i habeo s Mttt toppes Osch?. Dienstag den 28. August 1900 M. 200 Erstes Blatt uni» itlfüllern ober tumifiMi -ek. attW/C^* .M teilen vnbrn rnlosvrckM M i-rkK! bt!"' tzervr^ Stt? KmÜicher Teil. Gießen, 24. August 1900. Betr.: Die Errichtung von Familienstammbüchern. Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung unseres Amtsblattes Nr. 10, soweit Sie noch im Rückstände damit sind. V. KZ echtold.. Gießen, den 24. August 1900. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Zur Vereinfachung des Geschäftsganges beim Ableben eines Rentenempfängers erhalten Sie demnächst eine Anzahl Formulare, und wollen Sie dieselben in vorkommenden Fällen gemäß Ziffer 156 der Vollzugsanweisung für die unteren Verwaltungsbehörden vom 7. Juni 1900 benutzen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Unfälle auf Nebeubahn-Uebergängen. Nach den im Gebiet der Preußisch.Hessischcn Gemeinschaftsverwaltung für das Rechnungsjahr 1898/99 veranlaßten statistischen Erhebungen ist die Zahl der Unfälle, die durch Ueberfahren von Fuhrwerken aus unbewachten Neben- bahN'Uebergängen entstehen, sehr hoch. Die meisten Unfälle sind dadurch entstanden, daß die Wagenführer entweder versuchten, noch vor dem Zuge, dessen Geschwindigkeit sie unterschätzten, den Uebergang zu überschreiten oder sich überhaupt nicht darum kümmerten, ob sich dem Uebergange ein Zug näherte. Die Bahnordnrng für die Nebenbahnen Deutschlands vom 5. Juli 1892 sieht eine Bewachung der in Schienen- höhe liegenden Wegübergänge d. h. die Anbringung von Schranken nur in Ausnahmefällen vor. Eine Minderung der in Rede stehenden Unfälle kann daher nur dadurch erreicht werden, daß Die Fuhrwerksbesitzer und Wagenführer beim Befahren solcher Bahnübergänge es an der erforderlichen Vorsicht nicht fehlen lassen. Indem wir dies hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringen, weisen wir wiederholt auf die Gefahren hin, die durch Unaufmerksamkeit beim Befahren von Uebergängen entstehen. Gießen, den 25. August 1900. .Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Boeckmann. Gießen, den 25. August 1900. Betreffend: Wie oben. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grofth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises» Die obige Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen, ortsüblich bekannt zu machen. I. 23.: Boeckmann. Bekanntmachung. Beim diesseitigen Kommando ist zum 1. Oktober d. Js. die Stelle eines zweijährig-freiwilligen Schreibers zu besetzen. Geeignete Bewerber mit sehr schöner Handschrift, guten Schulkenntnisien und tadelloser Führung wollen sich unter Vorlage eines selbstgeschriebenen Gesuchs nebst Lebenslauf alsbald hier melden. Junge Leute, welche später kapitulieren wollen, erhalten den Vorzug. Gießen, den 23. August 1900. Großherzoglichcs Bezirks-Kommando. F. d. b. B.-K.: Morne weg, Hauptmann und Bezirksoffizier. Komische Wochenschau. Die^innahme Pekings, deren erfreuliche Folge die lang und bang ersehnte Befreiung der Gesandten und der übrigen Fremden war, ist mit Fug und Recht überall in der zivilisierten Welt mit Genugthuung und mit >zubel begrüßt worden, aber die Freude, die diese frohe Kunde ilberall verbreitete, konnte doch darüber nicht hinweg- jäuschen, daß wir es auch hierbei nur mit einer, wenn auch noch so bedeutsamen Episode der verwickelten chinesischen Haupt- und Staatsaktion zu thun haben. Ja, wenn Wan das chinesische Problem von dem vollauf berede tiaten Standpunkt aiiä betrachtet, daß seine glückliche Lösung in erster Linie, wenn nicht allein von der vollständigen und rückhaltslosen Einigkeit der Mächte abhängt, dann könnte man, sogar ohne Pessimist zu sein, zu der Ansicht kommen, daß die Einnahme von Peking zur Lösung des Problems nichts beigetragen habe. Tenn die gemeinsame Gefahr, in der die Angehörigen aller Nationen dort schwebten, war ein gemeinsamer Bindekitt, der das Konzert der Mächte zusammLnhielt, und wir wollen nur hoffen, daß die Einigkeit auch nach dem Fortfall dieses Bindekitts zusammenhält. Man darf auch nicht vergessen, daß mit der Befreiung der Gesandten nur ein Punkt des Programms der Mächte erledigt ist, und daß die beiden schwierigeren Punkte uns noch bevorstehen, nämlich Genugthuung für die von jden Chinesen begangenen Verlegungen des Völkerrechts zu fordern und Garantie en zu schaffen, daß sich derartiges nicht mehr wiederholt. Das ist aber ein umfassendes Programm von weitgehender militärischer und von noch weiter gehender diplomatischer Bedeutung. Es ist deshalb auch nur scherzhaft zu verstehen, wenn Graf Waldersce bei seiner Durchreise durch München das Wort sprach: wenn das so fort gehe, komme er zu spät nach Peking. Wir zweifeln nicht daran, daß es in China für die deutschen Truppen noch genug zu thun geben wird, wenn wir auch hoffen wollen, daß die notwendige und keineswegs leichte Arbeit, die Chinesen zur Ruhe zu bringen und im Zaum zu halten, sich als möglichst unblutig erweisen wird. Jedenfalls haben die zum Teil überschwänglichen Kundgebungen, unter d-enen sich die Abreise des Grafen Waldersce von unserem heimischen Boden vollzog, gezeigt, in wie weiten Kreisen die Annahme verbreitet ist, daß mit ihm der rechte Mann aus den rechten Plgtz kommt. Wir tooHeit hoffen, bctfi dieser- Anncrhrne keine Enttäuschung folgt. Mit unverkennbarer Nervosität verfolgt man die der chinesischen Frage an der Seine und an der Themse. In F r a n t r e i ch ist man überhaupt mißvergnügt über das antichinesische Konzert der Mächte, weil man aus Anlaß dieser gemeinsamen Aktion, in der sich so vielerlei widerstreitende Interessen bemerkbar machen, eine