ahrgan 1900 150 Samstag dm 27. Oktober es Blatt» Lj monatlich 75 Pfg. Qä? mit Bringerlohn: durch die Abholestellea vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. ZLezugsprcis vierteljährl. Mk. 2,20 Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Hrscheirck tägNch mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener A«mrkte«0tLt1er werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4mal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den .falgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. 4 Amts- itnb AnzsigeblatL für den 'Krct# Giefzsn. sich eifrig unterhielt, dann die zur Freude der zahlreichen Ko- Die franco-russische Allianz. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar. 7. intendent den Segen. Die kirchliche Feier währte etwa 25 Minuten. Die Majestäten begaben sich nun, voran der Kaiser mit Exzellenz Nasse, mit dem er sich eifria unterhielt, dann die Kaiserin wit Frau Krupp zur Freude der zahlreichen Ko- loniebewohner und Zuschauer unter jubelnden Zurufen zu Fuß zur katholischen Kapelle. Vor dem Eingang der katholischen Kapelle hatten die Geistlichen Aufstellung genommen, die den Kaiser ehrfurchtsvoll begrüßten und von ihm durch einige freundliche Worte ausgezeichnet wurden. Die Feier wurde hier mit dem allgemeinen Gesang „Komm heil'ger Geist, der alles schafft", eingeleitet. Die Einweihung der Kapelle vollzog dann der Domprobst Dr. Berlage aus Köln. Nach einer kurzen Ansprache des Domprobstes wurde von den Anwesenden das Lied „Großer Gott wir loben Dich' ge- Lerrschaften einen kurzen Spaziergang im Park des Genesungsheims, wobei ihnen von den Insassen des Hauses lebhafte Hurras zugerufen wurden. Inzwischen waren die Wagen vor das Gartenportal gefahren. Man fuhr nun durch die Kolonie über die Rüttenscheid er Chaussee und die neue Bismarckstraße am Ruhrstein vorbei durch den Wald zurück nach Hügel. Ein Telegramm aus Essen meldet: Kruppwurde vom Kaiser zum Wir-klichen Rat mit dem Prädikat Exzellen z ernannt. schließen. Wie jedermann weiß, hatten die chinesischen Wirren die beiden großen germanischen Staaten einander feindlich gegenübergestellt. Schon lange ging das Londoner Kabinett mit dem Plane um, Süd-China zu annektieren und das Thal des Yangtsekiang zu besetzen. Plötzlich trat Deutsch Adresfe für Depeschen: Anzeiger Hietz«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener FamMenblätter, Der hessische Landwirt Ktätter für hessische Volkskunde. Volttische Tagesschau. Die Zahl der preußischen Minister a. D. hat, wie das „Berl. Tgbl." feststellt, durch den Rücktritt des Reichskanzlers und Ministerialpräfidenten Fürsten Hohenlohe eine Bereicherung erfahren. Er ist der Sechzehnte in der Schar der lebenden inaktiven Räte der Krone. Seine Kollegen a. D. sind: Bier Minister beziehungsweise Staatssekretäre des Innern und zwar der ehemalige Vizepräsident des Staatsministeriums v. Bötticher, jetzt Oberpräsideut der Provinz Sachsen. Gras Botho Eulenburg, der gegenwärtige Oberpräsident von Schleswig-Holstein von Köller und Freiherr v. d. Recke. Zwei frühere Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes, der Botschafter in London Fürst Hatzseldt und der Botschafter in Konstantinopel Freiherr Marschall v. Bieberstein. Ferner drei gewesene Kultusminister, Dr. von Goßler, Oberpräsideut von Westpreußen Graf v. Zedlitz-Trützschler, Oberpräsident von Hesien-Nasiau und Dr. Bosse, zwei ehemalige Handelsminister, v. Hosmann und Berlepsch, zwei Landwirtschastsminister, v. Lucius-Ballhausen und v. Heyden, endlich ein früherer Justizmmister, Schelling und der bisherige Senior der Schar, der Minister ohne Portefeuille in den Jahren 1868 bis 187b, Staatsminister