kt*% E»>ichchl Keubtz im. iallaug nd r abends, *ität Schall Jüdin Leut Otto Rofputtt, Lina Bege. 6. Mweathal, Kogler. M 'M.) bi>XHtnoi Me ffr seh «ne fr Jiiteiiglieder bm; Karten für Is an der Kasse, Aoxterrirr tu !, Ahba-d dtE lenm- M, be|onbetet Ja ,» W a, Mtotoefl. art. ) BnM, ifle 5. «Ml"' 1900 Sonntag den 27. Mai Zlints- und AarZeigsblutt für den Nesis Giesisn LI ts Grfchetul täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener KamikienVtLtter »ftbrn dem Anzeiger hn Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter sLr heft. BolkSfunde" wrchtt. 4 mal beigelegt. ÄAefti»*, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar. 7. Annahme een Anzeigen zu der nachmittags für den sagenden tag erscheinenden Nummer bis vocm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abendS vorher. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Klätter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Kietz«. Fernsprecher Nr. 51. Nr. ISS Drittes Blatt das einer leider nicht gerade kleinen Minderheit angeborene große Maul trat überall rege in Aktion. Die Fahrer und Schaffner, die sich dem Gros ihrer Kollegen nicht angeschlossen hatten, und versuchten, auf einigen Strecken den Verkehr unter polizeilicher Bedeckung aufrecht zu erhalten, wurden mit Pfeifen und Johlen von den Zehn- und Zwölfjährigen begrüßt und Ehrentitel wie „Streikbrecher", „Wagenknechte", „Judasseelen", „Sechsersklaven" re. schallten aus diesen jungen Kehlen wie die harmlosesten Selbstverständlichkeiten. „Wie die Alten sungen re.", das kommt hier zehnmal schärfer wie in der kleinen Stadt zur Geltung. Heute, wo die Wogen sich gelegt haben, bemächtigen sich die Kleineren der daheim und anderswo aufgeschnappten Thatsachen und spielen Straßenbahnstreik. Einer ist Direktor, ein anderer Schutzmann: es figurieren feiernde Fahrer und Schaffner und natürlich auch Streikbrecher. Die letztere Rolle ist sehr bedenklich und stellt hohe Anforderungen an das — Fell des damit Betrauten. Denn, die Streikbrecher werden zuletzt, wenn alles beigelegt ist, von den Geeinigten als Sündenböcke benutzt und mit vieler Ueberzeugung und größter Hingebung durchgeprügelt! So in Anspruch genommen war die Berliner Jugend, daß selbst der große amerikanische Hummelschwarm von Kunstreitern, Seiltänzern, Trapezturnern, Tierbändigern, Rossen und Wagen, Löwen, Tigern und Elephanten, nicht zu vergessen Mißgeburten aller Sorten: ohne Hände, ohne Beine, vielleicht sogar auch ohne Köpfe, aber alles lebend, lärmend und allerlei Wunder verrichtend, der im Beich- bilde Charlottenburgs seine Riesenzelte aufgeschlEN hat alle?Warnen des Erdballs ®arnum! < $■ Aus Stadt und Land. •• Souderzüge zu Pfingsten. G i e ß e n - K ö l n am 2. Juni. 1) Gießen ab 535, Köln an 10«; 2) Gießen ab 830, Köln ui H2; Köln-Gießen am 2., 5. und 6. Juni. Köln ab 12is,""Gießen an 445, am 2. und 5. Juni Köln ab 254, Gießen an 717. — Gieß en-Fulda. 1) 2. Juni Gießen ab 1128, Fulda an 236, 2) Juni Gießen-Alsfeld ab 500, in 6<3; Fulda-Gießen 5. Juni, Fulda ab 212, Gießen an 431. — Gießen-Gelnhausen, 2. Juni, Gießen ab 1150, 429, 819, Gelnhausen an 212, 633,1038. — Gießen- Fr ank für t. Am 3. Juni Gießen ab 243, Frankfurt an iso, am 2. und 3. Juni (Schnellzug) Gießen ab 453, Frankfurt an 607, am 2. und 5. Juni Gießen ab H50, Frankfurt an 203, am 2., 5. und 6. Juni Gießen ab 454, Frankfurt an 650, am 2. und 5. Gießen ab 645, Frankfurt an 840, am 2., 4. und 5. Juni Gießen ab 808, Frankfurt an 1012; Frankfurt-Gießen. Am 2. und 5. Juni Frankfurt ab 950, Gießen an 11« (nach Cassel weiter 1156), am 2. und 5. Juni Frankfurt 245, Gießen an 447 (weiter nach Cassel 455), am 1. und 6. Juni Frankfurt ab 530, Gießen an 738 (nur am 6. Juni weiter nach Cassel 749), am 1., 2. und 6. Juni (Schnellzug) Frankfurt ab 1105, Gießen an 1220 (weiter nach Cassel und Berlin 1226), am 1., 2. und 3. Juni Frankfurt ab 1125, Gießen an 127 (nach Cassel weiter 1«). Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst diese Vorzüge zu benutzen, weil diese auf den Abzweigungsstationen die Anschlüsse an andere Stationen sicherer erreichen, als die nachfolgenden Haupt- znge. Die Beförderung der Reisenden erfolgt zu gewöhnlichen Fahrpreisen. )( Werdorf, Kr. Wetzlar, 25. Mar. Das hiesige Anna-Eleonoren-Heim", Haushaltungspensionat für junge ^amen des Adelsstandes, das unter dem Ehrenprotektorate der Prinzessin Albrecht zu SolmS-Braunfels steht, wurde am 15. Mai vorigen Jahres eröffnet. Es befindet sich indem Mengen Schlosse, das die Besitzer, die Fürstlich So lrns- Braunfelsschen Herrschaften, der deutschen Adelsgenossenschaft zu genanntem Zweck in hochherziger $8ei)c frei über« taffen haben. Nach Verlauf von kaum einem Jahr sind alle ^Verfügbaren Plätze für Zöglinge besetzt, fobrt eine Neuaufnahme von Zöglingen erst am la. August d. er- ^^^Mainz,' 26. Mai. Der neugewählte Bischof von Mainz Dr. Brück, der, wie wir berichteten, durch den Erzbischof von Freiburg unter Assistenz der Bischöfe von Rottenburg und Limburg konsekriert wurde, hielt bei dem üblichen Festessen folgende Rede: Kirchliche und weltliche Gewalten sind göttlichen Ursprungs, beide sind souverän in ihrer Sphäre und müssen sich 9eßen^ sii der Erreichung des höchsten Zieles, die-Ehre. Gottes und das Heil der Menschen zu fördern. Deshalb müssen beide m gutem Einvernehmen bleiben Das gereicht zur Wohlfahrt der Menschen, wie zahlreiche Beisucher schnellt von Tag zu Tag in die Höhe, sodaß sie bereits in $er Woche durchschnittlich bis 120000 betragt, sich Sonntags aber noch wesentlich erhöht. Deutschland steht, was die Fremden anbelangt, obenan, überall hört man die deutschen Laute, trifft man auf frie gewohnten deutschen Erscheinungen, sieht man zumal an jenen Stätten, w> die erquickenden Gaben des, Gambrinus verzapft werden — und es sind ihrer viele in Paris' — Gruppen fröhlich plaudernder Landsleute, die sich hier völlig heimisch zu fühlen scheinen Deutschland, in Paris zu .Hause — es klingt absonderlich und ist doch, völlig wahr. „Man spricht deutsch" und „Bei Einkäufern über soundsoviel Franks werden die Waren nach Deutschland- franko gesand" steht an zahllosen Läden, Zettel mit Empfehlungen von Restaurants und Geschäften mit dem Zusatz: „Deutsche Bedienung" oder „Deutsch sprechens werden einem auf der Straße in die Hand gedrückt, und auch von .eingeborenen'Franzosen, die noch nie die Grenzen , ihres Vaterlandes verlassen, wird man gelegentlich auf den Omnibussen oder in Lokalen deutsch angesprochen, denn in den höheren Schulen wird eifrig unsere Sprache gepflegt. Eine ganze Reihe deutscher Restaurants ist über Paris verstreut, in der Ausstellung selbst fehlt es nicht an solchen, so dem ganz vortrefflichen deutschen Weinrestaurant im Untergeschoß des deutschen Hauses und dem gleich empfehlenswerten Spatenbräu nahe der Maschinenhalle, und häufig, wenn sich der Schwarm verlaufen hat, erschallen deutsche Lieder dort und herrscht gemütliche Fide- litas. , k Von tiefstem Eindruck war es, als neulich, bei der Eröffnung des deutschen Hauses oder, wie es offiziell genannt wird, des Kaiserlichen Pavillons, ein von amerikanischen Touristen gemietetes Tampfboot auf ferner neme- fahrt vor dem deutschen Hause Halt machte, eine große schwarz-weiß?