Dienstag den 28. August 1900 Zweites Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger Aintr- mtb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen Aezugspret» virrieljährl. Mk. 2.W monatlich 75 Plg. nut vringkrlohn; durch die Abholrfiklle» vierteliährl. Mk. 1,91 monatlich 65 Pig. Bei Postbezug 1RI. 2,40 viertrljSH^. mit Bestellgeld. Tie Anzeigrn-BermittlungSstellen de- In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Siebener Anzeiger entgegen AeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. peeWtelfilttr ■*** do» Avzeiger - WM* «* .H» Rr. 200 ■u AusMMtzme des 1 - - MMMgE, «hP'didtan und Deus—t: Ur- 1. GrMrdeiiaze«: Gießener Famittrnblätter, Der hessische Kandwirt, ASNrr ftir hessische UotttsKundr. --- —■ ______ J.O Adrefir für Depeschen: Anzeiger chieh^B. Fernsprecher Nr. 51. Die Wirren in China. Der Berichterstatter des Reuterschen Bureaus berichtet aus Peking vom 14. August: Die Entsatzkolonne traf gerade zur rechten Zeit ein, denn wir traten fast erschöpft. Nachdem wir in der Nacht auf gestern den heftigsten Gewehrkampf während der ganzen Belagerung durchgemacht hatten, wiederholte das Tsungliyamen seinen schon einmal gemachten verräterischenVersuch, unsere Wachsamkeit einzuschläfern, indem es uns mitteilte, es habe die chinesischen Truppen angewiesen, das Feuer einzustellen. Gleichwohl griffen die Chinesen hinterlistigerweise die britische, französische, amerikanische und russische Gesandtschaft gleichzeitig von allen Seiten an. Der Lärm war geradezu betäubend und dauerte die ganze Nacht. Gegen morgen gab uns der ans weiter Ferne hörbare Donner von Geschützen neuen Mut, den Widerstand fortzusetzen. Das Feuer der Chinesen auf die Gesandtschaften dauerte bis- zu dem Augew blick, wo die Entsatzkolonne Die Stadt betrat. Die Chinesen geben zu, während der Belagerung 3000 Mann verloren zu haben. Wir haben die Gesandtschaften zwei Monate lang innter beständigem Feuer behauptet und nur von Reis und einem Pfund Pferdefleisch den Tag gelebt. Als die Berbündeten anrückten, griffen die Amerikaner ein Stadt- thor an und zogen damit alle chinesischen Truppen nach diesem Punkte hin. So blieb das Schahuothor unverteidigt, und die Engländer konnten, ohne auf Widerstand zu stoßen und ohne einen Mann zu verlieren, durch dieses Thor in die Stadt einrücken. Ein in London eingelaufenes Pekinger Telegramm vom 16. August besagt, die Stadt stehe unter der Kontrolle der Berbündeten. Französische und russische Flaggen wehen über den kaiserlichen Domänen, wo die kaiserlichen Schätze verborgen sind. D-ie Japaner bemächtigten sich eines Schatzes von zwei Millionen Taels. Seit dem 13. August haben die Pekinger Zeitungen ihr Erscheinen eingestellt. Dem Reuterschen Bureau wird aus Peking vom 17. August gemeldet: Tie japanischen Truppen befinden sich an den Thoren der verbotenen Stadt. Die Truppen erwarten die Befehle ihrer Regierungen, ob sie die verbotene Stadt besetzt halten oder zerstören sollen. Es heißt, Prinz T u a n sei in Peking gesehen worden; man stellt eifrige Nachforschungen nach ihm an. Chinesische Kavallerie ist in Der Nähe von Tungtschou aufgetaucht. Eine Schwadron indischer und amerikanischer Kavallerie hat sicl>zurVerfolgung derKaiserin aufgemacht. Nach einer Kabelmeldung der „Paris-Nouvelles" hat die amerikanische Regierung ein Telegramm erhalten, worin folgendes gemeldet wird: Die Japaner berichten aus Peking, daß der Kaiser und die Kaiserin Peking am 14. August verlassen haben und sich nach Sehensi begaben. Prinz Tsching befindet sich noch in Peking. Li-Tsch ing- H a n g ist tot. Die Hälfte der Bevölkerung hat Peking verlassen. Das Bureau Dalziel meldet aus Shanghai: Ein Bericht ist hier eingelaufen, wonach, die der Kaiserin- Witwe und dem Hofe nachgeschickten japanischen Truppen dieselben auf ihrer Flucht, 80 englische Meilen südwestlich von Peking überholt haben. Der Kaiser Kwang stellte sich sofort unter die Protektiv nder ihn gefangen nehmenden Truppen. Der Kaiser ist noch nicht in Peking angekommen. Wje andererseits aus London gemeldet wird, zirkuliert in Shanghai das Gerücht, daß der Kaiser Kwang gefunden und von Japanern gerettet (?) worden sei. Eine amtlich Bestätigung der angeblichen Gefangennahme der Kaiserin-Witwe und des Kaisers von China liegt bisher nicht vor. Der französische General Frey telegraphiert aus Peking vom 20. August: Es gelang den verbündeten Truppen — darunter befindet sich auch das erste von Jndochina gesandte Kontingent — allmählich die Boxer von allen Punkten, die sie noch besetzt hielten, zu vertreibet Die Verbündeten lagern rund um den Kaiserpalast, welcher von einigen Soldaten Der regulären chinesischen Armee besetzt gehalten wird. Die Generale der verbündeten Truppen beschlossen, die internationaleArmee quer durch den P a l a std u r ch z i e h e nzu lassen. Darauf sollen die Palastthore geschlossen werden. In Paris eingelaufene, aber recht unzuverlässige Nachrichten aus dem Innern Chinas lauten wieder einmal äußerst besorgniserregend. Der Vizekönig der Hangtseprovinz, Aoksien, ordnete dieNiedermetzelung aller Europäer an. Internationale Truppen wurden mts Shanghai zur Besetzung Hankows abgeschickt. Wie aus London gemeldet wird, haben Aufrührer das Missionsgebäude in Dintek arn nördlichen Ufer des Canton- Flusses zerstört. Eine Anzahl