1900 Dienstag den 29. Mai Aints- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren u sich Gießen, den 26. Mai 1900. 8815 im zO 1. 2. ßrschetnt täglich ait Ausnahme des Montag-. Die Gießener ssmllienvtStter »erden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess, iinbroirt* u. „Blätter ßr heff. Volkskunde- »dchtl. 4 mal beigelegt. «edakrian, Expedition und Druckerei: Achatstraße Ar. 7. K,nähme »»■ Anzeige« zu der nachmittag- für bat setzenden Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. AbbesteLnngen spätesten- abend» vorher. iM tW* inteibMxnm: Nülln. W Kriegsgerichtliches Erkenntnis. Durch kriegsgerichtliches, unterm 14. Mai 1900 bestätigtes Erkenntnis vom 11. Mai 1900 ist der Rekrut Johan« Georg Douges vom Landwehrbezirk Gießen, geboren am 2. September 1876 in Watzenborn, Kreis Gießen, in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt, und in eine Geldstrafe von Zweihundert Mark verurteilt worden. Darmstadt, den 21. Mai 1900. Gericht der Großherzoglich Hessischen (25.) Division. Alle Anzcigen-Bermittlmrg-stellen M In« und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgegoi« Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. W W $er- sp richt", so jubelt jdias eine Blatt. Und mit heiterer Resignation versichert eine Gefährtin: „Wir halten unsererseits dafür, daß man bei be-, sonnerer Würdigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse mit der Erledigung der Sache nicht unzufrieden zu sein braucht, und daß auch in diesem Fall der magere! Vergleich immer noch besser ist, als der lange währenpe- fette Prozeß, dessen Ausgang im höchsten Grade unsicher! t per ,332 an die vorläufige Erledigung gefunden hat-. Der Bund verfolgt: den Zweck, die Freiheit der Kunst und Wissenschaft im Deutschen Reiche gegen Angriffe jeder Art zu LJ... ' l 4. ..'.Li___ar__mntfl Sdreffe für Depeschen: Anzeiger Kietz««. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Blätter sür hessische Volkskunde._________________ sieht, jederzeit gewärtig sein'. Während die Kammer unseres Landes heute «•.Eli___ar-r.«;* hat tirfi, h?r öreu fil’ Kinder vor vollendeter Pubertät. Es ist aber nur fürs nächste vorbei mit dem Kampfe um Heinze, dem wackeren Manne im Sonnenburger Zuchthause. Wir wollen nicht hoffen, daß ihm die Ohren bald wieder klingen werden. Aber die „Kreuzztg." hat bereits für die nächste Session eine neue Lex Heinze und eine Abänderung der Geschäftsordnung gefordert und als Dank und Antwort das lächelnde Augenzwinkern des preußischen Landtagsabgeortzsteten Landesrat Fritzen ertt- qegengetiommen. Dieser Herr hat vor einigen Tagen offen Erklärt, daß er es für die Pflicht seiner Gesinnungsgenossen halte, daß weiter gekämpft werde! Die Lex Heinze- gefahr scheint also keineswegs ein für allemal beseitigt und der dauernde Zusammenschluß unter der Standarteninschrift „Goethe" eine dringende Notwendigkeit aller Freunde der Künste- und Wissenschaften. Tie Gründung des Goethe- bundes betrachten wir keineswegs als einen bloßen Tagesvorgang, der nach dem Scheitern der Lex Heinze seine mrattt r Stabt an eitö r Enten bieÄjJfiL- JScjugsprcl» vlertelsährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestell« vierieljährl. Mk. l^G monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljäh«. mit Bestellgeld. Kr. 123 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger 3. 4. Bekanntmachung. c>n Allertshausen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Aufhebung der Sperre des verseuchten Gehöftes angeordnet worden. Gießen, den 26. Mai 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. btt Setriijiit; egtrvalm im! Bll firUKtofr ty Lchttnb >«sm Dttzt inbet: »M. sche Landtag bereits die ersehnte Pfingstferienrnußef gegönnt nachdem das Abgeordnetenhaus in seiner letzten Sitzung die Warenhaussteuervorlage in einer Form angenommen hat, die von der preußischen Regierung durch den Mund des Finanzministers v. Miquel für unannehmbar- erklärt worden ist. Wenn die Regierung, was mehrfach- noch bestritten wird, bei dieser ihrer Erklärung verharren sollte, dann würde mithin diese mit so großem (Sifer unter* nommene Aktion ausgehen wie das Hornberger Recht undurchsichtig und trostlos sehen die politischen und parlamentarischen Verhältnisse in Oe sterreich aus, wo das begehrliche Tschechentum jetzt völlig feine Maske abgeworfen und den Entschluß kundgegeben hat: Nichts von Verträgen, nichts von Uebergabe! Unter diesen Umständen wird dem Kabinett Körber, wenn e» den Gang der politischen Geschäfte in Oesterreich nicht völlig zum Stocken bringen will, nichts übrig bleiben, als zur Auflösung dev Reichsrats zu schreiten. Dieser Entschluß wurde freilich nichts nützen, wenn das Kabinett nicht gleichzeitig entschlossen ist, mit allen Mitteln das Tschechentum zu bekämpfen, dessen Macht durch die falsche Politikber Weten österreichischen Kabinette auf eine so gefährliche Hohe ge- Politische Wochenschau. Die Jagd ist vorüber, es wurde Hallali geblasen. Die I Lex öein 3e ist uns eine schöne Erinnerung und der Kampf um d-ie Fleischbeschau gehört, nach der Annahme des Gesetzes, der Vergangenheit