-rote Fahne am Heck gehißt wurde, und die amerikanische Kapelle die „Wacht am Rhein anstimmte, chn die sich das „Heil Dir im ^legerkrantz schloß, und bei einer wenige Tage später vom Reichskom- missar an nämlicher Stätte veranstalteten Soiree, da wurde nachts mehrfach im vollen Chorus „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen — und die Seine trat nicht über ihre Ufer und verschlang nicht die germanischen Barbaren! Und welchen freudigen Anblick bot kürzlich der prächtige Festsaal des Hotel Continental dar, in dem der auf eine Woche nach Paris gekommene Verein Berliner Kaufleute ein fröhlich und angeregt verlaufenes Bankett feierte, zu dem sich 400 deutsche Damen und Herren, an ihrer Spitze der Botschafter Fürst Münster, eingesunken. Erhebende Worte wurden gesprochen, des deutschen Kaisers, und des fernen Vaterlandes wurde treu gedacht, ein großer, vaterländischer Zug ging durch dieses stimmungsvolle ge- mütswarme Fest, das in der an denkwürdigen Blattern reichen Geschichte des Deutschtums in Paris seinen Platz behalten wird. Nach Deutschland stellen England und Amerika die meisten Besucher, drollig ist es, daß wir Deutsche von Berliner Brief. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) «erlitt obttt Str°b-ttb°htt-tt. - Was di- Beamten wolle». u,d was fie erreicht Haben. - Zanhagelstretche. - 3»«-°d t>on heute. — Bornum tu Berlin. stoQS her Winter in diesem Jahre fertig gebracht hat mit Lckmee und Eis, hat der Mai auch zuwege gebracht, rüdem » feine treibenden und gärenden Kräfte in die SfiBfe unserer Straßenbahner sandte: Berlin mußte sich 5m ueraanaenen Samstag Sonntag und Montag ohne sein tiauvtverkehrsmittel^die^Straßenbahnen behelfen. Ueber SSn M er Schafftier, Weichensteller und Wagen- Teilten' ®a8 war eine tolle Ueberraschung für SSeSaufSib !' Der Bater tarn. eine halbe Stunde zu spät ins Geschäft und die Mutter konnte weder nach der Markthalle noch zur Schneiderin, die sie zur Pfingst-An- »robe erwartete, die Kinder versäumten die erfte Unter» Ässtunde und der Backfisch, der ein Vormittagsrendezvous ridlt^runoe in Spittelrnarkt oder bei Vater Goethe irn^Tiergarten hatte, zählte verzweifelt die Nickel im Verlrnutter-Portemonnaichen zusammen, um sich in 'N werfen die für die anderen all zu teuer «eine eben jedes Opfer! Und wie seltsam Ml un^feie^lich erschienen Straßenrades kolossalen satteln ^der ttotten Droschken mit ihren über das ganze S&ÄÄS SS Grundgewalt fehlte! Indessen fugte sich jeder so gut darein als es nur gehen wollte. Und kam wirklich einmal ein vereinzelter Straßenbahnwagen, von den wenigen Leuten, die nicht mitftreiften gelenkt, so war er leer. Das Publikum stand in imponierender Geschlossenehtt aus Setten der Streikenden. „So lange se fahren, kommen se mch ans Ziel?" sagte ein philosophischer Bierbankpolitiker bei Aschinger. „Einfach usshören, denn fahren je am besten. Drei Tage hat die bahnlose, schreckliche Zeit gewahrt, deren jeder einzelne vergesellschaft einen Ausfall von ca^OOOO Mark verursacht; dann hat durch Vermittelung des Oberbürgermeisters Kirschner, der seine Berliner nicht langer auf den „nächsten Wagen" warten taffen wollte, weil er selber weiß, wie schmerzlich das Warten ift, eine ©migung stattqefunden. Man hat von beiden Seiten nachgegeben. Die bedauerlichen Zusammenrottungen vom Samstag und Sonntag, die mit Steinwürfen, Schimpfer^en und Drohungen begannen, um schließlich durch energisches