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Mk. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Dringcrlohn; durch die Abholrstellrv vicrteljährl. 2JZt. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Ri». 22 (SfrfteS Blatt Gießener Anzeiger General-Anzeiger OtfOttat täglich mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener KamilienSrätier »erden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess Landwirt" a. „Blätter für Hess. Volkskunde »öchtl. 4mal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den lalaenden Tag erscheinenden Nummer b.S vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abends vorher. * Born Kriegsschauplatz. Nach den vorliegenden Nachrichten (vergl. unten!) ist das Schicksal von Bullers Entsatzversuch besiegelt. Nach unseren gestrigen Meldungen war für General Warren und damit für die ganze englische Armee am oberen Tugela das Schlimmste zu befürchten, da der von Buller angekündigte, als „verzweifelt" bezeichnete Sturm auf den alle Wege nach Ladysmith beherrschenden Bergrücken des Spionskop, wiederholt blutig von Cronje und Botha zurückgeschlagen worden war. In London sind noch immer keine amtlichen Nachrichten eingetroffen, oder werden, wie es bisher Praxis war, zurück- gehalten, und die Spannung, aber auch der Unwille der Bevölkerrng sind daher auf das Höchste gestiegen. Fieberhafte Erregung herrscht, das Kriegsamt wird vom Publikum förmlich bestürmt, und die Zeitungsausgabeftellen werden thatsächlich belagert; aber auch die großen Londoner Zeitungen sind außer Kontakt mit ihren Korrespondenten in Durban und Pietermaritzburg, die aus dem Buller'schen Lager nicht eine Silbe erfahren, und so ist man auf Meldungen aus New Jork angewiesen. Bon dort wurde in den gestrigen Nachmittagsstunden nach London gekabelt: Loudon, 25. Jaunar. Aus New-York wird gekabelt: Soeben schlagen der „New-York Herold", die „World" und die „Sun" Kabel-Telegramme" an, welche ein furchtbares Massacre der englischen Truppen am Tugela melden. London ist noch ohne Nachrichten. Es herrscht große Aufregung und Pessimismus wegen des Ausbleibens von Nachrichten. Es verlautet, die englische Regierung trete zurück, falls die Niederlage sich bestätigt. Einen schwachen Versuch, über die entscheidungsvollen Kämpfe am Dienstag zu berichten, macht folgende Meldung: London, 25. Januar. Das „Reuter'sche Bureau" meldet von vorgestern abend aus SpearmanS Camp: Heute zu früher Stunde rollte das Gewehrfeuer heftiger als je. Die Buren gaben Crest Kopje auf, das die britische Infanterie besetzte. Die Buren suchten hinter einem Stem- wall Zuflucht. In dieser Stellung hielten sie stundenlang Ketafttai, Expedition und Druckerei: Fchutstraße Ar. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietze«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.__________________ Kaifers Geburtstag Kaiser, Gott grüße dich Auf der Ahnen mächtigem Thron, An der Deinen liebendem Areis! Schützend umgab dich stark Engelgeleit zu (and und Rleer: Rühme des Ewigen Treue! Tang lebe der Raifer! Macht, Glück, Friede, Ehre und Ruhm Dir Herrscher und Mehrer des Reichs, Erblühe zum (ohne Rastlosen wirkens voll Treue Au des Vaterlands Größe! — weil heut eines neuen Jahres Anfang dir schenkte Eiebreich der gnädige Gott, Hebt zum Fimmel dein Volk Empor betend die Hand: wollest gnädig, o Gott, Eines dankbaren Volks Innig Flehen erhören: Trag auf Adlers Flügeln Erbarmend den Aaiser! - Deutscher Reichstag. 185. Sitzung vom 25. Januar. 1 Uhr. Am Bundesratstische: Staatssekretär Nieberding. Tagesordnung: Zweite Lesung der sogenannten lex Heinze (Novelle zum Strafgesetzbuch). Die ersten Bestimmungen §§ 180 bis 181 b, handeln von der Kuppelei. § 180 verschärft die bisherige Strafe erheblich (Gefängnisstrafe nicht unter einem Monat, und zugleich Geldstrafe bis zu 0000 Mark), läßt aber bei mildernden Umständen eine Ermäßigung der Gefängnisstrafe bis auf einen Tag zu. Diesen Paragraphen hat die Kommission unverändert in der Fassung der Vorlage angenommen. — § 181 der Regierungsvorlage, dem die Kommission ebenfalls in unveränderter Fassung zugestimmt hat, erhöht die Strafen für qualifizierte .Kuppelei (Amveudung binterlistiger Kunstgriffe, Verwandschaftsverhältnis zwischen dem Schuldigen und dem Verkuppelten) und dehnt diese strengen Strafen auch auf den Ehemann aus, der seine Ehefrau verkuppelt. § 