eingeborener Christen und Europäer, die gefangen genommen waren, wurden gefoltert und ihnen angedroht, daß, wenn sie kein Lösegeld aufbringen könnten, sie enthauptet werden würden. Alle diese Meldungen von neuen Unruhen werden in Berlin für zutreffend bezeichnet. Es geht daraus hervor, daß die militärischen Maßnahmen der verbündeten Mächte mit der Einnahme Pekings und der Befreiung der Gesandten noch lange nickst ihr Ende erreicht haben, daß es vielmehr für den Oberbefehlshaber Grafen Waldersee außer auf diplomatischem auch auf militärischem Gebiet noch eine sehr bedeutsame Thätigkeit geben wird. An einen W a f f e n st i l l st a n d ist zur Zeit nickst zu denken, und es muß deshalb insbesondere die Nachricht für unzutreffend bezeichnet werden, nach der die verbündeten Mächte sich wegen der Friedensbedingungen bereits in zwei Lager gespalten hätten. Ebenso wird unserem Berliner Mitarbeiter die Nachricht von der Einsetzung einer Regentschaft in Peking als mindestens verfrüht bezeichnet, da einer solchen eine 'gründlich^ Abrechnung vorausgehen müßte, bie nur erfolgen könne, wenn man sich derjenigen Stellen bemächtigt hat, welche die Verantwortung für die schwere Verletzung des Völkerrechts zu tragen haben. Einem Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." zufolge sucht besonders die dortige chinesische Gesandtschaft mit großem Eifer dafür Stimmung zu machen, daß die Mächte Friedensverhandlungen mit Li-Hung-Tschang aufnehmen. Heber die Frage bezüglich Vollmachten werde dabei leicht hinweggeglitten und ganz in Uebereinstimmung mit der eigenen Haltung Li-Hung-Tschangs behauptet, daß, wenn dieser sich als Friedensunterhändler anbiete, er auch das Recht und die Macht dazu habe. Deutscherseits werde erst auf die Friedensunterhandlungen eingegangen werden, wenn durch die Berichte der Gesandten durchaus klargestellt ist, wie die Dinge liegen und welche Faktoren heute die Autorität besitzen. Dann werde sich auch Herausstellen, ob. und inwieweit Li-Hung-Tschang bei dem Friedenswerk eine Rolle spielen könne. Aus Washington meldet man vom 24. August: Das Kabinett erörterte heute die Verwickelungen, die entstehen dürsten, wenn Rußland unabhängig in China vorgehen sollte. ' Es wurde beschlossen, in einen Schriftwechsel mit den übrigen Mächten zu treten zur Vereinbarungeinergemeinsamen Aktion und Feststellung des Verfahrens, das Rußland gegenüber eingeschlagen werden soll, wenn diese Macht fortfahren sollte, unabhängig von den übrigen zu handeln. Rußlands Haltung bereite dem Kabinett ernste Besorgnisse. Die Transportschiffe mit den Truppen der einzelnen Mächte an Bord (treffen allmählich in ja tu ein. Drei großes eutsche Transportschiffe sind bereits an» gekommen und haben die Truppen an Land gesetzt. Ein Bataillon ist schon auf dem Wege nach Peking, das zweite auf dem Wege nach Tientsin. Im Hasen liegen noch drei russische Transportschiffe. .Hundert Personen, darunter auch die Zollbeamten, haben Peking verlassen und kamen unter Geleit den Fluß hinab. Die Ausländer wünschen, es möge eine Expedition nach Paotingfu gesandt werden, um zur Vergeltung für die dort begangenen Mordthaten die Stadt zu zerstören. In Shanghai lief die Nachricht um, daß der Vizekönig von Hupe und Hunan, Tschantschitung, 30 der Reformpartei angehörende Chinesen habe verhaften und zwei von ihnen habe köpfen lassen. Jetzt wird aber bekannt, daß die Leute, gegen die Tschangtschitung in der angegebenen Weise vorging, nicht der Reformpartei, sondern einer geheimen Gesellschaft angehören. Das Vorgehen des Vizekönigs ist von geringer Bedeutung. Die fremden Bewohner Shanghais find beunruhigt durch die Ankunft so vieler Kriegsschiffe, da sie infolgedessen europäische Verwicklungen befürchten. Es ist ihnen jedoch versichert worden, daß die Ansammlung der Kriegsschiffe rein zufällig sei. Eine bei per Regierung in Washington eingelaufene Depesche des Generals Chaffee verlangt die Zurück- berufung- her amerikanischen Truppen aus China. Der amerikanische Konsul in Amoy hat dagegen an seine Regierung das Ersuchen gerichtet, einen Kreuzer nach Amoy zu entsenden, weil er in der Gegend Unruhen befürchtet. Aus New-Dork wird gemeldet: Im amtlichen Berichte über die Expedition Seymours wird eine Anzahl ftemder Offiziere für die amerikanische Me daille vorgeschlagen. Unter ihnen befindet sich Der deutsche Kapitän z. S. v. Usedom. Der Bericht weist auch aus das tapfere Verhalten des österreichisch-ungarischen Seekadetten Pro- chaska hin. Der am Freitag in Neapel angekommene deutsche Dampfer „Stuttgart" mit kranken und verwundeten Soldaten aus China hat die Weiterfahit nach Bremerhaven angetreten. Die deutsche Kolonie brachte den Seeleuten lebhafte Abschiedsgrüße. Mehrere an Bord der „Stuttgart" befindlichen deutschen Verwundeten erzählten von Grausamkeiten der Chinesen, die jede Vorstellung übersteigen. Insbesondere sei mit den Rufien in barbarischer, schrecklicher Weise verfahren worden. Ein Offizier erklärte einem Journalisten, daß die Worte Kaiser Wilhelms diesen Dingen gegenüber nicht zu weit gegangen seien. Die Chinesen seien soweit gegangen, ihren Opfern das Fleisch mit dem Mund vorn Leibe zu reißen. ES sei unmöglich, bie Martern zu beschreiben, denen die Frauen ausgesetzt gewesen seien. Die meisten Grausam- leiten hätten sich gegen