an. Es ist still geworden im Reichstag, nur das Murmeln unendlicher Reden zum U n f a l l g e s e tz wird noch lange vernehmbar sein, bis düe milde Zeit der Pfingstferien auch hier den Groll d,ämpft, und erst wenn das liebliche Fest voruber- gezogen ist, wird noch die letzte große Aktion um das'. Flottengesetz die Gemüter bewegen. Aber auch hier wird die Erregung der Heinzezeit nicht wiederkehren. Man weiß ja, wie bei einem Theaterstück der Birch-Pserffev, schon seit geraumer Zeit, wie der Ausgang sein wird. Die Rollen sind verteilt, das Spiel kann beginnen. Jetzt, wo der Kampf um die Üble Lex zu Ende ist, streiten sich die Leute herum, wer eigentlich Sieger gewesen sei. Es liegt etwas erheiterndes darin. Wenn man ein Reich fordert und sich schließlich mit einer Remise begnügt, wenn jemand die Hand nach einer Krone- ausstreckt und wie der jüngere Dionys endet, so wird selbst die äußerste Bescheidenheit nicht von Erfolgen reden. Aber man ist auf jener Seite anderer Meinung. „Es ist doch eine Lex Heinze zu stände gekommen, die nicht von den Obstruktionsparteien diktiert worden ist, die nicht ihren Wünschen und Anschauungen ent-i Bekanntmachung. Betr.: Die Mathildenftiftung für die Provinz Oberhesien. Die diesjährige Hauptversammlung der Mathrlden- fiistung für die Provinz Oberhessen findet: DieuStag, den 158. Juni 1900 vormittags 11 Uhr, im Regierungsgebäude zu Gießen statt, wozu die verehr- lichen Mitglieder der Stiftung ergebenst eingeladen werden. Tages-Ordnung. Prüfung der Rechnung pro 1899. Verteilung des Ueberschusses aus 1899 zur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten. Feststellung des Voranschlags für 1900. Ergänzungswahl des Vorstandes. Gießen, den 26. Mai 1900. Der Vorstand der Mathildenftiftung für die Provinz Oberhesien. v. Bechtold. SJS Bttr.- Gesuch des Christian P°HU lm ^ul|ujul ..... Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen schützen, und derartigen Angriffen müssen wir, wie matt au die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. I ficht jederzeit gern artig fein! Sie wollen feststellen und berichten ob ein gewisser ^särnmentritt,' hat sich der preußi^ Christian Pohl, Sohn von Reinhold Pohl und Elisabethe | HW hQn be5rc'it^ bic ersehnte Pfingstferienmuß geb. Franz, der sich jetzt etwa im militärpflichtigen Alter befinden muß, aus Ihrer Gemeinde gebürtig ist. v. Bechtold. Politische Tagesschau. Gegen die Obstruktion im Reichstage wendet sich jetzt die im preußischen Ministerium des Innern h-rausg-geb-n- B-rliner Korrespondenz, indem sie stz«»: Sie Dppofrtion bet Beratung bet fogenannten les Seini' bie Sorm ei Bc, genommen, von ber ba6 '^gVtungen bie Mehrheit wahrt geblieben war. Es ist dieser Obst 0 ». Gesetzentwurf m einem Zurückweichm g-Andm h-'. bie non der ssääuSä «Sw °uf bie Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß l. •x.Hnn des 1 Zieles der direkten Staats- Lu® Skber®-werbspatent ft em p° I V« 1900/01 'iit die Stadt Gießen bis zum 2cht bekannt Mute sich abend durch e hatte das -rar W.itum gef «iner Einlad Dberbilrgeru nachmittag '■ gefahren un gedampft. Stadt Wiesb ^er hort vk besuch abzuss vorgesehen. AM- 'liefet tot SL®*w* ®.W I4M ! ?,^en »erbt», 'te Offerte» V Juni, «01 ■»"MW l bei Ä» !L«°- Streitpunkte hier nicht eingegangen werden. Gleichwohl behalten die Vorgänge der jüngsten Zeit doch ihre tiefgehende und ernste Bedeutung für unsere ganze parlamentarische Zukunft. Wenn die Vergewaltigung der Mehrheit diesmal von einer Minderheit ausgegangen ist, die sonst als die Vertreterin gerade des parlamentarischen Mehrheitsprinzips sich bekennt, so liegt die Gefahr um so näher, daß der einmal beschrittene verhängnisvolle Weg der Obstruktion auch bei anderer Gelegenheit und auch Gesetzentwürfen gegenüber eingeschlagen werden könnte, die geradezu vitale Jntereffen des Reiches und des Staates berühren. Alle Politiker, denen eine gesunde Entwickelung unseres parlamentarischen Lebens am Herzen liegt, werden der Ueberzeugung fich nicht verschließen können, daß eine Wiederholung der Obstruktion nur die Folge haben könnte, unsere Gesetzgebung zu gefährden und schließlich lahm zu legen. Innerhalb der Mehrheit des deutschen Parlaments wird mithin, wie erwartet werden darf, die Ueberzeugung immer mehr erstarken und sich vertiefen, daß derartige Vergewaltigungen der Mehrheit durch die Minderheit für die Zukunft ausgeschlossen sein müssen. Wie die Berl. Korresp. diese Ausschließung sich denkt, wird nicht angedeutet. Am 26. d. M. waren 25 Jahre seit dem Versöhnungskongreß in Gotha verflosien, aus dem die Einigung der deutschen Sozialdemokratie herbeigeführt wurde. Laffalleaner und Eisenacher (Allgemeiner deutscher Arbeiterverein und Sozialdemokratische Arbeiterpartei), die sich bis dahin aufs heftigste befehdet hatten, schloffen Frieden. In erster Linie war es das scharfe Einschreiten der Polizeibehörden und Gerichte, das die feindlichen Richtungen in Gotha 1875 zusammenführte. In Preußen begann der Kampf gegen die alte Lassallesche Organisation an der Peripherie, in Schleswig-Holstein, schon Ende 1872. Bald wurde er I nach Berlin, dem