181 a richtet sich gegen das Zuhälterwefen. — Ein § 181 b der Vorlage endlich, der das Vermieten an Dirnen straffrei erklären könnte, wofern damit „keine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbs der Mieterin verbunden sei", ist von der Kommission abgelehnt worden. — Nachdem der Referent de Witt zunächst einen längeren Bericht über die Beschlüsse der Kommission erstattet, wird § 180 debattelos einmütig angenommen. — Zu § 181 beantragt Abg. Himburg (nl.), die Zulassung mildernder Umstände einzig und allein zu beschränken auf den Fall, wo es sich um Verkuppelung Verlobter handele. Abg. Stadthagen (Soz.) befürwortet einen Antrag in den Fällen, wo es sich um ein verwandtschaftliches bezw. erzieherisches Verhältnis, insonderheit aber um eheliches Verhältnis handelt, die auf qualifizierte Kuppelei gefetzte Strafe nur eintreten zu lassen, wenn „die Kuppelei aus Eigennutz betrieben, oder aus den Willen der zu verkuppelnden Person zur Vornahme oder Duldung der unzüchtigen Handlung eingewirkt ist". Ferner empfiehlt Redner noch einen neuen Absatz dahin, daß „die Duldung eines geschlechtlichen Verkehrs zwischen Verlobten nicht als Kuppelei zu erachten ist". Abg. Himburg (nl.) ändert seinen Antrag dahin «b, daß es heißen muß: mit einander Verlobte (stürm. Heiterk.) Geh. Rat von T i s ch e n d o r f bittet dringend, sämtliche Abänderunganträge anzunehmen. Abg. Roeren (Zentr.) spricht sich in demselben Sinne aus. — Abg. Beckh (fr). Vp.) bekämpft zunächst das konservative Verlangen, die Zulassung mildernder Umstände zu beschränken auf die Fälle eines Verlobtenverhältnisses. Es seien durchaus auch andere Fälle denkbar, wo z. B. bittere Not vorliege, die einer milderen Beurteilung zu unterliegen Hütten. Entschieden bitte er aber auch, die sozialdemokratischen Anträge abzulehnen, Abg. Stöcker (b. k. F.) lehnt gleichfalls die sozialdemokratischen Anträge ab. Auch dem Antrag Himburg könne er nicht zustimmen. Es solle nicht in den betreffen- Kreisen die Anschauung noch mehr Platz gewinnen, dte Verkuppelung Verlobter sei nichts so Schlimmes. Abg. Bebel (Soz.) tritt nochmals dafür ein, die Kuppelei eines Ehemannes gegenüber der Ehefrau nur im Falle Eigennutzes bezw. Einwirkung auf den Willen der Frau überhaupt bezw. so streng zu bestrafen. Redner weist auf die Konsequenzen einer unveränderten Annahme des Paragraphen hin, auf das Dulden von Hausfreunden. Unter Umständen könne recht vornehme Gesellschaft in die Zuchthäuser kommen. (Heiterkeit.) Geh. Rat von Leut he führt aus, eS handele sich überhaupt nicht um einfache Duldung, sondern um Kuppelei, die genau gerichtlich festgestellt werden müßte. Eine „Tradition" des geschlechtlichen Verkehrs von Verlobten sei jedenfalls nicht anzuerkennen. Abg. Stockmann (Rp.) stimmt Namens ferner Partei für unveränderte Regierungsvorlage. Abg. Rintelen (Zentr.) bekämpft die sozialdemokratischen Anträge, ebenso Abg. Esche (nl.) Nach weiterer kurzer Debatte wird § 181 unverändert in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Beim Zuhälterparagraphen, § 181 a, beantragt Abg. Himburg ((kons.), den Zuhälter, der Ehemann der Dirne ist, oder welcher die Dirne mit Gewalt oder Drohungen zu ihrem Gewerbe anhült, mit Zuchthaus, statt nur mit Gefängnis, zu bestrafen. Abg. Stadthagen (Soz.) beantragt Streichung des ganzen Paragraphen. Eventuell soll in der Begriffs-Bestimmung des Zuhälters im Absatz 1 die Wendung: „oder der Dirne sonst förderlich ist" gestrichen werden. Nach kurzer Debatte wird auch § 181 a unverändert angenommen. Es folgt § 181 b, betreffend Vermieten von Wohnung an Dirnen. — Die Kommission hat diesen Paragraphen abgelehnt. Abg. Beckh (fr). Vp.) beantragt Wiederherstellung dieses Paragraphen, eventuell in etwas anderer Fassung, welche den Vermieter straffrei macht „sofern der Mietszins und die Vergütung für sonstige Beschaffungen das Maß des Gemeinüblichen nicht überschreiten". Ein sozialdemokratischer Antrag will den Paragraphen in ungefähr derselben Fassung wiederherstellen, jedoch noch mit dem Hinzufügen, daß die Polizei nicht berechtigt sein solle, anzuordnen, daß Personen, die gewerbsmäßige Unzucht treiben, nur in bestimmten Stadtteilen, Straßen Wohnung nehmen. Abg. Hie der (nl.) ist für den Antrag Beckh. Nach langem Schwanken sei dies als das Richtigste erkannt worden. Die Zustände würden nicht besser, sondern schlimmer, wenn