bie Missionsschwestern gerichtet. — Der Kommanbant beS Schiffes sagte, nachbem er über bie Abreise beS Grasen Waldersee gesprochen: „Wir sind jetzt nur am Anfang des Spiels. Sie werden sehen, was Deutschland leisten wird! Alle erklären, die Chinesen zitterten jetzt schon in Voraussicht der Rache, bie Deutschland nehmen werbe." • ♦ • Telegramme de- Gietzeuer Anzeiger-. London, 27. August. General Dorward berichtet aus Tientsin vorn 23. August: Arn 19. August griff ich 8 Meilen südwestlich von Tientsin mit den amerikanischen, italienischen und englischen Soldaten eine starke chinesische Truppe an. Diese ergriff nach mehrstündigem Kampfe die Flucht und hatte 300 Tote und 60 Verwundete. Die Chinesen flohen zum Teil nach dem Süden, das Haupt- korps jedoch in westlicher Richtung. Wir hatten 14 Verwundete. Die Verbindungen zwischen Tientsin und der Küste sind außer Gefahr. Die Chinesen mißhandelten und belästigten die Bewohner der umliegenden Dörfer. In der Umgebung ihres Lagers fanden wir zahlreiche ge- köpfte Leichen. Die Dorfbewohner treffen in Stärke von ca. 1000 Köpfen täglich in Tientsin ein. Wir haben nur für einen Monat Lebensrnittel. Für bie Bevölkerung ist eine Hungersnot zu befürchten. London, 27. August. Daily Expreß meldet aus Shanghai: Aus Peking wird unterm 18. August berichtet: Die BerbnN' beten glauben an einen bevorstehenden Angriff der Boxer auf die Stadt. Zahlreiche Boxer treffen aus dem Süden hier ein. Eine Mine, die unter der katholischen Kathedrale, in der fich etwa 2500 christliche Chi. esen befanden, gelegt war, wurde zur Explosion gebracht. Etwa 1000 Personen wurden getötet. London, 27. August. Aus Shanghai wird vom 26. August gemeldet: Li-Hung-Tschang hat seine Reise vertagt, obgleich hierzu schon alles bereit war. Es wirb hier über Verhanblungen gesprochen, bie augenblicklich zwischen Europa unb Peking stattfinden sollen. Die Vize- könige senben Truppen nach Nanking, wo ein Komplott entbeckt würbe, das bezweckte, die Stadt einzuäschern unb bie fremben Niederlassungen in die Luft zu sprengen. 12 Verhaftungen wurden vorgenommen, zehn Chinesen enthauptet. Der Krieg in Südafrika. Wenn man der Meldung glauben darf, die Reuters Bureau verbreitet, so ist De Wet tatsächlich wieder auf dem Rückmärsche nach dem Oranjefreistaate. Diese Meldung ist aus Krügersdorp vom 24. datiert und lautet folgendermaßen: „Delarey erschien mit einer starken Truppenabteilung vor der Station Bank au der Eisenbahn Johannesburg Potschefstroom unb richtete an bie bortige aus Lonboner Freiwilligen bestehenbe Garnison unter Lorb Albemarle die Auffoderung, sich zu ergeben, was aber abgelehnt wurde. Später über» schritt De Wet die Eisenbahnlinie iu der Nähe von Bank und rückte nach dem Freistaat vor. Es ist offenbar, daß es sich bei der Aufforderung Delareys nur um eine Lift handelte, bie bezweckte, bie Bewegung bet Truppen De WetS zu becken." Der Gebankengang des Bericht- erstatters ist offenbar der, daß Delarey De WetS Bewegungen maskierte, um ihm ein ungehindertes Vordringen zu ermöglichen. Der Zweck der Unternehmung ist nur nicht recht einleuchtend. Wenn De Wet sich so schwach fühlt, daß er ohne Unterstützung Delareys sich nicht getraut, den Marsch westlich an Pretoria unb Johannesburg vorbei zu machen, wie will er bann im Oranjefreistaate weiter kommen, wo es von englischen Garnisonen wimmelt, bie nur bie Ausgabe haben, für bie Sicherheit unb Ruhe beS Landes zu sorgen, während die englischen Truppen in Transvaal zugleich bas Material für bie Operationen nach Westen, Norben und Osten abgeben müssen? Unb zumal, wenn er so schwach ist, baß er nicht einmal einer kleinen Garnison wie bie in bet Station Bank allein Herr werben kann? Die Fassung bes Protokolls schließt jebensalls bie Annahme aus, baß Delarey weiter mit ihm operieren wird, unb so würbe er künftig in ähnlichen Fällen auf sich selbst gestellt fein. Unb was bann ? Es ist freilich nicht unwahrscheinlich, baß bie kleine Leibgarde, bie er nach Roberts um sich bat, alsbald wieder, namentlich wenn es erst wieder zum Frühling geht, anwachsen wird. Gibt es doch noch immer Freischaren im Oranjefreistaate, die den Briten zu schaffen machen, wie erst neulich bei Ventersburg, wo die Engländer zwei Dutzend Gefangene verloren. De Wet hat schon so viele Rätsel aufgegeben und überraschend gelöst, daß man von ihm noch mehr dergleichen erwarten kann. Nach einer Meldung Lassans aus Pretoria vom 24. ds., die aber nicht bestätigt ist, müßte eS ihm schlecht ergangen sein; denn nach ihr sollen ihm die Engländer sämtliche Wagen weggenommen haben und er sich in einer sehr geschwächten Versaffung befinden. Feldmarschall Roberts telegraphiert auS Wondersontem vom 24. dS., General Pole-Carew habe heute, ohne auf den Widerstand des Feindes zu stoßen, der die Berghöhen zwischen Belfast und Dalmanutha besetzt hält, die Stadt Belfast genommen. Auch Lord Roberts kam dort an und traf auch mit den Generalen Buller, Pole- Carew und French zusammen. Bon den Truppen Pole- CarewS wurden bei der Besetzung von Belfast am 24. dS. 14 Mann verwundet. Der Gesundheitszustand der Truppe» hat sich bedeutend ^gebessert. General Hamilton nahm in der Nähe der Station Pienaarsriver 13 Buren gefangen. Lord Methuen soll in Zeerust eingetroffen sein und nunmehr mit Carrington in Verbindung