Donnerstag den 29. November 280 Drittes Blatt 150. Jahrgang * Kur, »herici^ Kmerat-UMger Zlints- und Anzeigablntt filv den ICreis Gieszen ß Kosen blihn . >• 10 $0 f( 11' W ’8.10' 78.10' durch die Abholcstrlle« vicrtcljährl. MI. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierkriiährl. mit Bestellgeld. Mezngspreis viertcljährl. Mk. 2,28 -W4ei*i »glich nit tuSnahmc dk- ! SRentag8. Die Gießener PsMtrieUvtätter otiltn dem Anzeiger ta Wechsel mit „Hcfl. Beelnrtrt* u. „Blätter ßr Hess. UolkSkunde" beigelegt. Alle Llnzeigen.BermttklungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgtgaa. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Inmshme »en Anzeigen zu der nachmittag- für den tMgnbtn tag erscheinenden Nummer bis wenn. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abend- vorher. Gratisbeilagen: Gießener Familienbiätter, Der hessische Zandmirt, Klätter für hessische UolKslumbe. Adresse für Depeschen: Auzciger Hietze*. Fernsprecher Nr. 51. Gewiß erschöpft der Exporthandel und der Wettbewerb nicht den Vergleich der beiden Völker, nicht einmal in industrieller Beziehung. Denn um zu zeigen, was zwei Völker in der Industrie leisten, kommt vor allem auch der inländische Absatz in Betracht. Jedenfalls ist der Konsum von Jn- dustrieprodukten in England zur Zeit noch bedeutend stärker als in Deutschland. Aber für das was beide Völker für den Welthandel leisten und für Aussichten haben, sind allerdings obige Ausführungen ausschlaggebend; und wir hoffen, daß der deutsche Arbeiter nicht nur als Produzent, sondern auch als Konsument den englischen allmählich erreicht und übertrifft. ellschaft :ert r 1900, abends 8 [ aalbau Wirkung ID aus Hanau (8opr*) lentskapelle. ebn Molch, n. hing einte städten und Dörfern, wo Handwerk und Landwirtschaft sich innig berühren. Was ist hierbei Aufgabe der Genossenschaft?" Der Eintritt ist frei, sodaß zahlreicher Besuch zu erwarten steht. -i- Stammheim, 26. November. Der von dem hiesigen Gemeinderat gestellte Antrag auf Entwässerung der Grundstücke in einem Teil der Gemarkung und Bildung einer Wassergenossenschaft wurde für zweckmäßig und zulässig erachtet, und darum ist die Einleitung des Verfahrens angeordnet worden. Nach Beendigung der beabsichtigten Arbeit können die DrainierungSarbeiten in unsrer Gemarkung als abgeschlossen angesehen werden, da ein großer Teil derselben schon vor 18 Jahren entwässert wurde. Darmstadt, 27. November. Der sozialdemokratische Antrag auf Entschädigung unschuldig Verhafteter sowohl bei Untersuchungs- wie bei Strafhaft hat die einmütige Zustimmung des Gesetzgebungs-Ausschusses der Zweiten Kammer gefunden. Der vom Abg. v. Brentano (C.) verfaßte Ausschußbericht weist darauf hin, daß mehr noch als die relativ seltenen Fälle unschuldig verbüßter Strafhast die viel häufigeren Fälle zu Unrecht verhängter Untersuchungshaft nach Entschädigung schreien. DerBe- richterstatter schöpft aus seiner rechtsanwaltlichen Praxis, wenn er erklärt, „daß die Gründe zu einer Verhaftung derart weit interpretierbar, derart wenig umrisien und bestimmt sind, daß vielfach Fehlgriffe mit ihren schweren möglichen Folgen für Gesundheit, Vermögen, soziale Stellung vorkommen können und thatsächlich vorkommen." — Die Regierung hat sich bei den Ausschußverhandlungen zunächst ablehnend verhalten. Nach ihrer Meinung sei, da Reichstag und Bundesrat sich mit der Materie einmal befaßt haben, die