Sonntag den 28 Oktober 150. Jahrgang rooa General-Anzeiger Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Rebellion, Expedition und Druckerei^ Schulstraße Nr. 7. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biS vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Politik Rußlands in ihren gewaltigen Anläufen und Anstrengungen wie auch! in ihren überraschenden Wand- lungen verständlich! erscheinen zu lassen. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktütter für hessische Volkskunde. I den beiden Rivalen bedenklich zugespitzt. Um Japan jeden I Grund zum Einschreiten zu nehmen, setzte Rußland sich | mit ihm wegen Koreas vorläufig auseinander und zog I sich aus diesem Lande zurück. Der betreffende Vertrag I (eine Ergänzung des Vertrages vom Jahre 1896) verpflich- I tete beide Staaten, sich jeder Einmischung in die Ver- I hältnisse in Korea zu enthalten und militärische Jnstruk- I toren und Finanzbeiräte ohne vorhergegangenes Einver- I ständnis nicht abermals dahin zu entsenden; auch ver- I sprach Rußland darin, mit Rücksicht auf die sehr ent- I wickelten Handels- und Jndustrieunternehmungen Japans I in Korea, der Weiterentwickelung kommerzieller und in- I dustrieller Beziehungen zwischen Japan und Korea keine I Hindernisse zu bereiten. Gleichzeitig zog Rußland seine I seit dem Jahre 1896 in Korea befindlichen militärischen I Instruktoren und den Finanzbeirat zurück. Doch stehen I noch kleine russische und japanische Detachements in Korea I zum Schutz der Gesandtschaften, Konsulate und Tele- I graphenlinien Rußlands und Japans. In dem Vertrage I von 1898 zeigte Rußland also, ganz im Gegensatz zu I seiner seit 1895 in Korea beobachteten aggressiven Politik, I Mäßigung und Nachgiebigkeit gegenüber Japan. Nach der I Fertigstellung jener Bahnen kann Rußland aber seine I defensive Rolle gegenüber Japan aufgeben, denn seine I Truppen, seine Festungen und seine Flotte in Ostasien I sind dann durch eine nirgend bedrohte Eisenbahnverbin- | düng auf die großen Machtmittel des europäischen Rnß- I land basiert und können — günstige politische Konstellation I in Europa vorausgesetzt — von dort her beliebig ver- I stärkt und versorgt werden. Sobald Rußland aber in I Korea wieder aggressiv aufzutreten vermag, wird es sich I einer weiteren Fortschritten Japans daselbst vorbeugen- I den Politik auch! bald genug gedrängt fühlen, denn es I liegt klar zutage, daß mit der Einbeziehung Koreas und I der Mandschurei in die russische Machtsphäre das russische I Ostasien eine natürliche und sichere Abgrenzung finden I würde, innerhalb deren es alle Kulturaufgaben selbst- I ständig lösen könnte. Allerdings gehen die mannigfaltigen Interessen der I russischen Staats- und Wirtschaftspolitik über diese Grenzen I noch hinaus. Dies zeigte sich beispielsweise recht deutliche i | gelegentlich der soviel umworbenen Konzession für den I I Bau und Betrieb der Peking-Hankau-Bahn. Es handelte I sich für Rußland hauptsächlich um die nördliche Hälfte, I nämlich um die Strecke Peking-Kaiföng, weil diese außer- I ordentlich wertvolle Bahnlinie die russischen und die I chinesischen Länder und deren Interessen noch enger ver- I knüpft und der mandschurisch-sibirischen Bahn reichen Gewinnanteil sichert. In der That laufen die wirtschaftlichen Interessen Chinas und Rußlands parallel, während die der übrigen einander in Ostasien Konkurrenz machenden Mächte — Japan, England, Deutschland und Vereinigte Staaten von Nord- I amerika — den chinesischen zuwider laufen. In China I weiß man, daß diese vier Industriestaaten aus dem I Lande ein Feld für die Arbeit ihres überschüssigen Kapitals und einen riesigen Markt für ihre Fabrikate machen, keines- I wegs aber die Jndustrieprodukte Chinas aufnehmen oder I dessen Industrie fördern wollen, dies auch nicht können, I da die außerordentlich billige chinesische Arbeit die I heimische im Preise drücken