w. <73 Zweites Blatt. Freita« dm 27. Juli 1900 Gießener Anzeiger Henerat-Anzeiger Ugfiul Ljrraotzmt veS KrviLtzA. Ihr 0«fc vierreljätirl. Mk. 2.« monatlich 75 nut Äringerlohnz durch die ÄbholtstkLn» vierteljährl. Mk. 1,94 monathd) 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld. Alle Anzeigen.BermittUmgSstellen deS In« und Aurlaate- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegr». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg. ieeee>ee »h Anzeigen zu der nnchmUtagS für free • %f6gtti>aB Lag «scheinender. Nummer btl norm. 10 Ute. ALteKeLungen spälestenS ateeM vorher. Amts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren. Addition und Druckerei: Fch»tßr«tze Ar. 7. Graüsbeilages: Gießener Familienblätter, Der hesfische Landwirt, Mütter für hehische Uslkstmn-e. «dreffe für Depeschen: Anzeiger gUftou Fernsprecher Nr. 51. Die Wirren in China. Nach einer dem Reuter'schen Bureau aus Tientsin vom 20. dS. zugegangenen Meldung berichtet ein aus Peking dort eingetrofsener Läufer, die Europäer hätten sich am 10. ds. noch in Sicherheit befunden; es hätten beträchtliche Kämpfe zwischen Boxern und chinesischen Soldaten im Innern der Stadt statigefunden. Demselben Bureau wird vom 22. aus Taku gemeldet: General Li, Kommandant der in der Nähe von Taku gelegenen Peitang-FortS benachrichtigte den britischen besehlshabenden Offizier bei Tonku, ein Läufer, der Peking am 14. Juli verließ, berichte, daß die Stadt sich im Zustande vollständiger Anarchie befunden habe, die Truppen hätten mit den Boxern gekämpft und letztere hätten die Oberhand im Kampfe gewonnen. Die Maximmunition der Gesandtscha tswachen sei erschöpt gewesen, die Europäer wären sparsam mit Gewehrmunition umgegangen. Die sremdenfeindlichen Chinesen hätten eine Anzahl Geschütze auf die die Gesandtschaft beherrschenden Wälle gebracht; die Wachen hätten jedoch einen Ausfall gemacht und die Geschütze zum Schweigen gebracht. Li fügte hinzu, er möchte es gern vermeiden, gegen die Verbündeten zu kämpfen. — Der belgische Minister des Auswärtigen Amtes erhielt vom belgischen Konsul in Shanghai ein Telegramm, in dem milgeteilt wird, daß er von Li-Hung-Tschang erfahren habe, daß sich die Gesandten thatsächlich auf dem Wege nach Tientsin befinden. Ein Telegramm aus Shanghai, berichtet, Li-Hung- Tschaug sei amtlich benachrichtigt worden, daß er Shanghai nichts v er lassen dürfe. „Daily Mail" berichtet aus Shanghai, daß alle Frauen und Kinder das Zeughaus von Fu-Tschou verlassen haben. — „Daily News" meldet aus Fu-Tschou, daß die Mauern der Stadt mit Proklamationen der Boxer bedeckt find. AuS London wird telegraphiert: Eine Nachricht aus Tschifu vom 24. ds. Mts. besagt, daß Admiral Seymour mit einem Torpedozerstörer den Jangtse hinaufgeht, um die Uferports zu decken. Rußland und die Mandschurei. Nach den neuesten amtlichen Meldungen gelang es den russischen Truppen unter dem Befehl zweier Generale von Nikolskoje über den Wunsungaifluß K h a r b i n zu befreien. Ebenso mußten die Chinesen das Bombardement von Blagowieschtschensk aufgeben und sich über den Amur zurückziehen. Die Kosaken verfolgten die Chinesen. Die Herstellung des regelmäßigen Dampfer-Verkehrs auf dem Amur steht bevor. Mit der Stadt Kharbin werden wahrscheinlich auch andere Punkte gerettet werden können. Der in Tolbuzin eingetroffenje Dampfer „Wojwoda", der von Kharbin nach Lachusa bestimmt ist, meldet, die Chinesen hätten ihn in Ssansin vom Ufer und von Dschunken aus beschossen und einen Lotsen und eine Frau verwundet. Die russischen Bewohner befinden sich bei Ssansin in der Mitte des Ssungariflusses auf einem Lastschiffe. Tie Truppen-Abteilungen unter den Generälen Alexejew und Tschitschagow am Ssungari schreiten vorwärts. Das schnelle Vorgehen der Generäle am Ssungari hat bewirkt, daß die Chinesen bereits einige Punkte der mandschurischen Bahn geräumt haben. — Das Organ für Handel und Manufaktur meldet: Die mandschp- rischen Truppen unterscheiden sich von chinesischen Truppen, die von fremden Instruktoren ausgebildet sind. Die Mandschu entbehren tüchtiger und energischer Generäle, während die Chinesen solche bei den Operationen von Tientsin und Taku hatten. — Nach telegraphischen Berichten der russischen Konsuln in der Jung ar ei hat der Gouverneur des chinesischen Bezirks Jli zwei Kosakensotnien erlaubt, zum Schutze der Konsulate nach Kuldscha und Tschugutschak zu marschieren. Viceadmiral Alexejew hat Befehl erteilt, das Auftreten des Aufständischen an der Grenze der LiaotundHalbinsel und Koreas zu beobachten. Aus Tientsin wird vom 17. d. M. gemeldet, daß Kosaken eine größere feindliche Konzentration vier Meilen nordwestlich von Haiku auskundschafteten; die Stärke des Feindes wurde auf 1 0000 angegeben. Chinesische Vorposten wurden bei Armonrh bemerkt. Als die Kosaken näher kamen, fanden sie Armonrh von Infanterie besetzt. Diese eröffnete das Feuer; ein Kosak wurde getötet, ein Japaner wurde verwundet. Aus Paris wird gemeldet: Die Lazaristen und Trappisten, die in der südlichen Mandschurei Niederlassungen besitzen, erhielten die offizielle Anzeige, daß dort hundert Missionaremassakriert wurden, offenbar von jenen Banden des Prinzen Tuan, die nach der Niederlage von Tientsin gegen Norden zogen und den flüchf- ienden Missionaren begegneten. Ein Telegramm aus Petersburg besagt, der russische Kriegsminister habe dem Zaren vorgeschlagen, 100000 Mann nach der Mandschurei zu schicken. Der Zar habe geantwortet, er wolle keine Eroberungen machen, sondern nur die Grenzen verteidigen. Rüstungen. Der Staatssekretär Graf Bülow empfing dieser Tage die Botschafter von Rußland, Amerika, Oesterreich- Ungarn, Frankreich, Italien und den englischen Geschäftsträger. Es liegt nahe, anzunehmen, daß sich der Staatssekretär bei dieser Gelegenheit mit den Herren über die chinesische Angelegenheit im allgemeinen" und im besonderen über die Antwort unterhalten habe, die vom deutschen Reiche auf die chinesische Note erteilt wurde. Zu dem heute (Donnerstag) stattfindenden Ausmarsch der erste nund zweiten Eskadron des ostasiatischen Reiter- Regiments erließen der Oberbürgermeister und der Stadt- verordneten-Vorsteher von Potsdam einen Aufruf an die dortige Bürgerschaft, in dem zur Ausschmückung der Häuser und zu zahlreichem Geleit zum Bahnhof auf- gcfordert wird. Der Ausmarsch dürfte abends zwischen 7 und 8 Uhr erfolgen. Die erst am 3. August aus Pots- dam ausrückende 