Abkühlung des russisch-französischen Bündnisses befürchtet. Ist es doch charakteristisch, wie man dort mit komisch wirkender Eifersucht iede Aeußerung des Einverständnisses zwischenDeutsch- land und Rußland verfolgt. Aus dieser Stimmung heraus erklärt es sich, wenn jetzt wieder in den französischen Blättern der Besuch des Kaisers von Rußland in Paris umherspuckt und diese Blätter wie fast alljährlich sich mit dem bekannten Spiel die Zeit vertreiben: Kommt er oder kommt er nicht? Ter „Gaulois" stellt sogar die kühne Behauptung auf, der Zar werde m i t K a i s e r W i l- helm die Pariser Weltausstellung besuchen und zwar ain 15. September. Andere Gründe liegen der Nervosität zu Grunde, mit der wan in England die Entwicklung der Dinge in China betrachtet. Einmal ist der Engländer überhaupt kein Freund des Kollektivvorgehens, eines gemeinsamen Fischzuges, denn John Bull, der von dem nicht zu verachtenden Standpunkte ausgeht: „Erst komm ich, dann nochmal ich und dann kommst Du noch lange nicht!" fischt gern allein. Dazu kommt aber, daß die Rolle, welche die Engländer in China spielen, durch den Gang der Ereignisse in Südafrika eine starke Beeinträchtigung erfahren hat. Die Engländer haben alle Kräfte angestrengt, um für die Tinge in China ihre Hand in Südafrika frei zu bekommen, aber diese Bemühungen sind bisher nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Die Burensührer de Wet und Botha sind eigensinnig genug, sich von den Engländern nicht nur nicht fangen zu lassen, sotidern den Guerillakrieg mit solchem Eifer und Erfolg fortzufetzen, daß, wie man jetzt auch in England eingesteht, noch kein Ende desselben abzusehen ist. Tie ohnmächtige Wut über diese Mißerfolge macht sich jetzt in Maßnahmen gegen die Burenbevölkerung Luft, die leider mit der Humanität schwer in Einklang zu bringen sind. . . , f ~ _.. Der Kaiser von Oesterreich beging am Landtag seinen 70. Geburtstag. Tiejenigen Festaufsätze, welche aus diesem Anlaß lediglich in überschwänglichenRedewendungen schwelgten, waren nicht gerade die aufrichtigsten denn Kaiser Franz Joseph weiß selbst am besten, daß der Nationalitätenkampf, der an seinem Thron brandet, viel ernster aufzufassen ist, als es die Preisgesänge ahnen la^en. — In Pest tagte aus Anlaß des 900 jährigen Bestehens des Katholizismus in Ungarn ein Kongreß, der sich zu einer eindrucksvollen Heerschau gestaltete. Tie Grafen Zichy und Esterhazy, die Führer der katholischen Bolkspartei, gaben den Ton an, und ganz ohne Eindruck auf die liberale Regierung wird diese Veranstaltung wohl nicht geblieben sein: trotzdem ist für das innerpolitische Leben, soweit der gute 'Wille der Regierenden in Betracht kommt, keine Wendung zum Besseren zu erwarten. Volltische Tagesschau. Fürst Ferdinand von Bulgarien auf der Lokomotive. In den „Münch. Neuest. Nachr." lesen wir folgendes: „In einer Reihe orn TagcSblättern erscheint eine bet „Frankfurter Zeitung" entnommene Mitteilung über eine Fah.l, die der Fürst von Bulgarien auf der Lokomotive deS Salzburg Münchrnir Schnellzuges gemacht, und die für das beteiligte Zugspersonal üble Folgen gehabt haben soll. Nach genauer Erkundigung verhütt sich der Vorfall also: Am 29. Juni bestieg der Fürst von Bulgarien auf der Fahrt von Salzburg nach München die Lokomotive des Ortent- Expreßzuges und leg e die Strecke auf der Maschine zurück. Alsbald erschienen in der TageSpresse Mitteilungen über dielen Vorfall. Es wurde hierbei tadelnd bemerkt, daß im Jnterrsie der Fahrstcherhüt der Fürst es besser unterlaßen Hütte, sich auf die Zugsmaschine zu begeben. Dir vorgesetzte Stelle betrachtete da8 Vorkommnis, alS sie hiervon Kenntnis erhielt, unter dem gleichen Gesichtspunkte. War die Anwesenheit deS Fürsten auf der Lokomotive an sich schon geeignet, den Führer in seiner Sicherheit und Unbefangenheit zu irritieren, so wurde die Fahrsicherhrtt noch mehr dadurch geführdet, daß eS dem Führer leicht passieren konnte, daß er, durch die Aufmerksamtctt, die er dem Fürsten bet einer Untrrbaltung oder b t der Stellung von Fragen zuwrnden mußte, von der pflichtgemäßen strengen Beobachtung der Strecke abgelenkt, ein Signal überführ« oder sich sonst eines Versehens schuldig machte, das dem Zuge möglicherweise verhängnisvoll werden konnte. Der Führer hatte sich durch die Zulasiung des Fürsten auf die Lokomotive einer Uebertretung der im Jnteresie der Fahrsicherheit erlassenen strengen Dienstesvorschriften schuldig gemacht. Wenn bei Beurteilung seines Verhaltens auch in Betracht gezogen wurde, daß er dmch den hohen Rang ver zu ihm auf die Maschine sich begebenden Persönlichkeit sich habe beeinflussen lassen, so konnte die vorgesetzte Stelle gleichwohl nicht zugeben, daß der Führer und Heizer in dem Genüsse der ihnen vom Fürsten zugewiesenen Belohnung verblieben, da ein dienstliches Vergehen unter keinen Umständen mit einer Belohnung bedacht werden darf. Der Fürst hatte nämlich dem Lokomotivführer 60 Fr. und dem Heizer 30 Fr. Belohnung verabreichen lassen. Die beiden wurden unter Ausspruch einer strengen Verwarnung angewiesen, das erhaltene Geld an die fürstliche Hofhaltung wieder zurückzuerstatten. Hiervon wurde das fürstliche Hofmarschallamt seitens der Generaldirektion der bayerischen Staatseisenbahnen schriftlich verständigt. Daß die Entscheidung in d-r ylnaeleaenheit nicht ohne Ein v=„Moc,w„no axschah, ist selbstverständlich, da es sich einen Souverän handelte. Daß an den Jvistrn selbst irgendwie persönliche Vorstellungen gerichtet wurden, ist nicht richtig. Dies wäre auch bei irgend einer beliebigen Privatperson nicht geschehen, da nur das Dienstpersonal für die Einhaltung der dienstlichen Vorschriften verantwortlich zu machen ist. Die Generaldirektion ist bei diesem Entscheide von der Ansicht ausgegangen, daß es dringend nötig ist, die Dienstesvorschriften hinsichtlich der Fahrsicherheit mit aller Strenge aufrecht zu erhalten, da sich verschiedentlich die Neigung zu erkennen giebt, daS Mitfahren auf den Zugslokomotiven zu einem Sport auszubilden". Man wird der bayerischen Gcneraldirektton die Anerkennung nicht versagen können, daß sie vollständig korrekt und verständig gehandelt hat. Das Verfahren des Fürsten von Bulgarien bedarf keiner besonderen Kennzeichnung. ES würde im Interesse des monarchischen Gedankens liegen, wenn dem Fürsten klargelegt würde, daß nach deutscher Auffassung sein Gebaren eines Fürsten unwürdig ist. