Freitag den 28, September 15V. Jahrgang LOGO Gießener Anzeiger General-Anzeiger Anrts- und Anzeigeblatt fiiv den Kreis Gieren. * * Erscheint täglich nut Ausnahme des Montags. Die Gießener ^amitienötätter .werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4mal beigelegt. Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener FamMenblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische DslKsKunde. ______________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. 'Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Rr. 227 Kweitcs Blatt * Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 27. September. Der deutsche Gesandte Dr. Mummb on Schwarzenstein und GrafM ald erse e hatten eine Konferenz in Taku, infolge deren ein Telegramm an Li-Hung-Tschang geschickt wurde. Gerüchtweise verlautet, die Bewegung der Truppen deutete, auf L)pera- tionen bei Schan-ha-kwan hin. L o n d o n, 27. September. „Daily Marl" meldet aus Yokohama: Die japanische Regierung beschloß, eme Note an die Großmächte zu richten, in der sie erklärt, daß jede Verzögerung in der Lösung der chinesischen Konflikte ge- Der Außenseiter. Niemals sind so viel Mitteilungen über polizeiliche Verbote ein gereichter Bühnenstücke durch die Presse gegangen wie gegenwärtig. In Hannover ist gar Wilden- brtlchs „Hexenlied", ein beliebtes Paradestück deutscher Vortragsmeister, verboten worden. Erregt ruft ein sonst lammfrommes Blatt aus: „Nächstens wird noch der Sang an Aegir verboten, denn der Herr der Fluten schwimmt ja nackt herum und Nix und Neck ebenso .. ." Wilden- bruch ist Geheimer Legationsrat. Bühnenleiter wissen ebenso wie die Dichter von der leidigen Not der Kunst zu berichten. Ein Adelsblatt hat jüngst entdeckt, daß eigentlich Schiller der Vater des Anarchismus sei. Mit Gründen, wie sie gegen die neuesten Bühnenwerke geltend gemacht werden, könnte die Aufführung auch des „Don Carlos" und des „Tell", auch der meisten anderen klassischen Stücke verboten werden. Vor dem preußischen Oberverwaltungsgericht rechtfertigte der Vertreter des Polizeipräsidiums das Verbot des Lustspiels „Der Außenseiter" von Jaffee damit, daß das Stück einen abstoßenden Eindruck auf viele Zuschauer machen müsse. Weshalb? Die Gesellschaft der Baronin Clarus wird in Gegensatz zu einem sächsischen Leutnant von Ottfried gestellt. Jene Gesellschaft, die an die „Harmlosen" erinnern soll, sei, so führt die Behörde aus, zwar äußerlich! anständig und wahre den Schein, innerlich aber sei sie durch und durch verlumpt. Es herrsche dort nur der eine Grundsatz, es nicht zum' Skandal kommen'zu lassen. In diese Gesellschaft tritt der ideal veranlagte, wahrhaft vornehme Leutnant von Ottfried, der so grell von seiner Umgebung absticht, daß er als „Außenseiter" verspottet wird. In diesem Gegensatz liege, so wird zur Begründung des Verbots gesagt, das Anstößige des Stückes. Die Wirkung müsse eine unmoralische sein. Da das Oberverwalt- ungsgericht lange über die Maßnahme beriet und dann den Urtesisspruch vertagte, ist anzunehmen, daß sich im Gerichtshof ernste Meinungsverschiedenheiten ergeben haben. Die Begründung des Verbots ist unhaltbar. Ob der Dichter einen Teil oer Gesellschaft oder die „Gesellschaft" richtig oder falsch schildert, ob das Bild, das er vorführt, dem Leben abgelauscht oder völlig ber^rrt ist, darüber zu befinden, ist Aufgabe des Kunstrichsters und des Publikums, nicht der Polizeibehörde. Ein Stück kann im hohen Maße abstoßend wirken; aber darum hat die Polizei noch nicht die Befugnis, es zu verbieten. Was ist an der Gegenüberstellung des anständigen Leutnants und der unanständigen Gesellschaft der Baronin Clarus anstößig oder gar unmoralische? Anstößig und unmoralisch könnte eine solche Gegenüberstellung nur wirken, wenn der Dichter die unanständige Gesellschaft verteidigen und verherrlichen wollte, statt sie nach Gebühr zu geißeln. Da er aber, wie aus den Berichten zu schließen ist, die Sympathie der Zuschauer nicht auf die Seite der Leute vom Schlage der „Harmlosen", sondern auf die des ehrbaren Offiziers lenkt, kann von einer unmoralischen Wirkung keine Rede sein. Die Behandlung des „Außenseiters" scheint für den neuen Kurs der Theaterzensur typisch zu sein. So ist das Lustspiel „Der Ausflug in's Sittliche" von Georg Engel gleichfalls verboten worden. Das Problem ist ziemlich dasselbe, wie im „Außenseiter"; nur erinnert die Durchs führung nicht an den Harmlosenprozeß, sondern an die Kämpfe um die Lex Heinze. Auf 'einem pommerschen Gut versammeln sich Edelleute, Beamte, Pastoren, um einen Verein zur Förderung der Sittlichkeit zu bilden. Der zum Präsidenten bestimmte Rittergutsbesitzer und Edelmann, der auch ein Reichstagsmandat erstrebt, wird als ein Mann, etwa von der Gesellschaft der Baronin Elarus geschildert. Und auch in Pommern findet sich ein „Außenseiter", ein Herr v. Goetz, der jener Gesellschaft den Spiegel vorhält. Schließlich siegt in dem heiteren Stück scheinbar dre Heuchelei; der Tartüffe wird Präsident des Sittlichkeitsverems und entrüstet sich über den Außenseiter, der mit seiner Cousine allein im Schlitten wcg- fährt. Das müsse, ohne direkt unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen. Das Publikum lacht; aber in dem Lachen liegt eine Verurteilung des Lasters. Wie kann ein solches Stück unmoralisch wirken? Vielleicht findet der Zensor, daß der Dichter ungerecht sei, daß er bestimmte Gesellschaftskreise unbillig verspotte, daß er die Schichtigkeiten oder Thorheiten einzelner Personen falsch verallgemeinere. Das mag die Ansicht des Beamten, in dem einen wie dem anderen Falle sein. Aber kann eine solche Meinung das Verbot rechtfertigen? Wie wurmstichig müßte in der That die „Gesellschaft" sein, wenn sie zu fürchteü hätte, das Publikum werde nicht wissen, daß es auch in ihren Kreisen anständige und ehrenhafte Männer giebt? Kann an dieser Ueberzeugung ein Bühnenwerk etwas ändern? Wenn man aber jede Uebertreibung für unmoralisch hielte, welche Berechtigung hätte Aristophanes. Inwiefern kann durch die Aufführung des „Außenseiters" die öffentliche Ruhe, Sicherheit und j Ordnung gestört werden? Meint die Polizei, daß die Aufführung des Lustspiels zu Prügeleien, Unruhen, Aufständen führen müßte? Wo liegt die dem Publikum oder oen einzelnen Personen drohende Gefahr? Diese Vorgänge zeigen handgreiflich!, wie nötig es ist, der bisherigen Rechtsunsicherheit der Kunst, der Dichter und der Bühnen ein Ende zu machen. Was hat die Ablehnung des Theaterparagraphen der Lex Heinze genützt, wenn die jetzige Zensurpraxis bestehen bleibt? Die Wirren in China. Eine Meldung, wonach die englische Regierung ebenso wie die der Vereinigten Staaten, auf den in der Note des Grafen Bülow enthaltenen Vorschlag ablehnend geantwortet hätte, wird in Berlin von unterrichteter Seite als grundlos bezeichnet. Lord Salisbury hat sich vielmehr eine UeberlegungSsrist