stehen. Buller ist am 23. August heftigem Widerstande des Feindes begegnet. Letzterer hat der englischen Kavallerie eine Falle gelegt und auf kurze Entfernung das Feuer eröffnet. Die Geschütze der Engländer hatten aber das Feuer zum Schweigen gebracht und der Plan der Buten ist mißlungen. Infolge eines Mißverständnisses sind aber zwei englische Kompagnieen von dem Hauptkorps getrennt worden. Sie sind von den Buren umzingelt worden und haben schwere Verluste erlitten. Ein Offizier und zwölf Mann sind gefallen, vier Offiziere und 57 Mann verwundet und 33 Mann vermißt. Ein Londoner Telegramm besagt: Der von Marschall Roberts zum Tode verurteilte Leutnant C»rdua starb als tapferer Soldat. Er ließ sich nicht binden, kreuzte die Arme über der Brust und benachrichtigte den englischen Pelotonführer, daß er fertig sei. Der Tod erfolgte unmittelbar. Der russische Kaiser empfing im Peterhos-Palais den Gesandten der Südafrikanischen Republik, Dr. LeydS, in Audienz. Nach einer Depesche aus London richteten die Gesandten von Transvaal einen Bries an Lord Salisbury, worin sie in kräftigen Ausdrücken gegen die jüngste Proklamation Lord Roberts Einspruch erheben; sie behaupten, in vieler Hinsicht stehe diese in direktem Widerspruch zu den Grundsätzen des Völkerrechts. Politische Tagesschau. Man meldet aus Erfurt vom 25. d. M.: Unsere Blumenstadt prangt int Festgewand. Die Straßen, die b-usS Kaiserpaar passiert, sind mit Flaggen, Kränzen und Laubgewinden geschmückt. In Zwischenräumen erheben sich mit Blumen und Urnen gekrönte Postamente. Besonders schön geschmückt zeigen sich Hirschgarten und Neuwerkstraße, Negierung, Post, Rathaus. An der Spalierbildung beteiligen sich: am Bahnhof Beamte und Arbeiter der Eisenbahndirektion, bis zum Regierungsgebäude die Knabenschulen, anschließend an diese Kriegervereine und Veteranen; in den anderen Straßen Innungen, Feuerwehr usw. Auf dem Wilhelmsplatz erwarten Kriegervereine das kaiserliche Paar. Auf den Stufen zum Dome nehmen Mädchenschulen Aufstellung. Vor dem zu enthüllenden Denkmal ist ein kostbares Kaiserzelt errichtet; Tribünen umgeben den Platz. Um dreiviertel 10 Uhr traf das Kaiserpaar ein. Der Kaiser begab sich zu Pferde, die Kaiserin im Wagen zum Denkmalsplatz. Den Zug eröffnete eine Abteilung Dragoner aus Hofgeismar, es folgte die Kaiserin mit Gefolge, sodann der Kaiser zu Pferde mit Gefolge. Den .Schluß des Zuges bildete abermaM eine Abteilung Dragoner. Jubelrufe und Hurrah der Volksmenge begleiteten den Kaiser und die Kaiserin aus dem ganzen Wege bis zuni Denkmalsplatz. Um 10. Uhr erschien der Festzug unter Glockengeläute auf dem Denkmalsplatz. Die Ehren- kompagnie hatte das 71. Infanterie-Regiment gestellt. Der Kaiser trug Generals-Uniform und das Band des Schwarzen Adlerordens. Auch die Kaiserin hatte das Band dieses Ordens angelegt. Im Gefolge des Kaisers befanden sich der sOberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Oberpräsident v. Boetticher, die Chefs des Militär- und Civil- kabinetts v. Hahnke und v. Lucanus, Oberstallmeister v. Esebeck, Gesandter Graf Wolff Metternich, General v. Plessen, Generalmajor v. SchM, Flügeladjutant Rittmeister Graf Schönburg, Oberstabsarzt Dr. Jlberg. Im Gefolge der Kaiserin befanden sich Kammerherr Graf v. Muelinen, Hof- dante Frl. v. Gersdorfs. Auf dem Denkmalsplatz hatten um Kaiserzelt die Spitzen der Militär-, Staats- uitb Stadtbehörden Aufstellung genommen, an der linken Seite die Ehrenkompagnie, rechts waren die vereinigten Gesang- ?cre!l’t ^^llestellt. Der Kaiser schritt zunächst die Front der Ehrenkompagnie ab, während die Kaiserin sich in das •l!c.r$c * .bogab, wo ihr ein herrlicher Blumenstrauß überreicht wurde. sJi(uI)|t)cni die vereinigten Gesangvereine einen zum Festtags gedichteten und vom Liedermeister der vereinigten länger, Ritdolph, komponierten Fest- Aesang gesungen hatten, begrüßte der Oberbürgermeister Dr. Schmidt das Kaiserpaar in einer län aeren Ansprache ilnd bat den Kaiser, den Befehl zur Enthüllung des Denkmals zu geben. Auf Befehl des Kaisers fiel dann die Hülle, während die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spielte. Sodann wurde der Choral „Lobe den Herren" gesungen. Der Kaiser besichtigte das" Denkmal in Begleitung des Schöpfers des Denkmals, Professors Brunow Berlin, und des Oberbürgermeisters, und ritt dann um den ganzen Festplatz. Nachdem die Ehrenkompagnie im Parademarsch vorbeimarschiert war, besichtigte ' der Kaiser die Stadt und begab sich zunächst nach dem Friedrich Milhelmsplatz, wo die Kriegervereine aufgestellt und die Mädchenschulen aus den Domstufen gruppiert waren, und zwar so, daß die Kinder mit farbigen Kleidern ein Waus weißem Grunde bildeten. Der Kaiser schien über diese eigenartige Huldigung sehr erfreut zu sein. Er ritt die Front der Kriegervereine ab. Hierauf begab sich das Kaiserpaar nach dem Rathaus, wo der Kaiserin abermals ein schöner Strauß und dem Kaiser ein Ehrentrunk der Stadt Erfurt in einem zu diesem Zwecke gestifteten Pokale vom Oberbürgermeister überreicht wurde. Der Kaiser nahm diesen an mit folgenden Worten: Ihrer Einladung zu entsprechen, habe ich mich gern entschlossen in Erinnerung an meinen hochseligen Herrn Großvater. Ich war Zeuge seiner letzten Anwesenheit in Erfurt und werde nicht vergessen den Jubel der hiesigen