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 27. August 1900. •• Auszeichnung. Dem katholischen Pfarrer Georg May zu Wattenheim wurde die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *♦ Personaluachrichten. Der Dirigent der Justifikatur der Ober Rechnungskammer, Rechnungsrat Friedrich Eisen wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. September an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; der Ober- Rechnungsrevisor bei der 2. Justifikatur-Abteilung, Rechnungsrat Georg Beckenhaub wurde zum Dirigenten der Justifikatur der Ober-RechnungSkammer mit Wirkung vom 1. September an ernannt; Der Kreisdiener bei dem Kreisamt Gießen, Johann Peter Egly, wurde auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. ab in den Ruhestand versetzt und ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; ernannt wurde der Gesangenwärter am Provinzialarresthaus in Darmstadt Peter Jayme zum Gefangenausseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 12. September an; ernannt wurden: der Heizer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Karl Braun zum Lokomotivsührer bei den Hessischen StaatS- Eisenbahnen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an, der Lokomotivheizer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Heinrich Luley zum Lokomotivheizer bei den Hessischen Staats- Eisenbahnen, der Hilfsheizer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Valentin Werkmann aus Egelsbach zum Lokomotivheizer bei dieser Bahn. iehener Anzeiger Heneral-Anzeiger Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gießen dierleljährl. Mk. SM monathd} 75 Pfg, mit Bringerlob«) durch die AbholefteLom vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Psg. Sri Postbezug Mk. 2,40 oittltliO* mit Bestellgeld. Ugfidi MU LuL—tzme des Alle Lnzeigen-Bermilillmg-stellen de» In- und Äu»l«*l »etzmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegM, Zeilenpreis' lokal IS Pfg., auswärts 20 Pfg. Du W**er W«»tti««»kätt«r MUr dem Anzeiger toi *t .Heff. t— X. „Blätter Mr H- ÄMBluiibc- •*■«!*« Wee »«zeige« zu der «echmMag» für fc* Hfutai Se| »scheinender. Nummer bt» Mn*. M Mr. Wil iiigm spätesten» **M Metzer. »drest« für Drpefchen: Zuzelger chtchsN» Fernsprecher Nr. 5L Gratisbeilagr«: Meßemr Famitienblätter, Der hessische Landwirt, MSttrr ffir heMche Uacksksndr. RMMm, GWeditian und ®ru4efWr«|c Nr. 7. * • Erledigte Stellen im Bezirk des 18. Armeekorps. Frankfurt a. M., Garnisonbauamt, Baubote, 3 Mk. Tagegeld. — Nassau, Bürgermeisteramt, Bureaubeamter, An- fangSgehalt 1200 Mk. — Im Bezirk des Großh. Hess. (25.) Division. Darmstadt, Oktroiaufseher, 1056-1400Mk. Gehalt und Dienstkleidung. ** Kunstvereiu. Nunmehr können wir den Mitgliedern dcS Kunstvereins mitteilen, daß das „DereinSblatt" für 1900 in aller Kürze zur Verteilung gelangen soll, und daß dafür eine Radierung von HanS am Ende (Worgswede) gewählt ist: „Abend am Moorkanal". Neu- eintretende erhalten somit für ihren Jahresbeitrag (10 Mk.) neben dem freien Zutritt für sich und ihre Angehörigen zu b'en Ausstellungen und der Teilnahme an der jährlichen Verlosung von Kunstwerken in diesem Jahre auch noch ein besonderSwertv olles Vereinsblatt. * * Rekruteueinstellung. Nach den jetzt herauSgekommenen näheren Bestimmungen über die diesjährige Rekruteneinstellung werden eingestellt: Am 2. Oktober die Oekonomiehandwerker, am 4. Oktober die Kavalleristen, am 11. Oktober die Infanteristen und am 12. Oktober Infanteristen, Fuß- und Feldartilleristen, Pioniere u. s. w. • • Einnahmen der Staatsbahnen. Die Einnahmen der vereinigten preußischen und hessische» Staatseisenbahnen haben im Monat Juli gegen den gleichen Monat des Vorjahres eine wesentliche Erhöhung erfahren; sie betrugen im ganzen 123 125 000 Mk. gegen 116 565 000 Mk. Die größte Mehreinnahme entfällt auf den Güterverkehr mit einem Mehr von 4 225 000 Mk.; aus den Personenverkehr kommt ein Mehr von 2 291 000 Mk., während ein kleinerer Rest auf besondere Einnahmen entfällt. Seit dem 1. April haben die Mehreinnahmen des gemeinsamen Betriebes gegen die gleiche Zeit des Vorjahres sich auf rund 32 760 000 Mk. belaufen. r * Flottenverein. In der am 18. d. M. stattgehabten Sitzung des Hessischen Landes-Ausschusses des Deutschen Flottenvereins wurde an Stelle des Stadtverordneten Egenolf Stationsvorsteher i. P. Weigand in Darmstadt zum Schatzmeister für das Großherzogtum Hessen gewählt. * * Die Hühnerjagd ist nun fast überall aufgegangen. Die ausziehenden und heimkehrenden Jäger verleihen dem Straßenbild in der Nähe der Bahnhöfe in den Morgen- und Abendstunden ein besonderes Gepräge. Wer die Jäger beobachtet, die in den Morgenstunden den Bahnhöfen zuströmen, der kann leicht drei Gruppen unterscheiden. Da sind zunächst die waidgerechten Jäger, denen man auf den ersten Blick ansieht, daß sie nicht zu der vielverhöhnten Abart der Sonntagsjäger gehören. Die fallen am wenigsten in die Au.