Sflt 227 «es Blatt. Freitag den L8. September 18». Jahrgang 1900 7 Gießener Anzeiger General-Anzeiger DZczuqspreis üicrtcfjäbvl. Ml. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn, durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilcnpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Hrscheirrt täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamikienötätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4 mal bcigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Amts- unb Zlnzeigeblatt fiir den Tiveis Gsetzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schurstraße Zlr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. In Bettenhausen ist in einem Gehöfte die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftesperre verfügt worden. Gießen, den 26. September 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Bechtold.__________________ Gießen, den 26. September 1900. Betr.: Die Obstbaumzucht. Da- Großherzogliche Kreisamt Gießen O» die Grotzh. Bürgerureiftereierr des Kreises. In dem Verlage von Trowitzsch u. Sohn in Frankfurt a. d. O. ist ein kleines Lehrbuch des Obstbaues unter dem Titel: „Der Obstbaum, wie man ihn pflanzt und pflegt", von Paul Engelmann, Obergärtner der Versuchsstation des „Praktischen Ratgebers im Obst« und Gartenbau" (Frankfurt a. d. O.) erschienen, das allgemeine Verbreitung verdient. Der Vorzug des Buches liegt in der Einfachheit und Verständlichkeit der Darstellung, die geeignet erscheint, die Freude an dem Obstbau zu erwecken und zu erweitern. Auch für die Fortbildungsschulen dürfte seine Anschaffung sich empfehlen. Der Preis stellt sich auf 1 Mk., bei Bezügen von 100 Exemplaren an auf 75 Pfg. für das Stück (gebunden). Wir sehen Ihrem Bericht darüber entgegen, ob und in welcher Anzahl Sie an dem Bezüge, den wir veranlassen würden, sich beteiligen wollen. v. Bechtold. Betreff: Gesetz vom 30. Juni 1900, betr. die Abänderung der Gewerbe-Ordnung. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit folgende neue Bestimmungen der Gewerbeordnung, betr. die Ruhezeit, den Ladenschluß und die Arbeitsordnung, welche atu 1. Oktober 1900 in Kraft treten, zur allgemeinen Kenntnis. § 139c. In offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörenden Schreibstuben (Kontore) und Lagerräumen ist den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern nach- Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens zehn Stunden zu gewähren. In! Gemeinden, welche nach der jeweilig letzten Volkszählung mehr als zwanzigtausend Einwohner haben, muß die Ruhezeit in offenen Verkaufsstellen, in denen zwei oder mehr Gehilfen und Lehrlinge beschäftigt werden, für diese mindestens elf Stunden betragen; für kleinere Ortschaften kann diese Ruhezeit durch Ortsstatut vorgeschrieben werden. Innerhalb der Arbeitszeit muß den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern eine angemessene Mittagspause gewahrt werden. Für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, Hauptmahlzeit außerhalb des die Verkaufsstelle enthaltenden Gebäudes einnehmen, muß diese Pause mindestens ein und eine halbe Stunde betragen. § 139b. Die Bestimmungen des § 139c finden keine Anwendung ° ' i. auf Arbeiten, die zur Verhütung des Verderbens von Waren unverzügliche vorgenommen werden müssen, 2. für bte Aufnahme der gesetzlich vorgeschriebenen Inventur, sowie bei Neueinrichtungen "und Umzügen 3. außerdem an jährlich)! höchstens dreißig von der Ortspolizeibehörde allgemein oder für einzelne Geschäftszweige zu bestimmenden Tagen. § 139e. Von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens müssen offene Verkaufsstellen für den geschäftlichen Vermehr geschlossen sein .Die beim Ladenschluß im Laden schon ' anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden. Ueber neun Uhr abends dürfen Verkaufsstellen für den geschäftlichen Verkehr geöffnet sein 1. für unvorhergesehene Notfälle, 2. an höchstens vierzig von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen, jedoch bis spätestens zehn Uhr abends, 3. nach! näherer Bestimmung der höheren Verwaltungsbehörde in Städten, welche nach der jeweilig letzten Volkszählung weniger als zweitausend Einwohner haben, sowie in ländlichen Gemeinden, sofern in denselben der Geschäftsverkehr sich vornehmlich auf einige Tage der Woche oder auf einzelne Stunden des Tages beschränkt. Die Bestimmungen der §§ 139c und 139b werden durch die vorstehenden Bestimmungen nicht berührt. Während der Zeit, wo die Verkaufsstellen geschlossen sein müssen, ist das Feilbieten von Waren aus öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder ohne vorherige Bestellung von Haus zu Haus im stehenden Gewerbebetriebe (§ 42b Abs. 1 Ziff. 1) sowie im Gewerbebetriebe im Umherziehen (§ 55 Abs. 1 Ziff. 1) verboten. Ausnahmen können von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden. Die Bestimmung des § 55a Abs. 2 Satz 2 findet Anwendung. § 139f. Auf Antrag von mindestens zwei Dritteln der beteiligten Geschäftsinhaber kann für eine Gemeinde oder mehrere örtliche unmittelbar zusammenhängende Gemeinden durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörde nach, Anhörung -der Gemeindebehörden für alle oder