3. Eskadron wird die scheidenden Kameraden zum Bahnho^ begleiten. Dienstag vormittag besichtigte Prinz Friedrich Leopold als General- Jnspcltcur der 4. Kavallerie-Inspektion auf dem Bornstedter Felde die ostasiatischen Reiter. — Der Eisenbahn- Transport des in S p a n d a u zusammengestellten Feld- lazareths für die Chinatruppen hat begonnen und soll bis heute abend beendet sein. Das Sanitäts- und Mannschaftspersonal rückte heute nachpüttag 5 Uhr ab. Die Verladung findet in Bremerhaven auf dem Transportdampfer Batavia statt. — Die in Spandau zu formierende Proviant-Kolonne mit den Feldbäckereien tritt die Fahrt erst Anfang August an. — Zu dem Abschieds- fest, das am Dienstag abend dem nach China ausrückenden Telegraphendetachement vom Telegraphen- bataillon Nr. 1 in Berlin gegeben wurde, war der Uebungshof elektrisch erleuchtet und prächtig geschmückt. Die Kapelle konzertierte bis 10 Uhr und beschloß das Fest mit Zapfenstreich und Gebet. Die Abteilung fährt heute nachmittag nach Bremerhaven ab. Der „Berliner Korrespondenz" zufolge traf das Reichspostamt im Einernehmcn mit dem Kriegsministerium und dem Reichsmarineamt eine Einrichtung, die den telegraphischen Verkehr vom ostasiatischen Expeditionskorps nach der Heimat zu mäßigen Sätzen, in gewissen Fällen sogar unentgeltlich, ermöglicht. Ein Verzeichnis von etwa 100 Nachrichten, für die während des Kriegszustandes erfahrungsmäßig ein allgemeines Bedürfnis vorliegt, werde aufgestellt; jede dieser Nachrichten hat fortlaufende Nummern. Außerdem erhielt jeder Soldat des Expeditionskorps die Nummer, worunter sein Name und eine von von ihm bestimmte Adresse in der Heimat eingetragen ist. Das Feldtelegramm eines Soldaten besteht also aus zwei Zahlen, nämlich des Telegraphennummer-Absenders und der Nummer der zu übermittelnden Nachricht. Diese Nachl- richten werden täglich gesammelt und zu einem Telegramm zusammengestellt, das täglich an das Haupttelegraphenamt Berlin übermittelt wird. Hier werden die Einzeltelegramme wieder übersetzt und dem Adressaten zugestellt. Für solche Nachirichst nach! der Heimat zahlen Offiziere 6, Unteroffiziere und Mannschaften 3 Mark, bei Nachrichten, die sich auf Verwundungen und ähnliches beziehen, will die Militär- bezw. Marineverwaltung die Kosten tragen, sofern die Notwendigkeit der Nachricht von den Vorgesetzten des Absenders anerkannt ist. Die Telegrammgebühr kann in Freimarken entrichtet werden; es empfiehlt sich deshalb, die in nächster Zeit Abgehenden mit Freimarken zu 1 und 2 Mark auszurüsten oder ihnen solche in Briefen nachzusenden. Während überall bei der Durchreise der deutschen Truppenabteilungen durch Italien Vertretungen der städtischen Verwaltungen auf den Bahnhöfen zur Begrüßung anwesend waren, hat der kürzlich gewählte Mailänder Gemeinderat, dessen Mehrheit die vereinigten Republikaner und Sozialisten bilden, diesen Höflichkeitsakt unterlassen, was der gemäßigt liberalen Presse zu heftigen Angriffen gegen den Gemeinderat Anlaß giebt. — In einer in Mailand in Angelegenheit der chinesischen Frage abgehaltenen sozialistischen Versammlung wurde auf Anttag des Rechtsanwalts Tre- veas eine Resolution angenommen, welche die Aktion Italiens in China billigt. Die deutschen Verwundeten. Der Chef des Kreuzergeschwaders teilt der „Nordd. Eg. Ztg." zufolge unter dem 21. ds. nachstehende Verwundetenliste nebst Angaben über den augenblicklichen Unterbringungsort der Verwundeten mit: Besatzung S. M. S. Hertha: Schwer verwundet und an Bord des Dampfers Köln: Matrosen Obermann und Gutschmidt; leicht verwundet und an Bord desselben Schiffes: Obermaat Welle, Matrose Gansow. Leicht verwundet und an Mord S. M. S. Hertha: Kapitän z. S. v. Usedom, dieser geheilt, Obermatrosen Schings und Henning, Matrosen Jeka, Klarenaar, Hueet, Steppon, Göpel. Leicht verwundet, meist geheilt und in Tientsin: Leutnant v. Wolf, Oberbootsmannsmaat Fechner, Bootsmannsmaate Naunheim und Raßler, Obermatrosen Petersen und Jepp, Matrosen Henessen, Spelter und Bach, Heizer Fattiger. Besatzung S. M. S. Hansa: Schwer verwundet und in Yokohama: Kapitänleutnant Schlieper. Schwer verwundet und an Bord des Dampfers Köln: Leutnant Pfeiffer, Oberfani- tätsmaat Buermann, Feuerwerksmaat Hellwig, Matrosen Tusch und Averhof. Leicht verwundet und an Bord des Dampfers Köln: Matrose Düsterbeck. Leicht verwundet und an Bord des Dampfers Köln: Matrose Düsterbeck. Leicht verwundet und an Bord S. M. S. Hansa: Matrosen Lohmüller und Lehmann. Leicht verwundet, meist geheilt und in Tientsin: Oberleutnant v. Zerssen, Matrosen Höxer, Biemann, Kaiser, Giese, Madlener, Scheibe, Klug, Wäsack, Daniels ttnd Bröning, Oberheizer Andersen, Torpedoheizer Gürtler, Heizer Dambacher. Besatzung S. M. S. Kaiserin A u g u st a : Schwer verwundet und an Bord des Dampfers Köln: Matrosen Fröhlich und Röhl. Schwer verwundet und an Bord S. M. S. Gefion: Bootsmannsmaat Eckardt. Leicht verwundet und an Bord S. M. S. Gefion: Obermatrose Breiser. Leicht verwundet und an Bord S. M. S. Kaiserin Au g u st a: Torpedomatrose Bochen, Matrose Pfeiffer. Leicht verwundet, meist geheilt und in Tientsin: Obermatrosen Gelinski, Kleemann, Weise und Hofleit, Torpedömatrose Doge, Matrosen Herrmanns, Durst, Aluskewitz und Duhnke. Besatzung S. M. S. Gefion: Schwer verwundet und in Yokohama: Oberleutnant v. Krohn, Obermatrose Zimmermann, Matrose Jansen. Schwer verwundet und auf S. M. S. G e f i o n : Oberleutnant Lustig, Heizer Otto. Schwer verwundet und in Tientsin: Matrose Hamm. Leicht verwundet, meist geheilt und in Tientsin: Bootsmannsmaat Raap, Obermatrose Koburg, Matrosen Minnow, Wachsmund und Bonck. Besatzung S. M. S. Iltis: Schwer verwundet und in Yokohama: Korvettenkapitän Lans, schwer verwundet und in Tsingtau: Obermatrose Sprinter, Mattose Schoppengerd — der letztere vielleicht schon auf dem heimgehenden Postdampfer Stuttgart —, Berichterstatter Harrings; leicht verwundet auf S. M. S. Iltis : Obermatrose Homann, Matrose Rents; leicht verwundet auf.S. M. S. Hertha: Matrose Schweizer; vom dritten Seebataillon, alle in Tsingtau, schwer verwundet: Gefreiter Schmedehausen, Seesoldaten Kupfer, Jost, Richter II.; leicht verwundet, meist geheilt: Feldwebel Klein, Unteroffizier Schulze, Gefreite Zander, Scherer und Meinecke, Seesoldaten Beitz, Stephan, Holz, Oexler, Trapproth, Gehrke, Müller VII., Cords, Kappler, Rott II., Straßer, Müller II., Wacker, Pfisterer, Bellstedt, Heißmann, Dietrich, Matern, Schreiber