Möglichkeit eines Kompetenzkonfliks nicht ausgeschlossen. Außerdem sei die praktische Durchführung des Antrags so schwierig, daß man Gefahr laufe, sich durch einen Mißerfolg bloßzustellen. Dem entgegen vertrat der Ausschuß die Auffassung, daß angesichts des Versagens der Reichsgesetzgebung die Landesgesetzgebung das unbestrittene Recht habe, vorzugehen. Auch seien die praktischen Schwierigkeiten in einem kleineren Land viel leichter zu überwinden, als im Reich. Hessen solle sich darum ein Verdienst erwerben, mit gutem Beispiel voranzugehen. Mainz, 26. November. Bon unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß der Großherzog kommendes Frühjahr einige Zeit hier residieren wird. Das Großherzogliche Palais hat in der letzten Zeit in seinem Innern mit Rücksicht auf die beabsichtigte Hierherkunft des Landesfürsten verschiedene bauliche Veränderungen erfahren. — Eine sehr merkliche Wirkung hat hier der Neun. Uhr-Ladenschluß auf das städtische Gas- und Elektrizitätswerk ausgeübt, indem durch den gesetzlichen früheren Ladenschluß ein Wenigerverbrauch bei jedem der beiden genannten Werke eingetreten ist, der sich bei jedem Werke auf 250 Mark pro Tag berechnet. In der Winterszeit macht das einen Ausfall von annähernd 15000 Mark pro Monat aus. — Zwischen der Stadt Mainz und und dem Verein für Feuerbestattung ist in den letzten Tagest ein Vertrag abgeschlossen worden zum Zwecke der Errichtung eines Krematoriums und des Kolumbariums auf dem oberen Teile des an der sogen. Fintherstraße gelegenen christlichen Friedhofes, um die Feuerbestattung in Mainz zu ermöglichen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Erste Staatsanwalt Settegast in Könitz erklärt die Nachricht, daß er zum 1. Dezember nach Limburg a. d. L. versetzt worden sei, für falsch. — Aus dem GerichtSgefängniS in Kassel ist SamStag Nachmittag der Zimmermann Karl Heinrich AlthauS von hier entwichen. Nachrichten über den 27 Jahre alten, mit grüner Radfahrermütze, dunklem Jackett und Weste und hellblauer Anstaltshose bekleidet gewesenen, etwa 1,72 Meter großen Flüchtling, ber blonden Schnurrbart trägt, sind der Kasseler Staatsanwaltschaft erwünscht. Irer Scbi>r W* 6». Gießener Anzeiger 1 L der 3W .Men; besonder- gilt bJJ « wltb .Ljk “nb neue ProbM I »°chen möchten. Giessen, W°-°n w iSttra panische Nente hinein Id. Eredttb. inolbonlj- $• -Tt. «S5 l<*‘ «U. $ * gH- oct . ___z s?e- , jiojent« 18W' I«. 6. O ss»; $ Vermischtes. • Dortmund, 26. November. Auf der Strecke Langendreer(Süd)-Bochum(Süd) stießen am 24. ds. zwischen der Blockstation Prinz von Preußen und Altenbochum die Güterzüge Nr. 3327 und 9004 zusammen. Außer einem Lokomotivheizer, der leichte Verletzungen erlitt, wurde niemand verletzt. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß die Blockstation „Prinz von Preußen" den Der Wettbewerb Englands ntnb Deutschlands auf dem Weltmärkte. England ist bisher die mächtigste Handelsnation der Belt gewesen. Außer den Vereinigten Staaten ist ihm Demschland nahe auf den Leib gerückt. Wie der Wettbewerb Englands und Deutschlands sich gestalten wird, ist für uns eine Lebensfrage. Dr. Alexander Tille, der be- laku tlich lange Zeit Privatdozent an der schottischen Uni- derftät Glasgow war, bis er dort wegen eines in einer bclltichen Wochenschrift veröffentlichten Aufsatzes über Transvaal Mißhandlungen von Studenten erdulden mußte, führte darüber kürzlich in