Jestern wager, Donnerstag den z9. März 1OOO Kweites Matt 'M. 74 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Aintt» und Anzeigeblatt für den Kreis «Netzen. ZSe»ug»preiS vierteljährl. Mk. monatlich 75 Pi^. mit Bringerlohti; durch die Abholrsteller vierteljährl. Mk. 1 M monatlich 65 P!z Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlems«! nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lckal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg. »u OieHener jieetHtelfitter de» Anzeiger **t »hrff- lohuter e. Mütter W HL Mltunbt- ■MEL 4mI deigelegt. gneget hb enicigen zu der nachmittag- für den leg scheinenden Nummer bis »orm. 10 Uhr. MdlstrE'—g'" spätestens «de»dS vorher. ien, ihmc. in IWK8, nung jiilM biiu ii H 01240 Bwact itziigsM O < üutlkji en, Sfei Anstalt 10. StbE m eiüd»6”'6, ,iK,s EN mehren 3«^ vorübergegangen; man kannte ihn nur als kraftvollen Balladensänger, und als solcher war er in den Schullesebüchern zu finden. Aber erst durch seine Berliner Romane (vor allen „Irrungen, Wirrungen") hat er sich seinen Ehrenplatz erobert. Vermögen sich seine Romane auch nur langsam Neuland zu erwerben und infolge ihrer stark ausgeprägten norddeutschen Eigenart über die Provinz ihres Ruhmes hinauszudringen, so stellt Fontane heute doch einen Gipfel dar, den keiner nach ihm mehr erklommen hat. Ten Schweizer Dioskuren Gottfried Keller und Eonrad Ferdinand Meyer gesellt sich dieser Hugenotten- sprößling als dritter im Bunde, und geliebt wird er vielleicht noch mehr als diese beiden. Jetzt konnte es die Verlagshandlung von F. Fontane leichten Herzens unternehmen, seine Erstlingsplaudereien einer dankbaren Gemeinde aufs neue darzureichen. Und wir begrüßen in diesem Band, in dem „Ein So m nt e r inLondon" (1854) und „I e n s e i t d e s T w e e d" (1860) vereinigt erscheinen, des „alten Fontane" Jugendschriften und ergötzen uns daran, in dem jungen Fontane die herrlichen Ansätze zu des alten Meisters Kunst wiederzufinden. Ter neuen Ausgabe ist eine aus dem Jahre 1844 stammende Bleistiftskizze beigegeben, die die Züge des Fünfundzwanzig- jährigen festhält: mit einer elegischen Kopfhaltung, die ihm später manchmal ein Lächeln auf die Lippen gelockt haben mag, mit einem üppigen Haarwulst und schwärmerisch gesenkten, müde zufallenden Augen. Dos Porträt mit seiner Stilisiertheit, die an Heinebilder gemahnt, hat etwas Anmutiges, und reizvoll hat der Dichter in einem der köstlichsten Kapitel seines Buches erzählt, wie es auf einer Villa in der Nähe von London, bei dem gastlichen Mr. Burford, entstand. Aus mehreren Gründen ist das Buch wertvoll, nicht nur weil es zufällig am Eingang einer Dichterlaufbahn steht. Auch nicht, weil die Reisen in Schottland Vorstudie und Anlaß zu den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" wurde» und die prachtvollen Balladendichtungen und -Nachdichtungen zeitigten. Wir bewundern das Buch selbst; und wenn wir nichts weiter von diesem Manne wüßten und besäßen, so könnten diese Reiseskizzen einen hervorragenden Platz beanspruchen. Sie könnten erweisen, daß man vorurteilslos in ein fremdes Land kommen soll, nicht eitel lobhudelnd und nicht böswillig verdammend, sondern gerecht vergleichend. Sie könnten uns ferner etwas von der Kunst des Erlebens und der Kunst des Reisens lehren. Fontane hat dieser K u n st des Erlebens in seiner letzten Beichte — durch die Fülle der Lebensweisheit sind fast alle seine Werke dazu geworden —, in dem Roman „Stechlin" also das Wort geredet: „Die Dinge an sich sind gleichgiltig;allesErlebtewirderstwasdurch den, der es erlebt". Davon macht er hier schon reichlich Gebrauch. Belanglose Ereignisse werden durch die Kunst der Darstellung und die Liebenswürdigkeit des Darstellers vergoldet, mit einem Hauch von Ewigkeit behaftet. Die Dinge an sich sind gleichgiltig. Aber „öie_ Accente machen s im Leben und in der Kunst". Wenn es Hinz und Kunz erlebten, bliebe es uns gleichgiltig. Wenn's Theodor Fontane erlebt, wird es uns fast zum Erlebnis. Hier gewährt sich Goethe's Wort: „alles Einzelne hat Allgemein- Neben dieser Kunst des Erlebens — und mit chr ge paart - verdient die Ku n st d e s R et f s mcht zu jung angeschlagen zu werden. Heutzutage genügt Jago s Rezept tgtebltion und Druckers: >#*ntre|t Ar. 7. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Kälter für hessische Volkskunde. Adreff« für Depeschen: Aujetger Fernsprecher Nr. 51. Lokales und Provinzielles. («ftemyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, 28. März 1900. ** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 74 Jahren, m 2». März 1826, starb *18 Badischer Hofrat der Dichter j-hann Heinrich Votz in Heidelberg, der gewandte Ueberjetzer ob Sänger der „Luise". Seinem Charakter nach war er eine llwchaus norddeutsche Natur; als Dichter versuchte er sich in allen !Ktm der Lyrik. In seinen Streitschriften tret er für unbedingte ‘Dtnb und Gewissensfreiheit ein. V. wurde am 20. Februar 1751 M Sommersdorf in Mecklenburg geboren. " Der Umzugstermin (1. April) fällt diesmal auf einen Sonntag. Es feien deshalb die Bestimmungen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches in Erinnerung gebracht. Nach §556 des B. G. B. ist der Mieter verpflichtet, die ge- «irtel« Wohnung nach der Beendigung des Mietsverhältnisses Mkiiä,zugeben. Das Quartal läuft mit Mitternacht des 31. März ab, die Wohnung wäre sonach nach dieser Zeit, «Iso «m 1. April, zu räumen. Da aber der 1. April auf einen Sonntag fällt, so kommt § 193 des B. G.