und Brand. Die an Bord des Dampfers Köln sowie die in Tientsin befindlichen Verwundeten sollen mit diesem Dampfer nach Yokohama gesandt werden. Der gefallene Matrose von S. M. S. Kaiserin Augusta heißt Offer- mann. Französische Vorkehrungen. Wie Pariser Blätter berichten, besteht die französische Gesamt-Expedition für China aus 17,500 Mann, und der Marineminister Lanessan hat als früherer Arzt und Professor der Medizin nun auch die Absendung von SanitätS- einrichtungen verfügt. Jede der drei Brigaden erhält eine Sanitätsabteilung, das ganze Korps drei Feldspitäler, außerdem wird ein Truppentransportschifi „2a Nive" als Hospitalschiff, ein anderer Dampfer als Evacuationsschiff eingerichtet. Die Feldspitäler haben wie die deutschen 200 Betten, sodaß für 600 Kranke Betten vorhanden sind. Neben der Tropenausrüftung erhält jeder Mann ein Moskitonetz und eine wasserdichte Kautschukdecke, sowie für den Winter neben wollenem Unterzeug, wollenen Handschuhen, wollenen Wadenbinden noch einen mit Schafspelz gefütterten Anzug. Jede Korporalschaft erhält einen Filtrir- apparat mit hypermangansaurem Kali und für Erfrischung der Leute eine Bade-Einrichtung aus wasserdichtem Stoff. * Telegramme des Gießener Anzeigers. Berlin, 26. Juli. In Gegenwart des General-Inspekteurs der Fuß-Artillerie, Generals der Artillerie Edler von der Planitz, sand aus dem Schießplätze bei Jüterbok ein Scharfschießen der ersten schweren ostasiatischen Haubitzen-Fuß-Batterie statt. Nach der Hebung hielt der General-Inspekteur eine Ansprache an die Mannschaften, in der er hervorhob, daß es eine Ehre für sie sei, das Wort des Kaisers wahr zu machen und den schnöden Völkerrechtsbruch im fernen Osten zu rächen. Am 27. ds. wird die Batterie in Wilhelmshaven eingeschifft. Berlin, 26. Juli. Die Besichtigung der Kieler Freiwilligen durch den Brigade-Kommandeur General- Major von Groß fand gestern aus dem Döberitzer Truppen-UebungSplatz statt. Unmittelbar hieran reihte sich die Verladung der Sachen und Gepäckstücke für den sofortigen Gebrauch. Heute Nachmittag 4y2 Uhr erfolgt die Abfahrt nach Bremerhaven. London, 26. Juli. Nach einem Telegramm wird aus Tientsin gemeldet: Die Russen beabsichtigen die ganze Eisenbahnlinie von Taku bis Peking unter ihre Kontrolle zu nehmen und zwar bis zur Einstellung der Feindseligkeiten. Die Engländer find entschieden dagegen und haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, zusammen mit den Amerikanern die Kontrolle der Eisenbahn fich selbst zu fichern. Die Franzosen bemühen sich im Einvernehmen mit den Russen die ganze Fluß-Schifffahrt an sich zu bringen. Die Engländer, an ihrer Spitze Admiral Seymour, sehen ihre Interessen ernstlich bedroht. London, 26. Juli. Ein Telegramm des amerikanischen Konsuls in Shanghai berichtet, Li-Hung-Tschang wird die Unterhandlungen zwischen den Großmächten und der chinesischen Regierung in Shanghai führen. Der amerikanische Konsul ist der Ansicht, daß Li-Hung-Tschang, eingeschüchtert durch die Haltung der Großmächte, von einer Weiterreise nach Peking absieht. Petersburg, 26. Juli. Im Finanzministerium ist die Nachricht eingetroffen, daß die mandschurische Bahn fast vollständig von den Chinesen zerstört wurde. Die Stations-Gebäude sind niedergebrannt, die Schienen sortgerissen und das Material vernichtet. Ingenieure und Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig retten. Zwei Batterieen Garde-Artillerie mit Geschützen der aller neuesten Konstruktion, ferner drei Schützen-Bataillone, im Ganzen 3000 Mann, gehen demnächst nach dem Osten ab. Washington, 26. Juli. Admiral Kempfs hat nunmehr seinen Bericht über die Beschießung der Taku-Forts eingesandt. Er erklärt darin, daß wenn die Chinesen nicht zuerst angegriffen hätten, die Amerikaner an der Beschießung Licht teilgenommen hätten. Der Staatssekretär der Marine hat das Vorgehen des Admirals völlig gebilligt. Der Krieg in Südafrika. Zur Lage in Transvaal wird aus London telegraphiert: Einem gestern abend in Kapstadt ausgegebenen Telegramm zufolge, berichtet Lord Roberts, daß die Telegraphen- und Eisenbahnverbindung zwischen Kroonstad und Pretoria wiederhergestellt sei. — General Baden-Powell meldet vom Majaatopaß: Die Leutnants Airey und Lushington warfen mit 450 Mann am Samstag 1000 Buren aus einer festen Stellung, und brachten ihnen bedeutende Verluste bei. Die Buren ziehen sich gegenwärtig östlich von Pretoria zurück. — Dewe ts Korps, das bei Vredefort Stellung genommen hatte, zog sich am Samstag in nordöstlicher Richtung zurück. — Daily News melden vom 24. d. M. aus Lourenzo Marquez: „Der Kommandant der Buren in Komatipoort, Lombard, wurde an der Grenze des Swazilandes von einer englischen Patrouille getötet. — Die „Times" berichtet vom 22. dS. aus Waterval: General Clery marschierte heute gegen Wat erv al [bei Greylingsstadj. Auf dem linken englischen Flügel kam eS zu einem Geplänkel mit einer beträchtlichen Anzahl Buren. — Lord Roberts meldet in einer Depesche vom 24. Juli: In der Nähe von Boodeval wurde vom Feind ein Vorratszug erobert, in dem sich zwei Offiziere und 200 Mann der Walliser Füsiliere befanden. Die meisten von ihnen wurden gefangen genommen. — DaS Reuter'sche Bureau meldet aus Bronkhorstspruit (66 Kilometer östlich von Pretoria) vom 24. ds.: Als die Buren erfuhren, daß die britischen Truppen vorrücken, räumten sie alle ihre Stellungen. ES wird berichtet, daß sie in nordöstlicher Richtung marschieren, und zwar nach Ly den bürg, wohin sich auch Präsident Krüger bezieht. Ein Teil der Buren bleibt nördlich von Bushveldt, von wo auS sie versuchen wollen, die britischen Verbindungslinien abzuschneiden. Die Brücken sind völlig zerstört, auch zwei kleinere Brücken zwei Meilen westlich. ES wird für unwahrscheinlich gehalten, daß dem Vormarsch der britischen Truppen nach Middelburg Hindernisse in den Weg gestellt werden. Ein allgemeiner Vorstoß in östlicher Richtung ist im Gange. General French steht mit zwei Brigaden südlich, Pole Carew im Centrum, General Hamilton und Oberst Mahon nördlich. Die gesamte Kolonne ist hier, fast ohne auf Widerstand zu treffen, angekommen. Im Unterhause zu London besprach bei der Beratung des Kolonialetats Sidney Burton die in dem letzten Blaubuch über Südafrika behandelten Fragen. Wilfried Lawson beantragt einen Abstrich am Etat als Protest gegen die Politik Chamberlains in Südafrika. Der Antrag wird von Robert Reid mit dem Bemerken