looe Samstag den 29. Dezember 150. Jahrgang Keneral-Mnzeiger Anrts- und Anzeigeblatt für den Aireis Gieszen 1. 2. 3. 4. Alle Anzeigen-BermiltlungSstcllen dkS und AuSlandM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegflk ZeilenprciS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. IMhtes, Expedition und Lruckeret: -ch»lßr«ste Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener FannUenblätter, Der hessssche Kandmirt, Klätter für hessische Volkskunde. äX °°n jowr «»eite emwupren ia teil.. 'Jiatur- Ziele zu Hel,en. Der Grund für diese noch, nie so arg ge- Mjt-msHte ein Teil der interessierten Kreise bie fatale I wesene Frequenz liegt in der Existenz der drei großen Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Kommission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogtum gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. (Wenn z. B. mit Rück* sicht auf das Lebensalter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinauSgeschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugnis aber erst am Schlüsse des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugnis bis 1. April nachfolgen werde. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Akteusormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adrefie anzugeben. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a) Geburtszeuguis; b) Die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für die Dauer des einjährigen Dienstes die Kosten des Unterhalts, mit Einschluß der Kosten der Ausrüstung, Bekleidung und Wohnung von dem Bewerber getragen werden sollen; statt dieser Erklärung genügt die Erklärung des gesetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er sich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der bezeichneten Kosten verpflichte und daß, soweit die Kosten von der Militärverwaltung bestritten werden, er sich dieser gegenüber für die Ersatzpflicht des Bewerbers als Selbstschuldner verbürge. Die Unterschrift des gesetzlichen Vertreter« und des Dritten, sowie die Fähigkeit des Bewerbers, des gesetzlichen Vertreters oder des Dritten zur Bestreitung der Kosten ist obrigkeitlich zu bescheinigen. Uebernimmt der gesetzliche Vertreter oder der Dritte die in vorstehendem Absätze bezeichneten Verbindlichkeiten, so bedarf seine Erklärung, sofern er nicht schon kraft des Gesetze« zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet ist, der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. c) ein Unbescholtenheitszeuguis, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien. Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen Militärberechtigten Anstalten) - durch den Direktor der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. d) das Schulzeugnis. Sodann wird noch besonders bemerkt: zu pofl. d. daß die Schulzeuguiffe, mit Ausnahme der Reifezeugnisse,, für bie Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen, und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober- Realschulen, sämtlich nach Muster 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 27 von 1894 — ausgestellt sein müssen. Im übrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90,93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großherzogliche Prüfungs-Kommission für einjährigFreiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Wick. »en Anzeigen zu der nachmittag« für bce s Mlfi-.r, Taz erscheinenden Nummer bi» norm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten» ebcnb» vorher. Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Formularien zu An- und Abmeldungen der Lehrlinge können von dein Sekretariat der Kammer bezogen werden. Die Kammer wird die Befolgung der Vorschriften für das Lehrttngswesen durch einen von ihr eingesetzten Ausschuß für das Lehrlingswesen und durch von ihr ernannte Beauftragte überwachen lassen. Letzteren ist während der Betriebszeit der Zutritt zu den Werkstätten und Unterkunftsräumen, sowie den sonst in Betracht kommenden Räumlichkeiten zu gestalten und Auskunft über alle Gegenstände zu geben, ivelcl)e für die Erfüllung ihres Auftrages von Bedeutung sind (§ 94c d. G.-O.). Darmstadt, den 10. Dezember 1900/ Handwerkskammer zu Darmstadt. Jean Falk, Vorsitzender. Engelbach, Sekretär. Politische Tagesschau. Ueber die Auskunftsstelle für den Außenhandel liegen nach „Handel und Gewerbe- von Handelstagsmitgliedern 80 Aeußerungen vor. Von diesen erklärten sich 36 für die Errichtung der zur Erörterung gestellten AuskunftSstelle für den Außenhandel, 41 dagegen oder doch nicht dafür, während 13 eine vermittelnde Stellung einnahmen. Letztere Bekanntmachung, Betr.: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schul- Zeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne weiteres zurückgegeben werden. soch kurz vor dem Beginn der Festwoche ist der alte FeMairschall Graf Blumenthal, der letzte große Paladin uueis bett Werdetagen des neueck Deutschen Reiches, zur grMiil Armee gegangen. Er war, wenn auch nie so )ooMu wie Moltke, doch dem Berliner eine bekannte Per- ömä eikuiib lebte auch bis in seine letzten Jahre hinein mmr ein paar Monate des Jahres in der.Reichshaupt- I Warenhäuser Wertheim, Tietz und Jandorf just in dieser Straße. Es ist unglaublich, welche Ströme von Menschen tn diesen Bazaren nach ihren Weihnachtsgeschenken suchen, ohne etwa schneller oder besser wie tu den1 solideren Spezialgescbäften bedient zu werden. Artikel, die wirklich- billiger sind, erweisen sich auch in der Qualität schließlich schlechter oder sind nicht gerade reell erscheinende Lockmittel, um den Unkundigen aus diesen Einzelsachen zu Schlüssen auf alles Andere zu verleiten. Und so sind diese ungesunden Kolosse von Geschäften vielfach die ttr- sache dazu gewesen, daß mancher solide Kaufmann diesmal keinen „goldenen" Sonntag gehabt hat und schwereren Herzens wie sonst in die Zukunft sieht. Aber das großstädtische Leben geht, unbekümmert um die Sorgen des Einzelnen, seine Babnen; auch die Waretihaussteuer wird hieran nicht viel ändern. Ueberhaupt: was haben unsere: lebten Gesetze viel genützt? Für raffinierte und gewissenlose Leute wird jedes Gesetz, das ihnen irgend ein Hindernis, eine Schranke, eine Warnung sein soll, nur zu einem Anreiz, es-erst recht zu umgehen. So ist's an der Börse; so hat's der Fall Sternberg in erschreckendem Maße be- wlesen, so wird's auf hundert anderen Gebieten gleichfalls zu beobachten sein. Möchte uns das neue Jahr doch weniger Sensationen bescheren, als das eben scheidende und unser Volk langsam von den Irrwegen der thörichten. Genußsucht zurückführen zu der Einfachheit und Arbeitsfreude vergangener Geschlechter. Aber das tverden wohl fromme Wünsche bleiben, wenigstens für den Teil des Volkes, der sich dem Teufel des Großstadtlebens ver- schrieben hat! Es ist doch schöner bei Euch draußen in den friedlichen kleinen Städten, im Walde und auf dem Landes Gemeßt es auch im neuen Jahre mit dem alten Behagen»' Prosit Neujahr! ... A R M. 304 M UmSvahme dc» ttentag». Lt Gießener HD,» lisuttslter fcwhr iea Anzeiger > M mit „Hess. flMni t* u. „Blätter füto Pst, Dellrkundt- IDiW-i 1 mal veigklegt. morudjeim wertvollen Beitrag zur Charakteristik dieses herrlich!