-B. in grogt, der folgendes besagt: Ist an einem bestimmten läge oder innerhalb einer Frist eine Willenserklärung ab- jiigeben oder eine Leistung zu bewirken, und fällt der be- jtimmie Tag oder der letzte Tag der Frist auf einen Sonntag »der einen am Erklärungs- oder Leistungsorte staatlich an- «lannten allgemeinen Feiertag, so tritt an die Stelle des Iomntags oder des Feiertags der nächstfolgende Werktag. Danach scheiden die Sonn- und Feiertage als ver- ttagsmäßige Erfüllungstage auS. Es tritt an ihre Stelle rniner der nächste Werktag. Die Mieter sind also erst ««pflichtet, am Montag, 2. April, die Wohnung zu räumen. ' Darüber, daß zu einer bestimmten Stunde oder bestimmten Tageszeit die Wohnung geräumt werden muß, bestimmt das Sesctz nichts, überläßt dies vielmehr ortspolizeilichen Be- titnmungen. Es kann demnach der Mieter nicht gezwungen intrben, am 31. März auszuziehen. * • * **th. Landwirtschaftlicher Verein für die Provinz Ober- WM Generalsekretär Dr. Müller-Offenbach sprach am : b8. nachmittags in einer gut besuchten Versammlung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen iilet das Thema: „Wie hoch müßten unter Berücksichtigung der heutigen Verhältnisse die land- «»Ktlchaftlichen Zölle in den neuen Handels- iMrträgen angesetzt und festgelegt werden? — Der Redner macht in erster Linie für den Niedergang der rL-Mbwirlschaft die Handelsverträge verantwortlich bei denen l >ir Landwirte die Vorteile der Industrie und des Handels l«zahlen müßten. ES sei nicht zu bestreiten, daß das Dar- i litberliegen der landwirtschaftlichen Produktion auch auf imbert Umstände mit zurückzuführen sei. In der Haupt- ftzhe sei es aber die Handelspolitik, welche die Schuld trage, daß die Preise der landwirtschaftlichen Produkte derart zurückgegangen seien, daß ein sicherer Erwerb dabei in Frage gestellt werde. Selbst bei der noch lohnenden Viehzucht verhindere die Seuchenkalamität, daß der Land- wirt sich diesem Erwerbe beruhigt zuwenden könne. Hierzu komme die Arbeiterfrage, die dem Landwirt das Leben sauer mache. Die Arbeiter ziehen, der besseren Löhne und der kürzeren Arbeitszeit wegen, wozu noch die Ungebundenheit des Lebens daselbst komme, in die Stadt. Alle hiergegen vorgeschlagenen und versuchten Mittel seien resulatloS gewesen, und sei hierdurch der ungünstige Einfluß der Handelsverträge auf den landwirtschaftlichen Erwerb noch verstärkt worden. Redner geht dann auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse des Großherzogtums näher ein und erörtert durch Vergleiche der beiden in den achtziger und neunziger Jahren stattgesundenen Erhebungen, daß auch in Hessen ein rapider Niedergang der Landwirtschaft zu verzeichnen sei. Nach diesen Erhebungen, die sich auf 38 Wirtschaften erstreckten, seien die Arbeitslöhne um 50 Proz. seit 1886 gestiegen, und die Grundrente dieser untersuchten 38 Betriebe betrage im Durchschnitt 0,41 Prozent. Redner behauptet, daß Deutschland im stände sei, seinen Körnerertrag so zu steigern, wie dies zur Ernährung unserer Bevölkerung erforderlich sei. Dies sei möglich durch eine intensivere Ausnützung der Anbaufläche, zu welcher sich aber heute niemand bequeme, weil die Getreidepreise so gering seien, daß sie die Selbstkosten nicht decken. Die Kommission des Hess. Landwirtschaftsrats, welche sich mit der Frage des Ablaufes der Handelsverträge und der Erhöhung des Schutzzolles auf landwirtschaftliche Erzeugnisse beschäftigt habe, sei in ihren Vorschlägen, welche sie nach der Richtung zu machen habe, einig. Das Mindeste, was verlangt werden müsse, sei ein Schutzzoll auf Weizen und Roggen von 7 Mk., auf Gerste und Hafer von 5 Mk. pro Doppelzentner. Dementsprechend seien zu erhöhen die Zölle auf Mehl und Mühlenfabrikate. Ebenso habe man mit der Einfuhr von Wein und Trauben von Italien her schlechte Erfahrungen gemacht und werde man einen mäßigen Zollschutz auch hierfür beantragen. Weitere Vorschläge habe man zu machen betreffs eines Schutzzolles auf Obst, und zwar für Schüttel- und Kelterobst 1,50 Mk. Für Obst in einfacher Verpackung 3 Mk. und für feines sogenanntes Tafel-Obst 4 Mk. für den Doppelzentner, während der Obstweinzoll, so wie er besteht, belassen werden könne. Von interessierter Seite aus Norddeutschland verlangt man die Erhöhung des Eingangszolles für Pferde von 20 auf 50 Mk. das Stück. Ebenso könne ein Schutzzoll auf Geflügel nicht schaden. Nach einer lebhaften Diskussion, wobei sich alle Redner für eine Erhöhung des Schutzzolles auf landwirtschaftliche Produkte aussprachen, nahm die Versammlung eine Resolution an, in welcher die Hess. Staatsregierung ersucht wird, in diesem Sinne beim Bundesrat zu wirken. — Zum Präsidenten des Vereins wurde Herr Graf Friedrich zu Solms-Laubach, zum Vizepräsidenten Herr Oekonomierat Schienke-Hardthof per Acclamation auf 6 Jahre wiedergewählt. ** Vom Vorstande des Detaillisteuverbandes für Hessen und Waldeck erhalten wir folgende Zuschrift: Im Interesse der Landbewohner halten wir uns für berufen, dieselben vor Hausierern zu warnen, welche Sensen im Preise von 3 bis 4 Mark an den Mann bringen, die in Wirklichkeit nicht mehr als höchstens 2 Mark Wert haben und für letzten Preis in jedem reellen Geschäft zu haben sind. Also Vorsicht! •• Landeskirche. Im Jahre 1898 betrug im Großherzogtum Hessen die Zahl der von der evangelischen Landeskirche (formell) Getrennten: Altlutheraner 911 (1897: 986), Darbysten und Baptisten 361 (375), Methodisten 113 (120), andere Sektierer 543 (868), Freiprotestanten 3507 (3105), zusammen 5434 (5454). Im selben Jahre sind