unterstützt, daß die Politik der Regierung die jetzige unerquickliche Lage in Südafrika verschuldete. Chamberlain bekämpft den Antrag Law- sons. Er führt aus, die Streitfrage sei durch den Antrag so gestellt, daß die ganze Politik bezüglich des Krieges verkehrt und daher die Einverleibung der beiden Republiken ein Unrecht sei. Heber diese Streitfrage rufen wir mit Freuden da« Urteil des Hauses an. Die Regierung glaube, daß der Krieg ebenso unvermeidlich war, als er gerecht ist. Die Politik der Regierung sei nicht auf Rache gerichtet, was sie wolle, seien Vorbeugungsmaßregeln. Sie wolle, daß der Aufruhr nicht als eine so leichte und vorteilhafte Sache erscheine, daß auch für die Zukunft Versuchungen zu solchen vorhanden sein würden. Sinnlos würde sein, den Aufständischen die Gewehre wegzunehmen, das Stimmrecht ihnen aber sofort wiederzugeben. Was die Frage der Verhältnisse der Rassen zu einander in Südafrika angehe, so gründeten sich die vorhandenen Spaltungen auf eine falsche Auffassung. Er glaube, die Buren werden sich in einen Zustand einleben, wobei sie über nichts zu klagen haben werden; denn die Regierung wünsche, ihnen sobald als möglich die S e l b st - regierung zu geben, ähnlich derjenigen, deren andere britische Kolonien sich erfreuen. Was die künftige Regierungs- wetse anlange, erklärte er bereits früher, daß die Republiken ein verleibt werden sollen und ihnen keine politische Unabhängigkeit gelaffen werden soll. — Der Antrag Lawson wurde schließlich mit 208 gegen 52 Stimmen abgelehnt. Telegramm deS Gietzeuer Anzeigers. Paris, 26. Juli. Das „Journal" meldet: General Brugöre, Gouverneur von Paris, hat seine Demission eingereicht. Er soll durch den General Faure-Biguet ersetzt werden. — Präsident Loubet empfing gestern in Privat-Audienz die von Dr. Leyds vorgestellten Buren- delegieri en. Politische Tagesschau. Die serbische Miuisterkrifis ist überwunden. Es ist dem bisherigen Präsidenten des AppellhoseS in verhältniß- mäßig kurzer Zeit gelungen, ein Ministerium zusammenzustellen, und Serbien hat wieder eine geordnete Regierung. Die Wichtigkeit dieser Thatsache in einem Augenblick, wo einflußreiche Persönlichkeiten der politischen Welt und der eigene Vater sich in demonstrativer Weise vom Könige trennten, liegt aus der Hand. DaS neue Kabinet ist folgendermaßen zusammengesetzt: Alexa Jovanowitsch, bisher Präsident des Appellhofes, Präsidium und Aeußeres, Lassar Popowitsch, bisher Richter beim Kassationshof, Inneres, NastaS Antonowitsch, bisher Sektionschef im Ministerium des Innern, Justiz, Dr. Mita Popowitsch, gewesener Sektionschef im Handelsministerium, Finanzen, Oberstleutnant Milos Wa fit sch, Adjutant des Königs Alexander, Krieg, der Oberst deS Geniekorps Andreas Jowanowitsch Bauten, Dusar Spasitsch, bisher Sektionschef im Handelsministerium, Handel, Rechts anwalt Paul Manikowitsch Kultus und Unterricht. Ein Ukas gewährt eine allgemeine Amnestie für P o litische Verbrech en. Nur die am Attentat gegen Milan direkt beteiligt Gewesenen sind von der Amnestie ausgeschlossen. Ein Blick auf die Ministerliste zeigt, daß Jowanowitsch an der Spitze eines Beamtenministeriums steht. Alexa Jovanowitsch wird als ausgezeichneter Richter an gesehen und gilt als gemäßigt fortschrittlich. Der Minister des Innern, Lassar Popowitsch, ist liberal und ebenfalls ein tüchtiger Jurist. Der Finanzminister, Mita Popowitsch, hat in Heidelberg studiert; er ist gemäßigter Radikaler und genießt den Rus eines tüchtigen finanziellen und Volks wirtschaftlichen Fachmannes. Die allgemeine Amnestie für politische Verbrechen, die der König zur Feier seiner Verlobung dem Volke bescheert, wird vielleicht dazu beitragen, die Mißstimmung zu beseitigen. Indem der König die am Attentat gegen Milan direkt beteiligt gewesenen Personen von der Amnestie ausnimmt, zeigt er, daß er trotz der Lossagung des Exkönigs von seinem Sohne alle schuldigen Rücksichten auf den Vater zu nehmen gewillt ist. Der „Pester Lloyd" meldet aus Belgrad: Die Ernennung JowanowitschS bürgt dafür, daß die äußere Politik Serbiens im bisherigen Gleise und den Absichten des Königs gemäß geleitet werden wird. Vielfach weist man daraus hin, daß durch die Niederlegung des Armeekommandos seitens Milans, das Hindernis zu einer besseren Ausgestaltung der Beziehungen zu Rußland, be seitigt ist, wodurch jedoch das bisherige Freundschaftsverhältnis zu Oesterreich - Ungarn keinerlei Einbuße erleiden darf. Am Mittwoch wurden sämtliche Offiziere der Belgrader Garnison in den Konak besohlen wo der König ihnen erst den Fahneneid verlas und dann erklärte, die Offiziere müßten den Willen des Königs bedingungslos annehmen. Was Milan sage, sei nebensächlich, da er kein Recht habe, sich in die Ehefrage einzumengen. In Offizierskreisen herrscht eine sehr gedrückte Stimmung, weil die Mehrzahl, besonders die Generalität, Anhänger Milans sind. Der Metropolit verbot der Geistlichkeit, die Eheschließung zu segnen. Der König will aber schon nächster Tage heiraten. Serbische Blätter dürfen die Ehefrage nicht behandeln. Ausländischen, nicht direkt vom serbischen Preßbureau unterrichteten Blättern werden bei der Ankunft in Serbien alle aus die Verlobung sich beziehenden Nachrichten schwarz überdruckt. Der Vertreter einer ausländischen Macht teilte dem Korrespondenten des „N. Pester Journal" in Belgrad mit, Natalie und Rußland begünstigten die Eheabsichten Alexanders, um ihren Einfluß wiederzugewinnen. Russischerseits wird aber erklärt, der Zar, der als Tauspathe nach orthodoxem Ritus der Ehe die Zustimmung geben muß, habe aus die Anfrage des Königs nicht geantwortet. In Belgrad verlautet, der König habe die Ordre erteilt, Milan nicht ins Land zu lassen. Aus zuverlässiger Quelle will der Madrider Berichterstatter der „Temps" erfahren hoben, im November werde den Cortes die Verlobung der Prinzesfin von Asturien mit dem Prinzen Karl von Bourbon, zweitem Sohne des Grafen von Caserta, mitgeteilt werden. Bestätigt sich das, dann hat die italienische Diplomatie eine empfindliche Schlappe zu verzeichnen, denn sie hat diese Verlobung auf einem Umwege zu hintertreiben gesucht, um die Infantin Maria de la Mercedes, die angesichts des jugendlichen Alters ihres Bruders, des Königs Alphons, noch durch längere Zeit als spanische Thronfolgerin gelten muß, den Grafen von Turin als Braut zuzuführen. Schwarzseher in Italien können sich der Besorgnis nicht ganz entschlagen, Prinz