Hauptsitz des Laffalleschen Allgemeinen I deutschen Arbeitervereins, verlegt. Dieser Verein wurde verboten. Hasenclever, der damalige Präsident des Vereins, suchte die Organisation zu retten, indem er den Ber- einssitz im Juni 1874 nach Bremen verlegte. Aber auch hier begann bald die Verfolgung. Nun kam, was kommen mußte. Die feindlichen Brüder begruben die Streitaxt, lösten ihre verschiedenen Organisationen aus, verständigten sich über einen Kompromiß (Gothaer Programm von 1875) und schufen eine einheitliche deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei. Gleichzeitig wurden die Blätter der beiden Richtungen, der Leipziger Volksstaat (Liebknecht), und der I Neue Berliner Sozialdemokrat (Hasenclever und Hasselmann), in ein einziges Parteiorgan (Vorwärts, Sitz in Leipzig) verschmolzen. Um auch hier die Versöhnung zum Ausdruck I zu bringen, wurden Liebknecht und Hasenclever zu Redakteuren des neuen Centralorgans bestimmt. Mit vereinten Kräften ging es nuu unter der neuen I Parteibehörde, dem Hamburger aus fünf Mitgliedern bestehenden Zentralwahlkomitee, vorwärts. Hatten I die Reichstagswahlen von 1874 den Laffalleanern drei, den Eisenachern sechs Mandate gebracht, mit zusammen 350,000 Stimmen, in die sich beide Richtungen ziemlich I gleich teilten, so zeigte sich bei den Wahlen von 1877 als praktische Folge der Versöhnung eine Erhöhung der sozialdemokratischen Stimmenzahl auf 493,000 mit zusammen I 13 Mandaten. In Berlin wurden der vierte und sechste I Wahlkreis zum erstenmale von der Sozialdemokratie erobert. Etwas über ein Jahr später kam dann das Sozialisten- I gesetz, das über zwölf Jahre in Geltung war. Wie sich seit dem Falle dieses Gesetzes die Sozialdemokratie zu einer I Macht entwickelt hat, ist bekannt. Daß am 26. bezw. 27. d. M. die 25jährige Wieder- I kehr des Gothaer Einigungskougreffes in einer Reihe von Städten durch die Parteigänger festlich begangen wurde, I ist erklärlich. Schon kurz nach dem Gothaer Versöhnungskongreß wurde in der sozialdemokratischen Presse scherzweise I vorgeschlagen, den Berliner Staatsanwalt und späteren I Reichsanwalt Tessendorf, der damals die Sozialdemokratie eifrig verfolgte, zum Ehrenmitgliede der Partei zu machen, da ihm wesentlich die Beilegung des Bruderzwistes zu danken sei. Von Tessendorf erzählte man die Aeußerung, er werde „die rote und schwarze Internationale" aus Berlin verschwinden machen. Teffendorf ist gestorben, aber die Sozialdemokratie lebt. Und da giebt es immer noch Leute, I die da glauben, mit der bloßen Politik der Gewalt etwas I ausrichten zu können. Man vergleiche das Heute mit den Verhältnissen vor 25 Jahren! Schloß Fischbach im Ri-sengebirae wuchs Pnnz Wilhelm zu einem fröhlichen, kräftigen heran lind so fiel slhrn der praktische Mtätbknft9 äui dem Sande des Darmstadter Exerzierplatzes anch gar nÄ schwer. Boll und ganz seine Stelle auszufAlen »ar iS. ^regstes Bestreben. Am 28. Januar 1864 tourbe'bet «rin. Lum Oberleutnant befördert, 1865 bezog er die Universität' Bonn, 1866 die Landesuniversität Gießen. Am 12 4 ? 1866 wurde er zum Hauptmann befördert. Als 1866 Krieg ausbrach, machte er in dieser Charge als Ordonnanr- offizier int Hauptquartier des Prinzen Alexander den Feldzug mit Im Stabe seines Bruders, des Generalmajors und Kommandeurs der Großh. Hess. Reiterbrigade, Prinzen « 1 ? üon Hessen, nahm er an den Gefechten bei Aschaffenburg und Gerchsheim teil. Am 16. November 1867 erfolgte seine Ernennung zum Major unter Stelluna a in Juite des Großh. Hess. 4. Infanterie-Regiments. Gleichzeitig wurde er zweiter Inhaber des l(3. Jnfanterie-Reai- ments (Leib-Regiments). 1870 erwirkte er sich! beim Ausbruch des Krieges bei König Wilhelm I. die Erlaubnis den Feldzug wieder im Stabe seines Bruders mitmachen au dürfen. Der Prinz nahm teil an den Schlachten bei Mars la Tour, Gravelotte - St. - Privat, Noisseville, Orleans an der Belagerung von Metz und an den Gefechten von Meung, Beaugency, Montlivault, Chambord und Vienne Dabei zeichnete sch Prinz Wilhelm des öfteren durch persönliche Tapferkeit aus und befand sch mit seinem Bruder I häufig im dchtesten Kugelregen. Besonders bei Mont- I livault (9. Dez. 1870) trug er persönlch durch Anfeuerunss I der Truppen und durch umschtige Anordnungen wesentlich I dazu bei, daß der überraschende Awgriff der Franzosen zuruckgewiesen wurde. Stets deutscher Denkart kehrte Prinz I Wilhelm, stolz über die glorreichen Erfolge der Deutschen I und besonders seiner tapferen Hessen, im Jahre 1871 in die Heimat zurück. Während des Feldzuges wurden ihm an Orden und Auszechnungen verliehen: das he fische Militär-Verdienstkreuz, das Eiserne Kreuz 2. Klasse, ba« mecklenburgische Verdienstkreuz, der russische St. Georgs Orden und die Reichskriegsdenkmünze. Außerdem war der Prinz Inhaber zahlreicher hoher Orden u. a. des Großkreuzes des Ludwigsordens und be* Verdienstordens Philipps des Großmütigen, des Hessischen Hausordens vom goldenen Löwen, des Bairischen Hubertusordens, des Großkreuzes des Belgischen Leopoldsordens und Niederländischen Wilhelms-Ordens, des Russischen St. Andreas-Ordens, des St. Alexander-Newski-Ordens, des weißen Adlerordens und des St. AnnenOrdens 1. Klasse?c. I Kaiser Friedrich, hatte ihm während seiner kurzen Re gierungszeit den hohen Orden vom Schwarzen Adler verliehen. Vor einigen Jahren hatte sich Prinz Wilhelm auch die Rettungsmedaille am Bande erworben, weil er mit eigener Lebensgefahr während der kalten Jahreszeit eine Frau vom Tode des Ertrinkens gerettet hatte. Am 25. Februar 1885 vermählte sich Prinz Wilhelm mit der S,chauspielerin Josephine Bender, die den Namen Freifrau von Lichtenberg erhielt. Dieser überaus glücklichen Ehe entsproß ein Sohn, Gottfried Ludwig Josef Wilhelm von Lichtenberg, der zur Zeit als Leutnant im 3. