Nr. 175 Drittes Blatt. Sonntag den 29. Zuli I»»« Kichmer Anzeiger Keneral-An^eiger mit Ku£xa^n< bti RrnraHs. DN «efceer ixrUn fctei Anzeiger Nm b* „Heff. Smrttoitr x. „Blätter 96z V». »vtHhinbe- WHchL.4M«r bdfldtgt. Alle Anzrigen-vermittlunzSstellen des In» und AuSlLlldrL nehmen Anzeigm für dm Gießener Anzeiger entgegen, ZeilenpreiS : lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. SScjuflsprets vierleljährl. Mk. 2LO monatlich 75 Pfg. mit Brmgcrlohn; durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,9® monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljährL mit Bestellgeld. Am«»®«« NOA Anzeigen zu der nachmittags für da« KatGNtdm Lag «»scheinenden Nummer bis wnn. M Ahr. Mb«Klinge« spätesten« *eM »erber. Amts* und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. MtzMimif, Spedition und Baiimi: Nr. 7. GrÄisvEagr«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Uotkskonde. Adreff« für Depeschm: Anzeiger chletz«. Fernsprecher Nr. 5L Neue Haudelswege in Süd-Afrika. Unterm 20. Juni schreibt man aus Kapstadt: Der elegischie Teil des südafrikanischen Krieges mag vielleicht bald vorüber sein, von dem tragischfen Teil, der nun anfängt, läßt sich das Ende nicht absehen. England hat es verstanden, die Sympathien selbst der Mehrzahl seiner Unterthanen in Süd-Afrika gänzlich zu verscherzen. Das erwachte Nationalgefühl, das dieser Krieg hervorgerufen, geht stille, aber für Englands Herrschaft verhängnisvolle Wege. Und das wird sich auf allen Gebietest bemerklich machen, vorab auch auf kommerziellen. Ein Blick auf die Entwickelung der Handelswege in letzter Zeit wird zeigen, was sich da anbahnt und für die Zukunft zu erwarten steht. Die großen Handelshäuser in England haben M ust e r- lager in den großen Seestädten errichtet und lassen ihre Handelsreisenden von da aus das Land durchziehen. Die Folge war, daß man, besonders in Orten, die an oder in der Nähe der Bahn gelegen, nun Gelegenheit hatte, die Muster zu prüfen und direkt zu importieren. Zudein wurde wenigstens ein dreimonatlicher Kredit gewährt, die Zahlung war leichf, entweder durch die Agenten oder durch Pie Banken, deren es ja hier schon in Städtchen von nvch nicht 1000 Einwohnern giebt, einzuziehen. Für die kleinen Jnlandstädte sorgte der Shipping-Agent in der Hafenstadt, daß die Güter schnell nach Ankunft per Bahn ihren Bestimmungsort erreichten. Aber auch dem Privatmann wurde es möglich gemacht, durch Einsendung eines kleinen Betrages per Post nach England mit dem nächsten Postdampfer seine kleine Bestellung von vielleicht noch nicht "20 Mark an seiner Thür abgeliefert zu sehen, und zwar noch billiger als von seinem Ortskaufmann bezogen. Damen auf Bauernhöfen haben nur nötig, das Muster auszusuchen, ihr Maß einzusenden, nebst dem bezeichneten Betrag — brauchen keine Schneiderin, die möglicherweise nicht überall zu haben — und nach sechs bis sieben Wochen haben sie das Gewünschte nachs der neuesten Mode. Das sind also Erleichterungen auf dem Handelswege, welche die Großhändler in England zu benutzen verstehen. Zudem senden englische Großhändler auch solche Handelsreisende, die nur die großen See- und Jnlandstädte (wie Kimberley und Johannesburg) besuchen und dann nach Indien und anderer: Länderu weiter reisen. Aber wohlverstanden, nur um für englische Handelsware Absatzgebiete zu suchen. Es giebt aber auch hier Bedürfnisse, die besser von Änderen Ländern bezogen werden. Und deutscheKauf- leute, die vieles aus Deutschland beziehen, haben hier für manchen Artikel geradezu Bahn gebrochen. Als ein j Beispiel will ich anführen, daß die Wintermonate in dem I südwestlichen Teile der Kapkolonie ungemütlich naßkalt sind und daß es in den meisten Häusern keine Heizvorrichtung giebt. Es war also vorab