einzelne Geschäftszweige angeordnet werden, daß die offenen Verkaufsstellen während bestimmter Zeiträume oder während des ganzen Jahres auch! in der Zeit zwischen acht und neun Uhr abends und zwischen fünf und sieben Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen. Die Bestimmungen der §§ 139c und 139b werden hierdurch nicht berührt. Auf Antrag von mindestens einem Drittel der beteiligten Geschäftsinhaber hat die höhere Verwaltungsbehörde die beteiligten Geschäftsinhaber durch ortsübliche Bekanntmachung oder besondere Mitteilung zu einer Aeußerung für oder gegen die Einführung des Ladenschlusses im Sinne des vorstehenden Absatzes aufzufordern. Erklären sich zwei Drittel der Abstimmenden für die Einführung, so kann die höhere Verwaltungsbehörde die entsprechende Anordnung tresfen. Ter Bundesrat ist befugt, Bestimmungen darüber zu erlassen, in welchem Verfahren die erforderliche Zahl von Geschäftsinhabern festzustellen ist. Während der Zeit, wo Verkaufsstellen auf Grund des Abs. 1 geschlossen sein müssen, i,sh der Verkauf von Waren der in diesen Verkaufsstellen geführten Art, sowie das Feilbieten von solchen Waren aus öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder ohne vorherige Bestellung von Haus zu Haus im stehenden Gewerbebetriebe (§ 42b Abs. 1 Ziff. 1) sowie im Gewerbebetrieb im Umherziehen (§ 55 Abs. 1 Ziff. 1) verboten. Ausnahmen können von der Ortspolizeibehörde zugelassen werden .Die Bestimmung des § 55a Abs. 2 Satz 2 findet Anwendung. § 41b. Auf Antrag von mindestens zwei Dritteln der beteiligten Gewerbetreibenden kann für eine Gemeinde oder mehrere örtlich zusammenhängende Gemeinden durch die höhere Verwaltungsbehörde vorgeschrieben werden, daß an Sonn- und Festtagen in bestimmten Gewerben, deren vollständige oder teilweise Ausübung zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortretender Bedürfnisse der Bevölkerung erforderlich ist, ein Betrieb nur insoweit stattfinden darf, als Ausnahmen von den im § 105b Abs. 1 getroffenen Bestimmungen zugelassen sind. Der Bundesrat ist befugt, Bestimmungen darüber zu erlassen, welche Gewerbetreibende als beteiligt anzusehen sind und in welchem Verfahren die erforderliche Zahl von Gewerbetreibenden festzustellen ist. § 139k. Für jede offene Verkaufsstelle, in welcher in der Regel mindestens zwanzig Gehilfen und Lehrlinge beschäftigt werden, ist innerhalb vier Wochen nach Inkrafttreten dieses Gesetzes oder nach der Eröffnung des Betriebs eine Arbeitsordnung zu erlassen. Auf die Arbeitsordnung finden die Vorschriften der 88 134a, 134b Abs. 1 Ziff. 1 bis 4, Abs. 2, Abs. 3 Satz 1, des § 134c Abs. 1, Abs. 2 Satz 2 und 3, des § 134b Abs. 1 und der §§ 134e, 134f entsprechende Anwendung. Andere als die in der Arbeitsordnung oder in den §§ 71 und 72 des Handelsgesetzbuchs vorgesehenen Gründe der Entlassung und des Austritts aus der Arbeit dürfen im Arbeitsvertrage nicht vereinbart werden. Die verhängten Geldstrafen sind in ein Verzeichnis einzutragen, welches den Namen des Bestraften, den Tag der Bestrafung, sowie den Grund und die Höhe der Strafe ergeben, und auf Erfordern der Ortspolizeibehörde jederzeit zur Einsicht vorgelegt werden muß. Auf Arbeitsordnungen, welche vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes erlassen worden sind, finden die Bestimmungen der 88 134a, 134b Abs. 1 Ziff. 1 bis 4, Abs. 2, Abs. 3 Satz 1, des § 134c Abs. 1, Abs. 2 Satz 2 und 3, des § 134e Abs. 2 und des § 134f entsprechende Anwendung. Dieselben sind binnen vier Wochen der unteren Verwaltungsbehörde in zwei Ausfertigungen einzureichen. Auf spätere Abänderungen dieser Arbeitsordnungen und auf die seit dem 1. Oktober 1899 erstmalig erlassenen Arbeitsordnungen finden der § 134b Abs. 1 und der § 134e Abs. 1 entsprechende Anwendung. Gießen, am 26. September 1900. Grvßherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Herbstverkehr auf den Eisenbahnen. Die Entwickelung des Güterverkehrs läßt in diesem Jahre schon jetzt erkennen, daß der außerordentliche Berkehrsaufschwung der letzten Jahre nicht nur anhält, sondern sich noch weiter steigert. Die Birkehrsgestaltung läßt für die Monate September bis Dezember d. I. eine Höhe erwarten, die an die Eisenbahnverwaltung wiederum gewaltige Aufgaben stellen wird. Es ist deshalb unbedingt erforderlich, daß die letztere durch die Verkehrs Interessenten, soweit diese zu einer glatten Geschäftsabwickelnng beitragen können, unterstützt wird. In Nachstehendem sollen einige kurze Winke gegeben werden, in welcher Weise das Publikum die Eisenbahnverwaltung bei der bevorstehenden Verkehrssteigerung weiter zu unterstützen in der Lage ist. Zur thunlichsten Herabminderung des alljährlich im Herbst eintretenden Wagenmangels ist auf eine ausgiebige Ausnutzung der Güterwagen fremder, d. h. nicht zum preußischen Staatsbahn-Wagen-Verband gehörigen Eisenbahnen hinzuwirken. Dem vorerwähnten Wagen-Verband gehören außer sämtlichen preußischen Eisenbahndirektionen noch die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, die Oldenburgischen Bahnen und die Direktion der Militärbahn in Berlin an. Eine ausgiebige Ausnutzung der Güterwagen fremder Verwaltungen ist nur dann möglich, wenn seitens der