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 117 steht. Die letzten Lebensjabre des Prinzen sind verhältnismäßig still und einfache oahingegangen, ganz seinem einfachen, schlichten Wesen entsprechend. (£r liebte die Zurückgezogenheit auf S.chloß Rosenhöhe, aus der er nur heraustrat, wenn eine unbedingte Notwendigkeit dazu vorlag. Prinz Wilhelm führte hier das Leben eines Privat gelehrten und bekundete wie alle hessischen Fürsten und Prinzen für wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen daS weitgehendste Interesse, besonders für geschichtliche Forschung und Musik. Fast nie hat er bei einer Versammlung des historischen Vereins, fast nie bei den Bayreuther Festspielen gefehlt. Richard Wagner verehrte er besonders. Mit dem verstorbenen König Ludwig II. von Baiern, dessen Mutter eine Schwester der Mutter des Prinzen war, verband ihn vertraute, innige Freundschaft. Der Prinz weilte häufig als Gast bei seinem königlichen Vetter, der mit ihm die Verehrung für Wagner'sche Musik teilte. Wenn der Briefwechsel mit diesem Wrsten dereinst im Druck erscheint, dürfte er sehr fesselnde Dinge zu Tage fördern. Noch im verflossenen Jahre weilte der Prinz längere Zeit in Bayreuth, um den dortigen Festspielen beizuwohnen, und war ein gefeierter Gast int Hause Wahnsried. Große Verdienste erwarb er sich auch als Protektor der Gustav-Adolf-Aufführungen in Darmstadt. Prinz Wilhelm war ein ebenso guter Deutscher wie Hesse, ein hochgebildeter, vorurteilsfreier Mann, ein vor trefflicher Mensch; bei allen, die ihm nähertreten durften, hinterläßt er das ehrenvoll st e Andenken? lieber die Erkrankung und den Tod des Prinzen schreibt der behandelnde Arzt Dr. Kolbe: Seine Hoheit erkrankten am Sonntag, 20. Mai, unter leichtem Frösteln und Halsschmerzen; bei der ärztlichen Untersuchung wurde eine starke Anschwellung der linken Mandel konstatiert, die Temperatur betrug dabei 39,4. Im Laufe des Montags nahmen bei normaler Temperatur die örtlichen Erscheinungen im Halse zu, besonders war die Schmerzhaftigkeit fast unerträglich, sodaß die Bildung eines Abscesses sicher anzunehmen war. Im Laufe des Dienstags nahm unter Entleerung von Eiter und Blut die Schwellung im Halse schnell ab, ebenso verringerten sich die Schmerzen in sehr erfreulicher Mise. Im Verlaufe des Dienstags waren Se. Hoheit zeitweise außerhalb des Bettes, die Temperatur betrug am Abend 38,8. Der Mittwoch zeichnete sich subjektiv und objektiv durch einen günstigen Krankheitsverlauf aus. Die Schmerzen im Halse wurden gar nicht mehr empfunden, die Besichtigung ergab, daß die linke Mandel ihre normale Größe wiedererlangt hatte und daß am Ende des Zäpfchens ein kleiner weißer Schleimbelag sich festgesetzt hatte. Die Eitereütleerung aus dem Munde ging ohne Hustenreiz durch geringes Räuspern vor sich. Es fiel nun bei der Untersuchung der übrigen Organe auf, daß in dem hinteren und unteren Abschnitt der rechten Lunge ein leichtes Schleimrasseln zu hören war. In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag zeigten sich nach vorhergehendem, anscheinend gesundem Schlaf Schmerzen in der linken Seite des Leibes und der Brust, die das Allgemeinbefinden des hohen Patienten sehr störten. Am Donnerstag früh konnte man bei der Untersuchung Aus dem Leben des Prinzen Wilhelm von Heffen Gießen, den 28. Mai 1900. Prinz Wilhelm war geboren zu Bessungen als der jüngste Sohn des Prinzen Carl von Hessen (f 20. März 1877) und dessen Gemahlin Prinzessin Elisabeth, Toch? ter des Prinzen Wilhelm von Preußen (Cousine Kaiser Wilhelms I.). Für die Prinzessin Carl war es damals eine traurige Zeit; ihre Mutter war in Berlin schwer erkrankt, sodaß sie trotz der beschwerlichen Reise zu Weihnachten an das Krankenbett eilte, von dem sie ihre geliebte Mutter nicht mehr aufftehen sehen sollte. Gleich seinen beiden älteren Brüdern, dem Großherzog Ludwig JV. und Heinrich, genoß Prinz Wilhelm eine sorgfältige Erziehung. Körperlich wohlgebildet und geistig gut veranlagt, entwickelte sich der Prinz unter der Leitung seines Gouverneurs von Zangen und seines Lehrers Theodor Becker in erfreulichster Weise. Dieser unterrichtete ihn fitt den Hauptfächern, während ihm in anderen Fächern noch mehrere hervorragende Lehrkräfte zur Seite standen. Den Religionsunterricht erteilte Ober- hospredtger Dr. Bender, der ihn auch am 15. April 1862 konfirmierte. Am selben Tage wurde er auch zum Leutnant SLrvtiP ^-^herzoglichen