Düsseldorf nach der dortigen Bürgerztg. ziemlich optimistische Ansichten aus. Allerdings ist die deutsche Ausfuhr ganz anders gestiegen als die englische. Der Wert der englischen Ausfuhr betrug 1890 5,27 Milliarden Mark, 1899 5,108 Milliarden, er ist also gar etwas ge- fenten in diesen 9 Jahren. Deutschlands Ausfuhr dagegen stieg in dieser Zeit von 3,3 auf 4,4 Milliarden Mark, also um 1,1 Milliarde. Geht das so weiter, so hat Deutschland England 1906 als Handelsvolk übertroffen. Dieser Banbel macht sich auf allen Märkten der Welt bemerkbar. Zn Belgien und Holland hat der Deutsche jetzt Über den Lngl ander triumphiert. Am meisten geht Deutschland voran in Südamerika. Selbst in den englischen Kolonien ent- fcitEclt sich der deutsche Handel schneller als der englische, ttglanb führte z. B. 1875 nach seinen Kolonien mehr aus 1U 3895. Dieser Umschwung hat die verschiedensten Ursachen, nglland ist zu sehr mit Kolonien belastet. Die iolonialverwaltung nimmt ihm zu viel Kraft veg.. England gleicht in dieser Beziehung einem Menschen, lit ru lange Arme und Beine hat, und dessen innere tßrgatte darunter Schaden leiden. England hat für ikn Ausbau seiner Rechtsverhältnisse viel zu wenig gethan. Hnfo'lge dessen haben sich der deutsche Getr-idehandel, chiauehandel und Baumwollhandel von England losgesagt. Dis englische Maß und Gewichtssystem ist veraltet. Ferner Wen die Engländer zu wenig Neigung sich mit fremden Sprachen, Sitten und Zollverhältnissen zu beschäftigen. Bekanntlich sind die Engländer ziemlich lange in Nn- kMtniS über die Ursachen ihres Handelsrückganges gewesen. Sie glaubten, die Deutschen machten nur deshalb Fort- fchitte, weil sie ihre Waren zumteil mit englischen Marken vbsetzten. Sie machten darum das bekannte made ip Ger- ■tny-(8efe$, das die Bezeichnung fremder Waren mit eng- Wer Marke unter strenge Strafe stellte. Dies Gesetz hat tubtr mehr geschadet als genützt, denn es war eine amtliche Marne für die deutsch n Artikel, die vor den englischen Mncherlei Vorzüge, namentlich den der größer« Billigkeit Wien. Daß England teurer war in seinen Kolonieen als Qutschlanb, liegt zumteil an der viel teurem Fracht auf »zlischen Schiffen. Nach Südamerika beträgt der Fracht- I Lierschied einer Tonne Nägel 36 Mk. zwischen Liverpool Hub Hamburg. Der englische Prozentsatz am Weltfracht- wikehr ist denn auch von 61 Prozent 1890 aus die Hälfte in letzten Jahr zurückgegangen. In der Chemie und Elektrotechnik ist England bereits Hn Deutschland, in der Eisenindustrie von Amerika ge- fchagen. In neuester Zeit fängt England sogar wieder an, Hhftoffe, wie Roheisen und Kohle, auszusühren, weil es b»ie Stoffe nicht mehr im eigenen Lande verarbeiten kann, HO Mangel an Menschenmaterial. Der Hauptgrund des englischen Rückgangs ist sozial. Ctr Höhepunkt der britischen Industrie liegt im Jahre 1-873.. Damals hatte die englische Industrie den größten , jiflrom von Arbeitern, seitdem trat ein allmähliches Ab- jUuen ein. England hat keine weiteren Scharen mehr, mit (ikuert es neue Fabriken füllen kann. Tille schätzt den Zu- l yachs englischer Volkskraft nur auf 300 000 Personen ein. ! Oie Zunahme ist vor allem deshalb so mäßig, weil Irland tW) entvölkert. Deutschland hat noch zahlreiche Volkskräste, mit bienen eS seine Jndustriearbciterscharen vermehren kann, Ui. Zuzug vom Lande, natürliche Zunahme (jährlich gegen 18000100 Menschen), Einwanderung. Deutschland