Karl, der Bruder des ..Erbprinzen beider Sizilien", dessen Titel "Herzog von Calabrien" schon eine Herausforderung Italiens sei, könnte sich m einem günstigen Augenblick beikommen lassen, Ansprüche auf Sizilien geltend zu machen, und be- fürchten die Entstehung eines italienischen KarliSmus. Diese Besorgnisse dürften aber haltlos sein. Selbst wenn die Prinzessin von Asturien infolge des Todes ihres jetzt vierzehnjährigen Bruders Alphons auf den spanischen Thron gelangen sollte, würde Prinz Karl nur Prinz-Gemahl, nicht König von Spanien sein, und die Zeiten sind denn doch, selbst in einem so rückständigen und verlotterten Staate wie Spanien, endgiltig vorüber, wo eine Nation den Herrschgelüsten eines dem Throne durch Heirat nahegerückten Prinzen zulieb sich unter die Waffen stellte. Mag also auch Prinz Karl von Bourbon der Glückliche sein, der die spanische Braut heimsührt, die Zugehörigkeit der beiden Sizilien zum italienischen Einheitsstaat wird dadurch nicht gefährdet werden, und es wird im 20. Jahrhundert zu keinem sizilischen Erbfolgekrieg als Seitenstöck zu dem spanischen Erbfolgekcieg des 18. JahrhnndertS kommen. Deutsches Keich. Berlin, 25. Juli. Vom Kaiser ist folgendes Telegramm aus Bergen eingetroffen: Gehen soeben um neun) Uhr nach Bremerhaven in See. An Bord ist alleH wohl. — In der heutigen Stadtverordnetenversammlung in Barmen verlas der Oberbürgermeister ein Schreiben des, Regierungspräsidenten, in dem mitgeteilt wird, einem Erlaß des Ministers des Innern zufolge habe der Kaiser infolge des gemeinschaftlichen Antrages des Oberbürgermeisters, des Bürgermeisters von Elberfeld und des Landrats des Kreises Mettmann sich bereit erklärt, anläßlich der Fertigstellung der Schwebebahn von Vohwinkel bis Barmen, der Barmer Aiuhmeshalle, des neuen Rathauses in Elberfeld und des Siegesbrunnens in Vohwinkel den Städten Elberfeld, Barmen und dem Kreise Mettmann; einen Besu ch abzustatten und für die Zeit nach der am 15. Oktober stattfindenden Enthüllung des Kaiserdenkmals in .Hildesheim in Aussicht zu stellen. — Nach der „Nordd. Allg. Ztg." reist der Staats- ftkLetär v. Bülow morgen nach Bremerhaven. Auch Fürst Hohenlohe wird morgen zum Vortrage beim Kaiser nach Bremerhaven reifen. Wie die „Post" erfährt, hatte Staatssekretär Graf Bülow in den letzten Tagen viele Unterredungen mit den hiesigen Vertretern der Großmächte. — Nach den „Berl. Neiuest. Nachr." hatte Graf Bülow eine längere Unterredung mit dem Chef des Generalstabes, Grafen v. Schlief ken, sowie dem Kommandeur der ostasiatischen Brigade, Generalleutnant v. L e s s e l. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Generalleutnants Freiherrn v. Gemmingen zum Präsidenten des am 1. Oktober neu zu errichtenden Reichs-Militär-Gerichts. — Der „Reichsanzeiger" publiziert eine Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 23. 'ds. betreffend die 5) a n d e l s b e z i e h u n g e n zum britischen Reiche. Darnach sollen die bisherigen Meistbegünstigungen über den 30. Juli hinaus bis auf weiteres in Kraft bleiben. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht endlich die Ernennung des Geheimen Oberregierungsrats Dr. Neuhaus zum Ministerial-Direk- t o r im preußischen Handelsministerium. Demselben ist die Gewerbe-Abteilung übertragen worden. — Das Vorgehen der Behörden gegen die Redner in der letzten antisemitischen Volksversammlung wurde in der gestern abgehaltenen öffentlichen Versammlung des deutsch-sozialen Wahlvereins von allen Seiten aufs schärfste verurteilt. Graf Pückler erklärte, daH er fich nicht ein schüchtern lassen werde. Gegen die von dem Grasen Pückler eingebrachte Ergebenheitsdepesche an benj Kaiser erhob, der „Volksztg." zufolge, Schriftsteller Böckler Einspruch. Er beantragte, das Telegramm nicht abzusenden, da auf die früheren Depeschen an den Kaiser noch nie eine Antwort eingelaufen sei. Augenscheinlich erhalte der Kaiser diese Telegramme nicht. Die Absendung wurde jedoch mit großer Mehrheit beschlossen, nachdem Gras Pückler die Versicherung abgegeben, der Kaiser nehme von jedem Telegramm Kenntnis; der Redner berief sich dabei auf seinen älteren Bruder, den Hofmarschall Grafen Pückler. — Das „Armee-Berordn. Bl." bringt ausführliche Vorschriften über die Uniformirnng der Beamten des Reichsmilitärgerichts, das am 1. Oktober d. I. zusammentritt, sowie über die Uniformierung der preußischen Militärgerichtsbeamten. Ohne auf die Einzelheiten dieser Bestimmungen einzugehen, heben wir nur folgendes hervor: Sowohl die Reichs- wie die preußischen Militärjustizbeamten tragen einen Waffen- r oek von dunkelblauem Tuch mit hellblauem Sammetkragen, ebensolchen Ausschlägen und poneeauroten Vorstößen. Die Reichsbeamten haben Epauletteshalter und Achselstücke mit schwarzen und roten Seidenfäden (also in den Reichsfarben) durchzogen, die preußischen dagegen solche mit blauen Seidenfäden. Die Beinkleider sind die für Offiziere üblichen langen Tuchhosen, bei den preußischen Beamten mit poneeauroten (Generals-) Streifen. Die Präsidenten und Räte des Reichsmilitärgerichts tragen auch den Generalshelm, aber mit schwarz- weiß-rotem Federbusch und versilbertem Reichsadler, auf der dunkelblauen Mütze mit hellblauen Sammetstreifen die deutsche Kokarde und darüber einen kleinen silbernen Reichsadler: die preußischen Oberkriegsgerichtsräte und Kriegsgerichtsräte tragen an dem Helm mit silbernem Beschlag rechts die deutsche, links die Landeskokarde und ebenso an der Mütze zwei Kokarden übereinander, dazwischen einen kleinen heraldischen Adler ans Silber. Die M i l i t ä r g e r i ch t s s chr ei b e r erhalten ant Waffenrock und Kragen Aufschläge von helMauem Tuch und ebensolche Besatzstreifen an der Dienstmütze. — lieber die Erfolglosigkeit der Germanisier n n g s p o l i t i k in den östlichen Grenzprovinzen trotz der beiden Hundertmillionenfonds klagt die „Post". Sie führt als Beispiel ein polnisches Dorf an, in dem vor zwei Generationen etwa 1200 Deutsche angesiedelt worden sind, die ans dem Grund und Boden eine lukrative Ackerwirt- schnfs machten. Nach zwei Generationen waren durch Ver- beira taugen mit Polen viele Deutsche in Polen verwandelt. Früher gab es in t>em Dorfe 1150 Deutsche und 350 Polen, heute sind es, ohne daß ein starker Bruchteil des deutschen Elementes auswanderte, 800 Deutsche und 800 Polen. Koburg, 25. Juli. Fürst ^erbinanb öon garten Lst heute hier eingetroffen. Ausland. Kopenhagen, 