^ Mannes zu geben. Und gerade die Seite pes Kaisers, biyi mi seinen heimlichen Gegnern in mehr oder weniger ve-MÜtm Andeutungen als seine Schwäche hingestellt wird, tvittwlccjt der greise Feldmarschall durch ein glänzendes Zvjuigüi^. Es handelt sich um die mehr oder weniger eitWdte Geneigtheit Kaiser Friedrichs, ein freies Wort Merit zu lassen oder nicht.. Run ist gerade Blumenthal sei''mh^,jt in der mehr als peinlichen Lage gewesen, einen set'M Briefe an seine Gemahlin 1866 von den Oester- abgefangen und in eine Wiener Zeitung ver- zu sehen. In diesem Briefe aber hatte sich de '^merat e-ne ziemlich kräftige Andeutung über Un- puüiliiiohkeit von hoher Seite entschlüpfen lassen. Natür luH'-irnichte eni Tpif hpr interessierten kreise die fnfnf« Berliner Kries. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Bttmlwihals Heimgang. — Der goldne Sonntag in Berlin. — Rückblick und Ausschau. Geschichte auf tlnd wartete mit Ungeduld auf die notwendigen Zeichen der Ungnade, die das Haupt des Frevlers treffen mußten. Aber der ^General wurde weder aus seiner den engsten Verkehr mit dem Kronprinzen bedingenden . Stellung entfernt, noch in irgend welcher anderen Weise als „gefallen" behanoelt; wohl aber nahm der hochherzige Prinz bald danach Gelegenheit, allen kleinen und großen Maulwürfen zu zeigen, daß die Episode auch nicht den geringsten Schatten zwischen ihn und seinen Berater geworfen ' habe. Am 30. Juli nämlich feierte Blumenthal, noch im Felde, seinen Geburtstag, und der Kronprinz ließ es sich nicht nehmen, bei der Tafel im Schlosse Eisgrub zum ersten Male seit Beginn des Sieges Champagner servieren zu lassen. In einer herzlichen Rede feierte er dann das Geburtstagskind, schenkte ihm sein von Heyden gemaltes Porträt und umarmte an der Tafel seinen neben ihm sitzenden „verehrten Freund". Hoffentlich giebt der schriftliche Nachlaß des alten Haudegens noch manche andere interessante Geschichte aus jener großen Zeit und von jenem, im Gedächtnis der Nachwelt immer gewaltiger aufragenden Hohenzollernhelden. — Der Trubel der Festwoche, vor allem das Hasten und Schieben der kolossalen Menschenmassen in den Tagen vor Weihnachten, besonders am sogenannten „goldenen Sonntag", ist manch einem diesmal doppelt auf die Nerven gefallen. Die Leipziger Straße war ein einziges Getöse von Straßenbahnrollen und -Klingeln, von kreischenden Hausiererstimmen, von Kinderbetteln und tausend anderen Geräuschen. Aus der Vogelperspektive mag sie wie ein mächtiger, aufgestörter Ameisenhaufen erschienen sein. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten hatte seine liebe Not, den Verkehr einigermaßen au regeln und jeden zu seinem Ziele zu helfen. Der Grund für diese noch nie so arg ge- tato: Ms Generalstabschef des Kronprinzen, nachmaligen M8itr§ Friedrich, hatte er vielfach Gelegenheit, die hohen umvedllen^Eigenschaften dieses schmerzlich ob seines frühen SMideins betrauerten Hohenzollern kennen zu lernen und Amtlicher Heil. Bekanntmachung, ich/ die Regelung des gewerblichen Lehrlingswesens. I Nach) § 126b der Gewerbe-Ordnung ist über jedes g^imMche Lehrverhältnis, sowohl im Handwerk, als auch iita btt Industrie, binnen vier Wochen nach Beginn der £tej)re f in schriftlicher Lehrvertrag abzuschsließen, und kann jijik S ehrherr, welcher den Lehrvertrag nicht ordnungs- n»Äg abschließt, mit Geldstrafe bis zu 20 Mark und im lbllMi mögensfalle mit Haft bis zu drei Tagen für jeden FW! der Verletzung des Gesetzes bestraft werden. 2 Solchen Personen, welche sich nicht im Besitze der 6:Üirgeci ichen Ehrenrechte befinden, steht die Befugnis zum HWeu oder zur Anleitung von Lehrlingen nicht Fü. Eine Liste der in Ziffer 2 bezeichneten Personen liegt . denn Sekretariate der Handwerkskammer zur Ein- fijcii.auif. Alhufs Durchführung der in den §§ 126—128 der W.