stände in 1 Sizielhung auf Zuwachs von Industriearbeitern erst da, wo lEogimnb 1860 stand, hätte also noch eine ganze Weile bis «Gipfelpunkt, es könne noch 5 Millionen Jndustrie- • mbeitier aufbringen im Laufe der Zeit. Dr. Tille gab eine kleine statistische Nebersicht über die I dliliscche Ausfuhr. Sie wuchs 1854—59 um 123 Mill. Mark, ] 1860—69 um 184 Millionen, 1870—79 um 140 Millionen, IM—89 nur noch um 40 Millionen, 1890—99 gar nur noch mm 8 Mill. Mark. -b bearb. x. Sitt. be«b. t Tr. t, t w pdkMr 8il* rv von Pfarriaa, und Qrchester, Bnft r.Landmann.) 8 Herrn Wilhelm Ri** * rt; Ball w Laurahütte Bochum ' ' ‘ Ho;1 "•! tuS S *• '»06 >• 88 ' 88.00* 1D“): R Tauber ■ “J*1 . Brate. . barpsnsr ' leW: ÄAeftten, tpebition und Druckerei: Ar. 7. II »PB II III I 1 III Illi Volttische Tagesschau. Die Ausgaben aus dem allgemeinen Peufiousfonds werden nach dem neuen Etat für das Rechnungsjahr 1901 63 727 199 Mk. betragen gegen 61 156 433 Mk. im Jahre 1900, 58473652 Mk. im Jahre 1899 und 51994195 Mk. im Jahre 1897. In den letzten 11 Jahren sind die Ausgaben aus dem allgemeinen Pensionsfonds um über 25«/z Millionen gestiegen. Den Hauptanteil an der absoluten Zunahme gegenüber dem Vorjahre hat die Militärverwaltung, bei der die Ausgaben von 55956185 auf 58031 195 Mk., also um mehr als 2 Millionen Mark gestiegen sind. Bei der Marineverwaltung hat sich der Pensionsfonds von 3616954 auf 3957954Mk. erhöht. Bei der Zivilverwaltung, bei der im vorigen Jahr ein Rückgang der Ausgaben um nahezu 70000 Mk. eingetreten war, ist jetzt eine Steigerung von 1583 295 auf 1 728 050 Mk. zu verzeichnen. Relativ haben die Ausgaben bei der Marineverwaltung wie schon im vorigen Jahr am meisten zugenommen mit 97,7 v. H.; dann kommt die Zivilverwaltung mit 9,1 v. H. Ue6er die Zahl der Offiziere und Aerzte sowie der Personen des Soldatenstandes, die am 1. Juli d. I. aus dem Pensionsfonds Pensionen und Pensionserhöhungen bezogen, enthält der Etat u. a. folgende Angaben: In Preuhen erhalten Pensionen rc. 7300 Oifizlere und Aerzte gegen 7086 am 1. Juli 1899, 6819 am 1. Juli 1898 und 6585 am 1. Jult 1897, in Sachfen 628 Oifizlere rc. gegen 615, 594 und 565 in den drei voraufgepangenen Jahren und in Württemberg 393 gegen 388, 370 und 367. Jrn ganzen erhielten also 8321 Oifiztere rc. Pensionen gegen 8089, 7783 und 7515 in den voraufgegangenen Jahren. Unter den Pensionären find vorhanden in Preußen 27 (in den voraufgegangenen beiden Jahren 30 und 29) kommandierende Generale, 143 (143 und 138) Divisionskommandeure und 405 (390 und 364) Brigadekommandeure, zusammen also 575 Generale gegen 563 im I. 1899, 531 im I 1898 und 508 im I 1897. Die Zunahme der pensionleiten Generale betrug also nur 12 gegen 32 tm voraufgeoangenen Jahre. Pensionierte Regimentskommandeure sind vorhanden 588 (tm I. 1899 574, im I 1898 530), pensionierte Bataill nskommandeure 1725 (1665 und 1596), Hauptleute und Rt tmeister 1. Klasse 1614 (1554 und 1508), Hauptleute rc. 2. Klasse 699 (689 und 674), Oberleutnants 930 (923 und 890) und Leutnants 719 (681 und 658). Die Zahl der Pensionäre ist also verhältnismäßig am meisten grsttegen bei den Bataillonskommandeuren, Hauptleuten 1 Kl. und Leutnants. Pensionierte Santlätsoifiziere sinv in Preußen vorhanden 450 gegen 437 und 432 in den beiden Bm jähren. Personen dcS Soldaten- standeS, die Jnvalidenpensionen oder PenfionSzulagen beziehen, find vorhanden 81 685 (t. I. 1890 77 986) aus der preußischen Armee, 5753 (5043) aus der sächsischen und 4147 (3953) aus der württem- bergtschen Armee. In der Marine beziehen 720 (1899 654, 1898 593) Offiziere, Aerzte und Deckoffiztere Pensionen, sodaß hier also eine Steigerung um 65 oder 10, t v. H. (1899 10,3 o H.) stattgefunden hat. Unter den pensionierten Seeoffizieren befinden sich 24 Admirale und 43Kop tänS zur See. Die Zahl der Mannschaften der Marine, die Jnvalidenpensionen beziehen, ist von 3507 auf 3833 gestiegen.