Sonntag den29. Juli Zweites Blatt Nr. 175 i9oe Gießener Anzeiger General-Anzeiger totarisf m. Kälter Dr H. Mltunbt“ »HC 4*etl beigelegt. äBrpiflsprel» Virrlrljährl. Dtf. 35 monatlich 75 P'g. mit Bringrrloynr durch die Adholrürll«» vterteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pjg. Bei Postbeptft Mk. 2,40 virrteltährt, mit Bestellgeld. Alle An-eigen-vermittlungSflellen bd In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pf-. Ugrtd) nu LuFnahmr deS M»n4«Hs Lee ««tzener »Ä*Uit*eUI(rr *trfcw de* Anzeiger An»atz*« wee Anzeigen zu der naetzmittag» für bw lilyriw MW «lfcheinrnden Rümmer bis »arm. 10 Atzr. «sißilnngen fpätcstenr tWM »artzer. Aints» und Anzeigeblatt für den 'Kreis Giefzen. RMM* «WadNtan und Druse*»: Nr. 7. I I«. _ .JJ J I—»-LLLL—I- .'IN. ILI ■ I. l.J ■ -ÄB-XJ !—z: GrattsbeULgr«: Gießener Famitienblälter, Der hePsthe Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger chteß«« Fernsprecher Nr. 51. Die Wirren in China. Wir konnten in unserer gestrigen Nummer noch eine spät eingegangene Depesche veröffentlichen, der zufolge nach amtlicher Meldung ein Reitknecht deS Freiherrn von Ketteler Mitteilungen von dem Befinden der Fremden in Peking macht. Heute liegen noch weitere Nachrichten vor, die es fast als gewiß erscheinen lassen, daß die Fremden in Peking am 6. Juli noch lebten und die der Hoff- uanz Raum geben, daß sich die Gesandtschaften auch am 15. Juli noch verteidigten. Zunächst veröffentlicht eine Extra-Ausgabe der „Daily Mail" einen Bries von Sir Claude Macdonald, datiert Peking, 6. Juli, der lautet: „Die Behörden stehen uns nicht bei. Drei Legationen stehen noch, darunter die englische. Wir halten auch einen Teil der Stadtmauer. Die Chinesen bombardieren uns mit einem dreizölligen und mehreren kleineren Geschützen. Wir können jeden Augenblick vernichtet werden. Proviant und Munition mangeln. Wir wären längst zu Grunde gegangen, wenn die Chinesen nicht Feiglinge wären, und wenn sie einen systematischen Angriffsplan hätten. Wenn wir nicht sehr bedrängt werden, mögen wir noch 14 Tage aushalten können, sonst höchstens 4 Tage. Bisher halten wir 40 Tote und 80 Verwundete." Der belgische Konsul in Tientsin berichtet vom 25. Juli: Der englische Gesandte habe ihm geschrieben, daß er vom 4. Juli ab darauf beschränkt gewesen sei, von Pferdefleisch zu leben, daß er jedoch noch einige Tage aushalten könne. — Der chinesische Gesandte in Paris erklärte in einem Interview mit einem Redakteur des „Släcle", seiner Ansicht nach seien die Fremden noch immer wohlbehalten, und er sei überzeugt, daß die Antwort des französischen Gesandten innerhalb 4 bis 5 Tagen eintreffen werde. Die chinesische Regierung sei keineswegs mit den Rebellen solidarisch. — Aus Tokio wird gemeldet, dort eingetroffene Pekinger Meldungen vom 19. ds. besagen, der Kaiser von China habe die Versorgung der Gesandten mit Lebensmitteln, sowie deren Eskortierung nachTientsin angeordnet. Die Kämpfe inPeking haben aufgehört. AuS diesen Meldungen geht nun zwar keineswegs hervor, daß die Vertreter der anderen Mächte jetzt noch am Leben sind, aber ist es doch nicht ganz ausgeschlossen, daß China die Gesandten thatsächlich als Geiseln zurückhält. Während man bisher in Berliner maßgebenden Kreisen sicher an die Ermordung sämtlicher fremder Legationsvertreter glaubte, ist mau jetzt geneigt, diese erwähnte Thatsache als einen neuen Hoffnungsschimmer aus- zusassen. Man darf doch vielleicht noch hoffen, daß wenigstens ein Teil der Europäer in Peking noch lebt. Dadurch ist aber auch gleichzeitig die Möglichkeit nähergerückt, weitere zuverlässige Nachrichten über die Vorgänge in Peking zu erhalten. — Nach den „Berl. N. N." entspricht übrigens die französische Mitteilung, wonach die schwebenden Ver- Handlungen zwischen den Mächten die Annahme zur Grundlage hätten, daß die Gesandten noch am Leben seien und von der chinesischen Negierung als Geiseln zurückgehallen werden, nicht den Thatsachen. * « * AuS London werden über die Lage in Tientsin ganz widersprechende Nachrichten gemeldet: „Daily Mail" zufolge richteten die Russen in Tientsin unter Frauen und Kindern ein entsetzliches Blutbad an und bajonettierten alle Chinesen ohne Unterschied deS Geschlechts; nach dem „Daily Chronicle" waren die Straßen deS Chinesenviertels nach der Erstürmung von Leichen bedeckt, aber kaum ein Leichnam einer Frau oder eines KindeS sand sich, weil alle vorher in Sicherheit gebracht waren. — Ein weiteres Telegramm besagt, daß die Gährung im Süden Chinas immer weiter um sich greift, obwohltäglich Flußpiraten und Boxer, die Munition verteilen, festgenommen und enthauptet werden. In Kirganfu sollen- 60 protestantische und katholische Missionare ermordet worden sein. — „Daily Expreß" meldet aus Shanghai, der Handel sei so vollständig lahm gelegt, daß die Zolleingänge nicht genügten, die nächste Zinszahlung auf die auswärtigen Anleihen zu leisten. — In Fuchau ist die Lazaristenmission zerstört worden. Ferner wurden nach französischen Meldungen zwei Christengemeinden in Setchuan, sowie die Lazaristenanstalt in Laotschensu in der Provinz Kuangsi in Brand gesteckt. — Chinesische Streitkräfte befinden sich bei Aetsang, wo große