Verkehrs- Interessenten sämtliche erforderlichen Wagen schon am Tage vor der beabsichtigten Beladung und zwar bis spätestens 11 Uhr vormittags bestellt werden. Wagenbestellkarten werden bei den Güter-Abfertigungsstellen vorrätig gehalten und von diesen unentgeltlich abgegeben. Wagenbestellungen können auch mündlich oder mittelst Fernsprechers bei der Güter-Abfertigungsstelle oder bei den die Aufsicht im Freiladebezirk führenden Bediensteten abgegeben werden. Nach 11 Uhr vormittags eingehende Wagenbestellungen können zu Zeiten des gesteigerten Verkehrs für den nächsten Tag nicht mehr berücksichtigt werden. Bei den Wagenbestellungen ist vor allen Dingen die Bestimmungsstation der Sendungen und die Stunde, in welcher an dem gewünschten Tage die Beladung des Wagens begonnen werden soll, sowie das Gewicht der Ladung und die Gattung des Gutes anzugeben. Der Montagsbedarf an Wagen ist schon am vorhergehenden Samstag bis 11 Uhr vormittags zu bestellen. Die Ent- und Beladung der Güterwagen darf auch während der Mittagszeit fortgesetzt bezw. begonnen werden, und dürfen auch schon morgens vor Beginn der Geschäftsstunden der Güterabsertigungsstelle und abends nach Schluß derselben, Wagenladungsgüter entladen werden. Die Zustellung der Benachrichtigungen über angekommene Wagenladungsgüter erfolgt so früh als möglich, und wird zu diesem Zweck — soweit erforderlich — der Beginn der Bureaustunden bei den Güter-AbfertigungSstellen entsprechend früher gelegt. Während der verkehrsstarken Zeit werden den Benachrichtigungsschreiben kleine rote Zettel aufgeklebt, durch welche die Empfänger in kurzen Worten auf den gesteigerten Verkehr und die Notwendigkeit aufmerksam gemacht werden, die Verkehrsanlagen der Eisenbahnen nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen, und die festgesetzten Be- und Entlade- ftisten stets einzuhalten. Die Ladefristen der bis 9 Uhr vormittags avisierten und zur Be- bezw. Entladung bereitgestellten Wage läuft in allen Fällen noch mit dem Schluß der GeschäftSstunden des nämlichen Tages ab; hierdurch wird erreicht, daß zur Beförderung der Wagen schon die Nachtzüge benutzt werden können. Das erhöhte Ladegewicht der Güterwagen — daS letztere beträgt nur noch bei einem kleinen Teil der vorhandenen Wagen 10 Tonnen — wird leider nur in sehr geringem Umfange ausgenutzt. Im Interesse der Verkehrs- Interessenten wird sich aber eine wesentliche Ersparnis an Wagen erzielen lassen, wenn die Verfrachter von Massenartikeln darauf Bedacht nehmen, das erhöhte Ladegewicht der Eisenbahnwagen stets auszunutzen. 72. deutscher Naturforscher- und Aerztetag. Aachen, 25. September. In der zweiten allgemeinen Sitzung des Naturforscher- und Aerztetages nahm die Versammlung zunächst einen hochinteressanten Vortrag des Geh. Medi- zinalrats Prof. Dr. Julius Wolff- Berlin über „D i e Wechselbeziehungen zwischen Form und Funktion der einzelnen Gebilde des Organismus" entgegen. An der Hand zahlreicher Lichtbilder wies der Redner nach., daß, auf Grund der neueren, durch die Entdeckung Röntgens vorzüglich unterstützten Forschungen, mit der alten Anschauung zu brechen sei, wonach bei Heilung von Knochenbrüchen die Natur zur ursprüng- Aus Stadt und Land. Gießen, 27. September 1900. ♦ * Auszeichnung. Dem Fabrikbesitzer Dr. phil. Wilhelm Merck zu Darmstadt ist der Rote Adlerorden 4. Kl. und dem Kabinettssekretär des Großherzogs, Dr. Kranzbühler, dem Oberkonsistorialsekretär Hermann Sonne und dem Kaufmann Konrad Egenolf zu Darmstadt der Königliche Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. * • Salzsteuer. In dem abgelaufenen Rechnungsjahre hat die Salzsteuer in Hesseu eine Einnahme von Mk. 1,110,726 oder Mk. 51,620 mehr als im Vorjahre ergeben. - h- Steinberg, 26. September. Unter der Stichmarke: „Ein milchgebender Ziegenbock" schreibt man uns: Heute ließ ich den zufällig hier anwesenden Tierarzt Dr. Köhler von Lang-Göns zur Untersuchung meines Ziegenbockes kommen. Ein angebliches Geschwür in der Nähe des Hodensackes entpuppte sich als Milchdrüse, aus der zirka Liter Milch gemolken wurde. Die Zu- kunft wird lehren, ob der Milchertrag zunimmt. Schwurgericht. , -x- Eießen, 26. September. I r. wtte Sa$e kam heute die Anklage gegen die I Ehefrau, Marie ged. Zeiter zu ^la9öcvfn$ä zur Verhandlung. Als Beisitzer fungierten die LaudgerichtSräte Dr. Möbius und Hellwig, die Anklage vertrat Staatsanwalt Koch, Ver- te diger war Rechisanwalt H o o 8. Als Geschworene wurden ausgeloosti 1. Hemr. Phil. Kotter, Landwirt zu Altenstadt; I 2°h- L-nz, Hüttenbeamter zu Lollar; 3. -sobs Phil! Srötf, Landwirt zu Heuchelheim; 4. Otto Robert, Buchecker zu Grunberg; 5. Heinrich Volkmann II., Landwirt | iu Heuchelheim; 6. Heinr. Reuter V., Landwirt zu Wieseck- ^.^dw. Görnert VIII., Landwirt zu Oueckborn; 8. Wilb' XownQ IV.. Landwirt zu Groß-Felda; 9. Karl Haas VI, Schuhmacher zu Steinbach; 10. Moritz Ohly, Landwirt zu Holzheim; 11. Karl Berg, Schuhmacher zu Gießen; 12.Heinr. I ^lomberger VIII., Landwirt zu Unterseibertenrod. Nach dem Eröffnungsbeschlusse wurde der Angeklagten zur Last gelegt, daß sie sich am 5. Juni 1900 zu Vilbel etncs $erbre4)en3 des Versuchs des Totschlags im Sinne des § 212 Str.