die Prostitution auf die Straße geworfen würde. Staatssekretär Nieberding erklärt, die verbündeten Regierungen ständen nach wie vor auf dem Standpunkt des Paragraphen der Regierungsvorlage. Daß Lokalisierung und Kasernierung die Folge sei, sei in keiner Weise erwiesen. Auf die Straße setzen könne man solche Personen nicht. Er bitte, den Antrag Beckh anzunehmen. Morgen 1 Uhr. Fortsetzung der Debatte. Schluß 7 Uhr. aus, nachmittags aber sah man sie in vollem Rückzüge; sie liefen durch eine Schlucht, während die britische Artillerie sie mit Shrapnells und Lyddit-Granaten überschüttete. Die britischen Truppen nahmen in der durch einen Steinwall gebildeten Deckung Stellung. Die heutigen Verluste sind gering. Das ist ein nichtssagendes Gerede über einzelne Phasen des Kampfes, wobei wieder die verkehrte englische Auffassung hervortritt, daß ein Rückgang der Buren Rückzug und Flucht bedeute. Auch alle in Brüssel eingetroffenen Nachrichten bestätigen die Niederlage der Engländer am Spionkop, bezeichnen in Uebereinstimmung mit unserer Auffassung den Umgehungsplan WarrenS als endgiltig gescheitert, und sehen Buller zu einem Frontangriff auf Tod und Leben gezwungen. Der militärische Mitarbeiter des Londoner „Morning Leader", Williams, meint, die Einnahme von Spionskop würde eine große Thal sein, wenn sie gelungen sein sollte, aber auch das würde noch nicht einen schnellen Spaziergang nach Ladysmith ermöglichen, da sich mindestens noch zwei gute Stellungen hinter Spionkop befänden. London, 25, Januar. Die „Times" melden aus Spearmans Camp vom 23. d. M.: Das Feuer dauerte heute den ganzen Tag an. Den englischen Truppen gelang es nicht, weiter vorzudringen. DieBuren hatten mehr Geschütze. Sie sind, nachdem sie den von ihnen besetzten Höhenrücken, der sich fast ununterbrochen vom Drakenberge mehrere Meilen ostwärts erstreckt, befestigt haben, gerüstet für einen Kampf von fast unabsehbarer Dauer. London, 25. Januar. Das Kriegsamt veröffentlicht eine Depesche aus Spearmans Camp von heute Mitter- nacht 12 Uhr folgenden Inhalts: General Warrens Truppen besetzten am Dienstag nachts Spionskop und überraschten eine kleine Abteilung der Buren, die entfloh. — Spionskop wurde den ganzen Mittwoch über von den Engländern beseht gehalten, trotz heftiger Angriffe, besonders durch ein großes Schaden bringendes Granatenfeuer. General Warreu befürchtet beträchtliche Verluste. General Woodgate ist gefährlich verwundet. * * ♦ Fast entgegengesetzten Inhalts wie obige Nachrichten sind die des Londoner Kriegsamtes: London, 25. Januar. Nach einem Privattelegramm ist der englische Sieg (?) wichtiger, als zuerst angenommen wurde. Die Buren versuchen seit gestern früh unaufhörlich die Höhe von Spionkop zurückzuerobern, da diese für sie von vitaler Bedeutung ist. Der fortgesetzte Kampf erklärt das späte Eintreffen von Bullers Depesche, welche die Eroberung des Spion Kop anzeigte. Die Briten dürften, nachdem sie von Buller Verstärkungen erhalten haben, den eroberten Platz behaupten. — In London herrscht großer Jubel über die langersehnte Nachricht von der Einnahme des Spion Kop. Fast alle größeren Blätter haben Extra- Ausgaben verbreitet, die vom Publikum mit großem Eifer gelesen werden. — Die „Exchange Telegr. Kompany" berichtet aus Spearmans Camp vom 23. abends, daß General Warren den Feind weiter angreife. Die Positionen der Buren würden von einem furchtbaren Geschützfeuer heimgesucht. Die beiderseitige Infanterie befinde sich im Nahkampfe. Man (!) habe beobachtet, (!) daß die Buren sich nach dem Drakenberge zurückzogen. Heliographische Meldungen ermöglichen den Haubitzen, Granaten auf die Vanreenenstraße zu schleudern und so einen Teil der feindlichen Truppen abzuschneiden. (Dunkel ist der Rede Sinn" . . .) Nun- mehr seien die Buren zurückgekehrt (!) um von neuem die englische Artillerie zu beschießen, doch ohne Erfolg. * * • Telegramme des „Gießener Anzeiger". London, 26. Januar. Um Mitternacht hatte das Kriegsamt noch kein ergänzendes Telegramm über die Einnahme des Spionkopes veröffentlicht. — Einem Telegramm des Korrespondenten der „Central News" zufolge wurde der Angriff der Engländer durch das Passieren zahlreicher Pässe und GebirgSflüsse erschwert. Die Buren halten den Gipfel des Berges noch besetzt, die Engländer besetzten nur das Plateau. Alle Truppen, welche Warren zur Verfügung hatte, nahmen