__________________ Aus Stadl und Zand. Gießen, 28. November. ** Auszeichnungen. Den nachbenannten Offizieren wurde die Erlaubnis zur Anlegung ihnen verliehener hessischer Ordensauszeichnungen erteilt, und zwar des Großkreuzes des Ludewigs-Ordens dem General-Adjutanten, General der Infanterie v. Lind eq ui st, kommandierendem General des 18. Armee-Korps, des Ehrev- kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberstleutnant Scholtz, Ches des Generalstabs des 18. Armee-Korps. -ch. Lollar, 27. November. Auf Veranlassung deS hiesigen OrtSgewerbevereins stehen uns für diesen Winter zwei intereffante Vorträge in Aussicht. Am 1. Dezember wird Reallehrer Kahl-Darmstadt über die Themata sprechen: „Welche Anforderungen stellt die Gegenwart an die jetzige Ausbildung der Handwerker?- und „Der Befähigungsnachweis.- Rentamtmann Schäfer- Gießen referiert über „Das Handwerk in kleinen Land- Güterzug Nr. 3387 und den folgenden Güterzug Nr. 8994 passieren ließ, bevor ersterer seitens der Blockstation Altenbochum zurückgemeldet war. Abgesehen von Verspätungen, die mehrere Züge durch Umleitung über Riemke-Bochum (Nord) erhielten, sind Betriebsstörungen in größerem Umfange nicht vorgekommen. * Eine Ehelotterie. Ein griechischer Philantrop, der vor einiger Zeit in Korfu gestorben ist, hat eine beträchtliche Summe für eine Stiftung ganz neuer Art hinterlassen. Es handelt sich um eine Lotterie, deren Nummern arme junge Mädchen darstellen, die sich eines tadellosen Rufes erfreuen; eine gewisse Anzahl von ihnen, deren Nummern gezogen werden, erhalten eine Mitgift, die sie zur Anschaffung ihrer Aussteuer verwenden können. In jedem Jahre läßt das zu diesem Zweck ernannte Komitee, an besten Spitze der Erzbischof der Insel steht, in den Zeitungen ankündigen, wie viel Plätze frei sind und wie viel Kandidatinnen also untergebracht werden können. Darauf stellen sich die Bewerberinnen vor, es werden genaue Erkundigungen über sie eingezogen, und wenn das Ergebnis günstig ist, erhalten sie ihre Nummern. Universität und Hochschule. — Zum Ersatz für Professor Austust Wilhelm Freund, der sich vom Lehramte zurückgezogen hat, ist Profeffor Hermann Fehling in Dalle zum ordentlichen Profeffor der Frauenheilkunde und Direktor der Univerfitätsfrauenkltnik in Straßburg berufen worden. — Aus Stuttgart wird geschrieben: Profeffor ReSelmann, der hervorragende Architekt und Erbauer des Landesgewerbemuseums, hat infolge von geistiger Ueberanstrengung seine Lehrthätizkeit am hiesigen Polytechnikum vorläufig suspendieren und sich in ärztliche Behandlung begeben müffen. — Der o. Profeffor an der Universität Dorpat Dr. Adolf K n e s e r ist zum etatsmäßigen Pro» feffor an der Berg-Akademie zu Berlin ernannt mordest. — In der mu 8. d. stattgehabten Sitzung der mathematisch-naturwiffenschaftlichen Klaffe der Akademie der Wissenschaften in Wien überreichte Profeffor Dr. Ritter