ein Mangel an warmer Fußbekleidung fühlbar. Einige deutsche Kaufleute in Kapstadt haben das Verdienst, darin Wandel geschaffen zu haben durch Einführung von Filzschuhen und Holzsckuhen (d. h. nur Sohle von Holz und das Oberleder inwenoig mit Filz gefüttert) — die jetzt allgemein bei Weißen wie Farbigen beliebt sind. Es sei gleich hier bemerkt, daß die Einführung von Pelzmützen, wie z. B. in Leipzig üblich, eine lohnende sein wird. Die Nachtfröste sind in der Karroo und per nordöstlichen Kapkolonie so stark, daß das Eis kaum während des Vormittags schmilzt und die schönsten Eisblumeri sich an t> en Fenstern der gebeizten Kupees der Bahnwagen während der Nachtfahrt bilden. Es giebt hier in den größeren Seestädten deutsche Häuser, und niemand nimmt es ihnen übel, daß sie ihre Bezugsquellen als „Geschäftsgeheimnis" hüten, falls sie nur dem Kaufmann der kleineren Jnlandstädte einen ansehnlichen Rabatt gewähren würden. Der kleinstädtische Kaufmann begnügt sich mit der englischen Ware, die er auch wohl direkt importieren kann, und die in gewissen Branchen dem deutschen Fabrikat ja auch nicht nachsteht. Trotzdem giebt man zum Beispiel dem deutschen Pflug und der deutschen Schrotsäge hier im Lande den Vorzug vor dem englischen Fabrikat. — Um dem deutschen Handel itf Kleiderstoffen und Lederwaren (auch Bijouteriewaren) jetzt größere Absatzgebiete zu verschaffen, ist es nötig, die englische Praxis zu befolgen. Es genügt nicht, daß große deutsche Häuser ihr Musterlager und Vertreter nur in London haben. Vielmehr ist es jetzt gerade geboten, daß mehrere deutsche Handelshäuser sich vereinigen, ein Musterlager in Kapstadt zu errichten und einige tüchtige Handelsreisende nach den kleineren Städten zu entsenden, so wie oben angedeutet die englischen Häuser es thun. Und thun wir Deutschen das nicht sofort, so werden Holländer und Franzosen und andere Nationen, die so warme Sympathien für Südafrika an den Tag gelegt, und die in dieser Angelegenheit auch, Anregung von hier erhalten, uns zuvorkommen. An einzelnen Orten bilden sich hier schon Gesellschaften, die in Zukunft nicht mehr von England importieren wollen, so zum Beispiel in Cradock eine mit 20 000 Pfd. Sterling Kapital. Aus Stadt und Land. Gieße«, 28. Juli 1900. **O. Dr. Arcularius. Der in New-Dork verstorbene praktische Arzt Dr. L. Arcularius hat nicht nur einen eigenartigen Bildungsgang durchgemacht, et hat auch sein engeres Vaterland Hessen jenseits des Ozeans hochgehalten, er hat viele Landsleute mit Rat und Thal unterstützt und seiner Vaterstadt Schotten bedeutende Mittel für eine Turnhalle u. dgl. überwiesen. In Bezug aus seinen Bildungsgang sei bemerkt, daß er sich anfangs dem Lehrerberufe widmete. Er besuchte von Ostern 1857 bis 1859 baS Schullehrerseminar in Friedberg und zeichnete sich durch Fleiß und gute Leistungen aus. Interessant ist, daß der Kurs von 1857 bis 1859 noch verschiedene Persönlichkeiten enthielt, die sich mit großer Energie weiter bildeten und dem Lehrerberuf entsagten. Besonders erfreulich ist unter ihnen aber auch, daß sich alle eine große Anhänglichkeit bewahren, die sich dadurch kund giebt, daß Schulfreunde alle fünf Jahre zusammenkommen und ihre Jugendfreundschaft erneuern und bekräftigen. Die letzte Zusammenkunft d.r 1859er sand am 6. April 1899 in Friedberg statt, wo dem einzigen noch lebenden Lehrer, Geh. Kirchenrat Dr. Diegel, eine besondere Ehrung dargebracht wurde. Arcularius warf sich, nachdem er 1859 das Friedberger Seminar verlassen hatte, mit großem Eifer aus die alten Sprachen, machte nach kurzer Zeit das Maturitäts-Examen und traf mit mir 1862 in Gießen zusammen, wo er Medizin studierte. Auch die Musik wurde nicht vernachlässigt, wir brachten ein Streichquartett zusammen und würzten uns