an dem Angriff teil. Loudon, 26. Januar. Die Begeisterung, die das Telegramm BullerS unter der Bevölkerung hervorgerusen hat, hat sich bereits gelegt, weil dasselbe die Zahl der Verluste der Engländer nicht angiebt und auch keine Einzelheiten über die neue Stellung enthält. Sämtliche Blätter beschäftigen sich mit dieser Frage, und stellen fest, daß die Abhänge des Spionkop so steil seien, daß es unmöglich sei, Geschütze auf den Gipfel zu bringen. „Daily Mail" fragt angesichts dieser That- sache, welchen Wert der Spionkop in diesem Falle habe. Das Blatt glaubt, die Buren hätten den Wert der ver- laffenen Stellung erst eingesehen, als sich dieselbe in den Händen der Engländer befand, und infolge dessen einen Angriff gemacht. „Morning Leader" drückt seine Unruhe aus über die Wortkargheit des Generals Buller in seinem Telegramm. Das Blatt stellt die Frage, ob es wirklich unmöglich sei, Geschütze auf den Berg zu bringen. Die übrigen Blätter sind meist darin einig, daß die Einnahme von Spionkop nur der Beginn neuer schwieriger Aufgaben ist, um Ladysmith zu entsetzen. Berlin, 26. Januar. Das „Berliner Tageblatt" meldet, aus Brüssel: Hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß General Warren keineswegs den Spionkop, sondern nut eine kleine Anhöhe besetzte. (Der hinkende Bote kommt wie immer nach!) London, 26. Januar. Die „Times" melden aus Pietermaritzburg: An die englischen Truppen sei ein vom Obersten Wynne, dem Chef des Stabes, unterzeichneter Armeebefehl erlassen worden, welcherffolgendermaßen schließt: Dieser Krieg ist uns ans den niedrigsten und gemeinsten Gründen aufgezwuugen worden, von einem Feinde, welcher jedes Mittel, Verrat, Betrug und Verschwörung gebraucht, um sein Ziel zu erreichen. (Es scheint ziemlich heiß in Pietermaritzburg zu sein.) Loudon, 26. Januar. „Daily Mail" meldet aus Durban: General Buller hat einen Tagesbefehl an seine Truppen erlaßen, worin er diesen den Rat giebt, beim Angriff gegen die Buren immer nur sprungweise vorzugehen. Das Blatt fordert die Absendung neuer Verstärkungen. Deutsches Keich. Berlin, 25. Januar. Tas Kaiserpaar verlies um 2 Uhr das königliche Schloß, um sich vorn Potsdamer Bahnhof mittels Sonderzuges nach Dresden zu begeben. Um 2 Uhr 25 Minuten verließ der kaiserliche Zug die Bahnhofshalle. Wahrscheinlich wird das Kaiserpaar vor der Beisetzung der Herzogin Adelheid nach Berlin zurückreisen, um sich dann zu den Trauerfeierlichkeiten wieder dorthin zu begeben. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, hat der Komni a n d e u r der englischen K ö n i g s d r a g o n e r aus dem Lager voit SpeanmanScamp dem deutschen Kaiser die ehrerbietig st en Grüße zu in Geburtstage ihres O b e r st e n telegraphisch übermittelt. Der Kaiser hat hierauf mit folgender Depesche erwidert: „Der Oberst sendet den Königs- dragonern seinen besten Dank für ihre Wünsche." — Das „Berl. Tagebl." meldet, daß der Leutnant Plewe auf der Konzession der Südkamerun-Gesellschaft am Kogofluß von Eingeborenen ermordet worden ist. Angeblich sollen auch fünf von Plewes eigenen Leuten an der Mordthat beteiligt sein. Das „Berl. Tagebl." bemerkt zu dieser Meldung: Ein Leutnant Plewe oder ähnlichen Namens existiert in Kamerun nicht. Wir wollen nicht hoffen, daß der Stationschef am Upoko, Regieru^gsarzt Dr. Plehn, gemeint ist. Der Schah von Persien wird im April Berlin besuchen und sich von hier zum Besuch der Ausstellung nach Paris Gegeben. Entgegen anderweitiger Meldung erfährt das „Berl. Tagebl.", daß der Bundesrat heute die Flotten- vorlage angenommen hat. — Der Reichstagsabgeordnete Dr. Hasse (nl.) ist an einer Blinddarmentzündung schwer erkrankt. Eine abends erschienene Extra -Ausgabe des „R e i ch S a n z e i g e r s" veröffentlicht den Entwurf einer Novelle zu in Gesetz, betreffend die deutsche Flotte, vom 10. April 1898. Der Entwurf besteht aus drei Paragraphen. § 1 lautet: 1. Der in dem Gesetze betreffend die deutsche Flotte, vom 10. April 1898 festgesetzte Schiffsbestand wird vermehrt um: a) verwendungsbereit: ein Flottenflaggschiff, zwei Geschwader zu je acht Linienschiffen, zwei große Kreuzer, acht kleine Kreuzer (die beiden letzten als Aufklärungs-Schiffe der heimischen Schlachtflotte), fünf große Kreuzer, fünf kleine Kreuzer, (die beiden letzten für den Auslandsdienst); b) als Materialreserve: zwei Linienschiffe, ein großer Kreuzer, zwei kleine Kreuzer, (die beiden letzten für den Auslandsdienst); vermindert um: zwei Divisionen zu je vier Küstenpanzerschiffen. 