25. Juli. Fünfzig westindische Plan- tagenbefitzer sandten der Regierung eine Adresse, worin sie erklärten, das einzige Mittel, dem ökonomischen Ruin zu entgehen, sei, die Inseln Amerika einzuverleiben. Brüssel, 25. Juli. In dem Prozeß betreffend die angebliche Bestechung von Mitgliedern der Transvaal-Regierung wurde heute daS Urteil gefällt. Die beiden Brüder Baron Eugen und Robert von Oppenheim wurden zu je einem Jahre Gefängnis und 2000 Franks Geldstrafe, Henri Warnant zu 6 Monaten Gefängnis und 1000 Franks Geldstrafe verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Paris, 25. Juli. Der Handelsminister Millerand eröffnete heute den internationalen Arbeiterkongreß. Zahlreiche Delegierte aus allen Ländern sind zu dem Kongresse erschienen, darunter befinden sich u. a. der frühere preußische Minister v. Berlepsch und die deutschen ZentrumSabgg. Dr. Lieber und Hitze. Die vier Punkte des Programms sind: Einschränkung der Arbeitszeit, Abschaffung der Nachtarbeit, Elnrichlung einer Arbeitsaufsicht und internationale Verständigung für den Arbeiterschutz. Prag, 25. Juli. Infolge eines falschen Gerüchtes, daß der Kaufmann Pick das Kind eines Feldarbeiters ermordet hätte, fanden in Altbanatek antisemitische Unruhen statt. Der Pöbel versuchte die Demolierung des Pick'schen Hauses, und erst nachdem die Gensdarmerie eingeschritten und daS Kind wiedergesunden worden war, konnte die Ruhe wiederhergeftellt werden. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 26. Juli 1900. * * Dieustnachrichteu. Am 27. Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Schmuck aus Ober-Hilbersheim, Kr. Oppenheim, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stechenhausen, Kr. Schotten, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten August Heß aus Friedberg eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Offenbach, am 30. Juni wurde dem Schullehrer Georg Simon zu Echzell, Kr. Büdingen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eberstadt, Kr. Darmstadt übertragen; an demselben Tage wurde der von dem Fürsten- zu Stolberg-Wernigerode-Gedern auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Volkartshain, Kr. Scholten, präsentierte Schulamtsaspirant Karl Hofmann aus Gießen für diese Stelle bestätigt; am 4. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Koch aus Stockheim, Kr. Büdingen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach übertragen. Am 10. Juli wurde dem Pfarrer Dr. Heinrich Joseph Brentano, Pfarrkurat in Alsfeld, die katholische Pfarrei Hirschhorn, im Dekanat Heppenheim, mit Wirkung vom 17. Juli übertragen. • * Das Euteignungsverfahreu wegen des Rüssin g'schen und Schlessinger'schenGrundstückes an der „Margarethen Hütte" ist seitens der Eisenbahn eingestellt, und Herr Schlessinger hat sich mit der Eisenbahn wegen Abtretung von zirka 3600 Quadratmetern geeinigt. Die Eisenbahn- Verwaltung bezahlt dafür 66,000 Mk. ♦ * Die Konzerte des Krufequartetts in Heuchelheim, deren nächstes morgen abend gegeben wird, nehmen künftighin erst kurz nach 8 Uhr ihren Anfang, damit der Zug 8 Uhr 10 Min. ab Gießen zur Hinfahrt noch benutzt werden kann. * * Das Oberkoufistorium hat das nachstehende AuS- fchreiben an die evangelischen Pfarrämter des Landes erlassen: Veranlaßt durch die Kriegsunruhen in China und die Beteiligung deutscher Truppen an denselben weisen wir Sie mit Genehmigung Seiner König!. Hoheit des Großherzogs hierdurch an, in dem allgemeinen Kirchengebet vom nächsten Sonntag an unmittelbar nach den Worten: „Schirme und stärke die gesamte deutsche Kriegsmacht zu Wasser und zu Lande" folgende Fürbitte einzuschalten: „Insbesondere diejenigen, welche zum Schutze unserer Mitchristen und Landsleute im fernen Osten ihr Leben zu opfern bereit sind. Bewahre sie unterwegs; gieb ihnen zum Kampfe 3Jhit, Gehorsam, Zucht und Glauben und kröne chre Thaten mit Sieg." - a. Freiensteinau, 25. Juli. Zwei Brüder aus Reinhards, im mittleren Mannesalter stehend, waren im Felde mit Brechen von Kirschen beschäftigt, als sich plötzlich ein Gewitter entlud und auch Regen eintrat. Beide stellten sich unter einen Kirschbaum, in den gleich darauf der Blih einschlug. Der eine wurde getötet, während der andere gänzlich unverletzt blieb. Mainz, 25. Juli. Ein junger Ausländer der heute vormittag in der Nähe der Festungswerke Zeichnungen anfertigte, wurde von einer Militärpatrouille verhaftet. Ein Offizier, der die Zeichnungen besichtigte, entließ den Ver hafteten wieder, da die Zeichnungen nur landschaftliche Skizzen enthielten. — Der verstorbene Banquier Rudolf Bamberger hat der Stadt Mainz 50000 Mk. zu Wohl- thätigkeitszwecken vermacht. • * Kleine Mitteilungen aus Hesten und den Nachbarstaaten. Am letzten Sonntag hielten die Kriegervereine des Bezirks Lauterbachs-Schlitz in F r i s ch b o r n ihr Bezirksfest, verbunden mit Fahnenweihe des Vereins Frischhorn ab. Sämtliche 16 Vereine des Bezirks hatten sich eingefunden. — Die vereinigten hessischen und preußischen Staatseisenbahnen haben auch im abgelaufenen Monat Juni durch wesentliche Steigerung des Verkehrs eine weit größere Einnahme erzielt als in dem gleichen Monate des Vorjahres; die Gesamteinnahme im Monat Juni betrug rund 117 800 000 Mark gegen 104 850 000 Mark im Juni vorigen Jahres. — Der Arbeiter K. von Kirchhain, der gelegentlich des Gauturnfestes int Verlauf eines Wortwechsels in den Daumen gebissen wurde, mußte nach der Klinik in Marburg überführt werden. — In Nied e r- flein ereignete sich kürzlich ein betrübender Unglücksfall Der Händler Koch stürzte auf der Fahrt von Kirchhain nach Niederklein mit dem Rade und zog sich dabei schwere innere Verletzungen zu. — Der Ackermann Hock aus Allen dorf wurde Montag das Opfer eines Unfalles. Als die vor seinen Wagen gespannten Kühe plötzlich und zu früh anzogen, stürzte er vom Wagen und fiel dabei so unglücklich, daß er mehrere Rippenbrüche davontrug. — Ein neues Abzweigsystem für elektrische Licht- und Kraftanlagen, das eine genaue Kontrolle gegen widerrechtliche Stromentnahme vor den Elektrizitätsmessern gestattet, wurde von dem Erfinder, Herrn Henry Hirsch in Mainz, zum Patent angemeldet. — In D a r m st a d t ist, wie wir bereits mitteilten, der Generalleutnant z. D. v. P a n n - Witz im 82. Lebensjahre gestorben. Er kommandierte zuletzt die 28. Jnfanteriebrigade und wurde im Dezember 1874 als Generalleutnant zur Disposition gestellt. — In der Nähe von M o m b a ch