würde. Im chinesischen Außen- I handel steht einer bedeutenden Einfuhr von Fabrikaten I ! (worunter etwa 50 pCt. Baumwoll- und Wollstoffe) nur I eine unbedeutende Ausfuhr von Rohstoffen gegenüber. I Würden diese von den obengenannten Einfuhrstaaten übernommen, so kämen sie als Fabrikate zum großen Teil I nach China zurück, das die fertige Arbeit und obendrein I den doppelten Transport zu bezahlen hätte. Natürlich I hat China das Interesse, diese Arbeit selbst zu verrichten I und die Einfuhr fremder Fabrikate einzuschränken. Unter I der Ausfuhr von Nahrungs- und Genußmitteln nimmt I der Thee die erste Stelle ein, aber auch an der Ausfuhr I dieses Artikels ist England, der Haupt-Einfuhrstaat, wenig I interessiert, seitdem es in Indien selbst Thee produziert. I Ganz entgegengesetzte Interessen hat Rußland an dem I Außenhandel Chinas. Rußland ist kein Industriestaat, I sondern ein Ackerbau treibender Staat und hat also eher I ein Interesse daran, die chinesische Industrie durch Er- I öffnung des russischen und später auch im besonderen I des sibirischen Marktes zu heben und dafür in China I ein Absatzgebiet für eine steigende Einfuhr von Nahrungs- I Mitteln zu gewinnen. Sibirien, die Amurländer nnd die I Mandschurei werden also ihre zukünftigen reichen Ge- I treideernten, begünstigt durch ein großes Flußschiffahrts- I uetz und den billigen Tarif der sibirischi-mandschnrischen I Bahn, in China leicht absetzen können. Ueberdies ist I China auf Rußland als den Hauptkonsumenten des Thees I gewiesen, (muß also um so mehr dem russischen Be- I dürfnis nach Absatz von Getreide und anderen Nahrungs- I mittel entgegenkommen. In obigem dürften die Interessen Rußlands in Ost- I asten genügend gekennzeichnet sein, um die ostasiatische | Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn,' durch die Abholestellea Vierteljahr!. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierkc'.jährt. mit Bestellgeld. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hietze«. Fernsprecher Nr. 51. Rk. 253 Viertes BlM. Vermischtes. * Barmen, 23. Oktober. Ein Architektenscherz, I wenn auch kein sonderlich guter, wird der „Franks. Ztg." I berichtet. Ein kommunaler Vorfall hat dem Erbauer der I in Anwesenheit des Kaisers enzuweihenden Ruhmeshalle I den Anlaß zu einem Architeltenscherz gegeben, den eine I Seitenthür der Halle aufweist. Am 13. März hatte eine I Stadtverordnetensitzung stattgefunden, in welcher Beschluß I gefaßt wurde über den Abbruch des alten Amtsgerichts- I gebäudes, das die auf dem KarlSplatz erbaute Ruhmeshalle I nach der Wertherftraße hin verdeckte und den Prachtbau I selbst einengte. Nicht alle Stadtväter waren bereit, der I Kunst das immerhin erhebliche Opfer zu bringen und be- I kündeten ihren Standpunkt auch in der Debatte. Dieser I Vorgang nun ist aus der erwähnten Thür bildlich dargestellt. I Das Thür kreuz zeigt die Inschrift: „8.8.13.3." (Stadt- I verordneten-Sitzung am 13. März.) Darüber erhebt sich I ein Löwe, der eine halb gebrochene Säule umklammert. | Auf dem gebrochenen Schaft ist das Amtsgerichtsgebäude I abgebildet. Die Verewigung dieser Sitzung wird aber erst I dadurch originell, daß das nicht eingeweihte Publikum liest I — und natürlich auch lesen soll — „8. 8. 13. 3." „Sprüche I Salomonis 13 V. 3." Dort heißt es aber: „Wer seinen I Mund bewahret, der bewahret sein Leben: wer aber mit I Untern Maul herausfährt, der kommt in Schrecken." I * Berlin, 21. Oktober. Reorganisation der | Waisenpflege. Der neue Berliner Bürgermeister I Brinkmann hat als eins der wichtigsten kommunalen Spe- I zialgebiete die Waisenpflege zur Bearbeitung übertragen I erhalten und daraufhin bekanntlich erklärt, daß er um- I fangreichere Neuerungen im Waisenwesen aystrebe. Er- I stillt Herr Brinkmann sein Versprechen nur zur Hälfte, so | steht er sich schpn vor eine Riesenaufgabe gestellt; denn I es ist leider nur zu wahr, daß die Berliner