2. Auf diese Vermehrung kommen die acht Küstenpanzerschiffe bis zu ihrem Ersatz als Linienschiffe in Anrechnung. § 2 betrifft die Jndiensthaltungen; nach § 3 unterliegt die Bereitstellung der infolge dieses Gesetzes er- fn«-derlichen Mittel der jährlichen Festsetzung durch den ReichShaushaltsetat. Dem Gesetzentwurf ist eine ausführliche Begründung beigegeben. Nach längerem Leiden ist heute vormittag 11 Uhr 30 Min., wie wir an anderer Stelle ausführlich berichten, in Dresden die Mutter der Kaiserin, die Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein, gestorben. Auf dem hiesigen Schlosse sank beim Eintreffen der Todesnachricht die Kaiserstandarte auf Halbmast; auf allen königlichen und prinzlichen Palais wurden die Zeichen der Trauer aufgezogen. Die Militär-Musik im Lustgarten wurde ribbestellt. Die Cour sowie alle Festlichkeiten am Hofe sind abgesagt. Vermutlich dürften auch die übrigen Hofsestlichkeiten eine bedeutende Einschränkung erfahren. Ausland. Rom, 25. Januar. Der Dominikanerpater Esser wurde zum Sekretär der Jndexkongregation ernannt. Petersburg, 25. Januar. Die Verhandlungen mit dem Vatikan wegen der Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Petersburg sind gescheitert. Die geplante Hierherreise des Monsignore Tarnassi unterbleibt. Madrid, 24. Januar. Hier traf heute die Nachricht von dem Tode der Witwe des Marschalls Ba- zaine in Mexiko ein. Frau Bazaine lebte in Madrid, bis ihr Gatte starb, worauf sie ihren Wohnsitz nach ihrer Vaterstadt Mexiko verlegte. Sie war in der hiesigen Gesellschaft geschätzt und beliebt. Ein Sohn BazaineS ist Offizier im spanischen Heer. Shanghai, 25. Januar. Die „North China Daily News" melden: Durch einen gestern abend von dem Kaiser Kwangsu unterzeichneten Erlaß wird der 9 Jahre alte Sohn des Prinzen Tuano, namens Put-sing, zum neuen Kaiser ernannt. Er wird am 31. Januar den Thron besteigen. Lokales und Msvinffelles. *• Zu Kaisers Geburtstag. Die üblichen Schulfeiern finden zum Teil schon am heutigen Freitagnachmittag statt. — Heute abend Zapfenstreich, morgen früh Wecken durch die Regimentskapelle. Militärgottesdienste: 9 Uhr in der katholischen, V210 Uhr in der Stadtkirche. V212 Uhr Regimentsappell im Hofe der ZeughauSkaseine am Brand. Daran schließt sich Paroleausgabe, wobei die Regimentsmusik spielen wird. — Das allgemeine Fest mahl, von den Spitzen der Behörden veranstaltet, ^2 Uhr im Saale des Gesillschastsvereins, der Offiziere des Regiments um 3 Uhr im Offizier-Kasino. ** Kunstverein. Die GernäldeAusstellung im Turmhaus am Brand, hat, wie schon kurz erwähnt, eine vollständige Erneuerung erfahren. Unter den nahezu 80 Bildern befinden sich auch diesmal wieder eine große Anzahl sehr beachtenswerter. Vorerst seien diejenigen von O. H. Engel-Berlin erwähnt: „Die neue Freundin", „Erntelandschaft", „Schleswigsther Bauernhof", vor allem aber das große dreiteilige Gemälde „Von de Waterkant", das durch seine originelle Rahmenbehandlung auch dekorativ höchst wirkungsvoll ist. Der Künstler war auch mit diesen Kunstwerken in der Künstausstellung der „freien Vereinigung" zu Darmstadt vertreten. Ein weiteres großes Gemälde von C. Rumpf-Cronberg: „Die Kaiserparade bei Nieder-Eschbach-Homburg 1897" zeigt uns, wie König Humbert von Italien das 13. Husarenregiment, dessen Inhaber er ist, dem Kaiser Wilhelm vorführt. Dieses lebenswahre Gemälde dürfte ebenfalls Interesse beanspruchen, besonders bei denjenigen, welche der Parade beiwohnen konnten. F. Simm-München führt uns mit seinem Bilde eine „Radfahrerin" vor. „Morgen am Achensee" von C. Mali-München, „Pferdemarkt" und „Zum Markt ziehende Bauern" von M. Pitzner-München, „Nachbars Liese" von O. Ling- ner-Berlin, „Sonntagmorgen" von E. Hetz-München, „Mahlzeit" von I. Engel-Berlin und „Der letzte Kreuzer" von A. Rieper-München vervollständigen die Serie Genrebilder. Recht schön ausgeführte Landschaftsbilder, denen wir unsere Anerkennung nicht versagen können, haben unter anderem ausgestellt: F. Wucherer-Frankfurt a. M. „Frühlingsstimmung", „Heimziehende Schafherde", „An der Oise" von E. Birzer-München „Waldlandschaft", von C. Schweig-München „Königsee", von E. Reuter-Lübeck, „Mondnacht auf der Elbe", „Mölle am Kullen-Gebirg", „Partie aus dem Kullen-Gebirg-Schweden" und „Der Hasen von Wismar"; auch die netten kleinen Bilder, welche so viel bevorzugt werden, sind vertreten durch C. Bolze- München: „Frühling", „Herbst", „Ans Bogenhausen" und „Wolsschlucht bei Kreuth". Auch H. Graßmann - Berlin, welcher wieder mit einer Kollektion vertreten ist, soll nicht unerwähnt bleiben. Wir machen besonders auf die beiden großen Bilder: „Brandung an der Küste von Norwegen" und „Nordspitze von Bornholm" aufmerksam. Ein „Por- trait" (einer hiesigen Dame) hat I.