zur evangelischen Landeskirche übergetreten: von der katholischen Kirche 100 (113), von anderen christlichen Konfessionen 30 (49), Sonstige 8 (24), zusammen 138 (186); auS der evangelischen Landeskirche ausgetreten: zur katholischen Kirche 13 (12), zu anderen christlichen Konfessionen 26 (24), ohne Uebertritt 1 (2), zusammen 40 (35). ** Wo bleiben die Kartenbriefe 5 Bei der Neuordnung des Postverkehrs für den Ort- und Nachbarortverkehr scheint man die Kartenbriefe vergessen zu haben. Sie sind überhaupt so eine Art Schmerzenskind. Kaum waren die Kartenbriefe da, so wurden sie Gegenstand der abfälligsten Kritik und allem Anschein nach hat sich die in anderen Ländern ungemein beliebte Briefform bei uns noch nicht recht eingebürgert. Umsomehr muß es, wie der „Konfektionär" hervorhebt, überraschen, daß der Kartenbrief bei dem Ortsverkehr völlig vergessen worden zu sein scheint, während doch gerade dies ein vorteilhaftes Verwendungsgebiet sein dürste. Bleibt der Kartenbrief nur als 10 Pfennig- Brief bestehen, so wird sich das Publikum seiner wieder ganz entwöhnen. Man sollte entweder 5 Pfennig-Kartenbriefe für den Ortsverkehr schaffen oder die vorhandenen Kartenbriefe mit dem Ueberdruck „Ortsverkehr" versehen und sie für 5 Pfennig verkaufen. ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Mathilde Barth aus Nassach wegen Betrugs, Diebstahls und Unterschlagung von Großh. Staatsanwaltschaft zu Darmstadt; Bäckergehilse Gustav Hermann Gäßler aus Mahlberg wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt; Zimmermann Johann Wilh. Kahlen aus Drielakemoor wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Bingen; Schlosser und Schmied Wilhelm Kammer aus Ober-Widdersheim wegen Strafvollstreckung von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Taglöhner Johann Heinrich Koch aus Heftrich wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt zu Friedberg; Tischler Emil Kranich aus Altenfeld wegen Körperverletzung, und Schlosser Karl Wilhelm Last Feuilleton. Theodor Aonlancs erstes Much: Aus England und Schottland.*) Erstlingswerke haben ein zweifaches Schicksal. Ge- i pilnilid) gehen sie bei ihrem Erscheinen an der Oeffent- I iv^feit spurlos und unbeachtet vorüber, werden in Litte- rrÄirgeschichten eingesargt, Dienen höchstens dem den Ent- nnülungsgang des Dichters sorgsam Aufzeichnenden als ^Btgweiser und Prüfstein litterarhistorifcher Methode und fPrn im günstigsten Falle, indem sie sich von berühmteren s. Seifen desselben Verfassers euren schwachen Abglanz er- i«i,en, nachträglich Auferstehung. Seltener pflegt es zu । ;8jd)c()en — obwohl dieses Schicksal eine ganze Reihe mo- 1 «einer Schriftsteller, nicht zum Vorteil ihrer Entwickelung, l jefroffen hat —, daß die Primizien auf dem Altar der die wertvollste Frucht des Spenders bleiben. Ter injotg des Erstlings stellt sich den künftigen Werken mit $ |eifrci§ten Beinen in den Weg, verdunkelt sie durch den ^eienschatten, der ihm selbst anhaftet, und bewirkt, daß «ilie folgenden Gaben mit strengerem Maßstab gemessen i mb mit gesteigerten Ansprüchen ausgenommen werden, 't-ür kreide Fälle lassen sich zahlreiche Belege anführen. Än Theodor Fontane haben wir das außergewöhnliche ^il'p-iel erlebt, daß ein Dichter erst an der Schwelle des eniireisenalters durch seine Werke Aufsehen erregte und iüfliMt zu der ihm gebührenden Wertschätzung gelangte. ©Seine ersten Schöpfungen waren ohne jeglichen Widerhall ~*=) Berlin W., F. Fontane & Co-, 1900, 528 S. aus Warschau» wegen Körperverletzung, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz; Schreinergehilfe August Karl Merz aus Darmstadt wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt I zu Darmstadt; Metzgergehilfe Andreas Moos aus Lampertheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Zwingenberg; Zimmermann Friedrich Papendieck aus Blankenburg wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Worms; Schmied Jakob Reitz aus Offenthal wegen Betrugs und Diebstahls von der Polizeiverwaltung Offen- bach; Dienstknecht Georg Siegmayer aus Wissel wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Darmstadt II; ein Unbekannter, angeblich Diener und Kutscher Fritz Zerreich aus Luxemburg, wegen Zechbetrugs und ein Unbekannter, der sich den falschen Namen Johann Blattner aus Pfeddersheim beilegt, wegen Mietgeldschwindel, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Worms; ein Unbekannter, angeblich Georg Abt aus Seligenstadt wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Zwingenberg; Komiker Georg Emrich aus Worms wegen Unterschlagung von Großh. Staatsanwaltschaft Mainz. ** Stadttheater. (Der P r o b e k a n d i d a t.) Ueber die am nächsten Freitag im hiesigen Stadttheater zur Aufführung gelangende sensationelle Novität „Der P r o b e k a n d i d a t" schreibt der „Hannoversche Courier" : Das war eine Max Dreyer-Woche, die das Residenztheater hinter sich hat, kein bloßer Abend, der unserem nunmehr in den Vordergrund des deutschen Bühnenlebens der Gegenwart gerückten Humoristen gewidmet war. Und allem Anschein nach wird sein Name noch lange auf den Theaterzetteln vorherrschen: denn ein Erfolg, wie ihn sein neuestes Schauspiel „Der Probekandidat" am Sonnabend und Sonntag hier erzielte, ist seit langer Zeit keinem modernen Stücke in Hannover zu teil geworden. Nicht nur nach jedem Aktschluß, sondern fast nach jeder prächtigen Szene — und ihrer giebt cs viele in diesem gelungenen Schauspiel — erhob sich rauschender Beifall, der oft in stürmisches Bravorufen ausklang. Fragt