^en. Mehr schon erregen die Aufmerksamkeit jene Amateurjäger, die in ihrem ganzen Gebühren bekunden, daß die Jagd für sie zwar ein vorübergehender Sport, aber nicht Lebensaufgabe ist. Bei manchen dieser Gestalten kann man die Befürchtung nicht unterdrücken, daß ihre Bethätigung des Jagdsporis nicht ganz gefahrlos sein dürfte. Wenn man sich im Geist ausmalt, wie diese Jagdliebhaber auö- sehen werden, wenn sie einen Tag lang durch Kartoffel- felbrr und über Sturzäcker bei einer Temperatur von 25° R. gopila-ct sind, so kann man sich cmer megUttg lnmgen Mitleids kaum erwehren. Die köstlichsten Figuren aber sind die Jagdgigerl, die man auch in großer Zahl sehen kann. Das sind die meist jugendlichen NichtSthuer, denen es weniger daraus ankommt, die Jagdfreude zu genießen, als damit zu protzen. Vom Kopf bis zu den Füßen sind sie in die modernste Jagdausrüstung gehüllt, so daß es den Anschein hat, als ob sie aus dem Schaufenster eines Sportladens genommen und als Modell für den Zeichner der „Fliegenden Blätter" bestimmt seien. Es könnte einem schier bange werden um die armen Feldhühner, wenn man die Masse „Jäger" früh davonziehen und davonfahren sieht. Aber bekanntlich trifft nicht jede Kugel und selbst nicht Schrotladung. Von den Ergebnissen der Jagd wird mitgeteilt, daß die Völker zwar stark, die jungen Hühner aber noch sehr klein seien. * • Das neue deutsche Kabel der Deutsch-Atlantischen Telegraphen-Gesellschaft wird anfangs September ds. Js. für den Verkehr eröffnet werden. Für unser Vaterland ist es in politischer und wirtschaftlicher Beziehung von größter Wichtigkeit, möglichst viele überseeische Telegraphenlinien in deutscher Verwaltung zu wiffen und so hinsichtlich des Nachrichtenverkehrs unabhängig vom Auslande zu sein. Dazu ist es aber notwendig, daß der Handelsstand, der mit das größte Interesse hieran hat, diese nur mit großen Geldopfern einzurichtenden Kabellinien durch Uebergabe feiner Depeschen zur Beförderung unterstützt und richten wir daher an unsere Handelskreise das Ersuchen, die nach Amerika zu sendenden Depeschen mittelst deS von der Deutsch- Atlantischen Telegraphen - Gesellschaft betriebenen Kabels (Adler-Linie) zu befördern und so dieses neueste Werk deutschen Gewerbefleißes zu unterstützen. Bad-Nauheim, 27. August. Wochenprogramm der Unterhaltungen. Frühkonzert der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr am Kurbrunnen. Montag, 27. August, abends . von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Die Ehre". Dienstag, 28. August, nachm. von 4^,-6^ Uhr und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Die Schulreiterin". Ballet. „Zum Einsiedler". Ballett. Mittwoch, 29. August, nachm. von 4i/,- 6i/2 Uhr und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzen der Kurkapelle. Abends Solisten-Konzert. Abends 8 Uhr Zaubervorstellung von W. Joachim-Bellachini. Donnerstag, 30. August, nachm. von 41/,—6«/2 Uhr und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurka- elle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Cyprienne". Freitag, 31. August, nachm. von 4i/2—6i/3 Uhr und abends von 8—10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Pension Schüller". Samstag, 1. September, nachm. von 472—6V2 Uhr und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saal einziges Konzert von Franzeschina Prevosti. — In der verflossenen Woche sind 810 Kurgäste (1030 in der Woche vorher) >n Zugang gekommen; die Gesamtfrequenz beträgt bis zum 23. d. M. 19251 Personen, wovon an genanntem Tage noch 4385 ortSanwesend waren. Durchschnittlich werden zur Zeit täglich 2000 Bäder verabfolgt; die Gesamtzahl der bis zum letzten Donnerstag abgegebenen Bäder beträgt 248519, worunter sich 10286 Freibäder befinden. — Zu den Ordensverleihungen des Fürsten von Bulgarien ist noch nachzutragen, daß dem Bürgermeister Wörner das Ritterkreuz 1. Kl. mit der Krone des Bulgarischen Zivilverdienstordens verliehen wurde. Bei der Abreise sprach sich der Fürst sehr anerkennend über seine Kurersolge aus und stellte auch für nächstes Jahr wieder seinen Besuch in Aussicht. - tt- Rohrbach, 25. August. Gestern sand hier unter dem Vorsitze des KreisamtmanneS Sandmann eine Gemeinderatssitzung statt, in der über Anschluß der Gemeinde an das Elektrizitätswerk in Melbach verhandelt wurde. Nach Darlegung des Sachverhalts von Seiten des Vorsitzenden beschloß der Gemeinderat den Anschluß an das Werk. Somit ist auch unsere Gemeinde der Zahl der Gemeinden des Kreises beigetreteu, die künftighin mit elektrischem Lichte erleuchtet werden. - 0- Aulendiebach, 25. August. Unser Kirchenvorstand und Gemeindevertretung beschlossen kürzlich, in der ungefähr 5 Minuten vom Orte entfernt liegenden Kirche eine Heizungsanlage zu errichten. Um die Ausführung dieses Beschlusses zu erleichtern, hat ein Gemeindemitglied dem Kirchenvorstand die zur Anlage der Heizung erforderliche Summe zur Verfügung gestellt. Die Errichtung der Heizungsanlage soll noch im Herbste erfolgen, damit mit Beginn der kalten Jahreszeit die Kirche geheizt werden kann. - r- Büdingen, 26. August. Die Ernte in hiesiger Gegend ist beendet. Im großen und ganzen kann man sagen, daß es eine gute Mittelernte ist. Nur das Korn läßt bezüglich des Körnerergebnisses zu wünschen übrig. Es bleibt fast überall hinter dem Durchschnittserlrag zurück. Es ist dies eine Folge der Maisröste, unter denen das Korn sehr zu leiden hatte. Aber alles zusammengenommen, kann der Landmann zufrieden fein mit dem Ernteergebnis. Auch das Erntewetter war günstig. Werter auch hier und da gegen Ende der Ernte Regen eintrat, so hielt derselbe, da er nie von langer Dauer war, die Erntearbeiten nicht auf. Von schweren Gewittern sind wir den ganzen Sommer über verschont geblieben. Auch die übrigen Feldfcüchte, besonders Kartoffeln und Dickwurzel versprechen viel. Obst dagegen gibt es kaum, Aepsel nur hier und da, Zwetschen nur in höheren Lagen. - 0- Büdingen, 26. August. Die Dekanaissynode des Dekanats Büdingen ist auf den 12. September nach hier einberufen. Auf der Tagesordnung steht u. a. auch die Neuwahl eines Dekans für den nach Langgöns versetzten Dekan Weber. , - k- Düdelsheim, 26. August. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist unser langjähriger Geistlicher, Dekan Nömheld, der schon seit einigen Jahren gesundheitshalber nach Darmstadt übergesiedelt war, in den wohlverdienten Ruhestand versetzt worden, nachdem er fast 50 Jahre lang int Dienste der Landeskirche gestanden und seit 1863 die hiesige Pfarrerstelle innegehabt hatte. Darmstadt, 26. August. Die „Franks. Zig." brachte gestern eine Notiz aus Darmstadt, nach welcher als Nachfolger des Herrn Kreisrats Haas u. a. Herr Kreisamtmann Fuchs, der „augenblicklich Sekretär im Staalsministerium" sei, genannt werde. Wir wissen aus bestimmter Quelle, so schreibt der „Darmst. Tägl. Anz.", daß von Herrn Fuchs als Nachfolger des Herrn Haas absolut nicht die Rede ist; dann ist Herr Fuchs nicht Kreisamtmann, sondern Oberfinanzrat, ebensowenig ist er „augenblicklich Sekretär im Staatsminifterium", sondern schon seit mehreren Jahren Vortragender Rat im Finanzministerium; auch hat Herr Fuchs niemals den Titel Kreisamtmann geführt. Die Notiz liefert einen neuen Beweis davon, wie „wohlunterrichtet" der hiesige Korrespondent der „F. Z." ist. Kassel, 24. August. Arg mitgespielt wurde zwei Landmädchen, die als Zeuginnen vor die hiesige Strafkammer geladen waren. Während deren Vernehmung halten die Mädchen ihre Handkörbe auf dem Korridor des Gerichtsgebäudes stehen gelassen, in den Körben befand sich eine Wurst und eine Steige Eier, welche die Mädchen für andere Bewohner ihres Ortes an deren hiesige Verwandten besorgen sollten. Nach beendigtem Termin mußten die Mädchen zu ihrem Schrecken die Entdeckung machen, daß die Wurst und 8 Eier aus den Körben gestohlen waren. •* Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Bergmeister Lücke, dem das Bergrevier Bürbach untersteht, ist nach Dillenburg versetzt worden, wo ihm gleichzeitig die Leitung der Berqschule übertragen ist. — Ein Kind m Hüttenfeld zog sich eine bedeutende Brandwunde zu; weil der Gang zum Arzt mehrere Stunden in Anspruch nimmt, so wurde in diesem Falle die Hebamme zu Rate gezogen, und diese, gewiß vertraut mit antiseptischer Behandlung, wandte als Heilmittel — Mistjauche — an! Erft infolge der großen Schmerzen des Kindes rief man den Arzt herbei. — Das „L. W." brachte vor etwa 14 Tagen von Egelsbach folgende Mitteilung: „Wenn alles streikt, so ist dies nicht der Klapperstorch, indem er diese Woche zwei Familien mit Zwillingen bedacht hat." Nun wurde gestern abend wieder ein junges Ehepaar nut Zwillingen beglückt, so daß es in einem Monat drei Familien sind, die mit Zwillingen bedacht wurden. Selbst die hiesigen ältesten Leute können sich nicht erinnern, daß in so kurzer Zeit so viel Zwillingspaare aus die Welt kamen. — Laut Nachrichten aus Bingen ist der allgemeine Weinbergschluß auf Montag den 3. September festgesetzt; die „Traminer" beginnen sich bereits zu färben und in allen Lagen find reife Trauben anzutreffen. Von Krankheiten sind die Weinberge bis jetzt verschont. — Der Kaufmann D. Wegelein aus Kreuznach hat sich in Mainz erschossen. Landwirtschaft. L. R. Offenbach, 24. August. Schon erhebt sich über dem' Exerzierplatz in Darmstadt eine stattliche Anzahl von umfangreichen Bauten für die landwirtschaftliche Landes-Ausstellung auf einem Flächenraum von ca. 70 000 Quadratmetern. Die Beschickung ist in den meisten Abteilungen eine sehr reiche und wird in mehreren Abteilungen und Gruppen selbst den Umfang der Wander-Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt a. M. im vorigen Jahre übertreffen. Der unbeschränkte Raum, der auf dem Exerzierplatz dank dem freundlichen Entgegenkommen der Militärbehörden für die Ausstellung und das im Anschluß abzuhaltende Rennen zur Verfügung steht, ermöglicht eine dem Charakter des Unternehmens entsprechende praktische Platzeinteilung; das Fehlen verfügbarer größerer vorhandener Gebäude verursacht allerdings andererseits erhebliche Kosten für Bauten und Anlagen. In der Tierabteilung werden die Pferde, eingeteilt nach Wagen- und Arbeitsschlag in ca. 120 Stück vertreten sein. Die Rinder aus stellung wird den Umfang anderer ähnlicher Ausstellungen wesentlich übertreffen und kann mit Rücksicht darauf, daß sich die Beschickung in dieser Abteilung nur auf das Großherzogtum Hessen erstreckt, und die angemeldeten Tiere meistens in Vorbesichtigungen erst ausgewählt worden sind, eine besondere Bedeutung beanspruchen. Die vier im Großherzogtum Hessen mit staatlichen Mitteln ihrer Zucht geförderten Rassen Simmenthaler, Vogelsberger, Glan-Don- nersberger und Odenwälder werden zum ersten Male auf der Landesausstellung zusammen erscheinen. Besonderes Interesse werden die zwei letzten Rassen Hervorrufen, deren Züchtung erst seit kurzem in den betreffenden Gegenden des Landes intensiv gefördert wird, während die Vogelsberger bereits seit mehreren Jahren Erfolge ihrer Wreder- heranzucht aufzuweisen haben. Die Simmenthaler treten wrovinzweise auf d,er Landesausstellung in ihren ausgewähltesten, im Lande