Infanterie-Regiment Prinz Meute 11 /), ernannt, nachdem er persönlich auf Doppelposten an der Schloßwache mit einem Kadetten zusammen gestanden hatte. Auf der „Rvsenhöhe" und im Sommer I teressen aller Richtungen. Selbstverständlich sei, daß ein I Zolltarif schema nicht aufgestellt werden könne, ohne daß gleichzeitig Zolltarifsätze erörtert würden. Es lasse sich bet den Verhandlungen über das Schema gar nicht ver- I hindern, daß die Interessenten ihre Wünsche über den Tarif aussprächen. Die Gerüchte über die Art der Vorbereitung der Verträge trügen den Stempel der Tendenz I an der Stirne. I Abg. Paasche (nl.) tadelt ech daß die Vollmacht, I England und den ermlifchen Kolonien Meistbegünstigung I 3N gewähren, auf u nbesttmmte Zeit gefordert werde, denn I Deutschland habe keine Garantien, daß die Kolonien in I Zwischenzeit Deutschland die Meistbegünstigung ent- I Ziehen. Deshalb sei es ihm persönlich schwer, der Vorlage I Trt der Fassung „bis auf weiteres" zuzustimmen. I Roe ficke-Dessau (wildlib.) hofft, daß der I Staatssekretär, wenn er von Gerede gesprochen habe, wel- I Mes den Stempel der Tendenz an der Stirn trage, nicht Herrn Broemel damit gemeint habe. (Graf Posadowsky schüttelt verneinend den Kopf.) Die Forderung, daß alle Verhandlungen über Zolltarifsätze an das Licht der Oeffent- I ltchkeit kommen sollten, sei durchaus berechtigt. Vizepräsident v. Frege bittet die nachfolgenden Red- I wer, sich möglichst an der Vorlage zu halten. I iAhg, R 0 esicke - Kaiserslautern (Bd. d. L.) stimmt I dem Abg. Pansche bei und kündigt zur zweiten Lesung I einen Antrag an, in ider Vorlage die Worte „bis auf weiteres" zu ersetzen durch eine Vollmacht auf ein Jahr, also bis Ende Juni 1901. ’ Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt zunächst, I er habe mit seiner Kritik vorhin nicht Herrn Broemel im I Auge gehabt. Gr bleibt dabei, daß bei den Verhandlungen , I das Schema sich solche über Zollsätze nicht verhindern ließen. Wenm die Vorlage die Vollmacht „bis auf wei- I erbitte, so liege das daran, däß es nicht zweckmäßig I sei, ledes Jahr ganz dieselben Debatten zu haben. Deutsch- I land habe jedenfalls Anlaß, Störungen seiner Handels-- beziehungen mit England zu vermeiden, und da müsse wie ein Kaufmann gehandelt und gefragt werden, auf welche Weise der Saldo für Deutschland vorteilhafter sei. Die Generaldebatte wird geschlossen. — In zweiter Lesung wird nach, kurzer Debatte der Antrag Roesicke- Kmserslautern (Bd. d. L.) angenommen. — Ein Vorschlag des Abg. Rickert (frs. Vg.), die Vorlage gleich in dritter Lesung zu erledigen, stößt auf den Widerspruch des Abg. Bachem (Ztr.) — Das Haus setzt nun die Beratung der Unfallversicherungs-Gesetze fort mit dem Haupt- I gefttz, dem sog. Mantelgesetz. — Es werden hier zunächst zahlreiche Anträge Roesicke (wildlib.) und anderer ange- I nommen, die lediglich redaktionelle Bedeutung haben oder I । Konsequenzen von Beschlüssen zum Gewerbe-Unfallgesetz sind. Einige sozialdemokratische Abänderungsanträge wer- I den sämtlich abgelehnt. — Es folgt dann das Unfallgesetz für die Land- und Forstwirtschaft. — Beim. § 6a beantragt I Abg. v. Richthofen (kons.), die in zweiter Lesung angenom- I mene Bestimmung wieder zu streichen, wonach für die Fach- I arbeitet: in den gewerblichen Nebenbetrieben der Landwirt- I schäft deren Jndividuallöhne (statt des Lohndurchschnitts I für landwirtschaftliche Arbeiter) der Berechnung der Rente I zu Grunde zu legen sind. — Ein Antrag Roesicke( wildlib.) I dagegen will die Berechnung nach Jndividuallöhnen zwar I für die Facharbeiter aufrecht erhalten, sie aber für die I sonstigen Arbeiter, welche hauptsächlich in Nebenbetrieben I beschäftigt sind, wieder beseitigen. — Der Antrag Roesicke I (wildlib.) wird angenommen, der Antrag v. Richthofen (f.) I abgelehnt. — Beim § 6 a b wird ein sozialdemokratischer I Antrag, bei Berechnung der Rente für versicherte Betriebs- | unternehmen den Jahresarbeitsverdienst zu Grunde zu I legen, der für die bestgelohnten Arbeiter des Kreises gezahlt I wird, abgelehnt. — Beim § 9 wird ein weiterer sozialdemo- I kratischer Antrag abgelehnt, die Bestimmung über Na- I turalienrente an Trunkenbolde wieder zu streichen. — An- I genommen werden verschiedentliche von Mitgliedern bei- I nahe aller Parteien vereinbarte Aenderungen von vor- I wiegend redaktioneller Bedeutung, bezw. Konsequenzen von I Beschlüssen beim Gewerbeunfallgesetz. — Nunmehr wird I über dieses Gesetz, wie vorher über das Mantelgesetz, die I Gesamtabstimmung vorgenommen, bei der sich auch die I Sozialdemokraten für Annahme des Gesetzes erheben. — I Beim Bau-Unfallgesetz werden ebenfalls mehrere Aender- I ungen als Konsequenz der vorausgegangenen Beschlüsse I vorgenommen und das Gesetz in der Gesamtabstimmung I angenommen. — Dasselbe geschieht beim See-Unfallgesetz I und beim Unfallfürsorge-Gesetz für Gefangene. — Endlich I erfolgt noch! die Gesamtabstimmung über das' Gewerbe- I Unfaltgesetz. Auf dieses Gesetz erheben sich sämtliche So- I zialdemokraten. — Die Annahme sämtlicher Gesetze er- I folgt hiernach! einstimmig. — Mittwoch) 6. Juni 2 Uhr: I Zweite Lesung des 'Flottengesetzes. Schluß 3 Uhr 45 Min. Deutscher Reichstag. 