Stadtverwalt- I ung, wie in so vielen Dingen, auch in der Waisenpflege I die Fortschritte der letzten Jahre sich nicht genügend zu. I nutze gemacht fyat und schon längst nicht mehr an der I Spitze des deutschen Kommunalwesens steht. Wohl ist I iui der bekannten Manier viel beraten und erwogen worden, aber darüber hat man immer wieder das Handeln in! den Hauptsachen so gut wie vergessen. Vor einem Jahrzehnt wurde statistisch nachgewiesen, daß von etwa 3500 gegen 15—18 Mark monatliches Pflegegeld in Berlin in Pflege gegebenen Kindern im ersten Lebensjahre 42pCt. uneheliche und 23 pCt. eheliche Kinder &u Grunde gegangen stvb. Das sind doch! ganz gewaltige Zahlenverhältnisse> die sich seitdem nur wenig günstiger gestaltet haben. Woran liegt das? In erster Linie daran, daß die Kontrolle der Pflegemütter trotz mancher Verbesserungen noch lange nicht geordnet und streng genug geworden ist. Vor zehn Jahren lag diese Kontrolle zum wesentlichsten Teile in der Hand der Schutzleute. Das war unhaltbar. ! Dann einigte man sich auf die Ausübung der Kontrolle hauptsächlich durch die Waisenräte selbst in Verbindung mit Armenärzten und Schutzleuten, und im Laufe der Jahre sind, nach Mitteilungen der Tagespresse, den Waisenräten zahlreiche weibliche Ehrenbeamte zugeteilt worden, die nach allem, was man hört, nicht unwichtige Dienste geleistet Habern In 200 Bezirken wirken 438 Waisenpfleger- tnnen, m 59 noch gar keine. Das Unzulängliche ist nun aber die ehrenamtliche Funktion dieser Damen Aus den langjährigen praktischen Erfahrungen hinsichtlich der geringen Sterblichkeit und der besseren Gesundheits-Verhältnisse in anderen Städten, beispielsweise in Leipzig, hak sich als zweifellos richtig ergeben, daß nur b e - soldete Pflegerinnen die beste Gewähr für eine wirksame Waisenpflege bieten. Mit kommunalen ehrenamtlichen Funktionen ist das beim weiblichen Element immer eine eigene Sache. Im Anfang wird häufig zu viel, spater zu wenig gethan. Die besoldete Pflegerin dagegen hat eine verantwortliche Pflicht zu erfüllen und muß, wenn sie ihre Stellung behalten will, im Berufe voll- kommen anfgehen. , Selbstverständlich soll ein erheblicher Xeu der ehrenamtlichen Pflegerinnen daneben ruhig bestehen bleiben; sie werden auch so sehr schätzbare Dienste kosten. Die männlichen Organe werden die praktischen Erfahrungen der Frau in wirtschaftlichen Dingen ins besondere durch ihre Autorität zu ergänzen haben. Nicht chatkraftig genug setzt ferner der Gemeinsinn der Berliner Bevölkerung auf dein Gebiete der Waisenpflege ein. In andern deutschen Städten bestehen seit langer Zeit weitverzweigte Kinderschntzvereine, die Bedeutendes leisten. In Berlin kennt man einen solchen Verein von noch dazu, kleinem Umfange erst seit zwei Jahren. * Berlin, 23. Oktober. Weihnachtsbescherung für unsere Truppen in Ostasien. Die vonr Die russischen Interessen in der Mandschurei und in Nordchina. Das so auffällig hervorgetretene Bestreben Rußlands, vhne Rücksicht auf die übrigen Mächte sich mit China auf guten Fuß zu setzen, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gründe, von denen Rußland hierbei geleitet wird. Werfen wir zunächst einen kurzen Rückblick auf die ostasiatische Politik Rußlands. Schon in den 70er Jahren faßte Rußland die Erwerbung eines eisfreien Hafens für feine Amurländer ins Auge und suchte solche an der Küste von Korea. Naturgemäß muffte es sein Augenmerk auf die territoriale Verbindung dieses Hafens mit dem Arnur- gebiet richten. Seine damalige Stellung in Ostasien zur See und zu Lande erlaubte ihm lange nicht, den in Aus^- frcht genommenen Plan zu verwirklichen. Inzwischen kam es schon 1894/95 zwischen den Konkurrenten Rußlands in Korea — China und Japan — zum Entscheidungskampf. Als nun Japan nach dem Kriege die Liaotung-Halbinsel für sich in Anspruch nahm und auch Korea endgiltig der japanischen Herrschaft anheim zu fallen drohte, schien