die Stunden, indem wir Studium, Musik und Erholung auf Gängen in die Umgegend Gießens mit einander zu verbinden wußten. Eine unglückliche Liebe trieb Arcularius nach vollendeten Studien über den Ozean; den Amerikanern widmete er feine besten Kräfte, wie Dr. Preetorius, Redakteur der „Westlichen Post" in St. Louis, dem die Universität Gießen am 28. Januar 1899 sein Doktordiplom erneuerte. Andere Hessen, die in Gießen studierten und dann nach Amerika gingen, verdienen hier auch kurze Erwähnung, z. B. Leiß, atud. theol., Redakteur des „Freidenkers" in New Aork; K. Hesse, stud. cam., Notar in New Dort; L. Dauber, atud. theol., Apotheker in Mascotah (Illinois), Th. Schildwächter, Arzt in Amerika, u. a. Nur noch wenige von diesen sind am Leben. Fast alle waren geistig hoch begabte Männer, denen es zu Hause nicht behagte und die jenseits des Ozeans Besseres suchten, aber ihr Vaterland nicht vergaßen. ** Hessischer Goethebuud. Herr Prof. Dr. Harnack in Darmstadt, der provisorische Vorsitzende des Hessischen Goethebundes, teilt uns mit, daß die Mitgliederzahl der Berliner Aries. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Die Racher unsrer Ehre. — Gepäckstudieu. — Gedenke der Jugend! Kernige junge Gestalten, blühende Gesichter, in denen kühne, abenteuer frohe Augen blitzen, beleben das sommerliche Straßenbild von Berlin. Die schlichte, luftige und leichte Khaki-Uniform, dazu der graue breitkräm- prge Sckstapphut tauche überall auf. Unwillkürlich muß die Buren denken, die unseren. Kämpfern gegen dre Gelben nicht unähnlich uniformiert sind. Berlin schwärmt für diese wagemutige Jugend, die freiwillig hin- auszreht in den heißen Kampf, tausend unbekannten Gefahren entgegen, vielleicht einem martervollen frühen L,ode geweiht. Ueberall begegnet man ihnen mit Begeiste- und wer s dazu hat, spendet den wackeren Jungen kühlen Gerstensaft, und mehr oder weniger schön duftende, aber aus bestem Herzen gegebene Havannahs. Die Ab- schredskonzerte der schnell gebildeten neuen Reairnents- kapellen, die selbstverständlich an die Leistungen unserer Garde-Musikkorps noch nicht „tippen" können, wie der Verlier sagt, haben einen Riesenzulauf, und die patriotischen Lieder, die auf diesen Programmen eine Hauptrolle spielen werden zu allgemeinen enthusiastischen Kundgebungen mit Hurrahs, nachfolgenden Rede-Improvisationen und unzähligen „Bierlagen" für die allzeit durstigen Musikantew- kehlen. Dieser wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommene Feldzug ist so populär, wie es selbst unsere eingefleischtesten Kolonialschwärmer niemals für möglich gehalten haben und die forschd Art unseres Auswärtigen Amtes findet in allen Kreisen freudigen Widerhall. Li-Hung-Tschang, der alte Schleicher hat kein Glück mit seinen Kniffen und Minken und wenn er das Leben der in Peking eingeschloMnen Fremden von der Einstellung des weiteren Vormarsches der verbündeten Truppen auf die Hauptstadt abhängig machen will, so wissen wir vom alten Wrangel her, daß bange machen nicht gilt. Denn als dieser 1848 in Berlin einziehen wollte, sekam er aus Stettin, wo seine Familie lebte, einen Drohbrief, in dem man ihm versicherte, daß man, sobald er feinen Entschluß ausführe, dafür seine Gattin aufhängen werde! Natürlich ließ sich Papa Wrangel dadurch, nicht im geringsten an fechten, und wie er am anderen Tage an der Spitze seiner Truppen seelenruhig durch das Brandenburger Thor ritt, sagte er, halb für sich, halb zu feinem Begleiter gewendet: „Nu soll mir blos wundern, ob sie der Alten hängen werden!" — Was übrigens alles dazu gehört, um den Herren Chinesen eine längere Visite abzustatten, ist gar nicht wenig. Da wimmelt es von Lagerdecken, Strohhüten, Luftkissen, Moskitonetzen, Feldmenagen, zusammenlegbaren