man nach den Gründen dieses fast in allen Städten durchschlagenden Erfolges, so treffen hier einmal Glück und Verdienst zusammen. Ein Glück für Dreyer ist die bis zu einem gewissen wirkenden Grade erstarkte Abneigung des deutschen Volkes gegen die geistige und kirchliche Bevormundung, in der leider wieder einmal das Allheilmittel gegen gewisse gefährlich dünkende Strömungen im Volke erblickt wird. Wir sind nun heutzutage entschieden an einem Punkte angelangt, wo das latente Widerstreben gegen erneuerte Versuche geistiger und kirchlicher Bevormundung ganz langsam in Aktion sich umsetzt, und ein deutliches Zeichen dieser beginnenden Aktion ist auch das neue Stück Max Dreyers. Das ist die glückliche Zeitstimmung, die eine Gewähr seines Erfolges ward. Dreyer leuchtet mit gutem deutschen Humor in die verdumpfte Luft mancher Schulen hinein. Ein solcher Stoff in dieser Form, das engere Gebiet der Schule betreffend, würde vor einem Jahrzehnt noch nicht auf solche Teilnahme im Publikum haben rechnen können: vor einem Jahrzehnt wäre das Schauspiel Dreyers schwerlich über die Bühnen gegangen. Es hat alles seine Zeit. Jetzt wirkt auch das in die Augen springende Verdienst, das Geschick und Talent zu der günstigen Aufnahme mit, das aus dem Werke spricht und die großen Fortschritte lehrt, die Dreyer seit seinem hier ja auch eben erst aufgeführten Drama „Winterschlaf" bis zu diesem neuesten Schauspiel in der Führung der Handlung, im Dialog, in der Charakterzeichnung gemacht hat. Während er in den ersten Gaben seiner dramatischen Muse, besonders im Winterschlaf noch merkbar namentlich unter dem Einfluß Jbsen's und der deutschen Jbsenjünger steht, hat er sich in dem „Probekandidaten" zu einer ganz persönlichen Eigenart durchgerungen; sein ureigener Genius spricht hier zu uns, und es ist eine kernhaft deutsche, eine sonnenhaft humorvolle Weltanschauung, eine prachtvoll heimatliche, im besonderen niederdeutsche Weltanschauung. Sein Humor ist von der Art des echten germanischen, der selbst die Gegner durch ein fröhliches Lachen versöhnt, wenn sie überhaupt lachen können, der natürlich einer gewissen Uebertreibung nicht ermangelt, aber auch das Unangenehme und Anstößige durch eine goldige Gutmütigkeit erträglich erscheinen läßt. Solch eine ursprünglich deutsche Begabung haben wir seit Jahrzehnten, seit Anzengruber, in diesem hervorragenden bestimmenden Maße auf der deutschen Bühne nicht begrüßt. Dazu kommt etwas ausgesprochen Männliches. Es ist von der Berliner Kritik schon angedeutet, daß wir an Dreyer, wenn er sich so weiter entwickelt, einen deutschen Moliere als Vorbereitung: „Thu Geld in deinen Beutel, oder, wie wir's auszudrücken belieben: „steck die nötigen blauen Lappen ein". Man vertraut sich einer Reisegesellschaft an, die nicht nur für das körperliche, sondern auch für das geistige Wohl ihrer Passagiere sorgt. Alle Sehenswürdigkeiten werden an der Hand geprüfter Führer erledigt oder mit Hilfe vortrefflicher Reisehandbücher „abgebädekert". Man läßt sich die Empfindungen vorschreiben, mit denen man vor ein unsterbliches Kunstwerk hinzutreten habe, und man setzt seinen Ehrgeiz darein, nichts zu versäumen, was sich der Gunst eines oder gar mehrerer Sternchen erfreut. So schlägt die süße Gewohnheit modernen Reisens alle Schuhe über einen Leisten. Nichts davon bei dem ehemaligen Neu-Ruppiner Apothekergehilfen, der seine Pillen gedreht und seine Medikamente gebraut, und doch den Drang zur Bethätigung seiner Eigenart nicht unterdrückt hat. Selbstherrlich lehnt er sich auf gegen diese Unsitte, „die, wie überall, so auch in Schottland herrscht, dem Reisenden gleichsam eine bestimmte Reiseroute, eine bestimmte Reihenfolge von Sehenswürdigkeiten aufzudrängen .... Der Reffende überläßt sich wie ein Gepäckstück den Entrepreneurs und bringt sich dadurch um den vielleicht höchsten Reiz des Reisens, um den Reiz, das Besondere, das Verborgene, das Unalltägliche gesehen zu haben. Eine kleine Schönheit, die wir für uns selber haben, ist uns lieber wie die große und allgemeine". Freilich zür Entdeckerfreude wird nur der berufen sein, der die Kunst des Beobachtens besitzt. Und das ist der dritte Vorzug, der Fontane's Reiseskizzen — wenn auch in viel beschränkterem Maße — nachzurichrnen ist. Wo in aller Welt giebt es noch ertwas zu beobachten, tönt haben werden. Mit gewohnter Geschicklichkeit hat Herr Haack das Schauspiel inszeniert, auch der Akt in der Aula, der leicht durch szenische Versehen hätte Schaden nehmen können, war wohl gelungen. Den Mitwirkenden fühlte man es ordentlich nach, daß sie mit besonderer Lust und Liebe diese volkstümlichen Gestalten ergriffen hatten. § Butzbach, 28. März. Der hiesige Bürgermeisterei- Gehilfe Kreuder, welcher bereits 40 Jahre lang diesen Posten zur allseitigen Zufriedenheit versieht, tritt mit dem 1. April d. Js. im Hinblick auf sein vorgerücktes Lebensalter, in den wohlverdienten Ruhestand. Seitens unserer Stadtverwaltung ist dem Genannten in Würdigung der treuen, langjährigen Dienstleistungen eine Jahrespension von 1000 Mk. und freie Wohnung zugebilligt worden. — Durch die Ungunst der letzttägigen Witterungsverhältniffe herrschen hier und in der Umgegend noch Influenza sowie andere Erkältungskrankheiten. § Sichenhausen (Kreis Schotten), 26. März. Heute fand im hiesigen Gemeiudewald die Versteigerung der diesjährigen Holzernte statt. Die Preise waren ziemlich hoch. Für Scheitholz, erster Klasse wurden im Durchschnitt 6 bis 7 Mk., für Prügelholz (Buche) 5 bis 6 Mk. bezahlt. Für