Vorgehen der Schutzmannschaft beseitigt zu werden, kommen nicht auf das Konto der Straßenbahner. Da war wieder einmal Herr Janhagel in Thätigkett, der allezeit skandal- frohe Berliner Radaubruder mit und ohne Ballonmütze, der das ganze Jahr stteikt, weil ihm die nichtswurdigste und verabscheuungswerteste Einrichtung dieser für den Untergang längst überreifen modernen Kultur - die Arbeit ist' Glücklicherweise haben fick) die durch Extrablatt des Lokalanzeigers" verbreiteten Meldungen von im Straßen- krawall getöteten Personen als falsch erwiesen. Herr Scherl der sich rühmt, in vier Monaten 230000 Mark für redaktionelle Zwecke seines Blattes ausgegeben zu haben, sollte sich- gewissenhaftere Reporter anschaffen. Denn zweifellos hätte diese thörichte Alarmnachricht ganz unberechenbare Folgen nach sich ziehen können! Natürlich war auch die Berliner fügend an diesem die ganze Hauptstadt durchflutenden Ereignis beteiligt, und piele der Geschichte uns lehren. Sind Staat und Kirche in Zwietracht, o werden nicht nur die Fundamente der Kirche, sondern auch die des Staates erschüttert und beiden tiefe Wunden geschlagen. Um so erfreulicher ist, zu sehen, daß die Träger beider Gewalten, der Heilige Vater und in unserem engeren Vaterlands Se. Majestät der Kaiser und Se. königliche Hoheit der Groß Herzog, uns die Gewähr bieten, daß der Friede zwischen Staat und Kirche erhalten bleibt. Der Heilige Bater ist zwar ein Greis an Jahren, aber jung an Kraft und geistiger Frische. Der deutsche Kaiser und Großherzog Ernst Ludwig tehen beide im besten Mannesalter und sind ausgezeichnet mit herrlichen Eigenschaften, die zur Hoffnung berechtigen, daß das geistige und materielle Wohl gefördert der Friede und die Einttacht zwilchen Staat und Kirche erhalten bleiben und immer mehr und mehr gefestigt werden. Mögen unsere Hoffnungen und unsere Wünsche für die Träger der höchsten Gewalten sich erfüllen!" Frankfurt a. M., 25. Mai. Im Zoologischen Garten giebt die Kapelle Samstag einen englisch-amerikanischen Komponisten-Abend. Sonntag ist der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfennig (Kinder 25 Pfennig) ermäßigt. Nachmittags um 2 Uhr beginnt Fräulein Kittchen Paulus mit der Füllung ihres neu konstruierten Fallschirm-Ballons, mit dem sie um 6 Uhr aufsteigen wird. Anstatt der sonst gebräuchlichen Gondel ist ein Trapez angebracht, auf dem sie stehend in die Lüfte fährt. Durch eine besondere Vorrichtung ist es ihr möglich, den Ballon in der Luft soweit zu entleeren, daß er zu einem Fallschirm zusammenklappt, mit dem sie dann langsam wieder zur Erde niedersinkt. F r a n k f u r t a. M., 24. Mai. Der Entwurf des Vertrages und der Satzungen für die hier zu errichtende Akademie für Sozial- und H a n d e l s w i s s e n s ch a s - t e n hat die Zustimmung des Magistrates und der Gesell-' schäft für Gemeinwohl gefunden; in nächster Zeit wird die Wahl des „Großen Rates" der Akademie stattfinden. Von den drei Mitgliedern dieses Großen Rates muß eines, den Satzungen gemäß, der Stadtverordnetenversammlung angehören. Da der Zollverkehr der an dem hiesigen Hasen eintreffenden Güter mit jedem Tage umfangreicher wird, sieht sich die Stadt veranlaßt, eine neue Wersthalle zu errichten. Die Kosten derselben sind auf 33 500 Mark veranschlagt._______________________________ MiMk durch die Pariser Wkltausfirüuug. Von Paul Lindenberg. (Nachdruck verboten.) VIII. Die Fremden kommen! — Deutschland obenan! — Deutsches Leben in Paris. — Allerhand Ratschläge. — Mit der Ausstellung wird« allmählich. — Bnfiettiger und .Tigerinnen. „On parle franeais ici" — man wird sich bald wundern, daß man nicht auch auf diese Inschrift stößt, wie man jetzt schon erstaunt ist, wenn man in Paris noch französisch reben hört! Denn der Fremdenandrang ist mit einem Male ganz gewaltig geworden, alle Volker des Erdballs entsenden (täglich dichte Scharen der Wanderlustigen an den Strand der Seine, und die Zahl der Ausstellungsbe- . Bezugspreis D Vierteljahr!. Mk. 2M Ktehener Anzeigers //VW ztr S J W A A* zfr A^* »lle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Ausland«» »I I E ff IIjj/IllL/l nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. V ♦i-') V VviVA- Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. der Mehrzahl der Franzosen als Engländer betrachtet werden, und uns Vettern diesseits des Kanals macht es natürlich stets ein riesiges Vergnügen, wenn bei gemeinsamen Ausfahrten rc. die liebe Straßenjugend uns mit den Rufen: „Vive les Boers!" zu ärgern trachtet. Der Deutsche wird als solcher, wie ich ja kürzlich schon erzählt, von vielen nur erkannt, wenn er langen Vollbart hat, Brille, Pastorrock und Bädeker trägt; der Engländer macht es den Franzosen leichter, denn, natürlich mit Ausnahmen, liebt er unterwegs die Bequemlichkeit und bevorzugt die Reisemütze und Helle Anzüge. Aber auch unsere. Landsleute, besonders unsere Damen, lassen sich gar oft zu sehr mit der Kleidung gehen, und da namentlich in Paris das Wort Geltung hat, daß jeder sein Vaterland vertritt, und nach der Einzelerscheinung die Gesamtheit beurteilt wird, so wäre es schon aus diesem Grunde wünschenswert, wenn nicht), die, ^ältesten und unansehnlichsten Garderobestücken auf den Boulevards und in der Ausstellung spazieren geführt würden! Bei dem fast plötzlich gekommenen Fremdenzufluß hapert es schon bedenklich mit den Wohnungen; die Hotels besseren Ranges sind überfüllt und die Preise sind erheblich! gestiegen, unter 10 Franks für eine, unter 20 Franks für zwei Personen täglich, ist jetzt kaum ein Zimmer bei mäßigen Ansprüchen zu erhalten, vielfach wird man noch teurer wohnen. Jedenfalls rate ich, sich rechtzeitig, d. h. fünf bis acht Tage vorher, eine Wohnstätte zu bestellen, man kann sonst leicht stundenlang nach der Ankunft umhersuchen, ehe man die müden Glieder auszustrecken vermag, und wer weiß, in welchem Bette es dann geschehen muß *). Möblierte Zimmer giebt es noch genügend, die Preise schwanken zwischen 4 und 10 Franks für den Tag, und wer längere Zeit hier zu bleiben gedenkt, wird mit einem „Chambre meublee" bedeutend billiger fortkommen als im Hotel. Aber man.schließe möglichst schriftlich mit dem Vermieter ab, um nicht „über Rächt" gesteigert oder gar herausgesetzt zu werden, wie es schon häufig geschehen. In unmittelbarer Nachbarschaft der Ausstellung zu wohnen, möchte ich kaum empfehlen, der Trubel ist groß, die Preise sind hoch, und, da die Abende doch meist in der Stadt verbracht werden, der Weg weit. Mit Eintrittskarten der Ausstellung — „tickets" — versehe man sich, schon in der Stadt in einem der sie feitbietenden zahllosen Geschäfte, man bezahlt sie jetzt mit 50 bis 60 Cent: bei mehreren Personen ist der Kauf eines der Gutscheine der Ausstellung (bons de l'Exposition) angebracht, sie kosten gegenwärtig ca. 16 Franks und gewähren neben 20 Eintrittskarten dem Besitzer des Bon bei vielen der Privatsehenswürdigkeiten der Ausstellung kleine Ermäßigungen, gelten ferner als Los und können, wenn Fortuna sehr lächelt, den glücklichen Inhaber zu einem wohlhabenden Mann machen. •) Aus eigener Erfahrung kann ich d«S