wurde ein zwanzigjähriges Mädchen aus Neu-Isenburg von zwei Männern beraubt und vergewaltigt. Oerichlslaal. Gießen, 24. Juli. Strafkammer. Wegen schweren Diebstahls im Sinne der §§ 242, 243.2 St.G.B. hat sich der vielfach vorbestrafte Sattlergehilfe Heinrich Ranft aus Grünberg zu verantworten. Der am 0. April 1865 zu Paris geborene Angeklagte, ein arbeitsscheuer, übelbeleumundeter Mensch, wird beschuldigt, am 22. März gegen sechs Uhr morgens die Ladenkasse des Metzgermeisters S p a m e r zu Grünberg um den Betrag von etwa 40 Mark geplündert und am 30. April aus einem verschlossenen Kistchen die etwa 8 Mark betragenden Ersparnisse der Witwe Gr a velius entwendet zu haben, beidemal unter Erbrechen der Behältnisse. Der Angeklagte, gegen den ein direktem Beweis nicht zu erbringen ist, legt sich auf hartnäckigstes Leugnen und sucht in jenem Falle sein Alibi nachzuweisen, den am 30. April vollführten Diebstahl aber auf die Schultern eines andern abzuladen, der aus diesem Grunde bei seiner heutigen Vernehmung nicht vereidigt wird, Seine bezüglichen Angaben erweisen sich indes als leerst Ausflüchte. Es wird vielmehr festgestellt, daß er am fraglichen Morgen gemeinschaftlich mit seinem Freunde Otto Frank aus der Richtung des Spamerschen Hauses gekommen sei und sich nach dieser Zeit im Besitze bedeutender Geldmittel befunden habe. Außerdem kann nachgewiesen werden, daß ihn sein eigner Bruder des in Frage stehenden Diebstahls beschuldigt hat. Für den zweiten Diebstahl wird durch mehrere Zeugen nachgewiesen, daß er arrt fraglichen Nachmittag das Haus der Bestohlenen betteten und sich mindestens 10 Minuten darin aufgehalten hat. Durch weitere Beweise wurde zur Evidenz festgestellt, daß nur der Angeklagte die beiden Diebstähle vollführt haben kann. Der Staatsanwalt beantragt neben Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht eine Gesamtzuchthaus- starfe von 2 Jahren 6 Monaten. Der Gericykshof erkennt auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 4 Jahren, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. — Es wird demnächst in die Verhandlung gegen den 25 jährigen Steinhauer Christian Schäfer und den 16 jährigen Konr. Peil, beide von Rinderbügen, wegen Körperverletzung eingetreten. Der Anklage liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Am 29. April war eine Hochzeit in Rinderbügen. Bei dieser Gelegenheit wurde den Neuvermählten durch die Burschen ein Ständchen gebracht, welches mit einem Fäßchen Bier seitens des neuen Ehemannes honoriert zu werden pflegt. Da die Burschen dieses Ortes seit einiger Zeit in zwei Parteien getrennt sind, so waren diesmal nur die befreundeten Burschen erschienen, während die andern die gesungenen Lieder niederzuschreien versuchten. Als die kleine Sängerscharispäter beim Fäßchen'Bier in der Leoschen Wirtschaft gemütlich beisammen saß, fanden sich unter einigen Burschen der Gegenpartei auch die beiden Angeklagten ein. Es kam zu Reibereien, die zuletzt im Hofe und im Hausflur in Thätlichkeiten ausarteten, wobei der Angeklagte Schäfer den Hch Gommer III. mittels eines Messers am Kopfe lebensgefährlich verletzte und seinem zu Hilfe herbeieilenden Vater ebenfalls eine Kopfwunde beibrachte, während der Mitangeklagte den schwerverletzten Gömmer durch einen Messerstich verletzt haben soll. Der Zeuge Gömmer sen. ist für sich und seinen Sohn als Nebenkläger aufgetreten und beansprucht von dem Angeklagten Schäfer eine Buße von 477 Mark. Obgleich die Zeugenaussagen oft in direktem Widerspruch stehen, gewinnt das Gericht doch die Ueberzeugung von der Schuld des Schäfer und verurteilt ihn, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, in eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten, während es bezüglich des Mitangeklagten, für den der Staatsanwalt 3 Monate Gefängnis beantragt hatte, auf Freisprechung erkennt. Die beanspruchte Buße wird dem Nebenkläger ebenfalls zugesprochen. nn. Darmstadt, 25. Juli. Strafkammer. Ein Kantionsschwindler gemeingefährlichster Sorte, der 32jährige Paul Georg Martin aus Freiberg in Sachsen, stand heute vor den Schranken der hiesigen Ferien- strafkammer. Sein Lebenslauf ist eirttsehr bewegter. Wegen Diebereien im Eltern Hause wurde er schon mit 14 Jahren einer Besserungsanstalt Überwiesen; hier blieb er aber nicht lange. Er ging nach Leipzig auf ein Bureau, da er Schreiber werden wollte. M. giebt dann an, in Berlin bei Fritz Friedmann Sekretär gewesen zu sein. Hierauf kam er wieder nach Leipzig und wurde Tanzlehrer. Dies ernährte ihn angeblich auch nicht, und er ging als Buchhalter nach Paris. Inzwischen war er 1896 wegen schweren Diebstahls zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf seinen weiteren Irrfahrten kam er dann 1898 nach Frankfurt a. M. in das Versicherungsfach, bereiste für die „Viktoria" die Schiweiz und wurde dann in dem Schreibinstitut von Gantter Schüler und Lehrer zugleich. Er verheiratete sich inzwischen, und seine Fran soll ihm ca. 5000 Mark eingebracht haben, mit denen er nach Einrichtung der Wohnung und eines feinen Bureaus ein Kommissions- und Hypotheken-Vermittelungsgeschäft anfing. Auch bewarb er sich um Agenturen. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Offenbach a. M., richtete sich gut ein und begann nun, mit dem Umstande rechnend, daß cs eine gewisse Menschensorte giebt, die nicht alle wird, seine Schwindeleien, indem er in der Frankfurter und anderen Zeitungen Bureaubeamte, Reisende, Diener, Kassenbotenj usw. suchte unter der Angabe, daß er ein bedeutendes Geschäft und viel Jncasso zu besorgen habe. Es seien Hypothekengelder auszuzahlen, und in manchen Tagen werde ein Geldumsatz von 30- bis 40 000 Mark erzielt. Er gab ferner an, daß er auf der Dresdener Bant ein Guthaben von 60000 Mark habe, auch seine Frau besitze ein Vermögen von 30 000 Mark. Durch diese und ähnliche Vorspiegelungen gstlang es ihm, eine ganze Anzahl junge Leute, die zum Teil verheiratet sind, um ihre sauer erworbenen Sparpfennige zu bringen. So bekam er von dem Kaufmann F. E. in Offenhach 500 Mk. Diesem wollte er auch Prokura geben, wenn er noch» 1500 Mark bringe; E. war schon im Begriff, diesen Betrag zu opfern, als er noch rechtzeitig Wind bekam. Der 38jährige Kaufmann Leo W. deponierte gleichfalls 500 Mark; er war als Vertrauensmann, Kasse- und Bureaudiener mit 120 Mark monatlichem Gehalt engagiert. Auch dem Bäcker Karl Werle in Frankfurt a. M. nahm er seine in