-l. c rlassenen Vorschriften ordnen wir unter Androh- u der gesetzlichen Strafen für jeden Fall der Unter- laü-Rlung hiermit an: T dG jeder Gewerbetreibende, insofern er nicht einer ^nmung angehört, die von ihm gehaltenen Lehr- lirtgc bis zum 15. Januar k. I. bei der Kammer an- zmmelden hat. Die Anmeldung, welche alle z. Zt. beschäftigten Lehrlinge umfassen muß, hat zu ent- liollten: a> Vor- und Zunamen, Geburtsort, Tag und. Jahr der Geburt, sowie Wohnung des Lehrlings, b Bezeichnung des Handwerks, in welchem der Lehrling auszubilden ist, <) Beginn und Dauer der Lehrzeit. Außerdem ist der Lehrherr verpflichtet, der Hand- iverkskammer auf Erfordern den Lehrvertrag ein- Meichen. (Von der'Kammer festgestellte Formularien ;n Lehrverträgen werden später zur Ausgabe ge- laingen.) S^fbe Innung hat bis zum 15. Januar k. I. ein Ssti-zeichnis aller von ihren Mitgliedern beschäftigten, den ihr eingeschriebenen Lehrlinge der Kammer ein- riureichen. Dieses Verzeichnis muß hinsichtlich aller kelhrlinge die Namen ihrer Lehrmeister und die unter la, b und c angeführten Angaben enthalten. 3l£kfc Anmeldungen, sowie die Anzeigen über 93ec» än'derungen des Lehrverhältnisses durch Aufhebung nach beiderseitiger Vereinbarung, Tod, Entlassung obter Kontraktbruch des Lehrlings, sowie über das Ergebnis der Gesellenprüfung sind fortan: 1 < voit Lehrherrn, welche nicht Jnnungsmitglieder sind, innerhalb eines Monats nach Abschluß oder Auflösung des Lehrvertrags, b) von den Innungen am 1. Januar und 1. Juli eines jeden Jahres zu erstatten. . y X. — Aezugsprei» x M M viertcljährl. Mk. 2M Meßmer Anzeigers bltm l bet 05352] Hvpdt^r- Nr. 492, cerlonn. lohnung ttnM' bakS. atno- 8295 lrmbe am Stauen u emetUbwM*;]1. 0. M. UaM W' Ttv 05318 UM ^icherch SkS ohne itoti 6unNen 8ebmÄ ™b™l‘WCfek,. ^^aascnüri« & x?, i A. nbet-n. VMM ttaufmädtzev fäTüfe 05344] ^tztadlklndPDj Zeitnogstrl für die Tour geltet^ $ pn 1 Januar gesut: ffiaOei, I von o j? wö ssftss liess^ LM Am SJHttwoiw. W' einem Kunden m Rapier riniieroHit bs *'• Mtsgrqs vofl Parit intmfii morttn. solche gegen velohn« __MättM zjinmenein, r« -:sgN- fiuftnI nteili (■_ srgyfc ***'iw*lS treten dafür ein, daß eine Auskunftsftelle mit beschränkten Zielen errichtet werden möge, wobei hauptsächlich^ daran gedacht wird, daß die Auskunft den Inhalt amtlicher Ver- öffentlrchungen (Gesetze, Verordnungen, insbesondere Zolltarife) zum Gegenstände habe, während Mitteilungen zur Anbahnung geschäftlicher Verbindungen weniger in Betracht kommen könnten ober ganz auszuschließen seien. Unter den Befürwortern der zur Erörterung gestellten Auskunftstelle befindet fich die Handelskammer zu Gießen, außer 35 anderen Handelskammern. Diesen stehen 41 gegnerische Handelskammern und Handelsvereine gegenüber. Eine vermittelnde Stellung nehmen 13 Handelskammern u. f. w. ein. Die „Rhein. - Westf. Polit. Nach r.", das offizielle Organ der westfälischen Nationalliberalen, schreiben folgendes: „Von einem Teil der Presse werden Nachrichten verbreitet, als ob seitens des Vorstandes der national- liberalen Fraktion des Reichstages bei Herrn Freiherrn Hehl zu Herrnsheim Schritte unternommen worden seien, um ihn, nachdem derselbe laut seinen beabsichtigten Austritt aus der nationalliberalen Partei verkünoet, zum Verbleiben zu veranlassen. Das ist nach unseren genauen Erkundigungen weder vom Vorstande, noch von feiten der Fraktion geschehen. Herr Hehl zu Herrnsbeim hat dem Präsidenten des Hauses und Herren aus anoeren Fraktionen mitgeteilt, daß er beabsichtige, seine Zugehörigkeit zur natronalliberalen Fraktion zu lösen. Ebensowenig wie man ihn hätte hindern können oder wollen, ebenso wenig kann die nationalliberale! Fraktion Herrn Hehl zu Herrnsheim: wen:: es ihm beliebt, seine Absicht nicht auszuführen, nötigen, das doch zu thun. Denn die Thätigkeit, welche der betreffende Abgeordnete entfaltet hat, ist keine irgendwie bestimmende, sie ist aber, was immerhin hervorgehoben werden kann, auch