v. Wettstein eine im botanischen Museum ausgeführte Arbeit der Hörerin der Wiener philosophischen Fakultät Fräulein Emma Ott: „Untersuchungen über den Chromatophorenbau der Süß- waffer-Diatomaceen und deffen Beziehungen zur Systematik". Es ist dies die erste der Akademie überreichte Forschungsarbeit einer Studentin. — Die Universität Tomsk, die jüngste der russischen Hochschulen, beging kürzlich chr Stiftungsfest. Aus dem vom Rektor erstatteten Jahresbericht geht u. A. hervor, daß die Zahl der Studenten am 1. Januar 1896 431 betrug, am 1. Januar 1897 458, am 1. Januar 1898 382, am 1. Januar 1899 470, am 1. Januar 1900 395 und gegenwärtig 552. Kunst Md Wissenschaft. — Aus München wird berichtet: Der Prinz-Regent hat Fräulein Irene Triesch-Frankfurt, die in einer Jmmediat-Eingabe um Lösung ihres Kontraktes mit dem Münchener Hoftheater gebeten hatte, mitteUen lassen, er finde sich nach Anhörung der Intendanz zu einer Lösung der von der Künstlerin eingegangenen Verpflichtungen nicht veranlaßt. Auch die Befürwortung des Gesuches durch Prinzessin Therese war ersolglos. Der Wunsch des Fräulein Triesch wird nur zu erreichen sein, wenn sie die Konventionalstrafe (20000 Mk.) zahlt. — Björnstjerne Björnson wohnte am Sonntagabend im „Berliner Theater" einer Aufführung seines Dramas „Ueber unsere Kraft" bei. Im ausverkauften Hause hatte man den Dichter «ährend der Pause erkannt und bereitete ihm eine spontane Huldigung, wie sie noch selten oder nie einem fremdländischen Autor in Berlin beschieden war. Auch nach dem Schluß setzten sich die Ovationen fort und Björnson mußte mehrmals auf der Bühne erscheinen. Wechnachts-Lttteratur. Recht erfreulich ist es, dass mau in letzter Zeit bestrebt ist, immer mehr die weitesten Schichten für das frisch nud kräftig erblühte Kunstgewerbe zu interessieren und man würde auch schon viel mehr ausübende Dilettanten finden, wenn eine Zeitschrift vorhanden gewesen wäre, die jenen die richtige Anleitung gegeben hätte. Die bisher erschienenen Zeitschriften sind mehr oder weniger eigentlich nur für Künstler und Fachgelehrte bestimmt. Diesen für Dilettanten fühlbaren Mangel hat nun die Malerin Frau C. v. Sivers, gestützt auf reiche langjährige Erfahrung, abgeholfen durch die Herausgabe der illustrierten Monats-Zeitschrift für Dilettanten „Kunst-Gewerbe fürs Haus", Verlag von W. Schultz-Enge l- Hard, Berlin W. Preis per Quartal 4.50 Mi. Das außerordentlich reich ausgestattete Heft 2 mit zwei großen Musterbogen und einer farbigen Brandmal-Vorlage behandelt: „Strömungen in Knnsr und Handtverk" und Plaudereien über Kunstgewerbliches der Pariser Welt- Ausstellung. Unsere Aufmerksamkeit fesselt zunächst eine allerliebste Weihnachts-Uhr für Kinder, die aber ebenso den Großen viel Freude bereiten wird. Ferner finden wir Anleitung für Holz- und Tiefbrand, — welch letzteres heute das regste Interesse findet, — für Zinntreiben, Vorlagen für Mappen, Blocks, Thürbehänge, Pompadours, Tischdecken und einen originell verzierten Arbeitskasten. Als Letztes möchten wir noch erwähnen ein aravent für ein Ruhebett, dessen Dekorierung (ein Fries Mit einer lieblichen Engelschar und große Flächen mit i ichtem Mohn — der Blume des Schlafes) ebenso ruhig luie harmonisch wirkt. Den Liebhabern der Amateur- Photographie bringt auch Heft 2 mancherlei Anregung gerade zum Weihnachtsfest. Gerichtssaai. Leipzig, 27. Mvember. Bor mehreren Jahren wurde die