Freitag den U März Erstes Blatt. Rt. 75 19M Gießener Anzeiger General-Anzeiger $ ** fc. Anrts- und Anzeigeblutt ffir den Atveis Giefzen. Seiten Bulei INOVER. UMHMsaciilN t johien soeben: »i, c» durch die Umwallungen. Er Summen in die Etats ein- der Festungsanlagen möglichst die Festungsstädte hätten doch zr. Skst. ion. »ach dem mtinentol 1098 8mr Anzeiger '* ■* ,Hk«. Iirtükr a. glätter Alle Snzttgen-vermittlmig-stellm deS In- und Auslautes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwirtS 20 Pfg. MMh, euHMthn und ®ru*wi: Nr. 7. Beim Militäretat läßt sich Abg. v. Jazdzewsky (Pole) nochmals über die Versuche aus, Soldaten über die Sprache, in der sie beichten, zu kontrollieren. Er bittet den Minister, solche Mißgriffe nicht mehr zuzulassen. Kriegsminister v. G o ß l e r erwidert, ein Gewissenszwang werde auf die Soldaten nicht ausgeübt. Er habe sich mit dem Feldpropst geeinigt, dem Kaiser einen Erlaß vorzuschlagen, damit solche Mißgriffe nicht mehr vorkämen. Abg. Pachnicke (frs. Vg.) bemerkt, die Erklärungen des Ministers bei der zweiten Lesung über Hinausschiebung des Festungsgürtels bei Metz und anderen Festungen seien allgemein lebhaft vermerkt worden. Dringend geboten sei auch eine Hinausschiebung der Umwallungen in Spandau. Minister v. Goßt er erwidert, er habe wegen Spandau dem Kaiser bereits Vortrag gehalten und die Ermächtigung erlangt, mit der Stadt in Verbindung zu treten. Abg. Thiele (Soz.) bringt nochmals die militärische Boykottierung von Wirtschaftslokalen in Halle und die Abgabe solcher Boykottlisten zu 1 Pfg. pro Stück an Soldaten und Reservisten zur Sprache. r Minister v. Goßler entgegnet, er halte nach wie vor den Standpunkt der Kommandantur für richtig. Die Garnison dürfe nicht in Lokalen verkehren, wo sozialdemokratische Versammlungen stattfinden. Beim Extraordinarium verbreitet sich Abg. Hoffmeister (frs. Vg.) über die wirtschaftliche Schädigung vieler Festungsstädte bitte den Minister, angemessene zustellen, damit die Umwandlung schleunigst erfolgen könne. Minister v. G o ß l e r meint. Uciugspretr vierteljährl. Mk 2,N monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnr durch die AbholesteS« vierteljährl. Mk. 1,N monatlich 66 Pfg Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrtcljäh^. mk Bestellgeld. GraÜsbeiklKev: Gießener FamUienblätter, Der hefstßtze Landwirt, Matter für herrsche DstKsKnnde. ffaeeete« m »>,«<««« der nachmittag- für den Sag erscheinenden Nummer bis wnn. M) Uhr. W**unyii spätestens »erher. Adreß« für Depeschen: Anzetsttt Fernsprecher Nr. 51. * Fürst Radolin «nd die Großfürstin Wladimir. Die Mitteilung des „Berl. Tagebl." über den Konflikt des Fürsten Radolin mit der Großfürstin Wladimir lautet ausführlich: Auf dem letzten Saisonball im sogenannten Pavillon- saal der Eremitage geschah es, daß der Großfürst Wladimir eine Dame zu Tisch führen wollte, die bereits von einem Mitglied der deutschen Botschaft engagiert war. Als die Dame dem Großfürsten das mitteilte, meinte dieser in seiner jovialen Weise, in der durchaus nichts Kränkendes leg, sie solle doch nächstens vorsichtiger sein, denn es }i:bc nichts Langweiligeres als deutsche Diplomaten. Die Äeußerung war lachend und sehr laut gethan und machte sl» bald die Runde im Saale. Offenbar mußte sie in entstelltem Sinne oder entstellter Form auch dem Fürsten Radolin zu Ohren gekommen sein. Jedenfalls that der Rutsche Botschafter den völlig unbegreiflichen Schritt, bei der Gattin des Großfürsten, der Großfürstin Maria Paulowna, sich über das bon mot ihres Gemahls zu beklagen. Dies muß in eigenartiger Form geschehen sein; denn die durch ihre Liebenswürdigkeit bekannte hohe Frau verbat sich in allerentschiedenstem Tone derartige Klagen sntenS des Fürsten, indem sie den Botschafter darauf aufmerksam machte, baß er in ihr nicht die deutsche Prinzessin, sondern die russische Großfürstin zu sehen habe. Fürst Radolin zog sich zurück und machte dem anwesenden Minister des Auswärtigen, Graf Murawjew, Mitteilung von dem peinlichen Vorfall. Dieser bemühte sich, den Sonflikt beizulegen und forderte den Botschafter auf, der hohen Dame gegenüber seine Entschuldigung zu machen. Die Großfürstin wies jedoch jedes derartige Ersuchen ab und erklärte, daß sie den Fürsten Radolin nicht weiter AU sehen wünsche und jede Gesellschaft vermeiden werde, tit der sie mit ihm Zusammentreffen müßte. Wirklich fand auck in diesen Tagen ein offizielles Diner und Konzert in der französischen Botschaft statt, an dem der Zar, die Zarin, die Großfürsten und Großfürstinnen, mit alleiniger Ausnahme der Großfürstin Maria Paulowna, teilnahmen. Sie scheint demnach gesonnen, ihr im Zorn gegebenes Wort zu halten. Wie ebenfalls schon erwähnt, wird die Angabe, Fürst Radolin werde sich zurückziehen, bestritten. Die Gemahlin des Großfürsten Wladimir ist eine mecklenburgische Prinzessin (vor der Verheiratung Marie Alexandrine) und rühmlichst bekannt dadurch, daß sie — einte seltene und für ihren Charakter ehrende Ausnahme — nach der Vermählung mit einem russischen Großfürsten ihrem protestantischen Bekenntnis treu geblieben ist. Was den Vorfall selbst betrifft, so wird er uns von gut informierter Seite mit der kleinen, aber allerdings sehr wesentlichen Abweichung bestätigt, daß die wenn auch nicht geschmackvolle, doch keineswegs tragisch zu nehmende Aeußerung des Großfürsten nicht von deutschen Diplomaten, sondern von Diplomaten überhaupt gesprochen hat. Das Mitglied der deutschen Bot- jchaft, das die unschuldige Veranlassung zu dem Zwischenfall gegeben hat, ist der erste Sekretär der Botschaft, Legationsrat v. Tschirschky und Bögendorff. Gegenüber den wiederholt austauchenden Gerüchten über cittn angeblich bevorstehenden Wechsel auf dem Botschafter- psien in Petersburg ist die „Nordd. Allg.Ztg." in der Lage, fMustellen, daß es sich dabei um falsche Ausstreuungen hudelt und von einer Abberufung des Fürsten Radolin »cht die Rede ist. eipzig MM i wird. Bade-Verv-Uw MtW 9H*«;L; ,4 Register aller« aden Namen. .ferungeBioje^ iekte gratis ,iE r AenM, Deutscher Reichstag. 178. Sitzung vom 28. März. 