selbst gezüchteten Tieren zu einem Wettbewerb zusammen, der großes Interesse verspracht. In der Gruppe Schweine werden neben den Schweinen des weißen englischen (Porkshire) Typus zum ersten Male in größerem Umfange auch die Kreuzungen wie namentlich Westfalen auftreten, deren Einfuhr und Zucht neuerdings in Rheinhessen und Starkenburg neben der englischen Rem- zucht gefördert worden ist. Tie Zi e gen werden der Mrbreitung und dem hohen Stande ihrer Züchtung m Heuen sehr stark vertreten sein Schafe werden nur m einigen Exemplaren zur Ausstellung kommen. Dagegen versprechen die Gruppen: Bienen und Geflügel m großem Umfang ausgestellt zu werden. Im ganzen sind ca. 1-0 Pferde, 900 Rinder, 200 Schweine, 170 Ziegen, 14 Schafe angemeldet. In der Erzeugnisse-Abteilung überwiegt die Gruppe Obstbau mit 3400 Bewerbungen; fte bedarf allein zu ihrer Unterbringung eine Valle von 30 Meter Länge und 12 Meter Breite. Aber auch die Erzeugnisse des Ackerbaus und Gemüsebaus werden in großartigem Umfang vertreten sein. Seit der (Ausstellung) von 1882 zum ersten Male wieder wird auf der Landesausstellung der Weinbau durch eine Prämiierung zum Wettbewerb gebracht werden, die bei der starken BeteiU- aunq von Weinausstellern eine sehr lebhafte werden wird-. Außerdem werden eine größere Anzahl hessischer Weine in einer besonderen We in k 0 st h al l e sla chemveise zum Ausschank auf die Ausstellung kommen. Großh. Mimste- rialabteilung für Kameral- und Ichsttvistenschaft richtet eine f 0 r st l i ch e Abteilung ein. Tie Abteilung: L a n d - wir H rfiaf H i tfie vilfsst0 ffe wird namentlich von den Dünger- und Futtermittelfabrikanten und -Händlern beschickt. Molkereiabteilung wird voraussichtlich eine scharfe Butterkonkurrenz unter den zahlreichen Aus- ; swllern meist Molkereigenossenschaften, ausgefochten werden Die Maschinen und Geräte nehmen einen Raum D ’ca 8—9000 Quadratmeter im Freien und noch 15000 Quadratmeter in gedeckter Halle ein; dabei werden alle •-bveiqe der landwirtschaftlichen Maschinenbranche üertretcii sein. Zahlreiche Maschinen werden im Betrieb vorgefutzrt. Die wissenschaftliche Abteilung nimmt das g^e Exerzierhaus mit ca. 120 Meter Länge und 15 Meter Breite in Anspruch. Namentlich werden die Großh. Regierung mit Landeskultur, Schulen, Statistik Versuchsstation, ferner die verschiedenen landwirtschaftlichen Körperschaften (Hessischer Landwirtschastsrat, Verband der hessischen lanbtv. Genossenschaften u. s. w.) im großen Umfang ausstellen. Täglich finden im großen Ring Vorführungen der preisgekrönten Tiere und der verschiedenen Rassen nach Provinzen und Zuchtvereinen statt. Ferner ,verden die Landgestütshengste, die lebenden Verlosungs- aewinne, vorgesührt. In der eigens hierzu erbauten Schau- halle finden den ganzen Tag über Lichtbildervorfuhrungen aus den verschiedensten Gebieten der Landwirtschaft stall, zu denen von Sachverständigen kurze Erläuterungen gesprochen werden. Die 0^011^0^9^ unb Abwechslung dieser Vorführungen, sowie die Re uh eit dieser Unternehmung dürften auf bie besondere Anziehungskraft ausuben. Zahlreiche Gartner- firmen aus Darmstadt sind zur Zeit beschäftigt, einen aroßen Teil des Ausstellungsplatzes durch gärtnerische VflanLUNgen und Anlagen zu verschönern. Dreimal in?Taae wird die Musikkapelle des 115 Regiments n votter Mannschaft konzertieren: an den Abenden wird der Lauvttei? des Ausstellungsplatzes durch 32 Bogen- und zahlreiche Glüh lampen elektrisch beleuchtet und-tue Nloaen festlich illuminiert werden. Die, feierliche Eröffnung der Ausstellung ist auf Frettraa, den 14 September, mittags 12 Uhr, festgesetzt. An diesem Tage wird auch das sehr umfangreiche Richtgeschaft durch ca 120 Preisrichter vollzogen. Am zweiten Ausstellung-'- i-rme bält der Landwirtschaftsrat die Generalver- sammlung der l ci n d w i r t s ch a s t li ch c n Vereine ab. Am Montag wird ein landwirtschaftliche^ kennen auf dem Exerzierplatz in Darmstadt veranstaltet. Samstags und Sonntags wird voraussichtlich Fräulein Aäthchen Paulus aus Frankfurt per Luftballon vom Ausstellungsplatze aufsteigen. Kurz und gut, an Sehenswertem und Unterhaltung soll es nicht fehlen. Zu wünschen wäre nur, daß günstiges Wetter das Unternehmen, dessen Tauer nur-a-ts 4 Tage ausgedehnt werden kann, in seinem Erfolge unterstützte und die viele Mühe und Arbeit der Vorbereitung lohnte. Vermischter. * Zn einet Stunde zweimal als Anarchisten verhaftet worden, sind zwei Herren aus Wiesbaden, die eine Tour nach Homburg unternommen hatten. Die Ausflügler wollten den dort weilenden Prinzen von Wales sehen, und fragten einen Polizisten, wann der Prinz gewöhnlich aus- sahre. Sie erhielten die Antwort, der Prinz sei gegenwärtig nicht in Homburg, sondern in Cronberg. Ein Angestellter des Kurparkes, der die Unterhaltung erlauscht hatte, witterte in den beiden Fremden Anarchisten und ließ sie durch einen Schutzmann zur Wache bringen. Nachdem sie sich hier über ihre Person ausgewiesen hatten, wurden sie unter Entschuldigungen entlassen, um kurz darauf — ein zweites mal verhaftet zu werden. AIS sie nämlich im Kurpark dem Ballonaufstieg zusahen, kam abermals ein Schutzmann auf sie zu, und nahm sie zur Wache mit. Es folgte ein zweites Verhör und schließlich erneute Entlassung unter Entschuldigungen. Sie wurden nun nicht weiter behelligt, erfuhren jedoch, daß ihretwegen die gesamte Homburger Schutzmannschaft aufgeboten war. * Ein geheimnisvoller Vorfall mit tragischem Ausgang wird aus Löwen berg (Mark) berichtet: Als der Personenzug Nr. 204, der hier von Stralsund um 4 Uhr 15 Min. eintrifft, am 17. d. M. in den Bahnhof einlief, wurde