203. Sitzung vom 26. Mai. 11 Uhr. Tagesordnung: Zunächst Beratung der Vorlage betr. Verlängerung des Handelsprovisoriums mit England. , Abg- O e rtel - Sechsen (kons.) fragt an, ob in den nächsten Session dem Hause das neue Zolltarifgesetz werjdä vorgelegt werden. Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, daß die Regierung bisher noch zu keinem endgiltigen Abkommens Mit England gekommen sei, liege an den äußeren Ver-i hältnissen. Trotzdem bitte er, die Vorlage in derselben wie früher anzunehmen. Die deutsche Regierung habe selbstverständlich das größte Interesse daran, daß in den gedeihlichen Handelsbeziehungen zu England keiner- ri ^örun^ eintrete. Die Vorbedingung für die bevorstehende aroße handelspolitische Aktion sei das Zustande- des Zolltarifs. Die Vorbereitungen seien soweit gediehen, daß zu hoffen fei, daß es möglich sein werde, in der nächsten Tagung em neues Zolltarifgesetz nebst Zolltarif embnngen zu können. 0 .Abg- M ö l l e r - Duisburg (nl.) äußert sich anerkennend über die sorgsame Vorbereitung im Reichsamt des Innern. Abg. Broemel (frs Vg.) ist der Ansicht, dnß die Vorlage zweifellos vom Hause mit großer Mehrheit zur Annahme gelangen werde. Redner hält es für nötig, daß der Entwurf, sobald er fertiggestellt sei, der Oesfentlich- feit unterbreitet werde. Dadurch solle eine bure-aukratische Ausgestaltung der Vorlage verhindert werden. Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, von einer bureaukratischen Schablone könne nicht die Rede fein. Niemals sei ein Zolltarifgesetz auf so breiter Grundlage festgestellt worden unter Hinzuziehung wirtschaftlicher In beides dabei der srschelMll Kerschlinl' §nwem>u Tage M MmaY flW'a faines ö stündige« nach 5" .yohe-t und durch hältuischu Qiingewot wohl dara Beckalkunc W Men M großer $ lieber l .Pilhetur litten unb sich erst legte. Sein raf am Don rin, doch war Die MfbaM der Roscnhohe Generals-Unis Sonntag, von mittags vonh Anläßlich Prinz Herr und hat sich! Krinz selbst le Beisetzungsfeu 2W tl9Qbe,^ »SeÄ ^tellu^ .lnents. l;1 ^fonterie^ MWnl ««*4 chten bei®? Ä °Ä ‘ ®cWfa u; Sien» ±«•*8 *? bei Mm wesens Ä &ö* * DeW * 1871 u wurden ihi- ' ?as HM 2. Klasse, £ St. tzeorg: lhlreicher hoh,- ordens und k< des HessW loschen hlkff Leopoldsock:^ ’ Russischen et. 'ftijtbenv, bei eus 1. Stoffe k. er tuqen A tm M M-- Min quä veil er mit sreszeit eine inz Wilhelm den Rarnen ierau§ glück» udwig Joses Leutnant im d 've^ültnü'ö' \'s ein- lvedle die Zu- us der er nur ügkeitMM- n einei friwi- ?n Fürst« imi> X BestrrbM ir geschichM bei einer $ei; ie btibei* n er WttW ei gibroi^ IL von >t MM dee ; FreunW^ em löniMv Tner'MM Ersten deremsi Dinge zuA< eilte der Mn; i hause Wahn h als Protektor iftabt t E' * eitlen.1 oU’«1* twd ihn nid dM $r «ff tcu war. v rungrf a5,*Ä i«ÄiU i®*i*' «'S no1; ^Zid-d-' mA ging Atz nett «n der n war .jF beiderseitiges Lungenödem nachweisen; auch bestand^ dabei der Auswurf aus Hellem, schaumigem Blute. Die Erscheinungen des Lungenödems waren eine bedeutende Verschlimmerung des seither so günstigen Verlaufs und mußten eine baldige Gefahr befürchten lassen. Trotz Anwendung verschiedener Mittel wurde der an diesem. Tage zum ersten Male unregelmäßige Puls nicht einmal normal, obgleich die Temperatur nicht über die Norm ging; unter Nachlassen der Atembeschwerden trat langsames Schwinden des Bewußtseins ein und nach mehrstündigem Todeskampf trat ohne Schmerzen 5 Minuten nach 5 Uhr abends der Tod ein. — Die Kräfte Seiner Hoheit waren durch die schmerzhaften, schlaflosen Nächte and durch die Störung der Nahrungsaufnahme unverhältnismäßig schnell geschwunden. Der Eintritt des Lungenödems, der eine sehr große Schwäche verriet, ist wohl darauf zurückzuführen, daß hei Sr. Hoheit eine Verkalkung der Adern besinnst), und daß diese Verkalkung, die an den Schlagadern des Armes deutlich zu fühlen war, fkfy auch an den Adern des Herzens mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten ließ. Ueber die letzten Lebenstage des Prinzen; Wilhelm von Hessen erfahren wir, daß er noch am letzten Sonntage im Parke der Rosenhöhe spazieren ging und sich erst gegen Abend wegen Unwohlsein zu Bette legte. Sein Sohn, Leutnant Gottfried von Lichtenberg, ivaf am Donnerstaguachmittag um 2 Uhr von Mainz ein, doch war der Prinz um diese Zeit schon bewußtlos. Die Aufbahrung der Leiche ist im Salon des Palais auf der Rosenhöhe erfolgt. Der Perblichene ist mit der großen Generals-Uniform bekleidet. Dem Publikum war gestern, Sonntag, von 9 bis halb 12 Uhr vormittags, und nachmittags von 3 bis 6 Uhr der Zutritt gestattet. Anläßlich des Ablebens des Prinzen Wilhelm traf Prinz Hernrich gestern morgen von München ein und hat sich sofort nach der Rosenhöhe begeben. Da der Prinz selbst leidend ist, muß er auf ärztlichen Wunsch den Beisetzungsfeierlichkeiten fern bleiben. Torpedobootdivifion in Mainz. Mainz, 28. Mai. Der Donnerstagabend vereinigte die Torpedo-Offiziere mit hiesigen Herren und zahlreichen Offizieren zu einem gemütlichen Zusammensein im „Holländischen Hof". Als