- Schalk-Frankfurt ausgestellt; dasselbe verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden. Unter den Bildern, welche Stillleben und Blumenstücke darstellen, sind vor allem drei: „Rosen" „Feldblumenstrauß" und „Fruchtstück" von H. Oncken- Gießen zu nennen. Auch noch die weiteren ausgestellten Blumenstücke von E. Dauber-Marburg, A. Masalin-Dres- den und I. Guhl-Frauenfeld sollen nicht unerwähnt bleiben. ** Unentgeltliche Benutzung der deutschen Patentschriften. Seit dem 1. Oktober 1899 befindet sich in den Räumen der Universitätsbibliothek eine Auslegestelle der vom Kaiser!. Patentamt in Berlin herausgegebenen Patentschriften über die in den Patentklassen 2, 6, 22, 49, 70, 79, 80 und 85 vom 1. Januar 1899 ab erteilten Patente. Jn- betreff der Einsichtnahme der Patenschriften machen wir auf die in der heutigen Nummer d. Bl. erscheinende Bekanntmachung der Großh. Handelskammer aufmerksam Durch die Auslegung der Patentschriften wird jedermann Gelegenheit gegeben, sich über den Inhalt eines Patentes zu unterrichten. Um auch auswärts wohnenden Personen die Einsicht der Patentschriften zu ermöglichen, ist die leihweise Abgabe einzelner Nummern auf kürzere Zeit gestattet. Die neu erscheinenden Patentschriften werden der Großh. Universitäts-Bibliothek vom Kaiser!. Patentamt in Berlin in einwöchentlichen Zwischenräumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht. ' Theater. ** Theaterverein. „D i e Herren Söhn e". Das am Dienstag im Theaterverein zur AufsührunA kommende neue Volksstück von Oskar Walther und Leo Stein, wurde zuerst am Anfänge dieses Winters in Berlin am Berliner Theater mit großem Erfolge gegeben, und dieser Erfolg ist ihm auch auf anderen Bühnen treu geblieben, so namentlich aus Hoftheatern in Hannover und Kassel, und am Stadttheater in Köln. Die Hauptrolle hat ein Berliner Schlächtermeister, und deshalb wird das Stück den meisten Erfolg da haben, wo diese Rolle von einem geborenen Berliner gespielt wird. Das war in Kassel der Fall, und darum hat man hier keinen Augenblick gezögert, die Rolle des Rommel dem in Kassel außerordentlich beliebten Komiker des dortigen Hoftheaters, Herrn E. Schma- sow, der mit unverfälschtem Spreewasser getauft ist, anzuvertrauen. Hebei' die Leistung Schmasows und über das Stück selbst sprach sich die Kasseler Kritik außerordentlich anerkennend ans: Das Stück wandelt die Wege der guten alten Berliner Posse, wie sie Kalisch schrieb; die Handlung entwickelt sich natürlich und auch spauueud, die Personen sind nach dem Leben gezeichnet, das Ganze berlinisch aber behaglich ausgeführt, einzelnes recht witzig. Jedenfalls ist die Bühnenwirkung eine sehr zusagende, und rechtfertigt das Gefallen, welches man an dem Stücke findet, das bei aller äußeren Komik doch auch Gehalt besitzt. Als biederer Berliner Hofschlächtermeister mar Herr Schniasow unübertrefflich... Unsere Leser interessiert es vielleicht, sich vor der Vorstellung einige Bilder des gastierenden Künstlers anzusehen, die in den bekannten Schaufenstern ausgestellt sind. ** Gießen, 25. Januar. (S t a d t t h e a t e r). C l a r a Drucker, kaum deu Kiuderschuhen entwachsen, erhielt in ihrer Vaterstadt Wien, als Stipendistin des K. K. Hofburgtheaters, den 1. Preis und die goldene Mehaille für Schauspielkunst .im Kaiserlichen Konservatorium daselbst. Verbunden mit diesem Stipendium war nach vollendetem K. Burgtheater. Ter Liebenswürdigkeit Dr. Adolph Will- Studium ein mindestens einjähriges Engagement am K. 'gab- '7 Qm W«l,et,' ?‘J■ W«e b,^ 'fcen. ttnP.n= g*>£ • Jn de 2gafe, NS^ud} PrZ ML ^lebenswahre ^u-en, bewndtt- Bilde eine „m. 7/-M-L- Aende Bauern" e ?on O. Lino- ' Hetz-Münchs e5. letzte Kreuzer" X®«?e «enre= Ätfbtt, denen r\ tonnen, haben Wranljurt a. M Gasherde", jn Aandschast", von k sttuttt’Sübtf NlenWra--' 'und „Der Hafen öilber, welche fo durch C. Bolze- ogenhaufen" und ca^mann--Beilin ttttn ch, W mchi. 