-G.'B. schuldig gemacht habe. Der That- I ueflano, wie ihn die heutige Beweisaufnahme ergab, ist der folgende: Die Angeklagte ist sei Oktober 1894 mit dem Maurer Joseph Aulbach verheiratet. Aus dieser Ehe, die I offenbar von Anfang keine glückliche war, sind vier Kinder hervorgegangen. Die Schuld an diesem ehelichen Unfrieden lag an dem Verhalten der beiden Ehegatten, der Ehemann Aulbach, der in Frankfurt und Vilbel einen ausreichenden Ber- oienst hatte, hatte andererseits nicht unbedeutende persönliche Ansprüche. Er wird von den Zeugen zwar nicht als Trunkenbold geschildert, wohl aber als ein Mann, der sich sehr leicht zum Trinken und Feiern verführen ließe und dann keine Grenzen kannte. Die Angeklagte ihrerseits stammt aus einer wegen lhres Jähzorns bekannten Familie und ist selbst in hohem Grade leidenschaftlich. Geringfügiger Anlaß führte häufig die heftigsten Familienszenen herbei. So war es auch am 6. Psingstseiertage l. IS. Der Angeklagte hatte, wie alle I Maurer von Frankfurt und Umgebung an diesem Tage gefeiert, nur seinem Hauseigentümer bei einer kleineren j Arbeit geholfen und war am Abend von diesem hierfür zu einem Glas Bier eingeladen worden. Als die Angeklagte hörte, daß ihr Mann ausgehen wollte, geriet sie in die größte Wut, fing an zu schimpfen und lief ihrem Manne, als dieser sich trotzdem entfernte, bis zur Hausthüre nach und rief: „Verlaß Dich drauf, bis Du heim kommst, sind wir alle aufgehoben." Der Ehemann Aulbach drehte sich an der Thüre um und versetzte seiner Frau einige Schläge. Diese sprang daraufhin in höchster Erregung die Treppe wieder hinauf, ergriff eine Tasse, goß Wasser hinein und hierzu aus einem Fläschchen Schwefelsäure. Von diesem Gemisch gab sie ihren ältesten Kindern zu trinken und trank selbst den Rest aus. Die Angeklagte stürzte bald ohnmächtig zusammen. Durch das Schreien der Kinder wurden Hausbewohner aufmerksam gemacht, und es gelang ihnen, durch rasch angewandte Gegenmittel jede Lebensgefahr zu beseitigen. Die Angeklagte gab selbst zu, daß sie den Vorsatz gehabt, sich und ihre Kinder durch Einnehmen der Schwefel säure zu töten, und daß sie geglaubt habe, die den Kindern eingegebene Quantitäten reichten zu diesem Zwecke aus. Sie will aber im Zustande höchster Zorneserregung ohne Ueberlegung gehandelt haben. Der Kardinalpunkt in den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung war die Frage, ob die Angeklagte zurzeit der That sich in einem Zustande von Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geistesthätigkeit befunden habe^ durch den die freie Willensbestimmung ausgeschlossen war, für den Fall des Vorliegens nach § 51 Str. G. B. eine strafbare Handlung nicht vorhanden wäre. Diese Frage wurde von der Staatsanwaltschaft verneint, von der Verteidigung bejaht. Der Sachverständige, Medizinalrat Dr. Haberkorn, sprach sich über diese Frage dahin aus, daß die Angeklagte zurzeit der That nicht in einem Zustande der Bewußtlosigkeit, auch nicht in einem Zustande einer Geistesstörung, die die freie Willensbestimmung ausschließe, gewesen sei; doch sei ihre freie Willensbestimmung gehemmt gewesen, die Angeklagte sei durch die Hitze des Zornes in „Zornestrunkenheit" aus der Stelle zur Thal hingerissen worden. Der Affekt bei der in Verzweiflung geratenen Angeklagten habe der Grenze des Krankhaften sehr nahe gestanden. Die Geschworenen verneinten die an sie aus Grund des § 212 Str. G. B. gestellte Schuldsrage und darauf wurde die Angeklagte von Strafe und Kosten freigesprochen. Der erlassene Haftbefehl wurde ausgehoben. pichen Form zurückkehre und die Markhöhle an der Bruchstelle bic Verbindung übernehme. Ueber „Ausdehnung und Zusammenhang verdeutschen S t e i n k o h l e n f e l d e r" sprach hier" Prof. Tr. Holzapfel- Aachen. Redner ging von dem Gedanken aus, daß wohl niemand bei (einer Reise durch die rheinisch-westfälischen Bezirke sich dem wenig anmutigen, aber um so stärkeren Eindruck entziehen 'könne, den die hoch aufsteigenden Kamine, die rauchgeschwärzten Häuser machen, und der stets ein Zeichen einer hochentwickelten Industrie ist, besonders der Eisen- und Kohlenindustrie. Während aber früher das Eisen mittels Holz- totste da verarbeitet wurde, wo man es gewann, benötigt jetzt die Eisenindustrie, wie fast alle anderen größeren sZweige der Industrie, der Kohlen. Von dem Kohlenreich- itum ist daher wohl das finanzielle Wohlergehen «eines Staatskorpers hauptsäckstich abhängig. Schwarze Diamanten hat man die Kohlen benannt, aber Redner möchte dies als eine Ueberschätzung der Tiamanten bezeichnen, da Kohlen wirtschaftlich von größerem Wert sind. Teutsch- land ist recht reich an Kohlen, bisher hatte die erste Stelle darm England, jetzt die Vereinigten Staaten. Ein Blick auf die Ergiebigkeit und die Aussichten unserer Kohlen selber ist daher wohl interessant. Tie Ausdehnung und Grenzen der Becken sind selten genau zu bestimmen, da sie nur Denig an die Oberslache treten, dagegen meist mit einer Schicht jüngeren Gestems bedeckt sind, die z. B. bei Tortmund 400 Meter öttf i)t. So setzt sich das westfälische Kohlenbecken unter der ganzen Kreidedecke des Münfterlandes fort. Zwischen Aachen und Ruhrort haben Bohrungen auch Verbindung . der dortigen