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der dritten Lesung ) ti Etats. Spezialetat des Reichsamts des Innern. Die Läatte wird fortgesetzt über die Resolution Rcmbold (Ztr.) itn Revision der Schutzmaßregeln gegen die Maul- und kfaenseuche, namentlich zum Zwecke möglichster Einschränkung iw inneren Sperrmaßregeln, des Marktverbots usw. Die Re- iclulien wünscht, daß die Notwendigkeit dieser Maßregeln noch- niü aufs sorgfältigste geprüft werde. Ein Amendement Böckel (Antis.) hierzu will hinzufügen: „unten: Zuziehung von Landwirten." Abg. Werner (Antis.) beantragt zur Geschäftsordnung, i-.m-m chts der Geschäftslage diese Resolution nebst Amendement mi Ler Tagesordnung abzusetzen, damit der Etat erledigt könne. Dieser wichtige Gegenstand solle dann gleich nach JOfani beraten werden. Das Haus beschließt demgemäß. Der Rest des Etats des Reichsamts des Innern wird be- 's'.fflttefod erledigt. ob von der ihnen gewährten Vollmacht zur Einführung des Post-Checkverkehrs werde Gebrauch gemacht werden. (Bewegung, Der Postetat wird genehmigt. Beim Etat der Zölle und Verbrauchssteuern werden die dazu vorliegenden Resolutionen betr. Aufhebung der Zollfreiheit für: Schiffsausrüstungsgegenstände, sowie betr. Saccharin von der Tagesordnung abgesetzt. Abg. Rickert (frs. Vg.) stellt fest, daß die Getreide-Transitläger in Wirklichkeit das Doppelte von dem, was sie importierten, exportierten. Die Minister v. Hammerstein und v. Miguel hätten wiederholt ihre Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Aufrechterhaltung der Transitläger gerade auch im Interesse der Landwirtschaft notwendig sei. Und sogar konservative Männer im. Lande hätten sich zu derselben Ansicht bekannt. Abg. Graf Klinckow ström (kons.) erwidert, heute sei: aber kein einziger konservativer Abgeordneter mehr dieser Ansicht. Ost- und weftpreußische Landwirtschaftskammern litten sich gegen die gemischten Transitläger ausgesprochen. Staatssekretär v. Thiel mann kommt auf eine frühere Rede des Grafen Kanitz zurück, in welcher derselbe erklärt hatte, daß die Aufhebung der Transitläger unserer Landwirtschaft mehr schaden als nützen würde. Heute würde er ja wohl diese Rede nicht mehr halten. Abg. Rickert (frs. Vg.) wendet sich gegen den Grasen Klinckowström, der sich dagegen verwahrt, daß andere Leute die Landwirte bevormunden und belehren wollen. Ja, sei denn etwa Herr Oertel Besitzer von so viel tausend Morgen? Und gerade Herr Oertel sei doch der größte Schreier! (Präsident Graf Ballestrein erklärt diesen Ausdruck für unzulässig.) Redner fährt fort, er wolle noch daran erinnern, daß Herr Ruprecht- Ransen seinerzeit ausdrücklich gesagt: Wir Landwirte müssen schreien, schreien! (Heiterkeit. Präsident Graf Ballestrem: Herr Ruprecht ist keine Autorität für den Reichstag. Erneute HeiterkH Nach einigen weiteren Bemerkungen über die Transitläger schließt die Debatte. — Der Rest des Gesamtetats wird debatteloL genehmigt, ebenso das Etatsgesetz und schließlich der Etat irr der Gesamtabstimmung, sowie verschiedentliche Resolutionen betr. Verdoppelung des Lotteriestempels, Herabsetzung der Patent-Gebühren, anderweite Regelung der Gehälter der Roßärzte, Heimatsurlaube für Soldaten, Aufl)ebung der Kohlen-Exporttarife. Endlich wird noch das Gesetz betr. Verwendung überschüssiger Reicbseinnahmeii pro 1900 angenommen. Nächste Sitzung: Dienstag 24. April 2 Uhr. T. - O.: Abkommen mit Oesterreich betr. Schutz der Urheberrechte an litterarischen rc. Erzeugnissen, Gesetz zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten. Schluß 5 Uhr 15 Min. auch große Vorteile gehabt. Und sie hätten auch große Vorteile davon, wenn die Umwallungen jetzt erst fallen. Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) legt Verwahrung dagegen ein, daß der Heeresverwaltung gewissermaßen ein Blankowechsel gegeben werde. Die Ausgaben für Festungszwecke seien ohnehin in den letzten Jahren gewaltig gewachsen. Beim Marineetat bedauert Abg. Rickert (frs. Vp.), daß die Budgetkommission es sich seit einiger Zeit angewöhnt habe, Beamtenpetitionen wenig eingehend zu behandeln, und ebenso werde denn auch im Plenum verfahren. Abg. v. K a r d o r f f (Rp.) erwidert, die Budgetkommission sei sehr überlastet, weshalb sie beschlossen habe, eine Art Pause eintreten zu lassen. Abg. Singer (Soz.) meint, eine Schmälerung des Petitionsrechts der Beamten sei in der Kommission durchaus nicht beabsichtigt worden: es sei so, wie geschehen, nur aus sachlichen Gründen verfahren worden. Abg. O e r t e l-Sachsen (kons.) erinnert an einen Schriftwechsel zwischen der schleswig-holsteinischen Landwirtschafts-Kam- mer und dem Reichsmarineamt darüber, daß die beiden Schiffe „Deutschland" unv „Gefion" mit amerikanischen Konserven ausgestattet worden seien, für eine Reise ins Ausland. Ein Anerbieten der Kammer betreffs Errichtung einer Konservenfabrik sei vom Marineamt kühl und höflich abgewiesen worden. Redner betont alsdann noch die Qualitätsfrage. Was darüber bekannt geworden sei, müsse doch die Marineverwaltung stutzig machen. Staatssekretär T i r p i tz erwidert, im allgemeinen sei Pie Marincverwaltung schon jetzt bestrebt, den Bedarf mit frischen und heimischen Waren zu decken. In gesundheitlicher Hinsicht seien Klagen noch nicht gehört worden. Es fänden fortgesetzt Stichproben bezüglich der Güte der Waren statt. Mit dem bestehenden Prinzip zu brechen, liege keine Veranlassung vor. Abg. O e r t e l-Sachsen (kons.) ist von dieser Antwort nicht befriedigt. Wenn erst der Fleischbeschauentwurf Gesetz sei, dann müsse die Marineverwaltung doch auf Verwendung ausländischer Konserven verzichten. Weshalb also nicht schon jetzt? Beim Etat des Reichsjustizamts erwidert auf eine Anfrage des Abg. B o e ck e l (Antis.) Staatssekretär N i e b e r d i n g , es sei außer Zweifel, daß einmal an Revision der Anwaltsgebühren werde herangetreten werden müssen, und in Verbindung damit vielleicht auch an eine desgleichen der Gerichtsgebühren. In Bezug auf den Anwaltszwang etwas zu ändern, hielten die verbündeten Regierungen nicht für geboten. Beim Etat des Reichseisenbahnamts plaidicrt Abg. Graf Kanitz (kons.) für die von der Budgetkommission vorgeschlagene Resolution betreffend Aufhebung der Kohlen-Ex- porttarife. Präsident Schulz erwidert, der preußische Landeseisenbahnrat sei zur Begutachtung dieser Frage zum 6. April einberufen. Auch die