die Verwirklichung jenes russischen Planes in endlose Ferne gerückt zu werden, denn neben dem gewaltig aufstrebenden Japan, das in Ostasien seine ganze Kraft einsetzen konnte, ^ore für Rußland an der koreanischen und mandschurischen Kwste kein Raum geblieben. Bekanntlich wurde Japan aber durch die von Rußland gemeinsam mit Frankreich und Deutschland unternommene Intervention gezwungen, bie eroberten Gebiete an China zurückzugeben, worauf Rußland sich beeilte, hie Früchte seiner Intervention zu ernten. China verpachtete, dem bekannten sanften Drucke nachgebend, feine im Kriege verlorene starke Seef'estunq Port Arthur und den vortrefflichen Hafen Talienwan auf 25 Jahre an Rußland. Nach Ablauf dieser Frist kann dieser Pael)tvertrag erneuert werden, indessen wird inzwischen die rnuitarische Stellung Rußlan 3 dort so stark geworden sein, daß die Erneuerung eines jetzt nur formellen Vertrages gar Ansicht mehr in Frage kommen kann. So hat der lange gehegte Wunsch Rußlands Befriedigung gefunden. Außerdem -erhielt Rußland das Recht zum Bau, Betrieb und militärischen Schutz der mandschurischen Bahn mit Einschluß von Zweiglinien nach Port Arthur und Talienwan, sowie das Recht zur Ausbeutung der Mineralschätze der Mandschurei. In der Mandschurei wird die von schlechten Beamten getragene und auf eine verworrene Gesetzgebung gestützte chinesische Herrschaft ohne Zweifel in wenigen Jahren nur noch dem Namen nach bestehen. Das Volk, das ohne Vertrauen in die Kraft der einheimischen Regierung nur prak- tischen Zielen und dem Erwerbe nachgeht, wird die russische I Ordnung mit Freuden begrüßen, wie dies bei der Besetzung | des Kwantung-Gebietes (fo heißt das äußerste Ende der Liaotung-Halbinsel, wo Port Arthur und Talienlvan liegen) deutlich hervortrat. Die „Beseitigung von Uebelständew" ^^d notwendig dahin führen, daß russisches Gesetz und russische Gewalt, obwohl anfangs auf den Betrieb der Eisenbahn beschränkt, immer mehr auch in anderen Zweigen der Verwaltung maßgebend werden, und damit wird der Augenblick gekommen sein, wo sich die Einver- leibung des Landes in Rußland wie von selbst vollzieht. Diesen allmählichen und unaufhaltsamen Prozeß wird China, das der russische Rachbar nicht mehr erstarken lassen £5?/ mi* ansehen müssen. Der Zar hat also jetzt wolle aren' er kein chinesisches Gebiet annektieren I firfl Entsagung beruht lediglich darauf, daß Rußland fl$ ,'H! .O/taflen noch nicht stark genug fühlt. Teilweise I tutrb ficf) das StarkeverhMnis schon im Lafore 1901 mit her I vMigen Eröffnung de? sibiri Z-n Bahn ^b7s Sterfttensk (eingeschränkt ist diese Streae schon fahrbar) zu feinen Gunsten bessern, -da es dann möglich sein wird Truvvem transporte von Anfang Mai bis Anfang November EE der Amurschiffahrt weiter bis an die Ussurh-Bahn m befördern. So lange aber die mandschurische Bahn nicht bis Port Arthur und die Zweiglinie nach Wladiwostok fertiggestellt ist, was frühestens 1904 der Fall sein kann I bleibt Rußland für die Verstärkung seiner militärischen I Macht in Ostasien hauptsächliche noch auf den Seeweg ange- I wiesen. Der im Beginn der chinesischen Wirren unter- I nommene Versuch, größere Truppenmassen bereits auf der I sibirischen Bahn bezw. auf dem Amur nach Ostasien zu be- I fördern, ist auf große Schwierigkeiten gestoßen, und dies I dürfte ein Hauptgrund dafür sein, daß Rußland so plötzlich I tich auf die Fortsetzung d es anfänglich mit so großer Wucht I unternommenen kriegerischen Vorgehens verzichtet hat. I Die starke Stellung Japans, namentlich zur See, und mög- I liche Bündnisse dieses Staates zwingen Rußland vorläufig I in Ostasien zur Defensive und Vorsicht, denn die gegen- I fettige Rivalität könnte zur Entscheidung mit den Waffen I führen, und für diese hat Rußland gegenwärtig noch wenig | Chancen. I Schon Ende 1897 und Anfang 1898, als Rußland fisch, in Port Arthur sestsetzte, war das Verhältnis zwischen | Erscheint täglich ▲ , äj k. mit Ausnahme des W M Gießener Anzeiger K AS Berger s Germania Oacao Victor May. Hochachtungsvoll 6908 tu 537. 