Becken ergeben. Tie nördliche Grenze des Aachener Beckens ist unbekannt. Rach Westen zu setzt es I fta) über die Maas sort nach Ramnr stnd selbst bis Ostende. । Redner erklärt seine Ausführungen näher an der Hand I einer Tafel. Er leitet diese westlichen Kohlenbecken fdar- «uf zurück, daß früher hier ein großer Meerbusen bestand, da Bohrrlngen auch bei oberflächlichen Unterbrechungen stets Verbindungen ergaben. Ter Redner führt im weiteren aus, daß es leider noch rmmer nicht gelungen sei, die Umgrenzung unserer Heut- schen Kohlenbecken genau festzustellen. Tas kommt daher, daß ^iefbohrungen so kolossale Kosten verursachten Redner ist die Memung, daß die Geologie allein die Um I E^Ä”9 Mächtigkeit unserer Kohlenlager nicht wird feststellen können, man werde dazu vor allem der Hilfe und -Mitwirkung der Technik und des Staates bedürfen. Tenn I gerade die Tiefbohrungen seien es, die uns zur Seite stehen niusien, und ihre Ausführung ist in erster Linie Sache der I Technik, ihre materielle Durchführung Sache des Staates I sind die Gründe, weshalb wir 'bisher über die Ge- I So l 9 Sa9e unserer Kohlenfelder so wenig wissen. Es hat Millionen gekostet, um festzustellen, daß sich die I Xager vielfach unter dem jüngeren Gestein hinziehen und daß sie teUweile in noch ganz unerreichbarer Tiefe liegen Abg. Schulze-Bochum hat seinerzeit im Abgeordneten- yause unseren Kohlenvorrat im westfälischen Becken als I noch Jur 200 Jahre ausreichend berechnet. Tabei hat I er redoch die Kohlenschätze der niederrheinischen Tiefebene I uicht mitgerechnet. Auch Oberschlesien wurde damals berücksichtigt. Run haben aber die Bohrungen in I Paruschowitz 9J. 5 kürzlich einen ganz kolossalen Kohlenschatz ergeben, den Redner durch ein reiches Zahlenmaterial I veranschaulicht. Damit ist ein neuer Quell aufgesckckossen I der uns erkennen läßt, daß das oberschlesische Becken dem rheinisch-westfälischen an Reichtum kaum nachsteht. Es ist I deshalb anzunehmen, daß die von dem Abg. Schultze an- I genommene Ziffer viel zu niedrig gegriffen ist und wir I unfern Kohlenvorrat um einige hundert Jahre länger be- I rechnen dürfen. Professor Tr. Hansemann-Berlin sprach über I „emige Zellprobleme und ihre Bedeutung! furdie wissen schaftlicheBegründungderOr - | zan-Therapi e". Sie Schlüsse, die sich für die spezifische Organtherapie I ergeben, sind folgende: 1) Es f)at nur einen Sinn, die Organtherapie anzu- I wenden bei Erkrankungen von Organen mit nur innerer | Sekretion. 2) Man wird keinen Erfolg von der Therapie erwarten I können bei altruistischer Hypertrophie, sondern nur bei | altruistischer Atrophie. 3) Es ist nicht gleichgiltig, von welcher Tierart die I 'Drganpräparate hergestellt werden, sondern es muß die | Tierart gesucht werden, deren Organprodukte denen des I Menschen am nächsten kommen. 4) Von der chemischen Beschaffenheit des inneren I Dekrets der Organe wissen wir noch fast nichts. Diese | muß also zunächst erforscht werden. 5) Wenn man auch heute noch nicht jagen kann, was I Ennnal aus der Organtherapie wird, so erscheint dieselbe I frtnbiert™ Alogischen Standpunkte aus durchaus sicher I jneraui nahm das Wort Professor Tr. Erich jü. Dry- I gahski-Berlin zu seinem Vortrag über „Plan und Aufgaben der deutschen Südpolar-Expedi-, !l°P, ' che auf Kosten des Reiches gegenwärtig in Vor- | * mnbJTTT August 1901 zur Abreise kommen wird. I »ei anderen Rationen seien große wissenschaftliche Expedi- | uicht neu, und war es immer ein I hohen ckuffchwungs, wenn sie auch bei schwieriger I ^a9c entsandt wurden. Mit großer Freude ist I es daher zu begrüßen, daß Deutschland sich zu diesem I &?f' von welchem die Wissen- ^(an cht seit lange gehegt und m Deutschland selbftandig entwickelt. Er fügt sich ieboch I m ein System von internationalen Forschungen em ivelche gleichzertig stattfinden fallen. Bei der Größe des »och gänzlich unbekannten Gebieten im südlichen Eismeer ist dort Raum für die gleichzeitige Tha'ttgkeit pieler Er- peditionen. 4 I Die Ausreise wird durch den atlantischen Ozean in* .Kupstadt erfolgen, da im südlichen Teil desselben schon wichtige ozeanographische Probleme zu lösen sind Von Kapstadt geht die geplante Route sodann nach den Ker- | guelen, auf welchen einige Teilnehmer der Expedition I Zurückbleiben sollen, um ein Jahr hindurch wesentlich ?>rd- I magnetische u,nd meteorologische Beobachtungen anzu- I stellen. Die Hauptexpedition braucht diese Beobachtungen, I um ihre mehr südlich im Eismeer gewonnenen Ergebnisse | I . cu»en festen Stützpunkt beziehen zu können. Die I Kerguelen liegen sehr günstig dafür. I , Anfang Dezember 1901 will die Hauptexpedition die I ^orguelen verlassen. Als ihr Arbeitsgebiet betrachtet sie | ö/w Eivnieer südlich vom indischen und vom atlantischen | ^äean. Welche Route sie darin nehmen wird, jäßt sich | naturlickpbei der Schwierigkeit der Eisschiffahrt,nicht vorher | ßßen. Sie hofft etwa an der Westseite pes von Roß im I ??uou befahrenen Viktorialandes ein Land zu finden, wo I überwintern kann. Tort würde sie eine wissenschaft- | Station anlegen und auf derselben ein Jahr hindurch I physikalische und biologische Arbeiten ausführen. Schlitten- | könnten von dort aus einzelne