übrigen Regierungen seien ersucht worden, Ermittelungen anzustellen, und hoffentlich werde es möglich sein, gleich nach Ostern eine Konferenz im Reichseisenbahnamt abzuhalten, um diese Angelegenheit zu erörtern. Was die Eisenbahn-Exporttarife anlange, so stehe doch fest, daß dieselben sehr'viel'dazu beigetragen, die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Eisen -Jn- duftrie auf dem Weltmärkte zu erhöhen. Beim Etat der Postverwaltung empfiehlt Abg. Lieb e r m a n n v. S onnenberg (Antis.) das Handwerk dem Wohlwollen der Staatsiekretärs in Bezug auf Lieferungen. Staatssekretär v. Podbielski entgegnet, die Ober-Post- direktronen seien in diesem Punkte selbständig. flärt^1™ "Einführung des Post-Checkverkehrrs" er- Reichsschabsekretär v. Thielmann, die Beschlüsse zweiter Lefung mit ihrer Gebührenbeseitigung würden die durch andere Reformen ohnehin schon finanziell sehr in Anspruch genommene Postverwaltung so sehr belasten, daß bei Aufrechterhaltung dieser Beschlüße auch in der dritten Lesung die verbündeten Regierungen sich die volle Freiheit der Entschließung darüber wahren müßten, * Vom Kriegsschauplatz. London, 28. März. Die „Times" melden heute, daß die Antwort Rußlands auf das Ersuchen der Präsidenten Krügers und Steijn um Intervention in der südafrikanischen Frage abgegangen ist. In derselben drückt die russische Regierung in einem den Buren freundlichen Tone ihr Bedauern aus, angesichts der energisch ablehenden Haltung Englands in der Angelegenheit nicht vermitteln zu können. Loudon, 28. März. Wie die „Times" meldet, soll die Bureukolonne, welche die Straße zwischen Kimberley und Paardeberg besetzt hat, beabsichtigen, die Eisenbahn von Kapstadt bis Kimberley zu zerstören. Loudon, 28. März. „Moruing Post" meldet aus Mafeking vom 15. März 'über GaberoneS: Die Beschießung der englischen Stellung durch den Feind hält auch heute an. Die Buren thun das Aeußerste, um die Ein- geborenen zu beschwichtigen. Es ist alles wohl. — „Daily Telegraph" meldet aus Ladysmith vom 26. März: 20,000 Buren bewachen die Pässe der Drakensberge. ES sind Freistaat Buren. Es verlautet, daß die Buren ihre schweren Geschütze vom Biggärs- berge zurückzogen, und daß sie nicht die Absicht haben, daselbst in Stellung zu gehen. — Aus Ladysmith berichtet ferner „Daily Chronicle" unterm 26. März: Berichten zufolge befindet sich eine Buren-Streitmacht bei BasselSneck, der äußersten Station nördlich Elandslaagte acht Meilen aufwärts am Fuße der Biggarsberge. — Der „Standard" meldet aus Durban vom 26. März: Der Küstendampfer „Matabele" wurde durch den Kreuzer „Magieienne" von der Delagoa-Bai eingebracht. Das Schiff wird beschuldigt, mit TrenSvaal Kohleugeschäfte gemacht zu haben. Berlin, 28. März. Wie der „Boff. Ztg." auS Loudon telegraphiert wird, meldet General French nach einem Telegramm des „Daily Chronicle" aus Bloemfontein, daß Olivier und Grobeler mit 6000 Buren in nördlicher Richtung marschieren, um zu den Transvaalburen bei Kroonstad zu stoßen. — Jagersfontein und Fauresmith wurden am 27. ds. MtS. von Truppen der Kolonne Clements widerstandslos besetzt. — AuS Kimberley wird gedrahtet, 400 Buren hätten die Straße zwischen Kimberley und Paardeberg besetzt. N — Wie das „Berl. Tagebl." aus London erfährt, sollen Transvaaler Ingenieure die Kohlen- -gruben von Dundee zerstört haben. — Die Kommandanten der englischen Kriegsschiffe erhielten Befehl, die die Delagoabai verlassenden Schiffe auf Goldtransporte zu untersuchen. Gold soll als Kriegskontrebande betrachtet, und die Schiffe sollen beschlagnahmt werden. Petersburg, 28. März. Der russische Militärattachee beim englischen Heere in Südafrika sandte einen ausführlichen Bericht, in welchem die Bravour und Ausdauer der englischen Truppen hervorgehoben wird. Der Zar ließ den Bericht der Königin Viktoria mitteilen. • Telegramme deS „Gießener Anzeiger". London, 29. März. Die „Times" melden aus Lorenzo Marquez vom 28. ds. MtS., den letzten Nachrichten aus Pretoria zufolge bestätigt sich das Gerücht, daß Beamte von Transvaal beauftragt worden sind, alles vorzubereiten, um die Haupt-Goldgruben und die Maschinen in denselben im Notfälle in die Luft zu sprengen. In mehrere Gruben sind eigens zu diesem Zwecke hergestellte Explosivstoffe geschafft worden. Man versichert, daß diese Maßregeln aus Anregung der Präsidenten Krüger mnd Steijn getroffen worden sind, obgleich einflußreiche Bürger sich dagegen ausgesprochen haben. Man glaubt allgemein, daß die Präsidenten hoffen, hierdurch die Fremden zu veranlaffen, bei ihren Regierungen auf eine Intervention hinzuwirken. Loudon, 29. März. AuS Pretoria wird vom 27. ds. MtS. gemeldet: Ein amtliches Telegramm bestätigt, daß dei Maseking heute morgen eine schwere Beschießung st alt fand. Die Buren-Geschütze sandten Shrapnels in die Stadt, welche von allen Seiten, beschoffen wurde. Die englischen Geschütze erwiderten das Feuer lebhaft. Loudon, 29. März. Aus Faurefmith wird gemeldet: Infolge heftigen Regens konnte die Kolonne des Generals Clements Philippstown erst am Sonntag verlassen. Unsere Soldaten haben schlechte Schlafstellen, weil es an Zelten fehlt. Am Sonutag legten wir 13, am Montag 12 Meilen zurück. Dienstag trafen wir in JagerS- fontein ein. Loudon, 29. März. Aus P r ä t o r i a wird telegraphiert, daß die Buren die noch nicht durch Feuer zerstörten Kohlenb ergwerke in Natal in die Luft sprengen und alle Maschinen zerstören. — Aus Blömfontein wird der „Zentral News" depeschiert: Die Zeit unserer Unthätigkeit ist zu Ende. Die Truppen werden zur Front vorgeschickt, die nötigen Vorräte sind zusammenge- tragen, die Mannschaften sind in guter Verfassung, die Pferde gut erholt. Loudon, 29. März. Reuters Berichterstatter drahtet aus Maseru vom 27. März: Die Nachricht, daß Lady- brand gestern von der britischen Streitmacht besetzt worden fei, rief die größte Aufregung und Freude im Basuto- Lanve hervor. Man hielt das Ende unserer langen Vereinsamung endlich für gekommen. Unsere Ueberraschung und Entsetzen war daher groß, als Berichte gegen Sonnen- Untergang einliefen, daß eine große Buren st reit macht Ladybrand wieder besetzt hätte, und die früher behaupteten Stellungen am Platberg und Modderpoort wieder in Besitz