sehr gute deutsche und mit deutschem Restaurant verbundene Hdtel d’Antriebe, 37 Rue d’Hauterille empfehlen, aber rechtzeitige Meldung ist erforderlich. — lieber möblierte Zimmer rc erteilt kostenlos Auskunft die Agenee G6nerale, 11 Rue Volney (nahe der Oper), wo auch deutsch gesprochen wird. Mit jedem Tage wird ja nun auch die Ausstellung fertiger, und wenn auch, noch viel, recht viel zu thun ist, wenn in einzelnen Palästen — so in dem weitgestreckten des Heer- und Marinewesens — noch gähnende Lücken zu bemerken sind, nun, darüber tröstet man sich gern hinweg, denn es wird nur wenige Sterbliche geben, die in dieser von nahe 100000 Ausstellern beschickten Ausstellung alles gesehen haben, dazu gehörten Monate, und von ihnen müßte jeder Tag mit vollen zwölf Stunden deni Studium gewidmet sein. Auch hier dürfte das Bismarcksche Wort zutreffen von jenen drei Männern, welche die Frage der Gold- und Silberwährung völlig ergründet hatten: der eine war tot, der andere verrückt geworden, der dritte hatte alles wieder vergessen? — Tag für Tag giebts jetzt im engeren und weiteren Umkreise des Eiffelturms sogenannte „Eröffnungs-Feierlichkeiten", bald wird diese Abteilung in den Industrie- Palästen, bald jener französisck)e oder fremde Pavillon ein- geweiht, richtiger „eingeweicht", denn nie fehlts an einem Buffet mit den schönsten Leckereien, mit Limonaden, Eis, Thee für die Damen, und mit unglaublichen Bowlen- und Sektströmen für die Herren, wobei übrigens die Eva- schwestern häufig die oft aufgeworfene Frage ihres „Herrenrechts" praktisch und energisch zu lösen verstehen. Man sagt ja, der Mensch zähle zum Geschlecht der Raubtiere. Nachdem ich einigen der eben erwähnten, fast immer nach- niittags stattfindenden Festlick)-keiten beigewohnt, glaube ich unbedingt daran. In ihrer ganzen Furchtbarkeit und Verheerungssucht lernte ich die Buffet-Tiger und -Tigerinnen kennen, die sich nur dadurch von ihren vierbeinigenKollegen bezüglich Kolleginnen unterscheiden, daß letztere doch mal satt werden, erstere aber anscheinend nie! Einer Fütterung im Zoologischen Garten beizuwohnen, ist interessant, einen Buffetsturm bei obigen Gelegenheiten mitzuerleben, geradezu widerwärtig! Diese wohlgskteideten und wohlerzogenen Damen und Herren, die fast ausnahmslos eine gesicherte gesellschaftliche und soziale Stellung einnehmen, die wenige Stunden vorher gut gefrühstückt haben und bald danack) gut dinieren werden, sind, sobald nach der offiziellen Zeremonie das Buffet „eröffnet" wird, nicht wiederzuerkennen — als ob sie tagelang nichts gegessen und nichts getrunken hätten, stürzen sie sich (falls sie nicht schon vorher eine richtige Belagerung unternommen und ihre festgeschlossenen Postenketten ausgestellt) auf die reichbesetzten Tische, die in weniger wie zehn Minuten ratzekahl sind, höchstens daß noch eine verlorene Sardine, ein halber Sandwich, ein amgeknabbertes Tortenstück von der verschwundenen Pracht zeugt! Aber es kommt ja frischer Ersatz, die Diener tragen immer neue hochgetürmte Schüsseln auf, und von neuem beginnt das Stoßen, Drängen, Schieben, Puffen, Zergeln, Streiten, Kämpfen, Gläser fallen um und zerbrechen, Wein und besonders Sekt fließt auf die eben noch blendend weißen Tischtücher und auf den Erdboden, und um ein Teilerchen mit Erdbeeren, um ein Bröbchen mit Gänseleber-Pastete, um einen Kelch- mit Champagner zu erhalten, werden oft die tadellosesten Fräcke, die kostbarsten Toiletten ruiniert. Selbst die Blumen in den Vasen und Tafelaufsätzen verschont man nicht, sehr zarte, mit teueren weißen