Teilnehmer weiter I «üblich gegen den Erdpol hin führen und auch gegen den mag- | ne tisch en Südpol hin, dessen Lage noch sehr unbestimmt ist, | über auf dem Biktorialande vermutet wird. Rach der Ueber- | Winterung würde die Expedition von der Station die Fahrt I uach Westen fortsetzen und zwar, wenn es möglich ist, | 'Üblich von Kemps- und Enderbyland vorbei nach dem | Weddelmeer, um von dort über Süd-Georgien und Tristan I da Cun ha heimzu kehren. I . . Dieser Plan kann innerhalb zweier Jahre durchgeführt | KIN, sodaß die Expedition im Sommer 1903 zurückkehren | konnte. Ter im südlichen Eismeer zugebrachte Winter | wurde unserem Sommer 1902 entsprechen. Tie Aus- ^^Üung wird aber auf drei Jahre beschafft, um für alle | »ulle gerüstet zu sein. Bei dem zu lerwartenden Reichtum | Robben, Walen und Vögeln wird außerdem auch an | frischer Rahrung kein Mangel sein. Nutzfische sind da- I gegen^ aus jenen Gegenden noch nicht bekannt. Tie wissenschaftliche Ausrüstung wird in allen Richt- I ungen so vollständig gewählt, daß damit alles ausgeführt | werden kann, wozu sich Zeit und Gelegenheit bietet. Was I ^.usgesührt wird, läßt sich natürlich aber erst an Ort und | Aelle entscheiden. Man darf in dem Umfang der wissen- | schaftuchen Ausrüstung deshalb keine Gefahr sehen. Eine I Ache würde nur dann bestehen und zur ^.leberlastung | fuhren, wenn 'Die Expedition auf ein bestimmtes zu Hanse | ausgearbeitetes Programm verpflichtet wäre. Bei der gänzlichen Unbekanntschaft des Südpolargebietes geht das natürlich nicht^ an. Tie Expedition muß ihre Arbeiten an Ort und Stelle frei bestimmen und der Umfang der Ausrüstung soll sie nur in die Lage setzen, alles arbeiten . gu können, wozu sich Gelegenheit findet. Hieran hat es i bei anderen Expeditionen, z. B. auch bei Nansen, gefehlt. ^as schiff der Expedition wird gegenwärtig auf den vowaldtwerken in Kiel gebaut. Es wird ein starker Holzbau und durch Querhölzer im Innern gegen (bie Eispreß- | ungen so widerstandsfähig und fest, wie nur .irgend möglich, gemacht. Es wird mindestens ebenso stark gebaut, wie bie „Fram" war, erhält jedoch eine andere Form, weil die „Fram" kein gutes Seeschiff war und die Südpolar-Ex- pedition eine lange und schwierige Seereise zu machen hat. .ter Stärke des Schiffes thut die Aenderuug der Form keinen Eintrag. Tie wissenschaftlichen Mitglieder der Expedition sind bereits gewählt, undzwar sind es außer jdem Vortragenden, | welcher zum Leiter bestimmt ist und dazu die physisch- | geographischen Arbeiten vornehmen wird, Tr. Ernst | -oanhösfen - Kiel als Zoologe und Botaniker, Tr. Hans | Gaze rt-München als Arzt und Bakteriologe, Dr. Emil P h ij i p p i aus Breslau als Geologe und Chemiker, Und | 2)r. Friedrich Bidlingmaier aus Lauffen am Neckar | als Erdmagnetiker und Meteorologe. Für die Kerguelen- | Station find Tr. Karl Luyken als Physiker und E. Werth als Biologe bestimmt. Tie seemännische Be- | fatzung des Schiffes ist noch nicht endgiltig bestimmt, doch I werden bereits wegen der Schiffsführung Verhandlungen I mit einem hervorragenden Seemann gepflogen, der in | der Eisfchiffahrt Erfahrungen hat. Gleichzeitig mit der deutschen Expedition wird I eine, englische entsandt werden, die die pazifische Seite I des südlichen Eismeeres bearbeiten will. Bei aller Frei- | heit der Bewegung sind zweckmäßige Vereinbarungen über I die instrumeiitelle Ausrüstung und über die Art der I vorzunehmenden Arbeiten namentliche in erdmagnetischer I und meteorologischer Hinsicht bereits getroffen worden. I Auch Scho11la n d plant eine eigene Expedition I wesentlich zu oceanographischen Zwecken südlich von Amerika I und desgleichen S ch wede n. Diese Unternehmungen sind I aber noch nicht gesichert. Dagegen wollen die V e r e i n i g -- I ten Staaten von Amerika durch erdmagnetische I Arbeiten auf neu zu errichtenden Stationen die Ziele der I Südpolar-Expedition fördern helfen und vielleicht auch I Argentinien durch die Anlage einer Station auf ©taten | Island. So ist das Unternehmen bereits weit über die ur- I sprünglich in Deutschland gezogenen Grenzen gewachsen I und verspricht reiche Erfolge für viele Zweige der Wissen- I schäft. Eine sehr große klaffende Lücke in der Kenntnis der I Erde soll ausgefüllt werden. Bisherwissenwirnoch I nicht einmal, ob im südlichen Eismeer ein I Ko n tin e n t ex istie r t o d e r n u r einzelne Inseln. I Alles, was darüber gesagt wird, istHypo-I these. Nansens Ansicht, daß dort nur Inseln sind, ist I durchaus nicht begründeter, als die Ansicht anderer For- I scher, die zusammenhängende Massen von Land ober Eis I annahmen. Letzteres ist aus meteorologischen Gründen I sogar eher wahrscheinlich. Auch geologische Gründe sprechen I dafür nach dem Charakter von Proben des Meeresbodens, I bie bisher gefunden sind. Doch nur direkte Forschung I kann entscheiden. Möge die deutsche Expedition dazu I einen wesentlichen Beitrag liefern. Die Vorbereitungen I können, dank dem opferwilligen und verständnisvollen I Eintreten der Reichsregierung, so umfassend, wie mir | irgend möglich, getroffen werden. Möge auch das Glück I dem Unternehmen hold fein und an das Schiff das Gute I sich> schließen. Hierauf spracki der