6410 fabrizieren und liefern billigst na net ein Normalhemden FlandihemfSen F rauesihemden Uateqsckcn Unterhosen k- i 4170 6 2\ * S 6 s' S 4 s Eine besorgte Mutter für den linken Arm und die linke Hand auf einem andern Blatt der Albertina; ebendort findet sich auch eine Zeichnung mit dem Toteuschädel, auf den die Hand weist, und eine Zeichnung des Lesepults mit den Büchern. Alle diese Blätter sind auf dunkel violettem Papier und in derselben Technik, Tusche mit Bleiweiß, gehöht. Gerade kleine Abweichungen verraten den frei mit seinem künstlerischen Eigentum schaltenden Meister. Das Motiv, die Darstellung des Hieronymus mit d em Totenschädel, war in den Niederlanden, wo Dürer das Bild malte, schon während des 15. Jahrhunderts als Memento mori sehr beliebt. Dürers Gemälde muß früh zu hoher Berühmtheit gelangt sein, denn es finden sich mehrere Bilder, die augenscheinliche von dem von Dürer geschaffenen Typus beeinflußt sind. gibt ihren Kindern keinen Bohnenkaffee, weil dieser der Gesundheit schadet! Für die Kleinen ist Kathreiners Malzkaffee ein sehr bekömm- licherund überaus wohlschmeckender Ersatz, für die Erwachsenen ein ausgezeichneter Kaffee-Zusatz. Robert Stuhl 23 Neustadt 23 empfiehlt sein reichhaltiges Lager zu billigen Preisen in: Jagd%festen Gestrickten Jacken Gewebten Jacken Strümpfen Socken Fausthandschuhen Fingerhandschuhen Gamaschen HemdenflaneHen Wolle Strickgarnen. Berliner Verein vom Roten Kreuz und dem hiesigen Zweigvercin des Vaterländischen Frauenver- e i n s an unsere Mitbürger gerichtete Bitte, durch lieber Weisung von Liebesgaben an die Berliner Sammelstelle des Roten Kreuzes für das Ostasiatische Expeditionskorps auch ihrerseits dazu beizutragen, daß unsere jungen Krieger im fernen Osten zur Weihnachtszeit in würdiger Weise und nach deutschem Brauch beschert werden, hat, wie zu erwarten war, in allen Schichten der Bevölkerung lebhaften Widerhall gefunden, und eine überaus stattliche Anzahl bereits eingegangener und noch täglich eingehender Weihnachtsspenden, wie wollenes Unterzeug, Strumpfe, Pulswärmer, Portemonnaies, Kämme, Bürsten, Uhrketten, Zigarren usw., legen Zeugnis der so oft bewährten Opferwilligkeit der Reichshauptstadt ab. Auch bares Geld von kleinen Beträgen bis zu stattlichen Summen, welches zum Ankauf der benötigten Gegenstände verwendet wird, geht von vielen Seiten ein. Neben den obigen Gegenständen wird der Verein 270 Kisten Pfefferkuchen, drei Doppelwaggons bester Tiroler Aepfel und einen Doppelwaggon Nüsse als Weihnachtsgabe hinüberschicken und so dafür Sorge tragen, daß jedem einzelnen Soldaten eine kleine Bescherung zu teil wird. Der letzte Termin für die rechtzeitige Verschiffung ist der 30. Oktober dieses Jahres, an welchem Tage die „Irene" des Nordd. Lloyd von Bremerhaven nach Asien abgeht. * D i e kleinste Schule des Deutschen Reichs dürfte sich im badischen Bezirk Schönau befinden. Dort liegt am Westabhang des Rohrkopfes der zur Gesamtgemeinde Häg gehörige Ort Rohrberg mit eigener Gemeinde - Verwaltung und Schule. Das geschlossene Oertchen zählt in 10 Häusern 80 Einwohner. An der von jetzt ad noch von vier Schülern besuchten Schule amtiert ein junger Hauptlehrer. Vor zwei Jahren verkaufte ein Bauer fein Hofgut, machte sich in Unteralpfen ansässig und nahm dem Lehrer seine ganze erste Klasse (bestehend in einem Schüler) und ein Sechstel der zweiten Klasse mit fort, sodaß der Lehrer am Nachmittag keinen Unterricht mehr zu erteilen hatte. Der Gesamtaufwand durch Staat uni) Gemeinde beträgt für jedes Kind 349.56 Mk. E i n wieder gefundenes Gemälde von Albrecht Dürer. Eine interessante Nachricht über ein Bild Albrecht Dürers bringt A n t o n W e b e r in der „Zeitschrift für bildende Kunst". Er hat während eines Aufenthaltes in