Handschuhen be-, kleidete Händckzen zerren die Rosen, die Veiützen und Maiglöckchen, die Fliederstengel heraus, und die graziösen Inhaberinnen dieser idiebeslüsternen Pätschchen freuen sich kindlich) der leichterrungenen Beute — und dabei sind die Gaben der Flora so billig in Paris! — Mit der schon mehrfach) angekündigten großen Abendbeleuchtung werden wir immer noch auf die Zukunft vertröstet — mehrere der lichtspendenden Maschinen versauen entweder völlig oder stellen plötzlich ihre Thätigkeit ein sodaß in letzterem Fall in den Gebäuden, in denen elektrische Beleuchtung erforderlich ist, mit einem Male Finsternis herrscht und die lieben Göhren ein ängstliches Quietschen und Jammern ertönen lassen. Zum ersten Male war kürzlich abends die große Eingangspforte erhellt und machte mit ihren hellblauen, roten und weißen, äußerst geschickt verteilten Lichteffekten einen wundervollen, phantastischen Eindruck. Auch der Eiffelturm läßt mit Eintritt der Dunkelheit seine Scheinwerfer spielen, und die weißen Lichtströme huschen in allen Richtungen über die stolze Ausstellungsstadt, als wollten sie nach den Besuck)ern derselben forschen. Aber da finden sie nicht viele, an den kühlen Menden der letzten Wochen war wenig los, wie überhaupt das abendliche Leben noch nicht im Gange ist — selbst voreilige Nachtschmetterlinge flattern schon frühzeitig nach den Boulevards zurück, wo sie leichter Schutz und Nahrung finden? . . . Kunst und Wissenschaft. William Lindley -f. Am 22. bä. bä. Mtä. ist in Lonbon ber Ingenieur William Linbley gestorben. Er war 1808 geboren. Linbley lenkte zuerst im Jahre 1842 bie allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, als er bei bem großen Branbe in Hamburg bem verheerenben Elemente burch umfangreiche Sprengungen von Häusern Einhalt that. Er würbe bann mit bem Entwurf beä Planes für den Wieberaufbau Hamburgs beauftragt, sowie auch mit ber Projektierung ber großen Schwemmsielanlagen zur Entwäfferung ber Stabt unb bet stäbtischen Wasserwerke, welche beiben Anlagen unter Linbleys Leitung von 1842 bis 1860 ausgeführt würben. Frankfurt folgte bem bort gegebenen Beispiel unb Linbley erhielt bie Oberleitung beä ganzen Unternehmens, die er während einer langen Reche von Jahren führte. 1878 trat er bie Oberleitung bet Frankfurter Kanalisation an seinen Sohn SB. H. Linbley ab, bet bie Arbeiten zu Enbe führte unb Frankfurter Stabt- baurat würbe. Linbley sen. ging 1878 nach Englanb, wo er zuerst in Swansea, bann in Lonbon lebte. TOR.IL Bflhotemarke. Fleisch - Extract K/rtCRosS aus bestem Ochsenfleisch mit löslichem nährende® Fleisch-Eiweiss übertrifft trotz billigeren Preises • a^e Diebig’schen Extracte an Nährkraft und Wohl- geschmack und ist in allen besseren Drogen-, Deli- (.atoqKpn-n C'donial waaren-Handlungen zu haben. A ,, awUa (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg, ■■ Mttvü Hotel u. Pension „zur Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes.: G. Diefenbach. Nachdem unsere Bank in ihrer Generalversammlung vom 29. März l. I. da- Geschäftsanteil jedes Mitglüdea auf M. 500.— festgesetzt und weiter bestimmt hat, daß die Einzahlungen zur Ergänzung desselben zum mindesten jährlich M. 12.— betragen müssen, machen wir darauf aufmerksam, daß diejenigen Mitglieder, welche ihr Geschäftsanteil bis zum 80. Juni l. I. voll einzahleu, auLnahmsweise vom 1. Juli d. I. ab an der Dividende des laufenden Jahres teilnehmen. Gleichzeitig bringen wir hierdurch zur allgemeinen Kenntnis, daß unsere Bank an den Werktagen täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 2 biS 4 Uhr nachmittags auch von Nichtmit- gliedern verzinsliche Darlehen annimmt und dafür, wenn solche V2 Jahr und länger stehen, 3i/2%, sonst aber nur 3°/0 Zinsrn vergütet. Gießen, den 5. Mai 1900. 