das Fichtenstammholz wurden 20 bis 25 Mk. pro Festmeter gelöst. t Burkhards, 26. März. Nachdem am 17. d. M. die erste Bürgermeisterwahl von dem Wahlkomito für ungiltig erklärt worden war, fand heute eine nochmalige Wahl statt, aus welcher unser früherer Bürgermeister Herr Heinrich Klein II. mit 55 Stimmen als Sieger hervorging. Sein Gegenkandidat, der seitherige Bürgermeister, Herr Kunkel, erhielt 50 Stimmen. — Schon mehrere Wochen vor der ersten Wahl, begann die Wahlagitation, die bis zur heutigen Wahlschlacht ihren Höhepunkt erreichte. § Volkarlshain (Kreis Schotten), 27. März. Ein Landwirt in dem nahen Hettersroth hat eine Kuh, welche eine Mißgeburt zur Welt brachte, nämlich ein hundeartiges Geschöpf. §§ Ober-Seemen (bei Gedern), 27. März. Gestern fand hier Bürgermeisterwahl statt. Obwohl die Wahl auch eine sehr lebhafte war, erhielt doch der seitherige Bürgermeister Peppel die Mehrheit mit 110 Stimmen. Der Gegenkandidat blieb mit vielen Stimmen in der Minderheit. A Mainz, 27. März. Zwischen dem Militärfiskus und der hiesigen Eisenbahndirektion schweben seit einiger Zeit wegen Erwerbung des von der Bahn zur Anlage der Projektierten Verbindungslinie Mainz-Mom- bach-Kostheim-Bischofsheim benötigten Geländes in der nordwestlichen Enceinte der hiesigen Festung. Bekanntlich hat der Militärfiskus das frei werdende Festungsgelände an der Nordwestseite der Stadt zum Verkauf ausgeboten, ohne, daß bis jetzt bekannt geworden, daß sich irgend ein Kaufliebhaber gemeldet. Die Eisenbahnverwaltung befürchtet daher, daß bis zu einem en LIoo-Verkauf des Geländes noch viel Zeit vergeht, und man daher mit der Ausführung der Bahnanlagen sehr behindert werden könnte, was im Interesse des allgemeinen Verkehrs von großem Nachteil ist. Mit Rücksicht hierauf sucht nun die Bahnverwaltung den von ihr benötigten Geländeteil separiert zu erhalten, wozu aber, wie wir hören, die Militärverwaltung sehr wenig Neigung zeigen soll, vielmehr nach wie vor darauf besteht, das ganze Gelände ungeteilt zu verkaufen, — Als einen schlagenden Beweis der Solidarität der Arbeiterschaft läßt sich die That- sache betrachten, daß den hier streikenden Tünchern aus der hiesigen Kasse des deutschen Holzarbeiter-Verbandes eine Summe von 1000 Mk. überwiesen wurde. Warburg, 25. März. An Stelle des verstorbenen Herrn Professors Hölling ist Herr Mündelein, Oberlehrer am Gymnasium zu Rheine, vom Kuratorium zum Oberlehrer am hiesigen Gymnasium gewählt und höheren Orts bestätigt worden. Als Geistlicher gehört Herr Mündelein der Paderborner Diözese an. GerSfeld (Rhön), 26. März. Ein in das Hammelburger Amtsgerichtsgefängnis eingelieferter Stromer machte auf die Frau des Gefängniswärters, während dieselbe den Haftraum öffnete, einen thätlichen Angriff, indem es uns aus den Reihen der Bebrillten entgegen, das nicht vor uns beobachtet worden wäre? Fontane's Auge ist uicht so scharf wie das modernerer Plauderer von der Art Peter Altenberg's, das Beobachten war nie seine stärkste Seite; aber er schmuggelt unbemerkt einen Ersatz dafür ein. Ein Beispiel: wenn er an dem prächtigen Wasserfall steht, den der Foyersfluß vor seiner Mündung bildet, so erwähnt er wohl die hohe Meinung, die die Schotten von diesem Gefälle haben, daß nur die Kaskaden von Tivoli schöner seien. „Mag sein; wir aber, ohne der Schönheit der Szene zu nahe treten zu wollen, sahen öfter nach dem Mädchen im blauen Kittel, das jetzt auf einem Felsenvorsprung umschäumt und umdonnert, lachenden Auges dastand, als auf die Wassermasse, die fast an ihren Füßen vorbei in den dunklen Schlot hinabstürzte. Die Staffage ging über die Landschaft". Der einzelne Fall Ist typisch für Fontane, den die menschliche Natur immer interessanter dünkte als die sogenannte schöne Natur, für deren dekoratives Gepräge ihm das Organ fehlte. Ja, er läßt sich hier zu folgendem Geständnis hinreißen, das ihm in Brighton, „einem Hause voll von lauter Prunkgemächern", aufdämmert: „Was einzig und allein dauernd dem Menschen genügt, ist nur immer wieder der Mensch. Nichts ermüdet schneller als die sogenannte schöne Natur; wie Guckkastenbilder müssen ihre Zauber wechseln, wenn man sie überhaupt ertragen soll". Zeitlebens hat er an diesem Standpunkt festgehalten. Für Reiseskizzen wäre das kaum ein geeignetes Motto. Für Fontane trifft es den Nagel auf den Kopf. Wollte man diesem Buche, und besonders seinem zweiten Teile, ein anderes Motto vorausstellen, so könnte es nur der Vierzeiler sein, den Fontane einer „echte»» 0000001 8 Gel D Hiermit i er der Frau mit dem Closetkübel auf den Kopf schlug, daß dieselbe zu Boden stürzte. Die Frau hatte jedoch so oi" Geistesgegenwart, um den nächstliegenden Haftraum, tr welchem sich zum Glück drei wegen ganz geringer Vergeig eingezogene Häftlinge befanden, zu öffnen. Diese Famen der Frau zu Hilfe und es gelang ihnen, den sicherheit^. fährlichen Stromer, welcher es auf einen Ausbruch QCe. sehen hatte, wieder in den Haftraum zu bringen. Aus der Rhöu, 23. März. Ein recht frecher stahl wurde des Nachts in dem Dorfe Bor sch bei in der Rhön ausgeführt. Durch das Zurückschieben dez Riegels öffneten die Diebe die Hausthür des Bürgermeister- Röhr und stahlen zunächst aus dem Schornstein zwei schmeü Schinken ä 15 Pfund, sowie vier große sogenannte Rippen, stücke. Während nun offenbar der eine Dieb seinen Ra^ in Sicherheit brachte, ging der andere in die Wohnste und stahl aus dem Kasten eines Schrankes 100 Mk. Papiergeld; durch das Geräusch, das er hierbei verursache, erwachten die Röhr'schen Eheleute, die in der anstoßenden Kammer bei offener Thüre schliefen. Der Dieb entfloh, unk so entging ihm eine weitere Summe von ca. 150 Mk., dir sich in dem nämlichen Kasten befand, und die er in der gilt mitzunehmen vergaß. — Die jüngste Kälte hat die Aus. sichten für eine gute Obsternte wesentlich gt. steigert. Milliarden von schädlichen Larven und Insekt die in den warmen Februartagen an die Oberfläche du Bodens kamen, sind durch die Kälte vernichtet worden. BtMuw W m kam SmN W' . Ardritnl btl pro 0 Um geneigt * ergcbenst an Leipzig. 