Lissabon im dortigen „Museu Nacional das Bellas Artes" ein Gemälde entdeckt, das den heiligen H i e r o n i m u s darstellt, und das er als ein von Dürer selbst in seinem „Tagebuch der niederländischen Reise" erwähntes erkannt hat. Zum Monat März des Jahres 1521 merkt Dürer dort an: „Ich habe einen Hieronymus fleißig in Oelfarben gemalt und dem Roderigo von Portugal geschenkt". Der Portugiese Roderigo Fernandez hatte sich in Antwerpen des deutschen Künstlers angenommen, und Dürer hatte ihm aus Dankbarkeit dieses Oelbild gewidmet. Das Gemälde, durch den Gesandten des Königs Joao III., Ruy Fernandez de Almeida, nach Portugal gebracht, wurde von den Nachkommen desselben in dem Marktflecken Azeitao aufbewahrt und gelangte im Jahre 1880 durch Kauf in den Besitz der portugiesischen Regierung. Es stellt den Heiligen in >etwas vorgebeugter Stellung dar. Das greise Haupt ist mit der flachen rechten Hand gestützt, der Arm ruht auf einem pultartigen Kasten, der Zeigefinger der vorgestreckten linken Hand ist auf einen Totenschädel gelegt, der sich auf einem schmalen Tische vor dem Greise befindet. Aus einem Lesepulte liegt ein aufgeschlagener Quartband, während zwei geschlossene Bücher darunter sichtbar werden. Aus dem größeren grüngebundenen Buche ragt ein weißer Buchmerker hervor, der oben die Jahreszahl 1521 und unten Das Monogramm Dürers trägt. Von der grünen Wand des Hintergrundes hebt sich ein Kruzifix ab. Tie Arbeit zeigt' im ganzen keine recht befriedigende Farbenharmonie, sie ist jedoch mit außerordentlichem Fleiße gemalt; die Zeichnung der Adern und der einzeln angegebenen Haare, die Behandlung des Antlitzes und des Totenkopfes zeigen die Malweise des Künstlers. Jeder Zweifel daran, daß man es hier mit dem von Dürer erwähnten Bilde zu thun hat, scheint ausgeschlossen. Wie der Herausgeber der Zeitschrift, Prof. Max Zimmerman, hinzufügt, ist von keinem anderen Gemälde Dürers außer von dem verbrannten Hellerschen Altar von Frankfurt a. M. eine jo sorgfältige Vorbereitung durch Zeichnungen nachzuweisen wie von diesem wiederentdeckten Hieronymus-Bilde. Der berühmte Greisenkopf an der Albertina ist maßgebend gewesen für das Gesicht im allgemeinen, für den Bart, für die rechte Hand und für die -Kappe; ohne daß sich der Künstler jedoch ganz sklavisch in diese gehalten hatte. Aus einem jetzt im Berliner Kupferstichkabinett bewahrten Blatte zeichnete Dürer denselben Kopf noch einmal, weil er in dem Gemälde die Augen geradeaus blicken lassen wollte, während die Zeichnung der Albertina den Greis mit niedergeschlagenen Augen giebt. Daran schließen sich Studien Fabrik: Robert Berger. Pössneck i. Th. Wenckaeiän mit konischer Messerscheibe oder Hakentrommel, — Schrotmühlen — mit auswechselbaren Mahlscheiben und Rüttelsieb, Kartoffelquetschen, Futterdämpfer und -Kochkessel, landw. Maschinen und Ackergeräte aller Art Heilanstalt „Hygiea“ vormals Oskar Hoepfner 6046 Molttestraße 8. Gietzerr Mollkeftraße 8. Massage, Heilgymnastik, Grthopä-ir, Elektrotherapie, Hydroelektrische Kader. Erfolgreiche Kehaudlung von Rheumatismus, Gicht, Muskel- uud Grleuk- kraukheiteu, Nttdarmugsbeschwerden, Migräne, Klutarmut, Kleichfucht etc. Behandlung auch außer dem Hause. — Aür Aamen auf Wunsch weiöt. Sehanolg. — Aeußeift mäßige Preise. — Sprechstunden von 9—12 und 2—4 Uhr. der thätigen Hilfe in der Nähe immer zu festigen, damit kein junges Mädchen mehr vom Lande in die Stadt oder von einer Stadt zur anderen wandere, ohne an eine Freundin empfohlen zu sein, damit keines, sein Beruf oder seine Lebensstellung sei welcher Art sie wolle, ohne Schutz und Hilfe bleibe, sobald es sich nur helfen lassen will. Um die erprobten Mressen, die der „Ratgeber" enthält, auch außerdem möglich zu verbreiten, bat der Verein Zettel mit diesen Angaben drucken lassen, die die Mitglieder verteilen, wo sich Gelegenheit dazu bietet. Vor allem werden dieselben an den Bahnhöfen den