a. D. Delbrück. gewähren. Mit dem planmäßigen Zuge von Köln trafen gestern die PrinzenEitelFriedrich und Adalbert gegen 10 Uhr 40 Min. auf dem Essener Hauptbahnhof ein, wo sich zum Empfang Geheimrat Krupp mit Justitiar Korn und mehrere Regierungsräte der Eisenbahndirektion eingefunden hatten. Nach kurzer Begrüßung bestiegen die | gy-s js aBfÄ-K-Ä iSÄÄSffi* ■* * tw... dmnz Eitel Friedrich und Adalbert haben im I , , <. qn?nipftöten mii ihrem Gefolge zu Fuß in Laufe des Tages fast sämtliche Werkstätten der Kruppschen enesunashei m Nach der Be- besichtigt, die durch ihre Fabrikation von I des Gebäudes unternahmen die Allerhöchsten Interesse sind. Das Interesse der Arbeiter an der Be- | MÄW. ^es ^oauo ^hn5,ipr^ntTn inT ^ark des Gericht igung war em großes. Die Prinzen waren von issren Gouverneuren begleitet. Den gestrigen Nachmittag verbrachten die Majestäten «uf dem Schloß, die Kaiserin in Gesellschaft der Frau Krupp und ihrer Hofdamen, während der Kaiser nach kurzer Rast in Begleitung einiger Herven seines Gefolges einen Spaziergang durch die Anlagen auf dem Hügel machte, wobei er u. a. den Marstall besichtigte. Gegen 5 Uhr trafen die Prinzen'Eitel-Fritz und Adalbert zu Wagen von Essen ein und wurden von ihrem hohen Elternpaure und der Familie Krupp empfangen. Zu der Abendtafel, die um 8 Uhr im kleinen Speisesaal, links vom Hauptportal, begann, waren nur wenige Einladungen ergangen. Unterdessen konzertierte in dem anstoßenden Wintergarten die Deutzer Pionierkapelle. Nach der Tafel begaben sich die Kaiserin und die Prinzen zur Ruhe, während der Kaiser noch eine zeitlang in der Gesellschaft der Herren verblieb. Im letzten Augenblick noch wurde das Programm dahin abgeändert, daß die Prinzen nicht, wie ursprünglich festgesetzt, um 11 Uhr 10 Min. von Essen nach Bremen avreisen, sondern ihren Besuch bis morgen abend ausdehnen. - ’M Heute fand in der schön gelegenen Kruppschen Kolonie Altenhof, welche zahlreichen und invaliden Arbeitern der Firma.Krupp ein behagliches Heim bietet, die Einweihung ^>er für die Kolonie neu erbauten beiden Kirchen statt. land mit der Anmaßung auf, dies zu verhindern. Zwischen Berlin und London entspann sich ein ziemlich scharfem Federkrieg. Kaiser Wilhelm gab deutlich die Absicht M erkennen, die Militäroperationen zu leiten und m China die erste Rolle zu spielen, welche bisher den Engländern gehört hatte. . _ , Unsere russischen Diplomaten sahen mit berechtigter Genugthuung, wie der Bruche zwischen den beiden Nationen, die uns am meisten im Wege stehen, sich erweiterte. Man dachte hier, diese Genugthuung wurde in Par^ geteilt. Nun verlautet seit einigen Tagen (und die Nachricht kann für gewiß gelten), das französische Kabinett oder, wenn man will, Herr Delcasse, habe sich bemüht, zwischen: Herrn Chamberlain und Kaiser Wilhelm eine Aussöhnung herbeizuführen. Wenn wir gut unterrichtet sind, ich habe guten Grund, dies nichr zu bezweifeln — so soll demnächst in Berlin oder London ein geheimes Ueberein- kommen unterzeichnet werden, das eine Annäherung der beiden Nebenbuhler und ihr gemeinsames Vorgehen im Orient bedeutet. Frankreich seinerseits wurde sich verpflichten, die englisch-deutsche Politik im Orient mit feinen Soldaten und Flotten zu unterstützen. Wie erstaunlich- dieser Wandel (hier bedient man sich zu seiner Charatteri- sierung eines anderen Ausdrucks) auch sein mag, so hegt darin der Keim einer neuen, einer englisch-französisch-deutschen Tripelallianz, deren gemeinsamer Gegner nur Rußland sein kann. | So weit find die Dinge schon gediehen Glücklicherweise habe ich über die Haltung des französischen Kabinette kein Urteil abzugeben. Wodurch kann es nur bewogen