auSgebeten, sodaß die Antwort der englischen Regierung überhaupt wohl erst in einigen Tagen zu erwarten steht. — Der „Voss. Ztg." wird aus London gemeldet, Lord Salisbury sei mit dem deutschen Vorschläge in der Hauptsache völlig einverstanden, aber zwischen London und Berlin schwebe ein Meinungsaustausch darüber, wie der Vorschlag, wenn er allgemein angenommen werde, ausgeführt werden solle. Die Nachricht der Londoner „Morningpost", daß Graf Waldersee bei seiner Ankunft in Taku ein Ultimatum an China stellen werde, wird von kompetenter Stelle als durchaus unrichtig bezeichnet. Graf Waldersee verbleibe znnächst in Tientsin, um sich dort über die Lage zu unterrichten. Von einem Ultimatum oder einer Kriegserklärung an China könne in der nächsten Zeit ebenso wenig die Rede sein, wie von irgend einer anderen deutschen Sonderaktion in China. — Gegenüber der Meldung des „Giorno" schreibt die „Post", von deutscher Seite sei keine Anregung betreffs Verstärkung des italienischen Expeditionskorps in China ergangen. In dieser Woche vollzieht sich eine fast vollständige Konzentration unserer ostasiatischen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande bei Taku. In einigen Tagen werden dort vereinigt sein das Flottenflaggschiff „Fürst Bismarck" mit Vizeadmiral Bendemann an Bord, die aus den Linienschiffen „Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg" und „Wörth" bestehende Panzerschiffsdivision unter Kontreadmiral Geißler, die großen Kreuzer „Kaiserin Augusta" und „Hertha", letztere mit dem Oberbefehlshaber Grafen Waldersee an Bord, die kleinen Kreuzer „Hela" und „Geier", das Kanonenboot „Jaguar" und der Torpedobootszerstörer „Hai Tsching". BlS dahin werden auch alle Truppentransportschiffe, mit Ausnahme der letzten Sendung, ihre Truppen in Taku gelandet haben. In Tsingtau (Kiautschougebiet) liegen der große Kreuzer „Hansa", Flaggschiff des Kontreadmirals Kirchhoff, und der kleine Kreuzer „Irene". In Schanghai ist außer dem im Dock besindlichen Kanonenboot „Iltis" nur noch der kleine Kreuzer „Gefion", zu dem jetzt der kleine Kreuzer „Seeadler" hinzutritt, der drei Wochen lang in Hankau am Aangtsekiang stationiert war und durch den kleinen Kreuzer „Schwalbe" dort abgelöst worden ist. Im Hafen von Amoy liegt der kleine Kreuzer „Bussard", in Hongkong und bei Kanton die Kanonenboote „Tiger" und „Luchs" und die Torpedobootszerstörer „8. 90", „8. 91" und „8. 92". Das erste Transportschiff der letzten Sendung, die „Palatia", hat bereits Colombo (Ceylon) erreicht; die übrigen, „Darmstadt", „Andalusia", „Hannover", „Arcadia", „Krefeld", „Valdivia" und „Roland" folgen ihr in kurzen Abständen. Die „Wiener Abendpost" meldet, daß die Kriegsschiffe „Leopard" und „Donau", sobald sie ihre Mission in der Südsee beendet haben, das österreichische Geschwader in den chinesischen Gewässern verstärken werden. Rußland hat die Mandschurei annektiert. Dazu wird aus Washington gemeldet: Die Annektion der Mandschurei durch Rußland hat in hiesigen Regierungskreisen durchaus nicht überrascht. Man ist überzeugt, daß es sich hier um eine längst zwischen Rußland, Frankreich und Deutschland abgekartete Geschichte (?) handelt und erblickt darin das Vorspiel einer energischen Agitation dieser drei Mächte, die sich -richt länger durch die chinesischen Winkelzüge Hinhalten lassen wollen. Die Plünderungen und Br a n d st i f tu na e n in Kuang-tuang dauern fort. Die Missionare konnten entfliehen, aber 2000 Christen sind ohne Schutz. — „Daily Chroniele" meldet aus Hongkong, daß Unruhen in Can ton ausgebrochen sind. 200 000 Mitglieder geheimer Gesellschaften haben täglich Zusammenkünfte. Viele eingeborene Christen wurden umge-- bracht. 4000 chinesische Soldaten sind zur Wiederherstellung der Ordnung abgeschickt. Einer ,,Times"-Meldung aus Peking zufolge unterbreitete Bischof Favine den Legationen eine Liste von Dörfern im Umkreise von acht Meilen um Peking, wo katholische Geistliche und viele chinesische Christen von Boxern und chinesischen Truppen belagert werden und in großer Gefahr schweben. — In Shanghai ist die offizielle Meldung eingetroffen, daß 22 amerikanischeMissio- n a r e 'und acht Kinder niedergemetzelt wurden. — Ein anderes Shanghaier Telegramm besagt, daß die Hospitäler in Peking und Tientsin sehr überfüllt sind und die Kranken nunmehr nach Japan gebracht werden. 1 Laut Meldungen vom Westflusse sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die Seeräuberei und das Wegelagern dort wieder in Zunahme begriffen ist. Der Fluß wird wahrscheinlich während des Winters in den früheren Zustand der Unsicherheit geraten, wenn nicht energische Maßregeln ergriffen tverden. Es werden mehrere Fälle von Seeräuberei gemeldet. Ein Dorf in der Nähe von Kumt- schuk wurde von Räubern in Brand gesteckt. Die Meldungen haben nichts überraschendes an sich, denn die Neigung zum Seeraub steckt den Chinesen im Blute und hat nur mit großer Mühe einigermaßen unterdrückt werden können. Früher war es durchaus nichts seltenes, wenn Segelschiffe in den chinesischen Meeren von Piratendschunken angegriffen wurden, und namentlich benutzte man dazu Windstillen, bei .denen die Segler den mit Rudern bewegten Dschunken nicht entkommen konnten, oder man griff Schiffe an, die irgendwo auf Strand geraten waren. Ter Dampf und die von den Kriegsschiffen der Mächte ausgeübte Seepolizei haben hierin Besserung geschaffen, und man hörte seit längerer Zeit nichts mehr von Seeräuberei, die von den Chinesen mit ihren Dschunken .uuf hoher See ausgeübt worden wäre. Wohl aber kam es noch bis in die jüngste Zeit vor, daß Chinesen es anzettelten, daß sie sich als Reisende an Bord eines Handelsfahrzeuges einschifften und dann auf See die Besatzung überfielen und niedermachten. Im Innern des Landes unb im mittleren Laufe der großen chinesischen Ströme dürfte das Piraten- tum nie aufgehört haben. Wenn bei einem solchen Herkommen in den jetzigen unruhigen Zeiten und ihrer Gesetzlosigkeit das Piratentum wieder auflebt, kann man sich höchstens wundern, daß das nicht schon früher geschehen ist. Der Chinese, so furchtsam er sonst scheint, ist ein sehr kühner Seemann, und seine leichten Fischerboote wagen sich weit ins Meer hinaus, trotz der äußerst gefährlichen Stürme, die gerade dort oft überraschend schnell eintreten. Dann kommt es freilich auch vor, daß eine ganze Fischerflotte mit einem Schlage vernichtet wird. Aber um solche Kleinigkeit kümmert man sich in China nur wenig. Oft wird von Reisenden erzählt, daß die großen europäischen Dampfer rücksichtslos auf die chinesischen Fischerflotten los- fahren, und wie man gesehen habe, daß ein chinesisches Fischerfahrzeug nur ganz knapp dem Uebersegeln entgangen sei. Diese letzte Thatsache ist oft richtig. Der Grund liegt aber nicht in der Rücksichtslosigkeit der Dampferkapitäne, sondern an den chinesischen Schiffern selbst, die sich eine Ehrensache