Tochter des hiesigen Schuldirektors Eichhorn zu einer empfindlichen Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie, ohne Auftrag zu haben, mit gefälschten Listen für die Innere Mission gesammelt und das Geld für sich verwendet hotte. Die Sache erregte um so größeres Aufsehen, als sich der hochgeachtete Vater des Mädchens unmittelbar nach dessen Inhaftnahme entleibte. Jetzt hat der Gatte der Eichhorn, Rechtsanwalt Morgen, früher in Zeitz, der sich nach Verbüßung ihrer Strafe mit ihr verheiratete, die Wiederaufnahme des Verfahrens durchgesetzt, mit dem Erfolg, daß das Gericht auf nachträgliche Freisprechung erkannte, weil als erwiesen angenommen werden mußte, daß die That in unzurechnungsfähigem Geisteszustände begangen worden war. Tmgesau-t. .Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehende, AM übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Gießen, 26. November lioo Rach der in diesem Blatte veröffentlichen vorläufigen Mittet^ der Spar- und Leihkasse Gießen beabsichtigt diese, mit der t Höhung des Zinsfußes für Einlagen eine Erhöhung des Zinsf^ für Darlehen eintreten zu laffen. Wenn letztere auch nur die fc. sequenz der ersteren ist, so glaubt der Einsender doch, daß in Bezug -, Verzinsung der Darlehen ein Unterschied zwischen großen^ kleinen Kapitalien gemacht werden kann. Die Sparkasse verführ, den letzten Jahren, als ihr mehr Einlagen zufloffen, als sie durch leihen wieder verwenden konnte, mit den Einlagen ebenso, indem si- n die Einlagen der Dienstboten mit 4 pCt., sonstige Einlage bis zur £ von 1000 Mk. mit 3«/, pCt., höhere Einlagen nur mit 3 pCt. oetß sie trug gewissermaßen dem Vermögen der Anleger Rechnung. Die wirst alljährlich größere Summen für Wohlhätigkeitszwecke oui a kommt damit kapitalschwachen Personen und Vereinen in anerkenn wertester Weise entgegen, ja die Kaffe wird im Allgemeinen felifl t eine Wohlthätigkeits- bezw. gemeinnützige Anstalt bezeichnet, fiönntit' Kaffe nun nicht auch in der Festsetzung des Zinsfußes für dir von, gewährten Darlehen einen Unterschied zwischen kleinen unb großen ftopt&y machen? Eine Grenze läßt sich leicht sestsetzen. Die Folge bti t Höhung des Zinsfußes für Darlehen wird eine Steigerung der Wohiwy miete sein; dieselbe wird aber am schwersten empfunden von den kleinerer und mittlerer Wohnungen. Es wird keinem Hauptbeßz?-, 10000 Mk. Sparkaffengeldern auf seinem Hause stehen hat, niifa das Mehr an jährlich 50 Mk. — i/spCt. Zinserhöhung allein zur^ er wird „aufrunden" und jedem seiner Mieter monatlich 2—3 M.^ abfordern. Hier könnte sich die Sparkaffe die Stadtverwaltung Vorbild nehmen; diese begünstigt bekanntlich in Bezug auf den W, zins auch kleinere und mittelgroße Wohnhäuser (bis zu 3-ZKrv Wohnungen). Sollte es der Sparkasse nicht möglich sein, ihre.kleine Schuldner, also die Besitzer von Häusern bis zu 2ü000 Mk. Taxnr. entsprechend einer ersthypothekartschen Belastung bis zu 10000 JH, - einer Zinserhöhung zu verschonen? —1— Kirchliche Nachrichten. Evangelische verneinde. Donnerstag den 29. November, abends 8 Uhr: vibelchm im Konfirmandensaal (Kirchstraße 9). Ev. Joh. 14, 25 ff. Pfarrer Dr. Grein. Familien Nachrichten. Verlobter Bertha Weil mit Leopold Sulzberger. Büdims- Bruchsal. — Benigina von Hartmann Knoch mit Paul von Hom^ql zu Vach, Leutnant und Adjutant im Großh. Hess. (Leib-Garde-) ftp ment 115. Elstra i. Sachsen. Seiden-Blusen» « und höher — 4 Meter! — porto« und zollftn zugesandtl Muste umgehend; ebenso von schwarzer, weißerund farbiger „Henneberg-Seidi' von 85 Pfg. bis 18.65 p. Meter. . G. Henneberg, Seiden-Fahnlant(k. u. k. Hofl.) Zürich. Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Kinder und Erben des Kommerzienrat Georg Karl Gail und aus der Stiftung eines Unge- nannten sind für da» Jahr 1901 an drei bedürftige, dahier wohnende Familien oder alleinstehende Personen Unterstützungen von je 300 Mark zu vergeben. Bewerbungen haben bi» zum 15. Dezember 1900 auf dem Armen« autt, Zimmer Nr. 2, zu geschehen. Gießen, den 26. November 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. _2___________________I. V.: Wolff.____________________7709 Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Ludwig Theodor Felfiug Eheleute zu Gießen find die diesjährigen Zinsen, und zwar: 171,43 Mk. an zehn in Gießen geborene, würdige Arme und j £ 34,29 Mk. an fünf würdige Witwen zu gleichen Teilen zu vergeben. Anmeldungen hierzu haben bis zum 10. k. Mts. auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde — Zimmer Nr. 3 — zu erfolgen. Gießen, den 26. November 1900. 7710 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ___________I. V.: Wolff.________________________ Verein der Detaillisten zu Kiesten. Eingetr. Verein. General-Versammlung Konaerstag btn 29. November er., abends 8>/2 Wr, im Hotel Einhorn. Uages-^dnuu-: 1. Berichterstattung über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Rechnung-ablage. 3. Vorstandswahl. 4. Handelskammerwahl. 7688_____Der Vorstand. Cigarren Retter V___________________Lindenplatz, Ecke Walllhorstr. Lignitkohlen! Veste und billigste Kohlen für Kausbraud, Kestelyeizung und Bäckereien liefern waggonweise ab Bahnstation Westerburg 7469 Gildemeister St Kamp,, Kohlengrsßhandknng, Eoblenz. Vergebung von Ztraßenbanarbkiten. Die bei dem Umbau der Kreisstraße Große« - Linden —Leihgestern und der Verlegung der Ortsdurchfahrt Großen - Linden vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden. Die Angebote sind Dienstag den 4. Dezember l. Js., vormittags 9 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Pläne, Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, abzugeben. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erdarbeiten 3000,— Jt. Chaussierungsarbeiten 12700,— „ Pflasterarbetten 950,— „ Lieferung von Cement- röhren 287,36 „ Gießen, am 26 November 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor. ___________Stahl. 7720 Fleischlieferung. Am 1. Dezember 1900, vormittags 10 Uhr, wird im diesseitigen Geschäftszimmer, Kaserne I, der Bedarf an Fleisch und Wurstwaren für die Garnison Gießen auf die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1901 verdungen. Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer auf, dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Fleisch und Wurstwaren" versehen abzugeben. 7657 Garnison-Berwaltung. Teppiche, Vorhänge, Portieren, Gobelins, Tischdecken, Linoleum (Reste sehr billig), Ziegen- und Angorafeüe, 7506 Bettkolter, «te-pdesen. Th. Brück, Schlotzgaffe. Brandplatz. |-laarmann 5 76 Vanillin Ist absolut frei von den "WM Koch- und Baokrecepte, verfasst von Lina Morgenstern, gratis. Zum Backen und Kochen mit Zucker fein verrieben, in den seit 26 Jahren bekannten Päckchen zum Hausgebrauch. 1 Päckchen 20 Pfg. 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