Bevölkerung und den Ausdruck der hohen Freude der Bürgerschaft darüber, daß die landesväterlichen milden Augen des hochseligen Herrn über der Stadt leuchteten. Seit derzeit hat, wie ich mi chjpersönlich überzeugen konnte, die Stadt einen gewaltigen Aufschwung genommen. Sie wird wohl die größte und maßgebenste Stadt Thüringens werden, dank der Opferfreudigkeit der Bürgerschaft und dank der Hilfe meines Großvaters. Indem ich dresen deutschen Wein an die Lippen setze, verbinde ich, damit Pen innigsten Wunsch, daß die Stadt Erfurt grünen und blühen und sich weiter entwickeln möge, in der Hoffnung, daß es mir immer vergönnt sein werde, ihr den für die Entwickelung eines großen städtischen (Gemeinwesens nötigen Frieden zu erhalten. Dazu verhelfe uns Gott! Auf das Wohl der Stadt Erfurt! Unter dem Jubel der Bevölkerung begab sich das Kaiserpaar sodann nach dem Bahnhof zurück, wo die s2£b= yeise gleich nach 11 Uhr erfolgte. Deutsches Reich. Berlin, 26, August. Das K a i s e r p a a r ist gestern nachmittag gegen 5 Uhr aus der Wildparkstation bei Potsdam wieder eingetroffen. — Kaiser Wilhelm hatte den Schlachtenmaler Kossak aufgefordert,den Feldmarschall Grafen Waldersee nach China zu begleiten, um eine Reihe Schlachtenbilder vom europäisch-asiatischen Krieg für den Kaiser zu chalen. Kossak hat jedoch diesen Auftrag a b g e l e h n t, und zwar aus Gründen, die der Maler in einem Schreiben an den „Dziennik Poznanski" bekannt giebt. Das Schreiben Kossaks an das polnische Blatt in Pysrn lautet, abgesehen von den einleitenden Sätzen, wörtlich: „Es ist wahr, haß Kaiser Wilhelm II. mich, aller- gnädigst zum Stab des Feldmarschall Grafen Waldersee berufen hatte, damit ich eine ganze Serie von Schlachtenbildern aus dem Mropäisch-asiatischen Krieg für Se. Majestät herstelle. Jedoch Muß ich Ihnen mitteilen, daß es mir unmöglich ivar, der ehrenvollen und gnädigen Aufforderung Kaiser Wilhelm II. nachzukommen, da ich schon früher Verpflichtungen übernommen hatte, die mir dies zur Unmöglichkeit machten." — Zum Regierungsjubiläum des Sultan s reist, wie aus Koburg gemeldet wird, in Stellvertretung des Kaisers der zum Manöver dort anwesende General v. Wittich nach Konstantinopel. — Der preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten hat bestimmt, daß bis zum 1. April k. Js. sämtliche Durchgangswagen der vierten Klasse mit Handketten an der Decke zum Festhalten der Reisenden während der Fahrt ausgerüstet werden. — Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Adels an den Unterstaatssekretär a. D., Wirkt. Geh. Rat Otto Braunbehrens zu Berlin. — Am Samstag beging in Niederwalluf am Rhein 'der Geheime Kommerzienrat Dr. Wilhelm Oechelhäuser in stiller Zurückgezogenheit, aber in erfreulicher Frische des Geistes und des Körpers seinen achtzigsten Geburtstag. Oechelhäuser hat ein an Arbeit und Erfolgen reiches Leben hinter sich. Als ^Geschäftsmann, wie als Politiker und Schriftsteller hat er Bedeutsames geleistet. Im parlamentarischen Leben hat er als Mitglied der nationalliberalen Partei des Reichstages von 1878 bis 1893 gestanden und ist dort Handels- und wirtschaftspolitisch, vor allem aber als hervorragender praktischer Sozialpolitiker und unermüdlicher Vorkämpfer der Kolonialpolitik hcrvorgetreten. Diese hat er weiterhin auch als Mitglied des Kolonialrates unermüdlich gefördert; die deutsch-ostasiatische Gesellschaft nennt ihn ihren Mitbegründer, und zahlreiche Unternehmungen in Kamerun sind aus seiner Initiative hervorgegangen. — Der Magistrat zu Kassel beschloß, in Rücksicht auf die gegenwärtige Waffenbrüderschaft Frankreichs und Deutschlands in China die geplante besonders geräuschvolle öffentliche Sedanfeier auf die üblichen Schulfeiern zu beschränken. Dagegen hat der E r b p r i n z v on Reuß j. L. an Pen Vorstand des Verbandes der Kriegervereine in Reuß j. L. folgendes Schreiben gerichtet: „Da in diesem Jahre 30 Jahre seit dem großen Kriege verflossen sind, so ist angeordnet worden, daß der Sedantag in Kirche und Schule ganz besonders gefeiert werden soll. Zudem fällt auch in diesem Jahre der 1. und 2. September auf Samstag und Sonntag. Ich erwarte, daß die Krieger- und Militärvereine des Landes diesen nationalen Festtag diesmal ebenfalls ganz besonders feierlich begehen werden, und bitte, diese meine Willensmeinung den zum Landesverbände gehörigen fürstl. reuß. Vereinen mitzuteilen. Es wird nicht verlangt, daß durch die Feier etwa größere Kosten entstehen -.dieselbe kann in einem feierlichen Kirchgänge und sonstigen Veranstaltungen bestehen, die den Vereinen überlassen bleiben. Es ist d r i n g e n d n ö t i g, daß die E r i n n e r u n g an jene Zeit n i ch t v e r l o r e n geht, und dazu müssen besonders die Kriegervereine beitragen. - - Wie aus Düsseldorf telegraphiert wird, wurde ein Redakteur der „B ü r g e r z e i t u n g" als Streikposten verhaftet. - Aus Koburg wird telegraphiert: Infolge eines Konfliktes mit der Stadtverordnetenversamnilung legten sämtliche u n b e s o l d e t e n Rc a g i st r a t s r ä t e i h r e Stellungen nieder. Dresden, 25. August. Der Kongreß deutscher Krankenpfleger beschloß die Regierungen aufzusor- dern, gegen die unter dem Deckmantel der Massage betriebene Unsittlichkeit energisch einzuschreiten. Ausland. Rom, 26. August. König Viktor Emanuel wird' nach