Vorsitzende Geh. Rat v. Leube- I Würzburg das Schlußwort, indem er zugleich einen Aus- I blick auf den nächsten Natnrforschertagin Ham- I bürg warf, dessen Gelingen bereits jetzt durch die Mit- I arbeit eines so bedeutenden Gelehrten wie des Geh. Rat I von Neumayer gesichert erscheine. Geheimrat W ü l l - I uer schließt darauf mit herzlichen Dankesworten an die I Erschienenen die Sitzung. -p- Bad Nauheim, 26. September. Wie schon im Wochenprogramm der Unterhaltungen kurz mitgeteilt wurde, wird sich die Frankfurter Quartett-Vereinigung (Herren Hock, Dippel, Allekotte, Appun) am Sonntag im Kurhaussaale für diese Saison von Bad-Nauheim verabschieden. Das Programm des Abends weist u. a. auf: Mozart: Streichquartett C-dur; Beethovens Serenade op. 8 für Violine, Viola, Cello; Haydn'S G-dur- Quartelt. Nauheim, 26. September. Wir lesen in einem „Eingesandt" des hiesigen Blattes einen längeren Schmerzens- erguß, dem wir folgendes entnehmen: Es ist ein offenes Geheimnis, daß das Kurpublikum im großen und ganzen mit der Kurmusik unzufrieden ist und die Leistungen einer Militärblechmusik, selbst wenn sie, wie es vor- gekommen ist, von mittelmäßigem Werte ist, denen des Streichorchesters vorzieht. Der Grund für diese merkwürdige Erscheinung liegt in der gänzlich mangelnden Akustik, die schon auf den letzten der unmittelbar vor dem Orchester aufgestellten Bänke Feinheiten der Streichinstrumente völlig verloren gehen läßt. Für die auf der eigentlichen Terrasse sitzenden Kurgäste — und dies sind 9/10 aller Terrassen- besucher — dringt überhaupt nur das „Blech" durch. Hieran trägt die Schuld sowohl die Lage wie der Bau des Orchestertempels, und ehe die beiden Mißstände nicht bis nuf die Wurzel beseitigt werden, helfen Maßregeln, wie die erfolgte Verstärkung des Orchesters auf 50 Mitglieder, nicht das Mindeste. Sie heben nur das Mißverhältnis zwischen Vernehmbarkeit der Streich- und Blasinstrumente um so mehr hervor. Unter dem jetzigen beschämendenZustand leidet nicht nur das Publikum, sondern schließlich auch die Höhe der musikalischenDarbietungen des Orchesters. Jede künstlerische Leistung erfordert die völlige Hingabe des Künstlers an seine Aufgabe. Eine solche ist aber nur denkbar, wenn der Künstler des Bewußtseins sei, wenigstens gehört zu werden und bei seinen Zuhörern Eindruck zu machen und Beifall zu finden. Vor tauben Ohren zu spielen lähmt auf die Dauer den künstlerischen Ehrgeiz, ohne den hervorragende Leistungen nicht denkbar sind. Kommen dazu noch Situationen wie am Teichhaus, wo unsere Künstler mit ihren zum Teil kostbaren und empfindlichen Instrumenten auf dem nackten Boden wie eine Kirmeßmusik lagern müssen, so kann man sich nicht wundern, wenn die oben erwähnte Gleichgiltigkeit ebenso auf der Seite der Künstler sich ausbreitet. Mainz, 26. September. Nach zweitägiger Verhandlung wurde heute abend in der Generalversammlung des deutschen Tabakarbeiter-Verbandes die Abstimmung über die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung vorgenommen. Mit 47 gegen 17 Stimmen wurde der Antrag euf Einführung abgelehnt. Die Mehrzahl der Gegner sprachen sich im Prinzip für die Arbeitslosen-Unterstützung aus, halten aber den jetzigen Zeitpunkt für die Einführung in den Organisationsrahmen nicht für geeignet. KasA, 26. September. In der Kaiserstraße ereignete sich gestern vormittag ein Unglücks fall. Der Bursche eines Ofsiziers bewegte in der Nähe des Tannenküppels die Pferde seines Herrn, auf einem derselben reitend und das andere an der Hand führend. Durch das Gebell einiger Hunde scheu gemacht, gingen die Tiere durch. Das eine derselben rannte gegen einen Pfeiler der elektrischen Bahn und verletzte sich dabei an Kopf und Brust so schwer, daß es auf der Stelle verendete. Der unglückliche Reiter flog bei dem Anprall über den Kopf des Tieres und trug im Sturze ebenfalls erhebliche Verletzungen davon. Die Verletzungen des zweiten Tieres, das ebenfalls stürzte, sind weniger schwerer Art. Der Bursche, der wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung davongetragen hat, wurde dem Garnison- lazareth zugeführt. Vermischtes. * Unser Kaiser mag die radelnden Damen nicht. Von einem Leser unseres Blattes in Tilsit wird uns geschrieben: „In dem Festzuge, der am 22. d. M. aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers bei der Enthüllung des Denkmals der Königin Luise hier veranstaltet wurde, befanden sich auch Radler und Radlerinnen. Als diese vor dem Kaiser vorüberkamen, wandte er sich an die neben ihm st.henden Ehrenjuagfrauen, die ihm kurz zuvor dn Gedicht rezitiert und einen Strauß überreicht hatten, mit den Worten: „Ich bitte Sie, meine Damen, steigen Sie nicht aufs Rad!" Daß sich im übrigen alle Sportvereine der besonderen Gunst des Kaisers erfreuen, betonte auf dem an demselben Tage stattfindenden großen Kommers der Tilsiter Sportvereine unser Erster Bürgermeister Pohl." * Dortmund, 26. September. Auf der Zeche Schwerin wurden durch schlagende Wetter zwei Bergleute getötet und fünf schwer verletzt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frauktüirter SÖffMe vom 26. September. Wechsel au? New-York zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult Sept. 0.952/g, do. per ult Okt. 2.15O/o, do. per ult. Novbr. 