die Torpedoboote am Mittwochmittag hier wieder eintrafen, erhielt Kapitänleutnant Funke ein Telegramm vom Großherzog von Baden, das folgenden Anlaß hatte: Vom Brieftaubenklub „Blitz" in Karlsruhe waren der Tor- -edobootsdivifion fünf Brieftauben mitgegeben worden. Beim Auslassen der Taube« am Mittwoch in Mannheim hatte Kapitänleutnant Funke der einen ein Telegramm an daS Großherzogliche Paar in Karlsruhe mitgegeben, worin rr sich nochmals für die vielen Auszeichnungen im schönen Badenlande bedankte und dem Großherzog Friedrich gute Besserung seines leidenden Zustandes wünschte. Das Antworttelegramm lautete: „Ich erhielt heute nachmittag 31/» Uhr durch Taubenpost Ihre freundliche Begrüßung aus Mannheim mit dem so warmen Ausdruck Ihrer Dankesgesühle, in Erinnerung an Ihren Aufenthalt hier. Ich battfe Ihnen von Herzen für jedes Wort Ihrer Empfindung und benütze serne diesen Anlaß, Ihnen zu sagen, wie sehr Mich der Besuch Ihrer Division in meinem Lande gefreut hat, und welch' hohen Wert ich dem Erscheinen der Torpedobootdivifion am Oberrhein beilege. Grüßen Sie Ihr« Offiziere und Mannschaften von Ihrem sehr ergebenen Friedrich, Sttßherzog von Baden." Die Vertreter der Presse wurden am Freitag nach dem Kaüserbesuch gastlich auf dem Torpedoboot 8 9 ausgenommen Hub machten eine kleine Fahrt mit. Leider war es vorher nicht bekannt gemacht worden, daß die Offiziere der Torpedoboote sich für den hiesigen großartigen Empfang Freitagabend durch ein Feuerwerk revanchieren wollten. Trotzdem hatte das prachtvolle Feuerwerk ein nach Tausenden zählendes Publikum gefunden. Die Offiziere folgten Samstagvormittag einer Einladung des Hauses Kupferberg, wo auch der Oberbürgermeister Dr. Gaßner zugegen war. SamStag- nachmittag ‘732 Uhr ist die Division nach Biebrich abgefahren und ist Sonntagvormittag nach Coblenz weiter- ged ampft. Samstagabend waren die Offiziere Gäste der Stadt Wiesbaden. Zwei Boote legten in Oestrich an, um ter dort wohnenden Witwe des Admirals Stosch einen öesuch abzustatte». In Coblenz ist zweitägiger Aufenthalt vorgesehen. Damit endet die Rheinfestfahrt der Torpedodivision, die dann wieder rheinabwärts fährt und ihre Station aufsncht. Als Kuriosum von der Festfahrt der Torpedoboots- flottille wird glaubhaft berichtet, daß die Mannschaften bei ihrer Bergfahrt bis Worms sechsundzwanzig Mal mit demselben Gericht, Spargel und Schinken, reguliert worden sind. Im übrigen sollen die Mägen der Offiziere und Mannschaften sich den riesigen Anforderungen, die an ihre Verdauungssähigkeit auf der Rheinfahrt gestellt worden sind, bis jetzt glänzend gewachsen gezeigt und keinerlei Schaden erlitten haben. Aus Stadt und Sand. («rrmryme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte», werde« -rnndsützlich nicht ausgenommen.) Gießen, 28. Mai 1900. ♦♦ veschichtskalerrder. (Nachdruck verboten.) Vor 60 Jahren, am 28. Mai 1840, wurde zu Salzburg HanS Makart geboren. Die Wiener Akademie entließ ihn als „talentlos". Ptloty in München nahm sich jedoch seiner an. Kaiser Franz Joseph ließ ihm ein Atelier in Wien erbauen, wo er seine weltbekannten Gemälde schuf. Er starb am 3. Oktober 1884 in der Katserstadt an der Donau. W. Goethebund i« Gießen. Wir haben bereits mitgeteilt, daß in den hiesigen Buchhandlungen, in der Expedition des „Gießener Anzeigers", im „Hotel Prinz Karl", im Klubhause und beim Universitäts- Hausverwalter Herrn Stork Listen ausliegen zur Erklärung der Mitgliedschaft einer Sektion Gießen des Hessischen Goetbebundes. Eine Anzahl ernster Männer unserer Stadt, darunter unser Oberbürgermeister und mehrere UniversitätSprosefforen, haben sich bereits zum Eintritt in den Gießener Goethebund bereit erklärt. Wir möchten für die Sache aber noch mehr werben. Wenn es auf den ersten Blick scheinen könnte, als wäre diese Gründung gegenstandslos geworden, seitdem die lex Heintze, die den äußeren Anstoß dazu gegeben hat, eine kaum mehr bedenkliche Fassung erhalten hat, so erweist sich dieser Standpunkt bei genauerer Prüfung der Sachlage als unhaltbar. Vor allem bestehen im Reichstag die Majoritäts- Verhältnisse fort, die sich in diesem einzelnen Fall als eine schwere Gefahr für die Freiheit unseres geistigen Lebens erwiesen haben, und wir müssen daher andauernd mit der Möglichkeit rechnen, daß der Versuch, der deutschen Wissenschaft und Kunst die Fesseln einer rückschrittlichen Weltanschauung anzulegen, auf diesem oder jenem Gebiet der Gesetzgebung wiederholt werde. Es gilt also, auf der Hut zu sein. Sodann aber sind doch auch sonst in den letzten Jahren mancherlei Fälle vorgekommen, die den zielbewußten Zusammenschluß aller Freunde einer freiheitlichen Entwickelung unseres wissenschaftlichen und künstlerischen Lebens dringend wünschenswert erscheinen ließen und dem Gedanken des Goethebundes mächtig vorgearbeitet haben. Darum ergeht an die Gießener Intelligenz die Aufforderung, sich einer Organisation anzuschließen, die sich die Verteidigung der deutschen Kunst und Wissenschaft gegen alle reaktionären Eingriffe und die Förderung wahrhaft künstlerischer und wissenschaftlicher Bildung zur Aufgabe gemacht