Ablauf der strengen Hoftrauer dem deutschen Kaiser einen Besuch abstatten. Mailand, 25. August. An der heute im Dome abgehaltenen Trauerfeier für König Humbert nahmen sämtliche Militär- und Zivilbehörden teil. Der Kardinal Ferrari nahm persönlich die Einsegnung des Katafalks vor. Wien, 26. August. Die Behörden in Pilsen verhafteten einen Italiener namens Jlongo, bei dem höchst verdächtige, in Amerika aufgegebene und nach Montebellina adressierte Briese vorgefunden wurden. Diese Briefe enthalten Andeutungen über geplante Attentate. — Das Wiener katholische Aktionskomitee beschloß aus Anlaß der Kassation des Generalstabshauptmanns Lei- dochowski die Einleitung einer großen Bewegung gegen den Duellzwang. Budapest, 25. August. Der serbische Generalkonsul Barlovatz reiste nach Belgrad ab, um die Aussöhnung des Königs Alexander mit Milan herbeizuführen. Bukarest, 25. August. Nach Meldungen des rumänischen Vertreters in Sofia werden auf die dortigen Rumänen große Pressionen ausgeübt, die ihnen vom mazedonischem Komitee abgepreßten Summen vor Gericht als freiwillige Spenden zu erklären. — Im Verlaus der gerichtlichen Untersuchung gegen die bulgarischen Meuchelmörder wurde der Plan einer großen Revolution bloßgelegt, die nächstes Frühjahr in Mazedonien und Albanien gegen die Türkei losbrechen sollte. Petersburg, 26. August. Der Finanzminister beabsichtigt, demnächst für eine Reihe von Artikeln, weitere Er^ Höhungen des Einfuhrzolles anzuorbnen'. Aus Stadt und Land. Gießen, 28. August 1900. + Großen Buseck, 26. August. Nachdem im verflossenen April Lehrer Luley von hier als Turnlehrer an das Realgymnasium zu Mainz versetzt worden war, gelangte alsbald die dritte Schulstelle zur Ausschreibung. Vor einigem Tagen nun erhielt Lehrer Neumann, der seither längere Jahre in Utphe wirkte, du Dekret, durch das ihm die hiesige dritte Lehrerstelle definitiv übertragen wurde. „e.“ Krofdorf, 26. August. Am nächsten Sonntag werden die Kirchweihfeste in den 12 Ortschaften der vereinigten Bürgermeisterei Atzbach-Launsbach gefeiert werden.. Diese Festsetzung aus diesen einen Tag ist seinerzeit durch den Bürgermeister Colnot erfolgt und wird bis heute noch, zur Freude aller Dorfbewohner beibehalten. »i“ Kinzenbach, 26. August. DaS Infanterieregiment Kaiser Wilhelm hielt am 16. August ix dem Gelände hiesiger Gemarkung ein Gefechtsschießen ab, wobei es trotz der großen Vorsicht der Mannschaften doch ohne Flurschaden nicht abging. Wenn wir hier auch Dreifelderwirtschaft haben, so konnte eS bei der kleinen Gemarkung doch nicht gut vermieden werden, daß sich die Uebung aus einem Feld in das andere erstreckte. Da unsere Landwirte an diesem Tage zu sehr mit dem Ein- ernten der Sommerfrucht beschäftigt waren, so wurde man erst nach einigen Tagen allgemein auf den Schaden aufmerksam, weshalb sich derselbe auch nicht mehr genau feststellen ließ. Am gestrigen Tage traf ein höherer Offizier von Gießen hier ein, der im Beisein des Feldamtes und des Gemeindevorstehers die Fluren besichtigte. Namentlich zeigten sich bei Erbsen, Klee, sowie besäeten Stoppelfeldern noch deutliche Spuren von Schaden, für den auch Entschädigung bewilligt wurde. — Einem bedürftigen Krieger hiesiger Gemeinde von 1870 ist vom 1. August ab bis aus weiteres eine Unterstützung von jährlich 312 Mk. aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds bei der Reichs-Hauptkasse bewilligt worden Die Auszahlung wird allmonatlich mit 26 Mk. im voraus durch die RegierungS-Hauptkaffe trt Koblenz erfolgen. A . -z- Petterweil, 26. August. Dieser Tage stürzte der Arbeiter Georg Biedenkapp aus Rodheim v. d. H.,.zurzeit bei Landwirt Becker hier beschäftigt, beim Fruchteinlegen kopfüber in die in voller Geschwindigkeit thätige Dreschmaschine. Der Körper des Verunglückten wurde bis zur Brust vollständig zermalmt, sodaß der Tod sofort ein trat. Der Verunglückte hatte sich beim Einlegen dcr frucht zu weit vornübergebeugt, sodaß ihm von der Trommel der Maschine die Hände ersaßt und der Körper mit hinein gezogen wurde bis zu den Beinen, die oben aus der fc fchine herausstanden. -nn- Darmstadt, 26.August. Der Großherzog wird morgen vormittag nach Jagdschloß Oberhof, das bei Gotha im Thüringerwald zwischen großen Tannenwaldungen liegt und Eigentum der Herzoglichen Familie in Koburg ist und wo auch die Herzogin-Witwe und die Großherzogin Viktoria Melitta einige Zeit Aufenthalt genommen haben, abreifen. Oberhof liegt ca. 800 Mtr. über dem Meeresspiegel und ist auch klimatischer Luftkurort. Der Großherzog wird in den ausgedehnten Waldungen auch einige Tage der Jagd obliegen und am Freitagmittag ab Erfurt nach Berlin ab- reisen um, einer Einladung des Kaisers folgend, an der' am SamStag dort stattfindenden großen Herbstparade teilzunehmen. Das Gefolge, bestehend aus Generaladjutant Oberst Frhr. v. Grancy, den Flügeladjutanten Major Frhr. Röder v. Diersburg und Rittmeister Krämer, sowie Oberstallmeister Major v. Riedesel, wird am Donnerstag von hier abreisen, in Ersurt übernachten und sich am Freitag- mittaq dort dem Großherzog auf der Fahrt nach Berlin anschließen. Die Leibpferde des Großherzogs werden voraussichtlich am Mittwoch unter entsprechender Begleitung nach Berlin transportiert. Die Rückreise erfolgt am Mon- lag. — Am gestrigen Ludwigs tag war das LudwigS- monument