worden sein, Ihr Land in ein solches Abenteuer M stürzen? Welchen Einflüssen hat es gehorcht? Das ver- I mag ich Ihnen nicht zu sagen. Die Folge dieser Schwenkung wird jedoch sein, daß die deutschen und englischen I Banken fortan einen unbegrenzten Kredit für die Pariser Anarchisten und für die Politiker eröffnen werden, die I sich bei den neuen Wahlen erkaufen lassen. I ' Dieser Abfall berührt uns sehr schmerzlich, denn nun I stehen wir wieder vereinzelt in Europa da. Als Fürst I Gortschakoff auf dem Berliner Kongresse von 1878 Herrn I Waddington den Vorschlag einer Allianz machte, da be- I gnügte sich dieser nicht damit, sie zurückzuweisen, sondern I er enthüllte dem Vertreter Englands, Lord Beaconsfields I alle unsere Projekte. Heute, da die Allianz unter bent I Drucke der öffentlichen Meinung in Frankreich eine vollendete Thatsache ist, beeilt sich Ihr Herr Delcasse, sie I zu brechen, um Wilhelm II. den Hof zu machen. Wie | sollen wir Vertrauen zu einem Lande hegen, das so traurig vertreten ist? Aufrichtig gestanden, überrascht das ernste I Ereignis uns nur halb. Seit der Bildung des Kabinetts I Waldeck hatten wir begriffen, daß Frankreich in die Hände I unserer gefährlichsten Feinde geraten war. Doch glaubten; I wir noch nicht, daß es imstande wäre, feierlichen Abmach- I ungen ins Gesicht zu schlagen und ihr Land denen vor die I Fuße zu werfen, die es gern demütigen wollen." Die Rede Waldeck-Rousseaus in Toulouse am 26. Df* I tober wird wohl über alles, was in Frankreich in der Suft I liegt, aufklären. Dann wird sich wohl auch zeigen, ob die franko-russische Allianz bestehen bleibt ober nicht. Daß I sie Frankreich großen stützen gebracht hat, werden die I Franzosen selbst nicht glauben, und es wäre gewiß nicht I zu verwundern, wenn sie ein Bündnis aufgäben, das I ihnen keinen einzigen Vorteil, sondern immer neue Ver- I pflichtungen gebracht hat._________________________________ Der hochoffiziöse Petersburger Korrespondent des , Soleil" schreibt unter dem 5./18. Oktober: Ich habe den Schmerz, Ihnen die traurige Kunde zu bestätigen, die ich vorige Woche sandte. Obwohl unglaublich, war sie durchaus richtig. Ja, die französisch- russische Allianz ist so gut als hin. Ja, das Pariser Kabinett läßt uns im Stich; es geht sogar noch weiter. Es ist im Begriff, mit unseren zwei ärgsten Gegnern, mit England und Deutschland, ein Bündnis zu Das evangelische Gotteshaus liegt an der Westseite, un- I mittelbar vor der Josephinenskraße, die von der Essener- I Straße direkt in die Kolonie führt. Das katholische Gottes- I Haus ist a n der Ostseite von Altenhof, unmittelbar neben I dem Kruppschen Erholungshause am Langenbrahmer Walde I errichtet worden. . Schpn vor 9 Uhr sammelte sich das Publikum an I den Hauptwegen zur Kolonie und gegen einhalb 10 Uhr fanden sich die Bewohner des Altenhofs, die allein an I der Feier teilnehmen durften, ein, da alle Wege zur', Kolonie durch Polizisten und Gendarmen gesperrt waren. Die Kapellen selbst durften nur von Kruppschen Pensionären betreten werden. In beiden Kirchen waren außer den Ehrenplätzen für die allerhöchsten Herrschaften nur noch zwei Bänke für die Familie Krupp und deren Angehörige, sowie für das Gefolge des Kaiserpaares frei- qelassen. r Um 10 Uhr 15 Min. traf das Kaiserpaar mit den Prinzen Adalbert und Eitel Fritz vor der evangelischen Kapelle ein. Dem ersten Wagen entstieg der Kaiser in der Uniform des 1. Garde-Regiments im langen grauen Mantel, ihm folgte Geheimrat Krupp, während in dem zweiten Wagen die Kaiserin im engen schwarzen Tuchkleid, kurzem schwgrzeu Jackett, schwarzer Pelzboa und breitem schwarzem Federhut und Frau Geheimrat Krupp, mit weißer Pelzboa