hat, und wir sind überzeugt, daß unser Aufruf hier keinen minder starken Widerhall finden wird, als es in anderen Orten, in den letzten Tagen erst in Darmstadt, Mainz, Augsburg, Bremen und Hamburg, der Fall gewesen ist. *• Justizrat Dr. Rosenberg f. Man schreibt uns von zuverlässiger Seite: Am 25. Mai starb hier der Rechtsanwalt Justizrat Dr. jur. Anton Rosenberg im 68. Lebensjahre, der in Steins Garten, um Erholung und Stärkung gegen eine unheimlich fortschreitende Krankheit in der frischen Gartenluft zu suchen, Wohnung genommen hatte. Unerwartet trat gegen 6 Uhr der Tod an ihn heran, wie ein Freund; denn schmerzlos entschlief er. Heute geleiten Angehörige, Kollegen und Freunde den Entschlafenen auf den letzten von ihm vorgeschriebeneu Weg zum Crematorium. Anton Rosenberg war der Sohn des in früheren Jahren weithin be« kannten und allseits hochgeachteten HofgerichtSadvokaten Benedikt Rosenberg zu Gießen. Bon des letzteren Vatertreue wurden dem Sohne die Mittel zu einer gründlichen wissenschaftlichen Ausbildung gegeben. Nachdem er die vor- geschriebenen Prüfungen im Justizfach glänzend bestanden, trat er bei seinem Vater als Accessist ein und wurde tnt Jahre 1861 zum HofgerichtSadvokaten ernannt. Erst al» Helfer, dann als Nachfolger seines ehrwürdigen Vaters übernahm Anton Rosenberg dessen Advokatur und führte sie mit unvergleichlichem Fleiß und Treue bis an das Ende feiner Tage. Das Vertrauen seiner ausgebreiteten Clientschaft, daS er von seinem Vater ererbt hatte und in gleichem Maße zu erhalten wußte, die Hochachtung der Gerichte und der übrigen Behörden, mit denen er dienstlich in Berührung kam, sowie die Liebe seiner Kollegen waren die Früchte seiner Thätigkeit im Dienste des Rechts. Daß er diese Thätigkeit in der nobelsten Weise, aber wo eS galt mit rücksichtsloser Energie entwickelte, das wurde von allen, die ihm nahc- standen, stets anerkannt und sicherte ihm die Hochachtung, die mit seinem Namen verbunden war. Von Allerhöchster Stelle wurden seine Verdienste ebenfalls gewürdigt und dieser Würdigung durch Verleihung des Ehrentitels „Justizrat" Ausdruck gegeben. — Anton Rosenberg war verheiratet mit Julie geb. Homberger von Gießen. Aus dieser äußerst glücklichen Ehe sind vier Kinder, zwei Söhne und zwei bereits verheiratete Töchter, hervorgegangen. Die Kinder und eine kleine Schar von Enkeln verlieren in dem Verstorbenen einen treuen, patriarchalisch sorgsamen Baler und Großvater, die Kollegen einen vorbildlichen, auch für ihr Wohlergehen stets thätig wirkenden Freund, die Recht- suchenden einen zuverlässigen Berater und Verteidiger des Rechts. — Sein Andenken wird ein gesegnetes sein. Friede seiner Asche! ** Konzert-Verein. Verdis Requiem am Donnerstag den 31. Mai in Steins Saalbau. Im Jahre 1874 am ersten Jahrestage des Todes von A. Manzoni wurde im Dom zu Mailand für den großen Dichter die offizielle Totenfeier gehalten. Mit der Komposition des Requiens war Italiens größter Musiker, G. Verdi, beauftragt. Das Requiem ist eine leichtgefügte, durchsichtige Komposition, die den Charakter der italienischen Kunst fast nur von seiner vorteilhaften und beneidenswerten Seite veranschaulicht. Die Ueberlegenheit, die die Italiener in der Kraft, Schönheit und Bestimmtheit des melodischen Ausdrucks vor der Musik anderer Nationen voraus haben, ihre große Begabung in der Wirkung mit einfachen Formen spricht aus diesem Requiem mit neuer Deutlichkeit, ohne daß wir durch trivialen Mißbrauch dieser Gaben gestört werden. Unter denjenigen Abschnitten dieser Totenmesse, die von der in Deutschland herrschenden Auffassung am ersichtlichsten abweichen, zeichnet sich der erste Satz am meisten aus. Der Ton, in dem hier vom Tode gesungen wird, entspricht ganz dem kindlich gläubigen Zug, der dem italienischen Volke eigen ist. Bon jeher finden wir in dem italienischen Musikdrama die Sterbeszene in einer rührenden Mischung von Wehmut und verklärter Freundlichkeit gehalten. Man denke an den Schluß von Monteverdes berühmten „Combattimento", man denke an Verdi selbst, an den letzten Gesang seiner Äcuzena, an den fünften Akt der „Aida". Auf alle die Schönheiten und Eigentümlichkeiten des Verdi'schen Requiems näher einzugehen, würde zu weit führen. ~~ Köstliche Gerichte. So manche Hausfrau bereitet mühelos viele köstliche Gerichte von Brown und Polsons Mondamin. Bei geringer Mehrausgabe lassen sich leicht in kurzer Zeit Mondamin-Flammris, -Puddings, -Milch- und Eierspeisen, -Aufläufe,-Desserts schnell zurichten, Brown u. Polsons Mondamin, mit Milch gekocht, wird der leichten Verdaulichkeit wegen von Aerzten für Kinder und junge Mütter gern empfohlen. Mondamin ist überall käuflich. Brown und Polsons neue Rezepte sind als ein Büchlein bei deutlicher Adresse Berlin C. 2, kostenlos zu haben. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte. Arbettsvergedung. Die bei Vornahme baulicher Ver- inberungen in der Kirche zu Wieseck vorkommenden Arbeiten, eie Maurer-, Schreiner-, Glaser- mb Weißbinderarbeiten, sollen im Eege schriftlicher Submission ©er« D»ben werden. 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