'et-' auf die beiden sie von Norwegen" rksam. Ein „ßor- wlk-Frankchrt aus- ers hervorgehoben he Stillleben und em drei: „Rojen" ' von h. Oncken- iteien ausgestellten A. Masalin-Dres- nicht unerwähnt tytn fyintfijtifttii. i in btn Räumen e bei vM Laifeit. ^aben^chii^en 22, 49,10,19, 80 ilten Patente. Jn- hriften machen wir II. erscheinende Be- mmer aufmerksam en wird jedermann alt eines Patentes lohnenden Personen glichen, ist die lei-- üijtxe Heil gestattet, werden der <8* Patentamt in Berlin tberwiesen und dem zugänglich gemacht. -rren Sohne, zur Aufftz« Walther und Leo , Winters in Berlin riolae gegeben, und Änen treu ge- Tie Mb »ad * «S iW ,an'-erJeunb über maiow- uno ^h »ri« «*£»« ndelt ms Mied, jie My aud) nötür/w ,fflien ge- ld’ Äaglich ivr !. b'e Bühnen- E/das yttxse gestellt rtfdtö -thea er^in ntwacksen^ Hv - [tin de^aille, oidene w ^selbst- ”Ä«»' brandt's, des damaligen Leiters desselben, veridankte fie die Lösung dieser Verpflichtung und die Möglichkeit, als erste Naive an das Stadttheater in Mainz zu gehen, wo sie sogleich in der Rolle der „Tilli" auftrat und zum Liebling des Publikums wurde. Von da ging sre nach Königsberg, wo Kritik und Publikum sie enthusiastisch aufnahmen und der bekannte Kritiker der „Hartung scheu Zeitung", Emil Krause, sofort schrieb, daß man hier vor einem zwar noch nicht fertigen, aber jedenfalls vor einem Talent ersten Ranges stehe. Von da erhielt sie einen Ruf an das Kai erl Th?ater in St. Petersburg, gastierte, wurde enaaaiert konnte aber das Engagement nicht antreten, d/das deutsche Theater dort, durch Kaiserl. Ukas im selben Satire zu existieren aufhorte; wurde aber statt dessen sogleich ans Königl. Theater in Wiesbaden berufen, wo sie mit größtem Erfolge als „Lorchen" in Lindau's „Beiden Leonoreri" beginnend, wirkte, um nach Jahresfrist Wiesbaden mit Frankfurt a. M. zu vertauschen. Von da holte sie Direktor O. Blumenthal, nachdem er sie in Frankfurt als „Franziska" in „Minna v. Barnhelm" und „Haubenlerche" gesehen, an sein Lessingtheater, wo sie zwei Jahre mit vielem Erfolge wirkte. — Die Vielseitigkeit ihrer Begabung aber ließ sie nicht länger dort verweilen nnd trotz ihrer großen Jugend gelang es ihr, als Gast von Bühne zu Bühne, von Erfolg zu Erfolg zu eilen. -In derThat ist die Vielseitigkeit ihres Talentes erstaunlich! So creirte sie in Hamburg G. Hauptmann's 15 jähriges „Hannele", in welchem sie dort drei Wochen lang Triumphe feierte — in Berlin, an der freien Volksbühne, eine hochtragische Rolle, die der „Hildegard Scholl" unter jubelndem Beifall aller Zuschauer. — Ferner spielt sie „Cyprienne", „Pariser Taugenichts", „Haubenlerche", „Lorle", „Wolfgang Goethe", „Madame Sans-Gene", „Niobe", „Magda" in Sudermann's „Heimath", Hebbel's „Maria Magdalena" und last not least Ibsens „Nora" zc. rc. Die Künstlerin gastiert, wie schon bekannt gegeben, n ä ch st e Woche zweimal am hiesigen Stadttheater und zwar als „Parifer Taugenichts" und als „I s a b e l l a" in „D e r Fall Clemencea u". Theater. (Frau Sorma in Mainz.) Man berichtet dem „Frks. B." aus Mainz vom 24. Januar: Das Sorma-Fieber hat hier seit vergangenem Freitag beängstigend um sich gegriffen. Die Nora und das Rautendelein der Künstlerin hatten die gleichmütigsten Theaterbesucher jn förmliche Ekstase versetzt. Heute, — Frau Sorma trat als Cyprienne auf —, zeigte das Haus eine Fülle, daß der bekannte Versuch mit der Stecknadel unfehlbar mißglückt wäre. Der Beifall war betäubend. Die Direktion sah sich durch diese Erfolge veranlaßt, mit „bedeutenden pekuniären Opfer" die Künstlerin für ein viertes Auftreten zu gewinnen. Darmstadt, 25. Januar. (Theater.) Nach einer Mitteilung der „Münchener Neuesten Nachrichten" wird der Tenorist Hans L e y d e m e r, Schüler der Königl. Bayer. Akademie der Tonkunst (Klasse des Herrn Professors Günzburger) vom Großh. Hoftheater Darmstadt ab September 1900 verpflichtet. Kirche und Schule. Berlin, 25. J-muir. Zu der angeblich bevorstehenden Schulreform schreibt die „Post": Der Kultusminister ist, wie zuverlässig verlautet, entschlossen, eine Nckorrn Im Berechtigungswesen, die lange erstrebt worden ist, durchzusühren. Außer der philosophischen Fakultät, die den Abiturienten der Realgymnasien bisher schon zugänglich war, soll ihnen, wie wir hören, auch die medizinische zugänglich gemacht