Quantitäten Reis lagern. — Ein Privatbries aus Kanton berichtet, daß die als „DreisaltigkeitS- buud" bekannte Geheimgesellschast einen Angriss auf den Stadtteil der Fremden Schamin plane, und daß das Gefühl der Unruhe in Kanton zunehme. * * Der Chef des deutschen Kreuzergeschwaders meldet unter dem 23. d. MtS. einen Auszug aus dem Kriegs- Tagebuch des Kapitäns z. S. von Usedom von der Expedition des Admirals Seymour. Das Wesentliche aus diesem Auszug ist bereits bekannt. * * * D i e Antwort des Grafen Bülow auf die chinesische Verbalnote ist den „Berl. N. N." zufolge von der Gesandtschaft ohne Kommentar dem Vizekönig von Nanking zur weiteren Beförderung an den Staatsrat in Peking übermittelt worden. — Das Verhalten Amerikas in der ostasiatischen Frage wird in Berliner Regierungs- kreisen viel milder und ruhiger ausgefaßt, als man vielfach annimmt. Man glaubt nicht an die Isolierung der Vereinigten Staaten, ist vielmehr überzeugt, daß auch Amerika im Prinzip mit den Ansichten der anderen beteiligten Mächte vollkommen übereinstimmt. Wenn die Vereinigten Staaten in diesem Augenblick vielleicht auch einen anderen Weg, als den von den Mächten in'S Auge gefaßten, für richtiger halten, so dürsten sie sich doch sehr bald überzeugen, daß die sich aus einer Einzelstellung ergebenden Konsequenzen nicht zu unterschätzen sind. Die Einschiffung der deutschen Truppen und eine Rede des Kaisers. Die Ansprache, die der Kaiser an die heute abgegangenen Truppen unmittelbar vor der Abfahrt gehalten yat, lautet: ,Große überseeische Aufgaben sind es, die dem neu entstandenen Deutschen Reich zugefallen sind, Aufgaben, weit größer, als viele meiner Landsleute es erwartet haben. Das Deutsche Reich hat feinem Charakter nach die Verpflichtung, seinen Bürgern, sofern diese im Ausland bedrängt werden, beizustehen. Die Ausgaben, welche das alte römische Reich deutscher Nation nicht hat lösen können, ist das neue deutsche Reich in der Lage zu lösen. Das Mittel, das ihm das ermöglicht, ist unser Heer. In dreißigjähriger treuer Friedensarbeit ist es herangebildet worden nach den Grundsätzen meines verewigten Großvaters. Auch ihr habt eure Ausbildung nach diesen Grundsätzen erhalten und sollt nun vor dem Feinde die Probe ablegen, ob sie sich bei euch bewährt haben. Bewählt die alte preußische Tüchtigkeit! Zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden! Möge Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen. Gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel! Ihr wißt es wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht!" Die Truppen sollen nunmehr vor dem Feind die Probe ablegen, ob die Richtung, m der sich Deutschland in militärischer Beziehung bewege, die rechte sei. Die Kameraden von der Marine zeigten bereits, daß die Ausbildung und die Grundsätze, nach denen die militärischen Streitkräfte Deutschlands ausgebildet werden, die richtigen seien. An den Truppen sei es, es ihnen gleich zu thun. Der Kaiser erwähnte dann, daß es alle mit Stolz erfüllt habe, daß gerade aus dem Munde auswärtiger Führer das höchste Lob den deutschen Streitern zuerkannt würde, und wies ans die Größe der zu lösenden Aufgabe hin. Daß ein Volk, wie die Chinesen es gethan haben, tausendjährige alte Völkerrechte umgeworfen und der Heiligkeit des Gesandten und des Gastrechts in so abscheulicher Weise Hohn gesprochen worden, sei in der Weltgeschichte noch nicht vorgekommen. Der Kaiser wies dann darauf hin, daß jede Kultur, die nicht auf dem Christentum aufgebaut fei, zu Grunde gehen müsse Er fuhr ungefähr fort: „Ich sende euch hinaus, da ihr die alte deutsche Tüchtigkeit, Hingebung, Tapferkeit, das freudige Ertragen jedweden Ungemachs, bte Ehre und den Ruhm unserer Waffen und Fahnen bewahren sollt. Ihr sollt ein Beispiel von Manneszucht, Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung geben und fechten gegen einen gutbewaffneten und gutausgerüsteten Feind. Aber ihr sollt auch rächen nicht nur den Tod des Gesandten, sondern den vieler Deutschen und Europäer. Rach tausend Jahren möge der Name Deutschlands in China in solcher Weise belhätigt werden, daß niemals roieber China es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen" Der Kaiser erwähnte dann, daß mit der Uebermacht zu kämpfen sei, und das seien bte deutschen Truppen, wie die deutsche Kriegsgeschichte dies beweise, gewöhnt. Der Kaiser schloß etwa folgendermaßen: „Der Segen des Herrn sei Mit euch. Die Gebete des ganzen Volkes begleiten euch auf allen euren Wegen. Meine besten Wünsche für euch, für das Glück eurer Waffen werden euch folgen. Gebt, wo es auch sei, Beweise eures Mutes. Möge sich der Segen Gottes an eure Fahnen heften und er euch geben, daß das Christentum in jenem Lande Eingang finde. Dafür steht ihr mir mit eurem Fahneneid ein. Glückliche Reise! Adieu Kameraden!" Ueber die Einschiffung des deutschen Expe- ditionskorpS meldet man aus Bremerhaven. Der Kaiser besichtigte schon von 7 Uhr morgens ab die auslaufenden Transportdampfer, noch ehe die Einschiffung begonnen harte. Zunächst besuchte er mit dem Prinzen Heinrich den Dampfer Batavia, der die Mehrzahl, über 2200 Mann aufnehmen soll. Später wurden die Schiffe Dresden und Halle besichtigt. Nach Beendigung des Rundganges durch die Schiffe begab sich der Kaiser aus die Hohenzollern I zurück, während die Kaiserin mit den Prinzen an Land Der Krieg in Südafrika. Drr Vormarsch Lord Stöberte’ -uf Middel. bürg gestaltete sich nach dem nunmehr aus englischen Zei- kam, um ihrerseits die Dampfer zu sehen. Hierauf begann die Einschiffung der Truppen, die in einer Anzahl von Militärzügen eingetroffen waren. • • ♦ Telegramme deS Oteheaer Anzeigers. London-, 28. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet: Den verbündeten Truppen fehlt es vollständig an N a ch richten über die Bewegungen des Feindes. Dieser Mangel an Informationen machte sich besonders in den letzten Tagen fühlbar und verhinderte jede Bewegung der verbündeten Truppen. London, 28. Juli. Der hiesige chinesische Gesandte teilte mit, ein kaiserlichesDekret vom 24. dS. besage, daß alle fremden Vertreter in Peking außer Ketteler wohlbehalten seien. Lebensmittel verschiedener Art würden iii die Gesandtschaften geliefert, um die Gefälligkeit der chinesischen Behörden darzuthun. — Ein Telegramm aus Shanghai berichtet, daß trotz der wiederholten Versicherungen Li-Hung-Tschangs, die fremden Gesandten seien in Sicherheit, doch die Ueberzeugung zunehme, daß alle chinesischen Würdenträger IhatsäMich ebensowenig über den Stand der Dingo in Peking unterrichtet seien, wie die Europäer. — Das indische Truppen-Kontingent ist in Tientsin angekommen. Auch japanische Verstärk ungen sind gelandet. Die Situation in der Man d schurei wird als äußerst gefährlich geschildert. Die russische Agentur in Hankau berichtet, dort sei die Erregung im Wachsen. Unter den Europäern herrsche eine große London, 28. Juli. „Daily Mail" meldet: Der chi- nesische Botschafter in London hat nach Peking telegraphiert, Lord Salisbury werde die Botschaft der Kaiserin beantworten, sobald er eine Antwort des britischen Botschafters in Peking, Sir Mac- donald, erhalten habe. London, 28. Juli. „Daily Expreß" meldet aus Shanghai: Infolge einer Spaltung zwischen den Boxern fand ein heftiger Kamps unter denselben statt, tuobei Prinz Tuan getötet worden sein soll. — Li- Hung-Tschang erklärte, sämtlich^ Botschafter seien von Peking nach Tientsin unterwegs und sie würden von kaiserlichen Truppen begleitet, die von Samvanlin beseh- ligt sein würden. Brüssel, 28. Juli. „Petit bleu" will aus guter Quelle erfahren haben, daß die belgische Regierung beschlossen hat, die A u s f u h r v o n W a f f e n und Munition! nach, China vorläufig zu untersagen. Brüssel, 28. Juli. Ein neues Telegramm des belgischen Bice-Konsnls in Tientsin vom 27. ds. berichtet, daß ca. 1OOOO chinesische Soldaten sich in C e i t s a n g, 14 Kilometer von Tientsin entfernt, verschanzt hätten. Brüssel, 28. Juli. Der Lloyddampser „Straßburg" soll gestimmt sein, die belgischen Truppen nach China zu bringen, und wird zu diesem Zwecke eingerichtet werden. Der Dampfer Straßburg ist ein vollständig neues Schiff- Das belgische Expeditionskorps wird eine von der Roten Kreuz-Gesellschpft eiiigerichtete Ambulanz mit sich führen. "... . Paris, 28. Juli. Die Zeichnungen zur Bildung der chinesischen Ambulanz haben bereits die Summe von 150000 Frcs. erreicht. , Rom, 28. Juli. Der K a i s e r v o n C h i n a hat auch den K ö n i g v o n I t a l i e n und den P a p st um die Berni i t t e l u n g ersucht, jedoch ebenfalls die Antwort er» halten, solange die Gesandten in Peking nicht befreit seien, könne von einer Vermittelung keine Rede sein. - Herzog Sermoneta erhielt von Lihung-Tschang telegraphisch die Meldung, daß sein Sohn, der Adjutant bet der italienischen Botschaft in Peking, sich noch am Leben befindet. _ . ,, Fiume, 28. Juli. Mitte August werden hier lOOOO Mann deutscher Truppen nach China ein- geschjfft, weil durch die Einschiffung von hier der Weg nacl)! China bedeutend abgekürzt wird. Petersburg, 28. Juli. Der hiesige chinesische Gesandte berichtete seiner Regierung, daß der Aufruhr in der Mandschurei eine für China bedrohliche Wendung angenonimen habe und daß schleunigst energische Maßregeln zur Unterdrückung des Aufstandes zu ergreifen feien, um die Ruhe wiederherzustellen, da China andernfalls schwere Nachteile zu gewärtigen habe. — Der Kommandeur der Kosaken-Regimenter meldet aus Kuldscha, das Verhältnis mit den Chinesen sei im allgemeinen leidlich, aber sie tauschten im Geheimen Waffen aus untz haben den Kirkisen die Aufforderung zugeschickt, sich am Flusse Jli zu versammeln. jungen zu ersehenden Wortlaut seines Berichtes vom 24. folgendermaßen: Der allgemeine Vormarsch begann am 23. von der Stellung aus, die seit dem 12. östlich von Pretoria gehalten wurde. Jan Hamilton, der den nördlichen (linken) Flügel sührte, hatte Rustfontein, ungefähr 11 Kilometer nördlich der Eisenbahnstation Bronkhorstspruit, schon am 22. erreicht, durch seine Operation beherrschte er die Rückzugslinie der Buren so vollständig, daß diese ihre starke Stellung in der Front, gegenüber Pole-Carews Division ausgaben. Infolgedessen gelangte Stephensons Brigade von der genannten Division am 24. ohne Widerstand bis zur Station Elands River etwa 50 Kilometer östlich von Pretoria. Der südliche (rechte) Flügel wurde durch die 1. und 4. Kavalleriebrigade unter French und Huttons berittener Infanterie gedeckt. French erreichte am Nachmittage des 24. das östliche User des Wilge River, 10 Kilometer südlich von Balmoral. — Dort traf er 2000 Buren, die jedoch bei seinem Herannahen flohen. Die Buren sagen, so heißt es in einer Meldung aus Balmoral (90 Kilometer östlich von Pretoria), ihr Feldzugsplan sei, den Kleinkrieg bis zur Präsidentenwahl in Amerika sortzusetzen, da ihnen Intervention versprochen sei, salls die Demokraten siegen. Von De Wet meldete Roberts am 24., da er seinen Marsch in nordöstlicher Richtung fortgesetzt habe und am 22. in Vredesort war, das bekanntlich nur wenige Kilometer vom Vaal entfernt liegt. Broadwood hat die Verfolgung nicht eingestellt, wie es anfangs hieß, sondern ist dicht hinter ihm, und General Little folgt ihm mit der dritten Kavalleriebrigade. Es scheint demnach, als wenn sich De Wet entschlossen hat, den Oranje-Freistaat zu verlassen und sich zu den TranSvaalern hindurchzuschlagen. Im nordöstlichen Freistaate wird bei Bethlehem trotz De Wets Abzug heftig weiter gekämpft. Hunters Division hat sich dort am 23. bei den der Stadt südlich vorgelagerten Bergen blutige Köpfe geholt. Nach einem den ganzen Tag andauernden Gefechte wurde ein Sturm aus die Stellung der Buren mit einem Verlust von 50 Mann abgeschlagen. Wie es scheint, gelang es Hunter am 24. ds. durch Umgehung, den Feind aus seiner Stellung in dem Bergpasse heraus zu operieren, jedenfalls räumte dieser sie «ach Roberts Meldung am 25. Im südwestlichen Transvaal haben die Kämpfe nach der Vereinigung Methuens mit Baden-Powell in Rustenburg keineswegs ihr Ende erreicht. Am Magato-Paß westlich von Rustenburg hat eine englische Abteilung von 400 Mann einen harten Strauß mit 1000 Buren zu bestehen gehabt und diese nach Baden-Powells Meldung unter großen Verlusten zersprengt. Man sieht also, daß die Entsetzung Rustenburgs durch Methuen noch immer nicht vollständig gewesen ist. General Rund le rückte gegen die Buren vor und nahm Loumandank ein. Die Buren, heißt es, ziehen sich auf Fouriesberg zurück. Die Engländer folgen, um ihn zu umzingeln. Unter den englischen Trappen herrscht viel Fieber. Mehrere Todesfälle sind vorgekommen. Eine Regierungsvorlage betreffend die Verurteilung der Ausrührer durch besondere Gerichtshöfe wurde dem Kapparlament vorgelegt. In der Abstimmung bezüglich des Kriegsrechtes stimmten 45 für die Regierungsvorlage, 41 dagegen. Der frühere Premierminister Schreiner, der frühere Attorney General Salomon und drei andere holländische Mitglieder des Parlaments stimmten mit der Mehrheit. Aus MM und Kaud. Gießen, 28. Juli 1900. • * Militärisches. Pavel, Major und Bats. Kommandeur im Inf. Regt. Vogel von Falckenstein (7. Westsäl.) Nr. 56, unter Beförderung zum Oberstlt., zum Stabe des Ins. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 versetzt; Zimmer, Major z. D., unter Enthebung von der Stellung als Kommandeur des Landw. Bezirks Hagenau, Verleihung des Charakters als Oberstlt. und Erteilung der Aussicht auf Anstellung im Civildienst, mit Pension und der Uniform des Ins. Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Arndt, Lt. im Ins. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, der Abschied bewilligt; die Vicewachtmeister Hein im Landw. Bezirk Wiesbaden und Ho sm eher im Landw. Bezirk Gießen zum Lt. der Res. des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 25 befördert; Koch, Oberlt. der Inf. 2. Aufgebots des Landw. Bezirks Gießen, der Abschied bewilligt. * • Sammlung für China. Die von der Vereinigung der Gießener Militärvereine veranstaltete Sammlung zum besten der aus unserem Regiment Kaiser Wilhelm zum ostasiatischen Expeditionskorps übergetretenen Unteroffiziere und Mannschaften hat bislang die stattliche Summe von rund 1800 Mark ergeben. . ’J5 ** Landwirtschaftlicher Lokal-Verein Greßen. Am 27. Juli fand eine außerordentliche Sitzung des landw. Lokalvereins Gießen f^rtt, um über die Frage zu beraten, wie die Landwirte rhr Grundvermögen zur Vermögenssteuer einzuschätzen ^eJcrcnt öur Frage bedauerte zunächst, daß dr-e Mitglieder des Vereins und eingeladene Gäste nicht noch zahlreicher erschienen seien, um die Frage im einheitlichen Sinne zu lösen. Selbst dringende Erntearbeiten sollten die Landwirte nicht abhalten dürfen, zu der Sitzung zu kommen. Sei auch die in Aussicht stehende Vermögens- fteutr mcht hoch, so würde doch, eine fehlerhaste d. h. zu hohe Einschätzung später zu unangenehmen Konsequenzen Mhren. — Wie ist der Boden wert in den verschiedenen Gemarkungen zu ermitteln? Daß oie kleinsten und kleinen Landwirte vor eine solche Frage gestellt werden, die auch den besonders intelligenten kleineren und größeren Landwirten große Schwierigkeiten rnacht, hält der Referent für unbillig. Der Referent glaubt, daß bet der Unklarheit, die bei Mchtlandwirten,.ich will micht ganz ausdrücklich sagen, auch, bei den Steuerbehörden über die landwirtschaftlichen Verhältnisse herrscht, es selbst den bestunterrichteten Behörden sehr schwer fallen würde, zu sagen, das Besitztum von fünf Hektar Größe in der und der Gemarkung hat inkl. Gebäude