3.50 %, Diakonio-Kommandit per ult. Sept 0.95 %, do, per ult Okt. 2.40 %, Lombarden per uk. Sept. 0 300/», do. per ult Okt. 0.900/,. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%. ÄotieriUlgeEl: Kreditaktien 202.90-203,30-000, EHskonte- Kommandit 168.10-90-000.00, Staatsbahn 141-141.20, Lombarden 25.10-00, Italiener 93.70, Spanier 71.70.00, Sproz. Mexikaner 25.15, Bochumer 169-171.50-000.00 bz., Laura 189.50-191.00 bz,, Harpener 175-6.50-000.00 bz. G., Gelsenkirchen 185-186.50 bz., Privat-Biß- keut 4%% G. 1 biß 2% Uhr;: Kreditaktien 203.20-204.00-000 bz., Dis- konto-Kommandit 168.90-169.20-00 bz., Staats: ahn 141.10-20 bz. Lombarden 25.10-25.C0 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz Bochumer 000.00 bz , Deutsche Bank 000.00-000 bz. Berlin, 26. Scpt.ntter. In der gestrigen Sitzung des Antiar- Aussckusses der Reichsbank wies Präsiden! Koch tacauf hin, d»ß die Ansprüche an die Retchsbank seit dem Juni 1900 geringer seien als im Vorjahre. Die Anlage sei zwar seit dem 31. August um 80 Millionen Mark gewachsen, darunter befinden sich aber nur etwa 53 Millionen Mark Wechsel. Die Gesamkanlage stehe gegen- wärttg hinter der vorjährigen um etwa 108 Millionen Maik zurück, während die Metall Vorräte um etwa 30Mtllionen Mmk größer seien. Die steuerfreue Notenrrselve betrage noch etwa 46 Mill. Mk., im Vorjahre waren dagegen etwa % Mill. 9Jit steue!pflichtiger Noten am 23. S-vtemker im Umlaufe. Die fremden Wechselkurse, besonders ter kurze Kurs auf London, ermöglichten keine Goldau'sfuhr, im Gegenteile erfolgten in den letzten Tagen Goldeingänge in Deutschland. Der Privatbtskont ist in letzter Zeit gefallen, allerdings ist gegen bm Quartalschlug dne erhebliche Steigerung der Anlage erwartbar, indessen wird jetzt eine DtSkontoände- rung nicht beabsichtigt. Widerspruch gegen diese Ausführungen wurde von kciner Sette geäußert. Märkte. r. Limburg a. d. Lahn, 26. September. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro Malter.) Roter WUzen, neuer, Mk. 12 96, weißer Weizen Mk. 00.00, Korn, neues, Mk. 11.73, Gerste Mk. 00 00, Hafer, neu. Oswald Wwe. in Grünberg. 63041 Gut gehendes, kleines Iabrilrgeschäst auf dem Lande, in der Nähe einer Bahnstation, ist Familienvcrhältniffe halber billig zu verkaufen. Kleines Kapital erforderlich. Näheres in der Expedition d. Bl. KaufmännischeFachschule. Wir machen hiermit bekannt, daß in dem Wontag den 1. Hktoöer er. beginnenden Winter-Bemester in unsirer Fachschule auch ein Dameu- Kursns und Bortrags-Kursus abgehalttn werden soll. Anmeldungen zum Besuche der Schule und der beiden Kurse können vom 24. September an täglich von 1 bis 2 Uhr nachmittags bet unserer Schulleitung — Schillerstraße 5 —, sowie am 26. und 28. September, abends von 8 bis 10 Uhr, in der Schule — Nordanlage 15 — erfolgen. Die Eröffnung: a) der Fachschule ist auf Montag den 1. Oktober, abends 8 Uhr; b) des Damen-Kursus auf Samstag den 29. September, nachmittags 1 Uhr; c) des Vortrags-Kursus auf Dienstag den 2. Oktober, abends 9 Uhr, festgesetzt und wollen sich die Angemcldeten an diesen Tagen pünktlich in der Schute einstnden, um Stundenplan und andere Mitteilungen entgegen zu nehmen. Das Schulgeld beträgt: 1. Für einfache Buchführung, Korrespondenz, Rechnen, Wechsel- leh.e und Handels,;eograph!e zusammen 15 Mk. 2. Für doppelte Buchführung......10 „ 3. Für Französisch und Englisch je.....10 , NB. Wer Korrespondenz, Wecksellehre oder Rechnen in Klaffe I besucht, hat für doppelte Buchführung nur 5 Mk. zu zahlen. 4. Für Damen-Karsus (einfache Buchführung, Rechnen, Schreibrn, Korrespondenz und Wechsellehre) . . 20 ,, 5. Für Vortrags-Kursus......io „ 6. Für Schönschreiben.......3 ö 7. Für Stenographie.......5 8. Für Maschinenschreiben......10 „ Schüler, deren Prinzipale oder Väter nicht Mitglieder des Kauf, männischen Vereins sind, zahlen für pos. 1, 2, 3 und 6 das doppelte Schulgeld. Auf Ansuchen können durch die Schulkommiffion ganze oder halbe Freistellen bewilligt werden. Der Besuch der kaufmännischen Fachschule befreit vom Besuch der obligatorischen Fortbildungsschule. Wir ersuchen nun die Herren Prinzipale und Geschäftsführer, unsere Schule zu unterstützen, indem sie ihr Gehtlfen-Personal darauf aufmerksam machen, sie zum regelmäßigen Besuche der belegten Unterrichtsstunden anhalien und ihnen die nötige Zett — namentlich auch zum Besuche des Tagesunterrichts — gütigst gewähren. 6204 Ait ZchnlkomnGon -er kanfmijnnischn» Fachschule. ifhuplcliluwi :________________________.. .. - Zwiebelkuchen Montag, Mittwoch und Freitag, von 9 Uhr ab. 4684 Hofbäcker Noll, Mäusburg 12. Zwetfchen kehr gute Qualität, können bei mir sofort und auch später in Empfang genommen, auch auf vorherige Bestellung geliefert werden. 6238 Großen-Linden, den 22. Septbr. 1900. Gg. Weiss UI., KgklkibMkr. Heute frische Schellfische, Zauder, Schollen, Aln^ , ledeude Karpfen, Schleie und Aale eiugettoffen. 350 Prompter Versandt nach auswärts. ma4.tik- I. W. Schulhof, $e,T Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft. uvrltiuifeii 04015] Brauner, kurzhaariger Jagd» Hund, im 2. 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