daraus machen, bei leichtem Winde möglichst dicht am Bug der Dampfer vorbeizufahrem Oft glaubt man, das Boot müsse in den Grund gerannt werden, fitnb bann ist es ein ober zwei Meter am Bug vorbeigekornmen. Nicht nur Eitelkeit und Prahlerei liegt diesem Verfahren zu Grunde, sondern auch der Aberglaube, daß es einen besonders guten Fang bringe, wenn man dies gefährliche Manöver glücklich ausgeführt habe. Manchmal freilich werden die waghalsigen Segler dabei auch überrannt. Es ist bewunderungswürdig, mit welcher Sicherheit die Fischer dies Segelmanöver ausführen und mit welcher Geschwindigkeit und Kühnheit sie dies -halsbrecherische Kunststück wagen. Was die Strompolizei in den Flußgebieten anlangt, so werden dazu namentlich die Torpedoboote praktisch zu verwenden fein, die den Piraten auch in seichtes Wasser folgen können. Unsere {Drei Torpedoboote sind jetzt in Hongkong eingetroffen und iwerden in dieser Beziehung vorzügliche Dienste leisten, ebenso wie das chinesische Torpedoboot Haitsching, das bei Taku in unsere Hände fiel, und dessen von Deutschland.abgesandte Bemannung sich auch schon in den chinesischen Gewässew. befindet. J- Alfred Milner gerichtlich verfolgen zu lassen, weil dieser die gesamte Korrespondenz der Oeffentlichkeit übergeben habe. Die Afrikanderpreffe glaubt, die englische Regierung werde nunmehr infolge der Proklamation Lord Roberts, die den Krieg als beendet erklärt, sämtliche gefangenen Buren auf St. Helena und Ceylon sreilassen. Telegramme des «ietzeuer Anzeigers. London. 27. September. Nach einer Meldung aus Pretoria hielt Lord Roberts gestern eine Truppenschau über die Kolonialtruppeu ab und verabschiedete sich von ihnen. Loudon, 27. September. Eine authentische Meldung schätzt die Zahl der Buren-Flüchtlinge in Lourenzo Marcmez aus 10 000. M 3 London, 27. September. „Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, daß die Afrikander sich höchst widerspenstig zeigen. Abg. Merriman erklärte in der Kammer, den englischen Gesetzen zufolge habe er das Recht, Sir gestern als Ober-Kurator der reformierten Kirche itr dem Orte Papa eine Rede, in der er darauf hinwies, daß die reaktionäre Strömung vom Auslande bis nach Ungarn hereindringe. Es sei die Pflicht aller Bürger, der finsteren Strömung entgegen zu treten. Sollte es zu Aufregungen oder gar zu Thätlichkeiten kommen, dann sei eS Pflicht der staatlichen Gewalten, einzuschreiten. — Graf Ferdinand Zichy veröffentlicht einen Artikel, in der er erklärt, die katholische Volkspartei werde auf der Revision der kirchenpolitischen Gesetze beharren. Solange diese nicht erfolgt sei, könne sie mit der Regierung keinen Frieden schließen. Koustautinopel, 26. September. Die Kreischess von Haiffa und Hiberia, Hamdi Bey und Oma Bey, wurden infolge der Untersuchung des Bali von Damaskus über Ruhestörungen iu Haiffa von ihren Posten ab gesetzt. Beide hatten eine deutschfeindliche Haltung gezeigt, was zur Provokation der syrischen Uniirten beigetragen hat. Ein Antrag auf Absetzung der beiden Beamten war indessen von deutscher Seite nicht gestellt, sondern nur auf das Ersuchen beschränkt worden, eine gerechte Untersuchung zu veranstalten. Die Haiffa-Affaire ist damit definitiv erledigt. fährlich sei. Die Note ersucht die Großmächte, sich so schnell wie möglich über eine gemeinsame Aktion zu verständigen. London, 27. September. Nach einer Meldung aus Hongkong ist die katholische Kirche von Tokamsamb am Sonntag von chinesischen Horden zerstört und der daneben liegende Friedhof geschändet worden. Die Kirchen in den Vorstädten von Schantung wurden ebenfalls zerstört. Paris, 27. September. Frankreich ist entschlossen, sein Vorgehen in China durchzuführen. Es kommt nur darauf an, ob eine Einigung zwischen den Mächten erzielt wird über Teile des chinesischen Reiches, die jede einzelne Macht otkupiert bezw. erhalten soll, oder ob Frankreich sich gleich Rußland veranlaßt sieht, eine provisorische Besetzung auf eigene Faust vorzunehmen. Der Vorschlag, die chi nesisch en Befestigungen zu demolieren, sei nicht blos in militärischer, sondern auch in sozialpolitischer Hinsicht von großer Tragweite, da auf diese Weise die Bevölkerung großer Distrikte, die seit Monaten feiert, wieder Arbeit erhält. Spater würde dann der Aufbau von neuen, den hygienischen Ansprüchen genügenden Stadtteilen denselben Dienst leisten. Washington, 27. September. Der Vertreter der „Paris-Nouvelles" hat einen hochgestellten Beamten über den Standpunkt der amerikanischen Regierung in der chinesischen Frage interviewt. Derselbe erklärte, daß die beschlossene Räumung Pekings den Zweck habe, die amerikairischen Truppen aus Peking zu entfernen, bevor Feldmarschall Graf Walder fee dort eintrifft. Washington, 27. September. General Chaffee hat Befehl erhalten, den General Wilson in Peking jzu belassen. Wilson wird voraussichtlich zum Bevollmächtigten für die Friedensverhandlungen ernannt werden. Washington, 27. September. Es verlautet mit der größten Bestimmtheit, daß die Regierung der Vereinigten Staaten folgendes Ultimatum an die chinesische Regierung richten werde: 1. Es wird dem Kaiser die erforderliche Zeit gelassen, um zu zeigen, daß er gern gewillt ist, die Schuldigen zu bestrafen. 2. Wenn der Kaiser dies nicht thut, so werden die Vereinigten Staaten eine ausdrückliche Aufforderung an ihn richten unter Bezeichnung der Personen, die sie für schuldig halten. 3. Wenn diese Aufforderung resultatlos bleibt, dann .ergeht eine zweite und letzte Aufforderung. Wenn auch dieser Aufforderung keine Rechnung getragen wird, so wird der Krieg erklärt. Der Krieg i» Südafrika. Nach Roberts Bericht vom 24. September aus Prä- toria sand Pole-Carew bei Komatipoort einen langen Tom und Creusotgeschütz zerstört, ferner 300 Gewehre, 30 Kisten Munition für kleine Waffen, 40 Granaten für lange Toms und 130 Kisten mit andern Granaten. Ebenso erbeutete er eine Zahnradmaschine. Lord Kitchener befand sich am 24. — es ist lange her, daß man von ihm gehört hat — in Station Malelane an dem Bahnstrang, der bei Hectorsspruit in nordwestlicher Richtung nach dem Selatiflusse abzweigt. Ec meldete, daß dieser Bahnzweig mit rollendem Material vollgestopft sei, und daß es keine großen Schwierigkeiten machen würde, aus ihm vorzudringen, da die Brücke über den Krokodilfluß unbeschädigt sei. Ein neuerer Bericht Roberts vom 25. besagt: „Jan Hamilton sand am Krokodilslusse dreizehn Geschütze, von denen die meisten zerstört waren. Unter ihnen befanden sich einige, welche die Engländer seinerzeit verloren hatten; ebenso wurde eine große Menge von Wagentrümmern vorgefunden." Die Buren haben also nicht nur ihre schwere Artillerie, sondern auch einen Teil der leichteren Feldgeschütze geopfert. Die Arbeit der Engländer an der Delagoabaibahn ist mit der Besetzung von Komatipoort im großen und ganzen gethan; sie werden jetzt hier nur noch den