genommen. Einzelheiten sind noch nicht eingetroffen, da der dazwischen liegende Landstrich wieder in Feindeshand sich befindet. Loudon, 29. März. Nach einer Meldung aus Kimberley drücken die daselbst ansäßigen Engländer ihre Mißbilligung darüber aus, daß die englische Regierung die aufständischen Buren mit zu groß er Milde behandelt. — Wie auS De Aar gemeldet wird, ist Lord Kitchener mit seinen Truppen auS PrieSka zurückgekehrt, nachdem er die Unterwerfung von 200 Buren vollzogen hatte. Alle Rebellen, welche sich nicht ergeben wollten, zogen sich über den Oranje-Fluß zurück. Lodon, 29. März. Kapstädter Meldungen bestätigen den Tod Jouberts, General White hielt demselben eine Gedenkrede, in welcher er sagte, Joubert sei ein Soldat, ein Gentleman und ein tapferer ehrenweter Gegner gewesen. Kapstadt, 29. März. General White ist nach England abgereist. Deutsches Reich. Berlin, 28. März. Der Kaiser hatte heute vormittag im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen v. Bülow und hörte im Schlosse die Borträge des Finanzministers v. Miquel, des Ministers des Innern, Frhrn. v. Rheinbaben und des Chefs des Civil- kabinettS v. LucauuS. — Nach den neuesten Depeschen, die über das Mißgeschick der Strafexpedition des Hauptmanns von Besser aus dem Gouvernement Kamerun tm hiesigen Kolonialamt eingelaufen sind, stellt sich das Gerücht von der Niedermetzelung dieser Expedition als unzutreffend heraus. Der Assistenzarzt Dr. Dittmar, der in dem Gefecht mit den Eingeborenen schwer verwundet wurde, ist, dem „Lok.-Anz." zufolge, inzwischen seinen Verletzungen erlegen. — Der Bischof von Südschantung, Dr. von Anzer, wurde, wie der Lok.-Anz." berichtet, heute vom Kaiser in Audienz empfangen. — Die „Berl. Reuest. Nachr." schreiben: Einige Blätter glauben die an sich selbstverständliche Thatsache besonders betonen zu müffen, daß auS Anlaß der Verlobung der ältesten Tochter des Herzogs von Cumberland mit dem Prinzen Max von Baden zwischen dem Kaiser, dem Großherzog von Baden und dem Herzog von Cumberland Glückwunschtelegramme gewechselt worden sind — Die Aussichten der Flottenvorlagewerden, dem „Lok.-Anz." zufolge, von unbefangener parlamentarischer Seite als günstig betrachtet. Dieses Urteil wird auch durch den Verlauf der gegenwärtigen Verhandlungen in der Budgetkommission bestätigt. In den Regierungskreisen ist man derselben Meinung, zumal an den maßgebenden Stellen nicht die mindeste Besorgnis besteht, daß es wegen der Deckungsfrage zu keiner Verständigung kommen könnte. Die Kommission hofft morgen die Generaldebatte zu beendigen. — In der Budgetkommission des Reichstages wurde heute in die Generaldebatte über die Flottenvorlage eingetreten, und zwar kam man überein, von den vier Hauptabschnitten des Antrags Müller-Fulda zunächst die Notwendigkeit und den Umfang der Flottenvermehrung zu verhandeln. Im Laufe der Debatte erklärte Staatssekretär Graf Bülow: Die Flottenverstärkung solle lediglich defensiv wirken. Unsere Politik habe weder phantastische, noch aggressive Tendenzen. Ihr Bestreben sei lediglich, den Frieden aufrecht zu erhalten und die Würde des Reiches zu wahren. Unsere Diplomatie gehe mit aller Vorsicht vor, die notwendig sei. Die Vorsicht und auch die Geschicklichkeit genügen jedoch nicht, wenn nicht Machtmittel dahinterstehen. Unsere Beziehungen zu England seien z. Zt. die besten, jedoch seien die Zeiten, wo die Auffassung der Kabinette allein maßgebend waren, vorüber, und die Volksleidenschaften spielen heut zu Tage eine große Rolle. Die Flottenvorlage habe den Zweck größere FriedenSgarantieen zu bieten. Abg. Gröber (Zentr.) hob hervor, daß sich die Zentrumsfraktion für ihre Entschließungen freie Hand Vorbehalte. Jedenfalls scheine ihm ein Maßhalten in der Erwerbung neuer Kolonieen im Interesse des Friedens geboten. Alsdann wandte sich die Debatte zum zweiten Hauptabschnitt der Generaldiskusfion: Kosten und Beschaffung der Mittel. Hierbei machte Staatssekretär Frhr. v. Thielmann zahlenmäßige Angaben über die Reichseinnahmen, deren Lage für die Zukunft durchaus günstig sei. Morgen findet Fortsetzung der Beratung statt. Die Generaldebatte soll jedenfalls vor den Osterferien zum Abschluß gebracht werden, die Kommission ihre Verhandlungen auch fortsetzen, falls das Plenum früher in die Ferien geht. Ausland. Wien, 28. März. Die Versuche des Bürgermeisters Dr. Lueger, die fortschrittlichen Gemeiuderäte zur Zurücknahme ihrer Mandastniederlegung zu bewegen, sind gescheitert. Dieselben beharren auf ihrem Entschluß. Wie«, 28. März. Bürgermeister Dr. Lueger und die beiden Vizebürgermeister werden morgen dem Kaiser ihren Dank für die Sanktionierung der Wahlreform in einer Audienz aussprechen. Paris, 28. März. Der frühere Botschafter Bene- detti ist heute gestorben. Loudon, 28. März. Die Residenz des Herzogs von Orleans, das Aork-House, wird zum Verkauf angeboten. Sofia, 28. März. Hier verlautet bestimmt, daß ein dortiges Blatt berichtet, zwischen Rußland und Bulgarien sei ein geheimes Abkommen zustande gekommen, mit folgendem wesentlichen Inhalt: Bulgarien soll zum unabhängigen Königreich erhoben und Macedonien zwischen Bulgarien und Montenegro ausgeteilt werden. Ferner sollen die bulgarischen und montenegrinischen Truppen im Kriegsfall in die russische Armee eingereiht, der südwestliche Teil des Hafens von Burgas auf 50 Jahre als Flotten- und Kohlenstation, sowie als Garnisonsort an Rußland abgetreten werden. Weiterhin solle Bulgarien von Rußland ein Darlehen von 100 Millionen Francs erhalten. Schließlich hätte Bulgarien sich verpflichtet, alle antirussischen Elemente aus Heer und Flotte zu entfernen. Hierzu schreibt die „Nat. Ztg.": Man wird gut thun, die Bestätigung dieser Nachricht abzuwarten. Eine russische Aktionspolitik in Bulgarien, wie sie sich nach diesem angeblichen Abkommen darstellen würde, müßte alle Balkanfragen fragen in Fluß bringen und unter Umständen Verwickelungen innerhalb Europas zur Folge haben. Solche Verwickelungen hat man bisher nur als im Interesse Eng- langs liegend angesehen. Sollte dies gerade jetzt durch den Gang der russischen Politik hervorgerufen werden, wäre mit der Thatsache zu rechnen, daß die Handelsfreiheit Englands in Südwestafrika von Rußland nicht nur