die Thür eines Abteils 2. Kl. heftig aufgestoßen und ein elegant gekleideter Herr stürzte hervor, dem ein älterer Herr folgte. Beide waren sehr erregt und im Begriff, in Thätlichkeiten überzugehen, als eine Dame, anscheinend die Frau des älteren Herrn, dazwischen trat und diesen zurückhielt. Inzwischen schlug der jüngere ohne weiteres auf einen anderen Reisenden, der aus dem Bahnsteig stand, mit den Worten ein: „Was lachen Sie über mich?" Bald entspann sich eine regelrechte Prügelei auf dem Bahnsteig, wobei der Angreifer den Kürzeren zog, denn das Publikum hatte sofort gegen ihn Partei genommen. Der diensthabende Bahnbeamte konnte nur mit Mühe die Ruhe wieder Herstellen. Der Störenfried mußte buchstäblich ins Eisenbahnbureau getragen werden, wo er sich als Graf L. aus Amalienhof bei Wolfshagen ausgab. Der Fremde eilte sodann nach Löwenberg-Ort, wo er sich bei dem Amtsvorsteher meldete und verlangte, zu Protokoll zu nehmen, daß alle Welt über ihn lache. Augenscheinlich war der Mann ein bedauerliches Opfer plötzlich ausgebrochenen Wahnsinns. Vor dem Amtsvorsteher legitimierte er sich thalsächlich als Graf L. Er logierte sich in GörenS Gasthof ein und schrieb, wie er sagte, an eine Schwester. Vorgestern nachmittag traf ein Telegramm für ihn ein. Dieses konnte ihm aber nicht mehr eingehändigt werden, denn man fand ihn in seinem Zimmer, das erbrochen werden mußte, am Kronleuchter erhängt. Auszug WS de» StandrsarutsregifterA der AM Meße«. Aufgebote. Am 20. August. Georg Schmidt Kaufmann dahier mit Else Stechow in Breslau. Am 21. August. Karl Konrad Christian Philipp Friedrich Gottfried Belloff, Installateur dahier mit Elisabetha Kern Hierselbst. Am 22. August. Johann Konrad Wenderoth, Schlosser dahier mit Luise Matheis Hierselbst. Wilhelm Hirdes. HilfSheizer dahier mit Emilie Zetter Hierselbst. Ludwig Wilhelm Belloff, Sattler dahier mit Anna Helene Charlotte Katharine Luise Hartmann Hierselbst. Heinrich Jakob Oechler, Bezirkefeldwebcl in Offenbach a. M. mit Minna Johanna Hollerbuhl in Weidenau. Am 24 August. August Fink, Postassistent in Mainz mit Karoline Louise Marie Trautmann dahier. Friedrich Herber, Taglöhner dahier mit Katharina Belloff, Fabrikarbeiterin, in Großen-Buseck. Eheschließungen. Am 18. August. Wilhelm Michael Becker, Kaufmann in Hanau mit Auguste Muhlig Hierselbst. Josef Karl Peter Andreas Ziegler, Apotheker in B»tzbach mit Mathilde Kistner Hierselbst. Am 20. August. Ludwig Freitag, Pfarrverwalter in Holzheim, Kreis Gießen, mit Martha Windecker hicrselbst. Am 24. August. Karl Herbert, Lokomotivheizer in Friedberg mit Maria Franziska Karolina Lichius dahier. Geboren«. Am 12. August. Dem Uhrmacher Heinrich Marx ein Sohn. Am 14. August. Dem Lokomotivheizer Wilhelm Krauße ein Sohn. Dem Fuhrmann Johann Hill eine Tochter, Emma Dem Omnibuskutscher Johannes Fölsing eine Tochter, Katharine Marie. Dem Schreiner Heinrich Demuth eine Tochter, Katharine. Am 16 August. Dem Rohrmeister im städtischen Gas- und Wasserwerk Friedrich Rettweiler ein Sohn, Erich August Georg. Dem Bäckermeister Ludwig Keil ein Sohn, Adolf Karl. Am 17. August. Dem Schneider Helwig Franz eine Tochter, Marie Margarethe Elisabeths. Dem Spengler und Installateur Wilhelm Neuweiler eine Tochter, Elise Johanna Karolina. Dem Schuhmacher Heinrich Müller eine Tochter. Dem Sattler Christian Spies eine Tochter. Am 22. August. Dem Postschaffner Johannes Emig ein Sohn, Wilhelm. Gestorbene. Am 20. August. Ludwig Simon, 1 Jahr 3 Monate alt, Sohn des Schneiders Ludwig Simon dahier. Am 22. August. Alexander Eduard Wilschinsky, 39 Jahre alt, Apotheker in Jrmlau, Rußland. Am 23. August. Marie Wilhelmine Fink, l%Jahr alt, Tochter von Klub- diener Adolf Fink dahier. Am 24. Elise Herr, 4 Monate alt, Tochter von Bergmann Karl Herr dahier. Spitlflm der wtaijfen Frankfurter StsWeater. Opernhaus. Dienstag, 28. August*): „Mignon". Mittwoch, 29. August: „Die Geisha". Donnerstag, 30. August: „Der Maskenball" Freitag, 31. August: „Die Geisha". Samstag, 1. September: „Der Ring des Nibelungen", Trilogie von Richard Wagner. „Das Rheingold", Vorabend der Trilogie. Sonntag, 2. September: „Bajazzo", hierauf „Die Regimentstochter". Montag, 3. September, l/i1 Uhr: „Der Ring des Nibelungen". Erster Tag der Trilogie „Walküre". Freitag, 7. September, %7 Uhr: „Der Ring des Nibelungen". Zweiter Tag der Trologie „Siegfried". Sonntag, 9. September, %7 Uhr: „Der Ring des Nibelungen". Dritter Abend der Trilogie „Götterdämmerung". Siegfried: Herr Kammersänger Aloys Burgstaller u. G. Schauspielhaus. Dienstag, 23. August, 7« 7 Uhr: Zu Goethes Geburtstag „Prometheus", hierauf „Clavigo". Mittwoch, 29. August: „Cyklus nordischer Dramen". 4. Abend. „Nora". Donnerstag, 30. August: .Hüttenbesitzer". Freitag, 31. August: „Krieg im Frieden". Samstag, 1. September: „CykluS nordischer Dramen". 5. Abend. „Baumeister Solneß. Sonntag, 2. September: ..Baumeister Solneß". Montag, 3. September: „Othello". *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Wmbrl mü Kerkrhr. NoiksVüM^ 3 Frankfurter Börse vom 85. August. ” Wechsel aof New-York zu 0.00-00. PrÄmlen auf Kredit per ulL Aug. 0.80%, do. per ult. Sept. 2.10%, DiSkonto-Kommandit per ult. Aug. 0.70%, do. per ult. Sept. 1.80 % Lombarden per ulh Aug. 0.85%, do. per ult Sept. 0.75% Deutsche Bank per ult. Aug. 0.00%. Notierungen: Kroditaktien 205.10-30-00, Diskonto- Kommandit 173.20-000.0000, Staatsbahn 137.50.00, Lombarden 25.30., Italiener 94.00-00. Spanier 72.10, Spreu. Mexikaner 25.20, Bochumer 186.40-185.60-188.80 bz., Laura 202-201.50 bo., llarpener 176.70-50-177 bz., Gelsenkirchen 188-70-189.50-00 bz. G., Privat- Diskont 4 % G. 1% bis 2% Uhr: Kreditaktion 205.20-000,00-00 bz., Die- konto-Kommandit 173.30-172-173.30 bz., Berliner Handelsgesellschaft 000 bz., Staatsbahn 137.50 bz., Lombarden 25 80-00 b., Laura 00-00 Sproz. Mexikaner 00.00 bz. Reichsbant. Am 5. September wird in Marburg (Lahn) eine von der Reichsbankstelle in Kaffel und am 17. September in SäL kingen eine von der Reichsbankstelle in Freiburg i. Br. abhängige Reichsbank-Nebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Märkte. Grünberg, 25. August. Fruchtmorkt. Weizen 15,00—00,00 Mark, Korn 14,74—15,00 Mark, Gerste 00,00—00,00 Mark, Hafer 13,00—14,00 Mark, Erbsen 00,00—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 Mark, Samen 26—00,00 Mark, Kartoffeln 0,00-0,00 Mark.