Bahnkörper auszubeffern und zu bewachen haben. Nach einer Meldung aus Lourenzo Marquez vom 26. stehen Pole-Carew und Jan Hamilton mit 3000 Mann in Komatipoort. Lord Kitchener wurde zum 26. früh aus Hectorsspruit dort ebenfalls erwartet. Eine starke berittene Truppenabteilung unter dem Befehl des Obersten Liste ist von Pretoria aufgebrochen, um General De Wet zu verfolgen. In Lourenzo Marquez ist der deutsche Reichspost- dampser „Herzog" mit Passagieren voll besetzt in See gegangen. Unter der Paffagieren befinden sich hauptsächlich Holländer, Deutsche und Buren, darunter der Generalpostmeister von Transvaal, van Alphen, der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Piet Grobler und der Generalschatzmeister Malherbe. Auch eine Menge Gold in Barren wird mit dem Schiffe sortgeschafft. Präsident Krüger hält sich noch immer in der Wohnung des Gouverneurs auf. Das holländische Kriegsschiff „Gelderland" wird wahrscheinlich am Freitag von Aden nach Lourenzo Marquez abgehen, um Krüger nach Europa zu bringen. Es wird von der Entscheidung Krügers abhängig gemacht werden, nach welchem Orr sich das Schiff zu begeben hat. Der „Standard" meldet aus Lissabon: Die portugiesische Regierung habe Befehl gegeben, sämtliche von den Buren abgelieferten Waffen und Munition nach der Insel Mozambique zu schaffen. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 27. September 1900. * * Personalnachrichten. Der Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Wilhelm Herzberger wurde zum Präsidenten dieses Gerichts, der Oberlehrer an der Realschule zu Alsfeld Karl Hoffmann zum Oberlehrer an der Realschule zu Heppenheim mit Wirkung vom 1. Oktober ernannt. * * Die Teilnahme an der Beerdigung des Stadtverordneten und Vizepräsidenten der Großh. Handelskammer, Richard Scheel, entsprach der Verehrung, die der Verstorbene bei Lebzeiten in allen Kreisen der Stadt genossen. Die Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung, an der Spitze Finanzminister Gnauth und die Beigeordneten, und der Handelskammer waren fast vollständig, die Angehörigen des Kausmannsstandes und alle, denen der Verstorbene im Leben, beruflich oder gesellschaftlich nahegestanden, zahlreich vor dem Trauerhause erschienen, um dem verdienten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Von dem Gefühl der Teilnahme zeugten auch die zahlreichen Blumenspenden. Nachdem Pfarrer Euler in trefflicher Gedächtnisrede den Toten geehrt, legte Beigeordneter Wolff die von der Stadt Gießen und der Stadtverordnetenversammlung gewidmeten Blumenspenden am Grabe nieder; dasselbe geschah durch den Vorsitzenden der Handelskammer Kommerzienrat Koch und den Vorsitzenden des Kaufmännischen Vereins Horst. * * Eine seltene Feier beging gestern Herr PraetoriuS, Lehrer und Organist i. P., indem es ihm in verhältnismäßig geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit beschieden war, im Kreise einer Anzahl alter Kollegen aus Gießen und Umgegend seinen 90. Geburtstag festlich zu begehen. Nachdem schon am frühen Morgen die Regimentskapelle dem Geburtstags-„Kind" ein Ständchen gebracht hatte, fanden sich am Nachmittage alte Kollegen, unter ihnen ein 80jähr. und mehrere in der Mitte der siebziger Lebensjahre stehende, zur Gratulation ein. Der alte Herr war hocherfreut über die ihm gewordenen Ehrungen und nahm ein ihm darge- brachteS Geschenk, einen prachtvollen Krug, auf dem die Namen der Spender eingraviert sind, mit größter Freude entgegen, zumal ihm allseitig gewünscht wurde, daß er noch manches Jahr einen kräftigen Zug daraus nehmen möge. Der Gefeierte hat sich besonders durch seine herzliche Liebenswürdigkeit und seinen Humor, sowie durch fein hervorragendes Talent im Orgelspiel die Liebe und Verehrung von Kollegen und Freunden erworben, deren Wünsche dahingehen, daß der Jubelgreis noch lange seiner jetzigen Rüstigkeit sich erfreuen möge. • * Feuerwehr. Wie wir erfahren, soll in dieser Woche, Donnerstag oder Freitag, eine Probealarmierurrg der Gießener freiwilligen Feuerwehr und der Freiwilligen Gail'schen Feuerwehr stattfinden. Wir verfehlen nicht, die Bürgerschaft davon in Kenntnis zu setzen. • » Stenographisches. Da heutzutage die Beherrschung der Stenographie fast von Jedem im Berufsleben verlangt wird, so möchten wir alle jungen Leute, die sich die schöne Kunst noch nicht zu eigen gemacht haben, auf den demnächst beginnenden, im Inseratenteil angekündigten Anfangs- Kursus des Gabelsberger Stenographen-Ver- eins nochmals aufmerksam machen. »<- Frl. Käthe Torsen, unseren Theaterfreunden gewiß noch im besten Gedächtnis als Darstellerin des „Annchen" in Halbe's „Jugend", ist für die bevorstehende Spielzeit an das Fürstl. Theater zu Gera engagiert worden. • * Die Einführung des gesetzlichen Ladenschluffes am 1. Oktober wird, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, von den deutsch-nationalen Handlungsgehilfen durch Veranstaltung einer allgemeinen Festfeier gewürdigt werden, wozu gegenwärtig in den Ortsvereinen dieses Verbandes gerüstet wird. * ♦ Der Laudeslehrerverein hat sich, wie ern Offenbacher Blatt meldet, an die Erste Kammer mit einer Eingabe gewandt, in der er um Wiederaufnahme der Verhandlungen über das Volksschullehrergesetz im Herbst 6ittCtlr- Reiskirchen, 27. September. Gestern abend gegen i/.H Uhr, als sich schon di- meisten Leute zur Ruhe begeben hatten, erscholl Plötzlich Feu-rlärm. ES brannte bei dem Weißbinderm-ist-r Pf. °>n Anbau, der als Bt-hstall und Aufbewahrungsort für Farbwaren, sowie für Heu und Stroh diente Nur dem raschen Eingreifen der hiesigen und Lindenftruther Feuerwehr und dem unermüdlichen Her- b-ibrinaen von Wasser, besonders durch die Frauen und Mädchen, und der völlig windstillen Witterung ist es zu danken daß das Feuer, das in den dicht angrenzende« Deutsches Reich. Berlin, 26. September. Aus Eckernförde wird gemeldet: Die Kaiserin ist heute eingetroffen und hat sich nach Grünholz begeben. — Prinz Heinrich von Preußen übernimmt das Kommando als Geschwaderchef sofort nach seinem Eintreffen aus England. Das Geschwader tritt Ende November unter dein Befehl des Prinz-Admirals eine dreiwöchentliche Uebungsreise an. Prinz Heinrich, der jüngste unserer sechs Viceadmirale, ist damit auf einen der einflußreichsten und verantwortungsvollsten Posten der Marine — Der General der Kavallerie und Generaladjutant Alfred v. Rauch, zuletzt Präses der General-Ordens- Kommission, ist gestern hier nach längerer Krankheit gestorben. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Auf den deutschen Geschäftsträger in Guatemala, v. Eyb, war in der Nacht zum 16. September fein Angriff verübt worden. Als er im Wagen nach seiner vor der Stadt Guatemala gelegenen Wohnung zurückkehxte, wurde er von zwei völlig vermummten Individuen über fall en. Bei dem Kugel wechsel blieb Herr v. Eyb unverletzt, während einer der Angreifer von ihm durch den Arm geschossen wurde. Wie sich herausstellte, gehörten die »Angreifer der Geheimpolizei an. Der Geschäftsträger stellte folgende Forderungen: Absetzung des Ge- heiurpolizei-Chefs, Absetzung und Bestrafung der Uebel- thäter und Stellung einer berittenen Schutzwache. Die dortige Regierung hat diese Forderungen alsbald erfüllt und der Präsident der Republik und per Minister der Auswärtigen Angelegenheiten sprachen offiziell und schriftlich in besonders warmen Ausdrücken ihr tiefstes Bedauern über das Attentat aus. — Ueber das Inkrafttreten des Schlack) tvieh- und Fleischbeschau-Gesetzes kann die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilen, daß ein bestimmter Termin, von dem ab das Gesetz, sei es für das Inland, sei es für das Ausland, in Kraft gesetzt werden soll, noch nicht in Aussicht genommen werden konnte. Die Festsetzung des Termins hängt von dem Erlaß der Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetze, die gegenwärtig ausgearbeitet werden, sowie von der Bereitstellung des Fleischbeschau-Personals und der Fertigstellung der sonstigen mannigfachen Einrichtungen, die für den Vollzug der Schlachtvieh- und Fleischbeschau an allen Orten des Reiches erforderlich sind, ab. 9hir das Einfuhr-Verbot für Würste und Büchsenfleisch tritt bekanntlich bereits vom 1. Oktober d. I. ;ab in Kraft. — Der Bundesrat hat die preußischen Vorschläge zur Regelung des Apotheken wesens auf Grund einer vorausgehenden Ablösung abgelehnt. Da die preußische Regierung auf ihren Vorschlägen beharrt, dürfte es nicht sobald zu einer einheitliMen Regelung des Apothekenwesens kommen. — Zum „neuen Zolltarif" teilt der „Hambg. Corresp." mit: „Obwohl in den Regierungskreisen eine Strömung vorhanden ist für Aufstellung eines Maximal- und Minimal-Zolltarifs, so wird doch augenblicklich nur an der Fertigstellung eines einheitlichen Zolltarifes gearbeitet, in dem u. a. auch eine Erhöhung der Ge- treidezölle vorgesehen ist. Jedoch ist die Frage snach nicht entschieden, ob eine Differenzierung stattfinden soll, d. h. ob der Weizenzoll höher gegriffen werden soll als der Roggen zoll. Mit diesen und anideren Fragen wird sich« auch der wirtschaftliche Ausschuß zu beschäftigen haben, der voraussichtlich, im nächsten Monat wieder zusammentritt." Ausland. London, 25. September. Eine amtliche Depesche ans Kumassi meldet, mehrere Häuptlinge ergaben sich der Kolonne, die auf dem Marsche nach Kintampo begriffen ist. Eine große Abteilung Aschantis griff eine andere Truppenkolonne von 900 Mann 25 Meilen nördlich von Kumassi an, wurde aber mit großen Verlusten zurück- geschlagen. Die dritte Kolonne kehrte nach Kumassi zurück, nachdem sie die östlichen Stämme streng bestraft und Ruhe geschafft hatte. Paris, 26. September. Heute ist offiziell ein Dekret betreffend die Reorganisierung der Militärschule von St. Cyr erschienen. Durch dieses Dekret werden einschneidende Aenderungen in den Einrichtungen dieser Schule getroffen. Die wichtigste Aenderung ist die, daß in Zukunft die Lehrer dieser Schule nicht mehr auf Grund von Vorschlägen der General-Inspekteure der Artillerie- und Genie Kommandos ernannt werden sollen, sondern daß der Kriegsminister vollständig freie Hand bei Ernennung dieser Lehrer haben soll. — Der internationale Sozialistenkongreß hat beschlossen, seine Zustimmung zum Eintritt eines Sozialisten in eine bürgerliche Regierung zu geben, falls besondere Umstände dies erheische«. Bezüglich des Achtstundentags, des gesetzlichen Minimallohns, der Maifeier und der Vergesellschaftung der Produktionsmittel bestätigte der Kongreß die Beschlüsse der früheren Kongresse. Wien, 26. September. Die „N. Fr. Pr." veröffentlicht ein Schreiben des ehemaligen serbischen Ministers des Innern, Genschitsch, worin dieser den ihm zugeschriebenen Abgang von Geldbeträgen aus dem Dispositionsfonds, namentlich eines Betrages von 3000 Fr. damit erklärt, daß er diesen Betrag auf Befehl des Königs Alexander einer Person aus dem Auslande, die damals in Belgrad weilte, zur Verfügung stellte. Budapest, 26. September. Koloman Tisza hielt Scheunen reichliche Nahrung gefunden hätte, aus feinen Herd beschränkt blieb. Erst nach ungefähr vierstündiger harter Arbeit konnte jede weitere Gefahr als beseitigt be- trachtet werden. Bad-Nauheim, 26. September. Vorgestern besichtigten der Finanzminister Gn auth, Ministerialrat Wilbrandt und Professor Lepsius unter Führung der hiesigen Badedirektion, die Einrichtung des Bades *unb der Scrline. Wie der „Wett. Anz." hört, sprach sich der Finanzminister sehr anerkennend über die Fortschritte, die Nauheim in den letzten Jahren gemacht habe, gus. Demnächst wird mit dem Neubau eines Badehauses begonnen werden. — Von 36 Ladenbesitzern erklärten in einer Versammlung sich 29 durch Unterschrift für d e n Ach tuh r- Ladenschluß. Da zwei Drittel der Ladeninhaber sich für Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses aussprechen müssen, um einen entsprechenden Antrag stellen zu können, wird die Liste bei den Ladeninhabern nächster Tage Zn Umlauf gesetzt werden. An Ladeninhabern haben wir 90 zu verzeichnen, 38 Unterschriften sind bis jetzt vorhanden, sodaß noch ca. 20 Unterschriften notwendig sind, um den Achtuhr-Ladenschluß durchzubringen. — Die diesjährige A e p f e l v e r st e i g e r u n g in der Stadt hatte einen günstigen Erfolg. So wurden am Montag über -1100 Mark gelöst, ein Ertrag, der seit langen Jahren nicht vereinnahmt wurde. Darmstadt, 26. September. Die Verhandlungen zwischen der süddeutschen Eisenbahngesellschaft und der Stadt Darmstadt über eine Einigung in der Straßenbahnfrage wollen keinen Fortgang nehmen. Auf den Vergleichsvorschlag der Regierung, der auf eine von der Stadt an die Gesellschaft zu zahlende jährliche Pauschalsumme von etwa Mk. 8000 hinauslief, wovon die Gesellschaft alle ihr aus dem Stadtverkehr zufließenden Einnahmen der Stadtkaffe zuführen sollte, ist eine Antwort der Bürgermeisterei bisher nicht eingelaufen. Die Regierung hat infolge dessen in neuerer Zeit sich veranlaßt gesehen, eine abermalige Aufforderung zur Gegenäußerung an die Bürgermeisterei Darmstadt zu richten. Der Vorschlag der Bürgermeisterei auf Ankauf der Dampfbahn durch die Stadt wird von der süddeutschen Eisenbahngesellschaft erst nach einer Entscheidung über das Riedbahnprojekt für diskutabel erklärt. Die Umwandlung des Dampfbetriebes in elektrischen, die jetzt wieder aus den Kreisen der Bürgerschaft heraus dringend verlangt wird, ist die Gesellschaft bereit vorzunehmen, sobald sie durch die Zustimmung der Stadt und der Regierung dazu in den Stand gesetzt wird. — Die süddeutsche Eisenbahngesellschaft wird demnächst, da die Vorverhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß gelangt sind, die Konzessionen für den Bau der elektrischen Bahnlinien Mainz-Wiesbaden, Mainz-Hochheim und Mainz-Schierstein erhalten und alsbald die