keine solche, daß sie in nationalen und liberalen Fragen den Fraktionsabstimmungen fich entgegengestellt hätte. Nur hat Herr Hehl zu Herrnsheim vonZeitzuZeit das Bedürfnis, auf wirtschaftlichem Gebiete sensationelle Exkurse zu unternehmen, oie aber in allen bisherigen Fällen als höchst harmlos für den Erfolg seiner Sache bezeichnet werden können, wenn sie auch von seiner Person natürlicherweise reden machen mußten. Solche kleinen Dinge, welche darin ihren Ursprung haben, daß die Geschäftsordnung des Reichstages gestattet, alle Arten von unverdauten Privat- oeglückungsversuchen in Anträgen an das Haus zu bringen, sind für jede Fraktion belästigend, aber unvermeidlich. Ob die nationalliberale Fraktion des Reichstages sich indessen unter diesen ihr fortgesetzt zugeführten Nadelstichen weiter wohl fühlen kann, möchten wir im Hinblick auf die Wählerschaft bezweifeln." Dazu schreibt die agrarische „Dtsch. Tagesztg.": „Der Abgeordnete Freiherr von Hehl hat bekanntlich den Unwillen dieser nationalliberalen Gruppe durch seinen Antrag auf Ueberwachung der monopo- listisch gerichteten Kartelle und durch seine Aeußerungen über die Notwendigkeit derTabak- zoller Höhung hervorgerufen. Daß innerhalb der nationalliberalen Partei wesentliche und tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen, war bekannt; daß aber ein offizielles Parteiorgan einen hochgeachteten Parteigenossen in solcher Weise persönlich angreifen darf, ist denn doch unerhört. Das kann sich unseres Erachtens Freiherr von Hehl, das darf sich auch die nationalliberale Neichstagsfraktion nicht gefallen lassen. Wir wollen abwarten, was sie thut. Sollte Freiherr von Hehl aus der Fraktion herausgedrängt werden, dann würde er sicher nicht allein gehen. Sein Ausscheiden würde nicht ihm, sondern der Fraktion schaden." Aus Stadt Md Land. Gießen, 28. Dezember. (:) Klein-Linden, 27. Dezember. Der 16 jährige Sohn des Gastwirts H. wurde gestern Nacht bei einer Balgerei am Kopfe verletzt, angeblich durch einen Mefferstich. Nachdem ihm sein Vater ernsten Vorhalt gemacht hatte, ging der Sohn fort, und ist bis jetzt trotz eifrigen Suchens noch nicht* gefunden worden. Mainz, 27. Dezember. In der Samstagnacht hat in einer Wirtschaft in der Rheinstraße die Zuckerhändlerin Devinast den Schießbudenbesitzer Michael Schuster durch einen Schlag mit einem Weinglas derart am Kopfe verwundet, daß der Geschlagene, ein 58jähriger Mann, am Dienstag in der Nacht an den Folgen starb. — Der Schreiner Konrad Frey wurde von seiriem Sohne durch einen Fußtritt gegen den Leib schwer verletzt. Er mußte sich einer Operation unterziehen. Sie verlief rötlich. Frankfurt a. M., 27. Dezember. Professor Veit Valentin ist hier gestorben. Er wurde in Frankfurt 1842 geboren und absolvierte hier das Gymnasium, worauf er in Göttingen und Berlin Theologie und Philosophie studierte. Später bekleidete er eine Stelle als Hauslehrer in Paris. Dann kehrte er nach Frankfurt zurück und trat mit der 1871 erfolgten Neugründung der Wöhler-Schule in deren Lehrerkollegium ein. Valentin hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten herausgegeben; er beherrschte Koptisch, Arabisch und Persisch. Namentlich aber entfaltete er für das Freie Deutsche Hochstift eine reiche Thätigkeit. Heute Vormittag erfolgte auf dem Frankfurter Friedhof die Beerdigung Valentins. Namens des Lehrerkollegiums der Wöhlerschule legte Direktor Dr. Ziehen einen Kranz nieder. Für das Hochstift sprach Rechtsanwalt Dr. Neumann, für die Goethegesellschaft Herr Günther. Der Akademische Lehrerverein war durch Oberlehrer Dr. Froning vertreten. Schließlich sprach Professor B. Scholz namens des Hoch'schen Konservatoriums. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Nachricht in Nr. 303 des „G. A." unter Gedern, daß der Ort vom 25. ab wieder dem Landbestellbezirk des Postamts Gießen zugeteilt sei, ist dahin zu berichtigen, daß der Ort Grüningen wieder dem Bestellbezirk Gießen zugeteilt ist. —In Frankfurt wurde bei einer Schlägerei am Main ein Soldat aus Offenbach in den Fluß geworfen. Man konnte ihn noch rechtzeitig herausziehen. Vermischtes. * Geschiedene Ehen in regierenden Häusern sind seltener als morganatische. Die Ehescheidung im Hause Anhalt ist allerdings nicht vereinzelt. So trennte Wilhelm I. die Ehe des Landgrafen Alexis von Hessen mit der Prinzessin Luise von Preußen, während Prinz und Prinzessin Philipp von Sachsen-Coburg-Cohary, ent sprechend der katholischen Vorschrift, nur getrennt leben können. Früher wurden diese katholischen Vorschriften weniger scharf beachtet, denn Kaiser Franz von Oesterreich heiratete die älteste Tochter des ersten Baiernkönigs, die von dem württembergischen Kronprinzen Wilhelm geschieden war. Milan und Natalie von Serbien waren bekanntlich geschieden, sind es aber jetzt formell nicht mehr. Vom Bruder des eingangs erwähnten Grafen Alexis lebt noch eine geschiedene Witwe aus dem Hause Hanau (Kurhessen), aus welchem Hause noch die geschiedene Prinzessin Elisabeth von Schaumburg-Lippe vorhanden ist. * Bonn, 27. Dezember. Seit mehreren Tagen beschäftigt fich die Staatsanwaltschaft mit einem Vorfall vor der Borussenkneipe. In der Nacht zum 23. November verübten die Borusien, bei denen der Großherzog von Mecklenburg zu Gast gewesen war, auf der Straße einen furchtbaren Lärm. Ein Polizist schritt c -i und verlangte die Karte von dem Hauptlärmmacher. Als dieser darauf nicht einging, wollte der Beamte ihn zur Wache führen, dessen Kommilitonen nunmehr auf ihn eindrangen. Namentlich ein Husarenoffizier und ein Chargierter des Korps sollen sich thätlich an dem Beamten vergriffen haben. Auf der Wache soll der Offizier später dem Beamten zwei Mal ein „Geschenk" angeboten haben. Der Mann machte Anzeige, dieser wurde aber von der Polizei keine Folge gegeben. Durch die Staatsanwaltschaft kam die Sache indessen in Gang und der Fall wird nun wohl vom Gericht klargestellt werden. e Abgelagerte Liebes-Zigarren. Auch in Kreuznach will man wohlthätig sein für die Truppen der China-Expedition. Man hat sich, wie die „Kreuzn. Ztg." erzählt, erinnert, daß noch aus dem Jahre 1871 1500 Zigarren erübrigen von einer besonders feinen Sorte, die damals für die Offiziere bestimmt waren, aber infolge des Friedensschlusses nicht mehr zur Verwendung gelangten. Es gelang denn auch, ausfindig zu machen, daß diese Zigarren noch auf dem Speicher des Landratsamts abgelagert werden. Die Zigarren sind denn nun auch glücklich jetzt abgeliefert und werden sich wohl schon auf der Reise nach China befinden. Es ist auch behauptet worden, daß diese Zigarren schon von den Liebesgaben des Jahres 1866 übrig geblieben seien. Solches ist aber nur eine böswillige Erfindung. * Berlin, 27. Dezember. Die Bestattung des verstorbenen Polizeidirektors Freiherrn v. Meerscheidt- Hüllessem hat am ersten Feiertag auf dem Jerusalemer Kirchhof stattgefunden. Der Chef der SicherheitS- und Kriminalpolizei, Reg.-Rat Dieterici war mit dem Polizeirat Stüwe erschienen, und auch der frühere Chef, Geh. Reg.