sowie alle öffentlichen und eine Anzahl privater Gebäude festlich geschmückt; auch das Denkmal deS verstorbenen Großherzogs Ludwig IV. war bekränzt. Nachmittags fand in der Städtischen Knaben-Arbeitsanstalt das alljährliche LudwigSfest statt, bei welchem die ca. 200 Knaben nach allerlei Iugendspielen reichlich beschenkt und hierauf mit Kaffee und Bretzeln sowie mit Bier, Wurst und Wecken gespeist wurden. — Bor der nächsten, am 24. September beginnenden Schwurgerichtsperiode wird auch die aus fünf Personen bestehende Faschmünzerbande, die hier an zwei Plätzen falsche Zweimarkstücke verfertigte und hier und in der ganzen Umgegend zur Ausgabe brachte, zur Ab. urteilung kommen. Mainz, 25. August. Die Ehefrau Wendel wurde gestern gegen 91/, Uhr, als sie sich von Mombach nach Mainz begeben wollte, vor dem Mombacher Thor von zwri Unbekannten überfallen und in den Wallgraben geworfen. Die Angreifer liefen dann davon. Der Frau gelang es mit vieler Mühe, sich aus dem Wasser heraus zuschaffen. — In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Detaillistenvereine in der Nahrungsmittelbranche und der Vertreter der Metzgerinnung wurde Stellung gegen den Achtuhr-Ladenschluß genommen. Die Versammlung sprach sich einstimmig für den Schluß um neun Uhr aus. — Eine Auslandsreise haben vier hiesige junge Leute ohne Erlaubnis ihrer Eltern angetreten. Der eine davon stahl vorher seinem Stiefvater einen wertvollen Brillantting. Die baren Mittel zur Reise haben sich die Vier auch aus unrechtmäßige Weise verschafft. Wegen des Diebstahls ist Strafanzeige bei der Polizei erstattet worden und wird der Dieb gerichtlich verfolgt. Angeblich soll die Neffe der vier Bürschchen nach London gehen. Den getroffenen polizeilichen Maßnahmen nach dürften sie jedoch nicht so weit kommen. Vermischter. * Kopenhagen, 25. August. Wie „RitzauS Sur.“ er* sährt, sandte der Generalgouverneur von Island der dänischen Regierung eine Boje, die Ende Juli in der Nähe von Island gefunden wurde. Sie stammt wahrschem- lich von Andrses Polarexpedition her. Die Boje, die m einem versiegelten Kasten angekommen ist, wurde yeure ucm deS Auswärtigen übergeben, das sie baldigst der schwedischen Regierung zur Untersuchung zustellen wird. Wie später noch berichtet wird, trägt die Boje die Inschrift „Andres Polarexpeditition 1896 Nr. 8“ und trieb am 28. Juli in Grindavik an Land. Ein Isländer aus der Gegend von Grind :vik fand die Boje. Der Minister des Auswärtigen sandte heute nachmittag bereits die Boje dem hiesigen schwedisch-norwegischen Geschäftsträger zu. Kunst und Missenschafl. Weimar, 25. August. Der Philosoph Friedrich Nietzsche M heute vormttt.g 11°/. Uhr infolge eines Schlaganfalles gestorben. Arbeiterin«, grenz. -bm- Mainz, 26. August. Durch eine gestern morgen stattgehabte direkte Verhandlung zwischen dem Chef der Lederwerke, Geh. Kommerzienrat Michel, und der Lohnkommission schien gestern Hoffnung vorhanden zu sein, dem Ausstand in den Lederwerken ein Ende zu bereiten. Unter Zuerkennung eines Zuschlags von 10 Prozent bei Ueber- stundenarbeiten und Zusicherung der zehnstündigen Arbeitszeit nach Aufstellung einer neuen Maschine, war es dem Chef der Lederwerke gelungen, die Mitglieder der Lohnkommission zu überzeugen, daß eS bei der gegenwärtigen Konjunktur auf dem Ledermarkt und der wenig günstigen Prosperität der Lederwerke zur Zeit nicht möglich sei, einen Lohnzuschlag zu bewilligen, und die Lohnkommission erklärte sich im allgemeinen derart einverstanden, die Vorschläge des Kommerzienrat« Michel den Streikenden zu unterbreüen, iedoch verlangte sie die Wieder anstellung der mit Kündigung enllaffenen Arbeiter, ein Verlangen das jedoch von dem Chef der Lederwerke entschieden abgelehnt wurde.' In einer gestern abend fiattgehabtenVersammlung der Stteikenden sankttonierte man vollständig die Ansicht der Lohnkommission-, doch bestand man auch ausdrücklich darauf, daß die mit Kündigung entlasienen Arbeiter wieder Anstellung in der Fabrik finden, und beschloß dem entsprechend, vorerst die Arbeit nicht aufzunehmen, bis auch in dieser Beziehung eine Zusage gegeben werde. Es wird also noch weiter gestreikt. Jedoch ist von den Ausständigen, unbekümmert um die Beschlüffe der Lohnkommission, in der verfloffenen Woche eine größere Zahl Arbeiter zur Arbeit zurück- gekehrt, so daß da« Werk in der Lage ist, den Bettieb, wenn auch in beschränktem Maße, wieder aufzunehmen. Bremerhaven, 26. August. Die Gewerkschaftsversammlung beschloß einstimmig die Arbeiten auf den nach hier kommenden Hamburger Truppendampfern nicht zu leisten. Havre, 27. August. Der Ausstand der Werftarbeiter ist allgemein. Sämtliche Metallarbeiter streiken. In einer gestrigen Versammlung wurde beschloffen, auch da die Arbeit nicht wieder aufzunehmen, wo den gestellten Bedingungen entsprochen wurde, bis sämlliche Arbeitgeber sich den Bedingungen unterworfen haben._________________ Gerichtssaal. Marburg, 26. August. Ein Fall, der s. Z. viel Aufsehen erregte, stand zur Aburteilung vor dem hiesigen Landgericht. Der Pfarrer Klingelhöfer in Gemünden a. d. Möhra, jetzt zur Disposition gestellt, war bekannt als äußerst strenger Lehrer im Konfirmanden-Unterricht. Im Februar d. I. befahl er dem Konfirmanden Schnellbecker, während des Unterrichts, vorzutreten. Als der Junge nicht gleich