Laternen, die Feldapotheke zum persönlichen Gebrauch nicht zu vergessen. Nun, Glück auf die Reise, Du mutiges, junges Blut! — Einen ganz amüsanten Zeitvertreib gewährt es, in diesen wanderlustigen Tagen auf den großen Bahnhöfen Gepäckstudien zu machen. Am Gepäck noch mehr wie am Kleiderschnitt erkennt man vielfach den Stand und Beruf der Reisenden, Irrtümer selbstverständlich Vorbehalten. Die großen. Musterkoffer mit den aufgepinselten Buchstaben der Firma geben keine Rätsel auf; ebensowenig die bescheidene^ billige, schon ein bischen abgetragene Handtasche. Da geht ein kleiner Beamter, der Jahre lang festsitzen muß, endlich einmal aiuf acht oder vierzehn Tage zu einem Verwandten aufs Land. Dort die altmodische Reisetasche mit den gestickten Rosen darauf und dem schön blankgeputzten Messingbügel gehört sicher einer alten braven Tante, die sich von dem Erinnerungen weckenden Inventar ihrer lange verschollenen Jugend nicht trennen mag. Die verschnürten Kästen bergen die Reise-Utensilien einer Handwerker-Fa-i milie, die in den Ferien einmal nach Schlesien oder sonst wohin in Vaters Heimat reist. Jene steife Hutschachtel mag einem Professor gehören, der auch an der Ostsee nicht anders als mit seinem „Schornstein auf dem Denkerhaupt" zu wandeln gewillt ist. Seltsamerweise bemächtigt sich ihrer in diesem Augenblicke ein hageres, bebrilltes altes Fräulein. Mein Gott, sollte das ein Damenzylinder sein, und die gute Alte sich in Ahl deck zu Pferde präsentieren, wollen? Nicht so voreilig, Weiser Beobachter. Die Schachtel hat Luftlöcher, und wie Du Dich neugierig bückst, um Klarheit zu erlangen, schnarrt Dir zu Deinem Schrecken eine menschliche Stimme in schönster Deutlichkeit: „Alter Schafskopf!" entgegen. Die alte Dame nimmt in dieser Enveloppe ihren Papagei mit in die Sommerfrische. Vor dem Bahnhof begegne ich einem Frachtwagen mit einer Sintflut von Koffern aller Größen, alle in jenem feinen dezenten Lederton, der ein großes, wohlgefülltes Portemonnaie verrät. Neben dem Kutscher sitzt als Begleiter dieser Fuhre ein glattrasierter Jüngling, den ich als Diener in einer begüterten Familie kenne. „Haben Sie Ihre Stelle, gewechselt und sind Sie Spediteur geworden?" frage ich Tas erste bejaht er, aber Spediteur ist er nicht. Er ist jetzt Kammerdiener bei einer Börsenbaronin und dieser Wagen enthält ihr Gepäck für Ostende. Es ist eine eigene Gepäck-Lowry dafür bestellt. Diese Koffer enthalten nur Hüte, die großen dort unten Kleider, weiter oben ist ein solcher für Seifen und Parfums, hinten der schmale hohe enthält das Schuhzeug oder die „Chaussure", wie Friedrich vornehmer sagt. Dort unten sind auch zwei Koffer für Mimi. Mimi ist nicht etwa die Tochter der gnädigen Frau, auch nicht die Kammerzofe; Mimi ist der kleine süße, seidenhaarige Spitz, ohne den Madame nicht leben kann und der mitsährt nach Ostende wie der Papagei pachs Göhren oder Binz, aber nicht in einer Pappschachtel, sondern in einem mit Seide ausgeschlagenen, schön bronzierten Körbchen und natürlich nicht Hundekupee, sondern erster Klasse mit feiner Herrin ganz allein! Angesichts dieser Wagenladung fallen mir die armen, blassen Proletarierkinder ein, die für die Ferienkolonie bestimmt werden und schließlich! doch nicht niit- kommen, weil sie das zweite Paar Stiefel oder die nötigen sechs Hemden nicht aufweisen können. Es ist ein grauen» erregender Gegensatz. Und zugleich muß. ich daran denken, wie in tausend Familien die Hemden vergilben und die Höschen von den Motten zerfressen werden, aus denen der Stammhalter herausgewachsen ist. Wie mancher arme nerl wäre fotamit glücklich zu machen in der Zeit, wo es an pie Rüstung zur Kolonie geht. Ihr Mütter, gedenket: der Jugend und revidiert Eure Wäschespin - den und Klei der