ankommenden und durchreisenden Mädchen eingehändigt, und an den Quartals-Zeiten, bei dem M- und Zuströmen der weiblichen Arbeitsuchenden, ist in vielen Städten ein regelrechter Bahnhofdienst eingerichtet, bei dem freiwillige und bezahlte Kräfte im Sinne des Vereins wirken. Endlich werden die obengenannten Adressen durch Plakate in den Eisenbahnstationen und Wartesälen und seit den letzten Jahren auch in den Eisenbahnwagen 3. und 4. Klasse bekannt gegeben. Je mehr diese Hilfsmittel bekannt und benützt werden, um so mehr wird erreicht, was nach dem oben Gesagten Zweck und Ziel des Vereins iftf daß die in gesicherter Lebensstellung- Befindlichen in einfacher und natürlicher Weise denen Schutz und Hilfe bieten, die durch die gegenwärtige Art unserer gesellschaftlichen Verhältnisse mannigfachen und ernsten Gefahren ausgesetzt sind, denen allein und auf sich selbst gestellt, sie nicht genügenden Widerstand entgegenzusetzen vermögen. — Zu jeder näheren Auskunft ist gerne bereit: Frau Oberkonsistorialrat D. Walz, Darmstadt, Wittmannstraße 41. Littrratur. -> Der Bauherr und Hauswirt. Ein praktischer Ratgeber für Jedermann in Bau- und Haus-Angelegenheiten. Von S. Müller, Architekt. Mit 8 Separatbildern und zahlreichen Textabbildungen. Vollständig in 10 Lieferungen L 50 P g. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30. — Dieses Buch ist aus einem offenkundigen mariischen Bedürfnisse hcrvorgegangen und wird von jedem Hauswirt und Baulustigen sicherlich mit großem Interesse begrüßt werden. Er erfährt, wie er den Kauf eines Grundstücks zu bewirken bat, lernt ferner die tbm als Eigentümer zustehenden Rechte und Pflichten kennen, dad Grundbuch- und HypothUnwesen, die Bau- befchränkungen, die Vergebung der Arbeiten, die Baupläne ble!Sau Materialien, die Erd- und Fundierungsarbeiten, die Arbeiten der verschiedenen Bauhandwerker, die Einrichtungen der Ventilation und Heizung, der Beleuchtung, der Wasserleitung und Abortanlagen, des Badezimmers, ferner das Gesamte der Verwaltung des Haus s, wie die Steuern und sonstigen Abgaben, Einquartierung, St"ßev- retniaung, Treppenbeleuchtung, die Bestimmungen über das Mtets- recht nach dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch - kurz es werden alle Fragen sachgemäß behandelt, welcheaus d'n manntg^chen Be- riebunaen des Hauswirts zu den Behörden, zu dem Baumeiner, zu den Bauhandwerkern, den Nachbarn und zu den Mietern hervorgehen. jph. Mayfarth & Co., Frankfurt a. M. Hanauer Landstrasse 169-171, am Ostbahnhof Kataloge gratis. Wir bitten, unsere lirma stets voll »uszuschreibcn. Kerem der Freuridmuen junger Mädchen. Nach den Erfahrungen, die in den beteiligten Kreisen immer wieder gemacht werden, ist ein Verein noch zu weuig bekannt, der, mit ganz einfachen Mitteln arbeitend, doch eine eingreifende und segensreiche Wirkung zu üben vermag, wenn man sich seiner zur rechten Zeit erinnert und ihn in Thätigkeit setzt. Es ist dies der „Verein der Freundinnen der jungen Mädchen". Derselbe, auf christlichem Standpunkt stehend, ist eine Verbindung evangelischer Frauen in allen eivilisierten Ländern und hat!den Zweck: in erster Linie jungen, unbescholtenen Mädchen, und wo es not th.ut, auch allen Frauen, die sich in Stellung befinden, in den vielen Schwierigkeiten ihrer isolierten Lage einen zuverlässigen Anhalt zu gewähren. Er will ihnen sowohl in religiöser und sittlicher Beziehung einen Halt bieten, als auch ihnen bei ihrem äußeren Fortkommen behilflich sein. Wie notwendig dieser Anhalt in unzähligen Fällen ist, weiß jeder Eingeweihte. Es ist außerdem bekannt, wie gewissenlos, ja mit welch verbrecherischen Absichten viele sogen. Agenten oder Stellenvermittelungen arbeiten, und wie leichtsinnig und unbedacht auf ihre Anerbietungen größtenteils eingegangen wird. Um den Wirkungen dieser verhängnisvollen Zustände zu begegnen, hat man zu dem einfachen Mittel schriftlicher Verständigung