bekleidet, sowie die beiden Prinzen Platz genommen hatten. In einer Reihe anderer Wagen folgten der Kriegsminister, Minister Thielen, der Kommandant des Hauptquartiers, Oberpräsident Nasse, Präsident v. Holleufer-Düsseldorf und andere. Die Majestäten stiegen alsbald die Stufen zur Kapelle hinauf und begrüßten die dort ausgestellten Geistlichen und die Herren der Kruppschen Verwaltung, von denen der Kaiser einige durch Anspracyeu auszeichnete. Nachdem die Majestäten dann unter den feierlichen Klängen der Orgel mit ihrem Gefolge .die- Kapelle betreten und Platz ge- ! nommen hatten, sang die Gemeinde den ersten Vers des „Lobe den Herrn", dann bestieg Generalsuperintendent Um- beck die Kanzel, hielt die Weiherede und sprach im Anschluß an seine eindrucksvollen Worte das Weihegebet. Der evangelische Geistliche der Gemeinde Rüttenscheid, Pfarrer Lic. Bleek, hielt nun noch eine Ansprache an. die Gemeinde und sprach dann das Schlußgebet. Nach dem Schlußgesang der Gemeinde „97un danket alle Gott" erteilte der Super- Amtlicher Heil. Gießen, 25. Oktober 1900. Betr.: Untersuchung und Begutachtung des Fasselviehs in der Gemeinde Rödgen. DaS Großherzogliche Kreisamt Gieße« Vie Grotzh. Bürgermeistereien beS Kreise-. Es kommt häufig vor, daß Körscheine ohne Begleitbericht bei -ums einlaufen und gar nicht zu ersehen ist, für welche Gemeinde er bestimmt ist. Wir beauftragen Sie daher, jedesmal Begleitbericht zu erstatten. Ferner wollen Sie bei Abschaffung eines Gemeindefasels jedesmal Ihrem Bericht den betr. Körschein beifügen, der sich auf den abzufchaff enden oder abgeschafften Fasel bezieht. I. V.: B o e ck m a n n. Gießen, 23. Oktober 1900. Betr.: Die Unterrichtszeit in der Fortbildungsschule. Die Großh.Kreisschulkommission Gießen au die Schulvorstände des Kreises. Wir beauftragen Sie, die Berichte in rubr. Betreff -alsbald, nicht wie in unserer Verfügung vom 15. d. M. (Gießener Anzeiger Nr. 243) angegeben ist, erst am 15. Dezember d. I. einzusenden. I. V.: Dr. Wagner. Das Kaiserpaar in Essen. Essen, 25. Oktober. Kurz nach, 2 Uhr verließ gestern das Kaiserpaar den Bahnhof Vohwinkel im Hofzug, um nach Villa Hügel bei Essen den angesagten Besuch bei Geheimrat Krupp abzustatten. Hier waren zum Empfange außer Geheimrat Krupp mit Gemahlin und beiden Töchtern u. a. der Präsident der Eisenbahndirektion Essen, Becher, der Landrat des Kreises Essen, Rötger, der Bürgermeister von Kettwig, Göring, sowie mehrere höhere Beamte der Firma K^rupp und der Eisenbahndirektion zugegen. Nach kurzer herzlicher Begrüßung geleitete Geheimrat Krupp mit Gemahlin die hohen Herrschaften durch den Park zur Villa, auf deren Hauptgebäude kurz darauf die Standarten des Kaisers und der Kaiserin gehißt wurden. Der Hofzug fuhr unterdessen nach Essen zurück, wo er bis zur Rückreise der Majestäten verbleibt. In der Villa angekommen, begaben sich die Majestäten unverzüglich in die Fürstengemächer, die, an der Hauptfrout nach Norden gelegen, einen herrlichen Rundblick über die weiten Parkanlagen der Villa Nachdem das GardekorPS nunmehr mit dem neue« Jn- ^asteriegewehr Modell 1898 ausgerüstet worden, ist jetzt ein vorbereitender Schritt gethan zur Einführung dieser Waffe bei den übrigen Armeekorps. In einem Jnformations- kursus über das Gewehr sind der „Schles. Ztg." zufolge von Seiten des Kriegsministeriums 15 Generale und 45 Obersten und Regiments-Kommandeure nach der Jnfanterie- Schießschule in Ruhleben kommandiert worden. Sie haben sämtlich in Berlin Wohnung genommen, und begeben sich alltäglich mit einem Eisenbahnzuge, der zu diesem Zweck in der Nähe der Schießschule hält, nach Ruhleben. Nach Ablauf des Kursus, der in dieser Woche sein Ende