keineswegs eingeschränkt, sondern sogar durch Ablenkung der Festlandsmächte auf südosteuropäische Fragen wesentlich gefördert wird. Lokales und Urovinfielles. (Ammyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, 29. März 1900. *• Bon der Universität. Der ordentliche Profeffor der Theologie, Dr. H. A. Köstlin, hat sich durch Gesundheits- rücksichten gezwungen gesehen, für das Sommersemester Urlaub zu nehmen. Es wird ihm ein Vertreter bestellt werden. — Der hierher berufene ordentliche Profeffor der Nationalökonomie in Greifswald, Dr. Biermer, hat de» Ruf angenommen. •• Das feit 3 Jahren bestehende Rheinische Technikum Bingen wird zurzeit von 600 Studierenden besucht. Diese hohe Frequenz hat ohne Zweifel die Anstalt den Erfolgen zu verdanken, die der Besuch derselben für die Schüler hat. Bei den diesjährigen Osterprüfungen haben die Herren Wilh. Hennings und Karl Petri aus Gießen die Diplom-Prüfung für Elektro Ingenieur mit den Prädikaten „Mit Auszeichnung", bezw. „Gut" bestanden. ** Theaterverein. Die Reihe seiner Veranstat- tungen beschloß der Theaterverein gestern für diesen Winter mit einer Aufführung von Hermann Sudermanns „M oritur i". Die drei Einakter, welche der Verfasser unter dieser Bezeichnung zusammengefaßt hat, schienen, I wie man aus den Unterhaltungen des Publikums eilt- J*? «nfeteit tust den Ä » K ÄS K IM Situation J« ««' ÄeM aber Ach andere tarn AjchAgSdrMIi Mty p nchW lach ist rin Industrie ebenso Möglich ro Kia unter agra taMPM deckn reM t nn. | Mgtr heule i richt». 9" Du ibt r Sitz in tin «inen Teil beö Ä mehr gelang eS, t »selbe nur wenig bi i abgeM war, ma ’ Hewohner von Di 'Iessinger, Funk i ZHaaS biß ötnbt !«ach btr Sommanb ju/ unb wainltn t Wd -atz Mn tqan Haden, weil ei Öbtt Brandvrrficheni Tages au den völlig Krand da- Trbäude W des Zerstörung Wauden. Sus donnlr nur sefigeW nnr Orte den tzjnrei N auch der Gat «Ma entsprich nl d ar die Sntzrllatzlr erkannte aus außerdem nni Mt, 21. v ibtt Aatzl van $ -beiuTritonpl ‘«•Mei« ®“Miei sch«, J’ He«, d,m KW» ganzen Tao "truuziert. Ä Äfliw, 2 Symirnfte ft'» Ctfj r nehmen konnte, hier fast unbekannt zu sein, was um s. mehr verwunderlich ist, als sie schon im Winter 1896/9! zur ersten Aufführung kamen und seitdem allerorts un zahlrge Male gegeben worden sind. Lebhaften Interesse« sind sie ja überall gewiß, nur schwanken die Meinung immer sehr in der gegenseitigen Abwertung der drei Stück? Den meisten gilt das moderne „Fritzchen" als das be,re die anderen erkennen „Teja" die Krone zu, wieder ander, aber wohl die Minderzahl, finden mehr Gefallen an " leichten Märchenspiel „Das ewig Männliche" Wirkung jedes Einakters hängt eben auch viel von Vertreter der betreffenden Hauptrolle ab, und die dieses wird daher die Meinung über den größeren 2 geringeren Wert jedes der drei Stücke stark beeinflusse» Bei der gestrigen Aufführung waren alle drei Hauptrolle in einer Person vereinigt, in der des Herrn Willy Loeb vom Hoftheater in Darmstadt, der sich, nachdem er vor 14 Tagen in der „Jugend von heute" schon mit großem Erfolge gastiert und den lebhaften Wunsch, ihn in einer bedeutenderen Rolle wiederzusehen, gezeitigt hatte, gestern abend als ganz hervorragender Künstler auswies. Es ivii» uns schwer, zu sagen, in welcher Rolle, ob als Gotenkönig als Leutnant Fritzchen oder als Maler er das meiste Lol! verdiente; in jeder war er gleichbedeutend, mochte er als der rauhe, grausame, nur auf kurze Zeit im Umgang nut seinem jungen Weibe zum lebenslustigen, tändelnden Jüno. litt9 umgewandelte, zum Tode entschlossene Teja vor uns stehen, oder mochte er den durch des Vaters und durch eign? Schuld in eine schimpfliche, nur mit dem Tode zu sühnenl- Lage gebrachten Leutnant darstelleu, oder sich uns al, fröhlichen Maler zeigen, der sein Haschen nach dem Farben spiel des Lebens mit dem Leben zu bezahlen bereit ist. Tu- Abend wurde, wie herkömmlich und vom Dichter auch vo: geschrieben, eröffnet mit „T e j a", dessen markig-düsterer Handlung das trotz der Universitätsferien in großer Zahl erschienene Publikum in lautloser Aufmerksamkeit folgte. Eine rührend-reizende Königin war hier Frl. Hammer, auch die übrigen Rollen, die sämtlich stark gegen Teja unb Balthilda zurücktraten, waren gut besetzt. Herr jkirchhoif gab uns als Theodemir Gelegenheit, sein schönes Lrgan zu bewundern, das natürlich zur vollen Entfaltung seiner Vorzüge noch aufmerksamer Pflege und Studiums bedari Dann folgte „Fritzchen", die selbst in weniger guter Darstellung immer ergreifende Tragödie. Von den Mi?, wirkenden traf Frau Kruse ausgezeichnet den Ton für die leidende, zärtlich ihren Sohn liebende Majorin. Herr Walther als Major befriedigte erst gegen Schluß de- Stückes. Die Darstellung der inneren Unrufye des besorgt Vaters tzelang ihm nicht ganz, vielmehr erweckte bat häufige Wiederholen kleiner Worte, das ja vielleicht von ihm beabsichtigt war, zu sehr das Gefühl, daß er in feiner Rolle nicht sicher sei. Den Schluß bildete das heitere Spiel „Das ewig Männliche", das in bester Weise die düstere Stimmung der beiden ersten Einakter ablöst. Suder mann hat mit diesem Spiel seinen ersten Ausflug ins Märchenland gemacht, den er später in den „Drei Reiher, federn" wiederholte. Geschwätzig tändelt hier als Königin eine Neurasthenikerin und eitle Männerverderberin. Zum Glück richtet sie kein Unheil an, sie erntet nur Spott , bie Typen der schaffenden Männlichkeit, der Maler und der Marschall, kehren ihr lachend den Rücken, und als Ver- tretet dessen, was ihr das Ewig-Männliche ist, bleibt ihr nur der schöne Jean, der Kammerdiener. Die weibliche Hauptrolle der Königin spielte Frl. Haussig nach unserer Auffassung zu ernst, ein noch mehr kokettes tändelndes Spiel wäre richtiger gewesen. Der Marschall, Herr Kirch, hoff, sowie der Hofstaat der windigen Marquise und der mit körperlichen Gebrechen behafteten Hofdamen entledigten sich ihrer Aufgaben in bester Weise. ** Stadtthe ater. Wie wir schon mitteilten, findet morgen Freitag die erstmalige Aufführung des Dreyer- scheu Schauspiels „Der P r o b e k an d i d at" mit Herrn Marlitz vom Frankfurter Schauspielhause als Gast in der Titelrolle statt. Das Stück beherrscht gegenwärtig die Repertoirs aller namhaften Bühnen und erregt