den und den Verkaufs- Wert. Folglich hat der Besitzer in seinen Immobilien das und das Vermögen stecken! Unterlagen für eine solche Wertberechnung fehlen. Denn auch das Gesetz über die Vermögenssteuer nimmt an, daß nicht der Verkaufswert einzelner Parzellen, die von Landwirten und vorzugsweise ost von Nichtlandwirten zu ungeheuerlichen Preisen erworben werden, maßgebend sein kann für den Wert eines ganzen Besitztums. Der Wert soll vielmehr Geltung haben, den das Besitztum als Ganzesun ter normalen Verhältnissen und zum Fortbetrieb hat. Also kann nicht etwa der Wert maßgebend sein, den ein Gutsausschlächter anlegt, um ein Besitztum zu parzellieren und die kleinen Parzellen zu einem abnorm hohen Werte einzeln zu veräußern. Wie ist also anders der Wert eines Bauerngutes von fünf Hektar zu ermitteln? Viele unserer Landwirte in der Umgegend Gießens haben sich gesagt, wir kapitalisieren den Gewinn, den wir aus unserem Besitz erzielen, das Kapital repräsentiert den Wert unseres Besitzes. Bei den heutigen Verhältnissen in der Landwirtschaft, die schon lange bestehen, und sich, noch immer zu ungunsten der Landwirte zuspitzen, sind die Landwirte irt verschiedenen Gemeinden unabhängig voneinander zu Ergebnissen gekommen, die der Steuerbehörde nicht passen werden, die aber unanfechtbar sind. Das Resultat der Deklaration wird fein, daß die Steuerbehörden dieselbe nicht anerkennen; endlose Weiterungen werden zwischen den Landwirten und den betreffenden Behörden daraus entstehen, und das Ergebnis ist gar nicht vorauszusehen. Außerordentlich erfreulich war es, wie richtig in verschiedenen Gemeinden Rentabilitätsberechnungen angestellt waren und wie unbedeutend die Resultate auseinandergingen. Das beweist wenigstens, daß es nicht mehr richtig ist, wenn man behauptet, der Landwirt verstehe nicht zu rechnen. Aus andere Weise ließe sich der Wert eines bäuerlichen Besitztums auch schwerlich feststellen. Resultatlos würde das ^periment verlaufen, das allen Ernstes aus einer sehr guten Gemeinde vorgeschlagen wurde. Der betreffende Besitzer sagte, sechB von uns in unserer Gemeinde wollen unsere Besitzungen als geschlossenes Ganze zum Verkauf stellen zur Fortbewirtschaftung. Die Gebote sollen maßgebend fein für den Wert unserer Besitzungen. — Daß heute kein Gebot erfolgen würde oder nur ein sehr geringes, das etwa cheni Nutzungswerte entspricht, liegt auf der Hand, und deshalb ist die Feststellung des Wertes nach dem Nutzungswerte nicht so ohne weiteres abzuweisen. Oder hat die Steuerbehörde zur Ermittelung des Werthes einen besseren Vorschlag, der uns aus dieser Klemme zieht? Wir hören ihn gern! Daß es heute in der Wetterau in der Gemarkung eines Landstädtchens ca. 50 Morgen Land giebt, die die Besitzer gern verkaufen möchten, keinen Käufer finden, und die Aecker wüst liegen lassen, sei zur Beleucht tung der Verhältnisse nebenbei erwähnt. Und daß die Landwirte ihr Besitztum nicht hoch! einschätzen wollen, jedenfalls nicht so hoch, als man wohl erwartet, ist erklärlich Die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Enquete, die seitens der Regierung als richtig anerkannt sind, bestätigen die Ansicht der Landwirte in dieser Richtung. Hat doch! keine bäuerliche Wirtschaft in der Provinz mit einem nennens-, werten Plus gearbeitet? Die große Mehrzahl der Landwirte blieb nach laugen Debatten der Ansicht, daß der IWert eines landwirtschaftlichen Besitzes nur ermittelt werden' könne nach seinem Nutzungswerte und richtet an alle anderen Landwirte des Landes die Mahnung, sich ebenso in der Frage zu verhalten. Allgemein wurde anerkannt, daß wir wenigstens auf dem Wege seien, durch die Steuerreform den Grundbesitz zu entlasten. Daß die bisher bestehende Besteuerung des Grundbesitzes zu geradezu ungeheuerlichen Konsequenzen! führt, mag die Thatsache belegen, daß ein Gut, das ein Einkommen von 4000 Mark erbringt — die Deklaration ist als richtig anerkannt — zur Staatssteuer mit rund 400 Mk., zur Gemeindesteuer mit rund 1000 DNk. herangezogen ist. In jd>emselben Verhältnis ist natürlich auch der kleine Besitz in Anspruch genommen. • • Ein starkes Gewitter entlud sich heute früh zwischen 7 und 8 Uhr über unserer Stadt, das von einem etwa eine Stunde lang andauernden Regen begleitet war. Aus Großen-Buseck geht uns die telephonische Meldung zu, daß dort der Blitz in den der Gemeinde gehörigen, nicht versicherten Ochsenstall schlug und zündete. Der Stall und die Futtervorräte wurden ein Raub der Flammen, während die Faselochsen und der in dem Stalle untergestellte Leichenwagen der Gemeinde gerettet werden konnten. — Bei Heuchelheim, sowie am Wiesecker Weg wurde ein Strohhaufen durch einen zündenden Blitzstrahl vernichtet, und in Kinzenbach schlug der Blitz in einen Hausen Korn in der Nähe des Bahnhofes, der ebenfalls rasch zu einem Häuflein Asche wurde. - mb- Heuchelheim, 28. Juli. DaS Konzert der Familie Kruse, das gestern ersreulicherweise besser besucht war als seither, bereitete auch diesmal wieder dem Musik, freunde einen ungetrübten Kunstgenuß. DaS Streichquartett eröffnete die Reihe der Vorträge mit dem ersten Satz des Mozart'schen 0-ckur-QuartettS. Die moderne Musik war durch ein Intermezzo