Ausführung in Angriff nehmen. Offenbach, 26. September. Der Kreisausschuß hat -Heute in öffentlicher Sitzung verkündet, daß der Beanstandung des am 25. November v. I. gefaßten Beschlusses der Stadtverordneten, die Bildung der Kommissionen und Deputationen betr., keine Folge zu geben sei. Gründe wurden nicht bekannt gegeben. Den Parteien wird das Urteil schriftlich zugestellt werden. Mainz, 26. September. Die Neuregulierung des Oktrois soll nun alsbald erfolgen. Mehrere 'Thor- wachen, die doch nur wenig Oktroiverkehr haben, -verden vollständig aufgehoben, ferner verschiedene Nachtposten. Dagegen sollen die Schutzmannsposten auf den Oktroidienst verpflichtet werden, das heißt, dieselben sollen bei fhren Patrouillengängen auf Oktroidefraudanten ihre Aufmerksamkeit richten und sie anhalten. Außerdem sollen die Strafen für Oktroischmuggel bedeutend erhöht werden. Bis jetzt muß der lofache Betrag ^bezahlt werden; diese Strafe soll auf den 25fachen Betrag erhöht werden. Der erste Teil der Neuregulierung wird hrach Annahme in der.Stadtverordneten-Versammlung sofort zur Einführung kommen, während die Erhöhung der Strafe erst der Genehmigung der Regierung bedarf. — Das verhaftete Ladenmädchen Kerz aus Hechtsheim, das seinerzeit in einem Ladengeschäft in Mannheim bedeutende Diebstähle ausführte, hat nunmehr ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der reelle Wert der gestohlenen und in Hechtsheim gefundenen Waren beläuft sich auf über 2000 Mk. Die Diebstähle wurden in der Weise ausgeführt, daß sich das Mädchen die Gegenstände unter den Kleidern befestigte und auf diese Weise mit nach Hause nahm; jede Woche sandte es alsdann die so gesammelten Gegenstände nach Hechtsheim. In Kisten verpackt sind dieselben sämtlich nach Mannheim verladen und dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zugestellt worden. — Das prächtige Exemplar eines Storches hat sich auf einem Hause der Stadthausstraße, just wo die H e b a m m e Frau K. wohnt, niedergelassen. Frau K. soll die Absicht haben, das zutraulich gewordene Tier als Reisenden zum Besuche ihrer Kundschaft abzurichten. ( JB r aunfels, 26. September. Eine drolligeVer- wechselung ist dieser Tage auf einem in der Nähe unserer Stadt belegenen Gutshofe passiert. Der dort wohnende Forstbeamte gab einem ihm unterstellten Kutscher den Befehl, die Maulwurfshaufen zu „streuen" Der aus Nordwestdeutschland stammende Beamte meinte damit das Zerstreuen (Auseinanderwerfen) der Hügel, während der Kutscher unter der Worte „Streuen" das Düngen .verstand. Daß er die „Maulwurfshügel" düngen sollte, wollte dem Kutscher zuerst nicht in den Kopf; er fragte deshalb noch einmal, erhielt aber nunmehr eine etwas unwirsche Antwort, -nach der er so klug war wie vorher. Er begann daher, aus jeden Maulwurfshügel eine Hand voll künstlichen Dünger zu streuen. Einen vollen Tag hatte er so gearbeitet ü.nd schickte sich an, den folgenden Tag in derselben Weise fortzufahren. Wäre der Brave nunmehr nicht aufgeklärt worden, so hätte er die Maulwurfshügel noch wer weiß wie lange weiter gedüngt. g. Koblenz, 26. September. Heute fand hier eine Versammlung von Zeitungsverlegern statt, in der besprochen wurde, welche Maßregeln infolge der erhöhten Preise namentlich! des Zeitungspapieres zu er- greistn seien. Es wurde angeregt, in einer größeren, demnächst ftattfindenden Versammlung vorzuschlagen und zu beschließen, daß der Abonnementspreis allgemein' um eine Kleinigkeit erhöht werde Besonders wurde betont, daß der R a b a t t schle u d e r e i bei ge- chäftlichen Anzeigen energisch entgegengetreten werden müsse und daß die Verleger sich tnif Ehrenwort verpflichten müßten, an den aufgestellten Sätzen strengstens festzuhalten. meine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. DaS Kreisamt Worms macht in einem Rundschreiben an bi» Bürgermeistereien darauf aufmerksam, daß sich in den letzten Jahren eine bedeutende Zunahme der Kindersterblichkeit in dem Kreise und besonders in Worms bemerkbar gemacht habe. Nach ärztlichem Gutachten sei dies hauptsächlich auf eine unrichtige Pflege und Ernährung der Kinder und auf ein unrichtiges Verhalten der Wöchnerinnen zurückzuführen. — In Worms stürzte sich eine TaglöhnerSfrau von der neuen Brücke in den Rhein. Ein junger Mann aus Hofheim beging aus gleiche Weise Selbstmord. Ein Schiffer suhr ihm nach, um ihn zu retten, aber der Verzweifelte stieß den Nachen zurück und verschwand in den Wellen. — Der liberale Geistliche, Prediger Neßler, der lange Jahre hindurch freisinniger Abgeordneter im Reichstag gewesen ist, feiexte in stiller Zurückgezogenheit bei seinem Sohne, dem Prediger Neßler in Hanau seinen 70. Geburtstag. — Am Bahnübergänge bei Heddershausen wurde ein Fuhrwerk vom Zuge übersahren. Alle drei Insassen des Wagens wurden getötet. — Der in der Leid- Hecker Messer assaire in Untersuchungshaft genommene Martin Bischoff ist bereits unter Anklage gestellt, so daß in Kürze die von dem noch nicht 16 Jahre alten Thäter begangene Strasthat vor der Strafkammer zur Aburteilung kommen wirb. — In Schlitz fand eine Versammlung der Lehrer des Schützer Bezirksvereins statt. Auch aus den Vereinen Lauterbach und Alsfeld waren Gäste erschienen, Der Landtagsabgeordnete und Oberlehrer Backes aus Darmstadt berichtete Über seine Thätigkeit im Landtage. — Der Bremser Seifert, dem vor einigen Tagen auf dem Salz- schlirfer Bahnhofe ein Fuß überfahren wurde, ist im £anb« krankenhause zu Fulda am Wundsieber gestorben. Vermischtes. * Ein ganz besonderes Mißgeschick waltet über den Bemühungen des Generals Grafen Zeppelin und seinem lenkbaren Luftschiff. Mau erinnert siich wie die unfreundlichen Witterungsverhältnisse dem kühnen und energischen Erfinder vor einem Vierteljahr wiederholt einen Streich, spielten; wie die fest angesagte erste Auffahrt immer und immer wieder verschoben werden mußte, da Graf Zeppelin das Ergebnis dieses mit Spannung erwarteten ersten Aufstiegs nicht von den Zufälligkeiten einer ungünstigen Windgeschwindigkeit abhängig machen wollte. Am 2. Juli erfolgte die kaum noch erhoffte Auffahrt, die aber ein eigentliches, ein bestimmtes Urteil ermöglichendes Resultat nicht ergab, weil die eine Steuerung brach, und somit das Luftschiff vorzeitig zum Invaliden wurde. Während des Sommers wurde nun nicht nur dieser Schaden ausgebessert, sondern man nahm auch alle die Veränderungen und Verbesserungen vor, die sich nach dem Rat der Sachverständigen als wünschenswert herausgestellt hatten. In aller Stille wurde nun der zweite Ausstieg vorbereitet; die Teilnahme des großen Publikums, der neugierigen Masse, erschien unerwünscht, weshalb der Zeitpunkt der Auffahrt nur den Fachleuten, Meteorologen, den militärischen Luftschifferabteilungeu und selbstverständlich auch den Mitgliedern der Luftschifffahrtgesellschaft kundgegeben wurde, die das Geld für die kostspieligen Zeppelinschen