-Rat Graf Pückler hatte sich eingefunden. Im Namen der Beamten der Kriminalabteilung legte Kriminalkommissar v. Kracht einen Kranz nieder. Mit ihm wohnten die Kriminal- inspektorcn Horn, Braun und Ließ und die Kriminalkommissare Zillmann, v. Baeckmann, Krüger, Manowski u. a. der Feier bei. Auch die Wachtmeister und Schutzleute der Kriminalabteiluug und die Beamten der vom Verstorbenen geleiteten Inspektion hatten Kränze gewidmet. • Spandau, 27. Dezember. Noch vor Weihnachten ist der Grenadier Gille vom Garde-Grenadier Regi ment Nr. 5, der ohne seine Schuld einen Kameraden aus Posten erschossen hat, aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Es wurde ihm auch gestattet, dem Begräbnis des unglücklichen Kameraden beizuwohnen. Ferner befahl der Oberst, daß denr Soldaten der Weihnachtsurlaub gewährt würde, den dieser denn auch angetreten hat, um zu seinen Eltern nach Magdeburg ,u r-isen. Eine sensationelle Verhaftung. Aus Pil- kalken in Ostpreußen wird berichtet: Als vor ca. anderthalb Jahren Bürgermeister Rente! die Geschäfte eines Amtsanwalts niederlegte, wurde auf desfeu Vorschlag der fich um das Amt bewerbende Oberleutnant a. D. Freiherr v. Han stein aus Hamburg als Amtsanwalt angestellt. Infolge feines Titels öffneten sich dem Herrn bald die ersten Häuser in Stadt und Land zum gesellschaftlichen Verkehr, so daß er schließlich fast dessen Mittelpunkt bildete. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam daher seine plötzliche Verhaftung. H. wird feit vier Jahren von München aus steckbrieflich verfolgt. Die Staatsanwaltschaft wurde durch einen Beleidigungsprozeß, den H. gegen einen 'Gutsverwalter führte, auf feinen Namen aufmerksam. Zur Führung der Untersuchung war der Erste Staatsanwalt aus Justerburg Mittwoch selbst in Pillkallen anwesend. Die wesentlichste Beschuldigung gegen H- soll darin bestehen, daß er während seiner Militärzeit verschiedenes Eigentum, auch Möbel, eines Kameraden als sein eigenes angab und verpfändete. H. begab fich dann zunächst nach Afrika und Amerika, um jetzt hier wieder aufzutauchem Auch sein Recht aus den Freiherrn- titel wird bezweifelt, * Mannheim, 26. Dezember. Wie die „N. Bad. LandeS-Ztg." erfährt, stieß gestern früh 1 2 Uhr außerhalb des hiesigen Personenbahnhofes ein ausfahrender Güterzug, wahrscheinlich durch Ueberfahren des Semaphors, auf den von Heidelberg elntreffcnden Eilgüterzug Nr. 748, wodurch eine Lokomotive,' sowie fünfzehn bis siebzehn Waggons zur Entgleisung gebracht und teil* m ersten ,.K^ kampfunfähig«, l < is Gegners bh wechsel" war der eine der Duellanten worden, denn es ging ihm der Schuß des in den Mund, so daß ihm zwei Zähne eingedrückt würd'. * Deggendorf, 27. Dezember. Dieser Tage f^ zwischen zwei hiesigen Bäckerlehrlingen ein Pistols duell statt. Mit geladenen Flaubertpistolen traten Duellanten sich gegenüber. Gleich nach dem ersten „Ri * Ärgers ^meich, t Chp- Emil -?dl=r-ä: Km« mi> WU-M-st- ■ ..„ ÄW, !7. $». 26 479 gegen 26 042 im Jahre 1699, 25 178 t. 9-• 16io0 0® i. I. 1897. Don der Gesamtzahl der y^rn, vorigen Jahre 15 654) auf Preußen, 2668 (2837) aßurttetn- (1922) auf Sachsen, 1024 (1000) auf Baden, 8J» (ödöj * berg, 794 (776) auf Elsaß^Lothringen, 6 64 (6 5 4) näml'A Unter den Großstädten hat Berlin weitaus die w rfien Stelle steh 2 265 (1899 2 232, 1898 2 186, 1897 2 148). wve e^tc, bann München mit 586 Aerzten, ebensoviel rote im (4y3)/ DrAA folgen Hamburg mit 554 (1899 633), Breslau , mit 333 (29 ' mit 427 (398), Leipzig mit 405 (394), 9 Im gE Köln mit 331 (332), Frankfurt a. M. m» ' darunter neWi sind 32 Städte vorhanden mit mehr als weise zertrümmert wurden. Drei den Eilgüterzua v gleitende Bahnbedienstete, und zwar der Schaffner Büro von hier und zwei Wagenwärter aus Karlsruhe, wurd> verletzt. Das Geleise war bis gestern mittag gefprrit der Verkehr konnte nur durch Umsteigen anfrecht erhalt» werden. die sich gleich dem Projektil in das Fleisch der Zunge ri gegraben hatten, von wo sie auf operativem Wege entser werden mußten. Die Bäckerjungen thäten wirklich Hesse sich in ihrem Gewerbe als „Schießer" nützlich zu mach, * London, 27. Dezember. Der japanisches« gierungs-Dampfer „Serite" ging gestern abtti bei Cork unter. 