzugehen. Breslau, 28. Mai. Die gesamten, am oberschlesischen Bahnhofe beschäftigten Kutscher, ihrer 50 an der Zahl, haben heute früh 51/2 Uhr die Arbeit eingestellt, nachdem ein Gesuch um Lohnverbefferung, das sie am letzten Freitag an die Verwaltung richteten, und dessen Beantwortung sie bis heute früh erbeten hatten, erfolglos geblieben war. Der bisher gewährte Anfangslohnsatz beträgt 1,70 Mk., der Maximal - lohnsatz 2,10 Mk. pro Tag. . LtüwmdMl anf öffentlich» :r: Erlaß einer städtischen Last der Wieggebchk- zegen dir Sfran- scheu Ailche«- wchMM tfkt Mehr ck stM Ml. hßmßMw dr- Mw it lüften« m* Iss»«, d« f* Mte. $ Mt W (he klchahE' >« idle* % , etwa m 5 d »a i« i” j» @ ’ % S 6* ÄS “’9m Ä e#; :eU 0* ine rt ,1’ i« le« t «Ä da-- * 'A-g,"" "" w W«rl »et ®" &-1 iw M bit u" 'Ult- W die '? 3u ’te ^ps und Etliche Kult durch?. £BC M h S Zug zählt. 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