Unternehmungen herbeige- schaft hatte.' Vor einigen Tagen traf das zur Füllung des Ballonkörpers notwendige Gas in Friedrichshafen ein, das für vierzehn Tage, also für mehrere Aufstiege, ausreichen sollte. Wie bei der ersten Auffahrt kam auch diesmal Prof. Dr. Hergefell, der Leiter des meteorologischen Instituts in Straßburg, ferner Hauptmann v. Sigsfeld von der Luftfchifferabteilung in Berlin, Baron Bassus aus München nach Manzell, um dem Grafen Zeppelin beizustehen, und ihre ivi Sommerlbegonnenen Beobachtungen und Untersuchungen fortzusetzen. Die Mitglieder der Luftschiffahrtgesellschaft waren auch bereits fast vollzählig in Friedrichshafen eingetroffen, und am Dienstag früh gingen ein Offizier und sechzig Mann von Weingarten, der nächsten württembergischen Garnisonstadt, nach Friedrichshafen ab, -um bei der Füllung und dem Aufstieg zu helfen, der am Mittwoch! vormittags stattfinden sollte. Da brachen an dem Ballonkörper einige Aufhängungen, deren Wiederherstellung mindestens vierzehn Tage in Anspruchs nimmt. Dann aber, gegen Mitte Oktober, herrschen auf dem Bodensee die von den Schiffern gefürchteten undurchdringlichen Nebel, und es ist kaum zu hoffens daß im diesmaligen Herbst diese.Nebelbildungen auf der See fläche von seinen Vorgängern eine Ausnahme machen werden, damit wäre dann der so lange geplante zweite Ausstieg bis zum nächsten-Frühjahr hinausgeschoben. Die während des Sommers an dem Luftschiff vorgenommenen Veränderungen bestehen im Wesentlichen darin, daß anstatt der hinteren Seitensteuer ein einziges Mittelschliffsteuer angebracht ist, daß ferner der die beiden Gondeln verbindende Laufsteg ersetzt wurde durch einen starken, mit dem Ballonkörper fest verbundenen Aluminiumbalken, und daß die Enden des Luftschiffes entlastet wurden, indem dort die Laufgewichte wegfielen. Die beiden Gondeln sind jetzt telephonisch miteinander verbunden. * Barcelona, 26. September. Der „Correo Catalan" berichtet von folgendem Gaunerstreich, der sich „würdig" 'den Schwindeleien anreiht, die von hier mit den sattsam bekannten Schatzgräberbriefen getrieben werden. Ein angeblicher „Freund des Sultans" telegraphierte an die türkische Regierung, es werde ein M o r d a u f a ll aufden Sultan geplant und bereits seien einige Anarchisten nach Konstantinopel abgegangen; wenn man ihm, der diese Verbrecher kenne, 4500 Franken zur Reise nach Konstantinopel schicke, werde er das Verbrechen vereiteln und die Verbrecher zur Bestrafung bringen helfen. Die türkische Regierung telegraphierte sofort an den türkischen Generalkonsul in Barcelona, dem braven Manne 4500 Fr. in Aussicht zu stellen, wenn es gelungen wäre, die Mordkerle zu fangen. Der „Freund des Sultans" nahm die 4500 Franken schmunzelnd in Empfang, aber die 2000 zu verdienen, darnach zeigte er kein Verlangen. w Anglücksfakl auf der Jagd. Wie aus Hohenthann bei Aßling berichtet wird, wurde Rechtsanwalt Dr. Möß- mer II. von München auf der Hühnerjagd von seinem Bruder, Rechtsanwalt Dr. Mößmer III., durch einen Schuß in den Schenkel schwer verletzt. Er mußte mittelst Tragbahre nach Hohenthann gebracht werden. * Petersburg, 26. September. Wie ein sibirisches Blatt mitteilt, hat kürzlich auf der Transbaikalbrücke der ost- sibirischen Eisenbahn eine Zugentgleisung stattgefunden. 20 Waggons wurden zertrümmert, IlSoldaten eines aus der Reise nach Ostasien begriffenen Schützenregiments getötet und viele verwundet. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Schienen losgeschraubt waren, was die Ent- gleisung hervorrief.__________________ Universität und Hochschule. — Der Chirurg und Wiener Universitätsprofessor Hofrat Albert ist auf der Sommerfrische in seinem Geburtsorte Senftenberg in Böhmen an Herzschlag gestorben. — Zum ersten Direktor des neu zu errichtenden Reichs-Limes- Museums auf der Saalburg wurde der bisherige Konservator des Römisch-Germanischen Museums zu Mainz Ludwig Lindenschmit ernannt, zum zweiten Direktor Professor Karl Schuhmacher, bisher Direktorial-Asfistent der Großherzogl. Sammlungen für Altertums- und , Völkerkunde in Karlsruhe. — Aus Heidelberg schreibt man: Pro- feffor Dr. Fürbringer-Jena> der frühere Assistent und nunmehrige Nachfolger Karl Gegenbaurs, wird hier erst zu Ostern seine Lehrthätig- keit eröffnen. Die anatomischen Vorlesungen und Hebungen wird in seiner Vertretung kommendes Wintersemester, wie diesen Sommer, der a. a. Professor Dr. Maurer abhalten. — Weiter wird aus Heidelberg gemeldet: Wie verlautet, hat Professor Dr. Henry Thode einen Ruf an die Universität Berlin als Nachfolger Hermann Grimm's erhalten. — Aus Leipzig wird geschrieben, daß der a. o. Profeffor Le Blanc dem an ihn ergangenen Ruf der Technischen Hochschule Karlsruhe folgeleisten wird. — In Philadelphia ist Dr. Alfred Stille, Professor für innere Medizin an der Pennsylvania-Universität, gestorben. — Profeffor Dr. Ziehen in Jena siedelt nach Utrecht über. Es ist ihm dort eine ordentliche Profeffur für Psychiatrie übertragen, weiter wird ihm ein Laboratorium nach seinen Wünschen eingerichtet, und eine große Klinik für seine Beobachtungen zur Verfügung gestellt. Kunst und Wissenschaft. Halle, 25. September. Gestern eröffnete Virchow die erste Sitzung des deutschen Anthropologenrongresses in der Aula der Universität mit einer Ansprache, in der er des hervorragenden Hallenser Anatomen Johann Friedrich Meckel gedachte, eines der fruchtbarsten Entdecker auf dem Gebiete der Pathologie. Sodann hielt der Ortsgeschäftsführer Museumsdirektor Dr. Förtsch, Major a. D. und Stadtrat, dem Gebrauche der Gesellschaft folgend, eine Rede, in der er sich über die vorgeschichtlichen und frühgeschichtlichen Verhältnisse der Provinz Sachsen verbreitete. — In Leipzig ist, wie die medizinische Wochenrundschau Medico mitteilt, soeben ein Verband der «terzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Jntereffen gebildet worden. Der Verband will hauptsächlich „gegen die dem Aerztestande durch die Krankenkassengesetzgebung erwachsenen und noch drohenden Gefahren ankämpfen". Vorsitzender ist Dr. Hartmann-Leipzig. Gerichtssaal. Darmstadt, 26. September. Das Schwurgericht verurteilte heute unter Ausschluß der Oeffentlichkeit den Dienstknecht A l l - mann aus Steinau wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einer Schwachsinnigen, zu 2y2 Jahren Gefängnis. Die Geschworenen hatten mildernde Umstände angenommen. Gleichfalls unter Annahme mildernder Umstände wurde die 23 jährige Dienstmagd Elise Berg st räßer aus Darmstadt wegen Kindestötung zu 3*/$ Jahren Gefängnis verurteilt. Berlin, 26. September. Der gestern zu einem Monat Gefängnis verurteilte Redakteur der „Germania" K o n tz e n hat seinen Verteidiger beauftragt, Revision gegen das Urteil einzulegen. Christiania, 26. September. Vor dem hiesigen Gericht fand das Verhör von 7 Italienern, unter denen sich Dr. Cavalli befand, in der Angelegenheit