unter den Mitgliedern des Vereins gegriffen. Jedes derselben ist im Besitz einer gedruckten Liste, die die Adressen der nach Tausenden zählenden Freundinnen enthält. Auf Anfrage irgend eines Mitgliedes ist jede Freundin verpflichtet, Erkundigungen darüber einzuziehen und Nachricht darüber zu geben, ob irgend eine bestimmte, bezeichnete, Familie, Institut, Geschäft re., über die eine Auskunft gewünscht wird, sich that sächlich an dem Wohnort der befragten Freundin befindet. Sie hat sich ferner so genau wie möglich darüber zu vergewissern, ob die betreffende Familie sich in solch äußeren Verhältnissen, bürgerliche Ehrbarkeit inbegriffen, befindet, daß die erforderliche Sicherheit der bei ihr in Stellung Tretenden gewährleistet scheint. Ist mit dem Engagement eine weitere Reise verbunden, und ist die Stellungsuchende etwa auch der fremden Sprache nicht mächtig, was bei Bonnen und Kindermädchen ja oft geradezu gewünscht wird, so ist jede Freundin auf Benachrichtigung hin verpflichtet, der Durchreisenden beim Wechsel der Züge, längerem Aufenthalt und Besorgung eines passenden Nachtquartiers persönlich oder durch geeignete Vertretung in jeder Weise behilflich zu sein. Das gegenseitige Erkennen wird durch ein verabredetes Zeichen vermittelt. Die an ihrem Bestimmungsorte Angelangte findet endlich an der mit ihren Angelegenheiten bereits vertrauten dortigen Freundin Hilfe und Rat in allen Fällen, wo weiblicher Schutz einerseits und Erfahrung und Kenntnis bet Ortsangesessenen andererseits an und für sich schon wertvoll Die Anregung zu solchem Vorgehen von selten der Frauen ging vor 22 Jahren von der Schweiz aus. ^edes Land mit seinen Vereinsmitgliedern bildet eine nationale Gruppe, die sich wieder wie in Deutschland nach seinen politischen Einheiten: Preußen, Sachsen, Baden, Helsen u. s. w. in 29 Einzelverbände teilt. Diese wieder gliedern sich in die Vereine der einzelnen Städte und der sonst vorhandenen einzelnen Mitglieder. Ein jeder solcher Verband hat seinen Vorstand. Die Vereinsprasidentm für Deutschland ist Freifrau von der Tann-Ratsanchauien in Weimar (das Nationalbureau befindet sich in Berlin W., Köthenerstraße 43). Dann giebt der Verein ein kleines Buch heraus, den „Ratgeber", der ein Verzeichnis von Rat und Auskunft erteilenden Freundinnen, zuverlässigen Herbergen, Hospizen, Stellenvermittelungen rc. enthalt und den stellesuchenden Mädchen zu gute kommen soll Aus diesem bescheidenen Büchlein geht hervor, daß der Verein sich nicht nur über ganz Europa, sondern auch über die bedeutendsten Städte Amerikas erstreckt und auch schon nut Asien, Afrika und Australien Fühlung erhalten hat. Sucht er so seinen Kreis nach der Ferne immer mehr zu erweitern, so strebt er vornehmlich auch danach, fein Retz Mr Gewerbeschüler empfehle _ —- B®* Reisszeug0 Reissbretter, Schienen,^ 6634 alle Lehrmittel nach Vorschrift. Ernst Mausöurg 11. "Kunst-Ausstattung- Ausstellung TVÄ von 11 bis 1 m.r mittags mit im Turmhaus am Brand Mittwochs auch noch von 3 bis Ausnahme desSams^g ßS^_ Feiertftgen ton 11 bis 3 5 Uhr nachmittag^ fdr Niohtmitglieder an Werktagen 50 Ptg. “to" Feiertagen 20 Pfg. ____________________ Unentbehrli ch! !Unentbehrlich für jeden Steuerzahler! W ©* Iurch jede Auchhandlung zu beziehen. Grosse NsmA D. R.-P 6687 sicht ausgeführt. Bf en! Xe w! Nordstrasse 58. Niederlage: Emil Pistor* Macht Th. Wnck, Achloßgafft 16 4170 MM VOGELEY- Puddingpulver Backpulver Fruchtgrütze Vanillinzucker sind unübertrefflich. v © B ► Tklkpho« 4172 Tklkgraphev ElrKtr. illjtrn Wasserstands- Fernmelder Sicherhcits- Avlage liefert zu billigen Preisen Max Weissbäcker Hießen, Südanlage 23. feinen frudj mehr! 2000 Mk. Belohnung demjenigen, der beim Gebrauch meines Wruchvandes ohne Jeder nicht von seinem Bruchleiden vollständig geheilt Wird. Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen. 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