26- $ - -v Ernste dn i Li.\ v ÄMst 16io liti ÄMst 1895 di t (. n m Md der Äü M,(! beim AMM taditttr ihälig gemc M ö- am 18. > -utlil geworden \W 1 ai-.gemnderien, er tM\ m Anne ' TvüigeWnÄes ve ■ r Me M m «Bundesgebiet Verb >i\v. siebenden hei ;v. batte aber voi t < 0 ebei Vein ulV'1' kleiden S «w veri.' 6 ES'Lü fee? .. ZrnchOh" durch " Tochter Erins", Miß Arabella Fitzpatrick, ins Stammbuch geschrieben hat: „Es hat geklippt, es hat geklappt, Ich seh es wohl, ich bin ertappt; Erst Dichter, Leugnen dann — so geht-, Ein liebel gebiert das andere stets". Tas Leugnen hilft nichts, der Poet bricht überall burch. Er braucht nicht immer in Verse»» zn reden. Aber bei jeder passenden Gelegenheit setzt er un» solche poetische Leckerbissen vor. Er begeistert sich für Schottlands Bal- ladendichtung, die dein Sänger heimischer Stoffe den lieber- reichen Mund erschloß. Er streut die Uebersetzung Burns scher Lieder ein. er singt Ä-omas Moore de»i Preis, er läßt sich von den Wellen des Loch Katrine die Geschichte der Jungfrau vom See, des bekannten Walter ScottsclM Epos, vorrauschen, er regaliert uns mit einer romantischen Einlage vom letzte»» Hochlands-Häuptling, die den Anschein erwecken möchte, als sei sie einen» schlichten Culloden Führer nacherzählt, in Wirklichkeit aber eine geschlossene Novelle darstellt, und ein Menschenschicksal ergreifend gestaltet. Oder er spielt sich zum warmherzige»» Verteidiger der berühmten Lady Hainilton, der Geliebte»» Nelsons, au| reitet den Hochmutsklepper der Heuchelei erbarmungslos nieder. Und wenn er eine seichte schottische Spukgesch»^^ wiedergiebt, unterläßt er es nicht, daran zu erinnern, oaG Schelling denselben Vorwurf in Terzinen eingekleidet ya». „die letzten Worte des Pfarrers zu Drotning" bettte»»- Wie sich überhaupt die tiefe litterarische Bildung Fontane s schon in diesern Jugendwerk verrät. Schluß folgt. *it sämtlich idäö-ero, Fe «rgebensi anjujeig Gesurrdheitsftaud uud Sterblichkeit im Kreise Gießen während des Jahres 1899. Die Summe aller im Kreise Gießen im Jahre 1899 verstorbene» Personen betrug 1448 gegen 1355 im Jahre 1898, die Totgeborenen find hierbei nicht mitgezählt. Die Sterbeziffer hat sich hiernach gegen über dem Vorjahre um 93 erhöht, sie erreicht aber trotz Zunahme der Bevölkerung noch nicht das Mittel der verflossenen 9 Jahre mit 1528. Lei Berechnung der Sterblichkeitsztffer d. h. der Zahl der Set storbenen auf 1000 Lebende scheiden wir die in den Kliniken verstorbenen kreisfremden 175 Personen aus und lassen dieselben überhaupt bei den folgenden Zusammenstellungen außer Betracht; es verbleiben als Kreis angehörige 127 3, und die Sterbltchkeitsziffer beträgt bei einer aus den früheren Volkszählungen berechneten Einwohnerzahl ungefähr 79800. 15,94 o/qo gegenüber 14,76 o/M im Vorjahre. Die Zahlen getrennt berechnet für die Stadt Gießen und den Land bezirk ist: 12,53 beziehungsweise 17,47 o/flO, mit anderen Worten, e» starben in den Landgemeinden im Jahre 5 Personen mehr aus 1000 Einwohner als in der Provinzialhauptstadt. Von den einzelnen Quartalen brachte die meisten Todesfälle das erste (418), die geringste Zahl das dritte (310); die sßr die Sterblichkeit ungünstigsten Monate waren der Dezember und Januar mit 152 resp. 148, die günstigsten der Oktober und Juli mit 91 und 98 Todesfällen, «nd zwar trug die erhöhte Gefährdung der Tuberkulösen in der kalten Jahreszeit und das vermehrte, zum Tode führende Auftreten akuter Lungenerkrankungen einschließlich der Influenza während der Wintermonate in erster Linie die Schuld an dieser Erscheinung. 254 der Verstorbenen hatten das erste Lebensjahr nicht überschritten, 186 waren zwischen 1—15 Jahre alt, im Mannesalter zwischen 15—60 Jahre» waren 380, im Greisenalter über 60 Jahre 453 verstorben, ei gehörten mithin 440 oder 34,56 % dem KindeSalter an und 833 oder 65,44», waren Erwachsene. Im Vorjahre waren die enffprechenden Zahlen 29,14 % und 70,86 e/e, und eS war die erhöhte Kindersterblichkeit im Berichts- gegenüber dem Vorjahre bedingt durch zahlreichere Todesfälle an Scharlach und akuten Erkrankungen der Lungen: Von den Todesursachen interessieren zunächst die akuten Infektionskrankheiten, welche vornehmlich das Kindesalter bedrohen, an diesen sind zusammen 60 Kreisangehörige gestorben und zwar an Masern 5 (im Vorjahre 6), an Scharlach 25 (7), an Diphtheritis und Ross'3 (8)0^' °n Keuchhusten 10 (9), an Unterleibstyphus 1 (I), an Die Masern herrschten in Gießen, Ruttershausen, Mainzlar, Rödgen, Annerod, Treis a. d. Lda., Lumda und Münster. Scharlach trat in großer Verbreitung epidemisch auf und zwar in Gießen während des ganzen Jahres in 90 uns angemeldeten Fällen, wovon 2 gestorben sind, ferner in größerer Ausdehnung in Treis a. d. Lda. mit 40 Erkrankungen (t 5), in Steinbach mit 17 (f 3), in Lindenstruth mit 7 (f 4), in Gr. Buseck mit 16 (f 1), in Rödgen mit 8 (f 1), \ in Saasen mit 11 (f 1), in Münster mit 9 (f 0), in geringer Verbreitung und in Einzelfällen in 19 weiteren