schränke! A. R. Sektion Darmstadt z. Z. auf etwa 200 gestiegen ist und daß dort, besonders nach dem befriedigenden Verlauf der Juni-Versammlung, aus eine gedeihliche Entfaltung des Bundes gehofft werden darf. — Die Sektion Gießen, die sich bisher leider nicht hat konstituieren lassen, zählt z. Z. 48 Mitglieder. — Die in Darmstadt vorläufig entworfenen Satzungen des Hessischen Goethebundes haben folgenden Wortlaut: § 1. Der Hessische Goethebund verfolgt den Zweck, die Freiheit der Kunst, Wissenschaft und Litteratur gegen Angriffe jeder Art zu schützen und weitere Volkskreise zu ernster Würdigung wahrer Kunst und Wissenschaft und zu selbständiger Abwehr von Ausschreitungen auf diesem Gebiete zu erziehen. Der Bund hat seinen Sitz in Darmstadt. $. 2. Die Erreichung des Vereinszweckes soll durch alle gesetzlich zulässigen Mittel angestrebt werden, insbesondere durch Organisation von Rechtsschutz, durch volkstümliche Vorträge und sonstige Veranstaltungen. § 3. Mitglied des Goethebundes kann jede unbescholtene erwachsene Person werden. Die Mitgliedschaft wird durch Anmeldung beim Vorstand und Bezahlung des Mitgliedsbeitrages erworben. Der Mindestbeitrag ist auf jährlich eine Mark festgesetzt. § 4. Der Austritt erfolgt durch schriftliche Erklärung an den Vorstand. Im Falle des Ausscheidens oder Todes eines Mitgliedes soll der Verein unter den übrigen Mitgliedern fortbestehen. Ein Anspruch auf Auszahlung eines Anteiles am Vereinsvermögen besteht nicht. § 5. Zur Begründung eines Zweigvereines ist eine Mitgliederzahl von minstestens 2 0 Personen oder ein jährlicher Gesamtbeitrag von 10 0 Mk. Voraussetzung Der Zweigverein beschließt selbstständig über seine Organisation, Geschäftsführung und die Verwendung von 80 Prozent der Beiträge seiner Mitglieder, während 20 Prozent an den Gesamtverein abzuliefern sind. Erforderlichen Falls wird jeder Zweigverein bei seinen Veranstaltungen von dem Gesamtverein unterstützt. § 6. Organe des Hessischen Goethebundes sind die Hauptversammlung der Mitglieder, der Gesamtvorstand und der geschäftsführende Ausschuß. 8 7. Die Hauptversammlung wird durch den Ausschuß mittelst Ausschreibung in geeigneten Tagesblättern mindestens einmal jährlich unter Mitteilung der Tagesordnung berufen. Sie faßt ihre Beschlüsse mit einfacher Stimmenmehrheit der Anwesenden. Zu Aenderungen der Satzungen ist Zweidrittelmehrheit erforderlich. Auf Antrag von mindestens 30 Mitgliedern hat der Ausschuß eine Haupt Versammlung einzuberufen. S 8. Die Hauptversammlung hat a) den Geschäftsfahrenden Ausschuß zu wählen, welcher zusammen mit den Vertretern der Zweigvereine (8 13) den Gesamtvorstand bildet, b) den alljährlichen Geschäftsbericht entgegenzunehmen und über ihn zu beschließen, e) über die auf der Tagesordnung stehenden Anträge des Gesamtvorstandes, des Ausschusses oder einzelner Mitglieder sowie d) über etwaige Auflösung des Vereines und weitere Verwendung des Vereinsvermögens zu beschließen. Anträge einzelner Mitglieder müssen 5 Tage vor der Hauptversammlung dem Ausschüsse eingereicht sein. 8 9. Der Geschäftssührende Ausschuß besteht aus neun Mitgliedern, die sämtlich in Darmstadt ansässig sein müssen. Er wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, einen Schriftführer, einen Schatzmeister, sowie je einen Stellvertreter. Ausschetdende Mttglieder tonnen durch den Ausschuß mittelst Zuwahl für den Rest des Ver- etnsjrhies ersitzt werden. Zur Beschlußfassung ist die Anwesenheit von mindestens fünf Mitgliedern erforderlich. Die Beschlüsse werden mrt einfacher Stimmenmehrheit der Anwesenden gefaßt. S l0. Der Geschäftsführende Ausschuß hat die Aufgabe, die zur Ecretchung des Vereinszweckes geeigneten Maßregeln zu treffen und die geschäftlichen Angelegenheiten zu erledigen. 