folgte, faßte ihn der Pfarrer, stieß ihn gegen eine Bank, daß er niederstürzte und bearbeitete ihn mit den Fäusten. Gleich danach klagte der Junge über Schmerzen im Oberarm und acht Tage danach starb er. Die öffentliche Meinung führte den Tod des Knaben auf die empfangene Züchtigung zurück. Es wurde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet, in der die Gutachten des Arztes des Schnellbecker und de« Medizinal- kollegiums in Kaffel übereinstimmend bekundeten, es sei nicht mit Sicherheitfestzustellen, daß der Tod des Knaben auf die Mißhandlung zuruckzuführen sei. So endigte die Untersuchung gegen den Pfarrer mit einer einfachen Klage wegen Körperverletzung. Er wurde deshalb zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt. hen sich bei sofortiger Lieferung): der Centner Mk. 1900. Eentralstelle für Lbflverwertung 5-8. 35. 35. 8-14. 10-15. 14. 7. 12. 20. ObstdurchschuittSpreise vom 20. Aug. 1900 (die Preise verstes Stachelbeeren..... Aprikosen ...... Pfirsiche....... Birnen, je nach Sorte . . n" n " ♦ * • Mirabellen...... Pflaumen ...... Reineclauden ..... Brombeeren Frankfurt a. M., den 18. August Schiffsnachrichteu Norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Carl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 24. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer Friedrich der Große, Capt. M. Eichel, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 3 ^Uhr morgens wohlbehalten in New-Pork angekommen._____________________________ Aerrestr Meldungen. Danzig, 27. August. Für die diesmalige Sedanfeier find vom Kaiser oder von der Heeresverwaltung keine besonderen Anordnungen erlaffen worden, sondern es ist jeder Dienststelle überlassen, ob fie eine Sedanfeier veranstalten will oder nicht. Wilhelmshaven, 27. August. Die Ablösung für die westafrikanische Station geht am 15. Oktober mit dem Dampfer „Adolf Wörmann“ ab. Schlucht (Vogesen), 27. August. Der französische Kolonieenminister DecraiS hatte hier eine Begegnung mit Lord Salisbury. Paris, 27. August. General Negrier übernimmt bei den Herbstmanövern das Kommando der Nordarmee. — Der Besuch deSZaren wird jetzt von allen Seilen dementiert. Auch der König von Portugal hat seinen Pariser Besuch abgesagt. Paris, 27. August. Aus Perpigna n wird be Achtet, das; große Gewitter dort nieder gegangen sind. Tas Wasser steht in den Straßen so hoch, daß sie mit Nachen besahren werden müssen. Auch die Saone und ihre Neben slusse sind stark angeschwolten. Ter Wasserstand ist um zwer Meter gestiegen. Mehrere Brucken über die Saone sind von den Fluten weggerisscn worden. Tic Ufer sind Jn zahlreichen Stellen überschwemmt. Ter Schaden in der Gegend von Lyon fft bereits ungeheuer. n ?? Afigllst. Der russische Finanzmittister Witte traf hier ein. Tie Tauer seines Aufenthaltes ist vorläufig auf eine Woche bemessen. Offiziös wird als Zweck seines Besuches der Besuch der Weltausstellung an gegeben, in unterrichteten Kreisen jedoch wird nicht geleugnet, daß der eigentliche Zweck der Reise Wittes eine Besprechung mit den leitenden Persönlich- kerten der Hochfinanz in Paris im Hinblick auf eine neue r u s s i s ch c Anleihe ist. Paris, 27. August. „Memorial diplomatique" glaubt versichern zu können, daß England die Borräthe an Schießwaffen und Munition vollständig and- gegangen sind. In den verschiedenen Zeughäusern wird das gesamte Personal beschäftigt, um die Schieß-Bvrräte wieder zu vervollständigen. Rom, 27. August. Einer schtveren Katastrophe ist der in Genua eingetroffene deutsche Truppen Transport glücklich entgangen. Ter deutsche Militärzug Hielt Montag nachmittag auf der Station Pontedecimo, als plötzlich der von Busalla her fällige Zug dem deutschen Militärzug entgegenbrauste. Zum Gluck bemerkte ein Weichenwärter die drohende Gefahr, und es gelang ihm, den herankommenden Zug auf ein totes Geleise zu dirigieren. Ter Arbeitsminister sandte dem Weichenwärter ein Tank-Telegramm und 200 Lire. Rom, 27. August. Blättermeldungen zufolge fahndet die Polizei eifrig nach einem Pfarrer, der' an einer römischen Kirche angestellt ist. Derselbe soll öffentlich Bresei fur die Ermordung König Humberts belobt und den gewaltsamen Tod des jetzigen Königs für n o t w e n d i g erklärt haben. Der Geistliche ist flüchtig. Wien, 27. August. Ter italienische Anarchist Gal- tan d bombardierte Sonntag abend die Polizei- Wach t st u b e neben der Stephani-Brücke ohne Ursache mit Steinen und konnte nur mit Mühe nach heftiger Gegenwehr verhaftet werden. Bei ihm wurde ein scharf geschliffener Dolch gefunden. Wien, 27. August. Wie in Böhmen werden auch in dem mährisch - schlesischen Kohlen - Revier die Kohlen- preise demnächst «wesentlich erhöht werden. Um unsere werten Kunden möglichst vor dem Nachteil unliebsamer Verwechslung mit anderen gleichnamigen Seifen zu schützen, haben wir auch das Wort Eulen-Seife zum Zwecke des alleinigen Gebrauches für unsere Seife in das Markenschutzregister eintragen lassen und benennen demgemäß unsere berühmte, allbewährte Doerings Seife mit der Eule nunmehr Doerings Eulen-Seife. 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Braunschweig. 99.10 91.80 97.50 90.— 99.— 91.80 97.50 89.— 4 4 37, FE- H?P - Creditverein do. Ser. 27 . do. Ser. 28, 30, 33 . . . 81/, 8 81/, 8 *7. 81/, 81/, 81/, 8 8V* SV, S‘/l 6 4 6 8 4