erreicht, beginnt auch die Ausgabe der neuen Gewehre an die Linienregimenter. Hierzu ist indes ein längerer Zeitraum in Aussicht genommen; die alten Gewehre werden erst dann durch neue ersetzt, wenn sie in der That durch Abnutzung in einen nicht mehr kriegsbrauchbaren Zustand gelangt sind. Diese allmähliche Einführung des neuen Gewehrs ist dadurch möglich, daß bei beiden Waffen vollkommen gleiche Munition angewendet wird. Neue Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung für den Staatseiseubahndieust im Baufach sind für Preußen vom Minister der öffentlichen Arbeiten erlassen worden, und sollen mit dem 1. Januar 1901 in Kraft treten. Sie enthalten, abgesehen von verschiedenen Aenderungen in den bei den Prüfungen zu stellenden Anforderungen, bezüglich des Eisenbahnbaufaches und des Maschinenbaufaches materielle Aenderungen insofern, als den Studierenden des Jngeni- j eurbaufacheS freigestellt ist, vor dem Beginn des Studiums | oder während der Sommerferien unter der Leitung eines staatlichen oder kommunalen Baubeamten oder eines Privatingenieurs wenigstens acht Wochen lang auf einer Baustelle thätig zu sein, um sich durch eigene Anschauung mit den Einzelheiten der gebräuchlichsten Baukonstruktionen vertraut zu machen, und daß diese Thätigkeit auf das erste Jahr der Ausbildungszeit bis zu drei Monaten gerechnet werden kann. Die Maschinenbaubefliffenen, die in höheren Staats- I eisenbahndienft eingestellt zu werden wünschen, sind während I der letzten drei Monate des Elevenjahres im Lokomotiv- I fshrdienst zu beschäftigen und haben im Anschluß daran die I Lokomotivführerprüfung abzulegen und sind außerhalb des I Elevenjahres und vor der Ernennung zum Regierungsbau- I führer je sechs Wochen bei einer Betriebswerkmeisterei und I bei einer Eisenbahnstation zu beschäftigen. Die Baube- I Menen haben künftig den Antrag auf Zulaffung zur prak- I tischen Ausbildung und auf Ernennung zum Regierungs- I bauführer innerhalb dreier Monate nach dem Bestehen I der ersten Hauptprüfung an die Chefs der dort bezeichneten I Provinzialbehörden zu richten. Das Jubiläum des Herrn Geh. Kirchenrats Prof. D. Dr. Stade. Gießen, 24. Oktober 1900. (Nachtrag.) Wir find in die Lage gesetzt, unseren Lesern den Wort- laut der Ndreffe mitzuterlen, die unserem Mitbürger, Herrn Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Stade aus Anlaß seines Jubiläums von den Mitgliedern der Frankfurter Konferenz I hessischer Geistlicher überreicht worden ist; wir fügen den I Wortlaut der von dem Jubilar gegebenen Antwort an: Hochverehrter Herr Professor! E-Z®ie Frankfurter Konferenz Hessischer Geistlicher bringt Ihnen I »u Ihrem hmtigen Erinnerungstage die herzlichsten und wärmsten I Glückwünsche bar. Wir erachten das als eine Pflicht, die zu erfüllen I uns ein persönliches Bedürfnis drängt. In zwiefacher Weise wtsien wir un« Ihnen verbunden. Es ist I der ausgesprochene Zweck unserer Vereinigung, ihre Mitglieder in I der rheologischen Wissenschaft zu erhalten: in dem c .geschieht, nehmen wir zugleich Teil an dem Leben und der Arbeit ihrer Vertreter in unserer Landeskirche. Sie andrerseits haben es stets als Ihren Beruf erachtet, bei gegebener Gelegenheit aus dem engeren Krcts ihrer Sonderwisse.'schäft heraus auf das kirchliche Leben einzuwirken, ob Sie sich nun veranlaßt sahen, die Lage der evangelischen Kirche Deutschlands zu beleuchten, oder bei dm Verhandlungen unserer Synode den besonderen Bedürfntffen der Landeskirche nachzusinnen. Von Ihnen zu uns, von uns zu Ihnen zieht sich so ein doppeltes Band — ein wissenschaftliches und ein kirchliches — gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Strebens. schauen