12 Mann ertranken, 5 wurde: gerettet. * Ein Geschenk für die Königin Wilhelms Auf Anregung des Petit Bleu in Brüssel ist eine Sana lung eröffnet worden, die den Zweck hat, Gelder für a? der Königin Wilhelmina von Holland zu überreicht Hochzeitsgeschenk aufzubringen, weil die Königin „den tü Mut gehabt habe, den alten Krüger bei feiner traurig Wanderung durch Europa ihren Schutz angedeihen zu laffen.' Für die künstlerische Form dieser Hochzeitsgabe sind bereit« zahlreiche Vorschläge gemacht worden. Ein Entwurf bti Bildhauers Leroy stellt die Königin Wilhelmina dar, dir. mit einem Oelzweige in der Hand, den Präsidenten bet südafrikanischen Republik beschützt, während die Kriegsfurie, die hinter der Königin steht, mit einer Hand den Degen und mit der anderen die Brandfackel schwingt. Königin Wilhelmina, die ein antikes Gewand trägt, steht aus einem Schiffsrumpfe, der die Inschrift Gelderland aufweist; eine Hand legt sie auf die Schulter des neben ihr, aber elivak niedriger stehenden Präsidenten Krüger, der in der Rechte den Hut, in der Linken eine Pergamentrolle hält. Es fr. noch nicht entschieden, ob LeroyS Entwurf gewählt wirb. *ChinesischDeutschesWörterbuch. Hun-Nen: das Vorbild. Ach-Tung: Präsentiert das Gewehr. Pacb- Tung: die Annexion. E-Ring: die Westentasche. Doe- Ring: die Seife. Mag-Gi: die Reklame, tsin-ken: bet Gesichtserker, ha-zi: der Schnupfen, ping-pang: die Schmiede, nan-ni: der dienstbare Geist, li-la: das Befinden, funkte die Radfahrer Laterne, tsink: Es ist nicht alles Gold, was glänzt, tsei-tung: das Käseblatt, na-nul: das Erstaunen, na-nal: die Bedenklichkeit, nan-sen: ber (Stebär. thee-ding der Samowar, sum-fun: der Weinreisende, ha-rung: btr Katzenjammer, mi-au: das Ständchen, mi-tse: bic w Kleine. Huvg'-Mng'-jung'!: die Warnung, wei-a-la-ww/i-a.: die Schwimmstunde, hink-tse: ne^m’ ich sie nicht, trmkt-tse . nehm' ich sie auch nicht: tsching-ken: der Belag, hei-taung: die kostspielige Sache. *AmerikanischeTrinkgelder. Einameriramfd)ev Zeitungsberichterstatter befragte verschiedene Millionärs seines Landes, was sie an Trinkgeldern .jährlich verausgaben, und erhielt nachstehende Mitteilungen. Marcus Daly braucht, so oft er die großen Wettrennen besucht, 10 bis 12000 Franks, die er Programmverkäufern, Kellnern, Maklern, die vertrauliche Winke über die Aussichten dieses oder jenes Pferdes geben, und last not least Polizisten schenkt; denn auch letztere nehmen in Amerika gerne ein Trinkgeld an. Jakob Astor geht nie aus, ohne 500 Franks ausschließlich für TrmO gelber einzustecken. Jeder Abend, den er im Theater verbringt, kostet ihm 1000 Franks und vor Weihnachten und Neujahr muß er besondere Sekretäre anstellen, um die an ihn gerichteten Bittschriften beantworten zu können. Ader den Rekord hält unbestritten Mr. Rockefeller: er stellt am 1. Januar 1900 nicht weniger als 5700 Anweisungen aus, während 8500 Bittschriften eingelaufen waren. Er vc rechnet seine jährlichen Ausgaben an Trinkgeldern auf ei halbe Million und kann zu seinem Titel als Petroteu könig getrost den eines Trinkgelderkönigs hinzufügen.___ (1899 3076), aus Bayern t : 213 (278), Elschüchingen i 122 (12v), llchend in b : ihelen »orfymbfli sind. Im r MtwfMkuodrMvn i Men sind to Apothelei j Zchwarzburg'Rudolstadt m CDIbtnBurg mit 0,79, M ioktlitz mit 0,48 das ungfi Bayern kommen auf je 100 Württemberg 1,42 und in [ - .Vereinigung -Zeichnung ist in Berlin > *; n Nlnbd worden, der X'-A Vri du Mr, d»tz an lUxtfu für dUtzfrrrduvM f rtr.ine entstehen. M D dduich dm Kaiser am 11 ijum Linus-Museum auf »Schöpfung, sür die GesL sowie überhaupt sür -rom scher Vergangenheit । - ju fördern. Es fiui ihTMT 'hmonfirttlontn u. f fofUnW'iv • Ww unttxni »t'nm Jahresbeitrag von .«'•WSrtl' «bg