8 11. Der Vorsitzende vertritt den Verein im allgemeinen. Schriftführer und Schatzmeister innerhalb ihres Geschästskreises. § 12. Der Gefamtvorstanb besteht auS dem Gefchäftsführenden Ausschüsse und mindestens einem Vertreter jedes ZwetgvereinS. Ein Zweigvrrein von über fünfzig Mitgliedern hat für je 50 weitere Mitglieder je eine weitere Stimme, jedoch nicht mehr als zusammen 5 Stimmen. 8 13. Der Gesamtvorstand hat a) den Zusammenhang zwischen dem Gefamtoerein und den Zweigoereinen zu ermitteln und zu erhalten; b) über etwaige grmctnschaftltche Veranstaltungen und Maßregeln zu beraten und zu beschließen; o) über die Entlastung des Schatzmeisters, sowie d) über den Voranschlag zu beschließen. Der Gtsamlvorstand beschließt mit einfacher Stimmenmehrheit der Anwesenden. Zur Beschlußfähigkeit ist die Anwesenheit von mindestens 7 Mitgliedern erforderlich. FsÜS kein Zweigverein vorhanden ist, gehören die Gegenstände c) und d) zur Zuständigkeit der Hauptversammlung. S 14. Der Gesamtoorstand tritt mindestens einmal jährlich in Darmstadt auf Einladung des Gefchäftsführenden Ausschusses zusammen. 8 15. Das VereinSjahr beginnt am 1. Oktober. Die Wahlen erfolgen alljährlich und sind giltiz bis zur ersten Hauptversammlung deS nächsten Veieinsjahrls. Hieraus ist zu entnehmen, daß die Gründung eines Zweigvereins Gießen den hiesigen Mitgliedern insofern beträchtlichen Vorteil bringen würde, als sie den größten Teil ihrer Beiträge zurückerhalten und zu eigenen Veranstaltungen verwenden könnten. — Die definitive Beschlußfassung über die Statuten soll im Oktober statlfinden. ** Ölet! Oder seien wir mal urdeutsch: Es stinkt! Und das manchmal ziemlich kräftig. Sie werden es gewiß schon alle empfunden haben, wenn Sie nach den heißen Tagen, wie sie uns seit nahezu 14 Tagen beschert sind, in der Dämmerstunde in Ihrer Klause saßen und den wenigstens etwas kühleren Abendlüsten durch die weit geöffneten Fenster Zutritt verschaffen wollten. Wie oft sind auch Sie aufgesprungen, um die Fensterflügel voller Entrüstung wieder herumzuschlagen, weil sich mit der angenehmen Abendluft höchst zweifelhafte Gerüche in Ihr Heiligtum geschlichen hatten und Ihnen in geradezu beleidigender Weise um Ihr hochwohlgeborenes Riechorgan strichen. Sicher haben auch Sie schon in solchen Augenblicken Ihrem unmutvollen Herzen in wenig parlamentarischen Worten Lust gemacht und Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung erhoben, die noch keine Mittel und Wege gesunden hat, diesem alten Uebel, das sich seit Olims Zeiten in widerlichster Weise breit macht, schneller zu Leibe zu rücken. Daß diese pestilenzartigen Gerüche aus den Gossen kommen, weiß jeder, der seine „Nöse ins Gesicht behölt", wie der olle ehrliche Entspekter Braesig sagt. Und daß diese Gerüche gesundheitsschädlichster Art sind, unterliegt auch keinem Zweifel. Nun sind ja allerdings die Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung nicht begründet. Sie hat im Vorjahre eine Vorlage betr. die Kanalisation der Stadt angenommen und ein solches Millionenprojekt läßt sich selbstverständlich nicht im Handumdrehen fertig stellen. Immerhin hat das Publikum ein Recht daraus zu erfahren, wie weit diese Arbeiten im Lause dieses Jahres gediehen sind und ob sie mit der nötigen Beschleunigung gesördert werden. Es dür te sich vor der Hand empfehlen, auch die Gossen der engeren Gassen der inneren Stadt täglich gehörig mit reinem Wasser zu durchspülen, um wenigstens in etwas der Verb? °itung der ekelhaften Dünste wirksam entgegenzutreten. ** Rückkaufswert der Lebensversicher- ungspolize — Ver mögens st euerdeklaratiou. Der gestrige unter -z. Geilshausen gebrachte Artikel giebt einem Freunde unseres Blattes, der zugleich Versichernngs- fachmann