hruie, hochverehrter Herr Professor, auf eine 25iahrige Lebrlhätigkeit an unserer Landesuniversttät zurück. Unter den 152 hessischen Geistlichen, die heute zu unS gehören, sind nur ganz wenige, die nicht zu Ihren unmittelbaren Schülern zählen. DaS Dovprldand, dessen wir gedachten, empfängt damit eine per- sönliche Färbung, vrrknüpft sich doch mit der Erinnerung an Ihre «ademtsche Wirksamkeit dir unseres einstigen Lebens auf der Hoch- ichule. Wir faßen Ihnen Dank für alle Belehrung, Anregung und - I ,ung, die Sie, der derwalige Senior d'r Fakultät, unS allen, Einzelnen, haben zu Teil werden lassen, für die Teilnahme lÄ? a„ ?ct Wetterentwickelung eines jeden Ihrer zahlreichen Schüler. Unser Dank aber klinge au8 in dem Wunsche: »Gott segne ferner Ihr Wirken «n Ihnen selbst, an uns und _ an unserer Landeskirche." Der Vorstand der Frankfutter Konferenz Hessischer Geistlicher: Guyot. Walter. Eck. . Ä Ekf diese von Pfarrer Sic. Eck-Offenbach im Namen des Vorstandes bet genannten Konferenz verlesene Adresse erwiderte Geh. Kirchenrat Prof. D. Dr. Stade folgendes: Hochgeehrter Herr Licentiat! Es freut mich ungemein, daß die Geistlichen der Frankfurter Konferenz an der Feier dieses Tages Teil nehm!« auf das herzlichst«,»- di- B-g-Lgbie"gte ’n£ «tsgesprochen haben. Diejenigen unter den Angehörigen de^r Fra^furter Konferenz, bie meine alten Schüler sind, und es find L LSEa M« m-sti-n, »b-rz-ugil-in U 'ch in ÄSSÄ hie zwischen uns sich gewoben hat, seitdem sie vor meinem säße«, in aller Treue stehe und in chr stehen werde, solange ich atbme rmd lebe. Schon um deßwillen, weil ich mich für das Ergehen für das Thun und Treiben aller derer, die ich einst unterrichtet habe müv^ antwortlich fühle. Ueber die reichgesegnete kirchliche Wirksamkeit in die Gott sei Dank mancher meiner Schüler gekommen ist, habe ich mich allezeit gefreut, denn ich habe immer darin und nicht in anderen Dingen den mir freilich ohne all' Verdienst und Würdigkeit zugefallenen Lohn »einer akademischen Thätigkeit erblickt. Und wenn etwa einmal einer »einer alten Zuhörer in Schwierigkeiten und Anfechtungen gefallen ist, so hat mir das schwer auf dem Gewissen gelegen, und es hat mich die [ bange Frage gequält, ob es nicht vielleicht anders und besser gegangen I wäre, wenn ich es in meinem Unterricht bester und treuer angefangen I hätte. Sie haben recht, wenn Sie mir nachsagen, daß ich allezeit mit I dem kirchlichen Leben Fühlung gesucht und mich nicht innerhalb meiner I Fachwissenschaft gehalten habe. Aber Sie gestatten wohl, daß ich diese | Thatsache ein wenig anders formuliere. Wir Theologen sind ja nun I einmal Männer der Formel, manchmal vielleicht viel zu sehr. Ich habe I meine Fachwissenschaft niemals für etwas anderes gehalten, als für I einen Teil der Theologie, und die Theologie niemals für etwas anderes I gehalten, als für eine Lebensäußerung der Kirche, meine Funktionen als j Professor der Theologie daher, wiewohl ich mit Stolz mich als Glied I einer Korporation empfinde, welche die Erforschung des gesamten mensch- I iichen Wissens zu ihrer Ausgabe hat und als Profeffor Staatsbeamter I bin, als kirchliche Fuukttonen, als eine Arbeit im Dienst unserer evangelischen I Kirche betrachtet und geübt. Meine Fachwissenschaft ist in den letzten I Jahren stärker in den Vordergrund getreten, als früher, denn es ist I klarer als früher geworden, welch' hohe Bedeutung das Verständnis der I Vorgeschichte des Christentums für das Verständnis des Evangeliums I Christi und die Geschichte der Kirche und ihres Glaubens hat, und Gott I hat in unseren Tagen der Kirche ein besseres, ihrem eigenen geistigen I Besitze konformeres Verständnis des wirklichen Verlaufs