werden. Hierzu ist eine Nachprüfung im Lateinischen erforderlich, während die Prüfung im Griechischen in Zukunft weg fallen soll. Universität und Hochschule. — München, 25. Januar. Der bekannte Staatsrechtslehrer Piofeffor Dr. Max von Seydel tritt Ende dieses Semesters von seiner öffentlichen Lehrthätigkeit zurück. — Verschiedene-r Ein Fräulein Doktor im 18. Jahrhundert. Einer der ersten uns bekannten Fälle, daß einer Deutschen die akademische Doktorwürde auf Grund des vor der Fakultät bestandenen Examen rigorosutn verliehen wurde, ereignete sich in Göttingen. Die Kandidatin war die siebzehnjährige Tochter Dorothea des namhaften Göttinger Historikers, Hofrats Professor August Ludwig v. Schlözer. Dorothea v. Schlözer unterzog sich vor der gesamten philosophischen Fakultät unter dem Vorsitz des Dekans Profeffor Michaelis einer drei- eiiihalbstündigen Prüfung, die sich auf Horaz, Bergbau, Baukunst und Algebra erstreckte. Die junge Dame bestand die Prüfung, und beim 50jährigen Stiftungsfeste der Göttinger Georgia Augusta, am 25. August 1787, wurde Dorothea v. Schlözer im öffentlichen Festaktus zum Dokior der Philosophie promoviert. Der Wunsch ihrer Brüder, sie möge den Männerhut tragen „bis die Haub' ihn deckt und drückt, und ein jüngerer Dekanus dir statt Lorbeer» Myrthen pflückt", ging bald in Erfüllung. Fräulein Doktor heiratete dm Oberbürgermeister v. Rodde in Lübeck; sie starb 1825. — In ihrem 12. Jahre hatte sie mit ihrem Vater eine Reise nach Italien unternommen, die tiefen Eindruck auf sie machte; eine Beschreibung dieser Reise nach urkundlichen Quellen wird soeben von den „Hannoverschen Geschichtsblättern" veröffentlicht. Kunst und Wissenschaft. Kopenhagen, 24. Januar. Eva Nansen, die Gattin des Polarforschers, erhielt die Königliche goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Arbeitrrdemegnng. Wien, 25. Januar. Die Lage des Ausstandes hat sich wenig verändert. Aus Bochum sind von rheinisch-westfälischen Kohlenarbeitern 1000 Mk. Ausstandsunterstützung gesandt worden mit der Mitteilung, daß die Arbeiter im Ruhrrevier für eine Kohlenausfuhr nach Oesterreich Sonntags- und Ueberschichten ablehnen würden. Prag, 25. Januar. Wegen des Kohlenmangels ist der elektrische Betrieb der Straßenbahnen eingeschränkt worden, auch werden mehrfach Schulen und Fabrtkbetrlebe aus demselben Grunde geschlossen. In den AuSftandsgebtetrn ist im allgemeinen keine Veränderung eingetrcten. Arbeitsaufforderungen unter Androhung der Entlassung blieben wirkungslos. Die Behörden haben den Arbeitswilligen vollsten Schutz zugestchert. Das Militär ist im noidwestböhmischen Ausstandsgebtet verstärkt worden, die Ruhe wurde nirgends gestört. Karlsbad, 25. Januar. 336 Bergarbeiter stellten die Arbeit ein und überreichten ihre Forderungen auf Lohnerhöhung und achtstündige Arbeitszeit. Zwei Porzellanfabriken verminderten schon wegen drr Kohlennot ihren Betrieb. Das Sprudels alzwerk in Karlsbad stellte den Betrieb im Sudhause ein. Nürschau, 24. Januar. Auf den Zechen im Mieser Bezirk sind heute 4414 Arbeiter ausständtsch. Auf dem Zieglerschachte, wo gestern noch vollzählig gearbeitet wurde, erschienen rur 133 Arbeiter. Pilsen, 24. Januar. Die Lage aus den beiden Litiher Schächten ist unverändert. Zum Schutze der Arbeitenden ist heute von hier Militär in Stärke von 235 Mann nach Lititz und Nürschau abgesandt worden. Leipzig, 25. Januar. Der Güterzugsverkehr auf den sächsischen Staatsbahnen ist infolge drohender Kohlennot seit gestern eingeschränkt. Auf den Durchgangslinien Pirna- Bodenbach ist gestern der größte Teil der Güterzüge wegen Mangels an Kohlenzufuhr ausgeblteben. Die Stadtverwaltung in Pirna wird heute den Verkauf von Koks aus der Gasanstalt an Private verbieten, da die großen Fabriken in Pirna und Kamenz den Bedarf an Kohlen kaum noch aufbringen. Die große Hermannshütte Hirsch u. Co. hat den Betrieb etngc stellt. Telegramme des „Gießener Anzeiger". Prag, 25. Januar. (Telegr.) Jn Pilsen konstituierte sich gestern das Einigungsarnt und beschloß für Samstag die erste Sitzung, zu welcher von jedem Schachte ein Vertreter des Werkes und ein Arbeiter hinzugezogen werden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Jn der Stadtkirche. Samstag den 27. Januar: Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers: Vereinigter Eivil- und Militär- gottesdienst. Vormittags 9pez:ar-Bett