sechs Jahren erworbenen Sparkreuzer von 2000 Mark kaltblütig ab, be£ gleichfalls als Kassenbote engagiert wurde. W. wollte erst Sparkassenbücher deponieren; M. ging aber darauf nicht ein. Dem Maschinenarbeiter W. Kurtz richtete er in Frankfurt a. M. eine Filiale ein, nachdem er 1200 Mark Kaution gestellt hatte. Auch dieser bekam 120 Mark Gehalt. Auch der jetzt in einer Fabrik beschäftigte I. Langnich in Offenbach stellte als Kassenbote 500 Mark Kaution. Die Beschäftigung aller dieser Leute war ganz minimal und nur Scheinmanöver, da der Angeklagte nur ein paar unbedeutende Versicherungsgeschäfte machte, denn vorsichtige Firmen ließen sich nicht mit ihm ein. Zeitweise hatte er acht Angestellte, darunter auch weibliche. Einzelnen feiner Angestellten gab er noch> an, daß er ein eigenes wertvolles Wohnhaus, auch 14 Reisende und einen Ober-Kontrolleur habe. Großartige Briefbogen mit gedrucktem Kopf, Angabe der Sprech stunden, Telegramm-Adresse re., vervollständigten das Lügengewebe des Hochstaplers. Als es an die Zurückgabe einzelner Kautionen resp. an die zu stellenden Sicherheiten ging, brach das Kartenhaus zusammen. Der ehrlose Betrüger wurde heute für drei Jahre sechs Monate unschädlich gemacht. Er erhält ferner eine Geldstrafe von 1500 Mark; auch werden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte! auf drei Jahre aberkannt. _ ___ Universität und Hochschule. — Aus Marburg wird geschrieben: Zum Rektor der hiesigen Universität sür nächste Amtsjahr wurde der Prosesior der Geschichte, Riese, gewählt. _____ ^rbetterbeWrgrmz. Paris, 26. Juli. Der Ausstand in Creuzot ist beende^ Eine große Anzahl Arbeiter mußte Creuzot verlassen, da die Gesellschaft sich weigerte, sie wieder aufzunehmen. Wie verlautet, weigerten sich die Soldaten des 18. Infanterie-Regiments, gegen die ausständischen Kundgeber vorzugehen. Auch die Soldaten des 16. Infanterie-Regiments sollen bei ihrer Ankunft in Creuzot Zettel auf die Straße ge« worfen haben, in denen sie die Ausständischen zu unterstützen versprechen, indem sie nichts gegen sie thun würden. __ Briefkasten der Redaktion. Dr. C. Ein Donum (osmanisches Joch) umfaßt nach BrockhauS Konversationslexikon 7,52b a. Demnach ist die Rechnung des Dr. Gr. allerdings falsch. Wir haben Ihre Postkarte ihm zugeschickt. Nach Heuchelheim. Anonyme Einsendungen können, wie wir bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt haben, aus schwerwiegenden Gründen keine Aufnahme finden. Nennen Sie doch Ihren Namen, der selbstverständlich geheim gehalten werden wird. Ärmste Meldungen. Wien, 26. Juli. Das „Frerndenblatt" bespricht an leitender Stelle die Verlobung des Königs von Serbien und erklärt, daß dieser Schritt des Königs, obgleich er zu einem Konflikt mit König Milan und dem früheren Ministerium Georgiewitsch geführt habe, doch nur als eine innere serbische Angelegenheit anzuseheu fei. Das Ausland habe keinen Grund, sich einzumischen, und werde vorläufig nur die Rolle eines objektiven Beobachters spielen. — König Milan konferiert täglich längere Zeit mit dem hiesigen serbischen Gesandten und unterhält einen regen Depeschen-Wechsel mit Belgrad. Der König dürfte vorläufig als Privatmann nachSerbien zurückkehreu. Er soll erklärt haben, nichtsgegenseinSohn unternehmen zu wollen. Berlin, 26. Juli. Ter Kaiser trifft heute abend in Bremerhaven ein und gedenkt bis zum 4. August dort zu verweilen, um sämtliche nach China gehenden Truppen zu entlassen und den neugebildeten Bataillonen Fahnen zu verleihen. Paris, 26. Juli. Das Thermometer stieg gestern nachmittag 3 Uhr auf 35 einhalb Grad R. Die Zahl der Sonnenstiche und Hitz schlüge war sehr bedeutend. Die Hospitäler sind, trotzdem 1200 neue Betten aufgeschlagen wurden, ü b e r f ü l l t. L o r i e n t, 26. Juli. Auf dem Torpedoboot Nr. 252 ereignete sich eine Explosion infolge Bruchs eines Dampfrohres. Drei Maschinisten wurden schwer verwundet. Wegen vorgerückter Saison verkaufe ich die noch vorrätigen Wasch-Anzüge, Bluwen, Hosen, Leden-Joppen und Sommer-Havelock» »F zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 18, Markus Bauer. A ■■ aV (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg, AUvImSWU Hotel u. Pension „zur Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ, grat. Bes : G. Diefenbach. eidenstoffe, Sammle von Elten & Keussen und Velvets MRaa mxL mffi UMlMlVg. Gamstag -en 29. 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Es ist der Wunsch der oberhessischen Geistlichen gewesen, aus Anlaß des Jubiläums sich einmal um ihren Oberhirttn zu scharen und gelegentlich der Augustkonferenz ihm Beweise der Liebe und Verehrung zu geben. Namens der Dekane und auf Antrag des Pfarrkollegiums in Gießen ergeht nun die Einladung zur Teilnahme an der Feier an Behörden, Geistliche, Lehrer, Kirchenvorsteher und Freunde des Jubilars mit folgender Tagesordnung: 1. Die Feier beginnt 10* 1/, Uhr mit Gesang, Gebet und Schriftverlesung. 2. Begrüßungen und Beglückwünschungen. 3. Ansprache des Herrn Prälaten über die kirchlichen Ereignisse in Hessen während der letzten 25 Jahre. 4. Gemeinschaftliches Mittagessen in Steins Garten um 1 Uhr. Diejenigen Herren, welche am Mittagessen teilnehmen wollen, werden ge» beten, sich bis zum 30. Juli bei Herrn Hotelbesitzer und Restaurateur Stein anzumelden. Gießen, den 24. Juli 1900. 5133 Namens der oberhessischen Dekane und der evang. Geistlichen Gießens: C. Wahl, Großh. Dekan des Dekanats Gießen. Lindenplatz 12. (Offene Stellen 5114] Mehrere tüchtige Cigarren- nnd Wickelniachrr sowie eine tüchtige Gortiereriu finden dauernde Beschäftigung _______Georg Heinrich Schirmer. Ein tüchtiger Werkmeister wird zur Leitung einer Filiale per sofort gesucht. Derselbe muß im Anlernen von Wickel- und Cigarcenmachern sehr perfekt und auch mit der Sortiererei gut bewandert sein. Offerten mit Lebenslauf, Zeugnissen, Photographie und Gehaltsansprüchen beliebe man unter 5080 an die Expedition dieses Blattes zu richten._______________________________ 5124] Suche sofort bei dauernder Beschäftigung äiiMigk Gehilfen len- und Etsenbahnvermessungs- arbeiten. Patentierte Geometer 2. Klasse werden bevorzugt. Lindenfiruth, Großh. Geometer 1. Kl. TüchfigkuKureaugehilftu für Kostenwesen suchen 5121 Rechtsanwälte Grünewald u Römheld. Schreinergesesse gesucht. 5118 August Hofmann, Wetzfieinstraße 40. süchtiger Schreinergeseüe gesucht. ______G A. 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