Gemeinden. Im ganzen sind zu unserer Kenntnis gekommen 254 Erkrankungen mit 25 —9,8°/« Todesfällen. Die Diphtheritis ist in epidemischer Weise nur inTreiSa.d.Lda. neben dem Scharlach und in Burkhardsfelden im April und Mai ver- I breitet gewesen; es sind im ganzen 178 Kranke gemeldet worden mit I 15 = 8,4 o/o Todesfällen (im Jahre 1898: mit 15 — 5,8 % Toten. ! Die Sterbefälle an Keuchhusten ereigneten sich in Daubringen, s Dorf-Gill, Gießen, Lollar, Reiskirchen und Wieseck. An Unterleibstyphus erkrankten nur 4 Kreisangehörige, 1 in Rodheim, 2 in Gießen, wovon ein junger Mann sich auswärts infiziert | hatte, und 1 in Kletn-Lindcn, welcher ebefalls krank zugezogen war. Tterblichkrii Jahres 18H .im W 1899 »fe hre 1898, bie u£, i’fftt hat sich foZ J* -i-r M Offenen 9 Ich, J i« b. h. der Ort u. md°n«In,L oiefelben übchyj. At; ei n« betrögt beir;..: »hnerzchl ioy: ire. Stabt Siebenati j- io, mit anberöi&a 15 Pnsontti Kfya j *b««Sk °Z z.,D "ffntit. ’A Ätz d7 D,.b to’ S di- N Watf« log ‘ “Nm« «dn atifc enfi e von ca. 150 D ?^,die er in e W Hai bi(i nte wesentlich n ^ven und Qn die ObeiM, : vernichtet toorbu it die wDMW:r ialf]aK mit 15! rey et//eii98loW«, füdulöim in btt U\to fchmK Mxtitn üLo n\i Mtnb btt "Biite b^btrlg t überfchtÄm, M wc t jwil^tn 15—<0 W DiijtoM ti gch » unb 833 ober 65,t e entsprechenden Z Mt MbechnbrM ix6| Mmchnt Todes, iw^rv. tti Mchsi die Mi) i) bai Rinbe^fer iedechi rige gestsM lab pr ° 25 s1s,m rWM»i n MMW1 ii’, * WtrÄ » 6101 it, üittoi^W da und Mstn. ig epidemisch wsub |t- 90 uns angemelbto >- AusbehM? inTn8e> mitl7(tS).in^ 1), m Söbgen mr it 9 (t 0), m S- ttren Qememben .. Erkrankungen nuW:; ,u Weisem in eiben im Kranke 88: mit - ereigneten sich - ib Wieses. ..... i nur 4 r Mn sich falls krank MM ertapp-, en r.t-si LL-Zx. t die llebersep i as Moore MJ■- l" Jet«"' ’'■■ lel Sat «9tl •' sfes S«? rat gk- An Wochenbettfieber sind 5 Frauen gestorben (unb weitere -tam auswärts krank in die Klinik eingebrachter), an anderen Folgen ^Di> Ste"blichkcü an ^Lun genschwindsucht istgegenaberben Vor^ -Ihren wieberum etwas zurückgegangen: es sind derselben. erlegen 155 Irfoncn, meist dem Mannesalter angehörenb (gegen 172 tm Boriahrel, «s 1OOOO Lebende berechnet nicht ganj 20 °.«» (22 1), dre betreffende Affer für das Großherzogtum war für das Jahr 1898 231,2! unb m Ihrigen Durchschnitte der vorausgegangenen Jahre. 25,6 ,too, 'M Siebenten unb achten Jahrzehnt noch 28 8 /wo- g Bei 64 Verstorbenen war die Tuberkulose Nicht m den Sungtn, „dem in anb-ren Organen beS Sörperä Idtaliflert, msg-samt freien y;rnaefi der Tuberkulose 219 Personen zum Opfer. * An akuten Krankheiten der Athmungsorgane sind 207 -Aschen gestorben und zwar 109 (69) an Lungenentzündung, 73 (62) iHatarrhen und 25 (11) an Influenza, die uns fett dem Jahre 1889 5rj nicht wieder verlaffen hat unb im laufenben Winter roteber intensiver getreten ist. Durch Gehirnschlagfluß gingen 39 (48) zu Grunde, jfiforqe von Herzleiden 44, ebenso viele rote tm Vorjahre. ‘ An Darmkatarrhen sind 48(61) gestorben, worunter 43 Kinder, Zn Abzehrung 16(9) Säuglinge unb an angeborenerLeben-schwäche 36(39). Bei ben an bösartigen Neubilbungen, Krebsgeschwülstenusw., »erstorbenen 88 Personen, wobei 26 Kreisfrembe eingerechnet sind, ging die Geschwulstbildung 30 mal (340/0) vom Magen, 10 mal von der Speise tihre, 9 mal von der Leber 12 mal vom Darrn, 15 mal von weiblichen Merleibsorganen auS. , Bei 197 Verstorbenen ist Altersschwache als Todesursache angegeben, bei 215 andere, minder wichtige Krankheiten, bet 85 blieb die fote-ursache unbekannt. rr 23 Kreisangehörige und 12 Fremde, zusammen 35 Menschen, sind -in Berichtsjahre durch Unglücksfall verstorben, durch Selbstmord -enbeten 12 (im Vorjahre 23). Gießen im März 1900. Großh Kreisgesunbheitsamt Gießen. Dr. Haberkorn. Gerichtssaal. Leipzig, 26. März. (Königliches Landgericht.) 3 in Dienste der südafrikanischen R e p u b l i k ist der 4ini I. August 1875 in Hamburg geborene Wilhelm H. vom Hi. August 1895 an laut Bestallungsurkunde, die der Präsident Singer -n nb der Staatssekretär Reih unterzeichnet haben, als -Werf beim Postwesen angestellt, nachdem er vorher als Bank- tauntcr lhätig gewesen ist. Eine Naturalisationsurkunde besagt, ich \y am 18. Juni 1895 Bürger der südafrikanischen Re- jnibliF geworden ist. H. erging es aber, wie vielen frühzeitig gewanderten, er musste sich wegen Hinterziehung der Wehr- j’lidit im Sinne von Paragraph 140 Absatz 1 Ziffer 1 des Äia'Gesetzbuches verantworten, und zwar behauptete die Anklage, a bitte nach erreichtem militärpflichtigen Alter deshalb das Andesgebiet verlassen, weil er sich dem Eintritt in den Dienst stehenden .Heeres oder der Flotte habe entziehen wollen. 4\ hatte aber vorsichtigerweise schon am 17. April 1894 von Krügersdorf aus ein Gesuch um Zurückstellung an die Ersatzkommission gerichtet, und diese hatte ihm auch bis zum 1. Oktober 1897 Frist gegeben. Bor dem Ablausstermin hatte sich H. in Lourenzo Margues von dem ersten Marinearzt des damals in der Telagoabai liegenden Kriegsschiffes „Eondor" unter- fachen kaffen, und dieser wiederum hatte laut Zeugnis den H. wegen allgemeiner Körperschwäche für zeitlich dienstuntauglich befunden. Um seine Dienstuntauglichkeit auch weiter zu bekunden, hatte H. am 18. März 1897 bie Hamburger Ersatzkommission gebeten, ihm zu gestatten, das; er sich tu Pretoria von zwei deutschen Aerzten untersuchen ließe, da ein deutscher Marinearzt nicht anwesend sei, und da er zu einer weiten Reise kein Geld habe, eine solche ihm auch die Stellung kosten würde.