ist, Veranlassung zu folgendem Wink für unsere Leser: Da die preußischen Steuerbehörden für die Er- gänzungs- (Preuß. Vermögens-) Steuer schon seit Jahren nach dem Rückkaufswert: der Lebensversicherungspolizen fragen, so haben sich die Versicherungsanstalten zum Teil schon hierauf eingerichtet und unterrichten den Versicherten über die Höhe des Rückkaufswertes (auch Abgangsvergütung genannt) durch bezügl. Angaben auf den Prümienquitt- ungen. So tragen z. B. die Quittungen der Gothaer' Lebensversicherungsbank den Vermerk: Prümienreserve für gegenwärtige Versicherung am Schlüsse des Versicherungsjahres Mk......" „Abgangsvergütung nach § 53 der Bank-; Verfassung: . . . Prozent dieser Reserve." Der Versicherte rechnet sich auf Grund der eingestellten Zahlen mit wenig Mühe den von per Behörde verlangten Betrag aus. — Da, wo diese Bequemlichkeit dem Publikum nicht geboten ist, empfiehlt es sich, eine Antwortpostkarte an die Direktion der Anstalt zu richten, bei der man versichert ist, mit der Bitte, den Rückkaufswert der Polize (Nummerangabe ist nötig), und zwar gleich auf eine Reihe von Jahren, um nicht alle Jahre fragen zu müssen, angeben zu wollen. Dieser Bitte wird seitens der Anstalten gern entsprochen werden. ** Bauernregel für den Monat August. Nordwind im August will s'an, daß gut Wetter hält noch an. — Thau ist für den August so not, als jedermann das täglich Brod. — Jst's hell am St. Laurentiustag, viel Früchte man sich versprechen mag. — Gewitter am Bartholomä bringen bald Hagel und Schnee. — Mehlthau im August ist sehr ungesund, unreifes Obst bring nicht in den Mund. — Was im Herbst soll geraten, das muß im August braten. — Sind St. Lorenz und Barthei schön, ist guter Herbst vorauszusehen. — Der Sichel vergiß nicht Barnabas, er sorget gern fürs längste Gras. — Wenn der Kuckuck lange nach Johanni schreit, so rufet er nur teure Zeit. — Bringt Rosamunde Sturmeswind, so ist Sybille uns gelind. Darmstadt, 26. Juli. Der Verband deutscher Pfarrervereine beabsichtigt, am 30. August hier seine Jahresversammlung zu halten. Am Mittwoch Vormittag werden zunächst die Abgeordneten im Kaisersaal tagen. Nachmittags sollen unter ortskundiger Führung die Sehenswürdigkeiten unserer Residenz besichtigt werden, da zu erwarten steht, daß sich eine große Zahl auswärtiger Geistlicher, besonders aus Norddeutschland, einfindet. Abends 6 Uhr wird in der Stadtkirche ein Festgottesdienst ab- aehalten, in dem der Vorsitzende des sächsischen Psarrvereins, Superintendent a. D. Meyer-Obersarnstadt, die Festpredigt übernommen hat. — Gegenstand für die Hauptversammlung vom 30. August wird sein: Rückblicke und Ausblicke auf Zustände und Aufgaben der deutschen evangelischen Kirche an der Jahrhundertwende. Mehrere Redner werden den Gegenstand nach folgenden Gesichtspunkten behandeln. 1. Einleitung. 2. Die thatsächliche Lage der evang. Kirche im Volksleben. . 3. Die evang. Kirche und die öffentliche Meinung. 4. Die Laienhilfe in der evang. Kirche. 5. Die Bedeutung des Pfarramtes und Pfarrhäuser für Gegenwart und Zukunft. 6. Die organisatorischen Ausgaben der evang. Kirche an der Jahrhundertwende Mainz, 26. Juli. Aus dem Keller eines hiesigen Weinhändlers wurde vor einiger Zeit ein ganzes Halbstück Wein im Werte von 500 Mk. gestohlen. Der Verdacht fiel auf einen Küferburschen, und angestellte Erhebungen haben zu dem Resultat geführt, daß thatsächlich der Küser- bursche den Wein an kleinere Weinwirte verkauft hatte. Der Bursche ist verhaftet. Mainz, 26. Juli. Bei der Errichtung des städtischen Elektrizitätswerkes war bei der Rentabilitätsberechnung desselben in dem ersten Jahre des Bestehens und dem Betrieb des Werkes nicht allein eine zu erzielende Rente ausgeschloffen, es war auch vorgesehen, daß auS