3342 Gewerbebank zu Gießen Ei«gktrage«k GeuosseusM mit uubrfdjt. Hast-Mt. Carl Vogt II. H. Wagner. Bekanntmachung, betreffend: Wettbewerb znr Erlangung von Pläne« für ein neues Sparkaffengebäude. Des am 16. und 21. l. Mts. in rubrizierter Angelegenheit zusammen?^ etene Preisgericht hat entschieden, daß die für die beiden besten Projekte zur Verfügung stehende Summe von 800 Mk. zu gleichen Teilm den Einwürfen mit dem Kmnworte ,Sparsam" und dem Kennzeichen „2 Pfennigmarke" zuzuerkennen sei. Als Verfasser beider Entwürfe ergab sich beim Eröffnen der Briefumschläge die Firma Tteiu Sf Meyer dahier. Das Preisgericht hat ferner dem Ausschuß der Spar- und Leihkaffe den Entwurf mit dem Kennwort „Bienenkönigin" zum Ankauf empfohlen, da ein dritter Preis nicht zur Verfügung stand. Die eingelaufenen 12 Entwürfe nebst motivieriem Gutachten des Preisgerichts liegen am Sonntag dem 27. und Montag dem 28. l. Mts. von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr im Sitzungssaal der Bürgermeisterei, Gartenstraße 2, zu jedermanns Eiuficht offen. Gießen, den 21. Mai 1900. Direktion des Spar- und Leihkaffevereinr Gießen. Wiener. 3681 Kaufmännischer Verein. Wir bitten, die Bücher bis zum 1. Juui b. I. zurückzugeben, da die Bibliothek von diesem Tage bis zum IS. Juni d. I. geschloffen ist. 3740 Der Vorstand. Louis Walther. Kteischverdingung. Am i.Juni 1800, vormittaas 10 Uhr, wird im diesseitigen Geschäftszimmer, Kaserne I, der Bedarf an Fleisch- und Wurftwaren für die Garnison Gießen auf die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1900 verdungen. Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer aus; dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift „Angebot auf Lieferung von Fleisch- und Wurftwaren- versehen abzugeben 3700 _________Garnisonverwaltung.__ Versteigerung. Montag den 88. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlokal Seltersweg 11 gegen Barzahlung: 1 Pianino, 1 Kaffaschrank, 1 Buffer, 1 Nähmaschine, 1 Oekonomie- wagen, Sofas, Kommode, Kleiderschränke, 1 Regulator und mehrere Eichenstämme. Gießen, den 18. Mai 1900. 3618 Mulch, Pfandmeister. Pflanzenkübel 9685 Reisekorbe empfiehlt Sportwagen Louis Lony, Sahuhosßr. 27. Bekanntmachung. Die Lieferung von 3200 Zentnern Nußkohlen II. Grbße für die städtischen Anstalten für das Etatsjohr 1900/1901 soll unter den auf unserem Amtszimmer Nr. 15 offen liegenden Bedingungen vergeben werden. Angebote, in welchen der Preis pro Doppelwaggon, frei Babnhof Gießen, anzugeben ist, sind bis zum 1. Juni d. Js. vormittags 12 Uhr, mit dec Aufschrift .Kohlenlieferung" versehen, im Zimmer Nr. 15 abzugeben. Gießen, den 25. Mai 1900. 3752 Großherzoaliche Bürgermeisterei Gießen. Gnanth. Bekanntmachung. Die Heberolle der Stadt Gießen über die Beiträge zur land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Jahr 1899 liegt von heute an während 14 Tagen auf der unterzeichneten Bürgermeisters zur Einficht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene flehen die Beitragsberechnuna bei dem Vorstande der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft Einspruch erheben (stehe § 21 der Verordnung vom 11. Juli 1888, Regierungsblatt S. 83). Gießen, den 25. Mai 1900. 3746 Groherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 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