________ Aus dem Oeschästsleden. Die Firma Georg Scherer u. Co., Langen, erhielt auf der Weltausstellung Paris, für hervorragende Leistungen auf ihrem Ge- biete, die „goldene Medaille". Familien Nachrichten. Gestorben: Peter Götz in Meder-KainSbach. — Frau Katharina Ramge, geb. Mayer, in Spachbrücken. — Karl Best, Stadtverordneter in Darmstadt. P. P. Den Eingang sämtlicher Saigon-Neuheiten w in Tuch und liuchfik-ku -va für Herbst und Winter 187 zeige ergebenst an. Hochachtungsvoll Markus Bauer. Anfertigung noch Mass in eigener Werkstätte. Bekanntmachung, betreffend: Octroi von Obstwein. Mit Bezug auf §14, Abschnitt III der Bekanntmachung Großh. Ministerium» de« Innern vom 4. Juni 1874, abgedruckt in Nr. 35 des Regierungsblattes bringen wir hierdurch wiederholt zur öffentlichen Kenntnis, daß alle Obstwein-Produzenten vor Beginn der Kelterung von Obst be der unterzeichnetcn Stelle von ihrem Vorhaben Anzeige zu machen und einen Erlaubnisschein einzuholen haben, welcher Beginn und Dauer des Kelterns festsetzt. Nichtbefolgung dieser Vorschrift wird nach § 16 der vorerwähnten Bekanntmachung bestraft. Gießen, den 21. August 1900. 5623 Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. Wolff. 5673 -5662 KkiiimMMM Das Stadtbauamt. S ch m a n d t. Gießen, den 24. August 1900. Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Betnrmtmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der städtische Friedhof in der Zeit vom 16. August bis 15. Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet bleibt, und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Verdingung. Die bei den Feldbereinicungsausführ- ungen in Gemarkung Daubringen erforderlich werdenden Arbeiten und zwar: Herstellen des Kirchweges veranschlagt zu 1206,60 JL Versckleifen der Müllerhohle 395,35 „ Verlegen einer Thonrohrleitung und Ausräumen eines Vorfluters 62,— „ 'Ollen durch schriftliches Angebot in mehreren Losen vergeben werden. Pläne, -Voranschläge und Bedingungen liegen auf Grotzh. Bürgermeiverei Dau- “ Einsicht offen, woselbst auch die Offerten, deutlich auf Bogen in Aktenformat geschrieben, in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift .Meliorationsarbeiten" postfrei bis zum Eröffnunqs- lermin emzureichen sind. Die Angebote haben in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen. Die Eröffnung der Offerten findet Donnerstag den 30. d. M., mittags 1 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Daubringen in Gegenwart der erschienenen Bieter statt. 5650 Gießen, am 23 August 1900. Großb. Kulturinspektron. I B: Dr. Fruissinet. Vergebung von Zimmerarbeit. Die zwecks Anlage einer städtischen Elektrizitätswerkes in der N.umühle erforderliche Beseitigung von Gebälkeu, zusammen rund 900 !fd. m soll Montag den 3. September, vormittags IVA Uhr, öffentlich verdungen werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns er« bältlich, sind bis zum genannten Termine einzureichen. — Der künftige Betriebsleiter des Elektrizitätswerkes, Herr Mulert, dessen Bur-'au sich in der Neumühle befindet, ist in der Lage, Jnteressenteu an Ort und Stelle nähere Auskunft zu erteilen. Gießen, 24. August 1900. Grrrmmetgras Versteigern« g. Das diesjährige Grummetgras von den Domanialwiesen wird Dienstag den 4. September d. I. versteigert u. zwar: 1. nachmittags 2 Uhr im Schloßho zu Grünberg von 14,91 Hkl. Wiesen der Gemarkung Grünberg. 2. nachmittags 5 Uhr bei Herrn Gaffwirt Heinr Cchepp V. in Saasen von sämtlichen in eigener Verwaltung befindlichen Domanialwiesen der Gemarkungen Göbelnrod, Harbach, Lindenstruth, Queckborn und Saasen. Die betreffenden Wiesenwärter find beauftragt, auf Verlangen die Graslose vorher vorzuzeigen. Grünberg, den 22. August 190'. Großh. Oberförsterei Grünberg. Schober. 5678 Nächsten Freitag, den 31. d. M., vormittags IvUhr, soll ein der Gemeinde gehöriger Faselochs in dem Gemeindehaus öffentlich versteigert werden. Obbornhofen, den 26. Aug. 1900. Großh. Bürgermeisterei Obbornhofen. Leschhorn. 5676 Grummetgras- Bersteigeruug. Mittwoch ben 29. August d. Js, Vormittags 9 Uhr, läßtdie Aktien Brauerei Gießen ras Grummetgras ihrer Wiesen in 22 Parzellen meistbietend versteigern. Der Anfang wird bei der Schönen Aussicht gemacht. 5585 Aktten-Brauerei Gießen. ia. Preiselbeeren empfiehlt 5603 Wilh. Haas, Bleichstraße 18. Oberrheinische Versicherung»-Gesellschaft in Mannheim — Grundkapital: 6 Millionen Mark — empfiehlt 5590 Haftnflirhf-Versicher«n« *n unbegrenzter Höhe gegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Versicherung gegen Unfälle aller Art, in und äusser dem Berufe, auf Reisen, beim Radfahren etc. Versicherung gegen Einbruch und Diebstahl T ransport-Versicherung, Versicherung von belegtem und unbelegtem Spiegelglatt, sowie anderen Glaseorten gegen Bruch, Hagel und Wetterschaden. 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