der verschwundenen Mitglieder der Expedition des Herzogs der Abruzzen statt. Die Verhörten erklärten, die Verschwundenen, Querini, Ollier und Stocken, hätten, wie die anderen Sonder-Expeditionen Instrumente, Gewehre, Munition und Lebensmittel auf 10 Tage für sich und 10 Hunde gehabt. Am 22. April wurden 3 Norweger als Hilfsexpeditiou ausgeschickt. Dieselben kehrten am 10. Mai zurück, ohne eine Spur gefunden zu haben. Eine weitere Hilfsexpedition unterblieb. Cavalli glaubt, die Verschwundenen seien verunglückt und hält es für zwecklos, eine weitere Untersuchung anzustellen. Bei dem Antritt der Heimreise wurden Vorräte aller Art zurückgelassen, für den Fall, daß die Verschwundenen znrückkehrten. Ein Gleiches ge« chah auch an der südlichen Spitze von Franz Josephs-Land. Arbeiterbewegung. New-Aork, 27. September. Der Erzbischof von Philadelphia war nach New-Z)ork gekommen, um einen Ausgleich zwischen den ausständigen Bergarbeitern und den Präsidenten der Eisenbahn-Gesellschaften herbeizuführen. Seine Mission ist jedoch vollständig gescheitert, da beide Parteien keinerlei Zugeständnisse machen wollen. Neueste Meldungen. TelephottischeMeldnugerrdesGießeuerAuzeigerS. Gotha, 26. September. Die Sozialisten erränge» in Woltershausen das 9. Landtagsmandat. (Der gothaische Landtag setzt sich im ganzen aus nur 19 Mitgliedern zusammen^ D. Red.) Pretoria, 26. September. Die Hauptmasse der Buren- streitkräfte, bei der sich Schalk Burger und Billiers be- finden, scheint sich an einem Punkte östlich von Pietermaritzburg zusammenzuziehen. Die Gegend ist sehr ungesund für größere Menschenmaffen. Eng von Buschwald umschloffen wird es den Buren unmöglich sein durchzubrechen, weil starke englische Streitkräfte die Bahnlinie besetzt halten. * * * Berlin, 26. September. In einer gestern Abend stattgehabten Versammlung wurde der Schriftsteller Ledebur als sozialistischer Kandidat für die Reichstags-Ersatzwahl im 6. Berliner Wahlkreise nominiert. London, 27. September. „Daily Mail" meldet aus Rom: Die italienische Negierung beabsichtige eine Ausgabe von 250 Millionen Francs zur Anschaffung von Kriegsschiffen zu machen. London, 27. September. Die Wahl-Campagne nimmt in sämtlichen Blättern die erste Stelle ein. Die öffentliche Meinung scheint sich durchaus den Liberalen zuzuwenden. In Batherston wurde der konservative Redner nicht einmal zu Wort gelassen und von der Menge bedroht. Ich wohne jetzt Danksagung 6352 6354 Oberhessen. 6341 H im 6349 Um zahlreiches Erscheinen bittet eben eingetroffen bei 528 Der Vorstand QIWI- Zimmer mit 2 Bellen, eventl. *** Kabinett und Pension, zu vermieten. 04044 Hessischer Hof. möbliertes Zimmer zu vermieten. 04045 Bahnhofstraße 51, II. II empfiehlt 6187 Schreiner, Seltersrveg 65. 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Hyp.Tred.B. unk. b. 1906 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste, für die zahlreichen Blumenspenden, sowie für die trostreichen Worte im Hause und am Grabe sagen wir allen auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dank. 20 Franken-Gt. Tngl. SovereignS Dollar» iu Gold für Architektur, Bauschmuck und Baukonstruktion. „ Kleinkunst, Kunstschlofferei, Keramik, Gold- und Silber- Kekanntmachung. Dienstag den 2. Oktober l. Js., vormittag- 10 Uhr, wird ein zum Reiten untaugliches Pferd in der Gendarmerie-Kaserne Brandplatz Nr. 7 dahier gegen gleich bare Zahlung öffentlich versteigert. Gießen, den 26. Sept. 1900 Großhtrzogliches Gendarmerie-Distrikls-Kommando Die Anstalt ist von diesem Zeitpunkte an bis 1. April von morgens 8 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet im Bereiuslokal. Tages-Ordnung: 1. Festsitzung der Wintervergnügungen. 2. Besprechung über das Stiftungsfest Oktober. — 3. Verschiedenes. 04044] Ein möbliertes Zimmer mit Pension zu vermieten. Hessischer Hof. 04046] Ein Haus, mögt, zum Alleinbewohnen, wird in Gießen von einem Rentier zu kaufen gesucht. Offerten mit genauer Beschreibung und Preisangabe umgehend erbeten. 8. Freytag in Sondershausen (Thüringen), Louisenstr. 7. Lehrwerkstätten. Anmeldungen am 5. und 6. Oktober und spätestens 2. und 3. November. Unterrichts-Anfang: 5. November. c) Abendzeichen- und Modellierschule. Anfang: 8. Oktober. Anmeldung: 5., 6. und 7. Oktober. d) Frauen- und Mädchenkurs. Anfang: 9. Oktober. Anmeldung: 5., 6. und 7. Oktober II. Handwerkerschule. Abend- und Sonntags-Unterricht. a) Sonntagszeichen- und Modellierschule. Anfang: 7. Oktober. Anmeldung an sämtlichen Sonntagen des Oktober, io bis )2 Uhr. Unterricht im Freihandzeichnen, geometrischem Zeichnen, darstellender Geometrie. Fachkurse für Dekorationsmaler, Spengler, Schloffer, Maschinenbauer, Wagner, Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute, Möbel- und Bauschreiner rc. b) Die Aufnahmen in die Abendfortbildungsschule finden nur im Frühjahr statt. c) Mathematik - Unterricht: Planimetrie, Stereometrie, Algebra, Trigonometrie, Statik. Abendkurse. Anmeldungen hierzu am 7., 14. und 21. Oktober, Sonntags, 10 bis 12 Uhr. Auskunft, Schulordnung rc. kostenlos durch den Sekretär der Schule, Zimmer 5, Gewerbvereinshaus. . 6347 Procent 37, Deutsche ReichSanl. 3 Preuß. TonsolS Jacob, Agentur- und KommWons-Geschäft Eine Mühle mit zwei Mahlgängen und Del- schlagmühle in einem kleinen Städtchen Heffens, mit fester Kundschaft, wegen Krankheit des Besitzers zu verkaufen oder zu verpachten. 6305 Näheres in der Expedition d. Bl. Rheinisches Technikum Bingen kür Minenbai do4 EleklrolethniL Programme kostenlos. Kriegerverein Gießen Monats-Versammlung Dienstag den 2. AKtoöer, abends 9 Uhr, im Wereinslokal. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kameraden Bommersheim über die Reife zum Besuche der Schlachtfelder bei Metz. — 2. Verschiedenes. 6345 Deutschnationater* Handlungsgehilfen-Verband. Httsgruppe Hießen. Samstag de» 39. September er., abeuds 9 Uhr, im oSerm Saale der ßafs ßöel: Aeier des Deröandsgründungslages. Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder und eingeladenen Gäste bittet 6357 Der Vorstand. 6361] Leistungsfähige Soll. M-GroHüMg. sucht tüchtige Agenten. Offerten unter N 6361 an die Ex- pedition dieses Blattes. Kunstgewerbefchnle und Aandwerkerschuke, Mainz. (Staatlich beaufsichtigte und unterstützte Schule des Mainzer Gewerbvereins.) I. Kunstgewerbefchnle. Tages-Unterricht. Agentur für den Vertrieb besserer litterarischer Werke, im Preise-von 20 bis 25 Mark, zu vergeben. Hoher Verdienst für rührigen Herrn. Franz Schulte, Berlin, Kochstr. 60. 6358] Mansarde, zusammen oder ge- trennt, zu verm. Schiffenbergerweg 16. 46441 Möbliertes Zimmer, mit oder ohne Pension, per 1. Oktober zu verm. 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Bk. unk.b.1900 98.70 »elds Geld orterrr Brief ®elb 16.27 Franz. Banknoten 81.35 20.38 Oesterr. bto. 84.40 4.17 Americ. 4.177« berrdeourser 000.00 | Oesterr. Tredit-Actien 203 70