von Gurlitt vertreten, ein Werk von eigenartigem, harmonischem Reiz. Von den Cellovorträgen gefiel am meisten das mit feinem Empfinden gespielte Larghetto von Nardini. Ebenso lebhaften Beifall fand das mit Ausdruck vorgetragene Violinsolo Reverie von Vieuxtemps. , . • • Heuchelheim, 28. Juli. Zu unserer gestrigen Notiz unter Fellingshausen schreibt uns die Firma Rinn u. Cloos: Die erste Notiz aus Fellingshausen war so ziemlich zutrefiend, nur hätte eS heißen müsien, daß wir die Hosraite der Lehrerwitwe Kling nicht zur Fabrikation, sondern als Meisterwohnung erworben haben. Die Fabrikation geschieht in größeren Räumen, bis daß ein Fabrikneubau sertiggestellt ist. xx Nidda, 27. Juli. Heute mrbe die Familie des Bahnmeisters G ö r n e r t hier schwer heimgesucht. Das jüngste Kind, ein Knabe von 1V2 Jahren, spielte im Hofe. Dabei lief es gegen daS offen stehende Fenster des Kellers, in dem die Waschküche sich befindet, stürzte durch dasselbe hinab und gerade in einen Kessel voll heißen Wasiers. Schwer verbrüht zog man das Kind heraus. Aus dem Wege nach der Klinik zu Gießen starb es. -d- Sellnrod, 27.Juli. Bei der heutigen Wahl eines- Beigeordneten wurde der Landwirt Konrad Merz III. einstimmig gewählt. Durch seine einstimmige Wahl ist auch ein Akt der Dankbarkeit gegen die Familie des verstorbene« Beigeordneien Hartmann Merz, der in unserer Gemeinde einer der angesehensten Bürger war, geschehen, da der neugewählte ein Bruder des ersteren ist. Marburg, 27. Juli. In einer gestern abend ftatt= gehabten Sitzung des Komitees ist gemäß den Vorschlägen! des engeren Ausschusses beschlossen worden, dem Kaiser Friedrich-Denkmak im Zentrum der Stadt feinen’ Platz anzuweisen, und zwar soll in erster Linie der nördliche Teil des Marktplatzes — etwa die Stelle, an der sich jetzt der Brunnen befindet — in Aussicht genommen werden. Von einer definitiven Bestimmung des Denkmalsplatzes, wurde vorderhand noch Abstand genommen, da man es! für ratsam hielt, den Künstlern für ihre eventuelles Projekte etwas freiere Hand zu lassen. Krrmifchtes. Berlin, 27. Juli. Eine Benzine xplosion^ durch die vierzehn Personen in Lebensgefahr gerieten, erfolgte heute vormittag kurz nach 10 Uhr in einer Drogerie in der Reinickendorfer Straße. Der Verkaufsladen mit dem dahinter liegenden Lagerraum wurde total zerstört. *Hamburg, 27. Juli. Die deutsche B a r k „K a -- tinka" aus Elsfleth ist, mit Holzladung von Hameling nach Veracruz unterwegs, an der Westküste Australiens unweit Buselton gestrandet und total verloren. Fünf Mann der Besatzung ertranken. * Plaue'n i. V., 27. Juli. Die Erdbeben dauern! fort. Sie erreichten in der vergangenen Nacht ihren Höhepunkt. Die Erde erzitterte in fortgesetzten Stößen, urüy die Häuser wankten. Die Aufregung der Bevölkerung istgrotz. * Paris, 27. Juli. Gestern sind hier 10 Personen infolge Hitz sch la g eS gestorben. Gerichtssaat. -nn. Darmstadt, 27. Juli. Ferien«Strafkammer. Bekanntlich war das von der Strafkammer in Gießen vor einiger Zeit gegen dm ehemaligen Klubdiener 21. Fink wegen Unterschlagung zum Nachteil des Gießener Kasinos gefällte Urteil auf Revision des Reichsgerichtes aufgehoben und die Sache an die hiesige Strafkammer verwiesen worden, da die meisten Mitglieder des dortigen Gerichtshofes auch Mitglieder des Kasinos und damit gleichsam interessiert find. Vor dem heutigen Zusammmtreten des hiesigen Gerichtshofes stellte sich nun heraus, daß wahrscheinlich die Mutter eines hiesigen Strafkammer-Mitgliedes, die in Gießen wohnt, auch Mitglied des Gießener Klubs ist. Um nun eine wiederholte Revision aus dem gleichen Grunde zu vermeiden und jeden Zweifel an der Zuständigkeit zu heben, beschloß der Gerichtshof nach eingehender Beratung, die Sache auf den 6. September d. I. zu vertagen, und bis dahin genaue Ermittelungen über den streitigen Punkt anstellen zu lassen. Mainz, 26. Juli. Gegen den Inhaber eines hiesigen Zigarrengeschäftes und deffen Frau ist eine Untersuchung wegen Kuppelei anhängig gemacht worden. Die dabei beteiligten Personen sind meist' ältere „Damen", die. bereits die 30 überschritten haben und die sich in dem Zigarrengeschäft auch zumeist erst eingefunden hatten, wenn der kühlende Abend eingetreten war. Die Inhaberin des Geschäftes selbst machte bei Tage die Honneurs und begrüßte, wie dies durch Zeugen festgestellt werden konnte, die chr geeignet erscheinenden Gäste mit einem warmen Händedruck und einem Kuß und lud die Herrm dann auf den Abend ein. Der Rest ist Schweigen! Wetzlar, 27. Juli. Schöffengericht. Blutige Schläge gab es am 11. März d. I. zu Dutenhofen. Die Affaire brachte heute drei der Angeklagten, den Bahnarbeiter Peter H., den Hilfsarbeiter Wilhelm Th. und den Hüttenarbeiter Friedrich K., sämtlich von Münchholzhausen, vor die Schranken des Gerichts, während der vierte Angeklagte, Michael H. von Dorlar, vom persönlichen Erscheinen entbunden war. Infolge Wortwechsels in der Gaststube des Jagdschlößchens zwischen Dorlarer und Münchholzhäuser Burschen entspann sich yor der Wirt» schäft eine Schlägerei, in der H. von Münchholzhausen den H. von Dorlar derart geschlagen haben soll, daß dieser blutüberströmt und besinnungslos zusammenbrach. Die