überall die größte Sensation. Es ist der rührigen Direktion unferc» Stadttheaters nur zu danken, daß sie die großen Erst- aufführungs- und Gast-Kosten nicht gescheut hat, um un* noch vor Saisonschluß mit einer so bedeutenden Novität, wie der „Probekandidat es ist, bekannt zu machen. Ter gestern gebrachten Kritik fügen wir noch die folgende bei, welche die „Münch. Post" unlängst brachte: Ein erster Akt mit treffenden Schlagern über den knechtenden Geist unserer staatlichen Schulen, als Exposition; ein famoser dritter Akt, in dem der reinigende Blitz herniedersaust, und ein sentimentaler vierter Akt — daraus wurde Dreyers „Probekandidat". Aber was verzeiht man einem Autor nicht alles, wenn er zum Sprachrohr unserer Leiden wird, wenn er eine brennende Frage auf das Tapet bringt ? Ties- mal saß der im Finden und Suchen glückliche Dichter fest, ; diesmal ist er sattelfest gegen bornierte Herkömmlichkeit zu Felde gezogen und hat mit derber Faust dem orthodoxen Muckertum, dem Zelotismus unserer humanistischen vü- dungscmstalten eins um die Ohren gehauen. Die MN pointierte Schlußsatire, die dem Märtyrer des freien Gedankens mit auf den Weg gegeben wird, ist für bie ganze Art des Stückes charakteristisch. Dreyers energisches prat- tisches Naturell weiß dem Ernst einen satirisch-komismen Einschlag zu geben, und der Autor verschmäht es nicht, um der besseren Wirkung willen gelegentlich ein wenig zum maitre de plaifir herabzusinken. Sein zupackendes Talent mit der überströmenden Verve stellt sich gern in den Diem der Tagesinteressen, nicht als ein ernster Weckrufer, wod aber als lustiger Geißelschwinger. Mit großer Tremmie - heit, wenn auch etwas karikiert, hat Dreyer eine sam Typen um die Gestalt seiner Helden gruppiert, alle! mey oder weniger gebrochene Individuen. Nach dem oru Akte, der großen Widerrufszene, brach stürmischer los. Herr Stollbe'rg dankte für den abwesenden w Er hat endlich sein langersehntes Kassenstück gefunden •* Hessen unb das Fleifchbeschaugesetz. Auf dem am Sonntag in Mainz stattgehabten hessischen Handelskamm tag nahm der als Vertreter der hessischen Regierung wesende Ministerialrat Braun Veranlassung, sich über Stellung der hessischen Regierung gegenüber dem beschaugesetz oder richtiger dem Fleischeinfuhrverbo> z äußern Wir haben die trotz ihres persönlichen Charakte bedeutungsvolle Erklärung bereits kurz inhaltlich angeoem* und tragen sie heute in ihrem vollem Wortlaut nach. bei 2394 Großherzogliches Amtsgericht. u b 2.88 2596 MAGGI Soeben wieder eingetroffen: LosMche Frühstücks-Sappen Gemüse- und Kraft - Suppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze frankreich bis zur Bodensecgegend herein. Tas Hauptmaximum bleibt auf den Norden und Nordosten beschränkt. — Voraussichtliche Witterung: Andauernd unbeständiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen, vorübergehende Aufklärung nicht ausgeschlossen. Meine Herrens Ich gebe meine Erklärung als eine persönliche, aber mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß sie die Billigung der Regierung finden und deren Stellungnahme im Bundesrat bestimmen wird. Ich erkläre: Die vou der Regierung auf Grund der Anträge der 15. Kommission beschlossene Fassung des Fleischbeschaugesetzes ist nur dann annehmbar, wenn unter allen Umständen aus ihr der Beschluß über die Art der gesetzlichen Regelung der Fleischeinfuhr nach dem 31. Dezember 1903 und event. auch das Verbot der Einfuhr von Pökelfleisch entfernt wird. Auch gegenüber den übrigen Beschlüssen des Reichstags ist aus wirtschaftspolitischen Gründen größte Vorsicht geboten. Daß im Falle der Annahme der Beschlüsse in ihrem ganzen Um- fange Repressalien seitens der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Sicht sind, kann nicht bezweifelt werden. Bei der Notwendigkeit der Versorgung von Deutschland mit Petroleum, Baumwolle, teilweise auch mit Getreide usw., müssen die verbündeten Regierungen bestrebt sein, einen akuten wirtschaftlichen Konflikt so lange als nur irgend möglich zu vermeiden. Diese Möglichkeit droht zu entfallen, wenn die Reichstagsbeschlüsse in den bezeichneten Punkten Gesetz würden. Die übrigen von der Regierungsvorlage abweichenden Beschlüsse lassen sich Amerika gegen- \ über wohl vertreten, auch hier wird aber allein das Bundespräsidium in der Lage sein, die diplomatische Situation zu übersehen. Zurzeit kann Deutschland die Einfuhr ausländischen Fleisches nicht entbehren, es ist k>aher das Verbot der Einfuhr von Fleisch abzulehnen, dessen Beschaffenheit sich ausreichend kontrollieren läßt. Diese Kontrolle ist möglich bei frischem Fleisch, auch bei Pökelfleisch, aber nicht bei Büchsenfleisch und Würsten. Auch andere taktische Rücksichten sprechen dagegen die Reichstagsbeschlüsse durchweg anzunehmen. Für das in Aussicht zu nehmende Zustandekommen eines neuen Zolltarifs ist ein Zusammenwirken von Landwirtschaft und Industrie ebenso unbedingt nötig, wie ein solches unmöglich sein würde, wenn man die Dinge einzig und allein unter agrarischen Gesichtspunkten und unter völliger Ignorierung der von der Industrie gegenüber den Reichs- ta^sbeschlüssett ylt'nb gemachten sehr erheblichen Be- beitlen regeln wollte. nn. Darmstadt, 28. März. Ein interessanter Fall beschäftigte heute die Strafkammer II des Großh. Landgericht«. In Dudenhofen (Rodgau) schlug im Sommer drr Blitz in ein Wohngebäude, und das Feuer ergriff auch «inen Teil des Wohnhauses des Wendel Katz. Der Feuer- ivthr gelang es, das Katz'sche HauS zu retten, so daß das- -ftlbe nur wenig beschädigt wurde. Nachdem die Feuerwehr ebgerückt war, machten sich nun in der Nacht eine Anzahl Atwohner von Dudenhofen, darunter auch die Angeklagten Essinger, Funk und Kratz, daran und rissen das ganze chan« deS Wendel Katz nieder. Der Bürgermeister und «uch der Kommandant der Feuerwehr sahen der Arbeit mit zu unb warnten die Einreißer vor den Folgen. Dem Wendel Katz sollen sie mit ihrer Arbeit einen Gefallen ge- lljan Haden, weil er einen anderen Bau aufführen wollte. Drr Brandverficherungsinspektor stellte nun auch anderen Lagr-ö an den völlig erhaltenen Balken fest, daß hier kein »raub das Gebäude zerstört habe, und stellte gegen die Ur- Drbrr deS ZerstöruugSwerkeS Anklage wegen Zerstörung