städtischen Mitteln die Verzinsung des Anlagekapitals und die notwendigen Abschreibungen an dem Werke bestritten werden müßten. Nun hat sich aber bei der kürzlich erfolgten Rechnungsstellung über das erste abgelaufene Be- triebsjahr des Elektrizitätswerkes die Thatsache herausgestellt, daß bedeutend mehr elektrische Energie von dem Werke bezogen worden ist, als in dem Voranschläge angenommen worden war, mithin die Rentabilität auch demgemäß sich günstiger gestaltet hat, als vorausgesehen werden konnte. Das Rechnungsergebnis des Elektrizitätswerkes ist daher im ersten Jahre seines Betriebs ein so günstiges gewesen, daß durch die Einnahmen nicht allein die Betriebs- und Verwaltungskosten gedeckt werden konnten, sondern es wurde auch ein solcher Ueberschuß erzielt, daß die Verzinsung des für die gesamte Anlage ausgewendeten Kapitals und die. Amortisationskosten gedeckt werden können. Für die nächste Saison sind wieder eine solche Menge von Anschlüssen an das Kabelnetz angemeldet, daß auch in dem folgenden Jahre die Rentabilität eine weit größere sein wird, als in den Voranschlagsberechnungen vorgesehen war. — Bei der am Mittwoch stattgesundenen Reifeprüfung am hiesigen Gymnasium traten von 23 Schülern 2 zurück> Auf Grund der schriftlichen Leistungen wurden 12 Schüler vom mündlichen Examen befreit. 21 bestanden. Mainz, 26. Juli. Die beiden Burschen, die gestern im Mombacher Walde ein 20jährigeS Mädchen aus Neu- Isenburg vergewaltigten und beraubten, sind verhaftet worden. Die Verhafteten sind der Taglöhner Ries und der Wirt Kronauer von hier. — Infolge der hohen Kohlenpreise hat die Stadt einen Aus schlag in dem Preise für Gas-Koaks eintreten lassen; sie sind um 100 Proz. gegen früher in die Höhe gegangen. Mainz, 26. Juli. Auf Einladung des Vorstandes des Hilfsvereins Mainz für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde hat gestern abend in Anwesenheit des Provinzialdirektors, des Oberbürgermeisters, des Gouverneurs u. s. w. eine sehr zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden, welche die Bildung eines Hilfs - komites für die in China kämpfenden deutschen, Truppen beschloß. Tas Komitee hat heute einen Aufruf erlassen, worin es sich an die Mainzer Bevölkerung um Unterstützung und freiwillige Gaben wendet. — Der Fremden - Verkehr pst gegenwärtig hier ganz riesig. . Die Dampfschiffe, die abends stromaufwärts hier ankommen, sind meistens zum Erdrücken besetzt, ebenso die Bahnzüge. In den großen und kleinen Hotels sind schon in den frühesten Abendstunden sämtliche Räume belegt und es müssen häufig noch Notbetten errichtet werden. Die meisten der Fremden sind Engländer und Amerikaner und unter diesen sind die Damen die Mehrzahl. Wie Kami man Kinder, die nicht gerne esse», dennoch kräftig ernähren und rasch fördern? Man gebe ihnen Suppe aus „Toril“ bereitet oder gebe anderen Suppen, Gemüse rc. „Toril“ hinzu. — „Toril“ ist Fleischextrakt aus bestem Ochsenfleisch mit kräftigenden und nahrhaften Substanzen. 4350 •jgsjH Man verlange überall „Toril“. Jnka-Seifenpulver (Salmiak-Terpentin-Seifenpulver) ißt ein unübertreffliches, allgemein beliebtes Wasch- und Bleichmittel. Es verleiht der Wäsche einen anhaltend angenehmen Geruch. Ueberall erhältlich. 224 Man achte auf das Wort „Jnka16" Mine Partie trüb gewordener Damen- und Kinderwiische empfehlen unter Preis 5045 Geschv. Heerz, Neuenweg 7. Herrenhemden nach Matz oder Muster werden unter Garantie des guten Paffens in kürzester Zeit geliefert. 1440 Reiche Auswahl in Stoffen und Einsätzen. Geschw.Heerz,9ruFnwt97. Telephon 4721 Telegraphen Elektr. Uhren Wasserstands- kernvielder Sicherheits- Anlagen liefert zu billigen Preisen Max Weissbäcker Hießen, Sudanlage 23. 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