Angeklagten erzählen den Fall anscheinend ziemlich wahrheitsgemäß, nur wollen fte sich des Hausfriedensbruchs, der ihnen zur Last gelegt wird, weil sie der Ausweisung des Gastwirts S. nicht folgeleisteten, nicht schuldig gemacht haben. Das Urteil lautet für Peter H. wegen gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruchs auf 3 Monate und 3 Tage Gefängnis; weiter hat er 50 Mark Buße an den Verletzten Hofmeister zu bezahlen. K. und Th. werden wegen Hausfriedensbruchs zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Der nichterschienene Angeklagte H. wird freigesprochen. Die Kosten haben die drei Verurteilten zu tragen. , Sport, Spiel, Jagd. Caflel, 26. Juli. Auch das, wie gestern gemeldet, bei dem Di „ st a n z e r e i t e n der Offiziere dec 22. Kavalleriebrigade am Hitzschlag erkrankte Pferd des Leutnants von Gabain ist heute vormittag verendete Außerdem zeigt das vom Leutnant Graf Waldeck gerittene Pferd ebenfalls Spuren des Hitzschlags. ___________ Arbriterbewegimz. Wetzlar, 27. Juli Die Lohnbewegung der hiesigen Handschuhmacher ist nach etwa einvierteljährigrr Dauer durch beiderseitiges Entgegenkommen als beendet anzusehen. In den meisten Fa- briken ist die Arbeit bereits wieder ausgenommen. Handel «ad Uerkrhr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vorn 27. Juli. Wechsel auf New-York zu 0,00-00. PrÄmiee auf Kredit per ult Äug. 2.20%, do. per ult. SepL 3.50%, Diskonto-Kommandit per ult. Aug. 2.10 %, do. per ult. SepL 3.00%, Lombarden per ult Aug. 0.75%, do. per ult Sept. 1.20%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Kotierungen : Kreditaktien 208.50-207.90-208, Diskonto- Kommandit 175 90-70, Staatsbahn 139.50-139, Lombarden 25.40-00, Italiener 92.80 Spanier 71.90-00, Sproz. Mexikaner 26.45, Bochumer 199.80-40-70 dz., Laura 216.40-000 bez., Harpener 186.40-90 bz.t Gelsenkirchen 193.30-50 bz., Ungar. Goldrente 00.00, Gesten. Coupons 00.00. Amerik. Coupons 0 OO, Privat-Diskont 4%%. 1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 207.90-70 bz., Diskonto - Kommandit 175.70-40 bz., Berliner Handelsgesellschaft 147.50 bz., Staatsbahn 139.00 bz., Lombarden 25.30 b., Laura 00.00» Bochumer 00.00 bz. Getreide. In der abgelaufenen Woche bewegte sich das Geschäft sehr ruhig in engen Grenzen, da unsere Mühlen sich äußerst reserviert verhalten. Die Forderungen Amerikas und Argentiniens haben sich gut behauptet^ ohne jedoch zu Umsätzen zu veranlassen und Rumänien ist mit seinem neuen Weizen weit über hiesiger Parität. Roggen ruhig, Gerste und Hafer unverändert, Mais preishaltend. Die heutigen Notierungen sind: neuer Redwinter 2, August Abladung Mk. 133,50, neuer Kansas 2, August-September Abladung Mk. 132,50, Lapplata f. a. q. Mk. 129 bis 131, ruff. Roggen 95% Mk. 110, russ. Futtergerste Mk. 109, amerikanischer Hafer 105. Biehmärkte. Das Geschäft entwickelte sich an einigen Märkten während der Berichtswoche wieder lebhafter und gestaltete sich hauptsächlich der Handel mit Großvieh teilweise sehr zufriedenstellend. Kühe wurden ebenfalls lebhafter gehandelt. In Kälbern entwickelte sich das Geschäft nur schleppend, während Schweine rasch abgesetzt wurden. Tabak. Verkauft wurden ca. 150 Centner 1896er entrippter Einlage zum Preise von 75 Mk. versteuert, sonst ist uns von Verkäufen nichts bekannt geworden. Der 1899er Tabak, der infolge seiner Qualität sehr langsam trocknet und deshalb länger zur Reife braucht, wirkt ebenfalls auf den Gang der Geschäfte sehr hemmend, da die nach Muster verkauften Tabake noch nicht geliefert werden können und hierdurch veranlaßt mancher Abschluß noch rückgängig gemacht werden dürfte. In losen pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine Mk. 9—10, gebündelte feine Mk. 12. Hopfen. Die Berichte aus allen ProdukttonSgebieten lauten übereinstimmend sehr günstig über den Stand der Anlagen, und steht, wenn nicht noch unvorhergesehene Fälle eintreten sollten, eine gute Drei- viertel-Ernte zu erwarten. Nürnberg nach wie vor sehr ruhig. Kohlen. ES notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und N Mk. 260 HS Mk. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 230 bis Mk. 240, Deutsche Anthracit-Nußkohlen Mk. 340 MB 350, englische Anthracit-Nußkohlen Mk. 400 btS Mk. 410, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 280, Ruhr - Flammnußkohlen Körnung III Mk. 250 bis Mk. 260, Fettschrot Mk. 220 bis Mk. 230, Ruhr-BruchcokS Mk. 360 bis Mk. 380, AusstebgrieS Mk. 170 btS Mk. 180. Alle« per 10 To. ab Mannheim. Die Zufuhren bleiben anhaltend knapp und stehen in keinem Verhältnis zur foitdauernd stürmischen Nachftage. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 24. Juli. Marktbericht. Auf!dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. 