von Ätbäuben. Aus der umfangreichen Zeugenvernehmung Eonnte nur festgestellt werden, daß an jenem Abend niemand im Orte den Einreißern energisch entgegengetreten ist, und diß nuch der Eigentümer des Hauses gegen diesen Blödsinn Edne» Einspruch erhob. Das Gericht verneinte daher auch fit die Angeklagten das Bewußtsein der Rechtwidrigkeit, trldnnte auf Freisprechung und belastete die Staatskasse mch außerdem mit den nicht unbedeutenden Kosten. Mainz, 27. März. Einige Nachtschwärmer haben in hrr Nacht von SamStag auf Sonntag die Statue auf tstm Tritonplatz mit einem Tuch verhängt, auf tarn ,«Lex Heinze" in großen Buchstaben angebracht war. ®ie Polizei scheint Spaß an dem sogenannten Witz gehabt z» haben, denn sie hat die Verunzierung des Monumentes ki ganzen Tag über bestehen lassen. Auch heute nacht tarbt der Springbrunnen wieder mit allerhand Hokuspokus '»miv ziert. A Mainz, 23. März. In der Lohnbewegung der Mncher und Maler haben jetzt die Meister gegenüber den Ketdernngen der Gesellen bestimmte Gegenvorschläge gemacht, itaeti Hauptpunkte folgende find: Nach Beendigung der : 8 chrzeit beträgt der Anfangslohn 25 Pfg., je nach Leistung sl rigevd. Es findet eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. statt. VnHöchftlohn für einen erfahrenen leistungsfähigen Tüncher iMgt 40 Pfg., der Höchstlohn für Maler beträgt 50 Pfg. .f^dlanger sind ausgeschlossen. — Seitens der Gehilfen Telegramme des »Gießener Anzeiger^. Lüttich, 29. März. Mehrere hundert Arbeiter der Zinkwerke von Schaigneaux sind in dcn Ausstand getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 35 Prozent. Die Ausständischen halten Versammlungen ab und durchziehen die Straßen mit Musik und Gesang. will man hieraus nicht eingehen und ist vielmehr entschlossen den Kampf bis auf das Aeußerte fortzusetzen, in welchem Thun man dadurch bestärkt zu werden scheint, daß in einer Reihe umliegender Städte und Badeorte die Tüncher auch in Ausstand getreten sind. — Auf der Strecke Mainz- Frankfurt stieß heute morgen gegen 5 Uhr ein Güterzug mit einigen auf einem Fabrikgeleise bei der Station Raunheim stehenden voll belasteten Wagen zusammen, während hierbei nur ein ganz geringer Materialschaden entstanden ist, verlor leider ein Bremser das Leben. Dem Unglücklichen wurde ein Bein und ein Arm abgequetscht, und verschied der so Verletzte auf dem Transport nach Frankfurt. Noch ein zweiter Arbeiter wurde verletzt jedoch nur unbedeutend. — Als Ertrag des städtischen Oktrois ist in das dies- jährige Budget der Stadt Mainz eine Bruttoeinnahme von Mk. 642,000 in den Voranschlag eingestellt. — Daß Beamte mit ihren GehaltSansprüchen vielfach unersättlich sind, beweist die gegenwärtig stattfindende Beratung des hiesigen städtischen Budgets. Trotz allgemeiner Gehaltserhöhung vor zwei Jahren sind diesesmal soviel Gesuche und Petitionen städtischer Beamten um Gehaltserhöhungen eingelaufen, daß der Finanzausschuß gar nicht in der Lage ist dieselben alle zu bewältigen unb sich daher genötigt gesehen hat, diese Gesuche der Bürgermeisterei zur Sichtung und schriftlichen Berichterstattung zu übermitteln. Kassel, ,27. März. Ein interessanter Reisender stellte sich dieser Tage auf den Redaktionen Kasseler Zeitungen vor: Herr Ribbe aus Königsberg, welcher auf einer Fußwanderung von Königsberg nach Paris begriffen ist und auf derselben täglich im Durchschnitt 40 Kilometer zurücklegt. Er gedenkt kurz nach Eröffnung der Weltausstellung in Paris einzutreffen und den für die beste Marschleistung ausgesetzten Preis, um den sich Personen aus verschiedener Herren Länder bewerben, zu erringen. Von hier führte ihn der Marsch über Arolsen weiter. Ans der Rhön, 27. März. Auch in unserer im Allgemeinen recht gesunden Gegend tritt in letzter Zeit die Influenza in starkem Maße auf. In vielen Häusern liegen Kranke darnieder und hat auch der Tod schon verschiedene Opfer gefordert. Hoffen wir, daß bald Frühlingswetter eintritt und der junge Lenz Krankheit und Siechtum wieder erstickt. Seit gestern haben wir freilich in der Rhön wieder starken Schneefall. Tierarzt Seiderer. « Sprechstunden: 7 bis 8 Uhr vormittags, 1 bis 2 Uhr J Gerichtssaal. Wien, 28. März. Der Mechanikergehilfe Karl Web er aus München wurde vom hiesigen Schwurgericht wegen Meuchelmord, Diebstahl und Falschmeldung zu 20 Jahren schweren Kerker und Landesverweisung verurteilt. Ortsgewerbeverein. Zu den in diesem Jahre seitens des hiesigen Ortsgewerbevereins , Lch-ltenden Gesellenprüfungen können Anmeldungen bei unserem .gmottlehrer, Herrn L. Traber, gemacht werden, woselbst auch etwaige X Usfünfte bereitwilligft erteilt werden. Erwünscht ist es, daß die Anmeldungen möglichst bald seitens der L-n.e« Meister persönlich erfolgen, doch können dieselben auch schriftlich tzpiaHt werden. 2417 Der Verstand. Kottfirmattdro-Änziige Markus Bauer, Kirchenplatz II. Arbeiterbewegung. Mährisch. Ostrau, 28. März. Die Anfahrt ist auf allen Schächten heule fast normal. Schiffsnachrichten. Der Postdampfer «Friesland- der »Red Star ßtm* in Antwerpen ist laut Telegramm am 27. März wohlbehalten in New- Kock «ngckommcv. Ä. Schlachthaus. Freibank. 2384 Heute und morgen: Gchsrnßeislh 54 Pfg. SchwrillkLkilch 50 Pfg. Bettfedern Bekanntmachung. I» unserem Handelsregister Abt. A wurde heute unter Nr. 7 ein- I|8hagen: Die Firma „Friedrich Amend" zu Großen Linden und als Itemt Inhaber Friedrich Amend, Mühlenbefitzer daselbst. Gießen, den 23. März 1900. Daunen in jeder Preislage billigst bei C. Röhr & Co. W KÄ L“"bb«! tiefe faß'? ‘ ;ltc austvies i lalerer^ .^ters und dinj dein Lode zu wv Ku, oder E Wn.