- Dem Schreiben hatte er auch hinzugefügt, daß er sich vorübergehend vom 18. April bis 7. Oktober 1896 zur Herstellung seiner Gesundheit bei seinen Eltern in Lindenau bei Leipzig aufgehalten habe, und daß er damals natürlich gern seiner Stellungspflicht nachgekommen wäre, er habe aber im Hinblick aus die ihm betreffs seiner Untauglichkeit ausgestellten Zeugnisse fest geglaubt, er sei nunmehr jeder Stellungspslicht enthoben. Die Kommission antwortete H. aber unterm 12. April 1897 kurz und bündig, entweder müsse sich H. von einem deutschen Marinearzt untersuchen lassen, oder am 1. Oktober 1897 stellen. H. ist nun diesem Verlangen nicht nachgekommen, und der Strafantrag der Ersatzkommission ist insofern nutzlos gewesen, als die 2. Strafkammer den Angeklagten, der nicht persönlich erschienen war, auf Grund eingehender Beweisaufnahme f r e i s P r a ch. Nach Zustellung der Ladung zur Hauptverhandlung hatte H. in einer Eingabe an die hiesige Staatsanwaltschaft die Verhältnisse klargelegt. Deutschland hat mit der südasrikauischen Republik keine besonderen Verträge, wie mit Nordamerika, über die Behandlung der Wehrpflichtigen abgeschlossen, und die Staatsangehörigkeit hört erst nach zehnjähriger Abwesenheit von Deutschland auf. Der Gerichtshof sagte in seiner Urteilsbegründung, wenn auch die Stellungspflicht trotz des im Jahre 1895 erworbenen Bürgerrechts in Transvaal fortdauerte, hat H. alles gethan, um dieser Pflicht zu genügen: sein Verbleiben in Transvaal hat keineswegs den Zweck gehabt, sich der Militärpflicht zu entziehen. Kunst und Wissenschaft. Siegfried Wagner in Paris. Der talentvolle Sohn des großen Tondichters hat mj^ seinem Pariser Konzert einen großen Erfolg errungen. Wie ein Telegramm meldet, wurden bei dem Siegfried Wagner-Konzert 18 000 Francs vereinnahmt, eine bei Konzert-Aufführungen bisher unerreichte Ziffer. Jeder Nummer des Programms folgte enthusiastisck>er Beifallssturm. Der Trauermarsch aus der Götterdämmerung mußte wiederholt werden. Nach dem Konzert erschienen die Spitzen der Aristokratie, darunter die Gräfinnen Polignac und Larochefoucauld in Siegfried Wagners Garderobe, und bestürmten ihn, er möchte ein zweites Konzert geben. Jung-Siegfried erwiderte, das sei unmöglich, seine Mutter erwarte ihn in Florenz. Aber die Damen ruhten nicht Sie wandten sich tci'e-» graphisch an Frau Cosima und erhielten deren Zustimmung. Am nächsten Sonntag wird nun Siegfried Wagner sein zweites Konzert gt'beit unter der Mitwirkung des Pianisten Moritz, Rosenthal. Während des Konzertes von Siegfried Wagner, welchen das Programm den deutschen Aiglon, den Adlerjüngling von Bayreuth, nennt, fanden Photographieen Richards und Siegfrieds reißenden Absatz. Gegenüber diesem großen Erfolg des Sohnes ist die wehmütige Erinnerung am Platze, daß genau vor 60 Jahren Wagners Tannhäuser in Paris in ^kgenmard des tiefgekränkten Meisters ausgepfiffen wurde Anschluß an dieses Telegramm teilen wir einen litterarischen Beweis dafür mit, wie jetzt in Paris das Andenken Richard Wagners in der Ehrung des Sohnes gefeiert wird. Der Figaro bragite aus der Feder der Pariser Musikhistorikers Charles Jolh einen Artikel, in welchem er an die Geburt Siegfried Wagners,erinnerte^ und erzählt: Die Geburt dieses Kindes war eine große Freude für den Meister, vielleicht die größte seines Lebens. Emige Wochen später schrieb er an seine Freunde, Herrn und M^hlgeschäft bei hohem Lohn gesucht, r.« Liebmann Bär, Nsrdanlage 3. 234V] Ein Hausbursche und eine Weckfrau gesucht. _____Friedrich Roll, Mäusburg 12. Jüngerer Hausbursche gesucht. [01192] Wäusvurg 13. Lehrling gesucht. 1425 Eberhard Metzger. 1559] Spenglerlehrling sucht C. Sl. Faber, Marktstraße 1. Lehrling für Kolonialwarengroßhandlung gejuckt Offert, unt. Nr. 2235 n. d. Txped. d. Bl. 1585] Gärtnerlehrling gesucht. Friedrich Georg, Seltersweg 60. Lehrling. Wir suchen zu Ostern einen Lehrling für unsere Buchhandlung. Junge Leute, die über gute Schulbildung verfügen, wollen sich gefl. direkt melden. J. Ricker’sche Buchhandlung, _________________Hießen.__2186 Lehrling gesucht. Möbelmagazin Aug. Oßmauu, fg Lauffrau «T 2336] Suche eine unständ. Läufst., welche tägl. morg. f. einige Stund, kommen kann. Frau Kinkel, Ludwigstraße 6, ff, 01193] Tüchtiges Mädchen oder"ffrau in kleinen Haush. für einige Stunden der Tags gesucht.Göetstraße 36, Mlltii-GelMk 01186] Lauffrau oder Mädchen sofort gesucht.Hoethestraße^tl, l.L JönSkM Techniker oder Ärchitekt, der selbständig art-ü-'N kann, mit allen Büreauarbetten und v Praxis vertraut sein muß, u. flo"-.Ze"vn ist, sof. gegen guten Gehalt auf em Mw - tekturbüreau gesucht. Off. m. f u Gehaltsanspr. unt.Nr.0H82 a.d-M^ Geschäftsmann MU schöner Handschr., in schriftl. Arbeiten bewandert, sucht diesbez. Arbeiten, -de tragung vun Bäckern rc. in u außer Dem Hause. Off, u. O L. 01187 a. d. Exp. d^ou LerannvorUtcher Rcadicvt: H. «er,ter. — »rud unb Verl», bet Brüht'scheo Mb ^tnabmärr« (Pirtsch Erden- in »ictzen. St Messend: fajbtm dir ® chltl- Äiiftlö, tdflli naBttatln wicklet »töt*« KuW'VNfii, Md N die i «hoben worben. Gießen, bei Sich * _ etie .a Ä bett.: WM tyiMttr, so 9uf Grund 11899, bttr. btt Wsetzes vom 15 iLWlenvnfichnui rmir hitrmit, 1. daß für 1. Dflob ftgung btx leHer Las 10. Wt unb in Kas 2- Mit Wirk haben wir n stack die । liehet tat Ge A fär die Stabt tib) str hie tzrn a-b.LHn,M Ha»sen, Heu Mainzlar,Oi ^dgen,Rut b»S' Steinb °rn-Steinbe C? r Memei S”» * Ml la*. Ml di ft. ® £,f‘rfylin, » ßlilsi Harbach £ »"tfr-