1.10—1.30, Hühnereier per St. 6—7 4, 2 St. 11—18 H, Enteneier 2 St. 14—16 A, Gänse« eier per St. 11—12 Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 4, Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar 0.75—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per Stück X 0.70—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 4, Kuh« und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 4, Schweine« fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 H, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 4, Hammelfleisch per Pfd. 50—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 Ml 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 8.00—9.00, Milch per Liter 16 H. Kirschen per Pfund 12—15 H. Ärmste Meldungen. Berlin, 28. Juli. Der Ches des Admiralstabes der Marine, Admiral v. Diederichs, hat sich mit dem Chef der Zentral - Abteilung dieser Behörde am Donnerstag Abend nach Bremerhaven begeben, um dem Kaiser Vortrag zu halten. Brüffel, 28. Juli. Infolge heftiger Gewitter sind die Telephon-Verbindungen seil gestern abend vollständig unterbrochen. Paris, 28. Juli. Der General-Kommissar der Ausstellung läßt durch Maueranschlag bekannt machen, daß innerhalb 8 Tagen die bei der Ausschmückung der Säle verwendeten Stoffe u. s. w. feuersicher gemacht werden müssen. Charterst, 28. Juli. DerSchahvonPersien, welche auf der Durchreise hier angenommen ist, wurde hier halbamtlich empfangen. Da der Eisenbahnzug des Schihs über Nacht hier verbleibt, waren Vorsichtsmaßregeln getroffen. Zur Ehrung des Schahs hatte ein Jäger-Regiment Befehl erhalten, im hiesigen Bahnhofe in Gala-Uniform Aufstellung zu nehmen. Der Schph war über diesen Empfang außerordentlich erfreut. Madrid, 28. Juli. Die Cortes werden sich gleich nach ihrer Einberufung mit der Frage der Vermählung der Prinzessin von Asturien mit dem Grasen von Ca serta beschäftigen. Die Heirat wird von der Regierung und der Majorität des Volkes gebilligt; nur die Liberalen mißbilligen dieselbe. Eine Abteilung französischer 23. Juli nachts von zirka fünfzig an der Grenze angegriffen. Es Gefecht, wobei es mehrere Tote Oran, 28. Juli. Schützen wurde am berittenen Marokkanern entstand ein großes und Verwundete gab. Die französische Regierung hat eine Note an die marokkanische Regierung gesandt. Wegen vorgerückter Saison verkaufe ich die noch vorrätigen Wasch-Anzüge, Blusen, Hosen, Loden-Joppen und Sommer-Havelocks 9F zu bedeutend herabgesetzten Preisen. —^6$ 187 Markus Bauer. Bekanntmachung. Auf dem hiesigen Friedhof entbehren die Denkmäler auf den Gräbern der nachverzeichneten Personen der nötigen Standfestigkeit. Die Angehörigen der Verstorbenen werden daher aufgefordert, umsogewiffer für Instand« setzung der Denkmäler bis längstens 1. September zu sorgen und hiervon bei un» Anzeige zu erstatten, als sonst auf Grund des § 7 der Friedhofs« ordnung die Beseitigung jener Denkmäler erfolgen müßte. Im Quadrat II. Fritz, Karl David Heinrich, Hofgerichts-Accessist, gest. 18. April 1832. Strack, Susanne, geb. Vogt, gest. 26. Juli 1837. Reiber, Juliane Johanne, geb. Becker, gest. 23. Mai 1837. Im Quadrat IV. Wagner, Christoph, Hofgrrtchtsrat, gest. 29. September 1885. Langsdorf, Johann Wilhelm, Geh. Rat, gest. 5. Februar 1827. Im Quadrat VII. Doerr, Christian Karl, Hofgecichtsrat, gest. 6. Oktober 1868. Im Quadrat VIII. Bermann, Franz Joseph, Hofgerichts-Advokat, gesi. 18. Januar 1862. Im Quadrat IX. Steder, Margarethe, gest. 24. Otober 1856. Im Quadrat XIV. Steinhaufen, Franz, gest. 8. Mai 1877. Gemmer, Johann, Sergeant, gest. 6. November 1878. Im Quadrat XV. Hormann, Louis, gest. 16. Mai 1883. Faust, Margarethe, gest. 31. Januar 1881. Faber, Friedrich Emil, gest. 29. Juni 1886. Faber, Otto, gest. 4. Februar 1883. Im Quadrat XVI. Altmayer, Marie, gest. 3. März 1888. Im Quadrat XVII. Grond, Blafius, gest. 23. September 1889. Im Quadrat XVIII. Strack, Ferdinand, Gerichts-Accefsist, gest. 1. August 1881. Heß, Karl, Student von Darmstadt, gest. 28. Januar 1883. Schneider, Konrad, gest. 8. Januar 1883. Pflichter, Elisabeth, geb. Benner, gest. 29. April 1883. Petri, Georg, gest. 15. Oktober 1883. Gießen, den 23. Juli 1900. 5170 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. In der Zett vom 26. Juli bis 17. August 1900 be- haudrlt Herr Dr. Heichelheim dir hiesigen Btadtarmen. Bestellungen für Stadtbesuch- werden In der medizinischen Klinik "* vormittags bis 11 Uhr und nachmittags von l /2 vis 4 Uhr, au Sonntagen nur bis 11 Uhr vormittags entgegen genommen. 5183 Gießen, den 25. Juli 1900. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Bekanntmachung. Mittwoch den 1. August l. Js, nachmittags 2 Uhr, sollen die der Feldbereinigungs« gesellschaft Daubringen gehörigen ca. 4 Morgen Hafer in mehreren Losteilen, auf dem Stand, an Ort und Stelle versteigert werden. Daubringen, am 27. Juli 1900. Großh. Ortsgericht Daubringen. Walter. 5161 OHIpfchllllUhll Neue holl. Vollheringe, neue eingem. Gurken empfiehlt 5172 3. M. rchulhof. Neue Grünkerne neue holl. Vollheringe echt. Emtch.Schweizerkäs echten Edamer fst. bayr. Rahmkäschen fst. Crtzme-Margarine Empfiehlt 5176 Chr. Wallenfels, 17. Marktplatz 17. ?«n verkaufen 03124] 2 FrühfiückSherde billig zu verkaufen. Wolkengaffe 26. >n Muittt-Schmillk X6it 7 Ferkeln zu verkaufe« bei 03129] Friedrich Volk III., Hörnsheim. /Senfsamen zu verkaufen bei 03118 L. Weber, Grünbergerstraße 43. 03106] Ein Kinderwagen und ein Kinderbettchen billig zu verkaufen. Dtephanstratze 32, Mansarde. 03116] Ein Sttzwagen und ein Liegwagen zu verkaufen. Frankfurterstraße 83, u. 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