(N bemjk Wahlen bereit i? Dichttt^ 1 je))en markige Menen in qtob. Aufmerksam,^ Ker l$ siark gegen tr - beseht. hen L sein schöne'- wllen Sntfaltunc' ’ und Studiums-, elbst in wenM - raMe. Hon faf gezeichnet den liebende Major erst gegen &• en Unruhe des« vielmehr eiM.. :e, das jü Dielleid;: WL hiß er in k k. bilbeletäfritttttyiA t- in heftet Seife Sie W/terablöst, Ludn-- ersten vm in btn Mhrr Mttya M Ms mnmnderbmn erntet nur ^oit;: k, der Maler unb' Mcken, Mb als I iänM ift, bleib! -rbiflier Die toeibh Aussig nach unfe r kokettes tändele.' RorM, Herr M MMife und Ser ir Hofdamen enilebigiti r schon mültihtn, M AufM^N^/. Eanbibaf m K uspielhause als U herrscht gegenm^ ien unb erregt fc chrigen Direktion' > an sie die groß- cht gescheut dal, y o bebeutenbin bekannt zu ' )ir noch ine'M- inai’t bracht-' i- 'erben (jrpoiihon, ®\\ > Blitz hern'E,' -daraus M W den g®*1*,,'* erpsdemU tret tjutwN -en »Wh-, Märtyrer bes l ■n wirb, 'st M , einen 1Äk*' jben H»! nbn«,Zifi«. brach j1* - h(n. ■ den ■: sasens^ perfoffh dir nachmittags. Sonntags 8 bis 9 Uhr vormittags. o Meine Wohnung befindet sich ab 1. April 8 5 Bleichstrasse 5. Ärmste MeidmlgkL Depechen oeS Bureau .Herold". Berlin, 29. März. Gegen die Warenhaussteuer waren auf gestern abend von den Handels-Angestellten vier Massen-Versammlungen einberufen. In sämtlichen Versammlungen wurde eine Protestresolution mit großer Mehrheit angenommen. In einer der Versammlungen, welche in den Germania-Sälen stattfand, kam es bei Annahme der Resolution infolge der lärmenden Austritte der deutsch^nationalen Gruppe zu polizeilicher Auflösung. Berlin, 29. März. Zur Kostendeckungsfrage für die Flo tten-Vor läge wird dem „Lok.-Anz." von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß die preußische Staats- Regierung und die Regierungen einiger anderer Bundesstaaten sich bereit erklärt haben, einer Verdoppelung des Lotterie-Stempels, die bekanntlich im Reichstage bereits angeregt worden ist, zuzustimmen. Berlin, 29. März. Der für gestern angesetzte Empfang des Bischoss von Anzer durch den Kaiser ist nach dem „Lok.-Anz." in letzter Stunde abgesagt worden. Die Audienz wird später stattsinden. Berlin, 29. MHrz. Nach einem Telegramm des „Lok.- Anz." aus Paris wird der Leichnam Benedettis nächste Woche nach Korsika gebracht und in der Familiengruft in Bastia beigesetzt werden. Berten, 29. März. Der „Lok.-Anz." meldet aus Kopenhagen: Der König hat den früheren Konseils-Präsidenten E st r u p beauftragt, ein neues Kabinett aus den Mitgliedern der äußersten Rechten der Landsthings zu bilden. Rom, 29. März. Der Vorsitzende der Kammer, Colombo, weigert sich entschieden, der Aufforderung der offiziösen Presse, die Mitglieder der Linken, welche Obstruktion machen, zu verhaften, nachzugeben, und erklärte, lieber sein Mandat niederlegen zu wollen, als zu so un- parlameutarischen Maßregeln zu greifen. Rom, 29. März. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die Regierung heute der Kammer entscheidende Anträge über die Obstruktion wird zugehen lassen. London, 29. März. In der City geht das Gerücht, daß die britische Regierung alle durch den Berner Schiedsgerichts-Spruch festgestellten Ansprüche an Portugal auszahlen, und dafür die Delagoa-Bai als Sicherheit übernehmen will, bis das Darlehen zurückgezahlt ist. Obwohl das Gerücht bisher nicht offiziell bestätigt ist, erhält es sich dennoch in Kreisen, die meist gut unterrichtet sind. London, 29. März. Die „Daily Mail" berichten, daß die russisch-japanische K r i s is sich immer mehr verschärfe. Japan erwarte eine Aktion seitens der russischen Flotte und glaube, daß Rußland sich eines Hafens auf Korea bemächtigen werde. 1586 Wilh. Hammel. Grünbergnstraße 27. Universität und Hochschule. Akademische Nachrichten. Wie uns aus Tübingen berichtet wird, feiert heute der hervorragende Philosoph Professor Dr. v. Sigwart in Tübingen seinen 70. Geburtstag. Sigwart, einer alten Professorenfamilic entstammend, ist in Tübingen geboren: wurde 1863 Dozent und 1865 Professor an der Universität seiner Vaterstadt, der er auch ferner treu geblieben ist. Abgesehen von seiner Lehrthätigkeit hat er sich als Schriftsteller bekannt gemacht und namentlich verdient seine tiefgründige „Logik" Erwähnung. Sigwart bewohnt in Tübingen das Uhland- haus gegenüber der 'Neckarbrücke. — In Santiago (Chile) begeht heute, wie die Vossische Zeitung mitteilt, der am 14. Sept. 1808 in Charlottenburg geborene Dr. Rudolph Amandus Philippi sein siebzigjähriges Doktorjubiläum. — Aus Klausthal im Harz schreibt man: Ter bisherige Privatdozent an der technischen Hochschule in Charlottenburg Dr. Horn ist als Professor der Mathematik an die Klausthaler Bergakademie berufen worden. — Man schreibt aus der Schweiz: Auf der Delegierten- vcrsammlung des schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Ver- eins in Bern wurde auch die Dr. Ing.-Frage diskutiert. Das Ergebnis der Diskussion war der Beschluß, an den eidgenössischen Schulrat eine Eingabe zu senden, worin die Notwendigkeit ausgesprochen wird, daß dem eidgenössischen Polytechnikum in Zürich bezüglich der Promotionen die nämlichen Rechte verliehen werden sollen, wie sie die Universitäten besitzen. — Aus Wien kommt die Nachricht, daß der Vorstand der ersten medizinischen Abteilung im Rudolphspital, Professor Dr. Rudolph Ritter v. Limbeck, der wegen eines schweren Nervenleidens ^auf längere Zeit be- urlaybt war, geisteskrank geworden ist. Sein Zustand sei hoffnungslos. — Hofrat Professor Dr. Hofmokl in Wien, dessen Tod schon gemeldet, war zu Brzezany in Galizien geboren, und studierte in Wien als Stipendiat. Er promovierte 1865 und wurde 1868 Assistent der chirurgischen Klinik Dumreichers, dessen Schüler er war. Im Jahre 1871 wurde er Dozent der Chirurgie, 1873 Chefarzt im Leopoldstädter Kinderspital, 1881 im Rudolphspital. Seit 1885 war er Professor der Chirurgie an der Wiener Universität. — In Budapest ist der Historiker Bela Mailath im Alter von 69 Jahren gestorben. Von 1879 bis 1894 war er Bibliothekar des National-Museums. Wetterbericht. Die Luftdruckverteilung läßt heilte nur- ausgesprochene aber flache Minima erkennen. Dieselben sind in einer Furche niederen Druckes eingelagert, die sich über den Kanal und über das Nordseegebiet nach Deutschland herein erstreckt und südwärts bis zum Mittelmeer verläuft. Speziell für die Witterungsverhältnisse unseres Gebietes sind die beiden Minima maßgebend, von denen eins über Ostbaycrn, Böhmen und Oesterreich, das zweite über dem Südfuße der Alpen liegt. Dieselben bedingen im allgemeinen trübe, kühle Witterung, und namentlich im Alpenvorlande und dem Gebirge fallen größere Schneemengen. Ein Keil relativ hohen Druckes reicht von Süd- Spezialgeschäft für Fahrräder! !! Achtung!! Gießen, den 28. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Wacker. Gießen, den 29. März 1900. 01260 I