ihrer Vorgeschichte [ geschenkt. Dem allen schreibe ich es zu, wenn es heute einem alttesta- mentlichen Theologen leichter als früher gelingt, einen größeren Einfluß auf das Heranwachsende Geschlecht zu gewinnen. Die Theologie aber erwächst aus dem Bedürfnis der Kirche, das Evangelium immer wieder aus den biblischen Quellen zu erheben, an diesen immer wieder die kirchliche Verkündigung zu prüfen und zu kontrolieren, und mit mit dem gesamten übrigen geistigen Leben der Menschheit auseinander zu setzen. Die Theologie hat daher eine kirchliche Wurzel und kirchliche Abzweckung. Und seit dem großen Jahrhundert unserer Nation, das leider ein so kleines Geschlecht gefunden hat, seitdem der gewaltige Mönch und Professor von Wittenberg das verschütt Ke Verständnis des Evangeliums wiedergeful'.den und neue Grundlagen für des gesamte ge-stige Leben der europäischen Menschheit gelegt hat, sind Kirche und Theologie mit Recht untrennbar verbunden. Man hat mit Recht behauptet, unsere Kirche habe einen Zug zur Wissenschaft, und die moderne Wisierflchast stt ihr blutsverwandt. Daher beschämt es mich eigentlich, wenn Sie mein Bestreben, immer Fühlung mit dem kirchlichen Leben zu haben, 1 oorheben. Denn ich habe damit nur gethan, was selbstverständlich u ■) waä Pflicht war. Man kann anders als Lehrer der Theologie iaa)t verfahren. Mit lebhafter Freude aber nehme ich um deßwillen Ihre Begrüßung entgegen, weil ich aus Ihrer Adresse ersehe, daß auch unter den Männern, die das Evangelium der Gemeinde predigen, die Ueberzeugung lebt, daß die K-rche nur bann gesund bleiben und den ihr gebührenden Einfluß auf das geistige Leben der Nation gewinnen — oder muß ich nicht vielleicht sagen: zucückgewinnen? — kann, wenn derjenige Teil des kirchlicher- Lebens, den wir Theologie nennen, von ihnen auch nach dem Scheiden von der Universität gepflegt wird. Auch im Amt kann man sich und soll man sich mit bcii Problemen der Theologie je nach Zeit und Kräften beschäftigen. Es ist gewiß ein Schaden unserer Lage, und ich bedauere ihn tief, daß die akademischen Lehrer der Theologie nicht mehr, wie dies früher fast ausnahmslos der Fall war, zugleich im geistlichen Amte stehen können, da die Aufgaben beider Aemter, des geistlichen und des akademischen, zu sehr gewachsen sind, al« daß ein Mann ihnen gleichzeitig genügen könnte. Aber ein noch wett schlimmerer Schaden würde entst.heu, wenn die Diener am Wort jemals die Fühlung mit der theologischen Wissenschaft und ihren Problemen verlieren sollten. Daher gereicht mir eine Begrüßung von Männern, die, im geistlichen Amt stehend, Fühlung mit ihr suchen, zu großer innerer Befriedigung, denn ich sehe darin eine gute Vorbedeutung für die weitere Entwicklung unserer Kirche, auf der alle Zeit Gottes Segen ruhen möge. Ich bitte Sie, alle Mitglieder der Konferenz von meinem Danke in Kenntnis zu setzen. Schließlich erwähnen wir noch, daß Rektor Dr. Greiner- Schotten eine Plaquette mit dem wohlgelungenen Relief des Jubilars übersandte, die jedenfalls vervielfältigt und den Teilnehmern an der Feier zugänglich gemacht wird. Die Synode des Dekanats Gießen. -r. Gießen, den 25. Oktober 1900. Gestern tagte hier in der Johanneskirche unter dem Vorsitz des Dekanatsstellvertreters, Pfarrer Schlosser- Gießen, die von 44 geistlichen und weltlichen Mitgliedern besuchte Synode des Dekanates Gießen. Sie wurde um 9 Uhr durch einen Gottesdienst eingeleitet, in dem Pfarrer Gußmann-Kirchberg über 1. Petri 5, 1—4 predigte. Er sprach im Anschluß an die Mahnung des Textes „Weidet die Herde Christi, so euch befohlen ist," von der in unserer Zeit des Materialismus und des Gewohnheitschristentums besonders schwierigen Ausgabe des geistlichen Amtes und von den Gefahren, die dem Geistlichen aus seiner persönlichen Stellung im Kreise der Gemeinde für sein Wirken sich ergeben können. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung mit Gebet eröffnet hatte, verlas er ein Schreiben des seitherigen Dekans, Pfarrer Wahl-Hausen, das dessen Dank an die Geistlichen aussprach für das während seiner 12jährigen Amtsthätigkeit als Dekan ihm bewiesene Vertrauen und die Bitte um ihre fernere Liebe und um Gottes weiteren Segen für unsere evangelische Kirche und insbesondere für die Arbeit in den Gemeinden unseres Dekanates. Die Synode beschließt, durch ihren Vorsitzenden Herrn Dekan Wahl für seine treuen Dienste ihres Dankes versichern zu lassen, und giebt der Hoffnung Ausdruck, er möge durch Gottes Gnade in seiner Gesundheit wieder gekräftigt und dem Dienste der Kirche noch lauge erhalten werden. Zu Schriftführern wurden erwählt: Bürgermeister Krämer-Steinbach und Pfarrvikar Schmidt-Trais, zu Nrkundspersonen für die vorzuuehmenden Wahlen: Bürgermeister Heß-Watzenborn und Pfarrvikar Römheld- Pohl-Göns. Nach Verlesung zweier Schreiben des Großherzoglichen Oberkonfistoriums, betreffend die Genehmigung der Satzungen und der Dienstanweisung der Dekanatskrankenpflege und den Bescheid der Kirchenbehörde auf die letzten Synodalverhandlungen, erstattet daun der Vorsitzende Bericht über das kirchliche Leben des Dekanates im vergangenen Jahre. Besondere Ereignisse, die daS allgemeine Bild der kirchlichen Lage verändert hätten, seien nicht zu verzeichnen, und wenn die statistischen Angaben hier und da Vergebungen auf- weisen, so lassen sie doch weniger auf einen Stillstand, als auf eine Hebung und Besserung der kirchlichen Verhältnisse schließen. Das Institut der Dekanats-Krankenpflege zeigt einen gedeihlichen Fortgang. Als Synodalvertreter für innere Mission macht der Vorsitzende der Versammlung von der kürzlich erfolgten Einweihung der trefflich eingerichteten Epileptischen-Anstalt für jugendliche Kranke in Nieder- Ramftadt Mitteilung, sowie von dem schönen Gedeihen ber neuen landwirtschaftlichen Anstalt für verwahrloste „ k r^lLrr^ ?n(*ben auf der Aumühle bei Darmstadt und empfiehlt beide ihrer eifrigsten Fürsorge. otefen Berichterstattungen wurde zu der durch die Amtsniederlegung des seitherigen Dekans erforderlich gewordenen N-nwahl geschritten. Zunächst gab der 83ot= fitzende folgende Erklärung: eines Dekans, event. öewber 1889 S 2 pos I entspricht, und verSre mich da^eg^, als irfienbael^e Erwartung betreffs der Wahl mcMerseitS i?5tte ausdrücken wollen. Ich habe in Beziehung auf diese Wahl weder eine Erwartung, noch einen Wunsch gehegt. Di« Lerren vom Dekanatsauöschuß wissen, daß ich von Anfang an keine Neigung Satte, eine Wahl anzunehmen, und daß ich mich nur durch das Zureden vor, einer Seite, auf deren Urteil ich großes Gewicht leae. haar bewegen lassen, den Dingen einmal ihren Laus zu lassen. N«ch- dem dann, wie mir mitgeteilt wurde, unter dm Geistlichen der Wunsch auffam, lieber einen Landgeistlichen zum Dekan zu haben als einen aus der Stadt, habe ich alsbald, um eine Spaltung im S)efanat Zu vermeiden, in einem Briefe an H.rrn Dekan Wahl, von dem ich ihn bat Gebrauch zu machen, erklärt, daß ich eine Wahl ni(5t annehme, und bitte auch jetzt diejenigen Herren, die geneigt Ü A iu. stimmen, davon absehen zu wollen. m hJa qt t k1» 3tinÄen Mosel-Cognac ^-AjathemÄ Esssnzcn. pr. FL Mk. i.so, 2.40, 8, 4, 5. 6774] Ludwigsplatz 4, III, 2 gut möbl., ineinandergebende Zimmer zu verm. 6465] Liebigstratze 52 ist ein Pferdestall für 5—6 Pferde mit darüber befindlichem großen Boden, per 1. 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